Ip 6 ‘ DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE Apfel beißen, weil ich nicht weiß, bei welcher der Göttinnen ich an- beißen soll. Bei der Schwarzen mit den glutvollen Augen? Horch! Sie spricht. Was sagt sie? „Ich heirate mal nur aus Liebe.“ Sehr brav. Aber ein wenig altmodisch. Um nicht zu sagen, altbacken. Ich glaube, die kann man zu Hause beim Backen bewundern. Von einem modernen jungen Mann wird sie den Apfel nicht bekommen, Übrigens bekommt man im Golf-Hotel wundervolle Äpfel. Überhaupt die Ver- pflegung!! Und die Weine!!! Ja, um auf den modernen jungen Mann zurückzukommen: Was würden seine ebenso modernen Freunde sagen? Also: Vorüber, ihr Schafe, vorüber. Still. Die Zweite spricht. Sie ist brünett, hat Augen wie Van Dyk- brauner Samt und die Haut von einem Pfirsich entliehen. Sie sagt schmelzend: „Ich heirate mal nur einen sehr reichen Mann!“ Dabei blickten ihre Augen rätselvoll und abgrundtief. Wie die sehn- suchtsvollen Träumeraugen des „Märchens‘“ auf dem Bild eines Malers einer vergangenen Epoche. Ich glaube, er hieß Graefe, Das Bild, unter dem Namen „Märchen“ bekannt, hatte vor ungefähr vierzig Jahren großes Aufsehen erregt. Hauptsächlich des Modells wegen. Es war nämlich auch ein solches Luderchen wie dieses brünette Märchen des Golf-Hotels in Winkelhausen. Warum denke ich an dieses vergessene Märchen? Das Bild hängt in meinem Hotelzimmer. Übrigens — — — die Zimmer dieses Hotels! Ich sage Ihnen: ein Märchentraum! Darum träumt man auch so gut und von lauter entzückenden Märchen. Nein! Dieses entzückende Kind ist kein Märchen. Es ist mir wieder zu modern. Es bekommt den Apfel auch nicht. Aber die Dritte! Himmel, ist die schön, Blond. Zart. Blauäugig. Ein Engel in menschlicher Gestalt. Jetzt erwacht sie wie aus tiefem, süßem Traum. Ich möchte ihr zu Füßen sinken und ihr den Apfel auf einer goldenen Schüssel reichen. Wie Herodes der Salome das Haupt des Jochanaan reichen ließ. Nun öffnet sie die purpurnen Lippen. Zwei Reihen Elfenbein blitzen. Träumerisch, ganz versonnen flüstert sie: „Ich heirate mal nur einen sehr reichen Mann aus Liebe!“ Da habe ich den Apfel doch selbst verspeist. Aber ich verschluckte mich dabei und mußte furchtbar husten. Die Zweite und die Dritte Jachten. Lustig. Übermütig. Lachten mich armen Paris einfach aus, Aber die Erste? Die nur aus Liebe heiraten wollte? Sie sprang auf, eilte auf mich zu und fragte mütterlich: „Haben Sie sich sehr weh getan? Kann ich Ihnen helfen? Sagen Sie es mir!“ Den. Apfel hat keine bekommen. Aber die Erste ist jetzt meine Frau. Sie backt wundervollen Apfelstrudel. Und überhaupt und so! Sie hat mir in jeder Beziehung geholfen. Ich habe auch keine Löcher mehr in den Strümpfen und ich habe Knöpfe an meinen Hemden. Ich habe auch „Knöpfe“ in der Tasche, denn meine Frau ist sehr sparsam, Aus Liebe! Die Zweite und die Dritte aber sitzen noch immer, wo, das weiß ich nicht,