notwendig waren, die aber in der volkswirtschaftlichen Gesamt— berechnung heute vielfach ein Luxus sind? Wird es möglich sein, die Umsatzsteuer abzuschaffen? Alle Vergleiche mit der Vorkriegs— zeit sowohl in bezug auf die Lebensmittel wie auf die gewerb— lichen Preise leiden ja darunter, daß die Menschen, die solche Ziffern anwenden, immer vergessen, daß wir z. B. im Textil—⸗ gewerbe die Umsatzsteuer vier- bis sechsmal, nämlich bei jedem Übergang der Ware von der einen Hand in die andere erhoben haben. Ehe wir aus diesem Zustand nicht herauskommen, ist die Möglichkeit der Herabsetzung der Gestehungskosten im Sinne der Verhältnisse der Vorkriegszeit gar nicht möglich. Ich habe schon davon gesprochen, daß eine falsche Nachkriegs— politik der Industrie heute für uns eine Last geworden ist. In jener Zeit der Inflation, in die wir mit einem so fatalen Gefühl hineingingen, wurde uns Menschen, die nebenher politisch oder in der Hauptsache politisch sind, immer auseinander gesetzt, was wir für kolossale Esel seien, und daß die Rettung Deutschlands von den großen Kapitänen der Wirtschaft käme, die jetzt allein Leistung, Ausdehnung, Gestaltung der kapitalistisch-technischen Entwicklung Deutschlands bestimmten. Ich habe immer sehr schöne Reden dagegen gehalten, habe mir aber keine Illusionen gemacht, daß das Redenhalten hier irgendwelchen Eindruck macht bei Leuten, die schnell Geld verdienen wollen. Wir haben dar— unter gelitten, daß in jener Zeit die Industrialisierung in diesem riesigen Maße neu einsetzte, daß die Wirtschaft eine Ausdehnung in ihren Neuanlagen bekommen hat, daß die Industrie eine Ex— pansion angenommen hat, deren Folge ist, daß der Leerlauf dieser erweiterten Industrie heute von uns mit getragen werden muß. Fast niemand, den es anging, blickte damals auf die Tatsache, daß auch die Welt draußen industriell geworden ist. Heute heißt nun der Ruf: Rationalisieren, Umstellen, und die Kapitalien dazu fehlen. Wir haben auch in jener schönen Zeit erlebt, daß an Stelle des Produktions- und Betriebskapitals im engeren Sinne das Finanzkapital die Herrschaft über die deut— schen Dinge in die Hand zu nehmen schien, da wir jene wahllosen Konzernbildungen gehabt haben, die auch von den Deutschen 25