tung der Shausammlungen des Museums, welche in 30 Gruppen die Bodenkultur, das Berg- und Hütten- wesen, den Maschinenbau ‚und die Elektrotechnik, den Land-, Wasser- und Luftverkehr, das Bauwesen, die mechanische und chemische Technologie und die soziale Technik umfassen. Ein Blik in die Maschinenhalle zeigt die Entwick- lung des motorischen Antriebes von der Ausnützung der Sklavenarbeit im Altertum bis zur Befreiung des Menschen aus den Banden der organischen Natur durch die FEırfin- dung der Wind-, Wasser- und Wärmekraftmaschinen. Um die Vorstufen der Technik recht sinnfällig hervor- zuheben, sind den meisten Gruppen der Schausamm- ‘ungen „Historische Werkstätten” vorgelagert. Be: diesen Werkstätten, die einen besonderen Anziehungs- punkt des Museums bilden, wurde der volle Reiz de: Altertümlichen durch die getreue Nachbildung der Arbeits- stätten des früheren Handwerkes und durch die Verwen- Jung echter, alter Einrichtungen und Gerätschaften er- zielt. So wird zum Beispiel hier eine eigenartige Stein- bierbrauerei gezeigt, in der man den Biersud in höl- zernen Bottichen durch das Einwerfen glühender Steine erhitzte. Diese uralte, schon von Tacitus erwähnte Brau- weise hat sich bis zum heutigen Tage in Kärnten er- halten. Ueberhaupt bilden die österreichischen Alpen- lande mit ihrem Bergsegen an Salz und FErzen, ihren Wasserkräften und Wäldern den Sitz uralter Industrien, deren Einrichtungen und Arbeitsweisen in den historischen Werkstätten des Museums der Nachwelt überliefert werden. In der sogenannten Fisenwurzen, der Gegend zwischen dem steirischen Erzberg und der Donau, finden 3ich beispielsweise noch vereinzelt alte Sensenhämmer vor, wie sie im Museum gezeigt werden. Im Untergeschoß des Museums ist ein begehbares Bergwerk mit allen Behelfen zur Gewinnung der Steinkohle angelegt. Auch das Schnittmodell eines modernen Hodcuofens zur Roheisengewinnung mit Koksfeuerung wird gezeigt dessen museales Gegenstück ein altsteirischer Stuckofen nit Holzkohlenfeuerung und Blasbalgbetrieh bildet. Die Reihe der Kraftfahrzeuge wird im Museum durch jenes Benzinautomobil eingeleitet, mit dem Sieg- ‚ried Marcus schon im Jahre 1875 die Straßen Wiens vefuhr. Dem Marcus-Wagen schließt sich die lange Reihe seiner Nachfolger bis zu den heutigen Dampf-, Benzin- und Elektromobilen an. Josef Ressel schenkte der Schiffahrt den Schraubendampfer. Sein kleiner 6 PS- Dampfer „Civetta” mit der heute noch üblichen Anord- aung der Schraube zwischen dem Hintersteven und dem Steuerruder vollführte 1828 seine Probefahrt im Hafen von Triest. Ressels Modell seiner Schiffsschraube und seine Schriften werden als kostbare Reliquien im Museum aufbewahrt. Von ihm stammt das Wort: „Der Propeller ist ein Oesterreicher und soll auch als solcher in der Weltgeschichte erscheinen.” Den Höhepunkt der Entwick- lung vom Einbaum zum Stahlschiff zeigt das schöne Schnittmodell des Schlachtschiffes „Viribus unitis”, das 3ine vollendete Leistung der Schiffsbaukunst veran- schaulicht. In der Gruppe Luftfahrt weisen zwei Dioramen auf den Schwingenflieger Jakob Degen aus dem Jahre 1808 und auf das lenkbare Luftschiff von Paul Hänlein aus dem Jahre 1872 hin. Außerdem sind hier Nachbildungen, angefangen vom Heißluft-Ballon Montgolfieres bis zum Luftschiff Zeppelins sowie die Originale des Gleitfliegers Lilienthals und der Taube Etrichs, ferner ein auf- geschnittenes Flugzeug sowie Modelle von Kreß und deı übrigen Luftschiff- und F lugzeugtypen vorhanden. Die technologischen Gruppen des Museums umfassen das Gesamtgebiet der dhemischen Industrie ein- schließlich der Nahrungs- und Genußmittel, die graphische ndustrie samt Papiererzeugung und Lichtbildkunst, die Textil- und Bekleidungsgewerbe, das Bauwesen ein- schließlich des Brückenbaues und der Wasserkraftanlagen ınd endlich die Musik- und Theatertechnik. Alle diese Gruppen sind entwicklungsgeschichtlich aufgebaut und anthalten zahlreiche Originale, Modelle und Proben Ssterreichischer Erfindungen und Entdeckungen. So itammen zum Beispiel das Gasglühlicht 1885, die Osmium- ampe 1897 und die funkensprühenden Metalle 1903 von Karl Auer von Welsbach, die Verstärkerröhre als Grund- age der Ferntelephonie und Radiotechnik 1906 von Aobert von Lieben, die Entdeckung des giftfreien Phos- phors 1848 von Anton Schrötter von Kristelli sowie des Kreosots 1832 und des Paraffins 1830 von Karl von Reichenbach. Die erste Schreibmaschine aus dem Jahre 1864 fertigte Peter Mitterhofer an; die erste Nähmaschine, dei der das Oehr in die Spitze der Nadel verlegt ist, wurde von Josef Madersperger 1836 erfunden und das ichtstarke Porträtobjektiv, das erst die Bildnisphoto- zgraphie ermöglichte und somit den Ausgangspunkt des ıeuzeitigen Kamerabaues bildet, errechnet Josef Petzval im Jahre 1840. Die Gruppen für Arbeitstechnik, für Feuerwehr und Rettungswesen sowie das reichhaltige Postmuseum bilden den Abschluß der großangelegten Schausammlungen der Anstalt. Im Technischen Museum herrscht keineswegs die Ruhe eines Maschinenfriedhofes ; Leben und Bewegung erfüllen vielmehr seine weiten Räume, woselbst überall Maschinen und Versuchsapparate in Betrieb stehen, wo hell erleuch- tete Dioramen Einblick in technische Anlagen gewähren und verteilt angeordnete Tageslichtkinos technische Vor- zänge veranschaulichen. Eine für alle Museumsbesucher rei zugängliche Bücherei nebst Lesezimmer, ferner kostenlose Führungsvorträge in den Schausamm- lungen und fachliche Lichtbildervorträge im großen Törsaale erleichtern außerdem den Lernbegierigen das Eindringen in die vielgestaltige Welt der Technik. Kurz, es werdenhier alle Mittel der neuzeitigen Musealtechnik ange- wendet, um den an sich spröden Inhalt der Sammlungen zu beleben und das Technische Museum zu einem voll- zültigen „Museum des Werdens und der Bewegung’ auszugestalten., Knapp vor dem Zusammenbruch der Donaumonarchie wurden gemäß einem Beschluß des Museumsvereines die Schausammlungen im Mai 1918, also zur Zeit der tiefsten geistigen und wirtschaftlichen Gedrücktheit, sang- und klanglos eröffnet. Als rechtes Kriegskind weist das Technische Museum naturgemäß zahlreiche Mängel und Schwächen, namentlich finanzieller Art, auf. Vor seinem ‚ölligen Untergange wurde aber das Unternehmen durch AAx,