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        <title>Bergwirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft</title>
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            <forname>Max</forname>
            <surname>Krahmann</surname>
          </persName>
        </author>
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            <idno>1773323105</idno>
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        BERG-
WIRTSCHAFTLICHE
ARBEITSGEMEINSCHAFT

EINE PROGRAMMSCHRIFT

va

OÖ

MAX.KRAHMANN
A. 0. PROFESSOR, DOZENT FÜR BERGWIRTSCHAFTSLEHRE
AN DER TECHNISCHEN HOCHSCHULE BERLIN

BERLIN-GRUNEWALD zo28
KURT VOWINCKEL VERLAG
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COPYRIGHT 1928
BY KURT VOWINCKEL-VERLAG, BERLIN-GRUNEWALD
DRUCK DER SPAMERSCHEN BUCHDRUCKEREI IN LEIPZIG
        <pb n="9" />
        VORWORT: DER PROGRAMMRAHMEN

ERGWIRTSCHAFTLICHE ARBEITSGEMEINSCHAFT — EINE PRO-
| — das soll heißen: In der Bergwirtschaft
harren grundsätzliche Fragen der Antwort und politische Span-
nungen der Lösung, die nur durch vielseitige Betrachtungen und
wirkliche Gemeinschaftsarbeit geklärt und gelockert werden
können. Hierzu soll ein Programm entworfen werden.

Zur systematischen Arbeitsteilung, die nur von einer zunächst
hypothetischen Synthese ausgehen kann, und zu gemeinsamer
analytischer Einzelarbeit, die doch synthetisch zusammen-
schließbar angelegt werden muß, ist ein viel umfassender
und eng zusammenziehender Programmrahmen notwendig.
Das Wesen eines Rahmens liegt in der Abgrenzung nach
außen und in der Zusammenziehung nach innen: erst so ent-
steht ein für Gefühl und Geist erfaßbares „Bild“.

Oder ein anderer Vergleich: der „Aufruf“ stellt ein weites
Netz dessen dar, was wir umfassen, einfangen wollen; — die
‚Programmschrift“ soll versuchen, dieses Netz zusammenzu-
ziehen, die Maschen zu verengern, den umschlossenen Inhalt
auf das bergwirtschaftlich Wesentliche zu konzentrieren.

Die Abschnitte des Aufrufs bilden — wenn auch hier und da
        <pb n="10" />
        in anderer Reihenfolge — die Kapitelüberschriften der Pro-
grammschrift; der anfangs weit gespannte Rahmen soll nun
verengert, der theoretisch schweifende Blick auf das Praktische
und zur Zeit Notwendige, ja auf das Politische eingestellt werden.

Die nach jetzigem Sprachgebrauch umfassendste Spannung,
der Kulturbegriff, steht am Anfang und am Schluß des Auf-
rufs; — diese weite Netzspannung soll eingeengt werden bis zum
uns jetzt sachlich und zeitlich nächstliegenden Problem der
Bergwirtschaft: der Goldinventur in Pretoria. Was liegt
zwischen „Kultur“ und „Gold“? Ich meine: „Staat und Wirt-
schaft“, dazwischen die Bewegung, das Leben.

Und noch eins sei hier vorausgeschickt: Jeder schaut durch
ein nationales Fenster, durch einen ihm von Geburt und Er-
ziehung her mitgegebenen Fensterrahmen in die Welt. Das
kann gar nicht anders sein, muß so sein und ist deshalb gut so.
Jedes sogenannte internationale Fenster ist Einbildung, kann
kein eindrucksvolles Bild geben, sondern nur verschwommene
Wolken und Nebellandschaften. Aber der nationale Blick kommt
nur zum Selbstbewußtsein, wenn er sich die daneben befind-
lichen anderen nationalen Blickweisen vergegenwärtigt und
ideell, nicht real, ein internationales Bild vorstellt.

Damit seien Sinn und Zweck dieser Programmschrift ange-
deutet: Sie soll ein Versuch sein, eine ruhige und ernste Aus-
sprache anzubahnen, und will einige Richtlinien geben für zu-
nächst nationale bergwirtschaftliche Zusammenschlüsse in allen
Ländern, die dann auf gemeinsamer wissenschaftlicher Basis
sich in friedlichem Wettbewerb zusammenfinden sollen in
einem „Internationalen bergwirtschaftlichen Institut“.

Yy1
        <pb n="11" />
        [NHALT

Vorwort: Der Programmrahmen
Inhalt...
Aufruf v. Sept. 1927, deutsch, französisch und englisch
Einleitung: Staat und Wirtschaft . .
A. Organisatorische Durchführung
I. Vorschläge .. 0.0.0.0...
a) Zusammenfassung aller Beteiligten
b) Die Bildung von Arbeitsgruppen . -
c) Das Zusammenarbeiten verschiedener Instanzen
4) Die Vereinheitlichung der Methoden .... „
e) Der Anschluß an die bisherigen Lagerstätteninventuren . .
f) Die Vereine und Verbände und ihr Zeitschriftenwesen .
H. Bisherige Schritte .
g) Verhandlungen mit Behörden und Verbänden .
h) Unsere künftigen Veröffentlichungen . ..
B. Die wirtschaftspolitische Auswirkung .
a) Innenstaatlich .
b) Außenstaatlich
2) Überstaatlich

7

7
23—49
23

3

7

30

37

*9

a
2

/2

47
50—66
53

56

59
C. Die wissenschaftliche Grundlage der Arbeitsgliederung und der zu-
sammenfassenden Gesichtspunkte. Analyse und Synthese . . . 67—86
A. Das Polaritätsprinzip. „Aufbau“ und „Faktoren“ der Wirtschaft, 68
Standpunkte, Weltanschauungen, Einstellungen .....
UI
        <pb n="12" />
        ı. Das ökonomische und das politische Mittel
a. Organische und anorganische Technik
3. Privatwirtschaft und Volkswirtschaft
4. Nationalwirtschaft und Weltwirtschaft
Die neue Gesellschaft statisch oder dynamisch
B. Das Bewertungsprinzip .
C. Das Humanitätsprinzip
Schlußwort . . ...
Dokumente ...,..-
4. Berlin
1. Über Wesen und Aufgaben der Bergwirtschaft 1904—1915 .
a. Für ein deutsches Zentralinstitut (Adolf Sauer; 1904) + +.
3. Über Lagerstättenpolitik und ihre Probleme (1910). + + +.
3a. Desgl. französisch . .
3b. Desgl. englisch .....-.
4. Die neue Bergwirtschaft (1916) . .
B. Madrid
5. Die Zwecke und die Methoden von Lagerstätteninventuren (1926) 115
C, Genf
6. Vorschlag eines Internationalen Instituts für Bergwirtschaft (1926) 124
6a. Desgl. französisch... . + + + ‚128
Sb. Desgl. englisch... +++ ++ «+ 104 4 134
7. Aufruf zur wissenschaftlichen Fundamentierung (1927) - + + 139
8. Die weitere Behandlung meines Vorschlags: Rapport au Comit6e
Economique (Eugene Neculcea; 1927) + + +... + «+ + 143
g. Soci&amp;t€ des Nations, Comite€ Economique (Februar 1927) + . 149
ga. Desgl. deutsch. . . .- 4 WO WM mM RR Fo «= 132
gb. Notes du Secretariat sur l’&amp;tat de la question . . . . 156, 179
D. Washington
10. Principles relating to the international Central of Minerals (1921) 157
10a. Desgl. deutsch . . .. ++. ++ 167
11. Mineral Reserves and Wastage (1927) - 174
ira, Desgl. deutsch . . .. 175
2. Ores of the World (1927). . . . 177
13. Aufbau und Ziele des neuen amerikanischenKupferinstituts(1927) 178
Entwürfe für Satzungen und Geschäftsordnung der B. A.G. . . . . 180
VI
        <pb n="13" />
        AUFRUF!

Berlin, September 1927
Ds KULTURPROBLEM DER GEGENWART IST DIE SPANNUNG:
Staat und Wirtschaft,

Staat bedeutet: Ordnung, Hoheitsrecht, Führung, Verteilung
der Verfügungsrechte über Obergrund und Untergrund.

Wirtschaft bedeutet: Arbeit, Werteschaffen, Haushalten, Kapi-
tal und Technik.

Ein Staat umfaßt Land und Volk, Natur und Gesellschaft; eine
Wirtschaft das Mühen der Bevölkerung an der Natur dieses Landes
mit Hilfe des Kapitals.

Die Natur des Landes wird landwirtschaftlich und bergwirt-
schaftlich genutzt. Auf allen Wirtschaftskongressen, die sich mit
dem Problem „Staat und Wirtschaft“ befassen, ist von der Land-
wirtschaft viel die Rede, von der Bergwirtschaft fast gar nicht. Die
Landwirtschaft tritt überall geschlossen auf, und schon seit 1905
haben wir ein Internationales Institut für Landwirtschaft in Rom;
die Bergwirtschaft ist überall gespalten, von einer zwischenstaat-
lichen Zusammenfassung ihrer Aufgaben ist noch kaum die Rede.

Parallel mit der zunehmenden Bedeutung desAnorganischen,
also Unterirdischen, Bergbaulichen, Geologischen innerhalb der

; Krahmana, Arbeitsgemeinschaft
        <pb n="14" />
        gesamten Produktionswirtschaft wächst die Bedeutung der
Bergwirtschaft in der Politik, — in der inneren Politik
wegen der sozialen Bedeutung der organisierten Arbeiterschaft, in
der äußeren Politik wegen der Wichtigkeit der Verfügungsrechte
über nutzbare Lagerstätten aller Art.

Für das Ringen um den nationalen und internationalen Wirt-
schaftsfrieden ist somit jede Aufklärung und Verständigung auf
bergwirtschaftlichem Gebiet von höchster Bedeutung. Die Zeit ist
deshalb reif zur Durchführung einer organisierten Besinnung in
dieser Richtung.

A. Organisatorische Durchführung

Um vom bergmännischen Standpunkt aus mitzuarbeiten am
neuen Werden von Staat und Wirtschaft, ist eine praktische
Zusammenfassung aller Beteiligten notwendig.

Wir schlagen zunächst eine lockere „Arbeitsgemeinschaft“ vor
und fordern hiermit zur Teilnahme auf! Die beiliegende An-
meldungskarte erleichtert die Anmeldung; die Andeutung be-
;timmter Lebenseinstellung und Arbeitsrichtung ist für Teilnehmer
und Leitung notwendig.

Eine im Herbst dieses Jahres erscheinende Programmschrift
;oll Ziele, Wege und erste Ansatzpunkte der Arbeitsgemeinschaft
näher begründen und ins einzelne gehende Vorschläge bringen.

Auf Grund der Anmeldungen sollen Arbeitsgruppen gebil-
det werden, für deren persönliche Fühlungnahme untereinander
durch Zusammenkünfte gesorgt werden wird, nicht nur in Berlin,
sondern etwa auch in Breslau, Dresden, Hannover, Düsseldorf
‘oder Essen), Frankfurt, München, Wien, Prag usw.
        <pb n="15" />
        Ein kleines Nachrichtenblatt, die wiederauflebenden , Berg-
wirtschaftlichen Mitteilungen“ von 1910—1915, wird laufend
über organisatorische Einzelheiten, Mitgliedererklärungen, Grup-
penbildungen, Arbeitsthemen, Vorträge, Personalien, andere Kon-
gresse, Ermäßigungen für unsere Mitglieder und dergleichen unter-
richten.

Systematisch abgegrenzte Einzelarbeiten, auch Dissertatio-
nen, staatswissenschaftliche Examensarbeiten, Vorträge, Reise-
berichte, Gutachterstudien usw. werden als F. ortsetzung der „Berg-
wirtschaftlichen Zeitfragen“ 1908— 1913 unter Eingliederung in
ein Gesamtsystem veröffentlicht werden, auch in anderen Sprachen
oder mit fremdsprachlichen Auszügen,

Die bisherige wissenschaftliche Sonderarbeit bergwirtschaft-
licher Vereine und Verbände aller Art soll auf Grund syste-
matischer Verständigungen innerhalb der Arbeitsgemeinschaft ver-
einheitlicht, vereinfacht und verbilligt, kurz rationalisiert werden.

Auf diesem Grunde weiter bauend, wird es möglich sein — und
muß unbedingt erstrebt werden —, das bergwirtschaftliche Zeit-
schriftenwesen kartellmäßig zusammenzuschließen, einen ein-
heitlichen Literaturnachweis zu schaffen, die Literaturbeschaffung
zu erleichtern und überflüssige Veröffentlichungen zu vermeiden.

Auf den methodischen Gebieten der Statistik, Terminologie,
Nomenklatur, Kartographie usw. harren ähnliche Aufgaben der
systematischen Vereinfachung und Normalisierung, im Inlande
wie im Auslande.,

Für 1928, vielleicht schon gelegentlich des Deutschen Berg-
mannstages im Mai in Berlin, isteine verfassunggebende Ver-

sammlung der Arbeitsgemeinschaft geplant, die namentlich auch
die Diskussion der Lagerstätteninventuren als Zentrala ufgabe eines
‚Internationalen Institutes für Bergwirtschaft“ auf dem Inter-
        <pb n="16" />
        nationalen Geologentag im Sommer 1929 in Pretoria in Südafrika
vorbereiten soll.

Schon eingeleitet sind und nebenher gehen Verhandlungen
mit Behörden und Verbänden, auch internationalen, um die
Bergwirtschaft im Unterricht, in der Verwaltung, in Interessen-
vertretungen und auf internationalen Kongressen ins rechte Licht
zu rücken und in den oben angedeuteten Richtungen weiter aus-
zubauen.

B. Wissenschaftliche Ausarbeitung

Nach diesen praktischen Zielsetzungen seien schon hier einige
theoretische Grundlagen angedeutet, ohne welche ja eine ana-
Iytische Arbeitsteilung zum Zwecke svnthetischer Zusammen-
fassung der Ergebnisse nicht möglich ist. Eingehenderes wird in
der Programmschrift zu finden sein.

Als Arbeitshypothese und zugleich als Kern von großer prak-
tischer Bedeutung stellen wir in den Mittelpunkt der Gemein-
schaftsarbeit das Problem der Schätzung und wirtschaftlichen Be-
wertung der noch ruhenden Lagerstätten, die sog. Lager-
stätten-Inventur.

Die Schätzungen der Weltvorräte an Eisenerzen und Kohlen,
an Phosphaten und Pyriten, wie sie 1910 in Stockholm, 1913 in
Toronto, 1926 in Madrid von den Internationalen Geologen-
kongressen versucht wurden und 1929 in Pretoria für Gold ver-
sucht werden sollen, bilden nur einen schwachen und unvoll-
kommenen geologischen Anfang, der technisch, wirtschaftlich
und politisch ausgebaut, ergänzt und ständig auf dem laufenden
erhalten werden muß. Von hier aus ist Orientierung in der Welt
zu finden und Wissenschaft und Organisationskraft zur Geltung
        <pb n="17" />
        zu bringen. Von hier aus — nämlich von dem in dem Bauwürdig-
keitsbegriff liegenden Selbstkosten- und Lohnproblem einerseits,
der Kapitalverzinsung und dem Rentenproblem anderseits — ist,
auch die soziale Frage zu beleuchten, die in der Bergwirtschaft
ganz anders liegt als in der Landwirtschaft.

Für ein System der Arbeitsteilung werden drei Ausgangsprinzipien
vorgeschlagen:

1. Das (erkenntnistheoretische) Polaritätsprinzip mit erlösender Ent-
spannung, also die heilige Dreiteilung im Aufbau der Wirtschaft (nach Pro-
duktion und Konsumtion mit vermittelnder Distribution) und nach den
Produktionsfaktoren: Objekt die Natur, Subjekt der Mensch und seine
Arbeit, Mittel das Kapital in Form des Kredits und der Technik.

2. Das (wirtschaftliche) Bewertungsprinzip im Spannungsbogen zwi-
schen Positiv und Negativ, zwischen Erzeugung und Verbrauch und das
Prinzip der Wertverteilung auf die Produktionsfaktoren Naturbesitz,
Arbeitswille und Kapitalkraft.

3. Das (politisch-soziologische) Humanitätsprinzip als Ausgleich zwi-
schen dem politischen und dem ökonomischen Mittel, zwischen Macht und
Masse, Besitz und Arbeit, Imperialismus und Sozialismus.

Nach diesen 3 Linien des Aufbaues der Wirtschaft und den 3 Linien der
Produktionsfaktoren gliedert sich für uns die allgemeine Wirtschaftslehre und
im besonderen die Bergwirtschaft in 18 Kapitel, deren innere Beziehungen in
horizontaler wie in vertikaler Richtung der folgenden Anordnung unschwer
zu erkennen sein werden:
PRODUKTION: ı. Verfügungs- 2, Betriebswirtschaft 3. Erwerbswirtschaft
rechte

DISTRIBUTION 4. Bewertung 5, Verteilung 6. Tauschmittel

KONSUMTION 7. Volkswirt- 8. Bevölkerung 9. Kapitalsbildung
schaft
NATUR 10, Lagerstätte

ARBEIT 13. Soziale
Schichtung

KAPITAL 16. Anlage u.
Technik

11. Inventur
14. Einkommen
17. Verzinsung

12. Geopolitik
15. Auskommen

18. Akkumulation
        <pb n="18" />
        Nach diesen 6 Linien oder 18 Punkten kann sich jeder seine wirtschafts-
ı'heoretische Betrachtungsweise in beliebigen Kombinationen auswählen und
sein ihm aufgegebenes oder gewähltes Arbeitsgebiet theoretisch bezeichnen.
Nehmen wir noch die Untergliederungen in stoff licher Beziehung nach den
nutzbaren Mineralien und in räumlicher Beziehung nach politischen Re-
gionen hinzu, so läßt sich fast jedes bergwirtschaftliche Thema oder Pro-
blem hiernach systematisch gliedern und disponieren. (Vergleiche die bei-
liegende Anmeldungskarte!)

C. Wirtschaftspolitische Auswirkung
Und das kulturelle Ziel solcher Arbeit? Es gilt, die Span-
nung „Staat und Wirtschaft“ oder „Sozialismus und Kapitalismus“,
„Internationalismus und Imperialismus“ zu erleichtern, zu lösen,
zu einem Ausgleich in einer uns noch unbekannten Form zu
führen, in der sich eine neue Gesellschaft unter neuen
Lebensformen entwickeln will. Daß hierbei die Technik eine
ausschlaggebende Rolle spielt, ahnt heute jeder; daß aber die
Grundlage aller technischen Naturbeherrschung, sozialen Lebens-
erleichterung und daraus sich ergebenden ständigen Bevölkerungs-
zunahme der anorganische Rohstoff und seine rationelle
Beschaffung, also die Bergwirtschaft ist, das ist noch längst
nicht Allgemeingut der Kulturbewußten!

Hinter der gegenwärtigen Spannung Staat und Wirtschaft
lauern ähnliche oder gleiche Spannungsverhältnisse wie: Land-
wirtschaft und Bergwirtschaft, Bauer und Bergmann, Agrarier und
Industrieller, Osten und Westen, Schutzzoll und Freihandel, Auto-
kratie und Demokratie, Herrschen und Dienen, Macht und Recht,
[mperialismus und Sozialismus, Nationalismus uud Pazifismus.

Eine Mitarbeit an dem Ausgleich solcher Spannungen ist also
wirklich Kulturarbeit!

Max Krahmann

Kurt Vowinckel
        <pb n="19" />
        APPEL

Berlin, Janvier 1928

ANS TOUS LES CONGRES ECONOMIQUES QUI SOCCUPENT DU
| DE de «l’Etat et l’Economie», on parle beaucoup de
V’agriculture et tres peu — presque pas du tout — de l’&amp;conomie
miniegre. L’agriculture d’autre part est toujours unie et se presente
comme un tout, et il existe depuis 1905 deja, un Institut Inter-
national d’Agriculture ayant son siege a Rome. L’&amp;conomie miniere
au contraire est toujJours divisee et il n’y a guere que quelques
esprits qui concoivent ä ]’heure actuelle que les täches quelle a
a remplir devraient faire l’objet d’une Etude internationale.

Parallelement a l’importance ‘croissante de l’industrie miniere
et de la geologie pour la production tout entiere, on voit d’autre
part le röle de V’&amp;conomie miniere prendre tous les jours plus
d’importance dans la politique: en politique interieure, en raison
de l’influence sociale de la main-d’ceuvre organisee et en politique
exterieure, en raison de l’importance politique des droits de dis-
position sur les gisements utilisables de toutes sortes.

N est donc Evident que toute Etude et tout entente dans le
domaine de l’&amp;conomie miniere ont la plus. grande importance
pour le probleme de la paix &amp;conomique nationale et internatio-
nale. Le moment semble donc venu de chercher 3 orienter les
esprits vers ces etudes.
        <pb n="20" />
        4. Organisation

Si les specialistes des questions minieres veulent travailler 3 cette
veuvre, il est necessaire avant tout de creer une organisation
pratique qui permettra une collaboration de tous les interesses.

Nous proposons a cette fin de fonder tout d’abord une «Asso-
clation» libre et nous vous demandons par le present appel de bien
vouloir Iui donner votre adhesion. La carte d’inseriptions ci-jointe
vous permettra de nous donner votre reponse. Nous envisageons des
ha present que cette association pourrait €tre amenee a preparer la
fondation d’un «Institut international pour l’Economie miniere».

Le programme, qui sera publie au cours de cet hiver, exposera
d’une facon plus precise les buts, les moyens et les premigres
demarches pratiques de l’Association et apportera en me&amp;me temps
des propositions relatives a certains points de detail.

£n nous basant sur les demandes d’admission, que nous aurons
recues, nous pensons former ä&amp; ]’interieur de notre association
plusieurs groups d’&amp;tudes distincts. Le contact personnel entre
leurs membres sera assure au moyen de rencontres organisees
non seulement a Berlin ou dans d’autres villes d’Allemagne,

mais aussı a V’etranger.

Un petit bulletin d’information, les «Bergwirtschaftliche Mit-
teilungen» (Informations de l’&amp;conomie miniere) tiendra les inter-
esses au courant des details d’organisation, des nouvelles adhesions,
de la formation des groupes, des sujets de travaux, des conferences,
des renseignements personnels, des differents congres et des reduc-
tions accordees a nos membres.

Nous pensons reprendre d’autre part l’edition de la Revue
«Bergwirtschaftliche Zeitfragen» (Problemes actuels de l’&amp;conomie
miniere), qui a cesse de paraitre depuis 1913, dans laquelle nous
        <pb n="21" />
        publierons, suivant un plan d’ensemble, des travaux consacres A
differentes questions particulieres, des thöses presentdes dans les
examens d’Etat et des theses de doctorat, des conferences, des
sompte-rendus de voyages d’eiudes, des expertises, etc. Le cas
scheant, la publication aura egalement lieu en d’autres langues que
l’allemand ou sera accompagnee d’extraits en langues Etrangeres.

Au moyen d’ententes conclus suivant un plan d’ensemble avec
les divers interesses, le travail scientifique effectue jusqu’a present
isolement par les different Unions et Federations de 1’6&amp;conomie
miniere sera «rationalise» a l’interieur de l’Association, c’est a dire,
uniformise et simplifie, ce qui en reduira sensiblement les frais.

Par un developpement de notre action, il sera possible 6galement
d’effectuer des ameliorations dans le domaine de la presse miniere;
de creer un recueil de bibliographie generale, de repondre aux
demandes d’ouvrages, d’&amp;viter les publications superflues et de
developer la collaboration entre publications consacrees aux
questions minieres Editees dans les diff&amp;rents pays-

Dans le domaine de la science, notamment dans celui de la
statistique, de la terminologie, de la nomenclature, de la carto-
graphie, etc. des questions semblables se posent 3 l’interieur des
differents pays et entre ces pays memes. Elles sont relatives a une
simplification et a une normalisation et devront faire V’object
d’Eetudes de notre part.

Nous vous proposons de convoquer, au cours de l’annede 1928,
peutetre deja a l’occasion du Congres des Mines qui aura lieu 3
Berlin au mois de mai, une assembl&amp;e constitutive de l’Association.
Cette assemblee devra egalement aborder la question de Vinven-
taire general des gisements. Cette etude qui devrait constituer ]a
principale täche d’un futur «Institut International pour l’Economie
Miniere», doit etre en effet discuıee par le Congres Geologique
        <pb n="22" />
        International qui doit se tenir au cours de l’&amp;t&amp; de 1929 3 Pretoria
(Afrique du Sud).

Des pourparlers sont actuellement en cours avec des autorites
allemandes et internationales, en vue de donner ä&amp; l’&amp;conomie
miniere la place qui Iui convient dans l’enseignement, dans
l’administration, dans les differentes federations economiques et
dans les congres internationaux, et pour contribuer a son developpe-
ment dans le sens indique ci-dessus.

B. Questions Scientifiques
En dehors de ces buts pratiques, nous croyons necessaire de
preciser des a present certaines directives theoriques de notre
activite, sans lesquelles une division du travail, organisee en vue
d’une synthese methodique des resultats obtenus, serait impossible.

Pour faciliter les travaux ulterieurs et creer en meme temps
un point de depart d’une grande importance pratique, nous
croyons que l’activite de l’Association devrait etre concentree avant
tout sur le probleme de V’appreciation et de l’&amp;valuation economi-
ques des gisements non exploites Jusqu’a present, probleme connu
sous le nom «d’inventaire des gisements»,

Les Evaluations des reserves mondiales en minerais de fer et en
houille, en phosphates et en pyrites, faites par les Congres de
geologie de Stockholm en 1910, de Toronto en 1913, de Madrid
en 1926, et celles qui seront effectuges pour l’or au cours du
prochain Congres de Pretoria, ne constituent qu’un debut tout &amp;
fait insuffisant. Il faudra utiliser ces ebauches d’une collaboration
internationale pour etablir et de&amp;velopper sur cette base une organi-
sations cientifique, qui devra prendre position dans toutes les que-
stions de l’&amp;conomie miniere ayant une importance internationale,
        <pb n="23" />
        C. Influence sur la politique economique

N est Evident qu'un organisme scientifique se consacrant ä
V’etude de VPeconomie miniere, collaborant avec la Societe des
Nations, se verra saisı de nombreuses questions d’ordre politique.
Rappelons encore une fois 3 ce propos l’importance considerable
du projet d’inventaire de l’or, qui sera suivi aussi rapidement
que possible d’un recensement des reserves de petroles et des
gisements de tous les autres produits mineraux,

D’autre part, il es bien certain que le jour oü notre association
aurait provoque la fondation d’un Institut international, celui-ci
aurait des täches importantes et nombreuses ä remplir: etablisse-
ment de bases d’&amp;valuation pour le cas de litiges internationaux,
collaboration a la redaction des accords commerciaux, expertise
en cas de fusions entre entreprises privees,

D. Adhesion

Nous nous permettons de joindre ä cet appel une carte dont
nous vous prions de vous servir pour nous faire part de votre
adhesion. Nous vous serions reconnaissants en outre de vouloir
bien repondre aux trois questions posees afın que nous puissions
nous rendre compte immediatement des questions qui vous
Interessent particulierement.

Nous vous serions en outre tres reconnaissants de bien vouloir
nous indiquer les noms et adresses des personnalites dont vous
estimez que la collaboration pourrait nous etre utile. Pour autant
que vous ne vous serions pas adresses deja directement 3 elles,
nous nous ferons un plaisir de leur envoyer un exemplaire du
present appel et une carte d’invitation,
        <pb n="24" />
        INVITATION TO CO-OPERATE

AT ALL THE CONGRESSES FOR THE STUDY OF ECONOMICAL
problems dealing with the relations that obtain between “The
State and Economy” much space is invariably given to agricul-
tural interests, Mining Economy being almost wholly disregarded;
agricultural interests are, besides, always discussed uniformiy and
represented in their totality; there even exists at Rome, since 1905,
an “International Agricultural Institute”. Research devoted to
Mining Economics, however, is being carried on disconnectedly,
and there are, as yet, but few perons who see that these problems
call for international co-operation.

The growing significance of the mining industries and of geology
with respect to world production is paralleled by the increasing
political importance of the part played by mining economics. The
political influence of organized labour is an outstanding feature
in home politics, and the greatest importance, at present, attaches,
in international politics, to the ownership of the various kinds of
exploitable mineral and other deposits.

Research in the field of Mining Economics as well as agreements
in this domain having thus a considerable bearing upon peace
both at home and between the nations, it would appear to be im-

1’
        <pb n="25" />
        perative to bring about concentrated research in these matters of
interest.

A. Organisation

Should mining specialists wish to join in this endeavour, the
first requirement would be the establishment of a practical organi-
sation facilitating the co-operation of all interests concerned.

We intend, as a first step, to establish a free “Association” and
we invite you, herewith, to co-operate by becoming a member;
please to signify your willingness to concur by applying your signa-
ture to the annexed card. The aforesaid association is intended
to lead, in the near future, to the establishment of an “International
Institute for Mining Economics”.

The program (to be published this winter) will furnish further
particulars with respect to the ends and means of and first prac-
tical steps to be taken by the Association, and it will also contain
suggesstions regarding special points of interest.

There will be formed, within the association, different groups
for special research in accordance with the declarations of adhesion
we shall receive. The members will be given a chance of coming
into personal touch with each other through meetings to be held
not only at Berlin and other German towns, but also in other
countries,
A booklet containing communications, the “Bergwirtschaftliche
Mitteilungen” (Communications on Mining Economics) will keep
the members informed as to various details of the organisation,
new memberships, formation of groups, topics of treatises, lectures,
personal news, congresses and the reduction of costs accorded to
members.

4
        <pb n="26" />
        The publications of the Review: “Bergwirtschaftliche Zeitfragen”
(Contemporary problems of Mining Economy), stoppend in 1913,
will be resumed; it will, in accordance with a connecting scheme,
contain a number of treatises on specialised questions, themes
given to students for their examination papers, lectures, account
of voyages undertaken for the sake of resarch, experts’ reports etc.
These informations will, in some cases, be translated into foreign
languages or be accompanied by extracts written in such languages.

The disconnected scientific work carried on heretofore by the
various unions and associations for Mining Economics will now be
put upon a more rational basis, within the Association, by means
of agreements to the establisher between the various interests in
accordance with a connecting principle, i, e. research will be both
simplified and unified, expenses being, at the same time, con-
siderably reduced.

Our program also aims at future improvements of the press
devoted to mining interests, at the collection of complete biblio-
graphical materials, the procuring of the requisite literature, the
avoidance of superfluous publications and the encouragement of
co-operative publications on mining interests in the various
zountries.

In the field of scientific research and, chiefly, that of statistics,
terminology, nomenclature, cartography etc. questions of a similar
nature have to be solved both within the various countries and
with respect to their international relations; they are releated to
the need of simplification and standardisation and they are going
to be made the object of a special study by our association.

It is intended to convoke in 1928 an assembly for the purpose
of Constituting the Association. It will also be called upon to
examine the question of establishing inventories of the world’s
        <pb n="27" />
        deposits; the study of this question will likewise constitute the
chief concern of the future “International Institute for Mining
Economics”, It will have to be discussed at the International
Congress that is to taken place at Pretoria, South Africa, in 1929.

Negotiations are being carried on between German and inter-
national authorities with a view to securing for mining economics
the importance it should possess in schools, in the administration,
with the different economic alliances and international congresses,
and to furthering their development on the lines indicated above.

B, Scientifig Questions

We believe we ought, besides these practical ends, to establish
as soon as possible certain leading principles for our future
endeavours, without which a division of labour in view of a metho-
dical synthesis of the results obtained would be frustrated. In
order, therefore, to facilitate the future endeavours of the Associa-
lion, and to secure, at the same time, a starting point of practical
efficieny, our efforts should, in our opinion, be concentrated first
of all upon the problems of the estimate and economical evaluation
of such deposits as have as yet remained unexploited. This problem
is known by the name of “Inventory of deposits”.

The evaluation of the reserves of iron ore and coal, phosphate
and pyrites furnished by the Geological Congresses of Stockholm
1910, Toronto 1913 and Madrid 1926, and the evaluations of gold
reserves to be furnished by the future Congress of Pretoria may
be considered as but imperfect tentatives in the feld of geology.

Such attempts, however, at international co-operation, should
be made use of for the purpose of establishing and developing a
        <pb n="28" />
        scientific organisation destined to deal with all manner of political
problems released to mining economy.

C. Influence on Political Economy

A centralised scientific organisation for the study of mining
economics co-operating with the League of Nations will, as matter
of course, have to deal with a number of political questions. The
vast importance of the projected inventory of the gold deposits
deserves to be mentioned once more in this context. It will be
followed up as soon as possible by an estimate of the world’s oil
reserves and of all other kinds of mineral deposits.

When our Association has become an International Institute,
it will have to take upon itself a great number of important
tasks, such as furnishing suitable bases for estimates in the case of
international disputes, co-operation in the wording of commercial
agreements, delivering expert’s opinions whenever private interests
are to be combined.

D. Adhesion

We take the liberty of annexing a card you will be pleased to
use for the purpose of communicating your adhesion. You would
also oblige us by a reply to the three queries (card) as to your
special interests in our association, so that we might furnish you
particular informations without loss of tıme, and we would thank
you for the names and addresses of such other persons as might,
in your opinion, concur efficiently in our work. We would in
this case, unless you prefer to apply direcıly to these persons, be
pleased to furnish them copies of this invitation and the card.

f
        <pb n="29" />
        EINLEITUNG

Staat und Wirtschaft

TAAT UND WIRTSCHAFT RINGEN NACH NEUEN FORMEN. BEIDE
Sn wesentliche Teilbegriffe des Kulturbegriffs. Kultur
bezeichnet einen Zustand geistiger und gesellschaftlicher Ent-
wicklung — des einzelnen Menschen, einer Menschengruppe oder
Rasse, von Teilen der menschlichen Erdbewohner oder der gan-
zen Menschheit. Die gesellschaftliche Entwicklung findet ihren
Ausdruck einmal im Politischen, in der sozialen Schichtung
und der Machtverteilung innerhalb der staatlichen Organismen,
die wir auch Völker oder Nationen nennen, — und zweitens im
Ökonomischen, in den Wirtschaftsformen, in denen der ein-
zelne, die Gruppe, das Volk oder die Menschheit sich ihre
Lebensbedingungen und -möglichkeiten schafft, erhält und er-
weitert. In diesem Sinne sind uns Staat und Wirtschaft zwei
einander bedingende wesentliche Kulturbegriffe und ihre je-
weiligen Formen Kennzeichen der Kulturentwicklung, des Kul-
turstandes.
Alle Wirtschaft ist auf Rohstoffbeschaffung gegründet, und
alle Rohstoffe sind entweder organischer d.i. biologischer, land-

Krahmann, Arbeitsgemeinschaft

tm
        <pb n="30" />
        wirtschaftlicher Art oder anorganischer d.ı. mineralogischer,
bergwirtschaftlicher Art.

Der kulturellen Bedeutung und Entwicklung der Bergwirt-
schaft gelten die folgenden Vorschläge — ähnlich, wie ich im
Jahre 1908 schrieb: „Die Aufgaben der Bergwirtschaft im
Rechts- und Kulturstaat“?).

Die Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte hat uns seitdem
gelehrt, daß die Kultur neue Formen annehmen will durch
neue Staats- und neue Wirtschaftsformen, und daß jeder, falls
er mitleben und mitwirken will, auf dieses neue Wollen der
Kultur horchen muß. Eine ernsthafte Besinnung ist nur vom
allgemein kulturellen Standpunkt aus möglich.

Ohne wie üblich über den gegenwärtigen Niedergang der Kul-
tur zu klagen, über Wege und Ziele zu philosophieren, über Ver-
flachung durch Technik, Sport, Sensation. zu jammern, sagen
wir uns, daß jede Zeit ihre besonderen Aufgaben hat und in der
Hingabe an diese natürlich für andere, etwa klassische, roman-
tische, religiöse Aufgaben nicht Zeit und Sinn haben kann und
dadurch freilich in den Augen ewig Rückblickender kulturlos
erscheinen muß. Blicken wir aber vorwärts, so erkennen wir
unsere Gegenwartsaufgaben, und in der Begeisterung für diese
liegt eben unsere Kultur.

Wo stehen wir? Nicht im Zeitalter der „schönen“ Künste,
der „reinen“ Gerechtigkeit, der „frommen“ Ergebung, sondern
in dem Zeitalter der Weltaufteilung, der Bevölkerungsenge, des
Sozialismus, der Naturbeherrschung durch Technik und Kapi-
talismus. Hier liegt unsere Aufgabe, unsere Problematik und
darin unsere Kultur der Gegenwart!
        <pb n="31" />
        Zum wesentlichen Teil läßt sich die Problemstellung der
Gegenwart zurückführen auf die Nahrungs- und Stoffbeschaf-
fung und -verteilung für die steigende Bevölkerung der Erde;
jede Mangelhaftigkeit oder nur die Furcht davor verursacht
nationale und soziale Kämpfe, jeder Fortschritt in dieser Rich-
tung oder nur die Zuversicht dazu ermöglicht Friede und Ver-
ständigung.

Landwirtschaft und Bergwirtschaft sollen mehr Nahrung
und mehr Stoffe schaffen, eine gute soziale Wirtschaftsorgani-
sation soll sie gerecht verteilen, ein rationalisierter Konsum
sie richtiger verwerten: das ist die Kulturauffassung der Ge-
genwart, und der bergwirtschaftliche Teil hiervon das Thema
dieser Programmschrift.

Also: Wie kann die Bergwirtschaft ihre gegenwärtige Kultur-
aufgabe erfüllen?

Ein allgemeiner Ausdruck für die Kennzeichnung der Gegen-
wart in allgemein kultureller Beziehung lautet: Verflechtung
in die Weltwirtschaft, des einzelnen Menschen, jeder Wirtschaft,
jedes Unternehmens, jedes Staates, jedes Volkes; ja auch jede
geistige Regung, jede Idee sehen wir heute durch die Welt hin
wirken, nicht nur durch Presse, Literatur und Rundfunk, son-
dern mehr noch, weit über sprachliche Grenzen hinweg, durch
Bild und Film, Melodie und Rhythmus,

Wir sagen ausdrücklich » Verflechtung“ — und drücken da-
mit das Schicksalhafte, Unwillkürliche dieses Geschehens aus —
und sagen nicht etwa „Eingliederung in die Weltwirtschaft“
im Sinne der bewußten, gewollten Einordnung unter Anerken-
nung einer Weltordnung, die ja für uns nicht erkennbar ist,
        <pb n="32" />
        vielleicht nie erkannt werden kann, nach deren Erkenntnis wir
uns aber doch ständig sehnen, um uns mit Bewußtsein und Be-
friedigung ihr einordnen zu können.

Diesem Sehnen entspricht es, wenn wir uns klar werden
wollen, warum und wieso wir denn in die Weltwirtschaft mehr
und mehr eingeflochten werden, nicht nur rein wirtschaftlich,
sondern auch politisch, ja überhaupt kulturell, also in jeder
materiellen und ideellen Beziehung. Das bezeichnende Schlag-
wort für dieses Streben lautet heute: Geopolitik; — ein vielum-
fassender Begriff, der im Kern die Naturgebundenheit alles poli-
tischen, also auch wirtschaftlichenGeschehens bedeutet, der über-
trieben werden kann, wenn er neben sich keinen Raum für
Willensfreiheit und persönliche geistige Freiheit läßt ?),

Unter den geopolitischen Faktoren stehen mit in erster Linie
neben dem Klima und der Bodenoberfläche der Bodenunter-
grund, die Lagerstätten nutzbarer Mineralien, — neben der Land-
wirtschaft mit organischen Wesen und biologischen Methoden
die Bergwirtschaft mit anorganischen Stoffen und chemischen
Methoden.

Die Naturgebundenheit der Bergwirtschaft liegt auf der Hand,
die Sehnsucht nach weltwirtschaftlicher Ordnung in dieser Be-
ziehung also ebenfalls, wenn wir uns nicht ganz und gar einem
schwächlichen Fatalismus hingeben wollen. Wer also glaubt,
überhaupt irgendwie in die weltpolitischen Ereignisse eingreifen
zu können und demnach auch zu müssen, der muß versuchen,
aus der bloßen unbewußten, schicksalshaften Verflechtung
in die Weltwirtschaft herauszukommen und eine bewußte
Einordnung in die Weltwirtschaft anstreben. Mindestens
        <pb n="33" />
        aber wollen wir zunächst erkennen, warum wir mit der Berg-
wirtschaft mehr und mehr in die große Weltpolitik aktiv ein-
greifen oder passiv davon abhängen, um aus der Erkenntnis der
Zusammenhänge Hoffnung auf ihre Beeinflussung zu schöpfen.
Deshalb möchte ich die folgenden praktischen Vorschläge und
theoretischen Betrachtungen fast auch ein Programm „zur
Rationalisierung der Weltwirtschaft“ nennen.

Unter Rationalisierung verstehe ich die bewußte verstandes-
mäßige Erfassung und Beeinflussung jedes Geschehens — jedes
Tuns und jedes Leidens, im Gegensatz zum meist unbewußten,
instinkt- oder erfahrungsmäßigen, also handwerksmäßigen Tun
und frommen, ergebenen Dulden. Seit dem großen Zeitalter der
Entdeckungen und Erfindungen und seit der zwangsläufig hier-
auf einsetzenden französischen Revolution stehen wir im Fort-
schreiten des Rationalisierens auf allen Gebieten und können uns
ihm — trotz aller gelegentlichen romantischen Anwandlungen
und Rückfälle ins Irrationale — gar nicht entziehen. Auf die
Rationalisierung der Maschinentechnik folgt die der Menschen-
behandlung, auf die der Produktion die Rationalisierung der
Konsumtion und neuestens auch — wie das Schlagwort „Kon-
junkturforschung“ besagt — die der Distribution, der Bewer-
tung, des Handels, der Wirtschaftskrisen. Überall sollen das
nur Gefühlsmäßige, der bloße Takt, die feine Witterung, die
unklare Schätzung ausgeschaltet oder wenigstens aufgeklärt
und verstandesmäßig durchleuchtet werden.

An diesem Punkt möchte ich auch in der Bergwirtschaft ein-
setzen, und zwar an ihren Grundlagen, bei der Lagerstätte.
Nicht um Rationalisierung der Technik des Abbaues und der

2
        <pb n="34" />
        Verhüttung soll es sich handeln, sondern um wertmäßige, maß-
stäbliche, mindestens vergleichende Erfassung der Lagerstätte
in ihrer privatwirtschaftlichen und in ihrer wirtschaftspolitischen
Bedeutung. Die begreifliche geopolitische Bedeutung jeder La-
gerstätte nutzbarer Mineralien soll ergänzt und schärfer be-
leuchtet werden durch Aufhellung ihrer konjunkturmäßigen
Abhängigkeiten, denen sie ständig unterliegt.

ANMERKUNGEN:

1) S. 18: „Bergwirtschaftliche Zeitfragen (Actualites de l’Economie mine-
rale, — Problems of mining economy).“ Heft ı. Oktober 1908. Berlin,
Bureau für praktische Geologie,

2) S. 20: As the soil, so the heart of man (Byron). — Die Geschichte
steht nicht neben der Natur, sondern in der Natur. (Karl Ritter). — Toute
loi nait du sol. (Montesquieu). (Nach: „Schicksale der Völker. [Der Schau-
platz und sein Zwang]“ von Alexander von Gleichen-Rußwurm. Berlin 1921,
Volksverband der Bücherfreunde.)

22
        <pb n="35" />
        A. ORGANISATORISCHE DURCHFÜHRUNG

ji. Vorschläge
a) Zusammenfassung aller Beteiligten

UNÄCHST: WER IST BETEILIGTER FÜR SOLCHE AUFGABEN UND
Zosichen? Eigentlich jeder Mensch, der über seinen engeren
Sorgenhorizont, Zerstreuungskreis oder Fachrahmen hinauszu-
blicken vermag; sodann jeder Behördenvertreter, Verbandsleiter
und Unternehmer, der imstande ist, zeitweise seinen Wirkungs-
kreis objektiv von außen zu sehen, aus einer allgemeinen Natur-
und Menschheitsperspektive. Das Bergwirtschaftliche darf nicht
lediglich vom darin eingesponnenen Bergmann überlegt werden,
wenn es objektiv betrachtet werden soll, sondern muß gerade
von außen her, vom Konsumenten bergmännischer Rohstoffe
und vom parallel zu schaltenden Wirtschaftsbruder, vom Land-
mann, gewürdigt werden, wenn wir zu einer einheitlichen und
versöhnlichen Wirtschaftsauffassung gelangen sollen.

Sodann: Wie ist ein praktischer Zusammenschluß so ver-
schieden, sogar gegensätzlich Interessierter möglich? Denn wir
kommen nicht weiter durch einen neuen bergmännischen Ver-
ein — dergleichen Verbände haben wir genug, sogar schon zu

2
        <pb n="36" />
        viel, — sondern nur durch eine „überbergmännische“, sachlich,
menschlich und methodisch umfassendere Zusammenschließung
in zunächst lockerer, nicht einseitig verpflichtender Form. Wir
müssen eine höhere, aber jedem erreichbare „Plattform“ her-
stellen, wie es der Amerikaner nennt, von wo aus die Gesamt-
wirtschaft etwas weiter zu übersehen ist als bisher, und in diesem
weniger nebeligen Blickfelde die bergwirtschaftlichen Zusam-
menhänge und Verflechtungen zu erkennen streben. Und zu
dem Erklimmen dieser Plattform müssen wir jede solide, auf
verschiedenen Seiten ansetzbare Leiter benutzen: die wissen-
schaftliche, die wirtschaftliche und die politische, — auf je-
der nationalen Seite und von jeder sozialen Stufe aus ver-
wendbar.

Nach heutigem Sprachgebrauch nennen wir das eine Arbeits-
gemeinschaft, womit gerade angedeutet wird, daß nunmehr ge-
rade diejenigen, also auch Nichtbergleute, zusammen an einem
Tisch arbeiten müssen, die sich bisher niemals vollzählig und
dauernd zusammenfinden konnten, weder außerhalb einer
Fakultät, noch im Volkshaus, noch in Genf.

Arbeitsgemeinschaft hat nicht Interessengemeinschaft zur
Voraussetzung! Wir wollen mehr als nur „gemeinsame Inter-
essen wahren“; — das tut heute jeder „Reichsverband“, jede
„Fachgruppe“, jeder „Verein mit langem Namen“ ; — wir wollen
uns jenseits der Interessen stellen, jenseits von Gut und Böse in
diesem Interessensinne. Wir sehen die sogenannte „Not der
Zeit“, die ja immer irgendwie gewesen ist und sein wird, als
eine Spannung der Gegensätze, als erhöhtes Leben, als vermehrte
Aktivität an, der nicht durch sich duckende Passivität, sondern
        <pb n="37" />
        nur durch Auflösen in Spannungen höherer Ordnung begegnet
werden kann.

Beteiligt an einer Arbeitsgemeinschaft sind somit zwei große
Gruppen: einmäl die am Resultat der wissenschaftlichen Arbeit
irgendwie Interessierten, also die Behörden, die privatwirtschaft-
lichen Unternehmungen, die nationalen und internationalen
Verbände aller Art, — zweitens die wissenschaftlichen Arbeiter
selber, die staatlichen oder privaten Lehr- und Forschungs-
institute usw.
Die ersteren, die Behörden und die Privatwirtschaft, der
„Staat und die Wirtschaft“ müssen als praktische oder wissen-
schaftliche Anreger der Einzelarbeiten die Mittel dazu stiften
und das Material zugänglich machen, — die anderen sollen dafür
und damit arbeiten.

Stifter und Arbeiter, Kapital und Wissenschaft, sollen sich also
in unserer Arbeitsgemeinschaft zusammenfinden, und zwar nicht
in einem irgendwie abhängigen Beamtenverhältnis, — das er-
gäbe ja wieder nur sogenannte „bestellte Arbeit“, sondern eben
auf dem möglichst objektiven Boden der Wissenschaft. Die neu-
zeitlichen, unabhängigen Forschungsinstitute verschiedener Art
und ihre Ergebnisse sind die Vorbilder hierfür.

Diese Verhältnisse bedingen unsere nächsten organisatorischen
Schritte.

Nachdem der Aufruf vom September 1927 einen gewissen
Mitgliederstamm geschaffen und diese Programmschrift unsere
Ziele und Wege erläutert und begründet hat, soll aus der Mitte
der alsdann vorhandenen Mitgliederschaft heraus ein verant-

y
        <pb n="38" />
        wortliches, tragendes Organ, ein Ausschuß oder Vorstand ge-
wählt und in einer Mitgliederversammlung möglichst noch im
Frühjahr 1928 bestätigt werden. Auch die nicht anwesenden
europäischen Mitglieder sollen durch vorher übersandte Stimm-
zettel die Möglichkeit haben, ihr Votum rechtzeitig abzugeben 3).

Aus juristischen Gründen muß dann die Arbeitsgemeinschaft
als „Verein“ eingetragen werden, um Rechtsgeschäfte abschlie-
ßen zu können, was aber keine Vereinsgründung im üblichen
Sinne, mit Mitgliederbeiträgen usw., bedeuten soll. Ein Statut
wird nur diese formal rechtlichen Verhältnisse ordnen, nicht
aber Rechte und Pflichten der eigentlichen gemeinsamen Ar-
beit; ein Vorschlag für dieses Statut in Anlehnung an ein neueres
Vorbild ist im Anhang abgedruckt).

Wir wollen nicht mit Vereinsbeiträgen, sondern mit sonstwie
anvertrauten „gestifteten“ Mitteln arbeiten. Hierdurch wird
unsere Verfassung grundlegend bedingt:

Ein Vorstand soll beraten, arbeiten, Vorschläge für Ver-
wendung von Mitteln machen und nach Bewilligung derselben
durch einen von ihm unabhängigen, aus Vertretern der Stifter
bestehendem Finanzausschuß die Arbeit durch Arbeitsaus-
schüsse und Unterausschüsse durchführen. Auf diese Weise sollen
die Mittel wirklich denjenigen Arbeiten zugute kommen, welche
die Stifter im Auge hatten und durch ihre Stiftungsbedingung
festgelegt haben.

Das Wesentliche einer Arbeitsgemeinschaft, die zwar „ein-
getragener Verein“ sein muß, aber nicht mit Mitgliederbeiträ-
gen, sondern mit anderen Überweisungen und Stiftungen arbei-
tet, liegt in dem statutenmäßig festgelegten Verhältnis zwischen

20
        <pb n="39" />
        Vorstand und Arbeitsleistung einerseits und dem Fınanzaus-
schuß als dem Vertreter und Überwacher der Stiftungen an-
dererseits.

Für die arbeitenden Mitglieder unserer Gemeinschaft ergibt
sich daraus, daß sie nicht Beiträge zahlen, sondern Arbeits-
mittel und Honorare empfangen sollen. Wer nicht mitarbeiten
will oder kann, aber unsere Sache fördern möchte, soll uns Stif-
ter zuführen und kann je nach Belieben und Interesse unsere
Veröffentlichungen beziehen.

Die Gruppeneinteilung oder Benennung der Arbeitsausschüsse
und deren Unterabteilungen ist für arbeitende und stiftende
Mitglieder fast dieselbe; das Ganze ist gleichsam ein geistig-
wirtschaftlicher Produktionsprozeß, in welchem Kapital und
Arbeit zusammengeführt werden, um für bestimmte Aufgaben
eingesetzt zu werden. Weil mit der Kapitalstiftung für bestimmte
Zwecke aus interessierten Kreisen naturgemäß auch die Ebnung
derjenigen Wege verbunden sein wird, die den geistigen Arbeiter
an gewisses, ihm sonst nicht zugängliches Material herankom-
men lassen, so ergibt sich daraus, daß manche Arbeiten über-
haupt erst durch diese angedeutete Gemeinschaft von Süftern
und Bearbeitern ermöglicht werden.

b) Die Bildung von Arbeitsgruppen
Versuchen wir, vorbehaltlich der späteren wissenschaftlichen
Begründung, die im Aufruf nur angedeutet werden konnte,
einen Generalplan der Gliederung der Arbeitsgemeinschaft auf-
zustellen, so ergibt sich etwa folgender Aufbau:

}
        <pb n="40" />
        I. Die Gliederung nach nutzbaren Mineralien und Lager-

stättenarten.
HI. Die Gliederung nach geographisch abgegrenzten Gebieten.
UN. Die Gliederung nach Wirtschaftsstandpunkten.
a) Erzeugerstandpunkt (Produktionslinie).
b) Verteilerstandpunkt (Distributionslinie).
c) Verbraucherstandpunkt (Konsumtionslinie).
IV. Die Gliederung nach Produktionsfaktoren:
a) Das Objekt: Die bearbeitete Natur.
b) Das Subjekt: Der arbeitende Mensch.
c) Das Mittel: Das in die Form der Technik gekleidete Kapi-
tal als Betriebs- und Anlagekapital.

Man entscheide sich und erkläre seine Mitarbeiterschaft oder
Stiftungsbereitschaft

1. für ein bestimmtes Mineral oder für eine mineralogisch-
technisch zusammengehörige Mineralgruppe,

2. für ein bestimmtes Land oder engeres Gebiet, oder für
eine geologisch oder politisch zusammengehörige Länder-
gruppe.

Die Arbeitsgemeinschaft als Ganzes gliedert sich also zunächst
in zwei große Gruppen, in die Mineral- und in die Länder-
gruppe, nämlich

1. in die im wesentlichen mineralogisch-technisch eingestell-
ten Mitglieder mit beliebiger geologischer oder geogra-
phischer Beschränkung des Interesses in räumlicher Be-
ziehung,

2. in die im wesentlichen geographisch-politisch, also auch
rechtlich eingestellten Mitglieder mit Beschränkung auf
        <pb n="41" />
        gewisse nutzbare Mineralien oder Mineralgruppen oder
daraus hervorgehende Zwischen- und Endprodukte.

Dies scheint mir namentlich in praktischer Beziehung die
erste wichtige Unterteilung aller in Betracht kommenden Ein-
zelinteressen zu sein. Betonen wir schon hier besonders noch
das Inventurprinzip, d. h. die Mengenschätzung nach Bauwür-
digkeitsgraden, so lautet für beide Hauptabteilungen die Pro-
blemstellung:

ı. Welche wirtschaftlichen Werte und Aussichten sind im
allgemeinen an die einzelnen Mineralien gebunden, und wie
verteilen sich die Weltschätzungen für ein Mineral geopolitisch
auf die einzelnen Erdräume?

2. Über welche wirtschaftlichen Gesamtwerte an allen nutz-
baren Mineralien verfügt ein einzelnes Land, ein Staat, ein
Revier im ganzen, wie gruppieren und summieren sich die ein-
zelnen Länderwerte zu Weltwerten, und wie zerfallen diese Län-
derwerte oder die Weltwerte in einzelne Mineralwerte?

Versucht man nun dieser allgemeinen Frage nach den Werten
beizukommen, so müssen wir eben zusehen, diesem Wertbe-
griff praktisch, d. h. nach tatsächlichen Möglichkeiten schät-
zungsweise näher zu treten, woraus sich weitere Gliederungen
für die Arbeitsgemeinschaft ergeben, etwa wie folgt:

Die Bewertung ist eine verschiedene, je nachdem man vom
Produzenten- oder vom Konsumentenstandpunkt an sie heran-
tritt, oder, was dasselbe besagt, ob man die Selbstkosten oder
den Nutzen im Gebrauch zugrunde legt. Der Ausgleicher, der
Händler, der Markt oder die Preisfestsetzungsbehörde tut bei-
des, läßt sich aber, je nachdem er bewußt oder unbewußt Ver-
        <pb n="42" />
        treter eines der drei Produktionsfaktoren ist, bald vom Natur-
moment (oder Besitzerstandpunkt) leiten, bald mehr vom so-
zialen Moment (oder Arbeiterstandpunkt), bald mehr vom
Kapitalsmoment (oder Kreditgeberstandpunkt).

Für jedes Mitglied der Arbeitsgemeinschaft, für den Stifter
wie für den Bearbeiter, entsteht also die Frage, von welcher
Seite her es an den gesamten Komplex, der in der Bewertung,
d.h. in der Vorratsschätzung nach Bauwürdigkeitsgraden, liegt,
theoretisch. herantreten möchte oder — seinem Material, seiner
Stellung, seiner Bindung nach — praktisch mitarbeitend heran-
treten kann: ob als Produzent, als Händler oder als Konsu-
ment, und ferner: ob als Naturbesitzer (bzw. Rechtsinhaber
oder Unternehmer), oder als Arbeiter (bzw. Besitzloser, Sozia-
list und Soziologe) oder als Kapitalist (bzw. Kreditgeber, Kapi-
talverwalter und Kapitalverwerter).

c) Das Zusammenarbeiten verschiedener Instanzen
Unwillkürlich taucht hier die Frage auf nach einem neuzeit-
lichen Vorbilde für das Vorgehen in solchen umfassenden Or-
ganisationsfragen und für das Zusammenarbeiten von Wissen-
schaft, Behörden und Privatwirtschaft. Ich kenne bis heute kein
besseres als dasjenige, das die Deutsche Normung gezeitigt hat.
Ausgehend von einigen Versuchen größerer industrieller Werke
vor dem Kriege, dann beschleunigt durch den Massenbedarf des
Heeres, wurde am 22. September 1917 der „Normalien-Ausschuß
für den Maschinenbau“ umgewandelt in den „Normenausschuß
der Deutschen Industrie“. Doch auch dieser Rahmen erwies sich

44
        <pb n="43" />
        als zu eng; seit 1925 umfaßte die Normungsarbeit bereits so
viele und so wichtige Gebiete außerhalb der Industrie, daß am
6. November 1926 der Name geändert wurde in „Deutscher
Normen - Ausschuß“. Das Symbol DIN (Deutsche Industrie-
Normen) wurde zwar beibehalten, wird nun aber gedeutet mit:
Das Ist Norm,

Halten wir uns zunächst an dieses praktisch bewährte Vor-
bild, und setzen wir als Aufgabe statt der Normung eines Gegen-
standes die Schätzung und Bewertung gewisser Lagerstätten-
arten und -typen, welche Wirtschaft und Politik erfordern, so
würde sich als Arbeitsgang und Instanzenzug etwa folgender
Weg ergeben:

1. Aus der Wirtschaft oder Politik kommt eine Anregung zur
Aufstellung gewisser Schätzungsformeln für Lagerstätten be-
stimmter Art an den Bewertungsausschuß unter Zusicherung
der Bereitstellung gewisser Mittel.

2. Der allgemeine Bewertungs- oder Schätzungsausschuß gibt
diese Anregung zur weiteren Behandlung an den Obmann des
betreffenden, nach Mineralart und Lagerstättentyp begrenzten
Arbeits- oder Fachausschusses, oder er veranlaßt die Bildung
eines solchen.

3. Der Arbeitsausschuß, der, um arbeitsfähig zu sein, natur-
gemäß ein verhältnismäßig kleiner Kreis von Personen ist, hat
nicht das Recht, endgültige Bewertungsformeln festzulegen; er
stellt nur den ersten Entwurf hierzu auf unter Darlegung vor-
handener Versuche, bisheriger Schätzungsarten und deren Ver-
besserungsmöglichkeiten.

4. Dieser Entwurf wird nach Prüfung ın der Bewertungsprüf-
        <pb n="44" />
        stelle in der Fachpresse veröffentlicht und mit einer gewissen
Einspruchsfrist der allgemeinen öffentlichen Kritik unterworfen.

5. Einwände und andere Vorschläge werden im Arbeitsaus-
schuß weiter behandelt, und zwar unter Hinzuziehung der-
jenigen Körperschaften, Unternehmungen oder Einzelpersonen,
die wichtige Einwände gemacht haben oder Verbesserungen
vorschlugen und im Facharbeitsausschuß noch nicht vertreten
sind.

6. Die Bewertungsformel oder Rechnungsmethode wird, falls
erforderlich, als zweiter Entwurf abermals veröffentlicht.

7. Erst nach Verarbeitung weiterer Einwände wird die Formel
oder Methode an den Bewertungsausschuß geleitet und hier für
die endgültige Drucklegung redigiert.

8. Als vorläufige Bewertungsformel für eine Übergangszeit
oder als Versuchsformel, um Erfahrungen zu sammeln, werden
(entsprechend der Vornorm) „Vorformeln“ herausgegeben.

Die Deutsche Normung unterscheidet Arbeitsausschüsse für
Fachnormen undsolche für allgemeine Normen ; ähnlich möchten
wir von Mineralbewertungen mit Unterabteilungen nach
Formen des Vorkommens (Lager, Flöze, Gänge, Stöcke usw.)
bzw. nach diese bedingende genetischen Unterschieden und von
allgemeinen Bewertungen sprechen. Letztere wären etwa
weiter zu unterscheiden nach Selbstkostenfaktoren (wie Löhne,
Material, Generalkosten usw.), Verkehrsanschlüssen, Markt-
bewegungen, Bedürfnisschwankungen, Ersatzmöglichkeiten und
dergleichen.

Während für die Mineralbewertungen im wesentlichen Geo-
logen, Berg- und Hüttenleute, Spezialhändler und -konsumenten

dl
        <pb n="45" />
        ın Betracht kommen und die Fachausschüsse bilden werden,
werden für die allgemeineren Bewertungen von Bergwerks-
rechten mehr Volkswirte, Betriebs- und Erwerbswirtschaftler,
Soziologen, Juristen, Bankleute und Politiker die einzelnen
Unterausschüsse bilden müssen.

Was für die Bewertung und Schätzung gilt — die wir aller-
dings als Kern oder Krone aller wirtschaftlichen Lagerstätten-
probleme ansehen —, hat nun ebenso für andere zu vereinheit-
lichende Fragen zu gelten, die meist vor der Inangriffnahme
des Bewertungsproblems wenigstens etwas zu bereinigen und zu
klären sind. Dahin gehören u. a.:

ı. terminologische Begriffsbezeichnungen für Lager-
stättentypen, Bauwürdigkeitsgrade, Verleihungswürdigkeit,
Statistik:
2. nomenklatorische Benennungen der Mineralarten,
Handelsmarken, Fracht- und Zolltarifpositionen ;

3. kartographische Bezeichnungen durch Signaturen,
Farben und sonstige Darstellungsarten;

4. diagrammartige Darstellungen in Kurven und dgl.
zur einheitlichen Veranschaulichung des dynamischen oder
funktionalen Zusammenhanges der Verhältnisse;

5. bibliographische Vereinheitlichungen für Zitate,
Kartotheken, Literaturlisten.

Für derartige allgemeine Vorarbeiten sind also ebenfalls be-
sondere Ausschüsse oder Arbeitsgruppen zu bilden bzw. von
Interessenten und Stiftern anzuregen.

Dies und Ähnliches hat zunächst lediglich den praktischen
Krahmenn, Arbeitsgemeinschaft 33
        <pb n="46" />
        Verständigungsmöglichkeiten zu dienen und dient dann
erst der Verständigung selber. Hiermit ist also anzufangen,
um dann dem schwierigen Bewertungsproblem allmählich näher-
zukommen. Auf allen diesen Gebieten ist Ja auch schon viel ge-
arbeitet, genormt und vereinheitlicht worden, Es handelt sich
jetzt nur darum, für die Bergwirtschaft alles dies zusammenzu-
tragen, ihren besonderen Aufgaben anzupassen und das Fehlende
zu ergänzen bzw. schon vorhandene Vereinheitlichungen mit
Rücksicht auf das Bewertungsproblem besonders einzustellen.
Grade weil die dabei auftauchenden Fragen so vielseitig sind, ist
ihnen nur durch eine vielseitige, aber unabhängige, d.h. nicht
irgendwie gebundene Gemeinschaftsarbeit beizukommen.

d) Die Vereinheitlichung der Methoden
Für die Begriffe ist nicht das Wort maßgebend, das je nach
persönlicher Einstellung zum vorliegenden praktischen Fall ver-
schieden gewählt werden kann, sondern die Stellung des Begriffs
innerhalb des Systems der Wirtschaftslehre, worüber erst im
theoretischen Teil ausführlicher gesprochen werden kann.

Anders liegt es für die konkreten Dinge, die ja nicht abstrakte
Begriffe sind, sondern irgendwie bezeichnete, getaufte, also be-
namste Realitäten. Diese Wortbezeichnungen sind nicht logi-
sche Wortbilder, sondern zufällige, auf unbewußtem Herkom-
men oder bewußtem Übereinkommen beruhende Benennungen
und bilden die sogenannte Nomenklatur. Diese ist für die Praxis
ebenso wichtig wie die Terminologie für die Theorie, aber, wie
gesagt, ganz anderen Ursprungs.
34
        <pb n="47" />
        Eine praktische Gliederung einer bergwirtschaftlichen Ar-
beitsgemeinschaft kann nun nicht etwa terminologisch nach
einem System der Beziehungen vorgenommen werden — so ver-
führerisch das manchmal auch scheinen mag —, sondern muß
nomenklatorisch nach den Realitäten geschehen. ;

Deren aber gibt es für die Bergwirtschaft nur zwei: Stoffe
und Räume, d. h. Mineralien und Länder. Die praktische Ein-
zelbergwirtschaft hat einmal die einzelnen nutzbaren Mine-
ralien zu behandeln, und zwar getrennt nach Länderwirtschaf-
ten und summierend in der Weltbergwirtschaft, der Kohle, des
Goldes zum Beispiel, und zweitens die einzelnen Länder und
summierend die ganze Welt bezüglich ihrer einzelnen Mineral-
wirtschaft. Stets kommt es in beiden Fällen nicht allein auf
Vorkommen und Förderung, sondern auch auf Handel und Ver-
kehr wie auf Verhüttung und Verbrauch an.

Als drittes Moment kommt in beiden Fällen natürlich noch
die Zeit hinzu, die historische Betrachtung der Entwicklung bis
zur Gegenwart und der Ausblick in die Zukunft.

Als erste praktische Aufgabe der Arbeitsgemeinschaft ergibt
sich hiernach die Vereinbarung über Benennung, Abgrenzung
und Reihenfolge einmal der nutzbaren Mineralien und Mineral-
gruppen und -sorten und zweitens der Länder, Staaten oder
sonstigen räumlichen und politischen Wirtschaftseinheiten nebst
deren Provinz- und Reviereinteilung 5).

Eindeutige Benennung und Reihenfolge der Rohstoffe, Pro-
dukte, Fabrikate, Handelsmarken, Zollpositionen usw. in der
amtlichen, privaten und internationalen Statistik, in Verträgen,
Tarifen usw. sind durchaus erforderlich, ersparen viel Arbeit

dr
        <pb n="48" />
        und Mißverständnisse und bilden die Vorbedingung für die
Verständigung über andere Vereinheitlichungen.

Ähnliches gilt von allen kartographischen und sonstigen bild-
lichen und diagrammartigen Veranschaulichungen hinsichtlich
der Linien-, Zeichen- und Farbenbedeutungen. Für alle inter-
nationalen Verständigungen sind diese Dinge um so wichtiger,
als hierdurch eine wirkliche Universal- oder Weltzeichensprache
geschaffen werden kann, wie es in der Wortsprache trotz aller
Bemühungen mit Esperanto und dergleichen wohl niemals er-
reicht werden kann. Die Schaffung der geologischen internatio-
nalen Farbenskala für die verschiedenen Formationen war die
erste große Tat der in den achtziger Jahren beginnenden Inter-
nationalen Geologenkongresse; das hiermit begonnene Werk
sollte nun aber für bergwirtschaftliche Mineralarten und Lager-
stättentypen fortgesetzt werden! Die kürzlich erschienenen gro-
ßen Welt- oder Kontinental-Lagerstättenkarten lassen solche
einheitliche Regelungen lebhaft vermissen und verlieren dadurch
wesentlich an allgemeiner Bedeutung für die Wirtschaft und
für die Wissenschaft. Wissenschaftliche, technische, kaufmän-
nische und amtliche Benennungen decken sich durchaus nicht
immer; provinzielle und sprachliche Verschiedenheiten kom-
men hinzu. Wo Ungleichheiten bestehen und bestehen müssen,
dürfen sie durch gleiche Namen nicht verschleiert werden;
was verschieden ist, muß verschieden benannt werden. Die Han-
delsbenennungen in ihrer Entwicklung sind besonders zu be-
achten, da sich in ihnen die technischen und wirtschaftlichen
Fortschritte widerspiegeln, denen die amtlichen, rechtlichen und
statistischen Benennungen folgen müssen.
26
        <pb n="49" />
        e) Der Anschluß an die bisherigen Lagerstätteninventuren
Es handelt sich nun nicht nur um eine praktische Einteilung
aller Arbeit nach einem theoretischen System und nach prak-
tischen Notwendigkeiten, sondern auch um eine theoretisch zu-
lässige und praktisch erforderliche Reihenfolge unserer Ar-
beit im Hinblick auf jenes grundlegende Schätzungsproblem. Mit
anderen Worten: Was ist bereits geschehen, wie ist es geschehen,
wo ist zu verbessern, zu ergänzen und dann weiter fortzufahren?

Ich schlage vor, an die bisherigen Inventurarbeiten für ver-
schiedene Mineralien und in den verschiedenen Ländern un-
mittelbar anzuknüpfen, an ihnen die bisherigen Methoden zu
prüfen, weiterzuentwickeln und dann — je nach Anregungen
und Möglichkeiten — im einzelnen praktisch fortzuführen und
— die Hauptsache! — immer wieder zu berichtigen. Eine
Lagerstätteninventur kann niemals als abgeschlossen betrachtet
werden — ständige periodische Ergänzung gehört geradezu zu
ihrem innersten Wesen,

Die ersten gegebenen Mitarbeiter für unsere Arbeitsgemein-
schaft sind also die bisherigen Bearbeiter derartiger In-
venturen. Sie kennen am besten die Schwierigkeiten und werden
am ehesten geneigt sein, zunächst gemeinschaftlich die Metho-
den weiterzuentwickeln. Eine zahlenmäßige Bekanntgabe der
tatsächlichen Ergebnisse für jedes Land wird damit noch keines-
wegs gefordert, vielmehr soll erstes Ziel lediglich sein: Klarheit,
Vollständigkeit und vor allem Einheitlichkeit der Methoden.

Also erste Frage unseres Aufrufes ist: Wer waren oder sind
noch die ersten und weiteren Bearbeiter solcher Inventuren in
3
        <pb n="50" />
        allen Ländern? Wir bitten um Meldungen und Mitteilungen,
für welches Mineral, für welchen Bezirk, mit welcher beson-
deren geologischen, technischen, wirtschaftlichen und politi-
schen Einstellung gearbeitet wurde, und was und wo veröffent-
licht oder hinterlegt worden ist, und in welcher Weise eine Mit-
arbeit in einer größeren internationalen Arbeitsgemeinschaft
zugesichert werden kann.

Für die Reihenfolge oder Dringlichkeit sei folgendes vorge-
schlagen, — eine deutsche und eine Weltangelegenheit: Braun-
kohle in Deutschland und Gold in der Welt, oder Halle und
Pretoria. Es liegt im Wesen einer Inventur, daß sie um so
wichtiger ist, je. knapper der bereits bekannte Gesamtvorrat ist,
— wie eben derjenige der tagebaufähigen Braunkohle in Mittel-
deutschland, mit dem Verwaltungszentrum Halle, — oder je
ungewisser die demnächstige Tendenz der jährlichen Welterzeu-
gung ist, und je bedeutsamer sich schon geringe Preisschwan-
kungen für die gesamte Weltwirtschaft auswirken, — wie beim
Golde, dessen Vorrats- und Erzeugungsschätzungen im Gange
sind und im nächsten Jahre in Pretoria veröffentlich und disku-
tiert werden sollen.

Für unsere deutsche Inventurarbeit ist also die Braunkohlen-
schätzung oder vielmehr ihre Fortsetzung, Vertiefung und Glie-
derung das nächstliegende, für den international eingestellten
Teil unserer Arbeit aber die Mitarbeit an der Weltgoldinventur,
an der Untersuchung der bisherigen und demnächstigen Bau-
würdigkeitsbedingungen für die verschiedenen Typen von Gold-
lagerstätten. Hinzu kommen in beiden Fällen noch zwei ver-
schiedene glückliche, weil erleichternde Umstände: bei der
Mt
        <pb n="51" />
        Tagebau-Braunkohle können die Vorräte, die Lagerungsver-
hältnisse und demgemäß die Selbstkosten verhältnismäßig leicht
und sicher festgestellt werden und die Abbauzeit beträgt
wahrscheinlich nur eine Reihe von Jahrzehnten, — beim Gold
andererseits liegen die Markt- und Absatzverhältnisse einfacher.

An diesen zeitgemäßen beiden Schulbeispielen könnte sich
also die ganze Inventurmethode zunächst entwickeln und für
schwierigere Mineralvorkommen vorbereiten. —

Endlich gehört hierher die Frage: wie arbeiten andere
Länder in dieser Richtung? Genauere Berichte hierüber würden
hier zu weit führen, gehören aber selbstverständlich zu unserem
Aufgabenkreis. Einstweilen sei durch die Wiedergabe einiger
„Dokumente“ im Anhang nur gezeigt, wie großzügig Nord-
amerika vorgeht, um sich nicht nur über sein eigenes Gebiet
bergwirtschaftlich zu orientieren, sondern auch über das ihm
kapitalistisch erreichbare Ausland, namentlich z. B. über Sibi-
rien®), rechtzeitig zu unterrichten.

f) Die bergwirtschaftlichen Vereine und Verbände und ihr Zeitschriftenwesen
Nachdem die Geschäftsführung der wirtschaftlichen Ver-
eine und Verbände mit ihren mannigfachen Interessen und
pflichtmäßigen Stellungnahmen zu Gesetzesvorschlägen, parla-
mentarischen Anregungen und internationalen Bewegungen
meist in die Hände akademisch ausgebildeter junger Volkswirte
gelegt worden ist, wächst hier ein vielseitiges und beachtens-
wertes Schrifttum empor. Es blüht aber meist im Verborgenen,
Untereinander wird es zwar getauscht, aber nicht vorher genü-
ig
        <pb n="52" />
        gend verabredet und arbeitsteilig erleichtert. Bibliographisch
ist es wegen der Anonymität der Verfasser und der nicht buch-
händlerischen Erscheinungsweise schwer zu erfassen und der
Wissenschaft deshalb im Original nicht genügend zugänglich.
Die Handelsteile der Tagesblätter schlachten dieses Material
zwar reichlich aus, aber doch meist zu hastig und zu einseitig.
Die Folge ist, daß die Wissenschaft, namentlich die jungen Dok-
toranden und angehenden Assessoren, sich für ihre Arbeiten
auf diese Zeitungsliteratur stützen, ja stützen müssen, wo-
mit weder der Wissenschaft noch dem ursprünglichen Bear-
beiter gedient sein kann. Die Materialsuche aus zweiter Hand
führt häufig zu tendenziösen Auffassungen, die dem allseitig
ersehnten Wirtschaftsfrieden nicht dienlich sind.

Hier möchte die Arbeitsgemeinschaft helfend eingreifen und
zwar auf verschiedenen Wegen:

1. Bevor der jetzige Zustand geändert werden kann, will sie
Verbindungen herstellen zwischen dem Suchenden und den
Originalarbeiten durch Nachweise, durch eigene Archiveinrich-
tungen, durch persönliche Vermittlungen usw.

2. Sind die Geschäftsführer der Verbände in der Arbeits-
gemeinschaft vereinigt, so wird es bald möglich sein, ihre Arbei-
ten zu vereinfachen und deren Erscheinungsweise den Bedürf-
nissen der Wissenschaft anzupassen.

3. Der dritte Weg führt über das bergwirtschaftliche Zeit-
schriftenwesen überhaupt, über dessen Vereinfachung, kartell-
mäßige Verständigung u. dgl.

Auf diesem Gebiet haben wir seit 40—50 Jahren gerade in
Deutschland eine ungeheure Entwicklung ins Mannigfache und
        <pb n="53" />
        damit ins Unübersichtliche erlebt, die nachgerade beängstigend
und verwirrend wird. Die Entwicklung ins Einfache, Klare und
Nutzbare muß nun bald einsetzen, wenn wir, d. h. namentlich
unsere Assistenten und Hilfskräfte nicht im Papierwust ersticken
sollen. Auch alle Bibliotheken, Archive und Kartotheken, alle
Zentralblätter, Bibliographien und Referate können da nicht
helfen, — Eine Rückentwicklung, Vereinfachung, Rationali-
sierung, Systematisierung und schließlich Kartellierung gehört
zur weiteren Entwicklung der Dinge, die sich ja aus der oben
geschilderten Not heraus schon hier und da deutlich bemerkbar
macht. Zum Programm der Bergwirtschaftlichen Arbeitsgemein-
schaft soll es auf jeden Fall gehören, hier verbessernd und Ver-
ständigung vermittelnd einzugreifen.

ANMERKUNGEN:

3) S. 26: Auch überseeischen Mitgliedern soll eine Mitarbeit im Vorstand
und in Ausschüssen ermöglicht werden, z.B. im nächsten Jahr in Pretoria
gelegentlich des Geologenkongresses,

4) S. 26: Wir bitten um Ergänzungsvorschläge!

5) S. 35: Vgl. hierzu meine systematischen Gliederungs- und Einteilungs-
versuche, welche ich 1903 und 1910 den Generalregistern der Zeitschrift
für praktische Geologie unter dem Titel „Fortschritte der praktischen Geo-
logie und Bergwirtschaft“ zugrunde legte,

6) S. 39: Vgl. die Dokumente unter D, „Washington“ Nr. 10—13.
        <pb n="54" />
        [I. Bisherige Schritte

g) Verhandlungen mit Behörden und Verbänden
Die Bergwirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft soll, wie bereits
mehrfach angedeutet wurde, nicht nur aus privaten Einzelper-
sonen bestehen, sondern auch an ganze Organisationen, Be-
hörden, Verbände, juristische Personen aller Art ergeht der Ruf
um Mitwirkung, teils in deren eigenem Interesse, teils im Sinne
der Gemeinschaftsarbeit und einer genossenschaftlichen Auf-
fassung des Wirtschaftslebens. Daß mit manchen derartigen
Stellen schon vor unserem Aufruf Fühlung genommen wurde,
ist selbstverständlich. Eine Aufzählung von Einzelheiten er-
übrigt sich vorläufig; nur von einigen Stellen sei hier berichtet,
weil hierüber schon weitere Kreise unterrichtet sind und weil
hierdurch die ganze Art unseres Vorgehens gekennzeichnet
werden mag.

Frühere Erfahrungen im Jahre 1904 und 1908 haben näm-
lich ergeben, daß die Ankurbelung einer derartigen Bewegung,
wie sie beabsichtigt ist, nicht durchhält — oder, um im Bilde
zu bleiben, daß der Motor überhaupt nicht richtig anspringt —,
wenn nicht ein äußerer Druck gewisse Bedenken überwindet
und zur Zündung führt, wenn nicht das Gefühl hinzukommt:
es muß etwas geschehen, sonst kommen andere zuvor. Vor jedem
wirklichen Schwung muß ein gewisses Trägheitsmoment so oder
so überwunden werden.

Ich entschloß mich deshalb, das Problem der Lagerstätten-
Inventur oder der „Bergwirtschaftlichen Landesaufnahmen“
        <pb n="55" />
        nicht wie im Jahre 1904 an deutscher Reichsstelle”), sondern an
zwei internationalen Stellen, an einer wissenschaftlichen und an
einer politischen Stelle, von neuem anzuregen. Hinzu kam, daß
mir erst jetzt und auch gerade jetzt die Zeit dafür reif und die
Welt im gewissen Sinne dafür aufnahmefähig erschien, nach-
dem eine gewisse politische Beruhigung eingetreten ist und
manche wirtschaftlichen Besinnungen begonnen haben. Für
einige der hier vorgetragenen Gedanken ist die Wirtschaftswelt
freilich auch heute noch nicht ohne weiteres empfänglich, so
daß ich durchaus auf mancherlei Widerspruch und Ablehnung
gefaßt bin.

Deshalb wandte ich mich im Sommer 1926 mit einem Vor-
trage und anschließenden Vorschlägen an den Internationalen
Geologenkongreß, der in Madrid seine erste wirkliche inter-
nationale Tagung nach dem Kriege abhielt, und im Anschluß
hieran an den Völkerbund in Genf und an das mit ihm zu-
sammenhängende Institut für geistige Zusammenarbeit in Paris.

In Madrid trug ich „Über die Zwecke und Methoden von
Lagerstätten-Inventuren“ vor, Der Vortrag ist im ersten Bande
der Compte rendue de la XIV“ Seccion 1926, erschienen im J uli
1927, S. 277—283, veröffentlicht und auch im Anhang dieser
Programmschrift, S. 115—124, wiedergegeben. Die weiteren Er-
örterungen meiner Vorschläge vor diesem internationalen geo-
logischen Forum werden auf der nächsten Tagung im J ahre 1929
in Pretoria in Südafrika stattfinden. Das Interesse wird hier für
die bergwirtschaftlichen Fragen sehr viel größer sein als in
Madrid, weil für diese Tagung in Pretoria die wirtschaftlich wich-
tigste und eigenartigste Lagerstätten-Inventur auf die Tages-
7
        <pb n="56" />
        ordnung gesetzt ist, die es überhaupt geben kann: die geologi-
schen Goldvorräte der Erde. Eigenartig insofern, als es sich bei
dem Gold ja nicht nur um einen reinen Gebrauchsstoff handelt,
der schließlich auch entbehrt oder ersetzt werden kann, sondern
um das wirtschaftliche Tauschmittel, ja um den Wertmaßstab
schlechthin, um das jetzt einzige Währungsmetall. Mit der „Zu-
kunft des Goldes“ geht es fast um die „Zukunft der Weltwirt-
schaft“, oder wenigstens um das Schicksal unserer bisherigen
Vorstellungen von Weltwirtschaft, von Wertmaßstäben, von
Preisschwankungen u. dgl. Es ist also dringend notwendig, daß
wir uns in den nächsten knappen zwei Jahren intensiv mit
diesen bergwirtschaftlichen Inventurfragen beschäftigen.

Von Madrid aus fuhr ich im Juni 1926 direkt nach Genf zum
Völkerbund. Das Ergebnis war zunächst die Einreichung eines
ersten Memorandums im Juli 1926, dem im März 1927 weitere
Vorschläge folgten. Beide sind hier im Anhang, S. 124 u. 139, ab-
gedruckt, vom ersteren auch die in Genf veranlaßten französi-
schen und englischen Übersetzungen 8).

Den in Betracht kommenden deutschen Reichsstellen und
auch einigen preußischen Behörden wurde von diesen Schritten
natürlich Mitteilung gemacht, ebenso der „Fachgruppe Berg-
bau“ des Reichsverbandes der Deutschen Industrie. Bei dieser
finden diese Fragen zunächst nur akademisches Interesse, weil
man sich seit Anfang 1926 lebhaft mit der bergmännischen
Ausbildung beschäftigt und mehrfache Beratungen zwischen
Hochschullehrern, Hochschulbehörden, Bergaufsichtsbehörden
und maßgebenden Vertretern der Praxis veranlaßt hat. Zwei
Hefte „Beiträge zur Besprechung bergmännischer Ausbildungs-
AA
        <pb n="57" />
        fragen“ sind bereits erschienen, weitere, namentlich auch über
die Stellung der Bergwirtschaftslehre im Unterrichtsplan und
in der Prüfungsordnung, werden folgen.

Eine weitere Gelegenheit zur Erörterung meiner Vorschläge
wird sich im Mai 1928 gelegentlich des von der Fachgruppe
Bergbau angeregten deutschen Bergmannstages in Berlin er-
geben. Hierzu bereitet als Festgabe die Geschäftsführung der
Fachgruppe ein großes Werk vor: „Die deutsche Bergwirtschaft
der Gegenwart“, in welchem namentlich Gegenwartsfragen —
also die „neue Wirtschaft“ im „neuen Staat“ — von „Männern,
die an verantwortlicher Stelle des deutschen Bergbaues stehen“,
behandelt werden sollen.

Im Deutschen Reichswirtschaftsministerium wurde auf Grund
meiner Vorschläge im Juli 1927 eine Stelle eingerichtet, welche
das in den Archiven der verschiedenen Reichsstellen vorhan-
dene und für die Bearbeitung freigegebene bergwirtschaftliche
Material sichten, registrieren und greifbar machen und den
Umfang und die Methode laufender bergwirtschaft-
licher Einzelermittlungen im Reich und bei den Ländern
studieren soll.

Entsprechend dem ersten Teil des Auftrages wurde das bei
den verschiedensten Stellen zerstreute Aktenmaterial festgestellt
und Verzeichnisse von den bergwirtschaftlich interessierenden
Akten fertiggestellt, die im einzelnen dann weiter auf die in
ihnen enthaltenen Gutachten, Reiseberichte, Befahrungsberichte,
Analvsen u. dgl. durchgearbeitet wurden.

Auf Grund des zweiten Teiles der Aufgabe wurde in erster
Linie Fühlung genommen mit verschiedenen Reichsstellen, mit
1
        <pb n="58" />
        den Direktoren der geologischen Landesanstalten Deutschlands
und den Obersten Bergbehörden der Einzelstaaten sowie mit der
österreichischen geologischen Bundesanstalt und der österreichi-
schen Obersten Bergbehörde im Bundesministerium für Handel
und Verkehr, und schließlich mit privaten Organisationen, die
bergwirtschaftliche Ermittlungen pflegen. (Verein der Berg-
werksbesitzer Deutsch-Österreichs, Gesellschaft Deutscher Me-
tallhütten- und Bergleute, Deutscher Braunkohlen-Industrie-
Verein usw.)

Handin Hand mit diesen Ermittlungen gingen Besprechungen
mit maßgebenden wissenschaftlich interessierten Bergwirtschaft-
lern Deutschlands und Österreichs.
Zur Verfolgung der neueren in- und ausländischen bergwirt-
schaftlichen Literatur wurde eine nach Ländern und Stoffen
geordnete Kartothek angelegt, die laufend auf dem neuesten
Stand erhalten wird.

Alles in allem bezweckt die Arbeit im Reichswirtschafts-
ministerium: Sichtung und Auswertung alles vorhan-
denen und freigegebenen bergwirtschaftlichen Ma-
terjals bei amtlichen und privaten Stellen mit dem Endzweck,
nutzlose Doppel- und Wiederbearbeitung bei Inangriffnahme
alter Projekte zu vermeiden und nach Möglichkeit eine Aus-
kunft über den voraussichtlichen wirtschaftlichen Erfolg auf
Grund der Kenntnis früherer Arbeiten zu geben, also Nutzbar-
machung des gesammelten Materials soweit möglich für die
nationale Wirtschaft in Form von Auskünften für amtliche und
private Stellen.

6
        <pb n="59" />
        h) Unsere künftigen Veröffentlichungen
Im Jahre 1908 entwickelten sich aus dem Anzeigenteil der
„Zeitschrift für praktische Geologie“, Jahrgang 16, allmählich
„Mitteilungen und Anzeigen“. Der Jahrgang 1909 dieser „Mit-
teilungen und Anzeigen“ brachte schon regelmäßige „Mit-
arbeiter-Nachrichten“ und in seinem Dezemberheft ein Jahres-
register 1909 der „Bergwirtschaftlichen Mitteilungen“ auf den
Umschlägen der „ Zeitschrift für praktische Geologie“ und dazu
die Notiz: „Von 1910 ab erscheinen die ‚Bergwirtschaftlichen
Mitteilungen‘ in erweiterter Form als Textanhang, daneben
auch in einer Sonderausgabe.“ Das geschah bis 1915; in den er-
sten drei Jahrgängen 1910—1913 mit dem Titelzusatz: „Organ
des Bergwirtschaftlichen Seminars an der Königlichen Berg-
akademie zu Berlin“; 1915 lautete dieser Zusatz: „Beiträge
zur Berg- und Hüttenwirtschaftslehre“. Der bescheidene, nur
114 Seiten umfassende Jahrgang 1915 brachte S. 1—88 „Bau-
steine“ zu einer Bergwirtschaftslehre vom Verfasser mit der Be-
merkung: Jeder „Baustein“ ist außer mit fortlaufender Num-
mer auch mit den Zahlen, Buchstaben und Stichworten des
1914 S.7 veröffentlichten „System der Bergwirtschaftslehre“
versehen, Der Jahrgang schloß mit dem Versprechen, die
‚Bergwirtschaftlichen Mitteilungen‘ einstweilen in zwanglosen
Heften fortzusetzen“, was aber bis heute nicht gehalten werden
konnte.
Jetzt, nach zwölfjährigen weiteren Erfahrungen und Beob-
achtungen, sollen die „Bergwirtschaftlichen Mitteilungen“ in
neuer Folge das Nachrichtenblatt der Bergwirtschaftlichen
7
        <pb n="60" />
        Arbeitsgemeinschaft bilden, getreu ihrem Ursprunge Anno 1908,
um die Zukunft folgerichtig an die Vergangenheit anzuknüpfen.

Dieses „Nachrichtenblatt der Bergwirtschaftlichen Arbeits-
gemeinschaft“, wie der Untertitel der neuen Folge der „Berg-
wirtschaftlichen Mitteilungen“ lauten wird, soll vornehmlich
Zusammensetzung, Gruppierung, Aufgaben, Leistungen usw. der
Arbeitsgemeinschaft und ihrer Gruppen widerspiegeln und so
jedem Mitglied und der Öffentlichkeit kundtun, was hier ge-
schieht und weiter geplant wird. Jede Gruppe soll erfahren, was
und wie andere Gruppen arbeiten, soll sich da oder dort an-
schließen können, eigene Unterlagen zur Verfügung stellen,
fremdes Material für eigene Zwecke erbitten können. Doppel-
arbeit soll vermieden werden, jedes ernste Vorhaben aber soll
schöpfen können aus dem großen, in der Welt angehäuften Er-
fahrungsvorrat nach der Genossenschaftsdevise: Einer für alle,
alle für einen.

Ferner soll das Nachrichtenblatt eine öffentliche Diskussions-
arena bilden für allgemein diskutierbare Anregungen, Vor-
schläge, Anfragen und Antworten, soweit dergleichen nicht be-
reits brieflich oder durch vertrauliche Rundschreiben innerhalb
einzelner Gruppen geschehen ist.

Gehören kleinere Notizen, Referate und dergleichen in die
„Bergwirtschaftlichen Mitteilungen“, so werden abgerundete
Arbeiten monographischen Charakters als Abhandlungen in
den „Bergwirtschaftlichen Zeitfragen“ veröffentlicht werden.
Auch diese haben ihre Vorgeschichte:

Im Jahre 1908 veröffentlichte der Verfasser „Die Aufgaben
der Bergwirtschaft im Rechts- und Kulturstaat“ als Heft ı der
{8
        <pb n="61" />
        „Bergwirtschaftlichen Zeitfragen“ („Actualit&amp;s de l’Economie
minegrale“, „Problems of mining economy“) (mit französischen
und englischen Resümees). Diesem ersten Heft folgten 1910,
1912 und 1913 noch Arbeiten von Hotz-Basel, Wencker-Berlin
und Pieper-Düsseldorf, und dann schnitt auch hier der Krieg
einstweilen die weitere Entwicklung ab. Doch nur einstweilen,
denn jetzt sollen auch die „Zeitfragen“ fortgesetzt werden in
systematisch gegliederter Reihenfolge, etwa so, daß Unterab-
teilungen der chronologischen Reihe dem System der Arbeits-
gruppen entsprechen. Dadurch sollen die einander ergänzenden
Arbeiten sich später bandweise zusammenfinden und so all-
mählich ein systematisches Kompendium der Bergwirtschafts-
lehre bilden.

Wie trotz dieser Pläne nicht eine Vermehrung, sondern eher
zine Verminderung der zu großen Zahl bestehender Zeitschrif-
ten und Monographienreihen und vor allem eine sachliche
Arbeitsteilung und gegenseitige Ergänzung zu erreichen ist,
darüber kann erst im Herbst 1928 berichtet werden.

ANMERKUNGEN:

7) S. 43: Vgl. hierzu die Anmerkung Z, £. prakt. Geologie 1907, S. 97!

3) S. 44: Gerade solche Übersetzungen zeigen, wie weit wir noch von
ierminologischer Eindeutigkeit und wirklicher Verständigungsmöglichkeit
auf bergwirtschaftlichem Gebiet entfernt sind. Alle hier gebrachten Über-
setzungen sind noch verbesserungsbedürftig. Wir bitten um Hilfe, — auch
am Übersetzungen ins Spanische, Italienische, Russische usw.!

ji Krahbmann, Arbeitsgemeinschaft
49
        <pb n="62" />
        B. DIE WIRTSCHAFTSPOLITISCHE AUSWIRKUNG
JE BEGRIFFE STAAT UND WIRTSCHAFT SIND NICHT STABILE
D und statisch konstruierte, sogenannte „feststehende“ Be-
griffe, sondern unterliegen dem Prinzip jedes Lebens, der Bewe-
gung, der Dynamik. Sie wollen neue Formen annehmen, und
zwar aus einem Grunde, der uns Bergleute ganz besonders an-
geht. Das Leben in Staat und Wirtschaft ändert sich so schnell,
weil die Technik so schnell fortschreitet; diese schreitet fort,
weil unsere Naturerkenntnis in beschleunigtem Tempo wächst
und zu entscheidenden Wahrheiten geführt hat, doch noch
nicht so sehr auf organischem Gebiet — das kann und wird erst
später mal alles anders werden —, sondern zunächst vielmehr
auf anorganischem, also bergwirtschaftlichem Gebiet.

Aus diesen Gründen steht gegenwärtig die anorganische Roh-
stoffwirtschaft auf der politischen Bühne so weit im Vorder-
grunde und lenkt alle Blicke auf sich, innenpolitisch wie außen-
politisch.
Und diese Spannungen vervielfachen sich, weil die Ansprüche
der anorganischen Technik und die Leistungen dieser Technik
der Natur gegenüber sich immerwährend gegenseitig steigern;
— es ist das eine Gegenseitigkeit, wie früher der Kampf zwischen
230
        <pb n="63" />
        Panzer und Kanone: eins überbot das andere, weil jede Mate-
rialverbesserung beiden zugute kam. So stehen sich heute In-
genieur und Natur gegenüber: Erkenntnis führt zur Herr-
schaft, größere Herrschaft über die Natur führt zu neuen
Diensten der Natur, zu vermehrten geistigen und materiellen
Erkenntnismitteln usw., abwechselnd sich steigernd.

So führt auch die Technik zu neuen Staatsformen, neue
Staatskräfte mit Hilfe nun größerer Staatskapitalien zu erwei-
terter Technik. Dasselbe gilt auch von einer im gewissen Sinne
staatsfeindlichen Privatwirtschaft, die ihrerseits mit noch grö-
ßerer Technik und mit noch größerem, weil international ver-
bundenem und beweglicherem Kapital der Natur gegenüber
immer weiter fortschreitet und sie sich dienstbar macht.

So hat längst die neue Wirtschaft am alten Staat gerüttelt
und ihn in neue Formen gezwungen, ohne daß diese Formen ihr
nun passen, — und so rüttelt seinerseits der neue Staat an alten
Wirtschaftstraditionen, und deren neue Formen passen ihm wie-
der nicht.

Mitten in diesem Spannungsfeld steht in erster Linie die an-
organische Natur, die Lagerstätte nutzbarer Mineralien als
Streitobjekt — als ersehnte Kraft- und Machtquelle für beide
Parteien und als Grundlage aller neuen Technik, ohne die sich
keine Kraft und keine Macht genügend auswirken kann.

Wir beobachten hier also ein gewaltiges Ringen und suchen
nach einem Standpunkt, von dem aus sich vielleicht ein wenig
mehr Überblick und damit ein gewisser Ausgleich finden ließe.
Wir fragen: Wo liegt das Dritte, das im technischen Ringen von
Staat und Wirtschaft um die natürlichen Kraft- und Macht-

3Ii
        <pb n="64" />
        quellen beiden gemeinsam ist? Offenbar im Kapital, das dem
Staat als Steuer, der Wirtschaft als Rente zufließt, sich hier
akkumuliert und mit unwiderstehlicher Macht in die verschie-
denen Formen von Anlage- und Betriebskapital dringt, ohne
welche Einkleidung es sich ja nicht betätigen, erneuern und ver-
zınsen kann.
Liegt also hiernach das Problem Staat und Wirtschaft zu-
nächst in dem Oberbegriff Kapital, so verschiebt es sich gerade
dadurch auf eine andere Ebene, nämlich von der nationalen
auf die internationale Ebene; damit aber tritt eine andere Po-
larität in das Kraftfeld Staat und Wirtschaft ein, und zwar eine
solche, die beiden nicht gleichmäßig, sondern ungleich wesens-
verwandt ist; denn die internationale Ebene ist dem nationalen
Staatsbegriff antipathisch und entgegengesetzt, dem Kapital-
begriff und der reinen Privatwirtschaft aber durchaus sympa-
thisch und wesensverwandt. Der Kapitalismus harmoniert eben
mehr mit dem Internationalismus als mit dem Nationalismus.
Er braucht aber zu seiner Betätigung die national bewachte
Natur, die Lagerstätte, und so entsteht die große Frage: Wie
soll ein Staat einmal im Interesse seiner Souveränität, anderer-
seits im Interesse seiner Wirtschaft seine Lagerstättenpolitik ein-
richten? Voraussetzung für die Stellungnahme zu dieser Frage
ist natürlich eine möglichste Klarheit darüber, was denn ein
Staat und was andere Staaten überhaupt an Lagerstätten haben,
und in welcher Rangordnung diese miteinander konkurrie-
renden Lagerstätten bezüglich ihrer Bauwürdigkeit stehen.

So hängt unsere Lagerstätteninventur mit dem großen Kul-
turproblem Staat und Wirtschaft im ganzen zusammen! Im

32
        <pb n="65" />
        einzelnen können wir das nur erkennen, wenn wir den verbin-
denden komplexen und dynamischen Begriff „Bauwürdig-
keit“ in seine Einzelfäden auftrieseln und als Funktion erfassen.
Das ist das Hauptthema der Bergwirtschaftlichen
Arbeitsgemeinschaft.

Es sei nun versucht, unsere wirtschaftspolitischen Ziele im
einzelnen aufzuführen und zu gruppieren; ergeben sich doch
daraus erst die schärferen Einstellungen in der praktischen Ar-
beit und — zunächst das Wichtigste! — die Zielsetzungen der
Stifter und ihre Stiftungsfreudigkeit.

a) Innenstaatlich

Zunächst seien einige innenstaatliche Ziele erörtert, doch
nicht nur für Deutschland, sondern für jedes souveräne Volk
geltend. Ein Hauptteil jeder Souveränität besteht in dem freien
Verfügungsrecht über Grund und Boden, der ja zusammen mit
dem ihn besitzenden und verteidigenden Volk erst das darstellt,
was wir „Staat“ nennen. Bildet also die souveräne Lagerstätten-
gesetzgebung die Grundlage jeder nationalen Bergwirtschaft in
politischer Beziehung, so muß einleuchten, daß die Anschau-
ungen und Kenntnisse über Vorkommen, Umfang und Bau-
würdigkeit, also die Inventur der Lagerstätten diese Gesetz-
gebung grundlegend beeinflussen muß.

Daß diese Gesetzgebung nicht stillsteht und starr bleibt, son-
dern fließt, nicht nur in Deutschland, sondern in allen Län-
dern, das zeigt die Geschichte der Berggesetze. Wohin sie weiter-
fließen soll, das können — abgesehen von sozialpolitischen
33
        <pb n="66" />
        Strömungen allgemeiner Art — nur fortlaufende Inventuren,
Bauwürdigkeitsschätzungen und internationale Vergleiche be-
stimmen.

Die Frage eines einheitlichen deutschen Berggesetzes
ist, weil eine Frage der Souveränität der Länder, also eine Frage
der gerade gegenwärtig in Fluß kommenden staatlichen Einheit
Deutschlands.

Reichs- und Länderbehörden sowie privatwirtschaftliche und
politische Standpunkte, die hieran und an neutraler wissen-
schaftlicher Bearbeitung dieser Fragen interessiert sind, hätten
also alle Veranlassung, uns in dieser Richtung Aufgaben zu
stellen und Mittel zu bewilligen.

Bei genauerem Hinsehen zerfallen diese Fragen alsbald in
viele Einzelfragen; denn nur weniges ist hier allgemein berg-
wirtschaftlich oder allgemein anorganisch, also einschließlich
der Steinbruchsbetriebe u. dgl., zu regeln. Das meiste ist viel-
mehr nach Einzelmineralien, nach Kohle, Eisenerze, Salze usw.
gesondert zu bedenken. Auch damit ist es noch nicht getan: es
kommt nicht nur auf diese oder jene Stoffverschiedenheiten,
sondern auch auf Formverschiedenheiten des Vorkommens, auf
die einzelnen Lagerstättentypen an, die besonders geregelt sein
wollen, wenn die Regelung unnütze Härten, technische Schwie-
rigkeiten, soziale Ungerechtigkeiten, kapitalistische Bedenken
und internationale Nachteile vermeiden soll ?).

Diese weitgehenden Einzelheiten werden am besten von den
mineralogisch und regional verschiedenen privatwirtschaftlichen
Verbänden und Vereinen wahrgenommen, die deshalb ebenfalls
alle Veranlassung haben, uns in diesen Arbeiten zu unterstützen.

54
        <pb n="67" />
        Weil nun das Reich noch nicht in den Lagerstättenabbau
der Länder eingreifen kann, greift es — seit dem Kalihandels-
gesetz von 1910 — in den Handel ein und sucht von hier aus
zu regeln. Damit werden alle preisbildenden Faktoren ein-
schließlich der Lohn- und Absatzfragen für derartige Über-
legungen mobil gemacht. Mithin müssen auch alle Händler-
und Verbraucherorganisationen für unsere Pläne Interesse haben
und sie unterstützen.

Endlich ist es das Kapital selber, das in mannigfachster
Weise an seinen Werten und Anlagen in der Natur, also in den
Lagerstättenrechten, wie an seiner Arbeitsform als Betriebs-
und Anlagekapital interessiert ist. Jede bergwirtschaftliche
Kreditfrage— sei es eine gewünsc hteBeleihung von wirklich Vor-
handenem, eine Spekulation auf Erhofftes, eine Versicherung
gegen irgendwie Drohendes oder ein Entschädigungsanspruch
auf irgendwie Verlorenes — dreht sich um Bewertungen und
Schätzungen von diesem oder jenem Standpunkt aus; immer
stoßen wir auf fast unüberwindbare Schwierigkeiten und Un-
klarheiten, und immer muß praktisch irgendwie gehandelt wer-
den, wenn auch oft erst nach einem unendlichen Hin und Her.
Bergrechtsprozesse sind wohl das Schwierigste und Langwierig-
ste, was die Rechtsgeschichte kennt. Viele müssen sich deswegen
im Sande verlaufen und Hoffnungen mit sich begraben; manche
aber schlafen nur, um erst nach Jahrhunderten wieder aufzu-

wachen, wenn die Welt ganz anders aussieht, denn sie enthalten
uanverjährbare Rechte.
Auch hier also viele Arbeitsthemen, und zwar „lohnende“!

3
        <pb n="68" />
        b) Außenstaatlich

Die wichtigste innerpolitische Frage im Bergbau, eben die
Lagerstättenpolitik, ist — merkwürdiger- oder natürlicherweise?
— nicht allein vom innerpolitischen Standpunkt aus, sondern
nur zugleich auch von außenpolitischer Einstellung her zu lösen.
In der Landwirtschaft liegt das einfacher; hier ist der autar-
kische, der selbstgenugsame Standpunkt der zunächst natür-
liche und gegebene. In der Bergwirtschaft, d. h. auf der Kon-
sumtionsseite, also in der Hüttenwirtschaft, ist’s gerade umge-
kehrt; denn hier soll man in industriell entwickelten Ländern
grundsätzlich eigentlich lieber von auswärtigen Lagerstätten
zehren und zehren lassen, wenn und solange man von dort die
Erze billiger als aus dem Inlande beziehen kann, und wenn
nicht andere, mehr soziale Gesichtspunkte dagegen sprechen,
und sofern nicht gerade auch vom Bergbau Rücksicht auf eine
aktive Handelsbilanz verlangt werden muß.

Das alles hängt einfach damit zusammen, daß die Lager-
stätten nicht, wie die Bodenoberfläche, ewig bebaut werden
können, sondern abgebaut werden und nicht nachwach-
sen. Bergbau ist eben Vorratsabbau, Landwirtschaft ist in der
Hauptsache Regen- und Sonneneinfang mit Hilfe der Boden-
oberfläche, zum kleineren Teil Ackerkrumenausnutzung, die
jedoch durch Düngung wieder ersetzt, sogar mehr wie gutge-
macht werden kann,

Deshalb ist in der Bergwirtschaft die vergleichende Vorrats-
feststellung, -berechnung und -schätzung nicht nur die selbst-
verständliche Grundlage für den tatsächlichen Bergbaubetrieb,
56
        <pb n="69" />
        sondern auch für die unter Umständen den Abbau verzögernde
Bergbaupolitik, und zwar für die Innen- und Außenpolitik zu-
gleich. Denn die wichtigste lagerstättenpolitische Frage ist, ob
der Bergbau im Lande unter allen Umständen geschützt, ge-
fördert, wenn nötig staatlich, also durch die Allgemeinheit un-
terstützt und subventioniert werden soll — siehe englische
Kohlen- und deutsche Eisenerzsubventionen —, oder ob man
ihn dem fremden Wettbewerb gegenüber seinem Schicksal
überlassen soll, dadurch aber die zur Zeit nicht lohnenden
Lagerstätten als Reserven für spätere Zeiten erhält, seien dies
Zeiten der besseren friedlichen Konjunktur oder Zeiten der
kriegerischen Blockade.

Vor solche Fragen werden die Regierungen wie die privaten
Verbände immer wieder gestellt und oft zu schnellem Handeln
und langsichtigen Entscheidungen gedrängt, während die wich-
tigsten Grundlagen dafür, eben die Vorratsschätzungen mit allen
Wenn und Aber, und zwar die Feststellungen im eigenen
Lande und — nach Möglichkeit! — die Vergleiche mit dem
Auslande, nicht schnell von Fall zu Fall, sondern nur durch
dauernd geführte Lagerstättenkataster relativ richtig beschafft
werden können.

Jede stofflich oder örtlich begrenzte innere Lagerstätten-
frage, namentlich natürlich in den Grenzzonen, ist also eine
Frage der Außenhandelspolitik, eine Sorge des Auswärtigen
Amtes, des Reiches, obwohl sie gleichzeitig — noch! — ein wich-
tiger Bestandteil der Landessouveränität ist. Dadurch aber
hängen unsere Bestrebungen aufs engste mit den Fragen der
Reichseinheit zusammen und sollten von hier aus unterstützt
57
        <pb n="70" />
        werden. Die Geschichte unserer Kohlen-, Kali- und Erzproduk-
tionspolitik sowie diejenige unserer Erdöl-, Kupfer- und Zinn-
konsumentenpolitik in den letzten 30—40 Jahren zeigt, daß
wir bei genügender geologischer und bergwirtschaftlicher
Einsicht manches hätten anders machen müssen und können! —

Und nun die großen außenpolitischen Fragen der letzten
Zeit, der Gegenwart und der nächsten Zukunft! Schon kurze
Andeutungen dürften genügen, um überall die Verflechtungen
innerer mit äußerer Lagerstättenpolitik erkennen zu lassen und
damit die dringende Notwendigkeit, von Reichs wie von Ver-
bands wegen die Unterlagen gründlich und von langer Hand
studieren zu lassen:

Die Reparationen belasten wesentlich den Bergbau, teils
direkt, teils indirekt, weil z. B. die Reichsbahn wegen ihrer Re-
parationslasten dem Bergbau in der Frachtpolitik nicht genü-
gend entgegenkommen kann, weder allgemein noch in den not-
wendigen feineren Unterschieden mit Ausnahmetarifen.

Schon die Reparationsgrundlage ging fehl: Deutschland sei
reich, z. B. an Kohle- und Kalivorräten, also könne es viel zahlen.
Das ist ein Trugschluß, solche Vorräte bilden an sich keinen
Reichtum, wenn die Arbeitskraft nicht ausreicht, wenn das
Kapital fehlt und der Absatz ins Ausland verhindert wird. Die
hierauf aufzubauenden Auslandskredite vertragen nur milde
Zinsen, sonst hört die Wettbewerbsfähigkeit, also der Absatz
auf.
Sobald also die notwendige Revision des Dawesplanes in Aus-
sicht steht, sind hierfür die lagerstättenpolitischen Grundlagen
in umfassender und einleuchtender Weise klarzulegen.
38
        <pb n="71" />
        Was die hohen Reparationen nach außen sind, bilden im
Innern die bescheidenen Entschädigungen für verlorenes oder
beschlagnahmtes, jetzt ausländisches Bergwerkseigentum, ob-
wohl auch hier die manchmal angegebenen Werte vielfach von
nicht zutreffenden Wertberechnungen oder Schätzungen aus-
gehen und übertreiben.

Ähnlich wie in den abgetretenen oder besetzten Gebieten im
Westen und Osten Deutschlands liegen die Entschädigungen
oder Wiedererlangungen der Bergwerksrechte in den früheren
Kolonien und jetzigen Mandatsgebieten verschiedener Ordnung.
Alle Kolonialfreunde und alle Kolonialinstanzen sollten unsere
Arbeitsgemeinschaft deshalb durch Arbeitsaufträge, Material
und Geldmittel unterstützen, damit nach den angedeuteten
Grundsätzen tiefer hineingeleuchtet werden kann in dies
Dunkel, das die wahre und so vielfach gewollte Weltwirt-
schaft umgibt.

c) Überstaatlich
Die überstaatlichen Organisationen, ihrem Ursprung nach
natürlich zwischenstaatliche Vereinbarungen, ihrem Ziel und
Wesen nach aber ersehnte, noch sehr labile überstaatliche Ge-
bilde, können nur wachsen und wirken, wenn die Einzelstaaten
hier und da etwas von ihrer Souveränität aufgeben zugunsten
einer neuen überstaatlichen Macht. Wie das Deutsche Reich
oder irgendwelche „Vereinigten Staaten“ nur wirken können
auf Grund von Verzichten der Länder oder Einzelstaaten, so der
Völkerbund oder paneuropäische und ähnliche Gebilde nur
13
        <pb n="72" />
        durch freiwillige Ein- und Unterordnung der einzelnen Staaten
in und unter ein größeres überstaatliches Gemeinwesen.

Bedenken wir nun die Wichtigkeit der anorganischen Roh-

stoffe für jede Friedens- und Kriegstechnik, so leuchtet un-
mittelbar ein, daß bergwirtschaftliche Verständigungen zwi-
schen den Staaten zugunsten einer überstaatlichen Ordnung
schlechthin die Grundlage bilden müssen für die wirkliche
Völkerbundidee gegenwärtiger oder künftiger Verfassung. Ein
Weltberggesetz wäre also eine Parallele zum Reichsgesetz:
ebenso schwierig, schier undenkbar und doch wesensverwandt,
also wie dieses stufenweis wohl erreichbar. Und was rein poli-
tisch direkt unmöglich erscheint, dem wird psychologisch doch
vorgearbeitet: privat- und betriebswirtschaftlich durch inter-
nationale Konzerne, finanzwirtschaftlich durch das überstaat-
liche Kapital, wissenschaftlich und methodisch durch intellek-
tuelle Kooperationen.und Rationalisierungen des internationalen
Wissenschaftsbetriebes.

Daraus folgt, daß alle derartige staatlichen, wirtschaftlichen,
sozialen, intellektuellen und religiösen Bünde, Gesellschaften,
Ligen usw. mit irgendwelchen Verständigungszielen ausgehen
müssen von diesen ganz realen Grundlagen aller Wirtschaft und
Technik, von den Lagerstätten nutzbarer Mineralien. Unsere
in Genf, in Paris und anderswo unternommenen Anregungen
müssen daher, sobald sie nicht irgendwie mißverstanden wer-
den, auf einen günstigen Boden fallen und Beachtung und
Unterstützung finden. Das muß einmal gelten für die ganze
allgemeine Idee der Welılagerstätteninventuren und zweitens
für die Teilprobleme, welche künftig fortlaufend die internatio-
50
        <pb n="73" />
        nalen Kongresse und Konferenzen verschiedenster Art beschäf-
tigen werden: nicht nur die Geologen- und Geographenkon-
gresse, sondern ebenso auch die Weltkraftkongresse, die Inter-
nationale Handelskammer, die Weltwirtschaftskonferenzen usw.,
und ferner alle Bestrebungen für internationales Recht, für
Statistik und andere methodische Vereinheitlichungen. Über-
all erwarten wir Interesse, Bundesgenossen und Hilfe, denn
alle diese Bestrebungen sind miteinander verbunden durch
die gemeinsame Sehnsucht nach Arbeitsfrieden und Welt-
frieden.

In zweiter Linie — d.h. nach einiger rein methodischer
Klärung bergwirtschaftlicher Aufnahmen, woran alle Staaten
gleichmäßig, weil wissenschaftlich interessiert sind, und wofür
deshalb keine Zurückhaltung aus wirtschaftlichen und poli-
tischen Gründen geübt werden braucht — folgen dann mehr
oder weniger zahlen mäßige Feststellungen der Vorräte in der
Rangordnung allgemein vereinbarter Bauwürdigkeitsklassen,
die jeder Staat für sich im Inlande und, so gut es geht, in sei-
nem Auslande vornimmt und deren Zurückhaltung natürlich
in wirtschaftspolitischem und auch in militärischem Interesse
geboten ist. Der wahre Wert gerade geheim zu haltender Zahlen
liegt aber erst darin, daß sie mit bekannt gewordenen Zahlen
wirklich vergleichbar sind. Deshalb sollten gerade die Stellen,
welche berechtigte Wirtschafts- und Staatsgeheimnisse zu wah-
ren haben oder glauben, sie wahren zu müssen, darauf dringen
und daran fördernd mitarbeiten, daß wir zu einheitlichen Auf-
nahme- und Schätzungsmethoden für ruhende Lagerstätten-
vorräte kommen.

Ay
        <pb n="74" />
        Auch die freie und beliebige Verwertung solcher Zahlen
und Werte im wirtschaftspolitischen Kampfe, die Auf- und Ab-
rundungen, mit oder ohne Begründung, sei es gegen eigene
Finanzämter oder gegen auswärtige Kreditinstitute, sei es an
der Börse oder im Gerichtssaal, in Erbschafts- oder in Syndi-
kats- und Trustangelegenheiten, soll durch unsere Bestrebungen
niemals behindert oder erschwert werden: aber jede einmal
gegebene Zahl oder nur in Worten formulierte Schätzung er-
hält dem Gegner gegenüber erst die rechte Durchschlagskraft,
wenn sie mit seiner Behauptung methodisch vergleichbar ist,
praktisch belegt werden kann und wissenschaftlich Stich hält.

Was wir im Grunde und allgemein ausgedrückt eigentlich
wollen, ist die Verbesserung unseres Gutachter- und Sach-
verständigenwesens in bergwirtschaftlichen Angelegen-
heiten. Daß hier viel im Argen liegt, entweder im rein Hand-
werklichen oder Hergebrachten noch steckt oder vom amtlichen
oder fachlichen Autoritätsglauben überwuchert wird, das weiß
jeder Eingeweihte, leider aber noch nicht jeder Richter und
jeder verantwortliche Kreditgeber. Vielen von ihnen gilt Berg-
bau immer noch als eine so geheimnisvolle Sache, daß sie eben
gerne und blindlings „glauben“ statt „verstehen“ zu wollen.
Auch bier heißt „rationalisieren“ soviel wie „verstehen lehren
and lernen.“

Sprachen wir wirtschaftspolitisch bisher fast nur vom Wirt-
schaftsfaktor „Natur“, von der Lagerstätte, so sind doch die
beiden andern Faktoren, „Arbeit“ und „Kapital“, nicht weniger
wichtig, innen- wie außenpolitisch, und in unser Schätzungs-
52
        <pb n="75" />
        problem mit hineinzuziehen. Gerade hier zeigt sich die Grenze
und das Versagen der rein geologisch-technischen Betrachtung,
also die Notwendigkeit, die Naturwissenschaft durch Sozial-
und Finanzwissenschaft zu ergänzen, wenn wir von der berg-
männischen Seite her die große Spannung „Staat und Wirt-
schaft“ etwas mildern und ausgleichen wollen.

Zunächst der Mensch, die Arbeit! Achtstundentag, Lohn-
höhe, soziale Lasten, Lebenshaltung, Unternehmergewinn und
Weltmarktpreise sind heute — wenn überhaupt — nur inter-
national lösbare Probleme. Sie bilden die Komponenten der
Selbstkosten, also die Grundlage des Begriffes „Bauwürdigkeit“
und des Inventurproblems. Es war im Jahr 1926 nicht reiner
Zufall, daß ich damals in Genf zunächst ins Internationale
Arbeitsamt ging! Und auch heute erwarten wir für unsere
Bestrebungen gerade von dieser Seite her Beachtung und Unter-
stützung.

Endlich das Kapital! Schon längst wissen wir, daß es seinem
innersten Wesen nach nicht national gebunden ist, sondern
am liebsten zwischenstaatlich sich betätigt, ja überstaatlichen
Charakters ist. Daß dieser Charakter erst seit knapp hundert
Jahren deutlicher in die Erscheinung tritt, sagen wir seit dem
epochemachenden Auftreten der „fünf Frankfurter“ Roth-
schilds, hängt lediglich mit der Entwicklung der modernen
Verkehrstechnik zusammen; grundsätzlich war es zur Zeit der
Fugger oder der römischen Kaiser und noch früher ebenso.
Irgendwo ist das Kapital natürlich „zu Hause“, heute in Ame-
rika, sein „Feld“ aber ist die Welt, seine bevorzugte Anlage-
stelle die „bauwürdigste“ Lagerstätte irgendeines nutzbaren
33
        <pb n="76" />
        Minerals, — nicht etwa der fruchtbarste Ackerboden. Hierm
liegt ein großer Unterschied zwischen Bergwirtschaft und Land-
wirtschaft, wie ihn die allgemeine Wirtschaftsgeschichte deut-
lich zeigt.

Natürlich haben deshalb alle größeren Finanzinstitute ihre
Bergbausachverständigen zur Hand, aber an gegenseitiger Ver-
ständigung bezüglich der Methoden der Abschätzung und des-
halb an Vergleichbarkeit der Ergebnisse fehlt es doch noch
sehr. Ohne daß Sonderinteressen geschädigt würden, könnte
das Kapital als solches oder die internationale Finanzwelt im
ganzen oder ein einzelner einsichtiger Finanzmann nur ge-
winnen, wenn in Anlage-, Kredit-, Beleihungs- und Entschä-
digungsfragen für Bergbauobjekte einheitlicher gerechnet und
gewertet würde. Von den auf Grund der Finanzdifferenzen —
Kriegsschulden, Reparationen u. dgl. — dauernd bestehenden
politischen Differenzen gar nicht zu reden.

Schließlich läuft natürlich wie jede Politik so auch die in
die Zukunft projizierte Lagerstättenpolitik auf eine mehr hof-
fende oder auf eine mehr verzichtende Anschauungsweise hin-
aus. Deshalb sei hier (aus einem andern Schriftsatz) noch
folgendes eingeschaltet:

Zu den beiden Fragen, ob solche Schätzungen erstens über-
haupt möglich und zweitens auch wünschenswert seien,
kann man sich je nach wissenschaftlichem und nach wirtschafts-
politischem Standpunkt natürlich sehr verschieden einstellen;
der totale und radikale Skeptiker wird beide einfach verneinen,
für ihn ist das ganze Problem praktisch damit erledigt. Wer
aber glaubt, seine Skepsis nur zur Kritik der Vergangenheit
64
        <pb n="77" />
        verwenden zu dürfen und — vielleicht gerade auf Grund einer
bewußten Vergangenheits-Skepsis! — in die Zukunft der Wis-
senschaft und der Politik etwas hoffnungsvoller sieht — und
nur an so Eingestellte wendet sich dieser Aufruf — für den sei
folgendes zur Begründung dieses zweifachen Versuches aus-
geführt:
ı. Es wird zugegeben, daß es sich nur um Schätzungen, um
Annäherungswerte, sogar um ständig zu revidierende, weil
ganz relative Angaben handeln kann. Ja gerade diese Relativi-
tät soll aufgedeckt werden und die Problematik, ja Unrichtig-
keit und Irreführung der bisherigen Vorratszahlen nachgewiesen
werden. Die ständige Weiterbenutzung dieser Vorratsschätzun-
gen in wirtschaftspolitischen Debatten und für handelspolitische
Maßnahmen muß aufhören. Aus dieser Einsicht in die Rela-
tivität folgern wir gerade die Notwendigkeit eines tieferen
Eindringens in die wissenschaftlichen Grundlagen und leben
der Hoffnung, daß die theoretische Beschäftigung mit diesen
Dingen uns neue Einsichten erschließt und zunächst wissen-
schaftlich und sodann auch wirtschaftlich vorwärts bringt, d. h.
eben „einsichtiger“ macht. Jeder wisserischaftliche Fortschritt
beruht bekanntlich allein auf einem derartigen „hoffnungs-
vollen Skeptizismus“.

2. Ähnlich liegt die andere, die wirtschaftspolitische Frage.
Es handelt sich um den Glauben an die Weltwirtschaft, an
Verständigungsmöglichkeiten auf Grund des Verstehens der
machtpolitischen Grundlagen, welche jedes Land in seinen
Lagerstätten besitzt — „birgt“ —, aber nicht mehr verbergen
kann vor anderen, es sei denn, daß es jede Forschung, jeden

Krahmann., Arbeitsgemeinschaft

65
        <pb n="78" />
        Aufschluß verbietet und dann auch selber nicht erfährt, was
es an Wirtschaftskräften hat und ins Treffen führen kann. Die
Zeiten derartiger bergbaufeindlicher Ackerbaustaatenpolitik
sind eben vorbei. Heute steht sich jedes Land dann am besten,
wenn es seine geologischen und bergwirtschaftlichen Karten
aufdeckt, mit offenen Waffen in die Weltwirtschaftsarena tritt
und den ihn von der Natur und von den Zeitumständen ge-
wiesenen Platz einnimmt. Also nicht nur wünschenswert, son-
dern sogar notwendig ist für jedes Land die Teilnahme an den
Weltlagerstätten-Inventuren, wenn die Waffen „gut und gleich“,
d. h. die Berechnungsmethoden einheitlich und kontrollierbar
sind.
Das alles kann nur allmählich durch die oben angedeutete
wissenschaftliche Einsicht in die Relativität der ständig wech-
selnden Bauwürdigkeitsbedingungen erreicht werden! Und
deshalb wird hiermit zu einer „Bergwirtschaftlichen Arbeits-
gemeinschaft“ eingeladen, die zunächst wissenschaftlich tiefer
schürfen, die Ergebnisse dann aber auch wirtschaftspolitisch
auswerten soll.

ANMERKUNG:

%) S. 54: Es war ein Grundirrtum vieler Berggesetze des vorigen Jahr-
hunderts, die Verfügungsrechte über alle Mineralarten und die verschiedenen
Formen ihres Vorkommens gleichmäßig ordnen zu wollen — in An-
lehnung an ältere Bergordnungen, die aber nur „Erze“ in „Gangform“ im
Auge hatten.

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C. DIE WISSENSCHAFTLICHE GRUNDLAGE
unserer Arbeitsgliederung und der zusammenfassenden
Gesichtspunkte

Analyse und Synthese

IN BERGWIRTSCHAFTLICHES SYSTEM KANN SICH NUR AUS
E einem allgemeinen Wirtschaftssystem ergeben, denn nur
nach Objekt und Methode, nicht aber nach eigentlichen Wirt-
schaftsprinzipien ist die Bergwirtschaft von anderen Wirtschaf-
ten unterschieden.

Wir versuchen eine Analyse in dem steten Bewußtsein syn-
thetischer Möglichkeiten nach 3 Prinzipien, die, wie uns
scheint, alles Leben, in Sonderheit alles Wirtschaften und
schließlich auch alle sozialen Verhältnisse der Menschheit be-
herrschen:
A. Das (erkenntnistheoretische) Polaritätsprinzip mit er-
lösender Entspannung, also die heilige Dreiteilung im Aufbau
der Wirtschaft (nach Produktion und Konsumtion mit vermit-
telnder Distribution) und nach den Produktionsfaktoren:
Objekt die Natur, Subjekt der Mensch und seine Arbeit, Mittel
das Kapital in Form des Kredits und der Technik.

5m
        <pb n="80" />
        B. Das(wirtschaftliche) Bewertungsprinzip im Spannungs-
bogen zwischen Positiv und Negativ, zwischen Erzeugung und
Verbrauch und das Prinzip der Wertverteilung auf die
Produktionsfaktoren Naturbesitz, Arbeitswille und Kapital-
kredit.

C. Das (politisch -soziologische) Humanitätsprinzip als
Ausgleich zwischen dem politischen und dem ökonomischen
Mittel, zwischen Macht und Masse, Besitz und Arbeit, Im-
perialismus und Sozialismus.

A. Das Polaritätsprinzip
„Aufbau“ und „Faktoren“ der Wirtschaft

Wirtschaften heißt „Werte“ schaffen, Dinge und Kräfte, die
Bedürfnisse befriedigen können und deshalb „gut“ oder „Güter“
heißen, solange ein Bedürfnis nach ihnen vorhanden ist. Hört
das Begehren, die Nachfrage auf, schwindet der Wert (und die
Gütereigenschaft) oder ruht solange, bis neue Nachfrage ihn
wieder erweckt.

Also das Verlangen, die Nachfrage schafft den Wert; den
Wertträger aber, den materiellen Träger gewisser Eigenschaften
schafft die wirtschaftliche Arbeit an irgendwelcher Natur mit
Hilfe von Werkzeugen und Anlagen, die wir kurzweg Kapital
nennen, weil sie früher Erschaffenes, aber nicht Verzehrtes, also
Erspartes und zu neuer Arbeit Bereites darstellen.

So baut sich das Wirtschaften auf aus den Stufen des Schaf-
fens, des Wertens gelegentlich der Verteilung und des Ver-

58
        <pb n="81" />
        wendens oder Verbrauchens, das aber sparsam, ökonomisch
vor sich gehen muß, damit immer wieder und immer mehr
Mittel übrigbleiben, um immer intensiver und großzügiger die
Natur angreifen zu können.

So hängen Produktion und Konsumtion durch die vielge-
staltige und wertende Distribution zusammen, und rücklaufend
wieder Konsumtion und Produktion durch die im Konsum,
durch den Lebensprozeß. wieder hergestellte Arbeitskraft und
durch die im Sparprozeß erhöhte Kapitalskraft.

Schema ı: Aufbau oder Kreislauf der Wirtschaft
+ Produktion: Schaffen
= Distribution: _ Werten
— Konsumtion: Verbrauchen und Verwenden

Durch diese 3 vertikalen Aufbaulinien der Produktion,
Distribution und Konsumtion laufen die 3 horizontalen Linien
der 3 Wirtschaftsfaktoren Natur, Arbeit und Kapital und er-
geben in den 9 Schnittpunkten ein System der 3 mal 3
Wirtschaftsgrundbegriffe, die je nach dem Einzelfall bald mit
diesem, bald mit jenem Wort bezeichnet werden können: dieses
Wort erhält aber seine ganz bestimmte begriffliche Bedeutung
durch die Stellung innerhalb dieses Neun-Punkte-Systems. Ja,
dasselbe Wort kann für verschiedene Punkte gebraucht werden,
hat dann aber immer nur diejenige Bedeutung, die ihm seine
Stellung im System, d. h. seine Beziehung zu den anderen Punkten
zuweist.

Die folgenden Übersichten verzeichnen einige solcher Worte
aus der allgemeinen wie aus der Bergwirtschaftslehre:
59
        <pb n="82" />
        — Natur
+ Arbeit
— Kapital

Schema 2: Wirtschaftstheorie im allgemeinen
+ Produktion = Distribution —
Objekt Wert
Subjekt Lohn
Mittel Zins

Konsumtion
Verzehr

Leben
Kapitalsbildung

Schema 3: Bergwirtschaftlicher Einzelbetrieb
— Natur Lagerstätte Versand u. Markt Verhüttung
4 Arbeit Fördern Lohnzahlung Ernährung
= Kapital Anlage Verzinsung Ersparnis

Schema 4: Bergwirtschaft, volkswirtschaftlich betrachtet
— Natur Bodenschätze Bauwürdigkeit Verarbeitung
+ Arbeit Bevölkerung Einkommen Lebenshaltung
= Kapital Aufwendung eig. Bergbaurente Ansammlung im
o. fremd. Kapitals eig. 0. fremd. Lande

Man könnte versucht sein — und ist in manchen Wirtschafts-
theorien der Versuchung erlegen —, die Fülle des wirtschaft-
lichen Geschehens auf der einen oder anderen der 2 mal 3 Linien
in mehr als 3 Abschnitte zu teilen; dagegen ist jedoch folgen-
des zu sagen: Die Zahl 3 bedeutet in allen 6 Linien nicht ein
Zählen, nichteine Wiederholung der 1 ‚nicht eine Gleichordnung,
in der nun auch eine 4, eine 5 folgen könnten, sondern es handelt
sich hier jedesmal um die heilige Drei, neben der es nichts Viertes
geben kann, nämlich um das alles in der Welt beherrschende
Polaritätsverhältnis und seinen Ausgleich, um Spannung
zwischen zwei Polen (+ u. —) und ihre Entspannung (=). Pro-
duktion (+) und Konsumtion (—) fordern und bedingen ein-
ander und finden in der Distribution (=) ihren Ausgleich, ihre
Erlösung; Natur (—) und menschliche Arbeit (+) verhalten sich

‚0
        <pb n="83" />
        wie leidendes Objekt (—) und tätiges Subjekt (+), die Wirtschaft
ermöglicht die Einwirkung durch das Mittel (==) des Kapitals,
der Technik. Logisch, polar-begrifflich kann man nur bis 3
zählen, alles weitere ist nur Wiederholung, Verdoppelung, Ver-
wirrung; nur eine Dreieinigkeit bringt Erlösung von These und
Antithese. —
Aus diesem synthetischen Generalschema ergeben sich für die
analytische Einzelarbeit und Arbeitsteilung zunächst 6 Haupt-
arbeitsrichtungen und demgemäß 6 Hauptabteilungen der
ganzen Arbeitsgemeinschaft — 3 vertikale und 3 horizon-
tale —, die in 9 Punkten einander schneiden und hierdurch die
besonderen Probleme der Wirtschaft andeuten und für ihre
Diskussion das Feld abgrenzen und inhaltlich umschreiben.

Diese 6 Hauptrichtungen oder Themata sind:

A. Die 3 Linien des Aufbaues der Wirtschaft:

1. Die Produktion, bergmännisch also die Rohstoff-Förde-
rung mit ihren natürlichen und rechtlichen, menschlichen und
technischen (bzw. geldlichen) Arbeitsbedingungen.

2. Die Distribution, die Bewertungs-, Markt- und Absatz-
frage mit dem Problem der Verteilung des Gegenwertes der
Förderung auf die natürlichen, menschlichen und geldlichen
Produktionsfaktoren, also der Teilung in Bodenrente, Arbeits-
einkommen und Kapitalzins.

3. Die Konsumtion, bergmännisch namentlich die Weiter-
verarbeitung der Förderung durch Verhüttung oder Verwen-
dung durch Verfeuerung, Düngung usw., mit dem Problem der
Lebenserhaltung, der Lebensvermehrung und der Kapitalsver-
mehrung und -anhäufung
        <pb n="84" />
        B. Die 3 Linien der Wirtschaftsfaktoren:

4. Die Natur als Objekt menschlichen Wirtschaftens, für die
Bergwirtschaft also die Lagerstätte, die der Bewertung, dem
Abbau und der Überführung in den chemisch-technischen
Energiestrom unterworfen wird.

5. Der arbeitende Mensch als Subjekt der Wirtschaft, der
Bergarbeiter und Bergbauunternehmer, der in der Bergwirt-
schaft Einkommen und Auskommen sucht und je nach seiner
sozialen Lage und Verantwortungsfreudigkeit es reichlich oder
knapp findet.

6. Das zwischen Subjekt und Objekt vermittelnde Kapital
in Gestalt von Anlage-, Ausrüstungs- und Betriebskapital mit
dem Problem der baldigen Amortisation und sicheren Ver-
zinsung einerseits und der immer zentraler geleiteten Akkumu-
lation und Vertrustung andererseits.

Standpunkte, Weltschauungen, Einstellungen
Haben wir im „Aufbau“ und in den „Faktoren“ der Wirt-
schaft zwei Dreieinigkeiten vor uns, die in ihrer inneren „Er-
lösung“ theoretisch und praktisch, im Denken und im Handeln
eine gewisse Befriedigung gewähren und damit ihre logische
Richtigkeit zu beweisen scheinen, so haben wir nunmehr zur
weiteren Auswertung dieses Neunpunkte-Systems die verschie-
denen Standpunkte zu betrachten, von denen aus man diese
9 Punkte bald mit diesem, bald mit jenem Worte, manchmal
auch Schlagworte, zu bezeichnen pflegt.

Es sind das ebenfalls polar entgegengesetzte Begriffe, deren

72
        <pb n="85" />
        theoretisch und praktisch anerkanntes erlösende Dritte uns zur
Zeit noch fehlt oder nur geahnt wird:

ı. Das ökonomische und das politische Mittel.

2. Organische und anorganische Technik.

3. Privatwirtschaft und Volkswirtschaft.

4. Nationalwirtschaft und Weltwirtschaft.

zz. Das ökonomische und das politische Mittel

Um das wahre Wesen des Wirtschaftens zu erkennen, müssen
wir diesen Begriff gleichsam auch von außen betrachten und
fragen: ist denn das wirtschaftliche Arbeiten, die Gütererzeu-
gung, der einzige Weg zur Erlangung von Gütern zur Be-
dürfnisbefriedigung? Offenbar nicht, wie allgemein bekannt.
Neben dem Begriff der friedlichen Arbeit steht derjenige des
feindlichen Raubes, sei es der des Raubritters, der des Diebes
oder der des Spekulanten. Doch ist der Unterschied nicht groß,
denn die Anhänger dieser Methode, d. h. des politischen Mittels,
nennen ihre Betätigung auch „Arbeit“, nur ihre „Einstellung“
ist eine andere. Es setzt hiermit also nur eine interessante Be-
griffsschattierung ein, alle sonstigen Beziehungen und systema-
tischen Zusammenhänge bleiben:

Schema 5: Das politische Mittel
Umwelt Verteilung Genuß und
(Natur u. Mensch) u. Verteidigung Dienen
} Arbeit Rauben Beuteanteil Herrentum
und Herrschen Sold und Untertan
Kapital Waffe Machtgewinn Überlegenheit

13
        <pb n="86" />
        Die geordnete, friedliche Güterbeschaffung mit ökonomischen
Mitteln setzt eben eine gewisse Rechtsordnung, eine moralische
Bindung an Begriffe wie Ehrlichkeit, Wahrheit, Gerechtigkeit
und dergleichen und ein Sicheinfügen des wirtschaftenden Men-
schen in diese moralische Gedanken- und Gefühlswelt voraus.
Wer sich aus ihr heraus hebt, sei es infolge von Schwächen
und moralischer Defekte, wie der Verbrecher, sei es aus Kraft-
gefühl, Machtbewußtsein und antisozialer Anschauung, wie
beim Herrenmenschen oder bei rassenmäßigem Überlegenheits-
gefühl, dem stehen der mehr oder weniger verachteten, unteren
oder irgendwie (z. B. auch religiös) anders gearteten Mitwelt
gegenüber das politische Mittel, der Kampf, Raub, Betrug usw.
zur Verfügung. Fähigkeiten gehören in jedem Falle zum Erfolg:
sind es dort Fleiß, Aufmerksamkeit, Sparsamkeit, so hier Mut,
Entschlossenheit, Großzügigkeit usw.

Wir sehen: eine andere Welt und doch dasselbe System; im
Grunde dieselben Begriffe und doch ganz andere Worte.

Es handelt sich stets darum: welche Wirtschaftsordnung
herrscht, und ist eine Macht da, welche diese Ordnung aufrecht
erhält, sei es ein Familienvater, der Stamm- oder Dorfälteste,
ein Stadt- oder Staatsoberhaupt. Wo die Ordnung noch fast
gänzlich fehlt, wie in der Weltwirtschaft, herrscht zwischen den
Staaten und Nationen noch durchaus das politische Wirtschafts-
mittel, dem alles erlaubt ist, wenn es sich auch ständig und
neuerdings mehr denn je mit früher religiösen, heute morali-
schen und humanistischen Mäntelchen drapiert.

Auch hier ist übrigens zu fragen: wo Hiegt bei dieser feind-
lichen Zweiheit das erlösende Dritte? — Davon im Schlußwort.

74
        <pb n="87" />
        a. Organische und anorganische Technik
(Lebende Wesen und tote Stoffe)
Noch ein Gegensatz muß ganz allgemein begrifflich erfaßt
werden, wenn wir in die Welt unserer Bedürfnisse und ihrer
Befriedigungsmöglichkeiten hineinleuchten und das Besondere
der Bergwirtschaft und ihrer Zukunft erfassen wollen. Es sind
das wesentlich wirtschaftsgeschichtliche Momente.

Im Verlaufe der Entwicklung kommt nämlich der Mensch
mehr und mehr dazu, statt allein aus der organischen Welt der
Erdoberfläche auch aus der anorganischen Sphäre der tieferen
Erdschichten seine Bedürfnisse zu befriedigen, indem er bisher
organische Gebrauchsstoffe (wie Öle, Holz, Textilien usw.) durch
anorganische oder fossil gewordene organische ersetzt (durch
Erdöl, Eisen, Kunstseide usw.), auch Menschen- und Tierkräfte
durch Kohlen-, Öl- und Wasserkräfte. Ja die Pflanzen- und
Tierwelt wird teilweise ausgerottet und vernichtet, im Raubbau
abgebaut, weil sie durch das Steinreich und die anschließende
Chemie immer vollständiger ersetzt werden kann oder muß.

Kann oder muß? Welches ist der primäre Vorgang? Das ist
offenbar schwer zu entscheiden, weil eines das andere bedingt
und bei den verschiedenen Stoffen Ursache und Wirkung ihre
Rollen wechseln und auch in den verschiedenen Erdräumen
und zu verschiedenen Zeiten wiederholt gewechselt haben. Die
große Entwicklungslinie liegt aber jedenfalls so, daß in der
Gegenwart und nächsten Zukunft die Wirtschaft mit anorgani-
schen Rohstoffen, also die Bergwirtschaft ständig zunimmt und
weiter zunehmen wird. Aber wie lange? Ist wirklich eine Um-

75
        <pb n="88" />
        kehr ausgeschlossen? Wie soll schließlich die Erdoberfläche
aussehen?

Auch hier eine feindliche Polarität, der die Erlösung fehlt.

Da taucht der Zweifel auf, ob denn diese Polarität richtig
formuliert ist. Wird sich nicht das erlösende Dritte finden, wenn
erst das tiefere Wesen des Organischen und des Anorganischen
richtiger erkannt ist als wir es uns heute einbilden?

Bergwirtschaft und Landwirtschaft, heute wirtschaftspolitisch
noch immer so große Gegensätze, werden einst vielleicht ganz
anders zusammenwirken, als wir es uns heute überhaupt vor-
stellen können. Ansätze dazu sind vorhanden.

3. Privatwirtschaft und Volkswirtschaft
/Erwerbswirtschaft und Versorgungswirtschaft)
Es ist der Gegensatz: Ich und die Umwelt, Individuum und
Gesellschaft, Individualismus und Sozialismus, Egoismus und
Altruismus usw., der durch die ganze Welt geht, im Wirtschaft-
lichen sich aber besonders ausprägt, weil ja Wirtschaften auf
Selbsterhaltung hinzielt.

In der praktischen Wirtschaftslehre wird deshalb zwischen
Privat- oder Erwerbswirtschaft einerseits und Volks- oder Ver-
sorgungswirtschaft andererseits unterschieden. Das eine ist
der Produzentenstandpunkt, der produziert, um zu verdienen,
das andere der Konsumentenstandpunkt, der seine Bedürfnisse
befriedigen will, um zu leben. Praktisch und im ganzen ist Ja
jeder beides, weil jeder leben will, auch der Herr Fiskus; theo-
retisch aber sieht die ganze Wirtschaft von jedem der beiden
76
        <pb n="89" />
        Standpunkte her ganz verschieden aus. Auch der Händler ver-
söhnt nicht beide, sondern ist selber entweder Verdiener oder
Versorger der Allgemeinheit. Also stets zwei Seelen in einer
Brust, auch in jeder Staats- und Kommunalverwaltung.

Die Praxis selbst ist — wie stets in solchen Fällen — ein Kom-
promiß; man verständigt sich vorläufig, aber kompromittiert
sich auch, stellt sich mit seiner Verlegenheit einstweilen bloß
und hofft auf eine spätere Lösung oder — abermalige Ver-
ständigung. Vgl. Schema 3 und 4 auf S. 70.

4. Nationalwirtschaft und Weltwirtschaft
Was von dem wirtschaftlichen Verhalten zwischen Einzel-
mensch zum Volk gilt, trifft ebenso zwischen „Ländern und
Reich“ zu, zwischen Nationen und internationalen Verbänden,
zwischen Rassen und Menschheit. Es ist stets dieselbe Polarität,
der Individualbegriff nur jedesmal ein anderer; dort sind es
einzelne Menschen, hier einzelne Staaten, Nationen, Völker;
dort heißt es Egoismus, hier Autarkie, Selbstgenugsamkeit.

Der äußere Ausdruck nationaler Wirtschaftsabgrenzung
gegeneinander ist der Zollschutz, die Zollschranke, die Er-
schwerung des freien Handels und Austausches durch Abgaben,
die schwache innere Wirtschaften schützen sollen gegen stärkere
äußere.

Der Gegensatz dazu ist die freihändlerische Einstellung auf
weltwirtschaftlichen Austausch zwischen billigstem Erzeu-
gungsort und bedürftigstem, alsozahlungswilligsten Verbrauchs-
ort ohne Rücksicht auf weniger leistungsfähige inländische Be-
27
        <pb n="90" />
        triebe. Zugrunde liegt dem Freihandel die vernünftige Arbeits-
teilung innerhalb friedlicher Weltwirtschaft, entgegen steht ihm
die Furcht vor dem Mangel im Falle kriegerischer Absperrung,
also ein Mißtrauen gegenüber dem Frieden,

Dieselbe Polarität liegt in dem Gegensatz Militarismus und
Pazifismus, in dem „für alle Fälle gerüstet sein wollen“, auch
unter größten Opfern, und dem vertrauensseligen oder ver-
trauensvollen „Glauben“ an eine bessere, d. h. friedliche Zu-
kunft.

Die neue Gesellschaft statisch oder dynamisch
Wir ahnen alle, bewußt oder unbewußt, eine neue Gesell-
schaft unter neuen wirtschaftlichen Lebensformen, ohne ihre
Struktur schon heute genauer beschreiben zu können. Nur eins
steht vielleicht allgemein fest: scheint uns die alte Gesellschaft —
der alte Staat und die alte Wirtschaft — vornehmlich statisch
konstruiert — in fester, bleibender Form, abgegrenzt und be-
hauptet nach außen, fest und bleibend geschichtet im Innern,
gottgewollt und deshalb geduldig ertragen —, so erscheint die
neue Gesellschaft vornehmlich vom dynamischen Prinzip be-
herrscht zu werden: d.h. dauernd bewegt zu sein, zu fließen,
ewig sich zu verändern. Wozu und wohin, wissen wir natürlich
nicht, können wir nicht wissen; aber mit der Erkennung und
der gewollten oder erzwungenen Anerkennung des dynamischen
Prinzips gewinnen wir doch einen anderen, versöhnlicheren und
vor allem praktisch und politisch fruchtbareren Standpunkt.
Wenn alles fließen soll, hat es keinen Sinn und Zweck, statisch
und für die Ewigkeit zu konstruieren und die Beharrung als

IL
        <pb n="91" />
        vottgewollt zu verherrlichen: z. B. Staatsverfassungen und -ver-
träge, Boden- und Bergrechte, Klassenansprüche und Tarife,
Rentenansprüche und Zinssätze, Lehrpläne und Prüfungen usw.
Vielmehr müssen wir uns vielleicht grundsätzlich zur Dynamik
bekennen, in der Bewegung und Veränderung das Leben ver-
ehren, Kriege und Umsturz als Stromschnellen und Wasserfälle
ansehen, die Gärungen der Jugend anerkennen und klären helfen,
die Rechtsordnung als eine Funktion der Bewegung gestalten,
die Berg- und Bodenrechte der veränderten Wirtschaftslage an-
passen, die Wirtschaft der jeweils möglichen Technik unter-
ordnen und die Politik nicht auf starrem Herkommen, sondern
auf dynamischer Leistung basieren.

Das alles sind Redensarten —, ganz gewiß, nämlich für den,
der nur aus dem statischen Prinzip heraus denken kann. Wer
aber nur einmal versuchsweise grundsätzlich, ich möchte sagen
mathematisch, anders d. h. dynamisch denkt, der ahnt vielleicht
doch den tieferen Sinn aller Relativität —, und das ist eben das
Funktionale, das dynamische Prinzip.

Gewiß, wir bewegen uns hier an den Grenzen unserer Vor-
stellungskraft; aber schon dieses Grenzbewußtsein ist ein Ge-
winn, nämlich für Bescheidenheit und Duldsamkeit. Bestehen
überhaupt die beiden Möglichkeiten, Statik und Dynamik, so
müssen wir auch mal den dynamischen Weg versuchen. Führt
er uns nur etwas weiter heraus aus dem Wirrwarr der Zeit, so
hat er auch eine gewisse Berechtigung. Und mehr sollte hier
nicht behauptet werden.

19
        <pb n="92" />
        B. Das Bewertungsprinzip
Um unser System wirtschaftlich zuzuspitzen auf verwickeltere
Verhältnisse in der Arbeitsteilung, die Tauschmittel notwendig
machen, müssen wir das damit auftauchende Bewert ungs-
prinzip ein wenig erläutern.

Die Bewertung ist der Ausgleich zwischen Nachfrage (Hunger)
and Angebot (Nahrung). Je größer der Hunger, um so höher
die Wertschätzung auch der einfachsten Nahrung, denn das
Leben will sich unter allen Umständen zunächst selbst erhalten
und sodann auch fortpflanzen (Liebe). Diese subjektive Bewer-
tung des Lebensnotwendigen ist verschieden je nach Lage und
Umständen, in denen sich das Subjekt befindet,

Der subjektiven steht die objektive Bewertung der Nahrung
von seiten desjenigen gegenüber, der Nahrung im Tausch an-
zubieten hat. Der Erzeuger der Nahrung kann natürlich seinen
abgebbaren Überfluß nicht nach seinem Hunger bewerten, der
bereits gestillt ist (andernfalls er nichts abgeben würde), son-
dern er versucht, erstens das zu Verkaufende nach unten, nach
den Herstellungskosten zu bewerten und zweitens dann zu er-

zielen, was möglich ist. In diesem Bestreben stößt er auf den
Wettbewerb anderer Anbieter, und schließlich entsteht eine Be-
wertung „je nach Marktlage“, d. h, durch Ausgleich von An-
gebot und Nachfrage.

Das erscheint so einfach, verwickelt sich aber mehr und mehr
durch folgende Umstände:

1. Über die sogenannten Selbstkosten ist sich keiner recht
klar, kann sich nicht klar sein, solange kein allgemein gültiger,
29
        <pb n="93" />
        bleibender Maßstab dafür vorhanden ist. Vor der Zeit der
Geldwirtschaft war er nicht da, und seit der Zeit der Geldwirt-
schaft hat er keine gleichmäßige Dauer.

2. Der Verkäufer von Nahrung in der geldlosen Zeit will auch
nur tauschen, und zwar das, was er übrig hat (für ihn also wert-
los ist), gegen das, was er nötig hat und hoch bewertet. Auch
das Eingetauschte wird also subjektiv einseitig bewertet, und so
hängt es lediglich vom Zufall ab, ob und wie sich etwa Nahrung
gegen Kleidung, Getreide gegen Pelze, eintauschen läßt oder
nicht. Von billig und teuer, von gerechtem und ungerechtem
Tauschhandel, z. B. Elfenbein gegen Glasperlen, Gold gegen
„Feuerwasser“, kann also niemals die Rede sein.

3. Es schob sich nun zwischen Nahrung und Kleidung, als sie
beidenichttauschbar waren, ein vermittelndes drittes, ein Tausch-
mittel. Das mußte auch mal irgendwo, irgendwie brauchbar
sein, wegen dieses „Mal und Irgendwo“ vor allem also haltbar
und bewegbar sein, und wegen des „Irgendwie“ innerhalb ge-
wisser Gewohnheiten liegen. So kam man nach langen Umwegen,
Kreuzwegen und Querwegen schließlich zum Metallgeld, das
aber auch bis heute seinen Weg bis zur Vollendung, d. h. bis
zur räumlichen und zeitlichen Gleichheit nicht durchlaufen hat,
weil ja der edelste Geldstoff, das Gold selbst, den Schwankungen
von Angebot und Nachfrage, von geologischem Vorkommen,
technischer Erreichbarkeit und politischen Machtverhältnissen
einerseits und von industrieller, gewohnheitsmäßiger und gesetz-
geberischer Nachfrage andererseits unterliegt.

4. Mit einem stabilen Tauschmittel hätten wir zwar einen
Wertmaßstab für die Herstellungskosten — und in gewissem

5 Krahmann, Arbeitsgemeinschaft

Si
        <pb n="94" />
        Sinne auch für die Dringlichkeit der Nachfrage —, wenn die
wirklichen Selbstkosten berechenbar wären; sie sind es aber
nur zu einem Teil, der andere, oft größere Teil wird schätzungs-
weise darauf geschlagen und muß vielerlei Unberechenbares,
frühere Verluste und künftiges Risiko ausgleichen.

Wir sehen also: die wirkliche Bewertung von seiten des Pro-
duzenten ist allemal ein Problem, in der Praxis nur ein „Un-
gefähr“. Und doch muß immer wieder zunächst gerechnet, zer-
legt und summiert werden, dann aber dazu geschätzt werden,
teils nach Erfahrung, teils — und meist! — nach Gefühl.

Es wird schließlich gerechnet und mit „wahren Selbstkosten“
wie mit richtigen Zahlen operiert — nicht, weil der Wissende an
diese Zahlen glaubt, sondern weil von dieser Bewertung neben
dem Ausgleich zwischen Produzent und Konsument noch ein
anderes Problem abhängt: der Ausgleich der Ansprüche an dem
Ertrage der. Arbeit, welche die 3 Produktionsfaktoren erheben.
Denn alles, was an Gegenwert vom Konsum an die Produktion
in irgendeiner Form zurückfließt, muß hier verteilt werden:
erstens an den Unternehmer, der meist zusammenfällt mit dem
Verfügungsberechtigten, dem Naturbesitz, dem Rechtsinhaber
der natürlichen Produktionsmittel, in Gestalt der Bodenrente;
zweitens an den Arbeiter, vom mitarbeitenden Unternehmer an
über seine Direktoren, Ingenieure, Angestellte bis zum letzten
Handlanger in Gestalt von Lohn, Gehalt usw., drittens an das
Kapital in Gestalt von Abschreibungen, Zinsen und Divi-
denden. Ja ein vierter meldet sich noch und will seinen An-
teil haben für Schutz und Ordnung, sogar für eigene Unter-
nehmungen, in Gestalt von Steuern: der Staat.
89
        <pb n="95" />
        Auf die Bewertung durch den Markt — oder den Bruttover-
kaufspreis — folgt also die Ertragsverteilung an die Beteiligten,
die sich über ihre Anteile durchaus nicht einig sind; im Gegen-
teil: ein großer Teil des ganzen sozialen Problems läßt sich
zurückführen auf die Ertragsansprüche der an der Produktion
beteiligten verschiedenen sozialen Schichten. Da es hierfür keinen
loyalen Schlüssel gibt, entscheiden die jeweiligen Machtverhält-
nisse: das ist die innigste und heikelste Berührungsfläche zwi-
schen Wirtschaft und Politik, zwischen Staatsordnung und Wirts-
schaftsordnung.

Entwickeln wir nach dieser doppelseitigen Erklärung des Be-
wertungsproblems unser Aufbau- und Produktionssystem nun-
mehr unter besonderer Berücksichtigung der Marktentwicklung
und der sozialen Kämpfe, so ergeben sich für die 9 Schnitt-
punkte etwa folgende Bezeichnungen:

Schema 6: Bewertung und Ertragsverteilung
Natur

+ Arbeit
= Kapital

Verfügungsrechte
Arbeitgeber
Arbeitnehmer
Unternehmer
Anlage

Betrieb

Markt

Lohn

Gewinn
Abschreibung

Masse
Bevölkerung
Existenz
Akkumulation

C. Das Humanitätsprinzip
Wir sahen: die polare Spannung zwischen Produktion und
Konsumtion sucht Erlösung in einer gerechten Bewertung, so-
wohl durch Bewertung der Güter im Preise wie durch Bewer-
tung der beteiligten Leistungen im Lohnanteil. Da es gerechte
23
        <pb n="96" />
        Preise nicht gibt, demgemäß keine gerechte Bewertung der
Leistungen geben kann, so entscheidet die Macht; also nicht ein
ökonomisches Mittel, sondern das politische, Der Starke hat
Recht, der Schwache Unrecht und zieht den kürzeren.

Das Übel der Welt liegt also darin, daß in einem scheinbaren
wirtschaftlichen Prozeß nicht ein wirtschaftliches Moment ent-
scheidet, sondern ein außerhalb der reinen Wirtschaft liegendes
Prinzip, nämlich das Machtprinzip.

Das ist übrigens auch der Grund, daß in der Praxis und im
Leben alle Wirtschaftstheorie versagt, versagen muß; so ver-
sagt, daß man an einer wirklichen Wirtschaftswissenschaft ver-
zweifeln muß, verzweifelt hat, weil ja alle Wissenschaftlichkeit
aufhört in dem Moment, in dem ein ihr fremdes Prinzip mit
dreinredet. In der Verfolgung einer mathematischen Funktion
darf man an kritischer Stelle keinen Gefühlssprung machen.

Hierin liegt mithin unser Leitmotiv: das Problem „Staat und
Wirtschaft“ oder „Macht und Wert“,

Auch hier also die feindliche Polarität, worauf alle Bewegung,
alles Leben beruht; und der Mittler, die Erlösung? Wir nennen
es Humanität, Menschlichkeit, appellieren daran, wenn wir der
Macht Grenzen gezogen wissen wollen, und tun so, als müßte
der Starke den Schwachen wenigstens leben lassen und ihm ein
Existenzminimum gewähren. Der Staat übernimmt diese An-
schauung und die Pflicht der Durchführung und gewährt Ar-
beitslosenunterstützung, aber mit den bei den Starken einge-
triebenen Steuern, also gegen deren Willen. Wie lange? Genau
so lange als dieser Staat sich gegen die Wirtschaft, d. h. gegen
die Macht der Starken behaupten kann. Daß er es überhaupt
3A
        <pb n="97" />
        wenigstens zeitweilig kann, beweist, daß das Humanitätsprinzip
sich durchringen will, daß mit ihm irgendwie in der neuen Ge-
sellschaft, im Zukunftsstaat und demgemäß auch in der neuen
Wirtschaft, in der künftigen Weltwirtschaft, gerechnet werden
darf, ja muß.

Deshalb müssen wir tastend versuchen, unser System der Wirt-
schaft nach dem Humanitätsprinzip zu gliedern, indem wir eine
allmähliche Entspannung zwischen dem ökonomischen und
dem ihm feindlichen politischen Mittel durch dieses Prinzip
voraussetzen oder für die Zukunft erhoffen.

Unser System sieht unter dieser Voraussetzung dann gegen-
wärtig so aus:

Schema 7: Humanitätsprinzip

Natur

+ Mensch

= Kanpital

Gemeinbesitz

Bodenreform

Arbeitsrecht

u. Arbeitspflicht

Gemeinnützige
Anlage

Zwangswirtschaft
Marktausschaltung
Tariflöhne

geringe Leistung
Begrenzte
Verzinsung

Rationierung

mittl. Niveau
d. Lebenshaltung
Geringe
Kapitalbildung,

aber wachsende Bevölkerung! Es befriedigt nicht, weil unter
diesen Umständen das politische Mittel immer wieder zum
Durchbruch kommen wird.

So endet das Wirtschaftsproblem, wie es eigentlich selbst-
verständlich ist, im Bevölkerungsproblem. Hier aber spielen
andere als nur rationale wirtschaftliche oder gar nur berg-
wirtschaftliche Fragen die Hauptrolle, eben irrationale Fra-
gen. Kultur ist mehr als Wirtschaft.

85
        <pb n="98" />
        Alle diese allgemeinen theoretischen Ausführungen waren
notwendig, um für unsere praktische Arbeit in der Arbeits-
gemeinschaft eine systematische Grundlage für Analyse und
Synthese zu geben, wenn auch nur eine vorläufige; bei der
Arbeit selbst wird sich noch manches ändern. Für die Einteilung,
Gruppierung und Benennung schlagen wir deshalb vorläufig
für die g Punkte unseres Systems je 2 Worte, einmal nach dem
allgemeinen Wirtschaftsaufbau und zweitens nach den
besonderen bergwirtschaftlichen Wirtschaftsfaktoren vor,
und erhalten dann die schon im Aufruf und auf der An-
meldungskarte gewählten folgenden 18 Begriffe als erste Grund-
lage unserer Gemeinschaftsarbeit:

Schema 8: Anmeldungskarte
Produktion 1. Verfügungsrechte 2. Betriebswirtschaft 3. Erwerbs-

wirtschaft

6. Tauschmittel

9. Kapitals-
bildung

13. Geopolitik

15, Auskommen

18. Akkumulation

Natur zo, Lagerstätte 11. Inventur
Arbeit ° 13. Soziale Schichtung 14. Einkommen
Kapital 16. Anlage 17. Verzinsung

Über Umfang und Inhalt dieser Begriffe und damit auch
über ihre Stellung im System wird noch oft zu reden sein;
einen ersten Anlaß, Ungenauigkeiten auszuschalten, bietet
schon die Notwendigkeit ihrer sinngemäßen Übersetzung in
andere Kultursprachen, um die wir hiermit ausdrücklich bitten.

6
        <pb n="99" />
        SCHLUSSWORT

Die Programmschrift sollte unsern Aufruf erläutern.
Wer sich bereits meldete, soll nun seine Anmeldungskarte ver-
bessern und ergänzen. Wer noch zögerte, soll nunmehr seine
Bedenken entweder selber klären und sich entscheiden oder sie
uns mit Begründung mitteilen, damit wir antworten können.

Auch Widerspruch verpflichtet; und gerade diese zu-
nächst widersprechende Mitarbeit ist uns wertvoll und dient
der Sache, indem sie hierdurch in immer richtigere und zweck-
mäßigere Bahnen geleitet wird.

Wer da glaubt, nicht Zeit zu haben, dem sei gesagt, daß
wir erstens nichts von seiner kostbaren Arbeitszeit beanspruchen,
sondern nur gelegentliches Eingehen auf unsere Gedanken,
gleichsam zu seiner Erholung, und daß wir zweitens ihm Zeit
sparen wollen, sobald wir nur wissen, wo seine Interessen und
Aufgaben liegen. Wer schließlich glaubt, daß wir Unmög-
liches wollen und nur deshalb seine Mithilfe ablehnt, dem
sei erwidert, daß das scheinbar Unmögliche nur ein Ziel ist,
daß aber auf dem Wege dahin viel Wertvolles erreicht werden
kann.
gm
        <pb n="100" />
        Daß die Zeit reif ist für solche Überlegungen, wird überall
empfunden; es gilt, nun zu handeln, und zwar gemeinsam zu
handeln. Denn diese „Reife der Zeit“ liegt vor allem darin, daß
der Einzelne im „neuen Staat“ und in der „neuen Wirtschaft“
nicht mehr denken darf: „Das wird die Behörde schon gut be-
sorgen“, oder: „Da entscheidet ja doch nur die Macht“, oder:
„Das ist Sache der reinen Wissenschaft“ —, sondern sich sagen
soll: „Der Staat bin ich, sind wir“, „Die Wirtschaft bin ich
auch mit meinem Privatinteresse, aber im Rahmen des Gesamt-
wohls“ und „reine Wissenschaft soll immer nur Mittel, nicht
Selbstzweck sein, soll also der Wirtschaft und der Gesellschaft
dienen und ist erst dann Kultur“.

Die Zeit reift in dem Maße weiter, als uns eine Synthese
aus „Staat“ — oder Recht und Ordnung und Gemeinsamkeits-
gefühl — und „Wirtschaft“ — oder Arbeit, Leben und Sparen
für sich und die engere oder weitere Gesamtheit — und „Wis-
senschaft“ — oder Forschen, Lehren und Anwenden — ge-
lingt: einen Weg hierzu auf unserem engeren und doch so
viel umfassenden Gebiet der .
Bergwirtschaft
suchen wir durch eine die Welt, alles Wissen und alles Können
umspannende, kurz: die
Weltwirtschaft
vernünftiger und friedlicher gestaltende
Arbeitsgemeinschaft.
        <pb n="101" />
        ANHANG
        <pb n="102" />
        <pb n="103" />
        DOKUMENTE

A. BERLIN

ı. Über Wesen und Aufgaben der Bergwirtschaft
Im Jahre 1904 versandte ich an einen größeren Kreis deutscher
Fachgenossen eine unterm 9. März 1904 dem Herrn Reichskanzler
eingereichte „Denkschrift betreffs Einrichtung einer bergwirt-
schaftlichen Aufnahme des Deutschen Reiches“. Diese zielten zu-
nächst auf eine neue behördliche Organisation hin und sollten
I. Begriff und Zweck, IL. die Art und Weise und die Einrichtung,
ILL. den unmittelbaren Nutzen und die Dringlichkeit einer berg-
wirtschaftlichen Aufnahme des Deutschen Reiches — unter ver-
gleichender Berücksichtigung der ausländischen Bergbaureviere —
genauer auseinandersetzen und näher begründen. Außerdeutschen
Kreisen unterbreitete ich meine Vorschläge im Jahre 1905 ge-
legentlich des Congres International d’Expansion Economique
mondiale zu Mons durch Vorlage eines Vortrages über „Einrich-
tung bergwirtschaftlicher Landesaufnahmen“ in der Sektion 11
für internationale Statistik. Sonderabzüge hiervon sandte ich im
November 1905 u. a. an alle außerdeutschen Landesanstalten.

Über die Beurteilung und den Erfolg dieser und ähnlicher Be-
strebungen ist in der „Zeitschrift für praktische Geologie“ — nach-
dem im Jahrgang 1903, S. 1—4, auch S. 359, und in den „Fort-
9I
        <pb n="104" />
        schritten der praktischen Geologie“ B.I, 1903,S. XVI—XXII (Bd. II,
1910, S, XXIH—XXVII) die Ziele erörtert waren — seitdem an
folgenden Stellen weiter berichtet worden:
Jahrgang 1904, S. 174—181 und 267—270: Stimmen über eine
bergwirtschaftliche Aufnahme des Deutschen Rei-
ches. (16 Briefe; der von Sauer folgt hier.)

S. 329—348: Über Lagerstätten-Schätzungen —
im Anschluß an eine Beurteilung der Nachhaltig-
keit des Eisenerzbergbaues an der Lahn.

S. 40—44: ı. Eisenacher Protokoll; Bericht und
Urteil der Herren Credner, Schmeißer und
Beyschlag über meine Vorschläge.

1905, S. 358—374: Preußens neue Lagerstätten-Poli-
tik 1. (Kommissionsbericht über die Lex Gamp,)

1906, S. ı—4: Die Zwangskonsolidation; ein Beitrag
zur neuen Lagerstätten-Politik Preußens.

1906, S. 12—19: Preußens neue Lagerstätten-Politik II.
(Mutungssperre. Eskens.,)

1906, S. 131, 241 und 343: Erweiterung der deutschen
amtlichen Montanstatistik.

1906, S. 163: Internationale Montanstatistik.

1906, S. 152—156: 2. Eisenacher Protokoll; Bericht
der Preußischen Geologischen Landesanstalt und
Bergakademie an den Herrn Minister über meine
Vorschläge und über das geplante amtliche berg-
wirtschaftliche Werk: „Deutschlands Mineral-
schätze nach Vorkommen und Produktion, ver-
glichen mit dem Auslande“; Erklärungen der
Herren Schmeißer, Beyschlag, Credner,
v. Ammon, Lepsius, Sauer nnd Bücking
hierzu.

1906, 5. 170 und 241: Bergwirtschaftliche Landesauf-
nahmen in Anhalt, Österreich, Spanien, Hessen.

1906, S. 171 und 275: Zur Eisenerz-Inventur in Deutsch-
land.

1904

37
        <pb n="105" />
        Jahrgang 1907, S. 93: Wissen, Können und — Wirtschaften. Leit-
sätze meiner Antrittsvorlesung als Privatdozent
an der Technischen Hochschule zu Charlotten-
burg über „Deutschlands Lagerstättenvorräte“,

1907, S.93—97: Die Geologische Landesanstalt und
Bergakademie im Preußischen Abgeordnetenhause
1895—1907-. (Siehe meine Anmerkung $. 97.)

1907, S. 323—332: Karte der nutzbaren Lagerstätten
Deutschlands. (S. 331: Kritik und Wünsche.)

1908, S. 217—219: Eine bergwirtschaftliche Zentral-
behörde in den Vereinigten Staaten,

1908, 5. 287—291, auch 351: Die Erhaltung von Erz-
und Mineralvorräten (in den Vereinigten Staaten).

1908, S. 392—395: Die Aufgaben der Bergwirtschaft
im Rechts- und Kulturstaat. (Resumee und Nach-
wort von Heft ı der Bergw. Zeitfragen.)

Ferner in den „Bergwirtschaftlichen Mitteilungen“ :

Jahrgang 1910, S. 1—3: Bergwirtschaftslehre, bergwirtschaft-
liche Landesaufnahmen und Lagerstättenpolitik.

1917, S. 201—211, 1914, S. 1—1 1: Darlegung eines
Systems der Bergwirtschaftslehre.

1915, S. ı1—56: „Bausteine“ zu einer Bergwirtschafs-
lehre.

2. Füreindeutsches bergwirtschaftliches Zentralinstitut
Der Vorstand der geologischen Landesaufnahme des König-
reichs Württemberg, Herr Professor Dr. Adolf Sauer, schrieb
mir:
Stuttgart, den 16. März 1904.
Sehr geehrter Herr!
Die in Ihrer Denkschrift betreffs Einrichtung einer bergwirt-
schaftlichen Aufnahme niedergelegten Vorschläge verdienen vollste
933
        <pb n="106" />
        Beachtung von seiten aller Geologen und Volkswirte, die ein In-
teresse daran haben, die praktischen Konsequenzen aus den Unter-
suchungen über Bau und Zusammensetzung der Erdrinde gezogen
zu sehen.

Es ist in der Tat Zeit, daß auch für das Deutsche Reich und
seine Kolonien eine Zentralinstanz geschaffen werde, wie sie ähn-
lich bereits Nordamerika besitzt, durch welche eine planmäßige
Entwickelung und Ausgestaltung der montanistischen Produk-
tionslehre herbeizuführen wäre. Daß dies in erster Linie auf geo-
logischer Grundlage zu geschehen hätte, ist erfreulicherweise in
der Denkschrift gebührend betont worden. Damit ist aber zugleich
anerkannt, daß diese neue Behörde an die bereits ähnliche Ziele
verfolgenden geologischen Landesanstalten anzugliedern wäre,
wodurch freilich deren Arbeitspensum, in Preußen besonders, eine
ganz erhebliche Erweiterung erfahren würde. Ihrer Ansicht nach
wäre es überhaupt nötig gewesen, daß sich schon früher die geo-
logischen Landesanstalten und mehr, als es geschehen, bergwirt-
schaftlichen Aufgaben in Ihrem Sinne hätten zuwenden sollen.
Weil dieselben es nicht taten, hätten sie ihren Charakter als prak-
tische Ziele verfolgende Aufnahmebehörden verleugnet und mehr
nach Art wissenschaftlicher Akademien gearbeitet.

Demgegenüber möchte ich mir gestatten, Sie daran zu erinnern,
daß die geologischen Landesanstalten zunächst die Aufgabe haben,
die wissenschaftliche Grundlage, die für jegliche praktische Nutz-
barmachung der Geologie unentbehrlich ist, nämlich die geolo-
gischen Spezialkarten zu schaffen und darnach im Verhältnis zu
den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, die praktische Ver-
wertung der Karten, der gewonnenen Resultate in die Wege zu
leiten. Daß hierbei die Lagerstättenlehre vielfach zu kurz kam,
lag wohl nicht an dem guten Willen der geologischen Landes-
anstalten, das beweisen die vielfachen Publikationen auf diesem
Gebiete, sondern an der Schwierigkeit der Materie, an der kom-
plexen Beschaffenheit des Gegenstandes, wie Ihre Denkschrift das
am besten erkennen läßt, und daran, daß für derartige umfang-

reiche Nebenaufgaben den Landesanstalten die Mittel und Kräfte
fehlten. Was die geologischen Landesanstalten auf anderen Ge-
3A
        <pb n="107" />
        bieten der praktischen Geologie innerhalb Deutschlands schon
geleistet haben, ist nichts Geringes, ich erinnere nur an die agro-
nomischen Aufnahmen und die Förderung, welche mit diesen die
wissenschaftliche und praktische Bodenkunde erfahren hat. Man
darf geradezu sagen, daß diese erst durch die Arbeiten jener ge-
schaffen ist. Doch darf zugegeben werden, daß auf dem Gebiete
der praktischen Geologie von den geologischen Landesanstalten
auch innerhalb des bisher abgegrenzten Rahmens noch manches
hätte geschehen können. In welcher Hinsicht das zu erreichen
gewesen wäre, lehrt das beifolgende Arbeitsprogramm (Geschäfts-
ordnung) der neuen württembergischen geologischen Landesanstalt
(Geologische Abteilung des K. Statistischen Landesamts).

Der erste Schritt, das von Ihnen gezeichnete Ziel zu erreichen,
müßte meines Erachtens darin bestehen, die im Deutschen Reiche
bestehenden Landesanstalten unter sich in Zusammenhang zu
bringen. Vielleicht würde dieses Vorgehen gleichzeitig auf die-
jenigen Bundesregierungen, welche sich noch nicht haben ent-
schließen können, geologische Landesanstalten im modernen Sinne
einzurichten, einen gelinden Druck ausüben und sie veranlassen,
das Versäumte bald nachzuholen.

Auf dem internationalen Geologenkongresse habe ich, aller-
dings von ganz anderen Gründen geleitet, bereits eine Anregung
zum Zusammenschluß gegeben und es den mir persönlich be-
kannten Direktoren der preußischen geologischen Landesanstalt,
als der größten des Reiches, nahegelegt, die Initiative zu ergreifen.
Ob es nun zweckmäßig ist, der Vereinigung der Direktoren und
Leiter der geologischen Aufnahmen noch ein besonderes Ober-
haupt in Gestalt des von Ihnen vorgeschlagenen Reichskommissärs
zu geben, braucht jetzt noch nicht entschieden zu werden. Doch
ist als selbstverständlich vorauszusetzen, daß auch diese Ober-
leitung in die Hände eines Montantechnikers oder Geologen ge-
legt werde.

Was nun die speziellen Ziele und Aufgaben des zu schaffenden
bergwirtschaftlichen Institutes betrifft, seine Einrichtung und
Gliederung und seine Beziehungen zu andern großen wirtschaft-
lichen und gesetzgeberischen Aufgaben, so ist die in der Denk-
75
        <pb n="108" />
        schrift darüber gegebene Auskunft und Begründung ebenso knapp
wie erschöpfend, um eine vollkommen befriedigende Vorstellung
über seine Arbeits- und Wirkungsweise zu ermöglichen. Ich be-
merke hierbei besonders, daß die Bergwirtschaftslehre im weitesten
Sinne aufgefaßt ist und die gesamte Steinbruchindustrie, über-
haupt die Baumaterialiengewinnung und auch die Wasserversor-
gung einbezogen wird, ganz nach dem Muster des Geological
Survey der Vereinigten Staaten und doch wieder selbständig in
der Anordnung des Stoffes usw.

Aber wenn schon ein großes Zentralinstitut für das Deutsche
Reich geschaffen werden soll, welches nahezu das ganze viel-
gestaltige Gebiet der praktischen Geologie umfaßt, warum will
man dann nicht auch den Rest noch hineinnehmen, den boden-
wirtschaftlichen Teil, und es dann nennen: Berg- und bodenwirt-
schaftliche Aufnahme des Deutschen Reiches und seiner Kolonien?

Wie es erwünscht scheint, in großer übersichtlicher Darstellung
über die Ausdehnung und Leistungsfähigkeit der im Schoß der
Erde liegenden Kohlen- und Erzlager objektiv unterrichtet zu
sein, so muß es als eine wirtschaftlich und politisch ebenso un-
erläßliche Forderung bezeichnet werden, die gleiche Kenntnis
über die Ausdehnung und Leistungsfähigkeit des Brotflözes, der
Ackerkrume, innerhalb des Deutschen Reiches zu besitzen, Denn
es besteht bei uns ein enger, sachlicher, ein entwickelungsgeschicht-
licher Zusammenhang und nicht zuletzt ein nationalökonomischer

Zusammenhang zwischen diesen beiden großen Wirtschaftsgebie-
ten. Deshalb hört man ja auch immer betont, Deutschland müsse
ein kombinierter, ein Industriestaat und Agrarstaat sein, um seine
Weltmachtstellung behaupten zu können. Wenn das erreicht wer-
den soll, dann ist auch dafür zu sorgen, daß beide, die Industrie
und die Landwirtschaft, in gegenseitiger Anlehnung und Rück-
sichtnahme sich entwickeln. Auch vom rassenhygienischen Stand-
punkte aus wäre das wünschenswert, denn eine einseitige Beto-
nung der Industrie muß zur Schädigung der Rasse in sozialer und
konstitutioneller Hinsicht führen.

Es ist bekannt, daß die Industrien sich unter dem Einfluß
billigen Kohlenbezuges besonders günstig entwickeln können,
96
        <pb n="109" />
        aber auch die Landwirtschaft zieht großen Nutzen daraus, ganz
abgesehen davon, daß sie ohne Rücksichtnahme auf Brennholz-
gewinnung die wirtschaftlich zulässig größte Fläche unter den
Pflug nehmen kann. Für ausgedehnte Gebiete Deutschlands ist
diese Möglichkeit noch nicht eingetreten. Diese gehören demnach
auch zu den schwach bevölkerten und wenig steuerkräftigen, zum
Teil in Widerspruch zu der im Boden steckenden Nährkraft.

Kohlen und Eisen bedingen vorwiegend die Präponderanz der
modernen Staatengebilde auf wirtschaftlichem Gebiete. Beide be-
sitzt Deutschland in reichem Maße, aber nur in seiner nördlichen
Hälfte, nicht in seiner südlichen. Und so müßte, wenn nicht eine
wirtschaftliche Verkümmerung dieser letzteren eintreten soll, für
eine möglichst rationelle Ausgleichung dieser Schätze über das
ganze Deutsche Reich gesorgt werden, welches doch nicht bloß
eine nationale, sondern auch eine wirtschaftliche Einheit dar-
stellt. Bisher ist aber alles andere geschehen, nur nicht dieses, ja
eher das Gegenteil von dem. Der bekannte, vor einigen Jahren
künstlich hervorgerufene Kohlenmangel, der mit einer Verschleu-
derung der deutschen Kohlen an das Ausland Hand in Hand ging,
hat besonders das südliche Deutschland wirtschaftlich schwer ge-
schädigt.

Ich zweifle nicht, daß monopolitische schädliche Bestrebungen
dieser Art durch das geplante Institut verhindert werden, wie das
auch in der Denkschrift in Aussicht gestellt ist.

Fast noch schlimmere Zustände hat die planlose Eisenüberpro-
duktion gezeitigt. Von der Überproduktion spüren wir in Deutsch-
land hinsichtlich der Verbilligung des Rohmaterials allerdings
nichts, nur das Ausland hat Nutzen davon. Heute und seit Jahren
bezieht England das Eisen beziehungsweise den Rohstahl zu
wahren Schleuderpreisen, während der inländische Konsument,
der Be- und Verarbeiter von Roheisen und Rohstahl höhere Preise
zu zahlen hat, also in seiner Konkurrenzfähigkeit nicht bloß im
Auslande, sondern sogar im Inlande, und zwar zugunsten des
importierenden Auslandes schwer geschädigt wird.

Diese gegenwärtige Massenproduktion &amp; tout prix ist um so be-
denklicher, als unsere Vorräte an Eisenerzlagern, mögen sie auch

ı Krahmann, Arbeitsgemeinschaft

07
        <pb n="110" />
        sehr bedeutend sein, doch einmal erschöpft werden. Bezüglich der
Erschöpfung der Kohlenlager kann man sich mit dem Gedanken
trösten, daß wohl einmal für die in dieser Form aufgespeicherte
Sonnenenergie, wenn sie auch vorläufig und für lange Zeit noch
die billigste und bequemste Kraftquelle bleiben wird, ein Ersatz
gefunden werden dürfte, dagegen ist es unwahrscheinlich, daß je
für das metallische Eisen ein Ersatz gefunden werde. Die Ver-
schleuderung von Eisen und Stahl an das Ausland ist ein unein-
bringlicher nationalökonomischer Verlust. Sie hat aber noch
eine andere wirtschaftlich verwerfliche Geschäftsgebarung zur
Folge gehabt, die Ringbildung in der Thomasschlackenproduk-
tion. Während man früher froh war, die beim Thomasverfahren
fallende phosphorhaltige Thomasschlacke als Phosphatdünger zu
niedrigen Preisen an die Landwirtschaft loszuwerden, ist durch
die Ringbildung die Preissteigerung eine so erhebliche geworden,
daß auch die Landwirtschaft darunter zu leiden und sozusagen den
Preisausfall mit zu zahlen hat, der durch billige Abgabe des Stahls
an das Ausland entsteht.

Einen wichtigen Bestandteil des in der Denkschrift entwickelten
Programmes bildet die geologische und montanistische Unter-
suchung der deutschen Kolonien und die Ausdehnung solcher
Untersuchungen auf bergbaufreie, wirtschaftlich noch außerhalb
der sogenannten Großmachtsphären liegende Gebiete. Irgend-
welchen erheblichen pekuniären Aufwand wird man aber für der-
artige Untersuchungen nur dann gutheißen können, wenn sie
rationell ausgeführt werden, das heißt mit besten Mitteln und
besten Kräften. Man muß diese Voraussetzung ausdrücklıch be-
tonen, weil sie den Untersuchungen dieser Art oft fehlte. Der geo-
logische Teil des kolonialen Dienstes darf am wenigsten dazu
dienen, um jungen Gelehrten oder Beamten Gelegenheit zu geben,
sich im Beobachten zu üben und interessante Reisen auf Kosten
des Reiches zu machen. Es müssen vollkommen fertige Leute
hinausgeschickt werden, die erfahrensten sind gerade gut genug.
Wenn das in Zukunft erreicht werden könnte, und zwar unter
Mitwirkung der geplanten Zentralbehörde, dann würde sie auch
in dieser Hinsicht dem Reiche großen Nutzen schaffen können.
938
        <pb n="111" />
        So begrüße ich die Denkschrift als ein erfreuliches Zeichen der
wirtschaftlichen Einheitsbestrebungen, als einen Fortschritt in der
praktischen Kultur zur Stärkung der Interessen des deutschen
Volkes im Kampfe ums Dasein.

Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
Ad. Sauer.

3. Über Lagerstättenpolitik und ihre Probleme
Von Professor M. Krahmann, Dozent an der Königl. Bergakademie, Privatdozent an der
Königl. Techn. Hochschule, Berlin
Vortrag auf dem Internationalen Kongreß für Bergbau und
praktische Geologie in Düsseldorf 1910 (Berichte Bd, 4, Berlin,
J. Springer).
Unter „Lagerstättenpolitik“ ist die Summe, der Inbegriff aller
jener gesetzgeberischen und verwaltungsmäßigen Vorschriften
und Maßregeln zu verstehen, durch welche die Verfügungs- und
Nutzungsrechte an den Minerallagerstätten eines Landes geregelt
werden. Jede staatliche, politische Einheit hat ihre eigene Lager-
stättenpolitik,

Die Lagerstätten selbst sind — für die Gegenwart — ge0-
logisch, geographisch gegeben; sie können nicht geändert,
sondern nur immer besser erkannt, immer vollkommener abge-
baut, immer vollständiger ausgenützt, immer besser im Interesse
des Allgemeinwohles verwertet werden. Sind sie im Inlande der
Menge oder der Sorte nach erschöpft, so muß der fernere Bedarf
aus dem Auslande gedeckt werden, Diese ausländische Deckung
des Bedarfes beginnt, sobald die Gestehungskosten einschließlich
der Fracht für die Einheit des Nutzwertes am Bedarfsorte für in-
ländisches Material höher sind als für ausländisches.

Die Verfügungs- oder Besitzrechte an den Lagerstätten sind
historische Gebilde; sie können also, wie alles geschichtlich
Entwickelte, sich weiter entwickeln, können geändert, beschränkt

KR 2
öl
        <pb n="112" />
        oder erweitert, belastet oder erleichtert werden. Und sie entwickeln
sich tatsächlich weiter, immerwährend und überall, und zwar zu-
gleich mit der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Ent-
wicklung überhaupt, d. h. zugleich mit der wachsenden Bedeu-
tung, welche die Kraft- und Rohstoffquellen anorganischer Art für
die ungeheuer steigenden industriellen Bedürfnisse der Mensch-
heit haben — zugleich und doch nicht paralle} mit ihr! Es
entstehen vielmehr Spannungen zwischen jeweiliger Lagerstät-
tenbedeutung und augenblicklich geltendem Verfügungsrecht —
namentlich Spannungen zwischen privaten, fiskalischen und all-
gemeinen Interessen, politische Disharmonien, Probleme.

Das — diese Spannungen zwischen neueren, weltwirtschaft-
lichen, großkapitalistischen, nationalen und sozialen Forderun-
gen und älteren, aber noch geltenden Landesgesetzen, bureaukra-
tischen Überlieferungen und kleinkapitalistischen Anschauungen
auf bergwirtschaftlichem Gebiete —, das sind die „Probleme der
Lagerstättenpolitik“.

Solche wirtschaftlichen Probleme und Spannungen können
nicht plötzlich gelöst und entlastet, sondern — im besten Falle —
nur allmählich durch Reformen und Anpassung überwunden wer-
den; im ungünstigsten Falle wirken sie weiter, verschärfen und
verstärken sich und führen schließlich entweder zu katastrophen-
artigen Lösungen durch Staatsstreiche, Revolutionen, Bürger-
kämpfe und Eroberungskriege, oder sie bleiben ein schleichendes
Übel, das am Marke der Völker zehrt und sie zur kulturellen und
politischen Ohnmacht herabsinken läßt.

Um nun heilsame Reformen rechtzeitig anzubahnen und
solche Spannungen zu entlasten, sind Ursachen und Wirkungen
solcher Probleme möglichst zu klären; nicht auf die Lösung,
sondern nur auf eine klare Stellung des Problems der Lager-
stättenpolitik kann es hier ankommen; nur auf richtig ge-
stellte Fragen sind richtige Antworten zu finden.

Als Ursachen der heutigen bergwirtschaftlichen Spannungen
— in Deutschland wie in allen anderen nicht gerade schlafenden
Ländern —— sind zunächst folgende Umstände und Entwicklungs-
momente kurz zu bezeichnen:

JO
        <pb n="113" />
        ı. Der erheblich, oft sehr erheblich gesteigerte Bedarf an
mineralischen Rohstoffen und Kraftquellen im Zeitalter der
Technik, der Eisenbahnen, der Kriegsrüstungen und der
europäischen Kolonisation des Erdballs.

». Die erleichterte Auffindung von Bodenschätzen mit
Hilfe des Tiefbohrens, der praktischer gewordenen Geologie
und des entwickelteren Kartenwesens,.

3. Die schneller arbeitende, auch im Wasser sicherer gewor-
dene Aus- und Vorrichtung der Lagerstätten mit der
neueren Schachtbau- und Bohrtechnik.

4. Das moderne, billigere Massentransportwesen unter
und über Tage, zu Lande und zu Wasser, daheim und über
die Meere hinweg.

5, Die Ablösung des staatlich regulierbaren Orts- und Landes-
marktes durch den freien internationalen Weltmarkt mit
Hilfe des Weltverkehrs, der internationalen Börsen: und so-
genannter Welıfirmen.

5, Die Beteiligung des größeren Publikums und damit des spe-
kulierenden Großkapitals, auch des internationalen,
an bergwirtschaftlichen Unternehmungen auf Grund der
Aktiengesetze.

Die Wirkungen dieser technischen, wirtschaftlichen und kul-
turellen Ursachen waren nun aber folgende Zustandsänderungen
im Gegensatz zu früher:

ı. Das Zurücktreten der einzelnen Person, mit deren
Kraft und Macht die älteren Berggesetze allein fast aus-
schließlich rechneten, hinter Großfirmen, Syndikate, Welt-
trusts, denen gegenüber die Behörden, wenn nicht machtlos,
so doch zunächst vielfach ratlos sind.

&gt;. Die Geheimhaltung von Aufschlüssen und Lagerstät-
tenvorräten, von älteren Berggesetzen begünstigt, schädigt
die allgemeine Wohlfahrt und darf zur Vermeidung des Raub-
baues und im Interesse der Wissenschaft nicht mehr aufrecht-
erhalten werden.

3. Überproduktion und Preiskämpfe führen zu Syndikaten
erster Reihe oder zu horizontalen Trusts, welche die Er-

"n)3
        <pb n="114" />
        zeugung, den Vertrieb, die Preise und die erste Veredelung
gleichartiger Mineralprodukte beherrschen, wofür in den
Berggesetzen meist jede formale Regelung fehlt.

Der Wunsch nach Befreiung von der Fesse]l des Rohstoff-
lieferanten oder der Zwang zur selbständigen Weiterverarbei-
tung führen zu den „gemischten Werken“, zu großen Fusi-
onen, zu vertikalen Trusts, für welche bloße Berggesetze
erst recht nicht ausreichen.

Durch Zunahme überseeischer Beziehungen, durch auslän-
dische Konsumenteninteressen und Geldkräfte entstehen in-
ternationale, ja diplomatische Spannungen, deren zollpoli-
tischer Ausgleich auf dem Wege der Handelsverträge
immer schwieriger, mindestens immer verwickelter
wird.

An diese ersten Wirkungen, die wir allenthalben erleben, werden
sich aber andere anschließen, deren Darstellung wir versuchen
müssen, wenn wir mögliche Vorbeugungsmittel rechtzeitig er-
kennen und vorbereiten wollen. Solche künftige Wirkungen
verpaßter lagerstättenpolitischer Gelegenheiten werden oder kön-
nen sein:

(. Einheimische Lagerstätten gehen in staatlich oder national-

syndikatlich unkontrollierbare Hände über.

z. Die Geschlossenheit und damit die Macht und das Ansehen
einheimischer Syndikate wird gebrochen.

3. Nach wohl zeitweise möglicher, jedenfalls aber vorübergehen-
der Verbilligung gewisser Mineralrohstoffe tritt infolge inter-
nationaler oder fremder Monopole Verteuerung ein zum
Schaden der übrigen Industrien, deren Wettbewerb auf dem
Weltmarkt damit gebrochen ist,

4. Mit der Industrie sinkt die übrige Macht und Kraft, auch
die Wehrkraft des Staates, der damit immer schneller auch
in anderer Beziehung in Abhängigkeit gerät, seine über-
seeischen Absatzgebiete verliert und schließlich nicht mehr
seine Einwohner beschäftigen und ernähren kann.

3. Auswanderung, Rückgang der Bevölkerung, nationaler Ver-
fall und Abhängigkeit also sind die schließlichen Folgen.

5

m
        <pb n="115" />
        Überall, wo die Gefahren einseitiger, unkontrollierbarer oder
antinationaler Lagerstättenausnutzung erkannt wurden, setzte nun
neuerdings eine gesetzgeberische Reaktion ein, die allerdings auch
ihrerseits leicht zu weit gehen oder sich in ihren Mitteln vergrei-
fen kann. Durch Schaffung oder Vermehrung fiskalischer Betriebe,
durch Erklärung von Staatsmonopolen, durch Einführung des
Konzessions- statt des Verleihungsprinzipes, ja durch Annäherung
an das frühere Direktionsprinzip, durch Kontingentierungen und
Preisbegrenzungen für In- und Ausland, durch teilweise Aus-
schließung ausländischer Bewerber und endlich durch tarifpoli-
tische Maßnahmen der staatlichen oder öffentlichen Verkehrswege
suchen die Regierungen die rückständigen, zu weit oder zu eng
gewordenen Berggesetze zu ergänzen oder zu ersetzen. Es hebt
also überall eine neue Lagerstättengesetzgebung an, die von
neuartigen Prinzipien ausgeht und sich stützen muß auf die geo-
logischen Erkenntnisse der Gegenwart und auf eine wissenschaft-
liche Bauwürdigkeits- und Schätzungslehre, kurz auf eine unter
staatlicher Fürsorge zu entwickelnde Bergwirtschaftslehre.

3a. La politique des gites miniers et ses problömes
Dar Mr. le Professeur M. Krahmann, Dozent a. d. Kal. Bergakademie, Privatdozent a, d. Kgl.
Techn. Hochschule, Berlin
Par «politique des gites» il faut entendre Vensemble de tous les
reglements ou mesures, d’ordre legislatif ou d’Administration, par
lesquels sont regis les droits de disposition ou d’exploitation des
gites miniers d’un pays. Toute unite politique gouvernementale a
sa propre politique des gites,

Les gites eux-mö&amp;mes font, pour le present, l’objet d’une recon-
naissance geologique-giographique; ils ne peuvent pas etre changes,
mais sont susceptibles d’&amp;tude plus approfondie, d’exploitation plus
complete, d’utilisation meilleure dans ]’interet du bien commun.
S’ils sont epuises dans le pays, sous le rapport de la quantite ou
d’une categorie precise, le complement de consommation doit Etre
fourni par l’Etranger. Ce recours a l’Etranger s’impose aussitöt
193
        <pb n="116" />
        que le prix unitaire y compris le frais de transport a pied d’xuvre,
d’un produit indigene quelconque, depasse celui du meme produit
venant de l’Etranger.

Les droits de disposition ou droits de propriete des gites sont de
nature historique; ils peuvent par consequent, ainsi que tout ce
qui est sujet au developpement historique, s’&amp;tendre, &amp;tre modifies,
restreints ou amplifies, imposes ou facilites. Et, en realite, ils s’eten-
dent de plus en plus, progressivement et partout, et simultanement
avec le d&amp;veloppement general economique, social et de civilisation,
C’est-a-dire avec l’importence toujours croissante, qu'acquierent
les sources de force et de produits bruts, d’essence anorganique par
Vimmense proges industriell de l’humanite; simulianement et ce-
pendant pas parallelement avec ce developpement! Car au contraire,
Etant donne l’importance actuelle des gites miniers, il surgit avec
les anciens reglements encore en usage aujourd’hui, des tensions
entre les interets prives, fiscaux et generaux, des discordances poli-
tiques, des problemes.

Ces tensions entre les exigences nouvelles, €conomiques, natio-
nales et sociales, et les anciennes lois nationales, les traditions
bureaucratiques et reglements, sur le terrain de l’&amp;conomie miniere
constituent precisement «les problemes de la politique des gites».

Les problömes &amp;conomiques et tensions de cette nature ne peu-
vent pas obtenir une solution ou satisfaction immediate; dans le
cas le plus favorable, les reformes successives et l’accomodation
peuvent porter remede; dans des circonstances moins precises, les
rapports deviennent plus aigus, et finissent soit par entrainer une
solution sous forme de catastrophe telles que greves, revolution,
luttes civiles ou möme guerre d’occupation, ou ce qui est pis encore,
ces dissentiments restent une plaie b&amp;ante qui ronge un peuple et
le fait dechoir a l’impuissance politique et sociale.

Pour entreprendre a temps les reformes salutaires, (et ces tensions
sont la cause de ces problemes) il s’agit de connaitre clairement les
causes et les effets de ces dissentiments; il n’est pas question ici de
solution, mais de poser clairement le probleme de la politique des gites;
car ce n’est qu’aux questions bien precises qu’on peut trouver une
reponse exacte.

4
        <pb n="117" />
        Comme causes des tensions actuelles, au sujet de l’&amp;conomie
miniere, en Allemagne aussi bien que dans tous pays dont Pindus-
trie ne sommeille pas, il faut mentionner d’abord successivement
les circonstances et coincidences sulvantes:

ı. La consommation toujours croissante, et souvent dans des
proportions tres grandes, de matieres minerales brutes, ou
sources de force, avec le progres technique, les chemins de
fer, les armements de guerre et Ja colonisation Europeenne
de la sphere terrestre.

2. La facilite de decouverte des richesses du sol, au moyen des
forages a grande profondeur, de la geologie devenue pratique
et du perfectionnement de la cartographie.

3, L’organisation plus perfectionnee pour V’exploitation des gites,
meme dans l’eau, permettent le travail rapide au moyen des
nouveaux puits et de Ja technique du forage.

4. Les moyens de transport en masse &amp; bas pix, quotidiens, par
voie terrestre ou fluviale, dans le pays meme ou par delä les
mers,

5, L’effacement partiel du marche local ou du marche propre
au pays möme, jadis röglemente par V’Etat, — par le marche
libre mondial international, par suite des communications
faciles des Bourses internationales, et des grandes firmes de
renommee mondiale.

6. La participation et Vintervention du grand public, et conse-
quemment des grands capitaux de speculation, meme inter-
nationax, aux entreprises minieres sur la base des soci&amp;tes par
actions.
Les effets de ces causes techniques, &amp;conomiqes et de civilisation
sociale, compares au temps passe, ont amene€ les changements de
conditions sulvants:

ı. Le retrait de la personnalite individuelle (avec laquelle les lois
anciennes, sur les mines comptaient uniquement ou presque
exclusivement) derriere les grandes firmes, syndicats, Trust
mondiaux, vis-a-vis desquels les autorites, sl elles ne sont pas
impuissantes, se trovent au moins souvent desemparees.
135
        <pb n="118" />
        2. La dissimulation de d&amp;couvertes et de gites, favorisge par les
anciennes lois minieres, porte prejudice au bien publique et
a la science, dont V’abolitation est necessaire, pour eviter le
gaspillage.

‚Le surcroit de production et la lutte des prix, engendre des
syndicats de premier ordre, et des Trust horizontaux qui domi-
nent la production, 1’&amp;coulement, les prix et la premiere trans-
formation de produits miniers analogues, point sur lequel la
loi sur les mines manque presque totalement de reglemen-
tation.

Le desir de s’affranchir de la dependance du producteur des
matieres brutes ou l’obligation a la transformation ulterieure
par ses propres moyens amene «les industries mixtes», les
grandes fusions, les Trust verticaux pour lesquels la Loi sur
les mines est tout a fait insuffisante.

Le developpement des relations d’outre-mer, les interets de
consommation de l’Etranger, les concours financiers, sont
autant de mobiles qui engendrent des conflits internationaux,
meme politiques, dont le reglement politique-douanier, par
voie des traites de commerce, devient de plus en plus difficile
et en tous cas plus complique.

Mais ä ces premiers effete, que nous rencontrons partout, vien-
dront encore s’en ajouter d’autres que nous devons nous efforcer
de prevoir et d’exposer, si nous voulons des maitenant trouver et
preparer le moyen d’y remedier. Ces effeis &amp; venir afferents A la
politique des gites, seront ou pourront &amp;tre les suivants: ,

1. Des gites du pays peuvent passer a des mains (groupes) sur
lesquels l’Etat ou les syndicats nationaux n’ont pas de con-
tröle.

2. Lexclusivite et consequemment la force et la consideration
des syndicats du pays sera rompue.

3. Apres une baisse momentanege possible, mais passagere, de
certains produits mineraux bruts i] y aura hausse par suite
de monopole international ou Etranger, au detriment des
autres industries dont la force concurrente, sur le marche
mondial, sera par le fait meme brisee.

5

196
        <pb n="119" />
        4. Le declin de industrie entraine celui de la puissance et de Ja
force, diminue meme la force defensive de l’Etat, qui devient
aussi de plus en plus et rapidement tributaire sous d’autres
rapports; il perd ses debouches d’outre-mer, et finit par ne
plus pouvoir employer et nourrir ses habitants.

5. L’expatriement, le declin de la population, la döcheance natio-
nale et dependance en sont les consequences finales.

Partout oü les dangers d’une exploitation de gites analogue, par-
tiale, incontrolable ou antinationale, ont €te constates, il s’est pro-
duit r&amp;cemment une reaction legale, qui d’autre part, peut quel-
quefois Etre poussee trop loin en employant de faux moyens. C’est
par la creation ou l’augmentation des taxes fiscales, par Vetablisse-
ment de monopole de l’Etat, par V’introduction du principe des
concessions au lieu de la cession, et meme par un certain rapproche-
ment a l’ancien principe de direction, par la concentration et les
delimitations de prix pour le pays ou pour VEtranger; par l’elimi-
nation partielle de concurrents Etrangers et enfin par des mesures
de politipue des tarifs sur les voies de communications de l’Etat
ou publiques, que les gouvernements cherchent a complöter ou ä
remplacer les lois sur les mines dont Vesprit est arriere, et le sens
souvent trop large ou trop circonspect. Il s’introduit donc insen-
siblement partout une nouvelle Jegislation sur les gites, qui est
bassge sur des principes nouveaux, et doit s’appuyer sur les etudes
geologiques modernes et sur la foi des dernieres donndes et appre-
Ciations scientifiques, en un mot, sur une Science d’6conomie miniere
A developper sous la sauvegarde de VEtat.

3b. Concerning Deposit-policy and its Problems
By Professor M. Krakmann, Berlin
The term “Deposit-policy”” represents the summing up of all
those legislative and administrative rules and measures according
to which the rights of disposal and exploitation of the mineral
deposits of a country are regulated. Every state and political unity
has its own deposit-policy.
7
        <pb n="120" />
        The deposits themselves are, for the present, geologically and
geographically determined; they cannot be altered, and there
only remains for us to aim at a closer acquaintance with them, a
more perfect system of working, an increasing of the field and,
altogether, to put them to the best use in the interest of the com-
mon wellfare. — When, at home, they have become exhausted in
quantity, or one special kind has given out, the further demand
must be provided from abroad. This meeting of the local demand
from abroad sets in as soon as the prime-cost including the freight
(calculated for theunit of the valueof the produce) in the place where
it is needed becomes higher for local material than for imported,

The rights of disposal or of ownership in regard to the deposits
are the result of historical developments; accordingly, like all mat-
ters pertaining to history, they may develop further, undergoing
alterations, Jimitations or expansions, becoming subject to new
conditions or ridding themselves of previous ones. And they do,
in fact, go on developing constantly and everywhere, at the same
#ime as the economic, the social and with regard to progress of
civilization, 1. €. at the same time with the increasing of the import-
ance of the sources of power and raw material of an anorganic
kind for the tremendusly growing demands of mankind in the
line of industry; at the same time, and yet not in parallel line with
this: on the contrary there appear frictions between the importance
of a deposit at a certain period and the existing right of disposal,
resulting in disharmony and probleme.

These frictions between more recent economic, national and
social claims, and the older mininglaws still in power, together
with the prevailing traditions and opinions on the subject con-
stitute the “problems of the deposit-policy”,

Such economic problems and frictions can neither suddenly be
solved nor relieved; at best they may gradually be overcome by
reforms. If conditions are unfavourable their influence continues,
they become more pronounced, and increasing in significance,
they, at last, lead either to solutions closely relative to a catastro-
phe brought about by “coups d’&amp;tat”, revolutions, civil wars and
wars of conquest, or else, like a slow disease they feed on the
ER
        <pb n="121" />
        strength of the people and cause them to sink to a level of impo-
tence in regard to politics and civilization.

In order to prepare in due time the way for wholesome reforms
both the cause and effect of such frictions must be cleared up as
far as possible, The point in such a case cannot be the solution
but a clear exposition of the problems of the deposit-policy. A correct
answer can be given only to a question put in the right way.

We shall now shortly define the following conditions and points
of development as constituting the various causes of the existing
frictions in the domain of mining in Germany as well as in all
other countries alive to their own interest:

«. The considerable, often even very considerable, increase in

the demand for mineral raw materials and sources of power
in this age of technique, of railways, of warlike preparations
and of the European colonizasion of the globe.
The discovery of minerals being made easier by means of deep
boring or drilling, and also owing to the improvement of the
practical side of geology and the higher development of the
science of map-drawing.

3. The quicker working of the system of exploitation and equip-
ment of the deposits which have become safer even under water,
owing to the more modern technique of the building of
mining-shafts and galleries, and boring or drilling.

A. The lowering of the expense of modern means 0f wholesale ship-
ping above ground as well as below, by water or land, at
home and across the seas.

5. The local and home-markets controlled by the state having
been superseded by the free international market of the world
owing to international traffic, international exchanges and
to firms of world wide fame.

6. The participation of the public at large, involving the specul-
ating of great (often international) capitalists in mining-under-
takings — all this, of course, on the basis of companies-acts.

These technical and economic causes, altogether pertaining to

civilization had the following results which are in marked con-
trast with previous conditions:

"9
        <pb n="122" />
        :. Wholesale firms, pools and trusts of world wide repute super-
seding the private party with whose power and strength the
former mining-laws used to reckon almost exclusively,
whereas, in regard to the above-mentioned great concerns
the official authorities now are, if not powerless, at least
frequently at a loss.

2. The concealment of mineral discoveries and of deposit-stock,
which used to be favoured by the former mining-laws is
detrimental to the general wellfare and may not any longer
be maintained in order to avoid the unjudicious working of
mines and in the very interest of science.

3. Overproduction and competition in prices lead to the form-
ing of pools, monopolistic combinations restricted to one
class of products, or of horizontal trusts which rule the pro-
duction, the system of sale, the prices and the prime improve-
ment of mineral products of the same kind. The mining-
laws, as a rule, are lacking in any formal regulation of the
above-mentioned points.

4. The wish for liberation from the check imposed by the pur-

veyor of raw material or the compulsion towards an inde-
pendent further working lead to the „integrated works”, to
great fusions, to vertical trusts, in regard to which the mining-
laws are still more powerless.
Owing to the increase of the transmarine relations, the in-
terests of foreign consumers and capital, international, even
diplomatic frictions, arise, a settling of which, in regard to
the tariff-policy, by way of commercial treaties is growing
ever more difficult, at least more complicated.

These immediate results experienced every-where will, however
soon be followed by others which we must try to expose if, in
good time we want to recognize and prepare suitable means of
prevention. Such future results of neglected opportunities in the
deposit-policy will be or may be:

1. The going over of home deposits into the hands of concerns

which cannot be controlled by the government or national
syndicates.

Br

a
        <pb n="123" />
        2. The breaking of the syndikate, and, with this, of the power
and prestige of national combinations.

3. The raising of the prices, as a consequence of international
or foreign monopolies, following an occasional but at any
rate temporary reduction of the prices of certain mineral raw
materials; such a raise, of course, proving detrimental to the
remaining industries whose power of competing in the world’s
market is by this broken.

4. Together with its industry, the remaining power and strength
of the state begins to decline, this affecting also its defensive
force; and the result of all this is a condition of dependence,
in other respects too; the state losing its oversea outlets for
export goods, at last is no longer able to give work to its in-
habitants or to provide for them.

5. Emigration, a decrease in the population, a general state of
decline and dependence are the ultimate results.

Wherever these dangers of onesided, uncontrollable or anti-
national exploitation of deposits were recognized, a legislative re-
action set in which, to be sure, in its turn migtht easily go too
far. By the creating or increasing of the number of fiscal under-
takings, by the declaration of state monopolies, by the intro-
duction of the principle of issuing special licenses in places of gran-
ting mining-rights to anybody claiming them according to the
existing laws; yes even by approaching the former principal of
concentrating the general direction of both producing and marke-
ting in the hands of a governmental body; by the allotment of
sale and the limiting of prices at home as well as abroad, by a
partial exclusion of foreign competitors and, finally, by measures
partaining to the tariff-policy of the national means of communi-
cation. These are the various means by which the governments
of the different countries trie to supplement or to replace those
mining-laws which have remained behind the times becoming
either too broad or too narrow. Everywhere a new ore-deposit-legi8-
lation is setting in which starts from principles of a new kind and
has to depend upon the latest geological knowledge. This legis-
lation must likewise be supported hy a scientific code of theory

T 1
        <pb n="124" />
        relating to proper estimates as to the chances of exploitation and
the amount of the output of a mine; in short by a code of mining-
science which must develop under the care of the state.

4. Die neue Bergwirtschaft

Aus: „Nationale Bergwirtschaft“ in „Der Staatsbedarf“, Berlin
916, Nr. 47. Von M. Krahmann.
ı. Der Begriff „Erz“ wird ein anderer und noch mehr als bisher
auch auf Gesteine ausgedehnt. Damit verschiebt sich auch der Be-
griff „Lagerstätte“, in geologischer wie in bergrechtlicher Bezie-
hung. Neben den chemisch-hüttenmännischen Fortschritten ist es
besonders die Ausdehnung der neuzeitlichen Kraftwirtschaft,
welche neue Möglichkeiten für die Zusammenführung der in den
Gesteinen fein verteilten Erze zu reicheren Erzstauben schafft.
Solche reicheren Staube werden dann entweder gelaugt und elek-
trolytisch behandelt oder gepreßt und geformt und wie Stückerz
im Ofen verschmolzen.

Diese Kraftwirtschaft der Zukunft, gestützt auf die Verwertung
auch der geringwertigen Kohlen und Torfe einerseits und der na-
türlichen oder künstlichen Wasserfälle andererseits und vermittelt
und weit verteilt durch den hochgespannten elektrischen Strom,
wird der gesamten künftigen Berg- und Hüttenwirtschaft den
Stempel aufdrücken, der Kraft erzeugenden und verteilenden wie
der Stoff fördernden, umwandelnden und umformenden. Durch
Ausnutzung der Torfmoore und der Wasserkräfte werden auch die
kohlenarmen Provinzen und Staaten industrialisiert und damit
auch sozial umgeformt werden.

2. Die vielseitigen Verzweigungen der neueren Berg- und Hüt-
tenwirtschaft, auch nach dem Auslande und nach Übersee hin, er-
fordern eine engere Zusammenfassung aller bergwirtschaftlich
forschenden, beratenden und leitenden Stellen. Vorschläge, die von
mir bereits im Jahre 1904 gemacht wurden, führten zwar zu einer
lebhafteren Beschäftigung der deutschen geologischen Landes-

(12
        <pb n="125" />
        anstalten mit der praktischen Geologie und zur Inangriffnahme
einer Lagerstättenkarte Deutschlands und einer Weltmontanstati-
stik, nicht aber zu einer durchgreifenden berg wirtschaftlichen
Aufnahme des Deutschen Reiches unter einer Zentralinstanz des
Reiches, wie ich sie schon damals dringend befürwortete und welche
jetzt schmerzlich vermißt wird. Die Erfahrungen der Kriegsberg-
wirtschaft drängen nun unmittelbar darauf hin; die neue Friedens-
bergwirtschaft wird ihr wesentliches Gepräge durch eine solche
Reichseinrichtung erhalten müssen,

Zur Kennzeichnung der Aufgabe der bergwirts Chaftlichen
Abteilung des kommenden Reichswirtschaftsamtes seien die fol-
genden Grundsätze aufgestellt:

a) Zweck der Abteilung sei die einheitliche Förderung der deut-
schen Bergwirtschaft im Inlande wie im Auslande auf privatwirt-
schaftlicher Grundlage, doch im nationalen Sinne.

b) Diese Förderung soll erreicht werden durch Zusammenfassung
aller bisher geleisteten Einzelarbeit und durch schnellere Durch-
führung bereits begonnener oder neuer Arbeiten unter Mitwirkung
aller bestehenden Einzelinstitute der verschiedenen Behörden und
der verschiedenen Staaten. Also zentralisierte Leitung, doch dezen-
tralisierte Ausführung.

c) Erste Aufgabe sei: genauere Kenntnis des Bodens und seiner
Lagerstätten bis ı 500 Meter Tiefe und geschichtliche Darstellung
der bisherigen Nutzung dieser Lagerstätten, einschließlich der zu-
grundeliegenden Rechtsverhältnisse.

d) Zweite Aufgabe: eine vergleichende Darstellung der Bau-
würdigkeit dieser Lagerstätten unter Annahme verschiedener Be-
dingungen der Technik, des Marktpreises, des ausländischen Wett-
bewerbes, der Ersatzrohstoffe usw.

_ €) Dritte Aufgabe: eine Vorratsschätzung oder Lagerstätten-
inventur als Grundlage für die Handelspolitik und die Kriegsvor-
ratswirtschaft,

f) Vierte Aufgabe: Vorschläge und Vorbereitungen zur Einrich-
tung staatlicher Bereitschaftsgruben ohne Friedensförderung und
zu Verträgen mit Privatgruben behufs Bereithaltung gewisser Lager-
vorräte und vorgerichteter Abbaufelder,

3 Krahmann, Arbeitsgemeinschaft

113
        <pb n="126" />
        g) Fünfte Aufgabe: Kontrolle des Mineral- und Metallmarktes
durch Teilnahme an allen Syndikatsbestrebungen und durch Schaf-
fung von Monopolen.

h) Sechste Aufgabe: Anregung zur Weiterentwicklung der berg-
rechtlichen Verhältnisse, namentlich der Verfügungsrechte, in na-
tionalem Sinne.

i) Siebente Aufgabe: Vertretung der Berg- und Hüttenwirtschaft
in allen handelspolitischen Fragen.

Zur Lösung dieser Aufgaben sind von der bergwirtschaftlichen
Abteilung des Reichswirtschaftsamtes folgende Gruppen vorhan-
dener Landesbehörden oder -institute zu gemeinsamer Arbeit zu-
sammenzufassen: 1. die geologischen Landesanstalten; 2. die geo-
logischen und mineralogischen Universitätsinstitute, vielleicht auch
die geographischen; 3. dieselben Institute der Technischen Hoch-
schulen; 4. die Bergakademien und die Bergbauabteilungen der
Technischen Hochschulen; 5, die Bergpolizeibehörden; 6. die
Staatsbergbauverwaltungen; 7. verschiedene Stellen der Reichsver-
waltung, z. B. die Verteilungsstelle für Kalisalze im Reichsamt des
Innern, das Reichskolonialamt u. a.

k) Die Zusammenfassung der in diesen Instituten und Behörden
bereits geleisteten geologischen und bergwirtschaftlichen Arbeit
durch die erwähnte Reichsinstanz hätte in der Weise zu geschehen,
daß bei der Zentralbehörde auf Grund jener Vorarbeiten und Akten
ein Bergwerkskataster angelegt wird, das nach einheitlichem
Muster alle bergwirtschaftlichen Daten über die einzelnen nutz-
baren Mineralvorkommen verzeichnet, durch neue Untersuchungen
ergänzt und in einer Vorratsschätzung nach Menge, Güte und Bau-
würdigkeitsgraden gipfelt. Verfrachtungs- und Verhüttungsverhält-
nisse, Arbeiter- und Kraftversorgung sind natürlich ebenfalls zu
berücksichtigen. Gruben- und Mineralvorkommen des Auslandes
sind in ähnlicher Weise übersichtlich zu verzeichnen, und zwar
unter besonderer Berücksichtigung des Wettbewerbes mit den deut-
schen Lagerstätten und der Roherzversorgung der deutschen Hütten.
Ferner haben diese Reichslagerstättenkataster für In- und Ausland
die Besitz-, Beteiligungs- und Syndikatsverhältnisse zu verzeichnen,
um die Konzern-, Monopol- und sonstigen Finanzbildungen er-
114
        <pb n="127" />
        kennen zu lassen und die Grundlage für eine gerechte Besteuerung
zu geben. Abschriften des Reichskatasters sind den beteiligten Staats-
und Provinzialbehörden zur Verfügung zu stellen, um die Dezentra-
lisation der weiteren Forschung und Bearbeitung zu ermöglichen.

B. MADRID
5. Die Zwecke und die Methoden von Lagerstätten-
inventuren
Vortrag auf dem Internationalen Geologenkongreß in Madrid
1926. Von M. Krahmann.
Einleitung

Lagerstätteninventuren sind Feststellungen der Vorräte an nutz-
baren Mineralien, mit denen Gegenwart und nächste Zukunft zu
wirtschaften haben. Im Begriff des Wirtschaftens, besonders der
Bergwirtschaft, liegt zweierlei: einmal das Schaffen neuer Werte,
wertvoller Güter mit Hilfe natürlicher Rohstoffe,

zweitens das Haushalten, das sparsame Umgehen mit dieser na-
türlichen Grundlage, also die Sorge um die Zukunft, zumal wenn
der nicht nachwachsende Vorrat begrenzt erscheint,

Das Wirtschaften in der Bergwirtschaft, also der Abbau, soll dann
irgendwie eingeteilt, geordnet werden, um die Zukunft zu sichern,
es soll eine Inventur, eine Bestand- und Wertaufnahme dessen auf-
genommen werden, womit zu wirtschaften ist, — es fragt sich nur,
nach welchen Grundsätzen und von welcher Instanz.

Aus solchen unklaren Gefühlen, Sorgen und Wünschen heraus
wurden schon vor Jahrzehnten verschiedene englische Kohlen-
kommissionen eingesetzt, um die Grundlage der englischen Indu-
strie-, Handels- und Weltmacht, die Kohlenschätze Englands auf
ihren Bestand und ihre Dauer hin zu prüfen, — in den Jahren 1910
und 1913 befaßten sich dann die Internationalen Geologenkon-
gresse zu Stockholm und Toronto mit den Weltvorräten an Eisen-
erz und Kohlen, und die gegenwärtige Tagung zu Madrid soll die
Vorräte an Phosphaten und Schwefelkiesen erörtern.
nn
        <pb n="128" />
        Man sah diese wichtige Frage der Bergwirtschaft also in erster
Linie als eine Angelegenheit der Geologie an, und das mit Recht,
Schon in Stockholm bei den Eisenerzdiskussionen aber wurde es
klar, daß der Geologe wohl die ersten Grundlagen, nämlich die
naturwissenschaftlichen, schaffen muß, aber nicht die entschei-
denden wirtschaftlichen oder gar wirtschaftspolitischen Fragen
beantworten kann. Die Methode solcher Lagerstätteninventuren
muß also, wenn auch nicht geändert, so doch ergänzt werden,
Aber in welcher Weise und von wem?

1. Zwecke

Bevor hierauf geantwortet werden kann, muß der Zweck von
dergleichen Vorratsschätzungen nutzbarer Mineralien schärfer ins
Auge gefaßt werden. Er ist, wie gesagt, ein wirtschafilicher, und
zwar: auf engere und engste Ziele eingestellt, ein privatwirt-
schaftlicher,

auf weitere allgemeinere Ziele eingestellt, ein nationalwirt-
schaftlicher,

und auf weiteste Menschheitsziele eingestellt, ein weltwirt-
schaftlicher Zweck.

Diese dreifache Zielsetzung bedeutet nun nicht etwa eine nur
dem geographischen Umfange nach engere oder weitere Aufgabe —
(auch Weltaufnahmen können privatwirtschaftlich orientiert sein,
und einzelne Revieraufnahmen weltwirtschaftlichen Zwecken die-
nen) —, sondern eine dem Sinne nach dreifach verschiedene
Tendenz:

eine egoistische, eine nationalistische und eine humanistische.,

Vorratsschätzungen egoistischer Tendenz erstreben Klarheit im
eigenen Machtbereich für eigene, geheimzuhaltende Geschäfts-
maßnahmen im Sinne der Erwerbswirtschaft, des Geldverdienens,
möchten also jeden Wettbewerb ausschalten oder doch erschweren,
jedenfalls nicht anregen; sie entziehen sich also möglichst der
Öffentlichkeit und damit auch der allgemeinen wissenschaftlichen
Betrachtung.
1 o
        <pb n="129" />
        Die Schätzungen nationalistischer Tendenz stehen im Dienste
der Volkswirtschaft, der Bedarfsdeckung und Rohstoffpolitik eines
nationalistisch oder gar imperialistisch auftretenden Staatswesens;
sie können nur in seltenen Fällen geheimgehalten werden und
sind zwar vielfach tendenziöser Darstellung und Einseitigkeit aus-
gesetzt, aber doch schon mehr wissenschaftlichen Charakters,
wenigstens in ihren Grundlagen, nicht aber in ihrer politischen
Auswertung.

Die humanistische Tendenz schließlich erstrebt eine offene und
ungefärbte Darstellung der Lagerstättenvorräte im Sinne einer
wirklichen Weltwirtschaft, d. h. möglichst billiger Deckung des
jeweiligen Weltbedarfs ohne unwirtschaftliche, also künstliche Be-
vorzugung dieses oder jenen Bergreviers aus politischen und anti-
pazifistischen Gründen.

Eine wirtschaftliche Verständigung aller kapitalistischen und
nationalistischen Interessensphären im Sinne einer wirklichen
Weltbergwirtschaft ist nun vorläufig absolut ausgeschlossen; da-
mit darf heute noch kein wissenschaftlicher internationaler Kon-
greß rechnen. Weil aber die Wissenschaft als solche und ihre Pflege
international sind, und auch dieser Geologenkongreß wieder ein
internationaler geworden ist, so muß es auch erlaubt sein, wirt-
schaftliche Fragen methodisch-wissenschaftlich zu behandeln, d.h.
vom rein humanistischen, weltwirtschaftlichen Standpunkt aus.

Gerade weil wir wissen, daß die Welt tatsächlich egoistisch und
nationalistisch bewirtschaftet wird, vielleicht so bewirtschaftet wer-
den muß, um vorwärts zu kommen, so müssen wir für eine wissen-
schaftliche Behandlung internationaler Wirtschaftsfragen als Ar-
beitshypothese die Annahme zugrunde legen, es wäre schon heute
eine humanistisch eingestellte Weltwirtschaft möglich. Das ist ja
der Sinn jeder internationalen Arbeitsgemeinschaft, jedes Welt-
kongresses! Für die reine Wissenschaft oder für eine allgemein heil-
sam angewandte Wissenschaft, z. B. die Medizin, ist das heute all-
gemein anerkannt und gilt als selbstverständlich, obgleich es nicht
ımmer so war, — für die Wirtschaft aber wird das aus naheliegen-
den Gründen noch durchaus bestritten, und eben deshalb liegt die
gesamte Wirtschaftswissenschaft, die Lehre von den Werten, noch

17
        <pb n="130" />
        durchaus im Argen. Der angewandten Geologie, in erster Linie also
der wissenschaftlichen Bewertung der Minerallagerstätten, obliegt
deshalb eine große völkerversöhnende Aufgabe!

2. Methoden

Wird das humanistische — ferne — Ziel, also der weltwirt-
schaftliche Zweck solcher Vorratsberechnungen zugegeben, so
wird auch bald eingesehen, daß mit der Klärung der geologischen
Grundlage der Zweck noch nicht erreicht sein kann, Es muß viel-
mehr aufdiesem naturwissenschaftlichen Fundament nun-
mehr ein wirtschaftswissenschaftlicher Aufbau errichtet
werden: die Mineralmengen müssen nach ihrer tatsächlichen tech-
nischen Greifbarkeit und kaufmännischen Verwertbarkeit geglie-
dert, kurz nach ihrer Bauwürdigkeit eingeschätzt und weltwirt-
schaftlich in Reih’ und Glied gestellt werden.

Das hatte man auch schon in Stockholm im Jahre 1910 ge-
legentlich der ersten internationalen, der Eisenerzvorratsberech-
nung erkannt und beschlossen, diese Geologenvorarbeit nunmehr
berg- und hüttenwirtschaftlich zu ergänzen. Die hüttenwirtschaft-
liche Erfassung der Eisenerze jedes Landes aber erforderte zunächst
eine Ergänzung der Eisenerzgeologie durch eine Kohlengeologie:
und so kam das zweite große Inventurwerk, die Kohlenvorrats-
schätzung von Toronto im Jahre 1913 zustande. Die großen welt-
politischen Ereignisse verhinderten dann eine friedliche internatio-
nale Weiterentwicklung dieses großen geopolitischen Wirtschafts-
gedankens, und erst heute können wir versuchen, diesen Faden ein
wenig weiter zu spinnen.

Die Greifbarkeit eines Lagerstätteninhalts ist in mehrfachem
Sinne zu verstehen:

1. in unmittelbar bergmännischem Sinne, d. h. das Ausgehende,
der im Tagebau gewinnbare Teil, dann die durch Stollenbau oder
durch flache Tiefbauten oberhalb des Wasserhorizontes gewinn-
baren Teile sind bequem, also billig zu fördern, also die greif-
barsten:

-
[ Ay
        <pb n="131" />
        2. kommt der Weg bis zum Marktort oder bis zur Verhüttungs-
und Verarbeitungsstelle, oder bis zur Eisenbahn oder bis zur Küste,
kurz sozusagen die Greifbarkeit von Europa oder sonstigem Ver-
brauchslande aus: also die kommerzielle Lage, einschließlich der
klimatischen und der sozialen Verhältnisse in Betracht;

3. bedeutet Greifbarkeit diechemische Verwertbarkeit, dieleichte
Verhüttbarkeit, die Verwertbarkeit im allgemeinen;

4. sind je nach den bergrechtlichen Verhältnissen die Abgaben,
Steuern usw. verschieden, die Lagerstätten also in diesem politischen
Sinne verschieden greifbar;

5. sind die Finanzierungsmöglichkeiten je nach dem Geldmarkt,
nach herrschenden Börsenströmungen und -stimmungen, ja nach
gewissen Börsenmoden verschieden, danach also die Kapitalbeschaf-
fung, die Großzügigkeit der Anlagen und die Billigkeit der Förde-
rung erleichtert.

Ist nun Greifbarkeit ein mehr rein technisch gemeinter Aus-
druck, so bezeichnet Bauwürdigkeit eigentlich dasselbe, doch
von mehr rein wirtschaftlichem Standpunkt. Ersteres bedeutet ein
Können, letzteres ein Sichlohnen, ein Sichbezahltmachen.

Es handelt sich also darum, für dieses technisch-wirtschaftliche
Verhältnis von Lagerstätten gleicher Art zueinander einen Maß-
stab, eine Formel zu finden; dies ist das Problem, das hier nur
aufgerollt und gestellt, nicht gelöst werden kann.

Bilden für die geologische Feststellung Menge und Gehalt und
allenfalls die Tiefenlage Grenze und Maß der Berechnungen, so
können es für die Abbaukosten und die Verwertungserträgnisse
natürlich nur Wertausdrücke sein, denn der Wertbegriff ist ja
der Kern des Wirtschaftsbegriffs. Da es aber nicht auf absolute

Werte ankommt, sondern immer nur auf das Verhältnis zwischen
Aufwendung und Ertrag, ja nur auf die Möglichkeit, auf die Hoff-
nung, daß der Ertrag die Aufwendungen übersteigt, und da ferner
auch die größten Aufwendungen gemacht werden können und
müssen — und z. B. in Kriegs- und Blockadezeiten gemacht worden
sind —, so können wir ein endgültiges Maß für jene Relation nie
in den Selbstkosten, sondern immer nur in den Erträgen,
also in den Marktpreisen, also in dem Bedürfnis finden.
179
        <pb n="132" />
        Die Formulierungen der Greifbarkeit durch die Schätzung der
Bauwürdigkeit auf Grund des Bedarfs wird nun wesentlich er-
leichtert, wenn man das ganze Problem des Haushaltens mit den
begrenzten Vorräten auf die Gegenwart und die nächste Zukunft,
sagen wir auf ein oder einige Jahrzehnte einstellt, nicht aber auf
Jahrhunderte. Gewisse große Vorräte verleiteten dazu, sich geo-
logisch mit einem Reichtum für Jahrhunderte zu trösten, während
das doch wirtschaftlich gar nichts besagt. Denn nicht auf den Vor-
rat im ganzen kommt es in der Wirtschaft an, sondern lediglich
auf die Jährliche, technisch mögliche und kaufmännisch absetz-
bare Förderung. Kein Vorrat nützt, wenn er nicht realisierbar
ist; diese Realisierbarkeit aber liegt in so engen und so unsicheren
wirtschaftlichen Grenzen, daß uns die fernere Zukunft absolut ver-
schleiert ist und wir uns einigermaßen sicher nur mit den Gegen-
warts- und den allernächsten Zukunftsverhältnissen auseinander-
setzen können, aber durchaus nichts über die weitere Zukunft
wissen. Technik und Wirtschaft entwickeln sich so schnell und
immer schneller, daß wir über den nächsten Bedarf und über die
daraus folgenden Preise nichts Sicheres aussagen können. Weder
dürfen wir aus stetigen Bedarfssteigerungen der Vergangenheit
ständig erhöhte Nachfrage nach gewissen Rohstoffen annehmen,
noch Verbilligungen der Förderungen aus verbesserter Technik
folgern, noch auch auf höhere Absatzpreise infolge knapperer För-
derung schließen: vielmehr können alle diese Verhältnisse infolge
der Ersatzmöglichkeiten des einen Rohstoffes durch den
anderen *), infolge der wachsenden sozialen Schwierigkeiten in der
Arbeiterfrage und infolge ganz neuer Grundlagen der Kraft- und
der Verkehrswirtschaft sich schnell und gründlich ganz anders ge-
stalten. Gerade die Erfahrungen des letzten Jahrzehntes und die
gegenwärtig schwebenden Probleme der Rohstofferzeugung und
des technischen Bedarfs beweisen uns deutlich, daß es wirtschaft-
lich nicht auf sehr große Vorräte, sondern auf große Förder-
*) Es werden ja nicht bestimmte Rohstoffe benötigt, sondern gewisse Ei gen-
schaften; die Träger derselben Eigenschaft können verschieden sein, auch
organische statt anorganische Rohstoffe, z. B. Holz statt Eisen, Gummi statt
Stahl.

| A
        <pb n="133" />
        und Absatzmöglichkeitin der Gegenwart und allernächsten
Zukunft ankommt: nur diese sind ins Auge zu fassen und den
Bauwürdigkeitsschätzungen und Vorratsbewertungen zugrunde zu
legen.

Damit also wird die an die geologische Aufnahme sich an-
schließende wirtschaftliche Erfassung wesentlich vereinfacht, ja
überhaupt erst ermöglicht.

Ein weiterer wissenschaftlich-methodischer Grundsatz weltwirt-
schaftlicher Lagerstättenbewertungen ist die Kontrollierbar-
keit der Berechnungen und Schätzungen. Erst dadurch werden
sie, wenn nachgeprüft und anerkannt, in die Reihe wissen-
schaftlicher Daten emporgehoben, mit denen weitergebaut werden
kann.

Eine Bekanntgabe der einzelnen Voraussetzungen und Grund-
lagen der Schätzungen ermöglicht dann auch eine sofortige Korrek-
tur, sobald geologische, technische, wirtschaftliche Entdeckungen
oder politische Verschiebungen eintreten, die plötzlich das ganze
Bild ändern können. Das Bewertungsbild steht ja nicht stabil ein
für allemal fest, sondern befindet sich im durchaus nur augenblick-
lichen und labilen Gleichgewicht. Schon im Augenblick der Be-
kanntgabe und Veröffentlichung sind solche Zahlen nur relativ
richtig und müssen zu jedem Benutzungszweck neu berechnet und,
wie ein empfindliches Instrument, von neuem justiert und ein-
gestellt werden. Ja es müssen wie in der Physik förmliche Korrek-
turtabellen beigegeben werden. Die Wahl gewisser Voraussetzungen
muß dem Benutzer für seine Zwecke und seine Zeit innerhalb ge-
wisser Wahrscheinlichkeitsgrenzen freigestellt werden. Da einige
Werte sich gegenseitig bedingen und ausgleichen, z. B. Förder-
menge und Selbstkosten, Qualität und Absatzmenge, Risiko und
Rente, so stellen solche Tabellen die inneren Gründe der Schätzung
besser klar als eine einmalige Rechnung unter einmaligen festen
Voraussetzungen.

Der wichtigste und doch so schwer durchzuführende metho-
dische Grundsatz ist endlich die Vergleichbarkeit der Schätzung
und deren Zahlen: Wichtig, weil hiervon die Erreichung des eigent-
lichen Zweckes von Weltinventuren, eben der Vergleich, abhängt,

"x
        <pb n="134" />
        — schwierig, weil die hierzu notwendige wirkliche Gleichartigkeit
der Schätzungsmethoden in den einzelnen Ländern kaum zu er-
reichen ist, besonders nicht bei den bisherigen eiligen Schätzungen,
die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt vor dem Kongreß gesammelt
vorliegen mußten und die vor ihrer Zusammenstellung und Aus-
wertung nicht mehr durch Rückfragen usw. berichtigt und ver-
gleichbar, also summierbar gemacht werden konnten.

Aus diesem wesentlichen Mangel ist denn auch die Unzufrieden-
heit der Wirtschaftler mit den bisherigen, an sich so verdienst-
vollen Weltinventuren entstanden. Sie befriedigen wohl ein ge-
wisses geologisches Interesse, aber nicht die doch eigentlich ins
Auge gefaßten wirtschaftlichen Interessen, weil sie mangels
genügender Vergleichbarkeit keine schlüssigen Folgerungen für
die Weltwirtschaft zulassen. Wie vielfach in der Statistik, so kommt
es nämlich gerade bei diesen Vorratsberechnungen der Lagerstätten
nutzbarer Mineralien auf die absoluten Zahlengrößen überhaupt
nicht an, sondern lediglich auf die relativen Anteile, auf die pro-
zentualen Beteiligungen der einzelnen Länder am gesamten Welt-
vorrat gleicher Bauwürdigkeit.

Fürdie Methode künftiger Revisionen der bisherigen Schätzungen
und für die Bestandsaufnahmen noch anderer wichtiger Mineral-
stoffe — (das zur Zeit wichtigste und von Natur schwierigste Kapitel,
die Erdölvorräte der Welt, steht ja noch aus!) — ergeben sich hier-
aus Grundsätze, die mit den bisherigen Gelegenheitsarbeiten voll-
ständig brechen. Es müssen zunächst die allgemeinen und sodann
die besonderen, jedem Mineral eigentümlichen Schätzungsweisen
einheitlich festgestellt und für alle Kulturstaaten so eindeutig aus-
gesprochen werden, daß zunächst wenigstens rein sprachliche Miß-
verständnisse ausgeschlossen sind,

Die von geologischen und wirtschaftlichen Fachleuten der ein-
zelnen Länder angegebenen Zahlen müssen von einer internatio-
nalen Kommission geprüft und eventuell berichtigt werden, um
nationale Tendenzen und politisch einseitige Wirtschaftsanschau-
ungen, Geheimhaltungen und Übertreibungen nach Möglichkeit
auszumerzen. In jeder Weise muß wissenschaftliche Ehrlichkeit
und Offenheit angestrebt werden.

{922
        <pb n="135" />
        Und nicht nur in Kommissionen hinter verschlossenen Türen,
sondern in der breitesten Öffentlichkeit, also in allgemein zugäng-
lichen Fachzeitschriften müssen die Grundsätze wie die praktischen
Rechnungs- und Schätzungsverfahren, die Personalien wie die
nationalen Tendenzen, die Resultate wie ihre handelspolitischen
Auswertungen offen diskutiert und von den verschiedenen Stand-
punkten und Anschauungen aus immer wieder beleuchtet und ver-
glichen werden, bis sich aus Rede und Gegenrede schließlich ein
zwar auch nur vorläufiges und immer wieder zu ergänzendes, aber
doch verhältnismäßig zutreffendes Bild von der tatsächlichen
Grundlage des weltwirtschaftlichen Stoff- und Kraftbedarfs wie
seiner nationalen und internationalen Deckungsmöglichkei-
ten durch Bergbau und bergbauähnliche Betriebe ergibt.

2. Forschläge
Noch vieles ließe sich über methodische Einzelheiten sagen, doch
fasse ich vorläufig alles in einigen Vorschlägen zusammen, die
zunächst die internationalen Geologenkongresse beschäftigen
möchten.

Sieergriffen 1910 und 1913 die Initiative, und sie müssen diese
Arbeiten intensiv fortsetzen, wenn nicht andere, mehr politisch,
also weniger naturwissenschaftlich und objektiv eingestellte Orga-
nisationen sich dieser Weltfragen bemächtigen sollen.

Diese Vorschläge, kurz formuliert, lauten:

Einsetzung einer ständigen Kommission für geologischwirt-
schaftliche Vorratsschätzungen der nutzbaren Mineralien der Erde
mit dem Auftrage:

ı. Alle bisherigen ernsthaften Schätzungen zu sammeln, kri-
tisch zu ordnen und die wirtschaftlich zusammengehörigen zu
kombinieren.

2. Die Bauwürdigkeitsgrade schärfer abzugrenzen und die Ver-
ständigung über gewisse Rechnungsnormen und Urteilsformeln
auf Grund der oben dargelegten methodischen Grundsätze herbei-
zuführen.

Ta
        <pb n="136" />
        3, Verbindung zu suchen mit wirtschaftlichen, juristischen
und politischen Bestrebungen gleicher Richtung, sich aus diesen
Kreisen zu ergänzen und an internationalen Kongressen ähnlicher
Art teilzunehmen.

4- Die Gründung eines „Internationalen Instituts für Berg-
wirtschaft“ vorzubereiten, etwa nach Art desjenigen für die Land-
wirtschaft in Rom.
(Fortsetzung 1929 in Pretoria!)

C. GENF
6. Vorschlag,
ein Internationales Institut für Bergwirtschaft

vorzubereiten behufs Förderung internationaler Wirtschaftsverstän-
digung durch wissenschaftliche Klärung und praktische Verein-
barung einer bergwirtschaftlichen Systematik, Terminologie und
Nomenklatur,
eingereicht der
Commission Internationale de Cooperation intellectuelle
und dem
Comite de Direction de l’Institut internationale
zu Händen des Herrn Oprescu in Genf, Palais des Nations,
von Professor Max Krahmann
in Berlin-Charlottenburg, Technische Hochschule,
im Juli 1926.
Jede Wirtschaftsverständigung fördert die Friedensidee.

Verständigung auf bergwirtschaftlichem. Gebiet ist besonders
schwierig und wichtig, weil die mineralischen Rohstoffe eigenartig
auf der Erde verteilt und nicht unerschöpflich sind, der Bedarf
an ihnen im ganzen aber ständig wächst, im einzelnen jedoch
sehr schwankt.

Eine internationale Verständigung auf diesem Gebiet anorga-
nischer Wirtschaft ist ferner dadurch erschwert, daß die termini

124
        <pb n="137" />
        technici sprachlich sehr verschieden und inkongruent sind, und
eine internationale wissenschaftliche Nomenklatur wohl in der
Chemie und Mineralogie, auch in der Petrographie, allenfalls
noch in der Geologie und theoretischen Lagerstättenkunde, aber
nicht mehr in der angewandten oder ökonomischen Geologie und
Mineralwirtschaft vorhanden ist.

Die ganze internationale Mineralstatistik leidet hierunter
schwer; sie ist eigentlich wissenschaftlich unbrauchbar und wird
doch praktisch mangels einer besseren immerwährend gehand-
habt und den Handelsbilanzen, Zolltarifen, Handelsverträgen usw.
als etwas „amtlich“ Ermitteltes und also Richtiges zugrunde ge-
legt, während sie tatsächlich ein ganz trügerisches Gebilde voller
Irrtümer, Täuschungen, Verwechslungen und Mißverständnissen
ist. Jeder Steuerfachmann oder Handelspolitiker weiß davon ein
Lied zu singen, sobald er wissenschaftlich und ehrlich diese Materie
anzupacken versucht.

Ähnlich wie die internationale Zahlensprache, die Statistik, ist
das andere internationale Verständigungsmittel, das kartogra-
phische Bild der mineralischen Rohstoffquellen, die Karte der
nutzbaren Mineralien, durchaus noch unentwickelt und er-
zeugt mehr Mißverständnisse als Übereinstimmung. Die Signa-
turen sind national verschieden und nicht eindeutig, und die Dar-
stellung der wirtschaftlichen Bedeutung der Fundorte, der Vor-
räte, der Ein- und Ausfuhrwege, der Verarbeitungsorte und -arten,
des Verbrauchs, des Bedarfs, der Preise usw. ist noch unvollkom-
men und läßt keine sicheren Vergleiche und weitere internatio-
nale Schlußfolgerungen zu.

Die geologischen Vorräte, die sog. Lagerstätteninventuren
mit ihrer örtlich so verschiedenen und zeitlich so schwankenden
technischen Greifbarkeit und kaufmännischen Bauwürdigkeit
sind nach den bisherigen Schätzungsmethoden der verschiedenen
Länder nicht vergleichbar, also auch nicht summierbar, ohne
irrige Vorstellungen zu erwecken.

Ein weiterer Mangel aller bisherigen Wirtschaftsdarstellungen
ist die einseitige Betonung der Erzeugung und die weitgehende
Vernachlässigung des Studiums des Verbrauches, der Bedürf-

25
        <pb n="138" />
        nisse, ihrer verschiedenen Deckungsmöglichkeiten und der sich
erst daraus ergebenden Markt- und Preisverhältnisse. Eine Be-
darfssystematik fehlt noch ganz: Für fehlende klare Begriffe stellen
sich wohl Worte ein, aber diese laufen um wie abgegriffene Mün-
zen, ihre Prägung geht verloren: mit Schlagworten wird disku-
tiert, aber aneinander vorbei geredet und geschrieben und deshalb
keine Verständigung erzielt.

Eine geistige Zusammenarbeit der Nationen für wirtschaftliche
Verständigung im allgemeinen hat zunächst das grundlegende
Gebiet der Wirtschaft mit anorganischen Rohstoffen in seiner
Systematik zu klären und zu fördern. Gleichsam als Arbeitshypo-
these hierzu schlage ich vor, die Gründung eines Internatio-
nalen Instituts für Bergwirtschaft ins Auge zu fassen und
ernsthaft vorzubereiten.

Ein Vergleich mit dem internationalen Institut für Landwirt-
schaft in Rom liegt nahe, obgleich für die Landwirtschaft die
Verhältnisse viel einfacher und naheliegender waren, als sie ge-
rade heute für die Bergwirtschaft sind. Immerhin darf auf die
Erfolge dieses Instituts in Rom hingewiesen werden; was hier zum
Segen der Allgemeinheit erreicht wurde, ist bei ehrlichem Willen
und nach Schaffung der geistigen Grundlage auch für die Montan-
industrie der Welt erreichbar.

Sollte es aber aus irgendeinem Grunde nicht für opportun ge-
halten werden, gegenwärtig gerade die Bergwirtschaft durch die
Cooperation intellectuelle unter die Lupe zu nehmen, so möchte
ich vorschlagen, ganz allgemein für die Wirtschaftswissen-
schaft überhaupt Systematik, Terminologie und Nomenklatur
international und zunächst ganz ohne einseitige praktische oder
spezielle Rücksichten zu prüfen und zu vereinheitlichen: man
wird finden, wie die wissenschaftliche Wirtschaftsliteratur voll in-
kongruenter Begriffs- und Wortbildungen steckt, und daß großen-
teils allein aus diesem Grunde Verständigung und Frieden nur
schwer zu erreichen sind.

Man könnte vermuten, daß es auf dem — neben Wissenschaft,
Technik und Wirtschaft — vierten großen Geistesgebiet, dem der
Politik, bezüglich der internationalen Terminologie noch schlim-
(26
        <pb n="139" />
        mer aussähe: dem ist aber nicht so, weil hier, namentlich in der
auswärtigen Politik, der Diplomatenverkehr ein mehr einheit-
liches internationales Milieu geschaffen hat, das auch der Wissen-
schaft, namentlich also der Historie, zugute gekommen ist. Auf
dem Gebiet der inneren Politik bestehen allerdings begrifflich
und sprachlich noch große Unterschiede, weil hier schon die wirt-
schaftlichen Verhältnisse mit ihren Unklarheiten wesentlich be-
teiligt sind. Die inneren sozialen Verhältnisse entwickeln sich
eben in allen Ländern verschieden, und zwar in einer gewissen
absıchtlichen Abgeschlossenheit, und führen deshalb zu mehr
nationalen, also weniger internationalen Begriffsbildungen und
Sprachgewohnheiten.

Um im einzelnen zu erläutern, was zum Programm einer Inter-
nationalen Kommission für Bergwirtschaft gehören würde, über-
reiche ich hiermit den Entwurf zu einem Arbeitsplan dieses In-
stituts,

Die Kommission hat erstens rein wissenschaftliche Aufgaben:
und zwar sind zunächst

a) die begrifflichen und sprachlichen Grundlagen einer
internationalen Wirtschaftsverständigung zu schaffen: ein System
der Bergwirtschaft ist zu vereinbaren, die Bauwürdigkeitsgrade
sind nach gewissen weltwirtschaftlichen Normen abzugrenzen,
die Terminologie hierfür ist für alle Weltsprachen in einem berg-
wirtschaftlichen Wörterbuch festzulegen, ebenso die Nomenklatur
der einzelnen nutzbaren Mineralarten, Handelsmarken, Tarif-
positionen usw. Sodann sind im Zusammenhang damit

b) die statistischen und kartographischen Grundlagen,
also Maße und Gewichte, Preise und Wertbegriffe, Zoll- und
Handelsgebräuche, ferner Kartenmaßstäbe, Wirtschaftssignaturen,
Farben, Mengen und Wertgrößen, Diagramme usw. zu normali-
sieren. Notwendig hierzu sind Rückblicke und Rechtsbeziehungen,
demgemäß sind

c) die historischen und die juristisch-sozialen Grund-
lagen zu studieren, also die Entwicklungsperioden der Bergwirt-
schaft, der Boden- und Bergrechte, der Unternehmungsformen, der
Kartelle und Trusts, der Sozialisierungen und Nationalisierungen.

127
        <pb n="140" />
        Zweitens hat die Kommission praktische Ziele und Aufgaben
zu verfolgen, und zwar

a) die tatsächliche internationale Einführung und Vereinheit-
lichung der wissenschaftlich geklärten Grundlagen mit Hilfe des
großen organisatorischen Apparates des Völkerbundes.

b) Als laufende praktische Aufgabe ist zu bezeichnen: Kon-
junkturbeobachtung und Krisenmilderung,

c) als gelegentliche Aufgabe: Verhinderung von Streitfällen,
Gutachten, Schiedssprüche und dergleichen.

Drittens hat die Kommission, um die erste und zweite Aufgabe
erfüllen zu können, selbstverständlich eine Materialsammelnde
und Ergebnisse publizierende Tätigkeit zu entfalten. Diese Tat-
sachensammlung auf Grund wissenschaftlicher Systematik und
eine vorurteilslose, objektive Schlußfolgerung auf Grund prak-
tischer Zielsetzung, kurz eine rationelle Synthese vieler analy-
tischer Einzelheiten ist eine Aufgabe, die eben nur von einer
Weltorganisation, wie sie dem Völkerbundsgedanken und der
internationalen Cooperation intellectuelle zugrunde liegt, gelöst
werden kann.

Von hier aus aber, von einem solchen dem Wirtschaftsfrieden
dienenden internationalen Institut für Bergwirtschaft und seiner
wissenschaftlichen und praktischen Leistung, dokumentiert durch
ernste Publikationen und durch suggestive Propaganda, kann für
die Friedensidee Hervorragendes geleistet werden.

öa. Derselbe Vorschlag, französisch
Societe des Nations
E. 290.
Genö&amp;ve, le 25 aoüt 1926.
Comite Economique
Note du Secretariat
Le Secretariat a l’honneur de communiquer, pour leur infor-
mation, a Messieurs les Membres du Comite Economique, le texte

‚28
        <pb n="141" />
        d’une proposition presentede par M. le Professeur Max Krahmann,
de l’Ecole Technique Superieure de Charlottenbourg, 3a la Com-
mission de Cooperation Intellectuelle et tendant ä la creation d’un
Institut International des Mines.

La Commission de Cooperation Intellectuelle, a la suite d’un pre-
mier examen de ce projet, a decide, au cours de sa session du mois
de Juillet dernier, de le renvoyer pour etude a sa Sous-Commission
de Bibliographie.

D’autre part l’Institut de Cooperation Intellectuelle a Paris a
ete chärge par elle de proceder egalement ä une etude ä sa preli-
minaire, en se tenant en rapport avec ladite Sous-Commission,

En outre la Commission de Cooperation Intellectuelle a charge
le Secretariat de communiquer le projet, a toutes fins utiles, ä la
Section Economique.

Avant-projet de creation d’un Institut International des Mines

pour le developpement de l’entente €conomique internationale par
la definition scientifique et par l’adoption dans la pratique, d’une
terminologie et d’une nomenclature systematique minieres, adresse
ä la Commission internationale de Cooperation intellectuelle par
le Professeur Max Krahmann, Ecole technique superieure.
Berlin-Charlottenbourg.
Juillet 1926.
Toute entente economique contribue au de&amp;veloppement de
V’idee de paix. 5

Dans le domaine minier, l’entente est particulierement difficile
et importante parce que les matieres premieres minerales sont re-
parties sur la terre d’une maniere inegale et que leurs sources ne
sont pas inepuisables alors que les besoins croissent constamment,
dans l’ensemble, tout ent variant beaucoup dans le detail.

La difficult€ d’une entente internationale, dans ce domaine
d’&amp;conomie anorganique, est encore accrue du fait qu’au point de
vue linguistique les termes techniques sont tres differents et im-
propres et qu'’il n’existe pas, pour la geologie appliquee ou &amp;cono-
ı) Krahmann, Arbeitsgemeinschaft 129
        <pb n="142" />
        mique et pour l’&amp;conomie miniere, de nomenclature scientifique
internationale comme celle dont on se sert en chimie et en mine-
ralogie et aussi en petrographie et qu’on applique, au besoin 3 la
geologie et a P6tude des gisements mineraux.

Toute la statistique miniere internationale en souffre grandement;
a vrai dire elle est inutilisable au point de vue scientifique et pour-
tant, faute de mieux, on Vutilise constamment dans la pratique
et on s’en sert comme base pour les bilans commerciaux, les tarifs
douaniers, les trait&amp;s commerciaux, etc. en lui donnant le carac-
tere d’une documentation d’origine «officielle» et par consequent
exacte, alors qu’'en realite elle constitue une image entierement
trompeuse, remplie d’erreurs, d’illusions, de confusions et de mal-
entendus. Toute personne competente en matiere de politique
fiscale ou commerciale peut le constater des quelle tente d’entre-
pendre une etude scientifique et sincere de cette matiere.

De möme que la statistique, langue internationale des chiffres,
l’autre moyen d’entente internationale que represente la descrip-
tion cartographique des sources de matieres premieres minerales,
la carte des mineraux utilisables est encore tout-a-fait incomplete
et elle prete plutöt a des malentendus qu’a l’accord. Les signes
conventionnels different suivant les pays et ont plusieurs sens et
Ja representation de l’importance E&amp;conomique des gisements, des
reserves, des voies d’acces et d’Eecoulement, des lieux et des diffe-
rents genres de fabrication, de la consommation, des besoins, des
prix, etc. est encore incomplete et ne permet d’etablir ni compa-
raison exacte, ni conclusion de quelque importance au point de
vue international.

Dans l’etat actuel des methodes d’appreciation des divers pays,
les röserves geologiques, les inventaires de gisements minEraux avec
leurs possibilites techniques d’extraction et leur exploitabilite com-
merciale si diffe&amp;rentes et si variables, suivant les lieux et les epo-
ques, ne sont pas comparables et ne peuvent donc pas etre com-
prises dans un total commun sans donner naissance ä des concep-
tions erronges. Tous les exposes &amp;conomiques actuels presentent
une autre lacune provenant de Vimportance exclusive attribuee
ä la production et de la negligence extreme apportee a l’etude
30
        <pb n="143" />
        de la consommation, des besoins, des differentes possibilites qui
permettent d’y satisfaire et des conditions de marche et de prix
qui en resultent. Une expose systematique des besoins est en-
core entierement inexistantes: Faute de conceptions nettes, on
se sert bien de mots, mais ca mots circulent comme une monnaie
usage, leur caractere s’efface; on discute &amp; l’aide d’expressions
toutes faites, mais ces expressions n’ayant pas la meme valeur, on
N’arrive pas a s’entendre.

Une collaboration intellectuelle des pays, en vue d’une entente
Economique, en general, doit tout d’abord definir et exploiter
dans sa description systematique, le terrain fondamental de l’&amp;co-
nomie des matieres premieres anorganiques. A cet effet, Je propose
d’envisager et de preparer serieusement la creation d’un Institut
International des Mines.

On est tente d’etablir a ce sujet une comparaison avec ]’Institut
International d’Agriculture a Rome, bien qu’en ce qui concerne
Vagriculture, la situation ait ete€ beaucoup plus simple et facile ä
envisager qu’elle ne Vest aujourd’hui pour l’&amp;conomie miniere.
Il convient de rappeler constamment les resultats obtenus par cet
Institut a Rome; ce qu'il a realise dans l’interet public, peut aussi
ötre realis€ pour l’industrie miniere mondiale, a l’aide d’une vo-
lonte sincere et quand les bases morales de cette ceuvre auront &amp;te€
Constituees.

Si, toutefois, pour une raison quelconque, il n’etait pas Juge
opportun, &amp; l’heure actuelle, de considerer l’&amp;conomie miniere du
point de vue de la cooperation intellectuelle, je proposerais qu’on
entreprenne, d’une maniere generale, et du point de vue inter-
national, l’etude et l’unification de la description systematique,
de la terminologie et de la nomenclature de la science Economique
en eEvitant, en premier lieu, toute consideration particuliere d’or-
dre pratique ou de nature speciale: On constatera alors que la
litterature economique scientifique abonde en notions et en images
impropres et que, pour cette seule raison, l’entente et la paix sont
en majeurs partie, difficilement realisables.

On pourrait supposer que, dans un quatrieme domaine intellec-
tuel important, celui de la politique, la situation est encore plus
131
        <pb n="144" />
        defavorable en ce qui concerne la terminologie internationale
qu’en matiöre de science de technique et d’&amp;conomie; mais il n’en
est rien, car, notamment en politique etrangere les relations entre
diplomates ont cre€ un milieu international plus uniforme dont
a Egalement beneficie la science et notamment !’histoire. Il est
vrai que, dans le domaine de la politique interieure, il existe en-
core des divergences importantes de conceptions et d’expression
car, en cette matiere, les circonstances €conomiques, caracterisees
par leur manque de clarte, jouent un röle important. Les con-
ditions sociales interieures suivent dans chaque pays, une &amp;vo-
lution diff£rente, empreinte d’un certain particularisme voulu
et elles menent par suite a des habitudes de penser et de langue
ayant un caractere plutöt national et, par suite, tres peu inter-
national.

Afın d’exposer de maniere detaillee les elements qui devraient
composer le programme d’une Commission internationale des
Mines, je joins ä la presente un projet de plan de travail etabli
pour cette ınstıtution.

La Commission a, en premier lieu, une täche purement scienti-
fique; elle doit tout d’abord:

a) creer, au point de vue de la conception et de la langue, les
bases d’une entente &amp;conomique internationale; il convient de se
mettre d’accord sur un systeme Economique applicable aux mines,
de delimiter, suivant certaines regles €conomiques mondiales, les
degres d’exploitabilite, d’en fixer, pour toutes les langues princi-
pales, la terminologie dans un dictionnaire d’&amp;conomie miniere,
d’€laborer 1a nomenclature des differentes especes minerales utili-
sables, des marches mondiaux, des articles de tarifs douaniers,
etc. . . . Puis, en relation avec ce qui precede,

b) il conviendra d’uniformiser les bases statistiques et cartogra-
phiques, c’est-ä-dire les poids et mesures, les prix et les notions de
valeur, les usages douaniers et commerciaux, ainsi que les echelles
cartographiques, les signes conventionnels economiques, les cou-
leurs, les quantites et les unites de valeur, les diagrammes, etc.
Cet objet exige des considerations retrospectives et Juridiques et,
par suite,

"4
LJ
        <pb n="145" />
        c) l’etude des prineipes de la question au point de vue de lhis-
toire et du droit social, embrassant les periodes de developpement
de l’industrie miniere du droit foncier et minier, des formes d’ex-
ploitation, des cartels et des trusts, de la socialisation et de Ja na-
tionalisation. .

En second lieu, la Commission aura a poursuivre des objets et
des täches d’ordre pratique tels que:

«a) L’adoption et la simplification internationales, a l’aide de
important appareil d’organisation de la Societe des Nations, de
principes definis scientifiquement.

b) Il convient de designer comme täches courantes d’ordre pra-
tique: l’observation des conjonctures &amp;conomiques et Vetude des
remöedes a apporter aux crises, et

c) comme täches occasionnelles, la neutralisation des conflits,
Varbitrage, etc.

En troisieme lieu, la Commission devra naturellement, pour
pouvoir mener ä bien les deux täches precitees, röunir la documen-
tation necessaire et publier les resultats acquis. Ce groupement des
faits, fonde sur une description systematique scientifique et sur
des deductions objectives denudes de prejuges et tendant vers un
but pratique, en un mot cette synthöse rationnelle de details ana-
lytiques nombreux represente une täche qui, precisement, ne peut
ötre accomplie que par une organisation mondiale comme celle
qui est 3 la base de Videe de la Societe des Nations et de la Co-
operation intellectuelle internationale.

Mais un Institut international des Mines de ce genre, au service
de la paix &amp;conomique, peut, par son activite scientifique et pra-
tique, documentee par des publications serieuses et par une pro-
pagande suggestive, apporter au developpement de l’idee de paix
une contribution remarquable.
/sign€) M. Krahmann.

23
        <pb n="146" />
        Sb. Derselbe Vorschlag, englisch

League of Nations
E. 290.
Geneva, August 25%, 1926.

Economic Committee
Note by the Secretariat

The Secretariat has the honour to communicate to the Members
of the Economic Committee for their information, the text of a
proposal submitted by Professor Max Krahmann, of the Higher
Technical School at Charlottenburg, to the Committee on Intellec-
tual Co-operation, suggesting the establishment of an International
Institute of Mines.

After a preliminary enquiry into the scheme, the Committee on
Intellectual Co-operation decided during its session in July last, to
refer it to the Sub-committee on Bibliography for consideration.

The Institute for Intellectual Co-operation at Paris has also been
instructed by it to undertake a preliminary investigation, keeping
in touch with the Sub-committee.

Further, the Committee on Intellectual Co-operation has re-
quested the Secretariat to communicate the scheme to the Economic
Section for information and necessary action.

Protdosal

for the creation of an International Mining Institute for the pro-
motion of international economic understanding by means of
scientific definition and practical agreement concerning method,
terminology and nomenclature in mining, submitted to the Inter-
national Committee on Intellectual Co-operation by
Professor Max Krahmann, Technische Hochschule,
Berlin-Charlottenburg.
July, 1926.
34
        <pb n="147" />
        Every economic understanding furthers the cause of peace.

Agreement in the matter of mining is a particularly difficult and
at the same time a most important question, as minerals are un-
equally distributed over the earth andthesupply isnotinexhaustible,
while the demand as a whole is continually on the increase varying
though it does very much as regards detail.

The difficulty of arriving at an international understanding in
this particular sphere of inorganic economy is further increased by
the fact that the actual technical terms employed are very varied
and inappropriate, and that in the case of applied or economic
geology and mining no such international scientific nomenclature
exists as is used in chemistry, mineralogy and petrography, and
as may be applied if need be to geology and the study of mineral
deposits.

International mineral statistics as a whole suffer very consider-
ably from this defect; in actual fact, they are of no use from the
scientific point of view, although for want of anything better, they
continue to be used in practice and are taken as a basis for trade
balances, customs tariffs, commercial treaties, etc., as something
which has been “officially ascertained and which must therefore
be correct. In reality they convey an entirely wrong impression,
and are full of mistakes, fallacies, confusion and misunderstanding.
Every expert in taxation or commercial policy can confirm this
directly he attempts to go into the matter scientifically and hon-
estly.

What has been said of statistics,which constitute the international
language of figures, also applies to that other international medium
of understanding, the cartographic description of mineral sources
or map of useful minerals, which is still quite incomplete and Jleads
to more misunderstanding than agreement. The conventional signs
vary according to the different countries and bear more than one
meaning, and the indication of the economic importance of depo-
sits, reserves, means of access and disposal, places and methods of
working up and handling, consumption, requirements, prices, etc.,
is still incomplete and does not permit of exact comparison or fur-
ther conclusions from the international point of view.
3,
        <pb n="148" />
        Under the methods at present employed in the different coun-
tries in estimating the geological reserves or so-called inventories
of mineral deposits, the technical possibilities of extraction and
commercial exploitability of which vary greatly from time to time
and from place to. place, comparison is not possible and these de-
posits cannot therefore be included in a common total without
leading to erroneous conceptions.

A further defect of all economic statements up to the present
date is the exclusive emphasis which is placed upon production
and the far-reaching neglect of the question of consumption, ot
requirements, the various possibilities of supplying them, and the
market and price conditions to which they direcıly give rise. There
is as yet absolutely no method of indicating requirements; in the
absence of definite conceptions, words are used, but these pass as
mere worn-out and effaced currency; stock expressions are adopted
in discussion but with different meaning, so that an understanding
is never reached.

The first task of intellectual co-operation between the nations,
for the purposes of economic understanding in general, must be
to define and extend the fundamental scope of the economy of in-
organic raw materials in its whole system. I would suggest, as a
working hypothesis, that the question of the founding of an inter-
national Mining Institute should be considered and that the scheme
should be thoroughly worked out.

The International Agricultural Institute at Rome offers a sub-
ject for comparison, although the conditions were far simpler and
more obvious for agriculture than is at present the case for mining.
The successful results obtained by the Rome Institute should, how-
ever, be borne in mind; what has been accomplished by it in the
general interest can also be accomplished for the mining industry
throughout the world, if there is a resolute effort and the intellec-
tual and moral foundations of the work are truly laid,

If, however, it is thought inexpedient for any reason at the pre-
sent moment to consider mining from the point of view of intel-
lectual co-operation, I would suggest that a general study from
the international point of view should first be undertaken —— irre-
136
        <pb n="149" />
        spective of practical or special considerations — of the question of
method, terminology and nomenclature and their standardisation
in the matter of economic science; it will be found that scientific
economic literature is full of inappropriate conceptions and ex-
pressions, and that this in itself constitutes a very serious obstacle
to understanding and peace.

One might imagine that the position as regards international]
terminology in the case of the fourth great intellectual domain,
that of politics, was even worse than in the scientific, technical or
economic domain; this, however, is not the case, since, as regards
this point — more particularly in foreign politics — diplomatic
relations have produced a more uniform international milieu,
which has also been to the advantage of learning in general and
of history in particular. It is true that in the domain of internal
politics, important differences still exist as regards conception and
expression, owing to the fact that in this case economic conditions,
which are so imperfectly defined, play an important part. In every
country internal social conditions develop differently and to some
extent in a spirit of deliberate exclusiveness, and thus lead to more
specifically national and hence less international conceptions and
habits of speech.

In order to explain in detail what the grogramme of an Inter-
national Mining Committee would be, I subjoin the draft plan of
work for such an institute.

The Committee’s primary duties would be of a purely scientific
character: it would have first

a) to create, from the point of view of conception and language,
the bases of an international economic understanding; it would
have to agree upon a system applicable to mining economy, to
define the degrees of exploitability in accordance with certain world
economic rules, to establish a mining dictionary with the neces-
sary terminology for all the principal languages, and to determine
the nomenclature of the various kinds of useful minerals, world
marks, customs tariff items, etc. It would have

b) to standardise the statistical and cartographic bases, that is,
weights and measures, prices and standards of values, customs and
3m
        <pb n="150" />
        commercial usages, and also cartographic scales, conventional eco-
nomic signs, colours, quantities, and units of value, diagrams etc.
This will require reference to past experience and logal consider-
ations, and it will thus be necessary;

c) to make a study of the principles underlying the question,
from the point of view of history and social legislation comprising
the various periods of development of the mining industry, systems
of laws relating to land and mining, methods of exploitation, car-
tels and trusts and systems of socialisation and nationalisation.

The Committee would have, in the second place, to concern
itself with practical aims and duties, namely,

a) the actual international adoption and simplification of scienti-
fically defined principles, with the assistance of the great organising
machinery of the League of Nations.

b) as a regular practical duty: to follow movements of the mar-
kets and to cope with crises.

c) as an occasional duty: to prevent disputes, to give expert
opinions, arbitral awards etc,

In the third place, in order to carry out the two duties mentioned
above the Committee would naturally have to concern itself with
the collection of the necessary material and the publication of results.
This grouping of facts on the basis of a scientific method with un-
biassed objective deductions tending towards practical objects, in
short, this rational synihesie of a number of analytical details re-
presents a task which can only be accomplished by a world organi-
sation such as is to be found in the idea of the League of Nations
and of international intellectual co-operation.

An international mining institute such as this, however, acting
in the interest of economic peace, can by means of its scientific
and practical activities and with the aid of serious publications and
suitable propaganda, prove a most powerful factor in the cause of
peace,
signed) M. Krahmann,

-38
        <pb n="151" />
        7. Aufruf zur wissenschaftlichen Fundamentierung der
Bergwirtschaft
Von Prof. Mar Krahmann, Berlin, Techn. Hochschule.

Im Anschluß an meinen Vorschlag vom Juli 1926:

Grundlage jeder Wirtschaft sind die menschlichen Bedürfnisse.
Wir benötigen, im Grunde, nicht Stoffe, sondern Eigenschaften
oder Fähigkeiten. Da diese abstrakt, also nicht zu bewirtschaften
sind, müssen wir uns an die Träger der Eigenschaften und Fähig-
keiten halten, an die konkreten Stoffe und Wesen.

Deshalb sind organische und anorganische Stoffe und Wesen
die Objekte jeder Wirtschaft; Subjekt ist der, Mangel und Bedürf-
nisse empfindende und deshalb wirtschaftende Mensch. (Auch
Tiere, ja auch Pflanzen wirtschaften instinktiv.)

Im weitesten Sinne und im primären Stadium der Rohstoff-
wirtschaft ist das Organische das Objekt der Landwirtschaft, das
Anorganische Gegenstand der Bergwirtschaft.

Bergwirtschaft ist also die Rohstoffbeschaffung aus der anorga-
nischen Erdsphäre, aus dem mineralischen Untergrunde, während
der Landwirt die organische Erdsphäre, die pflanzliche und tierische
sonnenbedingte Oberwelt bewirtschaftet.

Die Bergwirtschaft zehrt also von einmal gegebenen geolo-
gischen Vorräten, die Landwirtschaft dagegen erzeugt die Roh-
stoffe im wiederkehrenden Kreislauf der Sonne, des Lebens.

IE
Für die Landwirtschaft besteht ein Internationales Institut seit
1905 in Rom, das immer besser für eindeutige Terminologie und
Nomenklatur und für wissenschaftliche Methoden und Systematik
sorgt, der Bergwirtschaft dagegen fehlt eine derartige wissenschaft-
liche Zentralstelle und wirtschaftspolitische Verständigung: und
doch hat sie diese so überaus nötig, wissenschaftlich und prak-
tisch, wirtschaftlich und politisch!
139
        <pb n="152" />
        Als erste und grundlegende Aufgabe meiner im Sommer 1926
gegebenen Anregungen schlage ich deshalb die Prüfung der F rage
vor: Was kann die internationale Bergwirtschaft aus den bisherigen
Leistungen des Internationalen Landwirtschaftsinstituts in Rom
für sich lernen?

Hierbei ist nicht eine blinde Nachahmung ins Auge zu fassen,
sondern eine die Unterschiede sehende Abweichung im Sinne der
eben angedeuteten Wesensverschiedenheiten beider Wirtschafts-
arten; die ganze Rohstoffwirtschaft muß in dieser dualistischen
Weise tiefer durchschaut und in ihrem inneren Wesen erkannt
werden, bevor für die Bergwirtschaft ein der Landwirtschaft teils
parallel geschaltetes, teils polar entgegengesetztes, aber mit dieser
in Wechselwirkung stehendes Institut geschaffen werden kann.
HE.

Nach Klärung dieser wirtschaftlichen Grundlage werden sich
die praktischen Folgerungen für Methoden und Systematik, für
Organisation und Politik von selber ergeben.

Es wird sich die Notwendigkeit herausstellen, eine internatio-
nale Bergwirtschaftszentrale zu schaffen, die zu sorgen hat

a) für Vereinheitlichung der Methoden in Statistik und Karto-
graphie,

b) für einheitliche Systematisierung der Bedürfnisse nach Eigen-
schaften und Leistungen und nach deren stofflichen Trägern,

c) für Erforschung der sich daraus ergebenden Marktverhält-
nisse dieser bergwirtschaftlichen Rohstoffe und

d) der dadurch bedingten Rohstofförderungen nach Standort
und Leistung in der Gegenwart,

e) für Feststellung der noch zur Verfügung stehenden Vorräte
im Verhältnis zum gegenwärtigen und voraussehbaren Jahres-
bedarf,

f) für Ersatzmöglichkeiten des einen Rohstoffs, wenn er knapper
und teurer wird, durch andere, u. U, nicht mehr bergwirtschaft-
liche Rohstoffe oder Kraftquellen,

g) für dadurch gegebene und rechtzeitig einzuleitende wissen-
schaftliche und praktische Verbindungen mit landwirtschaftlichen.

40
        <pb n="153" />
        kraftwirtschaftlichen, verkehrswirtschaftlichen und chemischen
Industrien,

h) für Einordnung der Bergwirtschaft in die Gesamtwirtschaft
in organisatorischer und politischer Beziehung,

i) für eine angemessene Stellung und Ausstattung der Berg-
wirtschaftslehre und -forschung im Studienplan der Hochschulen.

IV.
Nur von dieser Bedürfniserforschung aus, die letzten Endes mit
den Bevölkerungsfragen zusammenhängt, und in Verbindung mit
einer Auswertung (und Ergänzung!) der Ergebnisse der neueren
Konjunkturforschung können wir für die Bauwürdigkeit der
Lagerstätten zu Maßstäben kommen, welche an die bisher be-
kannten Vorräte nutzbarer Mineralien anzulegen sind.

Diese Bauwürdigkeitsmaßstäbe oder Bewertungsformeln für
noch in der Erde ruhende, relativ greifbare, aber nicht nach-
wachsende anorganische Rohstoffe enthalten das Kernproblem für
die wissenschaftliche Bergwirtschaft, — ähnlich wie die sogen.
Bonitierung oder Bodenklassifikation das der Landwirtschaft bildet,

Erst aus der Dringlichkeit eines Bedürfnisses entstehen die-
jenigen Marktpreise, welche dem Kapital den Anreiz zur Investie-
rung, dadurch der Technik die Mittel zu immer größeren Anlagen
und endlich den Wanderungen und Siedlungen der Menschen
Ziel und Standort geben. Also nicht vom geologischen Objekt aus,
von der Lagerstätte her, ist jenes Problem der Bauwürdigkeits-
schätzung der Lösung näher zu bringen, sondern vom Subjekt
her, vom wirtschaftenden Menschen und seinen technischen, poli-
tischen und kulturellen Bedürfnissen.

Damit wird die Bergwirtschaftsforschung in die weitere Sphäre
der Kulturforschung überhaupt gehoben und verdient deshalb das
erhöhte Interesse der Allgemeinheit.

Und welches wären die nächsten Schritte in dieser Richtung
innerhalb der Völkerbundsorganisation !
        <pb n="154" />
        Das Problem ist vielseitig, wie jede Frage, wenn man sie gründ-
lich anfaßt. Die verschiedensten, schon bestehenden wissenschaft-
lichen, sozialen, technischen, wirtschaftlichen, politischen und
kulturellen Abteilungen, Kommissionen und Ausschüsse haben
bei bergwirtschaftlichen Fragen mitzureden und können wertvolle
Beiträge aus ihrem Bereich und von ihrem besonderen Standpunkt
aus beisteuern. Und doch kann nur eine engere und beweglichere
Arbeitsgemeinschaft Ersprießliches zutage fördern, eine große und
komplizierte Organisation wäre zu schwerfällig und würde sich
festfahren.

Auch die amtliche Delegierung einzelner Landesvertreter in
eine Bergbaukommission würde nicht zum Ziele führen, weil be-
lastete Würdenträger nicht immer Muße und Neigung haben, sich
mit zunächst unpraktischen und unpolitischen Problemen abzu-
geben; eine nur praktische oder rein politische Einstellung aber
führt nicht zum Ziel. Andererseits muß die erste Arbeitsgemein-
schaft aus möglichst national-verschiedenen Mitgliedern zusam-
mengesetzt sein, damit einseitige Auffassungen vermieden werden.

Es müßte also zunächst ein Eruierungsprozeß einsetzen, ein
bergwirtschaftlicher Wettbewerb ausgeschrieben werden: für Auf-
stellung der Bedingungen aber wäre wiederum erst eine Kom-
mission und ein Preisgericht zusammenzusetzen.

Deshalb möchte ich folgenden, natürlichen Weg vorschlagen:

Der Völkerbund begründet ein zunächst kleines bergwirtschaft-
liches Publikationsorgan in verschiedenen Sprachen, in welchem
zur Mitarbeit in der oben angedeuteten Richtung aufgefordet wird,
Solche Beiträge werden zur Diskussion gestellt und auch in Landes-
zeitschriften und Tagesblättern, in Vereinen und auf Kongressen
erörtert. Wird dieses Material an einer bergwirtschaftlichen Zen-
tralstelle gesammelt und gegenseitig ausgeglichen, so wird nach
wenigen Jahren ein internationales Gremium herauskristallisieren,
das gewissermaßen autoritativ und mit Befähigungsnachweis ein
internationales Bergwirtschaftsinstitut nicht nur organisieren,
sondern auch aus sich selbst heraus besetzen kann. Das wäre dann
eine wahre geistige bergwirtschaftliche und kulturelle Korona,
der natürlich amtliche Vertreter der einzelnen Länder als Material-
142
        <pb n="155" />
        vermittler und Vertreter der nationalen Interessen beigegeben
werden können.

Mit einem Worte also: Zunächst eine internationale Diskus-
sionsarena!
VL
Die nächste Folge dieser Völkerbundsanregung wäre, daß sich
in den verschiedenen, als Konsumenten oder als Produzenten
bergwirtschaftlich interessierten Ländern nationale Arbeitsgemein-
schaften für diese Richtung bilden würden, die im kleinen wieder-
holen oder vielmehr vorangehen lassen, was der Völkerbund im
großen will: nämlich einen Ausleseprozeß bergwirtschaftlich
denkender Köpfe, die, wenn nicht in der bergwirtschaftlichen
Weltzentrale, so doch in deren Unterbau, d. i. in den Kontinent-,
Reichs-, Landes-, Provinz- und Revierzentralen ihre Rolle spielen
und ihren Weg machen.

Ansätze hierzu sind ja überall vorhanden; es handelt sich nur
darum, diese zersplitterten Einzelbestrebungen von oben herab,
d. h. international zusammenzuschließen und gleichsam magne-
tisch einheitlich zu orientieren; dieser Pol aber ist: eine rationelle,
völkerversöhnende und völkervermehrende Weltbergwirtschaft.

8. Die weitere Behandlung meines Vorschlags

Socicte des nations
E. 312
Genöeve, le ı4 f&amp;vrier 1927

Comite€ E&amp;conomique
Rapport au Comite Economique par le Professeur Eugene Neculcea
Zur
1er »Avant-Projet de Creation d’un Institut International des Mines«
present par M. le Prof. Max Krahmann, de ]a Technische Hochschule de Berlin-Charlotten-
burp, &amp; la Commission de Cooperation Intellectuelle de 1a Societe des Nations.
Cet avant-projet de creation d’un Institut International des
Mines, a €t&amp; adresse par son auteur, M. le Prof. Max Krahmann,

43
        <pb n="156" />
        äa la Commission de Cooperation Intellectuelle de Ja Societe des
Nations.

Cette Commission a decide, en Juillet dernier, de la renvoyer
pour etude:

a) ä la Sous-Commission de Bibliographie;

b) a Institut International de Cooperation Intellectuelle de
Paris qui devra se tenir 3 ce sujet en rapports €troits avec la
Sous-Commission de Bibliographie;

c) au Comite Economique «3 toutes fine utiles».

Le Comite Economique m’ayant fait l’honneur de me charger
de faire un rapport sur cet avant-projet, je vais tächer, dans les
lignes qui suivent, d’en donner une analyse succincte en essayant
d’en degager les principes essentiels et de suggerer ensuite une
solution qui me semble &amp;tre conforme avec les principes deja admis
et appliques par notre Comite Economique.

En lisant attentivement le Memoire du Prof. Krahmann, il
apparait clairement que deux categories de motifs ont conduit
l’auteur ä proposer la creation d’un Institut International des
Mines. Les une sont de nature politico-&amp;conomique, les autres de
nature scientifique.

En effet, des le debut de V’expose des motifs du Memoire, l’auteur
dit qw'’il part du principe, reconnu d’ailleurs par tout le monde,
que toute entente Economique contribue au developpement de
V’idee de la paix. Mais si dans certaine domaines pareille entente
semble pouvoir se r&amp;aliser plus facılement, dans le domaine
de l’&amp;conomie miniere par contre, maintes difficultes serieuses
surgissent et semblent, dans l’etat actnel des choses, insur-
montable.

Ces difficultes proviennent selon Pauteur du Memoire:

x. De la non-comparabilite des statistigues minieres qui sont au
point de vue international, absolument inutilisables ne presentant
aucun degre de. precision et pretant A des confusions et des malen-
tendus.
2. De la non-comparabilite des cartes des mineraux utilisables:
les signes conventionels de ces cartes varient d’un pays &amp; l’autre;
la representation et l’importance eEconomique des gisements et
        <pb n="157" />
        des reserves y est absolument incomplete ou meme basege sur des
definitions differentes.

3. De l’importance exclusive que l’on attribue a la production,
en laissant completement de cöte l’etude de la consommation, des
besoins de chaque pays en matieres minerales, des diff£rentes
possibilites permettant d’y satisfaire, des marches et des prix qui
en resultent.

Nous allons donc examiner successivement ces trois categories
de difficultes et insister sur celles dont la solution pourrait &amp;tre
suggeree par notre Comite.

1. Defectuosite des statistiques minieres

«Toute la statistique miniere internationale — constate le Prof.
Krahmann — est inutilisable au point de vue scientifique et pour-
tant, faute de mieux, on l’utilise constamment dans la pratique et
on s’est sert comme base pour les bilans commerciaux, les tarifs
douaniers, les traites de commerce, etc., en Iui donnant le carac-
tere d’une documentation d’origine officielle et par consequent —
Scrit l’auteur — exacte, alors qu’en realite elle constitue une image
entierement trompeuse, remplie d’erreurs, d’illusions, de confusions
et de malentendus.» Ces defauts des statistiques minieres provien-
nent, selon l’auteur, de la non-existence d’une nomenclature
scientifique internationale en matiere de geEologie appliquee et
d’&amp;conomie miniere, alors que la chimie, la mineralogie, la petro-
graphie, beneficient deja d’une nomenclature scientifique adoptee
par presque tous les pays.

Mais si tout le monde est d’accord avec le Prof. Krahmann en
ce qui concerne la defectuosite des statistiques minieres inter-
nationales, il est Evident, par contre, que cette defectuosit&amp; ne
saurait provenir exclusivement du manque d’une nomenclature
scientifique internationale en matiere minigre.

Bien d’autres causes interviennent en meme temps pour rendre
ces statistiques non-comparables. Et notre Commission mixte d’uni-
fication des methodes statistiques nationales a dejı aborde toute

(0 Krahmann, Arbeitsgemeinschaft

145
        <pb n="158" />
        une serie de domaines de l’&amp;conomie generale pour lesquels les
donnges statistiques sont l’instrument de travail fondamental.

Et ici il ne sera peut-&amp;tre pas superflu de dire quelques mots
sur la maniere d’envisager une statistique au point de vue des
principes.

Tout phenomene — soit du domaine des sciences exactes, soit
du domaine des sciences €conomiques, sociologiques, etc. — de-
pend, ou est fonction comme on dit, d’un ou de plusieurs facteurs
dont les valeurs peuvent &amp;tre exprimees par des nombres qui sont
le resultat de la mesure de ces facteurs avec une unite de mesure
judicieusement choisie.

En comparant ces nombres, on trouve ce qu’on appelle la Zo%
d’interdependance de ces facteurs.

Mais pour que cette loi d’interdependance constitue la loi du
phenomene observe, il faut qu’elle puisse se verifier toujours, dans
les memes conditions et partout.

A cet effet, il est necessaire:

a) De bien definir les grandeurs que l’on mesure,

b) de mesurer ces grandeurs par des methodes dont on connaisse

le degre de precision dans chaque cas,

c) de choisir une unite de mesure adequate, bien. definie, facile-

ment realisable.

Telles sont les conditions fondamentales que les donnees statis-
tiques doivent remplir.

Mais il cönvient d’ajouter que si ces conditions sont toujours
remplies par les donnges numeriques constituant les tableaux des
donnees d’observation des phenomenes dont s’occupent les scien-
ces exactes, On est reste trop longtemps sans se rendre compte que
la meme rigueur et precision sont necessaires pour la confection
des statistiques destinees a servir l’instrument fondamental de tra-
vail a P&amp;conomiste et au sociologue, qui doivent essayer d’arracher
le mystere dont semblent.enveloppes les phenomenes Economiques
et sociologiques, en verite bien plus compliques en apparence que
les phenomenes etudies par les sciences exactes.

Le Prof. Krahmann reclame une nomenclature scientifique inter-
nationale en matiere miniere. Cela cadre parfaitement avec la con-
16
        <pb n="159" />
        dition fondamantale a) citee cisdessus. Mais il reste encore a rem-
plir les conditions indiquees sous b) et ©).

2. Cartographie de&amp;fectueuse des mineraux utilisables

Ici encore une unification des procedes cartographiques en matiere
minigre est absolument necessaire. Les signes conventionnels, les
couleurs conventionnelles different, en effet selon les pays et ont
souvent plusieurs significations. De plus la representation de l’im-
portance E&amp;cenomique des gisements, des reserves, des voijes d’acc8s
et d’&amp;coulement, etc. manquent pour la plupart des pays, ou sont
tout A fait incompletes. Ce sont donc encore matieres &amp; traiter par
voile d’accord international.

3. Economie miniere

Le Prof. Krahmann propose enfin une entente internationale au
8ujet d’un systeme Economique applicable aux mines. Il propose aussi
Peälaboration d’un dictionnaire d’Eeconomie miniere, la nomenclature
Scientifique internationale des differentes especes minegrales utilisables,
Vindication des marches mondiauz, l’indication des articles des tarıfs
douaniers correspordants, la definition des degres d’exploitabilite, etc.,
etc. Le Prof. Krahmann propose encore V’observation des barometres
Economiques miniers, les remödes ä apporter aux crises, la neutrali-
sation des conflits, l’arbitrage, etc., il preconise enfin L’&amp;ude des diffe-
rents genres de fabrication, de consommation, des besoins. Surtout en
ce qui concerne les besoins, il se plaint guw’un expos&amp; systömatique
des besoines est encore inexistant; faute de conceptions nettes on «se
sert bien de mots, mais ces mots circulent comme une monnaie
usagege, leur caractere s’efface; on discute a l’aide d’expressions
toutes faites, mais ces expressions n’ayant pas la meme valeur, on
n’arrive pas a s’entendre».

Pour remedier ä tout cela, le Prof. M. Krahmann propose la
creation d’un Institut International des Mines. Cet Institut reali-
Am
        <pb n="160" />
        sera, dans la conception du Prof. Krahmann, «une collaboration
intellectuelle des pays, en vue d’une entente Economique pour Vex-
ploration systematique du terrain fondamental de Vi&amp;conomie des
maltieres premieres anNorganiques&gt;.

Si, ajoute le Prof. Krahmann, pour une raison quelconque, il
mn’etait pas Juge opportun, &amp; l’heure actuelle, de considerer l’&amp;co-
nomie miniere du point de vue de la cooperation intellectuelle, il
proposerait la creation d’une Commission Internationale des Mines,
dont le plan de travail serait celui deja indique ci-dessus,

Voilh, resumee en peu de lignes, l’&amp;conomie au projet propose
a la Commission de cooperation intellectuelle par le Prof. Max
Krahmann.

De ce qui precede il resulte, ainsi que nous l’avons deja dit au
commencement des questions purement scientifiques soulevges par
la creation d’une nomenclature scientifique internationale en ma-
tiere de mines, — question en somme assez facile a resoudre vu les
precedents deja etablis dans les autres domaines scientifiques —;
outre la question d’unification des methodes de statistique et carto-
graphie minieres — questions du meme ordre de difficulte que
celles que la Commission mixte de l’unification des methodes
de statistique est sur le point de resoudre —; il y a suriout la grande
question de la politique des matieres premieres, dont le domaine
minier represente le coefficient le plus important.

Cette question, malgre qu’elle soit fondue — volontairement
ou non — dans les questions techniques de nomenclature scienti-
fique, de statistique, de cartographie, etc., n’en constitue pas moins
le point cardinal des preoccupations de l’avant-projet du Prof,
Max Krahmann. Or, pareille question ne saurait certainement
ötre envisagee sous le couvert de la Cooperation Intellectuelle, ni
ötre resolue par les Savants attaches a un Institut International,
malgre leur competence scientifique indiscutable et malgre l’ad-
miration qu’on puisse avoir devant le plan de travail si minutieu-
sement schematise par l’auteur de l’avant-projet de creation d’un
Institut International des Mines.

Ces questions de politigne &amp;conomique internationale ne sau-
rajent admettre d’autres organes competents d’etudes que celui qui
48
        <pb n="161" />
        fonetionne deja a la Societe des Nations et qui a dejä eu a s’occu-
per de maints problemes de politique economique internationale,

De sorte que je me permets de suggerer, pour donner satis-
faction aux preoccupations du Prof. Max Krahmann,

ı. la Creation d’une Commission sixte — dans laquelle devra
figurer aussi un ou deux representants du Comite Economique —
qui aura pour täche J’etude des questions techniques comprises
dans les paragraphes ı et 2 pp. 3, 4,5 de ce rapport.

La presence dans cette Commission de representants de notre
Comite est justifige par l’introduction dans la nomenclature tech-
nique miniere de notions €conomiques qui necessitent des de-
finitions precises. De plus pour Punification de methodes de sta-
tistique, la Commission mixte deja existante pourrait utilement
collaborer avec la Commission speciale des mines en la faisant
profiter des methodes deja mises en ceuvre jusqu’a present. ,

2. Toutes les questions €conomiques comprises sous la rubrique
Economie Miniere (par. 3, p. 6 de ce rapport) ainsi que celles qui
pourraient Etre envisagees au courant des travaux, seront etudiees
par le Comite Economique qui pourra s’adjoindre des experts en
matiere miniere, selon la procedure qu'il a deja utilisee jusqu’A
present, s’il le Juge opportun.

Ce sont ces modestes supgestions que je soumets a notre Comite
Economiaue.
Eugene Neculcea.

9. Societe des Nations
Comite Economique
Institut international des mines
Rapport du Professeur Neculcea

M. Neculcea a essayg&amp; de degager les grandes lignes de cette
question complexe; en premier lieu, il avait pense qu'il s’agissait
d’une question de nomenclature purement executive, mais en etu-
149
        <pb n="162" />
        diant Vavant-projet du Professeur M. Krakmann il s’est apercu
qu'il s’agissait d’un projet beaucoup plus complexe.

Il rapelle que l’unification d’une nomenclature a deja dte tentee
avec des resultats extremement encourageants dans de multiples
domaines. Elle presente evidemment un grand interet pour les
mines; mais il a constate qu’une des preoccupations prineipales
du Professeur Krahmann est d’ordre economique. Il se demande
donc comment un institut international pourrait regler toutes les
questions que le Comite Economique, tout particulierement spe-
clalise, n’est pas arrıve a repondre depuis six ans. Son rapport con-
tient en premier lieu une partie scientifique portant sur l’unifi-
cation de la terminologie et de la cartographie minieres et en se-
cond lien, une partie d’ordre Enonomique.

En conclusion, M. Neculcea propose pour donner satisfaction
aux preoccupations du Professeur Krahmann, la }creation d’une
Commission mixte olı siegeraient Egalement un ou deux represen-
tants du Comite kconomique; en second lieu, il propose que toutes
les questions €conomiques soient Etudiees par le Comite Econo-
mique en collaboration, eventuellement, avec des experts en ma-
tiere miniere.

Le Prösident fait observer qu’il faut tout d’abord savoir si ce
projet est opportun et realisable. Personnellement, il a consulte les
organisations suivantes: lebureau des ressources mingrales de l’Em-
pire; la Direction des Services geologiques, la Direction des recher-
ches sur les combustibles, et l’Institut des Ingeneurs des Mines;
ces organismes sont d’accord pour reconnaitre qu’il y a beaucoup
a faire en matiere d’unification des statistiques, des nomenclatures,
des methodes de cartographie; mais ils sont egalement unanimes
pour estimer qu’il est premature d’envisager serieusement, a ’heure
actuelle, la creation d’un institut international des mines et qu’il
est preferable d’etudier la colla boration entreles instituts natio-
Naux,.

Le Bureau des Ressources minieres de l’Empire travaille a un
plan d’unification des methodes statistiques. Il a dejh communique
deux tableaux &amp;ä la Societe des Nations, et le dernier est 3 l’im-
pression, ce qui constitue une contribution considerable.
‚En
        <pb n="163" />
        La Direction des Services geologiques a rappele qu'il existe un
congres geologique international qui siege tous les trois ans et qui
etudiera la question 3 la prochaine session. Il faudra savoir la
date de cette prochaine session.

Quant 3&amp; la Direction des recherches sur les combustibles, elle
estime que la collaboration internationale est desirable, mais
quelle doit &amp;tre etablie plutöt entre les differents instituts natio-
nauXx.

Enfin, l’Institut des Ingenieurs des mines estime que le mo-
ment n’est pas venu d’examiner la creation d’un institut inter-
national.

Le President a donne ce resume pour encourager ses collegues
a se procurer la meme documentation dans leur pays avant qu’on
examine meme si la modeste proposition de creation d’un sous-
comite.

M. Trendelenburg se rallie a cette proposition. II n’a pas pu dis-
guter jusqu’ici cette question avec le Geologische Landesanstalt
Institut geologique de Prusse).

M. Campion est €galement d’accord avec Je President; il estime
opportun de s’en tenir aux vieux exprimes sur Putilite d’arriver
a une uniformite plus complete en matiere de nomenclature.

M. Serruys est €galement d’accord; il rappelle que l’an dernier,
on a fait une vaste enquöte sur les ressources minieres de l’Empire
britannique. Il y a la les donnees qui pourraient etre tres utiles.

M. Loveday les communiquera a la prochaine session; a ce
sujet, il rappelle que les tableaux du Bureau Imperial des recher-
ches minigres ont €te distribuees, il y a deux ou trois ans a tous
les Etats Membres de la Societe des Nations afın que ceux ci etu-
dient Popportunite d’appliquer ces methodes ou de les commenter.
C’est un point que les Membres du Comite devront avoir present
a VPesprit lorsqu’ill entreront en rapport avec les organismes tech-
niques.

M. Neculcea rappelle le President qui existe en matiere de
questions &amp;lectro-techniques, 0 l’Union des Ingenieurs €lectro-

techniques allemande est arrivee, en matiere d’unification a des
conclusions qui ont Et€ adoptees presque partout.
5
        <pb n="164" />
        11 croit qu’en matiere de mine, il est trös facile de realiser Vac-
cord, mais dans ce domaine, on dresse des statistiques pour des
buts multiples; il serait donc interessant d’envisager la creation
non pas d’un institut international des mines mais d’une Com-
mision mixte ol, a cöte des aspects purement scientifiques, on
considererait l’aspect Economique et commercial, Il est donc ne-
cessaire que le Comite Economique reste au courant du developpe-
ment des travaux. En outre, la question se pose d’une reponse A
la Commission internationale de Cooperation intellectuelle,

M. Serruys declare que c’est lui qui, siegeant a 1a Commission
internationale, a demande le renvoi de la question au Comite
Economique. La Commission internationale de Cooperation in-
tellectuelle a voulu retenir V’aspect scientifique pour sa sous-com-
mission de bibliographie. Il a fait observer qu’en tant que cette
question touchait aux statistiques, elle etait Egalement de la com-
petence du Comite Economique. Il tient a reserver entierement
son avis sur l’aspecte conomique et scientifiqne de la question.

Le Prösident fait observer qu'il pourrait y avoir double emploi
si la Commission internationale de Cooperation intellectuelle con-
sultait, de son cöte, les memes experts que le Comite Economique;
il prie le Comite Economique de bien vouloir la prevenir que le
Comite Economique l’etudie specialement.

M. Serruys repond que ce double emploi est Ecarte des mainte-
nant, car la sous-commission de bibliographie n’a retenu la ques-
tion que pour reEunir la documentation dont elle dispose, et la
communiquer au Comite Economique.

Le Prösident constate que le Comite est d’accord pour estimer
qu'’il serait premature de se prononcer sur cette question et qu’il
est opportun que chaque membre consulte les experts de son pays.

ga. Desgleichen, deutsch
M. Neculcea hat versucht, die Hauptrichtlinien dieser ver-
wickelten Frage anzugeben; anfangs hatte er gedacht, daß es
sich um eine rein praktische Benennungsfrage handele, aber
5%
        <pb n="165" />
        beim Studium des Vorschlags von Professor M. Krahmann hat
er bemerkt, daß es sich um einen viel reichhaltigeren Plan
handelt.

Er erinnert daran, daß die Vereinheitlichung der Nomenklatur
schon auf den verschiedensten Gebieten mit recht ermutigenden
Resultaten versucht worden ist. Sie ist augenscheinlich sehr wichtig
für den Bergbau, aber die Hauptfrage Professor Krahmanns ist öko-
nomischer Art. Er fragt sich also, wie ein Internationales Institut
alle diese Fragen regeln könnte, die das so außerordentlich speziali-
sierte Wirtschaftskomitee seit sechs Jahren nicht hat lösen können.
Sein Bericht enthält an erster Stelle einen wissenschaftlichen
Teil, der auf die Vereinheitlichung der bergmännischen Termino-
logie und Kartographie hinzielt, an zweiter Stelle einen bergwirt-
schaftlichen Teil.

Zusammenfassend schlägt Herr Neculcea, um den Vorschlägen
des Professor Krahmanns gerecht zu werden, die Gründung einer
zusammengesetzten Kommission vor, der zugleich ein oder zwei
Repräsentanten des wirtschaftlichen Komitees angehören. Zweitens
schlägt er vor, daß alle wirtschaftlichen Fragen vom Wirtschafts-
komitee studiert werden, eventuell unter Mitarbeit von erfahrenen
Bergbauleuten.

Der Präsident bemerkt, daß man zu allererst wissen müsse,
ob dieser Plan zeitgemäß und ausführbar ist. Er selbst hat folgende
Organisationen um Rat gefragt: das „Bureau des Ressources mine-
rales de ’Empire“, die „Direction des Services geologiques“, die
„Direction des Recherches sur les combustibles“ und das „Institut
des Ingenieurs des Mines“. Diese Organisationen erkennen ein-
stimmig an, daß auf dem Gebiet der Vereinheitlichung der Sta-
tistiken, der Nomenklatur, der Kartierungsmethoden noch viel
Arbeit geleistet werden muß; aber sie geben gleicherweise ein-
stimmig zu erkennen, daß es noch verfrüht ist, schon jetzt ernst-
lich die Schaffung eines Internationalen Berginstituts ins Auge zu
fassen, und daß es vorzuziehen ist, die Zusammenarbeit zwischen
den verschiedenen nationalen Instituten zu prüfen.

Das „Bureau des Ressources minieres de l’Empire“ arbeitet
an der Vereinheitlichung der statistischen Methoden. Es hat
53
        <pb n="166" />
        bereits dem Völkerbund zwei Tabellen geliefert — die letzte be-
findet sich im Druck —, was schon einen wesentlichen Beitrag
darstellt.

Die Direktion der geologischen Landesaufnahmen erinnert daran,
daß bereits ein Internationaler geologischer Kongreß existiert, der
alle drei Jahre zusammentritt. und der auf der nächsten Sitzung
diese Frage prüfen wird. Es wäre notwendig, das Datum dieser
nächsten Sitzung zu erfahren.

Die „Direction des Recherches sur les combustibles“ hält eine
internationale Zusammenarbeit für erwünscht, aber sie müßte
zwischen den verschiedenen nationalen Instituten einsetzen.

Schließlich hält das „Institut des Ingenieurs des mines“ den
Augenblick für die Errichtung eines Internationalen Instituts noch
nicht gekommen.

Der Präsident hat diese Zusammenfassung gegeben, um seine
Kollegen anzuregen, sich dieselben Unterlagen in ihren Ländern
zu beschaffen, ehe man den so bescheidenen Vorschlag der Ein-
setzung eines Unterkomitees prüft,

Herr Trendelenburg schließt sich diesem Vorschlag an. Er
hat bis jetzt nicht über diese Frage mit der Preußischen geologischen
Landesanstalt sprechen können.

M. Campion stimmt ebenfalls dem Präsidenten zu; er hält es
für angebracht, sich an frühere Erfahrungen zu halten, um zu
einer völligen Einheitlichkeit der Nomenklatur zu kommen.

M. Serruys ist ebenfalls einverstanden; er erinnert daran, daß
man im letzten Jahre eine umfangreiche Untersuchung über die
Lagerstättenvorräte des Britischen Reiches angestellt hat. Es haben
sich dort Richtlinien ergeben, die sehr nützlich sein könnten.
M. Loveday wird sie in der nächsten Sitzung bekanntgeben; er
erinnert dabei daran, daß vor zwei oder drei Jahren die Tabellen
des „Bureau Imperial des Recherches minieres“ an alle Staaten,
die Mitglieder des Völkerbunds sind, verteilt wurden, um
zu prüfen, ob es angebracht ist, diese Methoden anzuwenden oder
sie zu ergänzen. Daran müßten sich die Komiteemitglieder er-
innern, wenn sie mit den technischen Organisationen in Verbin-
dung treten.

54
        <pb n="167" />
        M. Neculcea erinnert den Präsidenten an die elektrotech-
nischen Fragen, in denen der Verein deutscher Elektrotechniker
bezüglich der Vereinheitlichung der Ausdrücke vorangegangen
ist, und die fast überall angenommen wurden. Er glaubt, daß es
auf dem Gebiet des Bergbaues sehr leicht ist, eine Übereinstim-
mung zu erreichen, aber man stellt auf diesem Gebiet zu den ver-
schiedensten Zwecken Statistiken auf; es wäre also wichtig, die
Errichtung nicht eines internationalen Bergbauinstituts ins Auge
zu fassen, sondern einer zusammengesetzten Kommission, wo man
neben den rein wissenschaftlichen auch die ökonomischen und
kommerziellen Gesichtspunkte berücksichtigen würde. Das Wirt-
schaftskomitee muß sich also über die Entwicklung der Arbeiten
auf dem laufenden halten. Gleichzeitig bedeutet diese Frage eine
Antwort an die Internationale Kommission für geistige Zusammen-
arbeit.

M. Serruys erklärt, daß er, da er der Internationalen Kom-
mission angehört, empfiehlt, diese Frage dem Wirtschaftskomitee
vorzulegen. Die Internationale Kommission für geistige Zusammen-
arbeit hat diesen wissenschaftlichen Gesichtspunkt für ihre biblio-
graphische Unterkommission beibehalten wollen. Er bemerkt, daß,
soweit diese Frage die Statistiken berührt, das Wirtschaftskomitee
darüber zu entscheiden hat. Er möchte seine Meinung über die
wissenschaftliche und ökonomische Seite der Frage zurückhalten.

Der Präsident bemerkt, daß man doppelten Nutzen haben
könnte, wenn die Internationale Kommission für geistige Zusam-
menarbeit ihrerseits dieselben Fachleute zu Rate ziehen würde wie
das Wirtschaftskomitee. Er bittet das Wirtschaftskomitee, diese
Sache besonders zu prüfen.

M. Serruys erklärt, daß dieser doppelte Nutzen jetzt zurück-
gestellt sei; denn die bibliographische Unterkommission hat diese
Frage nur zurückgehalten, um die Unterlagen, über die sie ver-
fügt, zu sammeln und sie dem Wirtschaftskomitee mitzuteilen.

Der Präsident stellt fest, daß das Komitee sich darüber einig
ist, daß es noch zu früh ist, sich über diese Frage auszusprechen,
und daß es angebracht wäre, daß jedes Mitglied die Fachleute
seines Landes zu Rate ziehe.
55
        <pb n="168" />
        Geneve, le ı ı octobre 1927
E. 336
Soeiete des nations

Comite Economique
Proposition de Creation d’un Institut International des Mines
Presentee par Je Prof. Krahmann a la Commission de Cooptration Intellectuelle.

gb. Note du Secretariat sur l’etat de Ia question.

t. En Juillet 1926 le Professeur Krahmann a adresse ä 1a Com-
mission de Cooperation Intellectuelle, par l’intermediaire du pro-
fesseur Einstein, membre de cette Commission, un memoire ten-
dant &amp; la creation d’un Institut International des Mines (Docu-
ment E. 290).

2. La Commission de Cooperation Intellectuelle a juge la pro-
position interessante, mais tout en estimant quelle presentait des
aspects scientifiques, elle a pense que le cöte Ecnonomique, voir
meme politique de la proposition, €tait le plus important, ce qui
a motive sa decision de consulter le Comite Economique.

3. Ce dernier a prie M. Neculcea d’&amp;tudier la proposition et de
lui faire un rapport (E. 3712).

4. A la Session de Rome, fevrier 1927, le Comite Economique
a pris connaissance du rapport de M, Neculcea, sinsi que du resul-
tat de la consultation faite dans son pays par Sir Hubert Llewellyn
Smith aupres des experts en la matiere.

M. Neculcea, dans son rapport, suggerait la creation d’une Com-
mission mixte qui, independamment des aspects purement scienti-
fiques du probleme, en considererait egalement l’aspect Econo-
mique et commercial.

Le Comite a finalement decide qu'il etait premature de se pro-
noncer sur la question et que chaque membre du Comite consul-
terait les experts de son pays avant la prochaine session.

5. Dans le courant de P’annes 1927, M. Krahmann a envoye
pour information ä la Commission de Cooperation Intellectuelle
36
        <pb n="169" />
        et A l’Institut, dont la Section des Relations Scientifiques s’occupe
6galement de la question, une deuxieme note explicative de son
projet. Cette note est un appel au public et fait partie d’une cam-
pagne menee par le professeur Krahmann en faveur des idees qu'il
a exposees dans son premier memoire.

6. Au cours de la session du mois de juillet 1927, la Commis-
sion de Cooperation Intellectuelle, mise officieusement au courant
de V’etat de la question au Comite Economique, a estime qu’elle
devait attendre que le susdit Comite ait procede &amp; une Etude plus
approfondie de cette question avant de prendre elle-meme une
decision et, afın de ne pas renvoyer la decision a prendre au mols
de juillet 1928, elle a designe trois de ses membres pour examiner
les conclusions adoptges par le Comite Economique, pour le cas
oü ce dernier presenterait ses conclusions avant la prochaine reu-
nion de la Commission.

Les Membres de ce petit sous-Comite sont autorises a se mettre
en rapport avec le professeur Krahmann, s’ils le jugent utile. Ces
membres sont: Mlle. Bonnevie, Mme. Curie et le professeur Einstein.

7. Conclusion. Pour permettre au Comite Economique de donner
A la Commission de Cooperation Intellectuelle V’avis qui lui a ete
demande par elle, il parait necessaire que les membres du Comite
procedent sans tarder ä la consultation des experts de leur pays
au sujet de la proposition du professeur Krahmann, et il serait
desirable que le resultat de ces consultations füt communique au
Secretariat quelque temps avant la prochaine session.

D. WASHINGTON
10. Principles relating to the international Control of
Minerals
Report of the Committee on Foreign and Domestic Mining Policy
(November, 1921)
The subject assigned to this Committee is one of interest to
many nations of the world. It is within the domain of inter-
X

57
        <pb n="170" />
        national politics, and for this reason the members of the com-
mittee wish to emphasize the fact that they speak as individuals
and not as representatives of any bodies with which they happen
to be officially connected.

In the interest of efficient and conservational use of the world’s
mineral resources and in minimizing international difficulties
arising from the discovery, development, transportation and market-
ing of mineral resources, the Committee on Foreign and Domestic
Mining Policy of the Mining and Metallurgical Society of America
offers a statement of elemental considerations which it believes
should be basic to the formulation of laws and agreements affect-
ing natural resources.

I. International Mineral Movements Are Necessary Consequences of Their
Geographic Distribution
Mineral resources are wasting assets fixed geographically by
nature, and change in this geographic distribution is not within
our power. Some kinds of minerals are so widely distributed that
nearly all countries have adequate supplies within their own bound-
aries or near at hand. Other minerals are so distributed that some
parts of the world have a surplus and others a deficiency. No coun-
try is entirely self-sufficing in regard to either supplies or markets
for all mineral commodities; in every country certain minerals
are available in excess for export, while others are deficient and
must be imported either in crude or manufactured forms. Inter-
national exchange of minerals cannot be avoided if all parts of
the world are to be supplied with needed materials.

The general nature and location of the fixed channels of inter-
national mineral exchange are not matters of conjecture; they are
capable of reasonablv definite statement.

2. International Movement of Certain Minerals Cannot be Stopped by
Enactment
The necessary international movements of minerals may be
aided or hindered by bonuses, preferential duties, tariffs, and
AR
        <pb n="171" />
        embargoes. These measures may be locally and temporarily desir-
able for a great variety of reasons, but in general it is our belief
that in the long run measures of this kind, aimed at the ultimate
closing or diversion of the main international channels determined
by nature, are doomed to failure, and that the effort to apply them
will demand needless readjustment involving much unnecessary
friction in international relations as well as in the orderly develop-
ment of the mineral industry. Mineral resources cannot be created
by legislation.

There are minerals which are so distributed that the necessity
of international movement is not immediately apparent. For
such minerals there may be reasons other than that of necessity
for aiding or restricting this movement.

3. Minerals Should be Concentrated, Smelted, or Fabricated Near Source of
Supply, With Limitations
In the interest of reduction of bulk and efficiency of transport-
ation, the concentration, refining and fabrication of minerals near
sources of supply should be encouraged wherever conditions permit.
Countries fortunate enough to possess large supplies of a needed
mineral, deficient elsewhere in the world, are entitled to the ad-
vantages that may come from conversion. and fabrication of raw
materials, unless local conditions make this possible only at ex-
cessive cost. Coal is the chief energy resource required for this
work, and experience has shown that many minerals can be
utilized with greater efficiency near sources of coal than near the
sources of the minerals,

4. Freedom of Exploration is Essential
The exploration and development of mineral resources are Con-
tinously necessary to replenish ore reserves depleted by production.
The present century has witnessed a greater consumption of miner-
59
        <pb n="172" />
        al resources than has taken place in all previous history. Here in
the United States the per capita consumption of minerals has
multiplied ten times in only forty years. The problem of freedom
of replenishment is not incidental, but of basic importance to the
prosperity of the greatly magnified mineral industry which can
be easily foreseen for the future. Any restrictions, national or
international, which interfere with the necessary searching of the
sarth are in principle undesirable,

We believe that the aid and supervision of governments may
be desirable in connection with exploration work, so far as they
do not destroy the opportunity for private effort, but we further
believe that government agencies cannot be substituted in ıhis
field for private initiative.

In regard to this necessary activity of exploration we stand for
equal opportunity and the open door—national and international.
Equal opportunity and the open door are considered as implying,
among other things, that, except under conditions of national
crisis, there shall be no restriction on the issuance of mining
licenses and concessions to foreigners or the transfer of concessions
to foreigners; and that there be no restrictions on the nationality
of the shareholders, managers, or directors in companies owning
mining and exploration rights and concessions, allowing thereby
the free purchase and acquisition by individuals of any nationality.
The right ofnations to control their own natural resources in times of
war is of course paramount. There may be other special and local

circumstances which might make such control desirable in times
of peace. For the most part, howerver, all large mineral operations
are by incorporated companies and the company being a creature
of the state, the state may and usually does define very exactly its
right and powers and in this way protects its own interest.

5. Freedom of Exploration is to be Preserved in Backward Countries
Where backward countries possess important mineral supplies
needed by the world we can see no escape from the conclusion,
60
        <pb n="173" />
        whatever the ethical merits of the case, that demand will make
itself felt through political pressure of other countries. In such
cases we favor joint action by governments to secure equal opport-
unities for all nationals. If circumstances require that pressure be
brought by one government the end to be sought should be the
opening up of the territory not only to the government bringing
the pressure for its exclusive benefit, but to all nationals. Disregard
of this principle has been the cause of much international friction.

6. Government Co-Operation is Desirable in Securing the Open Door to
Mineral Exploration and Development

To accomplish the purpose outlined in preceding paragraphs,
we urge that the United States Government maintain closer touch
than heretofore with American activities in foreign mineral fields.
This might well be accomplished by using mineral specialists as
diplomatic attaches, consular agents, or agents of the Department
of Commerce, in countries where mineral raw materials play a
large part in our international relations. There should be more
systematic reports to the home government, and more attention
on the part of the home government to the interpretation and corre-
lation of these reports in order to determine which of our foreign
activities in minerals are essential for our national welfare, to
ascertain the force and practical application of the mining laws
of such countries, and to advise and protect American companies
in their operations thereunder. This information should be at the
disposal of such of the citizens as are interested in mining develop-
ments. In short, intelligent co-ordination and supervision of the
problem of foreign mineral materials by qualified and responsible
officials of the home government we believe would be greatly to
our own interest, and at the same time would tend to eliminate
neediess causes of international discord. Other governments have
made significant starts in this type of administration.

In cases of international dispute, and there are many such
relating to minerals, we further suggest the desirability of utiliz-
1 Krahmann, Arbeitsgemeinschaft 161
        <pb n="174" />
        ing international fact-finding committees to ascertain and present
the essential facts as a basis for international negotiation. For
instance, some of the recent diplomatic discussion in relation to
the exploitation of oil in foreign countries has been unnecessarily
complicated by differences in.statement of fundamental geologic
facts of distribution, which might easily be eliminated by an inter-
national conference of qualified experts. The surveys of the world’s
coal and iron resources made by the International Geological
Congress independent of governments have served a very useful
purpose and are excellent examples of what may be accomplished
by disinterested scientific fact finding.

7. The Mineral Reserves of the United States in Their World Relations

In the application of the above general principles to the mineral
resource situation in the United States we present the following
basic considerations:

The United States has been endowed with mineral resources to
an extent not surpassed by any other country. It is utilizing these
resources so fully that its annual mineral production is nearly two-
fifths of that of the world. Exploration will undoubtedly disclose
further large reserves, but the geologic conditions are sufficiently
well known to warrant the belief that the extent of mineral reser-
ves in the United States can be approximated for the future. The
following tentative classification of mineral supplies is based mainly
on data gathered by various government bureaus during and since
the war. In the nature of the case it will be difficult to secure
general agreement to every item, and modifications are inevitable,
but we believe it to approximate the true situation in its main
outlines.

(4) The United States has certain minerals available in large
quantities for export. It is clear that the United States has, and will
continue to have, a valuable exportable surplus of copper, coal,
iron and steel, phosphates, silver, and sulphur. In view of recent
discoveries, borax should probably be added to the list.

162
        <pb n="175" />
        So far as the available quantity is concerned there is no reason
why these minerals should not be exported. Prosperity of the in-
dustry may depend largely on maintaining foreign outlets, in
which case these should not be closed by restriction requiring local
conversion and fabrication where this means excessive cost, or by
import taxes inviting retaliation on minerals of which our own
supply is deficient. For instance, export of coal from the United
States is a natural consequence of our large supplies, the needs of
other countries, and our ability to produce more efficiently and
cheaply than certain other coalexporting nations. We are in a
position to do the world an efficient service, We also help ourselves
by supplying an equalizing and stabilizing facıor to an industry
handicapped by such seasonal demand that the average coal mine
is idle over a third of the year. We more fully utilize our capacity
for production. Without increase of imports there is little room
for further development of coal export trade without unbalancing
the ratio between imports and exports.

(B) The United States has certain minerals o} adequate supply but
without great excess or deficiency. The supplies of many important
minerals in the United States approximately balance domestic re-
quirements without considerable exportable surplus. Small amounts
of these minerals have been and will continue to be imported
and exported because of special grades or backhaul, or because of
cheaper sources of foreign supply. Such imports are not, how-
ever, for the most part, essential as a source of supply. This list
includes aluminum and bauxite, arsenic, artificial abrasives and
emery (except Naxos emery), asphalt and bitumen, barite, bismuth,
bromine, building stone (except Italian marblie), common stone,
sand and gravel, cadmium, feldspar, fluorspar, fuller’s earth, gold,
gypsum, lead, lime, magnesite, mineral paints (except umber,
sienna, and ocher from France and Spain), molybdenum, oil,
pyrite, salt (except special classes), talc. titanium, tripoli and
diatomaceous earth, and zinc.

For minerals of this group the domestic supplies are such that
they do not constitute compelling reasons for opening or closing
channels of international movement. There may or may not be

(035
        <pb n="176" />
        other reasons, but it is our purpose here only to indicate the effect
of known supplies on the question of international movements of
minerals.

The inclusion of oil among the minerals of Class B, in which
the country is approximately self-supporting, requires some ex-
planation and qualification. The United States leads the world in
its oil production, but it also leads the world in consumption. If
our exportation of refined products were eliminated we could
probably get along for some time on the domestic production. As
it is, imports from other countries, particularly Mexico, have been
necessary in recent years to balance the export of refined products.
The industry is on such an efficient basis that the United States is
able to perform a service to the rest of the world in gathering and
distributing this material. It seems desirable, in the interest of our
continued service to the world, that channels of import and export
be kept open. Looking forward to the future, we are doubtful
whether the domestic production will long keep up with domestic
demand; this consideration is an additional reason why channels
of import should be maintained.

In the exploration and development of oil, American initiative
and capital have proved most efficient and should be allowed the
fullest latitude both at home and abroad, with the purpose of
insuring adequate supplies for future home consumption and
supplies for refinement and export to the rest of the world. The
government can aid in securing and preserving this opportunity.

Self-interest plays so large a part in asking these opportunities
for ourselves that we deplore criticism of other countries for asking
the same for themselves, so far as their resulting activities do not
impair a fair field for private initiative and competition.

(C) Certain minerals exist in ihe United States in inadequate
amounts. The United States will be dependent on foreign sources
for a considerable fraction of its supply of antimony, asbestos, ball
clay, kaolin, chalk, chromite, corundum, garnet, certain grades of
graphite, grinding pebbles, manganese, mercury, mica, monazite,
Naxos emery, nitrates, potash, precious stones, pumice, tungsten,
vanadium, and zirconium.
"54
        <pb n="177" />
        (D) The United States lacks certain minerale almost entirely. The
United States will in the future, as in the past, depend on other
countries almost entirely for its nickel, cobalt, platinum, tin, gem
diamonds, black diamonds, or “carbonado.” and diamond dust
and bort. ;

Immort of minerals of classes © and D will continue to be necessary
and can be stopped only at great cost, Future exploration may disclose
adequate supplies of some of those minerals in which the United
States is now deficient but for the most part we believe that the
geologic conditions are sufficiently well known to make this out-
come unlikely. With certain exceptions noted below, we believe
that any attempt by legislation to keep foreign supplies out and to
make domestic supplies of these minerals suffice for United States
needs will not succreed except at excessive cost in efficiency and
money. Such a course also would mean depletion of limited supplies
which may seriously endanger the country in a time of critical
future need. In the meantime, governmental restrictions on im-
ports (probably inducing retaliatory measures abroad) are likely to
make it more difficult for American enterprise to find and develop
needed resources of these minerals in foreign countries where the
geologic conditions are more favorable.

Conditions under which import taxes on minerals of classes 0 and
D might be desirable. As long as import channels of these minerals
are not closed we do not oppose tariffs or other measures which
are designed to offset differences in living costs and to aid in main-
taining a sound nucleus for an industry which might be useful in
crises. We believe, however, that such measures have practically
very limited application in view ofthe physical facts ofthesituation.

Luxuries such as diamonds and platinum used for jewelry may
well afford to pay import taxes.

We would favor protection on domestic minerals known to exist
in large quantities and capable of efficient utilization, but handi-
capped in their competiton with foreign supplies by trade and
technical customs. In these cases there should be careful consider-
ation of possibilities of adapting our extensive low-grade reserves
to our needs, wiıh a view of finding whether feasible and efficient
165
        <pb n="178" />
        processes for their use may not be developed without excessive cost.
If so, some measure of protection would be reasonable. For instance,
there are very extensive deposits of flake graphite in the United
States, many of which are handicapped by a fineness of texture
which is said to make them undesirable for one of their principal
uses, the manufacture of crucibles. War experience indicated that
the American grades could be used to a larger extent than had
before been anticipated; but with the resumption of peace condi-
tions, foreign supplies have again dominated the market. Without
committing ourselves definitely for or against a tariff, we suggest
that a case of this kind affords a reasonable field for investigation
as to the possible application of a tariff.

Coneclusion

This statement of principle emphasizes nature’s distribution of
minerals as a basic factor in determining the international move-
ments of minerals, It does not attempt to cover all the qualifying
economic factors in the situation.

These considerations are presented from the point of view pri-
marily of the broad self-interest of the mineral industry of the
United States, but they are also vital to the preservation of friendly
international relations. We are confident that a common under-
standing of these elementary facts of geographic distribution of
minerals, and of the consequent necessary mineral movements
determined by nature, is an important first step in minimizing
international difficulties.

The interests and ambitions of the different parts of the mineral
industry in foreign matters are so extremely diverse, and each of
them is urged so vigorously that it is difficult to discern what, if
any, are the underlying aims and principles of the industry as a
whole. The industry itself is presumably better qualified to speak
on these matters than others, and yet to the public its represent-
ations must sound like a babel of special interests. This is perhaps
an inevitable consequence of the scattered geographic development
658
        <pb n="179" />
        of the mineral industry, but the industry has now reached such
large proportions and so often overlaps national boundaries that
the formulation of a unit policy is of vital national concern.
Respectfullv submitted,
C. K. Leith, Chairman, Professor of Geology, University
of Wisconsin.
HE. Foster Bain, Director, U. S. Bureau of Mines.
S. H. Ball, Mining Geologist, New York.
Van. H. Manning, Director, Technical Research, Ameri-
can Petroleum Institute, New York.
George Otis Smith, Director, U. S. Geological Survey.
A. C. Veatch, Consulting Geologist, New York.
*H. V. Winchell, Mining Geologist, Los Angeles.
Pove Yeatman, Mining Engineer, New York.

‚oa. Derselbe Bericht, deutsch (im Auszug)

Grundsätze für eine internationale Kontrolle der Boden-
schätze. November 1921
Auszug aus „International Control of Minerals“. Bericht des
Komitees für in- und ausländische Bergwerkspolitik.

Das dem genannten Komitee zugewiesene Problem berührt die
meisten Staaten der Welt. Es gehört mithin zur internationalen
Politik, und aus diesem Grunde wünschen die Mitglieder dieses
Komitees zu betonen, daß sie ihre Äußerungen als Privatpersonen
und nicht als Vertreter irgendwelcher Körperschaften machen,
mit denen sie zufällig offiziell verbunden sind. Im Interesse der
bestmöglichen und schonendsten Ausnutzung der Boden-
schätze der Welt und im Interesse einer möglichsten Herabsetzung
internationaler Schwierigkeiten, welche aus der Entdeckung, der
Entwicklung, dem Transport und Verkauf der Bodenschätze ent-

*) Verstorben.
67
        <pb n="180" />
        stehen, legt das Komitee für in- und ausländische Bergwergspolitik
der Gesellschaft für Berg- und Hüttenwesen von Amerika eine Auf-
stellung von grundsätzlichen Erwägungen vor, welche, wie es
glaubt, grundlegend sein sollten für die Abfassung von Gesetzen
und Vereinbarungen, die sich auf natürliche Bodenschätze be-
ziehen.

i. Internationaler Mineralrohstoffaustausch ist die notwendige Konsequenz
seiner geographischen Verteilung
Bodenschätze sind abnehmende Aktiven, geographisch von der
Natur festgelegt, und die Änderung ihrer geographischen Verteilung
steht nicht in unserer Macht. Einige Arten von Mineralrohstoffen
sind so allgemein verbreitet, daß fast alle Länder ausreichende Vor-
räte innerhalb ihrer Grenzen oder in ihrer Nähe haben. Andere
Mineralrohstoffe sind so verteilt, daß einige Teile der Welt Über-
fuß, andere Mangel haben. Kein Land ist ganz und gar unab-
hängig hinsichtlich der Vorräte oder Märkte für alle mineralischen
Rohstoffe, In jedem Land gibt es gewisse mineralische Rohstoffe im
Überfluß für die Ausfuhr verfügbar, während andere fehlen und
eingeführt werden müssen, als Rohstoffe oder als Fertigwaren, Ein
internationaler Austausch läßt sich nicht vermeiden, wenn alle
Teile der Welt mit den benötigten Grundstoffen beliefert werden
sollen.

Die allgemeine Natur und Lage der Kanäle für den internatio-
nalen Mineralaustausch ist nicht Sache der Mutmaßung, sondern
bereits für eine vernünftige, endgültige Darstellung geeignet.

2. Internationaler Austausch gewisser Mineralrohstoffe darf nicht durch staat-
liche Verfügung ausgeschlossen werden
Der notwendige internationale Austausch von Mineralrohstoffen
kann unterstützt oder verhindert werden durch Exportvergütungen,
Vorzugszölle, Zollschranken und Ausfuhrverbote. Diese Maß-
168
        <pb n="181" />
        nahmen können örtlich und zeitlich für eine große Anzahl von
Gründen wünschenswert erscheinen, aber im allgemeinen ist es
unsere Überzeugung, daß auf die Dauer derartige Maßnahmen, die
auf ausschließliche Schließung oder Ablenkung von den haupt-
sächlichen internationalen natürlichen Kanälen hinauslaufen,
scheitern müssen, und daß die darauf gerichteten Bemühungen
eine unnötige Neueinstellung erfordern, welche viel unnötige Rei-
bung in die internationalen Beziehungen sowohl als auch in die
ordnungsgemäße Entwicklung der Industrie der mineralischen
Rohstoffe hineinbringen.

Bodenschätze können nicht auf Grund gesetzgeberischer Maß-
nahmen geschaffen werden,

Es gibt aber auch Mineralrohstoffe, welche so verteilt sind, daß
ein internationaler Austausch im Augenblick nicht notwendig er-
scheint. Für die Art des Abbaues solcher Mineralrohstoffe mögen
andere Gründe vorhanden sein als die der Notwendigkeit, diesen
Austausch zu unterstützen oder einzuschränken.

3. Die Mineralien müssen mit geringen Ausnahmen in der Nähe ihrer
Lagerstätten angereichert, geschmolzen oder weiterverarbeitet werden

[m Interesse der Massenverringerung und der Höchstleistung
des Transports sollte der Anreiz gegeben werden, die Minerale in
der Näheihrer Lagerstätten anzureichern, zu verfeinern und weiter-
zuverarbeiten, wo immer die sonstigen Bedingungen es erlauben.
Staaten, welche die Gunst großer Vorräte eines benötigten Mine-
rals genießen, die an anderen Stellen der Welt fehlen, sind berech-
tigt zu den Vorteilen, die aus der Umwandlung und Weiterver-
arbeitung der Rohmaterialien entspringen, wenn nicht lokale
Bedingungen dies nur unter außergewöhnlich hohen Kosten mög-
lich machen. Der am stärksten benötigte Rohstoff hierfür ist
Kohle, und die Erfahrung lehrt, daß manche Mineralrohstofte
mit größerem Nutzen näher bei den Lagerstätten der Kohle als bei
den Lagerstätten des gewonnenen Minerals selber nutzbar gemacht
werden können.

9Y
        <pb n="182" />
        4. Schürffreiheit ist notwendig
Die Erforschung und Entwicklung der Minerallagerstätten darf
nicht ruhen, um die durch den Abbau herausgenommenen Vor-
räte wieder aufzufüllen. Das gegenwärtige Jahrhundert hat einen
größeren Verbrauch von mineralischen Rohstoffen als alle vorher-
gehenden Zeitabschnitte gebracht. In den Vereinigten Staaten hat
sich der Verbrauch je Kopf in den letzten 40 Jahren verzehnfacht.
Das Problem der Schürffreiheit, um eine rechtzeitige Ergänzung
der Vorräte sicherzustellen, ergibt sich zwangsläufig aus seiner
grundlegenden Bedeutung für das zukünfiige Wohlergehen der
stark angewachsenen Industrie dermineralischen Rohstofte. Irgend-
welche Beschränkungen nationaler oder internationaler Art, welche
die notwendige Suche nach Mineralrohstoffen auf der Erde ein-
engen, sind prinzipiell unerwünscht. Wir glauben, daß die Unter-
stützung und Aufsicht der Regierung in Verbindung mit der Schürf-
freiheit wünschenswert sein kann, soweit sie nicht die Möglich-
keiten privater Bemühungen zerstört, aber wir glauben ferner, daß
Regierungsstellen auf diesem Gebiet private Initiative nicht er-
setzen können.

Mit Rücksicht auf diese notwendige Schürftätigkeit stehen wir
ein für Gleichbegünstigung und für die offene Tür auf na-
tionalem und internationalem Gebiet, Gleichbegünstigung und
offene Tür werden neben anderem betrachtet unter dem Gesichts-
punkt, daß sie, ausgenommen die Fälle nationaler Krisen, eine
Hemmung in der Vergebung von Bergwerkslizenzen und Konzes-
sionen an Ausländer oder die Übertragung von Konzessionen an
Ausländer verhindern sollen, sowie daß hierbei keine Hinderungs-
gründe in der Nationalität der Aktionäre, der Grubenleiter oder
Aufsichtsräte von bergmännischen Gründungsgesellschaften, von
Schürfrechten und von Konzessionen festgesetzt werden, sondern
daß allgemein der freie Kauf und Erwerb durch Privatpersonen
jeglicher Nationalität bestehen soll. Das Recht des Staates auf Kon-
trolle seiner natürlichen Hilfsquellen in Kriegszeiten ist natür-
lich überragend. Es mag auch noch andere besondere oder örtliche
Umstände geben, welche in Friedenszeiten eine solche Kontrolle
‘7
        <pb n="183" />
        wünschenswert erscheinen lassen. Für den überwiegenden Teil je-
doch soll der Staat alle großzügigen Bemühungen auf Mineral-
erschließung von zugelassenen Gesellschaften unterstützen, und
da die Gesellschaften unäbhängig vom Staat sind, soll und muß
der Staat ihre Rechte und ihre Machtbefugnisse genau begrenzen.
Er stützt auf diesem Wege sein eigenes Interesse.

5, Freiheit der Erforschung muß aufrechterhalten bleiben in unaufgeschlossenen
Ländern

Wo unaufgeschlossene Länder bedeutende Mineralvorräte be-
sitzen, die von der Welt benötigt werden, können wir nicht um-
hin, den Schluß zu ziehen, daß die Nachfrage sich von selbst fühl-
bar machen wird als Folge politischen Druckes von anderen Län-
dern. In solchen Fällen begünstigen wir gemeinsames Vorgehen
der Regierungen, um Gleichbegünstigung für alle Staats-
angehörigen zu erhalten, wenn Umstände es erfordern, daß eine
Regierung einen Druck ausübt. Das zu erstrebende Ziel sollte die
Eröffnung des Gebietes sein nicht nur für die Regierung, welche
den Druck ausübt zu ihrem alleinigen Nutzen, sondern für alle
Nationen. Nichtbeachtung dieses Prinzips ist der Grund für viele
internationale Reibungen gewesen.

6. Eine Zusammenarbeit der Staaten ist wünschenswert, um die offene Tür bei
der Erforschung und Entwicklung der Lagerstätten sicherzustellen
Um den in vorstehenden Worten gekennzeichneten Vorschlag
zu erfüllen, verlangen wir, daß die Regierung der U. S. A. engere
Fühlung als bisher aufrechterhält mit der Betätigung amerika-
nischen Kapitals in fremden Lagerstättengebieten. Dies kann unter-
stützt werden sowohl durch Heranziehung bekannter Lagerstätten-
forscher als auch diplomatischer Attaches, Konsularagenten oder
Agenten des Handelsamts in Ländern, in denen die Rohstoffe einen
breiten Platz innerhalb der internationalen Beziehungen ein-

m]
        <pb n="184" />
        nehmen. Dabei müssen systematischere Berichte an die Hei-
matstelle gegeben werden und seitens der Heimatstelle mehr Auf-
merksamkeit auf die Auslegung und Abgleichung dieser Berichte
gelegt werden, um feststellen zu können, welche unserer aus-
ländischen Lagerstättenbeteiligungen wichtig sind für unsere na-
tionale Wohlfahrt, um weiterhin die Stärke und praktische An-
wendung der Berggesetze dieser Länder zu ermitteln und um
amerikanische Gesellschaften in ihrer diesbezüglichen Betätigung
zu beraten und zu schützen. Diese Unterrichtung muß allen Bür-
gern zuteil werden, soweit sie an der Aufschließung von Lager-
stätten interessiert sind.

Kurz, sinnvolle Ordnung und Beobachtung der Frage fremder
Minerallagerstätten durch qualifizierte und verantwortliche Be-
amte der Heimatregierung halten wir für unser eigenes Interesse,
da gleichzeitig dadurch mancher unnötige internationale Zwist
behoben werden kann. Andere Staaten zeigen bereits bemerkens-
werte Ansätze dieser Art von Verwaltung.

Bei internationalen Verhandlungen, und diese sind häufig auf
dem Gebiete der Minerallagerstätten, möchten wir es ferner für
wünschenswert halten, die internationalen Forschungskomitees
nutzbar zu machen, um die tatsächliche Grundlage als Basis für
internationale Verhandlungen zu ermitteln. Zum Beispiel sind
einige der kürzlich stattgehabten diplomatischen Besprechungen
bezüglich der Ausbeutung von Öl in fremden Ländern unnötig
kompliziert worden durch verschiedene Ansichten über grund-
legende Tatsachen der geologischen Verbreitung. Diese hätten
leicht durch eine internationale Konferenz von sach kundigen Fach-
männern beseitigt werden können. Die Übersichten über die Welt-

lagerstätten der Kohle und des Kisens, die von den internatio-
nalen Geologenkongressen unabhängig von ihren Regierungen
gemacht worden sind, haben eine brauchbare Unterlage ge-
bracht und sind ausgezeichnete Beispiele dafür, was bei uninter-
essierter wissenschaftlicher Forschung erreicht werden kann.

‘72
        <pb n="185" />
        7. Die Vorräte an mineralischen Rohstoffen in den Vereinigten Staaten in
ihrer weltwirtschaftlichen Bedeutung
A. Die Vereinigten Staaten haben gewisse Mineralvorkommen,
die in großen Mengen für den Export zur Verfügung stehen:
Kupfer, Kohle, Eisen und Stahl, Phosphat, Silber, Schwefel. Auf
Grund jüngster Forschungen wird voraussichtlich Borax hinzu-
kommen,

B. Die Vereinigten Staaten haben gewisse Mineralvorkommen,
welche ohne großen Mangel oder Überschuß für den heimischen
Bedarf ausreichen: Aluminium, Bauxit, Arsen, künstliche
Schleifmittel und Schmirgel (ausschließlich Naxos-Schmirgel),
Asphalt, Bitumen, Wismut, Brom, Feldspat, Flußspat, Gold,
Gips, Blei, Magnesit, Mineralfarben, Molybdän, Öl, Pyrit, Salz,
Talk, Titan und Zink.

C. Einige Mineralvorkommen kommen in den Vereinigten
Staaten für die Deckung des eigenen Bedarfs in einer unzu-
reichenden Menge vor: Antimon, Asbest, Kaolin, Chromit,
Korund, Granat, einige Sorten Graphit, Achat, Mangan, Queck-
silber, Glimmer, Monazit, Naxos-Schmirgel, Nitrat, Kali, Edel-
steine, Wolfram, Vanadium und Zirkon.

D. Gewisse Mineralvorkommen entbehren die Vereinigten Staa-
ten gänzlich: Nickel, Kobalt, Platin, Zinn, Schmuck- und
schwarze Diamanten (Karbonados).

Zusammenfassung
Diese Aufstellung der hauptsächlichsten Tatsachen zeigt, daß
die natürliche Verteilung der Minerallagerstätten notwendiger-
weise zum internationalen Handel zwingt.

Die Darlegungen sind erfolgt von dem Hauptgesichtspunkt des
allgemeinen Interesses, welches sie für die Bergwerksindustrie der
Vereinigten Staaten haben, aber sie sind ebenso lebenswichtig für
die Erhaltung freundligher internationaler Beziehungen. Wir ver-
trauen darauf, daß eine gemeinsame Verständigung über die Grund-
173
        <pb n="186" />
        tatsachen der geographischen Verteilung der Minerallagerstätten
und über ihren durch die Natur bestimmten notwendigen Aus-
tausch ein bedeutsamer erster Schritt sein würde, die internatio-
nalen Schwierigkeiten einzudämmen. Die Auslandsinteressen der
verschiedenen Teile der Bergwerksindustrie sind so außergewöhn-
lich verschieden und alle werden so nachdrücklich betrieben, daß
es schwer ist, im einzelnen die im Untergrund schlummernden
Wünsche und ihren Ursprung zu erkennen. Die Industrie selber
ist besser befähigt, sich über diese Dinge zu äußern. Vor der
Öffentlichkeit müssen ihre Darlegungen allerdings klingen wie
ein „Babel“ von Sonderinteressen. Dies ist vielleicht eine Folge
der geographisch zerstreuten Bergwerksindustrie, aber diese In-
dustrie hat jetzt eine solche Ausdehnung angenommen und über-
schneidet so oft die Landesgrenzen, daß die Formulierung einer
gemeinsamen Politik von vitaler nationaler Wichtigkeit ist.

ı1. Mineral Reserves and Wastage

Mining and Metallurgy March 1927, p. 140.
Joint Conference of Institute and Mining and Metallurgical Society Asks
Department of Commerce to Undertake World Survey of
Mineral Reserves and Waste

The Secretary of Commerce is to be urged to assume leadership
in assembling data as to production and consumption of minerals
and metals, and studies of their importance in trade, as a result
of the joint conference of the Institute and the Mining and Me-
tallurgical Society of America, held on Tuesday afternoon, Feb, 15.

P. N. Moore, Van H. Manning, J. E. Spurr, R. C. Allen, R. H.
Richards and W. S. Hutchinson were appointed and drew up the
following plan for consideration:

1. The plan comprehends the Secretary of Commerce as the
proper one to direct an agency, world-wide in character, to make
contact with the nations of the world, to effect an exchange ofall
174
        <pb n="187" />
        data pertaining to production, refining, and consumption of all
minerals and products thereof.

2. To establish a clearing house of information by the Govern-
ment on all matters pertaining to production, refining, trans-
portation, and marketing, domestic and foreign.

3. The Secretary to represent the mineral industry of the United
States before all Governmental agencies affecting the foreign indus-
try where the nationals of the United States are concerned.

4. The Secretary to keep in touch with the laws and regulations
of all nations, with a view to protecting American mining and
allied interests from undue hardship and discrimination.

5. The Secretary to keep the mineral industry of the United
States advised as to foreign mining and allied concessions.

6. The Secretary to be the representative of the Government,
the public, and the mineral industry in matters of national concern.

7. The Secretary to guide in matters of Government regulations,
specifications, methods of tests, research of an industrial character,
and in conservation methods.

8. Permanent advisers of the Secretary to be selected from the
various branches of the mineral industry.

9. Close cooperation to be maintained between all national and
international organizations that are concerned in the production
and allied branches of the mineral industry. ;

10. The Secretary to issue regular publications compatible with
Government and industrial policies.

ı1a. Derselbe Bericht, deutsch

Mineralvorräte und Ausbeutung
Der Handelsminister ist zu veranlassen, die Initiative zu ergrei-
fen bei der Sammlung von Zahlen über Produktion und Ver-
brauch von mineralischen Rohstoffen und Metallen und bei
Studien ihrer Handelsbedeutung. Dieser Entschluß war das
Ergebnis einer gemeinsamen Konferenz des Instituts und der Ge-
175
        <pb n="188" />
        sellschaft für Berg- und Hüttenwesen von Amerika, welche am
15. Februar 1927 abgehalten wurde. — P. N. More, van H. Man-
ning, J. E. Spurr, R.C. Allen, R. H. Richards und W.S. Hutchinson
wurden ernannt und unterbreiteten folgenden Plan zur Erwägung.

ı. Der Plan sieht das Handelsministerium als geeignete Stelle
an, ein Bureau einzurichten, das seinem Charakter nach weltum-
spannend ist und Fühlung nehmen soll mit den Staaten der Welt,
um einen Austausch sämtlicher Zahlen und Daten über Erzeugung,
Verfeinerung (Verhüttung) und Verbrauch aller mineralischen
Rohstoffe und ihrer Beiprodukte in die Wege zu leiten.

2, Es soll von der Regierung eine Stelle eingerichtet werden,
welche Auskünfte austauschen soll über die in- und ausländische
Erzeugung, Verfeinerung, den Transport und Handel.

3. Der Minister soll die Industrie der mineralischen Rohstoffe
der U.S.A, vor allen Regierungsstellen, welche Verbindung haben
mit der Industrie und bei denen nationale Interessen berührt
werden, vertreten.

4- Der Minister soll auf dem laufenden bleiben über die Ge-
setze und Verordnungen aller Länder zu dem Zweck, die ameri-
kanische Bergwerksindustrie und verwandte Industrien vor un-
gebührlicher Härte und Benachteiligung zu schützen.

5. Der Minister soll die Industrie der mineralischen Rohstoffe
der U.S.A. auf dem laufenden halten über ausländische Berg-
werks- und verwandte Konzessionen.

6. Der Minister soll die Regierung, die Allgemeinheit und die
Industrie der mineralischen Rohstoffe in Sachen nationalen Inter-
esses vertreten.

7: Der Minister soll Führer und Berater sein bei Regierungs-
maßnahmen,Einzelangaben,Prüfungsmeth oden, Forschungen
industriellen Charakters und Erhaltungsmethoden.

8. Der Minister soll ständige Beobachter wählen aus den ver-
schiedenen Zweigen der Industrie der mineralischen Rohstoffe.

9. Es soll eine enge Zusammenarbeit aufrechterhalten werden
zwischen allen nationalen und internationalen Organisationen,
die an der Produktion und an verwandten Gebieten der Industrie
der mineralischen Rohstoffe interessiert sind.

[76
        <pb n="189" />
        ıo. Der Minister soll regelmäßig Publikationen herausgeben,
die vereinbar sind mit dem Regierungsinteresse und dem
Gebot industrieller Vorsicht,

a. Ores of the World
Abschrift aus: „The Far Eastern Review“, Nr. 5 vom Mai 1927,
S. 199.
The American Institute of Mining and Metallurgical Engineers
has appointed a committee of five to take up with Secretary Hoover
a proposed survey of the mineral resources of the world, to include
all minerals, metallic and non-metallic ores. The biggest indi-
vidual task would be in the United States where every base mineral
known is deposited.

The surveyors propose to list India’s stores of coal, copper, gold
and precious stones; to take cognizance of South Africa’s gold,
diamonds, coal and platinum; of Australia’s gold; of Argentina’s
petroleum, and of Austria’s coal and iron. In China’s eigtheen
provinces there are immens stores of coal and iron, many of them
undevelopped. Coal and iron and other minerals would be listed
in France, Germany, Hungary, Holland, Poland, Rumania, Russia,
Serbia, Spain and Sweden. In Turkey and Portugal the deposits
are undeveloped.

The survey would give some idea of how long the mineral re-
sources of the world might last, and there is always the chance
that it might discover new and valuable deposits. If this committee
could have free access to the highly mineralized areas of Central
Asia and report on the deposits of the Altais and Tibet as well as
make a final survey of the possibilities of China, it would easily
justify the expenditure on its work. Perhaps the easiest way 10
accomplish this would be to invite a few German mining experts
to sit on the committee. They have been all over the Central Asian
mineral fields and have reports on most of the deposits carefully
filed awav in Berlin.

2 Krahmann, Arbeitsgemeinschaft

177
        <pb n="190" />
        13. Aufbau und Ziele
des neuen amerikanischen Kupferinstituts
(Nach V.D.I.- Nachrichten v. 4. 1. 28)
Dem neuerrichteten „Copper Institute“, dessen ersten und zwei-

ten Vorsitzenden der Guggenheim-Konzern und die Anaconda Cop-
per Mining Co. (Präsident Kelley) stellen, haben bereits 95%
aller nord- und südamerikanischen Kupferhersteller ihren Beitritt
zugesagt. Von den größeren Firmen sind es die Kennekott Copper
Co., American Smelting &amp; Refining Co. und Anaconda Copper Co.
mit Ohite Copper usw. Nach den Satzungen soll der Kupfermarkt
durch Monopolbestrebungen nicht beeinflußt werden. Geplant ist
hauptsächlich die Klarlegung der wirklichen Erzeugungs-
kosten für die Einheit des roten Metalls, ferner die beständige
Offenlegung (!) der Verkaufs- und Absatzzahlen. Dies soll auch den
Behörden gegenüber gelten, denen Büchereinsicht gestattet ist. Zu
diesem Zweck werden regelmäßig von sämtlichen angeschlossenen
Firmen den Bücherrevisoren Price, Waterhous &amp; Co. alle einschlägi-
gen Angaben gemacht, die diese vertraulich und nach einheit-
lichen Grundsätzen zu bearbeiten haben. Allerdings besteht vor-
erst keine unmittelbare Pflicht zur beständigen Berichterstattung,
und dies läßt den Wert der „Offenlegung“ etwas zweifelhaft er-
scheinen. Vorgesehen ist für später die Möglichkeit der Aufnahme
auch nichtamerikanischer Firmen, ferner von kupferverarbeiten-
den Unternehmungen; dies wurde mit Rücksicht auf bereits be-
stehende vertikale Organisationen, z. B. bei der Anaconda Copper
Co., beschlossen.

Das Copper Institute soll nicht in Wettbewerb treten mit dem
amtlichen „American Bureau of Metal Statistics“ und der
„Copper and Brass Research Association“, der großen Propaganda-
stelle der amerikanischen Kupfererzeuger. Das „Copper Institute“
soll deren Aufgaben lediglich ergänzen und wird zunächst u.a. die
monatliche Ausbeute der Gruben, dann die Vorräte am Ende eines
jeden Monats, die wöchentlichen Verkäufe und die für die näch-
sten drei Monate vorgesehenen Verkäufe an die Industrie im vor-
aus feststellen, und zwar die Verkäufe nach dem In- und Ausland.
1 &lt;
        <pb n="191" />
        Die Unterlagen der Erzeugungsstatistik werden von den Kupfer-
gruben selbst eingeholt, welche die Kupfermengen angeben, die
aus den Erzen gewonnen werden können, und die an die Hütten
und elektrolytischen Anlagen verschifft oder übertragen worden
sind. Weitere Angaben betreffen die Herstellung von raffiniertem
Kupfer mit Schätzungen der Produktion der nächsten drei Monate.
Diese Zahlen werden vom „Copper Institute“ zusammengestellt,
ohne daß die auf die einzelnen Erzeuger entfallenden Mengen er-
sichtlich sind.

Nachtrag zu gb, S. 156 und 157.
(Communique au Conseil et
aux Membres de la Societe.)

C. 666. M. 224 1927. 11.

Geneve, le 29 decembre 1927.

Societe des Nations
Comite Economique
Rapport au Conseil sur Ja vingt-troisikme Session, tenue &amp; Geneve,
du ı5 au 21 decembre 1927.

zo. Proposition de Creation d’un Institut International des Mines,
Etaient presents les membres suivants du Comite :

MM. D. Serruys, president; Dr. E. Trendelenburg, vice-president;
J. Brunet; Sir Sydney Chapman ; F. Dolezal; J. Dvoracek; N. Ito;
G. Jahn; H. A. F. Lindsay ; Prof. E. Neculcea; A. di Nola; Dr. R.
Schüller ; Dr. W. Stuckt.

Ont assist&amp; egalement a une partie de la Session :

MM. Dr. A. Pirelli, president de la Chambre de Commerce
internationale; R. Fighiera, president du Sous-Comite d’experts
pour l’unification de la nomenclature douaniere.

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        Le Comite a €te saisi, par la Commission de cooperation intellec-
tuelle, du projet de creation d’un institut de ce genre presente &amp;
ladite Commission par la professeur Krahmann.

Apres avoir pris connaissance du rapport soumis par M. Neculcea,
le Comite a estime€ qu'il etait n&amp;cessaire, avant de prendre une
decision definitive, de continuer la consultation, par les membres
du Comite, des milieux interesses dans leurs pays respectifs.

D’autre part, M. Serruys restera en contact avec les membres
de la Commission de cooperation intellectuelle, qui ont ete spe-
cialement charges par cet organisme d’examiner les conclusions
du Comite.

Entwurf für die Satzungen der Bergwirtschaftlichen
Arbeitsgemeinschaft
I. Name, Rechtsform, Sitz, Zweck, Aufgabe.
$ 1. Unter der Bezeichnung „Bergwirtschaftliche Arbeitsgemein-
schaft (B. A. G.)“ wird mit dem Sitz in Berlin ein Verein gebildet
und in das Vereinsregister eingetragen, der unter Ausschluß von
Erwerbs- und politischen Zwecken die Organisation und Aus-
führung wissenschaftlicher Gemeinschaftsarbeit auf dem Gebiete
der Lagerstättenforschung und Bergwirtschaft betreibt.

$ 2. Die B. A. G. übernimmt als Zentralstelle die Aufgabe,
Arbeiten ihrer Mitglieder auf den genannten Gebieten anzuregen,
einzuleiten, zu unterstützen und zu verbreiten. Auch wird sie nach
Möglichkeit Aufgaben behördlicher Anregung durch Zuleitung an
die geeigneten Stellen und Personen fördern.

H. Mitgliedschaft, Rechte und Pflichten der Mitglieder,
$ 3. Mitglied der B. A. G. können Einzelpersonen und Körper-
schaften aus dem Kreise der Wissenschaft, Wirtschaft, den gesetz-
gebenden Körperschaften und Behörden, aber auch diejenigen
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        Personen werden, die Interessen für die Aufgaben und Arbeiten
der B. A. G. haben.
$ 4. Anmeldungen zur Mitgliedschaft sind an den Vorstand zu
richten, der über die Aufnahme entscheidet.
Die Mitgliedschaft erlischt:
a) durch den Tod bzw. bei juristischen Personen, Vereinen und
Gesellschaften durch deren Auflösung;
b) durch Austritt, der jederzeit durch schriftliche Erklärung an
den Vorstand erfolgen kann;
c) durch Beschluß der Mitgliederversammlung.
$ 5. Mitgliederbeiträge werden nicht erhoben. Die erforder-
lichen Geldmittel sollen vielmehr durch Stiftungsbeiträge öffent-
licher Stellen, sowie durch freiwillige Beiträge aus Wirtschafts-
kreisen aufgebracht werden.

Hl. Leitung, Vorstand, Rechte und Pflichten desselben.
$ 6. Die Leitung der B. A. G. erfolgt durch einen Vorstand, der
in der jährlichen Hauptversammlung für die Dauer von 3 Jahren
gewählt und ergänzt wird und aus wenigstens 7 Mitgliedern be-
steht. Der Vorstand kann den Mitgliedern, um eine Zersplitterung
der Stimmen zu vermeiden, eine Vorschlagsliste unterbreiten. Diese
Vorstandsmitglieder wählen aus ihrer Mitte einen Vorsitzenden
als wissenschaftlichen Leiter, einen stellvertretenden Vorsitzen-
den, einen Geschäftsführer und einen stellvertretenden Geschäfts-
führer.

$ 7. Die Tätigkeit der Vorstandsmitglieder ist ehrenamtlich.

$ 8. Die Vorstandsmitglieder verteilen alljährlich die laufenden
Arbeiten unter sich. Für bestimmte Arbeitsgebiete kann der Vor-
stand besondere Ausschüsse bilden.

$ 9. Der Vorsitzende hat wenigstens einmal im Jahre die Mit-
glieder durch schriftliche Einladung zu einer ordentlichen Mit-
gliederversammlung zusammenzurufen.

$ 10. Den Vorsitz in den Mitgliederversammlungen führt der
Vorsitzende oder sein Stellvertreter.
1
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        $ 11. Urkunden, die die B. A. G. verpflichten, müssen von je
einem Vorsitzenden und je einem Geschäftsführer unterzeichnet
3e1N.

IV. Finanzausschuß.

$ 12. Die Jährliche Hauptversammlung wählt auf Vorschlag des
Vorstandes einen Finanzausschuß, dessen Mitglieder nicht Vor-
standsmitglieder sein dürfen. Dieser Finanzausschuß überwacht
die Verwendung der zur Verfügung gestellten Geldmittel im Sinne
ihrer Stifter auf Grund eines Verteilungsplanes, der ihm vom Vor-
stand vorzulegen ist.

$ 13. Über Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Vorstande
und dem Finanzausschuß entscheiden beide Organe in gemein-
samer Sitzung mit einfacher Stimmenmehrheit der anwesenden
Mitglieder des Vorstandes und Finanzausschusses; bei Stimmen-
gleichheit gibt die Stimme des Vorsitzenden oder stellvertretenden
Vorsitzenden des Vorstandes den Ausschlag.

V. Mitgliederversammlung.

$ 14. Alljährlich findet eine ordentliche Mitgliederversammlung
(Hauptversammlung) statt, in welcher der Jahresbericht des Vor-
standes, die Rechnungslegung, der Bericht des Finanzausschusses,
die Entlastung des Vorstandes und etwa erforderliche Neu- und
Ergänzungswahlen regelmäßige Gegenstände der Beratung und
Beschlußfassung sind.

$ 15. Die Rechnungsprüfung erfolgt durch zwei dem Vorstand
und Finanzausschuß nicht angehörende Mitglieder, die von der
Hauptversammlung gewählt werden, über das Prüfungsergebnis
berichten und Entlastung des Vorstandes beantragen.

$ 16. Zu der jährlich abzuhaltenden ordentlichen Mitglieder-
versammlung und zu etwaigen außerordentlichen Versammlungen
sind die Mitglieder schriftlich unter Angabe der Tagesordnung
mindestens 14 Tage vor der Versammlung einzuladen.
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        $ 17. Jedes Mitglied hat in den Mitgliederversammlungen eine
Stimme. Bei der Beschlußfassung entscheidet die Mehrheit der
erschienenen Mitglieder, bei Stimmengleichbeit ist der Antrag ab-
gelehnt.

$ 18. Die Wahlen zum Vorstand erfolgen schriftlich durch Stimm-
zettel.

$ 19. Die Mitgliederversammlung beschließt im besonderen über

a) die Wahl des Vorstandes,

b) die Änderung der Satzungen,

c) die Auflösung der B. A. G.,

d) die Entlastung des Vorstandes,

e) die Verwendung des Vereinsvermögens im Falle der Auflösung.

Bei Beschlußfassung über Anträge zu b) und c) ist ?/,-Mehrheit
der Anwesenden erforderlich.

$ 20. Die bei einer Auflösung der B. A. G. vorhandenen Geld-
mittel sind an die Stifter oder Geber zurückzugeben, und zwar im
Verhältnis der bis dahin erfolgten Gesamtleistung.

Entwurf für eine Geschäftsordnung der Bergwirtschaft-
lichen Arbeitsgemeinschaft
ı. Die Geschäfte der Bergwirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft
werden nach den Beschlüssen des Vorstandes geführt.

2. Der im Vorstand bestimmte Geschäftsführer ist dem Vor-
stand für die Durchführung seiner Beschlüsse, die Einhaltung der
Satzungen und der Geschäftsordnung verantwortlich.

3. Er verwaltet die Mittel der Bergwirtschaftlichen Arbeits-
gemeinschaft nach den Weisungen des Vorstandes.

4. Der Geschäftsführer legt dem Vorstande Voranschlagsent-
würfe für die Verwendung der Mittel zur Beschließung vor. Jeder
Voranschlag enthält das Arbeitsprogramm der Bergwirtschaftlichen
Arbeitsgemeinschaft jeweils für ein halbes Jahr.

5. Der Voranschlagsentwurf entsteht aus den Arbeitsvorschlägen,
die von Körperschaften, Ausschüssen, einzelnen Persönlichkeiten

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        oder aus den Kreisen der Bergwirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft
selbst gemacht werden.

6. Arbeitsvorschläge und Anträge auf Mittelbewilligungen sollen
möglichst bis 1. 1. und ı. 7. eingereicht sein. Zwischenzeitliche
Bewilligungen sind in Ausnahmefällen möglich.

7. Der Vorstand legt den von ihm beschlossenen Voranschlag
dem Finanzausschuß vor, damit dieser sich binnen 3 Wochen
dazu erkläre. Geht keine Erklärung ein, so gilt der Voranschlag
als genehmigt.

8. Auf Grund des genehmigten Voranschlags trifft der Vorstand
mit den Mitgliedern oder sonstigen Stellen, die er mit der Aus-
führung bestimmter Arbeiten beauftragen will, Vereinbarungen
über die Durchführung und voraussichtliche Dauer der Arbeiten,
die Höhe der Mittelbewilligung, die Gewährleistung der hin-
reichenden Beteiligung aller wirtschaftlich interessierten Kreise,
die Anrechte am Eigentum und Veröffentlichung der Arbeits-
ergebnisse, die Abrechnung der Mittel und das Nachprüfungsrecht
der Bergwirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft, die Verwendung der
etwaigen Erlöse aus dem Vertrieb der Ergebnisse, die stets wieder
für neue Aufgaben Verwendung finden sollen, usw.

9. Die erforderliche enge Fühlung zwischen der Bergwirtschaft-
lichen Arbeitsgemeinschaft und den mit ihr arbeitenden Körper-
schaften, Ausschüssen und Personen soll durch regelmäßige ge-
meinsame Aussprachen, zu denen die Bergwirtschaftliche Arbeits-
gemeinschaft einladet, gewahrt und gefördert werden.

10. Der Geschäftsführer stellt mit Zustimmung des Leiters das
Personal der Bergwirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft an. Die
Kosten der Geschäftsführung der Bergwirtschaftlichen Arbeits-
gemeinschaft einschließlich der Personalkosten müssen sich im
Rahmen des vom Finanzausschuß bewilligten Voranschlages
halten.
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*etionne deja A la Societe des Nations et qui a dejä eu 3 s’occu-

de maints problemes de politique economique internationale,
De sorte que je me permets de suggerer, pour donner satis-
tion aux preoccupations du Prof. Max Krahmann,

4. Ja Creation d’une Commission sixte — dans laquelle devra

2 irer aussi un ou deux representants du Comite Economique —
aura pour täche )’etude des questions techniques comprises
ıs les paragraphes ı et 2 pp. 3,4, 5 de ce rapport.

‘‚a presence dans cette Commission de representants de notre
nite est justifige par l’introduction dans la nomenclature tech-
ue miniere de notions Economiques qui neEcessitent des de-
tions precises. De plus pour lunification de methodes de sta-
ique, la Commission mixte deja existante pourrait utilement

: ;aborer avec la Commission speciale des mines en la faisant

1. fiter des methodes deja mises en ceuvre jusqu’a present.

1 t. Toutes les questions €conomiques comprises sous la rubrique
nomie Miniere (par. 3, p. 6 de ce rapport) ainsi que celles qui
Irraient etre envisagees au courant des travaux, seront etudiees
le Comite Economique qui pourra s’adjoindre des experts en
jere miniere, selon la procedure qu'il a deja utilisge jusqu’ä
jent, s’il le juge opportun.
je sont ces modestes suggestions que je soumets a notre Comite
nomique.

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Eugene Neculcea,
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Comite Economique
Institut international des mines
Rapport du Professeur Neculcea
I. Neculcea a essaye de degager les grandes lignes de cette
stion complexe; en premier lieu, il avait pense qu'il s’agissait
ne question de nomenclature purement executive, mais en etu-

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