gerecht zu werden. Es erwies sich gleich nach dem Umsturze als unvermeidbar, über den Rahmen der reinen Armenfürsorge und über die nach dem Heimatrechte vorgeschriebenen Pflichten hinaus Für- sorge zu betreiben. Die Fürsorgebehör- den haben es sich daher zumeist aus eigener Initiative zur Aufgabe gemacht, auch freiwillige Fürsorge zu pflegen. In voraussichtlicher Auswirkung der so- zialen Renten wird die Inanspruchnahme der geschlossenen Pflege in Heimen größer werden. Die Bezirksfürsorgeräte Nieder- Österreichs sind bereits im Begriffe, ihre Altersheime in dieser Hinsicht auszu- bauen. So wurde das Bezirksaltersheim in St. Pölten mit großem Kostenaufwande für die Aufnahme solcher Sozialrentner umgebaut. Hiebei wurde den Anforderun- gen dieser Bevölkerungsschichten Rech- nung getragen. Auch in anderen Alters- heimen ist für die Aufnahme solcher‘ Pfleglinge vor- zesorgt (Ehepaarzimmer). Als spezielle Zweige der Fürsorge seien noch die Siechenhäuser für unheilbare Kranke sowie die Bes- serungsanstalten in Korneuburg und am Reuhof ge- streift, welch letztere durch Heranziehung der Inter- ıerten zu handwerksmäßiger und landwirtschaftlicher Arbeit aus diesen gesellschaftlich gestrandeten Menschen wieder brauchbare Mitglieder der menschlichen Ar- beitsgemeinschaft machen sollen. ° Schulwesen. Die Kriegszeit mit ihrer großen Kindersterblichkeit und dem starken Geburtenrückgang machte sich natür- ‘ich auch im Schulwesen nach dem Kriege fühlbar und :3s mußte in den ersten Jahren zu einem Abbau von Klassen und damit auch von Lehrpersonal geschritten werden. Auch die ungünstigen finanziellen Verhältnisse wirkten hemmend auf den Ausbau unseres Schulwesens. Doch auch hier setzte, sobald es die Umstände nur 1albwegs gestatteten, im Lande Niederösterreich, das ;chon im Frieden durch seine mustergültigen Schulen berühmt war, eine ‘erfreuliche Aufwärtsbewegung ein. Abgesehen von den Mittelschulen, die vom Bunde über- nommen worden waren und sich günstig entwickelten, hat vor allem der Typ der Bürgerschule und jetzigen Hauptschule, welcher den Bedürfnissen der erwerbenden Stände am meisten entspricht, eine wesentliche Aus- zestaltung erfahren. Ein ganz außerordentliches Interesse ‚ür die fachliche Ausbildung ergab sich sowohl in den landwirtschaftlichen als auch gewerblichen Kreisen. Den Verhältnissen auf dem Lande Rechnung tragend, hat die Landesschulbehörde auch darauf gesehen, daß ichon in den öffentlichen Volks- und Bürgerschulen den ;chülern fachliche Kenntnisse vermittelt werden. Zu liesem Zwecke wurden daher auch Kurse für Lehr- yersonen abgehalten, um sie zum Unterrichte in land- virtschaftlichen Fragen in der Schule zu befähigen. Sehr \septischer Operationssaal mit der schattenlosen Zeißschen Kugelspiegel- lampenbeleuchtung im städtischen Krankenhaus Wr. Neustadt als 2,701.097 Schilling an Alimenten hereingebracht. Viel größere Summen an Unterhaltsbeiträgen werden von den Eltern freiwillig über Einwirkung der Berufs- ‚ormundschaft in Geld oder in natura geleistet. £ine besonders erzieherische Tätigkeit entfalten die Berufsvormundschaften als Jugendgerichtshilfe. Was die Heimfürsorge anlangt, so wird nunmehr an dem modernen Grundsatze festgehalten, nur kör- verlich, geistig und sittlich gefährdete Jugend in Heimen unterzubringen. Die Heime wurden immer mehr zu Spezialheimen ausgebaut. Ein vollständig neuer Fürsorgezweig entwickelte sich arst nach dem Kriege: die Erholungsfürsorge, welche jährlich 4000 Kinder in die Ferienheime der ıiederösterreichischen Landes-Jugendfürsorge bringt, zu welchem Zweck eine größere Anzahl von Ferien- heimen in den schönsten Teilen unseres Heimatlandes zur Verfügung stehen. Auch die Förderung des Jugend- wanderns und des Jugend-Wintersports hat sich die Fürsorge zur Aufgabe gemacht. Von Hilfseinrichtungen der offenen Jugendfürsorge seien noch genannt: 300 MVlutterberatungsstellen unter ärztlicher Leitung, eine ebenfalls ärztlich überwachte Schulfürsorge, die heute bereitsin 400 niederösterreichischen Schulen Tausende von Kindern gesundheitlich fördert. Die Armenfürsorge. Seit dem Bestande der Republik erfuhr die öffent- liche Fürsorge auch im Lande Niederösterreich einen besonderen Ausbau, der durch die Not der Bevöl- kerung beeinflußt war. Die im Lande Niederösterreich bestehende Organisation der öffentlichen Fürsorge nach dem sogenannten Elberfelder System, die sich in mehr als 35 jähriger Praxis gut bewährt und in der Bevöl- kerung fest verwurzelt hat, ermöglichte es, den großen Anforderungen an die öffentlichen Fonds zum Großteil