Milchgenossenschaften ler Niederösterreichischen Molkerei Sntwurf und Zeichnung: Inspektor Völki Notwendigkeit, die Milch auch von weiteren Strecken herein zu bringen und mußten am Produktionsorte Ein- richtungen getroffen werden, um die Milch so haltbar zu machen, daß sie den längeren Transport aushielt. Solche Verbesserungen zum Zwecke der Erhaltung der Milch in unveränderter Form konnte aber der einzelne, speziell der in Oesterreich vorherrschende Kleinbauer mit 3-4 Kühen begreiflicherweise nicht leisten und so <am es zur Gründung der ersten Milchgenossenschaften, welche den Zweck hatten, einerseits die in einem Ort der einer Gegend aufgebrachte Milch in einem eigenen Vilchhaus zu übernehmen, zu reinigen, zu kühlen und zon dort gemeinsam zu expedieren, andererseits aber auch den Bestrebungen der Milchaufkäufer eine ge- schlossene Organisation der Produzenten entgegen zu stellen. Die erste Milchgenossenschaft wurde im Jahre 1876 in Eichhorn gegründet. ; Anfangs ging die Errichtung von neuen Milchgenossen- schaften nur äußerst langsam vorwärts und wurde nament- lich von seiten der Milchsammler gegen das Genossen- zschaftswesen heftig angekämpft. Im Jahre 1890 bestanden in Niederösterreich, das für die Milchversorgung Wiens hauptsächlich in Betracht kommt, erst 18 Genossenschaften und die Zahl der tätigen Genossenschaften wuchs bis zum Jahre 1900 auf II6 an. So lange jedoch die Ge- nossenschaften angewiesen waren, ihre Milch den Privat- abnehmern zu verkaufen, konnte keine gedeihliche Ent- wicklung Platz greifen, da die Preise, welche dieselben bezahlten. die Gestehungskosten nicht decdkten, so daß man der Milchwirtschaft im hbäuer- lichen Haushalte nur eine untergeord- nete Stellung zuwies und für keinerlei Investitionen im Stall oder Milchhaus, für Leistungszucht oder Leistungsfüt- terung zu haben war. Da ist es nun ein Verdienst der zwei großen genossenschaftlichen Zen- tralmolkereien, welche man in Wien zu Ende des vorigen Jahrhunderts gegründet hatte, daß sie diese Miß- stände von Grund auf verbesserten, und zwar nicht nur für ihre eigenc Milch, sondern infolge ihres überra- genden Finflusses auf dem Wiener Milchmarkte für.die gesamte Milch- produktion. Im Jahre 1880 erfolgte zuerst die Gründung der Wiener Molkerei, eine Vereinigung der Großgrundbesitzer. Die Heranziehung der kleinen, bäu- erlichhen Milchproduzenten zur Ver- sorgung der Großstadt hatte man jahrzehntelang als unmöglich erachtel und aufs heftigste bekämpft. Tatsäch- 'ich waren ähnliche Versuche in Inns- bruck, München, Berlin usw. jämmer- lich gescheitert, während die Genos- senschaftsmolkerei in Brünn nur mit Mühe über Wasser gehalten werden konnte. Trotzdem wurde in Wien im Jahre 1898 auf die Initiative des bekannten Volksvertreters und Bür- z‚ermeisters von Wien, Dr. Karl Lueger, eine Ver- inigung von 13 kleinbäuerlichen Milchgenossenschaften ;egründet, welche unter der_ Firma „Niederöster- eichische Molkerei” ihre Produkte zum Verkaufe ;rachten und in Wien einen eigenen Molkereibetrieb :röffneten. Die Molkerei nahm nach anfänglichen Miß- srfolgen einen raschen Aufschwung, die Einlieferung tieg von 2% Millionen Litern im Jahre 1000 auf »o Millionen Liter im Jahre 1914, also knapp vor KriegS- ıusbruch. Die Zahl der Mitgliedsgenossenschaften stieg ‚uf 132 mit insgesamt zirka 12.000 Einzellandwirten- Jurch die genossenschaftliche Organisation war es allein „öglich, die Milch dieser vielen kleinen Landwirte dem tädtischhen Konsum zuzuführen und eine einheitliche zewinnung, Behandlung und Qualität zu erreichen. Ein großer Vorteildes genossenschaftlichen Milch- zertriebes liegt in der Einflußnahme der mit den Wüp- ‚hen des Konsumenten vertrauten Stadtdirektion auf die >roduktion der Mitglieder, welche auf schriftlichem oder nündlichem Wege durch Zirkulare, Flugzettel, Inspektoren ınd Kurse über eine richtige Milchproduktion belehrt ınd diesbezüglich fortlaufend kontrolliert werden. Bei ler Niederösterreichischen Molkerei zum ‚Beispiel stieß lurch systematische Erziehungsarbeit der. Durchschnitts- ettgehalt, welcher bei der Gründung 3% betrug, auf „81% im Jahre 1014. Einen weiteren Vorteil sehe ich i9 ler direkten Belieferung des Konsumenten durch den Produzenten unter Ausschaltung jeden Zwischenhandels; vodurch einerseits der Landwirt einen besseren Preis