<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Die Brünner Wollindustrie 1928</title>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1771948558</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>
        <pb n="1" />
        WO MOL
(Wirtsoh- Fu“ 778
Pe
rs
Ins”

* rare k
aanhaft
DIE BRÜNNER
WOLLINDUSTRIE 1928

Abzeichen
der Brünner Weberzunft.

AUS ANLASS DER AUSSTELLUNG FÜR ZEITGENÖSSISCHE KULTUR
VERÖFFENTLICHT VOM VEREIN DER WOLLINDUSTRIFLLEN.
MÄHRENSTIBRUNNG
ii
        <pb n="2" />
        <pb n="3" />
        DIE BRÜNNER
WOLLINDUSTRIE 1928

Abzeichen
der Brünner Weberzunft.

AUS ANLASS DER AUSSTELLUNG FÜR ZEITGENÖSSISCHE KULTUR
VERÖFFENTLICHT VOM VEREIN DER WOLLINDUSTRIELLEN
MÄHRENS IN BRÜNN
        <pb n="4" />
        SS
S P9.084
Bug HS
lg HS
“Kiel #

Verlag des Vereines der Wollindustriellen Mährens in Brünn,
Druck von Rudolf M. Rohrer in Brünn.
        <pb n="5" />
        Anläßlich der Ausstellung für zeitgenössische Kultur Brünn 1928 beehren
wir uns die beiliegende Schrift zu überreichen, die in kurzen Zügen die Geschichte
der Brünner Wollindustrie schildert, über den Verein der Wollindustriellen Mährens
in Brünn und seine Mitglieder Auskunft gibt und an einigen Ziffern den Stand
der Brünner Wollindustrie zeigt.

Wir bitten, diese Veröffentlichung einer
xürdigen.

freundlichen Aufnahme zu

VEREIN DER WOLLINDUSTRIELLEN MÄHRENS IN BRÜNN:

Der Präsident:

ALFRED LÖW BEER m. p.

Der Sekretär:
Dr. ROBERT MAYER m. p.
        <pb n="6" />
        <pb n="7" />
        INHALTSVERZEICHNIS
Seite
Aus der Geschichte der Brünner Wollindustrie vom Sekretär der
Brünner Handels- und Gewerbekammer Dr. Alfred Oberländer . . - 27
Die Brünner Wollwarenerzeugung bis zum Weltkrieg. .....: 7
Die Brünner Wollindustrie im Weltkrieg .... +... 43
Die Brünner Wollindustrie in der Tschechoslowakischen Re-
publik . +... - + -
Die Brünner Wollindustrie in Ziffern. . .
Der Verein der Wollindustriellen Mährens in Brünn. .
Präsidium, Ausschuß und Sekretariat 1928. . . -
Mitgliedsfirmen, deren Gründungsjahr und wichtigste Erzeug-
nisse .... ..
Abbildungen

15
21
:3
26

27
71
        <pb n="8" />
        <pb n="9" />
        AUS DER GESCHICHTE DER BRÜNNER WOLLINDUSTRIE
vom Sekretär der Brünner Handels- und Gewerbekammer ;
Dr. Alfred Oberländer.

DIE BRÜNNER WOLLWARENERZEUGUNG BIS ZUM. WELTKRIEGE
Die Anfänge der Brünner fabriksmäßigen Wollwarenerzeugung reichen bis
n die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. Von den wirtschaftlichen ‚Ideen des
Merkantilismus beeinflußt, der in der praktischen Industrieförderung eine der
Hauptaufgaben der Staatsverwaltung erblickte, errichtete die österreichische Re-
zierung im Jahre 1765 in Brünn in der Vorstadt „Große Neu gasse‘ eine Fein-
tuchfabrik, die jedoch nicht lange im Staatsbetriebe blieb, sondern von einer
Gesellschaft von Handelsleuten übernommen wurde, an deren Spitze Johann
Leopold von Köffiller stand. Die Fabrik schien sich zunächst günstig zu
antwickeln, ging aber nach verhältnismäßig kurzem Bestande infolge schwerer
Mängel der Verwaltung und inneren Organisation zugrunde. Größere Erfolge
waren den Beamten Köffillers Wilhelm Mundy, Heinrich Hopf und Johann
Sottfried Bräunlich, Math. Albr. Seitter, sowie Johann Heinrich Offer-
mann beschieden, die in Brünn weitere Tuchfabriken ins Leben riefen.

Die von diesen Männern gegründeten Tuchfabriken haben allerdings mit
ainer Wollwarenfabrik im heutigen Sinne fast nichts gemein. Sie unterschieden
sich von den handwerksmäßigen Betrieben der Tuchmacher in der
        <pb n="10" />
        Hauptsache nur durch ihre Befreiung vom Zunftzwange, durch die
Zusammenfassung einer größeren Anzahl von Arbeitskräften und
durch den bedeutennderen Umfang der Erzeugung. Die Herstellung der
Waren vollzog sich im wesentlichen nach den überkommenen althergebrachten
Methoden des Handwerkes, Allgemeineres Interesse dürfte es bieten, daß das
Garn damals nicht in den Fabriken selbst gesponnen, sondern von Frauen und
Mädchen der Landbevölkerung in den Wintermonaten mit Spindel und Spulrad
aus dem Materiale hergestellt wurde, das die Fabriken durch Vermittlung der
Schullehrer ausgaben. Die Fabrikation gemusterter, von Saison zu
Saison wechselnder Modewaren war so gut wie unbekannt. Einfar-
bige, jahraus, jahrein in denselben Qualitäten gelieferte unverwüstliche Tuche
bildeten ebenso wie in den handwerksmäßigen Betrieben auch in den ersten Tuch-
fabriken den Hauptgegenstand der Erzeugung.

Durch die napoleonischen Kriege, welche den Bedarf an Militärtuchen
in hohem Grade steigerten, und die Kontinentalsperre, die während einer
Reihe von Jahren die englische Wollindustrie von den Festlandsmärkten aus-
schloß, wurde die Entwicklung der ersten Brünner Tuchfabriken zunächst günstig
beeinflußt. Der Staatsbankrott vom Jahre 1811, in dessen Gefolge der Ein-
lösungswert des Papiergeldes auf ein Sechstel des Nominales herabgesetzt wurde,
Mißernten sowie die mit dem Zusammenbruche der. napoleonischen Herrschaft
wieder auflebende scharfe Konkurrenz der englischen Tuchindustrie führten aber
im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts zu einer furchtbaren Krise dert Brünner
        <pb n="11" />
        Wollwarenerzeugung. Von 23 Fabriken konnten sich nur 7 behaupten
und auch 150 Tuchmachermeister waren gezwungen, die Erzeugung
sinzustellen.

Die Brünner Tuchindustrie war bemüht, die Folgen dieser schweren Rück-
schläge vor allem durch eine technische Ausgestaltung ihrer Unternehmun-
zen zu überwinden. In den Appreturen wurden an Stelle der alten Handscheren
und Rauhkreuze Schermaschinen und Rauhmaschinen aufgestellt und sowohl in
len Fabriks- als auch in den Lohnspinnereien fanden Spinnmaschinen nach dem
System des Engländers Cockeril Eingang. Während ein moderner Selfaktor
400—500 Spindeln besitzt, zählte die Cockerilsche Feinspinnmaschine, die gegen-
über den alten Spinnrädern einen ungeheuren Fortschritt bedeutete, nicht mehr
als 60 Spindeln.

Eine vollständige technische Umwälzung wurde zu Beginn der Zwanziger-
jahre des vorigen Jahrhunderts durch die Einführung des Dampfbetriebes
in den Brünner Wollwarenfabriken angebahnt, Schon im Jahre 1817 stellte‘ die
Firma Johann Heinrich Offermann eine Dampfmaschine englischer Her-
kunft von sage und schreibe ı2 Pferdekräften auf. Aber erst als Heinrich
Alexander Luz und Friedrich Schoell in Schlappanitz bei Brünn den Bau
von Dampfmaschinen mit Erfolg aufnahmen, gewann der Dampfantrieb in den
Brünner Tuchfabriken an Verbreitung und verdrängte allmählich das Wasser-
gefälle, die Tretscheiben und Pferdegöpel. In starkem Maße wurde die technische
Entwicklung der Brünner Tuchindustrie durch die Gebrüder Schoeller ge-
        <pb n="12" />
        fördert, die aus ihrer rheinischen Heimat Modelle neuartiger Maschinen mit-
brachten.
In den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts trat im Wollengewerbe
ein vollständiger Umschwung der Erzeugungsrichtung ein. Die Nachfrage
begann die alten einfarbigen Tuche und Kasimire zu vernachlässigen und wandte
sich leichten gemusterten Waren mit wechselnder Dessinierung zu. Die Brünner
Wollwarenerzeuger vollzogen die technische und kaufmännische Umstellung auf
die Modewarenerzeugung mit besonderer Raschheit und beherrschten eine
Reihe von Jahren fast konkurrenzlos den für den Absatz von Modewaren maß-
gebenden Wiener Markt. Für die damalige Bedeutung der Brünner Tuchwaren-
erzeugung spricht die Tatsache, daß sie um das Jahr 1840 nicht weniger als
18.000 Menschen beschäftigte. Auch waren in den Brünner Tuchfabriken schon
24 Dampfmaschinen mit 262 Pferdekräften aufgestellt. Aber auch in jener Zeit
standen die Tuchfabriken an Umfang der Produktion noch immer weit hinter
dem Handwerk zurück, das den weitaus überwiegenden Teil der auf dem Brünner
Platz erzeugten Waren lieferte.

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts setzte eine neue Periode der Ent-
wicklung ein, die in verhältnismäßig kurzer Zeit zum Untergang der klein-
gewerblichen Tucherzeugung und zur Alleinherrschaft der Fabriksindustrie
führte. Die Fabriken, die sich bis dahin im wesentlichen ‚auf die Versorgung des
Inlandsmarktes beschränkt hatten, begannen — unterstützt durch das Disagio
der österreichischen Währung — auf dem Weltmarkte in Wettbewerb zu treten.
        <pb n="13" />
        In dem von Philipp Schoeller und E. I. von Herring im Jahre 1848 gegrün-
deten Handelsverein schuf sich die Brünner fabriksmäßige Wollindustrie eine
leistungsfähige Exportorganisation, die die Brünner Waren sehr bald auf den
bedeutendsten Handelsplätzen des Auslandes bekanntmachte. Hand in Hand mit
der Ausdehnung des Exportgeschäftes ging die Erweiterung und technische Aus-
gestaltung der Fabriken, die im Interesse ihres’ Auslandsabsatzes gezwungen
waren, der Verbilligung ihrer Produktion das größte Augenmerk zuzuwenden.
Das Tuchmacherhandwerk, das in seinen Kleinbetrieben die technischen Errungen-
schaften der Fabriksindustrie nur zum Teile einführen konnte, blieb in der Qualität
der Erzeugnisse hinter der Fabriksindustrie zurück und konnte auch in der Ver-
billigung der Erzeugnisse mit den auf Massenherstellung eingerichteten Fabriken
aicht Schritt halten. In wenigen Jahren vollzog sich unaufhaltsam der Nieder-
gang des einst so blühenden zunftmäßigen Tuchmachergewerbes.

In technischer Hinsicht ist dieser Zeitabschnitt vor allem durch die Ein-
führung des mechanischen Webstuhls charakterisiert. Brünn ‚war der
arste Platz des damaligen Österreich, der die im Jahre 1857 gewährte Zollfreiheit
Für mechanische Webstühle mit Entschiedenheit ausnützte.

In den Sechzigerjahren gewann in‘ der Brünner Wollindustrie auch die
Verarbeitung von Wollsurrogaten, namentlich von Kunstwolle, an Aus-
idehnung. Die Verwendung von Surrogaten, die gerade in Brünn eine besondere
technische Vervollkommnung erfuhr, ermöglichte eine weitgehende Verbilligung der
Erz eugung, so daß auch die breiten Bevölkerungsschichten, die früher vorwiegend
        <pb n="14" />
        auf Baumwollgewebe angewiesen waren, bei der Deckung ihres Bekleidungs-
bedarfes allgemein auf Wollstoffe übergehen konnten.

So wie heute hatte die Brünner Wollindustrie damals den Charakter einer
ausgesprochenen Exportindustrie, Von einer Jahreserzeugung im Werte von
zirka 23 Millionen Gulden wurde etwa ein Drittel im Auslande, und' zwar vor
allem in den Vereinigten Staaten von Nordamerika abgesetzt, die etwa die Hälfte
der Brünner Ausfuhr aufnahmen.

Die Nachtragskonvention mit England vom Jahre 1869, durch die
die österreichische Wollindustrie des Zollschutzes fast gänzlich beraubt wurde,
eine den Export beeinträchtigende Verschiebung der Währungsverhält-
nisse und schließlich der große Börsenkrach vom 9. Mai 1873 machten der
Hochkonjunktur der Brünner Wollindustrie ein jähes Ende, Erst als im Jahre 1878
durch die. Wiedereinführung eines halbwegs ausreichenden Schutzzolles sich die
Absatzverhältnisse im Inlande besserten, begann sich die Brünner Wollindustrie
langsam zu erholen. Da sich der Verbrauch mit Entschiedenheit den Kammgarn-
stoffen zuwandte, nahm Brünn die Erzeugung von Kammgarnmodewaren
auf und erreichte in diesem Spezialzweige bald die volle Höhe der vorgeschrittenen
Kammgarnweberei Englands und Frankreichs.

Bis an das Ende der Achtzigerjahre erfreute sich der Brünner
Platz einer im allgemeinen befriedigenden Geschäftslage. Schlechte
Ernten, ungünstige Handelsverträge, eine Verschiebung der Nachfrage, die die
von Brünn erzeugten Kammgarnmodewaren vernachlässigte und die vornehmlich
        <pb n="15" />
        von Reichenberg in den Handel gebrachten stückfarbigen und melierten Kamm-
yarnartikel bevorzugte, haben in den Neunzigerjahren des vorigen Jahr-
hunderts für die Brünner Wollindustrie empfindliche Rückschläge
yebracht.
Im letzten Jahrzehnt vor dem Kriege bietet die Brünner Woll-
industrie wieder ein im ganzen erfreuliches Bild. Die von Brünn
erzeugten Kammgarnmodewaren begegneten neuerlich der Vorliebe
des Verbrauches und auch die Massenartikel der Brünner Streich-
yarnwarenfabriken fanden auf dem großen zollgeschützten Markte
der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie durch Ver-
mittlung eines sehr leistungsfähigen Großhandels schlanken Ab-
satz. Der kaum ein Fünftel der Gesamterzeugung umfassende
Export der Brünner Wollindustrie, der in der Hauptsache nach dem
Balkan und der Levante gerichtet war, diente im wesentlichen nur der
Ergänzung des für die Lage der Brünner Industrie entscheidenden
I[nlandsgeschäftes.

DIE BRÜNNER WOLLINDUSTRIE IM WELTKRIEGE 4
Der Ausbruch des Weltkrieges hat die Brünner Wollindustrie vollständig
überrascht. Ebensowenig wie die meisten anderen für die Deckung des Heeres-
jedarfes in Betracht kommenden Erzeugungszweige hatte die Brünner Woll-
        <pb n="16" />
        industrie über ihren regelmäßigen Bedarf hinaus sich mit Rohmaterialien ein-
gedeckt oder sonst irgendwelche Vorsorge für einen lange dauernden Krieg ge-
troffen. Zu Beginn des Krieges geriet die Erzeugung und der Ab-
satz zunächst ins Stocken, da die Aufträge an Zivilwaren von der Kund-
schaft widerrufen wurden. Nach kurzer Zeit setzte aber.ein ungeahnt großer
Bedarf der Militärverwaltung ein und die Streichgarnwarenfabriken sowie
ihre Hilfsindustrien, die Streichgarnspinnerei und die Färberei, fanden bald
reichliche Beschäftigung, die im großen ganzen bis Ende des Jahres 1915 anhielt.

Im Jahre 1916 machten sich die Folgen der von England durchgefüh rten
scharfen Blockade der Mittelmächte fühlbar und es trat eine außerordent-
liche Knappheit an Textilrohstoffen ein, die die Staatsverwaltung nötigte,
die Aufteilung der beschränkten Rohstoffmengen nach einem bestimmten Schlüssel
planmäßig durchzuführen, die weitgehende Verwendung von Surrogaten bei der
Herstellung von Militärstoffen vorzuschreiben und die Wollindustrie unter Kon-
trolle zu stellen. Die Brünner Wollindustrie, die seit jeher auf die Verarbeitung
von Ersatzmaterialien eingerichtet war, hat in dieser Periode des Krieges ihre
große technische Leistungsfähigkeit glänzend bewährt. War die Brünner Woll-
industrie infolge ihrer für die Herstellung von Militärtuchen und Decken be-
sonders geeigneten Betriebseinrichtungen auch etwas besser beschäftigt als die
Wollindustrie anderer Plätze, so weist die Erzeugung im Jahre 1916 doch einen
sehr starken Rückgang auf und der Arbeiterstandsinktbis auf zwei Drittel
des Normalen herab.
        <pb n="17" />
        In den Jahren 1917 und 1918 haben sich die Verhältnisse infolge der zu-
nehmenden Rohmaterialknappheit noch mehr verschärft. Wiewohl neben
der Verarbeitung von Kunstwolle auch Papiergarne namentlich für Zwecke der
Volksbekleidung zur Verwendung gelangten, konnten die Spinnwebereien kaum
mit‘ 40—60 % ihrer Leistungsfähigkeit, die reinen Webereien nur mit 20—40%
ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt werden und die Arbeiterzahl fällt unter
die Hälfte des Friedensstandes.
DIE BRÜNNER WOLLINDUSTRIE
IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK

Nach Beendigung des Weltkrieges befand sich die Brünner
Wollindustrie in einer sehr schwierigen. Lage. Durch die während
der letzten Kriegsjahre notgedrungen erfolgte Verarbeitung minderwertiger Roh-
materialien waren die technischen Betriebseinrichtungen der Fabriken
vollständig abgenützt worden, ohne daß zunächst die Möglichkeit ihrer Er-
neuerung bestand. Die Rohstofflager der Fabriken waren gelichtet und es
fehlte an hochwertigen Zahlungsmitteln, um aus dem Auslande Rohmaterialien
für die Herstellung von Qualitätswaren zu beziehen, Auf dem Boden der Tschecho-
slowakischen Republik, die nur ein Viertel der Einwohnerzahl der ehemaligen
österreichisch-ungarischen Monarchie aufweist, ballten . sich drei Viertel der
früheren. österreichischen und ungarischen Tuchindustrie zusammen, so daß
        <pb n="18" />
        die handelspolitische Lage der Wollindustrie eine grundlegende
Veränderung erfuhr. Konnte früher das Hauptgewicht auf die Versorgung
des Inlandsmarktes gelegt werden, so war die Brünner Wollindustrie nunmehr
gezwungen, so rasch als möglich auf dem Weltmarkte in erfolgreichen Wett-
bewerb zu treten, um auch nur einen Teil ihrer Betriebsmittel beschäftigen zu
können.

Nach der Anschauung der tschechoslowakischen Regierung sollte die Um-
stellung der tschechoslowakischen Textilindustrie auf die Friedens -
erzeugung und ihre Anpassung an die neuen Verhältnisse unter maßgebender
Einflußnahme der Staatsverwaltung erfolgen. Die gebundene Wirtschaft
wurde daher zunächst aufrechterhalten und der Versuch gemacht, in den ein-
zelnen Zweigen der Textilindustrie besondere Organisationen zu schaffen, welche
unter Aufsicht der Regierung die Beschaffung und planmäßige Aufteilung der
Rohstoffe auf die verschiedenen Betriebe durchzuführen hätten. Die Brünner
Wollindustrie hat von allem Anfange an die grundsätzliche Anschauung ver-
treten, daß das System staatlicher Bevormundung so rasch als mög-
lich verschwinden müsse und die einzelnen Unternehmungen am besten
selbst die Aufgabe lösen würden, durch Ausnützung ihrer alten Beziehungen zu
den Rohstoffmärkten die Betriebe allmählich wieder in normalen Gang zu bringen.
Der Brünner Wollindustrie ist es erfreulicherweise gelungen, diesem Stand-
punkte in den verschiedenen Organisationen der tschechoslowakischen Woll-
industrie, insbesondere in der Textilkommission und dem Kontrollsyndikate der
        <pb n="19" />
        Wollindustrie, zum Durchbruche zu verhelfen, so daß die Verarbeitungsbeschrän-
zungen für Wolle und Hadern sehr bald beseitigt wurden und es den Unter-
aehmungen der Wollindustrie im wesentlichen überlassen blieb, selbst für die Be-
schaffung von Rohmaterial Sorge zu tragen,

Im Jahre 1919 war die Brünner Wollindustrie zum großen Teile noch auf
die Verarbeitung der Materialien angewiesen, die aus der Liquidation
der ehemaligen Woll- und Hadernzentrale zuflossen, da die Rahmaterial-
einfuhr aus dem Auslande infolge des Verbotes der Transferierung von tschecho-
slowakischen Kronen auf große Hindernisse stieß. Immerhin gelang es, größere
Posten hochwertiger Rohstoffe aus dem Auslande einzuführen und
wenn auch in beschränktem Umfange die Erzeugung von Qualitäts-
ware aufzunehmen. Die Arbeiterzahl der Brünner Wollindustrie
steigt gegen Jahresende bis auf rund 60% des Friedensstandes.

Im Jahre 1920 konnten im großen ganzen die Schwierigkeiten
überwunden werden, die sich in der ersten Zeit nach dem Kriege
der Rohstoffbeschaffung entgegenstellten, und die Brünner Wollindustrie
setzte mit verdoppelter Energie ihre Anstrengungen fort, sich den Weg auf die
Weltmärkte des Westens und nach Übersee zu bahnen. Die um die Mitte des
Jahres beginnende, von Japan ausgehende allgemeine Krise brachte jedoch
lie Brünner Wollindustrie zunächst um den Erfolg ihrer Bemühungen.

In der zweiten Hälfte des Jahres ı921 besserte sich die all-
zemeine geschäftliche Lage und die Brünner Fabriken erhielten aus dem

un
        <pb n="20" />
        In- und Auslande so bedeutende Aufträge, daß sie ihre Betriebsmittel mit einem
hohen Prozentsatz der vollen Leistungsfähigkeit ausnützen konnten und der
Beschäftigungsstand sich gegen Jahresende der Friedensziffer
näherte.

Im Jahre 1922 haben schwere Währungskrisen die günstige
Entwicklung der Brünner Wollindustrie jäh unterbrochen. Als zu
Beginn des Jahres 1922 sich der Kurs der tschechoslowakischen Krone sprung-
haft erhöhte und die Züricher Notierung binnen wenigen Wochen von 5 auf
10 Centimes stieg, stornierte ein großer Teil der Kundschaft die Aufträge, weigerte
sich, die bestellten Waren zu übernehmen und die Fabriken sahen sich genötigt,
ihre Erzeugung rasch auf das weitgehendste einzuschränken. Die Lage wurde
noch dadurch verschärft, daß gleichzeitig die Währungen der Nachfolgestaaten
in rückläufige Bewegung gerieten. Kaum war eine gewisse Beruhigung der Ge-
schäftslage eingetreten, begann im August des Jahres 1922 der Kurs der tschecho-
slowakischen Krone neuerlich emporzuschnellen und erreichte in Zürich den
Höhepunkt von fast zo Centimes. Durch diese überstürzte Werterhöhung der
tschechoslowakischen Krone geriet die gesamte tschechoslowakische Textil-
industrie, vor allem auch die Brünner Wollindustrie, in eine geradezu katastro-
phale Lage, Die Nachfrage hörte völlig auf und die erteilten Aufträge wurden
zum großen Teile rückgängig gemacht. Durch die scharfe Entwertung von Mate-
rialvorräten und Waren, durch die in erschreckendem Maße zunehmenden Zah-
{ungseinstellungen der Abnehmer erlitt die Wollindustrie Verluste von außer-

7 R
        <pb n="21" />
        gewöhnlicher Höhe. Der Umfang der Krise, von welcher die Brünner Woll-
industrie in der zweiten Hälfte des Jahres 1922 getroffen wurde, geht sinnfällig
aus den statistischen Tabellen über Beschäftigungsgrad und Arbeiterstand hervor,
Gegen Jahresende sinkt die Arbeiterzahl fast auf ein Drittel der
normalen Ziffer herab und erreicht damit einen Tiefstand, wie er
auch in den schwersten Zeiten des Krieges nicht zu verzeichnen war.

Erst die endgültige Abkehr der Tschechoslowakischen Repu-
blik von der in ihrer ganzen Schädlichkeit erkannten Deflations-
politik stellte das Vertrauen in die Geschäftslage wieder her und
armöglichte es der Brünner Wollindustrie, allmählich. die unheil-
vollen Folgen des Krisenjahres 1922 zu überwinden. Die Gesundung
les Inlandsgeschäftes wurde wesentlich durch die seit dem Oktober 1921
destehende tschechoslowakische Tuchkonvention erleichtert, deren Zentral-
yureau beim Verein der Wollindustriellen Mährens in Brünn geführt wird. Die
;schechoslowakische Tuchkonvention gewährleistet, ohne irgendwie auf die Ge-
staltung der Warenpreise Einfluß zu nehmen, die Aufrechterhaltung geordneter
Zahlungs- und Lieferungsbedingungen, deren Regelung ebenso sehr im Interesse
des legitimen Handels als der Erzeuger selbst gelegen ist.

Ihre besondere Sorgfalt hat die Brünner Wollindustrie in den letzten Jahren
der Ausgestaltung des Exportgeschäftes zugewendet. Die von der Brünner
Wollindustrie in wachsendem Umfange erzeugten Kammgarnmodewaren,
aber auch die für den Brünner Platz charakteristischen Streichgarnmassen-
        <pb n="22" />
        waren finden nicht bloß in den Nachfolgestaaten der ehemaligen österreichisch-
ungarischen Monarchie, sondern auf allen europäischen und außereuropäischen
Märkten Absatz. Die Brünner Wollwaren sind eine Weltmarke geworden, die
überall mit den Erzeugnissen der führenden Industriestaaten im Wettbewerb
steht. Die gebesserte Lage der Brünner Wollindustrie kommt auch in den vom
Verein der Wollindustriellen veröffentlichten statistischen Ziffern zum Ausdruck;
gegen Ende des Jahres 1927 hat die Zahl der in den Brünner Woll-
warenfabriken beschäftigten Arbeiter den Friedensstand erreicht.

In den Jetzten Monaten zeigt die Konjunktur allerdings wieder eine wesent-
liche Abschwächung.

Trotz aller Wechselfälle des Schicksals, ungeachtet tief ein-
schneidender politischer und wirtschaftlicher Umwälzungen hat
sich die Brünner Wollindustrie durch mehr als 150 Jahre ehren-
voll behauptet. Aus ihrer bisherigen Geschichte darf die Hoffnung
geschöpft werden, daß sie auch neue Krisen überdauern, auch in
Zukunft ein wichtiger Faktor im wirtschaftlichen und kulturellen
Leben der Stadt und des ganzen Landes bleiben wird.

DM
        <pb n="23" />
        DIE BRÜNNER WOLLINDUSTRIE IN ZIFFERN

Anzahl der

Webstühle

Streichgarn-
spindeln

| Zwirnspindeln

Kammgarn-
spindeln

1914 ....5718
1928 ....61023
| 217.959

| 27.614

23,000

Von der Brünner Wollindustrie wurden im Jahre 1927 erzeugt bzw. aus-
gefertigt:
15 Millionen Meter Ware im Werte von
ausgeführt:
5 Millionen Meter Ware im Werte von

24.0.0004. ,380 Millionen K&amp;

Zahl der beschäftigten Arbeiter
vor Kriegsausbruch Juli 1914 ..17.419 | Mai 1928 .....

«.+17.549
        <pb n="24" />
        Durchschnittliche Zahl der beschäftigten Arbeiter
vom Juli 1914 bis Ende 1927
Juli 1914....... 17.419
August—Dezem-

ber 1914 ..... 12.623
I915.....0.0044. 14.279
I916.....00.004., 12.281
19017 00000000004 10.651

Niedrigste Zahl der
beschäftigten Arbeiter
in den Kriegsiahren:
7784
(April 1918)

IB .....000004 8,333
I919........... 8.014
1920 ........... 12,262
1921 .....,..,1.. 13.822
I922 0.0.0000... 10.821

Niedrigste Zahl der
beschäftigten Arbeiter
in den Nachkriegsjahren
6058
(Dezember 10922,
Deflationskrise)

1923 ....0000.444 11,597
1924 .......0.00. 14.564
1925 ......0.4.. 14.797
1926 ........... 14.823
1927 ....0.000.0. 16.401

Höchste Zahl der
beschäftigten Arbeiter
in der Nachkriegszeit

17.958

(Dezember 1927)

3
        <pb n="25" />
        0%
WE
WE
LA
U
5%
7%
WO%
OR
DE
X
45%
40%
3
KM
252

pr

"EL RER

ARBEITERSTAND IN DER BRÜNNER WOLLINDUSTRIE IN PROZENTEN DES NORMALSTANDES
WAR UT
CZ

BEN ALS — al
a
ZU EE

EL

&amp;.

Pal

—_

&gt;

s—
        <pb n="26" />
        10%
U
0%
A
0%
De
U%
A
Ce
2
50%
WE
WO
WI
0%
05%

.

ARBEITSSCHICHTEN IN. DER BRÜNNER WOLLINDUSTRIE IN PROZENTEN DES NORMALSTANDES
AZ ZZ ZA

|

5

A025 +

4
5

TIGE
a

CE

TE

}
SE
        <pb n="27" />
        DER VEREIN DER WOLLINDUSTRIELLEN MÄHRENS
IN BRÜNN

In der Brünner Wollindustrie ist frühzeitig das Verständnis dafür wach
geworden, daß eine wirksame Vertretung der besonderen Interessen eines Er-
zeugungszweiges nur durch eine festgefügte fachliche Organisation erfolgen kann.
In dieser Erkenntnis wurde schon im Jahre 1883 der Verein der
Wollindustriellen Mährens in Brünn gegründet, der zu den ältesten
industriellen Organisationen überhaupt gehört.

Während seines fast 50jährigen Bestandes hat der Verein der Wollindu-
striellen sich mit allen für die Entwicklung der Industrie wichtigen Angelegen-
heiten eingehend befaßt, in erster Linie aber den besonderen fachlichen Fragen
der Wollindustrie sein Augenmerk zugewendet.

Seiner Initiative ist es zu danken, daß die Webereischule in Brünn zu einer
Höheren Lehranstalt für Textilindustrie ausgestaltet und an dieser Schule
sine Prüfungsanstalt für die Textilindustrie errichtet wurde.

Durch viele Jahre war der Verein der Wollindustriellen um die Einführung
einheitlicher geregelter Zahlungs- und Lieferungsbedingungen bemüht. Im Jahre
1921 ist es mit Unterstützung der übrigen Gruppen der tschechoslowakischen
Wollindustrie gelungen, die Tschechoslowakische Tuchkonvention ins
        <pb n="28" />
        Leben zu rufen, welche wesentlich zur Gesundung des Inlandsgeschäftes bei-
getragen hat.

Da die Brünner Wollindustrie infolge des staatlichen Umsturzes den Cha-
rakter einer ausgesprochenen Exportindustrie annahm, hat der Verein der Woll-
industriellen in den letzten Jahren sich namentlich auch mit handelspolitischen
Fragen auf das eingehendste befaßt.

Schon lange vor der Genfer Wirtschaftskonferenz ist der Verein der Woll-
industriellen für einen Abbau der Zölle und für die Freiheit des Handels-
verkehres eingetreten,

Einen besonders weiten Raum nehmen in der Tätigkeit des Vereines Ar-
beitnehmerfragen ein.

Die leitenden Persönlichkeiten der Brünner Wollindustrie
waren stets bestrebt, das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Ar-
beitnehmern möglichst reibungslos zu gestalten und die Brünner
Wollindustrie ist auf sozialpolitischem Gebiete vielfach führend
vorausgegangen., Schon im Jahre 1870 wurde von der Brünner Wollindustrie
eine Arbeiterkranken- und Pensionskassa ins Leben gerufen, die neben der
Kranken- auch die Invaliditäts-, Witwen- und Waisenversicherung in den Kreis
ihrer Tätigkeit zog. Infolge allgemeiner Einführung der Sozialversicherung kann
die Kassa auf die Dauer nicht mehr aufrechterhalten werden und es wäre nur zu
        <pb n="29" />
        wünschen, daß dieser Wohlfahrtseinrichtung nach fast 6ojähriger segensreicher
Tätigkeit durch geeignete gesetzgeberische Maßnahmen, vor allem im Interesse
der beteiligten Arbeiterschaft. selbst, die ruhige Liquidierung ermöglicht werde.

Die Regelung der Lohnverhältnisse in der Brünner Wollindustrie
erfolgt in stetem engen Zusammenwirken zwischen dem Verein der Wollindu-
striellen und den Organisationen der Arbeiterschaft. Bemerkenswert ist es, daß
durch den Brünner Kollektivvertrag nicht bloß die Stundenlöhne festgesetzt,
sondern auch für alle Webereien und Spinnereien gemeinsame Akkordtarife ein-
geführt wurden. Hiedurch konnte in der Brünner Wollindustrie eine Gleichheit
der Entlohnungsverhältnisse erreicht werden, wie sie kaum auf einem anderen
Platze der Textilindustrie zu beobachten ist.

26
        <pb n="30" />
        PRÄSIDIUM; AUSSCHUSS UND SEKRETARIAT
DES VEREINES
DER WOLLINDUSTRIELLEN MÄHRENS IN BRÜNN 1928
Präsident: ;
Alfred Löw Beer.
Präsidentstellvertreter:
Emil Tugendhat.

George V. Neumark.
Kassier:
Karl Samek.

Walter Berwer.

Hans Fuhrmann.
Edmund Jellinek,
Walter Läw Beer.

Ausschußmitglieder:
Karl Mühlinghaus.
Karl Perschak.
Alfred Platschek,
Johann Pohl,

Rechnungsprüfer:

Rudolf Schlesinger.
Paul Selb.

Alfred Stiassni.
Julius Zwicker.

Julius Zeisel,
Sekretariat:
Dr. Robert Mayer, Sekretär der Brünner Handels- und Gewerbekammer a. D.
Dr. Alfred Oberländer, Sekretär der Brünner Handels- und Gewerbekammer,

Leopold Weiß.
        <pb n="31" />
        MITGLIEDSFIRMEN
DES
VEREINES DER WOLLINDUSTRIELLEN MÄHRENS
IN BRÜNN
1928
        <pb n="32" />
        <pb n="33" />
        L. AUSPITZ ENKEL, BRÜNN
gegründet 1837.

Kammgarnstoffe für Frackanzüge, Winterrockstoffe, Shetlands, Damentuch,
Velours, Kasha.

&gt;C
        <pb n="34" />
        BAUER &amp; ORNSTEIN, BRÜNN
gegründet 1872,

Hochfeine Modekammgarnstoffe.,

20
        <pb n="35" />
        WILHELM BECK &amp; SÖHNE, GROSS-MESERITSCH

?1
        <pb n="36" />
        MORITZ BERANS SÖHNE AKTIENGESELLSCHAFT, BRÜNN
gegründet 1878,

Kammgarnstoffe und feine Damentuche.

32
        <pb n="37" />
        BRÜCK &amp; ENGELSMANN, BRÜNN
gegründet 1880.

Herren- und Damen-Kammgarnmodeware.

3
        <pb n="38" />
        OBRZANER SPINNEREI EDUARD ERNST ESSLER, BRÜNN-OBRZAN
gegründet 1895.

Herren- und Damenstoffe.

a1
        <pb n="39" />
        5. FELDHENDLER &amp; CO., BRÜNN
gegründet 1904.

Streichgarn, Kunstseidengarn und Vigognegarne aller Art,

3E
        <pb n="40" />
        VEREINIGTE FILZFABRIKEN, BRÜNN
gegründet 1858,

Stückfilze jeder Art für Schuhe, Gamaschen, Teppiche, Tischdecken, Spielwaren,
Hüte, Westen, Damen- und Xinderkleider, Kunstblumen, Unterkragen und tech-
nische Zwecke jeder Art, wie Kratzentuch, Pianofilz, Lederfilz, Isolierfilz usw.

6
        <pb n="41" />
        NETTY FISCHER IN LHOTA RAPOTINA UND BRÜNN
gegründet 1887,

Streichgarnwaren für Herren- und Damenkleider.

3%
        <pb n="42" />
        FRITSCH &amp; CO. A. G., BRÜNN
gegründet 1870.

Reinwollene und halbwollene Damen- und Herrenkleiderstoffe aller Art.

8
        <pb n="43" />
        MORIZ FUHRMANN, BRÜNN
gegründet 1885.

Teppiche, Imitationen orientalischer Teppiche usw., Plüsche aus Wolle und Kunst-
seide, Krimmer, Lohnweberei, Lohnappretur,

30
        <pb n="44" />
        C, F, GRAUPNER vormals THEODOR LEIDENFROST, BRÜNN
pegründet 1864.

Lohnfärberei und Lohnappretur.
        <pb n="45" />
        D. HECHT, BRÜNN
gegründet 1876,

Herrenmodewaren aus Kammgarn und Streichgarn, Damenwaren.
        <pb n="46" />
        HIMMELREICH &amp; ZWICKER, BRÜNN
gegründet 1895,

Streich- und Vigognegarne, Herren- und Damenkonfektionsartike]
aus Streichgarnen.

2
        <pb n="47" />
        LOUIS HOLZER, BRÜNN
gegründet 1869.

Woll-, Baumwoll-, Garn- und Stückfärberei.

123
        <pb n="48" />
        JELLINEK &amp; SEIDL, BRÜNN
gegründet 1878,

Anzugstoffe aus Kammgarn, Streichgarn und Cheviot, Hosenstoffe feinster
Qualität, Kammgarndoubles für Paletots, Rockstoffe jeder Art, Cheviotdoubles,
Kammgarn-Stückfärber, Frackstoffe feinster Qualität, Militärstoffe.
        <pb n="49" />
        BRÜNNER KAMMGARNSPINNEREI, BRÜNN
gegründet 18871.

Rohweiße und bunte Kammgarne

€
        <pb n="50" />
        MAX KOHN, BRÜNN
gegründet 1860.

Herren- und Damenmodestoffe aus Kammgarn und Streichgarn.

LO
        <pb n="51" />
        OTTO KUHN &amp; CO., BRÜNN
gegründet 1895,

Herren- und Damenkleiderstoffe in billigen Genres,

"
        <pb n="52" />
        ARON &amp; JAKOB LÖW BEERS SÖHNE, BRÜNN
gegründet 1847.

Kunstwolle, Kammgarne, Streichgarne, Strickgarne, Herren- und Damenstoffe,
Hutstumpen, Hüte und Fesse.

R
        <pb n="53" />
        MOS. LÖW BEER, BRÜNN
gegründet 18209.

Halbwollene und reinwollene Kammgarnstoffe, Streichgarnwaren für Herren-
mäntel und Herrenanzüge, für Damenmäntel und Damenwinterkleider.

1
        <pb n="54" />
        AUGUST MÄHRISCHL A. G., BRÜNN
gegründet 1908.

Streichgarnwaren für Herren und Damen, als Spezialität „President“.

50
        <pb n="55" />
        EDUARD H, MÜLLER, BRÜNN
gegründet 10904. ;

Herren- und D amenmodeware.,

5]
        <pb n="56" />
        PAUL NEUMARK, BRÜNN
gegründet 1881.

Tweeds und Mantelstoffe, halbwollene Strichware.,

32
        <pb n="57" />
        FRANZ PIRSCHL, ROSSREIN
gegründet 1826.

Streich- und Vigognegarne.

54
        <pb n="58" />
        HEINRICH PISKO, BRUNN
gegründet 1850,

Herre Nmodekammgarne

a4
        <pb n="59" />
        FRIEDRICH REDLICH, BRÜNN
gegründet 1857.

Feinste Herren- und Damenmodeware aus Kammgarn und Streichgarn,
Frackstoffe, Tweeds, Offiziersuniformstoffe.

55
        <pb n="60" />
        MAX ROTH, ZIDENICE BEI BRÜNN
gegründet 1000.

Herstellung maschinenfertiger Lappen, Kunstwolle, Putzwolle und Putztücher.

&lt;A
        <pb n="61" />
        BRÜDER SAMEK, BRÜNN
gegründet 1863,

Kammgarn- und Cheviotstoffe allerfeinster Art für Hosen, Anzüge,
Fracks, Smokings usw.

5%
        <pb n="62" />
        MORIZ FR. SCHILLER, BRÜNN
gegründet 1881.

Kammpgarnhosenstoffe.

+R
        <pb n="63" />
        ADOLF SCHMAL, BRÜNN
gegründet 1880.

Feine Herren- und Damenstoffe und Uniformstoffe aus Kammgarn.
        <pb n="64" />
        GEBRÜDER SCHOELLER, BRÜNN
gegründet 1818.

Feine Herren-Paletotstoffe, Kammgarn-Anzugstoffe, feine Damenmäntel-
und Kostümstoffe.

N
        <pb n="65" />
        ADOLF SELB, BRÜNN
gegründet 183230.

Tuch- und Schafwoll-Schönfärberei.

41
        <pb n="66" />
        SKENE &amp; CO., ALEXOVICE BEI BRÜNN
Verkaufsbureau: Brünn, Theatergasse 6
gegründet 1841.

Kammgarn- und Streichgarnstoffe aller Art.

Sm
        <pb n="67" />
        BRÜDER STIASSNI, BRÜNN
gegründet 1867.

Kammgarnstoffe, Streichgarnstoffe, Filze, Tücher.

9
        <pb n="68" />
        VEREINIGTE SCHAFWOLLWARENFABRIKEN A, G., BRÜNN
gegründet 1820.

Herren-Anzug- und -Rockstoffe aus Kammgarn und Streichgarn in guten
und Mittelqualitäten,
Damen-Kleider- und -Mantelstoffe aus Kammpgarn und Streichgarn in feinen
und hochfeinen Qualitäten,
Plüsche, Krimmer, Fellimitationen, Überwürfe und Reisedecken,
        <pb n="69" />
        VONWILLER &amp; CO., BRÜNN-ZAMBERK
gegründet 1830.

Cheviot- und Kammgarnanzugstoffe, hochfeine Modeartikel,
sowie blaue und schwarze Stoffe für Abend- oder Gesellschaftsanzüge.,

AG
        <pb n="70" />
        ADOLF WEINBERGER, BRÜNN
gegründet 1867,

Kammgarn-Nouveaut&amp; und glatte stückfarbige Artikel
        <pb n="71" />
        WEISS &amp; HANAK, BRÜNN
gegründet 1884:

Kammgarn- und Streichgarnmodeware, Druckwaren für Herren-
und Damenkonfektion.

en
A
        <pb n="72" />
        WOLLWAREN-INDUSTRIE-GESELLSCHAFT IN BRÜNN
gegründet 1869.

Streichgarn- und Kammgarnmodeware für Großkonfektion und Großhandel,
weiters als Spezialartike]l Presidents, Moskovs, Unions, Meltons u. dgl.

CO
        <pb n="73" />
        ZERKOWITZ A. G., BAND-, SPITZEN- UND POSAMENTENFABRIKEN,
BRÜNN, WIGSTADTL UND LEIPNIK A.B.
gegründet 1840,

Bandweberei: Alle Arten Wäschezacken und Wäschebesätze, Blumenbänder,
Schuhstrupfen, Zierbänder, Krawatten, Köper, Lampendochte usw.
Flechterei: Alle Arten Schuhbänder, Gummibörtel, Tressen, Soutache, Boritas,
Gummischnüre, Damenhutborten, Spitzen und Einsätze aus Kunstseide, Baum-
wolle und Schafwolle, Kerzendochte, Gallonartikel, Nähcrepinen usw.

5C
        <pb n="74" />
        D. ZIEGLER, SCHAFWOLLWARENFABRIK, BRÜNN
gegründet 1884.

Herrenware in Kammgarn, Herrenware in Streichgarn, Damen-Mantel-
und -Kleiderstoffe,

70
        <pb n="75" />
        ABBILDUNGEN

I. Färberei von losem Material.
II. Krempelei,
III. Streichgarnspinnerei.
IV. Kammgarnspinnerei.
V. Zwirnerei.
VI. Schweiferei,
VII. Weberei,
VIII. Naßappretur.
IX. Rauherei.
X. Stückfärberei.
XI. Verkaufslokal.
XII. Fabrikgebäude.
        <pb n="76" />
        <pb n="77" />
        <pb n="78" />
        F
        <pb n="79" />
        <pb n="80" />
        ;\V
        <pb n="81" />
        <pb n="82" />
        7)
        <pb n="83" />
        v48
        <pb n="84" />
        /T11)
        <pb n="85" />
        87
        <pb n="86" />
        <pb n="87" />
        <pb n="88" />
        X 71]
        <pb n="89" />
        <pb n="90" />
        <pb n="91" />
        io

im

5—
(1
3
353
a)
z N

wo
N

N

©
en

&gt;

9
—

m.
be)

.
3

{n dem von Philipp Schoeller und E. I. von Herring im Jahre 1848 gegrün-
jeten Handelsverein schuf sich die Brünner fabriksmäßige Wollindustrie eine
leistungsfähige Exportorganisation, die die Brünner Waren sehr bald auf den
bedeutendsten Handelsplätzen des Auslandes bekanntmachte. Hand in Hand mit
der Ausdehnung des Exportgeschäftes ging die Erweiterung und technische Aus-
gestaltung der Fabriken, die im Interesse ihres‘ Auslandsabsatzes gezwungen
waren, der Verbilligung ihrer Produktion das größte Augenmerk zuzuwenden.
Das Tuchmacherhandwerk, das in seinen Kleinbetrieben die technischen Errungen-
schaften der Fabriksindustrie nur zum Teile einführen konnte, blieb in der Qualität
der Erzeugnisse hinter der Fabriksindustrie zurück und konnte auch in der Ver-
billig ung der Erzeugnisse mit den auf Massenherstellung eingerichteten Fabriken
nicht Schritt halten. In wenigen Jahren vollzog sich unaufhaltsam der Nieder-
gang des einst so blühenden zunftmäßigen Tuchmachergewerbes,

In technischer Hinsicht ist dieser Zeitabschnitt vor allem durch die Ein-
jührung des mechanischen Webstuhls charakterisiert. Brünn, war der
erste Platz des damaligen Österreich, der die im Jahre 1857 gewährte Zollfreiheit
für mechanische Webstühle mit Entschiedenheit ausnützte.

In den Sechzigerjahren gewann in der Brünner Wollindustrie auch die
Verarbeitung von Wollsurrogaten, namentlich von Kunstwolle, an Aus-
dehnung. Die Verwendung von Surrogaten, die gerade in Brünn eine besondere
technische Vervollkommnung erfuhr, ermöglichte eine weitgehende Verbilligung der
Erz eugung, so daß auch die breiten Bevölkerungsschichten, die früher vorwiegend

18
|

T

L

X

CH

f
4f

S=
3 NE WE
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
