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        <title>Grundfragen der Wirtschaft</title>
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      <div>spielt bei allen Menschen eine mehr oder weniger große Rolle. Er 
äußert sich nur bei den einzelnen verschieden. Bei dem einen zielt er 
auf Führung eines möglichst behaglichen Lebens, bei dem anderen auf 
das Ersitzen einer höheren Gehaltsgruppe, bei dem dritten auf Er— 
ringung einer angesehenen Stellung, beim vierten auf Erwerbung 
eines geachteten Namens in der wissenschaftlichen Welt. Alle Ver— 
braucher lassen sich außerdem vom Eigennutz leiten, wenn sie sparen 
und das Ersparte anlegen. Gäbe es den Eigennutz nicht, so würde für 
die meisten Menschen der Antrieb, vorwärtszukommen, weiterzu— 
streben, erlöschen. Zu einem abstrakten Pflichtbewußtsein können sich 
nur die wenigsten Menschen aufschwingen, bei den meisten bedarf das 
Pflichtbewußtsein der Stärkung durch die Aussicht auf persönliche 
Vorteile oder durch die Furcht vor Nachteilen. 
Es liegt deshalb auch gar keine Veranlassung vor, dem Wirt⸗ 
schaftenden daraus, daß er bestrebt ist, Erträge oder Gewinne zu er⸗ 
zielen, einen Vorwurf zu machen. Bei ihm munß sich der Eigennutz 
in dieser Form äußern, denn auf wirtschaftliche Güter geht sein Sinn 
und wirtschaftliche Güter setzt er auf das Spiel. Hieraus entspriugt 
aber auch der Nutzen des Wirtschaftens für die Allgemeinheit, denn 
der Erfolg des Unternehmens ist um so gewisser, je mehr der Unter— 
nehmer es versteht, seine Selbstkosten herabzudrücken, je billiger er 
seine Waren herstellen und auf den Markt bringen kann. Der Wett—⸗ 
bewerb mit auderen Unternehmern sorgt unter gewöhnlichen Verhält-— 
nissen dafür, daß der Nutzen, der hieraus entsteht, nicht dem Unter⸗ 
unehmer allein zufällt. Aber auch insoweit er ihm zufällt hat die All— 
gemeinheit immer noch einen großen Vorteil. Denn erhebliche Gewinne 
kann der Unternehmer nur zum kleinsten Teil zum reinen Verbrauch, 
für persönliche Bedürfnisse verwenden, das meiste muß er anlegen, 
entweder, was die Regel ist, zur Verbesserung und Erweiterung 
seines Betriebs oder in Privatvermögen, das in der einen oder anderen 
Form wieder der Wirtschaft nutzbar wird. Man sieht also, daß die 
Betätigung des Eigennutzes des Unternehmers nicht nur kein bedauer— 
liches, sondern ein unbedingt notwendiges und ersprießliches Moment 
im Wirtschaftsleben darstellt. Wer ihn ausschalten will, wie die 
Sozialisten, geht also bewußt oder unbewußt auf die Schwächung 
und Vernichtung der Wirtschaft selbst aus. Dem Staat bleibt nur 
die Aufgabe, unberechtigte und schädliche Auswüchse des Eigennutzes 
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