fördert, die aus ihrer rheinischen Heimat Modelle neuartiger Maschinen mit- brachten. In den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts trat im Wollengewerbe ein vollständiger Umschwung der Erzeugungsrichtung ein. Die Nachfrage begann die alten einfarbigen Tuche und Kasimire zu vernachlässigen und wandte sich leichten gemusterten Waren mit wechselnder Dessinierung zu. Die Brünner Wollwarenerzeuger vollzogen die technische und kaufmännische Umstellung auf die Modewarenerzeugung mit besonderer Raschheit und beherrschten eine Reihe von Jahren fast konkurrenzlos den für den Absatz von Modewaren maß- gebenden Wiener Markt. Für die damalige Bedeutung der Brünner Tuchwaren- erzeugung spricht die Tatsache, daß sie um das Jahr 1840 nicht weniger als 18.000 Menschen beschäftigte. Auch waren in den Brünner Tuchfabriken schon 24 Dampfmaschinen mit 262 Pferdekräften aufgestellt. Aber auch in jener Zeit standen die Tuchfabriken an Umfang der Produktion noch immer weit hinter dem Handwerk zurück, das den weitaus überwiegenden Teil der auf dem Brünner Platz erzeugten Waren lieferte. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts setzte eine neue Periode der Ent- wicklung ein, die in verhältnismäßig kurzer Zeit zum Untergang der klein- gewerblichen Tucherzeugung und zur Alleinherrschaft der Fabriksindustrie führte. Die Fabriken, die sich bis dahin im wesentlichen ‚auf die Versorgung des Inlandsmarktes beschränkt hatten, begannen — unterstützt durch das Disagio der österreichischen Währung — auf dem Weltmarkte in Wettbewerb zu treten.