Ende 1918 betätigten sich demnach auf dem Gebiete der Republik Oesterreich 140 Unternehmungen mit zusammen 224.000 PS Jahresmittelleistung, 322.000 PS gesamter installierter Leistung und etwa 1'3 Milliarden kWh maximalem Jahresarbeitsvermögen. Seit Grün- dung der Republik wurden bis Ende 1927 von 93 Unternehmungen neue Großwasserkraftanlagen mit 274.000 PS Jahresmittelleistung, 781.000 PS gesamter installierter Leistung und I'5 Milliarden kWh maxi- malem Jahresarbeitsvermögen in Bauangriff genommen. Rund zwei Drittel dieser Jahresmittelleistung steht bereits im Betrieb, während sich der Rest derzeit noch in einem durchschnittlich mit 50—-60°% des Vollen- dungszustandes zu veranschlagenden Baufortschritt sefindet. Es wurde also in der Nachkriegszeit auf dem österreichischen Bundesgebiete eine Jahresmittelleistung neu erschlossen, die wesentlich größer ist als jene, die zur Zeit der Gründung der Republik vorhanden war. Die Installationsgröße je einer österreichischen Groß- wasserkraftunternehmung der Vorkriegszeit belief sich im großen Durchschnitt auf 2300 PS, in der Nachkriegs- zeit dagegen auf rund 8400 PS. Diese bedeutende Zunahme des Durchschnittes ist zum großen Teil auf die neu errichteten und in Bau genommenen Speicher- werke zurückzuführen, deren -Installationsgröße oft zin Mehrfaches der Mittelleistung beträgt und die daher imstande sind, im Bedarfsfalle sehr hohe Leistungen, sogenannte Spitzenleistungen, vorüber- zehend abzugeben. Weiters ist aus dieser Zusammen- stellung die außerordentliche Entwicklung der öflent- ichen Stromversorgung durch Stromlieferungsunter- ı1ehmungen zu erkennen, wogegen die Zunahme der Zigenanlagen der Industrie verhältnismäßig gering st; dies hängt mit der schwierigen Lage unserer In- Jlustrie in der Nachkriegszeit überhaupt und wohl auch damit zusammen, daß viele Industrien den Strom- bezug aus öffentlichen Elektrizitätswerken der Ver- sorgung aus Figenanlagen vorziehen. Die relativ größte Zunahme haben die Bahnkraftwerke — im Zusammen- hange mit der erst in der Nachkriegszeit eingeleiteten Elektrisierung unserer Bundesbahnen — zu verzeichnen, wobei bemerkt werden muß, daß die in der Tabelle Ende 1018 als bestehend angeführten Bahnkraftwerke nicht ausschließlich der Bahnstromversorgung dienten und daß das Achenseewerk und das Kraftwerk Steeg, welche in der obigen Tabelle bei den Stromlieferungs- unternehmungen angeführt sind, auch zum Teile der Bahnstromversorgung dienen. Wird in Erwägung ge- zogen, daß die Gesamtleistung der ausbauwürdigen Wasserkräfte Oesterreichs auf Grund amtlicher Schät- zungen mit rund 3’4 Millionen PS Jahresmittelleistung, also rund 20 Milliarden kWh Jahresarbeitsvermögen anzunehmen ist und daß die bestehenden und in Bau begriffenen Wasserkraftanlagen erst ein Jahresarbeits- vermögenvon rund 4 Milliarden kWh aufweisen (2800 Millionen haben die in der obigen Tabelle enthaltenen größeren Anlagen und etwa 1000 Millionen die iberaus zahlreichen Anlagen unter 500 PS), so ist arsichtlich, daß erst 20°% unserer Wasserkräfte aus- zebaut und im Ausbau begriffen sind, daß also der zrößte Teil der in unseren Gewässern schlummernden Kräfte noch nicht geweckt ist und für die zukünftige Antwicklung der Energiewirtschaft zur Verfügung steht. An Hochspannungsleitungen, die die in den Sroßkraftwerken erzeugte elektrische Energie den Verteilungsnetzen ‚oder einzelnen Industrieunterneh- nungen zuführen, wurden auf dem Bundesgebiete bis Ande 1918 rund 2700 km, in der Nachkriegszeit weitere 7600 km ausgebaut. Die Republik Oesterreich hat bei ihrer Wasserkraft- ıktion schätzungsweise etwa zwei Drittel der Bau- ;‚umme von nahezu. 400 Millionen Schilling aus hrer eigenen schwer ringenden Volkswirtschaft ıufgebracht. Das Ziel des österreichischen Wasser- xraftausbaues ist, einerseits den in steter Zunahme ‚efindlichen Energiebedarf aus heimischen Kraftquellen ınabhängig vom Ausland zu decken und anderseits lie bisherige kalorische Erzeugung nach Möglichkeit lurch Wasserkrafterzeugung zu ersetzen und so den Xohlenverbrauch auf das unumgänglich notwendige aß einzuschränken. Wenn heute schon kohlenreiche ‚änder daran sind, Wasserkräfte zur Schonung der Cohlenvorräte auszubauen, um wie viel mehr ist das ür Oesterreich geboten, welches nur über ganz geringe CoOhlenvorräte verfügt und zwei Drittel der erforder- ichen Brennstoffe. — dem Heizwert nach sogar drei /iertel des Gesamtbedarfes — aus dem Auslande ein- ‚uführen gezwungen ist. Der Einfluß des Wasserkraftausbaues auf den Xohlenverbrauch in der Nachkriegszeit läßt sich ab Inde 1923 bereits erkennen, zu welchem Zeitpunkte <hon eine Anzahl von neuen Groß-Wasserkraft- ınlagen in Betrieb gestellt wurde. Nachweisbar hat von diesem Zeitpunkte ab bis 1928 der Kohlenver- »rauch Oesterreichs bei gleichbleibender industrieller ’roduktion alljährlich um rund 3%, abgenommen. Nimmt nan vorsichtigerweise an, daß nur zwei Drittel dieser Verbrauchsabnahme dem ‘fortschreitenden KErsatze calorischer Energie durch hydraulische gutzuschreiben ind, während der Rest auf andere Ursachen (Ver- vesserung der Heizanlagen, Ersatz der unmittelbaren Aohlenfeuerung durch Gasheizung usw.) zurückzu- ühren ist, so kann bei Fortsetzung des Wasserkraft“ ausbaues im bisherigen Tempo damit gerechnet werden; laß um das Jahr 1940 etwa ein Drittel des derzeitigen Gesamtverbrauches wird erspart und damit die Hälfte ler derzeitigen Kohleneinfuhr erübrigt werden können- Schon während dieser Zeit wird die Verbesserung ler Handelsbilanz durch den Ausbau der Wasser“ xräfte in der wohltätigsten Weise auf die Privatwirt- schaft einwirken und damit Bauführung, Betriebs- ımstellung und Schuldentilgung fortschreitend erleich- ern. Dazu kommen zahlenmäßig nicht erfaßbare Wirkungen des Wasserkraftausbaues im Dienste