10 A. Tatsachen die Betriebserfordernisse geeignetste Arbeitskraft auszuwählen sich bemüht. Es interessiert bei der Personalauslese nicht, ob sich unter den tauglich Befundenen der eine oder der andere für einen anderen Beruf besser qualifiziert, waͤhrend die Berufs auslese umgekehrt die spezielle Eignung für eine bestimmte Arbeitsfunktion grundsätzlich auch dann nicht zu berücksichtigen braucht, wenn sie über die Arbeits⸗ marktlage des betreffenden Gewerbes bezw. Berufszweiges ge⸗ nauestens unterrichtet ist. Denn nicht die wirtschaftlichen Verhäͤlt⸗ nisse, sondern die inneren Beziehungen des Berufsanwärters zu seinem Beruf stehen bei der Berufsauslese im Vordergrund. Daß in den meisten Faͤllen die wirtschaftlichen Fragen bei der Berufs⸗ wahl und auch bei der Praxis der Berufsberatung tatsaͤchlich trotz⸗ dem die entscheidenden sind, besagt nichts gegen dieses Prinzip. Jedenfalls erscheint es angesichts der Unsicherheit und der Unruhe, die sich der Arbeiterschaft infolge der Verschiedenartigkeit der psycho⸗ technischen Prüfungsmethoden bemaͤchtigt haben, geboten, psycho⸗ technisch geschulte Vertrauensleute aus dem Arbeiterstande zu den Werksprüfungen hinzuziehen. Denn nur wenn die psychotechnischen Laboratorien der Unternehmungen sich zu „Vertrauensstationen für die Umstellung der Kräfte in der Arbeit“, wie Piorkowsky sie fordert, entwickeln, wird das durch die Arbeitsrationalisierung entstandene Mißtrauen der Arbeiter sich gegenüber der Psychotechnik in die Zu⸗ versicht verwandeln, daß der Psychotechniker die verborgenen positiven Qualitaten der Arbeiter aufzudecken und zu praktischer Geltung bei der Arbeitsvermittlung zu bringen in der Lage sei. Namentlich die alteren Arbeiter und Angestellten, deren Vermittlungsfähigkeit mit zunehmen⸗ der Rationalisierung von Jahr zu Jahr in steil abfallender Kurve ab⸗ nimmt, sehen angesichts des Draͤngens zahlreicher rationalisierter Be⸗ triebe nach Maximalleistungs⸗, Tests“, die nur ihre augenblickliche Brauchbarkeit für den Betrieb, nicht aber ihre optimale Leistungsfähigkeit kennzeichnen können, jedem Arbeitswechsels stets mit heimlicher Angst entgegen.