DIE NEGATIVE REKLAME 583 sogleich der ganze künstliche Theaterdonner aufgezogen. Nicht nur die kleine Mücke, die der Wehleidige für einen Elefanten hielt, wird in Grund und Boden gedonnert, sondern sämtliche Hotels und Gaststätten jenes Ortes, ja, der ganze Ort selbst, werden mit Fluch und ewiger Verdammnis bedroht. Diese Verallgemeinerung ist es, gegen die man sich immer, wenn sie verübt wurde, recht kräftig zur Wehr setzen möge. Man wende sich gegen das einseitige Hinausschreien von Be- schwerden, ohne daß man es für nötig hielt, den angegriffenen Teil vorher mit der schüchternen Frage zu belästigen: Was hast du dazu zu sagen? Verhält die Sache sich wirklich so oder hat unser Gewährsmann — es kann auch eine Gewährsfrau gewesen sein — erst durch die berühmte Verärgerungsbrille gesehen und sich dann auch noch die Vergrößerungsbrille auf- gesetzt? In dem Abschnitt „Die heitere oder satirische Episode in der Kurort-Werbung‘“ habe ich einen Fall, der sich tatsächlich ganz genau so, wie ich ihn schildere, zugetragen hat, zu einer grotesken Satire verarbeitet. Er ist typisch für das, was ich in diesem Kapitel zu geißeln versuche! Ungehörig ist es, wenn jemand für „seinen“ rein persönlichen Verärgerungsfall die Allgemeinheit verantwortlich macht und sie zu strafen versucht, indem er Druckerschwärze verspritzt. Ungehörig ist es, wenn irgendeine Zeitung sich ohne weiteres zum Sprachrohr solcher Entrüstungstöne macht, ohne vorher die Wahrheit zu erfor- schen. Mir kommen solche Zeitungen und Zeitschriften vor wie der verstorbene sächsische Abgeordnete Julius Kell, der in der zweiten Kammer einmal gesagt hat: Die Gründe der Regierung kenne ich nicht, aber ich muß sie mißbilligen! Jene Blätter kennen die Wahrheit gar nicht, versuchten sie auch nicht zu erforschen, aber sie sprachen dem angegriffenen Teile ihre Mißbilligung aus. Ein viel, viel Größerer als der Abgeordnete Kell, nämlich der Alte Fritz, dem Toleranz Herzensbedürfnis und nicht nur Regierungskunst war, hat allerdings einmal das wirklich könig- liche Wort gesprochen: Gazetten müssen nicht geniert werden! Aber so hat er es doch nicht gemeint, daß sie das Recht haben sollen, ohne Verhör Urteil und Recht zu sprechen. Auch sehe ich den Grund nicht ein, warum gerade die Hotels, die Bade- und Kurorte, die Wintersportplätze vogelfrei für die Kritik sein sollen. Hat man es schon erlebt, daß eine Tages-