Menge selbst zu erzeugen. Der Bund, die Länder und deren landwirtschaftliche Hauptkörperschaften setzten alle Kräfte in den Dienst der Lösung des Ärnährungsproblems und der dabei erzielte Erfolg ist n erster Linie dem harmonischen Zusammenarbeiten dieser Faktoren zu danken. Vor zehn Jahren waren die Verhältnisse in der Landwirtschaft derart trostlos, daß nicht einmal die orundbedingungen für die gedeihliche Entwicklung Jerlandwirtschaftlichen Kulturpflanzen in ausreichendem Maße gegeben war. Es galt in erster Linie Nahrung für die Kultur- pflanzen herbeizuschaffen. Man bemühte sich, durch intensive Bodenbearbeitung die im Boden ruhenden, schwer aufnehmbaren Pflanzennährstoffe aufzuschließen, die fehlenden Nährstoffe durch entsprechende Dün- zung mit Kunstdünger und Stallmist zu ergänzen und, da die Qualität und Menge des vorhandenen Stall- Nistes infolge der schlechten und mangelhaften Füt- ierung des Viehstandes stark zurückgegangen war, an die Gewinnung eines hochwertigen Stalldüngers zu schreiten. Dabei spielte die Behandlung des Stall- Nistes auf der Düngerstätte eine wichtige Rolle und nan bemühte sich, nachdem die wichtige Stallmist- behandlung an zweckentsprechend gebaute Dünger- Stätten zum Teil gebunden ist, Musterdüngerstätten zu bauen, solche in jenen Wirtschaften, wo sie fehlten, sinzuführen und in jenen Wirtschaften, wo sie nicht zweckentsprechend angelegt waren, zu verbessern. Der Bund gewährte für diese Zwecke Beiträge, die zur Verbilligung des Baues von Düngerstätten bis zu 25°% der Herstellungskosten im Wege der landwirt- schaftlichen Hauptkörperschaften der Bundesländer dienten. Es gelang auf diese Weise, den Bau von Düngerstätten zu ermöglichen. In den Gebirgswirt- schaften ist es von besonderer Bedeutung, den in der Wirtschaft gewonnenen Dünger sorgfältig zu sammeln und durch Aufschwemmen in Wasser zu verflüssigen und ihn in dieser Form zur Düngung der Wiesen und Weiden zu verwenden. Der so behandelte, ge- Wissermaßen flüssige Stallmist wird als Gülle bezeich- net, deren Herstellung eine der wichtigsten Grund- lagen einer richtig betriebenen Alm- und Weidewirt- Schaft wird. Die Güllewirtschaft in Oesterreich einzubürgern ist eine. der jüngsten Bestrebungen des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft. Es Zeschieht dies in der gleichen Art, wie dies bei der Düngerstättenaktion erfolgt, durch Gewährung eines Bundesbeitrages von 25 von Hundert der Herstellungs- Xosten. Hand in Hand mit diesen Maßnahmen gingen auch die Bemühungen, die Hektarerträge durch Verwen- dung eines erstklassigen Saatgutes zu erhöhen. Man Srreicht dies bei Getreide durch Nebeneinanderführen Mehrerer Aktionen, welche die Beurteilung und Aus- wahl von Getreidebeständen auf dem Feld durch die Saaigutanerkennung. die Erleichterung des Zezuges von Edelsaatgut und die Herstellung ‚ines reinen und sortenreinen Saatgutes ımfassen. Die Saatgutanerkennung wird nach ‚estimmten Vorschriften, deren Grundzüge vom 3undesministerium für Land- und Forstwirtschaft ge- ‚eben worden sind, von eigenen Kommissionen ler landwirtschaftlichen Hauptkörperschaften durch- seführt und ist bereits Gemeingut der österreichischen "andwirtschaft geworden. Die Förderung der Ver- vendung von Edelsaatgut erfolgt dadurch, daß ıus Bundesmitteln die Differenz zwischen dem Konsum- zetreidepreis und dem Zuchtsaatgutpreis sowie die *rachtspesen zur Verteilungsstelle bestritten werden. Die Verbreitung der richtigen Herstellung eines ınkrautfreien und sortenreinen Saatgutes vird durch die verbilligte Abgabe von. Reinigungs- inlagen an die landwirtschaftlichen Genossenschaften, Zezirksvereine usw. gefördert. So gelingt es, die Setreidebaugebiete Oesterreichs mit einem Netz von Zeinigungsanlagen zu überziehen. Alle genannten Maßnahmen wären aber nicht voll- tändig gewesen, wenn man nicht dafür gesorgt hätte, las ausländische Saatgut allmählich durch einheimisches mersetzen.Gerade Oesterreich besitzt inseinen Getreide- yaugebieten eine große Zahl von ursprünglichen Ge- reidesorten — Landsorten, aus denen durch verhält- ıismäßig geringe Arbeit durch die Veredlungszüchtung vertvolle Sorten gewonnen werden können. Durch Unterstützung der züchterischen Arbeiten durch die 3Zundesanstalt für Pflanzenbau und Förderung der inschlägigen Forschungsarbeiten der Lehrkanzel für Mlanzenzüchtung an der Hochschule für Bodenkultur ıus Bundesmitteln, wurde erziehlt, daß Oesterreich lerzeit fast seinen ganzen Bedarf an Weizen und (erstensorten im Inlande zu decken imstande ist. Eine der größten Sorgen Oesterreichs vor zehn Jahren war die Versorgung der Bevölkerung nit dem Volksnahrungsmittel par excellence, mit Kartoffeln. Noch im Jahre 1921 mußten viele rausend Waggons Kartoffelsaatgut aus Schottland be- ‚ogen werden und heute versorgt die österreichische Landwirtschaft Oesterreich nicht nur zur Gänze mit speisekartoffeln, sondern es werden sogar Ueberschüsse arzielt, die zum größten Teile in landwirtschaftlichen Zenossenschaftsbrennereien verbraucht werden, aber ıuch bereits im bescheidenen Maße ausgeführt werden. Die Ausfuhr von Kartoffeln hat im Jahre 19206 nit zirka 170 Waggons begonnen und im Jahre 1928 bereits die gewiß achtenswerte Höhe von zirka 4700 Waggons erreicht. Die größte Sorge in der Er- 1ährung Oesterreichs ist damit hoffentlich für immer zebannt. In der Beschaffung des Zuckers war die junge Re- yublik in den ersten Jahren ihres Bestandes fast zur Gänze auf das Ausland angewiesen, sie konnte nur zirka 5% des Bedarfes decken. Hierin wurde durch