Mit Recht durfte man erwarten, daß nunmehr Alarm geschlagen und die Niederwerfung der Aufständischen gefordert werden würde, Was tat aber das ZK der Kuomintang? Die Presse reagierte in keiner Weise. Eine Woche, zwei Wochen vergingen — kein Wort, als ob überhaupt nichts vorgefallen wäre. Aus Hunan trafen Delegationen von Arbeitern, Bauern und Händlern ein, Das Zentralkomitee der Kuomintang schob jedoch die Angelegenheit auf die lange Bank... Es war „beschäftigt, Endlich ernannte das ZK eine Kommission, die sich an Ort und Stelle begeben sollte, um die aufständischen Konter- revolutionäre zu überreden, mit den Waffen keinen Mißbrauch zu treiben. Die aus fünf Mitgliedern unter dem Vorsitz von Wagtschinwei gebildete Kommission reiste nach Tschangscha ab, kehrte aber unver- richteter Sache zurück, da die Aufständischen die Eisenbahnverbindung unterbrochen hatten und sich weigerten, die Kommission mit Wangt- schinwei als Hauptwortführer nach Tschangscha durchzulassen, Die Zeit verging, Schlecht bewaffnete Formationen der Bauern rückten gegen Tschangscha vor. Man empfing sie mit Maschinen- gewehrfeuer und richtete unter ihnen ein fürchterliches Gemetzel an. Das Komitee zögerte noch immer, Mitte Juni raffte es .sich endlich auf ,., es entsandte den General Tsaolan, der den Zwischenfall bei- legen sollte. Er reiste ab. Und ihn ließ man nach Tschangscha, denn er war ja einer der Ihrigen, Tsaolan berief das Offizierskorps ein. An der Versammlung nahm auch der General Sukeisiang teil. Tsaolan eröffnete den Offizieren, ihr Verhalten hätte das Zentralkomitee der Kuomintang in „Erstaunen“ versetzt. Man antwortete ihm, es wäre zu Ausschreitungen gekommen, man hätte die Ordnung herstellen müssen und sie hätten schon ein Komitee zur Rettung oder Säuberung der Kuomintang gebildet, Was tat darauf der Abgesandte der Kuo- mintang, der General Tsaolan — er trat in das Komitee ein, legalisierte also die Konterrevolution, Sogar für den Außenstehenden, für mich z, B., war es nach kurzem Aufenthalt klar, daß die Fäden der Ereignisse in Tschangscha sich unmittelbar zum Zentralkomitee der Kuomintang, unmittelbar zur nationalen Regierung spannten. Schriftliche Beweise habe ich nicht, eine ganze Reihe indirekter Anhaltspunkte weisen aber darauf hin, daß das Mitglied des Politbüros Tanjenkai die Seele der Sache war, Wie sicher sich die Konterrevolution fühlte, geht aus folgender Tatsache hervor, die ich erst später erfuhr, Sie bestätigte mir, daß die Konter- revolution mit den leitenden Organen der Kuomintang und der natio- nalen Regierung verbunden war. Ende Mai: versammelte sich in Wuhan die Generalität zur Beratung der Frage des Aufstandes von Sadsuin und Sukeisiang, Der Kriegsrat beschloß einmütig, die Tat Sukeisiangs — den Aderlaß der Arbeiter und Bauern — zu billigen. Die Militärs sympathisierten eben- falls mit Sadsuin und seinem Feldzug gegen die Bauern. Die Frage stand so: soll man die Kollegen unterstützen, oder nicht? Man war allgemein für die Unterstützung. Die Meinungsverschiedenheiten ent- standen erst in den Schlußfolgerungen aus einer solchen Unterstützung. 1