und 800 Kasinos. Fine besondere Pflege widmete sie dem Wettbewerb durch Veranstaltung von Reichs- und Regionalausstellungen. Der besonderen fachlichen Be- lehrung diente die Gesellschaft durch Publikationen, wie durch Ausgabe des Jahrbuches und der landwirtschaft- lichen Zeitschrift, durch ihren Wanderunterricht, Düngung- und Anbauversuchen, sowie durch Pflege des Fortbildungs- wesens auf Grund moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen. Wie sie dem Landwirt durch Beratung in technischer Richtung zur Seite stand, grifl sie auch in sein Wirtschaftsleben durch ihre Buchstelle ein. Die Bewegung am land- und forstwirtschaftlichen Pro- duktenmarkte wurde durch die Sektion für Volkswirt- schaft und Agrarpolitik erfaßt, woraus sich eine rege Tätigkeit auf dem Gebiete der Agrar- und Zolpolitik ergab. Im Zusammenhange mit dem Finflusse, den die Gesellschaft auf alle legislativen und Verwaltungsfragen als beratende Körperschaft für die Land- und Forstwirt- schaft gegenüber der Staats- und Landesregierung nahm, gründete sie im Jahre 1898 die „Oesterreichische Zentralstelle zur Wahrung. der land- und forstwirtschaftlichen Interessen bei Abschluß von Handelsverträgen (Agrarische Zentral- stelle)”, mit der sie durch viele Jahre hindurch in nniger Arbeitsgemeinschaft stand. Von dem Gedanken geleitet, daß eine innige F ühlung- nahme ‚der einzelnen Landes-Fachkörperschaften der Monarchie . unerläßlich sei, schuf sie im Jahre 1008 die Präsidentenkonferenz der Landeskulturräte und Land- wirtschaftsgesellschaften der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder, deren Geschäftsführung sie seinerzeit selbst übernahm. Nach dem Weltkriege rollten sich eine Fülle neuer Pro- bleme auf, zu welchen die Gesellschaft Stellung zu nehmen hatte, Da unter den Mitgliedern eine beträchtliche Anzahl dem Groß- und Mittelgrundbesitz angehörten und gerade diese Betriebsgrößen nach dem Kriege einer besonderen Unterstützung bedurften, wurde die „Sektion für land- und forstwirtschaftliche Gutsbetriebe” im Jahre 1919 geschaffen, die eine sehr rege Tätigkeit entfaltet. Die Zwangswirtschaft der Kriegs- und Nachkriegszeit hat sich im Milchwirtschaftsbetriebe bei gedrosselter Preisbildung in einer für .den Konsum geradezu kata- strophalen Weise in der Milchanlieferung ausgewirkt. Im Rahmen der III. Sektion für Milchwirtschaft wurde eine paritätisch aus allen Interessengruppen Zzu- ;ammengesetzte Milchpreisbestimmungskommis- sion errichtet, der es nicht in letzter Linie zu verdanken ist, daß sich durch Angleichung der Milchpreise an die jeweiligen Gestehungskosten die Milchproduktion wiedeı hob und die Milchpreise am Wiener Markte stabilisiert wurden. Durch Eröffnung eines chemischen und bakterio- logischen Laboratoriums mit vollständig neuzeitlicher Einrichtung wurde in jüngster Zeit den Mitgliedern die Möglichkeit gegeben, ihre Einrichtungen zur Erzeugung von hygienisch einwandfreien Milch- und Molkereipro- dukten zu überprüfen. Auch die Abteilung für Land- und die für Forstwirtschaft wurde den neuen Ansprüchen gegenüber ausgebaut, die bereits früher bestandene Buchstelle und Abteilung für Gutsadministration wurde entsprechend den gesteigerten Anforderungen ausge- staltet. Die Rechtsahteilung steht den Mitgliedern in allen Rechts- und Steuerfragen bei. All diese Einrichtungen vurden in diesen schwierigen Zeiten von den Mitgliedern »esonders stark in Anspruch genommen. Um gegen die lurchdie landwirtschaftlichen Arbeitsnehmerorganisationen ıusgelöste Lohnbewegung gerüstet zu sein, errichtete lie Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft kurz nach Criegsende den „Land- und Forstwirtschaftlichen Zentral-Arbeitgeberverband”. Ueberdies wurde m Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Land- ınd Forstwirtschaft „die öffentliche Zentralstelle :ür Arbeitsvermittlung von Wander-(Saison-) arbeitern” geschaffen, die insbesondere den zur hohen 3Zedeutung gekommenen Zuckerrübenbau treibenden Wirtschaften, die notwendigen qualifizierten Arbeits- ‚räfte beizustellen vermochte. Zur Förderung der Saat- zutzüchtung wurde „die Vereinigung österreicht- ;cher Saatgutzüchter” ins Leben gerufen, die gleich ner Sektion in die Organisation eingegliedert ist. Nach Abtrennung des Gebietes vom Lande Nieder- Österreich wurde die Oesterreichische Land- und Forst- wirtschaftsgesellschaft auch mit den Agenden einer Landeshauptkörperschaft für das Land Wien vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft betraut. Sie übt diese Tätigkeit durch ein Landeskomitee aus, in dem alle in Betracht kommenden Berufskreise vertreten sind. Den Bezug von land- und forstwirtschaft- ichen Bedarfsartikeln und den Absatz von land- und ‘orstwirtschaftlichhen Erzeugnissen förderte die Gesell- ;haft durch die „Zentral-FEin- und Verkaufs- genossenschaft” und das „Verkaufsbureau a. ö6. Waldbesitzer”, Aus demselben Gedanken, aus lem seinerzeit die Präsidentenkonferenz der Haupt- körperschaften‘ der im Reichsrate vertretenen Königreiche ınd Länder zusammengerufen wurde, wurde endlich der ‚Hauptverband der Wald- und Grundbesitzer- verbände Oesterreidcs” geschaffen. Dieser Verband bildet zwei Gruppen, und zwar das „Zentralkomitee der Waldbesitzerverbände Oesterreichs” und das „Zentralkomitee der Verbände landwirt- zchaftlicher Gutsbetriebe Oesterreichs”: Mit den im Rahmen der Oesterreichischen Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft gebildeten Beratungskörpern; wie Präsidium, Zentralausschuß, Sektionen und Komitees; ;owie mit ihren Bureauabteilungen vermochte die Ge- sellschaft auf die Entwicklung der österreichischen Land- ınd Forstwirtschaft einen wesentlichen fördernden Fin- 1uß zu nehmen, was in ganz hervorragendem Maße zerade bei dem Wiederaufbau der durch den Krieg dar- niederliegenden wirtschaftlichen Verhältnisse zum Aus- Jruckke kam. Durch ihre Finflußnahme auf alle agrar- »olitischen Tagesfragen, durch die Abgabe von Gutachten bei allen legisl!ativen Maßnahmen der Regierungen des 3undes und der Bundesländer vermochte sie ihren Mit- gliedern und darüber hinaus der gesamten österreichi- schen Land- und Forstwirtschaft weitreichende Hilfe zu leisten. Es fällt somit der Oesterreichischen Land- und Yorstwirtschaftsgesellschaft an der Entwicklung der öster- 'eichischen Land- und Forstwirtschaft in den letzten zehn Jahren, die mit vollem Rechte die Bewunderung des In- ınd Auslandes erregte, ein so wesentlicher Anteil zu, daß die von ihr geleistete Arbeit in der Wirtschafts- geschichte Oesterreichs festgehalten zu werden verdient.