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        <title>Das Hotel- und Gastgewerbe</title>
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            <forname>Harry</forname>
            <surname>Nitsch</surname>
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        </author>
      </titleStmt>
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            <idno>1774764512</idno>
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        EIGENTUM
INSTITUTS
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Na 118558
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        MODERNE PROPAGANDA-METHODEN
DES HOTEL- UND GASTGEWERBES,
DER KURORTE UND DES FREMDEN-
VERKEHRS, DER PENSIONEN UND
KAFFEEHÄUSER
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        DAS
HOTEL UND GASTGEWERBE
MODERNE PROPAGANDA-METHODEN

VON
HARRY NITSCH

MIT ZAHLREICHEN ABBILDUNGEN
UND MUSTERBEISPIELEN

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FRIEDRICH FLOEDER VERLAG
DÜSSELDORF
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        Copyright by Friedrich Floeder, Düsseldorf
Druck der
Zlbemühl Papierfabriken und Graphische Industrie A. G.,
Wien VI., Gumpendorferstraße 87
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        INHALTSVERZEICHNIS

[INHALTSVERZEICHNIS

Dank . .

1. Auftakt . . .

2. Der Wert zielbewußter Propaganda

3. Was bezweckt die Reklame?

4. Vom Wert der Zeitungsreklame . . a

5, Welche Zeitungen und Zeitschriften wähle ich für meine Pro-
paganda? . . ;

6. Die technische Gestaltung des Inserats

7. Die Anzeige im Restaurantbetrieb

8. Der Reim in der Reklame . .

9. Die Zeitstrophe in der Reklame. . .

10. Vorsicht! Der Setzkasten ist oft des Inserenten Feind

11. Groteske Reklame durch orthographische Schnitzer .

12. Dauerwerbung durch das Kennzeichen . . . . -

13. Gemeinschaftsreklame der Hotels mit dem Kurort

14. Kombinierte Anzeigenreklame .. . . . +. +.

15. Ausnützung technischer Betriebseinrichtungen und die Reklame
dafür . . . .. „&amp;®&amp; Fr „4

16. Kollektivpropaganda durch korporative Vereinsreklame

17. Die Anzeige auf dem gastgewerblichen Arbeitsmarkt .

18. Der Inserent und der Zeitungsverleger . . . - -

19. Der „Blickfang“ . 0. 0.0000000000 0 HR HN

20. Propagandawinke für ein ungenügend besuchtes Hotel

21. Der illustrierte Faltprospekt . . . . . . +.

22. Der Wert guter und die Schädlichkeit schlechter Werbeschriften

23. „Unzweckmäßige‘“ und „richtige“ Formate der Werbeschriften

24. Die illustrierte Werbebroschüre . . . 2. 0.000044

25. Unzweckmäßige Werbebroschüren privater Verleger. .

26. Aparte, nicht schablonenhafte Werbemittel ... .

27, Eine nicht alltägliche Broschüre . . . . .

28. Hotelbroschüren für Autotouren und Schlittenfahrten . . . -

29. Feuilletonistische Werbung für einen Kurort und ein Kur-Hotel

30. Feuilletonistische Werbung für ein Großstadthotel . . . .

31. Feuilletonistische Werbung für. ein mondänes Gesellschafts-
Etablissement . 0.0.0000 RR ek Re HH

32, Groteske Werbung für ein hypermodernes Hotel, . , + -

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79
185
192
208
211
221
235
242
250
255
259
        <pb n="8" />
        INHALTSVERZEICHNIS

33. Die Kofferetikette als reisender Propagandist
34. Die Kofferetikette und das Abziehplakat . .
35. Die heitere oder satirische Episode in der Kurortwerbung
36. Ausnützung der Gelegenheiten . .
37. Propaganda durch Mediziner .
38. Studienreise der Ärzte. . . - .
39. Wissenschaftliche Studienreisen . . . . +
10. Erholungsreisen und Reisestipendien als Belohnung
41. Ferien für Jugendliche . . . . .
42. Wie und wann wirkt und wirbt das Plakat? . . .
43. Anregungen und praktische Beispiele für Preisausschreiben
und Wettbewerbe . . . 0...
Die Preiskonkurrenzen heim Sommersport
Die Preiskonkurrenzen beim Wintersport . . . -
Verhängnisvolle Wettbewerbe und Preisausschreiben
Wissenschaftliche Sportwochen oder Sporttage .
Die Mitarbeit der Schriftsteller und Journalisten
Journalistische Studienfahrten . . . . -
Vaterländische Werbemethoden . . . . .
Gefährliche Indiskretionen bei der Werbung .
Briefpapier als Werbehelfer. . . . . -
Der Briefumschlag als Werber. . . ..
Die Propagandawirkung des Namens. . . .
Fin internationales Wert-Kennzeichen für Hotels
Wie fessele ich meine Gäste? . . . .
Die Werbung für das eigene Hotel-Restaurant . nn
Die Schlüssel-, beziehungsweise Zimmerkarte als Werber
Ein kleiner, aber fleißiger Propagandist: die Ansichtskarte
Der Sprechbrief . . .
Gästewerbung durch Briefe
Der Auslands-Werbebrief ,
Propagandamöglichkeiten .
Stadtwappen und Reklame . . . + +.
Wann „empfiehlt“ sich die Empfehlungskarte?
Die Farbe in der Reklame. . . .
Das gute Lichtbild als Propagandahelfer . . . . .
Wichtige Kleinigkeiten im gepflegten Hotelzimmer sind aus-
zezeichnete Werbehelfer . . 0.000000 HH
Werbeprogramm eines großen internationalen Kurortes und
Sportplatzes 2. 0.000000 HN Hr
70. \rbeitsprogramm eines Kurort-Werbefachmannes
71. Der Kurdirektor . . . + -
72. Fremdenverkehrsvereine . . . .
73. Das Kaffeehaus in seiner Heimat. .
74. Der Wert persönlicher Beziehungen . . +. + -
75. Wie sorge ich für mein und ein gutes Andenken?
76. Die Propaganda im Ausland . . . 0. +. + + +
77. Bilder, die in Amerika gefallen und werbend wirken
78. Vom Wohltun. .

20.

264
284
286
292
295
298
300
302
305
306

320
336
347
356
360
362
366
370
373
377
386
395
400
105
412
117
421
430
432
440
1445
452
154
160
163
166

479
483
188
491
496
522
527
533
549
355
        <pb n="9" />
        INHALTSVERZEICHNIS

79. Die Modenschau im mondänen Hotel. . . .
80. Der Propagandawert von Kongressen und Ausstellungen
81. Der Ruhetag der Frauen . . 0. 0.0.0.0
82. Die Werbeaktion „Der aufmerksame Ehemann“ , .
83. Das „Wochenende“ und seine Organisierung . . . .
84. Nach dem Theater. — Nach der Abenduntierhaltung . . .
85. Eine kleine Werbekampagne anläßlich eines besonderen
Ereignisses ‚0.0.0.0...
Der Rundfunk als Werber. . .
Propaganda durch den Film . . .
Proteste gegen Filmreklame im Theater
Reklame durch Licht. . ....
Jie Reklame an der Landstraße . .
Die negative Reklame. . . ..
Der geschulte Reklamefachmann . .
Die Anzeigenzentrale des Reichsverbandes der Deutschen
Hotels, Restaurants und verwandter Betriebe E. V.. . . ..
Die Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung. . 5
Die Fremdenverkehrskommission der Bundesländer Wien und
Niederösterreich . . .. ..
Die Schweizer Verkehrszentrale .
Die italienische U-N-I-T.I . .
Die italienische ENIT. . . „0
Der Verband Deutscher Reklamefachleute E. V
Die Tätigkeit der Annoncenexpeditionen . . . . 5 ;
Schutz vor zudringlichen Anzeigenwerbern und zweifelhaften
Reklameunternehmungen . 2... ..
L02. Tricks wilder Adreßbuchunternehmer .
103. Versand der Werbeschriften . . ..
104. Erfolgskontrolle der Propagandamaßnahmen . 0
105. Reisebureaus sowie Hotel- und Fremdenverkehrs-Werbung . .
106. Adressen von Reise- und Verkehrsbureaus . . . ....
107. Adressen von Konsulaten .
108. Ausklang .

557
561
566
571
592
511

622
631
543
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553
573
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3885

386
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798
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        <pb n="11" />
        AUFTAKT

|. AUFTAKT
Wie der menschliche Körper nicht ohne regelmäßige
Nahrung und Luftzufuhr bestehen kann, so ist ein gedeihlicher
nationaler und internationaler Fremdenverkehr nicht dauernd
möglich, wenn er nicht durch zielbewußte, geschickte Werbung
unterstützt wird. Die Reklamekunst der am Fremdenverkehr
interessierten Industrien und Geschäfte hatte vor dem Welt-
kriege eine beachtenswerte Höhe erreicht. Seitdem hat in fast
ganz Europa eine Umschichtung der wirtschaftlichen Verhält-
nisse stattgefunden, die sich auch auf die Reklame auswirkt.
Die Umschichtung hat natürlich auch die bürgerliche Gesell-
schaft in Mitleidenschaft 8°z0gen, was ganz besonders eindring-
lich beim Fremdenverkehr und also auch bei den Gästen der
Hotels und sonstigen Gaststätten in Erscheinung tritt. Nament-
lich die erstrangigen Hotels bekommen dies zu spüren. Viele
ihrer früheren Gäste sind verarmt und kommen überhaupt
nicht mehr in Betracht. An ihre Stelle ist eine neue Schicht
getreten, der vielfach die Reiseroutine des einstigen guten
Mittelstandes noch fehlt und der vor allem die Kenntnis von
Land und Leuten mangelt, die der jetzt verarmte Mittelstand

Sich auf seinen vielen und großen Reisen erworben hatte. Das
ist der wunde Punkt für die Hotels der meisten europäischen
Länder.

Die Reisenden vor dem Weltkriege kannten viele Hotels von
früheren Reisen her, bevorzugten sie und empfahlen sie ihren
Freunden und Bekannten, machten also für sie freiwillige und
wertvolle Reklame. Die Hotels in den internationalen Reise-
ländern wiederum konnten mit einem festen Stamm treuer
Gäste rechnen, der entweder selbst immer wieder kam oder
Seine Freunde und Bekannten sandte. Die Hotelbesitzer hatten
also auf jeden Fall einen bestimmten Kreis von Kunden in
        <pb n="12" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
den verschiedensten Ländern, an den sie sich mit ihrer regel-
mäßigen Werbung wenden konnten. Auf diesen sehr wertvollen
Teil der persönlichen Werbung komme ich in späteren Kapiteln
ausführlicher zurück.

Namentlich die Hotelbesitzer, aber auch alle Kur- und Bade-
orte sehen sich jetzt zu einer völligen Neuorientierung bei ihrer
Reklame gezwungen. Diese Neuorientierung wird nicht nur
durch die bereits erwähnte gesellschaftliche Umschichtung er-
schwert, sie findet weitere Hindernisse in folgenden zwei
schwerwiegenden Tatsachen.

Bei der älteren Generation sind die früher gemachten prak-
tischen Erfahrungen vielfach in Vergessenheit geraten. Das
„Reklameschwert‘“ konnte fast zehn Jahre lang nicht benützt
werden, es war rostig und schartig geworden. Die jüngere
Generation dagegen weiß von den früheren Werbungsgepflogen-
heiten fast nichts mehr! Sie sieht sich einem völligen Neu-
land gegenüber, dessen Bearbeitung weit schwieriger ist als
früher, weil auch der Kampf ums Dasein schwerer und die Kon-
kurrenz der einzelnen Reiseländer untereinander schroffer und
intensiver geworden ist.

Wir stehen also auf einem sehr wichtigen Gebiete vor einer
fühlbaren und empfindlichen Lücke. Wohl sind in der Fach-
presse einzelne Aufsätze über Reklame der Hotels, Kur- und
Badeorte usw. erschienen, die belehren wollten. Sie sind aber
in den verschiedensten Blättern zerstreut und dürften das Los
so manchen wertvollen Artikels teilen: Im geeigneten Augen-
blick nicht zur Hand oder vergessen zu sein!

Das vorliegende Werk hat sich selbst die Aufgabe gestellt,
diese Lücken zu schließen. Natürlich soweit das in den Kräften
eines einzelnen steht. In 107 Kapiteln sind die praktischen Er-
fahrungen, die regen Beobachtungen und die kritischen Erleb-
nisse eines langen Berufslebens niedergelegt worden. Die Er-
innerung an früher erprobtes Gutes soll wieder zum Leben
geweckt werden. Mit dem guten Alten sollen die bemerkens-
werten Fortschritte der Neuzeit verknüpft werden. Wenn der
Verfasser auch nicht die Absicht hatte, ein „Lehrbuch“ der
Reklame für die Hoteliers und alle übrigen Interessenten am
nationalen und internationalen Fremdenverkehr zu schreiben,
so hat er doch nach seinen bescheidenen Kräften versucht, eine
Fülle von Anregungen zusammenzutragen, die, bei richtiger
        <pb n="13" />
        AUFTAKT

Ausnützung, wohl geeignet sein könnten, den Interessenten
vielseitig zu nützen.

Über den Wert und die Zweckmäßigkeit einer planmäßigen
Reklame begegnet man in Hotelierkreisen noch vielfach skepti-
schen Ansichten. Die Skepsis mag ihre Ursachen darin haben,
daß manche Hoteliers übersehen, daß gerade die Fremdenver-
kehrsreklame auf lange Sicht eingestellt sein muß. Es erscheint
mir deshalb notwendig, in dem folgenden Abschnitt zunächst
ein paar Worte über den Wert zielbewußter Propaganda
zu sagen.
        <pb n="14" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

9 DER WERT ZIELBEWUSSTER
PROPAGANDA
Die Vereinigung der Reklameagenten in den Vereinigten
Staaten von Nordamerika hatte Anfang 1925 eine außer-
ordentlich interessante Feststellung gemacht. Sie wies nach,
daß die in Amerika für Reklame aufgewendeten Summen im
Jahre 1924 ganz außergewöhnlich angewachsen waren, Im
Jahre 1923 sind in den Vereinigten Staaten rund 250 Millionen
Dollar für Reklamezwecke ausgegeben worden. Für die Zeit
vom 1. Januar bis zum 1. Oktober 1924 — also in nur drei-
viertel Jahren — verzeichnete der genannte Verein schon 300
Millionen Dollar an Reklameaufwendungen. Das ist ein Mehr
von rund 15% gegenüber dem Vorjahr. Der Sekretär der Ver-
einigung der amerikanischen Reklameagenturen glaubte, aus
diesen Feststellungen den Schluß ziehen zu dürfen, daß der
Konsum des Landes um mindestens den gleichen Prozentsatz
steigen werde und daß infolgedessen die günstigsten Aussichten
für die Überwindung der Wirtschaftskrise bestünden, die
zur Zeit jener Feststellung in Amerika herrschte. Die Ereignisse
haben der genannten Vereinigung Recht gegeben.

Wir sind zwar noch nicht ganz von dem entsetzlichen
Zahlenwahnsinn geheilt, in den die unselige Inflationsperiode
alle europäischen Länder mit kranker Valuta gestürzt hatte.
Aber wir konnten uns doch so viel gesunden Zahlensinn zurück-
erobern, um volles Verständnis für die Feststellung der Ver-
einigung amerikanischer Reklameagenturen zu haben.

300 Millionen Dollar, das sind rund 1260 Millionen Gold-
mark für Reklame in dreiviertel Jahren! Es ist ungefähr der
vierte Teil jener Summe, die der deutsche Reichsfinanzminister
als Gesamtbedarf der Länder und Gemeinden für das Jahr 1925
errechnet hatte, nämlich 5320 Millionen Mark. Glückliches
Amerika!
        <pb n="15" />
        DER WERT ZIELBEWUSSTER PROPAGANDA 15

Noch interessanter, gigantischer in ihren Zahlen ist eine
neueste Feststellung, die eine angesehene und weit verbreitete
amerikanische Zeitschrift, die „Atlantic Monthly“, gemacht hat.
Ihr zufolge gibt Amerika jährlich für seine Reklame aus:

Annoncen und Zeitungen . . 0
Direkte Reklame (persönliche Offerte, Prospekte)
Reklame in literarischen Zeitschriften . . .
Reklame in Fachzeitschriften . . . . .
Reklame in landwirtschaftlichen Zeitschriften
Plakatsäulen und Wände .

Schaufenster. . ..

Reklame anderer Art .

Jährliche Ausgabe für Reklame

In Millionen Dollar
600
300
150
70
„7
30
20
2

Das wären nahezu 5% Milliarden deutsche Reichsmark oder
mehr als 6% Milliarden Schweizer Franken.

Um diese gigantischen Zahlen überhaupt verstehen zu
können, ist ein kurzer Hinweis auf die psychische Einstellung
des Amerikaners zur Reklame notwendig. Sie unterscheidet sich
ganz wesentlich von der Einstellung des Europäers. In dieser
Einstellung sind aber zugleich die Ursachen für die riesen-
haften Aufwendungen und für die staunenswerten Erfolge der
amerikanischen Reklame zu suchen.

In den Vereinigten Staaten blickt die Reklame auf eine lange
Geschichte und Tradition zurück. Schon seit der Gründung
dieses riesigen Staatengebildes arbeitet die amerikanische Wirt-
schaft mit Reklame. Benjamin Franklin hatte bereits ein dies-
bezügliches Wirtschaftsprogramm aufgestellt. Der Reklame
günstig war allerdings die Tatsache, daß in Amerika schon
seit Jahrzehnten alle wirtschaftliche Tätigkeit spezialisiert
wurde, spezialisiert werden mußte, weil die dortigen Verhält-
nisse dazu zwangen, möglichst viele Menschenkräfte auszu-
schalten und an ihre Stelle die Maschinen zu setzen.

Zu dieser Entwicklung sieht man sich jetzt allerdings auch
in Europa gezwungen. Hier heißt das neue Schlagwort schon
nicht mehr Spezialisierung, sondern Rationalisierung. Bis kurz
vor Ausbruch des Weltkrieges haftete der Reklame noch ein
gewisses Odium an, das ihr selbst, vor allem aber ihrer Wirkung
auf die Massen, abträglich war. Man sah in der Reklame nicht
das, was sie wirklich ist, nämlich ein Mittel, eine gute Sache
        <pb n="16" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
bekannt zu machen, die Kunde von ihrem Vorhandensein in die
breitesten Volkskreise zu tragen. Es verband sich vielmehr mit
dem Begriff „Reklame‘“ der vielsagende Begriff „Humbug‘‘,
Namentlich die amerikanische Reklame wurde von diesem
Gesichtspunkt aus gewertet und damit war sie für den Euro-
päer gerichtet. Er konnte sich von dem Gefühl nicht befreien,
daß ihm mittels marktschreierischer Reklame etwas Schlechtes
oder wenigstens Minderwertiges für teures Geld aufgedrängt
werden sollte. Man war in Europa lange Jahre der Meinung —-
in gewissen Kreisen ist man es sogar heute noch — daß
Reklame die Ware ganz überflüssig verteuere und daß gute
Ware für sich selbst sprechen müsse und es auch tun werde.

Ganz anders dachte und denkt man in Amerika über die
Reklame. Der Amerikaner jeden Grades hat die psychologische
Einstellung, daß alle Dinge und Waren, für die Reklame
gemacht wird, viel gekauft werden, mithin billig fabriziert
werden können, daß er also vorteilhaft und billig kauft, wenn
er Reklameartikel kauft. Bei dieser Einstellung hat natürlich
die Reklame von vornherein eine große Chance des Erfolgs für
sich, wenn sie geschickt gemacht ist. Die geschickte Reklame ist
Sache eines gründlichen Studiums und peinlicher Vorarbeiten in
den großen Reklameagenturen. Die Zeitungen und Zeitschriften,
in denen die Reklameinserate erscheinen, klären ihre Kunden
auf, in welchen Straßen ihre Abonnenten wohnen und wie
die wirtschaftlichen Verhältnisse der Abonnenten sind. Sie
besitzen ‚genaue Registraturen und Kartotheken mit allem
Wissenswerten über Zahlungsfähigkeit ihrer Leser. So wissen
die Inserenten immer, in welche Hände ihr Inserat kommt. Die
Agenturen und Zeitungsredaktionen werden in ihrer Organi-
sationsarbeit unterstützt durch die staatlichen statistischen
Bureaus und die Universitäten. Hier wird Unterricht gegeben
in Theorie und Praxis der Reklame, hier erfolgt die Schulung
über die Marktkunden und Geschmacksbildung. Die Reklame
ist in Amerika eine ernste Wissenschaft, eine Kunst, eine
organisierte Verkaufsmethode, Kein Wirtschaftszweig für sich,
sondern nur ein Ring in der Kette des Wirtschaftsprozesses
zwischen Fabrikation und Verkauf.

Diese für Amerika schon alte Erkenntnis bricht sich in
Europa erst seit wenigen Jahren langsam Bahn, Rein äußerlich
tritt es dadurch in Erscheinung, daß wir zum Beispiel in
Deutschland eine kleine Anzahl zum Teil sehr gut redigierter
        <pb n="17" />
        - A.
DAVO:;
Der Sommer:
Frholunasor

Ganz geschickt, im Zeitalter des rasenden Automobils an die romantischen und
idyllischen Fahrten im bequemen Landauer zu erinnern
        <pb n="18" />
        DAVOS
Ein Jungbrunnen dank
seiner Luft und Sonne

Anpassung an den Zeitgeschmack: Licht, Luft, Sonne!
        <pb n="19" />
        DER WERT ZIELBEWUSSTER PROPAGANDA

15

Reklamefachzeitschriften‘) haben, und daß die Reklame-
fachleute sich zu aufstrebenden Organisationen zusammen-
schließen konnten, deren bedeutendste der „Verein Deutscher
Reklamefachleute‘“ und der „Bund Deutscher Gebrauchs-
Graphiker‘“ sind. Ich kann jedem Angehörigen des Hotel- und
Gastgewerbes, der irgendwie mit der Reklame zu tun hat oder
sich mit ihren Belangen vertraut machen will, allen Leitern von
Kurorten und Fremdenverkehrsstädten nur dringend raten,
diese Reklamefachzeitschriften oder wenigstens eine davon
regelmäßig zu lesen. Das Studium wird sie vor manchem
Fehler bewahren und zugleich. wertvolle Anregungen geben.
Unerläßlich ist dieses regelmäßige Studium für jeden, der als
Kurdirektor, Verkehrsdirektor oder Kurkommissar auch die
Werbung für seinen Kurort oder für seine Fremdenverkehrs-
stadt zu besorgen hat. In diesen Kreisen werden heute noch so
viele Fehler bei der Reklame gemacht, daß die Kenner der
Verhältnisse aus dem Achselzucken gar nicht herauskommen.
In späteren Abschnitten werde ich einige Fehler kritisch be-
leuchten. Schuld an derartigen Mißgriffen, welche die Reklame
zuweilen völlig wertlos machen und ins Gegenteil verkehren,
tragen allerdings nicht nur die vorgenannten Angestellten-
kategorien, sondern auch jene, die wenig befähigte Köpfe mit
der Bearbeitung dieser so überaus wichtigen Materie betrauten.

Wichtiger noch als Feststellung der Riesensummen, die in
Amerika für Reklame ausgegehen werden, erscheint mir die
weitere Feststellung:

Die Ausgaben für Reklame und die Steigerung des Konsums
gehen Hand in Hand!

Der Konsum ist von der Reklame abhängig!

Die Reklame hebt den Konsum!

Das sind keine neuen Weisheiten. Alle zünftigen Reklame-
Fachleute kennen sie längst. Aber in die breiten Schichten der
Völker ist diese Erkenntnis leider noch immer nicht genügend
eingedrungen. Es erscheint mir deshalb angezeigt und not-
wendig, diese Angaben an die Spitze meiner Ausführungen zu
setzen, die es sich zur Aufgabe machen, den Hoteliers und
anderen Fremdenverkehrsinteressenten die Wichtigkeit, Not-

*) „Die Reklame“, offizielles Organ des Vereins Deutscher Reklamefachleute,
Berlin W 30, Motzstraße 11. — „Seidels Reklame“, Berlin W 10, Genthinerstraße 42. —
„Die praktische Reklame“, Stuttgart-Cannstatt, Königstraße 56. — „A. Z. Anzeigenr-
zeitschrift zur Pflege wirkungsvoller Insertionsreklame‘“, Reutlingen-Stuttgart.
        <pb n="20" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
wendigkeit und Nützlichkeit einer zielbewußten Reklame vor
Augen zu führen.

Namentlich die deutsche, österreichische, schweizerische,
ungarische, tschechoslovakische und jugoslawische Hotel-
industrie leidet schwer unter der Ungunst der Verhältnisse. Ein
großer Teil ihrer Betriebskapitalien ist ihr weggesteuert worden.
Erdrückende Steuerlasten drohen ihr die Kehle zuzuschnüren.
Da müssen verdoppelte Anstrengungen gemacht werden, um
sich aus der schweren Lage zu befreien, um einer neuen Blüte
zuzustreben. Die Botschaft aus Amerika zeigt den Weg. Die
Hoteliers und Fremdenverkehrsinteressenten müssen sich
jenes erprobten Helfers in intensivster Weise bedienen, von
dem der Sekretär der amerikanischen Reklameagenturen hoffte,
daß er die Überwindung der dortigen Wirtschaftskrise er-
leichtern werde.

Als gründlicher Kenner der Verhältnisse in der internatio-
nalen Hotelindustrie und im Fremdenverkehrswesen will ich
daran erinnern, daß gerade diese Zweige der wirtschaftlichen
Betätigung nicht ohne gute und wirkungsvolle Reklame be-
stehen. können. Die Scheinblüte der Nachkriegszeit ist end-
gültig vorüber. Der Konkurrenzkampf hat wieder eingesetzt.
Vom schärfsten Konkurrenten jedes einzelnen Fremdenver-
kehrslandes, dem Ausland, wird er in rücksichtsloser Weise ge-
führt. Es genügt nicht, daß sich die Hoteliers redlich mühen,
ihre Betriebe wieder auf die mustergültige Höhe der Vorkriegs-
zeit zu bringen. Diese Anstrengungen werden nur dann von
vollen Erfolgen gekrönt sein, wenn auch ihre Reklame auf die
gleiche Höhe gebracht wird.

Um nicht zuviel Worte machen zu müssen, spreche ich nur von
Hoteliers und Fremdenverkehrsinteressenten. Natürlich meine
ich aber das ganze weitverzweigte Gebiet des gesamten Gast-
gewerbes, sowie des eng mit ihm verbundenen Fremdenver-
kehrs-, des Kur- und Bäderwesens. Auch die Heilanstalten, Kur-
häuser und Sanatorien gehören selbstverständlich dazu. Ich
wende mich also
an alle Besitzer und Leiter von Hotels, Fremden- und
Erholungsheimen, von Sanatorien und Kuranstalten;
an alle Kurdirektoren;
        <pb n="21" />
        DER WERT ZIELBEWUSSTER PROPAGANDA 2]

an die Leiter von Verkehrsbureaus und Fremdenver-
kehrsvereinen;

an die Besitzer und Leiter von Wein- und Bier-
Restaurants, Kaffeehäusern, Dielen und Bars; Konzert-
und Tanzsälen. Konditoreien und Speiseanstalten!

Alle müssen sich jetzt unbedingt wieder der Reklame be-
dienen. Wer sie vernachlässigt oder — was ebenso schlimm
wäre — sie nicht richtig anwendet, wird früher oder später die
Folgen zu spüren bekommen.

Reklame! Die Zeiten sind längst vorüber, da man bei diesem
Worte verächtlich an Amerika und in Verbindung damit an
Humbug oder an Barnum dachte. Allerdings denkt man heute
noch intensiver an Amerika, wenn man an Reklame denkt,
aber in ganz anderem Sinne als vor zirka 40 Jahren. Man be-
müht sich mit vollem Recht, die amerikanischen Reklame-
methoden zu studieren und das Beste daraus für den eigenen
Gebrauch zu entnehmen. Das ist gut so! Denn in der Geschäfts-
welt weiß man längst, daß Reklame kein leerer Wahn ist und
daß die zielbewußte, geschickte Reklame mehr denn je zu den
Lebensnotwendigkeiten jeder Industrie und jedes Gewerbe-
zweiges gehört, die den harten Daseinskampf erfolgreich be-
stehen wollen.

Einsichtsvolle, weitblickende Hotelfachleute wissen sehr
wohl, daß auch ein grundsolides, gutgehendes Hotel, Fremden-
heim, Sanatorium, Restaurant, Kaffeehaus usw. regelmäßige
Reklame notwendig hat. Es ist kein Märchen, daß in der Vor-
kriegszeit gar manche Gaststätte zu hoher Blüte kam, weil ihr
Besitzer oder Leiter sich in geschickter Weise der Reklame zu
bedienen wußte. Auch aus der Industrie und dem Handel sind
zahlreiche Fälle bekannt, da der Grundstein zu späteren
Riesenvermögen durch die wirkungsvolle Art der Reklame ge-
legt wurde. Ich will nur ein einziges Beispiel anführen: der
Großindustrielle Lingner in Dresden, Fabrikant des Odols,
aus kleinsten Anfängen hervorgegangen, hinterließ bei seinem
1916 im besten Mannesalter erfolgten Tode ein Vermögen von
etwa 14 bis 15 Millionen Goldmark. Der Grund zu diesem
        <pb n="22" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
"AND! LAND!

Wir sind 3000 Meilen von Cherbourg,
Wir haben seit fünf Tagen kein festes
Land gesehen.

Fünf Tage der Erwartung! Wie wird
ıns Amerika erscheinen? — Und jetzt
Land! New York! .

Vor uns die Freiheits-Statue, die
beim Herannahen immer größer und
majestätischer erscheint. Zu unserer
Linken Ellis Island, Governor zu un-
serer Rechten. Weiter entfernt zeichnet
sich malerisch die Silhouette von Man-
hattan Island vom blauen Himmel ab.

Den Hafen bevölkern Schiffe von
allen Größen, Kleine Zollboote nähern
sich, Flußdampfer grüßen durch das
Pfeifen der Sirenen den Überseeriesen,
ler sich majestätisch dem Docke nähert.

In welchem Hotel wollen Sie ab-
steigen? Wenn Sie das Pennsylvania
wählen, so werden Sie den angenehm-
sten Aufenthalt in New York haben.

NEW H OTEL YORK

Das Pennsylvania ist das größte Hotel
der Welt, 2200 Schlafzimmer mit Bad.
Es ist eine Stadt für sich. Sieben ver-
achiedene Restaurants, türkische Bä-
der, Theaterbillettverkauf, Frisiersalons,
Eildienst, Reise- und Verkehrsbureau,

Das Pennsylvania ist sehr zentral ge-
legen. Die fünfte Avenue und ihre Ge-
schäfte, Broadway und seine Theater,
Omnibus, Elektrische und Untergrund-
bahn, alles findet sich nahe dem Hotel.

Am Abend tritt absolute Stille ein.
Der Dienst ist getan. Sorgfalt und
Höflichkeit werden der geringsten Sache
entgegengebracht.

Sıe können Ihre Zimmer telegra-
phisch bestellen: Penn-Hotel New York.
An Bord des Schiffes durch Cook
und Statler. Diese Bureaus werden
[hnen bereitwilligst eine Broschüre über-
senden, die alle Einzelheiten, Preise
usw. angibt.

Angesichts der nahen Landung, also auf hoher See, bringt dieses New Yorker Riesenhotel
sich den Passagieren der Ozeandampfer in empfehlende Erinnerung.
        <pb n="23" />
        DER WERT ZIELBEWUSSTER PROPAGANDA
DIE STIMME EINER
GROSSEN STADT

Frische Luft umfächelt Ihr Gesicht.
Der klare Himmel ist mit Sternen
übersät. Aufstrebende Wolkenkratzer zu
allen Seiten. New York! Das ist der
Blick vom Hotel Pennsylvania,

Die Neue Welt liegt zu Ihren Füßen.
Am Tage eine neue, interessante Welt.
Und des Nachts ist der Blick vom Hotel
geradezu feenhaft. Dieser Blick allein
(ohnt eine Reise nach New York.

Ihre Ohren sind berauscht von den
[remden Lauten, denen sich die Jazz-
Band des Hotel-Orchesters hinzuge-
zellt. Von fern ein gedämpftes Durch-
einander: das Rollen der Elektrischen,
die Hupen der Automobile, das
Ausrufen der Zeitungsverkäufer, das
Pfeifen der Sirenen von den Hudson
Dampfern. Das alles formt sich zu
einer eigenartigen, endlosen Sym-
ohonie.

Die Stimme einer großen Stadt!

Hören Sie diese vom Dache des Hotels
Pennsylvania. Sie können dort essen
ınd tanzen, hoch über New York.

Und später fahren Sie mit einem
jer großen Lifte hinab, um in ihrem
Zimmer die größte Ruhe und Komfort
zu haben.

2200 Zimmer mit Bad enthält das
Hotel Pennsylvania.

Sie haben in nächster Nähe des Hotels
alles, was Ihnen New York bietet:
Kaufhäuser, Theater, Untergrund, Omni-
aus und Elektrische.

Gehen Sie nach Pennsylvania. Sie
zönnen jetzt Ihre Zimmer telegraphisch
bestellen oder auch bei Cook und Statler.
Diese Büros senden Ihnen auf Ihren
Wunsch bereitwilligst eine illustrierte
Broschüre, aus der Sie alles erfahren
können.

PENNSYLVANIA
NEW HOTEL YORK

Aparte Reklame eines New Yorker Hotels auf dem Ozeandampfer. Es schildert
den Passaaieren die ihrer im Pennsulvania harrenden Annehmlichkeiten.
        <pb n="24" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Riesenvermögen wurde durch die Reklame gelegt, die jener
Mann allerdings meisterhaft beherrscht hat.
Richard Wagner läßt in seinen Meistersingern den Hans

Kit der goldenen Medaille ausgezeichnete Reklame-Anzeigen für das bekannte Hotel
Chateau Frontenac, ein früheres altes Kastell, in Quebec, Kanada.

z
[m

J D N E
JUEBEC'S QUAINTEST MONTE
w know IL. Few.deem {possible ‚Here, In dene. het
Eee ei en pesaynıt houses, fresbly

Little girla, in starched ag tere
=pilgrims. Oxen plowing--women blanting."..Thru (Quebec)
hedievel street pass age-okd religivus and patriotic cewemonlale.
In 500-foor-high Dufferin Terrice ims-honarpd French evening
ksrades and concert... Chateau Pronsenac, like a huge baronia!
EA

ro u
hie place! Inceresting Hcerature and bar st Cana-
Star Pacific, 344 Madizon Avepue st 44th Stress, New York
x Chatzau Prontense, Quebec, Canada.
F CHATEAU
BIENVENUE Ä A

N
\T AMERICAS MOST FAMOUS SHRINE
“hree centuries ag0,3 Breton sailors voyaged the Arlantic. They
zepe miraculously saved fram a storm. In gratitude, they built
chapel ‚to Ste, Anne. Today the chapc} is scill there,— hand-
zwn benches, hand-cut stones, historical oil paintings. Around
baue Ba a
„mine... Only an hour from Quebec. Take this road in June,
"hru 17th Century villages. Past wayside ehrines, Past the Falls
4 Montmarency, higher than Niagara... Ever and anon, down
",e St. Lawrence, glimpsesof Chateau Prontanac, standing wstride
Yuebecclif.... Please reserve now. Canadian Pacific, 44 Maglison
Ave. at 44th. Dlew York. or Chateau Fronzenac, Quebec, Canada
CHATEAU

Dies sind zwei Hotel-Inserate aus einer Anzeigenreihe, die in Zeitungen amerikanischer

Zroßstädte erschienen war. Sie wurde auf einer der umfangreichen Reklameausstellungen

ihres raffinierten, geschmacklich hochstehenden Werbecharakters wegen mit der
goldenen Medaille ausgezeichnet.

Sachs singen: „Verachtet mir den Meister nicht!“ Ich möchte
den Satz auf die Reklame anwenden und sagen: ‚Verachtet
mir die Reklame nicht!“ Sie leistet, vom Meister richtig ange-
wandt, Bedeutendes und führt zu großen Erfolgen. Im Hotel-,
Fremdenheim- und Gastgewerbe ist diese Wahrheit leider noch
nicht Allgemeingut geworden. Man ‚verachtet die Reklame
        <pb n="25" />
        DER WERT ZIELBEWUSSTER PROPAGANDA
nicht gerade, aber man behandelt sie öfter, als es gut ist, wie
etwas Nebensächliches und, was der größere Fehler ist, man
handelt bei ihrer Anwendung sehr häufig systemlos. Dies ist
die Ursache, daß so mancher Hotelier — mit scheinbarem
Recht — verächtlich sagen darf: Ich mache keine Reklame
mehr; mir hat sie noch nie greifbare Erfolge gebracht. Er weiß
eben nicht oder bedenkt es. nicht, daß auch bei der Reklame
nur dem der Erfolg winkt, der etwas leistet. Dem also, der
richtige Reklame macht! Niemand fliegen die gebratenen
Tauben in den Mund. Auch das Reklamemachen will gelernt
sein.

Liegt dem vielbeschäftigten Besitzer einer Gaststätte, sei es
nun Hotel, Kurhaus, Fremdenheim, Restaurant oder sonst ein
Betrieb, das „Reklamefach‘‘ nicht so, um sich mit einiger Aus-
sicht auf Erfolg persönlich zu betätigen, so ist es für ihn noch
lange keine ausreichende Entschuldigung, wenn seine für die
Reklame aufgewendeten Mittel nutzlos verpulvert werden.
Gibt es doch für solche Fälle bequeme und aussichtsreiche
Wege, um, ohne eigenen Schweiß zu vergießen, sich doch erst-
klassige Reklame dienstbar zu machen. Diese Wege wandle
ich in den folgenden Kapiteln und ich bitte den Leser um seine
freundliche Begleitung.
        <pb n="26" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

3. WAS BEZWECKT DIE REKLAME?
Zunächst eine Binsenweisheit: Jedwede Art von Reklame
muß so ausgeführt und gestaltet sein, daß sie ihren Zweck auch
voll zu erfüllen vermag. Deshalb sei daran erinnert, was mit
der Reklame bezweckt werden soll. Um nicht zu sehr in die
Breite schweifen zu müssen, will ich bei der Hotelreklame
bleiben. Sie ist identisch mit jeder gastgewerblichen Reklame
und dürfte vorbildlich für jeden anderen gastgewerblichen Be-
trieb sein. Ein „Lehrplan“ läßt sich natürlich nicht aufstellen.
Aber ich will bei dieser Gelegenheit wiederholt daran erinnern,
daß es außer dem im Verlage von C. Barth, Wien VL., er-
schienenen umfassenden „Lehrbuch der Reklame“ von Karl
Lauterer ausgezeichnete Fachschriften für das Reklamewesen
gibt, deren Studium jedem empfohlen sei, der irgendwie mit
Propaganda zu tun hat. In diesen Zeitschriften sind, außer be-
lehrenden und aufklärenden Aufsätzen und Notizen, Reklame-
muster aus der Praxis zu finden, die ein sich regelmäßig er-
neuerndes und ergänzendes Material liefern und ausgezeich-
neten Anschauungsunterricht erteilen. Regelmäßiges Studium
solcher Fachzeitschriften ist schon deshalb zu empfehlen, weil
man sich dadurch davor schützt, seine verfügbaren Mittel für un-
geschickte, unpraktische und infolgedessen wertlose Reklame
auszugeben.

Der erste und vornehmste Zweck jeder Reklame ist, meines
Erachtens, vom Vorhandensein des Hotels, der Gaststätte,
Kunde zu geben. Der Name muß sich einem möglichst großen
Interessentenkreise so fest einprägen, daß das Gedächtnis
beim leisesten Anstoß reagiert. Ich setze den Fall, daß Herr X.
plötzlich nach dem ihm unbekannten Y. reisen muß. Schon
taucht vor seinem inneren Auge das Zentralhotel in Y. auf, das
er zwar nicht kennt, dessen Name und Geschäftsbetrieb sich
        <pb n="27" />
        WAS BEZWECKT DIE REKLAME

ihm aber durch packende Reklamen und ein besonderes Merk-
mal fast unvergeßlich eingeprägt haben.
Hotel Europahof
an der Spitze

An
DRESDEN
Die berühmte Silhouette der Stadt ıst hier zum „Blick-
fang“ geworden. Der Anzeigenentwurf stammt vom Ge-
neraldirektor des Europahofes, Herrn Gustav Rücker.
Viele Hotel- und Fremdenheimbesitzer erwarten von ihren
Anzeigen unmittelbare Erfolge. Das ist natürlich falscher Opü-
Foremost

ı
Dieselbe Anzeige in kleinerer Ausführung jür
angelsächsische Zeitungen.

u.

mismus, dessen Nichterfüllung sie schließlich jeder Reklame
abgeneigt machen wird. Sie sagen sich nicht, daß ihre Anzeige
wohl kaum einen Menschen veranlassen wird, sofort die Koffer
        <pb n="28" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
zu packen und das inserierende Hotel National oder die Pension
Quisisana aufzusuchen, weil sie so wunderschön zu locken ver-
standen. Die Hotelreklame muß noch viel mehr als jede andere
geschäftliche Reklame auf Dauerwirkung eingestellt sein. Ein
Hotel ist kein Versandgeschäft. Das erwartet von jeder Anzeige,
mit Recht, den sofortigen Eingang möglichst vieler Bestellungen.
Der Hotelier dagegen sollte sich von vornherein mit dem
Gedanken vertraut machen, daß auf seine Anzeige in irgend-

. Hotel
zum Deufe

Mi
AN. 3A

sründet 1874
A1SCE
a

Ah

Das altangesehene Unternehmen, seit mehr als

50 Jahren im Besitze der Familie Hast, hat sich zu

einer Hotelstadt im kleinen entfaltet, in der man den

Geist umsichtiger, persönlicher Leitung wohltuend

bis ins kleinsie hinein verspürt. — Auskunft erteil}
Der Besitzer Hugo Hast.

a EEE BE
Entwurf der Anzeigenzentrale, Hamburg.
einem Blatte hin keinesfalls am folgenden Tage 90 Zimmer-
bestellungen, mit Bezugnahme auf das Inserat, eingehen
werden.
Da die Hotelreklame nur in Ausnahmefällen auf sofortige
Wirkung rechnen kann, ihr Hauptaugenmerk also darauf zu
richten hat, sich im Gedächtnis ihrer Leser oder Betrachter
möglichst fest zu verankern, SO müßte der Hotelanzeige eine
gewisse suggestive Kraft innewohnen. Wir erinnern uns alle
noch des wieder aus der Mode gekommenen „kategorischen
Imperativs‘‘ bei der geschäftlichen Reklameanzeige, die uns
beispielsweise in lapidarer Kürze zurief: Wasche mit Luft! Bade
        <pb n="29" />
        WAS BEZWECKT DIE REKLAME 29

zu Hause! Koche mit Gas! usw. Wir haben bei dieser katego-
rischen Aufforderung leise gelächelt, aber sie hat sich unserem
Gedächtnis doch rasch und dauernd eingeprägt. Das eben war
der Zweck der Anzeige.

Auf eine ähnliche suggestive Wirkung seiner Zeitungs-
reklamen sollte der moderne Hotelbesitzer bedacht sein. Ich will
damit nicht sagen, daß er etwa den kategorischen Imperativ
wieder zum Leben erwecken und den Leser seiner Anzeigen
auffordern soll:
Komme sofort ins Hotel Kosmopolit!

OOHNE IM SPLENDID-HOTEL!

DAS HOTEL UNIVERSUM ERWARTET DICH!

Aber der Hotelier sollte aus den zahlreichen Tagesbeispielen
lernen und sich bemühen, seinen Anzeigen ein bestimmtes, sich
dem Gedächtnis einprägendes Kennzeichen zu geben. Ein Kenn-
zeichen, das in jeder Anzeige des Hotels wiederkehren müßte,
ganz gleich, ob darin das Haus dem reisenden Publikum
empfohlen wird, ob Personal gesucht oder zu irgendeiner beson-
deren Veranstaltung eingeladen wird. Über dieses „Kennzeichen“
spreche ich unter Beigabe von Mustern noch in einem beson-
deren Abschnitt.

Was ich über die Hotelreklame sagte, gilt in den Haupt-
punkten auch für die Heilanstalten, Sanatorien, Kurhäuser
usw. Nur ist bei diesen scharfe Hervorhebung der Heilanzeigen,
der medizinischen Kapazitäten, der Heilfaktoren und aller zur
Anwendung kommenden Spezialmethoden notwendig.

Restaurants, Kaffeehäuser, Dielen usw. können bei ihren
        <pb n="30" />
        ff}

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Anzeigen schon etwas drastischere Mittel anwenden. Aber sie
dürfen, wenn sie auf Gäste aus der guten Gesellschaft Wert
legen, nicht zu drastisch werden. Wie es überhaupt meines Er-
achtens schon im ganzen Charakter des Gaststättenwesens liegt,
daß es seine Reklamen auf einen gewissen vornehmen Ton ein-
stellen muß, aus welchem Rahmen man nicht heraustreten
sollte.
iG 280 bis 300 Meler ü. M. .
Klimatischer Kurort in prachivoller Lage, unmillel-*
bar: an herrlichen meilenweilen Buchen- und
Fichtenwaldungen, Ausgangspunkt schönsier Harz-
partien (Selke- u. Bodelal), Mildes Klima, Mineral-
und alle sonstigen Bäder. Vorzügliche Holels und
Gasihäuser, Sanatorium, 12 Töchterheime. Billige
Wohnungen, preisw. Verpflegung, keine Kurlaxe.
Auskunft er en der Taagistrat,
Ojels:
Brauner Hirsch, Deulsches Hans, ‚Markgraf Cero,
Haus Hagental, Stadi-Park und Stiubenberg.

Entwurf der Anzeigenzentrale, Hamburg.

Für Wein- und Bierrestaurants ist regelmäßige Bekanntgabe
beliebter Spezialgerichte von ausgezeichneter Wirkung. Das
Hervorheben einer besonders süffigen und dabei preiswerten
Weinmarke, einer aparten Likörmischung versagt selten seine
Wirkung.

Lokale, in denen auf „Stimmung“ Wert gelegt wird, sollen
ihre Anzeigen daraufhin zuschneiden. Flotte, kecke Vierzeiler
mit guter Pointe erhöhen den Erfolg. Sind sie geschickt ver-
faßt, so wird das Publikum sich daran gewöhnen, in der
Zeitung danach zu suchen. Vom Suchen der Anzeige bis zum
Besuch des Lokales ist dann nur noch ein kleiner Schritt.
        <pb n="31" />
        VOM WERT DER ZEITUNGSREKLAME

»

4. VOM WERT DER ZEITUNGSREKLAME.

Was ich über die Reklame im allgemeinen ausführte, das
gilt im besonderen auch für die Zeitungsreklame, deren Wert
noch nicht genügend erkannt ist. Man muß sich vor Augen
halten, daß die Zeitung heute für sehr viele Menschen die treue
Beraterin in allen Lebenslagen ist. Das wird sofort deutlich,
wenn man den sogenannten „Briefkasten“ großer und auch
kleinerer Blätter aufmerksam verfolgt. Ähnliches kann man
in den immer häufiger werdenden Beilagen für „Reisen und
Touristik“, für „Wandern und Reisen“ oder wie sie alle heißen,
feststellen. In den Spalten dieser Reisebeilagen wird unzählig
vielen Menschen erst ihr „Reiseziel“ suggeriert. Sie hatten. näm-
lich vorher gar keines! Das schließlich gewählte Reisegebiet
oder der aufgesuchte Kurort wurden ihnen in ihrem Leibblatte
mundgerecht gemacht, ohne daß sie es merkten. Wenn diese
Unentschlossenen, von denen es ein großes Heer gibt, ihren
Bekannten freudestrahlend erzählen: Wir reisen nach Rügen,
oder in den Harz oder nach Thüringen, oder an den Rhein,
oder nach Oberbayern, oder ins Riesengebirge, oder an die
Nordsee, oder ins Wesergebirge, oder in den Taunus usw. usW.,
so sollten sie wahrheitsgetreu ausrufen: Unser „Anzeiger“ oder
unsere „Nachrichten“ schicken uns ins Isergebirge, oder in den
Westerwald, oder in die Rhön usw.

Dieses Kapitel von der Suggestionskraft unserer Zeitungen,
die wohl ein jeder schon an sich selbst erfahren hat, wenn es ihm
vielleicht auch nicht zum Bewußtsein kam, ließe sich noch lang
ausspinnen. Ich glaube aber, daß schon diese kurze Andeutung
genug Anregung zum ernsten Nachdenken geben wird. ‚Der
Amerikaner denkt, wie über die Reklame überhaupt, auch über
den Wert der Zeitungsreklame anders als die Mehrzahl der
europäischen Geschäftsleute. Allerdings bedient sich der ameri-
        <pb n="32" />
        EC,

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

kanische Reklamemann der Zeitungsreklame auch meisterhaft
und in einer Weise, die in Europa noch unerreicht ist. Man
sollte daraus lernen. Besonders
für die Werbung des Hotel- und
Gastgewerbes, des Fremdenver-
kehrs und der Kurorte ist die Zei-
tungsreklame das wichtigste und
zugleich wertvollste Instrument.
Wie ich in diesem Buch zeigen
werde, gibt es viele Werbemög-
lichkeiten. Aber keine einzige über-
trifft in ihrer Wirkung und in
ihrem Werte die Zeitungsreklame.
Natürlich ist aber auch dabei Vor-
aussetzung, daß die Reklame ge-
schickt aufgemacht ist und daß
man die richtigen Zeitschriften
und Zeitungen wählt. Gerade bei
der „geschickten‘ Aufmachung“
wird noch vielfach gesündigt. Man
denkt zu wenig daran, durch
aparte Form der Anzeige und von
der Alltagsschablone abweichende
Textanordnung das eigene Inserat
aus der Fülle der übrigen heraus-
zuheben. Die außerordentlich
große, suggestive Wirkung des
„Blickfanges‘“, der durch die Form
der Anzeige erreicht werden kann
und muß, wird nicht genügend be-
achtet. Wenn dann die Anzeige
infolge ihrer wenig vorteilhaften
Form die erhoffte Wirkung nicht
bringt, so pflegt man dafür die
Zeitung verantwortlich zu machen.
Zuweilen sehr zu Unrecht. Die
Schuld darf man nur bei sich
selbst suchen. Der scheinbare Mißerfolg kann sofort ins Gegen-
teil verkehrt werden, wenn man seinen Anzeigen die richtige,
ins Auge fallende, sie von der Masse abhebende Form gibt.
        <pb n="33" />
        VOM WERT DER ZEITUNGSREKLAME

#7

The Arrtof Dining
is best cultivated
where the Art of
Cooking is best
understood.

.

U: A
LAN
F_
&lt;a
(H
Al
Che
Ambassador
PARK AVENUE
AT SIsStSTREET

One meets people of
polish on the pol-
ished floor of the
AMBASSADOR GRILL
+take-your party
there tonight.
pi
1
Che
Ambassador
PARK AWENUE
ATS t 5TREET

To dine at the
AMBASSADOR
is to dine like
One,

"
he
Ambassador
PARK AVENUE
AT SY18t STREET

Das Hotel Ambassador, New York, wechselt ständig Texı und Zeichnung, wahrt aber
Irotzdem seinen bestimmten „Typ“, so daß die Anzeigen schon bei flüchtigem
Hinsehen als vom Ambassador erkannt werden.
        <pb n="34" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

5. WELCHE ZEITUNGEN
UND ZEITSCHRIFTEN WÄHLE ICH FÜR
MEINE PROPAGANDA?

In welchen Zeitungen und Zeitschriften inseriert man mit
größter Aussicht auf Erfolg? Diese in der Tat außerordentlich
wichtige Frage läßt sich mit Rücksicht auf ihre Kompliziertheit
jeider nur nach allgemeinen Gesichtspunkten beantworten.

Es wäre zum Beispiel sinnlos, wenn ein mit allen modernen
Einrichtungen ausgestattetes, erstklassiges Hotel oder Sana-
torium, ein vornehmes Weinrestaurant, eine elegante Diele usw.
in Zeitungen inserieren wollte, deren Leser sich hauptsächlich
aus kleinbürgerlichen Kreisen zusammensetzen. Ein Ge-
schäftsreisendenhotel wiederum wirft sein Geld zwecklos weg,
wenn es in Zeitungen oder Zeitschriften mit rein ländlicher
Leserkundschaft annonciert.

Ist das Verbreitungsgebiet und der Leserkreis der in Aussicht
genommenen Blätter nicht oder nicht hinreichend bekannt,
dann informiere man sich vor Aufgabe der Bestellung!

Hier sei ein Vorschlag eingeschaltet, der die Kollegialität in
den Dienst der guten Sache stellen möchte. Das „Informieren“
über eine fremde, in fremder Stadt erscheinende Zeitung oder
Zeitschrift ist für den Laien natürlich nicht ganz einfach. Hier
könnte vielleicht eine Art Auskunftsdienst auf Gegenseitigkeit
einsetzen. In einem späteren Abschnitt, worin ich mich mit dem
Briefpapier beschäftige, werde ich den Vorschlag machen, die
Beziehungen der Hotels untereinander, das Zuweisen der Gäste
durch Empfehlung, in den Dienst der Reklame zu stellen. Diese
Gegenseitigkeit könnte eine Erweiterung dadurch erfahren,
daß Hoteliers sich bereit erklären, über die an ihrem Wohnsitz
erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften ihren Kollegen un-
verbindliche Auskunft zu erteilen. Der Internationale Hotel-
        <pb n="35" />
        WELCHE ZEITUNG WÄHLE ICH FÜR MEINE PROPAGANDA 35

besitzer-Verein, Köln, hat einer diesbezüglichen Anregung bereits
Folge geleistet und gibt seinen Mitgliedern nach Möglichkeit
Auskunft über Wert und Charakter von Zeitungen und Zeit-
schriften. Eine ähnliche, nützliche Einrichtung sollten die
Hoteliervereine anderer Reiseländer ebenfalls schaffen, be-
ziehungsweise ihre Mitglieder zu solcher Auskunfterteilung an-
regen. So mancher Mißgriff bei der Wahl der Blätter würde
dann wahrscheinlich vermieden werden und manche Geldaus-
gabe würde nützlicher

angewendetwerden kön-

nen. Da die Hotelbesit-

zer, wie überhaupt die

Gaststätteninhaber, das

beliebteste Ziel aller

neuen Verlagsobjekte

sind, so könnte ein Aus-

kunftsdienst auf Gegen-

seitigkeit gerade hier

viel nützliche Arbeit lei-

sten. Diesem Gefällig-

keitsdienst würde die

dankbare Aufgabe zu-

fallen, bei den unheim-

lich zahlreichen Neuer-

scheinungen auf dem

Reklamemarkte die

Spreu vom Weizen zu

sondern.

Daß ein solcher Dienst eine Notwendigkeit ist, seine Ein-
richtung eine mehr als fühlbare Lücke ausfüllt, beweist ein
Blick in die Fachpresse des Hotel- und Gastgewerbes. Es er-
scheint kaum eine Nummer, in der nicht vor irgendeinem
zweifelhaften Reklameunternehmen gewarnt, vom Reinfall
eines Unvorsichtigen berichtet wird!

Ein merkwürdiger Mangel ist mir schon seit Jahren beson-
ders bei der Hotelreklame aufgefallen: Während Industrie,
Handel und Handwerk sich bei ihren Reklamen der eigenen
Fachpresse wie auch der anderen Fachzeitschriften in weitest-
gehendem Maße bedienen, übersieht das Hotelgewerbe be-
ziehungsweise übersehen fast die meisten Hotelbetriebe ihre
eigenen Fachzeitschriften sowie die Fachblätter überhaupt, also
        <pb n="36" />
        If

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

auch die anderer Industrien und Gewerbe, bei Verteilung der
Reklamen. Da ich weder Besitzer noch zurzeit Leiter irgend-
eines Blattes bin, darf ich wohl das Recht der freien Ansichts-
äußerung in Anspruch nehmen. Mir kamen erst kürzlich einige
große industrielle Fachblätter, Organe bedeutender Industrie-
verbände, in die Hand, und ich konnte mich davon überzeugen,
daß die Angehörigen dieser Industrien in den Anzeigen fast
lückenlos vertreten waren. Warum? Erhofften sie belangreiche
Aufträge durch Anzeigen in einem Blatte, das in der Hauptsache
doch wohl nur von ihren eigenen Berufsangehörigen gelesen
wird? Wohl sicher nicht. Aber diese Kaufleute haben mit
ihrem scharfen geschäftlichen Verstand und ihrem praktischen
Weitblick zweierlei erkannt. Erstens: daß sie sich selbst unter-
stützen, wenn sie ihr offizielles Berufs- und Vereinsorgan durch
Anzeigenaufträge unterstützen. Zweitens: daß auch der Re-
klame im eigenen Fachorgan beziehungsweise in den Organen
ihres Berufszweiges eine suggestive Werbekraft von hoher
Wirkung innewohnt.

Zu dieser Erkenntnis muß der Hotelbesitzer in den meisten
europäischen Reiseländern erst noch kommen. Sein ameri-
kanischer Kollege, der ihn bei der technischen Ausgestaltung
des Hotelbetriebes schon erreicht, auf einigen Gebieten über-
flügelt hat, ist ihm hierbei vorangeschritten. Man nehme eines
der großzügig ausgestatteten, gut redigierten amerikanischen
Hotelfachblätter, deren bedeutendste in New York, Chicago und
San Francisco erscheinen, zur Hand und durchblättere den ver-
blüffend umfangreichen Anzeigenteil. In außerordentlich wir-
kungsvollen Inseraten wird der Leser fast alle bedeutenderen
Hotelbetriebe, insbesondere die großen amerikanischen Hotel-
konzerne, die für das amerikanische Leben typisch geworden
sind, in jenen Fachblättern angekündigt finden.

Man vergleiche damit die deutschen, österreichischen, schwei-
zerischen, italienischen, englischen und anderen europäischen
Hotelfachzeitschriften und durchblättere sie! Wo sind die
großen Hotelbetriebe? Wo die in den letzten fünfzehn Jahren
entstandenen Konzerne? Auf welcher Seite finden wir ihre An-
zeigen, mit deren Hilfe sie suggestiv auf den Leser, in diesem
Falle ihre eigenen Berufskollegen, einzuwirken suchen, wie es:
die amerikanischen Hotelbesitzer und Konzerne schon längst
tun? Geht es den Hoteliers so gut, daß sie erstens auf die Emp-
fehlung ihrer Berufskollegen, denen sie sich durch eine solche
        <pb n="37" />
        S eehotel Döring

ATELIER
ZUDOLF
MOSSE

SCHÖNE TE?

AUSSICHT SLD?.

Man sucht vergebens die Ortsangabe! Eine drastische Illustration zu meinen Aus
führungen im 6. Kapitel: „Die technische Gestaltung des Inserats“, über den in
Gedanken vergessenen Ort. — Es stört auch der orthographische Fehler:
Terassen statt Terrassen.
        <pb n="38" />
        .

Die gute Wirkung dieser geschickt gemachten Anzeige wird dadurch unterbrochen,
daß die wichtige Ortsangabe sich nur ganz klein bei der
Telearamm-Adresse befindet.
        <pb n="39" />
        WELCHE ZEITUNG WÄHLE ICH FÜR MEINE PROPAGANDA 39

Anzeige dauernd in der Erinnerung halten würden, gleich-
mütig verzichten können? Brauchen sie zweitens keine mit dem
nötigen finanziellen Rüstzeug versehene Fachpresse?

Alle mir bekannten amerikanischen Hotelfachzeitschriften
sind typographisch hervorragend und mit reichem Bilder-
schmuck ausgestattet. Wir haben, seitdem der Weltkrieg der
im Jahre 1913 von mir geschaffenen „Illustrierten Hotel-In-
dustrie‘“ nach geradezu beispiellos schnellem Aufstieg, die Auf-
lage hatte die ersten 20.000 sehr bald weit überschritten, ein
jähes Ende bereitete, zurzeit kein Blatt mehr, das sich den
amerikanischen Kollegen in dieser Beziehung, also in der typo-
graphischen Ausstattung und dem reichen Bilderschmuck,
ebenbürtig an die Seite stellen könnte. Die Mittel erlauben es
nicht. Warum nicht? Weil die Fachblätter der Unterstützung
durch jene Kreise zwar nicht ermangeln, für die sie in die
Arena treten, weil diese Unterstützung aber doch nicht so tat-
kräftig und nachhaltig erfolgt, daß ihre Rückwirkung wiederum
der Gesamtheit des Hotelgewerbes zugute kommen könnte.
Diese Unterstützung wird den amerikanischen Blättern in viel
sroßzügigerer Weise zuteil. Dem europäischen Hotelbesitzer ist
eben noch immer nicht zum Bewußtsein gekommen, daß seine
eigene Fachpresse auch für ihn eine nicht zu unterschätzende
Reklame dann bedeutet, wenn diese Fachpresse in großzügiger
Weise unterstützt wird und infolgedessen mit reicheren Mitteln
arbeiten kann. Will die Hotelindustrie irgendeines europäischen
Reiselandes innerhalb der heimischen Industrien den ihr gebüh-
renden Rang einnehmen, dann bedarf sie auch eines nach außen
hin wirkenden Repräsentanten. Seiner großen Wichtigkeit
wegen behandele ich diese Frage: intensivere Unterstützung
der eigenen Fachpresse durch regelmäßige Insertion, in einem
besonderen Kapitel, mit einem New Yorker Musterbeispiel,
betitelt „Kollektivreklame durch korporative Vereinsreklame‘“‘.
Es sei der Beachtung aller Hoteliers und Hoteldirektoren
dringend empfohlen.
        <pb n="40" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

6. DIE TECHNISCHE GESTALTUNG DES
INSERATS

Das Hotel verträgt nach seiner Art und Geschichte keine
marktschreierische Reklame. Überhaupt muß jedweder Pro-
paganda gastgewerblicher Betriebe, seien sie groß oder klein,
immer eine gewisse Vornehmheit innewohnen. Der Gast-
gewerbetreibende darf und kann nicht „weiße Wochen“ oder
„spottbillige Tage‘ veranstalten, wie die Riesenbasare der
Großstädte. Er dürfte bei seinen Reklamen aber ruhig etwas
mehr Farbe auftragen, als es seither zu geschehen pflegte. Das
war es nämlich, was den Reklamen des Gastgewerbes, mit
glücklicheren Ausnahmen natürlich, anzuhaften pflegte: die
Farblosigkeit und Nüchternheit! Zuweilen sogar Gedanken-
iosigkeit.

Reklame muß anbieten, sich aufdrängen; sie darf sich nicht
suchen lassen. Jahrelang habe ich mir das Privatvergnügen
gemacht, Tageszeitungen und belletristische Zeitschriften nach
den Reklamen der Hotels und sonstigen Gaststätten zu durch-
suchen. Absichtlich sage ich: durchsuchen, weil ich fast immer
darnach suchen mußte, während Reklamen von der Art Odol-
Lingners mir mit überzeugender Schlagkraft von selbst ins
Auge sprangen. Erst kürzlich überzeugte ich mich beim
Studium einer großen Tageszeitung davon, daß sich darin wohl
wieder ungewöhnlich zahlreiche Hotelanzeigen befanden —
ein Beweis dafür, daß viele Hotelbesitzer das Wiedernotwendig-
werden der Reklame bereits erkannten — daß diese Reklamen
aber fast alle nach ein und derselben nüchternen Schablone
handwerksmäßig hergestellt waren.

Nur ein einziges Hotel fiel etwas aus dem Rahmen, aber
leider in einer Weise, die nicht gerade geschickt genannt
werden konnte. Seine Anzeige unterschied sich zwar in der
Aufmachung auch nicht von den übrigen Dutzendinseraten,
        <pb n="41" />
        DIE TECHNISCHE GESTALTUNG DES INSEKATS 41

aber es hatte doch einen „Gedanken“ gehabt. Das Haus nannte
sich nämlich selbst „das führende, kultivierte Familienhotel‘!
Wie man dem Dichter poetische Lizenz zubilligt, so wird auch
dem Reklame-„Dichter‘“ ohne weiteres ein größeres Maß an
poetischer Übertreibung zugestanden. Geschmacklos erscheint
es aber, wenn ein Hotel sich selbst als „kultiviert“ bezeichnet.
Ein Hotelbesitzer, der mit vollem Recht sagen könnte, daß sein
Haus „kultiviert“ ist, fragte mich spöttisch: „Also findet der
Reisende in den anderen Familienhotels jenes Ortes keine
Kultur?‘‘
Dieses Beispiel aus der Praxis führe ich lediglich an, um
deutlich zu veranschaulichen, wie gerade der Hotelbesitzer bei
seinen Reklamen sich vor Entgleisungen hüten muß, will er
Im Taßre 1027
geht der Kranke zur Gesundung
und der Gesunde zur Erholung
Radium-Sol-Bad Kreuznach
In dieser Anzeige wendet sich ein ausgesprochener
„Kurort“ an Kranke und Gesunde.

nicht dem Fluche der Lächerlichkeit verfallen. Lächerlichkeit
tötet bekanntlich moralisch, während der eigentliche Zweck
jeglicher Reklame doch die Erweckung regsten und lebhaftesten
Lebens ist.

Ein weiteres Beispiel aus der Praxis der Hotelreklame sei
als gutes Lehrmaterial herausgehoben, weil ich an ihm die
vorerwähnte Gedankenlosigkeit demonstrieren will. Vor einiger
Zeit fand ich in einer großen Tageszeitung das Inserat eines
ausländischen Hotels von Ruf. Das heißt, dieses Haus genießt
einen guten Ruf wegen seiner Lage, seiner inneren Einrichtung
und seiner guten Führung, aber es teilt seinen „Taufnamen“
mit vielen Dutzenden Hotels in anderen Städten und Ländern.
Um so mehr verblüffte es mich, daß der Verfertiger der — sehr
kostspieligen — Anzeige es nicht für nötig befunden hatte, auch
den Namen des Landes und der Stadt anzugeben, wo der
Reisende das Hotel finden würde. Nur auf Grund meiner
30jährigen engen Verbindung mit dem Hotelgewerbe vermochte
        <pb n="42" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
ich das Land und die Stadt, in der das annoncierende Hotel
liegt, zu „erraten“. Selbstverständlich machte ich den mir per-
sönlich bekannten Generaldirektor des Hotels auf diesen Fehler
eines Angestellten aufmerksam.

Mangelhafte Hotelanzeigen, mit fehlender Ortsangabe usw.,
habe ich öfter gefunden. Ich gebe unter den Abbildungen ein
solches „Muster“-Beispiel wieder. Ein Beweis dafür, daß —
ähnlich dem in Gedanken stehengebliebenen Regenschirm: —
der in Gedanken vergessene Ortsname am ehesten beim Hotel-
gewerbe vorzukommen scheint. Was wiederum beweist, wie
unzweckmäßig zuweilen Hotelreklame gemacht wird.

Diese Gedankenlosigkeit macht sich auch hin und wieder
durch orthographische oder grammatikalische Schnitzer in den
Anzeigentexten bemerkbar.

Um das Gesagte besser zu veranschaulichen, bespreche ich
eine Anzeige vom Regina Palast-Hotel in München, das alle
Eigenschaften in sich vereinigt, die ein gutes, wirkungsvolles
Inserat unbedingt haben sollte, die es leider aber nicht immer
hat. Dieses Inserat gebe ich deshalb dreimal: in zwei verschie-
denen Größen und in einer anderen Sprache (englisch) wieder,
weil ich damit zeigen will, daß das gleiche Satzbild getreulich
gewahrt werden kann. Seine Vorzüge sind:

1. Die Zeichnung ist apart und ins Auge fallend. Auch wenn
die Anzeige inmitten einer Masse anderer Inserate stehen sollte,
wird ihre Wirkung doch nicht versagen. Warum nicht? Weil
das Satzbild aus dem Rahmen der üblichen Dutzendanzeigen
herausfällt. Das Inserat ist keineswegs übermäßig groß, eher
trifft das Gegenteil zu. Und doch spricht es mit beredter Zunge
zum Beschauer und weiß sich Geltung zu verschaffen. Warum?

2. Weil es nicht von der Hand eines hastig und nach der
Schablone arbeitenden Zeitungssetzers aus dem in allen
Anzeigen der Zeitung wiederkehrenden Material der vorrätigen
Schriften zusammengebaut ist. Der Vater dieser Anzeige ist ein
Reklamekünstler, kein Akzidenzsetzer. Das ist das eine Geheim-
nis. Das zweite Geheimnis sei ebenfalls verraten.

3. Wir haben es mit einem klischierten Inserat zu tun. Der
Auftraggeber hat nicht nur den Text, wie Jeider vielfach üblich,
sondern gleich die fertige Anzeige geliefert.

4. Auf diese Weise wurde es ermöglicht, in 40, 50 und mehr
deutschen und ausländischen Zeitungen und Zeitschriften das
        <pb n="43" />
        DIE TECHNISCHE GESTALTUNG DES INSERATS 43

ii a Se
A a
Ö “ZA
' 0 ‘a N = na
ZN Van 3 RM ee
Po BCM . Be
RER EN a a EL

In dieser, geschickt auf „Blickfang“ ausgehenden Anzeige wird eine bekannte
Bozener Sagen-Figur, König Laurin, in etwas karikierender Form verwendet,
        <pb n="44" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

EinMärchentraum
Das Nahetal zur Lenzeszeit!

Erfahrung und Wissenschaft haben erwiesen,
daß der Frühling am frühesten im Nahetal
einzieht: 6 Wochen früher denn sonst im
Reich. Schon im Januar blühen Mandel und
Pfirsich; bereits im März begrünt sich der
Wald; im April leuchtet Blumenflor in allen
Farben. Gebirge, uralter Hochwald schützen
nach Nord und Ost; Süd- und Westwinde
herrschen vor, milde, warme Lüfte regen
die Lebensgeister an, reicher Sonnenschein
strahlt gesundheitfördernde Kräfte aus. Diese
Frühlingstage müssen Sie in Bad Kreuznach
verleben. Gesellschaftliche, sportliche, künst-
lerische Veranstaltungen, gemeinsame Auto-
fahrten in Berge und Hochwald, ins Alsenztal,
an den Rhein sorgen für Unterhaltung. Sie
benützen diese Tage, durch eine Kur in dem
altberühmten Heilbade körperliche Indispo-
sitionen zu bekämpfen, Krankheitsmöglich-
keiten vorzubeugen, ernsthafte Leiden ‘zu
heilen. Gegen Gicht, Rheuma, Ischias, ner:
vöse Herzbeschwerden, Altersschwäche, die
sigentlichen Frauenleiden, Störungen des
kindlichen Wachstums (Rhachitis, Skrofulose
usw.) gibt es kein besseres Heilbad als Bad
Kreuznach.

Verlangen Sie
Auskünfte, Wohnungslisten, Kurschriften
von der Kurverwaltung
Radium - Sol-Bad
Kreuznach

Durch die Schrägstellung der Anzeige, die aber beim Lesen nicht im geringsten stört,
wird auffallende Wirkung erzielt.
        <pb n="45" />
        DIE TECHNISCHE GESTALTUNG DES INSERATS 45
gleiche Inserat erscheinen zu lassen. Nicht etwa überall in der-
selben Größe und Sprache. Nein, in verschiedenen Größen-
ausführungen und in mehreren Sprachen. Denn die klischierte
Anzeige kann in einer beliebigen Anzahl von Größen (also ver-
schiedene Höhe und Breite) hergestellt und vorrätig gehalten
werden, Der Text kann in deutscher, englischer, italienischer,
holländischer, spanischer, einer skandinavischen oder in fran-
zösischer Sprache sein und trotzdem wird das Satzbild unver-

a . ” L t uRDOTTO:
APHEIÄDSE UUSRUNG 2 LECRRITSDETELT Au baupfbabnhof gegen KücRpoTIO:
Eine unbedingt ins Auge fallende Anzeige für eine Fremdenverkehrsstadt.

ändert auf den Beschauer wirken. Wir haben hier also das
„einprägsame“ Bild, das ein wichtiges Erfordernis jeder guten
Anzeige ist, von der man Dauerwirkung erwartet. Nebenbei sei
noch darauf hingewiesen, daß diese klischierte Anzeige einen
unbedingt vornehmen Eindruck macht; daß sie das Hotel also
überall in der Welt gleichmäßig, seinem Range entsprechend,
repräsentiert. ;
5. Schließlich hat diese Anzeige noch den Vorzug der ein-
fachsten Versendungsmöglichkeit. Sie wird den Zeitungen als
Matrize geliefert, die bequem im gewöhnlichen Brief versan t
werden kann. Bevor Gutenbergs Schwarzkunst dieses Insera
        <pb n="46" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

&gt;
UT
AA AU
=] ß
1TUNCHEL
ET UM-U. AUFBAU
E) VOLLENDET
DO
Schönstes Wohnen nach Parkanlagen.
; „ALLE
Zimmer mit Staafstelefon u. laufender
Wasser,die Mehr3ahl mit Bad,Preis ab 6-Mk
Omnibus stets am Bahnhof,
Konferenzsäle - Schreibbüro

PA

Eigener Entwurf des Hotels
Als Matrize in verschiedenen Größen und Sprachen
vorhanden.

ra
SGN

ALAGE
JO TEL

‘WMISCH

A
Owing to its beaufiful
Nee Siluafion in a vası par
Ce and ifs modern sanifary
SZ arrangemenfs.
The hotel de luxe
of Munich
1924 New improvements

Eigener Entwurf des Hotels. Matrize, Bringt
das gleiche Anzeigenbild wie das deutsche In-
serat auch im Ausland.

a um m zl Ö ie mA“
DALÄST
UNCHE
7 UM-U. AUFBAU
VOLLENDET
Sehönstes Wohnen nach Parkanlagen,
Zimmer mit Staatstelefon u. laufendem.
Wasser,die Mehr3ahl mit Bad, Preis ab 6-ME.
Omnibus siets am Bahnhof.
Vonferenzsäle - Schreibbüro
Eigener Entwurf des Hotels, Als
Matrize in verschiedenen Größen und
Sprachen vorhanden.
        <pb n="47" />
        DIE TECHNISCHE GESTALTUNG DES INSERATS 47

aufs weiße Papier zauberte, war es ein unscheinbares, dünnes
Stückchen Pappe.

Hoffentlich habe ich mich auch den noch nicht genügend
reklamekundigen Lesern verständlich gemacht und ihnen
gezeigt, was für ein Unterschied zwischen einer eigenen, von
Künstlerhand entworfenen, klischierten Anzeige und dem hand-
werksmäßigen Erzeugnis eines an sein Material gebundenen
Setzers ist. Dieser kann einfach nichts anderes liefern als das,
was ihm seine Setzkästen und seine — Phantasie erlauben. Die
aber pflegt der Werktagsdienst abzustumpfen.

Außer dem Matrizenmuster lasse ich noch eine ganze Anzahl
anderer Anzeigen aus der Praxis zu den Lesern sprechen. Eine
besondere Erläuterung ist kaum nötig. Die Inserate erklären
sich selbst. Sie erzählen dem Beschauer, daß es sehr wohl möglich
ist, auch der Hotelanzeige eine Form zu geben, die apart wirkt,
also auffällt und die Reklame aus der Masse der Dutzend-
anzeigen heraushebt. Natürlich sage ich mit Wiedergabe der
Musterbeispiele nicht, man solle sie nun einfach nachahmen.
Nein! Aber die Muster sind dazu geeignet und bestimmt,
Anregungen zu geben. Sie können die vielleicht nur schlum-
mernde Phantasie wecken und den Hotelier oder sein mit
Bearbeitung der Reklame beauftragtes Personal anfeuern, etwas
noch Originelleres und Wirkungsvolleres zu schaffen. Wobei
ich einflechte, daß man durchaus nicht selbst Zeichner zu sein
braucht, um eine gute Idee zu fixieren und auszuführen. Die
zeichnerische und technische Ausführung seiner eigenen Idee
könnte man einer xylographischen Anstalt, einem graphischen
Künstler oder auch einem geschulten Werbefachmann über-
tragen.

Wenn man eine sehr gute Idee für eine wirkungsvolle
Inseratenform hat, die Ausführung mangels technischer Vor-
kenntnisse aber einem Dritten übertragen muß, so versäume
man nicht, sich das Recht an seinem geistigen Eigentum zu
sichern. Man muß diesen Dritten verpflichten, den Entwurf
nicht für andere Reklamen zu verwerten.

Unter den Mustern befindet sich auch eine Anzeige von
„Brenners Kurhof“ in Baden-Baden. Grund hierfür ist folgen-
des: Dieses Inserat ist nicht nur, trotz seiner relativen Kleinheit,
äußerst wirkungsvoll und ins Auge fallend, sondern es eignet
sich auch seiner technischen Ausführung wegen für jedes
Drucksystem, also auch für den Rotationsdruck. Für diesen
        <pb n="48" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

kann bekanntlich nicht jedes Klischee verwendet werden, zum
Beispiel keines mit feinem Raster, weil die Form für den
Rotationsdruck gebogen, das heißt gerundet werden muß; sie
ist also nicht tafelförmig, wie beim Druck mit der gewöhnlichen
Schnellpresse. Es erfährt demnach beim Rotationsdruck auch
das einzelne Klischee eine leichte Biegung, wodurch bei fein-
rastrigen Klischees das Satzbild stark verändert, verschlechtert
werden würde. Zeichnungen in Strichmanier, wie das Muster

SRENNER$ KURHOF
BADEN-BADEN
Einzigarlig und weithun bekannt.
Eine der im Text besprochenen Strichzeich-

nun gs-Anzeigen, die für jedes Druckverfahren

geeignet sind. Das Inserat ist auch deshalb be-

merkenswert, weil es auf knappem Raum sehr
viel erzählt.

vom Baden-Badener Kurhof, vertragen eine solche leichte
Biegung, ohne daß das Bild darunter leidet.

Vom Radium-Solbad Kreuznach und seinem Kurhaus und
Palast-Hotel gebe ich verschiedene Musterbeispiele wieder, weil
bei diesen Anzeigen auch im Text die erste Vorbedingung für
ein gutes, mit Suggestionskraft wirkendes Inserat erfüllt ist:

Einstellung auf die Psyche der Leser! Es ist ein außerordent-
lich wichtiges Moment bei der Zeitungsreklame.

Durch wechselnde, persönlich gehaltene Texte wird erreicht,
daß die verschiedensten Bevölkerungsschichten für den inserie-
renden Kurort und das inserierende Hotel interessiert werden.
Die aparte. schlagwortartige Form der einzelnen Texte weiß zu
        <pb n="49" />
        DIE TECHNISCHE GESTALTUNG DES INSERATS 49

fesseln. Zuerst wird der Blick durch die nicht schablonenmäßige
Form der Anzeigen gefangen. Wir haben hier also die „Blick-
fang‘“-Anzeige vor uns, die in der modernen Reklame eine große
und wichtige Rolle spielt. Diesen „Blickfang“ sucht man oft
auch dadurch zu erreichen, daß tiefschwarze Schatten schroff
neben eine ganz lichte Zeichnung gestellt werden. Wer sich
über derartige Kontrastwirkungen genauer unterrichten will,
der studiere den Anzeigenteil solcher belletristischen Zeit-
schriften, die von den vornehme Reklame machenden Groß-
inserenten bevorzugt werden. Der Leser findet aber auch in
meinen Musterbeispielen eine ganze Anzahl von Anzeigen, die
den „Blickfang“ veranschaulichen.

Es ist wohl nicht nötig, noch weitere Erläuterungen zu den
interessanten Kreuznacher Anzeigen zu geben. Ihr Verfasser,
Hofrat und Kurdirektor a. D. Ludwig Anders, war so liebens-
würdig, mir Matrizen und Bleiabgüsse der Inserate zur Ver-
fügung zu stellen.

Zum Schlusse gebe ich noch einen Wink für die Anzeigen
von Künstler-Konzerten in Kurorten. Wer jemals mit solchen
Veranstaltungen zu tun hatte, der weiß, daß die Künstler-
Konzerte zu den Schmerzenskindern der meisten Kurorte
gehören. Es ist außerordentlich schwer, das Fremdenpublikum
für solche Veranstaltungen zu interessieren, selbst wenn
bekannte Künstler aufs Podium gestellt werden. Schwacher
Besuch und kräftige Defizite sind deshalb, leider, häufige, aber
unwillkommene Erscheinungen. Aus diesem Grunde wird es
gewiß vielen Kurdirektoren und Hoteliers willkommen sein,
wenn ich ihnen an weiteren Kreuznacher Beispielen zeige,
daß sich auch in die typische Konzertanzeige eine aparte und
wirkungsvolle Note bringen läßt. Die wiedergegebenen Anzeigen
eines Konzertes von Gertrude Weinschenk zeigen es. Sie bleiben
in dem hierfür bedingten vornehmen Rahmen, treten durch die
wechselnde Textfassung aber doch aus dem Rahmen der
üblichen Alltagsschablone heraus und könnten sehr wohl dazu
beitragen, eine größere Zahl der Leser so gut zu fesseln, daß sie
das Konzert besuchen. Die Anzeigen würden damit eine wich-
tige Reklameforderung erfüllt haben: Dem Beschauer das zu
suggerieren, was man von ihm wünscht! Hoffentlich habe auch
ich dem Leser mit Überzeugungskraft suggeriert, wie wichtig
und. notwendig es bei der Reklame ist, daß sie sich an die
Psyche des Publikums wendet.
        <pb n="50" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Gertrude Weinschenk

ovaler Saal, Kurhaus

Samstag, 22. November, 81/, Uhr

Mkı 3.—, Mk. 2.— und Steuer

OVALER SAAL * KURHAÄAUS
am Samstag, 22. November
8!/. Uhr abends, ein
AUSERLESENER KUNSTGENUSS!
ARIEN UND LIEDER
GERTRUDE WEINSCHENK

ARIEN UND LIEDER
von Gluck, Orlandıi, Brahms, Mahler, R. Srauß und alten
deutschen Meistern
SINGT GERTRUDE WEINSCHENK
Konzerisängerin (Alf, Mezzo-Sopran) In dem großen Kon-
zeri-Abend im ovalen Saale des Kurhauses am Samstag,
den 22. Noverber, abends 8'4 Uhr
AM BLUTHNER-KONZERT-FLUGEL: MAX WEINSCHENK
Rinfirifspreise: Nurmerierter Sitzplatz Mk. 3.—, unnume-
rierter Mix. 2. dazu Steuerr
EINTRITTSKARTEN UND PROGRAMME:
Musikalienhandliung Gebrüder Wolff, Kurhaussfraße 11
und Abendkasse

Drei Musterbeispiele, wie durch abwechselnde, sich steigernde Wirkung der Anzeigen
auch die Werbewirkung für das Konzert erhöht werden kann.
        <pb n="51" />
        Ein geradezu monumentaler Entwurf
        <pb n="52" />
        DAVOS
Für Sport und Spiel im
Hochgebirge

Eine reizvolle ‚„Sport“-Anzeige, weil sie weit von der üblichen Alltags-Schablone
abweicht und dadurch den Blick anzieht. (Blickfang).
        <pb n="53" />
        DIE TECHNISCHE GESTALTUNG DES INSERATS 53

8i-FENSION, EBEFiEITE” Gaslbaı „ Plarf| a8”

N A

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rasioe M. 5.50 u, 6,—. Pens-GAuc kosten), Abbolusg per Schlitten
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ren DE CHE DE ET 21 kur

„CErMO0$-1n.
YofelDreiMohren
Yornebmes Famllienhaus. Me-
ee
enslon 8—1* Mark. “/64274)1
Siuschule: Earl Stersinger.
angilzer: Gkachwisler Jmexeri

I mu, am Fuße der Zugspitze.
Ydealst. Wintersportplats.
Hotel Post
120 Beil.). Zentratheiz, FieBend.
Warto- u. Kalıw. Gesellachatier,
Hoste Nächtig, x. Zugspitzbahn,
Prnaion Mk. 1.50—%.50
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seciel

In Tirol. (06 m
Verzüglicher Wiatersportplatz
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Altrenoai mierier Mmus
34750e"15-4 Ben. Sig, Seyrilng.

Senal0

„einach Trotr wos m

Ghethef Pose‘

En Veh am

intersport- Hotel Lansersee: ge} ‚Teer
Inersport- Koll LANSAISeE:31ginz __— rennerz:
a: wer Eislaufplatz 3 Skigelände 2 Rodelbahn: Veigsplol ne klamm ‚Ct heisbare ED

x *
Rechenboden
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a
Io
bielet all. Winter.
a SER AB
rohon, abwechs-
ungsreich. Weih-
Arena Me Te He ege. FOr RSS ENG
1eriene Tnaen sie: JS SICH "Mehnerwirt“ sa. Auır Kohler WITT”
Äntersportplatz Holgastel
„NerSPOTIMAIZHOIGASICH
Siiterraio, Rodelbahnen,” Eislaufplets, Sprungschanzen
der Mittella A.-0;
Zeniralheizung / Lifi -/ Thermotbäder tm‘ Hause,
Tanzdiele / Unterricht In modernen Tänsen,
Volle Penston (Zimmer sam! Abgaben u. Verpßegung)
Mk, 7.20 hie Mt. 121- 4669820 2

nn

LT
‚jeinach an der Brennerbahn
050 =. &amp;. 0. M. mi} seinem unüberiretflichen Skleeiinde
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Ein abschreckendes Beispiel. Aus einer großen, süddeutschen Zeitung. Die meisten

Inserate sind in der Druckerei, mit sich stark gleichendem Material, ‘gesetzt. Eine

Anzeige sieht wie die andere aus, alle erdrücken sich gegenseitig. Dem Beschauer tun

die Augen wehl — Man vergleiche damit die so ganz anders wirkende Anzeigenseite

einer großen New Yorker Zeitung im 16. Kapitel: „Kollektivpropaganda durch
korporative Vereinsreklame.“
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Wunderhübsch ist mit wenigen Strichen der Reiz der Winterlandschaft charakterisiert.
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Schwarz und weiß. Ein Blickfang-Inserat von starker Wirkung.

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        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

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Kenners weten het al lang.
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Für

holländische Tageszeitungen bestimmtes Inserat. Sowohl Text
als Zeichnung reden zum Holländer in seiner Sprache.
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        DIE ANZEIGE IM RESTAURANTBETRIEB

7. DIE ANZEIGEIM RESTAURANTBETRIEB

Es ist kaum möglich, bei den Reklameanzeigen zwischen
solchen für Hotels und Anzeigen für ausgesprochen gast-
gewerbliche Betriebe zu unterscheiden. Die Unterschiede
verwischen sich genau so, wie sich die wirtschaftlichen Unter-
schiede schon verwischt haben, seitdem wir in vielen Hotels
starken Restaurantbetrieb, Fünfuhrtees, Tanzabende usw.
finden. Fast alles, was ich über die technische Seite der
Anzeigen im allgemeinen schon gesagt habe und noch schreiben
werde, trifft auch für die Spezialanzeigen des „Schankwirtes“
zu. Mit dieser Benennung, Schankwirt, verirre ich mich für
einen Moment ins Reich des Herrn Bureaukratius. Der unter-
scheidet bekanntlich zwischen Gastwirt und Schankwirt. Gast-
wirt ist für ihn der Mann, der Gäste beherbergt, also der
Hotelier. Unter Schankwirt begreift Herr Bureaukratius
dagegen alles, was Getränke „ausschänkt‘, also den Restau-
rateur, Cafetier, Tanzsaalbesitzer usw. In seinen Schankwirts-
topf wirft der Bureaukrat demnach den Besitzer des vornehm-
sten Weinrestaurants und den Kaschemmenwirt. So ist das
Leben — in den Augen des Herrn Bureaukratius. Die Zeitungs-
anzeige wurde vom Leben ebenfalls schon nivelliert. Allerdings
findet man im Schankwirtschaftsbetrieb eine Art von Spezial-
inseraten, und höchstens von ihnen könnte man sagen, daß sie
sich nicht für alle, also nicht fürs Hotel oder Sanatorium, fürs
vornehme Fremdenheim schicken. Das Wort „Spezial‘“ bitte
ich aber so zu verstehen, daß diese Spezialanzeigen, je nach
der Art der sich ihrer bedienenden Betriebe, entweder die
gastronomischen oder die Leistungen auf dem Gebiete des Ver-
gnügens, der Musik usw. spezialisieren müssen. Auch hierfür
gebe ich unter den zahlreichen Anzeigen aus der Praxis einige
Musterbeispiele, so daß ich mich kurz fassen kann. ;

Unter diesen Beispielen sind eine Anzahl amerikanische. In
        <pb n="58" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
der Einleitung wies ich auf den großen Vorsprung hin, den die
Reklame in Amerika hat. Deshalb hat, weil sie viel älter ist
und weil der Amerikaner ihr unbefangener und weniger vorein-
genommen als der Europäer gegenübersteht. Besonders mache
ich auf die originellen, ständig wechselnden Anzeigen des
„Ambassador“ in New York aufmerksam. Aus ihnen, wie auch
aus den Anzeigen von Childs, Brownes und Huylers kann der
europäische Gastwirt manchen guten Gedanken und manche
Anregung schöpfen.

Eine sehr wirkungsvolle Reklame für Restaurants ist die
Veröffentlichung der Speisenkarte. Namentlich dann, wenn
sie besondere Spezialitäten und diese preiswert bietet. Eine
originelle Idee, dieser Tagesspeisenkarte besonderen Reiz zu
verleihen, hatte ein kleines Restaurant in Chicago. Es kündigt
nicht, wie bei uns üblich, Bohnensuppe, Rippenstück mit Kraut
und Kartoffel, Rostbeef mit Kartoffelbrei, Pfirsichkuchen an,
sondern seine Speisenkarte sieht so aus:

MICHTGAN-MATROSEN-BOHNENSUPPE
nach guter alter Art aus jungen, handgepflückten, weißen Michigan
Bohnen in reicher Fleischbrühe, gewürzt mit den Knochen eines
geräucherten Landschinkens.
MUÜRBES
UND GANZ FRISCHES RIPPENFLEISCH
mit gereiftem, würzigem Sauerkraut, feinen Kartoffeln und frischem,
Bekömmlichem Brot.

VORZUGLICHES ROSTBEEF
„on amerikanischen Mastochsen, mit seidenweichern Kartoffelbrei,
Bekömmlichem Brot und vollletter Naturbutter.

SAFTIGER, DELIZTOSER
GEORGIA-PFIRSICHKUÜCHEN
(die feinste Delikatesse, die je aus dem Backofen kam) mit einer
Menge frischer Schlagsahne.

Wenn das in ähnlicher Weise auch in der Zeitungsanzeige
angekündigt wird, so wirkt es origineller als die sonst übliche
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        DIE ANZEIGE IM. RESTAURANTBETRIEB 58

Schablone. Ebenso wie die Reklame eines Hotels in San
Francisco aus dem Alltagsrahmen herausfällt, weil es auf seine
Billigkeit nicht in der bei uns gewohnten Form: „Zivile Preise“
oder „Mäßige Preise“ hinweist, sondern indem es kurz und
bündig auffordert:
Spare, während du schläfst

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Der amerikanische Gastwirt würde den Kopf schütteln, wenn
er sieht, daß in den Anzeigen unserer Gaststätten uralte
Floskeln wie: Gepflegte Biere, soignierter Keller, aufmerksame
Bedienung, gute Küche usw. in 100 Anzeigen verschiedener
Restaurants in verschiedenen Städten hundertmal wieder-
kehren und wie „sich bestens empfohlen halten Anton Müller
und Frau‘! Wenn der Amerikaner auf die Vorzüge seiner Gast-
stätte aufmerksam macht, so sieht die Anzeige (ich zitiere nach
einem Original) so aus:

Es gibt eine Menge Dinge, auf welche der Gast Bedacht nehmen
muß, wenn er wirklich gut speisen will: .
1. Er muß an der Tür des Restaurants gut empfangen werden,
2. Er muß von einer Empfangsdame, die ihn nach seinen Wünschen
fragt, einen zusagenden Tischplatz erhalten.
3. Der Kellner muß schnell bedienen.
#. Das Essen muß erstklassig sein. ;
5. Die Platten und Gläser müssen bester Art sein.
5. Die Preise müssen vernünftig sein.
Alle diese Dinge finden Sie bei (folgt der Name des Restaurants).
Bestellen Sie, bitte, den Tisch telephonisch, haben Sie jedoch keine
Zeit, so werden Sie auch einen guten Platz finden.
Kommen Sie zu uns. Sie werden dann begreifen, weshalb viele
Leute regelmäßig bei uns speisen.

Z,
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Man sage nicht, daß dieser amerikanische Stil sich für unsere
Verhältnisse nicht schicke. Es ist nur nötig, diese amerikanische
Form ein wenig unserem Geschmack entsprechend zurecht-
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        MM

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

zustutzen und umzumodeln, und man dürfte von der Wirkung
also aufgemachter Reklame angenehm überrascht sein. Wer
etwa der Meinung sein sollte, daß diese Reklameform zu
„grotesk“ sei, dem sei erwidert, daß „grotesk“ kein Verbrechen
ist, und daß es mir immer noch richtiger erscheint, wenn der
„Schankwirt‘“ in seinen Reklamen etwas aus der Reihe tanzt,
also wenn er apart und originell wird, als wenn seine Emp-
fehlungsanzeigen gähnende Langeweile atmen und beim Leser
den Verdacht wecken, ebenso langweilig könne es in dem Lokal
zugehen. Da sind mir auf jeden Fall die grotesk wirkenden
Anzeigen „Erschröckliche Begebenheit im Tucher“, „Sturm
aufs Tucher“ sowie „Wilhelm Tell — Kjemal Pascha“ lieber,
die ich ebenfalls als Musterbeispiele wiedergebe und deren
Heimat Dresden ist. Diese Anzeigen erfüllen das, was eigent-
licher Lebenszweck des Reklameinserats sein soll: Sie fallen auf!

Nun bitte ich mir auf einen Sprung in den fernen Osten.
ins Land der Kirschenblüte und Chrysanthemen, nach Japan,
zu folgen. Es ist nicht ganz uninteressant, auch von dort ein
paar Reklamemuster serviert zu bekommen. Vielleicht bieten
sie dem oder jenem, der auf ganz Besonderes, Ausgefallenes
Jagd macht, einige Anregungen. Japanische Geschäftsleute
suchen ihre Waren durch folgende Anpreisungen, dortigen
Zeitungen entnommen, an den Mann oder auch an die Frau
zu bringen:

Unjere Waren

werden dem Kunden mit der Schnel-

[igfeit einer anonenkfugel ins Haus
beiörbert.

unferer Bücher ift Mar wie Kriftall,
der Inhalt bezaubernd wie ein
jingendes Mädchen.

„Unsere Kunden werden mit einer Höflichkeit behandelt, wie
sie sonst nur von rivalisierenden Schiffsgesellschaften dem
Passagier gegenüber geübt wird.“

„Unsere Seiden- und Satintücher sind weich wie die Wangen
einer Dame und in der Farbe prächtig wie der Regenbogen.‘

Würde es nicht originell und werbend wirken, wenn ein
deutscher „Schankwirt‘“, in Anlehnung an diese Muster, in
seinen Anzeigen verkünden wollte:
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        DIE ANZEIGE IM RESTAURANTBETRIEB

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Thrseren Gästen werden die Speisen
und Getränke mit der Schnelligkeit einer.
Kanonenkugel serptrert.

Unsere Gäste werden vom gesamten Bedienungs-

personal mit einer Höflichkeit empfangen und mit

sofder Aufmerksamkeit Gedient, wie sie sonst nur

von rivafisierenden Schiffsgesellschaften dem Pas-
sagier gegenüßer geüßt wird.

(Laser Filets, Schnitzel, Koteletten, Braten USW.

sind’ weich wie die Wangen einer jungen Dame

und von köstlichem Wohlgeschmack wie der Kuß
einer achtzehnjährigen Geliebten.

De Luft in unseren Gasträumen ist, dank

der ausgezeichnet arbeitenden Entlüfungs»

anlage, so rein, köstlich und gesund wie auf
dem Gipfel der Jungfrau.

Nun eine kritische Betrachtung. Schlimme Sünder wider den
guten Geschmack findet man oft unter jenen „Schankwirten‘‘,
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        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

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SONNTAG 5-9 UHR
STRAUSS- UND
WAGNER-ABEND

JEDEN MITTWOCH
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Nmiteigen 20 Bf. )
Sen Heute feiner Ball!
Amjterdam sat ze. Sch,
Zeden Sonntag Seiner Ball
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Gaithof Cofjebaude
Endiiation Linie 19
SYeden Ennntag feine Balljhan
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Bytbbhf.:£öbtiau bis zum Ziel und Linie 7.
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        DIE ANZEIGE IM RESTAURANTBETRIEB 63

die Inhaber von Ballsälen und dergleichen sind. Aus einer
ganzen Serie von solchen „sündigen‘“ Anzeigen, die ich gesam-
melt habe, greife ich eine kleine Anzahl heraus und gebe sie
als „Musterbeispiele‘“, in negativem Sinne allerdings, wieder.
Es wirkt außerordentlich erheiternd auf den Kenner, wenn er
in solchen Anzeigen sich die feinen Bälle, die vornehmen Tanz-
revues, die feinen Ballschaue nur so überpurzeln sieht. Ich habe
hunderte von Anzeigen in der
Tagespresse gelesen, die von
vornehmen Ballabenden, e€x-
klusiven Ballschaus, vom Ka-
valierball, vom Treffpunkt der
eleganten Welt, vom mon-
dänen Tanzabend, vom feinen
Ballabend zu erzählen wußten.
Aber man weiß doch genau,
was für vornehme Herrschaf-
ten dort anzutreffen sind. Kein
Geringerer als Goethe hat es in
seinem „Faust“ (erster Teil)
wunderhübsch ‘'umschrieben:
„Die Hand, die Samstags ihren
Besen führt, wird Sonntags
dich am besten karessieren.“
Es wäre nett, wenn bei dieser
Spezies Inserate ein wenig re-
formiert würde. Warum den
Mund so voll nehmen, wenn es
doch keiner glaubt?
Zum Schluß noch ein wich-
tiger Wink, In dem empfehlen-
den Anzeigen gastgewerblicher Stätten wird allzu oft eine ganze
Kleinigkeit vergessen: die nähere Adresse! Verwunderlich ist
das namentlich in Städten mit regem Fremdenverkehr. Denkt
man gar nicht daran, auch die Ortsfremden als Gäste zu
gewinnen? Dann muß man ihnen aber auch sagen, wo man
wohnt! Gewiß, sie können fragen. Doch das ist nicht jedermanns
Sache. Findet der Fremde in der Anzeige die genaue Adresse,
also auch Straße und Hausnummer, angegeben, so kann er
seinen Stadtplan befragen. Ergo, man gewöhne sich an die
Adressenangabe.
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        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

8. DER REIM IN DER REKLAME
Schüchtern waren die Anfänge. Den zuweilen recht holprigen
Versen merkte man es an, daß der Ritt auf dem Pegasus noch
ungewohnt war und Mühe machte. Von einem wirklichen
„Gedicht“ konnte man bei den Erstlingen der gereimten
Reklame kaum sprechen. Es waren mehr gereimte Schlag-
worte, die uns zuerst versetzt wurden, und das alte Scherzwort:
Reim dich, oder ich freß dich!, hatte gar oft Pate gestanden.
Die Schlagworte (Amax allein, macht die Hände rein — Carmol
tut wohl — Wasche mit Luhns, denn viele tun’s) haben aber
gezeigt, daß diese Reklameform unter Umständen wirkungs-
voller sein kann als großmächtige Anzeigen mit langatmigen
Texten (die kein Mensch vom Anfang bis zu Ende liest), und
damit hielt die gereimte Reklame ihren Einzug in den Blätter-
wald. Wenn ich mich damit beschäftige, und wenn ich eine
ganze Anzahl von Beispielen aus der Praxis des Lebens wieder-
gebe, so geschieht es, um Anregungen zu liefern. Denn der Reim
in der Reklame ist durchaus keine so einfache Sache. Es gehört
zweierlei zu seiner Anwendung: Gute, originelle Ideen, die
immer wieder neu geboren werden, und die Fähigkeit, auch
wirklich klangvolle und klingende Reime zu schaffen. Denn
damit allein ist es nicht getan, daß die Endsilben sich reimen
(Liebe, Triebe, Hiebe, nach den berühmten Mustern aus der
Maienzeit der grünen Liebe), sondern der Vers oder die Verse
müssen auch den Regeln der Dichtkunst entsprechen und der
Kritik standhalten können.

Von besonderem Interesse ist, daß auch die Reklame selbst
sich jetzt schon des Reims bedient, wenn sie sich empfiehlt. Ein
paar Beispiele sollen das zeigen.

Ein Werbefachmann (Ernst E. Rietzschel, München, Nym-
phenburgerstraße 137) singt in geschickter Weise sein eigenes
Lob. indem er zwei echte Münchner Typen, zeichnerisch vor-
        <pb n="65" />
        DER REIM INDER REKLAME

33

züglich gemacht, im Bild vorführt und ihnen folgende Verse
mitgibt:
Warum die beiden Alten so vergnüglich lachen?
Stehn in der Zeitung denn so lust’ge Sachen?
Ach nein: ein Inserat mit Rietzschelschen Gestalten
Das fesselt und erfreut die guten beiden Alten! —
Humor regier’ die Welt! Daran wird sie gesunden!
Und wirbst Du mit Humor, dann fehlt Dir’s nie an Kunden!

Ein anderer Werbefachmann, der sich hinter dem Schutz
einer Chiffre verbirgt, empfiehlt zugkräftige Zwei- und Vier-
zeiler, indem er versichert:
Wählen Sie die Versreklame,
Und bekannt ist bald Ihr Name
Der Mann hat nicht unrecht, er kennt die Welt und die
Menschen. In einem oberbayerischen Luftkurorte lebt ein Apo-
Iheker, dessen Spezialität es ist, seine Artikel durch aus-
gesprochene Knüppelverse anzupreisen. Im Stil und Geschmack
jener unentwegten „Dichterin‘“ Friedericke Kempner, die der
deutschen Poesie unvergängliche Verse, ungefähr folgender Art
geschenkt hat (ich zitiere aus dem Gedächtnis): „An einem
schönen Sommerabend, eben erst gegessen habend‘, oder:
„Hier stehn Bäume, da stehn Bäume, Und dazwischen
Zwischenräume. In der Mitte fließt ein Bach. Ach!“ Oder auch
im Stile eines anderen Sängers vor dem Herrn: „Schiller will
er länger Sänger Deutschlands sein, Muß ihn Arno Holz vom
Schwulst befrein.‘“ Ich habe bei diesem Bruder in Apoll öfter
Einkäufe gemacht, nur um das Vergnügen zu genießen, meinen
wackeren Reimkollegen zu sehen.

Die in. Hotelier- und Gastwirtskreisen sehr bekannte Firma
Henkel in Düsseldorf, die ihre Erfolge wohl in erster Linie der
zielbewußten Reklame verdanken dürfte, hat neuerdings einen
„Engel‘““ in ihren Diensten gestellt und bedient sich dabei
zugleich des Vierzeilers:

Der ATA-Engel ist vergnügt,
Weil seine Arbeit nur so fliegt
In heller Freude ruft er aus:
ATA gehört in jedes Haus!
An den einst viel angewendeten kategorischen Imperativ
(Wasche mit Luft! Bade zu Hause! Koche mit Gas!) erinnern
die folgenden Zweizeiler:
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        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Sogar Xantippe wird gelenkt,
Wenn man ihr einen Saugling (Staubsaugapparat) schenkt;
Natürlich fehlt hierbei die karikierte Skizze nicht, die uns den
weisen Sokrates zeigt, wie er seiner Frau den „Saugling‘“ über-
reicht.

Wo Höffners Möbel sind im Haus

Sieht’s wohnlich und behaglich aus
verkündet mit dem Brustton der Überzeugung ein Berliner
Möbelhändler.

Ein Dresdner Fabrikant von Hustenbonbons macht beim
unerschöpflichen und köstlichen Wilhelm Busch, dem Meister
des humoristischen Verses und des Zeichenstiftes, eine Anleihe,
indem er singt:
Es ist bekannt seit Alters her,
Sanussa hilft bei Husten sehr.

An Wilhelm Busch oder Rideamus erinnern auch die Verse
ines Grammophonhauses in München:
Der Vater sagt zu seinem Sohn:

„Ich kaufe Dir ein ‚Grammophon‘.

Dann bleibst Du immer hübsch zu Haus
Und gehst nicht mehr zum Lumpen aus.
Wenn gute Musik im Hause ist,

Das Bummeln jeder rasch vergißt.“
In diesem Sechszeiler wird zugleich ein wenig an den
moralischen Rührfäden gezupft.

Nun mögen ein paar abschreckende Beispiele aus dem
täglichen Reklameleben folgen, in denen es Holterdipolter her-
geht und das Wort „Reim dich, ‚oder ich freß dich!“ Trumpf ist.
Also „Muster“ in negativem Sinne. Eine Berliner Schuhgesell-
schaft reimt munter drauf los:
Warum so froh und so vergnügt?

Weil mich jetzt kein Schuh mehr drückt!
Astoria Schuhe sind erprobt,

Drum werden sie von mir gelobt.

Der Firma wünsche ich, daß ihre Schuhe besser sein mögen,
als ihre Verse. — Das Weihnachtsfest hatte eine Münchner
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        DER REIM INDER REKLAME

37

Firma zu folgenden „Strophen“, die eher Katastrophen ähneln,
begeistert:
Das Weihnachtsfest naht.

Jeder beratet früh und spat,

Was er seinen Lieben soll geben,
Um die größte Freude zu erleben!
Er kauft den „Wiesenbummler“
Das Gesellschaftsspiel

Es ist überall erhältlich

Und kostet nicht viel.

Ein etwas zahmerer Hinkepeter ist die gereimte Einladung
zur Silvesterfeier eines Weinrestaurants in Dresden, und damit
komme ich zu Musterbeispielen aus dem Gastgewerbe:

Schwimmst Du im Gelde — droht der Pleitegeier,
Zur Traube komme zur Silvesterfeier,

Bei Wein und Sekt, bei gutem Essen

Sind alle Sorgen bald vergessen.

Mit neu’n Gedanken heim du kehrst,

Bestell’ noch heut’ — überleg’s nicht erst.

Ulk wird kolossal gemacht,

Diesmal geht’s die ganze Nacht.

Denn erst des Morgens früh um vier

Verläßt der erste Gast die Tür.

Damit das Bier sich nicht hinterm Wein zurückgesetzt fühle,
sei noch der gereimten Reklame für Benno-Bier gedacht, mit
der ein Restaurant in Baden-Baden die Flucht in die Öffentlich-
keit angetreten hat:

Das Münchner Bier, wie ihr ja wißt,
Das feinste aller Biere ist;

Doch ist das Trumpf-As erst erkannt
[m Benno-Bier, wie es genannt,

Weil jeden Menschen es gewinnt —
Wie Öl es durch die Kehle rinnt.

Der Stoff, so mild und inhaltsreich,
Ist darin Bacchus Gabe gleich,

Daß er zur Fröhlichkeit euch stimmt,
Und außerdem die Sorgen nimmt.
Drum kommt zu Huttner, labt euch dran,
So lang man es noch haben kann.
Denn ihr bekommt entschieden jetzt
Der Götter Nektar vorgesetzt!
        <pb n="68" />
        AR

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Wer den Dialekt seines Ortes oder der Landschaft beherrscht,
der möge sich seiner beim Reklamereim getrost bedienen. Er
wird erfreuliche Wirkungen damit erzielen. Es seien auch hier-
für zwei Beispiele aus der Praxis hergesetzt, und zwar in
Schweizer Mundart (Berner Dütsch). Das erste hat einen Gast-
wirt in Thun zum Vater:
Im erste Schtock da cha ma ha

Es gutes Zmittag u Znacht derna.
Fürs Zvieri Gnagi, Buurewurscht

U Späck u Hamme, u zum Durscht
E guete Tropfe rächte Wy

Und gmuetlich cha me dert 0 si.
Das zweite Beispiel stammt von einem Geschäft in Bern, das
seinem Reimspiel noch einen originellen Trick zugesellt, indem
es den Leser seine Adresse erraten läßt:
Am Platz, wo kes Theater steit,

Wo d’ Polizei Manschette treit —
Wo aus sich einisch düre zwängt,
U’s gägewärtig d’stadt versprängt
Da steit, dert gägem Dü. Dü zue,

Es Gschäft mit wunderschöne Schue,
Gang lue dr doch das Züg chli a,

Du muesch doch nächstes öppis ha!
Man wird aus den Mustern schon gemerkt haben, daß der
Zwei-, Vier- oder Sechszeiler für eine bestimmte Art Gastlokale
außerordentlich wirkungsvoll sein kann. Namentlich dann,
wenn für regelmäßigen Wechsel gesorgt und der Leser daran
gewöhnt wird, die ulkigen Verse an einem bestimmten Tag und
an bestimmter Stelle zu suchen und zu finden. Man treffe des-
halb mit den in Betracht kommenden Zeitungen feste Ab-
machungen. Nunmehr will ich dem Leser einige Vierzeiler
eigener Erzeugung vorführen, es ihm überlassend, sie im
Original zu verwenden, umzumodeln oder sich lediglich als
Anregung dienen zu lassen. Ich habe bei diesen Vierzeilern
bekannte Lieder und Zitate anklingen lassen, was die Wirkung
ganz sicher nicht beeinträchtigen wird.
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so fröhlich bin?

Der Wein in den „Vier Jahreszeiten“,
Der kommt mir nicht aus dem Sinn!
        <pb n="69" />
        DER REIM INDER REKLAME

Tages Arbeit! Abends Gäste!

Saure Wochen! Frohe Feste! —
Stimmung, Festesschmaus und Wein
Bietet unser Haus! Tritt ein!

Der Wein erfreut des Menschen Herz!

Er mildert auch den tiefsten Schmerz.
Drum, traf Dich Leid, komm” ohne Weilen,
Das „Eldorado“ will Dich heilen!

Des Lebens Unverstand mit Wehmut zu genießen,

Ist falsche Lebenskunst! Willst Du die echte pflegen,

Und willst Du, daß Dir dauernd höchste Freuden sprießen,
Mußt Du im .‚Eden“ einen Stammtischplatz belegen!

Keinen Tropfen im Becher mehr?

Das wird im „Eden“ nie Dich überraschen!
Nie trinkst Du unsern Keller leer:

Wir haben fünfmalhunderttausend Flaschen!

Warum willst Du grübeln und sorgen,
Wohin Du die Schritte sollst lenken?

Wir haben, komm heute und morgen,

Viel Stimmung und Wein — zu verschenken!

Diese harm- und zwanglosen Vierzeiler würden sich für jede
Gaststätte verwenden lassen. Nun gibt es aber auch Lokale, die
von besonderer Eigenart sind und die auf „Stimmungmache“
ausgehen. Sie könnten Vierzeiler mit groteskem Einschlag
wählen, weil ihre Gäste an einer derben Form keinen Anstoß
nehmen würden. Ungefähr so:

Im schwarzen Walfisch zu Askalon,

Da trank ein Mann drei Tag’?

Das ist noch gar nichts, mein lieber Sohn.
Von mir keiner scheiden mag.

Willst Du erfahren, wo das Essen schmeckt?
So mache im Dorado häufig Rast.

Dort hat erst gestern Nacht ein Schleckergast
Sogar den Teller heimlich abgeleckt.

Was rennt das Volk, was wälzt sich dort
Die langen Gassen brausend fort?

Sie folgen ihrem Stern! Zum Eden weist er.
Dort ist ein Küchen-Meister Küchenmeister.
        <pb n="70" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Damit will ich es genug sein lassen mit dieser Art des grau-
samen Reimspieles. Ich hoffe, den Beweis erbracht zu haben,
daß die gereimte Reklame vielseitige Verwendungsmöglichkeiten
bietet, und daß sich gute Wirkungen mit ihr erzielen lassen.
Wiederholt habe ich mir das Privatvergnügen gemacht,
Zeitungsleser in Gaststätten daraufhin zu beobachten, welche
Wirkungen gereimte Reklamen bei ihnen auslösen. Ein ver-
gnügtes Schmunzeln verriet es deutlich. Deshalb wird ein ver-
gnügtes Schmunzeln sich wahrscheinlich auch bei dem Hotelier,
Gastwirt, Cafetier usw. einstellen, dessen Umsatz durch eine
geschickte gereimte Reklame seines tüchtigen Werbefach-
mannes gehoben worden ist. Nun sei einer anderen Form der
gereimten Reklame gedacht: Der Zeitstrophe.
        <pb n="71" />
        DIE „ZEITSTROPHE“ IN DER REKLAME

9. DIE „ZEITSTROPHE“ IN DER REKLAME

In das an sich schon bunte Bild der gereimten Reklame hat
die sogenannte Zeitstrophe eine neue und auch interessante
Note gebracht. Voraussetzung für den Erfolg ist allerdings, daß
diese Werbeart in die Hand eines wirklichen Könners gelegt
wird. Die verarbeitete Idee muß zugkräftig sein und packen,
und auch die Reime müssen verwöhnten Ansprüchen genügen.
Sind diese Voraussetzungen nicht zu erfüllen, dann bleibe man
lieber bei der Prosa. Es sei denn, daß man in dem „Fluche der
Lächerlichkeit“ auch so etwas wie Reklamewirkung erblickt.
Ich meinerseits bedanke mich für eine solch zweifelhafte
Wirkung.

Die „Zeitstrophe‘“ kann also, bei geschickter Anwendung,
hübsche Wirkungen erzielen und schöne Erfolge zeitigen.
Besonders elegant und originell fand ich diese Reklameart von
einer Firma in Dresden angewandt, weshalb ich einige ihrer
Zeitstrophen als Muster wiedergebe. Allerdings mache ich mich
dabei einer kleinen „Fälschung“ schuldig, indem ich die eigent-
liche Reklamepointe auf ein anderes Geleise, nämlich auf das
des Gastgewerbes. gezogen habe.

Endlos tönen Klagen dringlich
Durch den Zeitungsblätterwald,
Daß die Preise unerschwinglich
Für den Lebensunterhalt.

Jedes Fleisch muß man vermeiden,
Denn der Ochse und das Schwein
Wollen, wenn sie sanft verscheiden.
Überreich entschädigt sein.

Will mit Milch, Gemüsenahrung
Fristen man die Existenz,
Scheitert jede Geldersparung

An der steigenden Tendenz.
        <pb n="72" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Die Behörden untersuchen

Diese Hausse fieberhaft,

Doch der Kluge muß versuchen,

Wie er selbst sich Hilfe schafft.

Dieser Kluge trinkt und schmauset
Nur im „Eldorado“ fein.

Wems sonst ob der Preise grauset — —
Dort scheints Paradies zu sein!

Dort gibts riesige Portionen,

Dort ißt Du Dich billig satt.

Komm! Sei klug! Es wird sich lohnen.
Dort klingt jede Klage matt.
Hier ist eine vielbesprochene und vielbeklagte Zeiterscheinung
in geschickter Weise mit der Anpreisung des inserierenden
Lokals verbunden. Das angestimmte Klagelied ist in ganz
Deutschland erschallt und es wird beim Leser auf unbedingtes
Verständnis stoßen. Daraus ergibt sich jene Wirkung, die bei
der Anzeige so außerordentlich wichtig ist: die Einstellung auf
die Psyche des Lesers. Daraus wird Sympathie für das inserie-
rende Restaurant geboren. Man wird sich diesen „Wirt wunder-
mild‘ merken, der so in den allgemeinen Nöten, die jedermanns
Not sind, mit zu fühlen weiß, und früher oder später wird ein
Besuch und Versuch erfolgen. Sache des Gastwirts ist es dann,
durch gute Darbietungen den Versucher zum dauernden Be-
sucher zu wandeln. Nicht minder dankbar wird sich bei der
Zeitstrophe die Verwendung lokaler Ereignisse erweisen. Das
nächste Musterbeispiel wird es zeigen.

Ach, dem Volkswirtschaftler graut!
Überall wird abgebaut

Und der Geldnot schwere Herbe
Drückt auf Handel und Gewerbe.
Nur die Stadt ist sehr geschäftig
Und erhebt die Steuern kräftig.
Doch es macht sie sehr verlegen,
Diese Gelder anzulegen.

Endlich fiel ihr Augenmerk

Auf das Schloß am Albrechtsberg
Und für wenige Millionen

Kaufte sie die Sensationen.

Gleiche Summen bietet man

Für private Parke an,

Und im schönen Blasewitz

Kauft sie täglich Grundbesitz.
Ach! Man faßt sich an den Haaren!
Überall denkt man ans Sparen.
        <pb n="73" />
        DIE „ZEITSTROPHE“ IN DER REKLAME

Nur das Vorbild der Behörde

Gibt uns Anlaß zur Beschwerde.
Weil doch so etwas nicht recht ist,
Und weil solches Beispiel schlecht ist,
Fängt der wirklich kluge Mann

Mit dem guten Beispiel an.

Dieses Beispiel gibts für jeden

In dem weltbekannten „Eden“.

Dort ißt man für eine Mark sich
Nudeldick und satt und stark sich.
Laßt den Stadtrat Parks erhandeln — —
Wir wolFPn nur ins ‚Eden‘ wandeln.
Auch hier ist eine Erscheinung kritisch behandelt und mit
der Anpreisung des eigenen Lokales geschickt verknüpft
worden, welche die Gemüter sehr heftig erregt und viel böses
Blut gemacht hatte. Es liegt also auch in dieser Zeitstrophe
starke Suggestionswirkung. Da aller guten Dinge drei sein
sollen, sei noch ein drittes Beispiel hierhergesetzt:

Man wird solide und darum

Dreht sechsmal man den Pfennig um,
Man trägt ihn liebevoll zur Bank

Und jeden Kauf bedenkt man lang.
Die Spareinlagen schwellen stündlich
Man kalkuliert und rechnet gründlich:
Und mählich kommt die schöne Zeit
Der alten deutschen Biederkeit.

Man sitzt zu Hause traumverloren,

Die Radiomuschel an den Ohren,

Und lauscht der Mirag buntem Spiel
Für wenig Geld mit viel Gefühl.

Nur Vater ist noch nicht zu Haus.
Der ruht im Eldorado aus.

Der ißt sich im Dorado satt,

Weil er den großen Spartrieb hat,
Denn was er dort fürs Kleingeld kriegt,
Das kann die gute Mutter nicht.

Das Kunststück will ihr nicht gelingen,
[st sie auch klug in allen Dingen.
Drum sagt sie selbst: „Geh, Alter, flink!
Das Eldorado ist ein Ding,

Von dem man preislich sprechen muß,
Und dort zu speisen, ist Genuß.

Es ist Genuß, zugleich Ersparnis!“

So sagt Mama! Sie sagt, was wahr is.
Der Vater hörts. Erfaßt den Sinn

Und eilt zum „Eldorado“ hin.
        <pb n="74" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Bestellt sich dort das süffig-starke
Dorado-Bier, die Edelmarke.

Er speist dort fein, mit Billigkeit.
Und steuert so der Not der Zeit.
Dem aufmerksamen Leser wird es bereits aufgefallen sein,
worauf die starke Wirkung dieser Zeitstrophen beruht. Sie
wenden sich direkt an den Leser, sie tragen einen ganz persön-
lichen Charakter und sie beschäftigen sich mit Themen, die
heute alle Gemüter in ihren Bann fesseln. Dadurch fesseln sie
auch. Darin liegt die besondere Suggestionskraft, die den Leser
sozusagen hypnotisiert und ihm suggeriert, das sich empfehlende
Restaurant zu besuchen. Weil diese Zeitstrophen regelmäßig
an einem bestimmten Tag und stets am gleichen Platz
erscheinen, wird der Zeitungsleser sich daran gewöhnen, nach
den originellen Versen zu suchen. (Ich habe das ebenso regel-
mäßig getan, wie die Zeitstrophen regelmäßig erschienen sind.)
Der Name des Lokals prägt sich unserm Gedächtnis ein und bis
zum Besuch ist dann nur noch ein kleiner Schritt.
        <pb n="75" />
        VORSICHT! DER SETZKASTEN IST OFT DES INSERENTEN FEIND! 75

10. VORSICHT!!! DERSETZKASTENISTOFT
DES INSERENTEN FEIND!
Wenn man die Anzeigen in der „Provinzpresse“ mit kriti-
schen Blicken betrachtet, so erlebt man allerlei Überraschungen.
Obwohl gerade diese Inserate für viele Zeitungen die „milchende
Kuh‘ bedeuten, denn sie werden meistens nach dem vollen
Tarif bezahlt und der Verleger verliert dabei nichts durch
Rabatte, finden sie doch recht häufig eine Behandlung, die
beim geschulten Reklamefachmann mit Recht Kopfschütteln
erregt. Ungeschickter, wenig wirkungsvoller, zuweilen sogar
stümperhafter Satz — gar oft hebt der gedankenlose Setzer die
nebensächlichsten, nichtssagenden Worte durch Riesenlettern
aus dem Satzbild heraus, während die Worte oder Sätze, auf
die es ankommt, kaum zu lesen sind — häßliche, unwirksame
Umrandungen und abgequetschte, zerbrochene, beim Druck
schmierende Typen sind alltägliche Erscheinungen. Ganz beson-
dere Überraschungen kann man aber erleben, wenn der Auftrag-
geber der Anzeige es der Druckerei, beziehungsweise dem Setzer
überläßt, den gelieferten Text durch Beigabe eines Klischees zu
„schmücken“. Um meine Worte kräftiger zu illustrieren, greife
ich einmal hinein ins volle Leben der Anzeige, und wenn €s
auch nicht interes-
sant ist, wo ich es
gepackt habe, . so ist
es doch grotesk. Al-
lerdings unfreiwillig
grotesk, was keine
Empfehlung ist.

Die wiedergegebe-
nen Beispiele stam-
men aus dem Inse-

‚0808
        <pb n="76" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

ratenteil der führenden
Zeitung eines unserer
mondänsten und vor-
nehmsten Badeorte. Er
hat seit Dezennien Welt-
ruf. In seinen Hotels, Sa-
natorien, Fremdenhei-
men und Gaststätten ge-
ben sich schon seit vielen
Jahren die Angehöri-
gen der internationalen

guten Gesellschaft, einst sagte man, der oberen Zehntausend,

im Frühjahr, Sommer und Herbst ein Stelldichein. Man sollte

annehmen, daß die Eleganz, der gute Geschmack und die

mondänen Gewohnheiten der fremden Gäste auf die Geschäfts-

welt und vor allem auf die „öffentliche Stimme‘ dieses Bade-

ortes abgefärbt hätten, und daß auch der Anzeigenteil der

Zeitungen mit dem „Sauseschritt der Zeit‘“ mitgegangen wäre.

Nun sehe man sich einmal die wundervollen Zeichnungen

an, die jene Zeitung diesen drei „Muster“- und ‚Meister‘ -

Anzeigen als schmückendes und aufmunterndes Beiwerk auf

den Weg mitgegeben hat. Wollte man eine groteske Wirkung

von ungewöhnlichem Ausmaße erzielen, so hätte man kaum

einen wirkungsvolleren Weg beschreiten können. Die Tänzer-

paare auf diesen drei Klischees entstammen einer Zeit, auf die

wir uns heute kaum noch besinnen können. Die Tänzerinnen

zeigen uns die Mode von vor 30 oder 40 Jahren, die Tänzer

dürften. einem noch früheren Zeitalter entsprungen sein. Ich

glaube nicht, daß man in jenem Weltbad heute — meine ent-

zückenden Muster ha-

ben im ersten Viertel

des Jahres 1926 in Dut-

zenden von ähnlichen

Anzeigen immer wieder

das Licht der Welt er-

blickt — noch solchen

Tanztypen begegnet, wie

jene Zeitung sie uns,

wohlkonserviert, im Bil-

de vorführt. Die Gro-

teske wird erst voll-

Kraucrei Bleizer
hente Abend bon S Uhr ab
janz-Unterhalt
‚ANZ-UMIETNANUNG
wozu Freunde und Gönner einladet.
, Schüßgen: Club Friedrihsöhöhe
Baden: Baden. 10656*
Mufif der Yazz3-Kapelle Wbi.
3. abschreckendes Beispiel.
        <pb n="77" />
        VORSICHT! DER SETZKASTEN IST OFT DES INSERENTEN FEIND! 77
kommen, wenn man aus dem
Text ersieht, daß diesen vorsint-
flutlichen Tanzpaaren die hyper-
modernste Musik, nämlich Jazz-
Band, aufspielt.

Zugegeben sei, daß diese An-
zeigen sich nicht gerade an die
fremden Gäste jenes Badeortes
wenden. Aber es ist doch wie-
derum anzunehmen, daß diese
Fremden doch einmal einen
Blick in die führende Presse der
Stadt werfen. Dann müssen sie,
wenn sie Sinn für Humor haben,
allerdings vor Vergnügen wie-
hern. Aber ich glaube doch
nicht, daß der Zweck dieser

Anzeigen es war, für die Bewegung des Zwerchfells und für die
Heiterkeit der fremden Besucher zu sorgen, obwohl lachen
gesund ist und die Pflege der Gesundheit die vornehmste Auf-
gabe eines jeden Badeortes sein sollte.

Ich mache den Lesern und mir das Vergnügen, an Hand der
weiteren Beispiele zu zeigen, daß es innerhalb der Grenzen des
Heimatlandes jenes mondänen Badeortes noch Klischees gibt,
die sich sehen lassen können und die auch Tanzpaare sehen
lassen, die nicht Großmutters Rumpel-
kammer entsprungen zu sein scheinen.

Diese beiden Beispiele fand ich ebenfalls
in „Provinzzeitungen“, wenigstens pflegt
der von sich und seiner Hauptstadt ein-
genommene Berliner die Heimatstädte
der „guten‘“ Mu-
AAAAAA ster, Dresden und
Moderne München, für
Tänze „Provinz“ zu er-

klären.

Es wäre mir
leicht möglich ge-
wesen, diese Gro-
teskmuster durch
weitere Beispiele

741] 4 0

TVTUSVV
3. (Muster-) Reispiel.:
        <pb n="78" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

zu vermehren, doch ich will es lieber genug sein lassen des
grausamen‘ Spiels. Nur ein einziges, abschreckendes Muster,
das sechste, sei noch hierhergestellt, um das halbe Dutzend
voll zu machen. Es ist nichts weiteres darüber zu sagen, als
daß es auch einer Zeitung jenes mondänen Bades entstammt,
und daß es an Geschmacklosigkeit nichts zu wünschen übrig
läßt. Ob die Geschmacklosigkeit dieser Anzeige die Schmack-
haftigkeit des angekündigten Schlachtfestes recht nachdrück-
lich hervorheben sollte, weiß ich nicht. Möglich könnte es wohl
sein, denn auf dem Schlachtfelde der Reklame begegnet man
gar schnurrigen Kostgängern.

Ich habe den Badeort, wo ich diese Grotesk-Anzeigen fand,
absichtlich nicht genannt, weil es sich für mich lediglich um die
Sache handelt. An Hand dieser Beispiele will ich den Gastwirten
so deutlich wie möglich vor Augen führen, daß es dringend
nötig ist, sich um die technische Ausführung ihrer Reklame-
anzeigen zu kümmern. Die Beispiele beweisen ihnen, daß sie
sich selbst nützen, wenn sie bei jeder Art der Reklameanzeigen
es nicht dem Setzer überlassen, aus seinem Setzkasten etwas
nach seinem Geschmack zusammenzubauen, der nicht immer
der Geschmack des Auftraggebers ist, sondern daß sie über
Form, Text und Ausführung ihrer Anzeigen immer entweder
selbst bestimmen oder die Bestimmung ‚einem tüchtigen
Reklamefachmann übertragen sollten.
        <pb n="79" />
        GROTESKE REKLAME. DURCH ORTHOGRAPHISCHE SCHNITZER 79

11. GROTESKE REKLAME DURCH ORTHO-
GRAPHISCHE SCHNITZER

Bei der grotesken Reklame ist manches erlaubt, was bei der
vornehmen Werbung verboten ist. Die groteske Form kann
sowohl durch die Zeichnung als auch durch die absonderliche
Gestaltung des Textes hervorgerufen werden. Die auf Blickfang
ausgehende groteske Zeichnung hat es natürlich leichter, zumal
wenn der Künstler es versteht, neben dem rein Grotesken auch
den Humor zu Wort kommen zu lassen. In diesen Zeilen soll
aber nicht von der Zeichnung, sondern vom Text gesprochen
werden, und zwar will ich mich mit einer Form beschäftigen,
die noch nicht allzu sehr ausgeschlachtet ist, also einen gewissen
Reiz der Neuheit hat. Vorausschicken muß ich, daß diese Form,
nämlich Verwendung von grotesk wirkenden orthographischen
oder grammatikalischen „Schnitzern“, sich natürlich nicht für
jede Reklame eignet. Es gibt im Gastgewerbe aber eine ganze
Anzahl von Betriebsformen, in deren Dienst sie sehr wohl
gestellt werden könnte. Sie würde etwas Abwechslung in das
Alltagsbild bringen.

Um den Leser mit einem Schlage zu orientieren, will ich ein
solches groteskes Beispiel aus der Praxis auf der umstehenden
Seite. wiedergeben. Es stammt aus Frankreich, und es ist ein
Hotel-Restaurant, das sich bei seinen Gästen, und bei denen,
die es werden sollen, durch diese originelle und in gewissem
Sinne wirkungsvolle Art der Reklame in der Erinnerung fest-
zusetzen versucht.

Dem Kenner der französischen Sprache wird ohne weiteres
klar, worin die absonderliche Wirkung, das Groteske dieses
Inserats liegt. Ich will versuchen, es auch dem zu „übersetzen“,
der die französische Sprache nicht beherrscht. Doch muß ich
        <pb n="80" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

ANSSIENNE MAISON DUPONT
ROBIN SUCCESSEURE
Au Clair de Lune
AUTEL, RESTORAN, CAFET
NAUSSES ET BANQUETTES
Orquaistre avec Jazz
ON DENCE ON RIZ
Ca me dit Dix manche et Faites de 14 ä 24 heures.

ETABLISSEMANT ULTRAT MAUDERNE
Oh=Gbarre de Ia Marne Pont de Bry=s/Marne. Avisse Importan -
on ne ressoit pas de cou de fusit.

Terace naturel unique. — Sallons particullies en plaine aire.
Garrage - Parrasseuls - Telephone 30. Tram 120 - Autobus -
Porte de Vincennes.

vorausschicken, daß manches dieser sprachlichen Ungeheuer
sich überhaupt nicht übertragen läßt, so daß nichts weiter
übrigbleibt, als eine nähere Erläuterung zu geben.

Verrückt ist schon der Anfang: Anssienne Maison Dupont —
Altbekanntes Haus Dupont (ich übersetze frei, um den Sinn
besser zu treffen). Der gebildete Franzose wird sofort stutzig
werden, wenn sein Blick auf das Wortungeheuer „Anssienne‘‘
(statt Ancienne) fällt. Als ob man im Deutschen schreiben
wollte: Ahldpekandess Haus Dupont.

Dann folgen die weiteren Wortungebilde: Autel (statt Hotel),
Restoran (statt Restaurant) und Cafet (statt Cafe). Gleichwertig,
also grotesk, sind die nächsten Ankündigungen: Nausses (statt
Noces — Hochzeiten), Banquettes (statt Banquets). Das
wundervolle Orquaistre soll Orchestre heißen. On Dence (statt
on danse — man tanzt —) und On Riz sind köstlich. Nament-
lich das letzte ist verblüffend in seiner grotesken Wirkung, denn
es soll eigentlich heißen: man lacht — on rit, während durch
die Verwechslung eines einzigen Buchstabens kompletter Unsinn
entstanden ist. Riz heißt nämlich Reis.

Kaum zu übersetzen sind die dann folgenden Bekenntnisse
        <pb n="81" />
        GROTESKE REKLAME DURCH ORTHOGRAPHISCHE SCHNITZER 81

dieser schönen Groteskreklameseele. Ca me dit heißt nämlich:
das sagt mir, während es heißen soll: samedi — Samstag. Dix
manche heißt wörtlich übersetzt zehn Ärmel (richtig müßte es
jedoch dix manches heißen). Sagen will der Reklamekünstler
aber eigentlich Dimanche — Sonntag! Faites de 14 a 24 heures
würde wörtlich heißen: Gemacht von 14 bis 24 Uhr. (In Frank-
reich zählt man die Tageszeit bekanntlich von 1 bis 24.)
Ankündigen will der Schelm: Fetes — An Feiertagen.

Etablissemant ultrat mauderne müßte, richtig geschrieben,
so aussehen: Etablissement ultra moderne. Die Worte klingen
dem französischen Ohr in dieser „modernen“ Schreibweise ganz
verrückt. Das Gleiche ist mit Oh-barre de la Marne Pont de
Bry-s/Marne der Fall. Sagen will der Nachfolger von Herrn
Robin (Successeure — Nachfolger, das „e‘ am Ende ist über-
(lüssig), daß sein Etablissement an der Schranke (au barre)
der Marne-Brücke liegt. Durch den Schreibfehler macht er aber
einen Seufzer daraus: Oh Schranke! Aviss Importan soll ein
„Wichtiger Hinweis“ sein und müßte „Avis important“ geschrie-
ben werden. Der „Hinweis“ selbst ist wiederum eine köstliche
Leistung. Gemeint ist, daß man im Maison Dupont keine
„Flintenschüsse‘“ erhält. Das hätte so angekündigt werden
müssen: On ne recoit pas de coup de fusil. Ressoit ist Unsinn
und Cou de fusit (statt fusil) ist geradezu Blödsinn, denn cou
heißt Hals. Man bekommt dort also keinen Flintenhals.

Terace naturel unique (es müßte heißen: Terrasse naturelle
UNIque — einzigartige natürliche Terrasse) reiht sich dem vor-
ausgegangenen Blödsinn würdig an, ebenso wie die „Sallons
particulies en plaine aire“. Richtig: Salons particuliers en pleine
are — Separate Salons in freier Luft. Sie sind natürlich genau
so unmöglich wie die terrasse naturelle, die „natürliche
Terrasse“. Oder hat jemand schon mal eine unmnatürliche
Terrasse oder einen abgeschlossenen Salon im Freien gesehen?

Wenn man diese Anzeige Wort für Wort studiert, so erkennt
man, daß hinter dem scheinbaren Blödsinn jener wortspieleri-
sche gallische Esprit sich verbirgt, in dem der zungengewandte
Franzose zu Hause ist und mit dem er so gern brilliert. Ein
Muster für diese übermütigen Wortspielereien ist die drastische
Übersetzung des bekannten Schillerzitates aus Don Carlos: Arm
in Arm mit dir, so ford’re ich mein Jahrhundert in die
Schranken: — Pauvre en pauvre avec toi je demande mon
siecle dans mes armoires. Damit komme ich zu dem Punkt. der
        <pb n="82" />
        29

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
mich veranlaßte, gerade diese französische Grotesk-Anzeige als
Muster zu wählen und zu besprechen.

Man muß es dem Anzeigentext anmerken, daß die grotesken
Schnitzer gewollt, also absichtlich gemacht sind. Aber es muß
ihnen auch Geist und Witz innewohnen! Nur dann werden sie
die gewünschte Wirkung erzielen. Dieses französische Wortspiel-
Inserat könnte zum Beispiel ohne weiteres in jedem guten
Witzblatt erscheinen, denn man muß tatsächlich darüber
lachen. Das aber soll ja der Zweck der Übung sein! Zunächst
soll die Anzeige durch die verrückten orthographischen Fehler
den Blick fangen. Dann soll sie aber auch den Geist gefangen
nehmen durch ihre originellen und gar nicht so leichten und
einfachen Wortspiele. Ca me dit, dix manche und Faites sind
ganz köstliche Beispiele für derartige leichtflüssige Wortscherze,
die auch im Deutschen sehr wohl möglich sind. |

Wer mit einer solchen grotesken Anzeige durch die blöd-
sinnigen. Schreibfehler zuerst den Blick gefangen hat, dann
durch geschickte und geistvolle Wortspiele den Geist zu fesseln
weiß, der wird dem Leser auch ganz zweifellos den Wunsch
suggerieren, jenes Lokal recht bald einmal zu besuchen, um es
selbst und seinen originellen Inhaber kennenzulernen,
        <pb n="83" />
        DAUERWERBUNG DURCH DAS KENNZEICHEN 83

12. DAUERWERBUNG DURCH DAS KENN-
ZEICHEN

In dem Abschnitt über den Wert zielbewußter Propaganda
kam ich auf den Odol-Lingner und seine bedeutenden Erfolge,
hauptsächlich durch die geschickte Art seiner Reklame bewirkt,
zu sprechen. Er sei nochmals als Beispiel angeführt. Untrennbar
vom Worte Odol ist seine sich immer gleich-gebliebene Schrift-
art: schwarz-weiß im hellblauen Grunde, untrennbar davon ist
die ebenso charakteristische Form der Flasche. Beides hat uns
Lingner mit einer solchen Suggestivkraft eingeprägt, daß schon
ein ganz flüchtiges Hinsehen genügt: Aha, Odol! Von der
Suggestion bis zum Kauf wird bei vielen Menschen kein allzu-
weiter Weg gewesen sein.

Will der Hotelier, der Fremdenverkehrsinteressent, wirkungs-
volle, den Erfolg verbürgende Reklame machen -— ich rate ihm
dringend dazu — dann bemühe er sich um irgendein Kenn-
zeichen von suggestiver Wirkung, das in allen seinen Anzeigen,
in verschiedenen Größen, aber auch in allen Prospekten, Brief-
bogen, Rechnungen usw. zu finden sein muß. Sei es ein beson-
ders charakteristisches Zeichen seines Hauses oder seiner Stadt.
Sei es eine originelle Umrandung, die in gleicher Art bei allen
Anzeigen wiederkehrt. Sei es der Name des Hotels oder der
Gaststätte in einer vom Alltäglichen abweichenden Schriftart.
Sei es auch nur irgendein Zeichen von besonderer Eigenart,
das sich dem Beschauer einprägen muß und sich ihm mit dem
betreffenden Betrieb selbst in seinem Gedächtnis fest verbindet.
Findet der Leser in den verschiedensten Tageszeitungen oder
Zeitschriften immer wieder dieses Zeichen, so suggeriert es ihm
unweigerlich auch den Namen der Gaststätte. Es erinnert ihn
bei der nächsten passenden Gelegenheit an die ihm in der
Anzeige geschilderten Vorzüge dieses Hauses, und er wird
        <pb n="84" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
früher oder später entweder sein Gast werden oder es bei
Gelegenheit im Bekanntenkreise empfehlen. Das ist eben die
Macht der Suggestion durch wirkungsvolle Reklame, die wohl
jeder schon an sich selbst erfahren hat, wenn er es auch nicht
beachtete oder nicht wahr haben will,

In einem späteren Abschnitt über die Kofferetikette werde
ich eine Anzahl jener kleinen, künstlerischen Bildwerke wieder-
geben, die man wohl mit Recht den reisenden Propagandisten
der Hotels nennen kann. Bei verschiedenen dieser Koffer-
etiketten wurde bereits der Versuch gemacht, durch Wieder-

Das Kennzeichen des Hotels Frank-

furter Hof in Frankfurt a. M. Zwei

der starken Männer von der Front
des Hauses.

Das Kennzeichen des Hotels Euro-
pdischer Hof in Heidelberg: Europa
mit dem Stier.

gabe charakteristischer städtischer oder landschaftlicher Merk-
male sich ein solches Kennzeichen zu schaffen.

Die meisten Besitzer oder Leiter von Gaststätten überlassen
es den Zeitungen oder Zeitschriften, denen sie ihre Anzeigen
bestellen, die Form und das Satzbild der Reklame zu bestimmen.
So kommt es, daß der Mehrzahl namentlich der Hotelanzeigen
die Eigenart, die Bewegtheit und die Farbigkeit fehlt. Unter
„Farbigkeit‘“ verstehe ich natürlich keinen buntfarbigen Druck,
sondern ein künstlerisches oder besser: plakathaftes Gesamtbild
der Anzeige. Wer nicht in der Lage ist, ganze oder wenigstens
halbe Anzeigenseiten für sich allein zu belegen, der muß sich,
wohl oder übel, damit abfinden, daß seine Reklame inmitten
der Masse anderer Inserate steht. Deshalb ist es unerläßlich,
daß man der Anzeige eine Form und Gestaltung gibt, die sie
durch sich selbst aus der Masse heraushebt. Dieses Ziel erreicht
man eben, wenn man seiner Reklame durch ein besonderes
Kennzeichen, eine aparte Schriftart, eine originelle Umrandung
        <pb n="85" />
        DAUERWERBUNG DURCH DAS KENNZEICHEN 85

oder durch sonst ein ins Auge fallendes Merkmal eine charak-
teristische Eigenart gibt. Das ist natürlich niemals in zufrieden-
stellender Weise zu erreichen, wenn der Gaststätteninhaber sich
mit Abfassung des Inseratentextes begnügt, die Wahl der Form,
der Schriftart und der Umrandung aber den Zeitungssetzern
überläßt, wie ich es schon in vorhergehenden Kapiteln ge-
schildert habe. Man sollte deshalb, wenn man nicht zum
Klischeeinserat übergehen will, sich wenigstens dazu ent-
schließen, die vorerwähnten charakteristischen Merkmale seiner
Hausreklame, fertig klischiert, den Zeitungen und Zeitschriften
zu liefern. Es verteuert zwar die Reklamekosten ein wenig, aber
es gibt auch die Garantie des größeren Erfolges.

Der Schweizer Hotelier-Verein hatte sich vor dem Kriege zur
Regel gemacht, in seinem Hotelführer, genannt „Die Hotels der
Schweiz‘, bei jedem aufgezählten Hotel in zwar winzig kleiner,
aber doch wirkungsvoller Weise das Bild des betreffenden
Hauses wiederzugeben. Dadurch wurde dem Benützer des
Führers die Möglichkeit geboten, sich selbst von jedem Hotel
die richtige Vorstellung zu machen. Der „Österreichische Hotel-
und Reiseführer“ ist diesem guten Beispiel gefolgt und hat eben-
falls wenigstens einem Teile der Hoteladressen ein kleines Bild
der Hausfassade beigesellt. Man würde die Wirkung der
Reklame wesentlich erhöhen, wenn man sich dazu entschließen
könnte, die schweizerischen und österreichischen Beispiele bei
allen Reklamen und Anzeigen zu befolgen. Es müßte für diesen
Zweck allerdings eine entsprechende Anzahl Klischees in ver-
schiedenen Größen vorrätig gehalten werden. Die einmalige
Ausgabe dürfte sich durch besseren Erfolg der Anzeigen aber
bald bezahlt machen. Sogar die Stellenangebotsanzeigen, die
namentlich vor der Sommersaison in der Fach- und Tagespresse
zahlreich zu erscheinen pflegen, könnten, neben ihrem Haupt-
zweck, noch der Hausreklame dienstbar gemacht werden. Das
wäre dadurch zu erreichen, daß keine Anzeige ohne das
Fassadenbild des Hotels, ohne sein charakteristisches Reklame-
kennzeichen und ohne ein paar kurze Hinweise auf den Cha-
rakter und die Darbietungen des Hauses erscheint. Dieser
wichtigen Frage: bessere, werbekräftigere Auswertung der
kleinen Anzeigen auf dem gastgewerblichen Arbeitsmarkt,
widme ich ein ebenso interessantes wie wertvolles Kapitel mit
zahlreichen Musterbeispielen, dessen Beachtung ich besonders
empfehle.
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        —__ DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

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Wofel Adlon
Unter den LindemT
am Farıifer Platz
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Früßstücks-Harte
Berlin den 20. April 1925

ner u
Pine Frühstückskarte des Hotels Adlon in Berlin in Verbindung mit dem „Kennzeichen“,
        <pb n="87" />
        DAUERWERBUNG DURCH DAS KENNZEICHEN 87

Es würde zu weit führen, wollte ich auch auf die technische
Seite dieser wichtigen Reklamefragen eingehen. Kurz erwähnt
sei nur, daß vor Anfertigung von Klischees, namentlich von
solchen nach Photographien, festgestellt werden muß, für
welche Art Druckschriften sie verwendet werden sollen. Sind
sie für belletristische Zeitschriften oder Fachzeitungen bestimmt,
die auf Kunstdruckpapier oder hochsatiniertem Papier gedruckt
werden, so kann ein feiner Raster gewählt werden. Bei gewöhn-
lichem Werkdruck- oder maschinenglattem Papier muß ein
entsprechend gröberer Raster in Anwendung kommen. Für den
Rotationsdruck bestimmte Klischees -— das trifft bei den

a

DE
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“Ay?

Kennzeichen des Hotels Fürst

zu Stolberg, Schierke, in grün-

schwarz-weiß gehalten, wie alle

Werbeschriften, Plakate usw. die-
ses Hauses.

Das Kennzeichen des Park-Hotels in Düsseldorf.
Es wurde auch auf die Dienstkleidung über-
tragen, und zwar führen es die Pagen als ge-
sticktes Brustabzeichen, die Kellner als gesticktes
Abzeichen am linken Oberarm.
meisten Tageszeitungen zu — sind nur dann verwendbar, wenn
sie nach einem bestimmten Verfahren hergestellt werden,
worüber jede xylographische Anstalt Auskunft gibt.

Um das übers Kennzeichen Gesagte auch durchs Bild zu
unterstützen, habe ich zwischen den Text einige Beispiele aus
dem praktischen Leben eingeflochten. Es sind die charak-
teristischen Kennzeichen von Hotels, die schon einen großen
Ruf haben, es aber doch nicht verschmähen, ein solches apart
wirkendes Merkmal in ihren Werbedienst zu stellen. Wenn
solche Häuser von Rang und Ruf sich des Kennzeichens
bedienen, um wieviel notwendiger ist es für Hotels, die sich
einen solchen internationalen Namen erst erwerben wollen. Das
Finden eines Merkmales ist gar nicht so schwer, als es vielleicht
        <pb n="88" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

den Anschein hat. Es wird wohl kaum ein Hotel geben, das
nicht in seiner Fassade, in seinem Betriebe, in seinem Namen,
in seiner Geschichte oder auch in seiner näheren Umgebung
irgendeine Besonderheit hat, die: sehr gut den Kern oder auch
den Rahmen zum gesuchten Kennzeichen geben könnte. Das
Eden Hotel in München zum Beispiel hat seine Kofferetikette
zum „Kennzeichen“ gemacht, das auf allen seinen Schrift-
sachen und Werbematerialien (Briefbogen, Umschlägen,
Taschenkalender, Zimmer- bzw, Schlüsselkarte usw.) wieder-
kehrt. Ich berichte darüber in den betreffenden Abschnitten.
Zuweilen liegt das Charakteristische schon im Namen, wie
bei meinem Beispiele von „Uhls‘“ Bristol Hotel (Eule) und vom
„Adlon“ (Adler). Für Kurort-Hotels könnte es sich in einer
besonderen Eigenart der Kurmittel finden lassen. Es sei an die
Schöpfung des weltbekannt gewordenen Naturarztes Pfarrer
Sebastian Kneipp, das Bad Wörishofen in Bayern, erinnert.
Dort ist das Barfußgehen in Sandalen besonders charak-
teristisch. Das dortige „Hotel Bellevue“, jetzt „Park-Hotel“‘,
hatte vor dem Kriege einen solchen Barfußgeher auf seiner
Kofferetikette verwendet und damit eine sehr originelle und
auffallende . Wirkung erzielt. Im Kurort Weißer Hirsch bei
Dresden verwendet man gern den weißen Hirsch in einer stili-
sierten Zeichnung. Das „Hotel Astoria‘ in Leipzig hat sich als
Kennzeichen einen köstlichen Barocklöwen gewählt, der auf der
Kofferetikette, den Briefköpfen, Rechnungsformularen und
auch in den Reklamen immer wiederkehrt, und den man nicht
mehr vergißt, weil dieser Barocklöwe gar zu herzig ist. Hoffent-
lich habe ich mit diesen Hinweisen genug Anregungen gegeben,
und wir werden dem „Kennzeichen“ bei der künftigen Hotel-
-eklame in apdarten Formen recht zahlreich begegnen.

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WACH

Kennzeichen von Conrad Uhls Hotel
Bristol in Berlin (Eule — Uhl!)
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        GEMEINSCHAFTSREKLAME DER HOTELS MIT DEM KURORT

8G

13. GEMEINSCHAFTSREKLAME
DER HOTELS MITDEM KURORT

Man begegnet der Gemeinschaftsreklame, die ich kurz
Kollektivreklame nennen will, jetzt häufiger als vor dem Welt-
kriege. Sie ist ein Zeichen der Zeit. Zusammenschluß auf allen
Gebieten, weil der einzelne sich machtlos fühlt. Als die Anzeigen-
preise der Zeitungen und Zeitschriften Milliarden- und Bil-
lionenziffern erreicht hatten, kam der Alleinmarschierende
nicht mehr mit. Wenigstens sah man die winzige Anzeige nicht,
die er sich für seine Milliarden leisten konnte. So wurde die
Kollektivreklame, die man schon vor dem Weltkriege gekannt
hatte, neu geboren.

Sie kann Gutes leisten, wenn sie gut entworfen, geschickt
arrangiert und richtig verteilt wird. Aber Vorbedingung ist,
meiner Ansicht nach, daß nicht Hotels und Fremdenheime
der verschiedensten Klassen wahllos mit allerhand Waren-
magazinen und Handwerkern zusammengekoppelt werden, die
einen ganz verschiedenen Kundenkreis haben. Das hat man
seither bei der Kollektivreklame ein wenig außer acht gelassen,
und es ist wohl die Ursache, daß nicht immer Freude in Trojas
Hallen herrscht und daß die Außenseiter sich mehren.

Das Grand-Hotel oder das Palast-Hotel oder das bürgerliche
Hotel Müller oder das vornehme Weinrestaurant oder den
einfachen Bierausschank mit einer Anzahl Geschäften der
verschiedensten Art an denselben Wagen zu spannen, ist ein
Unterfangen, das entweder dem einen oder dem anderen
Beteiligten nicht bekommen wird. Im 5. Kapitel betr. „Zeitungen
und Zeitschriften‘ mache ich darauf aufmerksam, daß ein
vornehmes, erstklassiges Hotel nicht in Zeitungen und Zeit-
schriften inserieren dürfe, die einen ausgesprochen kleinbürger-
lichen Leserkreis haben: daß ein Geschäftsreisendenhaus sein
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        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

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Das Skitourengeblet von Davos
ist unerschöpflich. Frei’s Führer beschreibt üb. 150 Touren
il. Skimeeting im März 1927
Günstizste Bedingungen und Preise

HOTEL CURHAUS SOkMOTEL
260 Betten
Davos-Platz., 100 Betten, Zimmer
Sport-Zentrum mit Pad nnd Aießendem Wasser,
MOTEL MONTANA

Davos-Dorf, Propr.: Abr, Gredig-

Mattli. 60 Betten, Pensionspreis
von PP 314

HOTEL NATIONAL
100 Betten, Für Skifahrer im März
und Avril von Fr, 13.— an.

SPORT- UND PP . WVYEb sOTEL SCALETTA
Davos-Dorf, 26 Betten. Penslanspreis Fr. 12.— bis 14,—

Ein origineller Gedanke, das Skitourengebiet des Kurortes mit einer Kollektivanzeige
zu verbinden.
        <pb n="91" />
        GEMEINSCHAFTSREKLAME DER HOTELS MIT DEM KURORT 91
Reklamegeld wegwirft, wenn es Blätter mit ländlichem Leser-
kreis wählt.
Diese unbedingt nötige individuelle Unterscheidung ist bei
dem ausgesprochenen Kollektivinserat nicht möglich. Das
heißt: möglich wäre sie schon! Ich will also richtiger sagen:
es wurde bisher zu wenig an die Notwendigkeit dieser Unter-
scheidung gedacht. Die Aufmerksamkeit sei deshalb darauf
hingelenkt, weil der Gedanke der gemeinschaftlichen Reklame
durchaus nicht schlecht ist, aber unter falscher Anwendung
leiden müßte.
Man vermeide es deshalb, bei der Kollektivreklame grund-
verschiedene Geschäfte zusammenzuschweißen. Für falsch
und verfehlt halte ich den jetzt oft -geübten Brauch, in dieser
Kollektion alles Mögliche zu vereinigen. Es erscheint mir
richtiger und zweckentsprechender, daß möglichst nur Hotels
und Fremdenheime vereint marschieren, und daß wiederum
die Ladengeschäfte aller Art und die Handwerker sich zu-
sammentun; wenn auch die Anzeige der einen und der anderen
Partei dadurch etwas kieiner wird. An Wirkung verliert sie
schon deshalb nicht, weil sie an Klarheit und Übersichtlichkeit
gewinnt. Wer nach einem Hotel oder Fremdenheim sucht, 1äßt
sich nicht gern durch Modewarenmagazine, Sportartikel-
geschäfte, Photographen, Wurstwarenhandlungen, Konfitüren-
geschäfte, Friseure, Schuhgeschäfte, Bäcker usw. ablenken.
Beim besseren Auseinanderhalten der Firmen ist auch eine
zweckentsprechendere Wahl der Zeitungen möglich. Bisher
pflegte die Verteilung der Kollektivreklame seitens der damit
Beauftragten — gewöhnlich die Kurdirektion oder der Frem-
denverkehrsvereitı — so vor sich zu gehen, daß nur die ohnehin
schon überlaufenen Tageszeitungen und Zeitschriften mit sehr
hohen Auflagen den Auftrag erhielten. Rücksicht darauf, ob
der Leserkreis jener Blätter auch für die einzelnen Teilnehmer
der Kollektivreklame in Frage kam, sprach dabei wohl nur
selten mit, beziehungsweise man dachte nicht daran.

Im Sommer 1926 habe ich zahlreiche Kollektivreklamen mit
kritischen Augen angesehen, und ich habe die Überzeugung
gewonnen, daß hierbei noch mancherlei reformiert werden
könnte. Auch das Satzbild dieser oft sehr umfangreichen
Kollektivanzeigen ließ häufig zu wünschen übrig; wenigstens
hätten bei den aufgewendeten, oft bedeutenden Mitteln durch
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        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

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eine geschickte Hand sich
ganz andere, kräftigere
Wirkungen erzielen las-
sen.

Es sei deshalb den An-
gehörigen des Gastgewer-
bes empfohlen, sich nach-
drücklich darum zu küm-
mern, ob bei ihrer Kollek-
tivreklame folgende wich-
tigen Gesichtspunkte be-
achtet werden:

1. Erzielung eines apar-
ten, auffallenden, werbe-
kräftigen und einpräg-
samen Satzbildes, gezeich-
net durch einen tüchtigen
Fachkünstler und als
Ganzes klischiert. Sollte
die Klischierung aus irgend
welchen triftigen Gründen
nicht möglich sein, dann
empfiehlt sich wenigstens
Verwendung von wir-
kungsvollen Vignettenkli-
schees und originellen,
klischierten Randleisten,
die die Anzeige schon da-
durch aus dem Alltags-
bilde der Durchschnitts-
anzeigen herausheben.

2. Richtige Auswahl der
Zeitungen und Zeitschrif-
ten unter kluger Berück-
sichtigung ihres Leser-

kreises. Es ist nicht immer
die ziffernmäßig hohe Auf-
lage, die den Erfolg ver-
bürgt! Geprüft muß wer-
den, ob aus dem Verbrei-
tungsgebiet der gewählten
        <pb n="93" />
        GEMEINSCHAFTSREKLAME DER HOTELS MIT DEM KURORT 93

DER PLATZ FÜR TENNIS IM HOCHGEBIRGE.
ö erstklassige Tourniercourts (Trainer) - Internationales Tournier
um die MEISTERSCHAFT VON DAVOS, vom 26. Juli bis
il. August = Clubtourniere im Juni und September

Die folgenden Sporthotels
bieten beste Unterkunft zu
sehr günstigen Bedingungen:

ANGLETERRE UND
PARK-HOTEL.
|. Ranges, fliessend kalt und warm
Nasser oder Bad, Tournierplatz
GRAND HOTEL UND
BELVEDERE

200 Betten, 2 Tournierplätze

5Spezialpreise für Teilnehmer

PASSANTEN- UND
SPORTHOTEL
DAVOSERHOF,
Davos-Platz
Pensions-Arrangements von
von Fr. 12.— an
NEUES POST- UND
SPORTHOTEL
DAVOS-PLATZ

HOTEL KURHAUS
DAVOS
250 Betten, 2 Tournierplätze
Speziell niedrige Sommerpreise

CENTRAL-
SPORTHOTEL
DAVOS-PLATZ
100 Betten —- Ausschliessliches
Sport- und Touristenhotet, Pen-
sion von Fr: 14.— an

SPORTHOTEL RHAETIA
DAVOS-PLATZ
Pensions-Arrangements von
Fr. 13,50 an
Beste Lage an der Promenade
Prospekte durch die Direktion:
JOH. BUOL

Fällt unbedingt auf. Für jede Druckart verwendbar.
        <pb n="94" />
        JA

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Blätter überhaupt genügend Zustrom nach dem Orte erfolgt.
Hierbei flechte ich ein: Die Aufgabe einer tüchtigen Kur-
direktion oder Verkehrsbureauleitung ist es, genaue Statistik
darüber zu führen, aus welchen Provinzen und größeren
Städten (von 30.000 Einwohnern aufwärts) die Gäste des Ortes
stammen. Diese Statistik ist für die Reklame äußerst wichtig.
Entweder kann man Zeitungen jener Provinzen oder Städte,
von denen statistisch nachweisbar nur wenig Besucher kommen,
bei Vergebung der Kollektivanzeige ausschließen oder man
kann dort‘auch mal eine ganz besonders intensive Propaganda
entfalten.
8. Es ist darüber zu wachen, daß nicht Hotels und Fremden-
heime mit Geschäften zusammengekoppelt werden, die gar
keine Berührungspunkte miteinander haben, und wodurch die
Wirkung der Anzeige beeinträchtigt werden könnte!

Diese drei Punkte sollten von denen, die die Mittel für die
Kollektivreklame aufbringen müssen, unter allen Umständen
nachgeprüft und ihre strikte Beachtung müßte gefordert
werden.
Zur technischen Gestaltung der Kollektivanzeige gilt zwar
im allgemeinen, was ich schon in „Die technische Gestaltung
des Inserats‘“ und „Das Kennzeichen“ gesagt habe, es sind aber
doch noch ein paar Worte nötig.

Meiner Ansicht nach hat die Kollektivreklame nur dann
Sinn, wenn sie sich durch ihre technische Ausführung aus dem
Alltäglichen heraushebt; wenn ein Satzbild erreicht wird, das
der Einzelinserent mit Rücksicht auf den Raum und auf die
Kosten eben nicht erreichen kann. Der fertige Entwurf zur
Kollektivanzeige muß den Zeitungen und Zeitschriften von der
Kurdirektion oder dem Fremdenverkehrsverein geliefert wer-
den. Entweder muß die ganze Anzeige klischiert sein — was
das Richtigste wäre — oder es müssen wirkungsvolle Rand- und
Vignettenklischees so reichlich beigegeben werden, daß die
Alltäglichkeit, die Schablone vermieden ist. Die Lieferung von
fertigen Klischees, eventuell auch von den so bequemen
Matrizen, die man selbst durch tüchtige Fachkünstler herstellen
ließ, ist auch bei solchen Zeitungen und Zeitschriften möglich,
die im Rotationsdruckverfahren hergestellt werden. Jede xylo-
graphische Anstalt kann dem Kurdirektor, dem Fremden-
verkehrsverein usw. hierüber Auskunft geben.
        <pb n="95" />
        GEMEINSCHAFTSREKLAME DER HOTELS MIT DEM KURORT

Aus vier Gründen
gehen Sie diesen Sommer nach
Erstens finden Sie dort alle klimatischen Vor-

bedingungen für eine richtige Erholung.
‘1500/1800 m ü. M.
pietet Davos Gelegenheit zu allen Sport-
arten, Pässe, Gipfel, See, Lawn-Tennis,
Aolf, Reit- und Radsport.
ist Davos nicht überfüllt, die Unterkunfts-
verhältnisse vorzüglich und hygienisch
einwandfrei.
sind die Preise nicht übersetzt, sondern
sehr mäßig.

Zweitens

Brand Hotel Central Hotel
u. Belvedere Sporthotel National
200 Betten. Beste Zimmer mit Bad

Lage, Pensions- u. fließ, Wasser.

Arrangements v. Pensionspreis v.,

Fr. 18.— an. Zwei Fr. 14.— an.
neueTennisplätze A. Sliffer-Vetsch

Vornehmes Haus
mit 100 Betten.
Alle Südzimmer
mit Balk., schatt.
Garten, Pension
von Fr. 14.— an

3f

In grotesker Zeichnung — das Klischee ist für jedes Druckverfahren geeignet —
werden alle am Ort möglichen Sportarten gezeigt.
        <pb n="96" />
        m

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Macht die Stelle oder der Beamte, dem die Ausarbeitung und
Verteilung‘ der Kollektivreklame obliegt, sich die Arbeit so
bequem, daß er lediglich die ihm von den Beteiligten gelieferten
Texte an die Zeitungen oder an eine Annoncenexpedition
weiterleitet, um es dann dem Zeitungssetzer zu überlassen, aus
dem beschränkten, auch in allen anderen Anzeigen des Blattes
zur Verwendung kommenden Lettern- und Rändermaterial ein
Alltagsbild zusammenzubauen, so verzichte man lieber auf die
Beteiligung an einer „solchen‘‘ Kollektivreklame. Man vergebe
seine Aufträge dann selbst an jene Blätter, die man für geeignet
erachtet, und man gebe seinen Anzeigen jenen Charakter, der
einem am wirkungsvollsten erscheint. Denn, wie gesagt: In der
Kollektivreklame liegt nur dann Sinn und Wert, wenn sie sich
über das Alltägliche erhebt und wenn sie alle jene Anzeigen
um einige Pferdelängen schlägt, von denen zwölf auf ein
Dutzend gehen.

Es sei noch, da von allgemeinem Interesse, daran erinnert,
daß zum Beispiel in der Schweiz das Kollektivinserat durch
die Schweizer Verkehrszentrale systematisch propagiert und
durchgeführt worden ist. Über diese Kollektivreklame für die
Sommersaison 1926 wurde folgendes berichtet:

Von 26 verschiedenen Stationen, Eisenbahnverwaltungen
und Fremdenverkehrsgebieten waren insgesamt 95 Insertionen
gezeichnet worden, 133 Einzel-Teilnehmer mit zusammen 236
Anzeigen (ein oder mehrere Textlinien) und 292 Illustrationen
umfassend, die in 66 Zeitschriften des Auslandes zur Publi-
kation gelangten. Die Beteiligung gliederte sich nach den ein-
zelnen Regionen und Orten wie folgt: Berner Oberland 94 An-
zeigen, Wallis 59, Genfer See-Gebiet 30, Graubünden 27, Basel
9, Zürich 8, Jura 5, Zentralschweiz 3 und Tessin (Leventina)
1 Anzeige, Die großzügig angelegte Werbeaktion erfolgte im
nachstehenden Rahmen: England 48 Anzeigen, Deutschland 44,
Holland 43, Italien 25, Tschechoslowakei 24, Frankreich 14,
Belgien 13, Österreich 13 und Spanien 12 Insertionen, Für die
Publikationen kamen vorwiegend — in England, Frankreich
und Deutschland ausschließlich — illustrierte Zeitschriften in
Frage. Die sämtlichen Anzeigen gingen. unter einem gemein-
samen Titelkopf mit der Aufschrift „Der Sommer in der
Schweiz“, Die sehr starke Beteiligung zeigte, daß die Fremden-
stationen des ganzen Landes der Kollektivreklame unter dem
Leitwort ‚Schweiz‘. das die Aufmerksamkeit des Reise-
        <pb n="97" />
        ZEMEINSCHAFTSREKLAME DER HOTELS MIT DEM KURORT

9%

HOTEL EDOUARD UI. ! Le Delmonico de Paris
Paris, 39, Avenue de l’Opera
Telegramm-Adresse: Septotel, Paris
Das Modernste für
Bequemlichkeit und Luxus

12, Rue Marignan (Champs-Elysees) Telegr. Elypaloltel, Paris
Das vornehmste unter den luxuriösen Hotels — Die schönste
Einrichtung der Welt modernen und historischen Stils — Noch
nie gesehene Beleuchtungs-Effekte — Tee mit Tanz unter Be-
gleitung seiner zwei berühmten Orchester auf Parkett mit aller-
neuester Beleuchtung

7, Rue de Bourgogne
Nahe der Deutschen Botschaft
Bietet Bequemlichkeiten eines erstklassigen
Hotels zu mäßigen Preisen
Pension

|

HOTEL BELLEUUVE
39. Rue Turbigo
Mitten im Geschäftsviertel
Großer Komfort. Mäßige Preise. Pension
Nicht weit vom Ost- und Nordbahnhof

Dieses Kollektivinserat ist aus zwei Gründen bemerkenswert:
1. daß die Angabe des Ortes, mit das Wichtigste bei der Kollektivreklame, beinahe
vergessen wurde, denn das Wort „Paris“ steht nur zweimal in ganz kleinem Druck
bei der Telegrammadresse, einmal als Zubehör zum Namen;

2, daß durch den geschickt gebauten, knappen Text eine ziemlich deutliche Charak-
terisierung der Häuser erreicht wurde.

publikums auf sich ziehen soll, fortgesetzt steigendes Interesse
entgegenbringen.

Zum Schluß sei noch darauf hingewiesen, daß die Kollektiv-
anzeige in allen Blättern das gleiche Satzbild, wenn auch in
verschiedener Größe, zeigen müßte, wie ich es in dem Abschnitt
„Die Form der Anzeige“ an einem Musterbeispiel veran-
schaulicht habe.

Nur wenn die Kollektivreklame mindestens alles das hier
Gesagte erfüllt, ist sie existenzberechtigt.
        <pb n="98" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

14. KOMBINIERTE ANZEIGEN-REKLAME
Es ist verwunderlich, daß man im Hotel- und Gastgewerbe
noch nicht an eine Interessengemeinschaft bei der Zeitungs-
reklame gedacht hat. Damit meine ich die kombinierte Reklame
von verschiedenen Zweigen des Geschäftslebens, die mit dem
Hotel- und Gastgewerbe nicht in direkter Konkurrenz stehen.
Um nicht übermäßig viele Worte machen zu müssen, will ich
lieber gleich an Hand von ein paar Musterbeispielen praktisch
veranschaulichen, wie ich mir die Sache denke, beziehungsweise
wie der Gedanke in die Tat umgesetzt werden könnte.

Musterbeispiele Nr. 1 und 2 sind Spezialanzeigen eines Ge-
schäftshauses in Dresden, das die Fahrräder und Nähmaschinen
der bekannten Dresdener Fabrik Seidel &amp; Naumann vertreibt.
Wie schon ein flüchtiger Blick auf die beiden Inserate zeigt,
hat die inserierende Firma hiermit einen ganz neuen Weg ein-
geschlagen, um Käufer für ihre Fahrräder zu gewinnen. Es ist
ein Weg, der zur Kombination und zum Zusammengehen mit
den in Frage kommenden Interessenten des Hotel- und Gast-
gewerbes geradezu herausfordert.

Diese sogenannten Künstleranzeigen, mit denen zugleich ein
Preisausschreiben verbunden ist, führen in die nähere und
fernere Umgebung Dresdens, in die berühmte Sächsische
Schweiz usw. Absichtlich wurden zwei Anzeigen gewählt, die
entgegengesetzte Landschaftsbilder zeigen: Musterbeispiel Nr. 1
die interessante, mittelalterliche Albrechtsburg mit dem herr-
lichen Dom bei Meißen. Also, von Dresden aus gesehen, eine
Sehenswürdigkeit unterhalb des Laufes der Elbe. Abbildung
Nr. 2 führt uns elbaufwärts mitten in die Sächsische Schweiz.
Burg Hohnstein, ein romantisches und pittoreskes altes Kastell,
ist heute eine Heimstätte der wanderfrohen Jugend. In Meißen

und Hohnstein, dann aber auch in einer Anzahl sehenswerter
        <pb n="99" />
        KOMBINIERTE ANZEIGEN-REKLAME 99

Zwischenstationen, gibt es zahlreiche Hotels und Gaststätten,
die ein großes Interesse daran haben, daß die Aufmerksamkeit

Albrechtsburg = 1
Dies ift Nr. 4 aus unferer Künfiler Anzeigenmappe. Wir
feben ung auf ein ffolzes „Germania“ Fahrrad und eilen
Augs hinaus nach Meipen und hinauf zu Albrechtsburg und
Dom. Bon droben fhauen wir in die SGiadt mit ihrem rot
ragenden Dachwerk, ihren vielen Winkeln und Gaffen. Es iff
edles Mittelalter wie in Nürnberg, noch verfhönt durch den
übernen El6ffrom mit feinen emfigen Dampfern, Kähnen und
Flößen. Meipen und Albrechtsburg find alfo herrliches Aus
Augsziel! Auf „Naumann-Sermania“ {ft es eine Iuftige
Fahrt, Diefes Rad von Wekrruf läuft mühelos fehnell und leicht
dahin: Gie faufen es gegen Raten für wöchentlich RM 3.—.
Sammeln Sie diefe Fünfter Anzeigen Kir das Iohnende Preisausthreiben!
‚ vWfirkler Lädenr
Üruvestr. Qs:Johannstr.1Q-PragerJir36
langfristige Teilzahlung

des reisenden, Auto oder Rad fahrenden, zu Fuß wandernden
Publikums auf sie gelenkt werde. Zwischen diesem Räder ver-
kaufenden Geschäft und dem Hotel- und Gastgewerbe gibt es
keine Konkurrenz. Wohl aber haben beide ähnliche Interessen:
        <pb n="100" />
        Di

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

daß das Geschäft recht viele Räder verkaufe und daß in den
Hotels und Gaststätten recht viele Radfahrer und -fahrerinnen

\C

‚ohnstein, Jachs, Schwer 8
Cin Stanzfüd aus der SGächfifchen Schweiz zeigt fich in
Nr. 5 unferer Künffler-Unzeigen: Burg Hohnftein auf zadcfigem
Zels im düffern Waldtal der Polenz. Aber Yillnig und Lohmen
geht die fhöne Fahrt auf dem „SGermania“: Rad und ers
jchliebt in wechfelreihen Bildern ffolzes Gebirg, Burg Hohn:
Rein ift heute Fahrtziel deutfcher Jugend, der fie alg Heime
Tätte geweiht wurde. Zungen und Mädel fahren Ddorihin
für Gfunden der Freude, viele auf dem berühmten „Sermania“s
Rad von SGeidel &amp; Raumann, dem Meifterwvert Dresdner
Technik, Auch SGie und Ihre Kinder müfßfen es befiben.
Sie Faufen es leicht gegen Raten don RM 3.— wöchentlich.
Samen Sie diele Künitler- Anzeigen für dag lohnende Dreisausfhreiben!
Wi a cder
{a Wirekler L&amp;cer
Sruvestr. QeJohannstr.1Q Prag erSir-36
langfristige Teilzahlung
Musterbeispiel 2.
Einkehr halten. Gemeinsame Arbeit bei dieser Reklame, was
die Kosten auf mehrere Schultern verteilen würde, liegt also so
nahe, daß man sich höchstens darüber wundern muß, warum
diese kombinierte Anzeigenreklame noch nicht versucht
        <pb n="101" />
        KOMBINIERTE ANZEIGEN-REKLAME 101

wurde. Wenn man zum Beispiel diese Künstleranzeigen etwas
vergrößern würde, so wäre es ein leichtes, darin auch die
Adressen sowie eine Empfehlung einiger Gaststätten einzu-
flechten, worin die wanderfrohen Radler Einkehr halten

atohl „Kar:
Oas ist ein outer Platz!

%

Indußrie- und Derawerts.
Tadt, Sifenbahn- und
Ranal-Krevsungspunkt —
mit Umgebung bunbert.
'aufend Sintoohner, wohl.
abend und Lauffräftig —
Sur den „Derner
Anzeiger”, amtliches
Organ, mit reichem Erfolg
wr bearbeifen.

Sine Zundgrube für um-
Uchtige Firmen mit füch-
Hoen Werbeleiterni

Jeder Neifende, der das
Debiet kennt, mirt 86
Dbhnen befläfigen!

Schließen Sie die große
Rüde in ährem Inferlions-
neb, mit dem Sie im mwobl-
5abenben Weftfalen Käu-
fer fuchen, und veröffent-
Eichen Shre Inferate auch
im „Herner Anzeiger“,
Schreiben Sie noch heute
an ihn um Ürobenmummern

und Anszeigenfarif,
' x
»
E
NEL
hd
Herner?
Yrnamanns &amp; Roefhers. Herne i Welt.

Musterbeispiel 3.

könnten, um sich von den Anstrengungen der weiten Fahrt zu
erfrischen. Da der Wochenend-Gedanke in Deutschland immer
mehr an Boden gewinnt, könnten ferner in diesen kombinierten
Anzeigen einige Hotels sich jenen Wanderfrohen als Unter-
kunftsstätte empfehlen, die ihre Fahrt schon am Samstag
begonnen haben und vielleicht gar bis Montag früh ausdehnen,

Geschäftszweige, die sich auf eine derartige gemeinsame
        <pb n="102" />
        IWF Sie umfoni nach
dem Schwar. ren?
Kleinigfeit, wenn Sie MarFenartifel herfiellen-!!
Kehmen Sie einen der guten Züge nach dem
Schwarzwald und unterbrechen Jhre Fahrt
in Offenburg (Baden), dem Ausgangspunkt dep
Schwarzwaldbahn.
In Offenburg fommen Sie dann zu uns und
laffen fich in geruhfamen Befprechungern-
Anregungen geben, die zu einem Auftrag auf
eine größere Auflage der werbetechnifch her‘
vorragenden GÖlasplakate führen werden.
Wir jtellen nur Glasplakate u. Reflamrgegenftände
aue Ölas her und find befonders für Gute und
große Werbewirkurnig unferer Erzeugniffe befanıt
Sie verbinden alfo, wenn Sie Jhre Aufträge bei uns
unterbringen, das Mützliche mit dem Ängenehmen
Die Mmfatzerhöhung, die bei Derwendung
unferer Plakate ganz ficher eintritt, bringt ver
vielfachten. Gewinn von felbft, die Fahrt nach-
hier macht fich alfo mehr ale bezahlt, felbft wenn
Sie fich wochenlang in unferem fchönen-
Schwarzwald erholen.
Slauben Sie uns, daß Sie auf vorfiehen-
de Weife umfonft zu Ihrer Sommerreife Fommen?
Jögern Sie nicht | Die Ferienxzeit beginnt
bald, auch das Weihnachtsgefchäft ift nicht
mehr allzuweit entfernt und dazu brauchen
Sie qausageruhte Nerven und gute Slasreflame

Orr 4
Slasplafatefabrit Offenburg
Aftien-Sefellfichaft
Offenburg V.
        <pb n="103" />
        KOMBINIERTE ANZEIGEN-REKLAME ; 103

Reklame mit dem Hotel- und Gastgewerbe einstellen könnten,
gibt es mehrere. So kämen, außer Fahrradhandlungen, auch
alle Auto-Vermieter in Frage, Sportgeschäfte, große Magazine
oder Basare mit Spezialabteilungen für Reiseausrüstung,
Sommer- und Wintersport, ferner Bierbrauereien, Weinhand-
lungen, Fabriken alkoholfreier Getränke usw. hätten die Mög-
lichkeit, ihre Zeitungsreklame abwechslungsreicher und zugleich
billiger zu gestalten, wenn sie sich zu einer solchen kombinierten
Reklame entschließen könnten.

Damit ist die Möglichkeit zu gemeinsamer Reklame keines-
wegs erschöpft. Es lassen sich auch noch andere Kombinationen
ausdenken. Zwei weitere Musterbeispiele sollen es veran-
schaulichen.

Musterbeispiel Nr. 3 ist eine Anzeige aus dem Zeitungs-
gewerbe. Zwischen der Zeitung und dem Hotel- und Gast-
gewerbe gibt es mehrfache Berührungspunkte. Der Hotelier
und Gastwirt ist nicht der schlechteste Kunde der Zeitungen;
er ist gleichzeitig Abonnent und Inserent. Warum sollte es nicht
möglich sein, diese Berührungspunkte überall da zu einer
innigeren Reklamegemeinschaft auszubauen, wo die Möglich-
keit dazu vorhanden ist? So wie in meinem Musterbeispiel Nr. 3
der „Herner Anzeiger‘ um Inserenten wirbt, werben heutzutage
viele Hunderte von Tageszeitungen und Zeitschriften. Ohne die
geringsten Schwierigkeiten wäre es möglich, daß zum Beispiel
der Herner Anzeiger nicht nur auf seine kaufkräftige Bevöl-
kerung hinweist, er könnte auch mitteilen, daß die nach Herne
kommenden Einkäufer oder Geschäftsreisenden in den dortigen
Hotels Xhof und Ypsilonhof empfehlenswerte Unterkunfts-
stätten, in den Restaurants A oder B oder C ausgezeichnete
Erfrischungsstätten finden würden.

Musterbeispiel Nr. 4 stammt wiederum aus der Industrie.
Auch sie verbindet viele Fäden mit dem Hotel- und Gastgewerbe.
Hotels und Restaurants, Kaffeehäuser, Tanzdielen usw. usw.
sind für viele Industriezweige ständige, wertvolle Abnehmer.
Die Industrieherren haben deshalb ein sehr großes Interesse
daran, daß das Hotel- und Gastgewerbe gedeihe, daß dessen
Kaufkraft erhalten und möglichst noch gestärkt werde. Eine
Art Interessengemeinschaft ist also schon vorhanden. Warum
nicht auch auf dem wichtigen Gebiet der Reklame eine Arbeits-
gemeinschaft versuchen? Die Glasplakatefabrik Offenburg hat
in dem wiedergegebenen 4. Anzeigenmuster bereits einen
        <pb n="104" />
        ‘0A

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

ebenso originellen wie wirkungsvollen Reklamegedanken zur
Tat werden lassen, indem sie nicht nur für ihre eigenen Fabri-
kate, sondern auch für die engere Heimat, den Schwarzwald,
wirbt. Von dieser Werbung für sich und für den Schwarzwald
bis zur gleichzeitigen Werbung für einige gediegene Hotels in
Offenburg sowie in den bemerkenswertesten Orten der Schwarz-
waldbahn wäre es nur noch ein Schritt. Warum ihn nicht
gehen? Es kommt nur darauf an, daß der Gedanke überhaup!
erst einmal geboren wird! Wie war es doch mit dem welt-
geschichtlichen Ei des Kolumbus?

Wo man heutzutage mit einem Hotelbesitzer über seine
eigene geschäftliche sowie die allgemeine wirtschaftliche Lage
ins Gespräch kommt, begegnet man immer demselben Ge-
dankengang: Man müßte mehr Reklame machen können! Aber
die Mittel dafür fehlen. Also versuche man, Wege zu finden, die
zum gleichen Ziele führen, aber die Möglichkeit bieten, die
Lasten auf mehrere Schultern zu verteilen.
        <pb n="105" />
        AUSNÜTZUNG TECHNISCHER BETRIEBSEINRICHTUNGEN 105

N

{
4

156. AUSNÜTZUNGTECHNISCHER BETRIEBS-
EINRICHTUNGEN UND DIE REKLAME
DAFÜR
1e
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23T
ie
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Die schwierige Wirtschaftslage wirkt sich besonders auf den
Fremdenverkehr und rückwirkend natürlich auf die Hotel- und
Gastgewerbebetriebe aus. In den Hotels und Gaststätten der
Fremdenverkehrsstädte wird fast durchweg über ungenügenden
Besuch geklagt. Auch die Geschäftsreisendenhäuser machen
davon keine Ausnahme. Sie spüren die Wirtschaftskrisis nach
zwei Seiten. Viele Firmen haben den Reiseverkehr erheblich
eingeschränkt. Wer früher sechs Reisende unterwegs hatte,
begnügt sich mit zwei Vertretern. Er beschickt zum Ersatz die
jetzt so häufigen Messen und Fachausstellungen, oder sendet
den Firmen, die er als Kunden gewinnen möchte, Muster ins
Haus, oder macht ihnen Ansichtssendungen. Die verhältnis-
mäßig wenigen Geschäftsreisenden, die überhaupt noch
kommen, bemühen sich, an allen Ecken und Enden zu sparen.
Die Hauptsparbüchse soll das Hotel sein. Ihm läßt man so
wenig wie möglich zukommen. Je weniger man aber im Hotel
verzehrt, dadurch alle Berechnungen des Hotelbesitzers über
den Haufen werfend (weil Küche und Keller wohl hohe Kosten
verursachen, aber nichts einbringen), desto mehr wird über die
angeblich zu hohen Zimmerpreise geklagt.

In den Saisonhotels macht sich eine andere Erscheinung
bemerkbar, die ebenfalls geeignet ist, alle Berechnungen‘ zu
stören. Wohl wächst, langsam zwar nur, die Zahl der Besucher,
aber dafür gehen die Aufenthaltstage zurück. Das beobachtet
man in allen Reiseländern, Früher konnte man mit einer durch-
schnittlichen Aufenthaltsdauer des Gastes von drei Wochen
rechnen. Heute sind es nur noch 10 bis 14 Tage. Das macht
natürlich sehr viel aus, es beeinflußt die Schlußbilanz ungünstig
und trägt dazu bei, daß die technischen Betriebseinrichtungen,
        <pb n="106" />
        NE

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

deren Installation viel Geld verschlang, und deren Bereitschafts-
haltung kostspielig ist, nur unvollkommen ausgenützt werden
können, oft sogar mit Verlust arbeiten.

Ist es da ein Wunder, wenn viele Hotelbesitzer sich den Kopf
über einen gangbaren Ausweg aus diesem Dilemma zermartern?
Ich habe mit gar manchem Hotelier über diese Dinge geplaudert
und weiß, daß — neben dem furchtbaren Steuerproblem — die
andere Frage zur Zeit die aktuellste ist und am meisten gewälzt
wird: Wie könnte ich meine Unkosten herabmindern, wie
meinen Betrieb umstellen und wie meine technischen Einrich-
tungen besser ausnützen? Scheinbar sind das drei Fragen, es ist
aber doch nur eine, weil sie eng miteinander verknüpft sind
und nur miteinander gelöst werden können.

Herabminderung der Unkosten dürfte in den meisten Fällen
nur auf Kosten der Leistungsfähigkeit möglich sein. Also ein
gefährliches Experiment. Es bleibt demnach nur der andere
Weg übrig: bessere Ausnützung der technischen Einrichtungen,
wodurch zugleich die schon erwähnte Umstellung bedingt wird.
Es ist wohl nicht überall, aber doch in manchen Fällen möglich,
einen Hotelbetrieb, eine Gaststätte so umzustellen, daß eine
rationellere Ausnützung dieser oder jener technischen Anlage
zu erreichen wäre. Von diesen Möglichkeiten soll jetzt ein
wenig die Rede sein, da dieses Problem ganz eng mit dem
Kapitel Reklame zusammenhängt.

Beginnen wir mit jenem Teil des wirtschaftlichen Betriebes,
der in zahlreichen Hotels und Gaststätten überhaupt viel zu
wenig ausgewertet wird. Höchstens Konzertcafes machen davon
eine Ausnahme. Gemeint ist der Zigarren- und Zigaretten-

Verkauf! Er spielt in gar manchem Hotel und in vielen Gast-
stätten eine gewisse Rolle. Obwohl gerade auf diesem Gebiete
schon starke Konkurrenz vorhanden ist, ließe sich doch wohl
ein Weg finden, diesen Nebenzweig der Betriebsorganisation
lukrativer zu gestalten. Da es mein Bestreben ist, neben der
rein theoretischen Erörterung praktische Beispiele zu geben, so
lasse ich die Praxis sprechen. Die Frankfurter Hof-Akt, Ges. in
Frankfurt a. M. betreibt neben ihrem weltbekannten Hotel
noch eine Weingroßhandlung. Ihr ist als Unterabteilung ein
Zigarrenversand angegliedert. Das genannte Haus beging am
25. Juni 1926 den Tag seines fünfzigjährigen Bestehens. Diesen
Anlaß benützte Generaldirektor Gottlob zur Schaffung einer
Jubiläumszigarre. Wie für dieses Jubiläumskind aparte und.
        <pb n="107" />
        AUSNÜTZUNG TECHNISCHER BETRIEBSEINRICHTUNGEN 107

+1

1
2
N
r

dem Range des Frankfurter Hofes entsprechend, zugleich vor-
nehme Reklame gemacht wurde, zeige ich in starker Ver-
kleinerung in der diesbezüglichen Anzeige, also in dem ersten
Musterbeispiel.

Natürlich ist nicht jedes Hotel, nicht jede Gaststätte, in der
beneidenswerten Lage, fünfzig Jahre alt und doch jung und
hochmodern zu sein. Es gibt aber auch noch andere Möglich-
keiten als eine Jubiläumszigarre. Man kann ebensowohl von
Zigarren als auch von Zigaretten eine Hausmarke schaffen!
Man kann ihnen den Namen des Hauses geben, wie obiges
Muster zeigt, eventuell in Abkürzung. Wenn man dafür sorgt,
daß diese Hausmarken wirkliche „Qualität“, also etwas Exqui-
sites sind; wenn man ferner für vornehme und aparte Auf-
machung sorgt — dabei kann sehr wohl eine Ansicht des
Hauses, können sogar auch Ansichten der Innenräume mit-
verwendet werden — so wird die Hausmarke zugleich zum
Werber für das Haus. Ein geschickter und ideenreicher Werbe-
künstler wird gar manche Möglichkeit finden, die Zigarren- und
Zigaretten-Hausmarke außerhalb des normalen Verkaufes für
die Werbung zu verwerten. Man kann sie abreisenden Gästen,
denen man eine Aufmerksamkeit erweisen will, dedizieren. Man
kann treuen und werten Gästen mit einem „Weihnachtspaket“
eine Aufmerksamkeit erweisen, die ganz sicher Freude machen
und das Haus bestens empfehlen wird. Man kann in seinen
Zeitungsreklamen auf die Hausmarke hinweisen, ohne daß
besondere Kosten entstehen, und dadurch ihren Absatz fördern.
Man kann auch der brieflichen Werbung ein Empfehlungs-
zirkular für die Hausmarken beifügen. Man kann noch
mancherlei Möglichkeiten, dem Rahmen oder der Besonderheit
des Hotels oder der Gaststätte entsprechend, ausdenken.

Auch ein gutgefüllter, mit Sachkenntnis zusammengetragener
Weinkeller läßt sich unter Umständen vorteilhafter auswerten,
wenn man die Schablone verläßt. Hebung des Absatzes durch
intensive Bearbeitung des Stadtgeschäftes — warum nicht auch
nach auswärts? — dürfte wohl in gar manchem Falle zu
erreichen sein, wenn man geschickte und aparte Reklame dafür
macht. Aber auch der Absatz im Haus selbst könnte unzweifel-
haft gehoben werden, wenn es klug angefangen wird. Man
braue der Jahreszeit entsprechende süffige Bowlen und Pünsche,
womöglich geheimnisvolle Spezialitäten, und suche mit ihrer
Hilfe, bei glasweisem Verkauf, einen festen Stamm von Gästen
        <pb n="108" />
        IS

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
» FRANKHOF CABINET EXTRAS
Edeister
Sandblatt-Decker mit allerfeinster
Havana -Vuelta
St Felix Einlage -Tabaken
I87ZC

- -
LA.
FRANKHOF
CABINET
EXTRA
x sy

5

Eine Kiste von 25 Stück zu M. 17.50
Enthält 25 Stunden Hochgenuß
für den verwöhntesten Raucher.
A
FRANKFURTER HOF AG. FRANKFURTAM
Gelegentlich des fünfzigjährigen Bestehens des „Frankfurter Hof“ offerieren
wir Ihnen heute mit der „Frankhof Cabinet extra” eine Jubiläumszigarre,
welche das höchste Können einer Generationen langen Erfahrung der be-
deutendsten deutschen Fabrik in sich birgt. Sie ist das Vollendetste, was
die besten Fachleute bisher in Sumatra- Zigarren mit Havana--/St, Felix-
Einlage zusammengestellt haben, eine Spitzenleistung, die nicht überboten
wird, ganz gleich, welchen Preis man anlegt.
Unsere „Cabinet extra“ ist die Idealzigarre, würdig, sich selbst oder seine
besten Freunde damit zu beschenken. Wir raten Ihnen daher sehr, vorerst
wenigstens 1 Kistchen zu bestellen und sind überzeugt, daß auch Sie dann
in Zukunft Ihren Zigarrenschrank als unvollständig betrachten werden, wenn
die „Frankhof Cabinet extra” darin fehlt.
Hochachtungsvoll
&gt;”HANDLUNG
“OF AG

WEINGRO.
FRAN-
I elcaR Hau. Q

ABT ZIGARRENVERSAND
TELEFON HANSA seo FRANKFURTA.M. GR. GALLUSSTRASSE 16

{. Musterbeispiel für die Reklame bei Auswertung der Betriebseinrichtungen,
        <pb n="109" />
        AUSNÜTZUNG TECHNISCHER BETRIEBSEINRICHTUNGEN 109

zu gewinnen. Allerdings muß man dabei den kaufmännischen
Grundsatz aus der Kriegs- und Inflationszeit verlassen: Klein-
ster Umsatz, größter Nutzen, der auch heute noch in vielen
Köpfen spukt, und zu dem gesünderen Vorkriegsprinzip
zurückkehren: Kleiner Nutzen, großer Umsatz! Mit diesem
Grundsatz haben nämlich unsere Väter die großen Vermögen
verdient, die uns die Inflationsmacher gestohlen haben. Ich
erwähnte schon das nachahmenswerte Beispiel des Frankfurter
Hofes. In dem zweiten Musterbeispiel, der Anzeige über das
Jubiläums-Cuvede 1876/1926, zeige ich, wie hier gleich zwei
außergewöhnliche Anlässe werbetechnisch ausgewertet wurden:
das 50jährige Jubiläum und die vorübergehende Steuerfreiheit
des Sektes (in der ersten Hälfte des Jahres 1926). Obwohl ich
nicht gern aus der Schule schwaltze, erwähne ich doch, der
Belehrung wegen, daß in der kurzen Zeit vom 11. Juni bis
30. Juni 1926, dank der geschickten Reklame, 7800 Flaschen
von diesem Jubiläums-Cuvee verkauft wurden. Ohne die kluge
werbetechnische Auswertung wären sie Vielleicht in den
Kellereien liegen geblieben.

Schließlich sei der ‚Wäschereianlage gedacht. Auch ihre
Schaffung hat viel Geld gekostet, und ihre Inbetriebhaltung ist
vielfach zum Sorgenkind geworden, weil die Wäschereianlage,
mit ihren Nebensparten, der Büglerei und Ausbesserei, infolge
des Rückganges des Beherbergungsgeschäftes sich nicht mehr
rentiert. Also sollte an Rationalisierung des Betriebes gedacht
werden. Es ist mir auch hier möglich, an Hand eines Beispieles
aus der Praxis zu beweisen, daß dieser Gedanke sich durch-
führen läßt, und ich kann zugleich die ebenso praktische
Methode für Ausnützung des Gedankens durch wirkungsvolle
Reklame veranschaulichen. Das Regina Palast Hotel in München
hat eine sehr schöne und sehr praktische neue Wäschereianlage.
Was nützt aber die schönste und mustergültigste Anlage, wenn
die Fremdenverkehrsstatistik uns mit ihrer brutalen Offen-
herzigkeit verrät, daß die Anlage sogar in den Monaten einstigen
Hochbetriebs nicht mehr voll ausgenützt werden kann? Daß
sie also wahrscheinlich mehr kostet, als sie einzubringen vermag!
Die Fremdenverkehrsstatistik erzählte uns wohl, daß die Zahl
der Fremden in München von 38.596 im April 1926 auf 53,861
im Mai, also um 15.265 gestiegen war. Die Statistik verrät aber
ferner, daß, trotz dieser erfreulichen Steigerung der Besuchs-
ziffer, jedes Münchner Fremdenbett im Mai 1926 durchschnitt-
        <pb n="110" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
JUBILAÄUMS-CUVEE
1876-1926

DEMI SEC
ji Sekt
EX)
sußerft molli
CL
ale

HALB-
TROCKEN
(Matheus

Ka
FRANKFURTER HD
KT
‚ Jubiläums-Cuvet
&amp; vum |
mann a

Söffiger,
veiniger Sekt,
gern gegeben
md getrunken

TROCKEN
Deinhard &amp; Co)
Hervorragendes
Core diefes
weltbekannten
Haufe

ORIGINAL
SCHARZBERG
EXTRA DRY
(Schultz-
Grünlack AG.)
Ein herber
hy
. is w Kaffannd Blume
Nie wiederkehrende Gelegenheit | As0
zum billigen Sekt-Bezug führender Marken bis 30.6.26. A

DM A
„EI

TANKFUR.
kam kat rn
Matidi am N
na 7

FRANKFURTER HOF-AG-/FRANKFURT AM.
Frankfurter Hof“ AG. it gleichbedeutend mit »hervorragende Qualität«. Wenn daher die Wein-
großhandlung Frankfurter Hof - AG. gelegentlich des fünfzigjährigen Beßehens des Haufes [ich
entfchloffen hat, zur Würdigung diefes Jubiläums Extra-Cuvees herauszubringen, fo ift es für jeden
unferer Freunde von Anfang an klar, daß ihm etwas Gediegenes geboten wird. / Unfere Jubiläums-
Cuvees repräfentieren eine Auswahl von Sekten, die von erflen weltbekannten Firmen hergefßellt
find, wie auf den Etiketten erfichtlich. Wir haben von jeder Firma das Cuvee ausgewählt, das nach
unferer Meinung die glückliche Löfung für die betreffende Dofage ergibt. / Wenn wir trotzdem
anferer Kundfchaft den Vorzug eines ganz außergewöhnlich billigen Preifes gewähren, fo il dies
lediglich dadurch möglich, daß wir ganz bedeutende Ab[chlüffe getätigt haben und außerdem von
irgendwelcher kofffpieligen Reklame Abfland nehmen. / Vergleichen Sie bitte unfer Angebot
mit den Preifen, welche heute für Cuvees der erfen Sektmarken_ allgemein verlangt
werden. Sie werden [ich dann [ofort veranlaßt fühlen, uns den Sektaufirag zu über-
(chreiben, den Sie noch vor dem 1. Juli 1926 geben wollten, um die an diefem Tage in
Kraft tretende neue Sektfleuer zu er[paren. ;
Um rechtzeitig liefern zu können, bitten wir Sie, uns Ihren Bedarf fofort zu beftellen.
Hochachtungsvoll
WEINGROSSHANDLUNG FRANKFURTER HOFA.G.
Telefon Hanfa 5980 Frankfurt aM. Gallusfraße 16
2, Musterbeispiel für die Reklame bei Auswertung der Betriebseinrichtungen.
        <pb n="111" />
        AUSNÜTZUNG TECHNISCHER BETRIEBSEINRICHTUNGEN 411
lich nur zehn Mal belegt war!! Das heißt also, daß die Unter-
kunftsanlagen im Wonnemonat Mai, der München in früheren
Jahren schon einen sehr starken Fremdenverkehr brachte
(Zurückfluten der Reisenden aus dem Süden, kräftiges Einsetzen
des sommerlichen Reiseverkehrs), nur zu einem Drittel benützt
waren. Demnach sind auch alle technischen Anlagen nur zu
einem Drittel benützt worden, obwohl sie voll in Betrieb
gehalten werden mußten.

Das Regina-Palast-Hotel beziehungsweise seine Wäscherei-
anlage ist also dazu übergegangen, sich Kunden außer dem
Hause zu suchen und für sie zu waschen. Das ist eine
Rationalisierung des Betriebes in echt amerikanischem Sinne.
An der Hand der im Text eingegliederten Anzeige wird besser
als mit vielen Worten veranschaulicht, wie auch die Ankün-
digung dieser Neuerung auf echt amerikanische Weise versucht
wurde und durchgeführt werden kann. Diese Anzeige braucht
keine besondere Erläuterung, denn sie spricht für sich selbst.
Sie vereinigt in sich alle F orderungen, die der moderne
Reklamekundige an eine wirkungsvolle Anzeige stellt. Sie fällt
auf, also Blickfang. Sie springt mit zwei Schlagwortsätzen:
„Zeit zu verkaufen! Kaufen Sie?“ dem Leser sozusagen ins
Gesicht, macht ihn neugierig. Der Text ist knapp gefaßt, aber
nicht trocken, man könnte ihn eher poetisch nennen. Und man
wird ihn lesen, weil er schon im ersten Satz zu fesseln weiß.
Wer dieses Inserat entworfen und gezeichnet hat, versteht etwas
von Reklame. Damit zeigt er zugleich, wie es gemacht werden
muß, wenn man mit seiner Reklame Erfolg haben will.

Damit sei auch den Interessenten gesagt, wie es gemacht
werden muß, um die Außenwelt in Kenntnis davon zu setzen,
wenn man sich entschlossen haben sollte, eine der kurz ange-
deuteten „Betriebsumstellungen‘“ zur praktischen Ausführung
zu bringen. Es genügt nämlich nicht, daß man selbst es weiß,
und daß es im nächsten Bekanntenkreise sich herumspricht.
Man muß durch eine wirkungsvoll inszenierte Reklame auch
dafür sorgen, daß die Neuerung in den weitesten Kreisen be-
kannt wird. Dann schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer
Klappe. Die für irgendeine technische Anlage des Hauses ge-
machte Reklame wirkt nämlich weiter, sie macht auch für das
Hotel oder die Gaststätte selbst den Werber.

Selbstverständlich habe ich mit dem Gesagten noch nicht alle
Möglichkeiten erschöpft, wie die vorhandenen technischen An-
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        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

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it zu verkaufen!
&amp;aufen Sie ?

Wo können Sie cin einzigesmal den Tag
ron gestern zurückkaufen? Nirgends, nicht
wahr? Aber manchen kommenden Tag
können Sie retten. Tage voll Schönheit und
Jugend, Tage die frei sind für allerlei Gosel-
ligkeit, für einen Kirchgang oder Betäti-
zung fürs Gemeinwohl, Tage für Bücher-
‚ektüre, für Theater und Konzerte,

Diese Tage können Sie kaufen. Die mo-
derne Waschanstalt bietetsieIhnen an. Ein
Wort von Ihnen — die Wäscherei schickt

nach. der Wäsche — nimmt Ihrem Heim
Jen Ärger und die Mühe eines Waschtages
ab. Der Waschtag wird Ihr freier Tag, Die
Kosten? Der Unterschied ist geringer als Sie
glauben. Die neuzeitliche Wäscherei ist in
ihrer Arbeitsleistung so vielfältig, daß jede
Hau: frau ihr die Arbeiten übertragen kann,
die im Kinklang mit ihrem Wirtschaftsgeld
stehen. Ob gänzlich gebügelt, ob nur teil-
weise, sie hat die Wahl,

Telephonieren Sie um Angebot an
Regina
Palast-Hotel-Wäscherei
Ruf Nr. 58-0-88

2 Musterbeispiel für die Reklame bei Auswertung der Betriebseinrichtungen.

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BA

jagen nutzbringender verwertet werden können. Ausführlichere
Schilderung würde aber den Rahmen dieses Werkes über-
schreiten, deshalb sei nur kurz angedeutet, daß die Küche
besondere Spezialitäten herstellen, das kaufmännische Bureau
sie durch geschickte Reklame vertreiben könnte. Wo größere
Nutzgärten vorhanden sind, was bei Saisonbetrieben oft
vorkommt, können frische Gemüse und haltbare Konserven
aller Art erzeugt und verkauft werden. Die Kühlanlage ließe
sich- rationeller auswerten, indem Kunsteis verkauft wird,
und indem man die Kühlräume an andere Betriebe vermietet.
Man denke über diese Fragen nach und wird wohl noch andere
Möglichkeiten ausdenken.
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        KOLLEKTIVPROPAGANDA DURCH KORPORATIVE VEREINSREKLAME 113

16. KOLLEKTIVPROPAGANDA DURCH
KORPORATIVE VEREINSREKLAME
EIN NEUER WEG
Der Zufall machte mich ungewollt zum Zeugen eines inter-
essanten Gesprächs. Schauplatz der Handlung war die Emp-
fangshalle eines internationalen Hotels, so kosmopolitisch
geführt, daß der Leser es ganz nach seinem Belieben in
Amsterdam, Barcelona, Berlin, Brüssel, Budapest, Karlsbad,
Luzern, Paris, Rom, Wien oder Zagreb suchen kann. Handelnde
Personen: ein älterer Hotelgast, schon äußerlich der markante
Typ des in den U. S. A. akklimatisierten und naturalisierten
Europa-Amerikaners, und der gewandte, verbindliche Hotel-
direktor. Der Gast lebhaft und impulsiv, der Direktor ruhig
und liebenswürdig, so, wie die Schule des Hotellebens unsere
tüchtigen Fachmänner zu bilden pflegt. Der Amerikaner hielt
ein paar Zeitungen in der Hand und schwenkte sie im Laufe
des Gespräches so lebhaft, als sei es das Sternenbanner und
als gelte es, den Nationalfeiertag würdig zu begehen. So gelang
es mir, einen Blick auf die beiden Blätter zu werfen. Das große,
einer weißen Fahne gleichende, war eine Nummer der „New
York Times“, das kleinere erkannte ich schon bei flüchtigem
Hinsehen an seiner charakteristischen Aufmachung und dem
wirkungsvollen Umschlag. Es war das „Hotel‘, Organ des
Internationalen Hotelbesitzer-Vereins, und zwar erkannte ich
sogleich die schöne, imposante Festnummer, die der I. H.-V.
anläßlich seiner großen Heerschau Ende September 1926 in
Budapest herausgegeben hatte. Zu meiner Freude hatte ich
bereits festgestellt, daß in den Gesellschaftsräumen jenes
Kosmopolit-Hotels zwei Hefte dieser Festnummer an verschie-
denen Stellen so ausgelegt waren, daß sie unbedingt bemerkt
werden mußten. Nebenbei gesagt, auch ein sehr nachahmens-
        <pb n="114" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

wertes Beispiel! Gerade derartige Ausgaben müßten überall,
ganz gleich, um welches Land es sich handelt, den Gästen in
die Hände gespielt werden. Es liegt im eigenen Interesse. Solche
stattlichen Sondernummern führen den Gästen die Welt-
bedeutung der internationalen Hotelindustrie in einer Weise vor
Augen, wie sie wirkungsvoller auf künstlichem Wege nicht
besser erreicht werden könnte, Außerdem enthält zum Beispiel
diese Festnummer eine solche Fülle interessanten Materials
über das weite und schwierige Gebiet der Hotelerie und des
internationalen Fremdenverkehrs, daß der Laie stutzen und
staunend aufmerken muß, dem ein solches Heft in die Hände
kommt. Wenn ich Leiter eines kosmopolitischen Hotels wäre,
so würde ich von einer solchen interessanten Sondernummer
eine kleine Anzahl, mindestens sechs Stück, gut und haltbar
einbinden lassen. Davon würden je zwei im Lesesaal ausgelegt
und, wenn ein Heft durch den Gebrauch unansehnlich gewor-
den, durch ein neues ersetzt. Solange müßten diese Hefte bei
mir ausliegen, bis sie durch eine neue, wahrscheinlich noch
schönere und interessantere Sondernummer abgelöst werden
könnten.

Natürlich war ich sehr neugierig geworden, als ich jenes
Heft in der Hand des Amerikaners sah, und da die beiden
Herren aus ihrer Unterredung kein Geheimnis machten, dazu
sprachen sie zu laut, so hörte ich ganz ungeniert zu. Ich glaube,
daß die Sache außerordentlich interessant ist, weshalb ich ein
wenig aus der Schule plaudern will.

„Mit heißem Bemühen habe ich Ihre interessante Fachzeit-
schrift, ‚Das Hotel‘, durchstudiert,‘““ sagte der Amerikaner,
„aber leider nicht gefunden. was ich suchte. Es ist verwunder-
lich.“

„Darf ich fragen, was Sie vermissen, Mister Smith?“ erkun-
digte sich der Hoteldirektor.

„Was ich vermisse? Das Wichtigste! Es ist geradezu ein
Paradoxon, daß man in diesem so ausgezeichnet redigierten
und so vielseitigen ‚Hotel‘ vergebens nach Hotels sucht!“

Der Hoteldirektor sah den Gast fragend an: „Vergebens nach
Hotels sucht? Aha, ich verstehe! Sie haben nach Adressen von
für Sie geeigneten Hotels gesucht! Können Sie ohne weiteres bei
mir erfahren, dear Mister Smith.“

„Will ich aber nicht. Selbst ist der Mann. Ich will mir meine
Hotels selbst aussuchen. Will nicht von irgend jemand ab-
        <pb n="115" />
        KOLLEKTIVPROPAGANDA DURCH KORPORATIVE VEREINSREKLAME 115

hängen, der mir doch nur Häuser empfehlen wird, die er aus
irgendeinem Grunde empfehlen will. Verstehen Sie?‘

„Vollkommen. Sie sind mißtrauisch, Mister Smith. Trauen
den Empfehlungen nicht recht, die man Ihnen im Hotel gibt,
und Sie ziehen daher das ‚Hotel‘ als Auskunftsstelle vor,
wenn ich mich dieses Wortspieles bedienen darf.“

„Dürfen Sie!“ rief der Amerikaner lebhaft. „Denn gerade in
diesem Wortspiel liegt die Wahrheit und der Grund zu meiner
Klage. Offengestanden, ich begreife Ihre europäischen Hotelier-
kollegen nicht. Warum machen sie bei ihren Reklamen mit
rührender Beharrlichkeit einen großen Bogen um ihre eigene
Fachpresse? Man sagt, daß die Hotels in Europa von unseren
amerikanischen Hotels sehr gern Belehrung und gute Beispiele
annehmen. Aber gerade hier, auf dem so wichtigen‘ Gebiete der
Reklame, wollt ihr nichts von uns annehmen, wie ich an-
nehmen muß.“

„Wir nehmen gern Gutes an‘, lächelte der Hoteldirektor.
„Aber wir sind der Meinung, daß es ziemlich sinnlos sei, in
unserer eigenen Fachpresse zu inserieren, weil sie doch nicht
von jenen Kreisen gelesen wird, die wir als Gäste gewinnen
möchten.“

„Damit sagen Sie, daß unsere amerikanischen Hoteliers Esel
und Dummköpfe sind‘, rief der Amerikaner sarkastisch. „Denn
in unseren großen Revuen finden Sie eine Unmenge von Hotel-
anzeigen! Ich habe nur nötig, mir eines oder einige solcher
Hefte zu kaufen, wenn ich nach Hoteladressen fahnde, und ich
finde, was ich suche. Außerdem habe ich noch sehr interes-
santen Lesestoff, und ich brauche nicht mit einem dickleibigen
Band, genannt Hoteladreßbuch, auf die Reise zu gehen. Mich
interessieren die Artikel in guten Fachblättern oft mehr, als der
politische Quatsch der Tagespresse. Unsere 'amerikanischen
Hoteliers mit ihrem geschäftlichen Weitblick haben längst er-
kannt, daß sie eigentlich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen,
wenn sie auch in der eigenen Fachpresse, dort sogar zuerst,
inserieren.“

„Die zwei Fliegen wollen mir nicht recht einleuchten‘‘, meinte
der Hoteldirektor lächelnd. „Obwohl eine Fliege ja auch gar
nicht leuchten kann. Haben Sie die Liebenswürdigkeit, mir
dieses Licht anzustecken.““

„Zwei Lichter, wenn Sie wollen‘, lachte Mister Smith. „Und
kostenlos. Sehen Sie, wenn Sie Ihren Gästen, sowle allen Leuten,
        <pb n="116" />
        '16

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
die Gäste werden könnten, Gelegenheit geben, in Ihrer Hotel-
fachpresse alle gewünschten Hoteladressen zu finden, so bieten
Sie ihnen zugleich die Möglichkeit, sich mit den Leiden und
Freuden Ihres Berufes bekannt zu machen. Wer sich erst ein-
mal daran gewöhnt hat, als Reisender Ihr Fachblatt bei der
Wahl seiner Hotels zu Rate zu ziehen, der wird sich sehr rasch
daran gewöhnen, auch den Textteil zu studieren. Dann wird
mir, dem Gast, bald manches Licht aufgehen. Ich werde er-
fahren, mit welchen großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten
die europäische Hotelindustrie zu kämpfen hat. Es wird mir
klar werden, warum die Preise der Hotelzimmer nicht niedriger
sein können. Ich überzeuge mich davon, daß sie eher zu niedrig
als zu hoch sind. Wäre das kein Gewinn für die Hotelindustrie?
Was meinen Sie, Verehrtester?““

„Durch diese Brille habe ich die Frage allerdings noch nicht
betrachtet‘, meinte der Hoteldirektor. Auf seinem intelligenten
Gesicht spiegelte sich deutlich Überraschung wider. „Sie
bekommt dabei tatsächlich ein ganz anderes Gesicht.“

„Sehen Sie!“ triumphierte Mister Smith. „Wußte ich doch.
Nun passen Sie mal auf. Das Wichtigste habe ich Ihnen noch
gar nicht gesagt. Sehen Sie sich mal dieses Blatt an. Was ist
das?“

„Die New York Times‘, meinte der Hoteldirektor. „Eine viel-
gelesene amerikanische Zeitung.“

„Stimmt. Aber das meine ich nicht. Sehen Sie sich mal diese
große Kollektivanzeige an. Was ist das?“

Der Hoteldirektor vertiefte sich in das Blatt. „Sehr inter-
essant“, erklärte er dann. „Eine ganze Kette von Hotelanzeigen.
Nicht verwunderlich bei einem Lande, wo die großen Trusts
und Konzerne ganze Ketten von Hotels kontrollieren.“

„Stimmt schon. Ist aber nicht das, was ich meine. Nicht die
Inserate an sich sind das Bemerkenswerte, sondern die Art,
wie sie veröffentlicht werden.“

„In der Tat, die Aufmachung der Anzeigen ist wirkungsvoll
und ins Auge fallend‘, meinte der Direktor anerkennend.
„Aber“, ein leises Lächeln huschte über sein Gesicht, „diese
große Kollektivanzeige steht in den New York Times, also in
einer Tageszeitung. Sie aber wollten mir doch die Wichtigkeit
und Notwendigkeit für die Hotels demonstrieren, auch in der
eigenen Fachpresse zu inserieren.“

Mister Smith schlug sich klatschend auf den Schenkel.
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        KOLLEKTIVPROPAGANDA DURCH KORPORATIVE VEREINSREKLAME 117
„Wußte ich doch, daß Sie den echt amerikanischen Kern der
Nuß nicht würden herausschälen können. Dazu muß man der
Reklame gegenüber eben amerikanisch eingestellt sein. Wir
urteilen anders als Ihr über den Wert der Reklame. Ihr Euro-
päer meint immer, sie müsse die Ware verteuern und seid miß-
trauisch gegenüber allem, wofür Reklame gemacht wird. Ihr
kauft deshalb Reklameartikel oft nur mit Widerstreben und
haltet nicht viel von Hotels, die Reklame machen. Wir Ameri-
kaner dagegen wissen, daß alle Waren billiger hergestellt
werden können, für die fleißig und geschickt Reklame gemacht
wird, und wir bevorzugen Hotels, die ebenfalls aparte und wir-
kungsvolle Reklame machen. Diese Häuser können und werden
preiswerter sein, weil sie eben infolge dieser Reklame gut be-
sucht werden und florieren. Ist denn das nicht einleuchtend?“

„Es scheint so“, meinte der Direktor vorsichtig. „Der Beweis
ist schwer zu erbringen. Aber daraus erkenne ich noch immer
nicht den Wert der Reklame in der Hotelfachpresse.“

Mister Smith nahm die Times und tippte mit dem Zeigefinger
auf die Unterschrift in dem ganzseitigen Inserat: „West Side
Hotel Association heißt es hier. Das ist die Vereinigung der
Hotels des New Yorker Westens. Ungefähr dasselbe würde es
sein, wenn die Hotels vom Londoner ‚Strand‘ oder vom Berliner
‚W und WW‘ oder vom Pariser Hotelviertel usw. sich zu einer
Spezialvereinigung zusammenschließen wollten. Aber auch das
ist noch nicht das wesentliche. Es liegt in folgenden Sätzen ver-
körpert:
The West Side Association accepts as members only those
hostelries. that pass the highest requirements for safeguarding
and guaranteeing the comforts of their guests.
Ferner spricht folgender Satz Bände in meinem Sinne:
All the member-Hotels of this association offer accomo-
dations on transient or permanent basis.
Das heißt auf deutsch: Die West Sid Hotel-Vereinigung
nimmt als Mitglieder nur solche Hotelbetriebe auf, welche den
höchsten Ansprüchen ihrer Gäste in bezug auf Sicherheit So-
wie auf Komfort genügen können.

Alle Mitglieder-Hotels unserer Vereinigung bieten Unter-
kunftsmöglichkeit für vorübergehenden oder für dauernden
Aufenthalt.
        <pb n="118" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Was sagen Sie zu diesen fundamentalen Sätzen, verehrter
Herr Direktor? Echt amerikanisch, werden Sie wahrscheinlich
denken. Innerlich aber über mich sonderbaren Schwärmer aus
Amerika lächeln. Stimmt’s?“

„Nicht ganz!“ erwiderte der Hoteldirektor. Er lächelte aller-
dings, aber sein Lächeln hatte einen ganz anderen Ausdruck
bekommen. „Es stimmt ganz und gar nicht, dear Mister Smith.
Ich höre auf, mich zu wundern, und fange an, diese geniale
Idee zu bewundern.“

„Freut mich“, unterbrach Mister Smith. „Sie wissen, daß ich,
wenn auch nicht Hotelfachmann, als Besitzer eines ziemlich
umfangreichen Aktienpaketes eines bedeutenden amerikani-
schen Hotelkonzerns mich viel ums Hotelwesen kümmere und
manches davon verstehe. Da mein Konzern sich seit einiger Zeit
auch nach der Alten Welt hin orientieren möchte — erzählen
Sie es vorerst nicht weiter — so habe ich natürlich auch ein
lebhaftes Interesse am europäischen Hotelwesen. Es liegt mir
daran, daß die so eminent tüchtigen Hotelmänner Europas auf
dem wichtigen Gebiete der Reklame etwas amerikanischer
denken möchten. Es würde in ihrem eigenen Interesse, aber
natürlich auch in dem unserer Pläne liegen. Vielleicht könnte

eine solche praktische Umstellung unseren Geldmarkt veran-
lassen, sich etwas mehr als seither um die europäischen Hotels
zu kümmern. Ihr braucht doch alle miteinander Kapital. Wir
aber haben es.“

„Beides ist richtig. Sie haben das Kapital und wir haben es
nötig‘, seufzte der Hoteldirektor.

„Ergo, denken Sie ein wenig über das nach, was ich Ihnen
sagte, und veranlassen Sie vor allem Ihre Kollegen zu diesem
Nachdenken. Lassen Sie mich nochmals auf die New York
Times und die Anzeige der West Side Hotels Association zu-
rückkommen, Ich denke dabei an Ihre europäischen Hotelier-
Vereine. Wie die West Side Hotel Association die führenden
Hotels des New Yorker Westens in ihren Reihen vereinigt, so
finden sich in den europäischen Vereinen die angesehensten
Häuser der Alten Welt zusammengeschlossen. Der West Side-
Verein geht nun hin, verkündet das der ganzen Welt und macht
für seine Mitglieder eine aparte und wirkungsvolle Reklame.
Warum kann er das? Weil er von seinen Mitgliedern finanziell
kräftig unterstützt wird. Weil die New Yorker, weil fast alle
amerikanischen Hoteliers praktische und nüchterne Rechner
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        KOLLEKTIVPROPAGANDA DURCH KORPORATIVE VEREINSREKLAME 119

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HOTEL NORMANDIR

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HOTEL „HARRINGTON

The Nem York Dies .
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Nachahmenswertes Beispiel, wie eine angesehene New Yorker Hotel-Vereinigung die
Vereinsmitgliedschaft zu einer aparten Werbung für die ihr angeschlossenen Hotels
auswertet.
        <pb n="120" />
        20

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
sind, sagen sie sich sehr richtig: ‚Das Geld, das ich meinem
Berufsverein durch meine Reklame in seinem Fachblatte zu-
fließen lasse, kommt mir indirekt wieder zugute. Mache ich
ihn finanzkräftig, so hebe ich seine Schlagkraft. Habe ich seine
Schlagkraft gehoben, so kann er auch für mich ganz anders
eintreten.“ So treibt ein Keil den anderen. Diese wirkungsvolle
Anzeige in den New York Times wäre niemals Wirklichkeit
geworden, wenn der amerikanische Hotelier so falsch — Vver-
zeihen Sie das harte Wort — über den Wert und den Nutzen
der Reklame in der eigenen Fachpresse denken wollte wie,
leider, viele europäische Hoteliers zu denken gewohnt sind. Die
enormen Einnahmen, die der amerikanischen Fachpresse aus
den regelmäßigen Reklamen der großen und kleinen Hotels zu-
fließen, stärken natürlich die wirtschaftliche Position der Fach-
blätter. Infolgedessen können Sie ganz anders für ihre Klienten,
die Hotels, eintreten. Die Organisation wird zum Repräsen-
tanten ihrer Mitglieder-Hotels. Sie kann sich öffentlich hin-
stellen und sagen — wie die West Side Hotel Association es
in den New York Times tut —: ‚Die Zugehörigkeit zu mir
garantiert dir, verehrter Leser dieser Anzeige, daß du in meinen
Hotels jede Sicherheit und jeden nur denkbaren Komfort finden
wirst.‘ Sollte das nicht stärkere Wirkung ausüben, als wenn
die Mitglieder-Hotels der West Side Association sich in zer-
streuten, und deshalb wenig auffallenden, Inseratchen selbst
loben müssen? Uff! Das war eine lange Expektoration. Was
sagen Sie, verehrtester Herr Direktor?“

„Daß ich Ihnen rückhaltlos und ohne jeden Einwand recht
geben muß, dear Mister Smith. Ich danke Ihnen vielmals, daß
Sie mir diesen Star gestochen haben. Den Beweis, daß Sie mich
auch wirklich überzeugten, werde ich sofort erbringen.‘ Der
Direktor rief seinen gerade vorübergehenden Empfangschef an:
„Herr Elicott, wollen Sie mich daran erinnern, daß wir noch
heute unserem Fachblatt eine ständige Annonce einsenden,
Machen Sie einige Entwürfe und legen Sie sie mir vor.“

„Bravo!“ rief Mister Smith und schwenkte vergnügt New
York Times und „Hotel“ durch die Luft. „Hätten wir wieder
mal einen Saulus zum Paulus umgewandelt. Ihr Schade wird
es sicher nicht sein, Verehrtester.“

Bei diesen Worten legte Mister Smith die Nummer der New
York Times, es war die Sonntagsausgabe vom 19. September

(996. achtlos auf die blitzende Messingplatte des kleinen Tisches
        <pb n="121" />
        KOLLEKTIVPROPAGANDA DURCH KORPORATIVE VEREINSREKLAME 121

neben ihm. Das „Hotel“ aber trug er sorgsam wieder an
seinen Platz im Lesesaal zurück. Ich aber schlängelte mich
mit harmloser Miene an jenen Tisch heran und — — servierte
die New York Times einfach ab. Ohne Gewissensbisse. Als Be-
weis der Wahrheit gebe ich die Seite mit den Hotel-Anzeigen
im Faksimile wieder. Sie verdient es, denn sie ist interessant
und lehrreich. Das Gespräch aber habe ich in meinem Gedächt-
nis verankert, bis es mir möglich war, das Wesentlichste auf-
zuzeichnen. Hoffentlich hat es denselben Erfolg, den die Hotel-
anzeigen der amerikanischen Hotels in ihrer Fachpresse haben.
Dann wird hoffentlich die Zeit nicht mehr fern sein, da in
großen europäischen — warum nicht auch in amerikanischen?
— Tageszeitungen und Zeitschriften auffallende Kollektiv-
Riesenanzeigen nach dem Beispiel der New Yorker West Side
Hotel Association erscheinen werden. Denn auch von den euro-
päischen Fachvereinen kann mancher mit vollem Recht von
sich sagen:

Our Association accepts. as members only those hostelries
hat pass the highest requirements for safeguarding and
yuaranteeing the comforts of their guests.
Im eigenen Interesse müssen die Mitglieder der Vereine da-
für sorgen, daß ihre Vereinsorgane so finanzkräftig werden, um
in jeder Beziehung, also auch bei der Gästewerbung und Re-
klame, zum Repräsentanten ihrer angeschlossenen Hotels
werden zu können. Darum befolge jeder Hotelier das hier ge-
schilderte Beispiel des bekehrten Leiters jenes Kosmopolit-
Hotels.
        <pb n="122" />
        'yq

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

17. DIE ANZEIGE AUF DEM GASTGEWERB-
LICHEN ARBEITSMARKT
A. DIE STELLENANGEBOTS-ANZEIGE
Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, daß der
Hotelbesitzer und Gastwirt seinen Stellenangebots-Anzeigen
nicht nur ein wirkungsvolles Äußere gibt, sondern daß er sie
auch darüber hinaus als Reklame für das eigene Geschäft aus-
wertet. Leider werden aber diese Anzeigen recht häufig mit
bedauerlicher Gleichgültigkeit behandelt. Schon dieser eine
Grund genügt, um der Stellenangebots-Anzeige einmal eine
nachdenkliche Betrachtung zu widmen. Aber auch ihr Gegen-
stück, die Stellengesuchs-Anzeige, Jäßt bezüglich textlicher und
namentlich auch technischer Ausführung recht viel zu wün-
schen übrig. Sie soll deshalb in den Rahmen dieser kleinen
Studie mit einbezogen werden. Vorausschicken will ich ein paar
Worte über die. Chiffre-Anzeige, der man sowohl bei den
Stellenangeboten als auch Gesuchen häufig begegnet. Über sie
werden schon seit langem lebhafte Klagen geführt. Es wurde
sogar schon ihr gesetzliches Verbot gefordert. Ich will nicht für
und nicht gegen diese Verbotsforderung Stellung nehmen,
sondern ganz unpartelisch nur die Gründe aufzählen, die
seitens der Hauptinteressenten dagegen geltend gemacht
wurden:

1. Das Verbot der Chiffre-Anzeigen bedeute eine außer-
ordentliche Erschwerung für jede Neubegründung, Erweiterung
oder Umstellung industrieller oder kaufmännischer Unter-
nehmungen.

2. Das Verbot der Chiffre-Anzeigen verhindere den Arbeit-
geber, leistungsfähigere Kräfte seinem Betriebe zuzuführen.

3. Das Verbot der Chiffre-Anzeigen versperre dem streb-
samen Arbeitnehmer den Aufstieg.

Fs erscheint fast überflüssig, daran zu erinnern, daß gerade
        <pb n="123" />
        DIE ANZEIGE AUF DEM GASTGEWERBLICHEN ARBEITSMARKT 125

das Hotel- und Gastgewerbe, mit seinem internationalen, die
Völker verbindenden Charakter, mit seinen vielseitigen Sonder-
heiten und wichtigen Belangen, die sich niemals in eine Scha-
blone zwingen lassen werden, vielleicht mehr als irgendeine
andere Berufsgruppe Interesse an der Erhaltung einer gewissen
individuellen Bewegungsfreiheit bei der Stellenbesetzung hat.
Auch die Arbeitnehmer sind daran in gleichem Maße lebhaft
interessiert. Deshalb hat es ein sehr großes Interesse daran,
daß die Arbeitsmarkt-Anzeige ausgebaut und immer mehr
vervollkommnet wird. Aus diesem Grunde muß das Hotel- und
Gastgewerbe auch seinen Teil dazu beitragen, daß die erwähn-
ten, vielfach berechtigten Klagen aus den Kreisen der Arbeit-
nehmer verstummen und gegenstandslos werden. Ich meine
jene Klagen über die zuweilen etwas rücksichtslose Behandlung
von Chiffreofferten durch die Aufgeber solcher Anzeigen. Es
liegt im allseitigen Interesse, daß namentlich Chiffreofferten,
bei denen der Stellenbewerber völlig im Dunkeln tappt, beson-
ders sorgfältig, gewissenhaft und schnell erledigt werden. Nur
dann wird man jene Wünsche zum Schweigen bringen können,
die zunächst die Chiffre-Anzeigen durch ein gesetzliches Verbot
beseitigt sehen möchten, um dann den Hauptschlag gegen die
Stellenangebots- und Stellengesuchs-Anzeige überhaupt zu
führen, Man sollte es sich zur Regel machen, Chiffre-Anzeigen
zu vermeiden oder sie nur dann zu wählen, wenn ganz zwin-
gende Gründe vorliegen.

Nun will ich mich mit dieser Anzeige selbst und ihrer Form
beschäftigen. Dadurch hoffe ich den Anstoß zu geben, daß man
in den Kreisen der Hoteliers und Gastwirte sowie ihrer Ange-
stellten einmal über dieses gar nicht so unwichtige Thema
nachdenkt, und daß man mithilft, der Anzeige auf dem
Stellenmarkt jenen hohen Grad der Vollkommenheit zu geben,
der sie gefeit macht gegen jeden versteckten und offenen
Angriff.

Um meinen Ausführungen den rein theoretischen Charakter
zu nehmen, gebe ich eine größere Anzahl Musterbeispiele aus
der Praxis wieder. Und zwar hauptsächlich Muster, wie die
Anzeige sein soll, aber auch ein paar „Muster“, wie sie nicht
sein sollte. Die Beispiele stammen in der großen Mehrzahl aus
zwei Berufen, deren Angehörige es am besten wissen müssen,
wie man eine Anzeige sowohl textlich als auch rein typo-
graphisch so ausgestaltet, daß sie ihren Zweck nach jeder
        <pb n="124" />
        ‘9

.. DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Richtung hin erfüllt. Es ist das Zeitungsgewerbe und es. sind
die Reklamefachleute. Die meisten Anzeigentexte habe ich
allerdings für das Hotel- und Gastgewerbe passend umge-
arbeitet. Nach jeder Richtung hin, schreibe ich nicht ohne
Absicht. Man sollte sich an den Gedanken gewöhnen, daß auch
der Stellenangebots-Anzeige eine gewisse Werbekraft innewohnt,
daß sie zu einer wirkungsvollen Reklame für das Hotel oder
die Gaststätte gemacht werden kann. Die Tageszeitungen
kommen selbstverständlich in die Hände der breiteren Volks-
kreise. Aber auch die führenden Zeitschriften des Hotel- und
Gastgewerbes werden durchaus nicht nur von Fachleuten
gelesen. Der Kreis ihrer Interessenten und eifrigen Leser ist
sehr viel größer, als man gemeinhin glaubt. Erfreulicherweise
sind schon sehr viele Hotels und Gaststätten dazu über-
gegangen, ihre eigenen Fachzeitschriften in den Lesezimmern
beziehungsweise in allen den Gästen zugänglichen Räumen
auszulegen. Wir finden sie ferner in den Lesesälen der großen
und kleinen Kur- und Badeorte, in Fremdenverkehrsbureaus
und in Schiffskajüten. Namentlich unter den reisenden Kauf-
leuten gibt es sehr viele, die die Zeitschriften des Hotelgewerbes
mit derselben Aufmerksamkeit verfolgen wie ihre eigenen.
Wenn die Hotelbesitzer und Gastwirte sich daran gewöhnen
wollten, ihren Stellenangebots-Anzeigen zugleich auch einen
gewissen Werbe- und Reklamecharakter zu verleihen, so wür-
den sie dadurch doppelten Nutzen haben. Ich würde zum
Beispiel keine größere Stellenangebots-Anzeige aufgeben, die
nicht zugleich die Fassade meines Hauses zeigt und ein paar
orientierende Worte über den Charakter, die Größe des Hotels
und seine Darbietungen sagt. Solche Hinweise können auch bei
den Stellensuchenden nützlich wirken, weil sie dadurch das
Haus schon etwas besser kennen lernen als durch ein nüch-
ternes nur Stellenangebot. Wir kennen den Wert der Weiter-
empfehlung durch Fachleute, Er ist nicht klein. Die Verhält-
nisse sind heute so schwierig und die Hindernisse türmen sich
immer höher, daß keine Gelegenheit verpaßt werden darf, die
der Werbung dient und zugleich das Reklamebudget entlasten
könnte. Die durch Beachtung meines Vorschlages entstehenden
Mehrkosten sind gering. Man kann sie aber auch dadurch
kompensieren, daß man das Budget für gewöhnliche Reklame-
anzeigen etwas beschneidet. Nun will ich zu den praktischen
Beispielen aus dem Leben übergehen.
        <pb n="125" />
        DIE ANZEIGE AUF DEM GASTGEWERBLICHEN ARBEITSMARKT 125
Musterbeispiel Nr. 1 ist sowohl in typographischer als auch
in textlicher Hinsicht lehrreich. Durch. die wirkungsvolle An-

mit Eintritt Ende März bis 15. April:
Journalführer(in) mit guter, klarer Handschrift und
längerer Erfahrung, flotter Rechner.
Restaurantkassier(in) flotter Rechner und gut re-
präsentierend. Gute, klare Handschrift er-
forderlich.
gute und flotte Handschrift erforderlich so-
wie eine größere Routine. Betreffender hat
an den Ruhetagen die übrigen Herren zu
vertreten und wird regelmäßig auf dem
Kontroll- u. dem kaufm. Büro beschäftigt.
ımsichtiger energischer Herr, gewohnt an
Verkehr mit vornehmen internationalen
Familien. Beherrschung der engl. und franz,
Sprache erforderlich.
Bahnkondukteur bestempfohlen und sprachkundig,
Lifts jung, mit guter Figur,
Pagen „jung, mit guter Figur.
Telephonist (in) sehr gewissenhaft und geeignet, den
Telephondienst auf eigene Rechnung zu
*ühren, bei hohem KGesprächszuschlag,
. Sprachk. Bewerber (bes. Franz.) bevorzugt,
Wäschebeschließerin sehr gewissenhaft und ge-
wohnt, die Empfangnahme und Ausgabe
einer umfangreichen Gäste-Leibwäsche zu
leiten. Erfahrung im Weißnähen oder
Maschinenstopfen erforderlich.
Kaffeeköchin sauberu. sehrgewissenh. bei höchst. Gehalt.
Personalköchin sauber und gewohnt, eine wohl-
N schmeckende Kost zu kochen.
Büfettfräulein, Kupferputzer — Silberputzer
Zimmermädchen und deren Beihilfen die in
„Familienhotels bereits tätig waren.
Perfekte Büglerin nur erste Kraft, für feinste Herren-
. und Damenwäsche,
Weißzeug-Näherin erfahr.inallen Näb-u. Flickarbeiten.
Nur Bewerber mit besten Empfehl z
handschriftliche Offerte mit Lichtbd und Gehalts ke Ans UT
solche erfolgt keine Beantwortung) einzusenden.
KURHAUS UND PALASTHOTEL BAD FROHWINKEL

Musterbeispiel Nr. 1.
ordnung des Textes fällt die Anzeige, obwohl sie keine unge-
wöhnliche Größe hat, aus der Masse der Schablonenanzeigen
heraus. Sie macht also auch in anderen Kreisen als den Stellen-
        <pb n="126" />
        126

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
bewerbern für das Etablissement ein wenig Reklame. Das
„Mustergültige‘“ des Textes sehe ich darin, daß die Leser der
Anzeige mit einem Blick klare Übersicht haben, was für
Personal gesucht wird. Aber noch mehr. Die scharfe Charak-
terisierung der einzelnen Posten durchs Wort ist eine ausge-
zeichnete Idee. Der Bewerber erfährt klipp und klar, was von
ihm erwartet wird. Es wird dadurch gar mancher, der den
Anforderungen nicht gewachsen ist, vom Einreichen einer
zwecklosen Offerte abgehalten werden. Für die Leitung des
Hauses bedeutet es eine fühlbare, nicht zu unterschätzende
Arbeitserleichterung. Leicht ist es nicht, sich durch die ein-
laufenden Stöße von Offertbriefen durchzuarbeiten. Mühevoll
und zeitraubend ist die Sichtung der Offerten und die Son-
derung der Spreu vom Weizen. Durch geschickte Abfassung
des Textes kann der Hotelier und Gastwirt diese Arbeit sich
wesentlich erleichtern. Wenn dadurch von vornherein nicht
Geeignete von der Offertenabgabe abgehalten werden, So ist
das ein Gewinn für das Hotel oder die Gaststätte und deren
Leiter.

Musterbeispiel Nr. 2 gebe ich wieder, weil die geschickte
Anordnung des Textes die Wirkung der sonst alltäglichen
Anzeige erhöht. Alltäglich nenne ich dieses Inserat, weil es
nur die Titel der gesuchten Chargen anführt, aber jedwede
Charakterisierung vermeidet. Den Bewerbern ist nicht der
kleinste Fingerzeig gegeben, was von ihnen erwartet wird. Wer
das suchende Haus nicht kennt, tappt völlig im Dunkeln. Das
Ergebnis wird sein, daß unter den eingehenden Offerten sich
viel Spreu befinden wird. Die dadurch entstehende Mehrarbeit
hätte durch eine prägnante Charakterisierung wie im Muster-
beispiel Nr. 1 erspart werden können.

Im Musterbeispiel Nr. 3 zeige ich einen ganz anderen
Anzeigentyp. Auch in diesem Inserat ist durch das aparte
Arrangement für das Haus selbst Reklame gemacht worden.
Die Anzeige fällt unbedingt auf, und sie wird infolgedessen auch
solchen Gelegenheitslesern aus anderen Kreisen auffallen, von
denen ich weiter oben sprach. Gerade diese Anzeige übt auf den
Laien noch eine andere Wirkung aus. Durch die Spezialisierung
des gesuchten Personals: „Frontpersonal‘“, „Bureaupersonal“,
„Restaurantbrigade‘“, „Küchenbrigade“, „Wäschereipersonal“
und „Beschließerin“, „Etagenpersonal‘“ wird der Laie, zu seinem
Erstaunen, über die Vielseitigkeit des Personals im modernen
        <pb n="127" />
        DIE ANZEIGE AUF DEM GASTGEWERBLICHEN ARBEITSMARKT 127
Hotel aufgeklärt. Er hört, vielleicht zum erstenmal, daß sich
die einzelnen Betriebssparten noch so und so oft gliedern; daß

HOTEL
FÜRSTENHOF
BAD FROHWINKEL

sucht für April-Mai:
Empfangsherrn
Kassierer
1. Journalführer
IE. Journalführer
Buchhalterin
Stenotypistin
Etagenhaushälterin
Restaurantkassiererin
Küchenhaushälterin
I. Kaffeeköchin
WI. Kaffeeköchin
Personalköchin (Beiköchin)
Telephonistin
Wäschedirektrice
Kondukteur
Fahrstuhlführer
Pagen
Zimmerkellner
Restaurantkellner
Saalkellner
Kupierputzer
Silberputzer
Officier
Ausführliche Bewerbungen mit Zeugnisabschriften,
Bild und Gehaltsansprüchen erbeten.

Musterbeispiel Nr. 2.

es im Hotel eine Fülle von Einzelchargen gibt. Neigt der Laie
nur ein wenig zum Nachdenken, so muß in ihm der Gedanke
auftauchen: Wie enorm groß müssen die Betriebskosten eines
        <pb n="128" />
        eQ

. DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
modernen Hotels sein, wenn ein solches Heer von Angestellten
zu seiner guten Führung gehört. Vielleicht wird sich. ihm
sogleich noch eine zweite Frage aufdrängen: Mit was für wirt-
schaftlichen Schwierigkeiten wird ein modernes Hotel zu
kämpfen haben, wenn es in einem Saisonplatz liegt und
erfahrungsgemäß nur für wenige Wochen voll besetzt sein

GRAND HOTEL, BAD FROHWINKEL
HOTEL KURHOF, BAD FROH@INKEL
suchen zum Eintritt zu Ostern:

Frontpersonal: Empfangsherren, Kassierer, Portiers, Telephonistinnen, Lift,

Pagen etc.
Bureaupersonal: Kontrolleure, Restaurant-Kassierer, Journalführer, Sekretäre,
Stenotypistin.
Restaurantbrigade: Chef de restaurant, Stations-Oberkellner, Chefs, Kommis,
Barman, Weinkellner.,
Küchenbrigade: Chef, Chefs de partie, Kommis, Silber- und Kupferputzer,
Küchenburschen, Küchenmädchen,
Wäschereipersonal und Beschließerin,
Etagenpersonal: Chef d’etage, Commis d’&amp;tage, Hausdamen, Hausdiener.
Zimmermädchen, Hausmädchen,
Bewerber, welche in erstklassigen Häusern
bereits tätig waren, wollen Bewerbungsschreiben an
HOTEL KURHOF, PERSONALABTEILUNG,
einreichen, mit dem Bemerken, für welches der beiden
Unternehmen sie Gültigkeit haben sollen.

Musterbeispiel Nr. 3
kann? Der Leser wird sich vielleicht auch noch fragen: Wie
mag wohl ein solches Hotel über die lange Vor- und Nachsaison
hinwegkommen, wenn im Haus mehr Angestellte als Gäste sind,
und wie über eine durch Wirtschaftsnot oder ungünstige
Witterungsverhältnisse entstandene Krisis? Ich glaube nicht,
daß die Stellenangebots-Anzeigen der Hotels und sonstigen Gast-
stätten schon jemals von diesen Gesichtspunkten aus betrachtet
worden sind, und es liegt doch so nahe! Es ist klar, daß auch
solche Anzeigen eine gewisse Suggestion ausüben können, sofern
man sich nur dazu entschließen wollte, alte, ausgetretene Pfade
zu verlassen und neue, erfolgversprechendere Bahnen zu
wandeln.
        <pb n="129" />
        DIE ANZEIGE ‚AUF‘ DEM GASTGEWERBLICHEN ARBEITSMARKT 129
Die nunmehr folgenden Musterbeispiele stammen, wie schon
erwähnt, aus ‚dem Zeitungsgewerbe und aus den Reihen der
praktischen Reklamefachleute und sind von mir textlich nur
etwas zurechtgestutzt worden. Es ist das nicht verwunderlich,
denn beide Gewerbe-Kategorien müssen schon durch ihre
berufliche Schulung und Tätigkeit den Angehörigen anderer
Gewerbe voraus sein. Darum sind sie auch die besten Lehrmeister
auf diesem Gebiete. Jedenfalls können die Muster sowohl typo-
graphisch als textlich den Fachleuten des Hotel- und Gastge-

Wir suchen
einen
deenreichen
und
zefähigten
AFKLE.TEFACHMANN
mit gutem Verständnis und langjähriger Erfah-
rung im Reklamewesen des Hotelgewerbes.
Nur erste Kräfte mit nachweis-
barem Erfolg wollen sich mit aus-
führlicher Bewerbung wenden unter
R 26-26 an den Verlag des Blattes.

Musterbeispiel 4.
werbes, sowohl den Arbeitgebern als auch den Arbeitnehmern,
vielseitige und wertvolle Anregungen geben.

Im Musterbeispiel Nr. 4 finden wir wirkungsvolles, ins Auge
fallendes Satzbild mit knappem und doch das Wichtigste
sagenden Text vereinigt. Das Arrangement ist ungewöhnlich
geschickt. Dieses Inserat wird unbedingt auch aus einer Reihe
anderer Anzeigen ins Gesicht springen.

Ähnliches ist von den Musterbeispielen 5, 6 und 7 zu Sagen.
Jede dieser Anzeigen ist in ihrer Art ein kleines Kabinettstück.
Namentlich bei Nr. 7 beachte man die geschickte Verteilung
des Textes. Durch sie wird jedes Einzelne, Wichtige des zu
Betonenden gewissermaßen in den Vordergrund gedrängt, und
man kann sagen, daß der Zweck der Anzeige restlos erfüllt ist.

Ein Typ ‚besonderer Art ist. das Musterbeispiel Nr. 8. Das
Arrangement ist geschickt, der Text klar und deutlich. Die
        <pb n="130" />
        ‚30

.‚ DAS HOTEL UND GASTGEWERBE

Anforderungen des suchenden Verlags sind so prägnant zum
Ausdruck gekommen, daß nur zwei Kategorien von Bewerbern
sich melden werden: Wirklich befähigte, den Ansprüchen in
jeder Beziehung gewachsene; dann ausgesprochene Dumm-

PROPAGANDA-

LEITER

Von einem Welthotel wird ein auf dem Ge-
biet internationaler Propaganda und der
feinen Reklame bewanderter Fachmann
gesucht, der nachweislich über Organisa-
tionstalent verfügt, Methoden zur direkten
Bearbeitung der Interessenten und Erfah-
rung in praktischer Statistik und derenAus-
nutzung besitzt. Nur Bewerber, weiche
oben bezeichnete Eigenschaften ın höch-
stem Maße besitzen, wollen ihre ausführl.
handschriftliche Bewerbung m. Lebens-
lauf, Angabe von Referenzen, Gehalts-
ansprüchen und unter Einreichung von
Zeugnisabschriften unter J, K. 21053 an
die Geschäftsstelle senden.

Musterbeispiel 5

2007200020090 77037T77771777100000€C€

1" HE AR REEENEHNEENEE P

MT

Für die Reklameabteilung eines großen Hotels wird
sine erste, ideenreiche Kraft gesucht,
lie in Figur, Ornament und Schrift wirklich Erst-
klassiges leistet und das Gesamtgebiet der moder-
nen Reklame vollkommen beherrscht. Geboten
wird bei zufriedenstellenden Leistungen gut be-
zahlte Dauerstellung. / Bewerbu hE en mit
Angaben der Gehaltansprüche sowie frühestem
Eintrittstermin und Nachweis bisheriger Tätigkeit
erbeten unter „R 695“ an den Verlag.
Si

"STETTEN AT TEN TI

"777 7000000000000000000000000000800C
Musterbeispiel 6.

köpfe. Ihre Ausscheidung wird bei der Sichtung nur geringe
Mühe machen. In dieser Anzeige finden wir eine weitere
Forderung erfüllt, die ich für die Reklamen des Hotel- und
Gastgewerbes (Inserate, Kofferetiketten, Briefbogen usw.)
wiederholt ‚vorgeschlagen habe: Schaffung und regelmäßige
Verwendung eines besonderen. charakteristischen ..Kenn-
        <pb n="131" />
        DIE ANZEIGE AUF DEM GASTGEWERBLICHEN ARBEITSMARKT 131

zeichens‘“. Einige bekannte Hotels besitzen es bereits. So zum
Beispiel Uhls Bristol Hotel in Berlin (die Eule mit dem Motto:
Ich wach’!), Hotel Europäischer Hof in Heidelberg (Europa
mit dem Stier), Hotel Frankfurter Hof in Frankfurt a. M. (die
starken Männer von der Front des Hauses). Wer häufiger
inseriert und allen seinen Anzeigen dieses „Kennzeichen“
beifügt, wird es bald einem großen Kreise eingeprägt haben. —
Schließlich benutzt dieser Verlag die Stellenausschreibung so

Reklame-
Fachmann
von Palafthotel gefucht

Ausführliche Bewerbungen
erbeten unter „N 900“ an den WBerlag

‚Nur erfte Kräfte mit
Fachtechnifcher Borbilz
bung, die das Nekflame:
mefen Des Hotel: und
Saftgewerbes beherrz
{hben, fommen in Frage

Musterbeispiel 7.

ganz nebenbei noch zu einer geschickten Reklame allgemeiner
Natur. Mit der eingeklammerten Bemerkung „30. Jahrgang“,
in der fast nüchtern anmutenden Schlußzeile: „ca. 1000 Ange-
stellte und Arbeiter“ wird jedem Leser ganz unwillkürlich ein
anschauliches Bild von dem Alter, der Größe und Bedeutung
jener Zeitschrift suggeriert. Weiteres bedarf es nicht. 1000
Angestellte und Arbeiter spricht Bände.

Die nächsten Musterbeispiele Nr. 9, 10 und 11 stammen
ursprünglich aus dem Zeitungsgewerbe und aus der chemischen
Industrie. Nr. 9 und 10 zeigen dem Hotelbesitzer und Gastwirt;
wie er ungefähr den Anzeigentext fassen soll, wenn er einen
leitenden Angestellten sucht, und wenn er möglichst nur
Offerten von wirklich qualifizierten Bewerbern erhalten will.
Je deutlicher man schon in der Anzeige die gestellten Anfor-
        <pb n="132" />
        132

"DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
derungen unterstreicht und ' hervorhebt; desto erfolgreicher
wird man Ungeeignete abschrecken! Man erreicht dadurch
aber noch mehr. Sollte doch einmal beim Engagement ein

„erbeleiler

Für den „Maschinenmarkt“
(30. Jahrgang) suchen wir einen Werbe-
leiter. Der Posten verlangt langjährige
Erfahrungen im Zeitschriften- (Maschi-
nen-) Wesen, gründliche Kenntnisse in
der schriftlichen Werbung von Anzeigen
und ausgeprägte Arbeitsfreude.

Es wollen sich nur Herren melden,
die große Ansprüche erfüllen können.
Durchschnittskräfte kommen nicht in
Frage. Die Stellung ist selbständig, ver-
antwortungsvoll und bietet sehr hohes
Einkommen, Angebote mit Befähigungs-
Nachweisen und Ansprüche an den
Vogel-Verlag
Aht. ?
Dößneck in Thür.

{ca. 1000 Angestellte und Arbeiter)

Musterbeispiel 8.

Mißgriff unterlaufen, so kann etwaigen Differenzen schon
dadurch die Spitze abgebrochen werden, daß man dem nicht
geeigneten Herrn die Anzeige vorhält und ihn fragt: Wie
durften Sie angesichts der klaren und eindeutigen Fassung
meiner Anzeige es wagen, sich um diesen Posten zu bewerben?!
Sie selbst mußten es doch am besten wissen, daß Sie sich
absolut nicht dafür eignen und hätten sich und mir diesen
peinlichen Fall ersparen können. — An den. Beispielen 10 und
        <pb n="133" />
        DIE ANZEIGE AUF DEM GASTGEWERBLICHEN ARBEITSMARKT 133
11 ist auch der Satz lehrreich. Er zeigt, daß mit einfachem
Handsatz ein originelles und auffallendes Satzbild zu erreichen

Wir fuchen zum fofortigen Eintritt für die Leitung
eines erfiflaffigen Hotels verbunden mit
aroßem Neftaurationsbetrieb einen
SGeichäftstührer

mit nachweisbaren .
Erfolgen und großer
Erfahrung auf dem angegeb.
Sebiet, E8 kommt nur eine erfte
Rraft in Frage, die zur felbftänd. UArz
beit befähigt ift, über die erforderlichen
Faufmännifchen und fachliden Kenntniffe verfügt
und durch nachweisbare feitherige Zeiftungen
bie Entwidlung der anverirauten Betriebe verbürgt
Sosmopolit-Hotel, Frankfurk z.

Musterbeispiel 9.

Für großes Vergnügungsetabliffement in
Srokitabt MitteldeutfchlandS werden ein
eriter Direktor
and ein
erifklaitfiger Küchenchef
gefucht. ES Tommen nur Wewerber mit hervorragenden Yıralifikationen
in Betracht mit fiherem, durch Erfahrung und Kenntnis
geftüßten Dispofitionstalent, Die often find ent
Iprechenb ben geftellten Unforderungen bes
jonders Hoch dotiert. Offerte mit
Meferenzen unter SS74
an die Sefhäftse
Itelle ers
beten.

Musterbeispiel 10.
ist, sofern man sich nur die kleine Mühe nicht verdrießen 1äßt,
seinem Anzeigenauftrag entweder eine flüchtige Skizze (wie
        <pb n="134" />
        ‘9,
&amp;

‘ DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

man die Ausführung wünscht) oder ein praktisches Muster
beizufügen. So sind zum Beispiel die Muster 1, 2, 3, 8 und 9
für die Auftraggeber eine wirksame allgemeine Empfehlung.

Bei Wiedergabe des Muster Nr. 11 leitet mich noch ein
besonderer Gesichtspunkt. . Zunächst sei bemerkt, daß die
Anzeige wirkungsvoll aufgemacht ist und sicher viele Bewerber
zur Offerte verlocken wird. Wahrscheinlich auch Angehörige
des Hotel- und Gastgewerbes, die in reiferen Jahren nur noch
schwer passendes Engagement finden können, weil die herme-

Bir Weien: TERENSCTFEILUNG
Hohe8, fteigerungSfähige® Einkfonts
men durch bezirfäweije Übernahme
ner Generalvertretung und gefeße
ich ‚gefhüßten Heilmittel8, ferner
teal. Unteritügung durch die Rentrale.

Bir fuhen: Might mr -Hefungelige

bie fomoOl felbit al8 auch durd) ge
eigneteBertreier einen entjprechenden
Umfaß erreichen und erhalten Fönnen.
Außerdem find mindeflten? 1500 ART.
als BetriebSkapital notwendig.

Differte mit genauen Einzelheiten
unter M.P. 1975 aut bie Geichäftaitelle.

Musterbeispiel 11.

tische Grenzabsperrung der großen und kleinen Reiseländer
(die Absperrung gilt nur für Arbeitsuchende) zu einer völligen
Verschiebung, lies Verschlechterung, der Arbeitsverhältnisse
geführt hat. In Nr. 11 haben wir ein Musterbeispiel jener
Anzeigen vor uns, in denen sehr viel versprochen, wahr-
scheinlich aber sehr viel weniger gehalten werden wird. Das
Wichtigste in dieser Anzeige ist das so ganz nebensächlich
Gesagte: daß mindestens 1500 Mk. als Betriebskapital notwendig
sind. Inserate dieser Art sind jetzt häufig, und ich hielt es für
meine Menschenpflicht, auch diese Schattenseite der kleinen
Anzeige vom Arbeitsmarkt kurz zu streifen. Habe ich doch in
meiner 28jährigen Redaktionstätigkeit es oft genug erlebt, wie
gerade die Angehörigen des Hotel- und Gastgewerbes durch
hochtönende Phrasen dieser Art (Lebensstellung; hohes,
        <pb n="135" />
        DIE ANZEIGE AUF DEM GASTGEWERBLICHEN ARBEITSMARKT 135
steigerungsfähiges Einkommen usw.) leicht einzufangen und
ihnen. ihre Ersparnisse abzunehmen sind.

Musterbeispiel Nr. 12 ist wieder eine Type ganz besonderer
Art. Es ist eine der Werbeanzeigen der Stellenvermittlungs-
abteilung des Verbandes Deutscher Reklamefachleute (Sitz

WO |
JO uno WIE
—— A —
findet man den ss
richtigen

Reklamefachmann
Werbeleiter
Gebrauchsgraphiker
Anzeigenfachmann
usw.???
DURCH
die Stellenvermittlung des

Musterbeispiel 12.

Berlin W 35, Potsdamerstraße 18). Zum Inserat selbst ist nicht
viel zu sagen, es spricht für sich selbst. Mit der Wiedergabe
dieses letzten Beispieles von Stellenangebots-Anzeigen will ich
den Interessenten des Hotel. und Gastgewerbes, des Kur- und
Bäderwesens und des Fremdenverkehrs einen praktischen
Wink geben, wohin sie sich wenden könnten, falls ein
erfahrener, gründlich geschulter Werbefachmann entweder
für Dauerstellung oder auch nur für Ausführung gelegentlicher
        <pb n="136" />
        36

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Aufträge gesucht wird. Für die richtige, erfolgversprechende
Werbung gehört nämlich sehr viel mehr, als was man in den
genannten Zweigen seither bei Besetzung dieser Posten zu
verlangen pflegte.

B. DIE STELLENGESUCHS-ANZEIGE
Es ist bezeichnend für die herrschenden Verhältnisse, daß
aus dem Gebiete des Hotel- und Gastgewerbes nicht eine
einzige originale Stellengesuchs-Anzeige als gutes Musterbeispiel
wiedergegeben werden kann. Obwohl doch gerade die Aufgeber
solcher Anzeigen ein besonders großes Interesse daran haben

Dame
— EEE ——

Tüchtige, rtedegemandte

Miquifiteurin und

Bropagandiftin mit großer a

teit fucht zum Januar Stellung. Gefl, Angebote
unter 2 216 an die Geidhäftsitele.

Musterbeispiel 13.

müßten, sich durch gefälliges Äußere der Inserate und gedie-
genen Text nachdrücklich zu empfehlen. Man hat sich eben an
eine gewisse Schablonisierung gewöhnt und trottet im alten
Schritt weiter. Es darf allerdings nicht verschwiegen werden,
daß die Presse hieran nicht ganz schuldlos ist. Sie könnte viele
nützliche Arbeit leisten, wenn sie sich mehr Mühe geben wollte,
sowohl die Stellenangebots- als auch die Stellengesuchs-Anzeigen
wirkungsvoller herauszubringen und ihre Auftraggeber zu
belehren. Alle nachfolgend besprochenen, von mir umgear-
beiteten Musterbeispiele stammen ursprünglich aus dem
Zeitungsgewerbe und von Reklamefachleuten. Sie geben aber
gerade deshalb vorzüglichen Anschauungsunterricht, besonders
bezüglich des wirkungsvollen Satzbildes. Aber auch die
Texte der einzelnen Inserate ließen sich sehr leicht für die
stellensuchenden Angehörigen des Hotel- und Gastgewerbes
        <pb n="137" />
        DIE ANZEIGE AUF DEM GASTGEWERBLICHEN ARBEITSMARKT 137

umarbeiten. Jedenfalls bieten die Muster eine Fülle von
Anregungen. Galant lasse ich einer Dame den Vortritt, wobei
ich nur bedauere, daß ich bei ihr mit einer Kritik beginnen muß.

Musterbeispiel Nr. 13 wird auf den oberflächlichen Betrachter
wahrscheinlich einen sehr guten, gewinnenden Eindruck
| @erbefachmann

erfahren auf allen Gebieten der zeit-

gemäßen Reklame, z. Zt. Werbeleiter

eines Welthotels, mit besten Zeugnissen

und Referenzen, frei ab Ultimo, sucht

anderweitiges Tätigkeitsfeld bei Groß-

unternehmen. Gefl. Angebote unter
B 793 an den Verlag.

Musterbeispiel 14.

machen. Er wird sagen: ein sehr geschicktes Inserat. Tatsächlich
ist die rein äußerliche Form der Anzeige wirkungsvoll und ins
Auge springend. Und doch ist die ganze Anzeige von Grund
auf verfehlt beziehungsweise falsch disponiert. Der Stellen-
suchende muß die Hauptwirkung, den Schlagschatten, nur auf
das Wort oder die wenigen Worte legen, auf die es allein
        <pb n="138" />
        38 DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

ankommt. Hier ist ein Wort ganz und gar nebensächlicher
Natur wie ein mächtiger Farbenklecks in die Mitte des Gesichts-
feldes gerückt worden. Welcher Arbeitgeber, ganz gleich ob im
Hotel- oder Gastgewerbe, oder im Zeitungsgewerbe, in Industrie
oder Handel, sucht eine „Dame‘“?? „Akquisiteurin‘“ oder
„Propagandistin‘ wäre das richtige Schlagwort gewesen, auf
ihm hätte der erste Blick haften müssen. Ob die „Dame“
Antworten auf ihre Anzeige bekommen hat, weiß ich nicht.
Als Propagandistin würde ich sie nicht engagieren, weil ihr

DBertrauen gegen Vertrauen
10 Sabre

38 SZahre

jabe ic den Küchenbetrieb eine8 der größten
deutfehen Hotels geleitet. IH bin in allen
Betriebsfragen fattelfejt. Meine Küche Hat
mir einen Namen gemacht.

din id) alt. Bon nun an möchte iH eine
LebendfteNung in einem guten und ent»
mwiefungsfähigen gafigewerbliden Betriebe
Enden, der meinem reihen Können denkbar
prößten Spielraum Gietet, Gintritt nach
Übereinkunft.

Sefällige Annebote erreichen mich unter Chiffre 1 921 durch die SefhHäftsftelle.

Musterbeispiel 15.

eigenes Inserat schlagend beweist, daß sie vom Wesen der
Propaganda nicht die richtige Vorstellung haben kann.

Musterbeispiel Nr. 14 wirkt ganz anders auf den Beschauer.,
Das wichtige Hauptwort ist an die Spitze gestellt. Durch die
Unterbrechung (lichter Raum und rechts drei eindringliche
Balkenstriche) wird es noch wirkungsvoller herausgehoben.
Diese Anzeige wird sicher beachtet, was das zunächst Wichtigste
ist, und sie wird von den Interessenten dann auch gelesen
werden. Damit ist ihr Zweck erfüllt.

Musterbeispiel Nr. 15 wendet sich in erster Linie an die
Psyche des Lesers. Der fettgedruckte Leitsatz: „Vertrauen gegen
Vertrauen“, flößt tatsächlich Vertrauen ein. Man bekommt das
Gefühl suggeriert, es mit einem Menschen zu tun zu haben, der
etwas kann und der weiß, was er will. Die vier weiteren Schlag-
        <pb n="139" />
        DIE ANZEIGE AUF DEM GASTGEWERBLICHEN ARBEITSMARKT 139

worte: „10 Jahre“ und „38 Jahre“, in Verbindung mit der
geschickten Verteilung des Satzes, regen zum Weiterlesen an.
Wenn die Stellengesuchs-Anzeigen in dem gewählten Blatte
überhaupt Beachtung finden, dann muß ein Inserat dieser Art
Erfolg bringen. Im Hotel- und Gastgewerbe ist es ganz besonders
wichtig, bei Ausarbeitung von Stellengesuchs-Anzeigen sehr
sorgfältig zu Werke zu gehen, weil diese Anzeigen seitens der
Arbeitgeber wie kaum in einem anderen Gewerbe beachtet
werden.

Mit den Musterbeispielen Nr. 16, 17 und 18 zeige ich einige
weitere aparte Möglichkeiten, über die Schablone des Alltages
Aotelfachmann
fucht Stellung als
Sefchäftsführer
Beachten Sie, bitte, da3 vierfpaltige SHunferat
im er. 4 des „Hote18“ vom 22. Januar.
Angebote unter F. 477 an die Gefhättsftelle.

Musterbeispiel 16.

hinauszuwachsen. Nr. 16 ist eine Form des Stellengesuches, wie
sie mir noch nicht unter die Augen kam. Der Suchende weist
in dieser geschickt aufgemachten Anzeige auf ein früheres,
großes Inserat hin, in dem er über sich und seine Fähigkeiten
ausführlichere Auskunft gab. Ob er mit der hier wieder-
gegebenen zweiten Anzeige Erfolg gehabt hat, weiß ich natürlich
nicht. Doch halte ich es für sehr wohl möglich. Denn der
Bewerber zeigt, daß er Ideen hat. Auch im Hotel- und Gast-
gewerbe ist ein ideenreicher Kopf sehr wohl am Platze. Eine
wertvolle Anregung, geschickt durchgeführt, kann aus einem
bisher schlecht gehenden Hotel oder Restaurant oder Kaffee-
haus ein sehr gut gehendes machen. Die Bestätigung hierfür
kann man in der Praxis oft erleben.

Nr. 17 ist wieder aus einem anderen Grunde interessant und
lehrreich. Wie Nr. 16, weicht es von der Alltagsschablone ab.
Es will durch die ungewöhnliche Form des Textes zum Nach-
        <pb n="140" />
        Afi

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
denken anregen. Auch dieser Gedanke ließe sich, entsprechend
umgemodelt, auf das Hotel- und Gastgewerbe übertragen. Wenn
ein Hotel- oder Gastgewerbe-Angestellter, der sich zutrauen
darf, in jeder Beziehung über dem Durchschnitt zu stehen, dies
durch geschickte und ungewöhnliche Formulierung seines
Anzeigentextes nach außen hin dokumentiert, so wird sein
Inserat ganz sicher bessere Erfolge zeitigen, als die Schablonen-
anzeige von Hinz und Kunz.

Der Verfasser von Nr. 18 stellt sein „Ich“ in den Vordergrund
fich suche — ich biete). Im allgemeinen gilt es nicht für richtig,
Service

biefer aus amerifanifcher Gefchäftspraxis ftammende Begriff
muß auch Ihre Anzeigenwerbung durchdringen. Das ift der
Weg des Erfolges in den fommenden fhwierigen Zeiten, Statt
Kundenabtertigung Kundenbedienung! Beraten Sie Ihre
Kunden in Reflamefragen. Nicht Ihre Zeitung {ft an dem
geringen Erfolg vieler Inferate fchuld, fondern die alten
geiftlojen Neklamemethoden der deutichen Sefchäftswelt,
ch übernehme bei fefter Unftellung als erfahrener Anzeigen:
"achmann die Anzeigenwerbung durH Kundenberatung.
Schreiben Sie mir bitte unter T 408 an die Sefhäfts:
ftelle, Meine Ideen für die Unzeigenwerbung werden
Sie interefllieren,

Musterbeispiel 17.
mit „Ich“ anzufangen. Da bei der Stellengesuchs-Anzeige aber
andere Gesichtspunkte gelten müssen, und da es geradezu
erwartet wird, daß „ich“ vieles und günstiges über mich erzähle,
so ist die Abweichung von den Formen des guten Tones hier
wohl am Platze. Meiner Ansicht nach könnte auch der stellen-
suchende Hotel- und Gastgewerbe-Angestellte sich ruhig dieser
Form bedienen und in der Anzeige sagen. was er sucht und was
er zu bieten hat.

Im Musterbeispiel Nr. 19 wählt der Verfasser der Anzeige
eine ebenso ungewöhnliche, wie wirkungsvolle Form. Auch
dieses Inserat stammt ursprünglich aus dem Zeitungsgewerbe.
Ich habe es ebenfalls für das Hotel- und Gastgewerbe passend
umgearbeitet, und erwähne das wiederholt, um an prak-
tischen Beispielen zu zeigen, wie leicht es ist, die gebotenen
Anregungen für eigene Zwecke zu verwerten. Diese Anzeige
        <pb n="141" />
        DIE ANZEIGE AUF DEM GASTGEWERBLICHEN ARBEITSMARKT 141

erfüllt alle technischen Ansprüche: Blickfang, richtiger Text,
Aufzählung in knappster Form alles dessen, was ein Arbeit-
geber in erster Linie wissen will.

die Leitung eine8 Heinen oder mittleren DHotel8 zu Übers
nehmen, und zwar fommt Weftdeutfhland in Frage, Die
Stellung muß mir Gelegenheit zur Entfaltung meine8 Sön-
nen&amp; bieten. Ich ann glänzende Erfolge nachweijen und bis
in der Führung von Hotelbetrieben erfolgreich.
3 biete
sent Herren Hotelbeftbern meine underbrauhte, durch eiferne
Energie {tet3 neu belebte Kraft an. Id) fuche Verantwortung.
alein Zebenzinhalt fei Arbeit und Erfolg. Ungebote erbittet
3. Schulze, B.rlin.

Musterbeispiel 18.

Musterbeispiel Nr. 20 fällt durch seine wirkungsvolle typo-
graphische Gestaltung auf. Außerdem ist es deshalb lehrreich,

A

Dasist der Tag
in
an dem ich in Ihrem Hotel als routinierter
GESCEH aFTSFÜHRER
eintreten kann. Von der Pike auf in großen Hotels und Restaurants

des In- und Auslandes tätig gewesen, und in allen Zweigen des

Betriebes firm, suche ich neuen Wirkungskreis, wo ich meine
reichen Erfahrungen mit Erfolg verwerten kann.

Musterbeispiel 19.
weil in zusammengedrängter Fassung ziemlich viel über die
Person des Suchenden gesagt wird.

Musterbeispiel Nr. 21 soll, als einziges Muster dieser Art,
zeigen, wie man Stellengesuche nicht abfassen und nicht ver-
öffentlichen darf. Das Geld für diese Anzeige ist glatt zum
        <pb n="142" />
        2

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Fenster hinausgeworfen, was um so bedauerlicher ist, als wir
es hier mit einem doppelt bedauernswerten Stellesuchenden
zu tun haben. Daß er das „50% Kriegsbeschädigter‘“ in den
Vordergrund rückt und in Riesenlettern drucken läßt — oder
war es ein Fehler des Setzers? — zeigt schon eine ganz falsche
Einstellung. Es wird versucht, in erster Linie an das Mitleid
zu appellieren. Im allgemeinen werden offene Stellen aber nicht
unter dem Gesichtspunkt der Barmherzigkeit, sondern nach der
Eignung und Tüchtigkeit des Bewerbers besetzt. Der Suchende
macht nicht die leiseste Andeutung über das Wichtigste: was
der Bewerber alles gelernt hat und was er kann. Durch diesen

Wo wird Geschäftsleiter gesucht:
SYunge, äußerlt tüctige und fähige Kraft, auf
sine gebiegene ANgemeinbildung geftüßt, ein Mann
mit Ideem und Initiative, der dahin gehört,
wo e8 etma8 aufs und auszubauen gibt,
ber gute Srfahrungen Befigt und fid) unter
“chwierigen Berhältniffen durdfegen Tanır
(3. 3. in Hamburg), würde fih gelegentlich,
eventuell 1. 1. 1927, verändern. Hujhriften
erbeten unter „ BNS“ an die Geichäftsitele.

Musterbeispiel 20.

Mangel macht er seinen großgedruckten Mitleidsappell selbst
wirkungslos. Oder glaubte der Betreffende vielleicht, ein viel-
beschäftigter Arbeitgeber werde ihn auf diese unklare Anzeige
hin kommen lassen, um auf diesem umständlichen Wege zu
erfahren, mit was für einem Geisteskind er es zu tun habe?
Die besondere Betonung, daß Kaution gestellt werden könnte,
setzt den Bewerber höchstens der Gefahr aus, einem geriebenen
Kautionsschwindler in die Hände zu fallen.
Musterbeispiel Nr. 22 setze ich an den Schluß dieser Aus-
führungen, weil es mit zu dem Originellsten gehört, was mir
auf dem Gebiete der Stellengesuchs-Anzeige unter die Finger
gekommen ist. Sowohl das Satzbild an sich, das in geschickter
Weise auf „Blickfang‘“ ausgeht, als auch der Text sind
ungewöhnlich. Man könnte vielleicht sagen, daß es fast zu
ungewöhnlich sei, und nicht recht in den Rahmen derartiger
Anzeigen hineinpasse. Das mag für den Durchschnitt zutreffen.
        <pb n="143" />
        DIE ANZEIGE AUF DEM GASTGEWERBLICHEN ARBEITSMARKT 143

Es gibt aber auch im Hotel- und Gastgewerbe genug Stellungen,
in denen ein heller Kopf mit aparten Ideen großen Nutzen
bringen kann. Ich erinnere an Geschäfte mit vielen gesellschaft-

Oo m :
50% igter
sucht Stellung, am liebsten in größeres Geschäft. Gute
Kleidung und Umgangsformen. Kaution könnte gestellt werden.

Musterbeispiel 21.

lichen oder Vergnügungs-Veranstaltungen, mit Tanztees, Kaba-
retts, Bars, Kinos. Wer sich besonders geeignet für einen Posten
in derartigen Etablissements hält, der soll es den Interessenten

Gefjchäftsführer \.
Frmünfcht fich zu verändern und fucht anderweite Dauer-Pofition als
Sejhäftsführer oder Stüße des Chefs
Selbftändig in allen Arbeiten, befter Organifator und Propagandift, repräfen»
. table Erfcheinung.
abe nachweislich Das junge, i ä| Konkurrenz fehend tel bet
EHE Baar sie en Ccde s Bat Me
Befte Zeugniffe und Referenzen zur Seite,
Suchen Sie eine Bertrauensperfon und
jtehen Sie auf
dem Standpunkt, eine tüchtige, unver«
brauchte, frebfame Kraft zu erhalten,
dann jegen Sie fi
mit mir unter 8.999 durch die Sefchäfts:
itelle in Berbindung und teilen Sie mir den
MWirkunaskreig und Yhre Borfchläae mit.

Musterbeisniel 22.

ruhig durch eine ungewöhnliche und die Aufmerksamkeit
erregende Form seiner Anzeige sagen.

Den Anzeigenmustern möge ein Appell an jene Zeitungen,
insbesondere aber an die Fachzeitschriften des Hotel- und
Gastgewerbes folgen, die regelmäßig Stellenangebots- und
Stellengesuchs-Anzeigen enthalten. Diese Blätter sollten nicht
nur die Inserate und das gute Geld der Inserierenden entgegen-
        <pb n="144" />
        A

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

nehmen. Sie sollten auch beratend und aufklärend wirken. Ich
würde zum Beispiel eine Anzeige wie das „Muster“-Beispiel
Nr. 21 niemals in dieser Form veröffentlicht haben, als ich noch
praktisch im Fachzeitungsgewerbe tätig war. Vielmehr würde
ich den armen, 50% Kriegsbeschädigten auf die Fehler in seinem
[nserat aufmerksam gemacht und ihm die notwendigen, so
einfachen Änderungen vorgeschlagen haben. Mit einer solchen
Praxis würden die Zeitungen und Fachzeitschriften nicht nur
ihren Kunden, sondern auch sich selbst dienen! Denn einen also
freundlich Belehrten gewinnen sie als dauernden Freund.
        <pb n="145" />
        DER INSERENT UND DER ZEITUNGSVERLEGER 115

18. DER INSERENT UND DER ZEITUNGS-
VERLEGER

Zwischen Inserent und Verleger kommt es öfter zu unlieb-
samen Differenzen. Nicht alle, aber doch viele dieser Mißhellig-
keiten, die für beide Teile nicht angenehm sind, können
vermieden werden, wenn vor Erteilung des Anzeigenauftrages
volle Klarheit über alle wichtigen Punkte geschaffen wird. Um
den Inserenten des Hotel- und Gastgewerbes, der Kurorte und
des Fremdenverkehrs zur Vermeidung solcher Differenzen
behilflich zu sein, will ich in tunlichster Kürze jene Fragen
behandeln, die die meisten Streitpunkte zu liefern pflegen.

Li. Anzeigenpreis. Seitdem wieder stabilere Verhältnisse in
der Weltwirtschaft eingekehrt sind, kann im allgemeinen mit
festen Preisen gerechnet werden. Trotzdem empfehle ich dem
Inserenten, beim Vertragsabschluß festzulegen, daß der aus-
gemachte Preis für die ganze Dauer des Auftrages gilt, Preis-
erhöhungen also nicht zulässig sind. Auf die auch heute noch
hier und da beliebte Klausel „Preise freibleibend‘, lasse man
sich unter keinen Umständen ein. Der gastgewerbliche Inserent
pflegt sein Reklamebudget für längere Zeit festzulegen. Er
könnte bei „freibleibenden‘“ Preisen böse Überraschungen
erleben, wenn es einer Anzahl Verleger einfallen sollte, unvor-
hergesehene „Konjunkturen‘“ rücksichtslos auszunützen.

9. Preisveränderungen. Sollte aus irgend welchen Gründen
die vertragliche Festlegung des Preises nicht möglich sein, So
bestehe man darauf, daß eine geplante Preiserhöhung vorher
mitgeteilt werden muß, und daß der Inserent das Recht hat,
vom Vertrage zurückzutreten, falls er sich mit der Preis-
erhöhung nicht einverstanden erklärt.

3. Zurückziehung (Sistierung) des Auftrages. Dieser Punkt
ist besonders wichtig für alle Inserenten, die in irgendeiner
        <pb n="146" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Weise von einer Saison oder von bestimmten Konjunkturen
oder vom Wetter abhängig sind. Dazu gehören alle Hotels,
Emrödliche Kegehenheit im „Tuch

Serr Brivatus Knullridh aus Neu-Impijh wog jamt feiner
lteben Gattin nur 195,7 Pfund. Das war natürliq viel zu
wenig und außerordentlich betrüblidh. Allerlei Kuren wollten
nicht anjchlagen, bis ein Freund das Chepdar in den Spezial»
ausidank „Zum Tucher“, Webergafjfe und Scheffelltraße,
brachte. Nachdem es hier drei Monate zu Mittag und Abend
gegelien hatte, hob fich, wie {ih jeder auf „dem Bilde“ Übers
zeugen kann, ihr Embonpoint jo bedeutend, daß fie derheeme
die Tür zur Badekammer verbreitern lafijen mußten, Das kam
daher, weil fie nad) dem Mittagejjen ein Nickerchen von einer
Stunde hielfen und am lebten Sonnabend fo feit [hliefen, daß
jie von der Wach- und Schliekgefellidaft geweckt werden
mußten. Alfo feite loofen nad) dem Eljen. — Heute Sonn«
abend gibts 1000 fjelbftgemadte RKRiejenbrakwürffe a 75 Pf.
mit Kartoffeln und Kraut, morgen Sonntag (fomas war nod)
nicht da!) Schweinskofeleft mit Ananaskrauf, große
Bortion 1,20 M. Mit diefjen Spezialtagen zu kleinen Preijen
will der Mirt des „Tuer“, der bekannte Hoftraiteur Ernit
Stange, elwas Neues auf dem Gebiete der Dresdner Gaftro-
anomie Ihaffen. Dazu gibts das köftlide Nürnberger Tudcher,
zin Bier, das in Deutihland an der Spike jteht, zu heimi-
ichen Breifen,

Bei dieser Anzeige eines Restaurants in Dresden

ist sowohl in der Zeichnung als auch im Text der

Wert auf Groteskwirkung gelegt. Man beachte, daß

die Zeichnung auch für Tageszeitungen (Rotations-
druck) verwendbar ist
Kurhäuser, Fremdenheime, Restaurants, Kaffeehäuser usw. in
den Bädern, Kurorten und Sommerfrischen (auch ‚viele Sana-
torien sind einzurechnen), ferner auch alle jene zahlreichen
gewerblichen Betriebe, Magazine und dergleichen, die in jenen
        <pb n="147" />
        DER INSERENT UND DER ZEITUNGSVERLEGER 147
Orten fast ausschließlich von den Kurgästen, Sommerfrischlern
und Touristen leben. Alle diese Hoteliers, Gastwirte und
Geschäftsleute machen Reklame, oft in recht großzügiger Art,
und sie werden in doppelter Hinsicht schwer betroffen, wenn
der Fremdenbesuch weit hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Dann sinken nicht nur die Einnahmen unter das Niveau des
Notwendigen, sondern auch die für Reklame vorgesehenen
Ausgaben stehen mit den Einahmen in keinem normalen
Verhältnis mehr.

Deshalb bedinge man sich das Recht aus, den Auftrag jeder-
zeit sistieren zu können. Der anständige Verleger wird das
nicht verweigern. Er wird aber fordern, daß für die schon er-
schienenen Anzeigen nur der entsprechend niedrigere Rabatt
rückwirkend in Abrechnung kommt, also nicht der für den Ge-
samtauftrag bewilligte Nachlaß. Diese Forderung des Verlegers
ist recht und billig, gegen ihre Erfüllung wird der anständige
Inserent sich nicht sträuben und gegebenenfalls auch etwaige
Nachzahlungen leisten. Er wird sich dabei immer noch
wesentlich besser stehen, als wenn er den ganzen, für ihn sinnlos
gewordenen Auftrag abnehmen müßte.

Ob Festlegung der Sistierungsklausel sich auch für etwaige
Differenzen empfiehlt, zum Beispiel bei Nichteinhaltung be-
stimmter Erscheinungsdaten, bei nicht eingehaltenen Platzvor-
schriften usw., möge der Inserent jedenfalls in Erwägung
ziehen.
4, Annullierung des Auftrages. Zwischen Sistierung und An-
nullierung besteht zwar kein bedeutender Unterschied, trotz-
dem sei auch die Annullierung kurz gestreift. Der Weltkrieg
hat uns vieles gelehrt. Unter anderem, daß ein guter Haus-
vater bei Festlegung von Verträgen auch an „unvorhergesehene
Ereignisse‘ denken muß. Zu diesen unvorhergesehenen Ereig-
nissen gehört der Krieg; es gibt aber auch noch andere, an die
man erst denkt, wenn sie eintreten. Sonst wären es ja keine
„unvorhergesehenen‘““ Ereignisse. Man behalte sich also die
Annullierung langfristiger Anzeigenaufträge für bestimmte
Fälle vor. Die Mehrzahl der Verleger wird die Annullierungen
ablehnen, wenn sie im Vertrage nicht vorgesehen sind.

5. Die Höhe der Auflage. Sol man, wie ein mittelalterlicher
spanischer Großinquisitor, nach der Höhe der Auflage forschen?
Für gewisse Anzeigen mag sie ausschlaggebend sein (Versand-
geschäfte und dergleichen), für die Inserenten des Hotel- und
        <pb n="148" />
        48

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Gastgewerbes, der Kurorte und des Fremdenverkehrs hat die
Höhe der Auflage meines Erachtens keine ausschlaggebende
Bedeutung. Ich würde Anzeigen jedenfalls nicht unter der
Hypnose der hohen Auflage vergeben. Für mich wäre der
Sturm aufg Sucher

Um Tebten Sonntag wurde durch eine erregte Menfchen:
nenge der bekannte Spezial:Ausfhank x. Tucher“, Weber:
zafle und Scheffelftraße, geftürmt und fı mtliche Stühle fofort
Angenommen. Ungefähr 100 Hafen und eine große Menge
andrer Speifen gelangten im Handumdrehen zur Bertilgung,
MI8 Grund der Erregung foNlen die großen Portionen, die der
Ynhaber, der bekannte Hoftraiteur Ernft Stange, herausgibt,
anzufehen fein. Trogdem will Herr Stange heute Sonnabend
[hen wieder mehrere Zeniner Pikel1HweinsknochHen
mit Kloß und Kraut, große Portion M 1.—, auf die
Ziflhe feßen und am Sonntag ein großes Schnißel:
Eifen von prima jungen Maftkalben (ausgeftellt bei Trinks,
Zohannfiraße) A Portion M 1.30 veranftalten. Das kann gut
werden. Alle Vorbereitungen find getroffen.

Eine groteske Anzeige eines Restaurants in Dresden, bei
der Zeichnung und Text gleich wirkungsvoll und originell
sind. Die Zeichnung ist noch dadurch bemerkenswert, daß
sie auch für Taoeszeitungen (Rotationsdruck) verwendbar ist.

Charakter des Blattes ausschlaggebend. Er ist für viele In-
serenten wichtiger als die Riesenauflage. Die Anzeige eines erst-
rangigen Sanatoriums, eines feinen Luxushotels usw. kann in
einem Blatte von nur 10.000 Auflage mit vornehmem Leser-
kreis wesentlich größere Erfolge bringen, als in einer Zeitung
oder Zeitschrift mit Millionenauflage. Dagegen können die An-
        <pb n="149" />
        DER INSERENT UND DER ZEITUNGSVERLEGER 149
zeigen. bürgerlicher Betriebe in jenem Blatte vollkommen wert-
Jos sein. Auch das Verbreitungsgebiet ist wichtig. Näheres
hierüber wolle man im 5. Abschnitt über „Zeitungen und
Zeitschriften‘ nachlesen.

6. Erscheinungsdaten. Die Festlegung bestimmter Erschei-
nungsdaten wird oft notwendig und wichtig sein. Bei Ver-

MWülhelm Tell
der Schweizer Nationalheld, hatte bekanntlid einen
kleinen Arad mit dem Landvogt Gekler (nicht ZU
verwechjeln mit dem deutfhen Kriegsminijter), gab
'm auf jeine Frage: „Wozu der zweite Pfeil?“
die Antwort: „Für Dihl“ und fprang jhnell auf
die Elektrijde nah Kühnadt. Tell hätte nie diejen
Mut befefjen,. wenn er nit Häufig Rinder«
jomorbraten von Maltodhfen auf Shwei-
zer Art (ausgeftellt bei Trinks) mit Kioß, wie er
heute Sonnabend für 1.10 Mk. im „Tucher“ vers
abreicht wird, gegefjen hätte,

$iemal Pajcha
der Retter der Türkei hHak bekanntlid den Friedens-
perirag von Sevres in zwei Stücke zerriffen und
Herrn Ciemenceau mit der Bemerkung: „Du kannft
mic fünfern!“ zurückgejdhickt. Was aud gegangen
jit und kein Qocarno, Thoiry und Bölkerbund nötig
gehabt hat. Stiemal Bafcha it des Öfteren Ges
fülfte Rindsroulade auf Kürkijdhe. Art mit
Maccaroni, wovon er die große Kuralde ge»
Ariegt bat, Diejes Gericht gibt es morgen Sonntag
ebenfalls im „Tucher“ (Mebergaffe-Scheffelfirake),
und zwar aug für nur MB, 1.10

Aus einer nicht illustrierten Anzeigenserie eines bekannten
Restaurants in Dresden.

gebung langfristiger Aufträge wird man Wert darauf legen,
daß die Anzeige in diesem Blatte Sonntags, im anderen Mon-
tags, in einem dritten Dienstags, im vierten Mittwochs usw. er-
scheint. Störung dieser wohldurchdachten Disposition durch
willkürliche Verschiebung der Erscheinungsdaten, vom Ver-
leger vorgenommen, wird keinem Inserenten angenehm sein.
Wer auf Einhaltung seiner Vorschriften Wert legt, sollte es
daher im Vertrag festlegen und sich ausbedingen, daß Fehl-
        <pb n="150" />
        ‚50

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

aufnahmen nicht bezahlt zu werden brauchen. Vorbehalt der
Sistierung bei Nichtinnehaltung der Erscheinungsdaten könnte
wohl getroffen werden, erscheint mir aber etwas rigoros.

7. Platzvorschriften. Das ist einer der knifflichsten Punkte
im Anzeigengeschäft. Ich empfehle: Größtmögliche Kulanz
des Inserenten gegenüber dem hier wahrlich nicht auf Rosen
gebetteten Verleger! Der Inserent aus dem Gastgewerbe er-
innere sich; wieviel Ärger und Verdruß ihm schon durch solche
Gäste bereitet worden sind, die eigensinnig auf ein bestimmtes
Zimmer, einen bestimmten Eckplatz, einen bestimmten Tisch,
einen bestimmten Sessel oder Stuhl bestehen. Jeder Fachmann
weiß, was für Schwierigkeiten es zuweilen macht, diese „Spezial-
wünsche“ und diese „Platzvorschriften‘“ unter allen Umständen
zu erfüllen.

In der gleichen Lage befindet sich der Verleger gegenüber
den Platzvorschriften seiner Inserenten. Jeder Inserent möchte
für seine Anzeige einen Platz in der Proszeniumsloge haben,
wo man am besten gesehen wird. Aber der Raum in der
Proszeniumsloge ist beschränkt, und sie kann nur eine be-
schränkte Anzahl Gäste aufnehmen. Auch sind die Ansichten
darüber geteilt, wo die Proszeniumsloge, der beste Platz für die
Anzeigen, in der Zeitung eigentlich sei. Der Verleger erklärt
selbstverständlich den Platz für den besten, den er der Anzeige
gegeben hat. Der Inserent aber meint, daß man ihn zum Be-
sucher des Topps, wie die Galerie im Volksmund heißt, degra-
diert habe. Die Differenz ist also fertig, wenn Inserent und Ver-
leger cholerisch und eigensinnig sind.

Ein wichtiger Umstand muß noch erwähnt werden. Wenn
der Zeitungsverleger die ihm nicht gefallende Mode der Platz-
vorschriften gern beseitigt sehen möchte, so muß er aber auch
mithelfen, daß der Wunsch nach derartigen Vorschriften so
wenig wie möglich beim Inserenten geweckt wird. Der
Verleger muß dafür sorgen, daß beim Umbrechen der
Anzeigen Geschicklichkeit und schneller Überblick für ein
gutes, wirkungsvolles Satzbild sich paaren. Das ist bisher nicht
immer und überall der Fall gewesen. Oft mache ich mir das
Vergnügen, Zeitungen und Zeitschriften auf die mehr oder
weniger geschickte Unterbringung der Anzeigen zu prüfen. Da
entdecke ich dann allzuoft, daß Anzeigen neben-, unter- oder
übereinander placiert werden, die ihre Wirkung gegenseitig
aufheben, sich also untereinander totschlagen. Oft lassen sich
        <pb n="151" />
        DER INSERENT UND.DER ZEITUNGSVERLEGER 151

Warum lacht der so?

Der hat eben beschlossen:
Ich fahre dieses Jahr nach
(YAM

AU
in die Winter-PFerien!
Verlangen Sie Programm

{8/1108

Die Titelseite des kleinen, originellen Werbehefts, das in einem späteren Kapitel
als Musterbeispiel wiedergegeben wird, in geschickter Weise als Anzeige verwertet.
        <pb n="152" />
        ‚52

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
mit relativ kleinen Umstellungen verblüffende Wirkungen er-
zielen. In meiner eigenen Praxis habe ich das unendlich oft er-
jebt. Was der Druckereimetteur mit recht viel Gedankenlosig-
keit zusammengebaut hatte, habe ich entsprechend dem eben
aufgestellten Grundsatz umgestellt. Mit dem Ergebnis, daß der
Anzeigenteil von Jahr zu Jahr an Umfang zunahm, weil die
Inserenten mit der Wirkung ihrer Anzeigen zufrieden waren.
Platzvorschriften habe ich nur in Ausnahmefällen akzeptiert.
Trotzdem habe ich keine Einnahmeausfälle erlebt, weil die
Inserenten wußten, daß sie tatsächlich auf gute und wirkungs-
volle Placierung rechnen konnten.

Darin liegt schließlich das Geheimnis, die Platzvorschriften
allmählich zum Aussterben zu bringen, indem man nur die
geschickteste Hand mit dem Umbruch der Anzeigen beauftragt.
Ganz sicher macht es weniger Mühe und Kopfzerbrechen, wenn
der Zeitungsverleger selbst für gute und wirkungsvolle Unter-
bringung aller Anzeigen sorgen kann, ohne dabei an allen
Ecken und Enden durch schikanöse Platzvorschriften der
[Inserenten gehemmt zu werden, als wenn der Inserent diese
Aufgabe in die Hand nimmt.

8. Korrekturabzüge. Wer keine klischierten Anzeigen aufgibt
und Wert auf fehlerfreie, korrekte Wiedergabe seiner Anzeigen-
texte legt, tut gut, Lieferung von Korrekturabzügen vor der
Drucklegung zur Bedingung zu machen. Natürlich übernimmt
der Inserent damit auch die Pflicht, die Anzeigentexte frühzeitig
genug dem Verleger zu übergeben und die ihm zugestellten
Korrekturabzüge sofort zu erledigen. Es muß also berechnet
werden, daß hinreichend Zeit für Satz und Hin- und Rück-
sendung der Korrekturabzüge bleibt. In der Regel werden
solche Abzüge nicht geliefert, man muß es also bei der
Auftragserteilung ausdrücklich wünschen.

9. Fehlerhafte Anzeigen. Sind keine Korrekturabzüge ge-
liefert worden und enthalten die Anzeigen grobe, sinn-
entstellende Fehler, so kann der Inserent — nach geltender
Rechtsprechung — entweder nochmalige fehlerfreie Aufnahme
verlangen oder er braucht die fehlerhafte Aufnahme nicht zu
bezahlen. Voraussetzung dafür ist, daß der Inserent gut lesbare
Anzeigentexte geliefert hat. Man sorge also schon im eigenen
Interesse für deutliche Anzeigenmanuskripte.

10. Belegexemplare. Die Frage der Belegexemplare ist trotz
ihrer Wichtigkeit leider noch nicht so geregelt, wie es im
        <pb n="153" />
        DER INSERENT UND DER ZEITUNGSVERLEGER 153

1908
MM m

Fr X
19
A

ee
A

ac
lt
29

Bo ietet namentlich
i lgs‘‘-Anzeige des Verbands Deutscher Reklamefachleute. Bie ;
cichen Ceshllen, die durch gute Darbietungen, verbunden mit geschickter Reklame,
Erfolge erzielten, manche Anregung, dies durch originelle und wirkungsvolle Inserate
bekannt zu machen.
        <pb n="154" />
        154

2 ‚DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Interesse eines reibungslosen Verkehrs zwischen Inserent und
Zeitung oder Zeitschrift wünschenswert wäre. Deshalb muß ich
mich etwas ausführlicher mit ihr beschäftigen. Natürlich wird
niemand dem Zeitungsverleger zumuten, für jede kleine Anzeige
einen Beleg zu liefern. Dem Aufgeber der sogenannten „kleinen
Anzeigen“, die ich in einem besonderen Abschnitt behandle,
muß es schon überlassen werden, sich selbst vom richtigen
Erscheinen ‚seines Inserats zu überzeugen, was ihm auch leicht
möglich ist, wenn er am Orte des Zeitungssitzes wohnt. Befindet
er sich aber in einer anderen Stadt, dann bekommt die Sache
auch ein anderes Gesicht. In. solchem Falle würde ich, als
kulanter Zeitungsverleger, mindestens bei Anzeigenbeträgen
von 5 Mark an aufwärts Belege liefern. Diese kleinen Geschenke
erhalten die Freundschaft. Chiffre-Anzeigen sind in solchen
Fällen . sehr häufig. Ebenso häufig ereignet es sich, daß
der Inserent nicht ein einziges Angebot erhält. Dann wird der
auswärts Wohnende das unangenehme Gefühl nicht los: ist
deine Anzeige überhaupt erschienen? Er kommt sich geschädigt,
übervorteilt vor. Man darf nicht übersehen, daß die meisten
Zeitungen eine ‚„Chiffregebühr‘“ neben der Anzeigengebühr
erheben, die zwischen 50 Pfg. und 150 Pfg. schwankt. Gehen
nun keine Offerten ein, so-sagt der Inserent sich nicht mit Un-
recht: Die Zeitung hat für mich gar keine Arbeit geleistet und
auch keine Portoausgaben gehabt; anständigerweise hätte sie
mir dafür wenigstens einen Beleg schicken können, damit ich
mich überzeugen konnte, daß und wie meine Anzeige er-
schienen ist.

Schließlich wohnt einem kompletten Beleg auch eine gewisse
Werbekraft inne, woran im Zeitungsgewerbe noch zu wenig
gedacht wird. Es wäre sicher mancher neue Abonnent zu ge-
winnen, wenn er die, ihm seither vielleicht noch unbekannte
Zeitung einmal studieren könnte. Derartige Möglichkeiten
liegen namentlich bei solchen Zeitungen und Zeitschriften vor,
bei denen irgendetwas, sagen wir der Stellenmarkt, oder der
Häusermarkt, oder Kaufs- und Verkaufsangebote, dann im
Textteil zum Beispiel die Auslandsberichterstattung, oder der
Börsenteil, oder der lokale Teil, oder der Handelsteil, oder das
Feuilleton usw. zu einer besonderen Spezialität ausgebildet sind.

Bei größeren Aufträgen halte ich es für selbstverständliche
Pflicht des Verlegers, Belege zu liefern, und zwar ohne daß er
dazu erst besonders aufgefordert wird. Und zwar komplette
        <pb n="155" />
        DER INSERENT UND DER ZEITUNGSVERLEGER 155

Belege. Die Frage des kompletten Belegs ist leider noch immer
umstritten, obwohl es hierüber keine Meinungsverschieden-
heit mehr geben sollte. Selbstverständlich will der Inserent die
Möglichkeit der Kontrolle über das ordnungsmäßige Erscheinen
seiner Anzeigen haben, ohne daß er gezwungen ist, die von ihm
mit Anzeigen bedachten Zeitungen und Zeitschriften zu abon-
nieren. Deshalb muß er sich im Vertrage unentgeltliche
Lieferung kompletter Belegexemplare ausbedingen.

Mit Absicht schreibe ich: komplette Belegexemplare! Manche
Verleger lehnen nämlich die Lieferung kompletter Belege ab
und beschränken sich darauf, dem Inserenten Ausschnitte
seiner Anzeigen, auf Zettel geklebt, gütigst zuzustellen, Was
nützt das? Wie kann der Inserent daraus erkennen, „wo‘“ seine
Anzeigen gestanden, „wie‘“ sie auf die Leser gewirkt haben?
Mir ist es immer unerfindlich gewesen, warum manche Ver-
leger — meistens sind es auf hohem Roß sitzende große Herren
— die Erfüllung einer solchen Selbstverständlichkeit, wie die
Lieferung kompletter Belege bei größeren Aufträgen, konse-
quent verweigern. Ich kann mir nur denken, daß es eigen-
sinniges Festhalten an einem alten Geschäftszopf ist. Wer mir
eigensinnig die Möglichkeit der Kontrolle über die richtige Aus-
führung meines Anzeigenauftrages verweigert, den würde ich
rücksichtslos bei Vergebung meiner Aufträge ausschließen.

Jeder Verleger, dem an einem guten Einvernehmen mit seinen
Kunden, auch den Gelegenheitsinserenten, die ja morgen schon
wiederkommen könnten, gelegen ist, wird dem hier Gesagten
beipflichten. Wenn die Verweigerung kompletter Belege aus
Sparsamkeit geschieht, so ist es Sparsamkeit an falscher
Stelle. Man wird mir entgegenhalten, daß es Zeitschriften gibt,
deren Herstellungskosten so hoch sind, daß die Einzelnummern
mehrere Mark kosten. Zugegeben, das sind aber Ausnahmen.
Sie haben auch entsprechend hohe Anzeigentarife, so daß es sich
wieder ausgleicht. Mir ist die Lieferung kompletter Belege aber
auch von Zeitungen oder Zeitschriften verweigert worden, die
nicht zu den Ausnahmen gehören. Welchen Motiven entspringt
die Weigerung dort? Meiner Meinung nach nur dem Eigensinn.
Man will eben nicht! Beim Inserenten löst diese ablehnende
Stellung gegenüber einer Selbstverständlichkeit aber ganz
andere Gedanken und Betrachtungen aus. Er sagt sich: der Ver-
leger muß wohl irgend etwas zu verbergen haben, daß er mir
den Einblick in sein Blatt verweigert und nur ein Schnipselchen
        <pb n="156" />
        ®
To-night
-
A mine Course

Dinner and a
Ten course show!

6 to 9

The food and the fun
Start together!

Three dollars

And no cover charge!
Second

Sunday evening show
Begins at eleven thirty!
Come for one

Or the other

Or both!

And remember

You needn’t dress up
To come down!

X
*Club
“Alabanı
‚14 44ch Stzeet Theatre Buildiog
Just West of Broadway
70» Rewer vatlones Lackawanne 7845 .

Charakteristische Anzeige einer New

Yorker Vergnügungsstätte, Besondere

Betonung des Riesenprogramms (Diner
ıuınd 10 Nummern Schau).
        <pb n="157" />
        SOWNES
&lt; “2 HOUSE

&amp;

2
AG sandwich, a glass
of milk and a deep dish
apple pie at Browne’s is con-
siderably more than a quick
lunch on one of those days
when you must eat in a hurry.

BHrownes
AROADWAY NEAR 40th STREET
OPPOSITE E METROPOLITAN

In dieser Anzeige suggerieren Brow-

ne’s (New York) den Lesern, daß

man beliebte FHlaus- und Tages:

spezialitäten bei ihnen besonders
gut erhalten wird

” HOUSE

&amp;

en
Pe
C &gt; x

Par
%37\
TOMORROW is Friday-—
and on that day the con«
noisseurs of old New York
foregather at Browne’s, and
im reverent tones you hear
them say
“Charlie—bring
ihe Broiled Scrod?”
Brownes
BROADWAY NEAR 40th STREET
OPPOSITE THE METROPOLITAN

Geschickter Hinweis auf die mor-

gige Tagesspezialität — Morgen

ist Freitag!, also soll der Kellner
_Broiled Scrod“ servieren,

Zar
N
Os

u

&amp;

ZN

FAMOUS for its English
c” mutton chops, juicy steaks,
zavory fish and oysters. Served
as we have served three gen”
srations for 68 years.
Brownes
BROADWAY NEAR 40th STREET
DPPOSITE THE METROPOLITAN

Hier zählen Browne’s die Delika-

tessen auf, für deren besondere

Güte sie seit 68 Jahren bekannt
seien.
        <pb n="158" />
        DC

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

davon sendet. Entweder war die Anzeige hervorragend schlecht
placiert, oder es sieht mit dem Anzeigenteil des Blattes bedenk-
lich aus, was man mir zu verbergen wünscht.

Vor einiger Zeit wollte der Leiter eines Kurortes das Ergebnis
eines großen Anzeigenauftrages, an dem mehr als 50 Zeitungen
und Zeitschriften beteiligt waren, auf seine Wirkung hin kon-
trollieren. Diese Absicht wurde dadurch unmöglich gemacht
oder wenigstens erschwert, daß 5 oder 6 Blätter statt kompletter
Belege nur die auf Zettel geklebten „Ausschnitte“ geliefert hatten
und auch auf nochmalige Bitte die Lieferung kompletter Belege
ablehnten. Mit der fadenscheinigen Begründung, daß es bei
ihnen so Brauch sei, mit dem nicht gebrochen werden könne.
Nun, die Folge dieses entgegenkommenden Verhaltens einem
sehr kulanten Kurort-Inserenten gegenüber war, daß diese
Blätter bei der Vergebung weiterer Anzeigen ausgeschlossen
wurden.

Der Verleger sollte sich immer gegenwärtig halten: der In-
serent braucht die Zeitung und Zeitschriften, wenn er seine Re-
klame in einen recht großen Kreis von Interessenten hinein-
Iragen will, aber er braucht nicht unbedingt diese oder jene
Zeitung, Er wird sie, meistens auch ohne Schädigung, entbehren
können. Die Zeitung und Zeitschriften brauchen aber unbedingt
Inserenten, recht viele Inserenten, denn der Anzeigenteil ist
das Mark des Betriebes und deshalb sollte vernünftiges Ein-
gehen auf die Wünsche der Inserenten, namentlich wenn sie
so gerechtfertigt sind, wie die Forderungen kompletter Belege,
oberstes Gesetz sein.

11. Erfüllungsort. Dieser Punkt erhält seine Wichtigkeit erst
dann, wenn jene Differenzen eingetreten sind, die durch Be-
achtung dieser Ratschläge in vielen Fällen vermieden werden
können. Der Zeitungsverleger und Reklameunternehmer wird
natürlich immer bestrebt sein, die Inserenten beim Vertrags-
abschluß zur Anerkennung seines Wohnsitzes als „Erfüllungs-
ort“ zu bestimmen. Viele vorgedruckte Anzeigen-Vertragsbedin-
gungen pflegen diese Klausel zu enthalten. Im Interesse der In-
serenten liegt diese Bedingung aber nicht! Er sollte sich viel-
mehr ausbedingen, daß sein Wohnsitz als Erfüllungsort zu
gelten hat. Der Vorteil für den Inserenten liegt auf der Hand.
Ist sein eigener Wohnsitz „Erfüllungsort“, so muß eine even-
tuelle gerichtliche Klage dort ausgetragen werden, ganz gleich,
wer die Klage anhängig gemacht hat: der Verleger oder der In-
        <pb n="159" />
        DER INSERENT UND DER ZEITUNGSVERLEGER 159

TO VEGETARIANS

EC TA TS TA
leder

HOSE whoasso-
C(S ciare Huyler’s

only with sweet-
meats are astonished
when they discover the
superior cuisine in our
restaurants.
For instance: A filet or
grilled fish as prepared
by the Huyler’s chefs.
Fish, fresh fram deep
waters. Fridays always.
Other days, generally.
SC

Au pp

da
ip

a
RESTAURANTS

Sen SO RO Se EN SE

Die Ankündigung besonderer Spe-

zialitäten, in obigem Inserat sind

28 Fischgerichte, ist immer wir-
kungsvoll.

Serving, as we do, a public
whose diet varies widely ac-
cording to individual taste,
Sur menus are Constructed
to-meet the requirements of
all classes.
However, if any of our pa-
trons are vegetarians, we
want them to know that our
menus include a complete
vegetarian diet, | ;
While there is no separate
vegetarian list, one so in-
clined may select from ‚the
regular menus a very satis-
factory vegetarian diet,

AN vegetables are so
prepared and cooked
that their valuable min-
aral salts are retiained
end their naturalfavors
Chile

Mit dieser Anzeige wendet sich das New
Yorker Gaststätten-Unternehmen an das
große Heer der Vegetarianer.
„Childs‘“ sind volkstümliche Gaststätten
in New York, von denen es rund 500
gibt, die täglich von Millionen besucht
werden. Childs-Speisenkarten und Childs-
Anzeigen, wie das obige, bringen täg-
lich wechselnde Anregungen für Früh-
stück, Mittag oder Nachtmahl, sind also
eine gute diätetische Beraterin.
serent. Der Inserent hat also die Möglichkeit, entweder seine
Klage selbst vor Gericht zu vertreten (falls dies nach der Höhe
des Objektes angängig ist), oder einen ihm bekannten Anwalt
        <pb n="160" />
        160

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

damit zu betrauen, den er dann persönlich instruieren kann.
Der langweilige und oft zu Mißverständnissen führende Schrift-
wechsel mit einem fremden Anwalt in einer fremden Stadt
fällt weg. Als Erfüllungsort sollte der Inserent also immer seinen
eigenen Wohnsitz bestimmen. Die Berliner Industrie- und
Handelskammer hat in der Frage des „Erfüllungsortes‘“ fol-
gendes Gutachen (Aktenvermerk C 7927/25 XII A 4). erstattet:

„Im Zeitungshandel läßt sich kein Handelsgebrauch fest-
stellen, nach dem abweichend von den gesetzlichen Bestim-
mungen der Verlagsort einer Zeitung stets als Erfüllungsort für
Bezahlung von Inseraten gilt. In der Regel wird der Verleger
den Gerichtsstand mit dem Inserenten vereinbaren, wenn er
nicht stillschweigend den Gerichtsstand des Inserenten aner-
kennen will. Dagegen wird der Inserent den Gerichtsstand des
Verlegers stets dann gegen sich gelten lassen müssen, wenn
etwa der Kopf der von ihm in Anspruch genommenen Zeitung
einen entsprechenden Vermerk enthält, den er bei Aufgabe
seiner Inserate gekannt hat.“

Zum Schluß noch ein Rat allgemeiner Natur: Unbekannten
Verlagsfirmen, unbekannten Reklameunternehmungen und
unbekannten Verlagsobjekten gegenüber sei man vorsichtig und
prüfe genau, ehe man sich bindet. In der gastgewerblichen Fach-
presse wird oft über schlechte Erfahrungen berichtet, die mit
solchen Unternehmungen gemacht wurden, und die zuweilen
nur Eintagsfliegen sind.
        <pb n="161" />
        DER „BLICKFANG“

x

19.DER „BLICKFANG“
Ein eigenartiges Wort. In der modernen Reklame wurde es
zum Trumpf-As. Über diesen Blickfang, seine Grundregeln, Vor-
bedingungen und die durch ihn erreichbaren Wirkungen habe
ich mich in zahlreichen Kapiteln so erschöpfend geäußert, daß
eine Wiederholung überflüssig erscheint. Dieser Abschnitt soll
vielmehr einem drucktechnischen Apparat gewidmet sein, der
den Namen „Blickfang“ trägt und der aller Voraussicht nach
eine Zukunft haben dürfte. Er darf deshalb in diesem Werk
nicht mit Stillschweigen übergangen werden.

Der „Blickfang“ ist ein Apparat, der einer Wiener Firma
patentiert wurde, auch in Deutschland, und der es ermöglicht,
eine Anzeige durch ein Kreuz oder einen Strich oder ein Frage-
zeichen oder einen Pfeil in roter Farbe, also abweichend von
der üblichen Farbe des Blattes, von den anderen Inseraten her-
vorzuheben, und zwar in einem Druckgange mit der üblichen
Form. Es ist also kein zweimaliger Druck nötig, der die Kosten
ganz erheblich erhöhen würde. Durch diese rote Markierung
soll beim Beschauer der Eindruck geweckt werden, als habe
vor ihm schon jemand die Zeitung gelesen und wolle ihn nun
auf das angezeichnete Inserat aufmerksam machen.

Im Flachdruck, also bei der gewöhnlichen Schnellpresse, ist
dieser „Blickfang“ schon seit einiger Zeit in Anwendung, und
er bietet technisch keinerlei Schwierigkeit mehr. Ich muß
gestehen, daß eine so markierte Anzeige meinen Blick noch
immer auf sich gezogen hat, und daß ich unwillkürlich zum
Lesen des Inserats gezwungen wurde. Die Wirkung des Appa-
rates dürfte also nicht zweifelhaft sein. Da diese Art des Blick-
fanges für bestimmte gastgewerbliche Betriebe, die ihrer Eigen-
art wegen auch bei der Reklame die Alltagsschablone zu meiden
wünschen, sehr wohl geeignet sein -dürfte, gebe ich nachstehend
        <pb n="162" />
        162

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
eine Beschreibung des rein technischen Vorganges bei der Be-
nutzung dieses Apparates. Da er neuerdings dahin vervoll-
kommnet wurde, daß seine Verwendung auch beim Rotations-
druck möglich ist, daß ihm nun also auch die Tageszeitung
offensteht, wird er sich wohl bald mehr einbürgern. Um die
Leser mit der Art und der Wirkung des „Blickfanges“ nicht nur
Iheoretisch, sondern auch durch ein praktisches Beispiel be-
kannt zu machen, gebe ich eine durch den Apparat gekenn-
zeichnete Anzeige wieder, die ich, ebenso wie die nachfolgende
technische Beschreibung, dem ‚„Zeitungs-Verlag‘“ entnommen
habe. Wenn das Organ der Zeitungsverleger solche Neuerung
bei sich einführt, darf man wohl annehmen, daß sie eine Zu-
kunft hat.

Die Einrichtung des „Blickfangs‘“ besteht aus einem Kli-
schee, das aus Holz angefertigt und mit einem Leinengewebe
überzogen ist. Dieses Klischee wird in einer Messinghülse be-
festigt, welche soweit ausgespart ist, daß das Klischee gerade
hineinpaßt. Die Höhe des Klischees über der Messinghülse be-
irägt einen Millimeter; damit diese Höhe während des Druckes
immer beibehalten wird, ist in der Hülse ein Innengewinde an-
gebracht und ein Fixierungsblättchen eingeschraubt. Das Kli-
schee mit der Hülse, welche wieder ein Außengewinde besitzt,
ist in einem sogenannten Farbebehälter eingeschraubt; die
Hülse weist eine Anzahl von Löchern auf, durch welche die
Farbe zu dem mit Leinen überzogenen Holzklischee: dringen
kann. Durch die Saugwirkung der Leinwand sowie durch die
Rotation der Maschine wird die Farbe auf die Druckfläche ge-
bracht. Dieses im Farbebehälter eingeschraubte Klischee wird
in der Stereotypplatte befestigt, und zwar so, daß das Klischee
selbst soweit unter der Druckfläche zu liegen kommt, daß die
Farbwalzen das Druckbild des Blickfanges nicht mehr er-
reichen. Ehe der Farbbehälter in die Platte eingefügt wird,
wird er mit Farbe gefüllt und fest verschlossen, der Verschluß
geschieht durch Einschrauben der Klischeehülse in den Be-
hälter, welche fest auf einen Dichtungsring angezogen wird. Die
Farbe, welche bei den Versuchen zur Verwendung kam, ist
dünnflüssig, ähnlich roter Tinte. Der Behälter, welcher zirka
100 Millimeter lang und 35 Millimeter breit ist, faßt soviel
Farbe, daß damit eine Auflage von zirka 30.000 Exemplaren,
auf gewöhnlichem Zeitungspapier, gedruckt werden kann.
Sollte eine höhere Auflage verlangt werden, so ist es möglich,
        <pb n="163" />
        DER „BLICKFANG“

163

den Behälter frisch zu füllen, ohne dabei die Platte aus der
Maschine nehmen zu müssen. Das Nachfüllen ist sehr einfach;
es braucht nur die Klischeehülse mit einer Art Steckschlüssel
abgeschraubt werden, die Füllung wird mit einer kleinen Spritz-
kanne vorgenommen, in zwei bis drei Minuten ist die ganze
Arbeit geschehen. Nachdem das Blickfangklischee so tief in
der Platte sitzt, daß es von den Farbwalzen nicht mehr berührt
wird, kann es natürlich auch vom Papier des Druckzylinders
nicht erreicht werden. Man macht nun einen Abzug und klebt
auf die‘ Stelle des Druckzylinders, auf welche der Blickfang
trifft, ein zirka 1 Millimeter starkes Polster, so daß das Papier,
wenn es dann über das Polster geht, unbedingt gegen das Blick-

SUCHEN SIE!

einen guten Berater, der Sie über alle
Fragen des Hotel- und Gastgewerbe-
wesens aufklärt, so bestellen Sie noch
heute das Buch von Harry Nitsch:
„DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE“

fangklischee gedrückt wird. Dadurch, daß das mit Leinen über-
zogene Klischee aus dem Farbbehälter immer den nötigen Farb-
nachschub erhält, wird bei jeder Umdrehung des Zylinders,
neben dem normalen Schwarzabzug, der andersfarbige Abzug
des Blickfanges bewerkstelligt.

Das ist der technische Vorgang beim Rotationsdruck. Im
Flachdruck hat der Apparat für die „Kreuz“-Form das Aus-
maß 30 X 30 mm, und er wird wie ein gewöhnliches Klischee
in die Form beziehungsweise den Inseratentext eingebaut. Der
Druckgang ist ähnlich dem vorgeschilderten. Beim „Strich“-
Zeichen, das nicht in, sondern neben der Anzeige auf dem freien
Zeitungsrand erscheint — sie muß also stets einen Seitenplatz
erhalten — wird der Apparat neben dem Inserat in die Form
geschlossen. Absichtlich hat man dem Kreuz, Strich, Frage-
zeichen, Pfeil eine etwas primitive Form gegeben. Es soll
dadurch der Eindruck hervorgerufen werden, als habe jemand
eilig mit dem Rotstift diese Markierung gemacht.
        <pb n="164" />
        er

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

20. PROPAGANDAWINKE FÜR EIN
UNGENÜGEND BESUCHTES HOTEL
In den folgenden Zeilen gebe ich alle zeitgemäßen Werbe-
möglichkeiten an, um durch zweckmäßige Reklame den nicht
befriedigenden Geschäftsgang eines Hotels in einem Kurort zu
heben. Zwar sind die einzelnen Vorschläge in Spezialkapiteln
ausführlich behandelt, es erschien mir aber zweckmäßig und
im Interesse vielbeschäftigter, nicht reklamekundiger Hoteliers
zu liegen, in dieser konzentrierten Form alles das zusammen-
zufassen, was für ein schlecht oder nicht befriedigend gehendes
Hotel getan werden könnte.

Ich gehe von der Voraussetzung aus, daß die Gemeinde-
verwaltung die Propaganda für den Ort selbst — worin eine
indirekte Werbung für alle örtlichen Fremdenverkehrsinter-
essenten schon ohne weiteres eingeschlossen sein würde —
bisher vernachlässigt hatte. Es muß deshalb bei der Reklame
von etwas anderen Gesichtspunkten ausgegangen werden, als
es sonst bei der Hotelreklame üblich ist. Es darf also nicht nur
für das Hotel, sondern es muß auch für den Ort selbst geworben
und es muß folgendes besonders hervorgehoben werden:

1. Die reizvolle, landschaftlich bevorzugte und gesunde Lage
des Ortes in einer Höhenlage, die für diese oder jene oder auch
für alle Arten Krankheiten zuträglich ist. Wenn im Haus selbst,
oder in dem dazugehörigen Park oder Garten die Möglichkeiten
zu Spezialbehandlungen: Liegekur, Höhensonne, Wasser-
anwendungen, medizinische Bäder usw. schon vorhanden sind
oder ohne erhebliche Schwierigkeiten geschaffen werden
können, muß das in allen Reklamen in knapper, allgemein ver-
ständlicher Form nachdrücklich betont werden.

9. Außer diesen, mehr für Kranke und Erholungsbedürftige
bestimmten Angaben ist auch alles zu erwähnen, was den
        <pb n="165" />
        PROPAGANDAWINKE FÜR EIN UNGENÜGEND BESUCHTES HOTEL 165
gesunden, zu seinem Vergnügen reisenden Gast, der also kein
„Kurgast“ ist, interessiert: Gelegenheit zum Sport im Sommer
und Winter; Aufzählung der vorhandenen sportlichen Anlagen;
gebotene Vergnügen.

3. Wenn der Ort nicht an einer bekannten Verkehrsroute
liegt, ist es notwendig, Aufklärung über die besten Verbindungen
zu geben. Hierfür empfiehlt sich Beigabe einer kleinen, klaren
Verkehrsskizze, welche die Eisenbahn- und sonstigen Ver-
bindungen von den größeren Städten im Osten, Süden, Westen
und Norden, möglichst auch vom Auslande, zeigt. Die Angabe
von Zugsverbindungen unterbleibt am zweckmäßigsten in allen
den Werbeschriften, die für längeren Gebrauch bestimmt sind.
Sonst veralten sie, sind nicht mehr richtig und können Anlaß
zu unliebsamen Differenzen mit Gästen geben, die sich bei
ihren Reisedispositionen auf diese Angabe verlassen haben.

4. Sollte das Haus nicht leicht auffindbar sein, so empfehle
ich Beigabe eines Lageplanes. Die meisten Menschen lieben es
nicht, oft fragen und sich zurechtweisen lassen zu müssen. Jede
Aufmerksamkeit, die der Hotelier seinen Gästen erweist, kommt
dem Haus wieder zugute und ist für dieses gewissermaßen eine
fortlaufende Reklame.

5. Wenn das Hotel schön gelegen ist und eine wirkungsvolle
Fassade hat, benütze man sie bei der Reklame. Der Gast ent-
schließt sich leichter, in einen fremden Ort zu reisen und in
einem ihm fremden Hotel Zimmer im voraus zu mieten, wenn
er sich von Ort und Haus durch gute Bilder eine Vorstellung
machen kann. Bei Anzeigen in Zeitschriften, die auf Kunst-
druck- oder hochsatiniertem Papier gedruckt werden, kann das
klischierte Fassadenbild nach einem guten Photo verwendet
werden. Bei Tageszeitungen, die meistens auf der Rotations-
maschine gedruckt werden, sind gewöhnliche, feinrastrige
Klischees unverwendbar. Hier kommen höchstens Strich-
zeichnungen in Frage.

6. Man führe in wirkungsvoller Manier alle Annehmlichkeiten
auf, die das Hotel den Gästen bietet: Zentralheizung, fließendes
Wasser, Telephon, Bäder (Zimmer mit Privatbad), Licht-
signale (wenn vorhanden), Doppeltüren, eingebaute Schränke,
gute Betten (eventuell System angeben), behagliche Gesell-
schaftsräume, Fünfuhrtees, Diners an kleinen Tischen, Kegel-
bahn, Billard, Autogarage, Raum für Fahrräder, Schneeschuhe,
Rodelschlitten usw.
        <pb n="166" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
7. Bei Kur- und Pensionshotels sind genauere Angaben über
die Verpflegung angebracht und wertvoll, wenigstens in den
Werbeschriften. In den Anzeigen kann man sich auf allgemeine
Angaben beschränken. Die Möglichkeit von Diätverpflegung
muß bekanntgegeben werden, desgleichen Milchtrinkkur,
Yoghurt, Molken, vegetarische Kost usw. Auf besondere (landes-
eigentümliche) Spezialitäten ist aufmerksam zu machen, auch
darin kann ein gewisser Reklamewert liegen. Dringend emp-
fehle ich bestimmte Preisangaben (für ganze Pension, für
Frühstück, Mittag- und Abendessen, Zimmerpreise). Man nenne
Mindest- und Höchstpreise. Hierüber will der künftige Gast in
erster Linie orientiert sein, und bei der jetzigen Wirtschaftslage
sind diese Angaben noch viel wichtiger als früher.

Es ist natürlich schwierig, bezüglich der Höhe der für
Reklame aufzuwendenden Mittel bestimmte Vorschläge zu
machen, weil die verfügbaren Betriebsmittel, der Umsatz und
Reingewinn in den verschiedenen Hotels auch grundverschieden
zu sein pflegen. Da es sich darum handelt, ein noch nicht sehr
bekanntes Hotel bekannter zu machen, muß für die Ein-
führungsreklame auch ein höherer Betrag ausgeworfen werden.

Ich nehme an, daß die Bereitstellung von 10.000 Mk. für
diese Einführungsreklame möglich ist. Von dieser Summe ver-
wende man ein Viertel, 2500 Mk., für Werbeschriften: eine gut
illustrierte Broschüre, ein Faltprospekt, Ansichtspostkarten,
Empfehlungskarten, Werbebriefe und eventuell ein Panorama-
Tableau. Die restlichen 7500 Mk. bestimme man für Anzeigen
in Zeitungen, Zeitschriften usw. Bezüglich der eigenen Werbe-
schriften ein paar kurze Ratschläge, ausführlich habe ich sie
in den einzelnen Spezialkapiteln behandelt.

Die Werbe-Broschüre ist sozusagen der große Bruder des
Faltprospektes, sie kann und soll deshalb textlich sowohl als
auch illustrativ umfangreicher sein als der Prospekt. Am
ehesten wird die Broschüre ihren Zweck erfüllen, wenn sie
einen knappen, aber anschaulichen Führer durch den Ort, seine
Umgebung und durch das Hotel darstellt. Der Text ist wichtig,
und da die wenigsten Hotelbesitzer genügend fach- und feder-
gewandt sein werden, um das Richtige zu treffen, so empfehle
ich dringend, mit Abfassung der Broschüre einen erfahrenen
Werbefachmann oder einen kundigen Literaten zu beauftragen.
        <pb n="167" />
        PROPAGANDAWINKE FÜR EIN UNGENÜGEND BESUCHTES HOTEL 167

Das Bildermaterial muß sorgfältig ausgewählt und geschickt
zusammengestellt werden. In Frage kommen: besonders anzie-
hende und charakteristische Punkte aus dem Ort und der
Umgebung. Die Aufnahmen müssen einem in solchen Dingen
erfahrenen Photographen übertragen werden. Ein geschickter
Lichtbildner wird einer Landschaft Reize abzugewinnen wissen,
die sogar den Bewohnern neu sind. Dann hübsche Aufnahmen
aus dem Betrieb selbst: Gesellschaftsräume, Terrassen, Garten,
ein oder zwei Gästezimmer. Einblicke in die Betriebsräume:
Küche, Weinkeller, Wäscherei, Kühlanlage usw., können zur
wirkungsvollen Reklame werden. Man gebe der Broschüre ein
handliches Format, sie muß bequem in die Rocktasche gesteckt
und ebenso verschickt werden können. Ist sie auch zur Ver-
sendung ins Ausland, namentlich nach Amerika, bestimmt, So
wähle man das sogenannte Folder-Format. Es ist 103 Millimeter
breit und 225 Millimeter hoch. Dieses Normalformat erleichtert
den Verteilungsstellen: Reisebureaus, Verkehrsbureaus usW.,
die Aufbewahrung und Versendung. Die Auflagenhöhe stelle
man je nach den Dispositionen fest, ob die Broschüre nur für
die Sommersaison oder nur für die Wintersaison oder ob sie
für beide bestimmt ist und ob sie für längere Zeit reichen soll.
Die Unkosten des einzelnen Buches verringern sich mit der
größeren Auflage. Ich vertrete die Ansicht, daß man sein
Werbematerial möglichst alle Jahre erneuern sollte. Wo
Winterbetrieb herrscht, dürfen wirkungsvolle Winterbilder und
sportliche Angaben nicht fehlen. Zweiteilung des Inhalts:

Sommersaison und Wintersaison. würde die Übersichtlichkeit
erhöhen.

Der Faltprospekt soll in all den Fällen zur Verwendung
kommen, da die Werbebroschüre zu kostspielig, zu umfang-
reich und zu gesprächig ist. Daraus ergibt sich, daß er der
„kategorische Imperativ“ der Werbemittel sein muß. Von der
früheren Prospektform ist man abgekommen. Der Faltprospekt
ist seiner Handlichkeit und vor allem seiner Übersichtlichkeit
wegen vorzuziehen. Bei ihn muß man ebenfalls das „Folder-
Format‘ wählen, wenn er auch fürs Ausland, besonders für
Amerika, bestimmt ist. Beim entfalteten Prospekt können alle
Bilder nebeneinander betrachtet werden, was die Wirkung für
den Beschauer erhöht. Der Faltprospekt ist ein Extrakt der
Broschüre; seine textlichen Angaben müssen deshalb kurz und
knapp, das Bildermaterial muß auf das wichtigste beschränkt,
        <pb n="168" />
        ‘AO

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

es muß aber doch erheblich umfangreicher als der Text sein.
Hauptsächlich Außen- und Innen-Ansichten des Hauses, dann
ein paar der wirkungsvollsten Bilder aus der Landschaft. Beim
Faltprospekt empfiehlt sich Mehrfarbendruck, namentlich das
moderne Offsetverfahren ist dafür sehr geeignet; die Wirkung
wird dadurch erhöht. Bei Wahl des Papieres achte man darauf,
daß es nicht zu leicht bricht, sondern biegsam und schmiegsam
ist. Sonst könnten die einzelnen Teile nach mehrmaligem Aus-
einanderfalten leicht zerfallen.

Ansichts-Postkarten. Es genügen einige hübsche Ansichten
vom Haus (besonders solche, welche die Aussicht von den
Zimmern und Balkonen aus widerspiegeln), einige Interieurs
und ein paar Gästezimmer. Wählt man farbige Postkarten, so
vermeide man allzu schreiende, unnatürliche Farben. Sie
wirken unschön und stoßen Menschen mit künstlerischem
Empfinden ab, statt sie anzuziehen. Auch hüte man sich davor,
den dargestellten Raum oder Gegenstand künstlich zu frisieren.
Es richtet mehr Schaden als Nutzen an. Der Reklameaufdruck
der Postkarte muß diskret, ganz unauffällig sein! Stempel-
aufdrucke vermeide man unter allen Umständen, sie sind
häßlich und gewöhnlich. Ich würde die Ansichtskarten billig,
ungefähr zum Selbstkostenpreis abgeben. Es macht einen
guten Eindruck, wenn der Gast in der Schreibmappe auf dem
Schreibtisch neben Briefpapier und Umschlägen auch einige
hübsche Ansichtskarten zum unentgeltlichen Gebrauch findet.
Je mehr in die Welt hinaus flattern, desto besser für das Hotel.
Es ist wirkungsvolle und fast kostenlose Reklame. Zum Schluß
noch ein Rat: Man beantworte Anfragen nur auf den eigenen
Ansichtskarten, falls der zur Verfügung stehende Raum für die
Antwort genügt. Es ist wirkungsvoller als eine nüchterne
Geschäftskarte.

Empfehlungskarten. Hierbei achte man auf gefälliges, vor-
nehmes Äußere. Der Grund hierfür liegt schon im Namen:
Empfehlungskarte. Sie ist die Visitenkarte des Hauses, zugleich
der Begleiter der Broschüre oder des Faltprospektes. wenn kein
Handschreiben beigefügt wird.

Werbebriefe werden am besten in Schreibmaschinenschrift
vervielfältigt, so daß sie den Charakter eines „Briefes‘‘ erhalten.
Die Anschrift muß extra eingesetzt werden, also nicht etwa
P. P. oder P. T. als Überschrift. Die Unterschrift in Faksimile.
Text ungefähr: Dank für Anfrage. Bitte um freundliche Auf-
        <pb n="169" />
        PROPAGANDAWINKE FÜR EIN UNGENÜGEND BESUCHTES HOTEL 169

nahme und Beachtung der Beilagen. Versprechen, alles zu tun,
daß der Gast sich im Hotel wohl fühlen werde. /

Panorama-Tableau kommt nur dann in Frage, wenn vom
Ort oder vom Hotel aus ein besonders schönes Panorama
geboten wird. Es muß dann gleichzeitig über die Berggipfel,
Ortschaften usw. orientieren. Ist das Hotel beziehungsweise der
Ort auf schönen und gepflegten Autostraßen zu erreichen, so
Jasse man sie auf dem Tableau recht markant hervorireten.
Das Auto ist heutzutage kein Luxus mehr, sondern Verkehrs-
mittel.

Wahl der Zeitungen usw. Hierfür kann ich nur Richtlinien
geben, Empfehlung bestimmter Blätter ist nicht möglich. Bei
Auswahl der Zeitungen beachte man folgende Gesichtspunkte:
1. Leserkreis, 2. Verbreitungsgebiet. Es würde keinen Zweck
haben, in Zeitungen zu inserieren, deren Leser für einen
Erholungsaufenthalt im inserierenden Hotel nicht in Frage
kommen. Es wird in erster Linie mit einem guten Mittelstands-
publikum zu rechnen sein. Daraufhin wähle man zunächst eine
größere Anzahl Zeitungen aus, die Adressen usw. findet man
im Sperling sowie in den Katalogen der Ala und von Rud.
Mosse, lasse sich über ihre Preise, Rabattsätze usw. orientieren,
und nehme dann nochmals eine gründliche Siebung vor, wobei
das Verbreitungsgebiet scharf zu prüfen ist.

Reklame in guten, vom Publikum wirklich gekauften Reise-
führern und dergleichen ist für ein Hotel wie das angenommene
immer angebracht. Natürlich nur ein Führer durch das eigene
Landschafisgebiet. Gegenüber Reklameunternehmungen, die
umsonst verbreitet und über deren Auflagenhöhe und Er-
scheinungsdaten unbestimmte Angaben gemacht werden, ist
ein gesundes Mißtrauen stets am Platze. Kursbücher sind mehr
für Hotels mit Geschäftsreisendenkundschaft geeignet.

Die Verteilung der für die Zeitungsreklame ausgesetzten
Summe würde ich nach folgenden Gesichtspunkten vornehmen.
Alle gewählten Blätter sind in zwei Gruppen einzuteilen: 1. für
das Hotel besonders wertvolle, 2. minder wichtige. Zwei Drittel
des Gesamtbetrages für Gruppe 1, ein Drittel für Gruppe 2. Die
Erscheinungsdaten muß man vorschreiben! N

Den Anzeigen selbst gebe man ein bestimmtes Gepräge, das
heißt: das Satzbild bestimme man selbst! Man muß die Anzeige
also, wie die Broschüre, von einem gewandten Reklamefach-
mann entwerfen lassen. Dann erscheint in 20 oder 30 verschie-
        <pb n="170" />
        "70

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
denen Zeitungen immer dasselbe Satzbild. Es erhöht die
Wirkung der Reklame und macht von der mehr oder minder
geschickten Hand des meistens nach der Schablone arbeitenden
Zeitungssetzers unabhängig. Man liefere den Zeitungen die
Anzeigen am zweckmäßigsten in Form von Matrizen. Es ist
dabei zu berücksichtigen, daß diese klischierten Anzeigen in
verschiedenen Größen (und Breiten) bereitgestellt werden
müssen. Vorherige Lektüre des Kapitels „Die technische
Gestaltung des Inserats“ empfehle ich dringend.

Zum Schluß noch ein paar Bemerkungen über den geeig-
netsten Zeitpunkt für die Reklame. Falls auch eine Herbst- und
eine Frühjahrssaison, also günstige klimatische Verhältnisse
vorhanden sind, so wäre eine Reklame in bescheidenem Rahmen
vielleicht auch hierfür am Platze. Sie müßte Ende Juli bezie-
hungsweise Ende März beginnen. Die Hauptreklame organisiere
man jedoch für die beiden Hauptsaisons, Sommer und Winter,
und verwende die bei der einen gemachten Erfahrungen dann
für die andere Hauptkampagne. Die eigentliche Wintersport-
saison beginnt meistens erst mit der Weihnachtswoche. Die
Winter-Reklame muß also ungefähr Anfang bis Mitte November
langsam einsetzen, um im Januar ihren Höhepunkt zu
erreichen und dann abzuflauen. Die Sommer-Reklame beginnt
langsam Mitte bis Ende April, steigert sich im Juni und flaut
im August ab. Natürlich richtet sich das nach den örtlichen
Verhältnissen. Es gibt Badeorte, wo die Saison schon im März
oder im April kräftig einsetzt.

Bei diesen Ratschlägen habe ich deshalb ein Kurort-Hotel
ins Auge gefaßt, weil für diese Betriebe eine zielbewußte,
systematische und geschickte Werbung und Reklame unerläß-
lich ist. Der Großteil der Winke paßt aber auch für Stadthotels.
Bei ihnen erübrigt sich das Eingehen auf landschaftliche Reize,
doch empfiehlt es sich, die Sehenswürdigkeiten und sonstigen
Vorzüge der Stadt und ihrer Umgebung in knappen Zügen
herauszuheben. Angabe der Verbindungswege ist nützlich,
desgleichen ein Lageplan, wenn das Haus nicht am Bahnhof,
sondern im Innern der Stadt liegt. Sonst sind alle vorgeschil-
derten Werbe- und Reklamemöglichkeiten auch auf das Stadt-
hotel anwendbar.
        <pb n="171" />
        DERILLUSTRIERTE FALTPROSPEKT

21. DER ILLUSTRIERTE FALTPROSPEKT
Jeder Prospekt ist gut, richtig und wird seinen Zweck wir-
kungsvoll erfüllen, wenn bei seiner Ausarbeitung der Gedanke
alleinige Richtschnur war:

Was will der Reisende, der Fremde, der Gast wissen, wenn
er um einen Prospekt bittet?

Seinen Zweck nicht gerade verfehlt, aber doch nur halb. er-
füllt hat jeder andere Prospekt, der dem Befrager bloß das
enthüllt, was der Verfasser mitzuteilen für gut befindet. Leider
begegnet man in der Praxis weitaus mehr Prospekten, als es
im Interesse der Sache gut ist, die nach dem zweiten, nicht
richtigen Prinzip ausgearbeitet sind. So kann es denn kommen,
daß der Reisende sich für ein anderes Haus entschließt, über
das ihm zufriedenstellende Auskunft erteilt wird.

Die äußere Form des Prospektes ist sehr wichtig. Soll der
Faltprospekt doch in’allen jenen Fällen zur Verwendung kom-
men, da seine größere Schwester, die Werbebroschüre — mit
der ich mich in einem besonderen Kapitel beschäftigen werde —
zu kostbar erscheint. Handlichkeit ist das erste Erfordernis.
Gediegenes Aussehen und künstlerische Gestaltung die zweite
Bedingung. Als äußerer Repräsentant des Unternehmens muß
er dieses auch würdig vertreten. Wie eine gute und angesehene
Handelsfirma es nicht dulden würde, daß ihre Reisenden auf der
Bahn die dritte oder gar vierte Klasse benützen, in Hotels

zweiten oder dritten Ranges absteigen, so sollte auch kein In-
haber eines Hotels, Fremdenheims oder irgendeiner anderen
Gaststätte es zulassen, daß seine Repräsentanten in zweit- oder
drittklassiger Aufmachung in die Welt reisen.

Ein gefälliges buntes Gewand, mit aparten, wirkungsvollen
Farbentönen, wird den Reiz jeden Prospektes erhöhen. Wer es
sich leisten kann, beziehungsweise wem es auf die Mehrausgabe
        <pb n="172" />
        79

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

nicht ankommt, der versäume es nicht, seinen Werberepräsen-
tanten in ein solches Künstlergewand zu hüllen.

Früher wählte man meistens die Form eines kleinen Buches,
einer Broschüre in handlichem Format. Davon kommt man
jetzt mehr und mehr ab. Der Prospekt erhält hohes, längliches
Format; die einzelnen Blätter werden fächerartig ineinander-
gefalzt. Deshalb der Name Faltprospekt. Über das zweck-
mäßigste Format des Faltprospektes und der Werbebroschüre
spreche ich in einem der nächsten Kapitel unter Beigabe an-
schaulicher Musterbeispiele. Dessen Beachtung empfehle ich
dringend, namentlich wenn beide Werbeschriften auch zur
Versendung ins Ausland, namentlich nach Amerika, bestimmt
sind. Durch die fächerartige Anordnung gewinnt der Beschauer
die Möglichkeit, eine ganze Reihe der gezeigten Bilder neben-
einander betrachten zu können, wenn er den Prospekt aus-
einanderfaltet. Nur muß man bei dieser, sonst sehr gefälligen
Anordnung auf geschicktes Arrangement. der Bilder achten, so
daß sie beim Falzen des Prospektes für die Kuvertierung nicht
gebrochen werden. Durch solche Bruchlinien gewinnt keine Ab-
bildung.

Die Bilder wähle man sorgfältig aus. Lieber ein paar weniger,
diese aber gut, erstklassig. Hierfür ist Voraussetzung, daß man
mit den Aufnahmen nur einen Lichtbildner betraut, der die
Interieur-Aufnahme beherrscht und hierbei hervorragendes
leistet. Ich habe Lichtbilder, von denselben Räumen, aber durch
zwei nicht gleichwertige Photographen aufgenommen, in der
Hand gehabt, die durch ihre Verschiedenartigkeit verblüffend
wirkten. Um es drastisch zu veranschaulichen: Der gute Licht-
bildner hatte Räume aus einem erstklassigen, der andere an-
scheinend solche aus einem drittklassigen Hause auf seine
Platte gebannt. Der Leidtragende im zweiten Falle war der Auf-
traggeber.,

Mindestens ebenso wichtig wie die Abbildungen aller jener
Räume, die der Bequemlichkeit der Gäste und der Geselligkeit
dienen (Halle, Diele, Lese-, Schreib-, Musik-, Spiel-, Damen-
zimmer, Terrassen, Garten, Bar, Speisesäle: dann aus den
Etagen: ein Salon, ein Schlafzimmer, ein Baderaum), ist ein
Fassadenbild und, bei ganz oder teilweise freistehenden Ge-
bäuden, ein oder besser noch, mehrere schöne Aufnahmen aller
jener Aussichtspunkte, die dem Gast vom Hotel oder Fremden-
heim aus geboten werden. Der aus dem engen Häusermeer der
        <pb n="173" />
        DER ILLUSTRIERTE FALTPROSPEKT 1735

Großstadt Kommende wird bei der Wahl seines Kur- oder
Erholungsaufenthaltes stark durch einen landschaftlich reiz-
vollen Ausblick beeinflußt werden.

Für freistehende Häuser sei noch auf eine aparte Aufnahme-
möglichkeit hingewiesen, die zugleich den Vorzug größter
Aktualität hat: Die Aufnahme aus der Vogelperspektive, wie
man einstmals sagte, das heißt: vom Flugzeug aus. Von dem
freistehenden Regina Palast-Hotel in München habe ich schon
vor längerer Zeit solche Luftschiff-Aufnahmen gesehen, die un-
gewöhnlich reizvoll in ihrer Gesamtwirkung waren. Eine davon
gebe ich auf Seite 176 im Bild wieder. Sie zeigt das Hotel
in seiner heutigen Gestalt. 1924/25 ist es um zwei Stockwerke
erhöht worden.

Küche und Keller sind dem Reisenden fast immer ver-
schlossen. Manche amerikanischen Hotels gestatten ihren Gästen
zu bestimmten Stunden, unter Führung, den Zutritt. Es ist eine
ausgezeichnete Reklame. Obwohl ich zur Nachahmung dieses
echt amerikanischen Beispieles nicht gerade auffordern möchte,
empfehle ich doch, dem Gast wenigstens im Prospekt einen Blick
in Küche und Keller werfen zu lassen. Auch ein flüchtiges Ein-
dringen in die Wäscherei-Anlage, in die Kühlräume würde
manchen Gast lebhaft interessieren, weil er derartiges meistens
noch nie gesehen hat. Solche Eindrücke ermöglichen ihm ein
ganz anderes Urteil über den Betrieb; sie werden ihn nachdenk-
licher, gerechter und — — vielleicht weniger unbescheiden in
seinen Forderungen machen.

Was will der Reisende, Fremde, Gast sonst noch aus dem
Prospekt erfahren?

In größeren Plätzen und wenn das Haus nicht unmittelbar
am Bahnhof liegt, ist die Beigabe eines Lageplanes meines Er-
achtens ein glücklicher Gedanke. Um es „ad oculos‘“ zu demon-
strieren, gebe ich hierfür ein Beispiel im Bild wieder. Aus viel-
facher eigener Erfahrung weiß ich, wie froh ich jedes Mal war,
wenn mich der Prospekt an Hand eines knappen und klaren
Stadtplanes über den Weg orientierte, den ich vom Bahnhof
oder Schiffslandeplatz — man wird jetzt noch Flugzeuglande-
platz dazusetzen müssen — aus einzuschlagen hatte. Nicht
immer, namentlich wenn der Weg nur kurz ist, will man einen
Wagen nehmen, zumal in Kur- und Badeorten, wo der auto-
matische Fahrpreisanzeiger bei Autos und Droschken meistens
noch ein unbekannter Begriff und der Fremde den Über-
        <pb n="174" />
        178

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

forderungen der Chauffeure dadurch wehrlos ausgesetzt ist.
Das Ausfragen der Einheimischen nach dem Wege ist nicht
gerade angenehm. Die Zeichnung eines solchen richtung-
gebenden Lageplanes und die Klischierung ist eine einmalige
Ausgabe; das Klischee kann immer wieder, auch zu anderen
Zwecken (in Anzeigen, auf Postkarten, Briefbogen, Rechnungen)
benützt werden.

Worüber jeder Fremde, ganz gleich, ob arm oder reich, unbe-
dingt orientiert sein möchte, das sind die Preise. Gerade darin
sündigen die meisten Prospekte. Die Annahme ist falsch, daß
die Angabe von Preisen abschreckend wirke. Das Gegenteil ist
der Fall. Die Nichtangabe macht mißtrauisch, wirkt ab-
schreckend. Die Verhältnisse sind jetzt wieder so übersichtlich
geworden, daß Grundpreise unter allen Umständen genannt
werden können. Zimmer von 2 oder 3 oder 4 Mk. ab, Zimmer
mit Bad von 8 oder 10 oder 12 Mk. ab. Pension von 5 oder 6
oder 7 Mk. ab. Es kann und muß angegeben werden, was für
den Pensionspreis geboten wird. Ich würde mich nicht nur auf
einen Grundpreis beschränken, sondern würde sagen: Zimmer
im ersten Stock von 5 Mk. ab, im zweiten Stock von 4 Mk. ab,
im dritten von 3 Mk. ab, im vierten von 2 Mk. ab. Man kann
es noch mehr differenzieren und eine weitere Zwischenstufe
einschalten: Straßenseite, Aussichtsseite, Gartenseite, Hofseite,
Südfront, Nordfront. Als Anschauungsmuster hierfür gebe ich
die Innenseiten eines Faltprospektes vom Hotel Atlantic in
Hamburg wieder. Darin ist die hier aufgestellte Forderung
ungefähr erfüllt.

Noch einen Schritt weiter würde ich gehen und einen kleinen
Auszug aus der Speisenkarte und der Weinkarte dem Prospekt
beifügen. Die gangbarsten Speisen und Weine würden genügen;
sie orientieren den einigermaßen erfahrenen Reisenden aber mit
einem Schlage über das, was ihm am wissenswertesten erscheint.

Eine Frage: Wem ist damit gedient, daß alljährlich die be-
kannten, verallgemeinernden Klagen wegen Preisübervortei-
lungen in Hotels oder Fremdenheimen in der Tagespresse er-
scheinen? In den meisten Fällen waren sie dadurch entstanden,
daß die Beschwerdeführer sich in Häuser verirrten, über deren
Preise beziehungsweise Darbietungen sie nicht oder falsch
unterrichtet waren. Deren Preise, ihren Darbietungen ent-
sprechend, mit dem Geldbeutel jener Beschwerdeführer aber
nicht harmonierten. Ist es nicht zweckmäßiger, solche ..Verir-
        <pb n="175" />
        Ein Lageplan des Esplanade-Hotels in Berlin,
zur leichten Orientierung für ortsunkundige Gäste.

Innenseite eines Faltprospektes vom Hotel Atlantic in Hamburg.
Er unterrichtet auch über das dem Gast Wissenswerfeste: Die Preise,
        <pb n="176" />
        Flugzeugaufnahme des Regina-Palast-Hotels in München.
Wurde auch zu aparten Ansichtskarten verwendet,
        <pb n="177" />
        DER ILLUSTRIERTE FALTPROSPEKT 17

rungen‘ von vornherein durch zweckmäßige Aufklärung der
Reisenden tunlichst unmöglich zu machen oder wenigstens
aufs geringste Maß zu beschränken?

Selbstverständlich ist, daß der Prospekt alle jenen modernen
Annehmlichkeiten, wie Zentralheizung, fließendes kaltes und
heißes Wasser, eingebaute Schränke, Doppeltüren, Telephon
in den Zimmern, Lichtsignalanlage, lautlose Korridore, feuer-
sichere Autogarage, Entstaubung, Hausdiener oder Wagen an
der Bahn, Fünfuhrtee, Hauskapelle (Trio, Quartett, Sextett)
Feuerlöschanlage usw. usw. aufzählt. Gerade diese Angaben
liefern selbst dem minder erfahrenen Reisenden eine deutliche
Charakterisierung des Hauses.

Das wären die wichtigsten Erfordernisse eines guten Pro-
spektes, der seinen Zweck wie ein tüchtiger Commis voyageur
auch erfüllen wird. Beim Text handle man nach dem bekannten
Salatrezept: daß das Öl von einem Verschwender, der Essig aber
von einem Geizhals gegeben werden müsse. Die Bilder seien
das Öl, der Text sei der Essig: knapp, prägnant, schlagwort-
artig. Wer einen Prospekt verlangt, will Aufklärung, aber keinen
Roman. Der Prospekt sei nicht zu groß, vor allem nicht unhand-
lich! Man vergesse nicht: der Prospekt soll auch befreundeten
Hotels, Reise- und Verkehrsbureaus, Schiffahrtsgesellschaften
usw. zur Weiterverteilung zugestellt werden. Deren Räume
sind beschränkt und sie werden unhandliche, schwer unterzu-
bringende Prospekte niemals mit freudigem Lächeln begrüßen.
Es steht eher zu befürchten, daß sie die Abnormitäten dem stets
aufnahmebereiten Papierkorb anvertrauen werden.

Gern hätte ich einige besonders aparte Faltprospekte als
Musterbeispiele beigefügt, leider ist das aus technischen Grün-
den nicht möglich. Es sei deshalb bemerkt, daß ein Prospekt
von Brenners Stephanie Hotel und Kurhof in Baden-Baden,
was Bildermaterial, Text und praktische Ausführung anbe-
langt, mir als das vollkommenste erschien, was ich im Laufe
der verflossenen dreißig Jahre in die Hand bekommen habe.
Das war nicht wenig! Die Raumausnützung ist bei diesem
Faltprospekt verblüffend. Auf verhältnismäßig geringem Platz
Ist eine solche Fülle von Bildern und textlichen Angaben zu-
sammengedrängt worden, daß der Fremde tatsächlich alles er-
fährt, was er schnell zu wissen wünscht.

_ In dem Kapitel „Ein nicht alltäglicher Faltprospekt‘“ bringe
Ich meinen eigenen Entwurf eines originellen Prospektes. der
        <pb n="178" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
mancherlei Anregungen zu geben vermag und zeigt, daß man
sehr wohl die ausgetretenen Pfade verlassen darf, wodurch
größere Wirkung in der Masse der Dutzendwerbeschriften er-
reicht werden kann.

Schließlich sei noch der Faltprospekt einer großen Fremden-
verkehrsstadt genannt, der deshalb von besonderem Interesse
für dieses Werk ist, weil er der Stadt selbst sowohl, als auch
seinen Hotels und Restaurants dient. Der Prospekt stammt aus
Dresden und ist vom dortigen Verein der Hotelbesitzer heraus-
gegeben worden. Die beiden äußeren Schmalseiten, die sich
dem Beschauer zuerst präsentieren, zeigen zwei ganz ent-
zückende farbige Bilder, eines vom Zwinger und eines aus der
Sächsischen Schweiz mit der Elbe. Dazu ein knapper, aber
wirkungsvoller Text in deutscher und englischer Sprache. Die
vier inneren Schmalseiten nennen die Hotels und ersten Restau-
rants von Dresden sowie einiger Nachbargemeinden. Durch
eine geschickte Klassifizierung der Hotels, und zwar in „Vor-
nehme Hotels allerersten Ranges“, in „Familien- und Touristen-
hotels ersten Ranges‘ und in „Gutbürgerliche Hotels“ ist dem
Ortsfremden die Möglichkeit geboten worden, sich eine Unter-
kunftsstätte entsprechend der Leistungsfähigkeit des eigenen
Geldbeutels auszusuchen. Das ist gewiß nicht unwichtig. Ich
habe bereits darauf hingewiesen, daß die Mehrzahl der Klagen
über angeblich „zu hohe Hotelpreise‘ darauf zurückzuführen
ist, daß der Ortsunkundige sich in ein falsches Hotel verirrte.
Wer sich nach dem Faltprospekt Dresdens orientiert, wird sich
in dieser Beziehung nicht so leicht täuschen. Man sieht, daß
auch bei Faltprospekten großer Verkehrsstädte sehr wohl die
Möglichkeit besteht, den Fremden über alles das Aufschluß zu
geben, was sie vor ihrem Kommen gern wissen möchten und
im beiderseitigen Interesse auch wissen sollten.

Die Hoteliers, die Verkehrsleiter großer Städte sowie die Kur-
direktionen haben die Möglichkeit, andere Prospekte zu stu-
dieren, bevor sie ihren eigenen neu herausgeben. Ich empfehle
das dringend, denn aus den Erfahrungen anderer kann man
viel lernen und sollte der klug rechnende Geschäftsmann auch
unter allen Umständen zu lernen suchen.
        <pb n="179" />
        WERT GUTER UND DIE SCHÄDLICHKEIT SCHLECHTER WERBESCHRIFTEN 179

22. DER WERTGUTERUNDDIESCHÄDLICH
KEIT SCHLECHTER WERBESCHRIFTEN
Der internationale Hotelfachmann hat in seinem Betriebe
tagtäglich Gelegenheit, die Richtigkeit des alten Sprichworts,
daß Kleider Leute machen, zu studieren. Umso verwunderlicher
ist es, daß man zuweilen Werbeschriften von Hotels begegnet,
die diesem nur zu wahren Sprichwort direkt ins Gesicht schlagen.
Obwohl gerade bei jeder Werbeschrift auf ihr äußeres Kleid
allergrößte Sorgfalt verwendet werden müßte, kommen einem
doch zuweilen Prospekte und Zirkulare, kommt uns Propa-
gandamaterial unter die Augen, das, um beim Kleidervergleich
zu bleiben, nachlässig angezogen ist, stottert und stammelt und
mit der Sprache auf Kriegsfuß lebt. Absichtlich wähle ich diesen
drastischen Vergleich, weil man gar nicht deutlich genug werden
kann, wenn die Schädlichkeit mangelhaft ausgearbeiteten
Werbematerials vor Augen geführt werden soll.

Das Gesagte gilt für jedes Land, für jede Sprache und für
jedes Hotel, das Wert darauf legt, den Kreis seiner Kunden
durch geschickte Werbung ständig zu vergrößern. Es gilt für
jedes Werbematerial und sei es auch das nebensächlichste. Ein
Hotel, das auf gediegene Repräsentation Wert legt, sollte nie-
mals, unter gar keinen Umständen, etwas Geschriebenes oder
Gedrucktes in die Welt hinausgehen lassen, das nicht den
strengsten Anforderungen der Kritik standhält. Der Grund hier-
für liegt auf der Hand. Werbematerial soll werben, soll neue
Freunde gewinnen. Wie aber kann es „werben“, wenn es auf
Krücken geht und einen verwilderten Eindruck macht?

Wenn im Direktionsbureau irgendeines internationalen
Hotels ein gehobener Posten zu besetzen ist und sich ein Be-
werber vorstellt, der liederlich gekleidet ist, ein schlechtes Be-
nehmen und eine saloppe Aussprache hat, der seine eigene
Muttersprache radebrecht und die fremden Sprachen gleicher-
weise mißhandelt. würde man zum Beispiel einem solchen Be-
        <pb n="180" />
        190

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

werber das Amt eines Empfangsherrn anvertrauen? Ich höre
ein spöttisches Gelächter. „Ausgeschlossen!‘“, hallt es im ent-
rüsteten Chorus zurück. „Ein Empfangsherr muß ein in jeder
Beziehung tadelloser Gentleman sein, denn er kommt zuerst
mit dem fremden Gast in Berührung, und der Eindruck, den
er auf den Ankömmling macht, ist entscheidend für das ganze
Haus. Vom Empfangsherrn wird der Gast aufs Hotel und auf
den Hotelbetrieb schließen. Ist der Eindruck ungünstig, oder
lächerlich, oder schlecht, so wird das Hotel es zu büßen haben.“

So höre ich eifrige und entrüstete Antworten. Sehr richtig.
Das unterschreibe ich alles Wort für Wort. Und ich ergänze
es noch: Welchen Eindruck muß ein zum ersten Mal ins Hotel
kommender Gast von eben diesem Hotel gewinnen, wenn der
Empfangsherr ihn vielleicht in folgendem herrlichen Deutsch
begrüßen würde:

„Gutten Tack, Herr meiniges. Ick mir freuen serr, Ihnen
bei mich begrunzen zu verkönnen. Seien Sie auf dem schmerz-
lichsten verbewillkommenet bei unserm Hotel. Wirr Sie
werden tadellos verdienen.“

Grotesk, nicht wahr? Der deutsche Gast muß einen köstlichen
Eindruck von dem Hotel bekommen, das ihn also willkommen
heißt. „Aber Sie übertreiben ordentlich, Verehrtester‘“, höre ich
die Einwände aus allen Richtungen der Windrose und in allen
Sprachen erschallen. „Ein die Gäste in solcher Weise apostro-
phierender Empfangsherr, ganz gleich, welcher Nation er an-
gehört, würde schwerlich länger als einen Tag den Herrn des
Empfangs spielen können. Spätestens am nächsten Morgen
würde er sich in frischer Luft befinden.‘

Einverstanden. Zugegeben. Dagegen erhebe ich keinen
Widerspruch. Und ich konstatiere mit Vergnügen, wie zündend
mein absichtlich etwas drastisch gewähltes Beispiel einge-
schlagen und den berühmten Sturm der Entrüstung angefacht
hat. Aber — — nun kommt das berühmte Aber — wie stellt
man sich zu einem Werbeschriftchen oder einem Zirkular oder
Avis und dergleichen, das die künftigen Gäste des Hauses in
ähnlicher grotesker Weise „anredet‘“ und begrüßt, wie ich es
dem Empfangsherrn soeben in den Mund gelegt habe? Bitte?

Um mich nicht wiederum dem spöttischen Vorwurf ausge-
setzt zu sehen, ich wolle dem „Übermenschen‘“ Nietzsches da-
durch Konkurrenz machen, daß ich zum ‚Übertreiber“ werde,
will ich einmal tief hineingreifen ins volle Menschenleben. Ein
        <pb n="181" />
        WERT GUTER UND DIE SCHÄDLICHKEIT SCHLECHTER WERBESCHRIFTEN 181

neckischer Südwind, von dem der Steuermann in Richard
Wagners „Fliegendem Holländer‘ singt, daß er noch mehr
blasen möge, weil sein Liebchen nach ihm verlangt — ach, nach
mir verlangt schon längst kein Liebchen mehr und für mich
braucht der Südwind sich nicht anzustrengen — ein solcher
neckischer Südwind wehte mir zwei Drucksachen auf den
Schreibtisch. Beide Drucksachen stammen aus jenem, von den
Nord- und Mitteleuropäern seit jeher heiß geliebten Lande, von
dem Goethes Mignon singt, daß dort die Zitronen blühen, im
dunklen Laub die Goldorangen glühen, und das sich uns auf der
Landkarte als ein regelrechter Stiefel präsentiert. Nun, ich ge-
denke, einen wirklich prachtvollen Stiebel den verehrlichen
Lesern im Parademarsch zu präsentieren. Die eine kleine Druck-
sache war eine Empfehlungskarte. Sie hat also die dankenswerte
Aufgabe, das von ihr vertretene Hotel zu „empfehlen“. Ich will
in meinen „Enthüllungen“ nichts verschweigen, als den Namen
jenes (ganz erstklassigen) Hotels und die Stadt, wo es liegt.
Denn mir liegt nicht daran, irdendein Hotel oder ein Land oder
eine Stadt bloßzustellen. Bloßstellen will ich nur jene bedauer-
liche Gedankenlosigkeit und Nachlässigkeit, die kosmopolitisch
und international bis auf die Knochen ist, weil wir sie in jedem
Land und in jeder Sprache finden können. Es ist lediglich ein
Zufall, daß ich diesem Kapitel zwei Werbedrucksachen in
deutscher Sprache zugrundelege. Im Laufe der Jahre ist mir
ähnliches „Material“ auch schon in anderen Sprachen in die
Finger gekommen, und ich habe es, das sei ehrlich eingestanden,
ebenso ehrlich kritisch zerpflückt. Doch nun will ich den Geist
jener Empfehlungskarte meinen Herren Lesern empfehlen, auf
daß sie Zeugnis ablege für mich und die Wahrheit meiner kriti-
schen Wahrheiten, die in diesem Falle beinahe unter aller
Kritik sind:

MONDSTADT
HOTEL GIGANTIK
Kaisern, Könige und die Feinsten Internationalen Hoheiten
haben in diesem artistischen Hotel gewohnt

Gemäß ge Preisen
        <pb n="182" />
        sn
A

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Nun will ich mich mit einem kühnen Sprung auf das Zirkular
stürzen, das der getreue Ekkehard der Empfehlungskarte ist.
Man wird mir sogleich bestätigen, daß diese beiden wirklich
und wahrhaftig „zusammengehören‘. Name soll auch hierbei
Schall und Rauch sein, denn Schall und Rauch finden wir in
dem entzückenden Zirkular reichlich, wie man auf Seite 181
sehen wird.

Einer also deutlich redenden Werbeschrift brauche ich
wirklich nichts hinzuzufügen. Außerdem muß ich nun selbst
bei Anwendung meiner Muttersprache vorsichtig sein, denn:
mir wird von alle dem so dumm, als ging mir ein Mühlrad im
Kopfe herum. So sagt der Schüler in Goethes Faust, und so
sage auch ich, wenn eine solche Schülerarbeit in meine Hände
kommt. Doch trotz des Mühlrades im Kopf will ich versuchen,
nun einmal ernsthaft zu reden. Denn in der so vergnüglich
ausschauenden Geschichte steckt ein bitterernster Kern.

Es ist überflüssig, noch ein Wort darüber zu verlieren,
welchen Eindruck eine solche Empfehlungskarte, ein solches
Zirkular auf den deutschen oder deutschsprechenden Emp-
fänger machen muß. Aber die Nutzanwendung, die jeder inter-
nationale Hotelfachmann aus dieser heiter-ernsten Groteske
ziehen muß, kann gar nicht deutlich genug herausgehoben
werden!

Jedwede Werbeschrift, ganz gleich in welcher Sprache, muß
orthographisch und stilistisch einwandfrei und vollkommen
sein. Nur dann bietet sie Gewähr, daß sie ihren Werbezweck
auch wirklich erfüllt. Mit dem bisher von vielen Hotelbetrieben
geübten Brauch, die Ausarbeitung oder die fremdsprachliche
Übersetzung des Textes einem Angestellten oder sonst irgend
jemand zu übertragen, über dessen wirkliches Können man
nicht im Bilde ist, muß unbedingt und gründlich gebrochen
werden. Für die Ausarbeitung des wichtigen Werbematerials
ist die allerbeste Kraft gerade gut genug. Jede hier geübte Spar-
samkeit ist Sparen am falschen Platz. Solche Sparsamkeit rächt
sich immer, und dadurch wird die Geschichte viel, sehr viel
teurer, als sie gekostet haben würde, wenn man die Arbeit gleich
in die richtigen Hände gelegt hätte.

Wie wichtig und wie notwendig die kritische Nachprüfung
des Werbematerials vor der endgültigen Drucklegung durch
einen dieses Feld und auch die Sprache beherrschenden, er-
fahrenen Fachmann ist, habe ich wiederholt erlebt. Man hat
        <pb n="183" />
        WERT GUTER UND DIE SCHÄDLICHKEIT SCHLECHTER WERBESCHRIFTEN 183
HOTEL GIGANTIK - MONDSTADT
Das beste Hotel in der Stadt
Gemäßige Preise:
Kaiseren, Könige — Und die Feinsten —
Internationalen Hoheiten haben in diesen
Artistichen — Hotel Gewohnt..
Preis Liste Für 19206

Zimmer Preisen

Aus der Saison Hoch Saison
von Iste Juni bis 28ten Von Isten März —
Febr. 31gt Mai
Zimmer mit I Bett mit Lau-

fendes und Warmes und

Kaltes wasser von L. 35.-. bis L. 60 von L. 130. bis L. 160
Zimmer mit I Bett und

Privat-Badezimmer 60 „ „80 » 160 „ » 180
Zimmer mit 2 Betten mit lau-

fendes Kaltes und Warmes

wasser 60

Zimmer mit 2 Betten mit

Privat-Badezimmer ; 90

PENSION’S PREISEN (Wohnung &amp; Verpflegung) Aus der saison Hoc saison
Zimmer mit I Bett mit laufendes

Kaltes &amp; Warmes wasser von L. 85.— bis L. 110 von L. 170 bis L. 190
Zimmer mit I Bett und Privat-

Badezimmer 100 130 200 220
Zimmer mit 2 Betten und laufen-

des Kaltes &amp; warmes

wasser (pp) . 80 110 140 180
Zimmer mit 2 Betten und Privat-

Badezimmer 05 130 1090 220
Wohnung mit Privat Saloon, Badezimmer &amp; W. C. jenach die Lage un größe
Mahlzeiten:

Hoch Saison: Fruhstük L. 10.— Mittagessen L. 35.— Abendessen L. 45
Aus der Saison: » 7 ” L. 30 » L. 35
Autobus mit handgepäck für jede Fahrt — Pro person L. 10

Großes Gepäck L. 5 pro Stück.

Heizung: L. 10 pro Person, täglich
Service (Trinkgeld) 15% bis 3 volle tagen Aufentahlt
10 °%% für länger

Luxus Steuer 8% p AL aid Kinde L. 256

. f von 1/3 bis 3/5 L. 5 pro person tägli inde L. 2.
Stadt Steuer: { „ VÖ „ 282 1.3 PT p » - Diener L. 1.50
Spezielle Preise für Reisegesellschaften in voller Pension, von Isten Juni bis
28ten Februar L. 100 Net pro person
Von 15 PERSONEN einen Führer frei.
Provision 10%
Die Direktion.
        <pb n="184" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

mir fertiges Werbematerial zur Begutachtung eingesandt, an
dem manches hätte verbessert und vervollkommnet werden
können, wenn ich es vor der Drucklegung geprüft hätte. Ebenso
habe ich Entwürfe gesehen, an denen manches zu verbessern
war und wobei ich einige Male ganz tolle Fehler verhindern
konnte.

Die Zeiten haben sich geändert. Der Konkurrenzkampf im
Fremdenverkehr ist härter und schwerer geworden. Die Kunst
der Werbung wird auch in der Hotelindustrie zu einer wirk-
lichen „Kunst“ ausgebildet werden müssen. Dementsprechend
werden die Ansprüche wachsen, die in der Hotelindustrie an
die Anwärter auf gehobene Posten gestellt werden müssen. Das
harte Leben lehrt uns also:

Die Zeitverhältnisse zwingen jeden Besitzer und Leiter inter-
nationaler Hotelbetriebe, ganz gleich, in welchem Reiselande
sie sich befinden, sich selbst der veränderten wirtschaftlichen
Lage anzupassen. Sie zwingen ihn aber auch, vom gehobenen
Personal die entsprechenden Kenntnisse zu verlangen. Wer auf
Fortkommen in internationalen Hotelbetrieben hofft und
rechnet, der muß wohl oder übel die Konsequenzen aus dem
Vorgesagten ziehen und sein geistiges Rüstzeug stärken und
verbessern, sonst wird er unweigerlich am Wege liegen bleiben.
        <pb n="185" />
        „UNZWECKMÄSSIGE“ UND „RICHTIGE“ FORMATE DER WERBESCHRIFTEN 185

23. „UNZWECKMÄSSIGE“ UND „RICHTIGE“
FORMATE DER WERBESCHRIFTEN

Obwohl ich dem Faltprospekt und der Werbebroschüre
schon zwei Kapitel gewidmet habe, muß ich doch noch einiges
darüber sagen, wie die Prospekte und Broschüren der Hotels,
Kurorte und Fremdenverkehrsstädte zweckmäßig ausgeführt
sein müssen, wenn sie ihre Bestimmung im Ausland, nament-
lich in Amerika, wunschgemäß erfüllen sollen. Denn gerade auf
diesem Gebiete werden die meisten Sünden begangen, die dann
die Ursachen dafür sind, daß der erhoffte Erfolg sich nicht
einstellen will. In dem Kapitel über die Reichszentrale für
Deutsche Verkehrswerbung habe ich bereits kurz auf eine von
ihr herausgegebene belehrende Broschüre hingewiesen. Ich
komme nun etwas eingehender auf diesen Werbespiegel zurück.
Er wurde aufgestellt in der Ersten und Zweiten Verkehrs-
Politischen Konferenz von der Reichszentrale für Deutsche
Verkehrswerbung (Adresse: Berlin W 35, Potsdamer Privat-
Straße 121b) und man hat darin alle Erfahrungen zusammen-
gefaßt, die bei der praktischen Arbeit gemacht wurden. Es wird
In knapper, aber anschaulicher Form in 5 Hauptstücken
gesprochen 1. von der allgemeinen Werbung; %. von der
regionalen Werbung, und zwar vom Format und vom Schlag-
wort; 3. von der amerikanischen Werbung, und zwar: wie reist
der Amerikaner?, vom Zusammenschluß aller Werbebestre-
bungen, vom Bild, von Prospekten und Fahrplänen, von den
Anzeigen, von der Sprache; 4. von der Herstellung, und zwar:
vom guten Bild, von der Photographie, von neuen Schriften;
5. vom Vertrieb der Werbeschriften, und zwar: die Kartothek
als Ausgangspunkt jeder Vertriebsorganisation, der Versand der
Propagandamittel und die Bemessung der Auflagen, ständige
Fühlungnahme mit den Vertriebsstellen im In- und Ausland,
der Verkehr mit der Hauptvertriebsstelle der Reichszentrale für
        <pb n="186" />
        ‘86

‚.DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Deutsche Verkehrswerbung. Die kleine Broschüre bietet viel
sachliche Aufklärung, unterstützt durch anschauliches Bilder-
material, und sie ist zwar eine nur kleine aber vortreffliche
Ergänzung zu meinem eigenen Werk.

Bei der Auslandswerbung, insbesondere bei der in Amerika,
ist das Format des Faltprospektes oder der Werbebroschüre
von außerordentlicher Wichtigkeit. Die Leitung der Reichs-
zentrale war so liebenswürdig, mir aus ihrem „Werbe-Spiegel“
vier Abbildungen zur Verfügung zu stellen, welche die große
Wichtigkeit des richtigen Formates bei der Auslandsbroschüre
anschaulicher illustrieren, als viele Worte es vermögen.

Abbildung 1 zeigt uns die große Buntheit der Formate deut-
scher Werbeschriften. Man kann sich ohne Mühe vorstellen,
wie diese ungleichmäßigen Formate den Hotels die Auf-
bewahrung, wie sie den Reisebureaus, Verkehrsbureaus usw.
die Versendung der Broschüren erschweren. Fast für jedes ein-
zelne dieser Hefte müßten die Hotels und Verkehrsbureaus ein
besonderes Fach einrichten, müßten die Reisebureaus usw.
einen besonderen Umschlag für die etwaige Versendung bereit-
halten. Kein einziges Reisebureau wird das tun. Das Ergebnis
dieser unzweckmäßigen Formate ist: Entweder wird das Heft
für die Versendung dem Umschlag entsprechend gefalzt und
dadurch unansehnlich gemacht, oder es wird überhaupt nicht
versendet. Der zweite Fall wird in den meisten Fällen der wahr-
scheinlichere sein.
Abbildung 2 führt das Gegenstück, die einheitlichen, also
richtigen Formate amerikanischer und deutscher Werbe-
broschüren vor. Man könnte einwenden, daß diese Gleich-
mäßigkeit der Formate langweilig wirken müßte. Ganz unge-
rechtfertigt ist der Einwand nicht. Ohne weiteres gebe ich zu,
daß zum Beispiel das Format des Prospektes von Bad Salz-
schlirf, in der Abbildung 1 wiedergegeben, sehr ansprechend
wirkt. Aber es müssen in diesem Falle Nützlichkeitsgründe den
Ausschlag geben. Was nützt es, dem für Auslandswerbung
bestimmten Prospekt ein „apartes‘‘ Format zu geben, wenn
seine Aufbewahrung und Versendung dadurch erschwert
werden? Der Sperling in der Hand ist besser als die Taube auf
dem Dach! Besser ist der Auslandsprospekt in einem Format,
das seiner Versendung nicht schon von vornherein Hindernisse
in den Weg legt.
        <pb n="187" />
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        Jolie Park Hotel Co,

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Abbildung 2.
        <pb n="189" />
        Abbildung 3.
        <pb n="190" />
        Abbildung
        <pb n="191" />
        ‚UNZWECKMÄSSIGE“ UND „RICHTIGE“ FORMATE DER WERBESCHRIFTEN 191

Abbildung 3 zeigt uns ein Paket Prospekte der verschieden-
sten Formate. Wer jemals mit der Aufbewahrung und dem
Versand derartiger Broschüren zu tun hatte, dem sagt dieses
Bild genug. Aber auch dem Laien erzählen diese vielgestaltigen
Bändchen Bände. Es erübrigt sich deshalb jedes weitere Wort.

Abbildung 4 liefert das Gegenstück. Aus ihr erkennen wir,
wie leicht und bequem. bei einheitlichem Format: die Ver-
sendung gemacht ist, ganz gleich, ob es sich um Massen- oder
um Einzelversand handelt. Das Bild sagt uns ferner, wie
bequem die Aufbewahrung im Schrank der Hotelbureaus oder
der Reisebureaus ist, sobald die Prospekte im einheitlichen
Format hergestellt werden.

Die im Sinne dieses Artikels gemeinte richtige Größe, das ist
Länge und Breite der Werbeschriften, ist amerikanischen
Ursprungs und bekannt als sogenanntes Folder-Format, In der
Regel ist das Folder-Format 103 mm breit und 225 mm hoch.
Die Breite muß immer eingehalten werden, bei dem Längs-
maße sind kleine Abweichungen nach unten oder oben nicht
schlimm. Wenn man sich an diese Größenverhältnisse hält,
wird man den Verteilern der Werbebroschüre keine über-
flüssigen Schwierigkeiten machen, hat also die größtmögliche
Sicherheit, daß sie auch unter die Leute gebracht wird, dem-
nach ihren Zweck erfüllt. Wenn dann auch der Inhalt, das
heißt der Text (dieser darf nicht weitschweifig sein) und die
Illustrationen (sie müssen künstlerisch, blickfangend, nicht
alltäglich sein) sich der Psyche der Bewohner jenes Landes
oder jener Länder anpassen, für die der Prospekt bestimmt ist,
so sind die wichtigsten Vorbedingungen erfüllt.
        <pb n="192" />
        4

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

24. DIE ILLUSTRIERTE WERBEBROSCHÜRE

Der Weltkrieg hatte ihr gründlich den Garaus gemacht. Aus
den Hotels war sie beinahe ganz verschwunden, in den Bädern
und Kurorten behalf man sich, auch noch lange Zeit nach
Kriegsende, mit oft recht kümmerlichen Surrogaten. Jetzt ist
die Werbebroschüre wieder in aller Herrlichkeit‘ erstanden.
Das heißt, in aller Herrlichkeit will ich doch lieber nicht sagen.
Da die Erfahrungen der Vorkriegszeit vielfach in Vergessenheit
geraten sind; so haften der Werbebroschüre zuweilen kleine
Mängel an, deren Beseitigung im Interesse ihres guten Zweckes
liegt.

Die Werbebroschüre ist die große Schwester des Falt-
prospektes. Daraus geht schon hervor, daß sie in vielen Dingen
mit ihm Ähnlichkeit hat. So trifft zum Beispiel für die Broschüre
alles das zu, was über die Wahl des Illustrationsmaterials
gesagt wurde. Ich brauche es deshalb nicht zu wiederholen.
Doch sei nachdrücklich darauf hingewiesen, daß die Aus-
gestaltungs- und Verwendungs-Möglichkeit bei der Werbe-
broschüre sehr viel größer ist als beim Faltprospekt. Zunächst
will ich mich mit der Hotel-Broschüre beschäftigen.

In ihr soll alles das enthalten sein, was des knappen Raumes
wegen vom Faltprospekt fern gehalten werden muß. Wenn
man auch nicht, wie jener gefürchtete Dauerfestredner es tat,
bei der Erschaffung der Welt zu beginnen braucht, so kann
man doch einige historische Daten aus der Entstehungs- und
Entwicklungsgeschichte des Hotels einflechten. Auf einem
Rundgange durchs Hotel, und zwar durch sämtliche für den
Fremden interessanten Räume, kann man dann den künftigen
Gast mit allem bekanntmachen, was geeignet erscheint, um ihn
als dauernden Freund des Hauses zu gewinnen.

Die Werbebroschüre braucht und soll sich nicht nur auf
Angaben über das Hotel beschränken. Sie kann den Gast mit
        <pb n="193" />
        DIE ILLUSTRIERTE WERBEBROSCHÜRE 193

Urteilen anderer Gäste bekanntmachen, indem Ausschnitte
aus Dank- und Anerkennungsbriefen veröffentlicht werden.
Dieser Seite der Reklamemöglichkeiten hat man in der Hotel-
welt bisher viel zu wenig Beachtung geschenkt. Ich sehe aber
nicht ein, warum man ein freiwillig gespendetes Lob des Hauses
tief im Busen verschließen soll! Andere Geschäftsleute tun es
auch nicht, und in unserer ernsten Zeit muß der Hotelier in
erster Linie Geschäftsmann sein.

Der Besitzer des Neuen Union-Hotels in Dresden, W. Ruschin,
hat diese Anregung in die Tat umgesetzt. Auf einem mit dem
Bild des Hauses geschmückten Zirkular gibt er Briefe usw.,
Meistens im Auszug, wieder, die ihm von zufriedenen Gästen
zugegangen waren. Das Zirkular trägt folgenden Titel:

Einige von den vielen Anerkennungen
über Führung und Verwaltung des Re-
staurant und Union Hotel Ruschin

Aus den zahlreichen Anerkennungen greife ich eine einzige
heraus, weil sie einen Fingerzeig bietet, „wie“ man die Aner-
kennung besonders markanter Persönlichkeiten des In- und
Auslandes im Interesse des eigenen Geschäftes verwenden
könnte. Sie stammt von Johann Strauß und gibt zugleich im
Faksimile ein paar handschriftliche Takte des großen Musikers
wieder:
—

BE

A

a
le

Wo es einem gut geht, wie im Union Hotel, dahin
geht man immer wieder gerne.
Der dankbare Stammgast
Johann Strauß.

Ein paar weitere Musterbeispiele aus der Praxis mögen
folgen, weil die vielen guten Möglichkeiten auf diesem Gebiete
Noch viel zu wenig ausgenützt werden. Locarno ist seit dem
Herbst 1925 zum Weltschlager geworden. Auch im Hotelleben
ist da vieles Interessante geschehen, was zur werbetechnischen
Auswertung geradezu herausfordert. Außer den Delegationen
einiger anderer Mächte hatte die britische Delegation im Grand
        <pb n="194" />
        19%

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Hotel Palace Wohnung genommen. Vom Führer dieser Dele-
gation, Sir Chamberlain, erhielt die Hoteldirektion bei der
Abreise einen anerkennenden Dankbrief. Dieses Schreiben hat
Direktor Michel in naturgetreuer Ausführung kopieren und
vervielfältigen lassen — selbstverständlich mit Genehmigung
des Herrn Chamberlain — und dieses interessante Schriftstück
liegt jetzt in ganz zwangloser Form auf dem Tisch des
Empfangsbureaus, und es wird den Werbebriefen usw. bei-
gefügt. Nachstehend gebe ich eine Kopie des Briefes, etwas
verkleinert, wieder:

British Delegation,
Grand Hotel,
LOCARNO.
18th October, 1925.
31r,

Before leaving Locarno, I should like to express
to you my appreciation of the manner in which you have
contributed to the comfort of the British Delegation
iuring their stay. I should be glad if you woulä
sonvey to the members of your staff my thanks for the
assiduity am attention with which they have performed
Bheir duties.
Yours very truly,.

Ds

Wr. Ferd. Michel
Manager of the Grand Hotel
1Leocarno
Anerkennungs- und Dankbrief der britischen Delegation,

anläßlich der Tagung im Oktober 1925 zu Locarno.

Die Gemeinde von Locarno hat den Sitzungssaal der

denkwürdigen Tagung pietätvoll in derselben Verfassung

erhalten, wie ihn die Delegierten der Mächte verlassen

haben. Er ist heute eine werbende Sehenswürdigkeit
Locarnos.

Ein weiteres Beispiel aus der Praxis. Im Schwarzwaldhotel
Waldlust in Freudenstadt fand ich zwei Dokumente, die schon
an sich interessant sind, es aber noch weit mehr werden durch
die Propagandamöglichkeiten, die sie erschließen, Es sei zu-
nächst das ältere der beiden Dokumente kurz besprochen. Ich
fand es unter Glas und Rahmen in einem Raum des Hotels,
        <pb n="195" />
        Filet
Kt

Namen

4
Zi
Stand! Wohnort | are

TR rag
der der
Ankunft.! Abreise

Te

C

Eine Seite aus einem alten Hotel-Fremdenbuch. Interessant und von werbendem Wert
durch die handschriftlichen Eintragungen,
        <pb n="196" />
        4 lasse dien

25jährigen Bestehens des
Schwarzwaidhotels Wa{dlust
zeslatien sich Me endesunterzeichneten Hotelgäste dem
Herm Ernst Luz
und seiner Frau Gemahlin
die herzichsten Glückwünsche auSZUSprechen.

Möge es dem Jubeinaar vergünnt sein. Ihr Hotel
acch rechl kange In der bisherigen bewährten Weise
zur Freude ihrer Gase weisen führen.

Freudensiadi, den 25. Juh 1925,
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Ein von den Gästen ausgestelltes Diplom als Werbeheljfer.
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        DIE ILLUSTRIERTE WERBEBROSCHÜRE 197

der den Gästen weniger zugänglich war. Es ist eine Seite aus
einem Fremdenbuch des Hauses, stammt also aus einer Zeit,
da der Gast sich noch in einem dicken Buch einzutragen hatte,
was er zuweilen sogar in poetischer Form besorgte. Diese Seite
ist auf Blatt 193 wiedergegeben.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß ein derartiges Dokument
auch heute noch, trotz der Entthronung zahlreicher Fürsten,
auf viele Menschen großen Eindruck machen wird. Am meisten
vielleicht auf den amerikanischen Republikaner. Doch haben
sich auch noch andere Völker einen Hang zu jenen Schichten
bewahrt, die für den gewöhnlichen Sterblichen sozusagen in
höheren Regionen schwebten. Bringt man ihnen einen solchen
Bevorzugten nun durch ein Dokument, wie diese Fremden-
buchseite, menschlich nahe, so bekommt dadurch auch das
Hotel, in dem die hohe Persönlichkeit wohnte, für sie erhöhtes
Interesse und Ansehen. Die Propagandawirkung ist also ganz
außer allem Zweifel.

Doch müssen es durchaus nicht Dokumente aus den
„höheren Regionen“ der Menschheit sein. Viele Hotels besitzen
in ihren Archiven irgend etwas Interessantes, Originelles,
dessen Propagandawert den Besitzern oder Leitern völlig ent-
gangen ist. In der Halle des eben zitierten Schwarzwaldhotels
Waldlust fand ich, ebenfalls unter Glas und Rahmen, ein
zweites Dokument nicht alltäglicher Art. Und weil es nicht
alltäglich ist, darum wohnt ihm suggestiver Werbewert inne.
Man sehe sich das unter den Illustrationen wiedergegebene
Musterbeispiel an.

Ein Diplom, das zur Abwechslung und in ganz ungewöhn-
licher Weise die Gäste des Hauses ihrem Wirt und seiner Gattin
ausstellten, als sie das 25jährige Jubiläum ihres Hotels begehen
konnten, ist nicht Alltag. Sollten Dokumente ähnlicher Art
Nicht in vielen Hotels zu finden sein? Wäre es nicht jammer-
schade, sie nicht voll auszunützen? Würde in das Gesamtbild
der Werbebroschüre, des Faltprospekts oder anderer Propa-
gandaschriften nicht etwas Abwechslung hineinkommen, wenn
man. meine Anregung befolgen wollte? Die Bilder aus dem
Haus, aus dem Ort oder der Landschaft haben zuweilen ein
Dutzendgesicht. Es würde angenehm und zugleich wirkungsvoll
unterbrochen durch Abbildungen von Dokumenten, die ureigen-
ster Besitz des werbenden Hotels sind.

Artikel und Notizen fremder Journalisten können ganz oder
        <pb n="198" />
        Q®

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

auszugsweise wiedergegeben werden. Sie lesen sich oft sehr
interessant und bringen unter Umständen in den zuweilen etwas
einseitigen Ton der Broschüre eine neue Note.

Handelt es sich um ein Stadthotel, so dürfen die Sehens-
würdigkeiten aller Art nicht fehlen, denn der Fremde wird dem
Hotel dankbar sein, wenn die Werbebroschüre eine Art „Kleiner
Führer‘ darstellt. Deshalb empfiehlt sich auch die Beigabe
eines Stadtplanes, mit dessen Hilfe der Fremde sich leicht zu-
rechtfindet. Es dürfte eventuell ein Pharusplan hierfür ge-
nügen, falls er von dem Platz existiert.

Selbst auf die Gefahr hin, in den Verdacht des Selbstlobes
zu geraten, will ich von einer Broschüre erzählen, die ich im
Sommer 1925 auf Anregung des Herrn Ernst Volkhardt für das
Regina-Palast-Hotel in München geschrieben habe. Sie ist be-
titelt „Die Wunder der Technik im Deutschen Hotel“ und führt
dem — gewiß oft staunenden — Leser in Wort und Bild alle
modernen technischen Errungenschaften der Neuzeit vor. In-
teressenten empfehle ich gelegentliches Studium dieser Bro-
schüre. Sie bietet in jeder Beziehung eine Fülle von Anregungen
und zeigt zugleich, was für reiche, noch viel zu wenig aus-
genützte Reklamemöglichkeiten im modernen Hotel schlum-
mern. Zwar ist hierbei vom Deutschen Hotel die Rede; es ist
aber wohl überflüssig, noch besonders zu betonen, daß diese
Reklamemöglichkeiten in jedem internationalen Reiselande der
Entdeckung harren. Man bohre die köstlichen Quellen nur an,
sie werden in reicher Fülle sprudeln.

Falls ein Kurort-Hotel in Frage -kommt, so versäume man
nicht, auch eine kurze und präzise Abhandlung über die Heil-
faktoren des Ortes einzuflechten. Wenn irgend möglich, aus
der Feder eines Mediziners, weil das nachhaltiger wirkt.
Obwohl es schon wiederholt gesagt wurde, ist es doch nicht
überflüssig, zu betonen, daß man mit der textlichen Aus-
arbeitung der Broschüre nur jemand betrauen sollte, der einen
eleganten, flüssigen Stil schreibt und amüsant zu plaudern
weiß. Sonst könnte es geschehen, daß der zu gewinnende Gast
des trockenen Tones schon nach wenigen Seiten Lektüre satt
wird und das Heft beiseite legt. Wo es vergessen wird. wie
dann auch das arme Hotel in Vergessenheit gerät — —

Abseits vom Eisenbahn- oder Schiffsverkehr gelegene Hotels
dürfen nicht versäumen, recht verständlich über die in Betracht
kommenden Verbindungen zu unterrichten. Ist die Erreichungs-
        <pb n="199" />
        0 ee Rihanna belt ehe Ale
2 ; mem um
terre 3! SE HOfe
ZDavos-LPlatz N

Titelseite einer Schweizer Hotelbroschüre, In Vierfarbendruck. Von Künstlerhand
entworfen und gemalt. Viel reizvoller als ein nüchternes Lichtbild.
        <pb n="200" />
        Aus einer Broschüre des Angleterre Park-Hotels in Davos-Platz. Nach einem Künstler-
4quarell in Vierfarbendruck ausgeführt, wirkt ungemein plastisch und naturecht. Man
beachte besonders die qute Perspektive.
        <pb n="201" />
        DIE ILLUSTRIERTE WERBEBROSCHÜRE 201
möglichkeit besonders kompliziert — €S gibt Orte, die nur
durch wiederholtes, sich zuweilen schnell folgendes Umsteigen
zu erreichen sind, wobei die Gefahr besteht, einen falschen Zug
Zugangswege
zu den Wintersportplätzen. u, Winterkurorten des Schwarzwaldes
B.V.
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Orientierungsskizzen dieser Art sind sehr wertvoll für Ver-
kehrsgebiete mit Kurorten, die nur durch Kleinbahnen oder
nach mehrmaligem Umsteigen zu erreichen‘ sind.
Herausgeber dieser Skizze ist der Badische Verkehrsverband,
Sitz Karlsruhe.
zu nehmen —— dann ist die Beigabe einer entsprechenden
Orientierungsskizze ratsam. Wir dürfen nicht außer Acht
lassen, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse sich geändert
haben und auch eine gesellschaftliche Umschichtung statt-
gefunden hat. Unter den Besuchern der Kur- und Badeorte,
        <pb n="202" />
        02

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

der landschaftlich reizvollen Gebiete findet man heute genug
Leute mit gar keiner oder nur geringer Reiseroutine. Ihnen das
Reisen zu erleichtern und angenehm zu machen, ist eine dank-
bare Aufgabe für jeden Verkehrsinteressenten und dieses
Wohltun wird ihnen Zinsen tragen.

Zweifellos liefern Musterbeispiele den besten Anschauungs-
unterricht. Besonders gern würde ich ein paar amerikanische
Werbebroschüren diesem Kapitel beigefügt haben, weil sie in
ihrer Eigenart und vor allem ihres oft hervorragenden Bilder-
schmucks wegen viele wertvolle Anregungen geben können.

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Aer Venezuß,

Orientierungsskizze,
Nützlich für alle Orte. die nicht an Hauptverkehrsrouten liegen.
Leider ist es aus technischen Gründen nicht möglich. Es muß
bei der Beschreibung durchs Wort bleiben. Aus Heidelberg
wurde mir eine Broschüre übermittelt, die einen ganz beson-
ders aparten Typ darstellt und, meines Erachtens, schon durch
ihren originellen Gedanken werbekräftig wird. Die ganze, typo-
graphisch übrigens vorzüglich ausgestattete Broschüre trägt
den Titel „My trip to Old Heidelberg“ und ist in der Form
eines handschriftlichen Briefes gehalten. Dieser ganz persönlich
gestimmte Brief ist von einem begeisterten englischen Besucher
Heidelbergs in englischer Sprache an einen Freund in England
gerichtet. Und zwar ist er auf Briefbogen eines Heidelberger
Hotels, des Europäischen Hofes, niedergeschrieben. Also eine
doppelte Reklame. Auf der letzten Seite schickt der Brief-
schreiber seinem Freund eine Skizze: Just see how easy it is
to reach Heidelberg — Nun sieh, wie bequem Heidelberg zu
        <pb n="203" />
        DIE ILLUSTRIERTE WERBEBROSCHÜRE 208

erreichen ist. Darin sind die Routen von London-Ostende,
Cherbourg-Paris, Hamburg, Berlin, Wien, Rom, Genua und
Madrid nach Heidelberg eingezeichnet. Der Engländer, ebenso
der Amerikaner, weiß etwas Originelles, von der Alltags-
schablone Abweichendes zu schätzen. Sehr wohl kann ich mir
denken, daß eine solche Broschüre bei den Empfängern in
England oder Amerika zunächst ein größeres Interesse auslöst,
als ein Werbeheft normalen Schlages. Man wird sie ganz sicher
durchblättern, und man wird vom Blättern zum Lesen über-
gehen. Die ganz persönlich gehaltene Art dieser Broschüre wird
ihre Suggestionskraft auf den Leser oder die Leserin ausüben,
und die begeisterten Briefe eines Engländers aus Heidelberg an
einen anderen Engländer in seiner Heimat werden dem Leser
den Wunsch suggerieren, diese Stadt kennenzulernen und in
dem Hotel Wohnung zu nehmen.

Da es sich bei dem Heidelberger Werbeheftchen um die für
alle Reiseländer so wichtige Auslandswerbung handelt, flechte
ich ein, daß ich mich mit dieser Auslandspropaganda in
besonderen Kapiteln beschäftige. Da Auslandswerbung noch
kostspieliger ist als die im Inland, liegt es im Interesse jedes
Hoteliers, Kurortleiters oder Verkehrsdirektors, vor der Aus-
arbeitung von Faltprospekten oder Werbebroschüren die
erwähnten Kapitel zu lesen.

Vom Frankfurter Hof in Frankfurt a. M., der Geburtsstadt
Goethes und der Heimat seiner wundervollen Mutter, der Frau
Rat, ist mir eine Broschüre zugestellt worden, deren Titelseite
das vornehm wirkende Bild Goethes schmückt und die ich ihrer
gediegenen Aufmachung und ihres gleichwertigen Inhalts wegen
ebenfalls ein Musterbeispiel nennen möchte. Ein Muster dafür,
wie man das Wesentliche aus den geschichtlichen Erinnerun-
gen, Sehenswürdigkeiten und Kunstschätzen einer Fremden-
verkehrsstadt dem Fremden so nahe bringen kann, daß in ihm
der Wunsch geweckt wird, all das auch in Wirklichkeit zu
sehen. So werden dem Hotel durch Vermittlung eines solchen
geschickten Werbers neue Gäste zugeführt und neue Freunde
gewonnen.

Das Hotel Bristol in Berlin brachte Ende 1926 eine neue,
farbig ausgeführte Broschüre heraus, deren Bilder auf der
Vorder- und Rückseite des Umschlages von Künstlerhand
gemalt sind, was ihre Wirkung wesentlich erhöht. Das Heft
ist so angeordnet, daß es zum mehrfach erwähnten „Folder-
        <pb n="204" />
        704

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Format‘ umgefalzt werden kann. Auch sonst wird sie dem auf-
merksamen Betrachter manche wichtige technische Neuerung
verraten, weshalb ich empfehle, sie vor Anfertigung neuen
Werbematerials zu studieren.

Alle Möglichkeiten für interessante Werbebroschüren sind im
Rahmen dieses an den knappen Raum gebundenen Kapitels
nicht auszuschöpfen. Es gibt Hotels mit reichen geschichtlichen
Erinnerungen. Sie lassen sich in der Hand eines geistvollen
Plauderers zum interessanten Werbeheft gestalten. In vielen
Hotels befinden sich Kunstschätze, wertvolle Originalgemälde
bekannter Meister, kostbare echte Teppiche, seltene Bronzen,
antike Möbel, reizvolle Gobelins. Sie können, in der Werbe-
schrift wiedergegeben, oder durch geschickte Hand zu einem
ilustrierten Heft vereinigt, in der beredten Sprache der Kunst
zum Beschauer sprechen und für ihren Besitzer, das Hotel, den
Werber machen.

Auch hierfür sei ein praktisches Beispiel herangezogen. Der
eben zitierte Frankfurter Hof in Frankfurt a. M. gab anläßlich
seines 50jährigen Jubiläums (25. Juni 1926) eine typographisch
schön und vornehm ausgestattete Festschrift heraus. In dieser
Denkschrift, die letzten Endes auch der Propaganda dienen
sollte, brachten einige Abbildungen eine ganz besondere,
zugleich künstlerische Note. Die eine bildliche Darstellung
machte den Leser mit einem interessanten, wertvollen Kunst-
werk, einem alten Gobelin, aus dem Besitz des Frankfurter
Hofes bekannt, dadurch für das Haus in vornehmer, dezenter
Form werbend. Mit Wiedergabe der Abbildung hoffe ich
den Beweis zu erbringen, daß derartige Illustrationen in das
Einerlei eines Hotelmilieu tatsächlich interessante Abwechslung
zu bringen vermögen.

Die gleiche Abwechslung brachte die bildliche Wiedergabe
einiger wertvoller Tafel-Prunkstücke aus dem Silberschatz des
genannten Hotels. Die Gäste erstklassiger Häuser interessieren
sich für solche Dinge, zumal wenn sie historischen oder Kunst-
wert haben, was bei diesen Stücken zutrifft. Mit viel größerem
Interesse werden sie eine Hotelwerbeschrift studieren, wenn sie
schon beim flüchtigen Durchblättern auf Abbildungen solcher
Art stoßen.
Gar nicht selten sind Hotels, die schon vom rein architek-
tonischen oder vom geschichtlichen Standpunkt aus besonders
interessant sind. Sie stehen entweder auf historischer Stätte
        <pb n="205" />
        Ein kostbarer Gobelin aus Hotelbesitz (Hotel Frankfurter Hof in Frankfurt a. M.)
als Werbemittel bei Kunstfreunden, Sammlern usw.
        <pb n="206" />
        Der Silberschatz des Hotels Frankfurter Hof in Frankfurt a. M. als Werber bei Kunst-
freunden, Sammlern usw.
        <pb n="207" />
        DIE ILLUSTRIERTE WERBEBROSCHÜRE 207

oder sie wurden aus einem ehemaligen Schloß oder aus einem
Kloster zum Hotel umgewandelt, ihre Mauern bergen aus der
früheren Periode Schätze, die sehenswert sind. Diese histo-
rischen Erinnerungen würden dem Hause sicher Besucher
zuführen, die sonst vielleicht wo anders absteigen. Es gibt
Hotels, die im Wandel der Zeiten ebenfalls mannigfache Wand-
lungen erlebt haben. Man erzähle durch Wort und Bild von
allen diesen Dingen und interessiere die Außenwelt für die ver-
borgenen Schätze des Hauses. Kurz, es gibt noch ungehobene
Reklame- und Werbemöglichkeiten aller Art. Man schürfe nach
ihnen, suche sie wie der Rutengänger die tief im Boden ver-
borgene Quelle und nütze den gehobenen Schatz im hart
gewordenen wirtschaftlichen Kampf aus. Je mehr man die
Alltäglichkeit bei der Werbebroschüre zu vermeiden weiß, desto
größere Werbewirkung und Schlagkraft sichert man ihr!

In den meisten Fällen wird man der Werbebroschüre einen
Begleitbrief beigeben. Das Äußere dieses Briefes ist nicht
unwichtig. Von dem Eindruck, den er macht, kann unter
Umständen das Kommen oder Nichtkommen des Gastes abhän-
gen; Deshalb empfehle ich dringend, das nachzulesen, was ich
über Briefpapier und Briefumschläge schreibe, bevor man zur
Anfertigung neuen Materials schreitet.
        <pb n="208" />
        INK

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

25. UNZWECKMÄSSIGE WERBEBROSCHÜREN
PRIVATER VERLEGER

In den vorhergehenden Kapiteln habe ich nur von Prospekten,
Broschüren und Werbeschriften gesprochen, welche die Hotel-
besitzer oder die Werbeleiter von Bädern, Kurorten und
Fremdenverkehrsstädten selbst ausarbeiten und herstellen
lassen. Nun gibt es aber auch noch eine andere Sorte von
Werbeschriften, auf deren technische Ausgestaltung die eben
genannten Stellen keinen oder nur geringen Einfluß haben,
obwohl sie daran sehr lebhaft interessiert sind. Ich meine jene
Bücher, Sammelwerke und dergleichen, die rein spekulativen
Absichten ihren Ursprung verdanken und gewöhnlich von
irgendeinem Privatverlag, oft von einer Druckerei, auf den
Markt gebracht werden. Mit ihnen will der spekulative Verleger
möglichst viel Geld verdienen. Für ihn kommt der Endzweck,
dem Kurort oder der Stadt neue Fremde zu werben und den
Hotels recht viele Gäste zuzuführen, erst in zweiter oder dritter
Linie. Da aber gerade die Hotelbesitzer zu den Herstellungs-
kosten solcher Bücher oder Broschüren fast immer den Löwen-
anteil beizutragen haben, entweder durch Aufgabe kostspieliger
Inserate oder durch vertragliche Zusicherung der Abnahme
eines größeren Quantums des Buches, dessen äußere und innere
Gestaltung die Hotelbesitzer beim Vertragsabschluß oft gar
nicht kennen, so erscheint es mir wichtig und notwendig, über
diese Formen der Propaganda ein paar Worte zu sagen. Am
besten ist es wohl, wenn ich auch in diesem Fall ein Beispiel
aus dem praktischen Leben heranziehe.

Vor mir liegt ein 160 Seiten starkes Büchlein, betitelt
„Dresden im Bild — Views of Dresden‘, Herausgeber der
Verlag Dr. Oskar Spohr in Dresden-A. Es enthält der Titelseite
zufolge zirka 100 künstlerische Bilder von Dresden und seiner
        <pb n="209" />
        UNZWECKMÄSSIGE WERBEBROSCHÜREN PRIVATER VERLEGER 209
engeren und weiteren Umgebung und ist zugleich, so sagt
wenigstens die Titelseite, als Fremdenführer gedacht.

Schon ein flüchtiges Blättern durch diesen sogenannten
Führer zeigt dem Kenner richtiger Auslandswerbung, daß das
Buch seinen Zweck, den angelsächsischen Besuchern Dresdens
ein Führer zu sein, nie und nimmer gerecht werden kann, ihn
nie erfüllen wird. Bei diesem 1925 herausgekommenen Werbe-
buch sind zwei grundlegende Fehler begangen worden, die es
für seinen eigentlichen Zweck fast wertlos machen, und die ein
erprobter Fachmann, der wirklich etwas von Verkehrswerbung
versteht, unbedingt vermeiden wird. Der erste Kardinalfehler
ist: Durchsetzung des ganzen Buchtextes einschließlich der
Bilder mit Inseraten. Der zweite Kardinalfehler: Unübersicht-
liche Vermischung des deutschen und englischen Textes.

Die Titelseite erzählt dem Engländer und Amerikaner, das
Buch sei A Guide with about 100 artistic Pictures of Dresden,
its environs and its surroundings. Namentlich der Amerikaner
wird diesen “Guide” fluchend wieder aus der Hand legen, wenn
er nur ein paar Seiten umgeblättert hat, weil er nahezu auf
jeder Seite Inserate findet. Will er das finden, was man schließ-
lich in einem “Guide” zu suchen pflegt, so muß er suchen,
suchen und wieder suchen. Für den Amerikaner gilt das
Sprichwort: time is money aber noch mehr als für den Eng-
länder, auch auf der Reise. Ja dort erst recht! Denn der
Amerikaner unserer Zeit reist schnell und hastig. Er will auf
seinem Zweimonats-trip nach old-country, nach dem alten
Erdteil, möglichst halb Europa sehen. Wer ihm dabei seine
Zeit durch unhandliche oder ungeschickte Führer stiehlt, der
ist sein Freund gewesen.

Unter den zahlreichen Inserenten dieses Dresdner „Führers“
befinden sich viele Hotels und Gaststätten. Auch ihre Anzeigen
sind natürlich kunterbunt zwischen den Text, den man mühsam
suchen muß, eingestreut. Vielleicht, ich will es dem Verlage
zugute halten, leitete ihn bei diesem unglücklichen Text-
arrangement der Wunsch, die Inserate seiner Auftraggeber
recht gut und recht auffällig unterzubringen. Er sagte sich
wohl, daß die Inserenten die eigentlichen Kostenträger des
Buches sind, und daß sie für ihr vieles Geld etwas beanspruchen
können. Damit war der Herausgeber schlecht beraten und er
hat verraten, daß er in das Wesen der Auslandswerbung nicht
eingedrungen ist, und daß er von der Mentalität des Engländers
        <pb n="210" />
        °10

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

und Amerikaners, für die das Buch, dem englischen Text
zufolge, als praktischer Führer bestimmt ist, herzlich wenig
weiß.

Das ist ein Beispiel, aus vielen herausgegriffen. Denn Bücher
ähnlicher Art, die privater Spekulation ihr Dasein verdanken,
gibt es genug. Die Korrespondentin einer großen amerika-
nischen Zeitung, der man das eben besprochene Buch in die
Hand drückte, als sie Informationsmaterial über Dresden
wünschte, erklärte ärgerlich, daß sie damit nichts anfangen
könne, weil sie sich in dem „Führer — Guide‘ nicht zurecht-
finde! Das Beispiel mahnt die Hotelbesitzer zur Vorsicht gegen-
über Werbemitteln und Reklamewerken, auf deren äußere
Form und innere Gestaltung sie keinen entscheidenden Einfluß
haben.
        <pb n="211" />
        APARTE, NICHT SCHABLONENHAFTE WERBEMITTEL 211

26. APARTE, NICHT SCHABLONENHAFTE
WERBEMITTEL

Man muß sich beim Werbematerial vor einer gewissen
Uniformierung und Schablonisierung hüten. Es ist klar, daß
zum Beispiel ein Werbeheft, das schon rein äußerlich das
Kennzeichen einer persönlichen Eigenart trägt, den Empfänger
reizen wird, sich eingehender damit zu beschäftigen. Natürlich
denke ich hierbei nicht an jene Faltprospekte und Werbe-
broschüren, die ihrer Bestimmung für Reisebureaus usw. halber
das sogenannte Folder-Format, also das Auslandsformat, haben
müssen. Hierüber habe ich mich schon erschöpfend geäußert.
Vielmehr habe ich Gelegenheitsmaterial im Auge, das zuweilen
wichtiger und wertvoller sein kann, als die ganz stilechte
Werbebroschüre im Folder-Format.

Wiederum will ich, statt langer theoretischer Erörterungen,
an Hand eines praktischen Musterbeispieles zu veranschau-
lichen suchen, was ich meine. Herr Kurdirektor Bührer, Davos,
war so liebenswürdig, mir für mein vorliegendes Werk eine
reiche Fülle von Werbemitteln aller Art zur Verfügung zu
stellen, die nach verschiedenen Seiten hin als wirkliche Muster-
beispiele bezeichnet werden können. Herr Bührer ist ein sehr
befähigter Kurortleiter, namentlich was das so eminent wichtige
Gebiet der Reklame anbelangt. Davos ist zudem ein Fremden-
ort ganz ungewöhnlichen Charakters. Er hat buchstäblich
Weltbedeutung, er hat aber auch drei verschiedene Gesichter!
Einmal ist er ein wirklicher „Kurort“ und ein Großteil seiner
Einrichtungen ist streng darauf zugeschnitten. Zum andern
Male ist er auch eine vielbesuchte „Sommerfrische“ und zum
dritten ein „Sommer- und Wintersportplatz“ von Rang und
Ruf, Diese drei Gesichter, diese drei Eigenschaften erschweren
die Werbearbeit ungemein, sie muß deshalb gewissermaßen mit
        <pb n="212" />
        212

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

dreifacher Vorsicht in die Hand genommen werden und sie
muß aus diesen Gründen, sofern die Werbung gut ist, tatsäch-
lich zum Musterbeispiel werden. Daß die derzeitige Davoser
Werbung gut und geschickt ist, davon konnte ich mich über-
zeugen. Deshalb danke ich Herrn Bührer an dieser Stelle für
seine liebenswürdige Bereitwilligkeit bei Überlassung seines
ungemein reichhaltigen Werbematerials. In einem besonderen
Kapitel gebe ich auch sein Werbeprogramm für die Jahre
1926 — 27 — 28 bekannt.

Eine der originellsten Schöpfungen Herrn Bührers ist ein
kleines, fast unscheinbares Werbeheft, das ich im originalen
Wortlaute, mit seinen köstlichen, flotten Skizzen, meinem Werk
eingliedern kann. In dem kleinen Ding stecken Ideen und
Gedanken. Dieses Heft beweist, daß man bei der Kurortwerbung
auch einmal anders als alltäglich kommen kann, ja, kommen
muß. Weil es vielfache neue Anregungen dem bieten kann, der
Wert darauf legt, Eigenes und Besonderes hervorzubringen,
darum ist das Heftchen ein Musterbeispiel. Denn ich gebe die
Beispiele natürlich nicht wieder, damit man hingehe und sie
sklavisch und wortgetreu wiederhole. Weiteres ist nicht zu
sagen. Kurz erwähnt sei, daß die lustigen Zeichnungen des
Heftchens in der deutschen Ausgabe in hoffnungsvollem Grün,
der Text in Schwarz beziehungsweise Braun gehalten ist. Es
ist in drei Sprachen: Deutsch, Englisch und Französisch, also
in drei gesonderten Ausgaben, die Fremdsprachen andersfarbig,
herausgebracht worden. Ich stelle jedesmal eine Vorder- und
eine Rückseite, in Originalgröße, nebeneinander.
        <pb n="213" />
        Warum lacht der

so?

DAVOSER
Wintersport-Programm 1926/27 *
NOVEMBER 1926
Eissport: Eröffnung der großen (30.000 m?) Eisbahn, Wöchentlich während der
ganzen Saison 4-5 Konzerte des Kurorchesters. Beginn der Übungen im Kunst-
und Schnellaufen unter bewährten Lehrkräften. Beginn der Übungen im Eishockey.
Freundschaftsspiele mit Nachbarclubs.
Skisport: Fröffnung der Strela- und Parsennhütte. Beginn der Übungen und
Kurse unter bewährten Lehrern.

C
m

Ca
die
DEZEMBER 1926
1. Woche: Eröffnung der Schatzalp-Bobbahn und der Schatzalp-Schlittelbahn.
Eröffnungsschlittelrennen. Eröffnung des englischen und des Curlıngrinks. Ski-
tour der Gäste zur Strelahütte. Eishockey F reundschaftsspiel. Clubtour des Ski-
elubs nach Parsenn.
2, Woche: Verschiedene Clubschlittelrennen, offen für alle, Skitour der Gäste
nach Parsenn, Abfahrt Serneus. Gemeinsame Schlittenfahrt (Tailingparty) ins
Sertig. Eishockey Freundschaftsmatch. Beginn des I. internationalen Billardtourniers.
3. Woche: Eishockey. 12. Dezember St. Moritz-Davos. Schlittelrennen. Skitour
der Gäste nach Parsenn. (Abfahrt nach Küblis). Schaulaufen auf der Eisbahn.
Skispringen mit Schau- und Wettlaufen der Junioren. Taylingparty nach Tschuggen.
4. Woche: Skitour der Gäste nach Nüllisgrätli, Gemeinsame Schlittenfahrt
(Tailingparty) ins Flüelatal. Verschiedene große Schlittelrennen, 1, Skighymkana.
Stephanstag: Weihnachtsspringen des Skiclubs Davos. Eishockey 25. Dezember,
Oxford-Berlin. 26. Dezember, Oxford-Davos.

5. Woche: Schlittelrennen. Dritte gemeinsame Skitour nach Parsenn mit Abfahrt
nach Jenaz. 28. bis 3l. Dezember internat. Neujahrstournier um den
Spengler-Cup, veranstaltet vom Eishockey Clob Davos.
JANUAR 1927
I. Woche: 2. Januar. Eishockey Berlin-Davos, Eröffnung der Bobbahn für
Bobsleigh. I. Zweierbobrennen. I, Viererbobrennen. Skitour der Gäste nach
{akaobshorn-

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        Der fährt nach Davos

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5
L

ı. wissenschaftliche Sportwoche vom 3. bis 9. Januar. Vorträge hervor-

ragender Fachgelehrter aus verschiedenen europäischen Ländern über die historische,

medizinische, ästhetische und soziale Bedeutung des Sports. Vormittags jeweils
Musterreranstallungen in den verschiedenen Wintersportarten.
2, Woche: Viererbobrennen um Sigma Cup. Schlittelrennen um Posthotelbecher.
Zweierbobrennen. 1. Eisghymkana. Clubtour des Skiclub Davos nach Körbshorn.
L. Internationaler Flobert-Match, Gästeskitour:; Parsenn, Abfahrt Dorftäli-Davos.
3, Woche: Clubrennen des Skiclub, Langlauf und Slalom. Skitour der Gäste auf
Rhinerhorn. Tailingparty nach Monstein. Zweites Skighymkana. — Verschiedene
Bob- und Schlittelrennen. 1. Internationales Schachtournier.
f. Woche: Viererbobrennen Alt Fry Rhätien. Zweierbobrennen um Holland
Becher, Schlittelrennen um Preis von Davos. Große Skisprungkonkurrenz.,
Skitour der Gäste nach Vanez Furka. Großes Schaulaufen auf dem Eis.

FEBRUAR 1927
I. Woche: Viererbobrennen um Deutschen Wanderpreis. Paar-Schlittelrennen um
Zentralbecher, Zweites Eisghymkana. 3. Skitour der Gäste nach Parsenn mit Ab-
fahrt nach Fideris. Tailingparty nach Wiesen, 5./6. Februar: Große Eislauf-
konkurrenzen: Kunstlaufen um die Weltmeisterschaft für Herren
pro 1927, Internationale Schnellaufen. I]. Internationales Billardtournier.
2. Wohe: 8. Februar. Eishockey. Championat Suisse. Vorrunde. Zweierbob-
handicap-Rennen. Schlittelrennen Freeman Cup and Misses Higgins-Cup (Damen).
Mondschein-Skitour der Gäste auf Strela. Tailingparty nach Serting Dörfli. Großes
internationales Sk derby (Abfahrtsrennen Parsenn-Kühblis).
3. Woche: Viererbobrennen um den Goldpokal von Davos. Zweierbobrennen
am Spätzlebecher. /Abfahrtsrennen der Gäste von Strela. Clubtour des Skiclubs
Vanez-Furka. Fasching auf der Eisbahn. Fasching-Tailingparty Rund um Davos.
g. Woche: Schlittelrennen um Kurhausbecher. Viererbobrennen Meisterschaft von
Davos. Zweierbobrennen für Paare. Handicap-Schlittelrennen um Belvedere-Cup-
Schullaufen auf Privatrinks. Internationsiera Curling-Tournier.

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MÄRZ 4927
Und ist halt froh!

1. Woche: Viererbobrennen um Scalettapreise. Zweierbob Handicaprennen, Schlittel-
rennen offen für alle, 4. Skitour der Gäste nach Parsenn. Abfahrt nach Serneus.
Skighymkana und Slalomwettlaufen.
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        Gibts in Davos ein
herrlich Eis!

Beginn des IL Frühjahrsskimeeting

Täglich Gästetouren, je nach sportlicher und körperlicher Eignung, — Führung
unentgeltlich, — Vergünstigungen.
Die Schneeverhältnisse sind im März und April im Davoser Tourengebiet hervor-
ragend günstig. Verlangen Sie den Spezialprospekt! —
Der Toboggan Club veranstaltet während des Winters Wettschlitteln um fol-
gende Becher: Symonds Shield, Ladies Bowl, Symonds Cup, Freeman Trophy,
die auf Toboggans ausfahren, ferner um die Manchester Bowl, Coupe de France,
Brod Cup, Pegasus Cup, Prättigau Cup (Jervis Jug), die auf Bohsleigh ausfahren,
ferner den Menten Cup für Boblets und schließlich noch die Guthrie Cup und
Wills Cup für Toboggans auf der Schatzalpbahn.
Auf dem Curling Rink finden verschiedene große internationale Matches statt.
Die Touren des Skiclubs werden jeweilen Freitags im Ciublokal (Neues Post-
und Sporthotel) besprochen und durch Anschlag im Kurvereinsgebäude mit weiteren
Touren bekanntgegeben. — Im Verkehrsbureau Davos-Platz und in Davoser
Buchhandlungen sind zu haben: Skitouren von Davos und Umgebung (1 : 50.000)
zu Fr. 2.50, auf Leinwand Fr. 5.—, und Davoser Skitouren von Hermann Frei,
eleganter Leinwandeinband (115 Seiten Text, 45 Seiten Hlustrationen). Beschreibung
von 153 auf der Karte gezeichnete Touren zu Fr. 2.50, »Zwölf markierte Skitouren
yon Davos«a

der Symphonie- und Kammerkonzerte
des Kurorchesters
Direktion: Herr Kapellmeister FRANZ INGBER
I. Montag, den 6. Dezember 1926
Mozart-Abend
i. Symphonie D-Dur (Nr. 81).
2, Konzert für Violine und Orchester (A-Dur)
8 Snite aus »Idomeneo«

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        Und wo in der Welt

II. Montag, den 13. Dezember 1926
t. Boccherini: Symphonie C-Dur.
2. Händel; Konzert für Cello und Orchester (G-Moll).
3. Beethoven: Ouverture zu Collins Trauerspiel »Coriolan«.
III. Montag, den 21. Dezember 1926
Solistin: Frau Eliv. Kindschi
Li. Berlioz: Vorspiel zur biblischen Legende »Die Flucht nach Agypten:.
3. Zilcher: Marienlieder. Ein Zyeius von elf Gesängen für Sopran und Orchester.
3, Saint-Saöns: Die Sündflut. Biblisches Gedicht.
ı. Haydn: Symphonie Es-Dur (Paukenwirbel).
IV. Montag, den 3. Januar 1927
|. Beethoven: Symphonie D-Dur (Nr. 2).
2. Haydn: Konzert für Klavier und Orchester (G-Dur).
3. Zilcher: Lustspielsuite »Der Widerspenstigen Zähmung«.

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V. Montag, den 10. Januar 1927
Extra-Konzerte unter Mitwirkung von Herrn Willi Rössel
Othmar Schoeck: Elegie
Liederfolge nach Gedichten von Lenau und Eichendorff,
für Bariton und Kammerorchester.
VI. Montag, den 17. Januar 1927
Werke von Mozart
Li. Symphonie D-Dur (Nr. 81). .
2. Konzert für Klarinette und Orchester (A-Dur).
® Concertante Symphonie für Violine, Viola und Orchester.

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VII. Montag, den 24, Januar 1927
Werke von Josef Haas unter Mitwirkung von
Else Verena-Zürich
Gibts noch einen Ort, wo
man so glücklich fällt!

|. Tag und Nacht, Symphonie. Suite für Sopran und Orchester nach Gedichten
von Schellenberg.

2. Gesänge mit Klavier,

3. Heitere Serenade (D-dur).
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        Auch kann man im Sturm
und Wetterbrausen

VII. Montag, den 31. Januar 1927
Werke zeitgenössischer Komponisten
L_Kajanus: Sinfonietta.
2, Van der Pals: Konzertstück für Violine und Orchester (H-Moll).
2. Scalero: Suite über ein Thema von Schumann,
IX. Montag, den 7. Februar 1927
Kammermusik

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ti. Mozart: Quartett (G-Dur).
z. Schubert: Quartett (C-Moll).
3. Haydn: Quartett (D-Dur).
X. Montag, den 14. Februar 1927
Werke von Joh. Seb. Bach
Unter Mitwirkung von Frau Kindschi (Sopran), Herrn Deutsch (Tenor),
Herrn Rössel (Baß)

2000 Meter hinuntersausen

i. Ouvertüre (Suite C-Dur).

&gt;. Arie aus »Der zufriedengestellte Asolus«,
3. Partita für Solo-Violine.

4. Kaffee-Kantate.

XI. Montag, den 21. Februar 1927
Extra-Konzert
anter Mitwirkung der Violinvirtuosin Marta Linz, Budapest
L. Händel: Concerto grosse (D-Mol}l).
a. Tartini: Konzert für Violine und Orchester.
8. Brahms: Haydn- Variationen.
4. Brahms: Konzert für Violine und Orchester.
XII. Montag, den 28. Februar 1927
Solistin: Frau Elv. Kindschi
. Berlioz: Vorspiel zur biblischen Legende: »Die Flucht nach Ägypten.«
2, Zilcher: Marienlieder, Ein Cyclus von 11 Gesängen für Sopran und Orchester.
3, Saint-Saöns: Die Sündfiut. Biblische Legende
4 Renner: Variationen

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        Wie schweigt man doch
zum andernmal

XII. Montag, den 7. März 1927
1, Schubert: Symphonie B-Dur.
2. Haydn: Konzert für Cello und Orchester.
8. Zilcher: Lustspielsuite: »Der Widerspenstigen Zähmung.«
XIV. Montag, den 14. März 1927
Kammermusik
1. Tschaikowsky: Quartett (D-Dur).
2. Dvorak: Quintett (F-Dur).
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Auf der Tailing Party
ins Dischmatal!

XV. Montag, den 21. März 1927
Unter Mitwirkung von Herrn Salvatore Salvati (Tenor),
Mailand
1. Boccherini: Symphonie (C-Dur).
3. Arien für Tenor und Orchester.
5. Mozart: Eine kleine Nachtmusik. Serenade.
£. Arien von Mozart,
5. Cherubini: Ouverture zur Oper »Anacrean«.
BEETHOVEN-FEIER
zum Gedächtnis des 100. Todestages
I. Donnerstag, den 24. März 1927
unter Mitwirkung des Männerchors Davos.
1. Trauermarsch aus der Symphonie Es-Dur (Eroica).
BR. Chor der Gefangenen aus der Oper »Fidelios.
8. Vortrag: Beethoven als Mensch und Künstler.
4. Die Ehre Gottes, Männerchor und Orchester.
II. Freitag, den 25. März 1927
Kammermusik
i. Harfenquartett.
R. Septett.
III. Montag, den 28. März 1927
Orchesterkonzert
1. Symphonie A.Dar (Nr, VII).
2. Konzert für Violine und Orchester (D-Dar).
3. Leonoren-Ouverture Nr. 3

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        Und versinkt hinterm glück-
Jichsten Schnee die Sonne,

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So flimmert aus Geigen und
Rhythmen die Wonne

IV. Mittwoch, den 30. März 1927
Chorkonzert
unter Mitwirkung des Frauen- und Männerchors Davos
1, Fantasie für Klavier, Solo, Chor und Orchester,
a. Die Ruinen von Athen, Festspiel für Solo, Chor und Orchester,
* Erstaufführungen in der Schweiz.
Programmänderungen bleiben vorbehalten

Weitere geistige Veranstaltungen und
Anlässe

Der Kurverein veranstaltet ab 15, Oktober speziell für die Kurgäste jeweils
abends 5 Uhr 1—2 Vorträge aus allen Gebieten des menschlichen Wissens,
jeilweise mit Vorführung von Lehrfilmen. Ferner werden regelmäßig gemeinsame
Unterhaltungstunden in fremden Sprachen (Französisch, Englisch, Italienisch und
Deutsch) abgehalten, endlich sind zwanglose Kurse über Radiotechnik und Photo-
graphieren und Anregungen zu kunstgewerblichen Arbeiten vorgesehen.
Die Kunstgesellschaft sieht u. a. folgende Vorträge vor: Prof. Dr. Frobenius,
Frankfurt: Das Werden der Kulturen, 2 V. Prof. Dr. Meyer, Berlin: Alexander
der Große, 1 V. Prof. Dr. Meyer, Zürich: Die freien Walser, ı V. Dr. Lips,
Bern: Architektur und Weltanschauung, 2 V. Prof. Dr. Weese, Bern: Zur neuern
Malerei in der Schweiz, 1 V. Pfarrer Schmid, Zürich: A. Böeklin, 1 V. Hans
Ganz, Zürich: Heinrich Pestalozzi, 1 V. Lisa Wenger, Basel: Vorlesung aus eig.
Werken, 1 V. Berchard: Thema noch unbestimmt, ı V. Dr. Cherbulliez, Zürich:
Thema noch unbestimmt, 1 V-
Musik: Lieder-, Klavier-, Violin- und gemischte Kammermusikabende, Chor-
aufführungen mit Orchester. Kirchen-Konzerte. 21. November und Anfang April:
Willy Rössel.

Bildende Kunst: Kunstausstellungen. Werke ansässiger und auswärtiger
Künstler, Photographische Ausstellungen.

Gesellschaftliche Anlässe und diverss Vergnügungen: Club-Abende. Basare.
Saison-Bälle. Tee-Konzerte in Restaurants und Konditoreien, Unterhaltungs-
Konzerte im Restaurant Terrasse Schatzalp, mittelst Drahtseilbahn erreichbar,
Theateraufführungen Im Belvedere und Kurhaus, Ständige Kinemato-

raphen-Theater.

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        Schulverhältnisse: Davos besitzt neben den Volksschulen und der Pestalozzi-
schule das Alpine Pädagogium Fridericanum mit Gymnasium, Realgymnasium
ınd Oberrealschule von der Primarschule bis zur Reifeprüfung; eigene Maturität.
Die »Davoser Blätter« enthalten ein Ärzte- und Zahnärzteverzeichnis und eine
Liste der Clubs und Vereine. Der Geschäftsanzeiger des Verkehrsvereins gibt
ein Bild von der wirtschaftlichen Bedeutung des Ortes. Alle Bedarfs- und Luxus-

artikel sind in guter Auswahl zu angemessenen Preisen zu finden.
Zum Besuche der Schweiz ist der Besitz eines Reisepasses notwendig und nur
är wenige Staaten besteht noch der Visumszwang durch das zuständige Schweizer
Zonsulat. Finanziell versorgen sich Gäste am besten mit Checks auf schweiz.
Bankplätze. Hiesige Banken in alphabetischer Reihenfolge: Bank für Graubün-
den, Kleiner, Gerber &amp; Cie., Graubündner Kantonalbank, Rhätische Bank, alle
vier in Davos-Platz. In Davos befinden sich ein deutsches, ein englisches,
in niederländisches und ein portugiesisches Konsulat, ein italienisches Vize-
konsulat, sowie eine beigische und eine französische Konsularagentur. Ferner
zwei reformierte, zwei katholische Kirchen, eine englische, eine griechisch-

orthodoxe, eine evangelische Kirche und eine evangelische Kapelle,
Über die Unterkunftsverhältnisse geben der Geschäftsanzeiger und der Annoncen-
teil der »Davoser Blätter«, sowie die einzelnen Häuser direkt Auskunft. Die
Mindestpreise sind in Hotels Fr. 11.— bis Fr. 19.—, in Sanatorien Fr. 14.— bis

Fr. 25.— und in Pensionen Fr. 9.— bis Fr. 12.—.
Beim Verkehrsverein Davos, Davos-Platz, stehen von auswärts Anfragenden kosten-
los zur Verfügung: Illustrierter Führer, Illustrierter Sportprospekt-Ortsplan mit
Legende, Davoser Biätter laufende Nummer, Reklamemarken. Ferner sind zu
haben: Wegkarte von Davos Fr. —.80, Davos, ein Handbuch für Arzte und
Laien Fr. 6.—; Hermann Frei. Davoser Skitouren (illustriert) Fr. 2.50; Ski-
:;ourenkarte Davos und Umgebung (1 : 50.000) gefalzt Fr. 2.50, auf Leinwand
Fr. 5.—. Auskünfte allgemeiner Art und Prospekte durch den
Verkehrsverein Davos in Davos-Platz (Schweiz)
Schnellste Reiseverbindungen :

Abfahrt BASEL........... 608 710 8.50* 12.42

GENF. 0.0..0..0.000010 0.55. 7.00

BERN ...0.0.0.00000 1 4.22 6.37 7.05 10.35

ZÜRICH 2.0...0.0.0.0. 7.409 9.10 10.34* 14.35
ST. GALLEN ....... 7.45 8.58 13.37} 213.87 15.30
G z ß a Ankunft DAVOS-DORF ...... 11.52 13.24 14.20* 17.25} 18.50 21.05
en:;e t man ein » PLATZ .....- 11.57 18.29 14.25* 17.30* 18.55 21.10
un m * Vom 15. Dezember bis 28, Februar. ** Nur Dienstag, Donnerstag und Sams-

prächtig Moza rikonze ri tag. + Ab Rorschach vom 15. Dezember bis 28. Februar.

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        EINE NICHT ALLTÄGLICHE BROSCHÜRE

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27. EINE NICHT ALLTÄGLICHE BROSCHÜRE
Bei dem folgenden Musterbeispiel ernte ich in meinem
eigenen Garten. Es ist der Entwurf zu einer Hotel-Werbe-
broschüre, bei dem ich die Schablone verlasse und die Uniform
ausziehe. Da es sich also um einen Entwurf handelt, der noch
üicht praktisch verwertet wurde, so bemerke ich ausdrücklich,
daß die wortgetreue Nachahmung nur dann gestattet ist, wenn
man vorher mein Einverständnis eingeholt hat. Sonst ist das
Musterbeispiel lediglich dazu bestimmt, geistige Anregungen
zu liefern. Die Klischees wurden mir in liebenswürdiger Weise
von Herrn Ernst Volkhardt zur Verfügung gestellt. Zwei
Gründe veranlaßten mich, gerade das Münchner Regina-Palast-
Hotel als Grundlage für den Aufbau der Musterbroschüre zu
wählen: 1. Dieses Hotel gilt mit Recht als eines der ersten
Häuser Europas, was technische Betriebsanlagen betrifft.
2. Herr Volkhardt und sein Direktor Herr Haeßler haben mir
schon seit Jahren in entgegenkommender Weise jede Bitte
erfüllt, wenn es sich um Bereitstellung irgendwelchen Materials,
seien es Photos, Klischees, Matrizen, Skizzen usw., oder seien
es Angaben und Unterlagen betriebstechnischer, statistischer
der zahlenmäßiger Art, handelte.

Zu dem Entwurf selbst noch ein paar kurze sachliche
Bemerkungen. Aus langjähriger Beobachtung weiß ich, daß
kaum bei irgendeinem anderen Werbemittel der Geschäftswelt
Soviel langweilige Schematik zu finden ist, wie beim Faltpro-
spekt oder der Werbebroschüre des Hotelgewerbes. Eine sieht,
inhaltlich, wie die andere aus. Und doch wäre gerade bei dieser
Reklameform es dringend nötig, auf neue Ausdrucksarten zu
sinnen, für Wechsel zu sorgen, den Empfänger durch Über-
raschendes, noch nicht Gesehenes zur Betrachtung und zum
Lesen zu reizen! Also in der eigenen Werbebroschüre gewisser-
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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

maßen auch einen eigenen „Typ“ in die Welt zu setzen. Das ist
natürlich nicht einfach, nicht leicht. Propaganda darf aber auch
gar nicht leicht, nicht einfach sein, wenn sie die gewünschten
Wirkungen erzielen soll. Gerade weil man sie in den Kreisen
der Hotelfachleute viel zu‘ „leicht‘“ genommen hat, darum
wurde es so schwer, das Mögliche aus ihr herauszuholen.

In folgendem Entwurf mußte ich den Wert auf den Text und
die textliche Anordnung legen, weil mit schon vorhandenem
Bildermaterial zu rechnen war. Hätte ich die Möglichkeit ge-
habt, die photographischen Aufnahmen nach meinen Wünschen
zu beeinflussen, so wäre wohl auch hierbei etwas Urwüchsigeres
und Originelleres herausgekommen. So würde ich beispiels-
weise die Mehrzahl der Bilder durch reizvolle Staffagen belebt
haben. Das Muster soll jedem Interessenten die Mahnung zu-
rufen: Wandelt nicht jahraus jahrein in ausgetretenen Geleisen.
Schafft Neues.

Wie man sieht, ist die Broschüre in Form eines Briefes ge-
halten, den ein Hotelgast auf Briefbogen des Hauses an seine
Freunde schreibt. Er hat sich zum Teil Photos, zum Teil Post-
karten verschafft, die er als Unterlagen zu seinem Brief ver-
wendet und die somit zum Werber werden. Ich wählte diese
Form, weil ich damit zugleich an Hand eines praktischen Bei-
spiels zeigen will, wie nützlich es ist, wenn man den Hotel-
gästen schöne, interessante Postkarten zum beliebigen Gebrauch
aufs Zimmer legt. Darüber habe ich mich im 59. Kapitel: „Ein
kleiner, aber fleißiger Propagandist, die Ansichtskarte‘‘, aus-
führlich geäußert, und ich empfehle diesen Abschnitt der Be-
achtung aller Interessenten. Je mehr die Werbemittel aller Art
ineinandergreifen, desto größer wird die Erfolgswirkung sein.
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        <pb n="234" />
        <pb n="235" />
        HOTELBROSCHÜREN FÜR AUTOTOUREN UND SCHLITTENFAHRTEN 235

28. HOTELBROSCHÜREN FÜR AUTO-
TOUREN UND SCHLITTENFAHRTEN

Motto 1: wie kann ich mein Hotelauto oder meine Autos
lukrativ verwerten? 2. wie kann ich neue Gäste werben und die
bereits gekommenen länger ans Haus fesseln?

Beides sind Fragen schwerwiegender Natur. Die Anschaffung
eines oder mehrerer Autos erfordert ein ziemlich beträcht-
liches Kapital, das dem eigentlichen Hotelbetrieb entzogen
werden muß, und für das man doch eine angemessene Ver-
zinsung haben möchte. Doch nicht nur die Anschaffung be-
deutet ein finanzielles Opfer, auch die Unterhaltung erfordert
laufende Ausgaben. Soweit ich mich bisher orientieren konnte,
entsprach die Verzinsung auf dem üblichen Wege der Be-
nützung nur in seltenen Fällen den Erwartungen. Es ist daher
angezeigt, einmal zu untersuchen, ob sich der Ertrag aus der
Benützung des Hotelautos nicht auf irgendeine Weise steigern
lassen könnte.

Hierfür gibt es tatsächlich einen Weg. Er ist in vereinzelten
Fällen auch schon beschritten worden. Die Besitzer von Hotel-
autos müssen versuchen, ihre Gäste zur öfteren Benützung der
Wagen anzuregen. Jedem einzelnen Gast muß, sobald er im
Hotel Einkehr gehalten hat, in eindringlicher Weise gesagl
werden, daß ein bequemes und elegantes Tourenauto für ge-
fällige Benützung gegen mäßige Gebühr zur Verfügung steht.
Um den Anreiz noch zu erhöhen, muß dem Gast auch eine ganze
Reihe schöner Ausflugsorte in Wort und Bild gezeigt werden.

Der Mittler hierfür soll die Auto-Broschüre sein. Selbstver-
ständlich nehme ich für diesen Gedanken nicht das Recht der
Erstgeburt in Anspruch. Er ist nicht neu. Es gibt auch schon
Solche Autotouren-Hefte, von Hotels herausgegeben. Aber mir
liegt daran, dem an sich guten Gedanken weitere Verbreitung
        <pb n="236" />
        236

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

zu verschaffen, ihm neue Freunde zu werben, Als ungefähres
Muster schweben mir dabei jene Kraftpostfahrten vor, die von
den Postanstalten Deutschlands, Österreichs, der Schweiz,
Italiens usw. veranstaltet werden und sich steigender Beliebt-
heit beim reisenden Publikum erfreuen. Mit Recht erfreuen,
denn die Benutzung des Kraftwagens macht den Reisenden un-
abhängiger, es führt ihn viel unmittelbarer ein in die Schön-
heiten der Landschaft.

Was der Kraftpostwagen kann, das vermag auch der Kraft-
wagen des Hotels zu leisten. Seine Benutzung bringt noch
wesentlich höheren Genuß, weil die Zahl der Fahrgäste kleiner,
die Auswahl der Touren ganz in das Belieben der Benutzer
gestellt ist. Führt man das alles seinen Hotelgästen recht an-
schaulich vor Augen, so wird die Nachfrage nach dem Hotel-
auto sich erfreulich steigern. Vielleicht kann im nächsten Jahr
noch ein neuer Wagen gekauft und in den Betrieb eingestellt
werden.

Noch ein Vorzug dieser modernen Einrichtung verdient be-
leuchtet zu werden: Nicht nur das Saisonhotel, das inmitten
landschaftlicher Schönheiten liegt, kann seinen Gästen solche
Autotouren vermitteln, sondern auch jedes Stadthotel. Ja, für
das Stadthotel kann der Nutzen vielleicht noch größer sein,
weil das Hotelauto die Möglichkeit bietet, die Gäste länger ans
Haus zu fesseln. Es mag auf den ersten Blick hin paradox er-
scheinen, daß ein Auto, das die Gäste genau genommen ent-
führt, sie trotzdem fester binden soll. Aber es ist doch so. Wenn
dem Gast die Möglichkeit geboten wird, von seinem schönen
und bequemen Hotel als festes Standquartier aus eine ganze
Reihe entfernterer Sehenswürdigkeiten und landschaftlicher
Schönheiten zu genießen, so wird es nicht schwer fallen, seinen
Aufenthalt in diesem Hause zu verlängern.

Aber auch dem Gast, der im eigenen Auto eintrifft, wird mit
einer solchen Broschüre gedient. Er entschließt sich vielleicht
zu längerem Bleiben, wenn er aus dem Werbeheftchen für das
Hotelauto erfährt, daß er viel Schönes sehen kann, ohne sich
jeden Abend in ein anderes Hotelbett legen zu müssen. Dieser
Gedanke hat für gar manchen Menschen etwas Verlockendes.
So könnte die Autobroschüre zum ausgezeichneten Werber
werden, wenn man sich entschließt, sie den Werbeschriften in
allen jenen Fällen beizufügen, da man annehmen kann, daß
der Empfänger entweder fleißiger Benützer des Hotelautos
        <pb n="237" />
        HOTEL KOSMOPOLIT
BAD FROHWINKEL

AUTO-VERMIETUNG
25 der schönsten Touren von
Bad Frohwinkel in die nahe und
weite Umgebung und zurück

kb}

Muster für Umschlag.
        <pb n="238" />
        UNSER AUTO NACH DER RÜCKKEHR
VON EINER GROSSEN, HERRLICHEN
TOUR

Teilnehmer: Von rechts nach links:
Direktor Ferdinand Michel, Grand Hotel Palace, Locarno
Frau Doktor Sus Wolf, Karlsruhe / Der Verfasser

Muster für 1. innere Seite
        <pb n="239" />
        HOTELBROSCHÜREN FÜR AUTOTOUREN UND SCHLITTENFAHRTEN 249
werden könnte, oder daß er selbst Autobesitzer ist und im
eigenen Wagen eintreffen wird.

Wie soll eine solche Autobroschüre aussehen? Sie muß handlich
sein. Sie darf nicht zu umfangreich werden. Sie muß repräsen-
tabel aussehen, also schon rein äußerlich in einem guten Ge-
wand auftreten. Sie muß suggestiv wirken, muß locken und
rufen und zur Benutzung des Hotelautos unwiderstehlich an-
reizen. Das wäre ihr äußeres Gewand. Anregung dafür könnten
vielleicht die Umschlagseiten zweier Broschüren geben, die für
die Kraftpostfahrten der Deutschen Reichspost werben sollen.

Die erste, von der Oberpostdirektion Frankfurt a. M. heraus-
gegeben, führt „Mit der Kraftpost durch Taunus und Wester-
wald“. Die 64 Seiten starke Broschüre (Format 190 mm hoch,
122 mm breit) orientiert den Leser nicht nur über die Fülle der
einzelnen Touren, sie unterrichtet ihn auch durch Wort und
zahlreiche Bilder über alle Sehenswürdigkeiten, die von den
angegebenen Touren berührt werden. Man kann sich vOor-
stellen, daß Taunus und Westerwald eine stattliche Fülle von
Schönheiten aller Art bieten. Nach dem Inhaltsverzeichnis

finden wir eine Routenskizze, die eine genaue Übersicht über
das Kraftpostnetz der genannten Oberpostdirektion bietet.

Anderer Art ist die zweite Broschüre. Sie behandelt Touren-

fahrten durch beziehungsweise zwischen historisch berühmten
Städten Bayerns, und zwar Donauwörth, Nördlingen, Dinkels-
bühl, Rothenburg o. T., Ansbach, Nürnberg, Weißenburg
und Eichstätt. Die Broschüre hat ungefähr das Folder-

Format, gefaltet 232 mm hoch und 104 mm breit, entfaltet

206 mm breit. Auch dieses Heft enthält Fahrplan und Fahr-

preisverzeichnis sowie die übliche Routenskizze, außerdem das

„Programm“ dieser Fahrten. Darüber hinaus macht die Bro-

schüre durch Wort und sehr gute Bilder mit den Sehenswürdig-

keiten der berührten Städte bekannt. Für den Hotelbesitzer
ist interessant, daß am Schlusse jedes Einzeltextes die Hotels
und Gasthöfe der aufgeführten Städte genannt werden, mit

Ausnahme von München und Nürnberg, wo auf die Fremden-

verkehrsvereine verwiesen wird.

„Hefte dieser Art können für Hotelautobroschüren schon
einen gewissen Anhalt gewähren. Doch nur einen Anhalts-
punkt, im allgemeinen muß namentlich das Tourenverzeichnis
doch etwas anders, individueller gehalten werden. Auch hier
möge ein Beispiel aus der Praxis sprechen. Die Hotels Frank-
        <pb n="240" />
        240

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

furter Hof und Englischer Hof in Frankfurt a. M. haben im
Sommer 1926 eine kleine Broschüre über „Auto-Vermietung-
Touren von Frankfurt a. M. aus‘ herausgegeben, die zunächst
ein Versuch war und für das nächste Jahr in neuer Gestalt und
wesentlich verbesserter Ausführung, wahrscheinlich reich
illustriert, erscheinen soll. Aber schon dieses kleine Heft ist
ein durchaus brauchbarer Wegweiser dafür, was eine solche
Broschüre in erster Linie enthalten muß. Ein paar Proben aus
dem Inhalt des 18 Seiten starken Heftchens werden es am
besten veranschaulichen.,

Es werden im ganzen 35 verschiedene Touren aufgezählt und
zwar: a) Taunus, b) Lahntour, c) Eifeltour, d) Schwarzwald-
tour, e) Rheintouren und f) Diverse. Ich gebe eine der großen
Rheintouren, und zwar Nr. 28 des Heftchens, hier wieder.

Frankfurt a. M., Rödelheim, Cronberg.
Königstein (Taunus), Esch, Limburg,
Altenkirchen, Siegburg, Mühlheim,
Opladen, Benrath, Düsseldorf,

Heerdt, Neuß, Worringen, Köln,

Bonn, Remagen, Andernach,

Koblenz, Boppard, St. Goar, Bingen,
Mainz. Frankfurt a. M-

__.Fahrzeit__ 9 Tage ca.__ 479 km _
Time required Days about 297 miles
R. M. 360.—
Eine andere Tabelle enthält Angaben über einfache Fahrten,
ohne Aufenthalt, das Auto leer zurück, und zwar über Fahrt-
dauer sowie Preise für 1 bis 2 und 3 bis 5 Personen. Eine
weitere Tabelle notiert die Entfernungen von 74 Städten des
In- und Auslandes nach und von Frankfurt.

Aus dieser knappen Inhaltsangabe ist schon ersichtlich, was
eine Hotelautobroschüre unbedingt enthalten muß, soll sie
ihren Zweck wirklich erfüllen. Sie muß die möglichen Touren
aufzählen, Entfernungen, Dauer und Preise nennen. Dazu eine
klare und übersichtliche Routenskizze. Das ist der trockene
Inhalt. Man könnte auch noch ein übriges tun, indem man bei
größeren Städten kurze, präzise Angaben über die dort gelten-
den Verkehrsvorschriften für Autos einflechtet. Damit würde
man sich jene Gäste verbinden, die mit ihrem eigenen Auto
reisen. Darüber hinaus muß die Broschüre durch Text und
        <pb n="241" />
        HOTELBROSCHÜREN FÜR AUTOTOUREN UND SCHLITTENFAHRTEN 241

wirkungsvolle Illustrationen das Interesse des Gastes wecken.
Selbstverständlich darf bei diesen Illustrationen die wichtigste
nicht fehlen, nämlich das Bild des eigenen Hotelautos! Aber
Nicht nur die trockene, nüchterne Karosserie. Man stelle das
Auto für die photographische Aufnahme vor das Hotelportal,
lasse auch ein Stück der Fassade auf dem Bild erscheinen,
Damentlich, wenn sie schön ist. Das Ganze belebe man durch eine
flotte wirkungsvolle Staffage. So ungefähr, wie ich es auf dem
Musterbeispiel zeige. Dieses Photo wurde mit einer winzigen
Reisekamera aufgenommen. Es zeigt das Auto des Grand Hotel
Palace in Locarno nach der Rückkehr von einer großen Tour
an den Ufern des herrlichen Lago maggiore. Die Fahrtteil-
nehmer stellen zugleich die „Staffage‘“. Es sind: Direktor Ferd.
Michel, Frau Dr. Sus Wolf, der Verfasser. Dem Bild kann man
schließlich noch eine schlagkräftige Unterschrift geben. Die
Autobroschüre muß den Gästen den Wunsch suggerieren, das
Hotelauto für einige der empfohlenen Touren sich rechtzeitig
zu sichern. Um dies tun zu können, muß jeder Gast bei seiner
Ankunft eine solche Broschüre auf dem Schreibtisch seines
Zimmers finden. Noch wirkungsvoller ist es, wie bereits er-
wähnt, die Broschüre an bestimmte Persönlichkeiten entweder
allein, mit entsprechendem Begleitbrief, oder zusammen mit
andere Werbeschriften zu versenden.

Als Anschauungs-Illustrationsmuster füge ich eine flüchtige
Skizze für die vordere Umschlagseite einer solchen‘ Hotelbro-
Schüre bei. Sie soll lediglich eine Anregung geben, Die auf der
Skizze verwendete Zeichnung habe ich einer Kofferetikette des
St. Francis Hotel in San Francisco entnommen, die ich noch
aus der Vorkriegszeit in meiner kleinen Sammlung habe.

In Verbindung mit dieser Autotouren-Broschüre können da,
WO die Möglichkeiten dafür gegeben sind, ähnliche Angaben
über Schlittenpartien gemacht werden. Gar manches Winter-
Sporthotel unterhält Schlitten und Pferde, Ihre Ausnützung
kann erhöht, der Ertrag daraus gesteigert werden, wenn man
Seine Gäste eindringlich auf das Vorhandensein dieser Ein-
Tichtung aufmerksam macht.
        <pb n="242" />
        a A

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

29. FEUILLETONISTISCHE WERBUNG
FÜR EINEN KURORT UND EIN KURHOTEL
Für mondäne Hotels der größeren Städte sowohl als auch der
Kur- und Badeorte kommt, neben der Anzeigenreklame, noch
eine besondere Form der Propaganda, die feuilletonistische
Plauderei, in Frage. Sie kann unter Umständen, namentlich
bei geschickter Anwendung, sehr viel wertvoller sein, als noch
so umfangreiche Anzeigen in Zeitungen oder Zeitschriften.

Als Grundprinzip für solche Plaudereien seien einige Leit-
sätze aufgestellt, die ich aus eigenen praktischen Erfahrungen
herauskristallisiert habe:

1. Es muß ängstlich vermieden werden, daß die Plauderei
schon auf zehn Meilen „nach Reklame riecht‘. Eine geschickte
Feder wird das leicht zu vermeiden wissen, und jedes mondäne
Haus sollte mit solcher Aufgabe nur die gewandteste Feder
betrauen.

2. Die Plauderei vermeide ebenso ängstlich die ausge-
tretenen Pfade. Wer wirklich literarisches Blut in den Adern
hat, wird auch leicht die jeweils passende Form finden. Tage-
buchform vermeide man, weil sie bei den Lesern und deshalb
auch bei den Redaktionen unbeliebt. ist. Erst kürzlich wurde
mir von den Redaktionen zweier angesehener Zeitschriften
mitgeteilt, daß sie Beiträge in Tagebuchform nicht verwenden
könnten, weil diese Form bei den Lesern unbeliebt sei.

3, Man gebe der Plauderei eine persönliche Note. Je deut-
licher es schon die ersten Zeilen verraten, daß der Verfasser aus
eigenem schöpft, daß er mit dem Leser plaudert, als säße er
mit ihm zusammen in jenem Hotel beim Fünfuhrtee oder
abends beim Mahl und einer auserlesenen Flasche Johannis-
berger Kabinett, um so leichter wird die gewünschte Wirkung
eintreten: den Leser oder die Leserin zu fesseln und sie für das
geschilderte Haus zu interessieren.
        <pb n="243" />
        FEUILLETONISTISCHE WERBUNG FÜR EINEN KURORT UND EIN KURHOTEL 243
Das sind die drei Kardinalfragen. Alles übrige ergibt sich bei
einem gewandten Federmenschen schon von selbst. Daß diese
eigentlich selbstverständlichen Grundregeln bei der literari-
schen Propaganda leider nicht immer befolgt werden, konnte
ich oft in Zeitungen und Zeitschriften feststellen. Besonders
eindringlich bei manchen literarischen Erzeugnissen, die aus
Kurorten in den Blätterwald flattern. Dort findet man zuweilen,
glücklicherweise nicht gar zu häufig, die zum Übel gewordene
Schablone, bei der es dem Leser übel wird, weil er sie gar zu
oft vorgesetzt bekommt. Immer derselbe Stil und derselbe In-
halt. Man brauchte nur die Namen zu wechseln, und schon
könnte man den gleichen Text für ein oder zwei Dutzend
anderer ‘Kurorte verwenden. Zu dieser üblen Schablone ge-
hört die emphatische Mitteilung, daß im Bad X der Frühling,
oder der Sommer, oder der Winter eingezogen sel.

. Am besten veranschaulichen Beispiele das, was ich mir unter
einer literarischen oder feuilletonistischen Plauderei vorstelle.
Und zwar gebe ich zunächst ein solches wieder, das die Propa-
ganda für ein Hotel mit der Propaganda für den Kurort
selbst verbindet. Ein weiteres Beispiel für eine Plauderei über
ein Großstadt-Hotel werde ich folgen lassen.
VON DER KAPUZINERABTEI ZUM MODERNEN
HOTEL
„Wird das obere Bett besetzt?“ fragte ich den Schlafwagen-Kondukteur
und sah ihn verständnisvoll an. Ich hatte die Absicht, ihm eines jener
silbernen Dreimarkstücke, die einem Taler aus Blei so täuschend ähnlich
sehen, vorläufig — — zu versprechen, wenn das Bett unbesetzt bleiben
würde. Der Wackere verstand, zog schmerzlich die Achseln hoch und
erklärte wehmütig:

, „Es ist leider besetzt. Der Herr wird am Neustädter Bahnhof zusteigen.
Wir haben auch kein anderes Bett mehr frei. Sonst hätte ich die Sache
Sern arrangiert.“

„Hoffentlich schnarcht er nicht“, meinte ich ärgerlich. Doch schon
Sewann mein angeborener Frohsinn wieder die Oberhand und lachend
setzte ich hinzu: „Sonst ist er morgen früh eine Leiche, wenn er aufwacht.“

Gleich darauf fuhren wir in den Bahnhof Dresden-Neustadt ein. Mein
Fahrt- und Bettgenosse kam. Wir musterten uns, mißtrauisch, ein wenig
verdrossen. Wie zwei Hunde, die sich einen sympathischen Knochen
teilen sollen, ihn aber am liebsten jeder allein verspeisen möchten, Da,
ein Stutzen. Besinnen. Jähes Aufflackern längst versunkener Er-
Mnnerungen.

„Lothar?“ fragte ich leise, in bangem Zweifel. Das konnte doch gar
Nicht möglich sein. Lothar Hagen, mein liebster Jugendgespiele und
        <pb n="244" />
        7,44

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Freund der übermütigen Knabenzeit. Seit 40 Jahren hatten wir uns
nicht gesehen, seit 30 auch nichts mehr voneinander gehört.

„Harry?“ fragte er mit zuckender Lippe zurück und in seine Augen
kam ein sonniger Schein. Seltsam. Seine Haare waren grau, fast weiß
geworden, aber in den schönen braunen Augen lag noch immer der
warme, strahlende Glanz der Jugend,

Er war es wirklich. Und nun hub ein Erzählen und Fragen an, wie
es die kleine, stille Kemnate des Schlafwagens Dresden-Frankfurt wohl
noch nie gehört hatte.

„Also auf dem Wege nach Baden-Baden bist du?‘ meinte Lothar. „du
Glücklicher. Wie ich dich beneide. Weißt du noch?“

Ich wußte. Der Name, die seltsamen Doppelworte Baden-Baden hatten
über unsere Knabenjahre einen wundervollen Märchenglanz gezaubert.
Als zwei unverbesserliche und durch nichts zu heilende Leseratten ver-
schlangen wir alles, was gedruckt war und in unsere Hände fiel. Zwischen
zwei blutgetränkten Indianerschmökern war ein bilderreiches Heft über
Baden-Baden unsere Lesekost geworden. Es ließ uns nicht mehr los.
Tag und Nacht träumten wir von diesem zauberhaft schönen Fleckchen
Erde an der rauschenden Oos. Was waren das schon allein für roman-
tische Namen. Eine Stadt, die sich doppelt taufen lief und ein Bach,
der Oos hieß.

„Weißt du noch?“ fuhr Lothar fort. „Wir wollten beim reichen Onkel
Christian einbrechen, mindestens hundert Mark — es schien uns ein
fürstliches Vermögen — mausen, damit nach Baden-Baden reisen und
die Spielbank sprengen. Dieselbe Spielbank, von der unser gedruckter
Führer ausplauderte, daß das Baden-Badener Kurhaus die königliche
Pracht seiner Gesellschaftsräume den Einnahmen aus dieser Spielbank
verdanke. Daß die Bank gar nicht mehr bestand und wir einem ver-
alteten Führer durch des Wunderbades Herrlichkeiten aufgesessen waren,
wußten wir ja nicht.“

„Dann wollten wir im Viererzug bei der Herzogin von Hamilton vor-
fahren, von der wir ebenfalls im Führer gelesen hatten und die uns als
eine richtige badische Prinzessin mächtig imponierte‘“, unterbrach ich
den wiedergefundenen Freund lachend. „Mit unsagbarem Hochmut
wollten wir sie fragen: Was kostet Ihr Palais, verehrungswürdige Lady?
Wir wünschen es zu kaufen.“

„Der Viererzug ist dann zum Sechserzug geworden. Mit ihm sausten
wir die weltberühmte Lichtenthaler Allee auf und ab, immer wieder,
vornehm und unnahbar. Erhaben sahen wir auf den zu Fuß wandernden
Plebs der vielen Grafen, Barone und Kommerzienräte mit ihren feenhaft
gekleideten Frauen und Töchtern herab. Der Schönsten wollten wir das
Schnupftuch zuwerfen. So hatten wir mal von der Liebeswahl eines
türkischen Paschas gelesen,“

„Mein Schnupftuch war allerdings nie ganz sauber,“ rief ich vergnügt,
„und das deine war meistens nicht zu finden.“

„Im eleganten Trab bogen wir schließlich in den Garten des Kur-
hauses ein,“ fuhr Lothar augenzwinkernd fort, „und parierten die
schnaubenden Pferde dicht vor der Terrasse. Dort saß eine festlich
geschmückte Menge bei Wein und Sekt und erschrak nicht wenig über
        <pb n="245" />
        FEUILLETONISTISCHE WERBUNG FÜR EINEN KURORT UND EIN KURHOTEL 245

unsere stürmische Auffahrt. Einige Damen schrien, andere sahen uns
bewundernd und verzückt an. Aber wir blickten kalt und unnahbar über
sie hinweg.“

„Die beiden reisenden Phantasten hatten nämlich keine Ahnung davon,

daß man in den Garten des Kurhauses überhaupt nicht einfahren kann“,
unterbrach ich den erinnerungsreichen Freund.
Er nickte vergnügt und erzähite weiter: „Man wies uns einen Ehren-
isch an, wo sonst nur die, unseren Träumen nach, täglich zu Dutzenden
nach Baden-Baden kommenden Kaiser, Könige und Fürsten speisten und
bestellten unsere damaligen Leibgerichte.“

»Erbsensuppe mit Schweinsohren und echte Thüringer Rostbratwürste
mit Sauerkraut. Als Nachtisch für jeden 12 Windbeutel mit Schlagsahne.“

„Ja, solche Windbeutel waren wir damals“, lachte Lothar. „Dazu
tranken wir Affenthaler. Weil uns der Name, seiner zoologischen und
Wilden Urwalderinnerungen halber, besonders gefiel, Schließlich landeten
die beiden Helden, natürlich immer auf ihrem siolzen Sechserzug, in
zwei fürstlichen Marmorbadewannen des Friedrichsbades und ließen die
2 7 Leiber von den heißen alkalischen Kochsalzthermen um-

Pülen.“

„Nachdem wir vorher auch für unsere sechs Pferde je ein Marmor-
Wannenbad bestellt hatten“, jubelte ich, selig in den alten Erinnerungen
an unsere erträumte Reise nach Baden-Baden. „Was waren wir doch
für dumme junge Heupferde.“

„Es war eine köstliche Zeit“, meinte Lothar. „Dann kam alles so ganz
anders, Von unseren Märchenträumen löste sich, mit dem Schwinden
des glücklichen Kinderglaubens, der sonnige Glanz und der graue Staub
des Alltages ließ sich darauf nieder. Später, viele Jahre später, erlebte
(Ch dann nochmals eine Enttäuschung.“

Ich sah Lothar fragend an: „Wie? Erzähle. Was war es? Die Liebe?“

„Die Liebe nicht. Aber eine Liebe. Die Liebe zu einem köstlichen
Demanten im Brautkleid unserer Mutter Erde. Ich kam nach Baden-
Baden und fand es viel schöner, tausendmal schöner als unsere Kinder-
Phantasie es uns gemalt. Und unerfüllte Sehnsucht, ein zehrendes Ver-
langen blieb zurück, als ich dieses Paradies wieder verlassen mußte.
Darum sagte ich, du Glücklicher! Wie ich dich beneide.“

„Warum bliebst du nicht?“

„Meine Mission war erfüllt und die Pflicht trieb mich wieder weiter,
neuen Arbeitszielen, neuen Sehnsüchten zu. Du weißt, daß ich Architekt
Seworden bin. Ich habe in Baden-Baden beim Umbau des Badischen
Hofes geholfen.“
ar Badischen Hofes?“ fragte ich überrascht. „Er ist mein vorläufiges
an Dort will ich mein müdes Haupt betten, bis ich eine dauernde
a eibe gefunden haben werde. Ich kenne das liebe alte Haus, habe vor
der. Jahren dort gewohnt und meine Romantikerseele von den Schauern
Br Erinnerungen umwehen lassen. Du weißt doch, daß dieser freund-

iche Gasthof ein früheres Kloster, eine Kapuzinerabtei, gewesen ist?“

; Lothar lächelte: „Wie sollte ich das nicht wissen! Aber du wirst deinen
Br endlichen Gasthof“, wie du dich ausdrückst, nicht wiederfinden.

T ist ein modernes, aber ganz entzückendes Hotel geworden. Ich habe
        <pb n="246" />
        ‘16

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
bei dieser Metamorphose mitgeholfen und schäme mich dessen nicht. Im
Gegenteil. Ich bin stolz auf diese Frucht meiner geistigen Arbeit.“

„An ihren Früchten sollt ihr ihn erkennen“, zitierte ich lächelnd.
„Eigentlich sollte ich dir zürnen, daß du mir meinen freundlichen Gast-
hof so verschandelt hast.“

„Verschandelt? Du wirst anders reden, wenn du ein Wissender
geworden sein wirst. Die schönen, behaglichen und doch so vornehmen
Zimmer des heutigen Badhotels „Badischer Hof‘ werden dir schon
gefallen, mein guter Junge. Wenn du nur den vernickelten Hahn zu
drehen brauchst und kaltes oder heißes Wasser läuft dir, ganz nach
Wunsch, über die Hände, so wirst du dich nicht nach den kahlen Mönchs-
zellen zurücksehnen. Wenn du dir gar in deinem eigenen Badezimmer
ein radioaktives, alkalisches Kochsalzthermenbad selbst bereiten und es
direkt vom weichen Bett aus, nicht in der härenen Kutte, erreichen
kannst; wenn du nicht erst, wie im goldenen Jugendiraum, mit dem
Sechserzug ins Friedrichsbad fahren mußt, so wirst du kein Verlangen
mehr nach deinen Kapuzinermönchlein haben.“

„Aber die wundervolle Halle? Dieses Glanzstück der alten Abtei! Was
habt ihr daraus gemacht?‘ fragte ich leise und zögernd. Noch konnte
ich mich an den mir fremden Gedanken nicht gewöhnen, daß die ehr-
würdige Kapuzinerabtei, die allerdings schon zu Anfang des 19. Jahr.
hunderts in einen gediegenen bürgerlichen Gasthof umgewandelt worden
war, nun gar zum Range eines jener modernen Hotels emporgestiegen sei,
aus denen man nicht wieder hinaus möchte, wenn man sich erst hinter
ihre Mauern verirrt hat. Trotz meiner Romantikerseele hause ich doch
lieber in einem Palasthotel des Jahres 1927 als in einem noch so
arinnerungsreichen Kloster des 18. Jahrhunderts,

Freund Lothar schmunzelte und griff in seine Brusttasche. Wir hockten
noch immer auf meinem Bett und hatten das Ausziehen und Schlafen
vergessen. Er gab mir einige Lichtbilder: „Das haben wir aus der Fassade
deines ehrwürdigen Klosters gemacht. So sieht jetzt das alte Treppen-
haus mit seinen Galerien aus, wo einst die frommen Paters wandelten.
Und in diesem stimmungsvollen Raum würden sich wohl auch die
frommen Klosterbrüder behaglich gefühlt haben. Bist ‘du es zufrieden
oder bekomme ich einen Tadel ins Lobbuch?“

Entzückt betrachtete ich die Photos, vor allem das Bild, aus dem
mir meine geliebte Halle entgegenblickte, als habe sich nichts an ihr
geändert. Oder doch? Sie war noch . schöner, noch romantischer
geworden. „Ich bin zufrieden. Du bekommst ein Lob ins Tadelbuch.
Dazu schreibe ich dann noch, wie wir dummen Jungen es bei den ver-
gessenen Stammbüchern unserer Kameraden und der süßen kleinen
Freundinnen taten: Im ‚Badischen Hof‘ zu Baden-Baden hast du dein
Meisterstück gemacht. Dafür habe ich dich lieb. Auf die letzte Seite
schreibe ich: Wer dich noch lieber hat als ich, der schreibe sich noch

hinter mich.‘

Lothar wurde ernst. „Es ist seltsam, wie wir uns fanden und köstlich,
daß wir uns noch immer gut sind. Wie einst als Kinder.‘“ Hastig fuhr
er sich durchs graue Haar: „Nun wollen wir schlafen gehen. Aber vorher
wollen wir uns, oder richtiger, will ich dir ein Versprechen geben: Wenn
        <pb n="247" />
        Freund Lothar schmunzelte, griff in seine Brusttasche und gab mir einige Lichtbilder:
‚Das haben wir aus der Fassade deines ehrwürdigen Klosters gemacht!“

‚So sieht jetzt das alte Treppenhaus mit seinen Galerien aus, wo einst
die frommen Paters wandelten.‘“
        <pb n="248" />
        „.. Und in diesem stimmungsvollen Raum würden sich wohl auch die
frommen Klosterbrüder behaglich gefühlt haben!‘
        <pb n="249" />
        FEUILLETONISTISCHE WERBUNG FÜR EINEN KURORT UND EIN KURHOTEL 249

ich meine Mission in der Schweiz erfüllt habe, dann komme ich auf lange
Wochen zu dir. Ins Paradies der Menschen und ins Paradies der seligen
Kinderträume, nach Baden-Baden. Und nirgends anders wohne ich, als
in dem interessantesten Hotel dieser interessanten, 2000 Jahre alten und
doch ewig jungen Bäderstadt an der rauschenden Oos. Weiß ich doch
aus vielfacher Erfahrung, wie gut, was sage ich, wie wundergut man bei
dem mir zum Freunde gewordenen Herrn dieses interessantesten und
heute zugleich modernsten Hotels, bei Gustav Schnetzer, aufgehoben ist.“

Wir sahen uns lange in die Augen. „Lieber alter Junge,“ sagte Lothar
bewegt, „möge das glückliche Baden-Baden dir Glück bringen.“

Dann huschten wir unter die weißen Decken. Halb aus dem Schlummer
8 es noch: „Auf Wiedersehen! Im ‚Badischen Hof‘ in Baden-

aden ...“
        <pb n="250" />
        IE

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

30. FEUILLETONISTISCHE WERBUNG
FÜR EIN GROSSTADT-HOTEL
Das in der Einleitung zum vorhergehenden Kapitel Gesagte
trifft ausnahmslos für jede literarische Reklameplauderei zu,
die ein Hotel oder irgendeine mondäne Gaststätte behandelt.
Beim Kurort-Hotel ist die Aufgabe insofern leichter, als sich
über den. Kurort und das Hotel wohl fast immer ein Thema
sowie eine Form finden läßt, wobei der Leser nicht schon nach
den ersten Zeilen die Reklameabsicht merkt und verstimmt
wird. Wie in meinem Beispiel vom Kurort-Hotel, hoffe ich auch
im folgenden Muster einer freierfundenen Großstadt-Hotel-
Plauderei den Beweis zu erbringen, daß sich die Erfüllung
meiner These sehr wohl ermöglichen läßt.
DAS ERSTE HOTEL
Vor dem Portal des Mammut-Hotels hielt mit jähem Ruck ein Auto
von seltsamer Gestalt. Ein solches Fahrzeug hatte man in den Straßen
Berlins noch nicht gesehen. Der Portier und zwei schlanke Chasseure
eilten geschäftig herbei, halfen einer Dame und zwei Herren beim Aus-
steigen und luden die sorgfältig verstauten Koffer ab. Das interessante,
nahezu abenteuerliche Fahrzeug hatte im Nu Hunderte von Neugierigen
angelockt. Sie starrten mit weit aufgerissenen Augen auf das Auto, dann
auf seine Fahrgäste und schließlich auf die prunkvolle Fassade des
Mammut, als müsse von dort eine neue Offenbarung kommen.

„Berlin bleibt sich immer gleich!“ sagte Graf Dux, der dem Wagen
gesteuert hatte und jetzt wieder auf den Führersitz sprang, um das selt-
same Auto in die Garage des Mammut zu leiten. „Es ist eine Großstadt
von drei Millionen Menschen und wenn irgendwo irgendein Droschken-
gaul stürzt oder sonst etwas ganz Alltägliches passiert, dann werden diese
Großstädter mit dem treffenden Witz und dem schnoddrigen Mundwerk
so neugierig wie der kleinste Kleinstädter.‘“

Wie zur Bestätigung, rief in diesem Augenblick die helle Stimme eines
echten Berliner Jungen:
        <pb n="251" />
        FEUILLETONISTISCHE WERBUNG FÜR EIN GROSSTADT-HOTEL 251
„Sie, Männecken, Sie kommen mit Ihrer Ölkutsche wohl direktemang
aus Kuba, weilse so’n kubistischen Zuschnitt hat?“

Die Begleiterin des Grafen lachte hell auf. Klaus v. Lassen aber feixte
und sagte mit großartiger Handbewegung:

„Sei mir gegrüßt, du mein langentbehrtes Berlin. Kaum gedacht, und
schon wird ein schnoddriger Witz gemacht. Kubistische Ölkutsche ist
glänzend. Nur in Berlin können solche Witze geboren werden.“

„Ich bringe die kubistische Ölkutsche in den Stall und bin in fünf
Minuten zurück. Wolle sie gütigst abwarten, Hella, dann wollen wir in
der Halle Tee trinken.“

„Einverstanden!“ rief die Gräfin dem Fortfahrenden lächelnd nach.
„Erst abwarten, dann Tee trinken.“

Das seltsame Auto war längst verschwunden und noch immer starrte
eine neugierige Menge verzückt auf die wundervolle Prachtfassade des
Mammut-Hotels. Wer vorüber kam, blieb ebenfalls stehen und starrte.

„Was ist denn los?“

‚Ein Dreikäsehoch wußte Bescheid: „Ein Flieger is los. Er wollte
sich uff dem Dach häuslich niederlassen. Aber es war keen Platz nich
da, Es lagen schon zuville Hypokartheken druff,“

„Eine halbe Stunde später saß das Trio, in weiche Klubsessel behaglich
hingekuschelt, in der vornehmen Halle des Mammut. In kostbaren
Schalen dampfte der köstliche Trank aus China, der den Fünfuhrtee
des mondänen Berliner Hauses zu einer Berühmiheit gemacht hat. Auf
silbernen Platten lockten wundervolle Torten und Bäckereien.

„Zum Anbeißen!“ sagte Gräfin Hella mit einem komischen Seufzer.
„Ach, daß ich tausend Zungen hätt“

»Ich werde beantragen, daß die Direktion dieses Gebäck auf den Namen
Gräfin Hella tauft“, warf Klaus v. Lassen schmachtend ein. „Weil beide
zum Anbeißen sind.“

„Und Sie werden künftighin auf die Bank der Spötter verwiesen“, er-
klärte die Gräfin. „Außerdem sind Sie ein Streithammel.““

„Oh wehl“ rief Lassen und machte ein unglückliches Gesicht. „Streit
und Hammel? Warum dieses grausame Doppelwort? Den Streit will
ich annehmen, aber den Hammel schenke ich Ihnen. Zur Belohnung
sagen Sie mir dann, was ich eigentlich verbrochen haben soll.“

„Sie widersprachen mir, als ich sagte, der Roman ‚Hotel Gigantik‘
von Felix Philippi sei kein gutes Buch, weil es ein phantastisches Hotel
Schildere, das in Europa einfach unmöglich sei. Ein bißchen Phantasie
Sei auch ganz nett, sagten Sie. Und das sagte der künftige Direktor
eines mondänen Hotels. Es ist rätselhaft.“

Die entzückende junge Gräfin tat empört und schlug mit der geballten
Miniaturfaust auf das Buch, das neben ihrer Teeschale lag. Graf Dux
zündete sich eine Zigarette an, lehnte sich noch tiefer in seinen Sessel
und Jauschte amüsiert dem Streit der Zwei. Lassen schielte auf das Buch
und fragte verblüfft:

G Aber es ist ja gar nicht mehr Philippis Roman ‚Hotel Gigantik‘,
nah Gräfin, der uns bei der kühlen Fahrt fast in Hitze brachte.“ Er
Ei m das Buch in die Hand: „Hm! ‚Ker Ali‘ von F. R. Nord. Hm hm!

iner jener phantastischen Abenteuerromane, die uns in die Wunder-
        <pb n="252" />
        &gt;

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

welt des Ostens führen und die augenblicklich so beliebt sind. Ich bin
sprachlos.“

„Das merkt man am Fluß der Rede!“ neckte Gräfin Hella. „Ich habe
das Buch als Beweis für meine von Ihnen bestrittene Behauptung mit-
gebracht, daß unsere modernsten Schriftsteller ihre Romane erfreulicher-
weise nicht mehr in Phantasiehotels mit Phantasienamen spielen lassen,
sondern in Häusern, die wir kennen. Das macht die Sache für den Leser
viel interessanter. Es fesselt ihn, die Geschichte wird glaubhaft und — —
das Hotel hat eine wunderschöne, unbezahlbare Reklame.“

„Zugegeben“, nickte Lassen, bot der Gräfin eine Zigarrette an und
zündete sich ebenfalls eine an. „Aber Ker Ali? Ein Roman, dessen Helden
im halbkultivierten asiatischen Osten herumabenteuern? Das Hotel
möchte ich sehen, das darin empfohlen wird.“

Gräfin Hella schlug die ersten Seiten auf und triumphierte: „Etsch.
Der Roman beginnt in einem deutschen Krähwinkel. Nämlich in Berlin.
Hier steht es, auf Seite sieben: Da ich selten imstande bin, den Tag
meiner Ankunft auch nur ungefähr zu bestimmen, war ich im Hotel
abgestiegen — dem ersten Hotel von Berlin.“

Lassen lächelte mitleidig: „Dem ersten Hotel von Berlin! Und diesen
Gemeinplatz nennen Sie eine wunderschöne, unbezahlbare Reklame für
das also gepriesene Hotel? Fragen Sie einmal in den Hotels herum,
wieviele sich für das erste von Berlin halten!“

Gräfin Hella fuhr von oben herab fort: „Ausreden lassen, mein Lieber.
Auf Seite acht heißt es dann: Doktor F. R. Nord ist im — — —*

„Im Mammut-Hotel!‘“ unterbrach Lassen die reizende kleine Frau
lebhaft. „Selbstverständlich im Mammut.“

„Nein! Herr Nord nennt ein anderes Hotel als das erste von Berlin,
und das ist es, was ich mißbillige. Qualitätsbestimmungen in solch aus-
gesprochener Form sind individuell und ein kluger Schriftsteller sollte
sie vermeiden. Es lassen sich auch andere schmückende Beiworte finden
oder erfinden. Wer von den Lesern ein anderes Hotel für das erste von
Berlin hält, der ärgert sich. So wie ich mich ärgere. Ich will mich aber
beim Lesen nicht ärgern. — Herr Direktor, Herr Direktor!“ rief die
temperamentvolle Gräfin einen Herrn an, der soeben mit einer verbind-
lichen Verbeugung am Tisch vorübergehen wollte.

„Gnädigste Gräfin?“ fragte der Direktor, während Graf Dux ihm
herzlich die Hand schüttelte und ihn rasch mit seinem Freund bekannt
machte: „Direktor Zorner, die sympathische Seele und Säule des Mammut,
Herr v. Lassen, ein Kollege und künftiger Konkurrent von Ihnen.“

„Ich wollte Sie in Ihrem angeregten Gespräch nicht stören, Frau
Gräfin, sonst hätte ich Sie selbstverständlich sofort begrüßt und in Berlin
willkommen geheißen. Womit kann ich dienen?“

„Sie sollen wie König Salomo ein weises Urteil fällen, Herr Direktor.
F. R. Nord schreibt in seinem Roman ‚Ker Ali‘ vom ersten Hotel von
Berlin, er nennt aber nicht das Mammut, sondern ein anderes Haus, Das
ärgert mich. Der Mann vergewaltigt das Urteil seiner Leser, Sagen Sie
mir, Herr Direktor: Welches Hotel ist nun eigentlich das erste von
Berlin?“
        <pb n="253" />
        FEUILLETONISTISCHE WERBUNG FÜR EIN GROSSTADT-HOTEL 2583
„Hella!“ rief Graf Dux warnend und begütigend. Doch die kleine,
elegante Gräfin hörte es nicht. Ihre Augen funkelten,

„In diesem Falle gibt es gar keinen Zweifel“, erklärte Direktor Zorner
mit der Ruhe und Sicherheit, die ihn so sympathisch macht: „Gräfin und
Graf Dux nehmen selbstverständlich nur im ersten Hotel von Berlin
Wohnung.“

„Bravo!“ jubelte die Gräfin und klatschte in die Hände, so daß die
"——— anderen Gäste amüsiert herüberschauten. „Sie sind mein

ann.‘

„Bisher habe ich geglaubt, das wäre ich?“ meinte Graf Dux trocken.

Gräfin Hella lachte: „Kann leider nicht bestritten werden.‘ Dann
wandte sie sich wieder an den Direktor: „Sie haben meinem Herzen
die Ruhe wieder zurückgegeben. Wenn ich im Geiste Ihr wunderschönes
Haus durchwandere, in dem tatsächlich alles erstklassig ist — um dieses
schreckliche, triviale Wort anzuwenden — und in dem ich mich immer
sehr wohl, viel wohler als in meinem bescheidenen Heim in München
fühle, so will ich selbst die Zensur erteilen. Sie, lieber Lassen, als gegen-
wärtiger Empfangsherr vom Regina-Palast in München und künftiger
Generaldirektor vom ersten Hotel von Europa, sollten das nachempfinden
können.“

„Kann ich auch“, meinte Lassen trocken, „Ich kann alles, was Gräfin
Hella wünscht. In Empfindungen bin ich überhaupt groß. So empfinde
ich es zum Beispiel sehr angenehm, daß ich im Berliner Mammut-Hotel
SO riesig nett empfangen werde, während ich sonst derjenige welcher
bin, der andere Leute nett empfangen muß. Ich gedenke, Ihnen viel abzu-
gucken, Herr Direktor. Zum Beispiel, wie man es machen muß, um eine
weltbekannte Küche — erstklassig kann die Gräfin nicht hören — zu
führen. Was für einen Zauber Sie in Ihrem wirklich zauberschönen
Hotel anwenden, um Gräfin Hella Dux seinetwegen in Rage zu bringen.‘

Der Direktor lächelte verbindlich: „Den Zauber verrate ich gern. Wir
bemühen uns, den Gästen in jeder Beziehung vom Besten das Beste zu
bieten. Wir bleiben in allen Darbietungen, in der Einrichtung und Aus-
Stattung aller den Gästen dienenden Räume immer auf der Höhe. Nur
bei den Preisen machen wir eine Ausnahme.“

„Auf der Höhe!“ unterbrach Graf Dux den Direktor. „Wissen Sie.
daß ich Ihnen nächstens mal aufs Dach steigen werde?“

„Direktor Zorner lächelte: „Herr Graf belieben zu scherzen. Sicher
hängt es mit Ihrem neuen Luftschifftyp zusammen. Ich hörte davon und
bewundere Sie.“

„Erraten. Wir sind in meinem neuen Luftschiff von München nach
Berlin geflogen. Eigentlich wollte ich auf dem Dache des Mammut nieder-
gehen, Aber ich wußte nicht, ob es schon dafür geeignet ist. Da haben
wir vor den Mauern der. Stadt unser Luftschiff in ein Auto verwandelt
und sind als simple Erdflöhe zum Mammut getöfftöfft. Es war sehr
schön und hat mich sehr gefreut, was die Berliner für Augen machten.

Ein Junge hat den Wagen kubistische Ölkutsche getauft. In einem Jahr
hoffe ich soweit zu sein, daß ich mit meinem Luftschiffautomobil überall
niedergehen kann. Dann will ich Ihnen aufs Dach steigen. Das Mammu{
muß das ermöglichen. Sonst ist es eben nicht das Mammut.“
        <pb n="254" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
„Das Mammut wird das selbstverständlich ermöglichen, Herr Graf,
Sie werden uns immer gerüstet finden. Für Ihren wunderbaren Luft-
schifftyp einen wunderbaren Landeplatz auf dem Dach des Mammut-
Hotels. Einen großen Fahrstuhl, um die Lufikutschen sanft zur Erde zu
befördern, wo sie dann als Automobile ihre zweite Seele in der Brust
betätigen können.‘

„Famos, Herr Direktor“, warf Gräfin Hella lebhaft ein. „Ich muß
es nochmals wiederholen: Sie sind mein Mann. Wenn auch mein Mann
protestiert. Übers Berliner Mammut geht eben nichts!“

„Höchstens Luftschiffe‘‘, meinte Klaus v. Lassen trocken. „Das ist das
Los des Schönen auf der Erde. Und Ihr Haus ist wirklich etwas Schönes.
Das sah mein fachmännisch geschulter Blick schon aus dem Wenigen,
was ich bisher sah.“

„Gern führe ich Sie morgen im ganzen Haus herum, Herr v. Lassen“,
erklärte der Direktor verbindlich. „Alle 400 Zimmer, Salons und ab-
geschlossenen Appartements mit Bad brauchen Sie natürlich nicht zu
durchwandern. Aber ich hoffe, Ihnen beweisen zu können, daß unsere
Gäste im Mammut alles vereinigt finden, was eine ausschweifende Phan-
tasie sich wünschen kann. Eleganz, Komfort, modernste Technik, Heim-
ersatz besten Stils und Behaglichkeit. Wie Graf Dux, der geniale Flug-
zeugpilot und Erfinder, in der Luft die Führung hat, so versuchen wir
sie auf der Erde zu behalten.“

„Wacker, wacker!“ warf die Gräfin lebhaft ein, die sich nicht gern
lange vom Gespräch ausschalten ließ. „Ich schließe mich morgen Ihrer
Führung an. Überzeuge ich mich, daß Sie wahr gesprochen haben, wovon
ich fest überzeugt bin, dann sind Sie zum dritten Male mein Mann. Ihr
Haus aber ernenne ich zu meinem Leibhotel. Es gibt nur ein Mammut
und es soll kein Mammut geben neben ihm. Aber jetzt wollen wir uns
ins Berliner Leben stürzen. Kommt, ihr faulen Männer. Wollen Sie
reizend sein, Herr Direktor? Dann reservieren Sie uns zum Abendessen
einen reizenden Tisch. Denn essen werden wir nur im Mammut, Etwas
Gescheiteres kann man nicht tun. Nicht wahr, ihr Männer?”

„Ausgeschlossen!“ sagten Graf Dux und Lassen, wie aus einem Munde.
        <pb n="255" />
        FEUILLETONISTISCHE WERBUNG FÜR EIN MONDÄNES ETABLISSEMENT 255

3l. FEUILLETONISTISCHE WERBUNG
FÜR EIN MONDÄNES GESELLSCHAFTS-
ETABLISSEMENT

Auch die nüchternste, traditionslose mondäne Gaststätte wird
dem vigilanten Federmenschen irgendeinen Anhaltspunkt für
feuilletonistische Propagandaplaudereien bieten, so daß sie
interessant und fesselnd gestaltet werden können, ohne daß
man sofort den Reklamecharakter spürt. Nachstehend gebe ich
ein praktisches Beispiel dafür. Zur Abwechslung wählte ich als
Objekt einen schweizerischen Kursaal, nachdem ich in den vor-
hergehenden Kapiteln zwei verschiedene Hoteltypen behandelt
habe, Diese Kursäle der Schweiz sind ebenfalls ein besonderer
Typ. Sie vereinigen die vornehme Gaststätte mit dem mon-
dänen Vergnügungs- und Gesellschafts-Etablissement. So
kommt auch diese Art moderner Gaststätten, die aufs aller-
engste mit dem Fremdenverkehr zusammenhängen, in meinem
Werk zur Geltung.
VOM VORNEHMEN PATRIZIERHEIM ZUM
SCHÖNEN KURSAAL
Meine Gedanken schweifen ein Vierteljahrhundert zurück. Es gab
loch keine europäische Wirtschaftskrisis, weil die Länder sich nicht
gegen einander absperrten. Die Zölle und Steuern waren erträglich, wes-
halb Handel und Wandel blühten. Namentlich der Wandel, das Reisen,
sah damals, bei niedrigen Eisenbahntarifen und großem Komfort, seine
schönste Blütezeit. Den Völkern Europas ging es gut, und Erholungs-
oder Vergnügungsreisen waren längst kein Luxus mehr. Paß und Visum
kannte man nur noch vom Hörensagen. Wollte man sie kennenlernen,
mußte man schon zu den Russen oder Türken reisen.

Damals gehörte auch das Inserieren noch zu den internationalen
Künsten, Es gab Großinserenten, Liebigs Fleischextrakt-Kompagnie,
Odol-Lingner und Maggi zum Beispiel, deren charakteristische Inserate
tatsächlich in der ganzen Welt zu finden waren. Auch die Schweiz besaß
        <pb n="256" />
        758

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
damals einen solchen internationalen Großinserenten, Heute ist er durch
den schweizerischen Fremdenverkehr und durch die Hotelerie abgelöst
worden, deren Anzeigen und Reklamen in der ganzen Welt zu finden sind.
Von jenem Großinserenten will ich ein wenig erzählen, weil seine
geschickte Art, zu inserieren, zum Bahnbrecher wurde und weil der
Mann zugleich der beste Werber für seine Stadt und sein Land war

Eines Tages erschienen in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften
vieler Länder charakteristisch und auffallend (Blickfang!!) aufgemachte
Anzeigen, die fast wie ein Vorläufer der heute so beliebten Preisrätsel-
Anzeigen erscheinen. Es war aber kein Preisrätsel, sondern eine Scherz-
frage und sie lautete ungefähr: „Welches ist der beliebteste Berg in der
ganzen Schweiz?‘ Die Antwort war: „Der Henne-Berg in Zürich!“ Mit
der Schweizer Topographie Vertraute stutzten natürlich. Man wußte wohl
vom Rigi, Pilatus, Mönch, Eiger, Wetterhorn, Jungfrau, Matterhorn,
Montblanc usw., aber von einem Berg Henne, also aus dem in der
Schweizer Hotelküche besonders beliebten, braven Geschlecht der Hühner
{Poulet), hörte man noch nichts. Und der sollte sogar im schönen Zürich
zu finden sein? Beim Weiterlesen löste sich das Rätsel in Wohlgefallen
auf. Jener Züricher Großinserent hatte sich der Welt selbst als Scherz-
rätsel aufgegeben. Es war wirklich „der Henneberg“, nämlich ein welt-
bekannt gewordener Fabrikant und Händler mit Seidenwaren, der da-
malige internationale Liebling der Damenwelt, wofür ihn die respektiven
Ehemänner und sonstigen Männer wohl mit manchem heimlichen Fluch
bedacht haben werden. Denn sie waren es schließlich, welche die
eminent geschickt abgefaßten Inserate jenes Züricher Rattenfängers zu
bezahlen hatten, wenn die Frauen eigensinnig darauf bestanden, ein Kleid,
eine Bluse, einen Morgenrock, Jupons oder elegante Strümpfe just von
Henneberg in Zürich zu tragen.

Die eigenartigen Inserate Hennebergs, die seinerzeit Schule gemacht
und vielen Jüngern der jungen Reklamekunst manches gelehrt haben,
sind aus der europäischen Presse verschwunden. Der Meister der Reklame
und Erfinder des Scherzrätsels bei der Anzeige hat Griffel und Zeichen-
stift längst niedergelegt. Er ist in jenes unbekannte Land verzogen,
welches für uns alle das große, unlösbare Rätsel ist und ewig bleiben wird.
Aber ich mußte recht lebhaft an ihn denken, als ich jüngst in seinem vor-
nehmen, von künstlerischem Geschmack zeugenden, Schloßartigen
„Heim“ weilte, das er sich vor einer Reihe von Jahren am Ufer des
schönen Zürichsee, dicht neben der. Tonhalle und ganz nahe beim
weltbekannten Hotel Baur au Lac, errichten ließ. Lang, lang ist’s her,
daß ich bei einem meiner öfteren Besuche Zürichs neugierig jenes schloß-
artige Haus umstrich, welches, wie ich mir scherzhaft sagte, ganz aus
Inseraten und leichten Seidenwaren erbaut war und doch nicht zu-
sammenfiel. Nun weilte ich zwischen seinen Mauern, wandelte durch
die schönen Räume und blickte von stolzer Zinne herab auf den lachenden
Zürichsee mit seinen landschaftlich reizvollen Ufern. War es ein
Traum? Ich zwickte mich ins Ohr. Das Zauberschloß fiel nicht zu-
sammen wie Klingsors Gärten und Marmorhallen im zweiten Akt des
Parsifal. Es hielt stand und war so gastfreundlich, wie man es sich besser
gar nicht wünschen könnte.
        <pb n="257" />
        FEUILLETONISTISCHE WERBUNG FÜR EIN MONDÄNES ETABLISSEMENT 257
Das anscheinende Wunder ging ganz natürlich zu. Es unterschied sich
dadurch wohltuend vom Rock jenes dreihundertpfündigen Kurgastes von
Marienbad, der bei der Morgentoilette stöhnend erklärte: „Alles auf der
Welt geht natürlich zu, nur mein Rock geht natürlich nicht zul“ Des
Züricher Reklamegewaltigen einstiges Heim ist nämlich seit Anfang
letzten Jahres in einen Kursaal umgewandelt worden. Es wurde ganz
einfach „der“ Kursaal, der Zürich bisher immer gefehlt hat. Eine inter-
nationale Fremdenstadt wie diese uralte Ansiedlung an den Ufern der
Limmat und den CGestaden des Zürichsees braucht einen Konzen-
trationspunkt. Es ist verwunderlich genug, daß erst das Jahr 1926 heran-
kommen mußte, um die internationalste Fremdenstadt der Schweiz mit
einem eigenen Kursaal zu schmücken. Absichtlich sagte ich: „ZU
schmücken!“ Denn dieser Kursaal, mit seiner geschmackvollen, vor
nehmen Fassade, mit seinem einzig schönen Treppenhaus, mit seinen
entzückenden, stimmungsvollen und unvergleichlichen Innenräumen, dem
großen Festsaal, der originellen Bar, den schönen Restaurationsräumen,
ist wirklich ein Schmuck der an interessanten Gebäuden so reichen
Limmatstadt. Der alte Henneberg, der Schöpfer des Hauses, würde sich
gewiß freuen, sein Heim einem solchen Zweck dienstbar gemacht zu
sehen, denn er hat, wie ich schon einmal betonte, jahrelang durch seine
geschickten Reklamen indirekt für Zürich geworben und es „in der
Leute Mund gebracht“.

Am 1. Oktober 1926 hat sich in diesem schönen Züricher Kursaal ein
bemerkenswerter Wandel vollzogen. Die Oberleitung ging in die Hände
eines tüchtigen und bewährten Hotelfachmannes über, dessen Name in
der Schweiz selbst und in vielen anderen Ländern einen sehr guten Klang
hat. Diesen vortrefflichen Klang hat S. H. Gottlieb sich namentlich
während seiner dreizehnjährigen Tätigkeit als Direktor des Hotel Baur
en ville (Savoy) in Zürich erworben. Sein Name ist mit der Entwicklungs-
geschichte des Hotels verbunden, und vielen Gästen dieses Hauses stehen
jene Jahre noch in angenehmer und dankbarer Erinnerung, da Herr
Gottlieb dem Baur en ville seinen Geist aufgeprägt hatte. Wenn ich dann
noch daran erinnere, daß Herr Gottlieb vorher acht Jahre lang Maitre
d’hötel im weltbekannten Hotel Baur au lac war, so ist damit genug
gesagt. Jeder Kundige weiß, daß die Geschicke des neuen, wunder-
Schönen Kursaals in Zürich einem Manne anvertraut wurden, dessen bis-
herige Tätigkeit Zeugnis dafür ablegt, daß er die unvermeidlichen
Schwierigkeiten, die unter den heutigen‘ wirtschaftlichen Verhältnissen
keinem schweizerischen Kursaal erspart bleiben, mit Geschick und Tat-
kraft zu überwinden wissen wird.

Die wirtschaftliche Leitung des Kursaales hat Herr Gottlieb seinem
früheren Oberkellner Moll anvertraut. Die Herren Gottlieb und Moll
haben ‚gerade auf jenen Gebieten besondere Spezialerfahrungen, die bei
einem gut geleiteten Kursaal obenan stehen müssen. Es sind: gepflegte,
internationale Küche, exquisiter Keller, eine Bedienung, die den Durch-
Schnitt weit überragt, sowie last but not least Geschicklichkeit im Arran-
gieren und in der Durchführung von Festen und Veranstaltungen aller
Art. Wer in diesen Dingen Meister ist und über eine gründliche „eX-
Perlence‘“ verfügt, wie es in der Hotelfachsprache heißt, dem wird und
        <pb n="258" />
        Ya

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
muß es gelingen, die Welt, in der man sich nicht langweilt, oder noch
besser: in der man sich selbst nicht langweilen, aber noch weniger lang-
weilen lassen will, restlos für sich zu gewinnen.

Ruhig spreche ich es aus: in seinem Kursaal hat Zürich nicht nur eine
neue Gaststätte, sondern eine Sehenswürdigkeit zu den schon vorhandenen
hinzugewonnen, die in ihrer Art einzig ist. Denn der Entwicklungsgang
vom vornehmen Patrizierheim zum mondänen Kursaal ist gewiß unge-
wöhnlich. Er hat nicht viele Seitenstücke, Dazu kommt, daß bei der
notwendigen Umwandlung der ehemaligen Privaträume in Solche für
öffentliche Zwecke eine besonders geschickte, ja, geradezu künstlerische
und zugleich pietätvolle Hand gewaltet hat. Es wurde bei den not-
wendigen Neuerungen nicht gespart, vor allem nicht an der berühmten
falschen Stelle. Vorhandenes Schöne wurde erhalten und in helleres
Licht gerückt. Auf diese Weise ist der Stadt Zürich ein Konzentrations-
punkt für ihre Fremden geschenkt worden, der den Vergleich mit jedem
anderen Kursaal oder ähnlichen Etablissements aufnimmt; der vor vielen
aber das voraus hat, was eben nur durch die Umwandlung aus einem
vornehmen Patrizierhaus, aus dem Heim eines reichen, kunstverständigen
Mannes in ein öffentliches Gästeheim möglich war. Henneberg war wirk.
lich eine Künstlernatur, das beweist heute noch sein Haus, und das bewies
seine Gemäldesammlung, die früher im Erdgeschoß des Hauses unter-
gebracht und viele Jahre eine Sehenswürdigkeit Zürichs war.

Ich glaube, daß der neue Züricher Kursaal die an ihn geknüpften
Hoffnungen voll erfüllen und in jeder Beziehung zum vornehmen Sammel-
punkt der schönen Limmatstadt werden wird. Ich kann jeden nach
Zürich Kommenden nur dringend raten, sich den Kursaal und seine
schönen, stimmungsvoll ausgestatteten Räume anzusehen und dort öfter
zu weilen. Mir war die Wanderung durch das prachtvolle Haus, mit
seinen großzügigen Wirtschaftsräumen, ein auserlesener, ästhetischer
Genuß.
        <pb n="259" />
        GROTESKE WERBUNG FÜR EIN HYPERMODERNES HOTEL 239

32. GROTESKE WERBUNG FÜR EIN
HYPERMODERNES HOTEL

Es gibt eine besondere Art der Reklame, die aber nur für eine

besondere Art von Gaststättenbetrieben in Frage kommen kann.
Ich nenne sie die „groteske Reklame“. Sie ist feuilletonistisch
gehalten, wendet sich an ein bestimmtes Publikum und ist nur
in einem bestimmten Genre von Zeitschriften möglich. Der
Vollständigkeit halber muß auch sie gestreift werden.
_ Soll ich eine langatmige Beschreibung geben? Am anschau-
lichsten wirken wohl praktische Beispiele. Sie seien deshalb
hierhergestellt. Das erste ist für ein mondänes Haus mit
snobistischem Zuschnitt gedacht. Könnte in die Sommersaison
Passen:
DIE COCKTAILMISCHUNG,
„Seit acht Tagen beobachte ich ihn. Beobachten wir ihn. Wir? Das
sind die Gäste vom Sport-Hotel in Frohwinkel. Was, Sie kennen Froh-
winkel und sein Sport-Hotel noch nicht? Dann kennen Sie überhaupt
Nichts, Armer Mensch. Aus dem Paradiese verstoßen. Denn hier ist
das Paradies. Das echte, wirkliche. Mit richtigen Engeln. Sie können sie
Nachmittags beim Fünfuhrtee und abends beim Tanzen bewundern.
Neben den Engeln gibt es auch Dämonen, Wenigstens Wesen, die etwas
Dämonisches an sich haben. Einer davon ist der interessante junge
Mann mit dem abgrundtiefen Blick und der bleichen Hautfarbe. Den
Wir seit acht Tagen beim Fünfuhrtee beobachten. Wo es den wunder-
vollen Tee, die wundervolle Musik und die wundervollen Bäckereien gibt,
die schon mehr paradiesische Schleckereien sind. Er hat so etwas
Dämonisch-grüblerisches an sich. So etwas: ich weiß nicht was! Was
die jungen Mädchen reizt. Zur Liebe. Und was die jungen Männer reizt:
zu Ohrfeigen! Aus Wut. Weil sie nicht so dämonisch-grüblerisch sind,
Worauf alle Engel fliegen. Ja, es ist riesig interessant im Sport-Hotel
In Frohwinkel. Jeder Tag bringt etwas Neues.

‚ Gesprochen hat noch niemand mit dem Dämonisch-grüblerischen, Er
Ist unnahbar. Aber ich weiß jetzt, was ihn seelisch bedrückt und worüber
        <pb n="260" />
        360

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
er grübelt. In der Bar unseres Sport-Hotels gibt es eine Likörmischung,
eine Mischung, sage ich Ihnen! Sowas Gemischtes gibt es überhaupt
nicht ein zweites Mal. Übrigens diese Bar? Ein kleines Elysium! Im
vergangenen Sommer ist ein Fürst aus dem sagenhaften Indien viele
Tage und Nächte gereist, immer nur gereist, bloß um im Sport-Hotel
in Frohwinkel ein Dutzend seiner berühmten Likörmischungen zu ge-
nießen. Es können auch zwei Dutzend oder ein ganzes Gros gewesen
sein.

Der Dämonisch-grüblerische will die Mischung dieser Mischung
herausbekommen. Er ist eine Wette eingegangen. Ich weiß nicht, wie
hoch. Man sagte mir, daß er für den Preis der Wette das ganze Sport-
Hotel mit Einschluß des Likörmischungsrezeptes kaufen könne. Aber
das will der Dämonisch-grüblerische natürlich nicht. Man hat seinen
Ehrgeiz. Und seinen guten Ruf. Man hat nicht nur eine Wette, sondern
auch einen Namen zu verlieren. Deshalb will er die Mischung selbst
ergrübeln.

Seitdem der Dämonisch-grüblerische hier ist, ist das Sport-Hotel aus-
verkauft. Vom Keller bis zum Boden. Jeder will den grübelnden Dämo-
nischen sehen. Voll war es zwar auch vorher schon. Wie könnte es
auch anders sein? Bei diesem Komfort. Bei dieser Verpflegung. Bei
dieser Bedienung. Bei diesen bescheidenen Preisen, die in keinem Ver-
hältnis zum Gebotenen stehen. Aber jetzt? Jedes Badezimmer ist besetzt.
Und das Sport-Hotel hat viele Badezimmer, Wie jener König von Frank-
reich sagte, daß jeder seiner Untertanen am Sonntag sein Huhn im
Topfe haben sollte, so sagt die Leitung des Sport-Hotels in Frohwinkel:
Jedem Gast sein eigenes Badezimmer! Aber seitdem der Dämonisch-grüb-
lerische hier ist, ist die Geschichte gerade umgekehrt! Jetzt hat jedes
Badezimmer seinen Gast! Um das Billard im Spielzimmer — übrigens
ein Spielzimmer!! Herrschaften, so etwas gibt es überhaupt nicht wieder!
— streiten sich jeden Abend die armen Obdachlosen, Nein! Nicht um
die Möglichkeit, ihr Geld verspielen zu können, sondern um das Billard
als Schlafgelegenheit, Die Leitung des Sport-Hotels mußte schon einen
eigenen Friedensrichter anstellen.

Der Dämonisch-grüblerische aber grübelt. Grübelt unentwegt über der
Likörmischung. Er ist nur noch Mischung. Draußen aber ist lachender
Sonnenschein und der Himmel blaut so blau wie der blaue Montag eines
blau machenden Erdenpilgers. Es wird gewandert und geklettert und
promeniert und geritten und geradelt und getennist und gepulot und
krokettelt und kokettiert und was weiß ichl Aber vor allem wird ge-
flirtet. Dieses Liebesspiel am liebsten. Mit Liebe und ohne Liebe. Aber
immer mit jener abgründigen Gründlichkeit, die den Menschen beiderlei
Geschlechtes als denkende Menschen eigen ist.

Die Sonne bescheint Gute und Böse. So habe ich in der Schule gelernt.
Hier in Frohwinkel finde ich die Wahrheit dieser Wahrheit bestätigt.
Hier scheint nämlich immer die Sonne, Fast hätte ich geschrieben: Tag
und Nacht! Gern möchte ich wissen, wann hier eigentlich der Regen
fällt? Hier fällt überhaupt nichts und niemand. Nicht einmal das Baro-
meter. Wahrscheinlich regnet es hier nur in der Nacht, Wenn die Liebe
erwacht. Es ist eben gut geleitet, dieses Frohwinkel. Hier lacht alles. Die
        <pb n="261" />
        GROTESKE WERBUNG FÜR EIN HYPERMODERNES HOTEL 261

Gäste lachen, weil es ihnen ausnehmend gut gefällt. Die Wirte und Ge-
schäftsleute lachen, weil sie gute Einnahmen und ein einnehmendes
Wesen haben. Lachende Menschen, Ilachende Fluren und lachender
Sonnenschein sind die Spezialitäten dieses wundervollen Erdenfleckens.
Diese Mischung aus Großartigkeit, Lieblichkeit, Wucht und Anmut. Dazu
die Likörmischung des Sport-Hotels, Weil hier alles wundervolle Mischung
ist, Mischung von großartiger Natur mit wundervoller menschlicher
Kunst und Behaglichkeit, darum grübelt der Dämonisch-grüblerische
wahrscheinlich auch über die Mischung des Sport-Hotels nach,

Einen ganzen Abend und eine halbe Nacht habe ich in der Bar ge-
Sessen und ein Glas nach dem anderen von dieser wundervollen Mischung
geschlürft. Wieviel eine und wieviel andere es waren? Wer wird sich
Mit Zählen quälen, wenn er wunschlos glücklich ist. Dann habe ich diese
Zeilen geschrieben. Im wundervoll behaglichen Schreibzimmer des Sport-
Hotels in Frohwinkel. Mit den vielen Likörmischungen und dem Geist
M mir, Du wirst es wohl schon gemerkt haben, lieber Leser — — —1

Ein weiteres Beispiel. Es könnte einem hypermodernen
Sporthotel in einem von blasierten Großstadtpublikum be-
Süuchten Wintersportplatz als Muster dienen:
DER NEUE PARIS.
. Meilenweit hatten meine Schneeschuhe mich durch die verzauberte
Märchenlandschaft getragen. In ihr erkannte ich mein liebes, altes
Winkelhausen, das Ideal jedes zünftigen Wintersportlers, kaum wieder.
Was sage ich? Winkelhausen? Ein Paradies ist es. Voller Huris. Voll
Ungehobener Schätze, An jeder einzelnen der riesigen Tannen und Fichten
Slitzern Millionen Edelsteine. Wie die Diamanten am Halse einer wunder-
Schönen Frau, so schimmern die Eiskristalle und leuchten in der lachen-
den Sonne.

Staunend stand ich in dieser Wunderwelt. Die Zweige brachen fast
Unter der Last des schimmernden Schnees, Ich zitterte. Vor Wonne.
Und dachte inbrünstig: Wenn jetzt bloß kein Berliner Banause kommt
und sagt: „Jroßartig! Wie mit Zucker bestreut!“ Ich müßte ihn tot-
Schlagen. — — Großer Zeus, ich danke dir. Es kam keiner. Ich wurde
Nicht zum Mörder.

Nun dehnen sich die müden Glieder im behaglichen Klubsessel der
Halle des Golf-Hotels. Ach, dieses Golf-Hotel in Winkelhausen mit seiner
Halle. Es ist ein Gedicht. Ein ganzer Gedichtband. Man wird nicht
Müde, darin zu blättern. Schmelzend. und süß schmeicheln sich die Weisen
der kleinen Hauskapelle in mein Ohr. Parfümwolken fliegen. Drei Früh.
lingsvögel zwitschern leise. Sie hocken am Nachbartisch. Jung. Schick.
Reizend. Eine immer süßer und anbeißenswerter als die andere. Mein
Gott! Wenn ich bei diesen entzückenden drei Göttinnen den Paris mit
dem Apfel machen müßte?! Vor lauter Verlegenheit würde ich in den

4
        <pb n="262" />
        Ip 6

‘ DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Apfel beißen, weil ich nicht weiß, bei welcher der Göttinnen ich an-
beißen soll.

Bei der Schwarzen mit den glutvollen Augen? Horch! Sie spricht. Was
sagt sie?

„Ich heirate mal nur aus Liebe.“

Sehr brav. Aber ein wenig altmodisch. Um nicht zu sagen, altbacken.
Ich glaube, die kann man zu Hause beim Backen bewundern. Von einem
modernen jungen Mann wird sie den Apfel nicht bekommen, Übrigens
bekommt man im Golf-Hotel wundervolle Äpfel. Überhaupt die Ver-
pflegung!! Und die Weine!!! Ja, um auf den modernen jungen Mann
zurückzukommen: Was würden seine ebenso modernen Freunde sagen?
Also: Vorüber, ihr Schafe, vorüber.

Still. Die Zweite spricht. Sie ist brünett, hat Augen wie Van Dyk-
brauner Samt und die Haut von einem Pfirsich entliehen. Sie sagt
schmelzend:

„Ich heirate mal nur einen sehr reichen Mann!“

Dabei blickten ihre Augen rätselvoll und abgrundtief. Wie die sehn-
suchtsvollen Träumeraugen des „Märchens‘“ auf dem Bild eines Malers
einer vergangenen Epoche. Ich glaube, er hieß Graefe, Das Bild, unter
dem Namen „Märchen“ bekannt, hatte vor ungefähr vierzig Jahren großes
Aufsehen erregt. Hauptsächlich des Modells wegen. Es war nämlich auch
ein solches Luderchen wie dieses brünette Märchen des Golf-Hotels in
Winkelhausen. Warum denke ich an dieses vergessene Märchen? Das Bild
hängt in meinem Hotelzimmer. Übrigens — — — die Zimmer dieses
Hotels! Ich sage Ihnen: ein Märchentraum! Darum träumt man auch
so gut und von lauter entzückenden Märchen.

Nein! Dieses entzückende Kind ist kein Märchen. Es ist mir wieder
zu modern. Es bekommt den Apfel auch nicht.

Aber die Dritte! Himmel, ist die schön, Blond. Zart. Blauäugig. Ein
Engel in menschlicher Gestalt. Jetzt erwacht sie wie aus tiefem, süßem
Traum. Ich möchte ihr zu Füßen sinken und ihr den Apfel auf einer
goldenen Schüssel reichen. Wie Herodes der Salome das Haupt des
Jochanaan reichen ließ. Nun öffnet sie die purpurnen Lippen. Zwei Reihen
Elfenbein blitzen. Träumerisch, ganz versonnen flüstert sie:

„Ich heirate mal nur einen sehr reichen Mann aus Liebe!“

Da habe ich den Apfel doch selbst verspeist. Aber ich verschluckte
mich dabei und mußte furchtbar husten. Die Zweite und die Dritte
Jachten. Lustig. Übermütig. Lachten mich armen Paris einfach aus, Aber
die Erste? Die nur aus Liebe heiraten wollte? Sie sprang auf, eilte auf
mich zu und fragte mütterlich:

„Haben Sie sich sehr weh getan? Kann ich Ihnen helfen? Sagen Sie
es mir!“
Den. Apfel hat keine bekommen. Aber die Erste ist jetzt meine Frau.
Sie backt wundervollen Apfelstrudel. Und überhaupt und so! Sie hat mir
in jeder Beziehung geholfen. Ich habe auch keine Löcher mehr in den
Strümpfen und ich habe Knöpfe an meinen Hemden. Ich habe auch
„Knöpfe“ in der Tasche, denn meine Frau ist sehr sparsam, Aus Liebe!
Die Zweite und die Dritte aber sitzen noch immer, wo, das weiß ich nicht,
        <pb n="263" />
        GROTESKE WERBUNG FÜR EIN HYPERMODERNES HOTEL 263

und warten. Die Eine auf den reichen Mann und die Andere auf den sehr
reichen Mann aus Liebe. Ich schenke sie dir, lieber Leser.
Ich bin ein dankbarer Mensch. Die Hochzeit wurde deshalb im Golf-
Hotel in Winkelhausen abgehalten. Sie war in jeder Beziehung blendend.
Das Essen, die Weine — — ich sage dir! Mache dich schleunigst auf und
wandere zum Golf-Hotel. Vielleicht erlebst auch du dort ein Märchen.

Ob Aussicht besteht, heitere Grotesken dieser Art in Zeitungen
und Zeitschriften zu lancieren? Ich weiß es nicht. Eines aber
weiß ich: Diese beiden Grotesken sind durch zahlreiche
Blätter gewandelt. Warum sollten ähnliche Arbeiten nicht
ein ähnliches Schicksal erleben? Sie müssen nur das gewisse
Etwas haben, womit sie erst den Redakteur und dann die Leser
reizen: Zum Lachen nämlich.

Es sei bei dieser Gelegenheit der grotesken Reklame im all-
gemeinen gedacht. Sie ist augenblicklich häufiger anzutreffen.
Ich meine jene Art, der die Kukirolwerke in Groß-Salze (Dr.
Unblutig) ihre fast beispiellosen Erfolge verdankten. Ob diese
Form der Reklame sich auch für die Zwecke eignet, denen
mein Werk gewidmet ist, wage ich weder mit einem glatten
Nein noch Ja zu beantworten. Doch möchte ich sagen: Eines
Schickt sich nicht für alle! Für mondäne Hotels eignet sie
Sich ganz bestimmt nicht. Aber sie könnte für solche Gast-
Stätten vielleicht in Frage kommen, an die ich bei meinen
8Totesken und derben Vierzeilern in dem Kapitel „Der Reim in
der Reklame‘ gedacht habe. Nur müßte wirklich jenes „gewisse
Etwas“ in solcher grotesken Reklame liegen, sonst lasse man
die Finger davon.
        <pb n="264" />
        ‘34

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

33. DIE KOFFERETIKETTE ALS
REISENDER PROPAGANDIST

Es war einmal ein kleiner wißbegieriger Bub. Als er vier
Jahre alt war — lang, ach so lange ist es her — machte er
eine heimliche Entdeckungsreise in das reichausgestattete
Familienmuseum, Rumpelkammer genannt. Dort sah er sich
in ein Zauberreich von nie geahnter Pracht und Herrlichkeit
versetzt. Was gab es in dieser mit rührender Pietät erhaltenen
Rumpelkammer nicht! Sie waren alle da, die zerschundenen
Möbel, altertümlichen Bilder, zerbrochenen Figuren und Por-
zellane, längst vergessenen Spielsachen und nach Moder
duftenden Kleider aus der Großmutter Jugendtagen. Der kleine
Bub starrte mit großen Märchenaugen auf diese Schätze aus
Tausendundeiner Nacht. Am liebsten hätte er alles hinunter-
getragen in sein Stübchen und die Kostbarkeiten ein würdiges
Auferstehen feiern lassen. Doch er wagte nichts anzugreifen,
denn sein Vater war in solchen Dingen streng, und ihm blieb
auch keine Zeit dazu. Sein Blick war auf eine leuchtende
Farbensymphonie gefallen, die dem kleinen Jungen in all ihrer
Pracht und Herrlichkeit den Atem benahm.

„Das ist aber schön“, wagte er in scheuer Ehrfurcht nur zu
flüstern und seine Finger, mit dem Schmutze eines halben Tages
daran, strichen weich und liebevoll über seiner Großmutter
längst vergessene Reisetasche. Sie war von ihr selbst auf festen
Stramin gestickt worden und eine blühende Farbenphantasie
hatte sich bei der Arbeit ungezügelt ausgetobt. Alle nur denk-
baren Farben hatten sich in wunderlichen Arabesken und
Schnörkeln auf der ziemlich großen Reisetasche ein Stelldich-
ein gegeben. Der ehemals vergoldete, starke Bügel war in steter
Pflichterfüllung blind geworden. Dem kleinen Buben schien
er aber immer noch lauteres Gold zu sein. Quer über die ganze
        <pb n="265" />
        Zaubert uns die unvergeßliche Stadt am goldenen Horn vor Augen.

Die Etikette wirkt besonders durch die farbigen Kontraste. Auf dem
Original tritt der Name: Grand Hotel Quisisana, viel schärfer hervor.
        <pb n="266" />
        Die berühmte Stadtsilhouette: Münchens eigenartige Frauentürme,

Interessant durch Verwendung des Roland-Brunnens, sowie der vielbesprochenen
fürstlichen Marmorgruppen in der Siegesallee.
        <pb n="267" />
        DIE KOFFERETIKETTE ALS REISENDER PROPAGANDIST 267
Breite der vorderen Taschenwand liefen sonderbare Schnörkel,
aus ehemals leuchtenden, jetz mattgewordenen goldenen und
silbernen Perlen gearbeitet. Später erfuhr er, daß es ein ein-
gestickter frommer Wunsch war und „Glückliche Reise“ lautete.

An jenem Abend ging der kleine Kerl mit schwerem Herzen
und tränenüberströmt zu Bett. Sein Vater hatte die Bitte, die
Tasche mit in sein Zimmer nehmen zu dürfen, lächelnd aber
fest abgeschlagen.

„Was willst du mit dem alten Gerümpel?“‘ sagte er. „Morgen
ist es dir schon gleichgültig und dann liegt die Tasche allen
im Wege.“

Der Junge erwiderte nichts, weil er mit den Tränen kämpfte.
Doch im Innern grollte er dem Vater, der so wenig von der
Schönheit verstand und ein buntes Wunderwerk mit leuchten-
der Perlenpracht altes Gerümpel nannte.

Zehn Jahre später weinte der Junge trotz seiner beginnenden
Männlichkeit wieder dieser Tasche wegen. War doch der Mann
in ihm — er war schon fast vierzehn Jahre alt! — heftig gekränkt
worden. Er sollte seine erste große Reise antreten und es fand
sich keine passende Tasche zum Unterbringen der Habselig-
keiten. Vater beratschlagte mit den älteren Geschwistern, als
die Wirtschafterin triumphierend mit Großmutters vergesseher
Reisetasche ins Zimmer stürzte.

„Die kann er kriegen“, rief sie freudig bewegt und schüttelte
die Tasche wie eine Fahne.

„Mit der soll ich reisen?“ fragte der große Junge und das
Herz schlug ihm bis zur Kehle. „Dann bleibe ich lieber zu
Hause!“

Nun, diese äußerste Folgerung brauchte er nicht zu ziehen,
denn sein älterer Bruder wurde erst von einem Lachkrampf
und dann von Mitleid gepackt und lieh ihm seine eigene, schöne
Rindledertasche. Aber er hatte die Wandelbarkeit irdischer
Schönheit und die Wankelmütigkeit des Menschen zum ersten
Male in voller Deutlichkeit an sich selbst erlebt.

Von dieser Wandelbarkeit menschlicher Gunst wissen die
treuen Freunde mächtig ausgebildeter menschlicher Reiselust
gar manches Liedlein zu singen. Wo ist der „Reisesack“ ge-
blieben, wo die braune oder graue „Segeltuchtasche‘”” und wo
der buntgestreifte, mit starken Nägeln wie ein Bergschuh be-
Schlagene turmhohe Reisekoffer aus massivem Holz? Sie sind
im Orkus der Vergessenheit versunken, wie der Großmutter
        <pb n="268" />
        J6R

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

buntgestickte Reisetasche, und vornehme Rohrplattenkoffer,
ingeniös ausgeklügelte Schrankkoffer, elegante Rindleder-,
Kalb- oder gar Krokodilledertaschen mit den unglaublichsten
Schikanen von praktischen Einrichtungen haben ihre Stelle
eingenommen.

Nichts zeugt mehr von der verschwundenen Pracht — —
doch halt, nicht alles schwand, eines ist uns doch geblieben,
und zwar die Farbenfreude. Nur sind es nicht mehr weiße,
fleißige Finger, die die Farbenpracht auf festem Stramin
hervorrufen, sondern derbe Hoteldienerhände haben dieses
Amt übernommen. Sie verleihen unseren im bürgerlich schlich-
ten Farbengewande auftretenden Reisekoffern einen Hauch
von der Farbenpracht, die unsere Sinne in stillen Tälern der
Hochalpen, am brandenden Ufer des Meeres, im sonnenüber-
fluteten Paradies des Südens in sich aufnehmen und als
Erinnerung fürs Leben von der frohen Reise mit heimtragen
in den grauen und nüchternen Alltag.

Ein Aber ist allerdings dabei — —! Das Geschick muß es gut
mit unserem Beutel gemeint und ihn reich mit klingenden
Denaren gespeist haben. Dann können wir unser von der Reise
müdes Haupt sorglos und zufrieden im Schatten eines Palast-
Hotels, eines Fürstenhofes betten, in der angenehmen Gewiß-
heit, gut aufgehoben zu Sein, tadellose Bedienung zu finden und
bei der Abreise noch mit einem farbigen Bildchen belohnt zu
werden.

Nur die Palasts, Fürstenhofs und gleichrangigen Gasthöfe
leisten sich den Luxus, das Reisegepäck ihrer scheidenden
Gäste mit einem Paßvisum: Er ist dagewesen! zu versehen. Sie
tun gut daran, denn dieses Wohltun bringt ihnen reichliche
Zinsen.

Was für eigenartige Blüten treibt doch die Eitelkeit der
Menschen. Gerade diejenigen Gesellschaftskreise, die jeder
Reklame scheu aus dem Wege gehen, lassen sich willig herbei,
kostenlos für Hotels Reklame zu machen, die sie auf ihrer
Reise besuchten, und sie sind stolz darauf. Gewiß auch mit
Recht, denn eine Hand wäscht die andere. Die fremde Reklame
wird zu einer noch wirkungsvolleren für sie selbst. Seht her,
ruft die bunte Kofferetikette, mein Herr kann im Palast-
Hotel wohnen! Im Palast-Hotel ist’s nicht billig, das weiß jedes
Kind, und wer mit dessen Reklamezettel etikettiert wurde, ist
ein reicher Mann.
        <pb n="269" />
        Die im Entwurf und in der Tönung schönste Etikette meiner Sammlung.

a Hofe)
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IRHOF jr
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ii

Eine charakteristische Besonderheit des Kurortes wird als Wahrzeichen verwendet.
        <pb n="270" />
        Ein originelles Kennzeichen, dieser entzückende Barocklöwe

BU

Außerordentlich wirkungsvoll durch Verwendung der Silhouette der Alsterufer.
Bei diesem Motiv wurden die Anregungen des Verfassers befolgt.
        <pb n="271" />
        DIE KOFFERETIKETTE ALS REISENDER PROPAGANDIST 27.

Es soll Leute geben, die mit Kofferetiketten „falsche Tat-
sachen vorspiegeln‘“, wie es im Juristendeutsch heißt. Sie
suchen sich mit Arglist und allerhand Kniffen Etiketten
bekannt vornehmer, also teurer Hotels zu verschaffen, kleben
sie mit eigener Hand und Gummiarabicum auf ihren Koffer
und sind nun „auch dagewesen‘“. Auf Zimmer Numero 12,
gleich neben den Fürstenappartements und mit eigenem Bade-
zimmer und W. C. Vor dem Kriege pries ein Unternehmer ganz
RM
CONWA RZ x
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S5BADT

Da

Diese außerordentlich originelle Zeichnung muß
unbedingt den Blick auf sich ziehen.

Offenherzig durch Anzeigen in Tageszeitungen solche Koffer-
etiketten zur gefälligen Bedienung an. Gegen bar natürlich. Ob
er Geschäfte gemacht hat? Bitte, man lese im Konversations-
lexikon unter „Menschliche Eitelkeit“ die Antwort nach.

Es ist selbst für den vornehmen Krokodillederkoffer keine
Schande mehr, sich zum freiwilligen Verbreiter dieser Reklame-
zettel zu machen. Abe — —!1 Nun kommt das übel beleu-
Mundete „Aber“, däs Sogar in die schönste und heißeste Maien-
liebe einen Riß ‚zw!biingen vermag, wenn Onkels und Tanten
besorgt fragenf Hat sie was? Hier will das „Aber“ sagen:

Hat die Köfferetikett@xas, was sie haben soll? Nur die mit
künstlerischbm Feinenmpfinden, von Künstlerhand entworfene
und vonZ eim&amp;rnkünstverstähldigen graphischen Anstalt her-
        <pb n="272" />
        172?

; DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
gestellte Etikette wird ihren Zweck wirklich erfüllen. Dieser
Zweck ist schon im Namen angedeutet: Etikette! Das kleine,
farbige Bild, das auf den Koffern der Hausgäste weit in die
Welt herumreist, soll die Etikette, die Visitenkarte des Hotels
sein. Wie der wirklich vornehme Mann seine Visitenkarte nicht
in irgendeiner kleinen Druckerei herstellen läßt, sondern nach
sorgfältigster Prüfung die beste lithographische Kunstanstalt
mit dieser Aufgabe betraut, so soll auch das wirklich vornehme
Hotel, das durchaus nicht immer das „größte‘‘ am Platze ist
oder zu sein braucht, sich seine Visitenkarte, die Kofferetikette,
nur durch einen Künstler von feinstem Geschmack entwerfen
und durch eine künstlerisch geleitete graphische Kunstanstalt
herstellen lassen.

Wenn ich in irgendeinem großen Hotel in Berlin, Dresden,
München, Wien, Montreux, Zürich, London oder Paris Koffer
sah, die Etiketten aus allen Erdteilen trugen, aus Kairo, New
York, San Francisco, Sidney, Buenos Aires, Schanghai, Yoko-
hama, Kapstadt oder Kalkutta, dann habe ich immer ein
wenig Neid empfunden. Vor allem beneidete ich die Besitzer
dieser Koffer um die Stunden der Erinnerung, die leuchtend
auftauchen, wenn das Auge wieder einmal auf den kleinen,
bunten Kunstwerken ruht. Es sind kaleidoskopartige Bilder,
die uns, wie ein orientalischer Märchenerzähler, von ent-
schwundenen, glücklichen Tagen und von Zeiten des Welt-
durchstreifens vorplaudern,

Fällt zum Beispiel der Blick später einmal, träumerisch und
versonnen, auf die kleine, farbenprächtige Etikette des „Pera
Palace“ in Konstantinopel (die ich im Bild wiedergebe), so
taucht mit einem Schlage dieser Hotelpalast selbst, taucht die
Silhouette der alten Wunderstadt am Goldenen Horn auf. Die
Etikette des „Grand-Hotel Quisisana‘“ in Santa Cruz auf
Teneriffa (ebenfalls hier wiedergegeben) zaubert uns jenes
Paradies zurück, das mit vollem Recht den Namen der „Glück-
lichen Inseln“ trägt. Tief innen im Herzen wird der Wunsch
rege: Noch einmal möchtest du im Pera Palace, im Grand-
Hotel Quisisana sein! Der Zweck der Kofferetikette ist damit
erfüllt. Sie hat die Erinnerung an jenes Hotel wachgerufen, das
den kleinen Boten einst in die weite Welt hinaussandte.

Aber das ist nicht der einzige Zweck der Kofferetikette. Sie
soll bei denen, die im Hotel, auf der Bahn, auf dem Schiff
Gelegenheit haben, diese Etiketten auf fremden Koffern zu
        <pb n="273" />
        DIE KOFFERETIKETTE ALS REISENDER PROPAGANDIST 273

betrachten, die Sehnsucht und die Lust wecken, auch einmal
den Fuß in jenes Hotel zu setzen, dort zu wandeln, wo der
farbigen Etikette eigentliche Heimat ist. Erfüllt die kleine
Etikette diesen Zweck auch? Ich möchte die Frage unbedenk-
lich mit ja beantworten. Weil ich davon überzeugt bin, daß
die Kofferetikette trotz ihrer Kleinheit ein großer und geschick-
ter Propagandist ist, will ich die Besitzer und Leiter von Hotels
Mmahnen, die Kofferetikette nicht als Bagatelle zu behandeln,

(I UL}
(EURER,

Das Charakteristische dieser Kofferetikette erblicke ich darin,
daß die Hotelleitung sie gleichzeitig zum „Kennzeichen“
macht, indem das Bild auf Briefbogen, Umschlägen,
Empfehlunasschreiben. Taschenkalendern usw. wiederkehrt.
ist sie auch winzig im Vergleich zu dem großmächtigen Hotel-
Palast, dessen reisender Vertreter sie ist.

Um den Worten mehr Nachdruck zu verleihen, gebe ich aus
Meiner kleinen Sammlung von Kofferetiketten, die größtenteils
Noch aus der Vorkriegszeit stammen, eine Anzahl im Bild
wieder, Und zwar wählte ich solche aus, die dem, was ich mir
ünter einer „richtigen“ Kofferetikette vorstelle, am nächsten
zu kommen scheinen. Irgendwelche Rücksichten auf bestimmte
Länder oder Hotels schieden bei der Wahl von vornherein aus,
nur der gute Geschmack und das künstlerische Empfinden
waren Richter.

‚Da die farbige Wiedergabe aus technischen Gründen leider
Nicht möglich ist, geht der größte Reiz dieser kleinen, künst-
        <pb n="274" />
        7%

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

lerischen Meisterwerke: die Farbenfreudigkeit, leider verloren.
Man wolle ferner beachten, daß der Schwarzdruck, als echter
„Schwarzkünstler‘, auch kleine Fälschungen liebt. So erscheint
zum Beispiel bei der Reproduktion dasjenige in tiefem Schwarz,
was im Original leuchtendes Blau oder tiefsattes Rot ist. Aber
der Charakter der kleinen Etikette läßt sich auch aus der
einfarbigen Wiedergabe erkennen und, wer es nur will, kann
doch aus ihr lernen.

Es ist nicht meine Absicht, zu jedem der wiedergegebenen
Bildchen eine Erklärung zu schreiben. Die meisten reden schon
selbst eine deutliche Sprache. Nur zu den bemerkenswertesten
gebe ich eine kurze Erläuterung. Vorher sei mir aber noch ein
anderer wichtiger Hinweis gestattet.

Im Abschnitt über die Dauerwerbung durch das Kennzeichen
schreibe ich: Will der Hotelier wirkungsvolle, den Erfolg ver-
bürgende Reklame machen — ich rate ihm dringend dazu —
dann bemühe er sich um irgendein Kennzeichen von suggestiver
Wirkung, das bei allen seinen Anzeigen, in verschiedenen
Größen, aber auch auf seinen Prospekten, Briefbogen, Rech-
nungen usw. zu finden sein muß.

Diese Anregung: Schaffung eines bedeutsamen und sich dem
Gedächtnis einprägenden Kennzeichens, ist in mehreren meiner
Etikettenmuster bereits verwirklicht oder wenigstens ange-
deutet worden. So zum Beispiel bei der Etikette des Hotels
Esplanade in Berlin, die den charakteristischen Rolandbrunnen
mit der Siegesallee und ihren vielbesprochenen fürstlichen
Marmorgruppen dem Beschauer vorführt. Im Hintergrunde
schwankt die Siegesgöttin auf hohem Stengel. Also ein ein-
prägsames Bild.

Das Münchner Regina-Palast-Hotel hat die beiden Frauen-
türme gewählt, die von der Silhouette dieser deutschen Lieb-
lingsstadt untrennbar sind. Ich entsinne mich noch des eigen-
artigen Zaubers, als ich einst, nach einer langen, ermüdenden
Fußwanderung, hinter Sendling endlich die beiden Maßkrug-
deckel, alias Frauentürme, am dämmernden Horizont auf-
tauchen und allmählich immer wuchtiger in den Himmel
hineinwachsen sah. Lokalzauber. Ihn sich auf der Koffer-
etikette dienstbar zu machen, ist kein schlechter Gedanke.

Originell ist die Etikette des Hotels Bellevue (jetzt Park-
Hotel) in Bad Wörishofen. Dieser erst seit ungefähr 50 Jahren
bestehende bayerische Kurort verdankt sein Entstehen einem
        <pb n="275" />
        f
U/KIVA

F

Eine Besonderheit des „Lac Leman‘“: die griechischen Segel,

HAUSER DOEPFNE
DRODRIETAIRF

Erzielt. ihre Wirkung durch schroffe, aber schöne Farbenkontraste.
        <pb n="276" />
        Mondänes Badeleben, Ostendes Hauptanziehungspunkt, als Werber
auf der Kofferetikette

Der alte Turm und der Pilatus, die bekanntesten Wahrzeichen Luzerns.
        <pb n="277" />
        DIE KOFFERETIKETTE ALS REISENDER PROPAGANDIST 277

Pfarrer, Sebastian Kneipp, dem Vater der bekannten Kneipp-
schen Wasserkur. Ein wichtiger Teil dieser Kur ist das Barfuß-
gehen im vom Morgentau getränkten Gras, ferner das soge-
nannte Wassertreten und das Barfußgehen (in Sandalen)
überhaupt. Auf der Hoteletikette wird dieses versinnbildlicht.
Also ein charakteristisches Kennzeichen.

Noch origineller erscheint mir die Kofferetikette des Hotels
Schwarzer Bock in Wiesbaden. Der Name des Hauses ist an
sich schon charakteristisch, was wir übrigens bei deutschen,
österreichischen und schweizerischen Hotels häufiger finden,
er ist aber auch auf der Kofferetikette in einer Weise versinn-
bildlicht worden, die unbedingt die Aufmerksamkeit des Be-
Sschauers zunächst wecken, dann auch fesseln muß. Der
Zeichner des kleinen Bildes hat es verstanden, eine der ersten
Forderungen moderner Reklamekunst, den sogenannten
„Blickfang“, zu erfüllen, also den Blickfang in den Dienst der
Werbung zu stellen. Bei der Wiedergabe in Schwarzdruck
wird allerdings die durch starke Farbenkontraste hervor-
gerufene Wirkung leider abgeschwächt. Aber auch der
Schwarzdruck veranschaulicht noch mit wünschenswerter
Deutlichkeit die charakteristische Blickfangwirkung der kleinen
Zeichnung.

Die Umrandung des vignettenartig gehaltenen Bildchens ist
ziegelrot, das den Namen des Hauses: Hotel Schwarzer Bock,
Sowie der Stadt: Wiesbaden, in Schwarzdruck kräftig und
deutlich hervortreten läßt. Die skizzenhaft behandelte Front-
ansicht des Hauses ist in Husarenblau gehalten, ‚ebenso die
Sich links und rechts darum ballenden Wolken, während die
Wolken darüber ganz weiß sind. Daraus ragt in fast kubisti-
Scher Manier der schwarze Bock in den hellblauen Himmel
hinein. Der Künstler hat gut symbolisiert; sowohl die Silhouette
des Bockskopfes als auch der Name des Hauses „Schwarzer
Bock“ sind wirklich ganz schwarz, Der Zeichner der Etikette
hat also den Sinn dieses kleinen Werbers richtig erfaßt. Er
will den Blick fangen! Das tut das Bildchen wirklich. Wenn
Man den schwarzen Bockskopf aus den auffallenden Farben-
tönungen heraustreten sieht, so wird man neugierig: Was ist
das für ein originelles Bild? Man betrachtet es näher und liest
die Schrift in der Umrandung. Der kleine Werber, Koffer-
etikette genannt, hat seinen Daseinszweck erfüllt. Er hat dem
Beschauer von dem Hotel Kunde gegeben, und sein Name wird
        <pb n="278" />
        278

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

sich dem Gedächtnis einprägen, weil wir Menschen es vorerst
noch gewohnt sind, mehr dem Auge als dem Ohr zu folgen.
Das Auge reagiert aber, namentlich bei der Reklame, auf
Groteskwirkungen, auf Originelles, auf von der gewohnten
Schablone Abweichendes intensiver und nachhaltiger als auf,
sagen wir, zahme und sanfte Linienführung.

Einen interessanten, von der bisher üblichen Schablone
abweichenden Weg ist das Eden-Hotel in München bei Ver-
wendung seiner Kofferetikette gegangen. In der Zeichnung der
Etikette, die seit 1922 in Verwendung ist, hat man ebenfalls
die bekannte Silhouette Münchens mit den beiden Frauen-
türmen verwendet, die ich schon einmal im Bild vorführe,
und zwar bei der Kofferetikette des Regina Palast-Hotels. Die
des Regina-Palasts ist die ältere, stammt aus der Vorkriegszeit
und die Etikette ist auch heute noch in ganz ähnlicher Aus-
führung im Gebrauch. Bei Wiedergabe der Etikette des Eden-
Hotels leitete mich ein anderer Gesichtspunkt. In ihr ist nicht
nur ein Münchner „Kennzeichen‘“ verwendet, sie wurde auch
zum Kennzeichen für das Haus gemacht. Wie das geschah,
werde ich näher erläutern. Im Original ist die Etikette im
Dreifarbendruck hergestellt: Terrakotta, dunkelblau und
schwarz. Der lichte Raum oben und unten ist terrakottafarbig,
die Stadtsilhouette dunkelblau mit Schwarz umrandet, woraus
der Hotelname in Weiß hervorleuchtet. „München“ und „Am
Hauptbahnhof“ wieder dunkelblau.

In der gleichen farbigen Ausführung ist die Kofferetikette
auch auf folgenden, neu hergestellten Drucksachen angebracht
worden: Einem Briefbogen, der nur für‘ den eigenen Bedarf
des Betriebes verwendet wird (für den Gebrauch der Gäste ist
ein, diesem Zweck mehr entsprechender schlichter Briefbogen
in handlichem Format bestimmt). Ich gebe beide geschmack-
vollen Briefköpfe in den betreffenden Kapiteln in Verkleinerung
wieder. Ferner finden wir die Vignette der Kofferetikette auf
einer sehr gut und vornehm wirkenden Empfehlungskarte,
deren Text ich ebenfalls, etwas verkleinert, in dem die
Empfehlungskarte behandelnden Abschnitt, wiedergebe. Auf
einem Taschenkalender, und zwar auf der äußeren Umschlag-
seite, hat diese Kofferetikette auch Platz genommen. Der
Kalender trägt die Widmung: „1926. Unseren werten Gästen
zum Neuen Jahre.“ In einfarbiger, also nicht bunter Aus-
führung finden wir die Zeichnung der Kofferetikette dann noch
        <pb n="279" />
        DIE KOFFERETIKETTE ALS REISENDER PROPAGANDIST 279
auf zwei verschiedenen Briefumschlägen, von denen der eine
für den Eigenbedarf im Betriebe, der andere für den Gebrauch
der Gäste bestimmt ist. Und schließlich wurde die Kofferetikette
noch auf der Zimmerausweiskarte (Schlüsselkarte) verwendet,
die ebenfalls in dem einschlägigen Kapitel wiedergegeben ist,
weil manche praktische Anregung daraus entnommen werden
kann. Das Eden-Hotel hat damit seine Kofferetikette gewisser-
maßen zum Kennzeichen des Hauses gemacht. Kein schlechter

nn.

Bei dieser, in blau-rot-gelb-schwarz gehaltenen Kofferetikette ist das „Kennzeichen“
des Hotels geschickt und auffallend verwendet.
Gedanke dann, wenn die Etikette wirklich so apart und
Wirkungsvoll wie in diesem Falle ist. Auf jeden Fall ist der
Gedanke gut, eine gewisse Einheitlichkeit im Stil der verschie-
denen Werbemittel zu schaffen. Die Reklame bekommt dadurch
“nen künstlerischen Charakter.

Eine der schönsten Etiketten meiner Sammlung ist die vom
ürand-Hotel in Interlaken. Besonders glücklich und wirkungs-
voll ist ihre Tönung. Etwas, was schwer zu treffen ist und
Was ich restlos vollkommen nur auf ganz wenigen Etiketten
Meiner Sammlung erreicht sah. Aus einem leuchtenden, chrom-
        <pb n="280" />
        “20

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
gelben Himmel steigen im hellen bleu ciel, die Schneefelder
weiß und leicht mit rötlichem Neapelgelb abgetönt, die wuch-
tigen Massive der Jungfrau, des Mönchs und Eigers auf. Wer
Interlaken kennt, weiß, daß diese drei Bergriesen die „Stadt
zwischen den Seen‘ beherrschen und.daß sie deren Wahr-
zeichen sind. Das untere Landschaftsbild ist in tiefem Schwarz-
blau gehalten, aus dem die Schrift (Hotel und Ortsname) in
Smaragdgrün leuchtet. Die wichtige Farbenfrage hat auch das
Grand-Hotel in Neapel (Naples) glücklich gelöst. Beim Napo-
litaner Bild ist die machtvolle Silhouette des Hauses in dunklem
Violett gehalten, die im Schatten liegenden Teile tiefschwarz.
Die Silhouette wuchtet aus leuchtendem Indischgelb, schwach
mit rot abgetönt, heraus. Links sehen wir ein Stück des
berühmten Golfs von Neapel.

Zwei bekannte städtische Wahrzeichen hat auch das Hotel
Europe in Luzern (Lucerne) verwendet, Den charakteristischen
Turm kennt jeder, den sein Weg einmal nach der schönen
Hauptstadt des Vierwaldstättersees führte. Den Turm überragt
der felsige und pittoreske Pilatus. Das Beau Rivage in Genf
(Geneve) wählte ein Boot mit den gekreuzten (griechischen)
Segeln, die man außer in Griechenland nur auf dem „Lac
Leman“ findet und die für ihn charakteristisch sind. Im
Hintergrund ragt das Montblanc-Massiv in den Himmel. Diese
Hotels haben es also verstanden, sich ein Wahrzeichen dienst-
bar zu machen, dessen Anblick die Erinnerung an jene reiz-
vollen Landschaften weckt. Daß auch für ein mondänes See-
badhotel reizvolle und charakteristische Kofferetiketten ge-
schaffen werden können, zeigt das kleine Bild des Splendid
Hotels in Ostende.

Das Hotel Astoria in Leipzig hat sich als Kennzeichen einen
entzückenden Barocklöwen geschaffen. Er grüßt uns auf der
Kofferetikette und kehrt auch auf anderen Drucksachen des
Hauses wieder. Auf der Etikette des Hotels zum Kronprinzen
in Hamburg hat man die interessante Silhouette dieser alten
Hansastadt verwendet. Bei Schöpfung der ausdrucksvollen und
schönen Etikette wurden die von mir gegebenen Anregungen
befolgt.

In meiner Sammlung habe ich, des Kuriosums halber, auch
zahlreiche Kofferetiketten aufbewahrt, die mir wie Mißgeburten
vorkommen. Es sind reizlose und gedankenarme Zettel (nicht
Bilder), auf denen in Plakatschrift der gleichgültige und sich
        <pb n="281" />
        Zeigt eine interessante antike Ruine Palermos.

In der farbigen Ausführung außer-
ordentlich packend.

Mehr Siegel oder Stempel als Kofferetikelte.
        <pb n="282" />
        ET an

_

A

Wirkungsvoll für ein Sport-Hotel, nur lassen die Figuren in der
Zeichnung zu wünschen übrig.

Ein markanter und bekannter Blick auf die „ewige Stadt‘
        <pb n="283" />
        DIE KOFFERETIKETTE ALS REISENDER PROPAGANDIST 283

in jeder Stadt wiederholende Name eines Hotels und der Orts-
name steht. Sonst nichts! Also eine Kofferetikette, die ihren
Zweck von vornherein verfehlt hat. Sie sagt dem Beschauer
nichts, weckt keine Erinnerung und regt nicht zum Träumen an.

Nüchterne und nichtssagende Zettel habe ich immer schleu-
nigst von meinem Koffer entfernt. Warum soll man sich
ärgern lassen? Das ist doch schließlich nicht der Zweck und
die Absicht der kleinen Etikette, die in Wirklichkeit einer
a Kokette gleichen soll, die immer und überall gefallen
will.

Darum rate ich: Vertraut die Schöpfung der Hoteletikette
nur der Hand eines Künstlers von Geschmack und Verständnis
an, Die Mehrausgabe macht sich bezahlt. Sendet nur künst-
lerisch vollendete und farbenfrohe „Bilder‘“, die wirkliche
Werbekraft in sich tragen, hinaus in die weite Welt. Lieber gar
keine Kofferetikette, als eine nüchterne und reizlose, die wohl
zum Ärger reizt, aber nicht zum Besuch und zum Wieder-
kommen anreizt.
        <pb n="284" />
        AN}

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

34. DIE KOFFERETIKETTE UND DAS
ABZIEHPLAKAT

Aus goldenen Tagen der Kindheit erinnern wir uns wohl
noch der bunten Abziehbildchen, mit denen sowohl Mädchen
als Jungen gewissen Alters gern gespielt haben. Wir trieben
damit eine Zeitlang sogar einen schwungvollen Tauschhandel:
Ein Abziehbild gegen zwei gebrauchte Stahlfedern oder einen
„goldenen Uniformknopf“. Das heißt, gegen einen Uniform-
knopf mußten schon mindestens zwei Abziehbildchen ein-
getauscht werden, so hoch im Preise standen bei uns begei-
sterten Soldatenfreunden die alten Uniformknöpfe. An diese
damals noch recht primitiven Abziehbildchen, von denen die
Mehrzahl beim Abziehen zu verunglücken pflegte, erinnern die
Abziehplakate, die seit einigen Jahren von Spezialfirmen auf
den Markt gebracht werden. Nur mit dem Unterschied, daß
wir es jetzt mit etwas technisch Vollkommenem zu tun haben.

Diese Abziehplakate können nach jedem Entwurf, unter
Wahrung aller künstlerischen Einzelheiten, in jeder Farbe,
jeder Größe und jeder Form angefertigt werden. Der Hotel-
besitzer hätte also zum Beispiel die Möglichkeit, den künst-
lerisch ausgeführten Entwurf seiner Kofferetikette auch noch
anderweitig, als nur auf dem Gepäck seiner Gäste, zu verwerten.
Man müßte sie dann vielleicht in etwas größerem Format
ausführen lassen, doch ohne die übliche Plakatgröße zu
erreichen.

Da diese Abziehplakate sowohl ein- als auch zweiseitig lesbar
geliefert werden können, sind die Grenzen ihrer Verwendungs-
möglichkeit ziemlich weit gezogen. Zumal ihre leuchtenden,
transparenten Farben nicht nur bei Tage, sondern auch bei
künstlicher Beleuchtung sehr reizvoll wirken können,

Aus dem Gesagten ergibt sich bereits die Verwendungs-
        <pb n="285" />
        DIE KOFFERETIKETTE UND DAS ABZIEHPLAKAT 285

möglichkeit der Abziehplakate: sie sind Ersatz für Glasmalerei,
Sie können auf jeder Glasscheibe angebracht werden. Sie sind
wetter- und wasserfest, weil sie aus einer besonders präpa-
"erten Farbschicht bestehen, die sich mit der Glasscheibe fest
verbindet. Man kann also den Entwurf seiner Kofferetikette,
als Abziehplakat hergerichtet, auf dazu geeigneten Glasscheiben
im eigenen Betriebe anbringen. Man kann befreundete Hotels
und Gaststätten, mit denen man im Gästeaustausch steht,
darum bitten, das Abziehplakat recht wirkungsvoll auf recht
vielen geeigneten Glasscheiben anzubringen. Die ständigen
Lieferanten können mit der gleichen Bitte begrüßt werden. Es
8ibt manchen darunter, der über entsprechende Schaufenster
Oder sonstige geeignete Glasscheiben verfügt. Die Abziehplakate
können an den Fensterscheiben von Automobilen und anderen
Fuhrwerken angebracht werden. Die Reklame kann auf diese
Yginelle Weise auf die elektrischen Bahnwagen ausgedehnt
werden. Warum nicht auf die Fenster der Eisenbahnen und
der Speisewagen?

Aber auch Kur- und Badeorte, Fremdenverkehrsstädte,
8aNnze Fremdenverkehrsgebiete: zum Beispiel Harz, Ober-
Bayern, Thüringen, Ostsee, Nordsee, Riesengebirge, Engadin,
Wallis, Genfer See, Tirol, Salzkammergut, Semmering, Platten-
Ste usw. usw., können sich der Abziehplakate bedienen. Von
Bad Homburg sowie von einer Vergnügungsstätte in München
haben mir praktisch zur Verwendung gekommene Abzieh-
Plakate bereits im Original vorgelegen. Das Homburger Plakat
Ist 370 mm hoch und 315 mm breit. Auf der Rückseite ist die
Gebrauchsanweisung angegeben.

Wir wissen, daß die Fremdenverkehrsbureaus und die
Reisebureaus darüber klagen, daß ihnen die Unterbringung der
Werbeplakate von Kurorten, Hotels usw. ihrer Fülle und
Größe wegen immer schwerer werde, zuweilen überhaupt nicht
Mehr möglich sei. Vielleicht ließe sich ein. Weg finden, die
Kofferetiketten in etwas vergrößerter Ausführung an die Stelle
allzu unhandlicher Plakate treten zu lassen! Als Abziehplakat
Umgestaltet, finden die Reisebureaus usw. auf ihren Fenster-
Scheiben, auf den Glasscheiben ihrer Trennungswände, auf
Scheiben ihrer Schränke für sie wohl leicht einen guten
Parkettplatz.
        <pb n="286" />
        'nfß

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

35. DIE HEITERE ODER SATIRISCHE
EPISODE IN DER KURORTWERBUNG

Jeder Kurdirektor oder Verkehrsdirektor kann für seinen
Ort aparte und wirkungsvolle Reklame machen, wenn er das
täglich bei ihm einlaufende Material von Beschwerden,
Anregungen, Wünschen und dergleichen zu amüsanten kleinen
Plaudereien verwertet. Sie können ruhig einen grotesken
Zuschnitt haben, denn da die Beschwerden fast immer ein
wenig übertrieben werden, so darf man auch in der satirischen
Plauderei darüber etwas dicker auftragen.

Wenn der Kur- oder Verkehrsdirektor die literarische
Befähigung hat, die ein Mann auf solchem Posten unbedingt
haben muß, so wird es ihm ein leichtes sein, kleine Skizzen,
Satiren und Grotesken aus seinem Tätigkeitsgebiete zu
schreiben, die für einen großen Leserkreis amüsant, fesselnd
und unterhaltend sind. Ich erinnere mich solcher humorvoller
Skizzen des Bürgermeisters von Meersburg am Bodensee, die
er über seine im Bureau gesammelten Erfahrungen schrieb,
zu einer Zeit, da die scharfe Grenzsperre und dann die
Inflation die köstlichsten Zwischenfälle schuf. Einige dieser
Skizzen haben die Runde durch einen großen Teil des deutschen
Blätterwaldes gemacht und den von jenem federgewandten
Bürgermeister betreuten Ort „in der Leute Mund“ gebracht.
Ein Ziel, dessen Erreichung jeder Kurort und jeder Fremden-
verkehrsplatz sich doch aufs innigste wünscht.

Doch ich will keine weiteren Worte verlieren und auch in
diesem Falle an Hand zweier praktischer Beispiele zeigen, daß
es sehr wohl möglich ist, sogar beim Kurdirektor einlaufende
Beschwerden im Interesse des Ortes zu verwerten und sie dazu
zu benützen, in unauffälliger und doch wirkungsvoller Weise
an das Vorhandensein des Kur- oder Badeortes zu erinnern.
        <pb n="287" />
        DIE HEITERE ODER SATIRISCHE EPISODE IN DER KURORTWERBUNG 2687

Fest überzeugt bin ich, daß kleine Grotesken, Skizzen und
Plaudereien in der Art der nachfolgenden — die natürlich kein
unfehlbares „Muster“, sondern nur eine Anregung, ein unmaß-
Sebliches Beispiel sein sollen — von Hunderten von Zeitungen
an kleinen und mittleren Städten mit Vergnügen nachgedruckt
werden würden, wenn sie ihnen unentgeltlich angeboten und
überlassen werden. Natürlich darf man sich damit nicht an die
großen Herren unter den Zeitungen wenden, die nur Original-
arbeiten drucken. Die beiden Muster sind von zahlreichen
Blättern mit Behagen abgedruckt worden. Also ein Beweis für
die Richtigkeit meiner Ansicht. Aufklärend sei noch bemerkt,
daß die in grotesker Form behandelten Beschwerden auf Tat-
Sachen beruhen, also keine poetische Erfindung sind. Ruhig
kann ich verraten, daß ich beide drastischen Episoden während
Meiner Kurdirektortätigkeit selbst erlebt habe. Ich habe sie nur
in ein wirkungsvolleres Gewand gehüllt, damit sie die
gewünschte Wirkung auch wirklich ausüben können.

BESCHWERDE Nr. 2
Sinnend ruhten die sanften, braunen Mandelaugen des Kurdirektors,
Jenen seine schön geschwungenen Lippen so manchen süßen Kuß ver-
Jankten, als er noch nicht Kurdirektor und also noch jung und. schön
War, auf dem Beschwerdebrief des Herrn Schulze. Es war der siebente
heute, Eine böse Zahl, die sieben, In unserer Zeit des Mi£vergnügens gibt
°S so viele Langfinger. Warum eskamotiert einer nicht mal diese böse
Sieben aus unserer Zahlenreihe? U. A. w. g., meine verehrten Herren
Langfinger.

Frohwinkel, dieses schönste Winkel in einem der landschaftlich schön-
sten Teile Deutschlands, ist ein Dorado für jeden Besucher. Auch der
Kurdirektor könnte dort ein paradiesisches Dasein führen, wenn...!
Dieses „wenn“ — wie heißt doch das alte Sprichwort? Wenn das Wört-
Chen wenn nicht wär’, hätt’ ich tausend Taler mehr! — will ich mir heute
VON der schwerbeladenen Seele plaudern,

Herr Schulze ist glücklicher Besitzer eines Automobils, Das erfährt der
Kurdirektor aus Schulzens Brief, Er verrät ihm ferner, daß ein dienst-
eifriger Polizist — Herr Schulze, der mal was vom Übermenschen Nietz-
Sches gehört zu haben scheint, nennt ihn allerdings übereifrig — die
yisache war, daß Herrn Schulze ein polizeiliches Strafmandat zugestellt

urde, -

„Tatsächlich soll aber gar nicht Herr Schulze, sondern sein Kraftwagen-
führer besiraft werden. Und zwar deshalb, weil Herr Schulze an einem
Platze des Ortes, wo das Stänkern verboten ist, gestänkert hat. Das heißt,
dicht Herr Schulze selbst, wie zu seiner Ehrenrettung richtiggestellt
werden muß, sondern sein Automobil. Nun ist Herr Schulze auf der einen
Seite seiner gefühlvollen Brust gereizt und wütend, auf der anderen Seite
        <pb n="288" />
        228

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

voll heller Schadenfreude. Warum gereizt und wütend, kann jeder sich
selbst ausmalen, auch wenn er kein Maler ist, dem schon mal ein polizei-
liches Strafmandat ins Haus flatterte. Die Schadenfreude muß ich näher
erklären.

Der pflichteifrige Mann soll in seiner Anzeige behauptet haben, daß
Herr Schulze den Auspuff seines Autos widerrechtlich an jenem vor-
erwähnten Platz geöffnet habe. Dieses Unrecht habe buchstäblich zum
Himmel gestunken. Nun behauptet Herr Schulze aber in seiner ‚hellen
Schadenfreude, daß sein Auto gar keinen Auspuff habe, Es habe nur So
ganz allgemein gestunken, wie es die Pflicht jedes, Benzin oder Benzol
verzehrenden Autos sei, das etwas auf sich hält. Die überempfindliche
Nase des Polizisten sei also ganz gründlich hereingefallen,

Nun stellte Herr Schulze ein Ultimatum, Entweder sorge der Kur-
direktor dafür, daß das Strafprotokoll von der Polizei fallen gelassen
werde, oder Herr Schulze werde zu Reparationen greifen und seine
Stimme so laut und vernehmlich erschallen lassen, wie einst der Trom-
peter von Jericho seine Posaune. Auf daß alle Automobil-Klubs, die Auto-
mobil-Presse und alle Herrn Schulze nahestehenden Kreise es hören
können, wie sträflichmandatlich in. Frohwinkel die ahnungslosen und
unschuldigen Automobilisten behandelt werden. Der Ort werde dann
schon sehen! Was? Wahrscheinlich wie seine Mauern von Herrn Schulzes
Posaune einstürzen.

Herr Schulze, Herr Schulze! Sie sind einem naiven Kurdirektorgemüt
ein psychologisches Rätsel. Wäre ich glücklicher Besitzer eines Auto-
mobils, das die löbliche Kunst versteht, auch ohne Auspuff zu stinken,
ich würde mit Freuden in meinen dann sicher reichgefüllten Beutel
greifen und die paar Mark Strafe bezahlen. Die wäre mir das Vergnügen,
die Nasen meiner Mitmenschen mit Wohlgerüchen zu erfreuen und ihre
guten Sonntagskleider in Staub und Schmutz zu hüllen, unter allen Um-
ständen wert.

Nun ist Ihnen der Kurdirektor ernstlich böse, Herr Schulze, obwohl
er Sie gar nicht kennt, denn Sie haben ihm Ihre Beschwerde todesmutig,
wie so viele Ihrer Gesinnungsgenossen, erst nach Ihrer Abreise in seine
friedliche Klause geschleudert. Ihn haben Sie damit in einen Zwiespalt
der Seele geschleudert und seinen einfachschlichten Menschenverstand
vor ein grausiges Dilemma gestellt. Es kommen nämlich tagtäglich zahl-
reiche Beschwerden zu ihm. die das genaue Gegenteil Ihrer Beschwerde
sind.

Viele Tausende von Fußgängern, die sich an den Schönheiten unseres
Kurortes erfreuen möchten, würden in ihrer Freude empfindlich gestört,
so sagen diese Beschwerdeführer, weil die verhältnismäßig — im Ver-
hältnis zu den Fußgängern — kleine Anzahl der Auto- und Motorrad-
besitzer liebliche Düfte und angenehme Staubwolken und herzerfreuende
Dreckspritzer gleichmäßig und freigebig über alles ausstreuen. was da
kreucht.

Herr Schulze. Es ist nicht bekannt, ob Sie ein weiser Salomo sind.
Nach Ihrem Brief, heutige Beschwerde Nr. 7, scheint es nicht der Fall zu
sein. Aber trotzdem werden Sie eingeladen, den Kurdirektorsessel einzu-
nehmen und das Dilemma zu lösen, in das Sie den Kurdirektor gestürzt
        <pb n="289" />
        DIE HEITERE ODER SATIRISCHE EPISODE IN DER KURORTWERBUNG 289
haben, Wer ist im Recht: Sie und Ihr Automobil, die ultimativ freies
Stinkrecht für sich beanspruchen, oder unsere vielen Tausende zu Fuß
wandernden Schönheits- und Erholungssucher? Was diese verlangen, er-
scheint nämlich nicht unbescheiden. Sie wollen reine und gesunde Höhen-
luft. Entscheiden Sie, weiser Salomo.

Mit dieser satirischen Behandlung einer grotesken Be-
schwerde — ich wiederhole, daß die Pointe der Skizze auf
Tatsachen beruht — wird der Kurort Frohwinkel nicht nur die
Sympathien aller Nichtautomobilisten, sondern auch aller
vernünftigen und anständigen Autobesitzer auf seiner Seite
haben. Die Zahl der vernünftigen und anständigen ist viel
größer, als der Nichtautomobilist gemeinhin denkt. Also würde
dem Kurort mit einer solchen Plauderei ein doppelter Dienst
erwiesen werden.

Nun zum zweiten Beispiel. Es ist eine wirkliche Groteske,
und auch sie beruht in ihrem Kern auf Tatsachen. Woraus
man erkennen kann, daß das Leben selbst oft viel groteskere
Grotesken schreibt. als der phantasievollste Schriftsteller.

WIR BITTEN SIE DRINGEND, HERR KUR-
DIREKTOR...

„Der Kurdirektor von Winkelhausen, diesem beliebten Reiseziel unge-
zählter Tausender, weil seine wundervolle Lage, seine balsamische Luft
und seine ausgezeichnete Verpflegung das Leben so verlängern, daß sogar
lie mit Beschwerden gespeisten Kurdirektoren Winkelhausens 90 Jahre
alt werden, also dieser Kurdirektor saß friedlich in seinem Bureau und
dachte an nichts Böses. Vielmehr dachte er krampfhaft darüber nach,
wie er den Verkehr in seinem Orte noch mehr heben könne, obwohl er
jetzt schon täglich Beschwerden bekam, weil die Fremden nur mit Mühe
unterzubringen sind. Eben wollte ihm ein sehr gescheiter Einfall kommen,
als so energisch an die Tür geklopft wurde, daß der Einfall einen Mords-
Schreck bekam und nicht den Kurdirektor, sondern die Flucht ergriff.

Ein fremder Herr trat ein. Sehr ernst. Beinahe Chopinscher Trauer-
Marsch, Du weißt, verehrter Leser: „Ach, nun trinkt er keinen Rotwein
mehr und der Weißwein schmeckt ihm auch nicht mehr!“ Aber auch
Schr nervös,

„Meyer aus Berlin!“ stellte er sich vor. „Sehr angenehm.“ Der Kur-
ülirektor freute sich aufrichtig, endlich einmal den sagenhaften Meyer aus
Berlin von Angesicht zu Angesicht schauen zu dürfen,

„Ich komme zugleich im Auftrage mehrerer Gäste des Jupiter-Hotels,
die den Skandal nicht länger mehr mit ansehen können.“

O weh: der Donner grollie schon leise. Nun mußte dieser Unglücks-
        <pb n="290" />
        &gt;90

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
mensch ausgerechnet auch noch aus dem Hotel Jupiters kommen, den die
Alten bekanntlich Jupiter tonans, den Donnerer, nannten.

„Unser Hotel liegt dem Bahnhof gegenüber, und zwar da, wo die Güter-
wagen entleert werden. Aber das wird dem Herrn Kurdirektor ja bekannt
sein?‘ Der Kurdirektor nickte zustimmend. Aus welchen inneren Beweg-
gründen hätte er Jupiter tonans durch Widerspruch reizen sollen? „Fast
täglich werden dort in den Nachmittagsstunden die Schweine in einer
Weise ausgeladen, die nicht mehr menschlich ist.“

Meyer holte Atem und der Kurdirektor von Winkelhausen stutzte.
Meyer sprach in einem Atemzug ganz deutlich von Schweinen und doch
wieder von Menschen oder wenigstens von Menschlichem. Sollte es zufällig
jener Meyer aus Berlin sein, in dessen Kopf die bekannte Schraube locker
geworden ist? Der Kurdirektor griff spielend nach seiner Papierschere,
um wenigstens eine Waffe zur Hand zu haben. Schon fuhr Meyer fort:

„Die Tiere (— aha, also doch Schweine —) werden mit einer Roheit
aus den hochstehenden Wagen, eine Rampe oder dergleichen fehlt näm-
lich, herausgeworfen, daß es empörend ist. Die Tiere überschlagen sich
oft mehrere Male in der Luft und schreien furchtbar. Wir können es
gar nicht mehr hören.“ Nanu, dachte der Kurdirektor, ihr könnt es nicht
mehr hören und hört es doch? „Wir bitten Sie dringend, Herr Kur-
direktor, dafür zu sorgen, daß hier schnellstens für Abhilfe gesorgt wird.“

„Gern“, log der also Gebetene sanft und ergeben. „Im allgemeinen
erstreckt sich das Gebiet meiner Fürsorgetätigkeit, wenn ich so sagen
darf, mehr auf die Menschen und ihr Behagen, und es ist vielleicht etwas
ungewöhnlich, daß ausgerechnet der Kurdirektor sich darum kümmern
soll, daß die Schweine sozusagen menschenwürdig in ein besseres Jen-
seits befördert werden. Aber ich begreife vollkommen, daß Ihnen der
Nachmittagskaffee mit Kuchen beim besten Willen nicht schmecken
kann, wenn jeder Schluck und jeder Bissen von den zum Himmel dringen-
den Klagen der Schweine begleitet ist. Ich werde mich mit jenem Bahn-
hofsbeamten in seelische Verbindung setzen, der diese Schweinerei unter
sich hat, und ich hoffe, daß es unseren vereinten Anstrengungen ge-
lingen wird, Ihre und die Zufriedenheit der unglücklichen Schweine zu
erlangen. Verlassen Sie sich darauf, die Tiere sollen nicht länger von
Gott und den Menschen verlassen sein.“

Meyer aus Berlin sah den Kurdirektor von der Seite an, als wollte er
fragen: Frozzelst du mich etwa? Aber dessen Gesicht war So ernst, so
ganz Chopinscher Trauermarsch wie Meyers Gesicht bei seinem Eintritt,
daß er an seinen besten Absichten nicht länger zu zweifeln wagte. Meyer
erhob sich und schüttelte ihm die Hand so kräftig, daß der Kurdirektor
im ersten Impuls beschwerdeführend zum Kurdirektor laufen wollte.
Aber er entsann. sich noch rechtzeitig, daß er ja selbst der Kurdirektor
War.
„Ich danke Ihnen, auch zugleich im Namen meiner  Auftraggeber“‘,
sprach Meyer aus Berlin mit Würde, und auf seinem Gesicht lag nur
noch leise Wehmut. So hatte des Kurdirektors übermenschliche, fast
steinerne Ruhe -— beinahe hätte ich schweinerne geschrieben — ihn
beruhigt. Dann ging er. Ein verirrter Sonnenstrahl huschte über sein
        <pb n="291" />
        DIE HEITERE ODER SATIRISCHE EPISODE IN DER KURORTWERBUNG 291

Haupt. Es schien, als trüge Meyer einen Heiligenschein. Aber es war nur
seine kahle Platte. Allerdings von ungewöhnlichen Ausmaßen,

In der folgenden Nacht hatte der Kurdirektor einen seltsamen Traum.
Die Türe seines Schlafzimmers öffnete sich geheimnisvoll. Herein trat
lautlos eine lange Prozession. Lauter Schweine, An der Spitze schritt ein
Desonders riesiges Exemplar dieser Wohltäter der Menschheit, Auf einer
silbernen Schüssel trug es zierlich ein ungewisses Etwas. Erst hielt der
Kurdirektor es für das Haupt Johannes des Täufers aus Salome, der
Oper von Strauß. Aber dann erkannte er: Es war ein reich verzierter,
gesulzter Schweinskopf. Ihm folgte ein zweites Schwein, das komischer.
weise auf seinen Vorderflossen tänzelte. Nun sah er: die Hinterhände
fehlten! In seinem Rüssel trug das brave Tier, elegant die Balance haltend,
seine eigenen Hinterschinken. Bräunlich geräuchert und lecker anzu-
Schauen, Sein emporgestrecktes Schwänzchen ringelte sich vergnügt, als
freue es sich der guten Gabe. Dem dritten Prozessionisten fehlten die
Lenden, Er präsentierte sie dem Kurdirektor treuherzig, knusprig gebraten
und reich gespickt, zwischen seinen Vorderhaxen, Das vierte hatte sich
Würste, Würste und wiederum Würste um den fetten Nacken ge-
Schlungen. Das Tier sah aus wie die berühmte Laokoon-Gruppe im
Vatikan zu Rom. Dann kam eine Militärkapelle. Sie spielte feierlich und
getragen: Ach, nun trinkt er keinen Rotwein mehr und der Weißwein
Schmeckt ihm auch nicht mehr! Hinter der Musik schritt, ganz in Weiß,
eine schweinige Ehrenjungfrau. Sie trug eine mit Ringelschwänzchen
Teich ornamentierte Urkunde, selbstverständlich in Schweinsleder ge-
bunden, und überreichte sie dem Kurdirektor mit einer schweinemäßig
Sereimten Ansprache. Er war wegen seiner Verdienste um das letzte
Wohl der Schweine zum Ehrenschwein ernannt worden,

Mit einer solchen Groteske wird der Kurdirektor die Lacher
auf seiner und also auf der Seite seines Kurortes haben! Damit
Wäre der Beschwerde, in der ein wirklich ernster und peinlicher
Kern steckt, die Spitze abgebrochen. Stoff für humorvolle
Plaudereien, witzige Satiren und originelle Grotesken wird
jedem Kurdirektor an jedem Tag ins Direktionsbureau getragen;
sei es mündlich oder schriftlich. Es ist nichts weiter nötig, als
den Stoff im Interesse des Kurortes mit der Feder wirksam
ZU verarbeiten.

Doch nicht nur den Kurdirektoren, auch dem Hotelier bietet
das Leben vielfache Gelegenheiten zur Reklame. Er braucht
die Gelegenheiten rur beim Schopfe zu fassen. Wie das zu
Machen wäre, erzählt das folgende Kapitel.
        <pb n="292" />
        109

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

36. AUSNÜTZUNG DER GELEGENHEITEN
Im Hotel wird das Zitat aus Goethes Faust gar oft zur
Wahrheit: „Greift nur hinein ins volle Menschenleben! Und
wo ihr’s packt, da ist’s interessant.“

Es gibt genug Hotels, in denen sich schon ein Stück Welt-
geschichte abgespielt hat. Wenn diese Hotels erzählen wollten,
was könnten sie alles berichten! Nun, ich bin der Meinung,
daß die Gelegenheit beim Schopfe gefaßt und das Licht nicht
unter den Scheffel gestellt werden sollte. Damit will ich sagen,
daß die Besitzer oder Leiter unserer großen Hotels bei passen-
den Gelegenheiten in den Schatz ihrer Erinnerungen greifen
und daraus liebenswürdige kleine Plaudereien machen sollten.
Um passende Gelegenheiten braucht ein findiger Kopf nicht
verlegen sein. Gelegenheiten sind nicht prüde. Sie lassen sich
gern finden.

Wiederum will ich, statt vieler Worte, ein Beispiel aus der
Praxis sprechen lassen.

Ein bekanntes schweizerisches Hotel sah im Jahre 1924 auf
das bescheidene Jünglingsalter von 80 Jahren zurück. Aus
diesem Anlaß gab es eine Jubiläumsschrift heraus, die des
Hauses Geschichte von 1844 bis 1924 umfaßte. In der Zeit-
spanne von 80 Jahren erlebt ein Hotel allerhand und kann
manches erzählen. Unter Umständen bietet solche Jubiläums-
schrift sogar dem ernsten Historiker willkommenes Material.
Solche Gelegenheit läßt sich zu einer ganzen Serie fesselnder
kleiner Plaudereien verwerten, die eine unbezahlbare Reklame
für das plaudernde Hotel darstellen. Die Leitung jenes Hotels
scheint diese ausgezeichnete Reklamegelegenheit auch gut
ausgenützt zu haben, denn ich fand in mehreren schweizerischen
Blättern, aber auch in deutschen und Österreichischen
Zeitungen, kleine Skizzen aus der Geschichte jenes Hotels. Es
        <pb n="293" />
        AUSNÜTZUNG DER GELEGENHEITEN 293

ist wohl nicht ganz uninteressant, wenn ich eine solche Skizze
als Beispiel hierher setze. In der „Züricher Volkszeitung“ fand
ich sie. Mit besonderem Behagen gebe ich einen Teil des
Artikels wieder, denn es ist ein hübscher Zug, daß die demo-
kratische Zeitung eines demokratischen Staates, der seit Jahr-
hunderten keine Fürsten, Orden und dergleichen kennt, und
der wohl die freiheitlichste Verfassung in Europa haben dürfte,
SO nett von allerhand Fürstlichkeiten plaudert:

„Das Hotel war jahrzehntelang das beliebteste Absteigequartier und
Aufenthaltsort europäischer Fürstenhäuser. So wohnte schon 1852 unter
dem Namen eines Grafen von Tulgarn der König von Schweden mit
Familie und Gefolge im Hotel. Vier Jahre später traf die Herzogin von
Orleans ein. 1859 traten die Vertreter der europäischen Mächte zur
Friedenskonferenz im Hause zusammen und unterzeichneten im Haupt
Salon, dem heutigen Salon 26, am 10. November den ‚Frieden von
Zürich‘. Noch im gleichen Jahre traf die Herzogin von Parma mit Ge-
folge ein. Besonders lebhaft für das Hotel gestaltete sich der Sommer
1860; der König von Bayern mit Gefolge löste die Kaiserin von Rußland
mit zwei Prinzessinnen und einer Hofsuite von 60 Personen ab. Auch das
Österreichische Herrscherhaus hat sich im Hotel wiederholt eingefunden,
So 1894 die Kaiserin Elisabeth von Österreich anläßlich ihrer Reise nach
dem Süden. In den folgenden Jahren verweilten unter dem gastlichen
Dach der Herzog von Meiningen mit Gefolge, der ägyptische Khedive,
die Gemahlin des Prinzen von Wales. usf.“
Es sei noch an ein anderes Memoirenwerk erinnert. Ende
1924 erschien von Rudolf Sendig, der zurzeit wohl der Nestor
der deutschen Hotelfachleute von internationalem Ruf sein
dürfte, der zweite Band seiner Geschichten: „Im Hotel.
Diskrete Indiskretionen.‘“ In diesen liebenswürdigen Plaudereien
Macht der alte und doch jung gebliebene Goethe-Verehrer
Rudolf Sendig für seine eigenen Schöpfungen in Bad Schandau
eine so eindringliche und zugkräftige Propaganda — ohne daß
die meisten Leser es merkten — wie ich sie mir wirkungsvoller
Nicht denken kann. Der erfahrene, mit allen Hunden gehetzte
Propagandist und Reklamefachmann würde es nicht besser
Machen können.

Nun, ich kenne gar manche Hotelfachmänner, Leiter oder
Besitzer großer Betriebe, die das Zeug dazu hätten, für ihr
Haus zum wirkungsvollen Propagandisten zu werden, indem
Sie Interessantes aus seiner Geschichte ausplaudern.
        <pb n="294" />
        S0AR

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Auch mit Kleinigkeiten lassen sich große Wirkungen erzielen
und läßt sich brave Gelegenheitsreklame machen. Es sei hier
ganz im allgemeinen gesprochen. Nur muß man verstehen, die
Gelegenheit beim Schopfe zu fassen. So erzählte mir ein liebens-
würdiger Kollege von der Feder, ein bekannter süddeutscher
Sportsmann, der seinem Namen dadurch Ehre zu machen
suchte, daß er so manchen Wintersportplatz reformiert hat,
folgendes Reklamehusarenstückchen:

{n einem schweizerischen Wintersportplatz trafen sich
zufällig vier oder fünf Pressemenschen aus vier oder fünf ver-
schiedenen Ländern. Wenn ich nicht irre, waren es ein
Deutscher, ein Engländer, ein Schweizer, ein Italiener und ein
Franzose. Nach dem guten Frühstück — man wolle die
Betonung auf „guten‘ legen und sich den jetzt so heiß um-
strittenen Alkohol dazu denken — kamen die Vier oder Fünf
auf den Einfall, ein Bobrennen zu veranstalten. Gedacht, getan.
Ja, Journalisten reiten schnell. Das Rennen verlief großartig.
Da sie alle auf einem Bob saßen, ich meine den Schlitten, so
kamen sie natürlich auch alle Vier oder Fünf zuerst an und
jede Nation hatte gewonnen. Daran wäre ja wohl nichts Außer-
gewöhnliches. Journalisten, die „gut‘“ frühstücken, sollen
ziemlich häufig sein, und auch bobschlittelnde Journalisten
trifft man zuweilen. Manchmal auf dem Schlitten, manchmal
auch daneben, im Schnee. Aber nun kommt erst die Pointe.
Die Vier oder Fünf ließen nämlich durch eine schweizerische
Nachrichtenagentur zum Ruhme jenes Wintersportplatzes, der
das gute Frühstück geliefert hatte, in vier oder fünf Sprachen
in alle Welt verkünden, daß in X. soeben ein internationales
Bobrennen, unter Beteiligung Deutschlands, Englands, der
Schweiz, Italiens und Frankreichs, stattgefunden und einen
glänzenden Verlauf genommen habe...

So macht man Gelegenheitsreklame. Es braucht nicht immer
scherzhaft herzugehen. Auch ernstere Ereignisse können in
geschickten Notizen für geschickte Reklame verwendet werden.
Aber natürlich gehört ein tüchtiger Kopf dazu, um die Gelegen-
heiten beim Schopf zu nehmen!

Man denke z. B. an die zahlreichen Konferenzen, die in den
letzten Jahren in den verschiedensten Städten und Ländern
stattgefunden und die prominentesten Diplomaten fast aller
am Weltkrieg beteiligt gewesenen Staaten zusammengeführt
haben. Von diesen Ereignissen ließe sich amüsant plaudern.
        <pb n="295" />
        PROPAGANDA DURCH MEDIZINER

205

37. PROPAGANDA DURCH MEDIZINER
Vor einiger Zeit hat sich eine Anzahl schweizerischer Heil-
bäder zu einem Verband zusammengeschlossen, weil die Ver-
treter dieser Bäder glauben, ihre Belange so besser wahren und
fördern zu können. Ich gebe von einem der ersten Schritte
dieses schweizerischen Bäderverbandes Kenntnis. In Verbindung
mit der Schweizer Verkehrszentrale hat der neue Verband an
sämtliche Ärzte in der Schweiz einen gediegen ausgestatteten
Prospekt versandt, womit die Ärzteschaft gebeten wird, beim
Verschreiben von Badekuren der schweizerischen Heilbäder zu
gedenken. Diese böten, betont der Prospekt, den Patienten
Manche Vorteile; Heilquellen, an Güte denen des Auslandes
ebenbürtig; Bäder, die modern eingerichtet seien; reichliche
Verpflegung, der Kur angepaßt; gute Aufnahme in schmucken
Hotels und Pensionen und annehmbare Pensionspreise, die, mit
denen des Auslandes verglichen, bescheiden zu nennen seien.

Man sieht, daß der Schweizer Heilbäderverband in sehr
geschickter Weise an den Patriotismus der heimischen Ärzte
appelliert. Es ist nicht Aufgabe dieses Werkes, zu untersuchen,
ob eine solche nationale Einstellung der Ärzteschaft angebracht
und klug ist. Die Tatsache wurde von mir lediglich deshalb
gestreift, weil ich einen Weg zeigen möchte, „wie“ die Ärzte
erfolgreich zur Werbung für heimische Bäder und Kurorte
herangezogen werden könnten, ohne daß dabei nationale
Gefühle berührt und die leidige Streitfrage: national oder
international? ins Vordertreffen geführt wird.

In den vorausgegangenen Kapiteln habe ich versucht, den
Wert feuilletonistischer Propaganda sowohl für Kurorte als
auch für Hotels zu schildern. Der Wert ernster medizinischer
P ropaganda würde noch viel größer sein. Erfreulicherweise gibt
es in den internationalen Reiseländern, in Deutschland, Öster-
        <pb n="296" />
        296

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

reich, in der Schweiz, Italien, in der Tschechoslowakei, in
Frankreich usw. schon heute Ärzte, die sich bemühen, ihre
literarische Befähigung in den Dienst der heimischen Bäder
und Kurorte zu stellen. Im Laufe des letzten Jahres sind zahl-
reiche populär und allgemein verständlich gehaltene medi-
zinische Aufsätze von Ärzten in meine Hände gelangt, wodurch
das Verständnis für den Wert einer Badekur geweckt und
Kenntnis über die heimischen Bäder verbreitet werden sollte.
Solche Aufsätze müßten nicht national, sondern neutral
gehalten werden und sich an die leidende Menschheit über-
haupt wenden. Ein schönes Beispiel hierfür gab im Jahre 1925
ein englischer Arzt Bensusan. In einer kleinen Broschüre, die
Ende 1926 eine erweiterte Neuauflage erlebte, schilderte er
seine Erfahrungen und Beobachtungen in verschiedenen Heil-
bädern des Festlandes. Darunter befanden sich auch zahlreiche
deutsche Bäder. Jener englische Arzt — der selbst leidend
war — hatte das Problem also nur vom rein menschlichen
Standpunkt aus angefaßt.

Aufgabe der Kurorte und Heilbäder wäre es nun, recht viele
Ärzte für derartige populäre Schilderungen zu gewinnen. Vor
allem Kapazitäten mit klangvollem Namen. In derartigen wohl
medizinischen, aber doch volkstümlichen Aufsätzen liegen
große Werbewerte. Im Berner „Bund“ habe ich eine Aufsatz-
serie über die schweizerischen Heilbäder von einer medi-
zinischen Kapazität gelesen, die nicht nur interessant und
belehrend, sondern auch außerordentlich werbekräftig war.
Im Laufe der Jahre 1925/26 sind aus der Feder eines deutschen
Mediziners (Dr. Schweisheimer) Aufsätze über deutsche Heil-
quellen, Heilbäder und Kurorte erschienen, die sicher in vielen
Lesern den Wunsch weckten und zur Reife brachten, gegen
bisher unbeachtet gebliebene Leiden eine Kur an Ort und
Stelle, also im Heilbad, zu gebrauchen.

Man übersehe nicht, daß in unseren sozialen Verhältnissen
eine bemerkenswerte Verschiebung stattgefunden hat. Volks-
schichten, die früher an Erholungs- und Badereisen nicht
dachten, sind durch die soziale Gesetzgebung dazu in die Lage
versetzt worden. Sie benützen diese Möglichkeiten auch. Durch
den Augenschein kann man sich leicht von dieser interessanten
Umschichtung bei den Kur- und Badegästen überzeugen. Dieser
Bevölkerungsklasse fehlt vorerst nicht nur die Reiseerfahrung,
sondern auch die Kenntnis der Heilbäder und Heilquellen.
        <pb n="297" />
        PROPAGANDA DURCH MEDIZINER 297

Deshalb trage man in den Kurorten und Bädern dafür Sorge,
daß diese Kenntnis durch volkstümliche Aufsätze, und zwar
möglichst aus der Feder von Ärzten, verbreitet wird.

Noch eine weitere Möglichkeit steht den Ärzten offen, um in
durchaus vornehmer Form für ihre heimischen Kur- und Bade-
orte zu werben und sie in den Kreisen ihrer eigenen Patienten
bekannt zu machen.

Die Werbeschriften der Kurorte müßten in den Warte-
zimmern ausgelegt werden. Ganz sicher würden viele der
wartenden Patienten diese Schriften mit Interesse studieren
und daraus auch Anregungen schöpfen.

Die Wände vieler ärztlicher Wartezimmer sind oft recht
kahl und nüchtern. Die Kurortleiter geben neuerdings farbige
Plakate als Werbemittel heraus, die auf hoher künstlerischer
Stufe stehen und jedem Wartezimmer zur Zierde und zum
Schmuck gereichen würden.

Sache der Werbeleiter der Kur- und Badeorte wäre es nun,
das Interesse der Ärzte an diesen Werbeschriften sowie Pla-
katen zu wecken, so daß sie sich dazu entschließen, sie in ihren
Wartezimmern auszulegen beziehungsweise die Plakate aufzu-
hängen. Wenn die Plakate den Ärzten für diese Zwecke in
einem ansprechenden Rahmen geliefert werden, würde das die
Bereitwilligkeit zum Aushang sicher erhöhen, wodurch auch
der Nutzen der Plakate erhöht würde. Die Unkosten für
Anschaffung der Rahmen fallen gegenüber dem Wert dieser

Werbung nicht ins Gewicht. Natürlich dürften für diese Zwecke
nur Plakate handlichen Formates verwendet werden. Die
Erfüllung auch dieser Forderung ist nicht schwer, da die
Meisten Kurorte schon dazu übergegangen sind, ihre Werbe-
Plakate in verschiedenen Größen vorrätig zu halten.

Aber nicht nur die Wartezimmer der Ärzte sollten diesen
Zwecken mehr als seither dienstbar gemacht werden, sondern
auch die Warteräume, Korridore sowie die Krankenzimmer der
Sanatorien, Krankenhäuser, Kliniken und Erholungsheime.
So mancher kahlen, nüchternen Wand der Krankenhäuser
würden die farbenfrohen, an die Gesundung erinnernden
Plakate der Kur- und Badeorte geradezu eine Wohltat werden.
Diese Bilder würden einen Hauch jener sonnigen Landschaften,
die schon so vielen Gesundung brachten, in die oft düsteren
Krankenstuben tragen und frohe Stimmung verbreiten.
        <pb n="298" />
        7QR

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

38. STUDIENREISEN DER ÄRZTE
Die medizinische Wissenschaft und das Kur- und Bäder-
wesen stehen in engem Zusammenhange. Die medizinische
Wissenschaft ist ernst; sie wird sich mit der Werbung im land-
läufigen Sinne nicht beschäftigen. Und doch ist es möglich, die
medizinische Forschung und damit auch die Ärzte in den
Dienst dieser Werbung zu stellen, ohne daß sie sich das
geringste vergibt.

Ärztliche Studienreisen sind keine neue Erscheinung, Sie
führen in Großstädte zur Besichtigung und zum Studium der
dort bestehenden Einrichtungen und Institute, die der Gesund-
heitspflege dienen, und sie führen selbstverständlich auch in
die Kur- und Badeorte,

Es liegt im Interesse jedes Badeortes, daß er öfteres Ziel
wissenschaftlicher, also ärztlicher Studienreisen ist. Für diese
Studienfahrten kommen keinesfalls nur die Mediziner des
eigenen Landes in Betracht. Die Wissenschaft ist international;
das Heilwesen ist es mehr als irgendeine andere Disziplin.
Tatsächlich hat man in den Badeorten Deutschlands, der
Tschechoslowakei, Österreichs, Ungarns, der Schweiz usw.
schon wiederholt auf Studienreisen begriffene Mediziner der
verschiedensten Länder begrüßen können.

Die Öffentlichkeit, insbesondere auch ihre Vertretung, die
Presse, widmet den ärztlichen Studienreisen rege Aufmerksam-
keit. Die Berichte über solche Tagungen und ihre Ergebnisse
sind oft recht umfangreich. Die besuchten Kurorte werden
genannt und ihre Quellen sowie sonstigen Heilmittel werden in
einer Weise erörtert, die sich wesentlich von der sonst üblichen
Art der „Werbung“ unterscheidet. Und doch liegt in solchen
Berichten eine unbewußte, gar nicht beabsichtigte Werbekraft
von nicht gewöhnlichen Ausmaßen., Sie liegt in dem Ernst der
ärztlichen Studienreisen und in dem Ernst der sachlichen
        <pb n="299" />
        STUDIENREISEN DER ÄRZTE

399

Berichterstattung. Dieser Ernst sichert den Berichten besondere
Aufmerksamkeit. Ferner ist es wichtig, daß der Arzt Kur- und
Badeorte persönlich kennen lernt. Er kann sie seinen Patienten
dann mit viel größerem Nachdruck verordnen oder empfehlen.

Aufgabe der Kurverwaltungen ist es, nichts unversucht zu
lassen, um diese Werbekraft den Interessen auch des eigenen
Kurortes dienstbar zu machen. Das kann und muß dadurch
geschehen, daß man

1. Ärztliche Studienreisen anregt und den Gedanken in die
Reihen der hierfür in Betracht kommenden Mediziner hinein-
trägt, und indem man

2. sich bemüht, daß bereits geplante Studienreisen auch auf

den eigenen Kurort ausgedehnt werden, sofern das aus räum-
lichen beziehungsweise verkehrstechnischen Gründen über-
haupt möglich ist.
_ Deshalb empfiehlt es sich, daß nicht nur die Kurortleiter und
ihre Werbefachmänner, sondern daß auch die Hotelbesitzer
die medizinische Fachpresse des In- und Auslandes im Auge
behalten, um gegebenenfalls in dem hier angeregten Sinne
aktiv zu werden. Ich betone ausdrücklich, daß auch die Hotel-
besitzer es tun sollen, da sie ein großes Interesse am Gedeihen
des Kurortes haben, in dem ihr Hotel sich befindet, und weil
die Hotelbesitzer überhaupt dazu übergehen müssen, sich mehr
um die wirtschaftliche Politik ihres Ortes zu kümmern. Es gibt
Badeorte, wo dies aus nicht näher zu erörternden Gründen
tatsächlich nötig ist.

Ärztliche Studienreisen haben das Gute für sich, daß ihre
werbende Kraft ganz automatisch in Erscheinung tritt, weil,
Wie schon gesagt, in der Öffentlichkeit und bei der Presse
lebhaftes Interesse dafür vorhanden ist. Trotzdem schadet es
Nichts, wenn dieser natürlichen Werbekraft von allen mit der
Werbung für den Kurort betrauten Stellen durch geschickte
Notizen noch gehoben wird. Geschieht das mit dem nötigen
Takt sowie der hier ganz besonders angebrachten Vorsicht und
weisen. Zurückhaltung, so werden die von solchen ärztlichen
Studienreisen berührten Gebiete mit den Erfolgen zufrieden sein.
‚ Es gibt noch einige andere Arten von Studienreisen, denen
in den Interessentenkreisen des Fremdenverkehrs rege Auf-
Merksamkeit geschenkt werden sollte. Ihnen widme ich die
folgenden Kapitel, deren Beachtung ich allen in Betracht
kommenden Kreisen wärmstens empfehle.
        <pb n="300" />
        CA

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

39, WISSENSCHAFTLICHE STUDIENREISEN
Sie werden neuerdings von Hochschulen gepflegt, um die
jungen Studenten ins praktische Leben einzuführen. Im Hin-
blick auf den Zweck dieses Werkes flechte ich einen kurzen
Bericht über einen hygienischen Ausflug von zehntägiger Dauer
ein, der von der Technischen Hochschule zu Dresden :ver-
anstaltet worden war. Diese Studienreise war deshalb von
besonderem Interesse, weil sie vielfache Berührungspunkte mit
Belangen des Fremdenverkehrs lieferte, und weil es für alle
Interessenten am Fremdenverkehr wichtig ist, wenn der junge
Student durch praktischen Anschauungsunterricht auf die
volkswirtschaftliche Bedeutung moderner Einrichtungen hin-
gewiesen wird, die dem Fremden- und Güterverkehr, der
Volksgesundheit usw. dienen.

Die Studienfahrt der Dresdner Technischen Hochschule
bezweckte die Einführung des Studenten in die hygienischen
Einrichtungen einer Großstadt. Hamburg als Hafen- und inter-
nationale Fremdenverkehrsstadt war dazu in ganz besonderem
Maße geeignet, denn Anlagen und FEinrichtungen wie das
Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten, das Barmbecker
Krankenhaus, das. Versorgungsheim in Farmsen, die Aus-
wandererhalle der Hapag, die Lungenheilstätte Edmundsthal-
Siemerswalde, die neuen Hamburger Hochhäuser (Chile- und
Ballinhaus), der großzügig angelegte Stadtpark und nicht
zuletzt der Hamburger Hafen, sie alle waren dazu angetan,
dem lernenden Studenten einen umfassenden Überblick über
all das zu geben, was zur Wohlfahrt und gedeihlichen Ent-
wicklung einer modernen, internationalen Fremdenverkehrs-
stadt wie Hamburg erforderlich ist.

Es ist bekannt, daß die gesundheitlichen Verhältnisse der
Völker nicht die besten sind. Namentlich über den Gesundheits-
        <pb n="301" />
        WISSENSCHAFTLICHE STUDIENREISEN 301

zustand der Jugendlichen haben die Ärzte in ausführlichen
Berichten Unterlagen geliefert. Sie zeigen deutlich, daß die
gesundheitlichen Verhältnisse bei den Jugendlichen durch die
Ernährungs- und Lebensweise während der Kriegsjahre und
der Nachkriegszeit erschreckend gelitten haben. Auch das ist
ein Grund mehr für die Fremdenverkehrsinteressenten,
Bestrebungen der geschilderten Art zu unterstützen, und für
sie zu werben. Ihr Nutzen würde allen zugute kommen.
        <pb n="302" />
        7

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

40. ERHOLUNGSREISEN UND REISE-
STIPENDIEN ALS BELOHNUNG

In diesen Reisen liegt mehr als nur Augenblickswirkung!
Sie bedeuten Aussaat hoffnungsvollsten Samens für die Zukunft,
und ihre Wirkung reicht über den Augenblick hinaus. Der
Fremdenverkehrsinteressent soll über die nächste Sommer-
oder Wintersaison hinausplanen und auch an die Zukunft
denken. Man wecke und pflege die Lust am Wandern und
Reisen! Liegt es doch im eigenen Interesse und auch in dem
der Heimat. Es ist an sich schon eine nützliche und zugleich
dankbare Aufgabe, die Freude an der Heimat in den Herzen
der Volksgenossen aufzuschließen und lebendig zu erhalten.
Je mehr dem arbeitenden Teile der Bevölkerung die Möglich-
keit geboten wird, die landschaftliche Wunderwelt, die reichen
Kunstschätze und die Fortschritte der heimischen Technik und
Industrie kennen zu lernen, desto größer wird im Herzen des
Volkes die Liebe zur angestammten Heimat werden. Der
Gewinn aller darauf hinzielenden Bestrebungen ist doppelt;
ethisch und wirtschaftlich! Wer seine Heimat kennen gelernt
hat, der lernte sie auch lieben; freudig wird er Opfer für sie
bringen. Das ist die ethische Seite. Der wirtschaftliche Gewinn
liegt auf der Hand. Wem es vergönnt war, in jugendlichen
Jahren eine Wanderung durch die schönsten Gebiete der
Heimat zu machen, sei es auf einer Studienfahrt oder auf einer
Erholungsreise, die eine Belohnung für treue Pflichterfüllung
war, dem wird die Sehnsucht immer im Herzen brennen und
er wird den geweckten Wandertrieb befriedigen, wenn immer es
sich ermöglichen läßt. Das ist ja mit eine der guten Seiten des
regen sportlichen Eifers, der seit dem Ende des Weltkrieges
bei fast allen Völkern Europas wach geworden ist, daß er die
Jugend aus dem steinernen Meere der Städte hinausführt und
ihre Sinne für die landschaftlichen Reize der Heimaterde weckt.
        <pb n="303" />
        ERHOLUNGSREISEN UND REISESTIPENDIEN ALS BELOHNUNG 305
Eine vorwärts treibende Welle auf dem flutenden Meere der
Wanderlust können jene Reisen werden, die der heran-
wachsenden Jugend als Lohn für schönen Eifer bei ihrer
beruflichen Weiterbildung geboten werden. Zwar sind die
Anfänge hierzu noch schwach, aber sie sind doch schon vor-
handen. Diesem Gedanken größere Werbekraft zu verschaffen,
muß Aufgabe aller sein, die die volkswirtschaftliche Wichtig-
keit eines regen Fremdenverkehres erkannt haben und für
seine Förderung eintreten.

In welcher Weise das Angenehme mit dem Nützlichen ver-
bunden werden kann, das heißt, wie die Freude am Reisen und
Schauen und Wandern in der jugendlichen Brust dadurch
geweckt werden kann, daß sie dem jungen Mann als Belohnung
für treue Pflichterfülung am Ende eines wichtigen Lebens-
abschnittes winkt, will ich an einem Beispiele aus dem Leben
zu veranschaulichen suchen.

Der Verein Jugendwohl zu Dresden hatte sich für eine neue
Form der Auszeichnung oder Belohnung von auslernenden
Lehrlingen eingesetzt und für seine Idee in den Kreisen der
Industrie, des Gewerbes und Handels geworben. Der Gedanke
fiel auf guten Boden. Der Anregung des Vereines folgend,
haben die Direktoren einiger industriellen Unternehmungen
den Herstellern der besten Gesellenstücke einen zehntägigen
Erholungsurlaub ins rheinisch-westfälische Industriegebiet
gewährt. Es ist nicht Zweck dieser Zeilen, über die Fahrt des
Näheren zu berichten. Sie sollen und wollen lediglich für die
weitere Ausgestaltung dieses schönen Gedankens, mit seinem
wichtigen ethischen und wirtschaftlichen Hintergrund, werben!
Es sei nur erwähnt, daß die jugendlichen Teilnehmer dieser
Studienfahrt nicht bloß Gelegenheit bekamen, große Industrie-
werke von Weltbedeutung in vollem Betriebe zu sehen und zu
studieren, sondern daß ihnen auch die landschaftlichen Reize

und die Kunstschätze jener Gebiete gezeigt wurden. Was sind
jungen, achtzehnjährigen Menschen die scheinbaren Anstren-
gungen einer solchen Fahrt? Der jugendlich-kräftige Körper
überwindet sie spielend; am Abend sind sie schon vergessen.
Aber fürs ganze Leben haften im Gemüte der Teilnehmer einer
Solchen Reisegesellschaft die wechselvollen, bunten und viel-
gestaltigen Bilder und Eindrücke. Der Wunsch wird in den
Jungen Herzen geweckt, mehr von der schönen Heimat zu
sehen. Die Liebe zu ihr wird lebendig, der Gedanke erstarkt,
        <pb n="304" />
        304

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

dem Heimatboden die Treue zu wahren und ihm mit allen
Kräften zu dienen. Die rheinisch-westfälischen Industriellen
hatten sich gern in den Dienst dieser Belohnungs-Studienreise
gestellt, denn der Nutzen einer solchen Einrichtung leuchtet
ohne weiteres ein. Sie sollten deshalb nachdrücklich von allen
Fremdenverkehrsinteressenten gefördert werden, ebenso wie
die wissenschaftlichen Studienreisen.

Wenn man von Erholungsreisen schreibt, dann liegt auch
der Gedanke an Erholungsheime nahe. Diese Erholungsheime
haben namentlich in Deutschland, aber auch in Österreich,
eine nahezu stürmische Vermehrung gefunden. Sie wachsen
sich immer mehr zur Konkurrenz und damit auch zu einer
Gefahr für die bestehenden Hotels und Fremdenheime in den
Kurorten aus. Es gibt in Deutschland keinen Berufsstand mehr,
der nicht eines, oft auch eine ganze Anzahl Erholungsheime
besitzt und im Betrieb erhält. Das Verwunderliche dabei ist,
daß auch Industrien und Handelskreise sich darunter befinden,
die Hotel- und Fremdenheimbesitzer zu ihren besten Abnehmern
zählen. Daß sie ihnen durch die Erholungsheime langsam, aber
sicher, den Boden unter den Füßen lockern, scheint man noch
nicht erkannt zu haben.

Es ist hier nicht der Platz, mich mit dem Erholungsheim-
problem näher zu beschäftigen. Übrigens habe ich meine
warnende Stimme als Erster in der Fachpresse erhoben. Aber
es ist hier wohl der richtige Platz für den wohlmeinenden Rat
an alle Hotelbesitzer:

Tretet bei jeder geeigneten Gelegenheit dafür ein, daß man
in den Kreisen der Industrie, des Handels, Gewerbes und Hand-
werkes mit der Schaffung neuer Erholungsheime aufhört. An
ihre Stelle müßten die Erholungs- und Urlaubs-Stipendien
treten! Es lassen sich mit ihnen dieselben Wirkungen erzielen,
wie mit den Erholungsheimen. Gegen die Erholungsheime der
Beamten, die einer der höchstbesteuerten Industrien, also
einem eminent wichtigen Steuerträger und also auch Nährvater
der Beamtenschaft, nicht gerade lauter zu nennende Kon-
kurrenz machen, sollte in den Parlamenten energisch Front
gemacht werden.

Das hier über Reisestipendien Gesagte ist auch für das
folgende Kapitel wichtig, das sich mit dem, unter den heutigen
sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen wohl bald sehr
aktuell werdenden Thema der Jugendferien beschäftigt.
        <pb n="305" />
        FERIEN FÜR DIE JUGENDLICHEN

-A-

41. FERIEN FÜR DIE JUGENDLICHEN
N Der Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände hatte im
Sommer 1925 zur Frage der Jugendferien Entschließungen
gefaßt, die auch für den Fremdenverkehr wichtig sind. In einer
Eingabe an die Reichsregierung und durch besondere Fühlung-
nahme mit den maßgebenden Stellen hat er schnellste Ein-
bringung eines Jugendferiengesetzes gefordert. Ob ein solches
Gesetz so schnell zustandekommen wird, wie seine Befürworter
es hoffen, erscheint zweifelhaft. Aber man erkennt doch: aus
allem, daß in die Erholungs- und auch in die Ferienverhältnisse
eine ganz neue Note kommen wird, an der die Fremden-
verkehrsinteressenten nicht achtlos vorübergehen dürfen. Sie
müssen es begrüßen und .alle Bestrebungen tatkräftig unter-
stützen, welche die Jugend durch geeignete Maßnahmen gesund
erhalten wollen. Ebenso freudig müssen die Fremdenverkehrs-
interessenten es begrüßen, wenn in .der Jugend die Freude an
der Natur geweckt und lebendig erhalten und die Liebe zur
Heimat gepflegt wird.

‚Ein dankbarer und gangbarer Weg zur Erreichung dieser
Ziele sind, außer den bereits geschilderten Studien- und
Erholungsreisen, die zugleich eine Belohnung für erfreulichen
Lerneifer und berufliche Tüchtigkeit sind, die Jugendferien.
Diesem Gedanken muß auch in den Kreisen der Fremden-
verkehrsinteressenten werbende Kraft verschafft werden. Auf
diesem Gebiete kann und muß noch vieles geschehen. So
könnten zum Beispiel Reisestipendien an besonders tüchtige
und berufsfreudige jugendliche Angestellte und Arbeiter
befruchtend auf den Reiseverkehr wirken. Die Erkenntnis muß
Allgemeingut werden, daß jedwede Förderung, die dem
Fremdenverkehr zuteil wird, sich rückwirkend im Gedeihen
der ganzen Volkswirtschaft äußert.
        <pb n="306" />
        N

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

42. WIE UND WANN WIRKT UND WIRBT
DAS PLAKAT?

In der Propaganda der großen Verkehrsstädte, der Kur- und
Badeorte hat sich das Plakat eine führende Stellung errungen.
Seltener begegnet man ihm bei der Reklame der Hotels.
Seitdem akademisch gebildete Künstler von Rang und Ruf es
nicht mehr verschmähen, ihr Können in den Dienst des
Plakates zu stellen, hat es eine hohe, künstlerische Stufe
erreicht. Oft sieht man Plakate, die in ihrer Art wirkliche
Meisterwerke sind. Aber man stößt auch häufig genug auf
Entgleisungen, die den Beweis liefern, daß der ausführende
Künstler das Wesen des Plakates nicht richtig erfaßt hatte.

Beim Plakat muß oberster Grundsatz sein: Wirkung auf
Fernsicht! Schlagwortähnliche Wirkung! Also „Blickfang“!
Deshalb ist schärfste Verteilung beziehungsweise Kontrastierung
von Licht und Schatten, Nebeneinanderstellen leuchtender
Farbeneffekte nötig. Zarte Tönung, subtile Kleinmalerei,
sanftes Ineinanderfließen der Farben, wie es bei der Land-
schaftsmalerei usw. höchste Kunstform sein kann, wäre bei der
Plakatmalerei verfehlt. Das Plakat will, soll und muß schreien.
Darum muß es aus möglichst schreienden Farben entstehen.
Womit noch lange nicht gesagt ist, daß es deshalb unkünst-
lerisch oder gar häßlich werden muß. Auch mit sogenannten
„Schreienden‘“ Farben lassen sich wundervolle Wirkungen
erzielen, wie die Praxis oft genug gezeigt hat. Es ist eben
Plakatwirkung. Die soll ja das Plakat auch erzielen, sonst hat
es seinen Zweck verfehlt. Wer also ein Plakat irgendeinem
Künstler, einem Werbefachmann oder einer graphischen
Kunstanstalt in Auftrag gibt, der fordere, daß die eben
genannten Gesichtspunkte zur Anwendung kommen.

Im Wesen des Plakates liegt es ferner, daß darauf nicht
allzuviele Worte gemacht werden dürfen. In der weisen Wort-
        <pb n="307" />
        „Auskünfle u Werbeschriffen durdı die oupausruniissiele Cier Reichszenhrate für Deutsche Yerkeitsmerbung
in Berlin. Deisdamer Balınfuof c Deulsches Verkehnbire ) und durch ale Relse-und VErRENSDUNOS
das tL-und SAuslardes

Entwurf von Ludwig Hohlwein.
Druck von Carl Gerber in München,

A at I a
BF

Musterbeispiel für eine kleine Plakette, die Zwillingsschwester des Plakats.
        <pb n="308" />
        GER.
INVIT ES.
NVITES

Der in der Luft hängengebliebene Skiläufer. In der ganzen
Welt das gleiche Bild. Deshalb das denkbar ungeeignetste,
weil alltäcliche Motiv für ein Werbeplakat.

Drei Worte — Wirkunasvolle Zeichnung.
        <pb n="309" />
        WIE UND WANN WIRKT UND WIRBT DAS PLAKAT 309

beschränkung zeigt sich erst der Meister des Plakates. Möglichst
wenige, aber packende, schlagkräftige Worte oder ganz kurze
Sätze. Beim Plakat sollte der kategorische Imperativ Herrscher
sein und bleiben, Es soll im Vorübergehen, also gewissermaßen
im Fluge genossen werden. An der „Plakatsäule“ bleibt
niemand gern lange stehen. Was das Plakat dem Beschauer
zu sagen hat, muß es ihm schnell, aber eindringlich zurufen.
Meinetwegen zubrüllen! Um so eher wird es gehört. .

Deshalb ist es mir unverständlich, daß manche Plakatkünstler
sich neuerdings zuweilen auf Schriftarten versteifen, die
Chinesisch oder Japanisch oder Russisch zu sein scheinen, und
deren Enträtselung dem Beschauer nur mit Mühe gelingt.
Wenn er sich die Mühe macht! Aber da liegt der Hase im
Pfeffer. Er wird sich die Mühe nicht machen! Das Plakat bleibt
also wirkungslos, bis auf eine gewisse Verärgerung, die schädlich
wirkt, weil sie leicht auf den Aussteller des Plakates zurück-
schlägt. Es hat seinen Zweck verfehlt.

Das Plakat muß also deutlich reden. Es darf nicht stottern
und stammeln. Wer in der Schule lesen gelernt hat, der muß
38 auch lesen können.

Das Plakat muß ferner originell sein. Es ist ebenso wichtig
und nötig wie die geschickte Farbenmischung und die lapidare
Kürze. Ich entsinne mich eines Plakates, das eine wahre Sturm-
ut von Presseäußerungen und kritischen Betrachtungen
hervorgerufen hatte. Kunstgelehrte, Pressemenschen und Laien
gerieten sich seinetwegen in die Haare — — wenn sie noch
welche hatten. Messerscharf standen sich die Freunde und die
Gegner mit ihrem „für‘“ und „wider‘“ gegenüber. Es war der
Dresdner „Grüne Junge‘, das Plakat einer großen Kunst-
ausstellung, die vor ungefähr 20 Jahren in der Stadt der
wundervollen Barockbauten veranstaltet worden war. Der
„Grüne Junge“ hatte, weil er so grün war, damals beinahe mehr
Aufsehen hervorgerufen, als die Ausstellung selbst. Das grüne
Plakat hatte also eine Wirkung gehabt, wie es seine Schöpfer
selbst wohl in ihren grünsten Träumen nicht erträumten und
was seine Gegner wohl sicher nicht bezweckt hatten. Na also!

Originell muß das Plakat sein. Greift nur hinein ins volle
Plakatleben, und wo ihr’s packt, da ist es — — nicht immer
interessant. Ein zweites Beispiel aus der Praxis sei heran-
gezogen.
        <pb n="310" />
        "IN

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Neuerdings bemühen sich, die Wintersportplätze redlich,
wackere Propaganda zu betreiben. Ihren Plakaten begegnet
man recht häufig, sei es an Plakatsäulen, sei es in Bahnhofs-

\

Das durch Zeichnung und Tönung eigenartige Plakat eines
schweizerischen Kursaals.
hallen, Verkehrsbureaus oder auf Hotelkorridoren usw. Man
hat mit heißem Bemühen auch schon Plakatwettbewerbe
ausgeschrieben. Aber „wem“ begegnet man auf den Plakaten,
in den Anzeigen und auf sonstigen Anlockungsmitteln öfter, als
        <pb n="311" />
        A

Eigentlich ein Silvester-Menu, aber von plakathafter Wirkung und als
Anreguna zu Ball-Plakaten usw. geeignet.

Wirkt durch die nicht alltäaliche Zeichnung und den Doppelsinn des Namens.
        <pb n="312" />
        Entwurf von Ludwig Hohlwetn,
Druck von Hermann Sonntag &amp; Co. in München.

Entwurf von Ludwig Hohlwein.
Druck von Reichold &amp; Lang in München.
        <pb n="313" />
        WIE UND WANN WIRKT UND WIRBT DAS PLAKAT 33

es der guten Sache gut ist? Ganz gleich, ob sie aus dem Schwarz-
wald, dem Riesengebirge, aus Thüringen, aus Oberbayern, aus
dem Erzgebirge, vom Semmering, aus Tirol, aus dem Engadin,
dem Harz, aus Graubünden, aus dem Wallis, aus Schweden,
aus Norwegen stammen! Dem fliegenden Manne! Dem in der
Luft hängengebliebenen Sportler mit den Brettern an den
Füßen. Im Schwarzwald, im Riesengebirge, im Harz, in Ober-
bayern, im Erzgebirge, in Thüringen, in Österreich, in der
Schweiz, in Schweden, in Norwegen und neuerdings auch in
den Hochgebirgen Spaniens ähnelt sich das Abspringen von
der Sprungschanze wie ein Ei dem andern, bleibt der Sportler
scheinbar in der Luft hängen, bis die Bretter wieder den Schnee
berühren und der kühne Springer — — — sich entweder über-
schlägt oder im eleganten Auslauf zur Ruhe kommt. Haben
jene Wintersportgebiete nichts Originelles, nichts Typisches,
nichts Charakteristisches aufzuweisen? Etwas, was nur ihnen
eignet? Ich meine, es müßte schon etwas zu finden sein, wenn
man nur suchen wollte. Bloß keine Schablone!! Ich gebe einen
solchen „in der Luft hängen gebliebenen‘‘ Skispringer unter
den Illustrationen wieder, damit man rate: Aus welchem Ort,
welchem Landschaftsgebiet, welchem Land stammt die Auf-
nahme? Fast jeder Wintersportplatz könnte das Bild für sich
beanspruchen. Ergo...

Das vornehme Hotel, wie überhaupt die vornehme Gast-
stätte wird selten zum landesüblichen Plakat greifen. Man zeigt
sich nicht gern an den Plakatsäulen. Ich billige das. Eines
schickt sich nicht für alle. Was bei der Zigarette, die der Gast
in der Hoteldiele oder im Weinrestaurant raucht, als natürlich
und selbstverständlich erscheint: auf dem Plakat und an der
Plakatsäule zu propagieren, würde der vornehmen Gaststätte
nicht wohl anstehen und ihren Gästen wahrscheinlich miß-
fallen. Sie muß zu anderen Mitteln greifen.

Das gute Hotel, das gediegene Fremdenheim, die vornehme
Gaststätte läßt sich plakatartig wirkende; aber im vornehmen
Rahmen bleibende Bilder, farbig oder im Schwarzdruck,
anfertigen. Flotte Zeichnungen der Hausfassade und der
Innenräume. Wenig, aber sprechender Text dazu. Die steckt
man in geschmackvolle Umrahmung und bittet befreundete
Betriebe in anderen Städten und Ländern, größere Verkehrs-
bureaus, die über geeignete Räume verfügen, und ähnliche
Institute, das Bild an einem passenden Platz aufzuhängen. In
        <pb n="314" />
        314

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

erster Linie kommen natürlich jene Hotels und Fremdenheime
in Betracht, mit denen man im „Gästeaustausch“‘ steht.

Es ist zum gern geübten Brauch geworden, sich zur Erlangung
wirkungsvoller Plakatentwürfe des Preisausschreibens zu be-
dienen. Der Gedanke ist an sich nicht schlecht. Handelt es sich
um einen Kurort, eine Fremdenverkehrsstadt, ein größeres
Landschaftsgebiet, so wird das Preisausschreiben für sie zum
Werber, zur Reklame, weil darüber in der Presse berichtet zu
werden pflegt. Und zwar wiederholt; zunächst über das Preis-
ausschreiben selbst, dann über sein Ergebnis. Insofern hat das
Preisausschreiben einen gewissen Wert und macht sich auch
bezahlt. Ein anderes Ding ist es mit dem eigentlichen Zweck
des Ausschreibens: Der Hoffnung auf etwas wirklich Außer-
gewöhnliches, etwas verblüffend Wirkungsvolles. Soweit ich in
Erfahrung bringen konnte, haben die Plakat-Preisausschreiben
in dieser Beziehung zuweilen Enttäuschungen gebracht. Das
Ergebnis entsprach nicht immer den Erwartungen; das sensa-
tionelle, noch nicht dagewesene Plakat blieb aus. Man überlege
sich deshalb, bevor man ein Preisausschreiben erläßt, ob die
Opfer an Geld, Zeit und Mühe auch dann nützlich angewandt
erscheinen, wenn unter den eingehenden Entwürfen keine sind,
die voll befriedigen.

Von großer Wichtigkeit und nicht immer beachtet ist die
Größe des fertigen Plakates. Wenn es in der Hauptsache dazu
bestimmt ist, in Hotels, Fremdenverkehrsbureaus, auf Schiffen
usw. zum Aushang zu kommen, dann müssen die Größen-
verhältnisse des Plakates den zur Verfügung stehenden Raum-
verhältnissen angepaßt werden. Je kleiner das Plakat ist, desto
größer ist die Unterbringungsmöglichkeit. Auch aus diesem
Grunde ist es wichtig, daß das Plakat auf Blickfang und
Augenblickswirkung eingestellt ist. Möglichst wenig Text und
dieser auch auf größere Entfernung hin gut lesbar. Die Leiter
internationaler Reisebureaus haben im letzten Jahr wiederholt
darüber geklagt, daß ihnen Plakate von unmöglichen Dimen-
sionen eingesandt würden. Ihre Unterbringung sei einfach
unmöglich, weil es so viele Wände nicht gäbe, um alles ein-
gehende Plakatmaterial gerecht zu verteilen. Man erinnere
sich dieser Klagen, wenn man ein neues Plakat schaffen will.
Das Motto muß in diesem Falle heißen: Klein aber fein! Plakate,
die wegen ihrer unhandlichen Größe nicht zum Aushang
kommen können, haben ihren Beruf gründlich verfehlt, ohne
        <pb n="315" />
        I Nordfeebad U
Wangerooge

Entwurf von K. F. Langfeld.
Druck von Wilhelm Jöntzen in Bremen.
        <pb n="316" />
        Sotel Fürik3zu SIiolberg
Beliber Geora Schwarz

Um Fuke des Brocken Schierke/Harz 650 Meter über dem Meer
Das ganze Jahr gesffnetk

Ein wirkungsvolles Plakat
        <pb n="317" />
        WIE UND WANN WIRKT UND WIRBT DAS PLAKAT 8317

ihn wechseln zu können. Was die Väter vorher bedenken
inüssen.

Nicht minder wichtig wie die Größenverhältnisse ist das zur
Verwendung kommende Material. Vom Plakat erwartet man
ein längeres Leben. Mindestens muß es, wenn €s ein Kurort-
plakat ist, die Saison überdauern können, für die es werben
soll. Also vielleicht ein Frühjahrsplakat, oder eines für die
Traubenkur usw. usw. Je kräftiger und solider der Karton oder
das Papier ist, desto besser. Vorteilhaft ist es, die Plakate
„gebrauchsfertig‘“ zu liefern, also so, daß sie sofort und bequem
aufgehängt werden können. Je bequemer man es den Stellen
macht, die für den Aushang in Frage kommen, desto mehr
verbessert man die Chancen dieses Werbers.

Das Wesen des Plakates erschwert es, Lehrmaterial und
Muster beizugeben. Das praktische Leben liefert die besten
Beispiele. Ich empfehle den Interessenten, die Anschlagsäulen
usw., dann aber auch die schon zitierten Reklame-Zeitschriften
aufmerksam zu studieren, bevor sie ein neues Plakat in Auftrag
geben. Es kann nützlich werden, weil man dann vielleicht in
der Lage sein wird, den Künstlern Anregungen und Ideen zu
geben, die sie bei ihren Entwürfen verwenden können. Handelt
e8 sich um Plakate für Städte oder Kurorte von bestimmter
Eigenart, so verpflichte man die Künstler, diese charak-
teristischen Züge im Plakat zu verwerten. In den Bildern gebe
ich ein paar Beispiele wieder, worin diese Frage, meiner
Ansicht nach, glücklich gelöst wurde. Leider geht bei der
Wiedergabe im Schwarzdruck der größte Reiz und die stärkste
Wirkung des Plakates, die Farbenfreudigkeit, verloren. Diese
muß man sich dazu denken können, erst dann werden die
Muster richtig zum Beschauer reden.

_Ausführlichere Erläuterungen zu den Beispielen sind nicht
nötig. Sie müssen für sich selbst sprechen, sonst wären es keine
richtigen Plakate. Zu dem Dresdner Bild, eigentlich kein Plakat,
sondern eine kleine Plakette, sei kurz bemerkt: An ihm scheint
Mir sein größter Vorzug, daß es in glücklichster Weise auf

„Stimmungsmache‘“ ausgeht. Dresden zehrt noch heute vom
Ruhme und von den überreichen Schöpfungen seines kunst-
Mnnigsten Fürsten, August des Starken. Sie haben in erster
Linie, neben der landschaftlich reizvollen Lage, dazu bei-
Setragen, daß die Stadt schon seit mehr als einem Jahrhundert
das Ziel reicher internationaler Globetrotter wurde. Das kommt
        <pb n="318" />
        218

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

auf dem Plakat deutlich zum Ausdruck. Es ist, als sähen wir
ein Paar jener internationalen Globetrotter aus unserer Groß-
väterzeit, wie es von der ‚einst weltberühmten „Brühlschen
Terrasse“ aus — sie hat ihre Bedeutung heute nicht mehr —
den wundervollen Blick auf Stadt und nahe Umgebung genießt.

In dem Plakat von Bad Elster ist in anderer Weise „Stim-
mungsmache“ getrieben worden. Es knüpft an den originellen
Namen des Ortes an, indem es eine Elster im Bilde zeigt, und
es weckt dadurch im Beschauer Sehnsucht nach landschaftlich
reizvollen Gegenden, regt zur Flucht aus dem steinernen Meer
der Städte an und weckt die Reiselust.

Das Bild „Germany Invites You‘ ist kein eigentliches Plakat,
sondern das Titelbild einer Werbeschrift in englischer Sprache,
hauptsächlich für Amerika bestimmt, die 31 führende, inter-
nationale Hotels in Baden-Baden, Berlin, Bremen, Köln,
Dresden, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover,
Heidelberg, Bad Homburg, Leipzig, München, Bad Nauheim,
Nürnberg und Wiesbaden gemeinsam im Jahre 1925 heraus-
gegeben haben. Das Bild hat eine so starke, plakathafte
Wirkung, daß ich der Versuchung nicht widerstehen konnte,
es den Musterbeispielen von Plakaten beizugesellen. Man
ersieht aus ihm, was für kräftige Wirkungen auch ohne viele
Worte erzielt werden können.

Schließlich sei noch das Titelbild eines Silvester-Menus vom
Hotel Bristol in Berlin erwähnt, weil aus ihm vielseitige
Anregungen zur Schöpfung wirkungsvoller und aparter Plakate
für besondere Veranstaltungen zu gewinnen sind. Für karne-
valistische Feste, Künstlerfeste, Pressefeste oder dergleichen,
Bals pares, wie man in München sagt, sind stimmungsvolle
Plakate nötig. Der Künstler dieser Menukarte hat es verstanden,
solche „Stimmung‘“ zum Ausdruck zu bringen, und der
Beschauer wird zum Besuche lebhaft angeregt. Ich glaube, daß
auch aus diesem Bild mannigfaltige Anregungen zu gewinnen
sind. Der ebenso originelle wie glückliche Gedanke könnte
vielseitig varliert werden.

Über die Plakatentwürfe von Ludwig Hohlwein brauche ich
nichts zu sagen. Er ist ganz einfach „der‘ Meister des Plakats.
Sein Name hat internationalen Ruf, Fast gleichzeitig mit diesem
Buch erscheint ein großes, reich illustriertes Werk, das über
Hohlweins künstlerische Lebensarbeit Aufschluß gibt. Aus
dieses Meisters Werkstatt kommen nur gute Plakate.
        <pb n="319" />
        WIE UND WANN WIRKT UND WIRBT DAS PLAKAT 319
Die Ausführungen lassen, So hoffe ich, erkennen, worauf es
bei einem Plakate ankommen muß! Beim Beschauer soll die
Saite anklingen, die ihn zum Besuche des werbenden Ortes
geneigt macht: Die Sehnsucht. Das Verlangen. Mit anderen
Worten: dem Plakat muß eine starke Suggestionskraft inne-
wohnen. Diese Forderung stelle man an ein Plakat. Von diesem
Gesichtspunkt aus lasse man die Jury bei einem etwaigen
Preisausschreiben urteilen und nach ihm bestelle man beim
Künstler, Werbefachmann oder in der Kunstanstalt sein Plakat.
        <pb n="320" />
        ‚m

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

43. ANREGUNGEN UND PRAKTISCHE
BEISPIELE FÜR PREISAUSSCHREIBEN
UND WETTBEWERBE

Mit geschickt veranstalteten und ebenso geschickt aus-
gewerteten Wettbewerben lassen sich ausgezeichnete Reklame-
wirkungen erzielen. Natürlich meine ich mit diesen Preis-
ausschreiben nicht jene Zwitterwettbewerbe, wie sie im Jahre
1924 von kaufmännischen Firmen veranstaltet wurden:
Lotterieartige Ausspielungen, Preisrätsel, Schneeballsysteme
und dergleichen. Viele dieser „geschäftlichen Wettbewerbe“
haben ihre Veranstalter in unliebsame Berührung mit den
Gerichten und mit den Steuerbehörden gebracht, weil ihre Ver-
anstaltung der behördlichen Genehmigung bedurft hätte und
weil sie steuerpflichtig waren, woran man nicht gedacht hatte.

Für das Hotel-, Fremdenheim- und Gastgewerbe, wie über-
haupt für alle Fremdenverkehrsinteressenten können nur
ernste, nicht marktschreierische Preisausschreiben in Frage
kommen, denen ein gewisser künstlerischer Wert innewohnt.
Das ist die erste Vorbedingung. Bei solchen ernsten Wett-
bewerben kann man weder mit den Gerichten noch mit den
Steuerbehörden in Konflikt geraten.

Zunächst sei die Frage der Wettbewerbe von ganz allgemeinen
Gesichtspunkten aus behandelt. Später werde ich dann wieder
einige Beispiele aus der Praxis geben, da sie den besten
Anschauungsunterricht liefern. Ich glaube, daß man zwei Arten
von Wettbewerben unterscheiden kann:

1. den örtlichen Wettbewerb, bei dem man sich nur an die
ortsansässige Bevölkerung wendet;

2. den interlokalen Wettbewerb, der Bewerbern im ganzen
Reich, oder wenigstens in einem größeren Bezirk offen steht.

Der örtliche Wettbewerb müßte als Ziel haben, die Bevöl-
        <pb n="321" />
        Das im Blumenschmuck-W ettbewerb mit einem 1, Preis bedachte Badhotel
Badischer Hof, Baden-Baden.
        <pb n="322" />
        Hotel „Der Fürstenhof“ in Dortmund im Blumenschmuck zeigt, wie dem ernsten
Charakter einer Industriestadt durch ein blumengeschmücktes Hotel eine freundliche.
anmutige Note gegeben werden kann.
        <pb n="323" />
        PRAKTISCHE BEISPIELE FÜR PREISAUSSCHREIBEN UND WETTBEWERBE 323

kerung selbst zu gewissen Anstrengungen anzufeuern, die
wiederum dem Fremdenverkehr zugute kommen müßten. In
diesen Bereich würde zum Beispiel ein Wettbewerb fallen, der
die hübsche und anmutige Aufgabe stellt:

„Frohwinkel im Blumenschmuck‘!

Es ist ein Wettbewerb, der reizvolle Möglichkeiten bietet
und unendlich viel zur Verschönerung des Ortsbildes und zur
Veredlung des Geschmacks der Einwohner beitragen könnte.
Zum Wettbewerb zugelassen sein würden alle. mit Blumen
geschmückten Balkons, Erker, Fenster. Auch Dachgärten
könnte man mit einbeziehen, um dem Gedanken: der „Dach-
gärten‘“ mehr Freunde zu werben. Bekanntlich findet man auf
vielen New Yorker Wolkenkratzern, in schwindelnder Höhe,
luftige und idyllisch zurechtgemachte Dachgärten — Restau-
rants — die sich außerordentlicher Beliebtheit erfreuen. Baden-
Baden hatte im Sommer 1926 einen solchen Blumenschmuck-
Wettbewerb veranstaltet, der viele Einwohner anregte, die
Fassade mit den Kindern Floras zu schmücken. Drei Hotels
erhielten Preise: das Badhotel Badischer Hof, dessen Bild im
Blumenschmuck ich wiedergebe, das Regina Hotel und das
Hotel Sängerhaus. Auch eine große Fremdenverkehrsstadt,
M ünchen, hatte im Sommer 1926 einen Blumenschmuck-
Wettbewerb veranstaltet. Hierzu waren 517 Anmeldungen
Eingegangen, wovon 506 prämiiert werden konnten, und zwar
131 mit ersten Preisen. Man ersieht daraus, daß das Interesse
an solchen Wettbewerben zu erwachen beginnt.

Man stelle sich einen Kurort in solch ungewöhnlichem
Blumenschmuck vor, wenn ein geschickter Regisseur es ver-
Standen hat, die ganze Bevölkerung für diese Idee zu begeistern.
Wenn der Wettbewerb dann noch von einem Meister der
Reklame ausgewertet worden ist, so kann mit ziemlicher
Sicherheit auf eine Sturmflut von Gästen gerechnet werden, die
alle das liebliche Frohwinkel in seinem blühenden und
duftenden Blumenschmuck sehen wollen. Bilder von den preis-
Sekrönten Balkonen oder Erkern oder Fenstern oder Dach-
Särten würden sicher die Runde durch zahlreiche illustrierte
Blätter machen, desgleichen Plaudereien und Notizen über den

Wettbewerb und sie würden den Ruhm Frohwinkels rings im
Lande verkünden. Die für Preise aufgewendeten Mittel würden
SICh hundertfältig verzinsen.
        <pb n="324" />
        u

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Als wirkungsvollen. Anschauungsunterricht gebe ich das
Bild eines Industriestadthotels im Blumenschmuck wieder, das
wenigstens in mattem Abglanz zeigt, wie reizvoll also ge-
schmückte Häuser wirken und wie sie das Stadtbild verschönern
ınd dadurch auch für sich selbst wirken können!

Ein anderer örtlicher Wettbewerb, der ebenfalls den Vorzug
hätte, geschmackveredelnd zu wirken, wäre der ;

Schaufenster- Wettbewerb!

Ich kenne gar manchen Kurort, dem ein solcher nützlicher
Wettbewerb sehr nötig wäre! Er würde die Geschäftsleute
anregen, ihren Schaufenstern etwas mehr Sorgfalt und Auf-
merksamkeit zuzuwenden, und er würde sie lehren, daß eine
geschickte Hand auch mit bescheidenen Mitteln anziehende
und reizvolle Schaufenster zu schaffen vermag. Gerade auf
diesem Gebiete liegt in manchen Kurorten noch manches im
argen. Ein wenig Reform und Aufrüttelung durch einen Wett-
bewerb könnte dem ganzen. Ort nützen.

Einen solchen Wettbewerb könnte man zugleich dazu ver-
werten, auf dem Gebiete der „Andenkenindustrie“ umstürz-
ijerisch zu wirken, indem man für solche Schaufenster Sonder-
preise aussetzt, die nur geschmackvolle, das Auge erfreuende
und von Künstlerhand entworfene „Andenken“ zeigen. Der
übliche, gemeingefährliche Kitsch wäre verpönt. Bei dem
hohen Stand unseres Kunstgewerbes würde die Ausführung
eines solchen Wettbewerbes nicht schwer sein.

Ganz sicher würde ein derartiger Wettbewerb auch auf die
Gäste anziehend wirken und regen Besuch bringen. Ein weiterer
Vorteil wäre, daß eine solche Schaustellung ‘ den Konsum
kräftig und nicht unbeträchtlich heben würde. Ich will es nicht
als positiv sicher hinstellen, bin aber davon überzeugt, daß
Bilder der preisgekrönten Schaufenster in gar mancher illu-
strierten Zeitschrift wiedergegeben werden würden. Kurze
Vornotizen über die Ziele des Wettbewerbes und spätere
Berichte über sein Ergebnis würden in allen solchen Fällen,
also auch beim Blumenschmuck-Wettbewerb, leicht in die
Presse zu lancieren sein.

Damit will ich das Gebiet der örtlichen Wettbewerbe ver-
jassen. Die beiden Anregungen genügen, um zu veranschau-
lichen, wie ich mir die Sache denke. Es wird nicht schwer sein,
weitere Motive für solche örtliche Wettbewerbe zu finden,
        <pb n="325" />
        PRAKTISCHE BEISPIELE FÜR PREISAUSSCHREIBEN UND WETTBEWERBE 325

zumal wenn man sich dabei auf lokale Besonderheiten stützt.
So mancher Kurort hat irgend etwas, ich meine der Ver-
besserung Bedürftiges, womit er die Phantasie zu einem Wett-
bewerb reizen könnte.

Das Gebiet der interlokalen Wettbewerbe ist erheblich größer.
Es steht auch den einzelnen Gaststätten zur gefälligen Bedie-
nung offen, während der örtliche Wettbewerb ihnen kaum eine
aussichtsvolle Möglichkeit bietet.

Was kann man nicht alles zum Gegenstand eines Wettbe-
werbes machen! Einige Möglichkeiten will ich aufzählen,
Mache aber durchaus keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das
Leben selbst, die ewig wechselnde Mode, werden da noch
Manche gute Gelegenheit liefern. an die man heute nicht denkt.

Es lassen sich interessante und viele Teilnehmer anlockende
Wettbewerbe veranstalten

zur Erlangung eines künstlerischen Plakates;

eines wirkungsvollen Prospektes;

einer künstlerischen Kofferetikette;

eines fesselnden Reklame-Aufsatzes;

eines formschönen Lobgedichts auf einen
Kurort oder eine Stadt oder Gegend;

einer sang- und spielbaren Vertonung dieses
Preisliedes.
Ich erinnere an das vielgesungene und gespielte Lied „Sei ge-
8rüßt du mein schönes Sorrent‘, gedichtet von Paul Heyse,
vertont von Ludwig Waldmann. Als Gegenstück dazu erwähne
ICh das schöne deutsche Lied „An der Weser“, gedichtet von
Franz Dingelstedt und vertont von Gustav Pressel. —

Zur Erlangung von historisch interessanten Daten über den
Ort, die in Werbeschriften verwendet werden
können;
von Lichtbildern;
von neuen Ideen für die Rundfunkreklame;
von neuen Ideen für die Lichtbilderreklame;
von wirkungsvollen Entwürfen für Klischee-
Anzeigen (für Kollektivreklame und für
Einzelreklame);
        <pb n="326" />
        23

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Zur Erlangung

von Texten für Anzeigen, die von der Alltags-

schablone abweichen;

von neuen, packenden Reklameideen;

eines zugkräftigen, aparten Namens für eine

neue oder umzutaufende Gaststätte;

von geeigneten Verdeutschungen für fremd-

sprachliche Bezeichnungen im Gastgewerbe;

von stilvollen Entwürfen für Speisen-, Wein-,
Menu- und Empfehlungskarten;

von aparten Entwürfen für Briefpapierköpfe;

von schönen Ansichtskarten-Entwürfen usw.
Der Phantasie ist, wie man sieht, hierbei ein sehr weiter
Spielraum eingeräumt und die örtlichen Verhältnisse, die Be-
sonderheiten eines Kurortes oder einer Gaststätte lassen gar
manche weitere Wettbewerbungsmöglichkeit offen.

Nun will ich mich aus der grauen Theorie wieder in das
Reich der Wirklichkeit begeben, wo — dem etwas farben-
blinden Goetheschen Mephisto zufolge — grün des Lebens
goldner Baum blüht. Und zwar gebe ich praktische Beispiele
und lasse jenes Reklameprodukt beginnen, das am meisten ins
Auge fällt, wenn es aus treffsicherer Künstlerhand kommt:

‘Das Plakat.
Der Harzer Verkehrsverband, Sitz Wernigerode, hatte im
Sommer 1924, einer Anregung des Hotelbesitzerverbandes des
Harzes folgend, einen Wettbewerb zwecks Erlangung eines
Plakates für die Wintersportsaison ausgeschrieben. Ich gebe
die seinerzeit gestellten Bedingungen im Originalwortlaute
wieder, weil sie gute Fingerzeige für ähnliche Veranstaltungen
liefern:
PLAKAT.-PREISAUSSCHREIBEN!
„Winterzauber im Harz.“

Bedingungen für einen Plakatwettbewerb des Harzer Verkehrsverbandes.

Zur Durchführung unserer Winterpropaganda ist ein Plakat not-
wendig, das die großen Schönheiten des Winters im Harz, beziehungs-
weise die Wintersportmöglichkeiten darstellt. (Es soll hierbei kein be-
stimmter Ort zur Darstellung gebracht werden, sondern ein allgemeines
Harzmotiv.) Im Interesse der guten Sache unserer Harzbestrebungen
möchten wir auf dem Wege des Preisausschreibens einen geeigneten Ent-
wurf zu erlangen suchen. Es handelt sich hierbei um kein Geschäfts-
        <pb n="327" />
        PRAKTISCHE BEISPIELE FÜR PREISAUSSCHREIBEN UND WETTBEWERBE 327
Ka ansshreihen, sondern um eine Arbeit, die ideellen Zwecken dienen
soll.
Für die Beteiligung an dem Preisausschreiben sind die nachstehenden
Bedingungen maßgebend:
1. Das Plakat soll die Reize des winterlichen Harzes zeigen und damit
den Fremdenverkehr und Wintersport fördern helfen.
2. Das Plakat soll in wirkungsvoller, leicht lesbarer Schrift (große und
kleine Buchstaben Bedingung) wie die Titelzeilen (etwa in der Art
der Kochschrift) den Titel tragen
.Winterzauber im Harz“.
3. Als Papiergröße des druckfertigen Plakates darf das Format von
42X66 cm (Hochformat) nicht überschritten werden.
4. Der Entwurf soll sich entweder zur Wiedergabe im Offsetdruck mit
6 Farben oder in Vierfarbendruck (Buchdruck) eignen.
5. Als Preise werden ausgesetzt:
ein I. Preis mit Mk. 750,—
IL. ” 2, „ 400,—
Il. „ „ 200,—
IV. 252 100
6. Als Schlußtermin für die Einsendungen der Arbeiten ist der 31. Ok-
tober 1924 bestimmt. Einsendungen mit dem Poststempel „31. Ok-
tober 1924“ gelten noch als rechtzeitig aufgeliefert.

Der Harzer Verkehrs-Verband behält sich den Ankauf weiterer Ent.

Würfe vor.

Das Preisrichterkollegium setzt sich zusammen aus den Herren:

Dr. Gepel, 1. Bürgermeister, Wernigerode, als Vorsitzender;

Prof. Curdt, Direktor der Kunstgewerbeschule, Braunschweig;

Prof, Ernst Hoffmann, Magdeburg;

Hotelbesitzer Südekum, 1. Vorsitzender des Hotelbesitzer-Verbandes,
Bad Harzburg;

Öberingenieur Pini, 1. Vorsitzender des Oberharzer Ski-Klubs, Braun-
Schweig;

and den Herren der Literarischen Kommission des Harzer Verkehrs-
verbandes.

Der Harzer Verkehrsverband behält sich eine etwa nötig werdende

Erweiterung des Preisrichter-Kollegiums vor,

Die Entscheidung des Preisrichter-Kollegiums ist in jedem Falle rechts-
verbindlich. Sie wird spätestens am 1. Dezember bekanntgegeben.

Die Preisverteilung wird vom Preisrichter-Kollegium bestimmt, die
Literarische Kommission dahingegen wählt aus, welcher Entwurf zur
Ausführung gelangen soll, gegebenenfalls unter Durchführung notwendig
Erscheinender Änderungen.

„Die Einsendungen, welche zweckmäßig eingeschrieben werden, müssen
die Anschrift tragen:

Harzer Verkehrsverband
Betr. Preisausschreiben!

Wernigerode a. Harz.
        <pb n="328" />
        23

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Die Arbeiten selbst sind auf der Vorderseite deutlich mit einem Kenn-
wort zu versehen, Ein beigefügter verschlossener Umschlag trägt dasselbe
Kennwort als Aufschrift und als Inhalt Kennwort und Name des
Xünstlers.

Sorgfältigste Behandlung und Aufbewahrung der Arbeiten wird von
vornherein zugesichert, jedoch lehnt der Harzer Verkehrsverband jede
Haftpflicht für Beschädigung oder Verlust ab.

Die preisgekrönten Arbeiten gehen ohne jeden Rechtseinspruch des
Einsenders mit sämtlichen Rechten an den Harzer Verkehrsverband
Wernigerode über.

Das neueste, kurz vor Abschluß dieses Buches mir bekannt
gewordene Preisausschreiben ging von der Fremdenverkehrs-
kommission der Bundesländer Wien und Niederösterreich aus
und hatte ebenfalls einen ;

Bildplakat- Wettbewerb
zum Gegenstand. Gewünscht wird ein einfarbiges Bildplakat
von Wien und Niederösterreich. Die Bedingungen lauten:

An dem Wettbewerb können in- und ausländische Künstler teil.
nehmen.

Bei der Wahl des Stoffes für die Plakate ist den Künstlern volle Frei-
neit eingeräumt. Beim Plakat für Wien bleibt es dem Einreicher über-
lassen, ob er Wiens Bedeutung als Musikstadt, als Stätte ehrwürdiger
Denkmäler, als aufstrebende, nach dem Kriege zu neuem Leben er-
wachte Großstadt oder ganz allgemein als eine Stadt auffassen will, die
lem Fremden Anziehendes aller Art zu bieten hat. Beim Plakat Nieder-
österreich bleibt es dem Einreicher überlassen, ob er den Fremden durch
Hinweis auf die prächtigen Landschaften, Gebirge und Flüsse, oder auf
die internationalen Sportplätze und Kurorte auf Niederösterreich auf-
merksam machen will.

Folgende Preise sind ausgesetzt: 2 erste Preise zu je 1000 Schilling,
| zweiter Preis zu 500 Schilling, sowie eine Reihe von Trostpreisen und
Prämien für lobend erwähnte Entwürfe.

Das Preisgericht setzt sich aus folgenden Herren zusammen: Professor
Remigius Geyling, Hofrat Dr. Rudolf Jung, Hofrat Dr. Eduard Leisching,
Architekt Robert Oerley, Professor Karl Witzmann und drei Mitglieder
der Fremdenverkehrskommission.

Entwürfe nimmt die Fremdenverkehrskommission der Bundesländer
Wien und Niederösterreich, Wien VII., Museumstraße Nr. 1, entgegen,
wo auch die genauen Bedingungen kostenlos erhältlich sind. Frist bis
12. Januar 1927.

Als Gegenstück zu diesen zwei Wettbewerben, die nach einem
ins Auge fallenden Bild verlangten, sei ein literarischer Wett-
        <pb n="329" />
        PRAKTISCHE BEISPIELE FÜR PREISAUSSCHREIBEN UND WETTBEWERBE 329

bewerb geschildert. Sein Ergebnis war also nicht fürs Auge,
sondern für den Geist bestimmt. Er gibt zugleich ein Beispiel,
wie ein vornehmes Hotel sich den Wettbewerbsgedanken
dienstbar machen kann, denn Veranstalter war die Direktion
des Parkhotels Luitpold in Oberstdorf im bayrischen Allgäu.
Aus den schon genannten Gründen gebe ich die Bedingungen
auch dieses Preisausschreibens im Wortlaut wieder: ;

PREISAUSSCHREIBEN
des Parkhotels Luitpold Oberstdorf
in Oberstdorf (Allgäu).
Literarisches Preisausschreiben

1000 Rentenmark,
für diejenige Publikation, die Oberstdorf in der künstlerisch wertvollsten,
interessantesten oder ansprechendsten Weise erwähnt oder behandelt. Es
kann ein Satz genügen. Voraussetzung ist, daß die einschlägige Erwäh-
nung oder Behandlung in der Zeit vom Erscheinen dieses Ausschreibens
bis spätestens 30. November d. J. durch Veröffentlichung in einer Zeit-
Schrift, einer Tageszeitung, einem Journal oder dergleichen oder in einem
Buchwerk einem unbegrenzten, größeren Personenkreis zugänglich ge-
Macht worden ist.
_ Die Bedingungen für die Einsender, Angaben über die Preis-
Uchter usw. enthält das nun folgende, mit diesem zusammen-
hängende Preisausschreiben. Denn dem literarischen Preis-
ausschreiben schloß die Direktion des Parkhotels Luitpold in
Oberstdorf ein künstlerisches an. Seine Bedingungen lauteten:
Künstlerisches Preisausschreiben,
1000 Rentenmark,
für diejenige bilamäßige Darstellung, die Oberstdorf oder ein als bei
Überstdorf textlich gekennzeichnetes Motiv in der künstlerisch wert.
vollsten, interessantesten oder ansprechendsten Weise behandelt, Zuge-
lassen sind. Reproduktionen beliebiger Technik; es ist insbesondere gleich.
gültig, ob es sich handelt um reproduzierte Ölgemälde, Radierungen, Holz.
Schnitte, um Heliogravüren, um ausgesprochene Zeitschriften- oder Buch-
ustrationen, um illustrierte Postkarten und dergleichen. Voraussetzung
Ist, daß die einschlägige bildliche Darstellung in der Zeit vom Erscheinen
dieses Ausschreibens bis spätestens 30. November d. J. durch mechanische
Vervielfältigung und durch Erscheinen dieser Vervielfältigung in Presse
oder Handel einem unbegrenzten, größeren Personenkreis zugänglg ge-
Macht worden ist. | |
Es können bei beiden Bewerbungsgruppen auch Arbeiten eingereicht
werden, die ohne Kenntnis dieses Ausschreibens, beziehungsweise ohne
        <pb n="330" />
        330

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

durch dasselbe veranlaßt worden zu sein, veröffentlicht worden sind.
Die Zahl der Bewerbungsschreiben für den einzelnen Bewerber ist nicht
begrenzt. Die Einsendungen bleiben Eigentum des Bewerbers. Das Be-
werbungsmaterial ist bis spätestens 10. Dezember d. J. an Herrn Dr.
Boeckner, Oberstdorf, Haus Boeckner, unter Beifügung des Rückportos
sinzusenden,

Das Schiedsgericht besteht aus den Herren Dr. Boeckner-Oberstdorf,
Professor Dr. Wymer-München, Otto Reichenbach-Oberstdorf, Die Ent-
scheidung wird im Laufe des Januar 1925 im Anzeigenteil der „Jugend“
bekanntgegeben.

Der Gedanke bei diesem literarischen und künstlerischen
Wettbewerb war an sich gut. Aber in beiden befindet sich ein
schlimmer Fehler, auf den ich in einem besonderen Kapitel:
„Verhängnisvolle Wettbewerbe und Preisausschreiben“ ein-
gehend zu sprechen komme und dessen Beachtung ich gar
nicht dringend genug empfehlen kann. Über die Art des Fehlers
gibt das genannte Kapitel genauen Aufschluß.

Im Januar 1925 war zwischen zwei großen Gaststätten in
München ein Streit über die Benützung der Bezeichnung „Bal
pare‘“ entbrannt. Die eine der beiden Parteien nahm diesen
[ranzösischen Titel ausschließlich für sich in Anspruch mit der
Begründung, daß nur sie ihn seit vielen Jahren verwendet
habe! Ich habe damals in der Presse den Vorschlag gemacht,
durch ein Preisausschreiben die treffendste Verdeutschung
dieser zwei französischen Wörter zu finden. Für die mancher-
lei Fachausdrücke französischen Ursprungs, die heute noch im
Gastgewerbe gebraucht werden, ließe sich vielleicht ebenfalls
durch Preisausschreiben geeigneter und verständlicher Ersatz
beschaffen. Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp?

Nun möge als Beispiel ein Preisausschreiben folgen, das ich
selbst im Sommer 1924 in Berchtesgaden veranstaltet habe.
Es war ein

Lichtbilder- Wettbewerb.
Welche Gesichtspunkte mich bei diesem Wettbewerb leiteten,
will ich kurz schildern, und zwar deshalb, weil ich wiederholt,
        <pb n="331" />
        PRAKTISCHE BEISPIELE FÜR PREISAUSSCHREIBEN UND WETTBEWERBE 331
bis in die jüngste Zeit, um Auskunft über die Bedingungen und
die Ergebnisse jenes Wettbewerbes gebeten wurde.

Weder der Kurdirektion, noch dem Gemeinderat, noch dem
Fremdenverkehrsverein standen eigene gute Originale, das
heißt photographische Platten und Abzüge, für die Wiedergabe
in Werbeschriften, in Zeitschriften und Zeitungen zur Ver-
fügung. Bei jedem Bedarf war ich auf die Gnade und den guten
Willen der ortsansässigen Lichtbildner angewiesen. Auf dem
Gebiete der Reklame und Propaganda sind „ungefesselte“
Hände für den Werbeleiter jedoch oberster Leitsatz. Sonst kann
er keine wirklich erfolgreiche Arbeit leisten. Der Lichtbilder-
Wettbewerb sollte dem Kurort also gute Originalaufnahmen
liefern, über welche die Kurdirektion frei verfügen könnte.
Daß unter diesen neuen Aufnahmen sich auch solche befinden
würden, die der schon oft photographierten Landschaft reiz-
volle neue Seiten abgewinnen würden, bezweifelte ich keinen
Augenblick. Das Ergebnis hat mir Recht gegeben. Die Betei-
ligung an dem Lichtbilder-Wettbewerb war erfreulich rege,
obwohl das Ausschreiben in die Hochsaison fiel. Es brachte,
neben dem unvermeidlichen Kitsch wohl photographier-
freudiger aber blutiger Dilettanten, auch eine Anzahl aparter
und wirkungsvoller Lichtbilderaufnahmen, die eine wertvolle
Grundlage für die Propaganda sein können.

Das ist die eine gute Seite eines Lichtbilder-Wettbewerbes.
Es regt zu neuen Schöpfungen an und liefert manches Brauch-
bare für die so wichtige Propaganda. Nun komme ich zur
anderen guten Seite. Es gibt vielseitige Verwendungsmöglich-
keiten für die preisgekrönten Bilder. Man kann sie in Führern,
Prospekten, auf Empfehlungskarten, Briefbogen usw. ver-
wenden, und zwar mit dem Hinweis: „Preisgekrönt‘, was den
Bildern ein besonderes Ansehen verleiht und beim Beschauer
ein tieferes Interesse weckt. Man kann Postkarten davon her-
stellen lassen und diese für vielseitige Reklamezwecke ver-
wenden. Eine Anzahl guter illustrierter Zeitschriften hatte mir
noch vor Austragung des Wettbewerbes ihre Zusage gegeben,
einige der preisgekrönten Bilder mit entsprechendem Begleit-
text zu reproduzieren. Also eine kostenlose Reklame allerersten
Ranges. Die Kunde von dem Wettbewerb war von zahlreichen
Tageszeitungen und periodischen Zeitschriften veröffentlicht
worden, die ja immer zur Mithilfe bereit sind, wenn es sich um

eine ernste Angelegenheit von wirklich künstlerischem Interesse
        <pb n="332" />
        382

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

handelt. Über das Ergebnis des Wettbewerbes wurde dann
wiederum in zahlreichen Zeitschriften und Zeitungen berichtet.

Schon dieser eine Wettbewerb brachte also, wenn ich so
sagen darf, den Kurort in vieler Leute Mund. Das aber ist
heutzutage nötig, denn ein Kur- oder Badeort, eine Sommer-
frische, ein Wintersportplatz ist keine Schöne, die man am
höchsten schätzt, je weniger von ihr gesprochen wird.

Da für Lichtbilder- Wettbewerbe aus begreiflichen Gründen
wohl das meiste Interesse vorhanden sein wird, gebe ich die
Bedingungen auch dieses Wettbewerbes wieder. Doch schicke
ich voraus, daß die ausgesetzten Preise, total 750 Mk., für den
Zweck viel zu niedrig gewesen sind. Man muß aber bedenken,
daß im Sommer 1924 die Folgen der Inflation noch empfindlich
zu spüren, die Verhältnisse noch unklar und verworren waren.
Das beeinflußte natürlich auch die finanziellen Dispositionen
der Kurortleitung. 2000 Mk. wäre wohl der Mindestbetrag für
ein derartiges Preisausschreiben.

LICHTBILDER-WETTBEWERB
Preisausschreiben
des Rates des bayrischen Marktes Berchtesgaden,
Abteilung Kurdirektion.
1. Um für seine Veröffentlichungen besonders charakteristische, künst-
lerisch empfundene und in ihrer Auffassung aparte Bilder aus Berchtes-
zaden und seiner weiteren Umgebung (Königssee, Ramsau usw. usw) zu
erhalten, ladet der Rat des bayrischen Marktes Berchtesgaden, Abteilung
Kurdirektion, Lichtbildner von Beruf sowie begabte Amateure zu einem
Wettbewerb
ein und setzt für die geeignetsten Bilder folgende Preise aus:
einen 1. Preis von 150 Goldmark
vier 2. Preise ,„„ je 75 ”
zehn 3. „je 30 n
2. Die Wahl des beziehungsweise der bildlich wiederzugebenden land-
schaftlichen Punkte bleibt dem freien Ermessen der Wettbewerber über-
lassen. Bedingung ist nur, daß die Bilder sprechende Zeugen der Schön-
heiten Berchtesgadens und seiner Umgebung sind, und daß sie sich zur
Vervielfältigung, beziehungsweise für die Wiedergabe in Zeitschriften,
Zeitungen usw. eignen.

3. Die preisgekrönten Bilder und ihre Originalplatten gehen in das
Eigentum des Rates, Abteilung Kurdirektion, über,. dem das alleinige Ver-
fügungs- und Vervielfältigungsrecht zusteht. Der Rat behält sich vor,
        <pb n="333" />
        PRAKTISCHE BEISPIELE FÜR PREISAUSSCHREIBEN UND WETTBEWERBE 333
auch von anderen, nicht preisgekrönten Lichtbildern das alleinige Ver-
fügungs- und Vervielfältigungsrecht zu erwerben.
4. Alle für den Wettbewerb bestimmten Bilder sind in einem Umschlag,
der die Aufschrift tragen muß:
„Für den Lichtbilder-Wettbewerb“
an die Kurdirektion Berchtesgaden (Lesehalle) unter einem Kennwort,
ohne Angabe des Einsenders, einzureichen. In einem der Sendung beizu-
fügenden besonderen Umschlag, der außen ebenfalls dieses Kennwort
tragen muß, ist der Name und die genaue Adresse des Wettbewerbes
Niederzulegen.

5. Schlußtermin für Einreichung der Wettbewerbs-Lichtbilder ist der
15. August 1924. Zum Wettbewerb zugelassen sind auch frühere Auf-
nahmen, insbesondere solche, die den Wintersport in Berchtesgaden zum
Gegenstand haben.

6. Das Preisrichter-Amt haben übernommen die Herren:
Bezirksoberamtmann Frhr. von Feilitzsch
rechtskundiger Bürgermeister A. Nadler
Kurdirektor Harry Nitsch
Kunstmaler Anton Reinbold
Verleger Karl Ermisch

alle in Berchtesgaden.
7. Die Preisrichter können mehrere Bilder eines Einsenders zusammen-
fassen und mit einem Preise auszeichnen. Dann gelten die Bestimmungen
unter 3 auch für diese zusammengefaßten Bilder.

8. Der Spruch der Preisrichter wird im Anzeigenteil des „Berchtes-
8adener Anzeigers‘“ und der „Münchner Neuesten Nachrichten‘ kurze
Zeit nach dem Einsendungsschlußtermin veröffentlicht.

9. Voraussichtlich werden die preisgekrönten sowie die übrigen, hierfür
geeigneten Bilder in noch bekannt zu gebenden Räumen in Berchtesgaden
Öffentlich ausgestellt werden.

‚10. Rücksendung der nicht preisgekrönten Bilder erfolgt nur, wenn die
Einsender dies ausdrücklich gewünscht haben.

Die Schweizerische Verkehrszentrale in Zürich, deren Tätig-
keit in großen Zügen mit der der Reichszentrale für Deutsche
Verkehrswerbung verglichen werden kann, erließ 1926 einen

Ideen- Wettbewerb.
Diesem Wettbewerb lag der Gedanke zugrunde, dadurch neue
Wege zur Entfaltung der Reiseverkehrspropaganda zu finden.
Die Bedingungen lauteten:
A. Die Arbeiten sollen in einer der drei Landessprachen verfaßt werden.
Sie sind in Maschinenschrift abzuliefern und dürfen nicht mehr als
        <pb n="334" />
        334

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

500 Linien umfassen. Eine Veröffentlichung der Arbeiten darf nicht
Früher schon stattgefunden haben. .

2. Die Arbeiten haben sich auf \die Reiseverkehrspropaganda zu-
zunsten der Schweiz in ihrer Gesamtheit zu beziehen.

3. Sie sind mit einem Motto zu versehen und müssen bis zum 30. Juni
{926 der Direktion der Schweizerischen Verkehrszentrale in Zürich,
Bahnpostfach, eingesandt werden. Auf einem versiegelten Briefumschlag,
der den Namen, Vornamen und Wohnort des Bewerbers enthält, ist das
Motto zu wiederholen.

4. Der Jury steht für die Prämiierung guter Arbeiten ein Kredit von
Frs. 3000 zur Verfügung.

5. Die prämiierten Arbeiten und das Urheberrecht an den darin ent-
naltenen Ideen und Vorschlägen gehen in das Eigentum der Schweize-
rischen Verkehrszentrale über.

5. Die Jury setzt sich aus drei Mitgliedern zusammen, die vom Vorstand
der Schweizerischen Verkehrszentrale ernannt werden.

Zu diesem Preisausschreiben wäre kritisch folgendes zu
sagen. Der Gedanke an sich ist gut. Es ist möglich, daß er
wirklich brauchbare Anregungen zu Tage fördert. Obwohl ich
nichts davon gehört habe, daß das bei diesem Wettbewerb der
Fall gewesen sei. Aber 3000 Frs. sind kein angemessenes
Aquivalent für das, was man von den Teilnehmern erwartet.
Wer wirklich Hervorragendes auf diesem Felde zu bieten hat,
wird durch einen solchen Preis ganz sicher nicht angelockt,
zumal die am Wettbewerb Teilnehmenden keine Ahnung davon
haben, wie die 3000 Frs. verteilt werden, das heißt, in wieviele
Teilchen man sie zerlegen wird.

In Italien wurde von der „Hygiene-Vereinigung‘“ und von
der „Gesellschaft der Grands Hotels“ ein originelles Preis-
ausschreiben erlassen. Man wünschte eine Werbeschrift über
das Thema: „Die Hygiene in den Hotels“ zu erhalten. Die
Schrift war zum Gebrauch für das Hotelpersonal gedacht. In
klarer, verständlicher und knapper Form sollten die wichtig-
sten hygienischen Forderungen behandelt werden, die der Gast
zu stellen berechtigt ist und denen der Betrieb gerecht werden
muß. Vorgesehen waren nur zwei Preise, und zwar ein erster
von 3000 Lire und ein zweiter von 1000 Lire.

In Frankreich ist der bekannte „Touring Club de France“,
dem das französische Hotelgewerbe schon sehr viele wertvolle
Anregungen verdankt, verschiedentlich mit Preisausschreiben
        <pb n="335" />
        PRAKTISCHE BEISPIELE FÜR PREISAUSSCHREIBEN UND WETTBEWERBE 335
und Wettbewerben an die Öffentlichkeit getreten. Das inter-
essanteste Preisausschreiben dürfte jenes, schon etwas älteren
Datums, gewesen sein, das die französischen Provinzhotels
anfeuern sollte, ihre reichlich rückständig gebliebenen Betriebs-
einrichtungen zu modernisieren und den Wünschen der Gäste
anzupassen. Immer mit dem Hintergedanken, dadurch die
Auslandskonkurrenz zu schlagen! Außer Geldpreisen, war den
am Wettkampf beteiligten Hotels ein Empfehlungs- und
Werbeschild des Touring Club in Aussicht gestellt worden,
welches bekunden sollte, daß der dieses Schild führende Betrieb
den Forderungen des Touring Clubs entsprochen habe und von
diesem also empfohlen werden könne.

Ganz gleich, was derartige Wettbewerbe oder Preisaus-
schreiben zum Gegenstand haben, immer lassen sie sich zu
einer wirkungsvollen Reklame auswerten, wenn ein erfahrener,
geschulter „Werbefachmann“ die Sache in die Hand genommen
hat. Dann wird sich das in dieses „Geschäft“ hineingesteckte
Kapital gut und vielfältig verzinsen. Voraussetzung ist aller-
dings, daß, wie ich es schon anläßlich des Lichtbilder-Wett-
bewerbes von Berchtesgaden angedeutet habe, Preise ausgesetzt
werden, die auch wirklich einen „Preis‘“ vorstellen und
befähigte, tüchtige Könner zur Beteiligung verlocken. Zumin-
dest müssen die Preise mit dem Objekt des Ausschreibens
und im Einklang mit dem stehen, was man für die Stadt, den
Kurort oder die Gaststätte von dem Wettbewerb erhofft.

Außer den hier genannten Wettbewerben und Preisaus-
Schreiben gibt es noch das weite Gebiet der sportlichen Kon-
kurrenzen. Von diesen sehr wertvollen Werbemöglichkeiten
werden zwei weitere Kapitel handeln.
        <pb n="336" />
        10

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

44. DIE PREISKONKURRENZEN BEIM
SOMMERSPORT

Die sportlichen Preiskonkurrenzen sind, je nach ihrer Art,
im Sommer oder im Winter möglich. Verweilen wir zunächst
bei den Sommerveranstaltungen. Da möchte ich in erster Linie
an eines der entzückendsten sportlichen Ereignisse erinnern,
las in früheren Jahren außerordentlich beliebt war, dann aber
in den Hintergrund trat und im Weltkrieg fast ganz vergessen
wurde. Ich meine den

Blumenkorso.

Zwar leben wir im Zeitalter des schnellen und nicht immer
blumenhaft lieblich duftenden Automobils, und wir haben den
Blumenkorso fast nur mit Pferdegespannen in Erinnerung.
Warum soll sich aber ein Auto nicht ebenfalls reizvoll mit
Blumen schmücken lassen? Warum sollen sich Autos und
Pferdegespanne nicht zu einem Korso vereinigen können?
Das Scheuwerden haben sich die Pferde doch so ziemlich
abgewöhnt. Was für ein entzückender Anblick war es damals,
als auf blumengeschmückten Wagen reizende junge Damen,
in stimmungsvollen, hellen und duftigen Gewändern, langsam
vorüberfuhren und das Publikum mit Blumen überschütteten.
Es gibt sehr viele Städte und Kurorte, deren klimatisch glück-
liche Lage zur Veranstaltung von Blumenkorsos geradezu
herausfordert. Sie brauchen dazu nicht einmal den Sommer
abzuwarten. Schon im zeitigen Frühjahr, wenn in den Winter-
sportplätzen über 1500 m Höhe noch Eislauffeste und der-
gleichen abgehalten werden, können sie zu Blumenkorsos
einladen.

Ich sprach vom Auto, das sich ebenso gut wie der Pferde-
wagen mit Blumen schmücken lasse und sehr schön und reiz-
        <pb n="337" />
        Dieser wunderhübsche Blumenwagen des Grand Hotel Palace in Locarno, mit seinen
Teizenden Blumenlenkerinnen, war gar kein „Wagen“. Der Text verrät uns seine wahre
Gestalt
        <pb n="338" />
        AUF DER HÖHE!

WINTERSPORTPLAT
BAD FROHWINKEL
DIF., SCHÖNSTEN, FARBIG MARKIERTEN
SKI/TOUREN
MIT EINER FARBIGEN ORIENTIERUNGSSKIZZE

HERAUSGEGEBEN VOM VERKEHRSVEREIN |
BAD FROHWINKEL

En a FL nk LS

Auster für das Titelblatt einer Skitouren-Broschüre
        <pb n="339" />
        DIE PREISKONKURRENZEN BEIM SOMMERSPORT 339
voll wirken könne. Ganz gleich, wo der Blumenkorso ver-
anstaltet wird, in einem der glücklicheren südlichen Land-
striche oder im rauheren Norden. Als Beweis für die Richtigkeit
meiner theoretischen Behauptungen führe ich auch in diesem
Falle ein ebenso reizvolles wie überzeugendes Musterbeispiel
vor.

Dieser wunderhübsche Blumenwagen birgt nicht nur in
seinem lebenden Inhalt ein süßes Geheimnis, sondern er ist
selbst ein Geheimnis. Oder hat vielleicht einer meiner Leser
schon erraten, daß diese fahrende Blumenpracht von Haus aus
ein lieblich nach Benzin oder Benzol duftendes — — Auto ist?
Hier also der Beweis, daß auch das Auto dem Blumenkorso
dienstbar gemacht werden kann. Das Auto des Grand Hotel
Palace in Locarno beweist es uns. Es war in dieser blumigen
Gestalt ein Schlager des Locarneser Kamelienfestes im Früh-
Jahr 1926.

_ Preise für den schönsten Wagen, für den originellsten Wagen,
für das schönste und für das originellste Kostüm usw. würden
zur Beteiligung anreizen. Ein bequem erreichbares Büfett mit
Erfrischungen, ein anschließender Tanz, wenn möglich im
Freien, würden die Wirkung erhöhen.

Automobil-Konkurrenzen
in ihren bunten Variationen, wie Schnelligkeits-, Zuverlässig-
keits-, Kurvenfahren usw. usw. können fesselnde Abwechslung
in die Saisonprogramme größerer Kurorte oder Fremden-
verkehrsstädte bringen. Obwohl sie in den letzten Jahren etwas
sehr reichlich veranstaltet worden waren, haben sie noch nicht
an Interesse eingebüßt.
Die Sportkostümschau
würde wahrscheinlich dem gleichen regen Interesse begegnen,

wie ihre Schwester, die Modenschau. Man könnte auch beide

zu einer reizvollen Veranstaltung vereinigen. Natürlich müßte

die Sportschau alles zeigen, was zur modernen Sportausrüstung

gehört. Über die Modenschau allein habe ich in einem Spezial-

kapitel geplaudert, deshalb kann ich mich hier kurz fassen.
Tanzturniere.
Sollen sie regstes Interesse wecken und zu starkem Besuch
verlocken, so ist es unerläßlich, daß einige der zugkräftigen
        <pb n="340" />
        340

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Tanzkoryphäen zur Beteiligung gewonnen werden, die augen-
blicklich „große Mode“ sind. Voraussetzung ist das Vorhanden-
sein eines mondänen, stimmungsvollen Rahmens, in dem die
Zuschauer so untergebracht werden können, daß sie auch etwas
sehen.

Da der liebe alte Walzer langsam wieder zu Ehren kommt,
könnte vielleicht auch noch tiefer in den Schatz alter Tanz-
erinnerungen gegriffen werden. Wie wäre es mit einer Tanz-
Revue, auf der die Tänze der letzten 25. Jahre wieder zum
Leben erweckt würden?

Gar manchem Kurort böte sich wohl auch noch eine weitere
Möglichkeit, den Tanz in den Dienst der eigenen Werbung zu
stellen. Ich denke an die Volkstänze, die schönen, oft sehr
originellen alten Heimattänze, die sich in vielen Gegenden
erhalten haben. Wer, um ein Beispiel anzuführen, im Sommer
einmal in Berchtesgaden war, der hat auch sicher einem jener
„Almtänze‘“ beigewohnt, wo die originellen und urwüchsigen
Heimattänze von der einheimischen Jugend getanzt werden,
und bei denen nicht nur die alten Tänze, sondern auch die
schönen Volkstrachten gepflegt werden. Ähnliche Heimattänze
findet man im Erzgebirge, in Thüringen, in Schlesien, in
Hessen und noch in vielen anderen Gegenden Deutschlands,
Österreichs, der Schweiz, Jugoslawiens, der Tschechoslowakei
und anderer Länder mit regem Reiseverkehr. Wenn diese
Volkstänze in geschickter Weise zu einem Wettbewerb aus-
gestaltet würden, so wäre damit nicht nur eine neue Zugkraft
für den Kurort geschaffen, sondern auch zugleich einem
edleren Zweck gedient. Die Pflege alter Heimatbräuche ist
sicher kein schlechtes Ziel, zumal wenn man sich bemüht, diese
Wettbewerbe von allzu Reklamehaftem freizuhalten.

Interessenten wird es willkommen sein, ein paar Leitsätze
für derartige Wettbewerbe zu erhalten. In einer Studie über
Volkstänze als Wettbewerbe stellte H. Häcker, Stuttgart, für
die Bewertung der Tänze durch die Preisrichter usw. folgende
vier Hauptpunkte auf:

Il. War es ein Volkstanz?

Ja = 2 Punkte, zum Teil = 1 Punkt, nein == 0 Punkt.

2, Wie war der Gesamteindruck?

3. Wie war die Gesamtausführung?

ı. Wie war die Einzelausführung?

Bei 2 bis 4: Sehr gut==3 Punkte, gut==2 Punkte, befriedigend =—
L Punkt, unbefriedigend — 0 Punkt.
        <pb n="341" />
        DIE PREISKONKURRENZEN BEIM SOMMERSPORT 34
Zu diesen 4 Hauptpunkten gab Häcker dann noch die folgenden Richt.
linien für die Schiedsrichter sowohl als auch für die Leiter der Tanz-
gruppen:

Zu 1: War es ein Volkstanz?

Blieb die Art des Volkstanzes in bezug auf Einfachheit und Natürlich-
keit gewahrt?

Neigte der Tanz nicht zu sehr zu einem Gesangsreigen oder ähn-
lichem hin?

Von Interesse für das Schiedsgericht ist es auch, zu wissen, ob der
Tanz nach einer Vorlage eingelernt wurde oder von dem Leiter selbst
erdacht ist?

Zu 2: Wie war der Gesamteindruck?

„Bei jeder Wertung spielt der Gesamteindruck eine Hauptrolle. Ist
dieser gut, kommt ein Schiedsgericht über die nachstehenden Einzelfragen
ziemlich rasch hinweg. Sie sind:

Kam Lust und Freude bei der Ausführung zum Ausdruck oder arbei-
teten nur die Arme und die Beine?

War der Gesang befriedigend?

‚ Standen die Tanzbewegungen mit dem Text und der Melodie des Liedes
im Einklang?

Weiter beeinflussen den Gesamteindruck die Kleidung, die Größe der
Gruppe, die Musikbegleitung und dergleichen mehr.

Zu 3: Wie war die Gesamtausführung?

Erblickt man das Bestreben bei den Beteiligten, in zwanglosester Weise
das Beste zu bieten, oder war bei der Ausführung eine gewisse Ängst-
lichkeit oder Geziertheit zu beobachten?

Die Gleichmäßigkeit der Bewegungen, wie man sie bei turnerischen
Übungen verlangt, darf hier nicht in Betracht gezogen werden, sondern
in ungebundener Freiheit kann jedes eine gewisse Eigenart in tempera-
Mmentvoller Weise zum Ausdruck bringen.

Zu 4: Wie war die Einzelausführung?

Haben einzelne versagt oder waren ihrer Aufgabe überhaupt nicht
Sewachsen?
Damit wären wir mitten in den sportlichen Veranstaltungen
angelangt, denn der Tanz ist unserer modernen Jugend zum
Sport geworden. Vom Tanz, den man heute auch im Freien
übt, bis zu den ausgesprochenen Sportarten ist nur ein kleiner
Schritt.
Tennis-. Hockey-, Golf- und Polo-Turniere.
_ Es sind die schönen und gesunden Sportarten, die besonders
in Kur- und Badeorten gepflegt werden können. Man hat ihre
Pflege in den letzten Jahren hier und da leider ein wenig ver-
Nachlässigt, was weder im Interesse des jetzt So ungeheuer
beliebten Sports, noch in dem der Kur- und Badeorte liegt.
Namentlich dem Golfspiel sollte man regste Aufmerksamkeit
        <pb n="342" />
        34%

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

schenken. Die Zahl der Golfspieler und Golffreunde ist im
Laufe der letzten Jahre überall enorm gewachsen. Die Propa-
ganda in England und Amerika würde ganz wesentlich gefördert
werden, wenn auf sportgerechte, schön gelegene und bequem
erreichbare Golfplätze hingewiesen werden kann. Vielleicht
wendet man auch dem vernachlässigten Krokett wieder ein
wenig Aufmerksamkeit zu. Der Kreis seiner Freunde ist immer
noch groß genug, um mit Aussicht auf Erfolg ein Turnier
veranstalten zu können. Wie wäre es mit der Wiederbelebung
des originellen Diabolospieles?

Fußball-Turniere
würden in jedem Kur- oder Badeort möglich sein, vorausgesetzt,
daß für einen geeigneten Sportplatz gesorgt worden ist, tüchtige
Mannschaften erreichbar sind und auch befähigte Sportsleute
für das Arrangement und als Preisrichter gestellt werden
können. Weniger geeignet erscheinen mir die ausgesprochenen
Kraftsporte. Oder doch?

Was dem einen syn Uhl, ist dem andern syn Nachtigall!
Vielleicht würde auch eine solche Kraftkonkurrenz ungeahnten
Zulauf bringen. Bei den „Ferien vom Ich“, die ein Kur- und
Erholungsaufenthalt ja sein sollte, werden sehr häufig andere
Interessen geweckt, und der Nichtsportler sieht sich wohl auch
mit Interesse mal einen Ringkampf oder einen Boxergang an.

Ring- und Boxkämpfe.

Pferderennen.
Sie sind zwar sehr mondäne Veranstaltungen, kommen aber
aur für Kurorte mit regstem Fremdenverkehr und einer allen
Anforderungen gewachsenen Rennbahn in Frage. Zwar locken
die Tage der Rennen zahlreiche Besucher an — man denke an
Baden-Baden, dessen Rennwoche den Hotels, Fremdenheimen
und Gaststätten die stärkste Einnahme des ganzen Jahres
bringt, man denke an die Pferderennen in den weltbekannten
Kurorten der Tschechoslowakei, Belgiens, der Schweiz usw., —
aber es müssen auch alle Vorbedingungen für eine solche
sportliche Veranstaltung vorhanden sein. Immerhin gibt es
noch manchen Bade- oder Kurort von Rang und Ruf, der es
        <pb n="343" />
        DIE PREISKONKURRENZEN BEIM SOMMERSPORT 343

wagen könnte, den Reiz und die Anziehungskraft seiner sport-
lichen Darbietungen durch Pferderennen zu erhöhen.
Ruder-. Schwimm- und Segelsport-Konkurrenzen.

Sie alle sind natürlich nur dort möglich, wo die Vorbedin-
gungen dazu vorhanden sind. In erster Linie kommen also
Seebäder oder an Seen oder befahrbaren Flüssen gelegene Kur-
orte und Fremdenverkehrsstädte in Betracht. Dort könnte man
wohl auch mal einen Angelwettbewerb ausschreiben, wenn
gutes Fischwasser zur Verfügung steht. Für den an Beliebtheit
immer mehr gewinnenden Rudersport gebe ich nachstehend
einige wichtige Winke, weil sie sehr wohl werbetechnisch aus-
genützt werden können,
Der Kanu-Sport,
der Sport des sogenannten Paddlers oder Wasserwanderers, hat
in den letzten Jahren viele neue Freunde und infolgedessen
auch an Bedeutung gewonnen. Beachtung dieser interessanten
und sehr gesunden Sportart kann allen hierfür in Betracht
kommenden Kur- und Badeorten wärmstens empfohlen werden.
Der Verband der Kanufahrer ist im Jahre 1926 als Stamm-
verband in den Deutschen Reichsausschuß für Leibesübungen
eingetreten und hat damit die Anerkennung der Sport- und
sonstigen Behörden erlangt. Eine Kanu-Regatta in Köln, ein
Kanu-Tag in Bayern waren die bedeutendsten sportlichen
Ereignisse des Sommers 1926. Auf der letztgenannten Ver-
anstaltung fand die große Wüldwasser-Regatta auf der Isar mit
den deutschen Faltbootmeisterschaften besondere Beachtung.
Für den Kanu-Rennsport wurden aus dem Olympiafonds des
Oben zitierten R. f. L. 2500 Mk. zur Ausbildung von Renn-
fahrern für die Olympiade in Amsterdam. bereitgestellt. Ein
ganz neues Kampfspiel, das
Kanu-Polo.
Soll im Jahre 1927 zum erstenmal in Erscheinung treten. Es
dürfte den Werbewert des Kanusports wesentlich erhöhen, Das
Kanu-Segeln vermehrt den Reiz dieses Sports, der vielseitiger
ist, als der Laie ahnt. Darum schenke man ihm auch in den
Fremdenverkehrskreisen die verdiente Beachtung und nütze
seine Propagandamöglichkeiten aus.
        <pb n="344" />
        AA

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Technisches über Ruderregatten.
Die „Saison“ für Regatten aller Art ist nur kurz. Im Kranze
der sportlichen Wettbewerbe können sie für günstig gelegene
Verkehrsstädte und Kur- und Badeorte zur starken Anziehungs-
kraft werden, also zur Hebung des Fremdenverkehrs beitragen.
Besonders der Rudersport hat viele Anhänger, weil er zu den
gesündesten und nervenstählendsten Sportarten gehört. Die
Leiter der Verkehrsstädte, Kur- und Badeorte sollten es sich
deshalb angelegen sein lassen, durch Veranstaltung zugkräftiger
und spannender Wettkämpfe dem Rudersport neue Freunde
zuzuführen. Sie nützen sich damit selbst, weil er zur Belebung
des Fremdenverkehrs beiträgt.

Nun ist man gerade über die technischen Fragen des Ruder-
sports im Publikum wenig oder gar nicht unterrichtet. Es
dürfte deshalb angebracht sein, etwas Näheres darüber mitzu-
teilen. Die Wettfahrtbestimmungen des Deutschen Ruder-
verbandes geben erschöpfenden Aufschluß. Einige der wichtig-
sten Fragen seien an Hand dieser Unterlage kurz gestreift.

Die Boote sind in Klassen eingeteilt, nach diesen Klassen
werden auch die Rennen gegliedert. Die Bootsbemannung gibt
der Klasse den Namen: „Achter‘‘, „Vierer‘“ und „Zweier“ für
einseitig geruderte Riemenboote. „Doppelzweier‘“ und „Einer“
für doppelseitig geruderte Skullboote. Bei der Bootsbesatzung
und den Rennen unterscheidet man: Jungmann-, Junior- und
Senior-Mannschaften und -Rennen. Über diese Mannschafts-
klassifizierung sagen die Wettfahrtbestimmungen des Deut-
schen Ruderverbandes folgendes:

Jungmann ist, wer vor dem 1. Januar des Jahres, in dem die
Wettfahrt stattfindet, noch kein offenes Rennen im Sinne der
A. W.-B. im In- oder Ausland gewonnen hat.

Junior ist, wer vor dem 1. Januar des Jahres, in dem die
Wettfahrt stattfindet, noch keine drei offenen Rennen im Sinne
der A. W.-B. im In- oder Ausland gewonnen hat. Rennen, die
nach Ausschreibung nur auf die Jungmannklasse beschränkt
waren, zählen nicht mit. Wer in einem unbeschränkten Rennen
gesiegt hat, verliert mit Ablauf des Jahres, in dem die Wett-
fahrt stattfand, die Eigenschaft als Junior; unbeschränkte
Rennen sind nach den vom D. R.-V. gegebenen Begriffs-
bestimmungen nur Seniorrennen ohne irgendeine Beschrän-
kung. Wer für das Deutsche Meisterschaftsrudern gemeldet
        <pb n="345" />
        DIE PREISKONKURRENZEN BEIM SOMMERSPORT 345
wurde, verliert vom Zeitpunkt des Meldeschlusses an die Eigen-
schaft als Jungmann oder Junior.

Senior ist, wer die Eigenschaft als Jungmann und Junior
verloren hat.

Bei jedem Rennen trägt der „Bugmann‘“ und der Steuermann
die Startnummer seines Bootes auf dem Rücken, damit die
Zuschauer feststellen können, welcher Verein und welche
Mannschaft gewonnen haben. Ein Schiedsrichter mit weit-
gehenden Vollmachten (Verwarnung, Ausschluß vom Rennen)
begleitet in einem Motorboot jedes Rennen. Er gibt das Start-
kommando, und er bedient sich bei unvorschriftsmäßigem
Rudern folgender Zeichen: Weiße Tafel bedeutet abgebrochenes
Rennen. Rote Tafel: Neuer Start auf der Strecke. Gelbe Tafel:
Neuer Start von Anfang. Blaue Tafel: Neuer Start nach Schluß
der Regatte. An einer weithin sichtbaren „Starttafel‘ werden
vor dem Rennen die Nummern aller startenden Vereine, nach
dem Rennen die Nummern der Sieger und der zwei nächsten
Boote hochgezogen.

Verkehrsstädten sowie Kur- und Badeorten, die Ruder-
regatten selbst veranstalten oder wo solche von anderen Inter-
essenten veranstaltet werden, ist zu empfehlen, die obigen
knappen Orientierungen im Programm bekannt zu geben. Sie
werden sich damit den Dank jener Regattenzuschauer ver-
dienen. die auf diesem Gebiete noch Laien sind.

Preisschießen und Tontaubenschießen.
Der Schießsport hatte schon immer viele Freunde. Seit dem
Weltkrieg hat seine Beliebtheit in vielen europäischen Ländern
noch zugenommen. Ich kenne mehr als einen Kur- oder Bade-
ort, der im Laufe der letzten Jahre einen Schießstand angelegt
hat oder das baldigst zu tun beabsichtigt. Tatsächlich würde
man mit einer solchen Einrichtung dem Ort eine neue
Anziehungskraft verleihen, weshalb ich zur Anlegung eines
Schießstandes überall da rate, wo die Vorbedingungen dafür
vorhanden sind. Das heißt: er muß idyllisch im Wald, möglichst
abseits vom Ort und so liegen, daß das Schießen nicht oder nur
schwach zu hören ist, und er muß auf bequemen, möglichst
schattigen Wegen zu erreichen sein. Man lege den Schießstand
Nicht an, ohne einen erfahrenen Sachkenner zu Rate zu ziehen.
Dann wird sich auch die Veranstaltung von Preisschießen oder
        <pb n="346" />
        246

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Tontaubenschießen lohnen, die dem Ort viele Gäste zuführen
werden.
Schachturniere.

Für dieses königliche Spiel, das bedeutendste auf dem
Gebiete der geistigen Wettbewerbe, kann auch bei dem ver-
wöhntesten, internationalsten Badepublikum lebhaftes Inter-
esse geweckt werden, wenn man die Veranstaltung geschickt
aufzuziehen weiß. Das haben die Schachturniere in Baden-
Baden im Frühjahr 1925 und 1926 bewiesen. Sie hatten nicht
allein zahlreiche Fremde nach dort gelockt, sondern auch die
Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf Baden-Baden gelenkt,
weil die Zeitungen vieler Länder eingehende Berichte über die
Turniere veröffentlichten. Ich habe selbst eine Fülle solcher
Berichte beim dortigen Kurkommissar Duschl eingesehen, und
sie stammten aus fast allen Erdteilen. Darunter Berichte, die
ganze Spalten, zuweilen sogar ganze Seiten einnahmen. Das
Gleiche wäre von dem im Dezember 1926 in Meran statt-
gefundenen internationalen Schachturnier zu sagen. Auch über
diese Veranstaltung wurde in der gesamten Weltpresse berichtet
und der Kurort somit immer wieder in Erinnerung gebracht.

Aber auch mit anderen Spielen geistiger Art, mit dem
beliebten Skat, in der Schweiz mit dem Jass, in Österreich mit
dem Tarock, mit Bridge, Dame und Domino könnte wohl mal
der Versuch zu Wettbewerbsspielen gemacht werden. Sollte
ein Kurort den Wunsch haben, mit einem originellen, mehr
ulkig aufzufassenden Turnier auf dem Wettbewerbsplan zu
erscheinen, so dürfte ein Rauch-Turnier wohl das geeignete
Objekt sein.

Für Schönheitskonkurrenzen möchte ich nicht plaidieren.
Sie sind zwar in Amerika noch immer stark in Mode, und gar
manche preisgekrönte amerikanische Schönheit hat das Glück
gehabt, neben dem Preis auch noch einen reichen Mann zu
bekommen, aber es liegt in einer solchen Konkurrenz doch eine
gewisse Gefahr. Sie kann zur Verärgerung der nicht mit Preisen
bedachten Schönen führen, und es steht zu befürchten, daß
diese dann das Gegenteil eines Lobliedes auf den veranstaltenden
Kurort singen werden. Mit der Gefahr soll man auch bei Preis-
spielen nicht spielen.
        <pb n="347" />
        DIE PREISKONKURRENZEN BEIM WINTERSPORT 3%

45. DIE PREISKONKURRENZEN BEIM
WINTERSPORT
Der Wintersport liefert zahlreiche Möglichkeiten für die
Veranstaltung interessanter Konkurrenzen. Da sie überall
bekannt sein dürften, begnüge ich mich mit der summarischen
Aufzählung. Wenn der Schnee es erlaubt — das große Frage-
zeichen??? — so können in das Winterprogramm aufgenommen
werden:
Preisrodeln für Kurgäste, eventuell auch für Einheimische

Jugendpreisrodeln

Hörnerschlittenwettfahrten

Bobrennen

Skiwettläufe

Fuchsjagden — Staffettenläufe

Sprungkonkurrenzen (Sprungschanze muß vorhanden sein und allen

gerechtfertigten Ansprüchen der Springer genügen)

Skijöring und Trabrennen

Eislaufkonkurrenzen

Eiskostümfeste

Eisschießen, wie es in Bayern sehr beliebt ist

Eishockeykonkurrenzen

Tontaubenschießen

Preisschießen am Schießstand

Flugturniere (mit Flugzeugen, das allermodernste, aber nur möglich,
wenn ein Flugplatz vorhanden ist)

Diese einzelnen Konkurrenzen Jassen sich natürlich noch
vielseitiger und bunter gestalten. Das richtet sich in erster Linie
nach den örtlichen Verhältnissen und nach den zur Verfügung
stehenden Mitteln. So könnte zum Beispiel ein Eiskostümfest
mit Preiskrönung des schönsten und originellsten Kostüms viel
Anklang finden.

_ In Bayern kennt man noch einen weiteren Eissport außer
Schlittschuhlaufen, Skijöring und Trabrennen und treibt ihn
        <pb n="348" />
        148

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

mit Leidenschaft. Er würde auch in anderen Gebieten ein-
geführt werden können und sich gewiß Freunde erwerben:
Das Eisschießen!

Zur Ausübung dieses Sports, der etwas Ähnlichkeit mit dem
Kegelspiel hat, gehört in erster Linie eine genügend lange Eis-
laufbahn, die aber nur schmal zu sein braucht. Es gehört ferner
dazu eine genügende Anzahl Schießeisen. Das sind schwere,
Mache, runde Scheiben mit einem kurzen, leicht gebogenen,
beweglichen Stiel, mit denen nach einem winzig kleinen Ziel,
meistens einem Stück Holz, „geschossen‘‘ wird. Die tellerartige
Scheibe gleitet auf dem Eis fort und muß das Ziel treffen. Da
die Beteiligung am „Eisschießen‘“ einem größeren Kreis
möglich, aber auch das Zuschauen interessant ist — ich selbst
habe gern und oft den stillvergnügten Zuschauer gemacht, bis
die Füße am Eis festzufrieren drohten — könnte seine Ein-
führung lebhaften Anklang finden. Es ist ein gesunder Sport,
aber es gehören ziemliche Armmuskelkräfte dazu, die schwere
Scheibe dem entfernten Ziele zuzutreiben. |

Da der Skilauf sich im Laufe des letzten Jahrzehnts ein
Riesenheer von jungen und alten Anhängern erobert hat, ist er
für alle Wintersportplätze die wichtigste Sportart geworden.
Aus diesem Grunde lasse ich nunmehr eine praktische Anregung
[olgen, die hier einen Platz verdient, weil sie zugleich ein aus-
gezeichnetes Werbemittel werden kann.

FARBIG MARKIERTE SKITOUREN UND IHR
WERBEWERT

Der Verkehrsverein von Davos hatte für den Winter 1926/27
unter anderem auch eine sportliche Neuerung vorbereitet, die
eine kurze Besprechung verdient, weil sie den Leitern von
Wintersportplätzen wertvolle Anregungen zu geben vermag.
Es ist auch dem Nichtsportler bekannt, daß die Orientierung
im verschneiten Gelände sehr viel schwieriger ist als im Sommer,
wenn Landschaft, Berge, Wald und Wiesen ihr buntfarbiges
Gewand tragen. Deshalb hat Davos zwölf der interessantesten
und schönsten Skitouren in die Umgebung farbig gekenn-
zeichnet. Zu Anfang des Winters werden diese Touren mit
kleinen Pflöcken und Fähnchen ausgesteckt. Pflöcke und
Fähnchen sind mehrfarbig gehalten, und die Farben korre-
        <pb n="349" />
        DIE PREISKONKURRENZEN BEIM WINTERSPORT 349

A2 MARKIERTE
748
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en FIDERIS —— güBLIS- SKITOUREN Von DAVOS
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12. DAVOS TOURS MARKED BY POSTS

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Die im Text besprochene, farbig markierte Skitourenkarte von Davos.
        <pb n="350" />
        350

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
spondieren mit einem extra für diese Zwecke gezeichneten
Plan, Ich gebe ihn, der im Original fünffarbig gehalten ist, im
Schwarzdruck hier wieder. Er ist so deutlich und übersichtlich,
daß eine ausführliche Erläuterung überflüssig erscheint. Nur
über die Farben, die die einzelnen Touren scharf markieren
ınd voneinander trennen, seien ein paar Worte gesagt.

Tour 1 ist in Rot gehalten, sie führt aus dem Herzen des
langgestreckten Ortes hinauf zur Schatzalp und von dort weiter
zum Strelapaß. Tour 2 beginnt unterhalb von Davos-Platz,
leuchtet in hellem Blau und hat das Körbshorn zum Ziel.
Tour 3 führt hinauf zum Nüllisgrat und ist wiederum in Rot
gehalten. Tour 4 ist kombiniert zu einer kürzeren, 4 A auf der
Skizze genannt und gelb markiert, nach dem bekannten Sana-
torium Clavadel führend, während ihre Verlängerung blaue
Farbe trägt, 4B heißt und das Sertig Dörfli mit Davos ver-
mittels der Schneeschuhe verbindet. Tour 5, gelb getönt, leitet
aus dem Herzen von Davos hinauf zur Weißfluh, von wo die
Möglichkeit des Abstieges zur Parsennhütte (gelb punktierte
Linie auf der Karte) sowie der Kombination mit den Touren 6,
7 und 11 gegeben ist. Tour 6 ist grün markiert, führt von
Davos-Dorf zum Maierhoftäli und kann von dort zur Weißfluh
(gelb punktierte Linie) ausgedehnt werden. Tour 7, blau mar-
kiert, kann von der Eisenbahnstation Laret aus angetreten
werden und ermöglicht mehrere Kombinationen. Touren 8 und
9, gelb markiert, führen nach Klosters und von dort hinein in
die Hochgebirgswelt. Tour 10 ist blau getönt und beginnt an
der Bahnstation Serneus. Tour 11, rot, und Tour 12, grün,
haben die Bahnstation Küblis zum Ausgangspunkt und ermög-
lichen dem geübten Fahrer verschiedene Kombinationen, zum
Beispiel auch die Rückkehr nach Davos auf den Touren 5
und 6.

Von besonderem Interesse ist, daß diese zwölf Skitouren sehr
reich mit Rettungsschlitten ausgestattet sind. Ihre Stationen
sind in der Tourenskizze durch ein schwarzes Kreuz markiert.
Bei den Rettungsschlitten findet man auch Verbandskästen.
Nach großen Schneefällen werden die farbigen Pflöcke und
Fähnchen selbstverständlich erneuert. Stellen, wo Lawinen-
gefahr droht, sind durch ein Warnungszeichen kenntlich
gemacht, natürlich auch auf der Tourenkarte. Aus den Zahlen
bei den Zielpunkten erfährt der Sportler die Höhenlage. Die
Tourenskizze ist in Form einer kleinen, handlichen Broschüre
        <pb n="351" />
        DIE PREISKONKURRENZEN BEIM WINTERSPORT 331

gehalten. Entfaltet ist die Karte 315 mm hoch und 230 mm
breit. Zusammengefaltet nimmt sie nur noch 160 mal 115 mm
ein. Auf der Rückseite der Skizze findet der Wintersportler
einige beachtenswerte Allgemeinregeln, wie sie die Praxis
gelehrt hat, sowie eine knappe Beschreibung der 12 Touren.

Außer allem Zweifel ist es, daß nicht nur die Freude am
gesunden Wintersport gehoben wird, wenn man dem Sportler
und der Sportlerin zuverlässige Orientierungsmittel an die
Hand gibt, sondern es werden dadurch auch dem Ort und der
Landschaft zahlreiche neue Freunde geworben. Besonders
begrüßen wird es der Sportsfreund, wenn er solche Mittel für
Seine Orientierung schon vor Antritt des Winterurlaubs erhalten
kann. Ihm ist es dadurch ermöglicht, sich in aller Muße noch
zu Hause mit dem Skigelände vertraut zu machen und sich
einen Tourenplan zurechtzulegen.

Wird von der Einrichtung und namentlich von der Touren-
karte geschickter Gebrauch gemacht, so kann sie zum aUus-
8ezeichneten Werbehelfer werden.

Auch das Schlittschuhlaufen ist in den Wintersportplätzen
Wieder stärker in Mode gekommen, seitdem der Schnee
Neckisches Versteckspiel mit den Sportlern treibt und einfach
ausbleibt, obwohl das Thermometer mehrere Grade unter Null
zeigt. Dann steht auf alle Fälle die Eisbahn zur Verfügung, und
©S kann auch zur Inszenierung von
Eislauf-Konkurrenzen
Seschritten werden. Es dürfte willkommen sein, für die Ver-
anstaltung solcher Konkurrenzen einige praktische Fingerzeige
ZU erhalten. Deshalb gebe ich nachstehend das Programm des
Internationalen Schlittschuh-Clubs Davos für das Jahr 1927
bekannt. Vorgesehen war dort: Weltmeisterschaft im Herren-
Kunstlaufen für 1927, Internationale Schnellaufen, Inter-
Nationales Paarlaufen. Das sind Konkurrenzen, die in
allen Wintersportplätzen mit entsprechenden Einrichtungen
Möglich sind. Aus diesem Grunde gebe ich auch die Bedin-
8ungen für diese drei verschiedenen Konkurrenzen wieder.
Sie können solchen Kurorten praktische Anregungen liefern,
die auf dem Gebiete der Sportkonkurrenzen erst noch
Erfahrungen sammeln müssen. Programm und Bestimmungen
lauteten:
        <pb n="352" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Ausschreibung

der am 5. und 6. Februar auf der Davoser Eisbahn statt-
findenden Internationalen Eiswettlaufen.
1. Herren-Kunstlaufen um die Weltmeisterschaft für 1927.
2. Internationales Schnellaufen auf 4 Strecken.
3. Internationales Paarlaufen.
4. Jugendlaufen: a) Knaben bis zu 14 Jahren,
b) Schüler von 14—16 Jahren.

Künstliche Eisbahn: 18.300 m%

Länge der Schnellaufbahn : 400 m. (Je 5 m breite Doppelbahn
mit 70 m langer Kreuzung und je 2 Biegungen von 180°
zu 25 und 30 m Radius.)

Kunstlaufbahn : 30X40 m, rechteckig.

Zeiteinteilung

Samstag, den 5. Februar 1927:
9,30 Uhr: Kunstlaufen, Pflichtfiguren, 11.00 kurze Pause.
11.00 „ Schnellaufen, Strecke 500 m.

14.15 „ Paarlaufen.

15.00 „ Schnellaufen, Strecke 1500 m.

Sonntag, den 6. Februar 1927:
11.00 Uhr: Schnellaufen, Strecke 1000 m.

Jugendlaufen a und b, Strecken 500 u. 1000 m.
14.00 „ Kunstlaufen, Kürlaufen.
14.45 „ Schnellaufen, 5000 m.

Bias

anQakE EEG ADLCLGLSLSFEHARFLEHLLHKARLHELAHEELDHEAIFEANELELECLCLHFEHLDEDEEELESEERdDEOnFFRADELELERLSCHrDWIEAG_
        <pb n="353" />
        DIE PREISKONKURRENZEN BEIM WINTERSPORT 35

Bestimmungen

Die Schnellaufen und Paarlaufen sind offen für Amateure
der I. E. V., die Welt-Meisterschaftslaufen für Amateure aller Länder.

Die Wettlaufordnung des I. E. V. ist maßgebend.

Meldeschluß für Läufer und Richter Sonntag, 30. Jan., 18 Uhr,

Auslosung der Pflichtfiguren am Abend vor dem Pflicht-
laufen, 18 Uhr.

1. Kunstlaufen um die Welt-Meisterschaft für 1927
Weltmeister für 1926: W. Böcl, W. E. V., Wien
Einsaiz 10 Schwed. Kronen.
Der Sieger erhält den Titel: Meister der Welt im Kunstlaufen
für 1927, die goldene Meisterschaftsmedaille und einen Ehrenpreis,
der zweite und dritte erhalten Ehrenpreise und Ehrenzeichen,
Pflichtlaufen. Zur Auslosung kommen die Nummern:
Für die erste Figur: 38, 39, 40, 41.
Für die zweite Figur: Wenn 40 und 41 ausgelost sind:
30, 31, 38, 39,
wenn 38, 39 ausgelost sind:
32, 33, 40, 41.
34, 35, 36, 537.
Wenn 34, 35 ausgelost sind:
13, 24, 25, 28, 29,
wenn 36 und 37 ausgelost sind:
4, 8, 26, 27.
Für die fünfte Figur: 22, 23,
Für die sechste Figur: 20, 21.
Die sechs Figuren werden in Nummernfolge gelaufen.
Kürlaufen von 5 Minuten.
        <pb n="354" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

7ENVADEBADEGPENSPDLESLENGAAGISLSERDEDLDESLHGNLLMNENSEENNAAUCGCHLGESHDEBLEMAMSHESEDLDLFLDADLGUSE_
2. Internationales Schnellaufen

Einsatz 10 Franken schweizerisch.

Für jede der 4 Strecken dem ersten, zweiten und dritten
ein Ehrenzeichen. Der Sieger erhält die goldene Medaille des
LS. C. D. und einen Ehrenpreis. Der zweite und dritte er-
halten weitere Ehrenpreise,

Sieger und Reihenfolge werden nach $ 55 W. O. be-
stimmt. Die Punktwertungstabelle für die 1000 m Strecke wird
aus dem Weltrekord Oskar Mathisen, 30. Jan. 1909 Davos,
1:31,8. berechnet,

3. Internationales Paarlaufen
Einsatz 10 Franken schweizerisch.
Dem Siegerpaar je eine goldene Medaille und ein Ehren-
preis, dem zweiten und dritten Paar je Ehrenpreise und Ehren-
zeichen.

4. Jugendlaufen
Schnellaufen für Schüler von 14—16 Jahren. Einsatz
Fr. 1.—, drei Preise,
Zeitliche Programmänderungen durch das Rennkomitee
vorbehalten, eventuell auch das Verlegen des Pflicht-Figuren-
laufens auf Sonntagmorgen.

Die Leiter von Wintersportplätzen sollten ihre Aufmerksam-
keit auch dem neuerdings sehr in Aufnahme kommenden

Tisch-Tennis
zuwenden, das in die winterlichen Veranstaltungen Abwechs-
lung zu bringen vermag. In Berlin wurde vom 5, bis 9. Januar
1927 ein Tisch-Tennis-Turnier ausgefochten; ein Zeichen, daß
man diese Sportart auch in die Wettbewerbsspiele mit ein-
reihen kann.
        <pb n="355" />
        DIE PREISKONKURRENZEN BEIM WINTERSPORT 355

Damit wären noch immer nicht alle sportlichen Konkurrenzen
erschöpft und es könnte wohl noch manches Spiel aufgezählt
werden. Doch ich will es genug sein lassen des grausamen
Spiels... Nur erwähnen will ich noch, daß sich alle vor-
genannten Sommer- und Wintersportkonkurrenzen für die
Reklame und Propaganda auswerten lassen. Da Zeitschriften
und Zeitungen heutzutage jeglichem Sport nicht nur Interesse,
sondern auch viel Raum widmen, so haben Notizen und Berichte
über solche sportliche Veranstaltungen die günstigsten Aus-
Sichten, das sogenannte Licht der Öffentlichkeit zu erblicken.

Bei allen Wettbewerben und Konkurrenzen sollte die Wer-
bung, wenn auch nicht offen zu Tage tretend, ein gewichtiger
Faktor sein. Deshalb will ich noch einen weiteren Weg für
die Auswertung aller dieser Werbemöglichkeiten zeigen. Je
Mehr es gelingt, erfahrene Männer der Feder für diese Zwecke
heranzuziehen, desto besser für den Kurort. Nur vergesse man
Nie, was ich über Beachtung und Achtung der Psyche der
Journalisten und über die Empfindlichkeit der Presse gegen-
über verkappter Reklame warnend geschrieben habe!
        <pb n="356" />
        AR

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

16. VERHÄNGNISVOLLE WETTBEWERBE
UND PREISAUSSCHREIBEN

Wettbewerbe, Sportkonkurrenzen und Preisausschreiben der
verschiedensten Art behandle ich in besonderen Abschnitten.
[m Anschluß an die vorhergehenden Kapitel will ich an
Hand von Tatsachen zeigen, wie gefährlich Preisausschreiben
werden können, wenn man dabei nicht an die psychische
Einstellung und Empfindlichkeit der Presse denkt. Statt
theoretischer Erörterungen greife ich sofort ins volle Menschen-
leben.

Der „Zeitungs-Verlag‘, das amtliche Organ der Deutschen
Zeitungsverleger, veröffentlichte in seiner Nr. 14 vom Jahr-
gang 1925 eine Warnung, der er die bezeichnende. fettgedruckte
Überschrift gab:
‚VORSICHT! EIN NEUER GRATIS-
REKLAMETRICK!“
Dann hieß es weiter in dieser Warnung, bei der ich nur die
Angabe der Namen unterlasse, die der ‚Zeitungs-Verlag“
selbstverständlich genannt hatte:

„Die Kurdirektion von ... will folgende Anzeige in den Zeitungen
unterbringen:

Preisausschreiben!

Jeder Reichs- und Auslandsdeutsche, der nachweislich in drei in. oder
ausländischen Zeitungen durch Artikel, Bilder, Gedichte usw. in der
Zeit vom 1. April bis 1, August 1925 die beste Reklame für ... gemacht
hat, erhält als 1. Preis 1000 Mk.; ein 2. Preis zu 500 Mk., ein 3. Preis
zu 200 Mk. werden ausgesetzt. Ein Schiedsgericht, bestehend aus ...,
antscheidet endgültig am 1. Oktober. Bei mehr als tausend Eingängen
werden die Preise vermehrt, bei weniger als hundert Eingängen gekürzt.
Die Artikel sind mit Zeitungsausschnitten bis 1. Juli der Kurdirektion
mit einem Kennwort zu übersenden. In einem geschlossenen Umschlag
zoll die genaue Adresse eingelegt werden.

gez.: Dr. ..., Kurdirektor, ...
        <pb n="357" />
        VERHÄNGNISVOLLE WETTBEWERBE UND PREISAUSSCHREIBEN 357

„Es scheint uns unnötig“ — so schrieb die Redaktion des
„Zeitungs-Verlags“ damals — „darauf hinzuweisen, daß die
Zeitungen diese, vom Pressestandpunkt aus gesehen, unmora-
sche (!!) Anzeige unbedingt ablehnen müssen!“

Die Organisation der deutschen Redakteure war in ihrer
Stellungnahme gegen dieses wirklich hervorragend ungeschickte
Preisausschreiben noch sehr viel schärfer. Das Organ der
Redakteure, die „Deutsche Presse“, schrieb:

„Es muß der Kurverwaltung zum Bewußtsein gebracht werden, daß
Sie sich verrechnet hat, wenn sie glaubt, auf diese Weise ihren An-
zeigenetat schonen zu können, und sie muß einen Denkzettel dafür
bekommen, daß sie es gewagt hat, die Gesamtheit der Redakteure in
aller Öffentlichkeit zu beleidigen oder doch mindestens in einen bösen
Verdacht zu bringen. Denn jedermann, der dieses Preisausschreiben
gelesen hat, muß, wenn er später in seinem oder in einem anderen Blatte
Einen Aufsatz, ein Gedicht, ein Bild oder sonst etwas über den Kurort
findet, zu der Meinung kommen, der Redakteur spekuliere durch die
Aufnahme dieser Reklame auf einen Preis oder stecke mit dem Ver-
fasser oder Einsender unter einer Decke, um bei einem ihm etwa
Zufallenden Preis „halbpart“ zu machen. . Allen Schreibseligen, Verse-
Schmieden und Liebhaberphotographen müßte durch die Verweigerung
der Aufnahme ihrer Schöpfungen beigebracht werden, daß die Zeitungen
Sich nicht dazu hergeben, ihnen die Möglichkeit zu bieten, auf ihrem
Rücken Geldgewinne zu machen.‘
. Es ist wohl überflüssig, noch mit dem Zaunpfahl darauf
hinzuweisen, an was die „Deutsche Presse“, an was der
„Zeitungs-Verlag‘“ sich bei diesem Preisausschreiben gestoßen
haben und warum man diese Anzeige unmoralisch — ein viel
Zu hartes, weil fast vernichtendes Urteil! — nennt und unbe-
dingte Ablehnung empfiehlt. Ganz kurz sei nur angedeutet, daß
der Verein Deutscher Zeitungsverleger seit Jahr und Tag dafür
kämpft, den Textteil der Presse von Reklameauswüchsen frei
ZU halten! In diesem Bestreben hat der Verein die ganze
anständige Presse auf seiner Seite und jeder, der in irgendeiner
Form mit der Werbung und Reklame betraut ist, muß diese
PSychologischen Momente kennen und muß mit dieser psycho-
logischen Einstellung der Zeitungsmänner rechnen. Tut er es
hicht, so setzt er sich, ohne Not, der Gefahr aus, daß seine
Werbearbeit ins Gegenteil verkehrt wird.

In dem Kapitel „Anregungen und praktische Beispiele für
Preisausschreiben und Wettbewerbe“ gebe ich ein Preis-
ausschreiben literarischen und eines künstlerischen Charakters
Wieder, worin beide Male der gleiche Fehler, der die Zeitungs-

20
        <pb n="358" />
        358

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
verleger und Redakteure so in Harnisch bringt, gemacht
worden war. Ein Beweis, daß die Warnungen gar nicht ernst
genug und gar nicht oft genug erhoben werden können.

Es sei ein dritter Fall aus der Praxis der Preisausschreiben
kurz geschildert. Die Kurverwaltung von Bad Wörishofen in
Bayern erließ einen literarischen Wettbewerb. Für die besten,
in Tageszeitungen erscheinenden Aufsätze über Bad W. und
sein Kurleben wurden fünf Preise von 100 bis 300 Mark aus-
gesetzt. Die Aufsätze sollten ungefähr 60 Zeilen lang sowie in
der Zeit vom 1. April bis 15. Juni in mindestens drei Zeitungen
veröffentlicht sein!! Als Auszahlungstermin der Preise war der
l. August 1926 bestimmt.

Die Fachzeitschrift „Die Feder‘, Organ des Allgemeinen
Schriftstellervereins und des Deutschen Schriftstellerinnen-
bundes, glossierte dieses Preisausschreiben wie folgt:

„Ein reichlich naives Preisausschreiben. Jede andere
Badeverwaltung würde für dieselbe Reklame dieselben Preise
zahlen. Und ein paar hundert Reklamen gratis fallen dabei
noch ab. Hände weg!“
Diese Kritik geht lediglich vom Standpunkt des Schriftstellers
aus. Der Zeitungsverleger und Schriftleiter sehen ein solches
Preisausschreiben von ganz anderen Gesichtspunkten aus an.
Für sie kommt die Berufsehre in Frage. Deshalb begnügt man
sich nicht mit einem kategorischen „Hände weg‘, sondern die
Presseleute fahren sofort schärfstes Geschütz auf, wenn es so
plump deutlich wie hier gesagt wird, daß man die Zeitungen
unentgeltlich, unter Umgehung des Anzeigenteiles, an den
Werbewagen zu spannen sucht.

Ein viertes Beispiel aus der Praxis führt uns nach Österreich.
Laut einer Mitteilung der eben genannten Zeitschrift „Die
Feder‘ hatte die Fremdenverkehrskommission der Bundes-
länder Wien und Niederösterreich einen Preis von 1000 sowie
drei Trostpreise zu je 100 Schilling für den werbekräftigsten
Zeitungsartikel über Wien und Niederösterreich (Belletristik
oder Aufsatz) im Umfange von mindestens 600 Wörtern
gestiftet. Daran ist nichts Besonderes auszusetzen, höchstens
wäre zu bemerken, daß das Wort „werbekräftigst‘“ besser
unterblieben oder durch ein harmloseres ersetzt worden wäre.

Die Fremdenverkehrskommission hatte aber an dieses Preis-
ausschreiben die Bedingung geknüpft, daß der Aufsatz bis zum
        <pb n="359" />
        VERHÄNGNISVOLLE WETTBEWERBE UND PREISAUSSCHREIBEN) 359

Endtermin des Preisausschreibens, das ist der 31. Dezember
1926, in einer Tageszeitung des In- oder Auslandes erschienen
sein mußte. Es kommen bei diesem Preisausschreiben wohl in
erster Linie die österreichischen, deutschschweizerischen und
deutschen Zeitungen in Betracht. Also gerade jene Länder,
deren Presse am empfindlichsten gegen alle Versuche ist, den
Textteil in den Dienst offener oder verkappter Reklame zu
Stellen. Angesichts der geharnischten Proteste und der
Boykottierung des schuldigen Kurortes im geschilderten ersten
Falle werden diese Wettbewerbsausschreiben noch unverständ-
licher. Man kann sie nur als ganz außergewöhnlich ungeschickt
bezeichnen und daraus den einzigen Schluß ziehen, daß mit der
Fremdenverkehrswerbung leider nur allzu häufig Elemente
betraut werden, die dieser schwierigen und komplizierten
Materie völlig verständnislos gegenüberstehen.

Fremdenverkehrswerbung ohne Mitwirkung der Presse ist
Nahezu unmöglich. Darum haben alle Fremdenverkehrs-
Interessenten, ganz gleich in welchem Lande sie leben, alle
Ursache, sich die Presse freundlich und geneigt zu erhalten.
Es ist deshalb notwendig, und schon vom Selbsterhaltungstrieb
geboten, bei allen jenen Werbemaßnahmen, die nur unter Mit-
Wirkung der Presse durchgeführt werden können, die psychi-
Sche Einstellung ihrer Angehörigen niemals außer acht zu
lassen. Das ist aber auch eine Pflicht gegenüber der Allgemein-
heit. Denn wenn durch ungeschickte oder unbedachte Werbe-
Maßnahmen die Organisationen der Presseleute häufiger auf
den Kampfplatz gerufen werden, so muß dies schließlich die
ünerfreuliche Wirkung haben, daß man in den Zeitungs-
"edaktionen alle Einsendungen aus Fremdenverkehrskreisen
Von vornherein mit Mißtrauen betrachtet.
        <pb n="360" />
        50

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

17. WISSENSCHAFTLICHE SPORTWOCHEN
ODER SPORTTAGE

Im Winter, wenn die früh scheidende Sonne jeder sport-
lichen Betätigung im Freien ein allzu zeitiges Ende bereitet, die
ins Haus fesselnden Nachmittage und Abende sehr lang werden,
ist es ratsam, für Abwechslung bei der Unterhaltung zu sorgen.
Nützlich ist es auch, wenn in das Allerweltprogramm der Tanz-
tees, Tanzabende, Gesellschaftsabende, Tanzturniere usw. eine
andere, neue Note gebracht wird. Was kann in einem Winter-
sportplatz da näherliegen, als die Veranstaltung gediegener
Vorträge über das ebenso interessante wie vielseitige Gebiet des
Sports? Da ich annehme, daß außer dieser Anregung auch ein
paar Winke über ihre praktische Ausführung willkommen sein
werden, erinnere ich daran, daß Davos im Januar 1927 eine
Wissenschaftliche Sportwoche abgehalten hat. Neben den Vor-
irägen angesehener Männer der Wissenschaft gingen sportliche
Veranstaltungen einher, als: Zweierbob und Damenschlitteln
(Rodeln), Skigymkhana, Skidauerlauf, Skijöring, Skispringen,
Slalomlauf, Schlittelrennen, Eishockey, Skiturnen, Viererbob-
rennen, Curling, Eiskunstlauf und Eisschnellauf. Man kann
dabei mit allen Sportarten paradieren, deren Ausübung am Ort
möglich ist. In dem wissenschaftlichen Teil waren folgende
fesselnde Vorträge mit Rednern von internationalem Ruf
vorgesehen:

Geheimrat Abderhalden, Halle: ‚„„Physiologische Bedeutung
des Sportes“;

Dr. Diem, Berlin: „Sozialhygienische Bedeutung des Sportes“;

Prof. Hellpach, Heidelberg: „Der ideale Wintertag und seine
psycho-physische Wirkung“;

Geheimrat His, Berlin: „Für und wider den Sport‘;

Prof. Hill, London: „Luftdruckwirkungen und Bergsport‘;
        <pb n="361" />
        WISSENSCHAFTLICHE SPORTWOCHEN ODER SPORTTAGE 361
Dr. Knoll, Arosa (Vorsitzender der Sportärztlichen Kom-
mission): Training‘;

Oberregierungsrat Dr. Mallwitz, Berlin: ‚Geschichte des
Sportes‘“‘;

Doz. Dr. Matthias, München-Zuoz: „Sport als Erziehungs-
mittel‘‘;
L Lefredadkteur Buchli, Zürich: „Der Sport im öffentlichen
eben“;

Dr. Munck, Dänemark: „Voraussetzungen für Sport und
Gymnastik“;

Prof. Stähelin, Basel: „Sport als Heilmittel“.

. In den ernsten Teil brachten natürlich auch gesellschaftliche
Veranstaltungen entsprechende Abwechslung. Die Anziehungs-
kraft dieser Wissenschaftlichen Sportwoche hatte man noch
dadurch zu erhöhen versucht, daß zwei Sportsleute und Fach-
Männer ersten Ranges eingeladen waren, nämlich C. Luther,
München, der auf dem Gebiete des Sprungschanzenbaues als
Internationale Autorität gilt, auch im Kanu-Sport (Paddel- oder
Faltboot) eine bedeutsame Rolle spielt, sowie der schweizerische
Skireformator Dahinden.

. Es ist selbstverständlich, daß solche Veranstaltungen, wenn
Se gut beziehungsweise erstklassig aufgezogen werden, ein
Werbemittel bester Qualität sind. Den Sporttagen oder der
Sportwoche mit ihrem wissenschaftlichen Teil können‘ schon
lange Zeit vorher Notizen der verschiedensten Art vorausgehen,
und über die Veranstaltung selbst wird sich dann auch
Mancherlei schreiben lassen. Ganz abgesehen davon, daß wahr-
Scheinlich verschiedene Zeitungen, vor allem die Sportblätter,
ihre Spezialberichterstatter entsenden werden.
        <pb n="362" />
        „0Z

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

48. DIE MITARBEIT DERSCHRIFTSTELLER
UND JOURNALISTEN
In den Bureaus der Kurdirektionen und Fremdenverkehrs-
vereine, der Gemeindeämter, zuweilen‘ auch in den Direktions-
bureaus großer Kurhotels gehen sehr oft Zuschriften von
Schriftstellern ein, die sich erbieten, ihre Feder in den Dienst
des Ortes oder der Landschaft zu stellen. Ein besonders charak-
teristischer Fall verdient kurzes Verweilen. Der Kurdirektion
eines viel besuchten Kurortes war das Gesuch unterbreitet
worden, einem Schriftsteller für einige Wochen unentgeltlichen
oder wenigstens sehr billigen Aufenthalt in einem guten Hotel
zu verschaffen, damit der Betreffende die nötigen Studien für
einen Roman an Ort und Stelle machen könne. Der Schauplatz
des Romans sollte jener Kurort sein.

Es ist gewiß nicht uninteressant, gar manchem Kurortleiter
und Hotelbesitzer sicher sogar willkommen, daß ich auch dieses
eigenartige Thema behandle. Die Auffassungen, wie man sich
gegenüber solchen Wünschen verhalten solle, sind nämlich
sehr verschieden und eine Klärung kann nur von Vorteil sein.

Zunächst sei an ein paar Beispiele aus dem Leben erinnert.
Berchtesgaden in Oberbayern hat im Sommer 1925 einen
Gedenktag zu Ehren eines Schriftstellers gefeiert, der nicht
mehr unter den Lebenden weilt und doch heute noch für den
genannten Kurort als begeisterter und überzeugender Werber
wirkt: Ludwig Ganghofer! Viele seiner Romane haben
Berchtesgaden und seine Umgebung zum Schauplatz, und die
Berchtesgadener selbst sind davon überzeugt, daß sie Ganghofer
sehr dafür zu danken haben, daß die Kunde von den Schön-
heiten ihres Landes sich so weit verbreitete. Tatsächlich haben
Ganghofers Romane, „Die Martinsklause‘“, ‚„„Gotteslehn“‘, „Das
große Jagen‘, „Der Ochsenkrieg‘“ usw., wohl mehr Freunde
für jenes Fleckchen Erde geworben als hochbezahlte Inserate.
        <pb n="363" />
        DIE MITARBEIT DER SCHRIFTSTELLER UND JOURNALISTEN 363

In eine Parallele dazu könnte man Theodor Fontane stellen,
den eigentlichen Entdecker der märkischen Landschaft, Victor
von Scheffel, den. Sänger Heidelbergs und A. Trinius, der in
unzähligen Schriften für das romantische Thüringen begeisterte
Freunde geworben hat. Hier haben wir also Beispiele schrift-
stellerischen Wirkens im freiwilligen Dienste der ihnen ans
Herz gewachsenen Landschaftsgebiete. Nun möchte ich noch
ein weiteres Beispiel aus der Praxis bringen. Das klassische
Land internationalen Reiseverkehrs, die Schweiz, erfreut sich
bekanntlich einer Organisation, deren Zweckbestimmung schon
der Name klar und eindeutig umreißt: „Nationale Vereinigung
zur Förderung des Reiseverkehrs‘“. Aus einem Bericht dieses
Vereines über sein siebentes Geschäftsjahr greife ich einen
kurzen, aber wichtigen Abschnitt heraus. Unter der Spitzmarke
„Mitarbeit von Schriftstellern und Journalisten“ erzählt uns
dieser Passus:
„im Einverständnis mit den Verkehrs-, Hoteliervereinen
und Transportanstalten hat die Schweizerische Verkehrs-
zentrale das Reisen und den Aufenthalt in der Schweiz von
Schriftstellern und Journalisten zu fördern gesucht. Das
Ergebnis dieser Anstrengungen waren zahlreiche, meistens
illustrierte, unser Land betreffende Artikel in der aus-
ländischen Presse. Wir danken hiermit den eben erwähnten
Organisationen, die uns die Erfüllung dieses Teiles unseres
Arbeitsprogrammes erleichterten. Wir messen dieser Aufgabe
eine beträchtliche Bedeutung bei, da die redaktionelle
Propaganda wahrscheinlich von weit größerem Einflusse ist,
als die Publizität durch Inserate oder Plakate.“
In den angeführten Beispielen liegt, so meine ich, die
Antwort auf die Frage ganz klar zutage, wie man sich im Kreise
der Verkehrsinteressenten zu der freiwilligen oder zu erbitten-
den Mitarbeit von Schriftstellern und Journalisten stellen soll.
Man wird vielleicht einwenden, daß zwischen Schriftsteller
und Schriftsteller große Unterschiede bestehen und daß nicht
jeder, der die Feder führt, auch ein Ganghofer oder Fontane
oder Scheffel sei. Gewiß! Aber als Ganghofer seine ersten, in
Berchtesgaden spielenden Werke schuf, war er noch nicht der
beliebte und vielgelesene Erzähler, als der er vor wenigen
Jahren starb; Fontane ist richtig berühmt erst nach seinem
Tode geworden, und es floß seit Victor von Scheffels Geburt
        <pb n="364" />
        364

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

viel Wasser den Neckar hinunter, bis der Sänger Alt-Heidel-
bergs und des Trompeters von Säckingen zu den Berühmtheiten
zählte. Man wird hier eben individuell entscheiden müssen. Es
kann unter Umständen einem Kurort oder einem Landschafts-
gebiet unvergänglichen Ruhm bringen, wenn sie auf dem
schweren Werdegange eines Schriftstellers ihm hilfreich die
Hand geboten haben.

Auf diesem Gebiete Beispiele aus der Praxis anzuführen,
dürfte sich wohl erübrigen. Nur ein einziges sei kurz gestreift.
Im Sommer 1925 fand ich in einer Anzahl deutscher, öster-
reichischer und tschechischer Zeitungen und Zeitschriften eine
feuilletonistische Plauderei von Kasimir Edschmid über Baden-
Baden. Sie begann:
„Wenn man mich aus dem Schlafe weckt und fragt,
welches der schönste Ort in Deutschland ist, werde ich sofort
sagen: Baden-Baden.‘
Dieser Anfang ist besonders wirkungsvoll. Er reizt zum
Weiterlesen. Auch der nicht gerade für Orts- oder Reise-
beschreibungen Schwärmende wird neugierig gemacht. Man
will wissen, wie Edschmid sein ultimatives, keck an die Spitze
gesetztes Werturteil nun wohl begründen wird. Der Anfang ist
schwer, und er ist bei der feuilletonistischen Reklamearbeit
besonders wichtig. Hängt es doch von ihm in den meisten
Fällen ab, ob der Aufsatz überhaupt gelesen wird. Deshalb ist
auch die Mitarbeit des Berufsschriftstellers wichtig, weil er rein
technisch sowohl als auch künstlerisch die geschicktere Hand
haben wird.

Auch für die Werbearbeit aller großen, auf internationalen
Reiseverkehr eingestellten Hotelbetriebe ist die Mitarbeit von
Schriftstellern wichtiger und wertvoller, als viele Fachleute
meinen. Jedenfalls bin ich davon überzeugt, daß man sich in
den Fachkreisen des Hotelgewerbes noch nicht ganz klar
darüber geworden ist, was es bedeutet, wenn irgendein viel
gelesener Autor seinen Roman in einem bestimmten Hotel
spielen läßt, oder wenn er den Namen irgendeines Hotels
einige Male in unauffälliger und doch wirksamer Weise zitiert.
Man lese in dem Kapitel über „Literarische Werbung für ein
Großstadt-Hotel‘“ nach, was ich zu diesem Thema geschrieben
habe. Das Wesentliche wiederhole ich nochmals kurz:

F. R. Nord schreibt in seinem vielgelesenen Ich-Roman „‚Ker
        <pb n="365" />
        DIE MITARBEIT DER SCHRIFTSTELLER UND JOURNALISTEN 365
Ali“ auf Seite 7: „Da ich selten imstande bin, den Tag meiner
Ankunft auch nur ungefähr zu bestimmen, war ich im Hotel
abgestiegen — dem ersten Hotel von Berlin.“ Den Namen dieses
Hauses läßt Nord zunächst offen, um dann schon auf der
nächsten Seite (8) deutlicher zu werden: „Dr. F. R. Nord ist
im Adlon ein wohlbekannter Gast. Meine Zimmer standen daher
für mich bereit, als ich in wohliger Erwartung des Jangersehnten
Bades die Tür hinter mir schloß.“

Ist das „Reklame“? Ja und nein! Reklame im landesüblichen
Sinne ist es gewiß nicht, dazu geschieht die Erwähnung des
Hotels zu vornehm und zu unabsichtlich. Hier kann man das
bekannte Zitat aus Goethes „Tasso“ in entgegengesetztem Sinne
anwenden: „Man merkt die Absicht nicht und man wird nicht
verstimmt.‘“ Aber die vielen Leser von „Ker Ali‘ haben doch
erfahren, daß F. R. Nord im Hotel Adlon wohnt und daß er es
für das erste Hotel von Berlin erklärt. Selbstverständlich habe
ich hier nur zitiert, nur ein Beispiel aus dem praktischen Leben
gezeigt, um den geschilderten Wandel in der schriftstellerischen
Gewohnheit zu veranschaulichen.

Nun die Nutzanwendung. Den Leitern von Kur- und Bade-
orten, den Besitzern oder Direktoren gediegener Gaststätten —
um einmal nicht Hotel zu sagen — sind viele unserer gelesenen
und auch noch nicht gelesenen Schriftsteller bekannt. Es ist
SO einfach, sie um ihre Mitarbeit zu bitten, die verständnisvoll
gern gewährt werden wird, wenn man sie darüber aufklärt, um
Was es sich handelt: Nicht um Reklame, sondern um die Hilfe
der Intelligenz bei dem schweren Kampf, den sehr viele Kur-
und Badeorte, den sogar viele große und bekannte Verkehrs-
städte sowie die eng mit ihrem Wohl und Wehe verbundenen
Hotels um ihre Existenz zu bestehen haben. Die Aufklärung
darüber, wie intensiv die Werbearbeit in allen Reiseländern
betrieben wird, wie diese Arbeit, der immer noch fühlbaren
Grenzsperren wegen, doppelt schwierig ist, wird so manchen
Intellektuellen auf den Plan rufen, der diesen Fragen bisher
fremd, um nicht zu sagen, verständnislos, gegenüberstand.

Was die Mitarbeit der Schriftsteller für den Fremdenverkehr
und die Hotels bedeuten kann, glaube ich überzeugend dar-
getan zu haben. Ähnlich, wenn auch im engeren Rahmen,
können die sogenannten Pressefahrten wirken. Doch ist bei
diesen Veranstaltungen bisher durch ein Übermaß des Gebotenen
Sesündigt worden.
        <pb n="366" />
        106

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

49. JOURNALISTISCHE STUDIENFAHRTEN

Über den großen werbenden Wert von Pressefahrten,
darunter sind die organisierten Studienreisen von Journalisten
zu verstehen, in diesem Werk noch besondere aufklärende
Worte zu verlieren, hieße Eulen nach Athen tragen. Sie ähneln
den ärztlichen Studienreisen, und manches von dem über die
Organisation der Pressefahrten Ausgeführten müßte von den
Hoteliers und Fremdenverkehrsinteressenten auch für die
Studienreisen der Ärzte beachtet werden. Aus Erfahrungen
kann und muß man lernen. Bei einigen in Deutschland statt-
gefundenen Pressefahrten sind tatsächlich so wichtige prak-
tische Erfahrungen gemacht worden, daß es notwendig ist, sie
eingehend zu zergliedern. Sind sie doch geeignet, in allen
Ländern, .die für den Fremdenverkehr und also auch für die
Pressefahrten in Frage kommen, als richtunggebender Leit-
faden unschätzbare Dienste zu leisten.

Zunächst sei daran erinnert, was schon wiederholt hervor-
gehoben wurde, daß bei jedweder Werbung für Hotels, Kur-
orte und Fremdenverkehr, bei der die Mitwirkung der Presse
erwünscht oder gar unerläßlich ist, die psychische Einstellung
der Presse niemals außer acht gelassen werden darf. Die
Berufsorganisationen der Zeitungsverleger sowohl als auch der
Journalisten wachen mit begreiflichem und berechtigtem Eifer
darüber, daß der Schild der Pressemänner rein bleibe!

Tatsächlich kann eine Pressefahrt etwas sehr Schönes und
zugleich außerordentlich Nützliches sein. Um in diese schöne
und nützliche Aktion keinen Mißklang hineinzubringen, sollten
die Veranstalter der Fahrten ganz besonders vorsichtig sein,
auf die Wünsche der Teilnehmer weitestgehende Rücksicht
nehmen und vor allem die vorerwähnte psychische Einstellung
der Presse niemals außer acht lassen.
        <pb n="367" />
        JOURNALISTISCHE STUDIENFAHRTEN 367

Zwei Herren der Presse haben sich über Pressefahrten durch
Thüringen und den Harz kritisch geäußert: Dr. Felix Hirsch
und Dr. Alfred Hübl. Dr. Hirsch schrieb: „Die Idee dieser
Studienreisen ist gesund!“ Warum? Sie schaffe eine Fühlung-
nahme zwischen den Presseleuten und den Führern der
Fremdenverkehrs-Industrie, wie sie auf keinem anderen Wege
erzielt werden könnel Man lerne in wenigen Tagen die Stadt-
überhäupter und Honoratioren, ; die Kurdirektoren und
Hoteliers einer großen Landschaft kennen, vernehme beim
Glase Wein oder beim Rattern des Autos ihre Sorgen und
Beschwerden und könne sich schnell von deren Berechtigung
eine Vorstellung verschaffen.

Das sind in der Tat goldene Worte! Wer sich erinnert, wie
oft schon zwischen der Presse und den Hotelbesitzern und
Fremdenverkehrsinteressenten bedauerliche Differenzpunkte
entstanden sind, weil die Fühlungnahme fehlte und die Orien-
tierung fast immer nur einseitig aus den Kreisen unzufriedener
oder nervös verärgerter Gäste erfolgte, der wird wünschen
müssen, daß die Pressefahrt, dieses ausgezeichnete Medium des
sich Kennenlernens, in allen Verkehrsländern zu einer stehen-
den, immer mehr vervollkommneten Einrichtung werden
möchte. Darum ist es aber auch nötig, sie von den ihr im
Zeichen der Kinderschuhe begreiflicherweise noch anhaftenden
Schlacken und kleinen Unebenheiten zu befreien.

Nun zu den Schlacken. Dr. Hirsch klagt: „Welch ein
unförmiges Programm! Auf den engen Zeitraum von vierein-
halb Tagen war da zusammengepreßt, was man selbst in der
dreifachen Frist nur flüchtig hätte kennenlernen können. Man
tat des Guten zuviel, man wollte alles zeigen.“

Wer jemals Gelegenheit hatte, bei der Ausarbeitung einer
derartigen Veranstaltung und ihres Programmes mitzuwirken,
der weiß, wie es kommt, daß am Schlusse des Guten fast immer
zuviel getan wurde. Kleine Eifersüchteleien, ein bißchen
Konkurrenzneid und der Wunsch, nicht übersehen zu werden,
sind die Wiege der Leiden, über die sich die Teilnehmer dann
beklagen. Weise Selbstbeschränkung, kluge Mäßigung bringen
in solchen Dingen aber immer größere Erfolge, als ermüdendes
und dadurch verärgerndes Übermaß.

Für die Hotelbesitzer kommt besonders in Betracht, wie die
Teilnehmer jener Pressefahrten in ihrer Mehrzahl über die
leiblichen Genüsse dachten. Absichtlich wählte ich nicht das
        <pb n="368" />
        368

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Verbum „klagen‘, weil die Herren sich nicht etwa über das
Gebotene, sondern nur über die unheimliche Fülle des
Gebotenen beschwert fühlten. Dr. Hirsch sagte darüber drastisch
und eindeutig: „Diese Festlichkeiten bildeten nach dem Urteil
fast aller Kollegen den wunden Punkt der Fahrt; vor einer
Neuauflage dieser Genüsse sei dringendst gewarnt!“ Dann:
„Von den Menus mit 7 oder 8 fürstlichen Gerichten, mit 5 oder
6 erlesenen Weinen, von Kaviar und Sekt sehnt sich der Jour-
nalist hinweg zu einem bescheidenen Imbiß; die Finessen der
Gastronomie interessieren ihn nicht.‘

Das mag für die Veranstalter bitter klingen, aber es ist in
der Tat so. Die deutschen Hotelbesitzer mögen den Männern
der Presse nicht zürnen, daß sie so scheinbar nichtachtend dem
gegenüberstehen, worein der Gastronom seinen ganzen Stolz
setzt. Die nervöse Hetzarbeit bei der Presse ist die Mutter dieser
Erscheinung.

Ein Vorschlag Dr. Hübls verdient unbedingte Beachtung bei
den Arrangeuren von Pressefahrten: Auflösung in Gruppen von
5—6 Teilnehmern, die ohne obligatorische festliche Empfänge
im Wagen oder Auto zu jenen Punkten gebracht würden, wo
eine mehrstündige Fußwanderung sie der Natur näherbringt,
als rasche Autofahrt! Dr. Hübl beleuchtete diese Gruppen-
einteilung, bei auch zeitlicher Trennung, noch von einem
anderen Gesichtspunkt aus, der tatsächlich unbedingte Beach-
tung verdient:

Bei Pressefahrten in zeitlich getrennten Gruppen würde das
Erscheinen der Artikel auf einige Wochen oder Monate verteilt.
Jetzt lasse es sich kaum vermeiden, daß die Aufsätze aller an
der Pressefahrt beteiligten Blätter innerhalb weniger Tage auf
die Leser wie ein Platzregen herunterprassele!

Daran sollten die Arrangeure von Pressefahrten künftighin
denken, im eigenen Interesse. Denn einer auf Wochen oder
Monate verteilten Berichterstattung wohnt natürlich ein weit
größerer Werbewert inne, als dem kurzen, aber heftigen Platz-
regen, wie Dr. Hübl sich drastisch, jedoch zutreffend, aus-
drückte.

Als wichtige Anregung forderte Dr. Hübl mehr Rücksicht auf
die Bedürfnisse und Interessen der einzelnen Blätter. Er meinte,
daß es Zeitungen gebe, für deren Leserkreis die Einrichtung
der Hotels ersten Ranges, die Frage der gesellschaftlichen und
sportlichen Veranstaltungen von viel größerem Interesse sei,
        <pb n="369" />
        JOURNALISTISCHE STUDIENFAHRTEN 369
als die Frage der Preise in den wohlfeilen Pensionen und alle
Dinge, die den Mann interessieren, der mit dem Rucksack auf
dem Rücken in die Berge hineinwandert. Hier ließen sich mit
dem nötigen Takt die zusammengehörigen Interessenten zu
einer Besichtigung zusammenfassen.

Zum Schlusse sei aus den Betrachtungen der beiden Presse-
männer das herausgehoben, was mit der eingangs erwähnten
psychischen Einstellung der Presse und ihrer berechtigten
Empfindlichkeit gegenüber gewissen Imponderabilien zusam-
menhängt. Dr. Hirsch schrieb wörtlich:

„Diese Festessen sind nicht nur von individueller Peinlich-
keit, sie rühren geradezu an die Standesehre des Journalisten!“

Ausführlich schilderte Dr. Hirsch, wie das kritische Urteil
beziehungsweise der kritische Blick des Journalisten, der kein
abfütterungsbedürftiger Hungerleider sei, durch das Übermaß
des Gebotenen noch geschärft werde! Er werde nur berichten,
was im allgemeinen Interesse liege und sich die sachliche Kritik
Nicht indirekt verbieten lassen. Dr. Hirschs Ausführungen
gipfelten in dem Appell an die Organisatoren der Pressefahrten:

„Habt soviel Achtung vor den Journalisten, daß ihr sie nicht
durch Zweckessen und schwer abweisbare Geschenke in Ver-
legenheit setzt.“

Dr. Hübl forderte, daß auch der leiseste Anschein einer allzu
gefälligen Beeinflussung der Presse zunächst im Interesse der
Standesehre der Journalisten, dann aber auch im Interesse der
Einladenden vermieden werden müsse.

Was aus den Ausführungen der beiden Teilnehmer an den
Pressefahrten hier besonders herausgehoben wurde, verdient
die Beachtung aller, die früher oder später Gelegenheit haben
werden, ähnliche Veranstaltungen zu arrangieren. Es ist un-
nötig, noch weitere Worte zu machen, Die Taten bleiben nun
den Arrangeuren der Pressefahrten überlassen.
        <pb n="370" />
        „4 f)

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

50. VATERLÄNDISCHE WERBEMETHODEN
Mein Buch soll internationalen Charakter tragen! Nicht nur,
weil ich 28 Jahre lang als Chefredakteur international ver-
breiteter Hotel-Fachzeitschriften gewirkt habe, sondern weil
der Fremdenverkehr international sein muß! Nur dann wird
er gedeihen. Aber mein Buch würde unvollständig sein, wenn
ich nicht wenigstens flüchtig einiger nationaler Werbemethoden
gedenken würde, die der herrschenden Wirtschaftsnot ihr
Dasein verdanken. Sie werden ganz von selbst verschwinden,
wenn die Länder sich nicht mehr gegeneinander absperren.
Wenn endlich sich die Erkenntnis Bahn gebrochen hat, daß
es ein auf die Dauer unhaltbarer Zustand ist, um die Aus-
länder mit voll gespickter Börse inbrünstig zu werben, gegen
arbeitsfreudige Ausländer aber die Grenzen hermetisch zu
sperren.

Große, vielgelesene Tageszeitungen haben zwar nicht in
jeder Nummer, aber doch in regelmäßigen Abständen, inmitten
des Textteiles, also in auffälligster Form, die folgende Auf-
forderung veröffentlicht:

Deutjche! vejucht
Ddeutiche Bäder und Kurorte

Schweizer ! besucht
Schweizer Bade-und Kurorte
        <pb n="371" />
        VATERLÄNDISCHE WERBEMETHODEN

371

Österreicher! besucht
Österreichische Kurorte und Sommer-
frischen!

Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß eine solche Auf-
forderung, den Lesern des Blattes in vielen Nummern in nicht
zu übersehender Weise vor Augen gebracht, ihren Zweck nicht
verfehlen kann. Ich bin davon überzeugt, daß diese kleine
Fensteranzeige, die dem Blatt nichts kostet, mit suggestiver
Kraft schon manchen Leser veranlaßt haben wird, seine an
sich durchaus verständliche, nach fast zehnjähriger Absper-
rung auch begreifliche „Auslandssehnsucht‘“ wenigstens SO-
lange im Busen zu verschließen, als die Wirtschaft noch in
Not ist, und jeder ins Ausland getragene Geldschein dazu bei-
trägt, nicht nur die jetzige Krisis in den schönen Kur- und
Badeorten sowie im Hotelgewerbe zu erschweren und zu ver-
längern, sondern die auch so unheilvoll wirkende Kapitalnot
zu vergrößern. Doch hoffe ich, daß sehr bald die Zeit kommen
Wird, da derartige „Werbebehelfe“ ganz von selbst ver-
schwinden werden. ;

Es sei auch auf ein wirklich nachahmenswertes Beispiel aus
der Schweiz aufmerksam gemacht. Nicht nur die schweizeri-
schen Tageszeitungen, sondern auch die belletristische Presse
Unterstützen ihre heimischen Kurorte, Sommerfrischen: und
Sportplätze in geradezu großzügiger Weise. Das geschieht sehr
häufig in einer aparten, geschickten Form, die nicht schon auf
zehn Meilen „nach Reklame riecht“! Der Kenner weiß nur zu
gut, daß die üblichen, schablonenhaften Alltagsnotizen und
Artikelchen nur wenige Leser fesseln, daß sie also ihren Zweck
verfehlt haben. Aber Aufsätze oder kleine Artikel, die gewisser-
Maßen einen zwar wissenschaftlichen, aber doch gemeinver-
ständlichen Charakter tragen, werden gerne gelesen und hinter-
lassen auch einen nachhaltigen Eindruck.

So fand ich zum Beispiel im Berner „Bund“, dann im „Ost-
Schweizer Morgenblatt“, das in St. Gallen erscheint, aber auch
loch in anderen Blättern, umfang- und inhaltsreiche Artikel-
Serien über „die schweizerischen Thermalstationen‘, in der
alles erfüllt war, was man von Aufsätzen erwartet, die „nicht
        <pb n="372" />
        72

‚DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

nach Reklame riechen‘ sollen und denen doch eine starke
Werbekraft innewohnt. Dem Leser wurde in verständlicher,
nicht trockener, sondern fesselnder Weise alles das über eine
ganze Reihe schweizerischer Badeplätze gesagt, was den Laien
interessiert und ihn anzuregen vermag, es auch einmal mit einer
Badekur oder einem Erholungsaufenthalt in diesem oder jenem
heimischen Thermalbadeort zu versuchen.

Anfänge zu einer solchen unaufdringlichen Werbung für die
eigenen Thermalstationen waren erfreulicherweise auch schon
im deutschen Blätterwald zu beobachten. So hat zum Beispiel
Dr. Schweisheimer eine Anzahl gemeinverständlicher Aufsätze
über Badereisen sowie über deutsche Kur- und Badeorte in
Tageszeitungen veröffentlicht, die wohl sicher dazu beigetragen
haben, den Kur- und Erholungsorten neue Freunde zu werben.

Die Ärzteschaft von Bad Wörishofen in Bayern, einem
früheren stillen Bauerndorf, das seine Rangerhöhung zum
internationalen Spezial-Kurorte dem verstorbenen genialen
Naturarzt und warmherzigen Menschenfreund Pfarrer Seba-
stian Kneipp verdankt, veranstaltet das ganze Jahr hindurch
abwechselnd Vortragsreisen, die sich über ganz Deutschland
erstrecken, wobei für die Kneippsache und den von Kneipp
gegründeten Kurort geworben wird. Es wurde vor zirka zwei
Jahren extra ein Film geschaffen, der diese rein wissenschaft-
lichen Vorträge auch durch bildliche Darstellungen unterstützt.
        <pb n="373" />
        GEFÄHRLICHE INDISKRETIONEN BEI DER WERBUNG 378

öl. GEFÄHRLICHE INDISKRETIONEN BEI
DER WERBUNG

In periodischen Aufsätzen habe ich warnend darauf hin-
gewiesen, daß Fehler bei der Fremdenverkehrswerbung sehr
leicht das Gegenteil des beabsichtigten und ‘gewünschten
Zweckes herbeiführen können. Aber es scheint, als ob derartige
Warnungen entweder nicht beachtet oder sehr schnell wieder
Vergessen werden. Wie könnte es sonst möglich sein, daß der-
selbe Fehler sich wiederholt? Besonders zwei Fehler werden
von den Fremdenverkehrsinteressenten immer wieder gemacht.
Es erscheint deshalb angezeigt, mich in zwei besonderen
Kapiteln mit dieser wichtigen Frage zu beschäftigen. i

Der eine Fehler ist die Indiskretion. Das vertrauensselige
Ausplaudern von Werbemethoden, die an sich gut und Erfolg
Versprechend sind, aber doch nicht die uneingeschränkte Bil-
ligung der Presse haben. Zum besseren Verständnis muß vor-
ausgeschickt werden, daß die Presse sich mit großer Energie
gegen den Mißbrauch (so sagen die Zeitungsmänner) des Text-
teiles wendet. Sie wünscht eine absolut reinliche Scheidung
Zwischen dem Textteil und dem Anzeigenteil der Zeitungen und
Zeitschriften. Die Organisationen der Presseleute wachen auf-
Merksamen Auges darüber, daß die Verquickung des Text-
teiles mit dem Anzeigenteil unterbleibe. Rücksichtslos und emp-
Ändlich klopfen sie jedem auf die Finger, der es versucht. aus
dieser vorgezeichneten Reihe zu tanzen.

Wenn man sich diese psychische Einstellung der Presse, die
durchaus erfreulich und im Interesse der Zeitungen auch
lobenswert erscheint, vor Augen hält, so wird sofort verständ-
lich, was unter dem Fehler der „Indiskretionen‘ gemeint ist.
Ich will es nicht durch theoretische Erörterung, sondern durch
Zwei Beispiele aus der Praxis des Lebens anschaulicher zu
Machen suchen.
        <pb n="374" />
        374

‚DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Der Verkehrsdirektor einer deutschen Fremdenstadt hatte
einen öffentlichen Vortrag über die Verkehrspropaganda und
Fremdenwerbung seines Ortes gehalten. Zu diesem Vortrag
hatte auch die lokale Presse ihre Berichterstatter entsandt. Er
war also in weitestgehendem Maße wirklich „öffentlich“. Der
Gedanke an sich ist nicht schlecht, die Öffentlichkeit über die
volkswirtschaftliche Notwendigkeit des Fremdenverkehrs auf-
zuklären, um So allseitige Unterstützung bei der Werbung für
diesen Verkehr zu finden. Aber, nun kommt der Fehler in dem
sonst richtigen Rechenexempel jenes Verkehrsdirektors. Er
plauderte nämlich offenherzig aus, daß er wegen der geringen,
ihm zur Verfügung stehenden Mittel auf die Zeitungsreklame
durch bezahlte Anzeigen verzichten müsse. Er habe aber einen
Ersatz, und zwar einen sehr erfolgreichen, für diese bezahlten
Anzeigen gefunden. Auch diesen „Ersatz“ schilderte der Ver-
kehrsdirektor in anschaulicher Weise. Wenn ich ihn hier
gleichfalls schildere, so geschieht es nicht, um zu seiner Nach-
ahmung anzuregen. Es soll vielmehr gezeigt werden, wohin
falsch angebrachte Mitteilsamkeit führen kann.

Man hatte einen Schriftsteller eingeladen, der mit einer Reihe
von Zeitungen und Zeitschriften feste Abmachungen wegen Be-
lieferung dieser Blätter mit feuilletonistischen Artikeln und
Plaudereien über jene Stadt getroffen hatte. Tatsächlich hätten
über zwanzig Zeitungen, meist große Blätter mit hunderttausen-
den von Auflagen, diese Werbeartikel abgedruckt und sich so
unbewußt in den Dienst der Propaganda gestellt. Ferner sei ein
umfangreicher wissenschaftlicher Aufsatz durch eine der an-
gesehensten Korrespondenzen an etwa zweihundert Zeitungen
gelangt. Auch er sei von zehn Zeitungen im ganzen Reiche
nachgedruckt worden. Der Wert dieser Verbindung habe darin
gelegen, daß der Verkehrsdirektor es nicht nötig hatte, den
Zeitungen Bitten um Aufnahme jener Artikel zu unterbreiten.
Die Verbreitung der Artikel sei vorher garantiert gewesen.

Dem Öffentlichen Charakter des Vortrages entsprechend,
wurde in der lokalen Presse natürlich auch über die kleine
Indiskretion berichtet. Auf diesem Umwege kam sie zu allge-
meiner, also auch zur Kenntnis der Berufsorganisationen des
Zeitungsgewerbes. Nach dem, was im Eingang über die psychi-
sche Einstellung der Presse gesagt wurde, wird es niemand
mehr wundernehmen, daß die Indiskretion einen Sturm der
Entrüstung auslöste. Für jene Stadt hatte die Sache böse
        <pb n="375" />
        GEFÄHRLICHE INDISKRETIONEN BEI DER WERBUNG 38375

Folgen. Sie wurde öffentlich an den Pranger gestellt. Was mit
dieser Anprangerung gemeint war, braucht wohl nicht ein-
gehend erörtert zu werden. Die Zeitungsredaktionen wurden
durch Lieder ohne Worte aufgefordert, feuilletonistischen Ein-
Sendungen aus jener und über jene Stadt mit schärfstem Miß-
trauen zu begegnen. Mit deutlicheren Worten gesagt: sie zu
boykottieren.

Ein noch böserer „Dienst“ wurde durch die Indiskretion dem
Verfasser jener Werbefeuilletons erwiesen. Man riet den be-
teiligten Zeitungen, jenen Schriftsteller über journalistische
Reinlichkeitspflichten und Anstandgefühle gründlich aufzu-
klären. Veröffentlichung seines Namens wurde gefordert, damit
er nie wieder in die Lage kommen könne, den Zeitungen solche
Kuckuckseier ins Nest zu legen.

_ Indiskretionen dieser Art werden leider öfter begangen. Nicht
immer geraten sie an die große Glocke. Aber bei der regen
Aufmerksamkeit, die das Zeitungsgewerbe seit Jahr und Tag
solchen Erscheinungen zuwendet, darf man mit ziemlicher
Sicherheit annehmen, daß sie nicht dem Veilchen gleich im Ver-
borgenen blühen werden. Den Schaden davon hat aber die ge-
samte Fremdenverkehrswerbung. Das ist auch der Haupt-
rund, weshalb ich mich eingehender mit diesem Problem be-
Schäftige und immer wieder befassen werde, solange die
Fehler nicht verschwinden. Denn es muß auch dem Harm-
losesten einleuchten, daß Vorfälle dieser Art die Zeitungsredak-
tionen immer vorsichtiger und mißtrauischer gegenüber allen
Einsendungen machen müssen, die irgendwie mit dem Frem-
denverkehr, dem Kur- und Bäderwesen sowie dem Hotel-
Sewerbe im Zusammenhang stehen. Der Fehler eines einzelnen
kann somit leicht zur Schädigung der Gesamtheit führen.
Kennern der Verhältnisse ist es nicht verborgen, daß es immer
Schwerer wird, die Zeitungsredaktionen sogar für solche Nach-
Tichten und Aufsätze aus Kur- und Badeorten, aus Fremden-
Verkehrsgebieten und -städten zu interessieren, welche tatsäch-
lich von Wichtigkeit für die Öffentlichkeit und weder offene
loch verkappte Reklame sind. Leidtragende werden besonders
die kleineren Plätze sein, die man in den Zeitungsredaktionen
Ihnehin schon mit anderen Maßen zu messen pflegt, als die
Sroßen, weltbekannten Orte.

Nun zum zweiten Fall. Der Kurverein eines deutschen Bade-
Ortes, er hat Weltruf, teilte im Bericht für seine Generalver-
        <pb n="376" />
        76

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
sammlung unter anderem mit, daß es ihm gelungen sei, im
redaktionellen Teil verschiedener Zeitungen vierhundert Artikel
unterzubringen. Dieser Erfolg sei dadurch erzielt worden, daß
man Journalisten nach jenem Badeort eingeladen habe. Das
praktische Ergebnis dieser indiskreten Entgleisung war ähnlich
dem vorgeschilderten Fall: Aufforderung zur Boykottierung
des Ortes; ernste Ermahnung an die Zeitungen, entsprechende
Vorkehrungen zu treffen, daß ihr Textteil nicht fernerhin durch
Einladungen und gastliche Bewirtung von Berufsjournalisten
mißbraucht werden könne. Auch in diesem Falle fliegt der
Bumerang nicht nur auf den Urheber des „Wurfes‘“ zurück,
sondern die Allgemeinheit der Fremdenverkehrsinteressenten
wird wiederum getroffen. Schließlich kommen wir noch so weit,
daß alle feuilletonistischen Einsendungen über Badeorte, land-
schaftlich reizvolle Gebiete und Fremdenverkehrsstädte dem
unersättlichen Papierkorb zum Opfer fallen, wenn sie nicht
klar und deutlich den Billigungsstempel der Berufsorganisa-
tionen des Zeitungsgewerbes tragen.

Der zweite, ebenso schlimme Fehler wird bei den jetzt so be-
liebten Preisausschreiben begangen. Weil es mit geradezu ver-
blüffender Häufigkeit geschieht, beschäftigte ich mich in einem
besonderen Kapitel eingehender damit.
        <pb n="377" />
        BRIEFPAPIER ALS WERBEHELFER

7

52. BRIEFPAPIER ALS WERBEHELFER
Als die Preise für Schreibpapier, Briefumschläge und der-
gleichen mit der Entwertung der deutschen Papiermark und
der österreichischen Krone immer phantastischere Formen an-
nahmen, sahen die Besitzer und Leiter von Hotels sich dazu
gezwungen, die früher in liberalster Weise erfolgte Gratislie-
ferung von Schreibutensilien einzustellen. Mit dem Einzug ge-
sünderer Verhältnisse kehrte man zum früheren Brauch zurück.

Damit wird auch die Erinnerung an eine Reklameeinrichtung
wieder lebendig, die immer wieder versucht und fallen gelassen
wurde: das mit geschäftlichen Anzeigen versehene Briefpapier.
Es hatte die verschiedensten Formen angenommen. Mal war
die ganze Rückseite mit Reklameanzeigen bedeckt und nur die
Vorderseite freigeblieben. Mal befanden sich die Anzeigen oben
am Rand, mal links, mal unten. Gewöhnlich stammte dieses
Papier von irgendeiner Reklamefirma, die dem Hotel ein be-
Stimmtes Quantum unentgeltlich zur Verfügung stellte. Sie be-
dang sich dafür das Recht aus, einen Teil des Briefbogens mit
Reklameanzeigen bedecken zu dürfen, und sie verpflichtete den
Hotel- und Fremdenheimbesitzer, nur dieses Briefpapier im
Betriebe zu verwenden. Der Hotelbesitzer hatte also keinen Ein-
Muß auf die Wahl und Form der Anzeigen.

Diese Reklamebriefbogen waren oft eine Quelle des Ärgers
und die Ursache zu unliebsamen Auseinandersetzungen zwi-
schen den Gästen und dem Bedienungspersonal. Die Gäste
Sträubten sich, nicht mit Unrecht, gegen die Zumutung, ein
Briefpapier benützen zu sollen, das mehr einer Zeitung als
brauchbarem Schreibpapier glich.

Mich dünkt, es ließe sich ein Weg finden, der beiden Teilen
Serecht wird.

Wohl jedes Hotel steht mit einer Reihe gleichrangiger Be-
triebe in regelmäßiger geschäftlicher Verbindung. Über diese
        <pb n="378" />
        378

DAS. HOTEL- UND GASTGEWERBE

oft sehr freundschaftlichen Beziehungen, die auch eine wohl
nur im Hotelgewerbe vorkommende besondere Abart der
Reklame sind, äußere ich mich in dem Kapitel „Persönliche
Beziehungen“. Die Beziehungen sind etwas ungemein Wert-
volles. Ich mache den Vorschlag, die Reklame auf den Brief-
bogen und den Umschlägen in ihren Dienst zu stellen. Damit
würde diese Briefbogen-Reklame, die, wo sie eingeführt war,
mehr Ärger als Nutzen brachte, nicht nur ein anderes Gesicht

Yon einem Werbebrief des Kurhauses, Semmering.

bekommen, sondern auch den wirklichen, den Hauptnutzen,
dem betreffenden Hotel oder Fremdenheim selbst und allen mit
ihm in geschäftlicher Verbindung stehenden Betrieben bringen.

Alle diese, ein gegenseitiges Empfehlungs- und Gästeaus-
tausch-Verhältnis 'pflegenden Betriebe müßten sich zum ge-
meinsamen Bezuge ihres Briefpapiers einschließlich der Um-
schläge verpflichten. Jedes Hotel oder Fremdenheim bekäme
natürlich seinen individuellen Briefkopf. Aber an Stelle der
Ärgernis erregenden geschäftlichen Anzeigen würden die Brief-
bogen und Umschläge nunmehr, in gefälliger Form und in
diskreter, vornehmer Aufmachung, empfehlende Hinweise auf
alle jene Hotels oder Fremdenheime bringen, mit denen man
freundschaftliche Beziehungen unterhält.
        <pb n="379" />
        BRIEFPAPIER ALS WERBEHELFER 379
Das wäre etwas ganz anderes als der unschöne, an eine Zei-
‚ung erinnernde Reklamebriefbogen, wie wir ihn seither
kannten. Der Hotel- oder Fremdenheimbesitzer brauchte nicht
mehr, um billiges oder kostenloses Papier zu erhalten, für ihm
völlig gleichgültige Firmen Reklame zu machen. Die nur be-
freundete, gleichrangige Betriebe empfehlende, viel dezentere
und vornehmere Reklame würde seinen befreundeten Betrieben
und durch die Wechselwirkung auch ihm selbst zugute
kommen.

Nehmen wir ein Beispiel an. Das Hotel Ori in Bad Kissingen
steht mit 15 Hotels in 15 anderen Städten im Empfehlungs- und
Gästeaustauschverkehr. Diese 15 Häuser würden auf den Brief-
bogen und Umschlägen des „Ori‘“ empfohlen werden. Das
Hotel Ori selbst würde dann wiederum auf jedem einzelnen
Briefbogen, der in jenen 15 Betrieben zur Verwendung kommt,
mit empfehlendem Hinweis genannt sein.

Sechzehn Betriebe könnten ihr Briefpapier und ihre Um;
Schläge gemeinsam beziehen. Für den jeweiligen Briefkopf
könnte ein Klischee zur Verfügung gestellt werden. Beim
Druck wäre also nur das Klischee und je einmal die kleine
Empfehlungsanzeige auszuwechseln. Es käme eine so große
Bestellung in Frage, daß für jeden einzelnen. Betrieb eine
wesentliche Herabminderung der Unkosten eintreten würde.
Das Ausschlaggebende aber wäre, meiner Ansicht ‚nach, die

wirkungsvolle und dabei doch vornehme Reklame. Sie brauchte
übrigens gar nicht wie Reklame auszusehen, wenn das Pro-
blem der empfehlenden Hinweise geschickt und künstlerisch
gelöst wird. In dem beigegebenen flüchtigen Entwurfe versuche
ich, meinen Vorschlag durch ein Beispiel zu illustrieren, Die
Umschläge müßten denselben Text enthalten, Für die Emp-
fehlungen könnte eventuell die Rückseite der Umschläge ver-
wendet werden.

Zum Schluß noch ein paar allgemeine Bemerkungen über die
Briefbogen an sich. Daß sie dem Range des Hauses entsprechen
müssen, ist eigentlich. selbstverständlich, wird aber doch nicht
überall beachtet. Ich würde beim Briefpapier, namentlich auf
dem, welches zum Briefwechsel des Hauses. mit den Gästen
dient, nicht sparen. Es wäre Sparsamkeit an falscher Stelle,
Der Brief ist auch ein Repräsentant des Hotels und der fein-
[ühlige Gast wird von der äußeren Erscheinung des Briefes auf

das Wesen des Hauses schließen. Für jedes Hotel, auch das ganz
        <pb n="380" />
        EAU

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
HOTEL OR]

Mit
nach-
stehend ge-
nannt. Hotels ver-
bind. uns freundschaft). *
Beziehungen. — Wenn Siein
“nem dies. Häuser Wohnung bs-
-tellen u. sich dabei auf uns
beziehen, sichern Sie
sich bevorzugte
u. allerbe=te
Anfnah-

,E
Haus ersten Ranges
Mit allen neuzeitlichen Einrichtungen

Bad Aachen;
HOTEL PELIKAN
. Vornehmes Familienhaus
Baden-Baden:
HOTEL ALHAMBRA
—_ Aller moderner Komfort
. Cassal:
HOTEL ORPLID
Haus der guten Gesellschaft
Düsseldorf.
HOTEL MINERVA
1. Ranges Bäder, Lichtsignale
Bad Ema: ;
A HOTEL JUPITER
Gepflegtes Hats
a Frankfurt a. M,: *
HOTEL WOTAN
Berühmt wegen seiner I-kl, Küche
1 Homburg v. d. Hi ;
HOTEL ISOLDE
_ Modernste Finrichtungen

Alle dieses Häuser entsprechen in

Darbietungen und Preisen den uns-

rigen. Wir können sie unseren Gästen
bestens empfehlen.

Entwurf für einen Briefbogen, um die freundschaftlichen Beziehungen der Hotels zu
einander in den Dienst der Werbung zu stellen. Näheres ist im Tezt nachzulesen.

erstklassige, ist ein aparter, origineller Briefkopf viel wert. Er
besticht, fesselt und nimmt für das Haus ein. Ich würde es nicht
für überflüssig ' halten, wenn man auch zur Erlangung
wirkungsvoller Briefköpfe ein Preisausschreiben veranstaltete.
Warum nicht? Es ist tatsächlich kein Ding von nebensächlicher
Bedeutung. Ein schöner, aparter Briefkopf wirbt durch seine
Eigenart für das Haus. Das moderne Hotel ist nun einmal auf
Werbung angewiesen, deshalb sollte es alle Werbemöglich-
keiten ausnützen.
        <pb n="381" />
        BRIEFPAPIER ALS WERBEHELFER 381

Durch von der Schablone abweichende Form und Farbe des
Papiers lassen sich überraschende Wirkungen erzielen. Künst-
lerisch abgestimmte Kontraste zwischen Papierfarbe und der
Farbe des gedruckten Textes können diese Wirkungen er-
höhen. Näheres über die Wirkung der Farben wolle man im
66. Kapitel: „Die Farbe in der Reklame“ nachlesen. Man be-
achte, daß der wirklich vornehme Briefkopf nicht viel Text
enthalten darf. Für ausgesprochene Werbebriefe würde ich
nur diesen einen Briefbogen verwenden, keinesfalls jene mit
den Empfehlungen befreundeter Häuser. Diese Reklamebrief-
bogen sollen in der Hauptsache für die Gäste bestimmt sein.
Auch für den Schriftwechsel mit Lieferanten usw. kann man
Sich ihrer bedienen.

Selbstverständlich ist, daß die Qualität des gewählten Papiers
dem Briefkopf sowohl als auch dem Charakter des Hotels ent-
Sprechen muß. Für das Briefpapier eines Hotels könnte man
den alten griechischen Weisheitsspruch vom Umgange mit
Menschen also variieren: Sage mir, auf was für Briefpapier du

MÜNCHEN, DEN
A

er Hof
ss utrrchen
DAS UNÜBERTROFFENE HOTEL
BESITZER UND LEITER: GEBRÜDER VOLKHARDT
TELEGRAMM-ADRESSE
BAYERHOF, MÜNCHEN

Der Briefbogen des Hotels Bayrischer Hof in München (bedeutend verkleinert) mit
dem „Kennzeichen“ des Hauses, dem bayrischen Löwen,

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HatzE AIlon
Tel m FE” Ale CO (on
Me dag Abresse Aölon UM Ber nA

Waber den Banden 1,
am Preiser Öfabz.

Brie ;
riefkopf des Hotels Adlon in Berlin (bedeutend verkleinert) in Verbindung mit‘ dem
Kennzeichen‘: Adlon-Adler auf der Weltkugel.
        <pb n="382" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

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schreibst, und ich will dir sagen, weß Ranges dein Hotel und
weß Geisteskind sein Besitzer oder Leiter ist! Ein paar in den
Abbildungen wiedergegebene Briefköpfe führender deutscher
Hotels sollen dem Leser zeigen, wie diese das wichtige Problem
angefaßt haben, und sie geben ihm vielleicht einige Anregungen.
Ferner füge ich zwei Briefköpfe aus der Geschäftswelt bei, mit
denen ich zu zeigen wünsche, wie man den Briefkopf eines
Hotels nicht gestalten sollte. Um wievieles vornehmer, ge-
diegener und ruhiger wirken gegenüber diesen Inserat-Brief-
köpfen die Musterbeispiele der Hotels.
        <pb n="383" />
        EDEN-HOTEL MÜNCHEN
AM HAUPTBAHNHOF NORDBAU_UND STARNBERGER BAHNHOF
ARNULFSTRASSE 6/8

TELEPHONRUF-NUMMER 54630 UND 53156
POSTSCHECKKONTO MÜNCHEN NR. 45747
TELEGRAMM-ADRESSE: EDENHOTEL

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Em

DIREKTION

MÜNCHEN, def errssennnnnnenen nennen enter
Der Briefkopf ist dadurch charakteristisch, daß die Kofferetikette in Originalfarben als
„Kennzeichen“ verwertet wurde, Diese Briefbogen sind nur für den Hotelbetrieb
bestimmt.

Be

tx

4
wm
A

Fernsprecher Nr. 54630

Ein nur für die Gäste bestimmter Briefbogen.

EDEN-HOTEL
MÜNCHEN

X
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        <pb n="384" />
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Briefkopf aus dem Zeitungsgewerbe, der veranschaulichen soll, daß diese allzu reklame-
hafte Form sich fürs Hotelgewerbe nicht eignet.
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FERNSPRECH-ANSCHLUSS N&amp; 33363

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BOSTSCHECHKONTD ESSEN N918503

BANKVERBINDUNG STADT, SPARKASSE
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Briefkopf einer Ausstellung, der zeigen soll, daß diese allzu reklamehafte Form Sich
tr das Hotelgewerbe nicht recht eignet.

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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

53. DER BRIEFUMSCHLAG ALS WERBER
Zum vornehmen Briefblatt muß der Umschlag passen. Auch
hierbei schadet, wie beim Briefbogen, ein von der Alltags-
schablone abweichendes Format nichts. Wenn das Schriftstück
schon vor der Öffnung durch seine originelle und aparte Form
angenehm auf den Empfänger wirkt, so hat es bereits einen
Teil seiner Werbepflicht in unauffälliger Weise erfüllt. Auch
der Umschlag kann zum eindringlichen Werber gemacht
werden,

Die älteste Art der Werbung ist der Reklameaufdruck des
Absenders auf der Vorderseite des Umschlages. Seine mehr oder
weniger große Wirkung hängt davon ab, daß die Aufmerksam-
keit geweckt und gefangen wird. Also auch bei dieser Werbung
spielt der „Blickfang“ seine Rolle. Regeln lassen sich hierfür
nicht aufstellen. Das vornehme Hotel, die vornehme Gaststätte,
der gute Kurort: wird auch beim Reklameaufdruck des Um-
schlages darauf achten müssen, daß er mit dem Charakter des
Absenders harmoniert. Am besten wird immer der Umschlag
wirken, der den Briefkopf in entsprechender Verkleinerung
wiedergibt.

Neuerdings sind auch Behörden dazu übergegangen, die
Rückseite der Umschläge zur Werbung für ihre Städte und
Kurorte zu verwerten, Der Gedanke ist gut und ausbaufähig.
ich gebe zwei Beispiele aus dem Leben, und zwar aus Erfurt
und Grünberg, wieder. Sie zeigen, wie der Gedanke in die Tat
umgesetzt werden kann, Auf jeden Fall ist es zu empfehlen, die
Rückseite der Umschläge in dieser Weise zu verwerten. Ge-
schieht es in künstlerischer Art, so wird auch der Erfolg nicht
ausbleiben.

Einen aparten und wirkungsvollen Reklameaufdruck auf der
Rückseite des Briefumschlages bereitete das Grand Palace-Hotel
        <pb n="387" />
        DER BRIEFUMSCHLAG ALS WERBER 380
in Lugano, Direktor Hugo Witte, vor, als ich Ende Februar 1927
dort weilte, nämlich eine Eisenbahnroutenskizze. Ich gebe
diese Routenskizze als Musterbeispiel wieder.

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Internationale Eisenbahnroutenskizze auf der Rückseite
des Briefumschlages vom Grand Palace-Hotel in Lugano, Direktor Hugo Witte.

Die Wirkung einer derartigen Briefumschlagreklame, die
ebensowohl dem Hotel als dem ganzen Ort zugute kommt, läßt
Sich noch durch Aufkleben einer kleinen, mehrfarbigen Etikette
In Markenform erhöhen. Hiervon gebe ich ebenfalls ein Muster-
beispiel wieder, natürlich nur in Schwarzdruck, während das
Original vierfarbig ist. Mit dieser flott gemalten Plakette wird
IM geschickter Weise für den neuen, im Herbst 1926 eröffneten
Golfplatz geworben. Es ist ein guter, nachahmungswerter Ge-
danke, für eine Neuerung, die erst bekannt werden muß, in
dieser Weise Propaganda zu machen.

Daß seit einigen Jahren auch der Poststempel in den Dienst
der Reklame gestellt wurde, dürfte den Lesern bekannt sein.
Weniger bekannt dagegen wird der Ursprung dieser originellen
Idee sein, weshalb ich aus einer interessanten kleinen Studie
von Franz Petersohn über den sprechenden Poststempel den
folgenden Abschnitt wiedergebe:

In London, von dem wir den ersten nachgewiesenen Postauf-
gabestempel kennen, wurde auch der erste „sprechende“ Post-
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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

LO «uNO
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Plakette in Markenform,
vierfarbig, um auf eine
nen geschaffene Sport-
zinrichtung auffällig hin»
zuweisen
stempel gebraucht. Das geschah anläßlich einer Ausstellung im
Jahre 1869. Im Laufe der Jahre haben fast alle Postverwal-
tungen solche Gelegenheitsstempel eingeführt, heute sind sie
allgemein geworden. Begünstigt wurde diese Entwicklung
durch die Erfindung und Einführung der Stempelmaschinen,
die an einem Berliner Postamt schon im Jahre 1885/86 er-
probt wurden. Die Entwertungsplatte dieser meist über den
ganzen Umschlag laufenden Stempelabdrücke, die wir als
Wellenlinien und verschiedenartige Strichkolonnen kennen,
konnte solche Gelegenheitsangaben leicht übernehmen. Die
Post begann damit, diese Entwertungsplatten zu benützen, um
gewisse allgemeine Hinweise, Wünsche, Belehrungen an die
Empfänger auszusprechen — richtiger: den Poststempel aus-
sprechen zu lassen: „Nimm ein Postscheckkonto!‘“, stempelte
die Maschine auf die Postsache. Damit war eine zweite Art von
sprechenden Poststempeln eingeführt, die sich mit und durch
den‘ Gelegenheitspoststempel entwickelt hatte, der Werbe-
stempel. Die: Werbungen für Ausstellungen und Messen, für
Veranstaltungen aller Art, für Bäder und Kurorte, Sommer-
und Wintersport wird jetzt durch die sprechenden Poststempel,
die in fast allen Zungen reden, durchgeführt. Seit 1921 hat die
Deutsche Reichspost Werbe-Dauerstempel eingeführt, die
neben den Aufgabedaten dauernd auf besondere Eigentümlich-
keiten des Postortes hinweisen. Das wurde möglich, seit auch
die aus Typenrädern bestehenden Handstempel als sprechende
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        Entwurf (von Albin Beyer) „u einer wirkungsvollen Einladungskarte.

Ne buvez jamais d’eau-

. Trinkt niemals Wasser!
Diese Zeichnung und Unterschrift trägt die
Rückseite einer Speisenkarte des vornehmen
Cafe de Paris im Bois de Boulogne in Paris.

Entwurf (von Maria Schulz) zu einer
originellen Getränkekarte.
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        Erfurt, 131000 Einwohner, Haupt.
jadt Thüringens, Sit dee Regierung,
Etenbahndirektion, Dberpoftdireks
oz, des Boftfheckamts, der Reldhss
bank und zahlreicher anderer Behra
sen. Schulen jeder Art. Städt. Gags,
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anfchluf. Staditheater, Iufenm und
oiele Schrnswürbdigkeiten ans reicher
gefehtehtiicher Nergangenheit einer
zlien beutfedhen Kulturftätte, Un ben
Herrn ber Gera gelegen, durch Verac
oortutbrigen QBinden gefchlift. Retzs
oolle Uıngebung. Bute Cienbahns
erbindungen, br für
Musflüge nach dem Zhüriuger Walb,
AnKbäufer u. Aarı. Biere Zyartyläke

Rückseite eines Briefumschlages von Erfurt in Thüringen mit einer Werbung ‚für
die Stadt.

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700 Jahre Stadt

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Grünberg i. Schl.,
lie Obst- a.Weinstadt des Ostens, naturschön gelegene Stadt mit
zroßem städtischen Besitz Inı Öderwald, rund 26000 Einwohner,
Weinbat, Öbstverwertung, Sektfabriken, Kognak-Brennereien,
Srauerei, Tuch-, Woll-, Kunstwoll- und Teppickfahriken, Eisen-
ınd Metallgießereien, Maschinen und Waggonfabriken, Brücken-
yau, Kunsisteinfahriken, Brunnenbau-Anstalten, Braunkohlen-
ıruben und Brikettfahrik, Anıtsgericht, Realgymaasium, Lyzeum,
andwirtschaftz- und andere Fachschulen, Stadt- und Kreisbank.

Rückseite eines Briefumschlages von Grünberg in Schlesien mit einer Werbung für
die Stadt.
        <pb n="391" />
        DER BRIEFUMSCHLAG ALS WERBER 391

Poststempel benützt werden können, indem man um den ge-
wöhnlichen Stempel noch einen Ring legt, der die Gelegen-
heits- oder Werbe-Inschrift aufnimmt.

Ich gebe vier Musterbeispiele dieser Poststempelreklame
wieder, Sie verdienen diesen Platz, weil es besonders wirkungs-

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        3997

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

volle, den knappen Raum in geschicktester Weise ausnützende
Stempel sind.

An mein Kapitel über den Reim in der Reklame wird man
lebhaft erinnert, wenn man die Poststempel betrachtet, die aus
einer ganzen Anzahl Rheinorte in die Welt hinausflattern.
Noch vor einem Dutzend Jahren würde man wohl spöttisch ge-
lächelt haben bei dem Gedanken, daß es eine Zeit geben könnte,
da sogar der nüchterne, trockene Poststempel uns poetisch
kommen würde. Nachstehende Beispiele zeigen uns den
Siegeszug des poetisch gewordenen Poststempels. Den Anfang
soll St. Goar mit folgendem Reim gemacht haben: „Zieh nicht
vorbei an St. Goar, der Stadt, die allzeit gastlich war.“ Der
schon einmal zitierte Petersohn erzählt dann weiter: „Schon
der Römer sprach, nur deinen Wein ich mag“, so wirbt Neu-
magen für einen Moselwein. Trittenheim hat in seinem Post-
stempel stehen: „Weit über rheinisches Land ist unser Wein
bekannt.“ Von ÜUrzig heißt es: „Das Feinste der Reben kann
Ürzig dir geben.“ Der Poststempel von Zeltingen sagt von
seinem Ort: „Wie köstlich dein Wein, wie schön dort zu
sein.‘ Kurz und kernig rühmt Saarburg seinen Nahewein:
„Deutsch die Art, deutsch der Wein.‘“ Der Höhenluftkurort
Nideggen, ehedem sehr berühmt, führt in seinem Poststempel
die Verszeilen: „Die schönste der Burgen, die herrlichste Au,
komm selber und schau.“ Oberwesel rühmt sich als „Der
Romantik schönsten Zufluchtsort am Rhein“. Von Daun heißt
es: „Daun im Eifelland beim Kratersee, im Tannenwald auf
Bergeshöh’.‘“ Hann.-Münden hatte in dem Festpoststempel einer
Ausstellung stehen: „Der Weserstein, wo Werra sich und Fulda
küssen.“
In raschem Siegeszug hat sich der sprechende Poststempel
die Welt erobert. Wir finden ihn fast überall, auch im fernen
Nord- und Südamerika. Dort spricht er oft echt amerikanisch
zu seinen Beschauern. Denn ein Poststempel mit der Auf-
forderung: „Schreibt oft und haltet die Familie zusammen“,
mutet den Europäer tatsächlich sehr „amerikanisch“ an. Er
paßt ganz zu dem Lande, das in seinen Kirchen Filme vorführt
und zum Kirchenbesuch dadurch lockt, daß Schaukelstühle ge-
boten werden. Ein Möbelstück, das man selten in einem euro-
päischen Hotel finden wird.

Schließlich bin ich gezwungen, etwas Wasser in den feurigen
Reklamewein zu gießen. Die Verwaltung der Deutschen Reichs-
        <pb n="393" />
        DER BRIEFUMSCHLAG ALS WERBER 393
post hat durch eine Verordnung, die schon seit 1926 in Kraft
ist, aber mit 1. Oktober 1927 ganz energisch durchgeführt
werden soll, die Verwendung der . Vorderseite der Brief-
umschläge für Reklameaufdrucke ganz erheblich einge-
schränkt. Seiner Wichtigkeit wegen auch für Hotelbesitzer,
Gastwirte und Fremdenverkehrsinteressenten teile ich darüber
folgendes mit:

Gemäß 8 2, I der Postverordnung in der Fassung der Ver-
Ordnung vom 19. März 1926 sollen die auf der Außenseite der
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Vier Musterbeispiele der modernen Poststempel-Reklame.
Sewöhnlichen und eingeschriebenen Briefsendungen außer den
Vermerken über die Beförderung zugelassenen Angaben (das
sind Absenderangaben, sowie weitere Angaben, die nicht die
Eigenschaft einer brieflichen Mitteilung haben) und Abbil-
dungen auf die Rückseite und das linke Drittel der Vorderseite
der Briefumschläge usw. beschränkt bleiben. Nach Wahr-
Nehmungen im Betriebe sollen trotz dieser Bestimmung häufig
Briefumschläge vorgekommen sein, bei denen die Absender-
angabe, verbunden mit auffälliger Reklame, sich über den
8rößten Teil der Vorderseite erstreckt. Briefe mit solchen Um-
Schlägen wären nach den angeführten Bestimmungen von der
Beförderung auszuschließen, weil der umfangreiche Aufdruck
die Übersichtlichkeit der Anschrift sowie die Anbringung der
        <pb n="394" />
        394

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Stempelabdrucke und der postdienstlichen Vermerke sehr be-
einträchtigt. Für den Aufbrauch der Vorräte an Brief-
umschlägen, die über das zulässige Maß mit Angaben versehen
sind, ist jedoch eine Frist bis zum 1. Oktober 1927 zugestanden
worden.

Ich kann deshalb den in Deutschland lebenden Interessenten
nur raten, für den raschen Verbrauch etwa vorhandener Vor-
räte von unvorschriftsmäßigen Umschlägen zu sorgen. Vor der
Anfertigung neuer Vorräte wird man dann gut tun, sich genau
über die einschlägigen Bestimmungen zu unterrichten, damit
man keine unliebsamen Überraschungen erlebt. Die Bestim-
mungen über die Außenseite der Postsendungen können beim
eigenen Zustellpostamt eingesehen werden.
        <pb n="395" />
        DIE PROPAGANDAWIRKUNG DES NAMENS

397,

54. DIE PROPAGANDAWIRKUNG DES
NAMENS

Im Namen schlummern tatsächlich ungeahnte Reklame-
möglichkeiten. Ich will gleich mit der Tür ins Haus fallen und
die zwei drastischsten Beispiele vorführen: das Grand Hotel
Lehmann und das Palast Hotel Schulze. In den Worten „Grand“
und „Palast“ liegt Reklame. Sie drängen sich den Sinnen auf
und rufen uns zu: wir sind eine besondere Klasse! Wir sind
überhaupt Klasse! Es gibt auch noch andere Namen, die im
Laien, das ist allemal der Reisende, den Eindruck erwecken,
daß er es hier mit einer Klasse für sich zu tun hat. Ich will ver-
suchen, das alles zu veranschaulichen. Auch mit dem „Grand“
und dem „Palast“ werde ich mich eingehender beschäftigen.

Da im Namen verborgene Reklamemöglichkeiten schlum-
mern und da kein tüchtiger Geschäftsmann solche Möglich-
keiten unbenutzt lassen sollte, so ist es durchaus nicht gleich-
gültig, mit welchem Namen ein neues Hotel aus der Taufe ge-
hoben oder ein bereits bestehendes neu getauft wird. Manche
Hotelbesitzer handeln allerdings dabei oft wie gewisse klein-
bürgerliche Eltern, die ihrem neugeborenen Sprößling als Er-
Satz für die irdischen Güter wenigstens einen recht klangvollen
Namen auf den Lebensweg geben wollen. Die guten Leute ver-
gessen dabei, daß sie ihrem Kinde ein sehr zweifelhaftes Ge-
Schenk machen. Welche Herrschaft möchte ihr Hausmädchen
Isolde oder Sieglinde rufen?

Ähnliches gilt für Hotelnamen. Der Name eines Hotels soll
Mit der Bestimmung und dem Charakter des Hauses überein-
Stimmen. Am Namen muß man schon den „Rang“ eines Hotels
Ungefähr erkennen können.

Unsere Zeit kennt bereits eine Anzahl von Hotelnamen, bei
deren Nennung die Vorstellung von prachtvollen Fassaden,
Prunkvollen Sälen und stilvoll eingerichteten Herrschafts-
        <pb n="396" />
        396

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

zimmern auftaucht. Es sind dies Namen wie Astoria, West-
minster, Savoy, Kaiserhof, Fürstenhof, Esplanade, Carlton,
Majestic, Excelsior, Kurhof, Atlantic usw. Ihnen gesellen sich
das schon erwähnte Grand und Palast zu.

Wer nun ein einfaches, gut bürgerliches Haus mit einem
jener Namen belegen wollte, die im Reisenden die Vorstellung
einer besonderen Klasse wecken, der würde sich, statt des er-
hofften Nutzens, nur empfindlichen Schaden zufügen. Denn
ungeschickte Übertreibungen in der Reklame — auch im Namen
liegt sie — rächen sich immer. Das Publikum hat sich an die
Bedeutung dieser Namen ‚bereits gewöhnt und erwartet in
einem Astoria, Westminster, Savoy, Kaiserhof, Fürstenhof,
Esplanade, Carlton, Kurhof, Atlantic usw. auch prunkvolle Ge-
sellschaftsräume, vornehme Salons, Zimmer mit Bad, wie über-
haupt alle modernsten hoteltechnischen Einrichtungen, und
es findet es selbstverständlich, daß die Preise auch dem ent-
sprechend sind. Der bescheidenere Reisende wird so benannte
Hotels von vornherein bei seiner Wahl ausscheiden. Das in
Wirklichkeit, seinem ganzen Zuschnitt nach, auf bürgerliche
Kundschaft angewiesene Haus würde die Gäste daher durch
einen Namen, der die Vorstellungen von großem und teurem
Luxus erweckt, nicht anziehen, sondern kopfscheu machen und
abstoßen.

Die gleiche Wirkung können die Wörtchen „Grand‘“ und
„Palast“ haben, sobald sie einem Haus als Name gegeben oder
dem bisherigen Namen vorgesetzt werden, ohne daß die Lage
des Hauses, die Einrichtung, der Zuschnitt des Betriebes und
die Bedienung etwas Grandmäßiges oder Palastartiges haben.
Es geschah bisher öfter, als es dem Ansehen des Hotelgewerbes
gut und förderlich ist. Warum eigentlich? Aus falschem Ehr-
geiz oder um höhere Preise zu erzielen? Wer auf das letzte bei
der „Taufe“ gerechnet hatte, mit der die grandmäßige oder
palastartige Umgestaltung des Hauses nicht Hand in Hand ging,
wird sich wohl immer verrechnet haben. Das Reisepublikum
ist heutzutage nicht mehr so harmlos, daß das einfache Vor-
setzen eines Wörtchens genügt, um ihm ein bescheidenes „Hotel
Union“ als „Grand Hotel Union“, ein schlichtes „Hotel Müller“
als „Palast-Hotel Müller‘ erscheinen zu lassen. Er wird sehr
bald herausfinden, daß „Grand“ oder „Palast“ nur auf dem
Firmenschild, aber nicht in den Einrichtungen des Hotels ver-
treten ist, und dem Haus dauernd den Rücken kehren. Die alte,
        <pb n="397" />
        DIE PROPAGANDAWIRKUNG DES NAMENS 397
gute Kundschaft aber wurde durch das Wörtchen vertrieben
und ist nicht so leicht wieder heranzuziehen.

Obwohl Beispiele sehr lehrreich und nützlich sein können,
will ich doch nur ein einziges anführen. In Trollhättan, einer
Fabrikstadt von zirka 8000 Einwohnern, bei den welt-
bekannten Trollhättan-Wasserfällen in Schweden gelegen, gab
es beim Ausbruch des Weltkrieges ein Hotelchen von ganzen
25 Zimmern, das sich aber stolz „Grand Hotel Trollhättan““
nannte. Solcher Größenwahn ist dumm. Nein, er ist noch
schlimmer: er ist lächerlich. Und Lächerlichkeit tötet.

Ein anderer, gern geübter Brauch ist das Vereinigen meh-
rerer, im Hotelgewerbe gebräuchlicher Namen auf ein einziges
Haus. Der Zweck dieses Vorganges ist bekannt; man will die
Konkurrenz verhindern, sich diese Namen zuzulegen. Ein
„Hotel Monopol“ gibt es fast nicht mehr. Fast immer heißt es
„Hotel Monopol-Metropol“. Wer ein gutgehendes „Hotel
Viktoria“ besitzt, dem könnte es aber doch wirklich gleichgültig
sein, ob ein neugegründetes Hotel sich „Excelsior“ nennt. Die
Konkurrenz schafft man sich nicht damit vom Halse, daß man
schnell noch ein paar Namen auf den alten, erprobten auf-
pfropft und sein Hotel „Grand Hotel Viktoria-Excelsior-Natio-

nal“ nennt. Man erreicht mit dieser Namensanhäufung wirklich
nichts, als daß die Schildermaler und das Telegraphenamt sich
freuen. Die Maler, weil sie neue Schilder zu malen bekommen;
die Post, weil die Telegramme an das Hotel teurer werden. Die
Reisenden aber schimpfen: einesteils über unnötiges Schreib-
werk, andernteils über die erhöhten Telegrammgebühren bei
Zimmerbestellungen.

Der Name soll nicht nur dem Charakter des Hotels, sondern
auch seiner Lage und der Örtlichkeit angepaßt sein. Es macht
einen lächerlichen Eindruck, wenn ein mitten in ein enges
Häuserviertel geschachteltes Haus, das von seinen Fenstern
Nur Aussicht auf Häusermauern und Dächer bietet, Hotel
„Bellevue“, „Bellavista‘““ oder „Beau Site“ genannt wird. Es
würde wie Karikatur und Satire wirken, wollte man ein,
inmitten stärkstem Großstadttrubels gelegenes Haus „Hotel
Monrepos‘ nennen.

Der Name wird von geschickten Hoteliers immer SO gewählt,
daß er sich dem Gedächtnis gut einprägt. Das ist doch schließ-
lich die Hauptsache! Daher vermeiden praktische Hoteliers
langatmige Titel, die dann vom Publikum gewöhnlich abge-
        <pb n="398" />
        398

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

kürzt werden und dadurch leicht Anlaß zu Verstümmelungen
und Verwechslungen geben. Die Tatsache, daß es heute in fast
allen Hauptstädten ein „Grand-Hotel‘“, ein „Bristol“, ein
„Palast-Hotel‘“, ein ‚Viktoria‘ gibt, ist darauf zurückzuführen,
daß man mit besonderer Vorliebe, und auch mit Recht, solche
Namen wählt, die in den wichtigsten Sprachen, im Deutschen,
Englischen, Italienischen, Spanischen und Französischen,
ziemlich gleichmäßig ausgesprochen und verstanden werden.

Ob es zweckdienlich ist, dem Hotel den Namen seines Eigen-
tümers zu geben, ist eine Frage, die sich nicht ohne weiteres
beantworten läßt. Es hat seine guten und seine schlechten
Seiten. Die gute Seite ist, daß der Besitzer zusammen mit seinem
Hotel bekannt wird. Die schwierigere Seite der Namenfrage
beginnt beim Verkauf. Der Besitzer muß den Hotelnamen, in
diesem Falle also seinen eigenen, mit verkaufen und darf sich
seiner bei künftigen Unternehmungen nicht mehr bedienen.
Denn ein vorsichtiger Käufer wird diese Bedingung beim Kauf
stellen. Von den Katastrophen, die dann eintreten können, wenn
das Haus Hotel Müller, Hotel Lehmann oder Hotel Schulze
heißt, sei erst gar nicht die Rede.

Zu dem Thema des persönlichen Hotelnamens wurde mir ein
originelles Geschichtchen aus Norwegen bekannt. Schauplatz:
der Handlung ist die Stadt Skagen. Dort wohnte seit zehn Jahren
ein norwegischer Maler namens Ludwig Karsten. Er hatte vor
Gericht Klage erhoben, weil ein Hotelbesitzer sein Haus
„Karstens Hotel‘ genannt hat. Der beklagte Hotelier behaup-
tete, daß er sein Haus nach einem früheren Besitzer, Karsten
Petersen, genannt habe. Der Kläger wandte dagegen ein, diese
Bezeichnung erwecke bei den Leuten den Glauben, daß das
Hotel dem Maler Karsten gehöre, dem berühmten Karsten,
dessen Bilder in Norwegen gesucht seien und der es sich nicht
bieten lassen wolle, daß man seinen Namen feil und ihn selbst.
für einen Hotelwirt halte. Dieses amüsante Geschichtchen 1äßt.
erkennen, welche Verwicklungen unter Umständen durch einen
persönlichen Hotelnamen entstehen können.

Ebensowenig wie Weine sollte man Hotels beim Besitz-
wechsel usw. umtaufen. Dieser Fehler wird, leider, viel häufiger
gemacht, als es im Interesse des Käufers gut ist. Zu einer
Umtaufe schreiten die großen Praktiker des Hotelgewerbes nur
in dringenden Fällen; zum Beispiel, wenn sie ein herunter-
gewirtschaftetes Geschäft gekauft haben. Dann ist es allerdings
        <pb n="399" />
        DIE PROPAGANDAWIRKUNG DES NAMENS 399

besser, wenn der übelbeleumundete Name ganz von der Bild-
fläche verschwindet und nichts mehr an ihn erinnert. Oder,
wenn in der Stadt ein zweites Hotel mit einem sehr ähnlich
klingenden Namen besteht, der leicht zu Verwechslungen
Anlaß gibt, oder, wenn politische und nationale Vorgänge auf
die Sprache und damit auch auf die Namensgebung einwirken.
Sonst aber überlegen sie sich das Umtaufen reiflich. Man darf
Nicht vergessen, daß der alte Name des Hauses in zahlreichen
Reiseführern, Reklamewerken und dergleichen steht, die
keineswegs alle Jahre in neuer Auflage auf dem Markte
erscheinen. Es ist nicht immer gewiß, daß ein Reisender, der
auf dem Bahnhof einen Gepäckträger oder Kommissionär oder
Chauffeur nach dem umgetauften Hotel fragt, von diesem auch
den korrekten Bescheid erhält, daß dieses Haus wohl noch
bestehe, nur jetzt anders heiße. So mancher Reisende ist bei
Solchen Gelegenheiten in ein anderes Hotel verschleppt worden.

„Name ist Schall und Rauch!‘“ 1äßt Goethe seinen Faust
sagen, als er im Garten der Frau Martha mit Gretchen prome-
nierte. Für das moderne Hotel trifft das keineswegs zu. Dieses
Sollte sich vielmehr an den Ausspruch des Lateiners Plautus
halten, der schon ein Vierteljahrtausend vor Christi Geburt
ausgerufen hat: Nomen atque omen! = Name und zugleich
Vorbedeutung. Der Name des Hotels soll zugleich Vorbedeutung
Sein und verkünden, für welche Klasse von Gästen es bestimmt
ist, Wurde der Name geschickt und treffend gewählt, so liegt
darin eine wirksame Reklame. Und das ist schon etwas, ja,
Viel wert.

Man stelle sich die Wirkung vor, wenn auf dem wirkungs-
vollen Plakat eines Hotels, das an geeigneten Stellen (in
befreundeten Hotels zum Beispiel) zum Aushang kommt, auch
ein ebenso wirkungsvoller, tönender Name figuriert. Es ist
doppelte Reklame.
        <pb n="400" />
        #%

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

55. EIN INTERNATIONALES WER T-
KENNZEICHEN FÜR HOTELS
In einem Spezialkapitel behandle ich den Wert sowie die
Ausgestaltung der Empfehlungskarte. Der Zufall will es, daß
eine Empfehlungskarte mir die Anregung zu diesem Kapitel
gibt. Es ist die dreiteilige Empfehlungskarte des Hotels Bellevue
in Dresden. Sie war in vier Sprachen gehalten: Deutsch,
Englisch, Französisch und Spanisch. Also ein Zeichen, daß man
die Bedeutung des Spanischen für den internationalen Frem-
denverkehr, worauf ich in dem Kapitel über die Auslands-
werbung mit allem Nachdruck hinweise, bereits zu erkennen
beginnt. Auf dieser Karte war aber noch etwas anderes zu
finden, was sie namentlich von ähnlichem Reklamematerial
anderer Hotels unterscheidet. Auf jeder der vier Seiten stand,
umrahmt von einem Kranz, links oben: U-N-I-T-I; rechts oben:
[-H-V. Das sah so aus:

Pi
DAN
07 NV
77) CH
VAN
ET LT
EST

A
r EN
3 Ya
C N
© A

k AM
ba DD

Vignetten auf einer Hotel-Empfehlungskarte.
Jeder international geschulte Hotelfachmann kennt den
Sinn und die Bedeutung dieser Zeichen. Er weiß, daß mit dem
ersten die Unione Nazionale Industrie Turistische Italiana,
Rom, die italienische Vereinigung der internationalen Touristik,
daß mit dem zweiten Zeichen der Internationale Hotelbesitzer-
Verein, Köln, gemeint ist. Also zwei Korporationen, die erste ein
Kind der Neuzeit, die zweite schon im Jahre 1869 gegründet,
welche sich die Pflege und den Ausbau guter internationaler
Beziehungen zur Hauptaufgabe gemacht haben. Über beide
        <pb n="401" />
        EIN INTERNATIONALES WERTZEICHEN FÜR HOTELS 401
Vereinigungen gibt der „Internationale Hotelführer‘ (Guide
International des Hötels, International Hotel Guide) Auskunft.
Auf Seite 6 und 7 der Ausgabe 1926 lesen wir über die UNITI,
daß ihr Sitz sich in Rom, Piazza del Popolo Nr. 18, befindet,
und daß ihr nicht nur die bedeutendsten Transportgesell-
schaften der Welt angehören, sondern daß ihr auch eine
„Section Höteliere‘““ angegliedert ist. Obwohl diese „Section
Höteliere“ noch klein ist, klein im Verhältnis zu den zahlreichen
internationalen, über die ganze Welt verbreiteten Mitgliedern
des I. H. V., legen die Mitglieder der U-N-I-T-I doch Wert
darauf, ihre Zugehörigkeit zu dieser Korporation öffentlich zu
bekunden. Sie tun es auf zweierlei Arten. In den U-N-I-T-I-
Hotels findet der Gast, an gut sichtbarer Stelle in der Halle oder
in einem der Gesellschaftsräume, eine große, gut gerahmte
Tafel, auf der ungefähr dasselbe zu lesen ist, wie auf den Seiten
6 und 7 des „Internationalen Hotelführers‘‘. Also die genauen
Adressen der angeschlossenen Transportgesellschaften und
Hotels. Es sind Häuser in Deutschland, England, Österreich,
Belgien, Brasilien, Dänemark, Ägypten, Spanien, Vereinigte
Staaten von ‘Nordamerika, Frankreich, Holland, Ungarn,
Italien, Schweden und Schweiz,

Die zweite Art ist von besonderem Interesse, sie wurde in
den vorausgegangenen Zeilen schon gestreift. Ähnlich wie es
das Hotel Bellevue in Dresden getan hat (das aber auch noch
seine Zugehörigkeit zum I. H. V. bekundete), haben viele
italienische und schweizerische Hotels auf ihren Werbeschriften
die Zugehörigkeit zur U-N-I-T-I betont. Warum? Doch sicher
nur, weil sie diese Zugehörigkeit als eine Empfehlung emPp-
finden, worin zugleich ein nicht zu unterschätzender Werbe-
Wert steckt. Man findet das U-N-I-T-I-Zeichen aus diesem
Grunde nicht nur in den verschiedenen Werbeschriften,
sondern vielfach auch auf den Briefbogen. Umschlägen, Post-
karten usw.

Herr Ronnefeld, Generaldirektor des Dresdner Bellevue, hat
den beachtenswerten Vorschlag gemacht, daß die Mitglieder
des I. H. V. sein Beispiel, die Zugehörigkeit zu dieser alten und
bewährten Vereinigung äußerlich zu dokumentieren, nach-
ahmen möchten. Der Vorschlag verdient Beachtung und tat-
Sächlich Nachahmung.

„Um den Wert einer solchen Neuerung in helles Licht zu
rücken, sei zunächst daran erinnert, was dem Internationalen
        <pb n="402" />
        02

DAS HOTEL UND GASTGEWERBE
Hotelbesitzer-Verein seit vielen Jahren seine Bedeutung und
seine ganz exzeptionelle Stellung gegeben hat. Es ist der
Solidaritätsgedanke, der seit jeher im I. H. V. gewissermaßen
in Reinkultur zu finden gewesen ist. Das Zusammengehörig-
keitsgefühl, die Kollegialität! Schon vor einer Reihe von Jahren
habe ich die Generalversammlungen des I. H. V. scherzhaft,
und es doch ganz ernst meinend, mit den Familientagen oder
Geschlechtertagungen alter Familien verglichen. Tatsächlich
glichen diese Versammlungen, ganz gleich, in welchem Lande
sie stattfanden, stets mehr einem Freundschaftstag als einer
nüchternen Vereinsversammlung. Der Wert persönlicher
Beziehungen und kollegialen Zusammenarbeitens trat dort
jedesmal von neuem in Erscheinung. Wie sehr dieser große
Zug am I. H. V., dem er auch seine Großzügigkeit verdankt,
von den Hotelfachleuten gewürdigt worden ist, zeigte in den
Vorkriegsjahren, zeigt heute wieder eine ebenso interessante
wie erfreuliche Tatsache. Sobald ein junger Hotelfachmann
von internationaler Schulung und Prägung zur Selbständigkeit
gelangte, sei es durch Kauf oder Pachtung eines Hotels, sei es
durch Übernahme einer selbständigen Direktion oder Vor-
standschaft in einer Aktiengesellschaft oder G. m. b. H., war
fast immer seine erste Handlung, sich um die Mitgliedschaft
beim I. H. V. zu bewerben. Viele Jahre lang galt die Mitglied-
schaft zum I. H. V. als Werturteil, als Empfehlung von inter-
nationaler Bedeutung. Das ist sie auch heute noch.

Die Zugehörigkeit zu einer solchen Organisation öffentlich
zu unterstreichen, ist ein ausgezeichneter Gedanke. Die Vorteile
liegen so deutlich vor Augen, daß sie kaum noch weitschweifig
geschildert zu werden brauchen. Das U-N-I-T-I-Zeichen auf
den schweizerischen und italienischen Werbeschriften ist der
beste Kronzeuge und Werber für diesen Gedanken. Die Initialen
[. H. V. auf der Weltkugel sollten künftighin auf allen, der
Werbung dienenden Materialien zu finden sein. Diese drei
Buchstaben müssen zum in der ganzen Welt bekannten und
gewerteten Kennzeichen werden.

Wenn der Tourist irgendeines Landes dieses Kennzeichen
auf den Werbeschriften eines Hotels findet, so weiß er sofort:
Das Haus gehört zur großen Weltgemeinde des I. H. V. Er
braucht nur den als zuverlässiges Nachschlagewerk bekannten
„Internationalen Hotelführer“ zur Hand nehmen, um sofort
über das Haus und seine Darbietungen Bescheid zu wissen. So
        <pb n="403" />
        EIN INTERNATIONALES WERTZEICHEN FÜR HOTELS 4%
werden, um ein etwas triviales Sprichwort anzuwenden, zwei
Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Mit überzeugender
„Suggestionskraft“ — über die Bedeutung der Suggestion bei
der Werbung habe ich mich in verschiedenen Kapiteln geäußert
— „suggeriert“ dieses Kennzeichen dem Beschauer die Bedeu-
tung des I. H. V. Und mit derselben Kraft der intensiven
Suggestion „suggeriert“ es dem Touristen, daß er sich unbedenk-
lich jedem Hotel anvertrauen kann, welches einer solchen
Weltorganisation angehört und das seine Zugehörigkeit deut-
lich und stolz unterstreicht. Wer etwas von der Psyche des
Reisenden versteht, der weiß auch, daß die Wahl eines fremden
Hotels in einer fremden Stadt oder gar in einem fremden Lande

f
ML!
I
1

J
I

Entwürfe für das Wert-Kennzeichen.
unbedingt „Vertrauenssache“ ist. Das Kennzeichen I. H. V.
muß der Schlüssel zu diesem Vertrauen werden. Da nach dem
jahrelangen künstlichen Stocken des internationalen Verkehrs
der Drang, fremde Länder und Völker kennenzulernen,
Mmächtiger denn je werden wird, So ist es ein Akt der Klugheit,
ein internationales Kennzeichen zu schaffen und zu gebrauchen,
das wie kein zweites dazu berufen ist, die Vertrauensfrage bei
der Wahl der Hotels zu lösen.

Meine zwei anspruchslosen Muster, wie dieses neue und doch
Schon so alte internationale Kennzeichen gestaltet werden
könnte, sollen lediglich Anregungen für die Schaffung eines
noch vollkommeneren Zeichens sein. Vielleicht wäre auch der
Gedanke eines Preisausschreibens zu erwägen, das geeignet sein
könnte, befruchtend auf den internationalen Reiseverkehr
einzuwirken. Ein solches internationales Kennzeichen wäre
zugleich ein Symbol des internationalen Reiseverkehrs und es
würde die schöne Mission der Hotelindustrie, völkerverbindend
Zu wirken, in helles Licht rücken.
        <pb n="404" />
        304

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

In dem Kapitel „Kollektiv-Propaganda durch korporative
Vereinsreklame‘“‘ schildere ich an einem Beispiel aus New York,
wie dortige Hotels als Mitglieder einer Hotelorganisation
korporativ inserieren und wie sie diese Vereinszugehörigkeit zu
einem Werturteil zu stempeln wissen. Dort haben wir das
bereits praktisch durchgeführte Gegenstück zu meinem Vor-
schlage eines internationalen Kennzeichens. Im Zeitalter des
Zusammenschlusses, der Organisation, sollte man noch einen
Schritt weitergehen und die eigene Berufsorganisation bewußt
in den Dienst der Werbung stellen. Man schaffe ein Freimaurer-
zeichen der internationalen Hotelindustrie. Es hieße die Propa-
ganda veredeln, wenn man ein Kennzeichen schüfe, das zugleich
ein Werturteil bedeutet.
        <pb n="405" />
        WIE FESSELE ICH MEINE GÄSTE

‚03

56. WIE FESSELE ICH MEINE GÄSTE?
Außergewöhnliche Verhältnisse und Zeiten bedingen außer-
Fewöhnliche Maßnahmen... Namentlich Saisonhotels spüren es
zuweilen schmerzhaft — — in ihren Kassenrapporten. In den
Schlußbilanzen wird es katastrophal in Erscheinung treten,
wenn der Wettergott es böse meint, die Sonne für immer unter-
gegangen zu sein scheint und nur der Regen sich „Beständigkeit“
bewahrt hat. Dann aber gibt es bekanntlich großes Wasser, und
in dieses Wasser fallen Tausende, nein, Hunderttausende von
Reiseplänen, die nicht zur Ausführung kommen.

Jene aber, die gekommen sind, langweilen sich und gähnen.
Wer aber schon so weit ist, daß er tagsüber vierundzwanzigmal
gähnt, der ist reif für die Abreise, Falls der Hotelbesitzer nicht
das Kunststück fertig bringt, den noch Schwankenden auf
andere Gedanken zu bringen. Ihn durch seine Einfälle zum
Bleiben zu bewegen. Es ist das auch eine Form der Reklame,
aber sie gehört mit zum schwersten Teil dieses nicht leichten
Kapitels. Tatsächlich, die Sorge: wie halte ich meine Gäste
fest?, beherrscht in bestimmten Situationen die Situation. Das
mag auf den ersten Blick paradox erscheinen, ist es aber nicht.

Wer durch anhaltend bösartiges Wetter ans Haus gefesselt ist,
der liebäugelt mit dem Gedanken (wenn er es nicht gerade mil
Seinem reizenden Gegenüber tat), sich durch einen raschen
Entschluß zu befreien. Der Entschluß heißt: „Ich mache nach
Haus!“, wenn es ein Sachse oder Thüringer ist und: „Ick reiße
aus um jeh wieder zu Muttern!‘“, wenn es sich um einen
geborenen Berliner aus Kyritz an der Knatter handelt.

Wie halten wir die nach Hause Machenden und die Aus-
reißenden fest? So fragen sich an regenschweren Tagen sorgen-
voll viele Hotelbesitzer. Nun, man biete seinen Gästen Abwechs-
lung, Anregung, Sensation, damit aus dem Gähnen der Gäste
Nicht ein gähnend leeres Haus werde. Kurz, man versuche, in
        <pb n="406" />
        +06

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
das etwas eintönige Einerlei der „Tanztees‘‘, ‚„Abendtänze“
usw. Abwechslung, neue Gedanken zu bringen.

Rezepte dafür zu geben, ist natürlich gewagt, denn eines
schickt sich nicht für alle und die festlichen Einfälle müssen
dem Rahmen, also den. Räumen, angepaßt sein. Aber es sei
wenigstens von einem solchen Einfall eines gut geführten und
beliebten Hotels in einem bayerischen Badeort erzählt. (Gemeint
ist das Park-Hotel, früher Bellevue, in Bad Wörishofen.) Dort
war man früher mit Bauernbällen, in schöner Abwechslung mit
gewöhnlichen Feld- und Wiesenabendtänzen, ganz gut ausge-
kommen, Aber als es an 24 Stunden des Tages und der Nacht
Dusche regnete, seitdem genügen in jenen glücklichen Gefilden
auch die Bauernbälle mit ihrem Holdrio juchhe nicht mehr.
Man muß seinen Gästen anders kommen, wenn sie kommen
und wenn sie bleiben sollen. Der letzte Einfall jenes Hotels war
ein „Fest in Stambul‘“. Ist mal was anderes als die schon ein
bißchen ramponierten Bösen Buben-Bälle, die Schwarz-weißen
Feste (an denen schon mancher Weiße sich schwarz geärgert
hat), die Gesindebälle, die Babvabende, die Lumpenbälle und
die Rosenfeste.,

Für jenes „Fest in Stambul‘“ hatte die Leitung des Hotels ein
originelles Programm bekanntgegeben, das ich, etwas abge-
kürzt, noch folgen lasse.

Es sei besonders auf den ersten Programmpunkt aufmerksam
gemacht. Der darin zur Anwendung gekommene Trick ist zwar
nicht neu, aber immer wirksam. Wenn man den zu erwartenden
Gästen rät: sich Tischplätze rechtzeitig durch Voranmeldung
zu sichern, so suggeriert man ein gewisses Sorgengefühl. Der
Leser denkt: das ist ganz was besonderes. Es herrscht Andrang.
Du mußt dich dazu halten, sonst bekommst du keinen Platz.

Das ist eine Anregung. Es bleibt der Phantasie der Inter-
essenten überlassen, noch entzückendere Variationen auszu-
denken. Auf diesem Gebiete beschlagene Gäste werden sich mit
Vergnügen am Ausdenken und Arrangement solcher Vergnügen
beteiligen. Man spanne sie an den Wagen, und man wird sehen,
wie gut der Wagen fährt, und daß auch der Hausherr alias
Hotelbesitzer sehr gut dabei fahren wird. Nur achte man darauf,
daß der festliche Charakter leicht und ohne große Unkosten
erreicht werden kann. Gemeint ist damit die Kostümierung.
Man glaubt gar nicht, was für wundervolle Effekte sich mit ein
wenig Phantasie aus dem Nichts erzielen lassen. An einem
        <pb n="407" />
        WIE FESSELE ICH MEINE GÄSTE

407

Pfingstabend des verwässerten Sommers 1926 hat eine ent-
zückende junge Tänzerin in der Bar eines bekannten Schwarz-
waldhotels einen Tempeltanz so wundervoll improvisiert, daß
wir alle fasziniert waren. Aus was für Hilfsmitteln dieser

Das Fest beginnt abends Punkt 81|, Uhr. Es dürfte
ratsam sein, sich Tischpfätze rechtzeitig durch DVoran-
meldung zu Sichern, Eintrittsgeld wird keines erhoben,

Te mehr Teilnefimer in türkischer Kfeidung erscheinen,
um so schöner wird das Fest. Tan kann aber auch mit
einfachen Mitteln seine MRAbendtoifette „türkisch“ machen,
die Damen mit einem Schfeier, die Herren mit Fez.
Schleier und Fez sind im Parkhotel zu haben. Gäste
ofine türkische Abzeichen müssen im „Europäerviertel”
sich niederfassen.

An Überraschungen ist folgendes vorgesehen: Einzug
des Pascha Bey... mit seinen Damen. Tänze der
Prima-Batterina des Hoftheaters in Konstantinopel:
„Safamitk Erika Effenint“ unter Mitwirkung alter Harems-
damen. Sofotanz der Safamitfi: „Satfometanz der sieben
Schteier“. Eine Schönheitskonkurrenz affer Türkinnen mit
Preisverteifung. Orientafische Musik der Dreikreuztürken-
Kapelte vom Bosporus etc.

Das schlechte Regenwetter soll mit Scherz und Freude
unschädlich gemacht werden. Die Einladung ergeht an
alfe Kurgäste und Freunde des Hotels,

künftige Star am Tanzhimmel sein „echtes Kostüm‘ einer
48yptischen Tempeltänzerin zusammengebaut hatte, darf ich
Nicht verraten. Aber man erlebte es dort, daß mit Leichtigkeit
Orientalisch kommen kann, wer ein wenig orientalische Phan-
tasie mit deutscher Grütze verbindet. Nur vor einem „Langen
Kleider-Abend“ sei dringend gewarnt. Er würde die Damen ın
Verlegenheit bringen. Die wollen zwar nie zu kurz kommen,
aber bei derlei Festen wünschen sie eben doch zu kurz zu
kommen. An einem „Langen Kleider-Abend‘“ würden sie wahr-
Scheinlich nichts anderes lang machen als dem betreffenden
        <pb n="408" />
        08

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

und betroffenen Hotelier eine lange Nase, indem sie nicht
kommen.

Im 89. Kapitel: „Die Reklame an der Landstraße‘‘, schildere
ich auch die originelle Art, wie Herr Georg Schwarz vom Hotel
zu Fürst Stolberg in Schierke „Streckenreklame“ macht. In der
beigegebenen Abbildung veranschauliche ich diese nachahmens-
werte Propaganda plastisch. Aus den dort zum Aushang
gekommenen Plakaten läßt sich aber auch wohl noch etwas
anderes lernen, nämlich: Abwechslung in den Ton der geselligen
Veranstaltungen zu bringen. Deshalb gebe ich nachstehend eine
Anzahl dieser Plakate, natürlich bedeutend verkleinert und nur
das Wesentliche davon, zu Nutz und Frommen meiner Leser
wieder. .

Für diese Ankündigungen wurde ein einheitliches Plakat
geschaffen — wie aus der Abbildung im Kapitel „Die Reklame
an der Landstraße“ ersichtlich — das in den Farben des Hotels:
weiß-grün-schwarz, gehalten ist. Die Spezialprogramme werden
aufgeklebt, wobei jedesmal andersfarbiges Papier gewählt wird.
so daß auch dann wirkungsvolle Abwechslung erreicht wird.
wenn eine Anzahl dieser Plakate nebeneinander erscheint.

Dienstag, den 28. Dezember 1926
1. Amateur:
Canz-Curnier
um den Preis des Hotel Sürft zu
Stolberg
Blues — Charleiton — Tango
6 Dreije für die 3Z beften Paare
Seitung: Ellen Herlen und Prof.
Arthur Dolores

Doranzeige:
Sreitag, den 31. Dezember 1926
Silveiterfeier, Nbendeffen u. Ball

Mittwoch, den 5. Januar 1927
Hausball
verbunden mit
Tanzaymihana
Tanz{piele mit Hindernijjen
Prämtierung der fiegenden Paare
Seitung: Ellen Herley und Prof.
Artbur Dolores

Doranzeige:
Sonnabend, den 8. Januar 1927
Ball-Seit „Der Bubikopf“
        <pb n="409" />
        WIE FESSELE ICH MEINE GÄSTE

+05

Sonnabend, den 8. Januar 1927

Mittwoch, den 12. Januar 1927
Ball-Seit
„Der Bubitopf“

Gejinde-Ball

Prämiierung der drei fhönften
Bubiköpfe

Prämtierung der originelliten
Typen

Leitung: Ellen BHerlen und Prof.
Arthur Dolores

Leitung: Ellen Herlen und Prof.
Artbur Dolores

Doranzeige:
Mittwoch, den 12. Zanuar 1927
Geünde:Ball

Doranzeige:
Sonnabend, den 15. Januar 1927
Der Ball der Mode

Sonnabend, den 15. Januar 1927

Mittwoch, den 19. Januar 1927
Der
Balder Mode
Krönung der Modekönigin von

Schierke!

Karnevalijtijchenr
Abend

Ein Ball nach rheiniidher Art

Das Publikum als Preisrichter

Iubel und Trudel

Leitung: Ellen Berley und Prof.
Arthur Dolores

Leitung: Ellen Herlen und Prof.
Arthur Dolores

Doranzeige:
Karnevalijtijdher Abend
Mittwoch, den 19. Yanuar 1927

Doranzeige:
Winterjport-Ball
Sonnabend, den 22. Januar 1927
        <pb n="410" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Sonnabend, den 22. Januar 1927
Winterjport-
Ball
(Alles erfheint in Sportöreß)
Prämtierung des fHönften Damen»
Sportfojtüms
Diele Iuftige Überrafhungen
Leitung: Ellen Herlen und Prof.
Arthur Dolores

Doranzeige:
Böjer Buben-:Ball
Müittwocdh, den 26. Januar 1927

Sonnabend, den 29. Januar 1927
Schwarz-Weiß:
Redoute
Damen erjdeinen, wenn möglich,
in weißen oder hellen Abendtoiletten,
die Herren in Smoking oder Srad
mit weißer Blume
Prämiierung des Rleinften
Damenfußes!
Feitung: Ellen Herlen und Prof.
Artbur Dolores

Doranzeige:
Mittwoch, den 2. Februar 1927
H. Amateur-Tanz:Turnier

Mittwoch, den 26. Januar 1927
Bö-Bu-Ba
(Böfjer-Buben-Ball)

Prämtierung der originelljten
Typen

Leitung: Ellen Berlen und Prof,
Artbur Dolores

Doranzeige:
Schwarz: Weif-Redoute
Sonnabend, den 29. Januar 1927

Mittwoch, den 2. Sedruar 1927
Il. Amateur-
um die Wintermeijterfhaft von
Schierfe
Blues — Charlejfton — Tanao
6 Preife für die 3 beften Paare
Leitung: Ellen Herlen und Prof.
Artbur Dolores

Doranzeige:
Sonnabend, den 5. Sebruar 1927
Ball der Kunterbunten
        <pb n="411" />
        WIE FESSELE ICH MEINE GÄSTE

41

Sonnabend, den 5. Sedruar 1927

Mittwoch, den 9. Sechruar 1927
Ball der
Kunterbunten

Große
Stolberg:
Reunion

(Alle Koftüme 3zuläffig)
Polonaifen, Papierjdhlangen:
ichlacht, Überrafchungen

verbunden mit Roulette-Tanz &amp; la
Monte Carlo

Leitung: Ellen Herley und Prof.
£rthur Dolores

Leitung: Ellen Hexlen und Prof.
Arthur Dolores

Doranzeige:
Mittwody, den 9. Februar 1927
Grofke Stolbera-Reunion

Doranzeige:
Sonnabend, den 12. Februar 1927
Münchner Bal nare

Sonnabend, den 12. Schruar 1927

Mittwoch, den 16. Schruar 1927
Niünchner
Bal yare

Perüden:
und
Puderbal

(Damen mit DVifier)

Leitung: Ellen Herlen und Prof.
Arthur Dolores

Perücken Teihweife
bei Srijeur Schmeißer
Doranzeige:
Mittwoch, den 16. Februar 1927
Derücen: und Duderball

Feitung: Ellen Herlen und Prof.
Artbur Dolores
        <pb n="412" />
        iO

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

57. DIE WERBUNG FÜR DAS EIGENE
HOTELRESTAURANT

Der Hotelbesitzer bekommt die Wirkungen der wirtschaft-
lichen Verhältnisse, der Geldknappheit und der Verarmung
breiter Schichten der europäischen Völker fühlbar auch in
seinen Speisesälen und im Restaurant zu spüren. Behandlung
dieser wichtigen Frage darf deshalb in meinem Werk nicht
fehlen. Wenn ich auch nicht, leider, zu einer gründlichen
Wandlung der jetzigen Zustände verhelfen kann, so vermögen
die nachfolgenden Beispiele doch wenigstens eine Besserung
herbeizuführen.

Von zahlreichen Hotelbesitzern in verschiedenen Ländern
Europas kamen Klagen zu mir — mit der Bitte um Ratschläge
für Abhilfe — daß viele Hotelgäste Küche und Keller des
Hauses völlig ignorieren. In Geschäftsreisenden-Hotels wird es
ebenfalls sehr beklagt und als schädigend empfunden, daß der
reisende Kaufmann sein Hotel fast nur noch als Schlafgelegen-
heit benutzt, während er die Mahlzeiten anderwärts einnimmt.
In einem Leitartikel der „Post reisender Kaufleute Deutsch-
lands‘ wurde das einmal ganz offen zugegeben. Nicht zugegeben
wurde allerdings, daß diese unerfreuliche Neuerung für die
betroffenen Hotels auch schwere wirtschaftliche Folgen hat.
Daran denkt man aber, leider, nicht, wenn man in den Kreisen
der reisenden Kaufleute über die angeblich zu hohen Hotel-
preise lamentiert. Gern ignoriert man bei diesen Klagen die
Tatsache, daß für die Hotels eine starke wirtschaftliche Ver-
schiebung eingetreten ist, seitdem die Einnahmen aus der
Verpflegung der Gäste in Wegfall kamen. Dieser Einnahme-
ausfall hat dahin geführt, daß wichtige. Betriebszweige
der Geschäftsreisenden-Hotels, nämlich Küche und Keller,
unrationell wurden, was zu einer veränderten Preiskalkulation
zwingt.
        <pb n="413" />
        DIE WERBUNG FÜR DAS EIGENE HOTELRESTAURANT 48
In München hatte der städtische Hauptausschuß sich mit
folgender Sache zu beschäftigen. Auf Grund verschiedener,
beim Gewerbepolizeireferat eingegangener Beschwerden wurde
festgestellt: Wenn ein Wirt bei Abgabe von Speisen ohne
Getränke einen Preiszuschlag fordere, so sei er verpflichtet,
einen entsprechenden klaren Hinweis auf der Speisenkarte
oder in einer sonstigen, für den Gast deutlich erkennbaren Weise
anzubringen. Werde ein solcher Hinweis nicht gemacht, so sei
der Wirt nicht berechtigt, einen höheren Preis zu verlangen,
und der Gast nicht verpflichtet, den Aufschlag zu bezahlen.

Auch in Hotelbesitzerkreisen neigt man immer mehr dazu,
von solchen Gästen entsprechende Zuschläge zu fordern, die
im Hotel nur die Nachtherberge sehen. Aus dem Bescheid des
Münchener städtischen Hauptausschusses ist zu erkennen, daß
der Erhebung von Zuschlägen im Prinzip nichts entgegensteht,
sofern der Gast in deutlich erkennbarer Weise darauf auf-
Mmerksam gemacht wird. Es ist deshalb nützlich, die Frage zu
erörtern, welches die deutlichst erkennbare Weise ist.

Man wird zunächst an Plakate oder sonstige Anschläge in
den Gästezimmern sowie in anderen geeigneten Hotelräumen
denken. Dabei muß daran erinnert werden, welche Haltung
Behörden und Gerichte jenen Zimmeranschlägen gegenüber
eingenommen haben, womit der Hotelier seine gesetzliche Haft-
pflicht einschränken wollte. Die Anschläge wurden gewöhnlich
als unverbindlich erklärt, weil dabei vom Zustandekommen
eines rechtsverbindlichen, von beiden Teilen anerkannten
Vertrages nicht gesprochen werden könne. Ein solcher Anschlag

Sei nur eine einseitige Willenserklärung des Hotelbesitzers, die
der Gast nicht gelesen zu haben brauche.

Auch in Italien hatten manche Hoteliers durch Zimmer-
anschlag bekannt gegeben, daß der Zimmerpreis erhöht werden
müsse, wenn das Frühstück nicht im Hotel eingenommen
werde. Daraufhin hat der italienische Minister des Innern durch
einen Zirkularerlaß dieses Verfahren für unzulässig erklärt.
Die Hoteliers (in Italien) dürften, so meinte der Minister, keinen
höheren Zimmerpreis fordern, als der Präfektur aufgegeben
worden sei. Nun, dem ließe sich wohl damit begegnen, daß man
der Präfektur zwei Preise aufgibt: einen Normalpreis und einen
zweiten, der bei Nichteinnahme des Frühstücks eintritt.

Trotz dieser. kleinen behördlichen Hemmungen muß der
Plakatanschlag empfohlen werden, und zwar aus reinen Nütz-
        <pb n="414" />
        414

‘ DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
lichkeitsgründen. Es sei deshalb allen jenen Hotels, die unter
den geschilderten Verhältnissen besonders schwer zu leiden
haben, dringend empfohlen, zwei verschiedene Plakate zu
verwenden, Das erste Muster sollte man, nicht zu groß und
doch in gut sichtbarer und lesbarer Form, in sämtlichen Gäste-
zimmern anbringen lassen:

Eine Bilte an meine verehrten Gäste!
Küche und Ketter meines Hotets bemühen sich, vom Guten das Deste
zu Bieten. Ste halten sich den Gästen empfohlen, weif sie nur dann auf
tfirer Höhe Bleiben können, wenn meine Gäste sich Ihrer auch Bedienen.

Deshalb Gitte ich

wenigstens eine Hauptmahifzeit täglich
im Hotetrestaurant einnehmen zu woffen, Die Einnahme des Frühstücks
im Haus ist sel6stverständfich und obligatorisch, andernfalls müßte der
relativ Bescheidene Zimmerpreis entsprechend erhöht werden.
Direktor Fritz THütter

Außerdem wäre noch ein zweiter Plakatanschlag zu emp-
fehlen: Knapper Text, aber dafür recht auffallend. Das Plakat
müßte gut, sogar künstlerisch ausgeführt werden, und es müßte
in hübsche Rahmen gesteckt und überall da aufgehängt werden,
wo es den Blick des Gastes anzieht. Also in der Diele, beim Emp-
fang, in denKorridoren und Gängen, aber natürlich nicht in dun-
klen Winkeln. Als Text dürfte folgender kurzer Appell genügen:
100 EEE I

ta

ICH BITTE SEHR,
MINDESTENS EINE HAUPTMAHLZEIT TÄGLICH
im Restaurant des Hotels einzunehmen.
DIE EINNAHME DES FRÜHSTÜUCKS
im Hause ist obligatorisch 1
Direktor Fritz Müller
        <pb n="415" />
        DIE WERBUNG FÜR DAS EIGENE HOTELRESTAURANT 4165

Der Winterprospekt des Hotels Fürst zu Stolberg in Schierke,
Harz, gibt unter anderem die Zimmerpreise an mit der folgen-
den Einschränkung:

Preife der Zimmer für kurzen Aufenthalt
Zimmer mit ı Bett . N, 4.— an Zimmer mit 2 Betten Wi, 8.— an
„mit ı Bett fl, warm u. Falt „mit 2 Betten, fl. warm u.
Wafler . . . .M. 5.— an Talt Waller . N. ı0,— an
mit x Bett, Bad, fl. warm mit 2 Betten, Bad, fl. warm
u, Palt Waller IT. 7.— an u, Falt Wafer U. 14.— Au
Vorausfegung für den Zimmerpreis ift, daß das erfte Srühftüc und eine

der ZAguptmablzeiten im Zotel eingenommen werden.
Da ich gerade bei den Zimmeranschlägen bin, sei noch ein
Hinweis eingefügt, „wie‘ Hausordnungen und dergleichen
Nicht aussehen dürfen. Das folgende Musterbeispiel im ver-
Neinenden Sinne soll in den Zimmern eines Hotels in einem
kleinen deutschen Kurort angeschlagen sein:

i. Bedienung: Einmal kurz läuten. — Unnötiges Läuten
ist zu unterlassen.
Licht: Nur zum Aus- und Ankleiden einschalten.
Speisen: Gute und preiswerte Küche im Hause, —
Werden Mahlzeiten außerhalb des Hauses eingenommen,
erhöht sich der Zimmerpreis um 50 Prozent. — Speisen
und Getränke, die auf dem Zimmer serviert werden, sind
sofort dem bedienenden Personal zu bezahlen.
Schlüssel: Zimmerschlüssel sind bei dem Verlassen
desselben (wessen? des Schlüssels??) am Büfett abzu-
geben.

5. Haustür: Nur bis 11 Uhr geöffnet. .Der Wirt.

2,
R

A

Zu dieser merkwürdigen Entgleisung ist kein weiteres Wort
Nötig als höchstens die Bemerkung, daß ein Hotel keine
Kaserne ist.

. Sympathischer wirkt da schon ein anderer Anschlag, der in
Einem schottischen Hotel in deutscher Sprache angebracht sein
Soll und folgendes verkündet:

Das Zimmermädchen: Dreimal drücken.

Der Kellner: Einmal lange drücken.

Die Kassiererin steht zur Verfügung der werten Gäste
nach zweimaligem kurzen Drücken.

Die Direktion bittet die werten Gäste, das Personal nicht
zu mißbrauchen.
        <pb n="416" />
        „16

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Außer den vorerwähnten Appellen müßte dann noch der
Weg beschritten werden, der sozusagen die Rechtsverbindlich-
keit der angekündigten Preiszuschläge sichert. Auch hierfür sei
zunächst ein Beispiel aus der Praxis beziehungsweise eine
behördliche Entscheidung herangezogen: Der schon einmal
erwähnte städtische Hauptausschuß von München hatte sich
mit der sogenannten Schlüsselkarte oder Zimmerkarte beschäf-
tigt, die seit einiger Zeit in vielen Hotels als Legitimation für
den Gast eingeführt worden ist. Eine ortspolizeiliche Vorschrift
aus dem Jahre 1911 bestimmt, daß in jedem Hotelzimmer der
Zimmerpreis angeschlagen sein muß. Die Münchener Hotel-
besitzer haben nun vor längerer Zeit angeregt, daß es ihnen
überlassen bleiben möchte, den Zimmerpreis entweder durch
Zimmeranschlag oder durch die Schlüsselkarte bekannt zu
geben. Der städtische Hauptausschuß hat nun die Vorschrift
vom Jahre 1911 dahin abgeändert, daß auch die Schlüsselkarte
zugelassen wird.

Man erkennt aus diesen Ausführungen, daß diese neueste
Einrichtung im modernen Hotelbetrieb, die Zimmer- oder
Schlüsselkarte, eine doppelte gute Eigenschaft haben kann.
Zunächst erhöht sie die Sicherheit im Haus, indem jeder Gast
bei seiner Ankunft eine „Legitimation“ erhält, die ihn jederzeit
als rechtmäßigen Inhaber seines Zimmers ausweist. Dann hat
sie noch den. großen Vorzug, daß die Hotelleitung mittelst der
Zimmerkarte dem Gast bestimmte Wünsche und Bitten unter-
breiten kann. Es ist anzunehmen, daß diese Wünsche auf der
Schlüsselkarte auch wirklich Beachtung finden, weil der Gast
sie bei sich trägt und also wohl auch öfter einen Blick auf sie
wirft. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß ich in Hotels
mit Schlüsselkarten meine Zimmernummer regelmäßig zu
vergessen pflege, so daß ich mich oft genötigt sehe, die kleine
Karte zu Rate zu ziehen. Da also die Schlüssel- oder Zimmer-
karte trotz ihrer Winzigkeit zum wichtigen Werbehelfer werden
kann, beschäftige ich mich im nächsten Kapitel ausführlicher
mit ihr.
        <pb n="417" />
        DIE SCHLÜSSEL-, BEZIEHUNGSWEISE ZIMMERKARTE ALS WERBER A417

58. DIE SCHLÜSSEL- BZW. ZIMMERKARTE
ALS WERBER

Im vorhergehenden Kapitel habe ich mich dahin ausge-
Sprochen, daß man sich überall da, wo gesetzliche Vorschriften
es nicht ausdrücklich verbieten, unbedenklich der Schlüssel-
karte — ich will der Kürze halber bei dieser Bezeichnung
bleiben — als Medium für solche Mitteilungen an die Gäste
bedienen sollte, die diesen gewissermaßen eine Anstands-
verbindlichkeit auferlegen. Übrigens ist das auch schon in gar
manchem Hotelbetrieb geschehen. So steht zum Beispiel auf
der Rückseite der Schlüsselkarte des Hotels „Der Fürstenhof“
in Dortmund folgendes:

Das erste Frühstück ist obligatorisch, bei Nichteinnahme
desselben 50 Pfennig Aufschlag pro Person.
Restaurant
Künstler-Musik
Yanditorei , Kaffee

Fünf-Uhr-Tee
Sale für Sitzungen , Festlichkeiten.

Es wird gebeten, wenigstens die Hauptmahizeiten im Hotel

einzunehmen, da die Hotelleitung mit Rücksicht auf die

notwendige stete Bereitschaft der Küche und. die hohen

Betriebskosten sonst genötigt ist, eine Erhöhung der Zimmer-
Dreise eintreten zu lassen.
        <pb n="418" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Auf einem Zimmeranschlag gibt dasselbe Hotel unter
anderem folgendes bekannt:

Die Zimmerpreise sind festgesetzt in der Annahme, daß
die Mahlzeiten vorzugsweise im Hotel eingenommen werden,
Das erste Frühstück ist obligatorisch; bei Nichteinnahme
50 Pfennig Aufschlag pro Person.

Auf dem Nachttisch neben seinem Bett findet der Gast dann
noch ein Kärtchen, auf dem er folgendes liest:

Wir madien unsere vereßrfen Gäste auf unser
Restaurant
aufmerksam und Bitten, außer dem ersten Früßstück
mindestens eine Tlaßlzeit fägliG im Hause einzunefmen,
Essen &amp; la carte zu jeder Tageszeit
Im Restaurant: Tafel-TNusik

Da der Schlüsselkarte also eine erheblich größere Bedeutung
zukommt, als man in Hotelbesitzerkreisen bisher annahm, gebe
ich eine solche komplette Karte als Musterbeispiel wieder. Und
zwar wähle ich absichtlich die Karte eines Hotels in München,
weil dort die Frage der Zuschlagsberechtigung von den zustän-
digen Amtsstellen bereits geklärt worden ist. Das Münchner
Beispiel könnte also auch insofern zum „Muster“ werden, als
man überall seine Durchführung zu erreichen suchen sollte.
Schließlich ist diese Schlüsselkarte auch noch deshalb inter-
essant, weil auf ihr ebenfalls der „Kennzeichen‘“-Gedanke
praktisch durchgeführt wurde. Das Eden-Hotel hat bekanntlich
seine Kofferetikette zum Kennzeichen gemacht — ich erzähle
davon in dem Kapitel über die Kofferetikette — und ich gebe
        <pb n="419" />
        DIE SCHLÜSSEL-, BEZIEHUNGSWEISE ZIMMERKARTE ALS WERBER 4419

- dd
Em

Am Hauptbahnhof und Starnberger Bahnhof, Arnulfstraße 6/8
Telephon 54-6-30

ED
Wir bitten, das Frühstück im Hotel einzu-
nehmen. Bei Nichteinnahme erhöht sich der
Zimmerpreis um 10%,

Vorder-(Titel-)Seite der Schlüsselkarte.
auch bei den Briefbogen, Umschlägen usw. entsprechende
Musterbeispiele dieser originellen Idee wieder. Diese Schlüssel-
karte sieht so aus:

Far Geld und Wertsachen, die uns zur Aufbewahrung übergeben werden,
haften wir nur nach den gesetzlichen Bestimmungen über den unentgelt-
lichen Verwahrungsvertrag. In allen übrigen Fällen haften wir nur im
Rahmen der getroffenen Vereinbarungen. Sichere Safes stehen in unserem
Büro zur Verfügung. Wir empfehlen, das Reisegepäck zu versichern.

Versicherungen können beim Portier abgeschlossen werden,

Wir bitten dringend, Türen und Schränke abzuschließen,

den Zimmerschlüssel beim Portier abzugeben.

In Halle und Frühstückszimmer sowie auf den Zimmern
werden warme und kalte Getränke, kalte Speisen und
Eiergerichte zu jeder Tageszeit serviert.

Fahr- und Bettkarten sowie Karten für Theater, Konzerte, Veranstaltungen
jeder Art werden vom Portier besorgt.

&gt;Waren Sie unzufrieden, so sagen Sie es uns, waren Sie
zufrieden, so sagen Sie es den andern!«

Die beiden inneren (2. und 3.) Seiten der Schlüsselkarte
        <pb n="420" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

STADT-RUNDFAHRTEN
werden täglich mit unserem Privatwagen ausgeführt
Ausführliche Besichtigung und Erklärung der
Sehenswürdigkeiten.

Diese Karte dient als Ausweis
innerhalb des Hotels.

Bitte beim Verlassen des Hauses Schlüssel
beim Portier abgeben.
DAS TRINKGELD IST NICHT ABGELÖST

Die letzte (4.) Seite der Schlüsselkarte.
Angesichts der wirtschaftlichen Not vieler Hotelbetriebe in
fast allen europäischen Ländern ist die Frage der Restaurant-
Benützung durch die Hotelgäste von ganz erheblicher Wichtig-
keit. Es ist daher wohl überflüssig, die hier gegebenen
Anregungen und praktischen Vorschläge noch besonders zur
Beachtung zu empfehlen. Aber einen wertvollen Hinweis will
ich nicht versäumen. Es ist ratsam, diese Fragen auch öfter in
der Tagespresse zu erörtern, um das große Publikum darüber
aufzuklären, aus welchen zwingenden Gründen die Hoteliers
und Hoteldirektoren Wert darauf legen müssen, daß ihre Gäste
sich nicht nur der Küche und des Kellers erinnern, sondern daß
sie sich auch ihrer Darbietungen so wie früher bedienen. Die
Hoteliers und Hoteldirektoren sollten deshalb ihre Beziehungen
zur Presse, die überhaupt viel sorgfältiger gepflegt werden
müßten, als es seither der Fall war, zu entsprechenden, öfter
wiederholten Aufklärungen benützen.
        <pb n="421" />
        EIN KLEINER, ABER FLEISSIGER PROPAGANDIST: DIE ANSICHTSKARTE 421

59. EIN KLEINER, ABER FLEISSIGER
PROPAGANDIST: DIE ANSICHTSKARTE
Obwohl die Begeisterung für die Ansichtskarte in ein
ruhigeres Fahrwasser gekommen ist und der Kartenverbrauch
nicht mehr an den der Vorkriegszeit heranreicht, kann die
Ansichtskarte im Hotel- und Gastgewerbe doch zu einem
wichtigen Gliede der Reklame gemacht werden. Ich meine
natürlich nicht die Ansichtskarte mit örtlichen oder landschaft-
lichen Sehenswürdigkeiten, sondern die Karte mit interessanten
Ansichten aus dem eigenen Geschäft. In dieser Form kann sie
wohl von fast allen im Gastgewerbe vorkommenden Betrieben
als Werber verwendet werden. Es sei zunächst der Ansichts-
karte im Hotel, Sanatorium, Fremdenheim usw. gedacht.

Selbstverständlichkeit ist, daß für diesen Zweck nur Karten
verwendet werden dürfen, die den Ansprüchen auch eines
verwöhnten Publikums in jeder Beziehung genügen können.
Also keine Sparsamkeit an falscher Stelle! Für die Abbildungen
wähle man, außer der Totalansicht des Hauses, nur solche
Räume und Gegenstände, die wirklich die bildliche Wiedergabe
und Kartenversendung wert sind: Heimeliche, gemütliche
Ecken und Nischen aus der Diele, dem Lese- oder Musik-
zimmer, der Bar; wirkungsvolle Einblicke in die Gesellschafts-
und Repräsentationsräume; Bilder von gelungenen Festlich-
keiten, auch von Gartenfesten, Warum auch nicht ein fesselnder
Blick in die Wirtschafts- oder Kellerräume? Ausblicke von den

Terrassen oder Zimmern auf die Landschaft. Originell können
auch Ansichtskarten wirken, die das Bild einer Ankunft oder
Abreise, entweder in der Halle oder vor dem Portal, festhalten.
In den Abbildungen gebe ich ein paar Postkarien wieder, die
von besonders stimmungsvollem Reiz sind. Sie stammen aus
dem „Frankfurter Hof“ in Frankfurt a. M., und sie zeigen, daß
eine künstlerische Hand aus der Hotel-Postkarte ein wirkliches
        <pb n="422" />
        39

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
„Stilleben‘ machen kann. Schade, daß der malerische Reiz der
Farben nicht wiedergegeben werden konnte.

Viel zu wenig ausgenützt hat man im Hotel- und Fremden-
heimgewerbe die Karte mit Ansichten der Zimmer. Ich bin über-
zeugt, daß es vielen Gästen Vergnügen bereiten würde, nament-
lich bei längerem Aufenthalt, Ansichtskarten von dem bewohn-
ten Zimmer zu erhalten. Natürlich könnte es sich nur um solche
Räume handeln, die aparte Möbel haben und auch sonst von
der üblichen Fremdenzimmerschablone abweichen. Solche
Räume gibt es aber doch, glücklicherweise, in Hotels und
Fremdenheimen, aber auch in Sanatorien und Kurhäusern
recht häufig.

Ich entsinne mich noch heute zweier Hotelzimmer, als habe
ich gestern darin gewohnt, obwohl schon viele Jahre seitdem
vergangen sind. Das eine war ein entzückendes Zimmer, wie in
einem vornehmen, mittelalterlichen Patrizierhaus, in der
„Goldenen Henne‘ zu Arnstadt in Thüringen, der Heimat der
Marlitt. Ihre Romane haben wir von der alten Generation in
den goldenen Jugendtagen mit Heißhunger verschlungen. Das
andere war ein ganz einzigartiges Bauernzimmer, mit wuch-
tigen, wurmzerfressenen Möbeln, im Hotel „Weißes Rößl“ zu
St. Wolfgang im Salzkammergut. Es ist der Schauplatz des
einst sehr beliebt gewesenen Lustspiels „Im weißen Rößl“ von
Blumenthal und Kadelburg. Ich gebe von diesem interessanten
Raum, der so gar nichts vom typischen Hotelzimmer hat, eine
Abbildung wieder, um zu zeigen, was sich davon für wunder-
hübsche Ansichtskarten herstellen lassen würden.

Noch heute würde ich mich freuen, wenn ich von jenen
Zimmern hübsche Ansichtskarten hätte. Namentlich von dem
aus Arnstadt, weil sich daran noch ein ulkiges Erlebnis knüpft.
Wir waren, meine blutjunge Frau und ich — zweites Ehedienst-
jahr — auf einer Wanderfahrt durch Thüringen begriffen und
schon nachmittags in der „Goldenen Henne‘ eingekehrt. Der
sommerliche Staub der Wege und Straßen hatte es gut mit uns
gemeint und meine junge Frau bestellte sich sofort ein Bad.
Wir bewohnten gemeinsam ein zweibettiges Zimmer, eben jenes
entzückende Patrizierheim. Nach wenigen Minuten klopfte es
und ein rotbäckiges Thüringer Zimmermädel meldete meiner
Frau, in meinem eheherrlichen Beisein treuherzig: „Gnädiges
Fräulein, das Bad ist fertig!‘ Wie gerne würde man sich in
        <pb n="423" />
        Verkleinerte Postkarte aus dem Frankfurter Hof in Frankfurt, Sie stellt den großen

Festsaal dar und zeigt, was ein geschickter Lichtbildner aus einem großen, fast leeren

Raum an Wirkung herauszuholen vermag. Besonders gelungen ist ‘die Perspektive und
das plastische Hervortreten der Säulen und des Plafonds.

De im Texte erwähnte, entzückende alte Bauernzimmer im Hotel „Weißes Rößel“,
t Wolfgang am Wolfgangsee, Salzkammergut. Gäbe eine interessante Ansichtskarte,
        <pb n="424" />
        SCHWARZWALDHOTEL WALDLUST
FREUDENSTADT

Fines der schönsten und komfortabelsten Hotels des
Schwarzwaldes

Eine sehr wirkungsvolle und zugleich repräsentative Ansichtskarte
        <pb n="425" />
        EIN KLEINER, ABER FLEISSIGER PROPAGANDIST: DIE ANSICHTSKARTE 425
späteren Jahren durch eine hübsche Ansichtskarte an ein
solches Erlebnis erinnern lassen.

Auch die eigenen Ansichtskarten werden in den Gaststätten
zu den üblichen Tagespreisen verkauft. Das ist schon recht,
aber ich wüßte noch eine andere gute Verwendung. Ich würde
einige schöne Karten in einem hübschen, mit entsprechender
Widmung („Für unsere Gäste“ — „Unseren Gästen gewidmet‘
— „Zur gefälligen Bedienung‘“— oder so ähnlich) versehenen
Umschlag vereinigen und sie allen den Gästen als Angebinde
überreichen lassen, die mindestens 5 Tage bleiben. Natürlich
müßten die Karten an sichtbarer Stelle, aber doch nicht
unvornehm-aufdringlich, die Adresse des Hauses tragen. Jede
an Verwandte oder Freunde oder Bekannte verschickte Karte
ist ein Sendbote, der wirkungsvolle, aber billige Reklame macht.

Wenn die Bedingungen dafür gegeben sind, würde ich sogar
einen Schritt weitergehen und von den Ansichtskarten einen
noch großzügigeren Gebrauch machen, Meine Gäste würden
alles notwendige Schreibmaterial, also Briefpapier, Umschläge
und Ansichtskarten, dazu nicht ausgetrocknetes Tintenfaß und
gebrauchsfähigen Federhalter, entweder in einer hübschen
Schreibmappe oder in einem Fache des Schreibtisches finden.
Aus eigener vielfacher Erfahrung weiß ich, wie dankbar ich
stets jedem Hotel war, das es mir in entgegenkommender Weise
ermöglichte, dringende Korrespondenzen gleich nach der
Ankunft ohne weitere Vorbereitungen oder Schwierigkeiten zu

erledigen.

Stark besuchte gastwirtschaftliche Betriebe, Restaurants,
Kaffeehäuser usw., können diesen Weg natürlich . nicht
beschreiten. Aber sie sollten auf den kleinen Gewinn aus dem
Verkauf ihrer eigenen Ansichtskarten großherzig verzichten
und sie zum Selbstkostenpreis abgeben. Der Erfolg wird ihnen
zeigen, daß das scheinbare kleine Opfer sich lohnt.

Wenig Freude haben mir im Hotel, Restaurant oder sonst
einer Gaststätte verkaufte Ansichtskarten gemacht, wenn sie
Plump, dick und aufdringlich einen großen blauen, roten oder
Schwarzen Gummistempel mit der Geschäftsadresse usw.
trugen. Eine taktvolle Leitung vermeidet solche Entgleisungen.

Zwar ist es aus Gründen der Sauberkeit durchaus richtig, in
den Fremdenzimmern so wenig wie möglich Staubfänger
unterzubringen. Allzukahle Wände, Schreibtische, Konsolen,
Kommoden usw. haben mich aber sehr oft unangenehm
        <pb n="426" />
        126

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

berührt. Um wie vieles wohnlicher könnte, mit den einfachsten
Mitteln, ein solches Zimmer gemacht werden, wenn eine sorg-
liche Hand eine kleine Auswahl hübscher Ansichtskarten aus
dem eigenen Haus, in nette Auswechselrähmchen gesteckt, an
verschiedenen Stellen verteilen wollte. Daß solche Rähmchen
bei größerem Bezug nur wenige Groschen kosten, setze ich als
bekannt voraus. Wenn im Laufe der Saison sich wirklich einige
dieser gerahmten Kärtchen in die Koffer abreisender Gäste
verirren sollten — — in Kleinigkeiten soll man groß sein!

In jedem gastgewerblichen Betrieb sind täglich Anfragen und
dergleichen zu erledigen. Darunter sind oft genug kurze Korre-
spondenzen, für die eine Ansichtskarte hinreichend Raum
bietet. Man verwende die eigenen Ansichtskarten für diese
Zwecke und verschaffe ihnen dadurch eine weitere Gelegenheit,
als werbender Propagandist zu wirken.

In ihrem Bestreben, durch die Reklame anderer sich neue
Einnahmequellen zu erschließen, ist die Deutsche Reichspost
dazu übergegangen, die Vorderseite ihrer offiziellen Postkarte
für Reklameansichten von Kurorten usw. zu verkaufen. Auf
dem Hauptpostamt des Kurortes Baden-Baden kaufte ich mir
einmal ein größeres Quantum. Als ich meinen Einkauf näher
betrachtete, fand ich zu meiner Verblüffung, daß die vom
Postamt in Baden-Baden verkauften Postkarten eine Reklame-
zeichnung des Bades Salzschlirf enthielten. In so mäßiger Aus-
führung, daß sie dem Käufer und auch Empfänger der Karte
nichts, gar nichts sagte. Da dieses Werk Rat und Kritik in allen
Reklameangelegenheiten vermitteln will, ist kurzes Verweilen
bei diesen Karten der Deutschen Reichspost notwendig.
Zunächst sei bemerkt, daß es wohl eine merkwürdige, unkauf-
männische Gedankenlosigkeit genannt werden muß, wenn in
einem großen Badeort offizielle Postkarten mit der Ansicht
eines anderen Kurortes verkauft werden. In Baden-Baden hatte
man das allerdings, angeregt durch eine kritische Betrachtung
aus meiner Feder im HOTEL, wieder aufgegeben. Ferner sei
die Frage erörtert, ob diese neue Art der Reklame wirklich den
erhofften Erfolg bringen kann. Ich bezweifele es. Es ist ein
absolutes Rätselspiel, in welche Kreise diese Postkarten gelangen
werden und ob diese Kreise überhaupt für den Besuch des
betreffenden Badeortes in Frage kommen können. Die Frage
kann sich jeder einigermaßen Reklamekundige selbst beant-
worten. Dazu kommt, daß diese Art der Reklame mir viel zu
        <pb n="427" />
        EIN KLEINER, ABER FLEISSIGER PROPAGANDIST: DIE ANSICHTSKARTE 427
teuer erscheint. Wenn der betreffende Kurort noch etwas Geld
zulegt, dann könnte er ein gleich großes Quantum von Ansichts-
karten, die er nach seinem eigenen Geschmack, also wahr-
Scheinlich viel künstlerischer ausgeführt, herstellen 1äßt,
anschaffen und sie eventuell gratis zur Verteilung bringen. Es
ist nicht gesagt, daß jede neue Reklame auch gut ist. Woran
der die Reklameangelegenheiten besorgende Fachmann der
Kurorte und Hotels immer denken sollte.

In der Schweiz — wahrscheinlich auch in anderen Ländern
— kennt man die illustrierte Ansichtskarte der Postverwaltung
ebenfalls. Dort hat man aber einen anderen Weg eingeschlagen.
Die Vorarbeiten für die Herausgabe dieser Karten werden nicht
von der Postbehörde oder von einer extra geschaffenen
Reklame-Nebenstelle aus erledigt, sondern man hat damit den
Verkehrsverein der Stadt Bern beauftragt. Es werden in der
Schweiz zwei verschiedene Serien, je eine Inlands- und eine
Auslandsserie, jede mit je 32 Ansichten, herausgegeben, und
Zwar jedesmal für ein Jahr. Wer sich also nicht bei einer
Solchen Serie beteiligt beziehungsweise rechtzeitig dafür anmel-
det, wird nicht mehr berücksichtigt. Zugelassen sind Land-
Schafts- oder Städtebilder. Nachstehend gebe ich, zur Orien-
lerung von Interessenten, die Bedingungen bekannt, die für die
Aufnahme in eine der neuen Serien für das Jahr 1927 galten.
In dem angegebenen Preis sind auch die Kosten für Herstellung
der künstlerischen Vorlagen, Klischees usw. enthalten. Die
Bedingungen lauten, gemäß einer Mitteilung des Berner Ver-
kehrsvereins: ,

150 Frs. für Berücksichtigung einer Ansicht auf 100.000
Postkarten für den Auslandverkehr;

250 Frs. für Berücksichtigung einer Ansicht auf 500.000
Postkarten für den Inlandverkehr.

Die Subskribenten sind gehalten, mit der Bestellung eine
Auswahl typischer und malerischer Photographien oder Zeich-
Nungen des in Frage kommenden Ortes oder der gewünschten
Gegend einzusenden, die als Vorlage für die mit der Erstellung
der nötigen Federzeichnungen betrauten Künstler zu dienen
haben. Die vorgesehene Bildgröße, auf den Postkarten, ist
2,3 X 5,2 em. Man wünscht in der Schweiz stets neue Vorlagen,
also keine bequeme Wiederholung der im Vorjahr gebrachten
Bilder. Eine werbetechnisch durchaus richtige und nach-
ahmenswerte Maßnahme. Bei der Propaganda soll man immer
        <pb n="428" />
        +28

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

auf Abwechslung und Neuerungen bedacht sein. Bilder in
Hochformat werden nicht berücksichtigt. Die endgültige Ent-
scheidung über die, in vierfacher Vergrößerung anzufertigenden
Künstlerzeichnungen, nach denen dann die Klischees hergestellt
werden, hat sich die Oberpostdirektion vorbehalten.

Es ist nicht jedermanns Sache, Ansichtspostkarten zu kaufen,
auf denen — von einem andern — gereimte Grüße oder Scherze
stehen. Da es aber genug Menschen gibt, die so etwas lieben,
sie dürften besonders in ausgesprochenen Touristenhäusern zu
finden sein, so weise ich kurz darauf hin und gebe in nach-
stehenden Zwei- und Vierzeilern ein paar Anregungen für
solche Reimspielereien. Nur empfehle ich, für den Druck eine
Schreibschrift, also keine ausgesprochenen Drucktypen, zu
wählen, damit es wenigstens „wie geschrieben‘ aussieht. Meine
Verse sollen natürlich nur Anregung sein, sie machen keinen
Anspruch auf Vollständigkeit, auf hervorragende poetische
Schönheit und Mustergültigkeit. Anlehnung an ein bekanntes
Lied oder Zitat, wie ich es schon bei meinen Vierzeilern im
Abschnitt „Zweck der Reklame‘ vorgeschlagen habe, wird
immer wirkungsvoll sein.

Zum Zeichen, daß ich deiner dachte
Ich diese schönen Verse machte.
Im kühlen Keller sitz’ ich hier.
Fein ist das Mahl, gut ist das Bier.
Dir öffne ich Bes Herzens Schrein.
Die Karte sagt: Tritt ein, tritt ein!
Du denkst, ich hätte dich vergessen?
An dich denk ich sogar beim Essen‘
Hier ist es gut sein, glaube mir;
Doch schöner wär's noch, wärst du hier‘
Eil hin zu ihr, du liebe Karte,
Und sag’, daß ich auf Antwort warte.
Mit Goethes Faust möcht still ich sagen:
Verweile doch! Hier ist's so schön! —
Bald muß mein Fuß mich weiter tragen,
Doch sage ich: Auf Wiedersehn!
        <pb n="429" />
        EIN KLEINER, ABER FLEISSIGER PROPAGANDIST: DIE ANSICHTSKARTE 429
Hier möcht ich eine Hütte bauen,

So schön ist's hier! Für dich und mich!
Auf diesem Bild kannst du sie schauen:
In dieser „Hütte“ wohne ich.

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt!

Hoch will ich seine Güte preisen:

Denn hier ist's schön — für wenig Geld!
        <pb n="430" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

60. DER SPRECHBRIEF

Dieses Kapitel könnte in vier eindrucksvolle Worte zusam
mengefaßt werden:
„Schreibe, wie du sprichst!“

Das heißt: schreibe natürlich. Da aber in der Korrespondenz
des Hotel- und Gastgewerbes das Natürliche nicht immer selbst-
verständlich ist, so brauchen die vier Worte eine Erläuterung:
Habe ich doch oft genug Briefe aus Hotelbureaus, namentlich
Werbebriefe, in der Hand gehabt, worin das berüchtigte
schwülstige und unnatürliche Kaufmannsdeutsch noch über-
troffen wurde. Überflüssige, lächerlich klingende Redensarten:
die kein Mensch in der Rede anwendet, kehren immer wieder.
Ich will es durch ein drastisches Beispiel anschaulicher zw
machen suchen. Der Hotelier stelle sich vor: Der Reisende einer
Lieferantenfirma, die zur Offerte in irgendeinem Artikel auf-
gefordert wurde, kommt ins Hotelbureau und überfällt den
Hotelier oder Direktor mit folgender Begrüßungsansprache im
gerügten kaufmannsdeutschen Briefstil:

„Höflichst bezugnehmend auf Ihre geschätzte Anfrage vom
20. Oktober, welche wir hiemit bestens dankend bestätigen;
beehre ich mich, Ihnen ergebenst mitzuteilen, daß wir in der
angenehmen Lage sind, Ihnen die denkbar günstigsten An-
gebote auf den angefragten Artikel zu erstellen, Unsere Ware
ist von wunerreichter Güte, allen Wettbewerbserzeugnisser
weit überlegen, und sind wir in diesem Belange besonders
leistungsfähig; auch haben wir für Sie nur die besten Quali-
täten im Auge, Wenn Sie die Freundlichkeit hätten, uns mit
Ihrem geschätzten Auftrag zu beehren, so sichern wir IhneP
im vornherein streng reelle Bedienung und gewissenhafteste
Effektuierung zu. Wir werden uns besonders freuen, Ihren
geschätzten Auftrag zu erhalten.“
        <pb n="431" />
        DER SPRECHBRIEF

E31

Der Hotelier wird den Reisenden für wahnsinnig oder für
betrunken halten. Ähnlich wird ein schwülstiger Werbebrief
aus einem Hotelbureau auf den natürlich empfindenden Emp-
fänger, den man als Gast gewinnen möchte, wirken. Man
vermeide ferner Schablonen, wie sie leider in vielen Briefen
wiederkehren. Zum Beispiel: .
„Wir schätzen uns im Besitze Ihres wer-
ten Gestrigen, in dessen Erwiderung wir
uns höflichst mitzuteilen beehren, daß
Ihnen die gewünschten Zimmer mit Ver-
gnügen zur Verfügung gestellt werden
können."
Wir schätzen uns im Besitz ist nämlich ein bißchen Blödsinn.
Man kann nur einen Brief beantworten, den man „besitzt“.
Entsetzlich ist auch die beliebte Floskel beim Briefschluß: „Mit
Vorliebe stets gern zu Ihren Diensten . . .‘“ oder so ähnlich.

Man schreibe oder diktiere seine Briefe So, wie man sich in
normaler Unterhaltung auszudrücken pflegt. Zum besseren,
gewinnenderen Eindruck kommt dann noch der nicht uner-
hebliche Zeitgewinn. Die oft ganz unsinnigen Redensarten, die
lächerlich wirkenden Papierfloskeln kosten viel Zeit, die mit
Leichtigkeit gespart werden kann. Darum: schreibe, wie du
Sprichst.
        <pb n="432" />
        LE

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

61. GÄSTEWERBUNG DURCH BRIEFE
In jedem größeren Hotel, Fremdenheim und Kurhaus sollte
eine übersichtliche Kartothek bestehen — wo sie nicht vor-
handen ist, müßte sie angelegt werden — die dreierlei ver-
zeichnet:

1. Eigene Gäste, die mit ihrem Aufenthalt zufrieden waren,
und mit denen man selbst zufrieden gewesen ist.

2. Gäste, die in gleichrangigen Häusern, in Orten mit ähn-
lichen Heilanzeigen gelegen, gewohnt haben. Sie sind unschwer
aus den Fremdenlisten festzustellen. Stammen sie aus kleineren
Orten, so ist die nähere Adresse nicht nötig. Wohnen Sie in
Großstädten, so muß man auf die Adreßbücher zurückgreifen,
in Deutschland sich der neuen postalischen Einrichtung
„Prüfen von Anschriften‘ bedienen, worüber ich im Kapitel
„Versand der Werbeschriften‘“ eingehend berichte, oder
Adressenbureaus an jenen Plätzen mit der Adressenfeststellung
beauftragen.

3. Personen, Familien, die als Gäste in Frage kommen
könnten, und deren Adressen man sich bei den verschiedensten
Gelegenheiten (Verlobungs-, Vermählungs-, Geburtsanzeigen
usw.) verschaffen kann. Es ist dazu nur regelmäßiges Studium
der Zeitungen nötig, von denen jede bessere Gaststätte eine
größere oder kleinere Zahl zu halten pflegt. Übrigens gibt es
auch unter der Fachpresse Blätter, zum Beispiel solche, die
Verlobungen und Vermählungen melden, die derartiges
Adressenmaterial liefern könnten.

Wertvolles Adressenmaterial können auch die Mitgliederver-
zeichnisse führender Klubs usw. liefern. Deren Beschaffung ist
nicht immer leicht. Einem vigilanten Hotelier oder Direktor
wird es aber schon gelingen, sie sich, eventuell durch Vermitt-
lung befreundeter Hotelgäste, zu verschaffen.
        <pb n="433" />
        GÄSTEWERBUNG DURCH BRIEFE 433
Nachstehend bringe ich den Entwurf zu einer solchen Karto-
Km, die natürlich entsprechend geändert oder ergänzt werden
ann:

KARTOTHEK-ENTWURF

Name: EEE Et e
Adresse:
Stand oder Berüfi un en
War unser Gastt.ununn nn
Adresse stammte aus! ................
Einladungsbrief gesandt: ee
Werbematerial: A
Erinnerung gesandt:.......
Antwortete:.....
Wir antworteten am:.......
Was?
Bemerkungen:...... .
        <pb n="434" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
AUSGEFÜLLTE KARTOTHEK-KARTE

Land:......England............
Name:.....Mr. Gordon Brewerman.........
Adresse:...... Shaftesbury Avenue 119 seen

a Ortt..... LOnd0 WCrrrrrtereneeeenee nee en

Stand oder Beruf:...... Bankbeamter. Prokurist einer Großbatt kennen
War unser Gast:...... Vom 15. Juni bis 18. Juli 1094.

Adresse stammte aus:......Fremdenliste von St. Moritz...

Finladungsbrief gesandt:.....15. Juni 1926. Schema B..

Werbematerial:..... Einladungskarte. Werbebroschüre, Autobroschüre.nnnnssnn

Erinnerung gesandt: .....am 1. Juli 1920 een

Antwortete:......wird am 15. Juli eintreffen. 1 zweibettiges, 2 einbettige Zimmel
Privatbad bestellt
Wir antworteten am:......3. Juli 1920...........
Was?......wird alles bereit sein.........
Bemerkungen:.... War sehr ruhiger, gut zahlender Gast, brauchte ziemlich viel

Bedienung...

An in der Kartothek aufgezeichnete Adressen würde ich
regelmäßig, im zeitigen Frühjahr, wenn es sich um Sommer-
saisongeschäfte handelt, im Spätherbst bei Wintersportplätzen;
individuell gehaltene Briefe richten. Bei Briefen an Nr. 1 der
Kartothek mit dem Ausdruck des Bedauerns, daß man schon
seit einem oder zwei oder drei Jahren nicht mehr die Ehre ge-
habt habe. Eine respektvolle Frage nach dem Befinden und die
ausgesprochene Hoffnung, daß das Befinden gut sei, werden
immer angenehmen Eindruck erwecken. Nachstehend lasse ich
einige Brief-Entwürfe folgen:
        <pb n="435" />
        GÄSTEWERBUNG DURCH BRIEFE
HOTEL NEPTUN
BAD FROHWINKEL

Bad Frohwinkel, 1. April 1926

Frau Kommerzienrat Erna Schulze
KARLSRUHE
Sehr geehrte gnädige Frau!

Vor drei Jahren hatten wir die Ehre, Sie einige
Wochen in unserem Hause als Gast zu sehen. Beim
Scheiden erklärten Sie sich von Ihrem Aufenthalt
außerordentlich befriedigt und versprachen bal-
dige Wiederkunft. Dürfen wir Sie an Ihr damaliges
Versprechen erinnern?

Falls sie für den Sommer noch keine festen Reise-
dispositionen getroffen haben sollten, so erin-
nern Sie sich, bitte, des idyllischen Frohwinkels
und seines gastlichen Hotels Neptun; beiden würde
es zur Ehre gereichen und sie würden sich außer-
ordentlich freuen, Sie wieder als geschätzten Gast
begrüßen zu können.

Obwohl wir hoffen, daß unser Schreiben Sie im
besten Wohlsein erreicht, wagen wir doch, auf Ihre
baldige Anmeldung zu hoffen, denn in den gegenwär-
tigen schweren Zeiten ist auch dem gesündesten
Menschen eine sommerliche Ausspannung dringend
nötig. Sie dürfen überzeugt sein, daß wir, genau
Wie vor drei Jahren, alle Anstrengungen machen
werden, um Ihre Wünsche bezüglich Zimmer und Ver-
Pflegung zu erfüllen.

In Erwartung Ihrer liebenswürdigen Zusage, die
wir baldigst erbitten, damit wir Ihnen die ge-
wünschten Zimmer auch sichern können, verbleiben
Wir hochachtungsvol1l
Direktion des
HOTEL NEPTUN

Schema

pP
        <pb n="436" />
        26

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
HOTEL NEPTUN
BAD FROHWINKEIL

Bad Frohwinkel, 3. April 1926

Herrn Oberingenieur G. Richter
BUDAPEST
Sehr geehrter Herr!

Als Sie vor zwei Jahren Frohwinkel verließen,
geschah es schweren Herzens. Sie erklärten, sich
noch nie so wohl und behaglich gefühit zu haben
wie im Hotel Neptun in Frohwinkel. Heute erlauben
unser 1dyllischer Kurort und unser Haus, sich Ihnen
in empfehlende Erinnerung zu bringen. Sie nannten
Frohwinkel einen Gesundbrunnen für die Nerven und
eine Heilquelle für kranke Gemüter. Wollen Sie die-
sen Gesundbrunnen nicht wieder aufsuchen? Zwar
sind wir überzeugt, daß Ihre letzte Kur hier noch
immer in ihrer guten Wirkung anhält, und daß Sie
ainen Gesundbrunnen deshalb nicht gerade dringend
benötigen. Aber rechtzeitiges Vorbeugen ist Klug-
heit und einige Wochen Ausspannung im Neptun-Hotel
zu Frohwinkel sind auch dem gesündesten Menschen
aäienlich.

Dürfen wir fragen, ob etwa uns unbekannt geblie-
bene Gründe vorliegen, daß Sie im vergangenen Jahr
nicht, wie in Aussicht gestellt, zurückkehrten?
Wurde von unserem Personal irgendetwas versehen,
was uns nicht gemeldet wurde? Dann bitten wir um
Aufklärung, damit wir Ihnen für Ihren neuen Auf-
enthalt jeden Stein des Anstoßes aus dem VWege
räumen können.

Inzwischen haben wir in unserem Betrieb ver-
schiedene Verbesserungen vorgenommen, die der An-
nehmlichkeit unserer Gäste dienen sollen und wor-
über die einliegende Broschüre Sie unterrichtet.

In der Hoffnung, daß Sie uns in diesem Sommer
wieder die Ehre schenken werden, empfehlen wir
uns Ihnen, um einen freundlichen Bescheid bittend,

hochachtungsvoll
Direktion des HOTEL NEPTUN

Schema B
        <pb n="437" />
        GÄSTEWERBUNG DURCH BRIEFE 480

Nr. 2 und 3 der Kartothek mache man auf die Schönheiten
des Ortes und die Vorzüge des eigenen Hauses aufmerksam.
Man bitte darum, bei Ausarbeitung der nächsten Erholungsreise
Frohwinkel in das Programm mit einzubeziehen. Es würde
sicher nicht bereut werden. Der beigefügte Prospekt orientiere
über die schöne, bequeme Lage des Hauses und die muster-
gültige Inneneinrichtung. Die Preise entsprächen dem Ge-
botenen, blieben eher noch dahinter zurück. Küche und Keller
seien gepflegt und genügten verwöhntesten Ansprüchen,

Was ich unter Nr. 3 gesagt habe, kann jeder Gaststätten-
betrieb, also auch Restaurants, Dielen, Kaffeehäuser usw. be-
folgen. Ich meine: Beachtung aller als Gäste in Betracht kom-
menden Persönlichkeiten und Ööftere briefliche Aufforderung
zum Besuch,

Natürlich ist es nötig, daß die Kartothek gut und zuverlässig
geführt wird. Es darf nicht etwa an Leute geschrieben werden:
Wir haben Sie seit drei Jahren sehr vermißt, die vor zwei
Monaten da waren oder sich für die nächste Zeit angesagt
haben. Wenn man der Kartothek täglich nur wenige Minuten
widmet, und sie stets auf dem Laufenden gehalten wird, So ist
diese Arbeit Spielerei, die obendrein zuweilen noch sehr inter-

essante Einblicke in den eigenen Betrieb gewähren wird.

Es ist vorgekommen, daß an Gäste, die in anderen Häusern
am gleichen Platze abgestiegen sind, Werbebriefe und Werbe-
prospekte geschickt wurden. Womöglich, als sie noch am
Platze weilten. Das ist unfair. Es wird auch schwerlich bei Be-
trieben sich ereignen, die taktvoll geleitet werden, und die
sorgsam über ihren guten Ruf wachen. Es ist aber, schon der
Vollständigkeit wegen, nötig, auch solche Dinge zu streifen.

Bei dieser Gelegenheit seien ein paar Worte über den „Kon-
kurrenzkampf“ eingeflochten. Konkurrenz läßt sich im Wirt-
Schaftskampf nicht vermeiden. Sie ist sogar notwendig. Wo
keine ernstliche Konkurrenz besteht, tritt sehr leicht erst Stag-
nation, dann Rückschritt ein. Aber jede Konkurrenz soll immer
im Rahmen der geschäftlichen Wohlanständigkeit bleiben. Das

alte wahre Sprichwort darf nie außer Acht gelassen werden:

Was du nicht willst. das man dir tu’, das füg’ auch keinem

andern zu!

In dieses leidige Kapitel gehört auch das Abfangen der

Reisenden an Bahnhöfen und Schiffslandeplätzen durch soge-

nannte „Schlepper“. Das Hotelwesen handelt im eigenen Inter-
        <pb n="438" />
        ES,

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

esse und wahrt sein Ansehen, wenn es solche. Auswüchse rück-
sichtslos bekämpft.

HOTEL NEPTUN
BAD FROHWINKEL

Bad Frohwinkel, 10. April 1926

Herrn Bankdirektor Gustav Kleewinkel
ZÜRICH
Sehr geehrter Herr!

Aus der Fremdenliste von Bad X ersahen wir, daß
Sie im letzten Sommer dort Kuraufenthalt genommen
hatten. Wir erlauben uns heute, Ihnen das gesunde
und entzückend gelegene Frohwinkel für Ihren dies-
jährigen Sommeraufenthalt zu empfehlen. Sie wür-
den diese Wahl nicht bereuen,

Haben Sie die Liebenswürdigkeit, der einliegen-
den kleinen Werbebroschüre ein paar Minuten zu
widmen. Sie gibt allerdings nur einen schwachen
Abglanz all der Naturschönheiten, die Sie hier er-
warten. Die Broschüre orientiert Sie auch über
äie bevorzugte Lage unseres Hauses, seine muster-
gültige Inneneinrichtung und die Darbietungen von
Küche und Keller.

Unser Hotel erfreut sich ständig steigender Be-
Liebtheit und der Kreis der Gäste, nur beste Ge-
sellschaft, wächst beständig. Darum bitten wir um
baldgefällige Entschließung, damit wir auch in
der Lage sind, allen Ihren Wünschen zu entsprechen.
Gern nennen wir Ihnen einige Referenzen, falls Sie
sich über unser Haus erkundigen wollen. Es gilt
als das beste am Platz und seine Küche ist beinahe
berühmt zu nennen. Mit allem Weiteren dienen wir
gern, sobald wir Ihre Wünsche kennen. In Erwartung
Ihrer gefälligen Nachrichten verbleiben wir
hochachtungsvoll
Direktion des
HOTEL NEPTUN

Schema

C
        <pb n="439" />
        GÄSTEWERBUNG DURCH BRIEFE
HOTEL NEPTUN
BAD FROHWINKEL Bad Frohwinkel, 15. April 1926

WIEN
Sehr geehrte gnädige Frau!

Dürfen wir Ihre Aufmerksamkeit kurze Zeit in An-
spruch nehmen? Es liegt uns daran, Sie mit den Vor-
zügen unseres wunderschönen Kurortes bekannt zu
machen, weil wir Wert darauf legen, auch Sie recht
bald zu unseren geschätzten Gästen zu zählen.

Schenken Sie dem einliegenden Prospekt kurze Auf-
merksamkeit. Wir sind überzeugt, daß nach der Lek-
türe in Ihnen der Wunsch lebendig wird, Frohwinkel
Nicht nur aus Abbildungen kennen zu lernen. Für
diesen Fall erlauben wir uns, Ihnen zu sagen, daß
Ihnen im Hotel Neptun ein Heim zur Verfügung ste-
hen würde, das die Befriedigung über Ihren hiesi-
gen Aufenthalt noch zu erhöhen suchen wird. Das
sind nicht nur leere Worte; wir bemühen uns, alien
unseren Gästen den Erholungsaufenthalt bei uns
denkbar angenehm zu machen und ihnen jeden Verdruß
und Ärger fern zu halten. Das suchen wir durch be-
sondere Sorgfalt bei der Wahl unseresSs Personales
Zu erreichen. Auch sonst finden Sie im Neptun-
Hotel alles, was der moderne und verwöhnte Reisende
zu finden gewohnt ist. Mit unseren Preisen passen

Wir uns den wirtschaftlichen Verhältnissen an und
tragen ihnen Rechnung.

Der Versuch eines Erholungsaufenthaltes in Froh-
finkelwird Sienicht reuen, das können wir auf Grund
unserer Erfahrungenmit bestem Gewissen versichern.

Um baldige Dispositionen bitten wir deshalb, da-
Mit uns noch weitgehendes Eingehen auf Ihre Wünsche
Möglich ist. Es würde uns freuen, Sie bald bei uns
begrüßen zu können, und wir empfehlen uns Ihnen,
in Erwartung Ihres gefälligen Bescheides

hochachtungsvoli
Direktion des HOTEL NEPTUN

Frau Konsul Maria Feiner

Schema OD
        <pb n="440" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

62. DER AUSLANDS-WERBEBRIEF
Der Werhebrief nach dem Ausland muß der Psyche der Be-
wohner des Landes, wohin der Brief gerichtet ist, angepaßt sein.
Darum vermeide man wortgetreue Übersetzungen von Briefen,
die für Deutschland bestimmt sind. Namentlich der Amerikaner
will in Werbebriefen ganz anders angeredet sein, als wie man
es in Deutschland, in der Schweiz, in Österreich usw. gewohnt
ist.

Vom Verlag einer großen, in Leipzig erscheinenden Export-
zeitschrift, der „Übersee-Post‘, kam mir eine kleine Serie von
Werbebriefen in die Hand, die ganz spezifisch auf die Psyche
des Überseers, des Amerikaners eingestellt sind. Da die inter-
nationale Hotelindustrie mit dem Export viele Berührungs-
punkte hat, gebe ich 4 dieser originellen Werbebriefe als
Musterbeispiel wieder, nachdem ich die Hauptpointen für inter-
nationale Hotelbetriebe passend umgearbeitet habe. Sie
bieten mancherlei Anregungen, den Werbebrief nach dem Aus-
land so zu gestalten, daß er beim Empfänger Eindruck macht.
Dann wird er ihn auch lesen.
        <pb n="441" />
        DER AUSLANDS-WERBEBRIEF

KOSMOPOLIT HOTEL
BAD FROHWINKEL Bad Frohwinkel, 10. Januar 1927

Guten Tag, sind Sie guter Laune?
(Wenn nicht, bitte den Brief erst morgen lesen!)
Die arabischen Karawanenführer stehen im wohl-
begründeten Rufe besonderer Erzählergabe, Abends
- wenn die Lagerfeuer brennen, wenn die Kamele,
ihrer Lasten ledig, auf der Erde kauern, hocken die
Reisenden um die wärmende Flamme. Ein langbärtiger
Alter beginnt. Er spricht von dem Schwerte Moham-
meds - er rühmt die Allmacht Allahs - er preist
das Paradies und seine Houris.

Wir nun wollen einen kleinen Teil jener Wüsten-
Poesie in unsere nüchternen Tage hinüber retten
und Ihnen die sieben Himmel jedes Weltreisenden
zum Greifen deutlich schildern. An der Pforte steht
Zroß das Wort: „Kosmopolit Hotel".

In vier Teile - vier Briefe - zerfällt die Ge-
We, Immer ein kleiner Baustein am großen

erkı

Bald bringt der Postbote die Fortsetzung!

L

11479

DIREKTION DES
KOSMOPOLIT HOTELS
        <pb n="442" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
KOSMOPOLIT HOTEL
BAD FROHWINKEL Bad Frohwinkel, 20. Januar 19%

Guten Tag!
Haben Sie etwas Zeit?

Als wir noch sorglose Knaben waren - haben wir
da nicht alle an manchen Winternachmittagen still
dagesessen und die Wunderwelt des Kinderdichters
Andersen glückstrahlend in uns aufgenommen? Er-
innern Sie sich noch jener herrlich hübschen Ge-
schichte von dem Zimmer, dessen Gegenstände plötz-
lich zu sprechen begannen? An den kopfwackelnden
Ihinesen auf dem Kamin?

Wie merkwürdig wäre es nun, wenn eines Nachts
auch Ihr Tagebuch plötzlich zu reden anfinge, die
Schriftzeichen auf einmal lebendige Wesen würden!
Wenn die noch leeren Seiten klagen würden, daß
über unser schönes Bad Frohwinkel und sein mon-
Adänes Kosmopolit-Hotel noch immer keine Eintragung
gemacht worden ist? Was ist Bad Frohwinkel? Einer
der schönsten Badeorte Deutschlands. Das schönste
und mondänste Haus darin ist das Kosmopolit-Hotel.
Vie stets Ihre

DIREKTION DES
KOSMOPOLIT HOTELS
        <pb n="443" />
        DER AUSLANDS-WERBEBRIEF
KOSMOPOLIT HOTEL
BAD FROHWINKEL Bad Frohwinkel, 1. Februar 1927

zuten Tag!
Nie geht es Ihnen?

Das Ideal der Ehe ist zweifellos solche Gemein-
schaft zwischen Mann und Weib, daß beide seelisch
Zu einer einzigen Einheit zusammenwachsen. Aber
derartige Bündnisse bestehen nicht nur im mensch-
lichen Leben. Beispielsweise können sich auch be-
stimmte Begriffe völlig vermählen. Etwa: Kosmo-
polit-Hotel, Weltreisender und Behaglichkeit.

Wünschen Sie hier nicht - um im Bilde zu bleiben
- die Rolle des Hausfreundes zu übernehmen? Denn
wer von uns hat das Recht, einem Land, einem Bade-
ort, einem schönen Hotel aus dem Wege zu gehen,
deren Kenntnis Bereicherung unseres Ichs ist?

Noch immer Ihre

DIREKTION DES
COSMOPOLIT HOTELS
        <pb n="444" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
KOSMOPOLIT HOTEL
BAD FROHWINKEL Bad Frohwinkel, 10: Februar 192”

Guten Tag!
Wir sind schon wieder da!

Schlösser, die auf dem Monde liegen - so sagen
Sie vielleicht achselzuckend, wenn man Ihnen von
iem starken Steigen des Ausländerverkehrs in Bad
Frohwinkel und seinem Kosmopolit-Hotel erzählt.
Aber jener Unglaube ist heute wirklich ohne rechten
Sinn.

Das schöne Deutschland steht wieder im Brenn-
punkt der Geschehnisse. Deren Stellung ähnelt etwa
einer riesenhaften Sternwarte, nur mit dem Unter-
schied, daß statt der Milchstraße der internatio-
nale Fremdenverkehr Gegenstand der Beobachtung
yurde. Unsere „Fernrohre" reichen bis New York,
Chicago, San Francisco, Montevideo, Valparaiso,
Teheran, Buenos Aires, Bangkok, Montreal, Reyk-
javik, Kapstadt, Malta, Kairo, Kanton, Tiflis,
Lima. Wo Menschen wohnen, die zu der beneidens-
zerten Gruppe der Globetrotter gehören, die Welt
und Menschen kennen zu lernen wünschen, da blickt
man hinüber nach Deutschland, möchte man es wieder-
sehen, seine landschaftlichen Schönheiten und
seine Kunstschätze wieder l1iebgewinnen. Das Kos-
mopolit-Hotel und Bad Frohwinkel warten auf Sie.
Wir werden Ihnen keine Enttäuschung, sondern un-
vergeßliche Tage bereiten.

Also?!

In alter Freundschaft Ihre
DIREKTION DES
KOSMOPOLIT HOTELS

PS.

Welch' geringe Mühe, die beigefügte Antwort-
karte, wodurch Sie uns um genaue Angaben,
Preise usw. bitten, ausgefüllt in den Kasten
zu werfen!
        <pb n="445" />
        PROPAGANDAMÖGLICHKEITEN

63. PROPAGANDAMÖGLICHKEITEN
Der Unterbringung von geschäftlichen Anzeigen auf Speise-
karten, Menukarten und Weinkarten rede ich nicht das Wort.
Es macht auf die Gäste keinen günstigen Eindruck. Vor dem
Kriege fand man die mit Anzeigen bedeckte Speisenkarte fast
nur in bürgerlichen Lokalen mit Massenbetrieb. Dort kam es
nicht so genau darauf an und die Gäste waren nicht empfind-
lich. Wenn sie nur recht große Portionen für recht kleine Preise
erhielten, dann drückten sie über etwaige Schönheitsfehler oder
Mängel ein Auge zu. War das Bier gar noch süffig und wurde
beim Einschenken nicht gespritzt, dann würde man sogar die
schrecklichste aller Reklameentgleisungen, die mit Anzeigen
bedruckten Papiermundtücher, in den Kauf genommen haben.
Zumal man diesen Kauf nicht bezahlen mußte.

Lokale von Rang und Ruf, insbesondere aber die guten
Hotels, haben sich von der mit Anzeigen bedeckten Karte
immer ferngehalten. Sie taten recht daran. So sollte es auch
bleiben.

Einen Weg will ich den Hotels aber doch zeigen, wie sie die
Speisenkarte, die Menukarte, die Weinkarte in den Dienst der
Reklame stellen könnten. Und zwar einer durchaus vornehmen
Reklame, von der sie selbst Nutzen ziehen sollen.

In den Abschnitten, worin ich mich mit dem Briefpapier, den
Briefumschlägen, sowie den persönlichen Beziehungen be-
schäftige, weise ich auf die freundschaftlichen Verbindungen
der Hotels untereinander, auf den Austausch der Gäste hin. In
den Dienst dieser freundschaftlichen Beziehungen könnten sehr
wohl auch die Speisen-, Menu- und Weinkarten gestellt
werden.

Ähnlich wie auf dem Briefbogen, sollte man auf den im Re-
staurant aufliegenden Karten in dezenter Form Hinweise auf
die befreundeten Häuser bringen, Etwa so:
        <pb n="446" />
        A

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

„Adressen befreundeter Hotels,
die wir unseren Gästen aufs wärmste empfehlen können.“

Nun müßten, in typographisch gefälliger Form, aber ja nicht
im üblichen Anzeigenstile, die Adressen der Hotels folgen. Ich
empfehle, eine flotte kleine Zeichnung der Hausfassade beizu-
setzen. Dadurch kommt mehr Schwung in das Bild, und die
Empfehlung oder sagen wir ruhig: die Reklame, wird wirkungs-
voller.

Ein Beispiel: Bei großem Format der Speisekarte würde ich
die Empfehlung als Umrahmung setzen lassen. Die kleinen
Fassadenbilder und der Text würden dann wie eine Rand-
vignette wirken. Es entsteht ein hübsches, zugleich originelles
Bild und die Wirkung würde erhöht. Man beachte das Muster-
beispiel der New Yorker Anzeige, die ich in dem Kapitel: „Kol-
lektivreklame durch korporative Vereinsreklame‘“ wieder-
gegeben habe. Dort findet man auf der linken Seite (links vom
Beschauer) einen solchen aparten Kranz von Hotelempfeh-
lungen. Selbstverständlich müßte diese Einrichtung auf Gegen-
seitigkeit beruhen.

Daß diese gegenseitige Empfehlung oder Reklame doppelt
geschieht, einmal auf den Briefbogen, dann nochmals auf den
Speisen-, Menu- und Weinkarten, will nichts sagen. Nicht jeder
Gast bekommt einen Briefbogen zu Gesicht, aber wohl fast jeder
die Wein- oder Speisenkarte. Jedenfalls liegt die größere Wahr-
scheinlichkeit dafür vor, daß jeder Hotelgast während seines
Aufenthaltes wenigstens einmal das Restaurant besucht, wäh-
rend nicht jeder Gast die Briefbogen des Hotels für seine Korre-
spondenz benützt.

Vornehme Hotels pflegen die Weinkarten in eleganter Leder-
mappe reichen zu lassen. Die Karte ist gewöhnlich umfang-
reich und hat die Form eines Buches. Empfehlungen lassen sich
darauf nicht gut unterbringen, ohne das einheitliche typogra-
phische Bild zu stören. Da gäbe es einen bequemen Ausweg.
Man schaffe eine Vorrichtung, um die Empfehlungen auf der
ersten oder auf beiden Innenseiten der Ledermappe unterzu-
bringen.

Nötig wäre es allerdings, daß mit der in manchen Betrieben
üblichen sparsamen Auflegung von Speisen- und Weinkarten
gebrochen wird. Wenn der Kellner hinter oder neben dem
        <pb n="447" />
        PROPAGANDAMÖGLICHKEITEN

447

Stuhl des Gastes stehen bleibt, um ihm die Karte sofort wieder
wegzunehmen, so wird die Reklame natürlich ihren Zweck
verfehlen. Muß der Gast seine Auswahl in Eile treffen — ich
spreche aus Erfahrung, die rare Speisen- oder. Weinkarte ist
mir schon in manchen, sonst gut geführten Häusern begegnet
— so bleibt ihm natürlich keine Zeit, einen Blick auf die Liste
der empfohlenen Hotels zu werfen. Dann bringt man seine
Kollegen um die Wirkung dieser Reklame. Kann der Gast die
Karte aber längere Zeit behalten, so wird ihm, wenn er allein
ist, schon die Langeweile zu aufmerksamerem Betrachten ver-
anlassen, zumal es in guten Hotels nicht Sitte ist, sich hinter
entfalteten Zeitungen zu verschanzen. Der gut erzogene Gast
liest im Speisesaal des gut geführten Hotels keine Zeitung.

Die Menukarte ist gewöhnlich nur klein. Oft wird die Karte
von einer Sektfirma, vielleicht auch von einer Zigarettenfabrik
oder dergleichen gratis geliefert. Es befindet sich also schon
deren Reklamebild und Aufdruck auf der Vorderseite. Nun,
dann wird die Rückseite noch genügend Raum für den Auf-
druck der Empfehlungen lassen. Es genügen kleine Typen, nur
muß eine klare, gut lesbare Schriftart gewählt werden. Da die
Menukarte gern eingesteckt und mitgenommen wird, empfiehlt
es sich ganz besonders, auf ihr die Empfehlungen anzubringen.
Am Fuße der Karte könnte auch eine Aufforderung stehen, die
Karte mitzunehmen.

Zu diesem Kapitel war die Beigabe von Bildmustern nicht
möglich. Doch ich will wenigstens an einem Beispiel aus der
Praxis zeigen, wie die Speisen- oder Menukarte sich zu einer
indirekten Reklame für das eigene Geschäft verwenden läßt. Das
auf S. 389 wiedergegebene Bildchen: „Ne buvez jamais d’eau“,
zierte die Rückseite eines der vornehmsten Weinrestaurants im
Bois de Boulogne von Paris, des weltbekannten Cafe de Paris.
Es ist echt gallischer Humor und französische Ungeniertheit,
wie. durch diese flotte, winzige, ein wenig an das berühmte
Männeken Piss in Brüssel erinnernde Zeichnung den Gästen
das Wassertrinken verekelt und der Weingenuß empfohlen

wird. Motive dieser Art, wenn auch weniger keck und drastisch,
würden sich vielfach finden lassen, um die Speisen- und Menu-
karte in den Dienst des eigenen Weinkellers zu stellen. Der
Versuch dürfte sich lohnen.

_ Die Reklameindustrie hat sich selbstverständlich auch der

Speisenkarten bemächtigt. Entweder liefert sie die mit
        <pb n="448" />
        E78

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Reklamen bedruckten Speisenkarten, oder sie liefert Mappen
für die Karten, die dann ebenfalls Reklameanzeigen enthalten.
Natürlich erfolgt die Lieferung unentgeltlich; die Mappen
werden zuweilen nur leihweise überlassen. Es ist Geschmack-
sache, ob man sich solcher Reklamekarten oder -mappen be-
dienen will. Ein Haus von Rang und Ruf wird es nur in be-
stimmten Ausnahmefällen tun. Eine Ausnahme von dieser
Regel wird es vielleicht dann machen und auch machen dürfen,
sobald eine Lieferantenfirma von vornehmem, bewährtem Ge-
schmack Hersteller der Karten ist. Wenn künstlerischer
Geschmack betätigt und Künstlerhand mit der Ausführung
betraut ist, dann ist der Moment zur Ausnahme gegeben.

Nach den gleichen Grundsätzen würde ich bei den vielfach
angebotenen Mappen für Zeitschriften und bei den Haltern für
Zeitungen verfahren. Auch sie sind selbstverständlich mit
Reklameanzeigen reich versehen. Wer bei einem „Journal-
Lesezirkel‘“ abonniert ist, bekommt die Zeitschriften schon in
der Reklamemappe geliefert. Hier gilt das alte Sprichwort:
Eines schickt sich nicht für alle! Die Konditorei, das Kaffee-
haus mit Massenbetrieb, das bürgerliche Hotel und Restaurant
mögen sich der Reklamemappen und -halter bedienen; die ge-
pflegte Gaststätte wird sie meiden.

Auch die Konzert- und Vortragsprogramme sind der Reklame
dienstbar gemacht worden. Der Unternehmer ist meistens eine
Druckerei, die dem Saalinhaber die fertigen Programme liefert.
Der Konzertveranstalter hat also auf die Inserenten ebenfalls
keinen Einfluß und wird es sich gefallen lassen müssen, daß
womöglich in den üblichen Anzeigen „Wohin gehen wir nach
dem Konzert?‘“, ein Konkurrent wärmstens empfohlen wird,
der ihm aus verschiedenen Gründen besonders unsympathisch
ist! Prüfe also jeder, ehe er sich bindet, ob sich nicht ‚ein
besserer Weg findet. Zum Beispiel der, die Sache in eigene
Regie zu nehmen. Mit dem Sammeln der Aufträge kann man
einen Anzeigenwerber beauftragen. Eines aber lasse man nicht
aus dem Auge, ganz gleich ob eigene Regie oder fremder Unter-
nehmer: Konzert- und Vortragsprogramme müssen immer auf
weiches, nicht knitterndes Papier gedruckt werden. Wenn ein
Konzertbesucher dazu verurteilt ist, zwischen Menschen zu
sitzen, deren Programme andauernd knisternde Geräusche ver-
ursachen, der wird unfehlbar händelsüchtig, wobei ich nicht an
das Largo von Händel denke.
        <pb n="449" />
        LOUIS XIV ROOM IN THE KURHAUS BADEN-BADEN

BANOUET
3Y THE CITY OF BADEN-BADEN IN HONOUR OF THE
AMERICAN HOTELMEN ASSOCIATION
MAY ZTH, 1926

Vorderseite der „Speisenfolge“ anläßlich des Massenbesuchs amerikanischer Hoteliers
am 7. Mai 1926 in Baden-Baden. Besonders interessant dadurch, daß die Karte einen
der schönsten der Kurhaussäle widergibt, worin das Bankett stattfand.
        <pb n="450" />
        1

Sn
ja

*%
berg

--

‚Das Jahr in Schierke‘“. Eine aparte und sehr wirkungsvolle Empfehlungskarte. In
schwarz-grün-weiß gehalten.
        <pb n="451" />
        PROPAGANDAMÖGLICHKEITEN

451

Die Speisenkarte könnte aber auch noch in anderer Weise
der Werbung dienstbar gemacht werden, indem man ihr den
Charakter des „Andenkens‘““ aufprägt, wie es bei dem wieder-
gegebenen Musterbeispiel aus Baden-Baden geschah. (Über
dieses interessante Thema spreche ich in einem besonderen
Kapitel.) Kurz vor dem Kriegsausbruch erhielt ich von be-
freundeter Seite aus Amerika eine ganze Serie von Speisen-
karten ganz ungewöhnlichen Charakters. Während die eine
Seite der sehr großen Karte die üblichen Speisenangaben ent-
hielt, fand ich auf der anderen Seite hochinteressante, künst-
lerische Bilder von bleibendem Wert. Sie gaben besonders reiz-
volle Punkte aus der landschaftlichen Umgebung jener ameri-
kanischen Stadt wieder, auch typische Erscheinungen aus dem
Tagesleben (so zum Beispiel einen Lachsfang), und sie waren
so künstlerisch und vornehm aufgemacht, daß sie, im ent-
sprechenden Rahmen, jedem Zimmer zur Zierde gereicht haben
würden. Das betreffende Hotel kam damit der sattsam be-
kannten Andenkensucht des Amerikaners in geschickter Weise
entgegen. Es lieferte auch gleich starke Papprollen zum be-
quemen Versenden der Bilder-Speisenkarten an Verwandte und
Freunde. Dieser amerikanische Gedanke ließe sich auf euro-
päische Verhältnisse übertragen. Kleine Geschenke erhalten
die Freundschaft. Die. Bilder-Speisenkarte könnte sich wohl
auch noch abwechslungsreicher gestalten lassen, Jedenfalls
zeigt dieses Beispiel, daß die Speisenkarte mit Erfolg in den
Dienst der Werbung gestellt werden könnte.

Auch mit dieser Frage ließe sich unter Umständen ein Preis-
ausschreiben verknüpfen. Nehmen wir an: Zur Erlangung
künstlerischer oder origineller Entwürfe für Speisen- und
Menukarten. Oder man setze einige Preise für die besten Ideen
aus, um die Speisen-, Menu-.und Weinkarten der Werbung
dienstbar machen zu können.

Ein ähnlicher künstlerischer und zugkräftiger Werber könnte
die Ansichtskarte werden, wenn man sich bemühen wollte, bei
ihrer Schöpfung die ausgetretenen Pfade zu verlassen.
        <pb n="452" />
        3;r

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

64. STADTWAPPEN UND REKLAME
Seit längerer Zeit hat sich die Sitte eingebürgert, Stadtwappen
und dergleichen bei geschäftlichen Reklamen des Hotel- und
Gastgewerbes, auf Drucksachen, auf Gegenständen aller Art zu
verwenden. Man benutzt sie als schmückendes Beiwerk, setzt
sie auf Briefköpfe, auf die Umschlagseiten von Werbeschriften
und verbindet sie zuweilen mit dem eigenen „Kennzeichen“ zu
einer allegorischen Zeichnung. Unter den Reiseandenken ist es
namentlich der kleine silberne Mokkalöffel, auf dem man das
Stadtwappen als Stielkrönung findet, während den Hohlraum
des Löffels irgendeine Sehenswürdigkeit der Stadt in Email-
malerei schmückt. Auf Aschenschalen begegnet man dem
Wappen und auf Trinkbechern. Die Kofferetiketten der mon-
dänen Hotels zeigen, außer einer bildlichen Darstellung des
Hauses oder einer bemerkenswerten Erscheinung aus der Stadt
oder der Landschaft, zuweilen auch das Stadtwappen. Auf dem
Porzellan mancher Hotels begegnet man dem Stadtwappen
ebenfalls. Man könnte von der Anwendung des Wappens mit
Wilhelm Busch singen: „Ersteres wird gern geübt, weil es all-
gemein beliebt!“ Mit demselben Recht könnte man dann jedoch
fortfahren: „Aber wenn die Kosten kommen, fühlet man sich
angstbeklommen!‘“ Denn tatsächlich kann es geschehen, daß
die Verwendung eines Stadtwappens mit Kosten verknüpft ist,
die wenig Freude machen, weil man an sie nicht gedacht hatte!

Ich meine die mißbräuchliche, die unerlaubte Verwendung
des Stadtwappens. Es dürfte eine Bekanntmachung des Rates
zu Dresden von allgemeinem Interesse sein, die er Anfang
1926 im Amtsblatt erließ. Sie lautet:

„Wiederholt ist von Handels- und Gewerbetreibenden das
Dresdner Stadtwappen auf Drucksachen, bildlichen Darstel-
lungen, Ansichtspostkarten, Reiseandenken oder anderen Gegen-
ständen angebracht worden, und mehrfach werden solche
        <pb n="453" />
        STADTWAPPEN UND REKLAME

453

Gegenstände feilgeboten, bevor zur Anbringung des Stadt-
wappens die Genehmigung des Rates eingeholt worden ist. Wir
weisen deshalb erneut darauf hin, daß die Führung des
Wappens der Stadt Dresden ohne unsere ausdrückliche schrift-
liche Genehmigung Privatpersonen, Vereinen und Gesell-
schaften verboten ist. Die Führung des Stadtwappens in
Vereinsbannern, Fahnen, Vereinsabzeichen und dergleichen
bedarf ebenfalls unserer schriftlichen Genehmigung. Über-
tretungen dieses Verbotes werden mit Geldstrafe bis zu 30 Mk.
oder mit Haft bis zu 10 Tagen für jeden Zuwiderhandlungsfall
bestraft.‘

Man erkennt aus dieser Bekanntmachung, daß die Stadt-
wappen durchaus nicht vogelfrei sind, und daß ihre Ver-
wendung zu Reklamezwecken und dergleichen nicht in jeder-
manns Belieben gestellt ist. Der Rat zu Dresden belehrt uns
eines anderen, und es ist anzunehmen, daß auch andere Städte
an die Verwendung ihrer Wappen einschränkende Bedingungen
geknüpft haben. Auf jeden Fall ist Vorsicht geboten und anzu-
raten, sich vorher zu informieren, wenn man ein Stadtwappen
als schmückendes Beiwerk verwenden will. Wie der Gesetz-
geber „Das Recht im Bild‘ festgelegt hat und seine mißbräuch-
liche Verwendung mit Strafe bedroht, so haben, wie aus dem
Dresdener Fall erkenntlich, sich wohl auch die Städte das
Recht an ihrem Wappen gesichert.

Die Androhung einer Strafe bis zu 30° Mk., die sich sogar in
Haft verwandeln kann, ist nicht gerade angenehm. Zwar wird
sie nicht immer so heiß gegessen werden müssen, wie sie in
der Dresdener Bekanntmachung serviert wird. Denn es ist an-
zunehmen, daß die Städte ihre Wappen nur gegen einen
unwürdigen Gebrauch, also gegen einen wirklichen Mißbrauch,
schützen wollen, und daß die Genehmigung gern erteilt werden
wird, wenn die Verwendung in künstlerischer, das Wappen
nicht entwürdigender oder herabsetzender Weise geschieht.
Aber auf jeden Fall ist anzuraten, sich vor der Verwendung
darüber zu unterrichten, ob nicht irgendwo eine Fußangel
lauert, in die man geraten könnte.
        <pb n="454" />
        KU

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

65. WANN „EMPFIEHLT“ SICH DIE
EMPFEHLUNGSKARTE?

Bei der Empfehlungskarte lasse man dasselbe Prinzip wie bei
der Ansichtskarte walten: vom Guten möglichst das Beste zu
bieten. Warum heißt sie Empfehlungskarte? Weil sie das
Hotel, das Fremdenheim, die Gaststätte „empfehlen“ soll!
Wenn ich jemand, den ich für mich gewinnen möchte, einen
Empfehlungsbesuch mache, so ziehe ich meinen Bratenrock an.
In gleicher Aufmachung muß die Empfehlungskarte auftreten.
Sie soll, wie die Kofferetikette, wie der Faltprospekt, wie die
Werbebroschüre, nach außen hin repräsentieren! Ergo muß sie
auch präsentabel auftreten.

Sie sei nicht zu groß, jedoch auch nicht zu klein, also mittel-
mäßig; das aber ja nicht in der technischen Ausführung! Ich
würde nur wenig Text, diesen aber schlagkräftig, anbringen
lassen. In einer geschmackvoll gezeichneten Vignette würde ich
die Fassade des Hauses wiedergeben, wenn sie wirkungsvoll
ist. Sonst irgendein anderes, hübsches Interieur. Jeder Betrieb,
sei er auch einfach, hat ja wohl etwas aufzuweisen, das er zeigen
kann und das dem Beschauer einen Einblick und ein Urteil über
das Haus ermöglicht.

Aus einigen Musterbeispielen, die ich der Praxis des Lebens
entnehme, lassen sich Ideen und Anregungen schöpfen, Be-
sonderes Interesse verdienen die Empfehlungskarten für das
Wochenende, also einer allerneuesten Einrichtung, die sich noch
große Bedeutung erobern wird. Aus diesem Grunde habe ich
diesem Problem auch ein umfangreiches Kapitel gewidmet,
worauf ich nachdrücklich hinweise. Interessant ist die Karte des
Eden-Hotels in München, weil bei ihr die Kofferetikette des
Hauses als „Kennzeichen“ verwendet wurde. Auf ein Spezial-
gebiet führt uns die hübsche und originelle Weihnachtskarte
—. eine besonders in Großbritannien und den Vereinigten
        <pb n="455" />
        z
Da
z
&gt;

„Der Fürsten h 0 ff‘, bekannt als eines der schönsten
Hotels Deutschlands, und das „Fürstl. Badehotel“,
die neueste und modernste Anlage in deutschen Bädern,
sind auch auf Wochenend-Besuch eingestellt. Der Wochenend-Preis umschließt
das Abendessen Sonnabends, die Übernachtung zum Sonntag, das Frühstück,
Mittag- und Abendessen Sonntags und stellt sich einschließlich Trinkgeld-
Ablösung und der sonst üblichen Zuschläge
im Hotel „Der Fürstenhof“ auf M. 18.—
im „Fürstl. Badehotel“ auf M. 153.—
Für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren, für Chauffeure und eigene Bedienung
werden Ermäßigungen gewährt.
Vorverkauf der Wochenend-Ausweise bis Sonnabends vormittags 10 Uhr
In den beiden Hotels, ferner im Mitteleuropäischen Reisebüro der Städte:
Berlin, Hamburg, Bremen, Hannover, Bielefeld, Dortmund, Bochum, Essen,
Hagen und Elberfeld; in Berlin auch im Reisebüro Wertheim, Leipzigerplatz.
Der Ausweis berechtigt zum
Besuch der Kuranlagen, Konzerte, Unterhaltungs- und Sport-Veranstaltungen
4er Kurverwaltung sowie zu kostenfreier Benutzung des Licht- und Luftbades.
Für die Reunion Sonnabend abends im Hotel „Der Fürstenhof“ und
Sonntag abends im „Fürstl. Badehotel“ dienen die Wochenend-Ausweise
als Eintrittskarte, Tanzteilnehmer Gesellschaftskleidung Vorschrift,
Autogaragen stehen zur Verfügung (offene Unterstände und 30 geschlossene
Boxen). Um kleideräume für Automobilisten bietet „Der Fürstenhof“,

WOCHENENDE
Bad Eilsen

Auhe — Erholung — Sport
Ausflüge — Unterhaltung
Auch ein kurzer Aufenthalt lohnt!

Wochenend-Empfehlungskarte. Entwurf der Anzeigenzentrale, Hamburg

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A
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        <pb n="456" />
        Fa

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Wochenende Bad Schandau

HOTEL QUISISANA

UND KÖNIGSVILLA
(SENDIG HOTELS)
Ehemals Lieblingsort des Königs Albert von Sach-
sen. Idyllisch an der Elbe gelegene Hotels mit
45.000 qm Parkanlagen.

Vornehmer, ruhiger Aufenthalt, sorgsamste Bedie-
nung und anerkannt erste Verpflegung.
Der Wochenend-Preis umfaßt das Abendessen Sonnabends,
Übernachtung zum Sonntag, Frühstück, Mittag- und Abend-
essen Sonntags und stellt sich auf RM. 20.— einschließlich
Trinkgeldablösung. Kinder zwischen 6 und 10 Jahren,
Chauffeure und eigene Bedienung ermäßigte Preise.
Vorverkauf der Wochenend-Ausweise bis Sonnabend vor-
mittags 10 Uhr in Dresden im Reisebüro Alfred Rohn,
Pragerstraße, und im Hotel Europahof; in Leipzig im
Mitteleuropäischen Reisebüro, Augustusplatz 2; in Berlin
im Mitteleuropäischen Reisebüro Potsdamer Bahnhof, sowie
im Reisebüro Wertheim, Leipziger Platz.
Möglichst frühzeitige Bestellung _erheten.
Jeden Nachmittag Tanztee im Freien, Reunion
Sonntags abends; Gesellschaftskleidung erbeten.
Auto-Garagen und Umkleideräume für Automobilisten zur
Verfügung.
Bad Schandau ist Ausgangspunkt schöner Spazier-
gänge und Ausflüge nach den hervorragendsten
Punkten der Sächsischen Schweiz.
Gebirgsfahrstuhl gegenüber den Hotels.
Unter gleicher Leitung: Europahof, Dresden.

Wochenend-Empfehlungskarte.
Entwurf der Anzeigenzentrale, Hamburg.
        <pb n="457" />
        WANN „EMPFIEHLT“ SICH DIE EMPFEHLUNGSKARTE? 457

DAS UNÜBERTROFFENE HOTEL MÜNCHENS
bietet angenehmsten Aufentihalt durch weitestgehende Pflege in
Hygiene / Ausstattung / Küche / Keller / durch Sauberkeit /
Unterhaltung / Abwechslung / Wärme und Künlung je nach der
Jahreszeit und verbindet das angenehme Heim mtt den Vorzügen
des Welthotels, indem es gleichzeitig durch günstige Preise (von
Mk. ‘ an inklusive Zimmer, Licht und Heizung und voller Ver-
pflegung) seine verehrten Gäste davon überzeugt, was gute Organi-
sation vermag, die ständig auf das Wohl der Gäste bedacht ist.

Empfehlungskarte des Hotels Bayerischer Hof in München.
Bemerkenswert durch den aparten, wirkungsvollen Text,
Auf der Rückseite befindet sich die Fassaden-Ansicht des Hauses.

Staaten von Nordamerika gepflegte liebenswürdige Sitte —
des Grand Hotel Palace in Locarno, diesem südlichen Zipfel der
Schweiz, wo zu Weihnachten Blumen im Freien blühen. Außer-
ordentlich apart ist auch die Karte des Hotels Fürst zu Stolberg
in Schierke. Harz, die in flott gezeichneten Vignetten das Leben

oe.
EDEN-HOTEL MUNCHEN
Direkt am Hauptbahnhof Nordbau und am Starnberger Bahnhof,
Arnulfstr. 6/8, Neubau 1922/24 + Telephon 53156 und 546530
Telegramm-Adresse: Edenhotel
ERSTKLASSIGES FAMILIEN-HOTEL
100 modern eingerichtete Zimmer (140 Betten) mit fließendem kalten
u. warmen Wasser u. Staatstelephon * Abgeschlossene Wohnungen und
Zimmer mit Drivatbädern - Konferenz-Zimmer : Vornehme Hallenräume

"irst Class Hotel Moderate
ind comfortable situated
DDDOSItethe railwav-Station
-DEN
HONCHEN )

In nächster Nähe der Thea-
ter, Ausstellungen und der
Museen

Diese Empfehlungskarte ist besonders charakteristisch durch Mitverwendung
der Kofferetikette als „Kennzeichen“.
        <pb n="458" />
        ..1qq".

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Cheislinas Lnong AZTZecatnoo

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Setzt in Winter is not merely
a country of snow and ice. In Southern
Switzerland Con the lake-shores of the
Canton Tessin) oranges are ripening
out=of-doors at Christmas, the Camel-
lias and certain varieties of mimosa
already are opening their blossoms,
the blackbirds are feasting on the grape=
like fruit of the palmtrees, while para«
sols are common and necessary objects
of the countryside. Winter scarcely is
Winter at Locarno.

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Greetings from the Paface Hotel
LOCARNO
Switzerland
U KereEL EEE ELLI RWE ea 8: a . nnex Wr A __JUSADSEFANZZIRUCHBEVDLIFHNLUN, . ALHATEHDGENFAKAUNETITALDLLLSIUNDENTUNNTIUNLINDTAPLTEETENELTTULNNLGNFLNNUMEENBUTENDINETAENT
Orioinelle. den südlichen Charakter des Ort:e hervorhebende Weihnachts-Grußkarte
        <pb n="459" />
        WANN „EMPFIEHLT“ SICH DIE EMPFEHLUNGSKARTE? 459
dieses beliebten Kurortes während der 12 Monate des Jahres
schildert.

Zum Schlusse noch eins. Es ist nicht nur Sache des Taktes,
sondern auch der Finanzen, ob man seinem „Werbeprospekt“
ein persönliches Anschreiben beifügt. Ich würde es tun. Aber
wer meint, auch ohne dies Reklamerequisit auskommen zu
können, der sorge dafür, sich seinen erwünschten neuen Gästen
wenigstens durch Beifügung einer geschmackvollen Empfeh-
lungskarte zu empfehlen. Es macht einen besseren Eindruck.
Der erste Eindruck ist fast immer entscheidend. Es sei denn,
daß man kurz gehaltene Zirkulare hat, die dem Prospekt bei-
gegeben werden können.

Dieses sowie eine Reihe vorausgegangener Kapitel stehen alle
in einem gewissen Zusammenhange mit dem Wettbewerbs- und
Preisausschreiben-Problem. Denn auch für die Erlangung
künstlerischer Ansichtskarten und Empfehlungskarten könnten
Preisausschreiben veranstaltet werden. Ein nachdrücklicher
Hinweis auf die Spezialkapitel der Wettbewerbe und Preis-
ausschreiben erscheint mir deshalb nicht überflüssig.
        <pb n="460" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

66. DIE FARBE IN DER REKLAME
Bei der Propaganda des Hotel- und Gastgewerbes, aber auch
bei der Werbung der Kurorte und des Fremdenverkehrs hat
man der Farbe seither nicht die Beachtung geschenkt, die
diesem wichtigen Ausdrucksmittel ihrer Bedeutung wegen ZzU-
kommt. Man wolle farbig nicht mit bunt verwechseln. Es läßt
sich Abwechslung in die einzelnen Werbeschriften auch dann
bringen, wenn man jede in einer anderen Farbe herausbringt.
Das Gesamtbild kann dadurch wesentlich gefälliger, reizvoller
werden. Reizvoll würde hier gleichbedeutend sein mit anreizen,
locken. Das aber sollen ja die Propagandamittel.

Zunächst sei der Farbe bei der Straßenreklame, den
Schildern der Hotels und Gaststätten gedacht. Das mondäne
Hotel, die gute Gaststätte, werden Wert darauf legen müssen,
daß die vornehme Fassade des Hauses nicht durch allzu
schreiende Schilder gestört oder gar verunstaltet wird. Wenn
das Schild oder die Schilder auch wirksam sein, wenn sie auf-
fallen müssen, so dürfen sie diese Wirkung doch nicht durch
allzu grelle Farben zu erreichen suchen. Derartiges könnte sich
wohl ein Basar oder ein Ladengeschäft leisten, die auf den
Instinkt der Massen spekulieren, das gute Hotel, die vornehme
Gaststätte müssen damit rechnen, daß ihre Kundschaft guten
Geschmack hat, und daß sie durch allzu schreiende, mißfarbige
Straßenschilder nicht angelockt, sondern abgestoßen würde.
Man wähle seine Fassadenreklame deshalb so, daß sie mit der
Architektur und dem Anstrich des Hauses harmoniert.

Gaststätten einfacher oder besonderer Art könnten sich schon
etwas auffallendere Reklameschilder und Reklameanstriche
leisten. Geheimrat Muthesius hat an einem Geschäftshaus in
Berlin W ein gutes Musterbeispiel für eine wirkungsvolle, ein-
dringliche und dabei doch harmonische Reklamefront ge-
schaffen. Über die ganze Breite des Hauses sind zwischen den
Etagen, also zwischen den einzelnen Fensterabschnitten, weiße
        <pb n="461" />
        DIE FARBE IN DER REKLAME 461
Streifen gezogen worden, die für die Aufnahme der Reklame-
aufschriften in schwarzer Farbe bestimmt sind. Der Kontrast
dieser weißen Streifen mit den schwarzen Reklameaufschriften
zu dem hellgelben Hausanstrich ist so stark und eindringlich,
daß dadurch sogar an jenem überaus belebten Platz eine
günstige Werbewirkung erzielt wurde, die aber doch in ge-
wisser Vornehmheit bleibt und nicht unangenehm und auf-
reizend wirkt. Mit einer ähnlichen Gestaltung der Hausreklame
würden also auch die erwähnten Gaststätten befriedigende
Werbekraft entwickeln können, ohne daß sie zum „Öffentlichen
Ärgernis“ werden. Was die Farbigkeit und Farbenwirkung
dieser Straßen- beziehungsweise Schilderreklame anbelangt, so
empfehle ich allen Interessenten Beachtung der nachfolgenden
Tabelle, die von Brügge und Mundt auf Grund sorgfältiger Er-
mittelung aufgestellt wurde:
Farbenzusam- angenehm und
menstellung gefällig zweifelhaft
von
Rot mit Dunkelblau, Gelb
Grün
Orange mit Himmelblau, Rot
Grün
Gelb mit Purpur, Blau Rot, Violett

mißfallend

Violett,
Purpur
Gelb,
Blaugrün
Blaugrün,
Grün, Orange
Blau, Orange
Rot, Purpur,
Blau
Bei den Werbeschriften aller Art sollte man künftighin mehr
auf Abwechslung durch gefällige Tönung bedacht sein. Man
ahnt es gar nicht, was für hübsche, angenehme Wirkungen er-
zielt werden können, wenn jedes einzelne Werbemittel in einer
anderen Farbe herausgebracht wird, und wenn man die ein-
zelnen Farben vorher auf einander abgestimmt hat. Schon durch
diese an sich so einfachen Farbeneffekte läßt es sich erreichen,
daß die eigenen Werbemittel sich von denen der Konkurrenz
abheben, daß sie durch ihre gefällige äußere Erscheinung an-
genehm auffallen und sich — und damit das Hotel oder die
Gaststätte oder den Kur- oder Fremdenort — empfehlen. Wem
Seine Mittel es also nicht erlauben, der Werbebroschüre, dem
Faltprospekt usw. einen buntfarbigen Umschlag zu geben, der,

Grün mit Rot, Violett Purpur, Gelb
Violett mit Grün, Orange Gelb
        <pb n="462" />
        62

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

bei geschmackvoller Farbenwahl, immer am wirkungsvollsten
sein wird, der lasse sie wenigstens in ein oder zwei gefälligen,
das Auge sympathisch berührenden Farben drucken. Im letzten
Fall, bei zwei Farben, müssen diese natürlich auf einander ab-
gestimmt sein. Untersuchungen einer englischen Plakatfirma
über die Fernwirkungen von Farbenzusammenstellungen er-
möglichen es auch dem Laien, sich vor unangenehmen Ent-
gleisungen bei den farbigen Werbeschriften zu schützen. Die
Untersuchungen jener englischen Plakatfabrik haben zu dem
Ergebnis geführt, daß mit folgenden Farbenkontrasten gute,
gefällige Wirkungen zu erreichen sind:
schwarzer Druck der Werbeschrift auf gelbem Papier
grüner weißem „
roter weißem »
blauer weißem „
weißer blauem %
gelber schwarzem ,,
weißer rotem S
weißer grünem
roter gelbem
grüner rotem

roter grünem
Die Wirkung des schwarzen Druckes auf weißem Papier oder
umgekehrt, weiß auf schwarzem Grund, haben wir alle Tage vor
Augen, so daß darüber nichts zu sagen ist. Die Tabelle bezieht
sich nur auf natürliches Tageslicht. Die Wirkung mancher
Farben, zum Beispiel rot, verändert sich bei künstlichem Licht,
wie manche Farben ja auch auf der lichtempfindlichen photo-
graphischen Platte ganz anders wirken. So wird zum Beispiel
leuchtendes Rot auf der Photographie zum tiefen Schwarz.

Oberstes Gesetz bei jeder Propagandaschrift müßte sein, ihr
ein gefälliges, einladendes Äußere zu geben, das sie geeignet
macht, schon auf den ersten Blick zu wirken und dem Emp-
fänger den Wunsch zu suggerieren, sich mit dem hübschen
Ding näher bekannt zu machen. Man erinnere sich deshalb, daß
auch in der gut gewählten Farbe Werbekraft steckt, und daß
die Harmonie der Farbe dazu beitragen kann, jedweder Reklame
jenen aufdringlichen, unangenehmen Charakter zu nehmen, der
ihr in manchen Volkskreisen noch heute die Stellung des
Aschenputtels zuweist.
        <pb n="463" />
        DAS GUTE LICHTBILD ALS PROPAGANDAHELFER 463

67. DAS GUTE LICHTBILD
ALS PROPAGANDAHELFER
Über „das gute Bild“ schreibt die Reichszentrale für Deutsche
Verkehrswerbung in ihrem Werbe-Spiegel:

Das Wichtigste bei der Herstellung von Werbeschriften ist

das Bild. Manche sind der Meinung, das Wichtigste sei der Text
und schreiben oder lassen sich ein dickes Buch zusammen-
schreiben, das nachher kein Mensch liest, weil er keine Zeit
dazu hat. Auch bei Werbeschriften gilt das Wort: in der Be-
schränkung zeigt sich erst der Meister! Also: so wenig wie nur
möglich Text und Beschreibung; Beschränkung auf knappe,
rasch orientierende Notizen. Hingegen viele Illustrationen und
natürlich auch erlesen gute Illustrationen. Nichts Gleichgültiges,
Banales, nichts, was ebensogut in Masuren wie im Bayerischen
Wald photographiert sein kann. Die heutige Welt will Bilder
und immer wieder Bilder sehen. Daher der von Tag zu Tag sich
mehrende Reichtum an Magazinen; von der Leistungsfähigkeit
in dieser Hinsicht, soweit es Amerika angeht, macht man sich
im allgemeinen gar keine Vorstellung. Wo nun alles sich mit
Bildern beschäftigt, nach Bildern hascht (durch den Film wird
diese Bilderleidenschaft nur noch erhöht), kann die rechte
Werbeschrift nur dann zustandekommen, wenn gutes, hoch-
wertiges Bildermaterial in genügender Menge zur Hand ist.
Leider wird es gerade in diesem Punkte meist recht leicht ge-
nommen. Es ist erstaunlich, wie viel schlechtes photographisches
Material umläuft, aber noch erstaunlicher, daß so viel Jammer-
volles Material in unseren deutschen Werbeschriften Unter-
schlupf findet. Wenn man bedenkt, daß nun solche Werbe-
Schriften mit den prachtvollen Erzeugnissen der Italiener,
Franzosen und gar der Amerikaner in Konkurrenz treten wollen
— 50 bleibt nichts anderes übrig, als die Aussicht auf einen ab-
soluten Mißerfolg.
        <pb n="464" />
        164

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Ich habe diesen harten, für viele Werbeschriften aber leider
zutreffenden Worten nichts hinzuzufügen. In werschiedenen
Kapiteln wurde die gleiche Forderung: viele, aber nur gute
Lichtbilder, immer wieder von mir erhoben.

An Hand von zwei Musterbeispielen der Reichszentrale für
Deutsche Verkehrswerbung beziehungsweise Gegenüberstellun-
gen guter und schlechter photographischer Aufnahmen — gut
und schlecht, was ihren Werbewert anbelangt — veranschau-
liche ich deutlich und drastisch, was es bedeutet, wenn der
Lichtbildner seine .Sache versteht und den richtigen Blick für
den richtigen Moment hat. Wenn er seine Aufnahmen so zu
machen weiß, daß sie ihren Werbezweck auch wirklich erfüllen
können. Das berüchtigte Schema F ist, leider, bei zahlreichen
Lichtbildern in europäischen Werbeschriften Trumpf, was die
Ursache sein dürfte, daß die Erfolge der kostspieligen Propa-
ganda sich nicht oder nur sehr zögernd einstellen wollen. Man
sorge dafür, daß die zur Verwendung kommenden Bilder und
Ansichten typisch und charakteristisch sind. Wenn man zum
Beispiel dem Amerikaner etwas zeigt, was er bei sich zu Hause
viel großartiger oder schöner zu haben scheint — seinen
heimischen Prospekten zufolge — so wird man ihn kaum zu
einer Fahrt übers Weltmeer verlocken.

Schließlich will ich noch einen praktischen Wink geben, wie
man sich über das Lichtbild in der Reklame gut und leicht
unterrichten kann. Denn die Bearbeitung der wichtigen Propa-
ganda wird im Hotel- und Gastgewerbe, in den Kur- und Bade-
orten, auf dem Gebiete des Fremdenverkehrswesens nur zu oft
Persönlichkeiten anvertraut, die der Sache ziemlich verständnis-
los gegenüberstehen und zuweilen nicht einmal die wichtigsten
Grundregeln der Werbekunst kennen.

Die Deutsche Lichtbild-Gesellschaft E. V., Sitz Berlin, hat
eine umfangreiche, von dem Reklamefachmann und Werbe-
leiter A. W. Blau bearbeitete
Lichtbildsammlung

herausgegeben, die ein ausgezeichnetes Lehrmaterial auf dem
schwierigen Gebiete des Lichtbildes darstellt. Die zunächst
erscheinenden Lichtbildreihen, die käuflich erworben oder auch
für kürzere Zeit oder längere Zeiträume entliehen werden
können, behandeln folgende Themen:
        <pb n="465" />
        DAS GUTE LICHTBILD ALS PROPAGANDAHELFER 465
a) Die geschichtliche Entwicklung der Reklame,
b) neuzeitliche Reklame,

c) moderne Plakatkunst,

d) die Reklame der deutschen Industrie,

e) Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchreklame,

f) die Werbemittel unserer Tage,

g) der Humor in der Reklame.
Die Lichtbildreihen enthalten Beispiele aller nennenswerten
deutschen Gebrauchsgraphiker. Die Diapositive weisen die
normale Größe von 8% mal 10 Zentimeter Querformat auf und
sind originalgetreu koloriert. Den jetzt zur Herausgabe gelan-
genden Reihen sollen in aller Kürze weitere Serien folgen, die
die Werbelehre theoretisch behandeln und weitere ErgänzungsS-
reihen, die die bisher im Lichtbild noch nicht behandelten
Gebiete der Reklame zeigen werden.
        <pb n="466" />
        5A

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

68. WICHTIGE KLEINIGKEITEN IM
GEPFLEGTEN HOTELZIMMER SIND AUS-
GEZEICHNETE WERBEHELFER
Das alte Sprichwort „Kleine Ursachen, große Wirkung“ wird
im Hotelleben nur allzu oft zur Wahrheit. Ganze Kleinigkeiten
vermochten den Gang des Geschäfts günstig oder ungünstig zu
beeinflussen. Es gibt Kleinigkeiten, die das Behagen, das Wohl-
befinden der Gäste erheblich erhöhen können, wenn sie vor-
handen sind. Von ihnen soll die Rede sein, denn da das euro-
päische Hotel im Gegensatz zu den amerikanischen Massen-
karawansereien - seinen Ehrgeiz mit Recht darein setzt, den
Gästen das eigene Heim zu ersetzen, so haben die Kleinigkeiten
abenfalls ihre Bedeutung.

Auch in den gepflegten Häusern der Kleinstadt finden wir
heute Zentralheizung. Nur kommt es zuweilen in kleineren
Hotels vor, daß die Heizung nicht nach den Wünschen der
Gäste, sondern den etwas übertriebenen Sparsamkeitsneigungen
des Hotelbesitzers entsprechend Dienst tut. Man hält die
Heizung sogar an kalten Tagen nur frühmorgens und abends
unter Druck. Wer sich tagsüber im Zimmer aufhält, wohl gar
schriftliche Arbeiten erledigen möchte, der mag sich ruhig die
Finger erfrieren. Angesichts der kalten Heizkörper, die sich für
ihn nicht erwärmen wollen, denkt der Gast dann an den
berühmten Ausspruch eines alten preußischen Unteroffiziers:
„Was nützt mich der Mantel, wenn er nicht gerollt ist!“

Noch eine andere Unterlassungssünde findet man bei den
meisten Zentralheizungen, die bei empfindlichen Gästen körper-
liches Unbehagen, sogar Schmerzen zur Folge haben kann.
Zentralheizung macht die Luft trocken und ungesund. Bei
vielen Menschen stellen sich, sobald die Zentralheizung ihr Amt
antritt, quälende Kopfschmerzen ein, die nicht weichen wollen.
Sie rühren von der ausgetrockneten Luft, von dem am Heiz-
        <pb n="467" />
        WICHTIGE KLEINIGKEITEN IM HOTELZIMMER SIND GUTE WERBEHELFER 467

körper verbrannten Staub her und entspringen oft einem Stirn-
höhlenkatarrh, den die trockene Luft hervorgerufen hat. Die
wenigsten Menschen wissen das, Sobald Verdampfungsschalen,
die vom Zimmermädchen natürlich regelmäßig mit Wasser
gefüllt werden müssen, an den Heizkörpern angebracht werden,
iritt bald eine gesündere Luft und damit auch eine Besserung
des körperlichen Befindens ein. Die keramische Industrie hat
schon längst derartige Verdampfungsschalen aus porösem Ton
geschaffen, die durch entsprechende Vorrichtungen an jedem
Heizkörper angebracht werden können. Sie gehören zu jenen
Kleinigkeiten, die in keinem gepflegten Hotelzimmer fehlen
dürften.
Vor zirka sechs Jahren habe ich in einem illustrierten Aufsatz
die Schädigungen kritisch beleuchtet, die den Hotelbetrieben
durch Verwendung der verschiedenartigsten elektrischen Reise-
apparate zugefügt werden. Ich hatte mich auch, unter Beigabe
von Beispielen aus der Praxis, gegen die Fabrikanten und
Händler derartiger Apparate gewandt, die durch Inserate,
Broschüren und Prospekte das Publikum anreizten, nicht ohne
derartige Apparate auf Reisen zu gehen. Es wurde also dadurch
direkt zum Diebstahl an elektrischem Strom aufgefordert. Der
Aufsatz hatte damals lebhaftes Echo geweckt und mir zahl-
reiche zustimmende Zuschriften aus Hotelbesitzerkreisen ein-
getragen.

Heute stehe ich auf einem anderen Standpunkt. Es ist nicht
möglich, sich der natürlichen Entwicklung der Technik ent-
gegenzustemmen. Fabrikanten und Händler haben sich nicht
im geringsten darum gekümmert, daß ihre elektrischen
Apparate die Hotelbesitzer schädigen, dem Diebstahl Vorschub
leisten und: dazu auffordern. Sie haben diese Kleinapparate
vielmehr immer weiter vervollkommnet, durch neue vermehrt,
und es gibt heutzutage wohl keinen erfahrenen Reisenden mehr,
der in seinem Gepäck nicht einen oder mehrere solcher
elektrischer Reiseapparate mit sich führt, und sie im Hotel auch
benützt. Der Siegeszug des kleinen elektrischen Kochtopfes, des
Tauchsieders (für Anwärmung des Rasierwassers), des Heiz-
kissens, des Bügeleisens, des Ventilators, des Brennscheren-
wärmers usw. ist nicht aufzuhalten. Deshalb möchte ich heute
dem Hotelbesitzer raten, gute Miene zum bösen Spiel zu machen
und die für derartige elektrische Reiseapparate bestimmte

Steckdose, die man vielfach aus den Hotelzimmern entfernt
        <pb n="468" />
        168

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

hatte, nunmehr freiwillig unter die zur Behaglichkeit des Gastes
notwendigen „wichtigen Kleinigkeiten‘ aufzunehmen. Er kann
das heutzutage auch, ohne sich selbst zu schädigen, denn neben
den Kleinapparaten hat die Elektrotechnische Industrie auch
zwei Schutzapparate erzeugt, nämlich den Elektrizitätszähler
und den Elektrizitätsselbstverkäufer. Der Zähler ist ein
Apparat, der den verbrauchten Strom in jedem Zimmer genau
registriert und den Hotelier also in die Lage versetzt, den
Stromverbrauch dem Gast auf Rechnung zu setzen. Der Zähler
wird heute in einfacher, unverwüstlicher und leichter Gestalt
auf den Markt gebracht und der Preis ist so niedrig geworden,
daß die Anschaffung sehr wohl erwogen und durchgeführt
werden kann. Für Hotelbetriebe weniger praktisch erscheint
mir der Elektrizitätsselbstverkäufer. Es ist eine Art Automat
für Münzen-Einwurf, der selbsttätig funktioniert und dem Gast
gegen den Münzeneinwurf Strom liefert. Zwei Arten gibt es:
den Pauschalautomat, der nach dem Münzeneinwurf für den
ganzen Tag Strom liefert, und den Münzzähler, der nur so viel
Strom hergibt, wie dem gezahlten Betrag entspricht.

Für eine ausführlichere Besprechung dieser Apparate fehlt
leider der Raum. Interessenten können sich mit Leichtigkeit bei
den einschlägigen Fabriken und Händlern orientieren. Es sollte
lediglich darauf hingewiesen werden, daß der Hotelbesitzer
wohl besser tut, wenn er dem Zuge der Zeit folgt und dem Gast
die Möglichkeit verschafft, sich seiner mitgeführten elektrischen
Reiseapparate ungeniert zu bedienen. Der vernünftige, einsichts-
volle Gast wird es als selbstverständlich betrachten, daß er den
verbrauchten Strom zu bezahlen hat, und der unvernünftige —
dem war bisher nichts recht zu machen und es wird ihm auch
in Zukunft nichts recht zu machen sein. Ein gesunder Hotel-
betrieb darf aber nicht auf die Wünsche und Ansichten der
kleinen Minderheit der unvernünftigen Gäste zugeschnitten
werden. Gibt man dem Gast die Steckdose, dann tut man gut,
auch einen kleinen Tisch mit nicht empfindlicher, also
unpolierter Platte bereitzustellen, worauf der Gast oder die
Gastin mit den elektrischen Apparaten ungeniert hantieren und
auch ihre Blusen usw. ausbügeln kann.

Der vorwärtsdrängende Geist, der in jedem tüchtigen Hotelier
fest verankert liegt, hat dahin geführt, daß man jetzt sogar in
kleinen und kleinsten Provinzhotels fließendes kaltes und
heißes Wasser findet. Die Anlage dafür wurde in den letzten
        <pb n="469" />
        WICHTIGE KLEINIGKEITEN IM HOTELZIMMER SIND GUTE WERBEHELFER 469
acht Jahren mit fast fieberhaftem Eifer eingebaut. Ob damit
dem Hotel selbst und auch den Gästen auch wirklich immer
gedient wurde, ist eine andere Frage. Da infolge des Geld-
mangels bei der Installation oft über Gebühr gespart wurde, so
haben sich sehr rasch empfindliche Schäden eingestellt, die in
manchen Hotels schon zu bösen Sorgenkindern wurden.

Entweder stellen sich oft genug Störungen im Betrieb ein,
die unangenehm und für die Gäste belästigend sind, oder die
Wasseranlage, der die Bauweise des alten Hauses nicht günstig
war, hat allerlei Mucken und Launen, insbesondere die der
belästigenden Geräusche zu unrechter Zeit, oder Rohrleitungen
und Waschtoiletten sind von geringster Qualität gewählt worden
und beweisen dies im Gebrauch durch ununterbrochene
Reparaturbedürftigkeit.
Ist aus diesen Gründen die Heißwasseranlage schon mit
keiner ungetrübten Freude zu genießen, so hat sie noch einen
anderen Übelstand mit sich gebracht, den der Gast sehr störend
empfindet. Es ist die Unmöglichkeit, ohne Gliederverrenkungen
ein Fußbad zu nehmen, beziehungsweise in der Sommerfrische
nach ermüdenden Spaziergängen die Füße zu pflegen. Eine
Beschreibung der technischen Schwierigkeiten des Fußbades
bei Warmwassereinrichtung ist wohl überflüssig, denn jeder
Leser hat das sicher schon selbst erlebt. Deshalb sollte in keinem
gepflegten Hotelzimmer ein Becken fehlen, das dem Gast ohne
turnerische Leistungen die Fußpflege ermöglicht,

Vielleicht ließe sich das in Kombination mit einem anderen
Apparat schaffen, der ebenfalls wichtig ist und doch in den
meisten Hotelzimmern durch Abwesenheit glänzt. Ich meine
das Bidet. Dieses, beziehungsweise das Becken dazu, ließe sich
wohl so konstruieren, daß es, aus dem Gestell genommen und
auf die Erde gestellt, sehr gut auch als Fußbadewanne dienen
könnte. Die einschlägigen Fabriken sind hiermit eingeladen,
über diese Anregung nachzudenken, Sie nützen sich selbst, wenn
sie praktische und preiswerte Geschirre auf den Markt bringen,
entweder nur Fußbadewanne für Räume mit fließendem
Wasser. oder eine Kombination von Bidet und Fußbadewanne.

Dabei will ich an eine originelle Tatsache erinnern. Jahrelang
hat man die Abflußhähne für das kalte und heiße Wasser so
über, beziehungsweise in das Becken hineinmontiert, daß es für
den Gast absolut unmöglich war, das Gesicht oder den Kopf in
        <pb n="470" />
        470

DAS HOTEL UND GASTGEWERBE

das Becken zu tauchen (Augenbad, Nasendusche). Versuchte
man es, dann holte man sich bombensicher eine Beule an den
Wasserhähnen. Neuerdings konstruiert man — es hat ein wenig
lange gedauert — den Wasserausfluß so, daß ein einziges hohes,
gebogenes Rohr, das auf die Seite gedreht werden kann, sowohl
kaltes als heißes Wasser spendet. Man sieht, es geht alles, wenn
nur der gute Wille da ist.

Meine nun folgende Anregung gilt hauptsächlich für Hotels
in Kur- und Badeorten sowie Sommerfrischen. Diese haben,
erfreulicherweise, sehr oft schöne und geräumige Balkons. Man
verkündet das auch voll Stolz in den Werbeschriften.
Verwunderlich ist, daß aber die wenigsten dieser Hotels bisher
daran gedacht haben, ihren Gästen auch die ungetrübte und
behagliche Benützung dieser Balkone oder Veranden zu
ermöglichen. Wenn man erholungsbedürftige Menschen auf-
nimmt, so müßte man ihnen auch die Möglichkeit verschaffen,
bequem und behaglich nicht nur auf dem eigenen Balkon zu
sitzen, sondern auch zu liegen. Ein oder zwei wirklich bequeme
Korbsessel, an Stelle der jetzt üblichen harten, eisernen Garten-
stühle, dürften also niemals fehlen, noch weniger aber dürfte
der Liegestuhl fehlen. Man könnte ja, wie es in den meisten
Sanatorien geschieht, eine Leihgebühr dafür erheben, die der
Gast gern bezahlen wird. Nur müßten die Liegestühle auch
vorhanden sein. Man informiere sich einmal bei den Ärzten in
bestimmten Kurorten und Sanatorien über die ausgezeichneten
Wirkungen, die durch systematisch durchgeführte Liegekuren
erzielt werden. Es ist staunenswert. In Davos, in St. Blasien usw.
gehört die Liegekur zum Hauptteil der Heilmittel. Nun überlege
man sich, wie vorteilhaft es für jedes Saisonhotel sein müßte,
wenn die Gäste gestärkt und wie neugeboren abreisen können,
weil sie alle von der Natur gebotenen Vorteile, also auch die
Liegekur, ausnützen durften. Das wäre eine Werbung, wie sie
wirkungsvoller nicht auszudenken wäre. Man darf nie ver-
gessen: der zufriedene Gast ist der treueste und zuverlässigste
Werber für das Hotel.

Noch eins. Sowohl im Stadthotel als auch im Saisonhotel
sollte jeder Gast mindestens einen wirklich bequemen Sessel im
Zimmer finden. Es erhöht die Behaglichkeit und weckt die
Zufriedenheit. Sie wird noch mehr gefördert durch einen Diwan,
auf dem der Gast auch tatsächlich liegen kann. Mit jenen
sonderbaren Chaiselongues, die halb Sessel und halb Liegesofa
        <pb n="471" />
        NICHT STÖREN
DO NOTDISIURB

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6. Telephon
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ai-Anlage

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Mienar IYılel »

Gleich neben der Eingangstüre fand ich einen interessanten Apparat
Haustelephon stand darüber.

„Nicht stören — Do not disturb.“ Das Plakat wird um den Hals

nehänat. wenn meine liebe Frau Eulalia gardinenpredigen will.
        <pb n="472" />
        Dann öffnete ich die Türe zum eingebauten Wandschrank
Was war da alles zu finden!
        <pb n="473" />
        WICHTIGE KLEINIGKEITEN IM HOTELZIMMER SIND GUTE WERBEHELFER 473
sind, worauf man aber weder richtig sitzen noch liegen kann,
sollte allmählich aufgeräumt werden.

In den folgenden Zeilen erzähle ich von wichtigen Kleinig-
keiten, die ich in einem bekannten deutschen Hotel „fest-
genagelt‘“ habe, und denen man auch schon in manch anderem
gepflegten Hotel begegnet. Absichtlich gebe ich diesem Teil eine
besondere Note, weil ich damit zugleich einen werbetechnischen
Wink geben will. Es ist außerordentlich schwer, aufklärende
Notizen oder Artikel aus Hotelbetrieben in die Presse zu
lancieren. Namentlich gewisse Tageszeitungen nehmen dem
Hotelgewerbe gegenüber, leider, eine merkwürdig ablehnende
Haltung ein, und sie ändern diese Haltung meistens nur dann,
wenn es gilt, abfällige Kritiken über oft nur eingebildete Miß-
stände in Hotels zu veröffentlichen. Wählt man aber die Form
einer harmlosen, heiteren, humorvollen Plauderei, wie ich im
nachstehenden zeige, so sind die Unterbringungsmöglichkeiten
wesentlich größer. Natürlich muß auch der Reklamecharakter
tunlichst vermieden werden. Der kleinen Musterplauderei habe
ich die Form eines Scherzes gegeben. Unterstützen kann man die
Wirkung durch Beigabe von passenden Abbildungen, wie meine
Muster zeigen, denn wir leben im Zeitalter des Bildes, das
Vielfach schon das Wort ersetzt. Als Titel wähle ich:

WASMANINEINEM HOTELZIMMER FINDEN KANN
Kürzlich mußte ich mich mal wieder in meinen Konfir-
mationsanzug werfen. Es galt, einem Geburtstagskind Glück zu
wünschen. Zum 50. Geburtstag. Geburtstagskind — wenn man
einen Fünfzigjährigen als Kind apostrophieren darf? — war
das weltbekannte Hotel Frankfurter Hof in Frankfurt a. M.
Nachdem ich vor Herrn Generaldirektor Georges Gottlob mein
Gedichtchen aufgesagt hatte, wurde ich in einen vornehmen
Salon geführt, worin ich als Gast ein paar Tage wohnen sollte.
Neugierig sah ich mich in dem schönen Zimmer um.

Gleich neben der Eingangstüre fand ich einen interessanten
Apparat. Haustelephon stand darüber. Flugs drückte ich auf
den obersten Knopf und lauschte. „Hier Zimmerkellner“, sagte
eine männliche Stimme. „Tag, Aujust“, sagte ich zurück. „Hast
du dir aber verändert.“ „Wer sind Sie denn?“ fragte es ver-
blüfft. „Das möchtest du wohl gerne wissen?‘ lachte ich und
hängte das Hörrohr an.
        <pb n="474" />
        HA

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Da fand ich ein rundes Kärtchen neben dem Telephon.
„Nicht stören! Do not disturb!‘“ stand darauf. Das Plakat soll
ich vor meine Zimmertür hängen, damit niemand mich mit
einer unbezahlten Rechnung stören kann. Gerührt schob ich
das Kärtchen in meine Hosentasche. Das Plakat wird um den
Hals gehängt, wenn meine liebe Frau Eulalia gardinenpredigen
will.

Nun sah ich mich weiter im Zimmer um. Guck! Auf dem
Nachtkastel am Bett stand nochmals ein Telephon. Hm, dachte
ich. Großartig. Ein Ferntelephon. Wenn ich, faul im Bett
liegend, in die Ferne schweifen will. Aber ich will nicht. Bleibe
lieber in der Nähe. Hier ist es schöner als in der schönsten
Ferne.

Aber was ist das? Ebenfalls auf dem Nachtkastel. Ein kleines
Apparätchen mit einem roten Druckknopf. „Mädchen-Maid“
steht darauf. Hm! Hm! Wenn du jetzt darauf drückst, dann
kommt — — ach nein, lieber nicht. Wenn das meine liebe Frau
erfährt.

An der vornehmen Waschtoilette entdeckte ich fließendes
heißes, kaltes und eiskaltes Wasser. Jawohl, für so verwöhnte
Prinzen wie ich gibt es hier sogar fortlaufend fortlaufendes
Eiswasser zum Trinken und kaltem Punschmachen. Entzückt
ließ ich es fortlaufend laufen. Dort lag auch duftend und ein-
ladend ein neues Stück Seife. Gerührt schob ich es in meine
Hosentasche. Dann öffnete ich die Tür zum eingebauten Wand-
schrank. Was war da alles zu finden! Zunächst ein Abreißblock
mit vorgedruckten Wäschezetteln. Gibt es denn wirklich so viel
Wäsche, wie es auf diesem Zettel gibt? Sogar „bibes‘“ und
„bavettes‘ stehen darauf. Woher soll ich wohl „Schlaberlätz-
chen“ nehmen? Ich beschlabere mich schon seit 50 Jahren nicht
mehr, wenn ich nichts zum beschlabern habe. Furchtbar un-
praktisch sind diese Wäschezettel. Auf beiden Seiten bedruckt.
Denn dummen Block ließ ich hängen. Man kann nicht den
kleinsten Liebesbrief auf diese so ungeschickt bedruckten
Zettel schreiben.

Was dommt denn da? Ein wunderschöner großer Leinensack.
Aha, ein Wäschebeutel. In Weiß und Rot draufgestickt: „Frank-
furter Hof“! Aber da fehlt doch was! Ist das eine Bummelei.
„Zum Andenken an den Frankfurter Hof‘ müßte es heißen.
Ärgerlich schob ich den Beutel in meine Hosentasche. Meine
liebe Frau Eulalia würde sich noch viel herzlicher über das
        <pb n="475" />
        schielte noch einmal nach dem roten Druckknopf mit der Aufschrift
„Mädchen— Maid“.
        <pb n="476" />
        FRANKFURTER HOF
FRANKFURT AM MAIN

{ft das Bett Ihren Wünfchen ent-
(prechend aufgemacht?‘ Wenn nicht
laffen Sie es mich willen; ich‘ bringe
ihnen Keilkiffen oder Kopfrolle, Woll-
oder Roßhaar-Matratze. Sie [ollen fich
bei uns wie zu Haufe fühlen.

Is the bed made up to your re-
quirements? If not, please let me know
your wishes. | can bring you either
bolster or wedge. wool mattress or
horsehair mattress. We want to make
you feel at home.

Le lit est-il fait ä votre satisfaction?
Si non. veuillez me faire savoir si vous
desirez rouleau ou traversin. matelas
de Jaine ou de erin. Nous tenons a
rendre votre sejour chez nous confor-
table.

ie .‚Bettkarte“, die dem Gast in anschaulicher Weise erzählt, daß er seine Wünsche bezüglich
des Bettes dem Zimmermädchen ungeniert unterbreiten möge
        <pb n="477" />
        WICHTIGE KLEINIGKEITEN IM HOTELZIMMER SIND GUTE WERBEHELFER 477
schöne Mitgebringe freuen, wenn „zum Andenken an — —
draufstehen würde.

Was ist denn jetzt dös? Noch ein ganzes Regiment Beutel,
jedoch aus Papier. Mit einem dreisprachigen Aufdruck. Hm!
Hygienische Beutel für — —|!

Aber ich verrate nur den englischen Text: Bag for hygienic
bandages. After use, leave in toilet or bedroom commode. The
maid — schon wieder dieses Mädchen-Maid — is instructed to
remove bages. Dummheit! Warum soll das Mädchen diese
schönen, nützlichen Beutel erst nach dem Gebrauch entfernen?
Das kann ich ebenfalls, dachte ich und stopfte alle Beutel
gerührt in meine Hosentasche. Man kann sie wunderschön als
Frühstücksbeutel benutzen.

Was finde ich nun? Auf dem runden Tisch eine gläserne
Aschenschale und ein Paketchen Jupiterstreichhölzer. Andächtig
schob ich den alten heidnischen Gott, der sich in Streichhölzer
verwandelt hat, in meine Hosentasche. Dann guckte ich in den
Schreibtisch. Wie lieb! Darin fand ich sehr schönes Briefpapier
mit passenden Umschlägen. Für mich sehr passend. Dann
wunderschöne Ansichtskarten. Ganz meine Ansicht. Gerührt
stopfte ich alles in meine Hosentasche.

Auf der Spiegelkonsole lag ein richtiggehendes Nadelkissen.
Darauf fand ich: eine schwarze und eine weiße Sicherheitsnadel,
zwei eingefädelte Nähnadeln, eine mit weißem, die andere mit
schwarzem Zwirn, ein halbes Dutzend Stecknadeln, einen
schwarzen und einen weißen Knopf, for the trousers, denn Hose
darf ich, wie mir leider zu spät einfällt, in Deutschland nicht
sagen. Gerührt stopfte ich die Nadeln in meine Trouserstasche,
nahm die Knöpfe und den Zwirn und nähte sie eifrig neben
meine schon vorhandenen Knöpfe. Ein altes Sprichwort sagt
doch: doppelt genäht hält besser. Darauf legte ich mich in mein
fürstliches Bett, schielte noch einmal nach dem roten Druck-
knopf mit der Aufschrift „Mädchen-Maid‘“ und schlief gleich

darauf so wundervoll, wie man nur schlafen kann, wenn man
ein reines. frischgebügeltes Gewissen hat.

Den Schluß meiner Anregungen soll die Schilderung einer
Idee geben, die ich im Hotel Bristol in Berlin und im Hotel
Frankfurter Hof in Frankfurt a. M. verwirklicht fand. Es ist
        <pb n="478" />
        ‚78

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
die „Bettkarte‘, die dem Gast in anschaulicher Weise erzählt,
daß er seine Wünsche bezüglich des Bettes dem Zimmer-
mädchen ungeniert unterbreiten möge. Ganz gleich, in welcher
Richtung die Wünsche sich bewegen: ob er das steile Keilkissen
entfernt haben möchte, ob er noch mehr Daunenkopfkissen
wünscht, ob er an Stelle der Daunenkissen ein Roßhaarkissen
oder eine Roßhaarrolle haben: möchte, ob sein Begehr nach
einem großen Federdeckbett geht usw., es wird dem Gast
prompte Erfüllung zugesagt. Die Skizzen oder Photos auf
dieser Bettkarte unterstützen die Anschaulichkeit des knappen
Textes, wovon man sich bei meinem Musterbeispiel über-
zeugen kann. Tatsächlich ist es außerordentlich wichtig, daß
der Gast sein gewohntes ‚„Nachtlager‘“ auch auf der Reise
beziehungsweise im Hotel wieder findet. Das erhöht ganz
wesentlich die Annehmlichkeit des Reisens und wird die Reise-
lust ganz sicher anregen und wecken. Es ist so leicht, diese
kleinen Wünsche zu erfüllen.

Auf eines muß ich noch hinweisen: Die oft recht ungeschickte
Aufstellung des Bettes. Für Menschen mit lichtempfindlichen
Augen — es gibt davon mehr, als die Hotelbesitzer ahnen —
ist es geradezu eine Qual, wenn sie vom Bett aus aufs helle
Fenster blicken müssen. Man sollte, wenn es sich irgend ermög-
lichen läßt, das Bett stets so aufstellen, daß es mit dem Kopf-
ende gegen die Fenster steht.

So gibt es mancherlei Kleinigkeiten, ich habe sicher noch
welche vergessen, die durch ihr Vorhandensein die Behaglich-
keit der Gäste erhöhen, die Reiselust aufmuntern und so
indirekt den Umsatz des Hotels erhöhen könnten. Mit ihnen
sollte man auch — und das ist nicht das Unwichtigste — in
geschickter Weise Reklame machen.
        <pb n="479" />
        WERBEPROGRAMM EINES INTERNATION. KURORTES UND SPORTPLATZES 479

69. WERBEPROGRAMM EINES GROSSEN,
INTERNATIONALEN KURORTES UND
SPORTPLATZES
In dem Kapitel über „Aparte, nicht alltägliche Werbemittel“
weise ich darauf hin, wie gerade der schweizerische Kurort und
Sportplatz Davos zufolge seiner charakteristischen „drei Ge-
sichter“ der Reklame ungewöhnliche Aufmerksamkeit widmen
müsse, und daß er aus diesem Grunde, zumal seine gegen-
wärtige Werbung auf der Höhe steht, auch ein guter Lehrmeister
sei. Nachstehend gebe ich deshalb sein Werbeprogramm für
die Jahre 1926—27—28 wieder, denn die Leiter von Kurorten,
Fremdenverkehrsvereinen usw. finden darin manchen nütz-
lichen Fingerzeig und einen guten Wegweiser.

PROPAGANDAPLAN
durchzuführen in den Jahren 1926—1927—1928.
(Parallel mit der Tagespropaganda.)

Grundsätzlich: Klare und ausgesprochene Propagierung des Hoch-
gebirges (Kurortes Davos) als heute immer noch sicherstes und am
schnellsten wirkendes Mittel gegen alle Formen der Tuberkulose,
Betonung der Notwendigkeit, frühe mit der Kur zu beginnen, Be-
kämpfung der Scheu, einzugestehen, daß man lungenkrank ist, und
nach Davos in die Kur zu gehen.

Immer parallel mit dieser Propaganda: Bekämpfung der Angst
vor Davos als Ansteckungsherd. — Statistik der Eingeborenen-
erkrankung an Tuberkulose im Vergleich mit anderen Orten,
Hygienische Vorschriften. Vergleich mit dem Tieflande.

Orte dieser Propaganda: Schweiz, Deutschland. Holland. Tschecho-
slowakei. Jugoslawien. Österreich. Großbritannien,
        <pb n="480" />
        180

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Mittel der Propaganda:

A. Finanzielle: Durch Ausfall von Kongressen
und Ärztekursen während zwei Jahren
würden frei zirka . 0. 0.0.0.0...
Keine neuen Plakate während zwei Jahren
Zuschuß durch den Kurverein. ... ..
Extraleistung des Verkehrsvereins. . .
Totalkredit für zwei Jahre .

12 000 bis 14 000
12000 ,, 14000
10000 ,, 12000
8000 „„ 10000
42 000 ‚, 50000

1. Prospekte:
B. Technische Mittel:

a) Für Kurort: Kleiner Westentaschenprospekt. Mit witzigen
Bildern. Zahl der Tuberkulösen prozentual, Die Furcht vor
der Krankheit. Rasch zum Arzt. Keine Zeit verlieren mit
anderen Mitteln. Sofort nach Davos. Rasch geheilt! Hurra:
Die Tuberkulose ist heilbar.

Massenauflage, Hunderttausende. — Verbreitung in Warte-
zimmern. Durch Tuberkulosekommissionen. Straßenverteilung
in Großstädten?

Gegen Ansteckungsangst: Format ähnlich. Ebenfalls illustriert.
Nicht humoristisch. Oder nur Schluß. Zahl der tuberkulösen
Davoser Eingeborenen. Vergleichszahlen, Knappste Erwähnung
der hygienischen Maßnahmen. Was geschieht an anderen
Orten? Also nach Davos, da ist man am sichersten. Auf-
lage: 20 000. Beilage an alle Sendungen der Verkehrsvereine.
Der Hotelier. Abgabe an Reisebureaus usw.
Kredit: 5000.—
2. Inserate:
a) Kurort: Knapp gefaßtes Illustrationsinserat,
1. Beispiel: Bild: schmerzgekrümmter Hustender.
Text: Freund! In Davos
Wirst Du Husten und Leiden los!
2. Beispiel: Bild: Einer der schleunigst in eine Bergeisenbahn

steigt.

Sind’s die Augen geh’ zu Ruhnke.

Ist’s die Lunge nach Davos.

Fährst Du früh genug zu Berge

Heilt die Krankheit zweifellos.

b) Gegen Ansteckungsangst:

1. Inserat in den führenden Zeitungen der Schweiz und Hotel-
revue gegen die Inseratenphrase: „Lungenkranke werden
nicht aufgenommen.“ (8000)

2. Inserat:

100 000 Franken demjenigen,
der nachweisen kann, daß in Davos mehr Ansteckungen an
Tuberkulose vorkommen, als durchschnittlich in anderen
schweizerischen Ortschaften.
        <pb n="481" />
        WERBEPROGRAMM EINES INTERNATION. KURORTES UND SPORTPLATZES 481

Unter ... in Davos geborenen und aufgewachsenen Personen
erkrankten anno ... soundsoviel. In Zürich ..., in Berlin ...
‘immer auf 100 Einwohner berechnet), (2000).

Eventuell für Kurortinserat, Veranstaltung eines Wettbe-
werbes unter fünf eingeladenen Graphikern.,

Kredit: 10 000.—
3. Schaufensterpropaganda:
Kurort: Kurbilder. Einzelphotos und Serienbilder, vorgeführt
in kleinen automatischen Leuchtbildkassetten. (Anschaffung
solcher.) Sujets: Lage von Davos. Sonnenkuren. Pro Juventute.
Kinderheime. Sanatorien, Pensionen. (Kleine Entschädigung
durch die Häuser, deren Bilder gezeigt werden.)

Panorama von Davos. Unten Meeresspiegel, Großstadt in der
Niederung. Rauch, Staub, Dampf, schlechte Verdunstung. Ver-
siegung der ultravioletten Strahlen. Dann gewöhnliche Wolken-
höhe. Darüber Davos. Bergsonne. Strahlung. Lage vom Hochtal,
Lage der Sanatorien. Im Vordergrund kleines Modell einer
Musterheilstätte. ;

Sport-Ort: Gemälde. Photos. Skikarte, Panorama im Sommer.
[m Winter mit Skitoureneinzeichnung. — Vordergrund eventuell
Eisbahn. Mit Figürlein. Bobfahrer, Curlingbilder, Skischanze,
Skijöring. Schlittenpartie.
Vorangehend „Organisation der Schaufenster“.
Kredit: 70 000.—
4. Pressepropaganda:
Allgemeine Gründung eines Pressevereins oder Klubs. Jeder, der
Ausweis einer Zeitung bringt, ist unentgeltliches Mitglied. Trachten
und Suchen nach geeigneten Vertretern. Einräumung eines Presse-
zimmers. Aufliegend alle Informationsmittel über Davos. Alle
aktuellen Auskünfte. Schreibmaschine. Papier. Einladung der Mit-
glieder zu Ärztevereinssitzungen bei Behandlung von Themen. die
allgemein propagandistischen Wert haben.

a) Kurort: Bestellung einer dreigliederigen Pressekommission. Jähr-
lich mindestens 10 Sitzungen. Aufgabe: Beschaffung des
journalistischen Rohmaterials, Vorschläge und sachliche Angaben
für Artikel und “illustrierende Zeichnungen. Bedienung der
Tages- und Unterhaltungspresse mit illustrierten Artikeln auch
gegen die Ansteckungsgefahr.

Beschaffung von aktuellen Sportzeichnungen und Klischees für
Rotationsdruck und die Unterhaltungspresse.
Kredit: 5000.—

bh}

5. Vortrag.
(5., 6. und 7. stehen im inneren Zusammenhang.) Beschaffung des
Wort- und Bildmaterials für einen möglichst umfassenden, packen-
den. auch künstlerisch interessierenden Vortragsabend. 1% Stunden,
        <pb n="482" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

— Thema: Davos, die Landschaft, der Heil-, der Sportort. Mittel:
Vortrag, Vorlesung, Diapositiv (farbig und schwarzweiß) Film.
(Nur Vortrag) Kredit: 500.—.

BB. Roman:
(Erzählung, Novelle, Tagebuchform.) Stimmungsstarke Schil-
derung von dem Positiven, das Davos bietet. Heilwerk, Landschaft,
Sportort. Eine knappe, lebendige Handlung muß das Gerüst abgeben
für Film. Die Vorlesungen einzelner Partien an dem Vortragsabend
soll den Vortragsabend (5) beleben. Herausgabe des Buches durch
deutschen Verlag. Auftrag an einen Schriftsteller, — Jury. Abnahme
and Vertrieb von .... Exemplaren.

Kredit: 5000.—.
7. Film:
Querschnitt durch Davos, sein Heilwerk und Sportbetrieb. Auch
gezeigt an knapper, fesselnder Handlung. (Sommer und Winter.)
Kredit: 70 000.—.
Totalkredit: 45 000.—.
        <pb n="483" />
        ARBEITSPROGRAMM EINES KURWERBEFACHMANNES 48

70. ARBEITSPROGRAMM EINES KURORT-
WERBEFACHMANNES
Der Kurkommissar eines Badeortes von Weltruf, für den eine
zielbewußte und internationale, zugleich aber auch vornehm
aufgezogene Werbung und Reklame Lebensnotwendigkeit ist,
war so liebenswürdig, mir ein Arbeitsprogramm zur Verfügung
zu stellen. Es ist der Kurkommissar von Baden-Baden, Herr
Hanns Gottfr. Duschl, ein geschulter Werbefachmann, der sich
schon vielseitig bewährt hat. Sein Programm ist ein Schul-
beispiel und liefert Anregungen in Hülle und Fülle. Es ist die
interessante Ergänzung zu einer großen Anzahl der voraus-
gegangenen Kapitel und es stellt den Leser mit einem Schlage
mitten in die praktische Wirklichkeit der höheren Werbe- und
Reklamekunst. Das Arbeitsprogramm zerfällt in:

A. Wissenschaftliches Werben
[. Versand von medizinisch-wissenschaftlichen Werbeschriften direkt an
Ärzte oder Interessenten.

II. Anzeigen in medizinischen Fachblättern.

IL. Aufsätze über das Indikationsgebiet und die therapeutische Wirkung
der Badekur, statistische und spezielle Abhandlungen über die Heil-
erfolge in den zur Insertion herangezogenen Fachblättern.

IV. Werbemaßnahmen bei: Ärztekongressen.

R. Allgemeines Werben.

L

Versand von Prospektmaterial an Dampferlinien, Hotels,
bureaus und sonstige Interessenten des In- und Auslandes:
a) Führer,
&gt;) Flugblätter mit Illustrationen,
-  Unterkunfts- und Ärzteverzeichnisse,
Saisonprogramme,
Fahrplan eventuell mit Saisonkalender
Badeblatt (an besondere Interessenten)

deutsch und
fremdsprachlich

Verkehrs-
        <pb n="484" />
        184

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

II. Anzeigerreklame:

a) in der Tagespresse,

b) in illustrierten Zeitschriften, | des In. und Auslandes

c) in Führern, Badeblättern usw.

[II. Plakatreklame:

a) Plakatierung in Großstädten,

b) Plakataushang in Hotels, Bahnhöfen, Verkehrsbureaus (auch
große Photographien) usw. des In- und Auslandes,
Eisenbahnreklame in den großen internationalen Schnellzügen
und Streckenreklame besonders an den Grenzpunkten.

[V. Journalistische Reklame:
a) Feuilletons in Tagesblättern (In- und Ausland):
I. Allgemeines,
2, Sportberichte,
3. Novellen und Stimmungsbilder,
4. Theaterkritiken;
illustrierte Artikel in Zeitschriften (In- und Ausland):
L. Allgemeines,
2. Sport und Mode,
3. Theater und sonstiges;
c) Romane oder Novellensammlungen in Buchform.
V. Film-Reklame:
a) Werbefilm:
1. auf Dampfern,
2. in Kinos;
b) Romanfilm.
VI. Poststempel-Reklame und sonstiges.

Zusammenstellung des Etats.
A. Wissenschaftliches Werben
[., Druckschriften und deren
Versand . 2.0.0.0...
Anzeigen in medizinischen
Fachblättern . 4 4
III. Aufsätze
B. Allgemeines Werben:
I. Prospektmaterial
II. Anzeigenreklame
a) in der Tagespresse
b) illustrierte Blätier. .
c) in Führern, Badeblättern
und so weiter. . .
III. Plakatreklame
a) Plakatierung in Groß.
städten . .

B
M artk

CC

500.— 500.— 1.000.—
300.— 300.— 500.—

2.000.— 1.000.— 1.000.—
10.000.— 12.000.— 7.500.—
10.000.— 7.500.— 12.000.—
1.000.— 1.000.—

2.000. — 5.000. — 5.000.—
        <pb n="485" />
        ARBEITSPROGRAMM EINES KURWERBEFACHMANNES 485

b) Plakataushang . .
c) Eisenbahnreklame .
IV. Journalistische Reklame
{Spesen und Auslagen) .
V. Film-Reklame . . -. “+
VI. Verschiedenes und Reserven
C. Verwaltungskosten . - -

B
M ar k
500.— 500,—
— ——  15.000.—

D

100.—

1.500 —. ni

—— 2.500.— ——
6.000.— 3.000.— 5.000.-—
7 500.— ——
Die Summen unter A würden als Reklameausgaben anzusehen
sein, die in allererster Linie in Betracht kommen. Die Gruppen
B und C des Etats stellen Erweiterungsmöglichkeiten dar. Als
Reserven sind jeweils 10% in Anrechnung gebracht worden.
Gliederung des Werbearchivs.
A. Originale.
1. Zeichnungen: 4
a) Werbeentwürfe,
b) Hlustrationen,
c) Sonstige;
2. Photographien:
a) Allgemeine örtliche,
b) Allgemeine Umgebung,
c) Veranstaltungen,
d, Sport,
e) Rennen; ’
Originalschriften (Manuskripte).

| nach Jahrgängen geordnet.

B. Reproduktionen.
|. Zeitungsausschnitte:
a) Tageszeitungen,
b) Illustrierte Blätter;
2, Werbeschriften:
a) Illustrierte,
b) Nichtillustrierte;
3. Plakate;
4. Anzeigen:
a) in Tagesblättern,
b) in illustrierten Blättern,
c) in medizinischen Fachblättern, )

nach Jahrgängen geordnet.

C. Druckstöcke.
a) Zinkos,

b) Autotypien,

c) Matern,

”  Stereotypien,
Galvanos.

mit numeriertem Verzeichnis.
        <pb n="486" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
D. Druckschriften anderer Badeorte.
E. Fachbibliothek.

Den Schluß möge das Muster des Begleitbriefes sowie des
Drucksachen-Umschlages machen, das Kurkommissar Duschl
seinen Notizen usw. an die Presse beifügt beziehungsweise für
den Versand von Drucksachen verwendet. Bei der Werbearbeit
ist selbst die kleinste Kleinigkeit nicht nebensächlich und nicht
gleichgültig. Je geschickter die Aufmachung, desto größer die
Aussicht auf den erhofften Erfolg beim Empfänger.

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        <pb n="487" />
        ARBEITSPROGRAMM EINES KURWERBEFACHMANNES 487

Städtisches Nachrichtenamt
Baden-Baden
Augustaplatz 1.

Abt. Eilnachrichtendienst für die Tagespresse.

Sehr geehrter Herr Redakteur!

Wir gestatten uns, Ihnen die beifolgende Notiz zu
überreichen und bitten, ihr in den Spalten Ihrer Zeitung
Raum geben zu wollen. Die Notiz dürfte zweifellos einen
großen Teil der Leser Ihres geschätzten Blattes interes-
sieren. Wir stellen Ihnen gern größere, modern und flott
geschriebene Artikel über das sportliche und mondäne
Leben des Weltbades Baden-Baden (auf Wunsch Original-
berichte) zur Verfügung.

Wir bitten um 5 Belegexemplare
Ihrer Veröffentlichungen über Baden-Baden gegen Be-
rechnung.
Mit kollegialer Wertschätzung
ergebenst
Städtisches Nachrichtenamt

NB. Die Herren Redakteure, die nach Baden-Baden kommen, werden höflichst gebeten, auf
dem Nachrichtenamt vorsprechen zu wollen, damit ihnen neben den üblichen Informationen die weit-
gehenden Vergünstigungen der Presseverfreter und deren Ehefrauen zuteil werden können, Auch
stehen ihnen Schreibkräfte für ihre Berichterstattung unentgeltlich zur Verfügung.

Muster eines Begleitbriefes.
        <pb n="488" />
        +88

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

71. DER KURDIREKTOR

Von eminenter Wichtigkeit erscheint es mir, daß die Ver-
treter des Hotel-, Fremdenheim- und Gastgewerbes auf die
Wahl der Person eines Kurdirektors oder Kurkommissars oder
Verkehrsdirektors, oder wie man diese wichtige Persönlichkeit
nennen will, entscheidenden Einfluß haben. Ja, ich gehe noch
weiter! Diese Damen und Herren sollten, im eigenen wie im
allgemeinen Interesse, darauf dringen, daß der Leiter der ört-
lichen Verkehrsangelegenheiten und der heutzutage mehr denn
je wichtigen Reklame entweder aus den Reihen der Werbe-
fachmänner oder aus dem Hotelgewerbe selbst genommen
wird. Unter den Hotelfachleuten gibt es eine große Auswahl von
Männern, die für einen solchen Posten prädestiniert sind. Sie
haben die nötigen Sach- und Fachkenntnisse. Sie besitzen die
erforderliche Welterfahrung und Menschenkenntnis, die uner-
Jäßlich sind, wenn der Posten gut verwaltet werden soll. Sie sind
weit herumgekommen in der Welt. Sie hatten durch ihren
Beruf Gelegenheit, die Einrichtungen und Verhältnisse zahl-
reicher Fremdenzentren, Kur- und Badeorte des In- und Aus-
landes an Ort und Stelle zu studieren. Sie sprechen die Welt-
sprachen, deren Kenntnis in allen derartigen Stellungen nicht
nur nützlich, sondern auch nötig ist. Sie sind die geborenen
Vermittler zwischen den beiden Interessenten, deren Interessen-
wahrung ihnen anvertraut ist: den fremden Gästen und der
einheimischen Bevölkerung. Denn es ist falsch, zu glauben, daß
der Kurdirektor — ich will der Einfachheit halber bei dieser
Bezeichnung bleiben — nur die Belange der örtlichen Verkehrs-
interessenten vertreten und schützen dürfe. Tut er das, dann
faßt er seine Aufgabe grundfalsch auf und gehört nicht an
diesen Posten. Der Kurdirektor kann seinem Ort unendlich viel
nützen, wenn er sich recht nachdrücklich für die berechtigten
Interessen der fremden Gäste einsetzt. Nur dann kann der Ort
blühen und gedeihen — wie es poetisch in festlichen Ansprachen
        <pb n="489" />
        DER KURDIREKTOR

189

heißt — wenn die Fremden sich so wohl fühlen, daß sie nicht
nur selbst immer wiederkommen, sondern auch recht viele
Freunde schicken. Mit der Psyche des Gastes ist es ein kurioses
Ding. Viele ahnen gar nicht, wie dankbar der fremde Besucher
ist, wenn er bei der Stelle, die dafür da ist, Verständnis für seine
kleinen und großen Wünsche und — — — Beschwerden findet.
Wenn man in ihm das Gefühl weckt, daß er gern gesehen ist,
daß man auf seinen Besuch Wert legt und daß man ihn
zufrieden mit und glücklich über seinen Erholungs- oder Kur-
aufenthalt zu sehen wünscht. Das sind Imponderabilien, von
denen aber ungeheuer viel abhängen kann.

Damit ist also gesagt, daß derjenige sehr viel natürlichen Takt
haben muß, der die Geschicke eines Fremdenplatzes mit
Geschick leiten will. Wo aber wird tagein tagaus eine wahre
Überfülle an Takt beansprucht? Im Hotelgewerbe! Das weiß
jeder, der einmal mit offenen Augen in einen solchen Betrieb
hineinschaute. Es ist bedauerlich, daß das reiche Menschen-
material, das dieses Gewerbe zu liefern imstande wäre, für die
Pflege der Fremdenverkehrsinteressen seither so wenig aus-
genützt wurde!

Aber auch in den Reihen der zünftigen Werbefachleute —
denen ich ein besonderes Kapitel gewidmet habe — gibt es
genug Männer von Berufs- und Welterfahrung, die für den
Posten des Kurdirektors geeignet und ihm gewachsen sein
würden. Denn bei der schwierigen wirtschaftlichen Lage, der
scharfen Konkurrenz des In- und Auslandes braucht heute jede
Fremdenverkehrsstadt, jeder Kurort einen „Werbeanwalt‘“.
Dieser Werbeanwalt sollte der Verkehrsdirektor oder Kur-
direktor sein. Leider ist er das nicht immer, wie die Praxis fast
täglich an den bei der Werbung gemachten Fehlern zeigt.
Deshalb müßten seine Wahl, seine Anstellung und später seine

ganze Tätigkeit ausschließlich nur von dem Gesichtspunkt
beherrscht sein: Werbung! Werbung und nochmals Werbung!
Werbung von Gästen. Werbung von Sympathien. Werbung
von Freunden des Ortes, die dann wieder zu freiwilligen begei-
sterten Werbern werden. In der Werbetätigkeit liegt die Kraft
und die Macht des Kurdirektors oder Kurkommissars oder Ver-
Kehrsdirektors. Nur wenn er sich selbst in erster Linie als
Werbeanwalt seiner Auftraggeber und Wähler fühlt, steht der
rechte Mann am rechten Platz. Bei der Wahl oder Anstellung
dieses wichtigen Anwaltes für die Werbung auf dem Gebiete
        <pb n="490" />
        +90

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

des Fremdenverkehrs muß deshalb ganz besondere Vorsicht
walten. Nur der beste ist der richtige Mann!

In dem Abschnitt „Verhängnisvolle Wettbewerbe und Preis-
ausschreiben“ schildere ich an Beispielen aus der Praxis, wie
man Preisaüsschreiben nicht veranstalten soll. Diese lehrreichen
Beispiele empfehle ich nachdenklicher Beachtung überall da,
wo die Anstellung eines Kurdirektors oder Verkehrsbureau-
Jleiters zur Debatte steht. Es zeigt, wie ungeschickter blinder
Eifer einem Kurorte ganz ungeheueren Schaden zufügen kann.

Schauen wir uns ein wenig in der Welt um. Man hat die
Verkehrswerbung in fast allen europäischen Reiseländern auf
große Höhe gebracht und handhabt dieses empfindliche Instru-
ment mit einer Leidenschaft, die, sagen wir, nachahmenswert
ist. Staat und Gemeinden unterstützen und fördern in vielen
Ländern diese Werbetätigkeit mit bedeutenden Mitteln. Also
allerschärfste Konkurrenz. Ihr wirksam zu begegnen, sie zu
schlagen, wäre erstes Erfordernis, daß an alle die Posten, deren
Träger zur Erfüllung jener Aufgaben berufen sind, nur wirk-
liche „Werbeanwälte‘“, Männer mit weitem Blick, mit tüchtig-
ster Schulung, mit angeborenem Verständnis für die Belange
und Notwendigkeiten des Fremdenverkehrs und der Reklame,
gestellt werden. Männer, die nicht erst lernen müssen, sondern
die schon ausgelernt haben und anderen lehren können.

Auf eines muß ich noch hinweisen. Die Dotierung des Kur-
direktorpostens pflegt nicht immer Hand in Hand mit den
Anforderungen zu gehen, die an den Mann gestellt werden. Es
mag auf Erinnerungen aus einer nun verklungenen Zeit
beruhen, da als Kurdirektor gewöhnlich ein pensionierter
Offizier oder höherer Verwaltungsbeamter gewählt wurde. Man
legte den Hauptwert auf persönliche Repräsentanz und gesell-
schaftliche Gewandtheit. Der Genießer einer staatlichen Pension
kann ein Nebenamt, wie es der Kurdirektorposten früher
meistens war, mit anderen Augen betrachten als beispielsweise
ein moderner Werbefachmann, der darin seinen Erwerb und
seinen Lebensberuf sieht. Industrie und Handel besolden ihre
tüchtigen Werbefachleute gut, sehr oft sogar glänzend. Will
man für die Werbung der Hotels, Kurorte und des Fremden-
verkehrs kundige Fachleute heranziehen — ich rate dringend
dazu — so muß mit der seither üblich gewesenen Besoldungsart
gebrochen werden. Es würde den Kurorten sicher nicht zum
Schaden gereichen.
        <pb n="491" />
        FREMDENVERKEHRSVEREINE

79. FREMDENVERKEHRSVEREINE
Der Laie wird vielleicht erstaunt fragen: Was haben Frem-
denverkehrsvereine und die Reklame der Hotels miteinander
zu tun?

Sie sind sogar durch feste Fäden verknüpft. Meine Aus-
führungen sollen es zeigen. Interessant und wichtig ist dieses
Kapitel aber auch für jeden, der Herz und Sinn für die land-
schaftlichen Schönheiten seines Vaterlandes hat. Haben doch die
Fremdenverkehrsvereine, die zuweilen auch Verschönerungs-
verein oder Kurverein firmieren, sich die schöne und reizvolle
Aufgabe gestellt, die eigenen Heimatgenossen und das Ausland
mit ihrem engeren Landschaftsgebiete bekannt zu machen,
seine Reize und seine Anziehungskraft durch pfleglichen
Ausbau der Verkehrseinrichtungen usw. noch zu erhöhen.
Dann: in den Händen der Fremdenverkehrsvereine — ich
werde bei dieser Bezeichnung bleiben — ruht sehr oft die
Propaganda und die Reklame für den Kurort! Das ist Grund
genug, den Fremdenverkehrsvereinen einen besonderen Ab-
schnitt zu widmen.

Es gibt in den europäischen Reiseländern wohl kaum eine
Stadt mit lebhaftem Fremdenverkehr, keinen Kur- und Bade-
ort, keine Sommerfrische mehr, die ohne Fremdenverkehrs-

verein ist. Es gibt aber auch in manchen Kurorten ein Neben-
einander von Kompetenzen, und zwar da, wo ein Kurdirektor,
oder Verkehrsdirektor, oder Kurkommissar amtiert. Denn der
Fremdenverkehrsverein ist fast überall bestehen geblieben, wo
die Gemeinde sich zur Anstellung eines Kurdirektors entschloß.

Durch dieses Nebeneinanderbestehen zweier Kompetenzen:
Verkehrs- oder Kurdirektor und Fremdenverkehrsverein, wird
die Arbeit des ersten nicht gerade erleichtert, weil Reibungen
und Kompetenzkonflikte entstehen, die viel Nervenkraft und
Zeit verbrauchen. Die ortsansässigen Angehörigen des Hotel-,
        <pb n="492" />
        492

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Fremdenheim- und Gastgewerbes, die von den Mitgliedern des
örtlichen Fremdenverkehrsvereines in allen einschlägigen
Fragen die beste und gründlichste Sachkenntnis zu haben
pflegen, sollten deshalb dafür sorgen, daß die Arbeitsgebiete
des Verkehrs- oder Kurdirektors und die des Fremdenverkehrs-
vereines scharf abgegrenzt werden. Es liegt im allseitigen
Interesse. Sonst kann es sehr leicht vorkommen, daß wertvolle
Anregungen nicht gegeben werden und wichtige Arbeiten unter-
bleiben, weil die eine der zwei nebeneinander bestehenden
Kompetenzen es zu vermeiden wünscht, in die vermeintliche
Interessensphäre des anderen einzudringen. Ich glaube, daß aus
gar manchem Kurort und aus gar mancher verkehrsreichen
Stadt derartige unliebsame Erfahrungen gemeldet werden
können. Und ich glaube ferner, daß gar manche Arbeit nur
deswegen nicht geleistet wurde, weil zwischen den Parteien
schwebende, aber nicht greifbare Eifersüchteleien es ver-
hinderten.
In den Verkehrsvereinen sollte die Führung und Initiative
bei jenen aktiven Mitgliedern liegen, die Hotels, Fremdenheime
oder andere Gaststätten leiten. Den Hauptgrund dafür habe ich
schon genannt: weil sie die meiste und beste Sach- und Fach-
kenntnis besitzen. Man wird vielleicht einwenden, daß diese
Leute zu sehr Partei seien. Daß sie geneigt sein würden, die
Belange des Fremdenverkehrsvereines nach ihren eigenen
Wünschen zu behandeln und daß sie ihre eigenen geschäftlichen
Interessen zu sehr in den Vordergrund stellen würden. Nun,
auch bei der „anderen Partei“ werden, öfter als man glaubt,
persönliche Ansichten ausschlaggebend und eigene wirtschaft-
liche Interessen maßgebend sein. Wir sind alle Menschen. Bei
den Angehörigen des Hotel-, Fremdenheim- und Gastgewerbes
werden die örtlichen Interessen aber auch fast immer identisch
mit den eigenen sein! Eine Schädigung wäre also kaum jemals
zu befürchten.

Leider ist es aber nicht überall und nicht immer der Fall,
daß diese besten Sachkenner auch die Führung im Verkehrs-
verein haben. Gar oft liegt die materielle Leitung des Vereines
in den Händen von Personen, die wohl einen klangvollen
Namen oder ein einflußreiches öffentliches Amt haben, die aber
gerade infolge ihrer sozialen oder wirtschaftlichen Stellung in
die sehr vielseitige Materie, die sich Fremdenverkehr betitelt,
nicht genügend eingedrungen und eingeweiht sein können.
        <pb n="493" />
        FREMDENVERKEHRSVEREINE

493

Das Gleiche ist in den unterschiedlichen „Referaten‘“ oder
„Kommissionen‘“ oder „Arbeitskomitees‘“ der Fall. Ich kenne
Fremdenverkehrsvereine, die ein Dutzend und mehr solcher
Unterkomitees haben. Es kann vorkommen und ist vor-
gekommen, daß das wichtige Gebiet der Propaganda und
Reklame einer Persönlichkeit nur deshalb übertragen wird, weil
diese zuweilen „ganz nette“ Notizen und Artikelchen über dies
oder jenes im heimischen Allerweltsblatt veröffentlicht hat. Es
ist aber durchaus nicht gesagt, daß aus diesem Grunde die
Reklame in die richtigen Hände gelegt wurde. Die gelegentliche
Abfassung kleiner Notizen über die Fauna des Bezirkes, oder
über eine Wegeverbesserung, oder über die Notwendigkeit der
Anbringung einer neuen Ruhebank oder einer Warnungstafel
an steil abfallendem Bergwege. bildet gewiß den Stil, aber sie
verschafft dem Autor dieser Gelegenheitserzeugnisse noch
lange nicht jene Vertrautheit mit der Presse, die notwendig ist,
wenn der Reklameleiter die viele Spreu vom Weizen gebührend
sondern soll. Infolge falscher Besetzung des Referates für die
Presse kann es vorkommen, daß die Anzeigen und Reklamen
ungeschickt ausgearbeitet und noch ungeschickter verteilt
werden. Sie bringen dann nicht den Nutzen, den man mit Recht
von ihnen erwartete, und den sie in der Hand eines presse-
kundigen Referenten ganz sicher gebracht haben würden.

Nun ist es eine feststehende Tatsache, daß die Angehörigen
des Hotel-, Fremdenheim- und Gastgewerbes mit am schärfsten
bei den Beitragsleistungen für den Fremdenverkehrsverein
herangezogen werden. Von ihnen erwartet man das Höchstmaß
an freiwilligen Beiträgen, und sie leisten sie fast überall. Sie
sind also auch am meisten materiell geschädigt, wenn die für
die Propaganda aufgewendeten Mittel infolge ungeschickter
Dispositionen des betreffenden Referenten wirkungslos veraus-
gabt werden.

Auf der anderen Seite unterliegt es wieder keinem Zweifel,
daß die Leiter der örtlichen Hotels, Fremdenheime und Gast-
stätten, die oft weit in der Welt herumgekommen sind, auch
das meiste Verständnis für das Wesen der Reklame haben und
der Presse nicht ganz weltfremd gegenüberstehen.

Aus dem allen ergibt sich als logische Folgerung: die Leiter
der Hotels, Fremdenheime und Gaststättenbetriebe müssen sich
weitestgehenden Einfluß auf alle Aktionen des Fremden-
verkehrsvereines sichern. Damit geht aber Hand in Hand, und
        <pb n="494" />
        194

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

eines ist ohne das andere nicht möglich, daß diese sachkundigen
Fachleute im Fremdenverkehrsverein tatkräftig mitarbeiten
und ihm ihre Kenntnisse und Erfahrungen zur Verfügung
stellen müssen!

Hieran hat es seither wohl am meisten gefehlt. Am land-
läufigsten ist der Einwand und die Ausrede: Hierfür habe ich
keine Zeit! Ich habe nebenbei auch noch ein Geschäft! In der
Saison bin ich im eigenen Betriebe am nötigsten! Stimmt alles,
aber nur scheinbar. Da die Mittel, die im Fremdenverkehrs-
verein zur Aktion und eventuell zur Verwirtschaftung kommen,
mit — und nicht zum kleinsten Teil! — aus den Taschen der
Hotel-, Fremdenheim- und Gaststättenbesitzer stammen, so
haben diese auch ein doppeltes Interesse, sich um deren wirt-
schaftliche Anwendung zu kümmern. Denn die falsche Anwen-
dung schädigt sie doppelt: am eigenen Geldbeutel und im
eigenen Geschäft!

Es ist üblich, die Geldnot verführt meistens dazu, den Kreis
der Mitglieder eines Fremdenverkehrsvereins so weit als nur
möglich zu ziehen. Der sogenannte Mindestbeitrag ist gewöhn-
lich niedrig, oft sogar lächerlich niedrig. Er kann nur deshalb
niedrig gehalten werden, weil man von den Angehörigen des
Hotel-, Fremdenheim- und Gastgewerbes sowie bestimmten
Geschäftsinhabern recht hohe „freiwillige‘ Beiträge erwartet.
Außerdem werden den, so geringfügige Beiträge bezahlenden
Mitgliedern oft noch besondere Vergünstigungen geboten: freier
Eintritt oder Preisermäßigung bei den Veranstaltungen des
Fremdenverkehrsvereines, billigere Kurkarte usw. Das lockte
und lockt viele an, die mit dem eigentlichen Fremdenverkehr
und seinen wichtigen Fragen so gut wie nichts zu tun haben;
ja, die diesen Fremdenverkehr im Grund ihres Herzens hassen,
ihm feindlich gegenüberstehen, weil sie in dem Wahne befangen
sind, daß er ihnen die eigene Lebenshaltung verteure! Diese
vielen Mitläufer unter den Mitgliedern haben aber in den Ver-
sammlungen Sprech- und Stimmrecht, und sie haben es gar oft
in der Hand, wichtige, ihnen beziehungsweise ihren persön-
lichen Anschauungen nicht genehme Maßnahmen bei der
Abstimmung zu Fall zu bringen. Meistens zum Schaden jener,
die nicht als Mitläufer, sondern als wirkliche Interessenten
Mitglieder des Fremdenverkehrsvereines geworden sind.

Daraus ergibt sich wiederum nur die eine, schon einmal
betonte logische Folgerung, daß die Leiter der Hotels, Fremden-
        <pb n="495" />
        FREMDENVERKEHRSVEREINE 495

heime und Gaststätten weitestgehenden Einfluß auf den Gang
der Vereinsgeschäfte sich sichern müssen, daß sie persönlich
tatkräftig mitarbeiten und besonders jene „Referate“ verwalten
müssen, für die sie die beste Eignung haben. Zu ihnen gehört
in allererster Linie die Reklame, wenn kein Kurdirektor oder
Werbefachmann hierfür da ist. Nur auf diesem Wege sichern
sie sich zugleich die Möglichkeit, dem Einfluß, den jene Mit-
läufer infolge ihrer Masse bei den Abstimmungen ausüben
können, wirksam zu begegnen.
        <pb n="496" />
        ‚y5

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

73. DAS KAFFEEHAUS IN SEINER HEIMAT

Das internationale Hotel ist ein Typ für sich geworden. Es
hat seine Bodenständigkeit, seine Wurzelechtheit verloren und
wurde Kosmopolit. Ganz gleich, ob wir es in Berlin, Wien,
Salzburg, Budapest, Prag, Karlsbad, Bukarest, Llubljana,
Zagreb, Triest, Abbazia, Belgrad, Sarajewo, Fiume, Sofia,
Meran, Amsterdam, Rotterdam, Haag, Scheveningen, Rom,
Venedig, Mailand, Florenz, Genua, Neapel, Capri, Taormina,
Palermo, London, Manchester, Glasgow, Dublin, Brighton,
Konstantinopel, Kairo, New York, Chicago, San Francisco, Rio
de Janeiro, Buenos Aires, Yokohama, Schanghai, Kalkutta,
Colombo, Kapstadt, Pretoria, Johannesburg, Sidney, Melbourne
oder Feldmoching betreten, es blickt uns vertraut an. Ja, auch
in seiner Propaganda, in der Reklame durch Anzeigen und
Werbeschriften hat das internationale Hotel einen kosmo-
politischen Zug bekommen, der etwas Universelles hat und sich
nahezu einer Völkerverbindung nähert. In seiner Aufmachung,
im Service, in der Art der Behandlung der Gäste, oft auch
schon in der Fassade, hat das internationale Hotel ein gewisses
Etwas, das uns vertraulich zulächelt. Wir fühlen uns zu Hause,
selbst wenn wir im fernen Amerika, Asien, Afrika oder
Australien weilen. Auch dürfen wir sicher sein, verstanden zu
werden, denn es wird mindestens ein Angestellter sich im Hause
befinden, der unsere Sprache spricht, wenn er nicht gar unser
Landsmann ist. Nichts ist so trostlos, macht so unsicher, steigert
das Gefühl des Fremdseins bis zur völligen Verlassenheit, als
die Erkenntnis, daß wir uns nicht verständlich machen können.
Darum haben die internationalen Hotels ein so großes Verdienst
um die Menschheit, weil sie gigantische Fernen überbrücken
und Völker verbinden. Auf diese Eigenschaft dürfen die inter-
nationalen Hotels mit vollem Recht stolz sein. Und wenn man
ihnen vorwirft, daß sie die Welt uniformieren, daß sie die
        <pb n="497" />
        DAS KAFFEEHAUS IN SEINER HEIMAT ; 497

Unterschiede und das Charakteristische im Völkerleben ver-
wischen, so mag sie das kalt lassen. Neben ihnen bleibt immer
noch genug Bodenständiges und Wurzelechtes bestehen, Ihre
Mission ist auch schön. Sie ist ethisch. Sie hat große Ziele. Denn
die internationalen Hotels dienen dem Weitverkehr und fördern
ihn. Sie bringen die Völker einander nahe und sind die ersten
und vorzüglichsten Mittler, damit die Menschen sich kennen-
lernen. Ohne Rücksicht auf ihre Heimat und Rassenzugehörig-
keit. Ich halte es für keine Utopie, daß mit dem Anwachsen
und der Ausbreitung von internationalen Hotels auch der
Gedanke des Völkerbundes an Boden gewinnt. Verbinden wird
sich nur, wer sich kennt. Durch weite Räume und Meere
getrennte Menschen können sich jedoch nur kennenlernen,
wenn sie auf Reisen gehen. Die Reiselust aber wird gefördert,
erstens durch eine zielsichere, internationale Verkehrspropa-
ganda, zweitens durch das Vorhandensein kosmopolitischer
Hotels, die das beschwerliche Reisen erleichtern. Darum seien
wir stolz auf unsere international geführten Gasthöfe. Wünschen
wir ihnen, daß sie sich in allen Erdteilen fruchtbar vermehren.
Je mehr wir von ihnen haben, in desto weitere Fernen rückt
ein neuer Weltkrieg. Völker, die einander kennengelernt haben,
die durch persönliche Fühlungnahme voneinander wissen und
seelischen Kontakt gewonnen haben, werden nicht so leicht
noch einmal aufeinander losschlagen wie anno 1914 bis 1918,

Anders ist es mit den internationalen Kaffeehäusern und
Gaststätten. Genau genommen ist das Wort „international“ hier
nicht am Platze. Ich wende es aber an, weil ich von Kaffee-
häusern und Gaststätten in aller Welt plaudern will. Gaststätten,
die selbst ganz bodenständig, ganz landestümlich sind, die aber
in verschiedenen Ländern liegen. Auch will ich von ihnen nicht
nur mit Worten erzählen, sondern auch einige anschaulich im
Bilde vorführen. Also eine kosmopolitische Reise, die interessant
und doch nicht anstrengend sein soll.

„Wolfram von Eschenbach, beginnel‘“ So wird in Wagners
Oper „Tannhäuser‘“ der Sängerwettstreit auf der Wartburg
eröffnet. Da auf, beziehungsweise bei der Wartburg sich auch
ein Hotel und Restaurant befindet, das international bekannt
ist, sollte ich meinen Gaststätten-Wettstreit eigentlich mit diesem
beginnen lassen. Doch ich bin der Meinung, daß meine Heimat
Deutschland in diesem Falle zurückzustehen hat und nicht von
sich selbst erzählen darf.
        <pb n="498" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Aber womit beginnen bei der Fülle der Eindrücke, die eine
kosmopolitische Reise mit sich bringt? Der Anfang sei mit dem
Kaffeehaus gemacht, weil es derjenige gastgewerbliche Betrieb
ist, der sich überall, in allen Ländern, wo wir es in seiner
echten Form finden, eine gewisse Bodenständigkeit, eine
nationale Sonderstellung bewahrt hat, die interessant und reiz-
voll ist. Die aber zugleich noch eine weitere Eigenschaft in sich
birgt, deren wertvollen Charakter man noch viel zu wenig
erkannt und ausgenützt hat. Ich meine den großen Propaganda-
wert, die gewaltige Werbekraft, die Propagandamöglichkeiten,
die in jenen nationalen und charakteristischen Gaststätten,
wovon das Kaffeehaus das wichtigste Glied ist, vorerst noch
ungeahnt schlummern. Ein Werk wie das vorliegende, das auf
dem reichen Felde der Propaganda schürfen und Perlen und
Diamanten zutage fördern will, würde auch bei größter Reich-
haltigkeit und Vielseitigkeit seinen wichtigen volkswirtschaft-
lichen Zweck nicht vollkommen erfüllen, wenn es diesen Werbe-
wert der bodenständigen Kaffeehäuser, der nationaleigen-
+ömlichen Gaststätten, nicht aufzeigen würde.

In dieser Bodenständigkeit und Urwüchsigkeit, in dem unver-
gleichlichen Reiz, der zum Beispiel den Kaffeehäusern sowie
dem Kaffeehausleben in den östlichen und südlichen Ländern
Europas eigen ist, liegt gerade ihre Werbekraft. Darin schlum-
mern die Propagandamöglichkeiten. Ich will mit Worten zu
veranschaulichen suchen, was eigentlich ganz gefühlsmäßig,
was kaum greifbar und was, ich möchte sagen, nur Seele,
Volksseele, ist. Es mag erlaubt sein, in diesem Falle von mir
selbst zu reden.

Für mich gibt es nichts Interessanteres, nichts Sehens- und
Erlebenswerteres, als die in einem Kaffeehaus östlicher oder
südlicher Länder verträumten Stunden. Das ist so garz etwas
anderes, als das Kaffeehausleben daheim, in Mitteleuropa, und
es ist in Worten gar nicht oder nur sehr schwer auszudrücken.
Es ist wohl kein Zufall, daß das Kaffeehaus in Italien geboren
wurde. Dort, unter der heißen Sonne des Südens, dann in den
Ländern des Ostens, die den nüchternen Sohn des Nordens
schon ein wenig an die Märchenwelt des Orients erinnern, weht
auch die richtige Luft für das echte Kaffeehaus, leben die
Menschen, die zum Kaffeehaus gehören oder zu denen das
Kaffeehaus gehört. Man kann diesen Begriff drehen wie man
will, er wird immer stimmen. Jenes Kaffeehaus, das uns
        <pb n="499" />
        Das. Cafe Greco in Rom im Jahre 1849
        <pb n="500" />
        Exotischer Besuch im Cafe Greco in Rom.

Arabisches Wanderrestaurant in Ägypten.
        <pb n="501" />
        DAS KAFFEEHAUS IN SEINER HEIMAT 501
nördlicheren Kindern Europas so unendlich reizvoll, so fremd
und doch vertraut, so jeden Tag neu erscheint, ist nur in jenen
Landstrichen möglich, wo es auch seine wirkliche Heimat
gefunden hat.

Immer hat es mich warm und anheimelnd berührt, wenn ich
in irgendeinem der unendlich vielen Kaffeehäuser Wiens zur
Jause einkehrte. Stets waren der Schwarze, oder die Schale
Haut, oder der Kapuziner, oder die Melange, ausgezeichnet,
ganz gleich, in welchem Kaffeehaus ich zu Gast war. Auch im
einfachsten. Wie das kommt? Ob die Wiener, beziehungsweise
die schönen Wienerinnen ein besonders geheimnisvolles Rezept
haben? Ich weiß es nicht. Aber ich will wenigstens verraten,
wie man den Kaffee auf Wiener Art bereiten kann. Das Rezept
ist für sechs Personen berechnet. Man mahlt 60 bis 80 Gramm
nicht zu dunkel gebrannten Kaffee, schüttet ihn in eine Filter-
maschine aus Weißblech, setzt deren Oberteil auf die Kaffee-
kanne, drückt den Kaffee leicht ein, übergießt ihn zuerst mit
einem Löffel kaltem Wasser, wodurch er leicht aufquillt, und
gießt dann in kleinen Portionen siedendes Wasser nach, worauf
der Deckel jedesmal fest geschlossen werden muß. Man darf
niemals seit Stunden warm gestandenes Wasser, sondern muß
stets frisches, rasch zum Kochen gebrachtes, verwenden. Der
Kaffee darf nur langsam in großen Tropfen durchsickern. Das
Wasser muß bei jeder Wiederholung des Aufgießens wieder
gehörig sieden.

Mit förmlicher Andacht habe ich das geruhsame Leben, das
doch immer interessant blieb, eines solchen echten Wiener
Kaffeehauses genossen und in mich aufgenommen, Dann
merkte ich, wie unsere „Wiener Cafes‘ in Berlin, Dresden,
Hamburg, Köln, Düsseldorf, Hannover usw. doch nur Surrogat,
zweiter Aufguß, sind und bleiben werden, auch wenn echte
Wiener Kellner“bedienen und „Küß die Hand‘ oder „Euer
Gnaden‘“ sagen. Da merkte ich jedesmal, daß es nicht das
Service, nicht die Kellner machen, sondern daß es an den
Menschen liegt. Ich glaube nicht, daß in Deutschland, Holland,
in den nordischen Ländern, ein Kellner oder ein Pikkolo
aufzutreiben wäre, der mit sich immer gleichbleibender Geduld
und Grazie dem stundenlang hockenden Gast ein Glas frisches
Wasser nach dem andern hinstellen würde. Ich kann mir
denken, daß es dem Cafetier in Wien, Budapest, Bukarest, Prag,
Zagreb oder in den schönen Seebadeorten an der wundervollen
        <pb n="502" />
        502

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
blauen Adria, lieber sein würde, wenn es anders wäre und wenn
der Gast drei Tassen Kaffee anstatt sechs Gläser Wasser trinken
würde. Dann wäre aber auch, davon bin ich überzeugt, der Reiz
und der Charme, das nicht in Worten Ausdrückbare jener
Kaffeehäuser dahin. Dann würden jene Länder und Städte, die
ich als eigentliche Urheimat des echten, des wirklichen „Kaffee-
hauses‘“ bezeichnen möchte, aber auch einer Anziehungskraft
und eines urwüchsigen Zaubers beraubt sein, die durch nichts
zu ersetzen wären. Damit schwände eine billige und doch
unbezahlbare Werbekraft, brächte man sich selbst um Propa-
gandamöglichkeiten, die vorhanden sind, die an den Straßen
liegen, und die man nicht erst künstlich suchen und beleben
mußte wie so manche der Werbemittel, wovon in diesem Buche
gesprochen wird.

Ich weiß nicht, ob es mir gelungen ist, den Propagandawert
und die ganz unbewußte Werbekraft jenes Kaffeehauses zu
schildern, das wir nur in den Ländern finden, wo auch die
Menschen für ein solches Kaffeehaus existieren. Menschen, die
ihr Leben im Kaffeehaus leben. Die dort ihre zweite Heimat
sehen. Die dort ihre Geschäfte abwickeln. Von denen man
bombensicher weiß, daß sie zwischen drei und sieben Uhr
nachmittags in „ihrem Kaffeehaus‘ zu treffen sein werden,
wenn man ihrer auch sonst niemals habhaft werden kann.
Jenes Kaffeehaus, in dem die Frauen und Töchter jener Länder
schon heimisch waren, als in Deutschland die Frau, das junge
Mädchen allein höchstens in einer Konditorei einkehren durften.
Es ist das Kaffeehaus, das uns steiferen, kaltblütigeren, unruh-
volleren Bewohnern der nördlichen Teile Europas es angetan
hat. Das unsere stille Liebe ist. In dem wir stundenlang sitzen
möchten, obwohl wir innerlich bei dem Gedanken erschrecken,
daß wir im Kaffeehaus geschäftliche Besuche empfangen, dort
Geschäfte abwickeln, dort und nicht im nüchternen Kontor
wohl gar Umsätze in Höhe von Tausenden oder Hundert-
tausenden tätigen sollten.

Man muß es in den Heimatländern des echten Kaffeehauses
wissen und man soll es sich gut merken: Was uns zu ihnen
zieht, was für uns ihre Eigenart, ihr charakteristisches Gepräge
ausmacht, daran haben ihre interessanten, für uns originellen
und originalen Kaffeehäuser nicht den kleinsten Anteil. Darin
liegt ihr Werbewert. Sie sind Stützpunkte des Fremdenverkehrs
und sie können zu internationalen Propagandahelfern aller-
        <pb n="503" />
        Das weltbekannte Cafe Pupp in Karlsbad.
        <pb n="504" />
        Teilansicht des CafeE€ New York in Budapest.
Das Bild stellt die zum Abendessen gedeckten Tische und die Galerie dar.
        <pb n="505" />
        DAS KAFFEEHAUS IN SEINER HEIMAT 505
ersten Ranges werden, wenn man ihre Besonderheit wahrt, und
wenn man dem Ausländer so von ihnen zu erzählen weiß, daß
er den eigenartigen Reiz dieser Gaststätten erkennt und ihm der
Wunsch suggeriert wird, sie auch in Wirklichkeit kennen-
zulernen.

Nun sei es mir erlaubt, in zwangloser Weise von einigen
Kaffeehäusern und Gaststätten zu plaudern, die ich auf einer
meiner jüngsten Gedankenreisen besucht und in meinem
Skizzenbuch eingefangen habe. Im Zeitalter des Flugzeuges und
der Riesenluftschiffe wird es nicht Wunder nehmen, wenn die
Reise sich etwas im Zickzack bewegt. Es bleibt dem verehrten
Leser, der liebenswürdigen Leserin unbenommen, zu glauben,
daß ich von dem vielen Gesehenen und Genossenen etwas
berauscht sei. Gibt es doch „Räusche‘“, die unvergleichlich sind,
die man nicht missen inöchte und die dem empfindsamen und
fühlenden Menschen von allen Antialkoholisten der Welt nicht
genommen werden können.

Ich erwähnte bereits, daß das erste europäische Kaffeehaus
in Italien errichtet wurde. Im Jahre 1645 entstand es in
Venedig, das damals noch im Zenith seiner Macht stand und als
„Beherrscherin der Meere“ natürlich mit der Frucht des Kaffee-
baumes schon früher Bekanntschaft gemacht hatte. War die
erste Kunde von der Wirkung der Kaffeebohne als Arznei doch
schon 1592 nach Italien gelangt. Fünf Jahre später entstand
das zweite Kaffeehaus Europas in England (1650), und zwar
in Oxford. 1652 folgte London. Es ist bezeichnend, daß, wie
in Italien, auch in Frankreich es eine große, internationale
Hafenstadt war, wo das erste Kaffeehaus des Landes entstand.
In Marseille sollen 1659 gleich mehrere Kaffeehäuser errichtet

worden sein. Paris folgte viel später. Dort eröffnete ein
Armenier, namens Pascal, im Jahre 1676 in der Vorstadt
St. Germain eine „Kaffeebude‘“, während das erste wirkliche
„Cafe“, das „Cafe Procope“, im Jahre 1725 von dem Sizilianer
Procopio errichtet wurde. Wien, das zur eigentlichen Heimat
des gemütvollen und beliebten Kaffeehauses werden sollte,
verdankt die erste dieser so volkstümlich gewordenen Gast-
stätten einem Polen. Im Jahre 1694 soll ihm dieses Privilegium
erteilt worden sein. Deutschland dürfte den Kaffee auf dem

Wege über Frankreich kennengelernt haben, und zwar um das

Jahr 1670. Das erste Kaffeehaus entstand erst nach 9 Jahren

(1679) in Hamburg; ein englischer Kaufmann gründete es.
        <pb n="506" />
        506

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Berlin . folgte viele Jahre später, 1721. Friedrich der Große,
Gegner des Kaffees, errichtete Staatskaffeebrennereien, mono-
polisierte 1781 den Kaffeehandel, und noch heute lesen wir mit
Vergnügen yon den ‚Streichen seiner „Kaffeeschnüffler‘“, die
nach verbotenen Kaffeebaumfrüchten forschten. 2

So: sahen die bescheidenen Anfänge des Kaffeehauses aus.
Von der Mehrzahl der östlichen Länder, wo das Kaffeehaus
heute zu den landestümlichen und bodenständigen Einrich-
tungen zählt, wissen wir über die Anfänge wenig oder nichts.
Dagegen ist es nicht verwunderlich, daß das eigentliche Geburts-
land des europäischen Kaffeehauses, Italien, eines der ältesten
Kaffeehäuser besitzt. Es ist das Caf/€ Greco in der Via Condotti
zu Rom, mit dem ich den Leser durch zwei interessante Bilder
näher bekannt mache. Dieses alte, historisch gewordene Kaffee-
haus blickt nachweislich auf die Kleinigkeit von mindestens
150 Lebensjahren zurück. Wahrscheinlich ist es noch viel älter;
vielleicht ist es überhaupt das erste, also älteste Kaffeehaus des
Okzidents. Trotz emsigster Nachforschungen ließ sich genaues
darüber noch nicht feststellen. Domenico Gnoli, Direktor der
Victor-Emanuel-Bibliothek in Rom, will an Hand eines von
ihm aufgefundenen Holzschnittes aus dem Jahre 1660 nach-
weisen, daß das Cafe Greco schon in der ersten Hälfte des
17. Jahrhunderts an seinem jetzigen Platze gestanden habe.

Nun, auf jeden Fall ist dieses römische Kaffeehaus eine
außerordentlich interessante Gaststätte. War es doch einst
Sammelpunkt aller Italien besuchenden Deutschen, wie über-
haupt aller Fremden „von Distinktion‘, und in der berühmten,
oftmals im Bilde festgehaltenen „Künstlerecke‘“ saß einstmals
auch einer der größten Deutschen, Wolfgang von Goethe. Zu
den illustren Gästen des Caf&amp; Greco gehörten, ferner Goldoni,
Mendelssohn, Wagner, Rossini, Gounod, Bizet, Berlioz, Liszt,
Gogol, Mickiewicz, Schopenhauer, Lenbach, Rückert, Wilhelm
Müller und Thorwaldsen. Als Gründer dieses interessanten
Kaffeehauses gilt der Levantiner Nicola di Maddalena, doch ist
wahrscheinlich, daß die erste Kaffeewirtschaft, also das Urcafe
Greco, von einem Griechen errichtet wurde. Es ist charak-
teristisch, daß die Mehrzahl der alten und ältesten Kaffeehäuser
von Ausländern gegründet worden ist.

Da wir uns nun einmal in dem Lande der Mignon befinden,
wo die Zitronen blühn, im dunklen Laub die Goldorangen
glühn, will ich den Leser noch in eine andere, schöne und
        <pb n="507" />
        DAS KAFFEEHAUS IN SEINER HEIMAT 507

interessante Stadt dieses erinnerungsreichen Landes führen, um
ihn mit einer ganz „echten“, typisch süditalienischen Gaststätte
bekannt zu machen. Unser Gedankenflug gilt der terrassen-
förmig ansteigenden Stadt am blauen Golf, von der uns gefühl-
volle Poetengemüter so oft vorschwärmten: Napoli vedere e
morire — Neapel sehen und sterben! Nun, ich habe das wirklich
wunderschöne Neapel im November 1908 zum ersten Mal
gesehen. Der Freundlichkeit des liebenswürdigen Lesers über-
lasse ich es, zu bestimmen, ob ich „morire“, also gestorben, oder
ob ich noch am Leben bin. Sollte er sich für den zweiten, mir
wesentlich sympathischeren Fall entscheiden, so lade ich ihn
zum Dank in die Osteria della Ciccia, die Neapolitanische
Osteria ein, deren Bild ich wiedergebe. Sollte der verehrte Leser
sich dann den Magen an einem jener für uns undefinierbaren
neapolitanischen Nationalgerichte nicht verdorben haben, die
in diesen Osterien zubereitet werden, so ist er reif für stärkere
Genüsse.

In meiner Jugend Maienblüte habe ich mit dem ganzen
Schmelz meines Mädchen betörenden lyrischen Tenors, der, wie
es in der Ballade von Bürger heißt, wie Gold aus der Kehle
quoll, gern und oft ein ungarisches Trinklied gesungen. Aber
auch dieses Gold ist zerronnen, als im August 1914 alles Gold
auf der Deutschen Reichsbank abgeliefert werden mußte. Jenes
feurige Lied begann:

Ungarland, du schönes Land,

Oh, wie sehn’ ich mich nach dir.
Dort gibt’s schöne Czikosmadeln,
Czikosmadeln lob’ ich mir.

Auf der Pußta, ohne Sorgen,
Teht der CzikosSs — —

Da verläßt mich mein Gedächtnis. Ich glaube mich aber zu
erinnern, daß der stolze Czikos mit dem schönen Czikosmadel
Nach‘ jauchzender Zigeunermusik den feurigen Czardas tanzte
und daß köstlicher Tokayer getrunken wurde. „Trinkt Tokayer,
der gibt Feuer!‘ In eine solche Gaststätte der ungarischen Pußta
lade ich nunmehr den Leser. Feuriger Tokayer und echt
ungarisches Gulyasz sei die Atzung. Aber was sehe ich? Mein
Photograph muß sich geirrt oder mich beschwindelt haben.
Dieses langweilige Dutzendzimmer ist nie und nimmer die
        <pb n="508" />
        508

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Inkarnation jener, Fröhlichkeit und Stimmung ausatmenden,
von Leidenschaften durchtobten Pußta-Gaststätte, die mir vor-
schwebte, als ich sang: „Ungarland, du schönes Land!“ Als ich
mahnte: „Trinkt Tokayer, der gibt Feuer!“ Auf diesem lang-
weilig gemütlichen Bild — beinahe sächsische Gemiedlichkeet
— fehlt nur noch der meterlange Strickstrumpf mit dem dicken
Wollknäuel auf dem Fußboden und die schnurrende, Pfötchen
leckende Katze am Ofen, Nein, Herr Photograph, das ist keine
Pußta-Stimmung. Das ist eine bürgerlich gewordene Kaschemme
aus dem Berliner Norden. Nun, ich habe mir vorgenommen,
recht bald nach dem Osten zu wandern, um das hochinter-
essante Kaffeehausleben in jenen Ländern mit seinem ganzen
Zauber wieder einmal auf mich einwirken zu lassen. Dann
werde ich auch dem wunderschönen Budapest mit seinen vor-
nehmen, gastlichen Hotels, mit seinen großartigen Heilbädern,
mit seinen stimmungsvollen und lebhaften Kaffeehäusern einen
Besuch machen. In meinem Programm habe ich natürlich auch
einen wilden Ritt in die ungarische Pußta vorgesehen. Mit
schönen Czikosmadeln und feurigem Tokayer. Dort will ich
mich überzeugen, ob die Pußta-Gaststätte wirklich so langweilig-
spießbürgerlich ist, wie mein Photograph es auf seinem Bilde
weißmachen will. Ich glaube es nicht, ganz bestimmt nicht.
Ungarn ist ein konservatives Land. Es hält treu an seinen
wunderschönen alten Sitten und Gebräuchen fest. . Auch der
Pußta-Zauber wird noch der alte sein, wie mein liebes Jugend-
Trinklied: „Ungarland, du schönes Land!“ ihn mir unzählige
Male vorgegaukelt hat. Hast du mich und uns aber beschwin-
delt, ungetreuer Lichtbildner, so sei fürchterliche Strafe dir
gewiß. Während ich mich im Pußtarestaurant, beim Jauchzen
der Zigeunergeigen und feurigem Czardas, an köstlichem
Tokayer ergötzen werde, sollst du verdammt sein, drei Liter
Bomster Schattenseite zu trinken. Vor diesem Weine aus dem
schlesischen Bomst hat Johannes Trojan, der Sänger vieler
Trinklieder und langjährige Redakteur des „Kladderadatsch“,
in seinem berühmten Weinlied mit herzbewegenden Versen
gewarnt, . die also beginnen: „Wanderer, wenn du kommst
Einmal nach Bomst — — —*

Ich kann vom „Ungarland, du schönes Land“ nicht scheiden,
ohne seines großen und unglücklichen Sohnes Lenau zu
gedenken. Er hat der eigenartigen Stimmung seines. Heimat-
Jandes in seinen Gedichten so manche neue, reizvolle Seite
        <pb n="509" />
        Osteria (Volksrestaurant) in Neapel,

Ein spanisches Volkskaffeehaus in Madria
        <pb n="510" />
        Restaurant in der ungarischen Pußta.

ühinesische Bar in San Francisco.
        <pb n="511" />
        DAS KAFFEEHAUS IN SEINER HEIMAT 511

abgewonnen. Lenaus wunderschöne Verse „Die drei Zigeuner“
sind viele Jahre mein Lieblingsgedicht gewesen. Oft habe ich
es leise in die dunkle Nacht hinaus geflüstert, wenn ich
nächtens am Fenster stand, zum sternenklaren Sommer-
himmel hinaufträumte und den geheimnisvollen Rätseln des
unendlichen Kosmos nachgrübelte. Die drei Zigeuner Lenaus
lagern in warmer Sternennacht am Waldesrand. Der erste hat
die Pfeife im Mund und blickt still den verkräuselnden Rauch-
wölkchen nach. Der zweite liegt im weichen Gras, denkt gar
nichts, sondern schläft und läßt sich bunte, herrliche Traum-
bilder vorgaukeln. Der dritte streicht seine alte, unscheinbare
Geige und läßt sie aufjauchzen in jubelnder Freude und
schluchzen in seligem Leid. Den europäischen Hoteliers, die
zurzeit wahrlich nicht auf Rosen gebettet sind, die harte Zeiten
durchlebt haben und denen vielleicht noch schwere Tage bevor-
stehen — wer vermag im dunklen Schicksalsbuche zu lesen? —
möchte ich die letzten Strophen dieses schönen Lenauschen
Gedichtes von den drei Zigeunern ans Herz legen:

Dreifach haben sie mir gezeigt,
Wenn das Leben uns nachtet,
Wie man’s verraucht, verträumt, vergeigt,
Und es dreifach verachtet.

Ein anderes Bild. Vom „Batzenhäusl‘“ im altertümlichen,
sonnigen Bozen hast du sicher schon gehört, verehrter Leser,
oder es gar selbst erlebt. Setze dich mit mir in das erinnerungs-
reiche Erkerzimmer dieser altehrwürdigen Gaststätte und lasse
dich von Träumen aus verklungenen Tagen umschweben.
Lieder des Minnesängers und Frauenlieblings Walther von der
Vogelweide — Frauen trugen ihn zu Grabe — werden lebendig,
wenn du dort, still versunken, vor dich hinträumst, und wenn
die moderne Welt mit ihrem Hasten und Lärmen versinkt. Das
Mittelalter mit seinem Zunftwesen, die Renaissance- und
Biedermeierzeit tauchen auf. Die Zeit, da die Kaffeehäuser
entstanden, von denen ich soeben erzählte. An die Neuzeit
wollen wir nicht rühren. Das Batzenhäusl hat manch guten
Tropfen. Versenken wir das letzte Dezennium im goldklaren
Wein.

Nun sind wir in der rechten Stimmung. Ich breite meinen
Zaubermantel aus, der Phantasie heißt, und trage uns sanft und
        <pb n="512" />
        312

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

leise nach Klagenfurt. Dort singen und klingen wiederum
Melodien und Lieder. Aber es ist kein mittelalterlicher, ritter-
licher Minnesänger, der sie ersann und zuerst den Lüften
anvertraute. Viele von uns haben ihn wohl selbst auf dem
Konzertpodium gehört und seine gefühlvollen Kärntner Lieder
sich vom Komponisten selbst vortragen lassen. Es ist Thomas
Koschat. Sein etwas rührseliges Lied „Verlassen bin i“ hat
seinen Namen in alle Welt getragen. Ganz seltsam hatte es mich
berührt, als ich vor 25 Jahren ein Negerquartett dieses gefühl-
vollste aller Lieder mit prächtigen Stimmen singen hörte.
Klagenfurt ist Koschats Heimat. Im entzückenden Koschat-
Stüberl zu Klagenfurt wollen wir ein Glas leeren als Dank für
den wackeren Sänger, der uns, damals waren noch schönere
Zeiten, mit seinen Liedern so oft in eine bessere Traumwelt
entführt hat.

Geschwindigkeit ist keine Hexerei. Klingsors Zaubermantel
ist mein eigen. Er trägt uns mit Gedankenschnelle in eine dritte
Stadt, die zugleich eine der internationalsten Badestädte ist,
nach Karlsbad. Wer von Karlsbad gehört hat, dem ist auch das
Cafe Pupp nicht fremd. Es ist zwar, wie immer zur Kurzeit,
von einem eleganten Publikum überfüllt, aber wir werden
schon noch ein Plätzchen finden, wo wir eine Schale Haut oder
einen Kapuziner zu uns nehmen können. Dieses vornehme
Kaffeehaus ist wirklich international. Von ihm könnte der
Dichter gesungen haben: Wer zählt die Völker, kennt die
Namen, die gastlich hier zusammenkamen.

Unbedenklich können wir den Klingsorschen Zaubermantel
wieder ausbreiten und das alte, wehmütige Volkslied anstim-
men: „Fern im Süd das schöne Spanien!“ Ein spanisches
Volks-Kaffeehaus habe ich schon immer gern kennen lernen
wollen. Aber?! Das soll ein „Kaffeehaus‘“ sein? „Ja, lieber
Harry Nitsch, du kosmopolitischer Wanderjäger nach schönen
Hotels, es ist so!‘, höre ich einen stolzen Hidalgo lächelnd
sagen. „Wenn wir Spanier ins Kaffeehaus oder ins Restaurant
gehen, dann wollen wir etwas sehen. Und wenn wir etwas sehen
wollen, dann müssen wir uns auf die Straße, vors Kaffeehaus
oder Restaurant, setzen. Dort lassen wir die Passanten an uns
vorüberziehen. Wie im Kino. Wenn dir das auch spanisch
vorkommt. Dafür bist du ja in Madrid, also in Spaniens Haupt-
stadt. Wie? Warum man nur Männer sieht? Warum die Frauen
schüchtern an der Türe stehen? Mein Lieber, unsere Frauen
        <pb n="513" />
        DAS KAFFEEHAUS IN SEINER HEIMAT ‚513

und Töchter gehen nicht ins Kaffeehaus und nicht ins Restau-
rant. Das geht gegen die spanische Tradition. Du sagst, du
habest schon viele Frauen in unseren öffentlichen Gaststätten
gesehen? Mein Allerwertester,“ lächelt der Hidalgo, „das sind
nicht unsere Frauen. Es sind entweder Frauen aus der ganzen
Welt, die jetzt liebenswürdigerweise als Globetrotter zu uns
kommen, oder es ist“ — sein Gesicht verzieht sich spitz-
bübisch — „es ist Halbwelt.“

Da wurde ich traurig. Was soll mir ein Kaffeehaus, in dem
die Krone der Schöpfung fehlt? Für mich ist die schönste Gast-
stätte erst dann wirklich schön, wenn weibliche Schönheit und
fraulicher Charme darin zu Gaste sind. Geduldig werde ich
noch ein wenig warten. Die Spanier reisen jetzt viel und gern.
Entfernungen spielen keine Rolle. Als ich Mitte August 1926 im
Angleterre und Park-Hotel in Davos weilte, wohnten dort
gleichzeitig nicht weniger als 21 Spanier, Mit Frauen und
Töchtern. Darunter Blüten Kastiliens von einem Reiz und einer
Schönheit, die einen Zwanzigjährigen rettungslos wahnsinnig
machen müssen. Ich war heilfroh, daß ich die Einundzwanzig
schon erreicht habe, also gefeit bin. Diese Frauen und Töchter
sah ich auch in der Diele und im Restaurant (sprich Hall und
Salle A manger) des Hotels. Die Damen fanden anscheinend
nichts dabei. Wenn alle diese im Ausland gewesenen Spa-
nierinnen in die Heimat zurückgekehrt sein werden, dann
wollen sie auch dort ins Kaffeehaus und ins Restaurant mit-
genommen werden. Ce que femme veut, Dieu le veut, sagt der
Franzose. Da der gebildete Spanier Französisch zu lernen
pflegt, wird er auch dieses Sprichwort bald gelernt haben.
Dann werde ich wiederum nach Spanien wandern. Vorher aber
heimlich zu Professor Steinach in Wien pilgern. Damit ich
wieder zwanzigjährig werde...

Wenn man mit offenen Augen durch Spanien reist, seine
reichen Schätze aus einer längst verklungenen Zeit bewundert,
so wehen unsichtbare Fäden nach Palästina hin, der Heimat
des Christentums. Auf Spaniens blutgetränktem Boden haben
sich die letzten schweren Kämpfe zwischen Islam und Christen-
lum abgespielt. In der Alhambra wird die Erinnerung an die
Maurenherrschaft, an die letzten der Abenceragen, wach. Inner-
halb der Mauern dieses Wunderschlosses umweht uns ein
Hauch des Orients. Darum ist es kein allzu kühner Sprung,
wenn ich den Leser nunmehr in ein Kaffeehaus nach Jerusalem
        <pb n="514" />
        514

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

bitte. Auch hier trifft es, genau genommen, nicht zu, wenn ich
sage: „in“ ein Kaffeehaus. Denn wie in Madrid, so spielt sich
auch in Jerusalem das Leben, also auch das Kaffeehausleben,
in voller Öffentlichkeit ab. Die Gäste sitzen auf niedrigen
Hockern vor dem Kaffeehaus. Dort können sie stundenlang
verweilen, plaudern oder träumen. Denn der Orientale hat
einen anderen Begriff von der Zeit als wir unglücklichen
Europäer, die immer in der Hast und auf der ruhelosen Jagd
nach irgendeiner Utopie sind. Den Gästen dieses Jerusalemer
Kaffeehauses — Frauen gehören nicht dazu — sieht man es
an, daß die Zeit für sie nicht Geld ist. Time is money gilt nur
in Europa und in den U. S. A., obwohl auch jene Jerusalemer
Kaffeehausgäste den Begriff money sehr gut kennen und
durchaus nicht abgeneigt sind, recht viel davon einzusacken.
Was man am besten beobachten kann, wenn man in den
Basaren Jerusalems Einkäufe macht.

Anders, ich möchte sagen romantischer, sieht es in dem
türkischen Kaffeehaus aus, wohin ich den Leser nunmehr
führe. Nur fragt es sich, wie lange es seine Eigenart, die auf
dem kleinen Bild deutlich zu erkennen ist, noch bewahren
wird. Wir wissen aus interessanten Reiseschilderungen, daß
sich in der Türkei bemerkenswerte Änderungen vorbereiten.
Konstantinopel hat unlängst seinen Spielsaal erhalten, Kon-
kurrenz für Monte Carlo. Mit der Schöpfung einer ganz neuen,
modernen Hauptstadt haben die Umwandlungen intensiv
begonnen. Das Ziel der Bewegung ist Modernisierung des
Landes und seiner Einrichtungen. Wie der charakteristische
Fez schon auf den Aussterbeetat gesetzt worden ist, so werden
die malerischen Trachten, von denen das Bild eine schwache
Probe gibt, vielleicht auch bald nur noch in Museen gezeigt
werden. Es ist der Zug unserer Zeit. Das internationale Hotel
ist auch hier ein Bahnbrecher. Es macht den Orientalen mit
europäischem Leben und mit unseren Gewohnheiten bekannt.
Wahrscheinlich ist die Zeit nicht mehr fern, da man in der
Türkei wohl eine Schale türkischen Kaffee, aber in Kaffee-
häusern europäischen Charakters, bekommen wird.

Bevor wir von der Türkei scheiden, will ich ein Rezept für
echt türkischen Mokka verraten. Ich habe es von einer, selbst-
verständlich bildschönen, Haremsdame, mit der ich ein wenig
flirten konnte, weil ihr Herr und Gebieter gerade einer anderen
das Schnupftuch zuwarf. In einen Schnellsieder gieße man
        <pb n="515" />
        DAS KAFFEEHAUS IN SEINER HEIMAT 515

soviel Wasser, als man kleine Tassen Kaffee bereiten will, und
dazu für jede Tasse 1% bis 2 Stückchen Würfelzucker. Sobald
das Zuckerwasser siedet, schüttet man den hellgebrannten, fein-
gemahlenen Kaffee (2 Kaffeelöffel voll auf eine Tasse
gerechnet) hinein, läßt den Kaffee etwa 10 Minuten lang kochen
und schöpft den sich bildenden Schaum ab. Der fertige Kaffee
wird in kleine Tassen gegossen und obenauf in jede Tasse
etwas von dem abgenommenen Schaum getan.

Mein nächstes Bild, eine chinesische Bar in San Francisco,
weckt interessante Reminiszenzen. Das Photo stammt aus einer
Zeit, da die Vereinigten Staaten von Nordamerika noch nicht
trocken gelegt waren. Die Kunst der Bereitung von American
drinks wurde drüben noch liebevoll gepflegt. Es gab auch genug
Liebhaber dieser feuchtfröhlichen Kunst. Eine seltsame Ironie
des Schicksals will es, daß der Amerikaner nun nach Europa
reisen muß, wenn er Gast einer American Bar sein und wenn
er American drinks genießen will. So kann einseitig orientierte
Gesetzgebung, die das Kind mit dem Bade ausschüttet, die
Verhältnisse auf den Kopf stellen. Es ist bekannt, daß San
Francisco, diese ehemalige Goldgräberkolonie, ein umfang-
reiches chinesisches Stadtviertel hat, worin unverfälschtes
chinesisches Leben sich abspielt. Die interessante Bar stand
einst in jenem Chinesenviertel. Vielleicht wird jetzt Limonade
und Sodawasser offiziell dort verkauft, während inoffiziell, also
heimlich und unheimlich teuer, kräftigere Getränke zu haben
sind. Die Folgen einer Gesetzemacherei, die wohl Gutes will,
aber Böses schafft. Für uns ein warnendes Menetekel! Den
Chinesen in dieser Bar hängt der Zopf immer noch hinten.
Auch daraus erkennen wir, daß es sich um eine Aufnahme
handelt, die schon einige Jahre zurückliegt. Der Chinese will
sich ebenfalls modernisieren. Er legt den Jahrtausende alten
Zopf ab und seine nicht mehr auf hohen Stöckelschuhen
trippelnden Frauen und Mädchen tragen Bubikopffrisur. So
ändern sich die Zeiten. Nur den europäischen Bureaukraten
soll der Zopf zuweilen immer noch hinten hängen. Aber die
Zeit, oder sagen wir Mister Chronos, schleift schon die große
Schere, womit er diese verstaubten Zöpfe abschneiden wird.

Wieder ein kleiner Sprung. Im Geist. Aber im Zeitalter der
Flugzeuge werden solche Gedankensprünge wohl bald reale
Wirklichkeit werden. Dann kann der Europäer seinen Nach-
mittagstee in einem japanischen Teehaus einnehmen, wie ich
        <pb n="516" />
        16

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

es im Bild vorführe. In Gesellschaft niedlicher, graziöser
Japanerinnen, die in ihrer reizvollen Landestracht zum
Anbeißen aussehen. Dieses Teehaus steht im Zeichen der
Kirschenblüte. Ganz Japan ist bekanntlich ein einziger blühen-
der Garten, wenn die Kirsche, der auf diesem fernen Inselreiche
am meisten verbreitete Obstbaum, in Blüte steht. Aber dieses
entzückende Bildchen, das in uns den Wunsch weckt, den Tee
einmal in solch stimmungsvollem Rahmen einzunehmen, weckt
zugleich wehmütige Gedanken. Wie lange noch wird es möglich
sein, Japan und seine Bewohner in seiner reizvollen, farben-
frohen Eigenart bewundern zu können? Auch Japan nähert
sich mit Riesenschritten europäischer Kultur, tauscht seine
asiatische Sonderheit gegen sie ein. Als ich im August 1926 in
Davos, 1600 m hoch, weilte, begegneten mir noch 300 m höher,
auf der Schatzalp, einige Japanerinnen und Japaner. Die
Damen in kniefreien Röckchen und mit Bubenkopf, die Herren
in Knickerbockers. Eine der Damen war Ärztin, besuchte Davos
studienhalber. Es berührte mich sonderbar, als ich bald nach
diesem Zusammentreffen das Bildchen des japanischen Tee-
hauses betrachtete. Man denke sich an die Stelle der drei
Schönen im buntseidenen Kimono, mit der kunstvollen Haar-
frisur, drei weibliche Bubenköpfe in kniefreien Röckchen.
Deswegen brauchte man wirklich nicht erst nach Japan zu
reisen,

Urwüchsiger geht es im chinesischen Volksrestaurant zu. Ein
anderes Stückchen Asien. Die Gesten der Gäste eines solchen
Lokals würden uns sonderbar anmuten. Sie sind aber ganz
natürlich. Wenn wir verwöhnten Europäer, die neben dem
gewöhnlichen Eßbesteck noch Fischbestecks sowie Austern-
gabeln und Krebsmesser haben, uns beim Essen zweier Bambus-
stäbchen bedienen müßten, dann würden wir wohl genau so
geistreiche Gesichter schneiden, wie die einfachen Gäste der
Volksrestaurants im Reiche der Mitte. Vor Jahren, als man
noch Lust und Zeit hatte, mal übermütig über die Stränge zu
schlagen, haben wir im engen Freundeskreise versucht, „echt
chinesisch‘ zu essen. So, wie die Kulis oder Handwerker in
einem chinesischen Volksrestaurant. Die Sache soll sehenswert
gewesen sein. Wenn die Chinesen uns hätten zusehen können,
so würden sie wahrscheinlich noch viel mehr Vergnügen gehabt
haben, als uns die Betrachtung des Lebens im chinesischen
Volksrestaurant verursacht. Aus eigener praktischer Über-
        <pb n="517" />
        Türkisches Kaffeehaus.

Kaffeehaus in Jerusalem
        <pb n="518" />
        Der elegante, internationale Cafekellner.

Eine französische Karikatur: Kaffeehaus-
Kellner oder Akrobat?
        <pb n="519" />
        DAS KAFFEEHAUS IN SEINER HEIMAT 519
zeugung muß ich also abraten, in Europa ein „echt chinesisches‘
Restaurant zu eröffnen. Aus dem gleichen Grunde habe ich
davon abgesehen, ein solches urwüchsiges chinesisches Volks-
speisehaus im Bild vorzuführen. Man könnte sagen, das Essen
mit Bambusstäbchen, auf der Erde hockend, ohne Eßtisch, sei
nicht ästhetisch. Wir wollen lieber bei Messer, Gabel und Löffel
bleiben. Die unpraktischen Bambusstäbchen können uns
ebenso gestohlen bleiben, wie die silbernen Bestecks in unseren
Hotels und Restaurants leider immer noch gestohlen werden.
Nicht minder originell ist das arabische Wander-Restaurant,
das uns ein Stück ägyptischen Lebens vortäuscht. Auch hier
erkennen wir wiederum den Orient mit seinen schroffen Gegen-
sätzen, der die Frauen hinter die fensterlosen Mauern des
Harems verbannte, während das Leben sich vor den Häusern
auf der Straße abspielte. Gar mancher Leser meines Buches
wird Ägypten aus eigener Anschauung kennen. Ihnen sind
daher Erscheinungen, wie das im Bild vorgeführte fliegende
Restaurant, nichts Ungewöhnliches. Was heißt übrigens „unge-
wöhnlich“? Der Araber, der auf offener Straße den Wirt spielt
und seine Leckerbissen feil hält, würde vielleicht ebenso
komisch berührt gewesen sein, wie wir von diesem arabischen
Wander-Restaurant, wenn er in der Friedrichstraße zu Berlin
nachts plötzlich dem „Wurstmaxe‘“ gegenübergestanden hätte.
Wurstmaxens Blütezeit war vor dem Kriege. In Lackschuhen
und mit dem Zylinder auf dem Kopfe verkaufte dieser tüchtige
„fliegende“ Geschäftsmann auf offener Straße, nachts, „heiße
Wiener Würstchen“ aus Berlin N. Er würzte sie seinen Kunden
mit dem sarkastischen und treffenden Berliner Witz, der genau
so bodenständig ist wie das arabische Wander-Restaurant.

Wir wollen unsere Reise in einem Kaffeehaus Arabiens
beschließen, des Landes, das für uns Europäer als die Heimat
des braunen, köstlichen Trankes gilt. Obwohl das nicht ganz
stimmt. Wie der Kaffee aus Arabien nach dem Okzident
gewandert ist, so soll er dort aus Persien eingeführt worden
sein. Madame Historia erzählt, daß ein Mufti von Aden,
namens Gemaleddin Aldhabani, die Frucht des Kaffeebaumes
aus Persien mitgebracht und getrunken habe, um sich zum
nächtlichen Gebet munter zu erhalten, Seine Landsleute folgten
diesem Beispiel und bald war das Kaffeetrinken in ganz
Arabien so allgemein geworden, daß es um die Mitte des
16. Jahrhunderts auch in Konstantinopel Sitte wurde. Die
        <pb n="520" />
        520 DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Mohammedaner glaubten, daß der Kaffee ein erlaubter Ersatz
für den vom Koran verbotenen Wein sei. Von Konstantinopel
dürften die Venezianer den Kaffee wohl mit in ihre Heimat
gebracht haben, wo dann das erste Kaffeehaus erstand, wie ich
bereits erzählte.

In dem arabischen Kaffeehaus, wo wir uns von langer
Gedankenreise ausruhen, herrscht interessantes, für uns unge-
wohntes Leben. Es ist Abend geworden, und von allen Seiten
kommen Karawanen herangezogen. Die Kehle ist trocken, die
lange Wanderung im Sonnenbrand des Tages machte müde.
Der braune Trank soll neues Leben verleihen. Bald ist das
kleine Kaffeehaus gefüllt. Wenn wir auch glauben, daß die
Gäste gelangweilt oder übermüdet auf ihren Matten hocken, so
irren wir uns. Es wird, aber mit echt orientalischer Ruhe,
„lebhaft‘“ gehandelt. Man debattiert über dies und das, über
Preise, über Maßnahmen des herrschenden Kaids, über die
Zunahme der eigenen Hammelherden, über die drückenden
Steuern. Ganz wie bei uns! Ist alles durchgesprochen, dann geht
man zum königlichen Spiel, zum Schach, über. Stundenlang
kann eine Partie dauern. Nichts stört die Spieler in ihrer
stoischen Ruhe. Bis man zur Ruhe geht.

Aber schon um 5 Uhr morgens beginnt in jenen Ländern des
nördlichen Afrikas der neue Tag. Im Kaffeehaus wird es wieder
lebendig. Karawanenführer, Kaufleute, Pferdehändler, Kamel-
treiber und Eseltreiber treffen sich hier. Man umdrängt den
Kaffeehausbesitzer, der niemals seine Ruhe verliert und einem
nach dem andern seiner frühen Gäste die Schale mit dem
heißen Trank reicht. Jede Schale frisch bereitet. Von jener
geheimnisvollen schwarzen Farbe, die bald rot, bald gelb
schimmert. Von dem inneren Feuer, das die Lebensgeister
weckt, während man die ersten Schlucke schlürft. Man denkt
dabei mitleidig an jene modernsten Maschinen in Europa, die
es in den Massenbetrieben unserer Kaffeehäuser ermöglichen
wollen, jedem Gast eine frische, extra für ihn bereitete Tasse
Kaffee zu spenden. Wie im arabischen Kaffeehaus. Man erzähle
das einem dortigen Kaffeehausbesitzer. Er wird in seiner
orientalischen Ruhe lächeln über die Ungläubigen, die glauben,
daß eine „Maschine“ das fertig bringen könne. Nach einer
Stunde ist es im Kaffeehaus wieder still geworden. Der Besitzer
ordnet, sammelt die leergetrunkenen Schalen, und wenn er
dieses Tagewerk vollbracht, so wird er sein eigener Gast. Er
        <pb n="521" />
        DAS KAFFEEHAUS IN SEINER HEIMAT 521
hat Ruhe bis zum Abend, wenn neue Karawanen, neue Gäste
kommen...

Die Reise ist zu Ende. Hotels, Kaffeehäuser und Gaststätten,
ob im Orient oder Okzident, sie dienen alle der Menschheit.
Sie machen die Menschen gleich, zu Brüdern, solange sie unter
ihrem gastlichen Dach weilen. Und sie haben alle miteinander
Berührungspunkte, so verschieden sie in ihrer Art auch sein,
wieviele Tausende von Meilen sie auch trennen mögen. Freuen
wir uns dessen. Aber suchen wir ihnen auch ihre Eigenart zu
erhalten. Denken wir daran, welcher große volkswirtschaftliche
Wert gerade darin ruht.

Erinnern wir uns dessen, daß die Bodenständigkeit, die
Sonderart dieser Kaffeehäuser und Gaststätten unsere Propa-
gandisten und Werber sind, wie wir sie in gleicher Eindring-
lichkeit und überzeugender Kraft künstlich niemals schaffen
können.
        <pb n="522" />
        „=

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

74. DER WERT PERSÖNLICHER BEZIEHUNGEN
Über die bessere Ausnützung jener geschäftlichen und freund-
schaftlichen Beziehungen, die als eine besondere Spezialität
zwischen Hotels und großen Fremdenheimen bestehen, habe
ich schon in den Abschnitten „Briefpapier als Werbehelfer“
und „Der Briefumschlag als Werber‘ geplaudert. In diesem
Kapitel will ich das Gesagte ergänzen, indem ich an die Nütz-
lichkeit der Anknüpfung und Aufrechterhaltung direkter
persönlicher Beziehungen erinnere. Auch diese persönlichen
Beziehungen der Besitzer und Leiter großer Hotels und
Fremdenheime untereinander gehören in das Gebiet der
Propaganda, Was ist die kollegiale gegenseitige Empfehlung,
der Austausch der Gäste, anders als Propaganda? Es ist nicht
die schlechteste! Der kluge und welterfahrene Fachmann kennt
den Wert der Empfehlung von Hotel zu Hotel, von Land zu
Land, Stadt zu Stadt, Kurort zu Kurort. Die Möglichkeit dazu
liegt ebensowohl beim Besitzer und Direktor, als auch beim
Personal. Vom letzteren haben hierzu besonders die Portiers
(in der Schweiz Concierge genannt), Oberkellner, Empfangs-
chefs und Kassierer am häufigsten Gelegenheit, aber auch der
Zimmerkellner und der Restaurantkellner, zuweilen sogar der
Hoteldiener, in der Schweiz Portier genannt, werden hin und
wieder von den Gästen nach empfehlenswerten Hotels, am
nächsten Reiseziel gelegen, gefragt. Die Letztgenannten gewöhn-
lich im Augenblick der Abreise, wenn sie das Gepäck zur Bahn
besorgen.

Der kluge, weitblickende Hotelbesitzer und Direktor wird,
vorbauend, deshalb dreierlei tun:

1. Er wird freundschaftliche Beziehungen mit einer Reihe
von Hotels oder Fremdenheimen des gleichen Ranges in
anderen Städten und, wenn sein Betrieb internationalen
Zuschnitt hat, auch in anderen Ländern anknüpfen und diese
Beziehungen ständig pflegen.
        <pb n="523" />
        DAS KAFFEEHAUS IN SEINER HEIMAT 523
2. Er wird dafür sorgen, daß von jenen befreundeten
Betrieben immer ein genügender Vorrat von Empfehlungs-
karten, Faltprospekten und Werbebroschüren im Bureau und
beim Portier vorhanden ist.

3. Der Hotelbesitzer oder Direktor wird dafür sorgen, daß
das Personal, insbesondere die vorgenannten Kategorien, über
die Adressen der befreundeten Häuser unterrichtet sowie über
etwaigen Wechsel der Beziehungen oder neuangeknüpfte Ver-
bindungen ständig auf dem Laufenden gehalten werden.
Selbstverständlich müssen diese Angestellten auch die Anwei-
sung bekommen, daß dem anfragenden Gast sofort eine Emp-
fehlungskarte und ein Faltprospekt oder eine Werbebroschüre
des empfohlenen Hauses übergeben wird. Daran ist die Bitte
zu knüpfen, der Gast möchte sich auf das empfehlende Haus
bei der Ankunft beziehen, dann würde er in dem empfohlenen
ganz besonders gut empfangen und bedient werden.

Vor dem Weltkrieg war es in manchen Häusern Sitte, dem
fragenden Gast eine schriftliche Empfehlung, schnell auf die
Rückseite der Empfehlungskarte hingeworfen, mitzugeben. Ich
weiß nicht, ob das ratsam ist. Der Gast könnte dadurch miß-
trauisch gemacht und es könnte das Gegenteil des beabsichtigten
Zweckes erreicht werden. Er meidet das empfohlene Haus
womöglich ganz, weil er der übertriebenen Empfehlung
mißtraut.
Es ist angebracht, gerade bei dieser Gelegenheit auf das schon
so oft zurückgewiesene Märchen von den „Geheimzeichen‘“ auf
den Koffern zu erinnern. Immer wieder wurde es aufgewärmt
und in der Presse als wahre Tatsache verkündet, obwohl es
niemals gelungen ist, auch nur einen einzigen Koffer mit jenem
sagenhaften ‚„Geheimzeichen‘“ als Zeugen beizubringen. Be-
kanntlich sollte, angeblich, ein bestimmtes Kreidezeichen, an
unauffälliger Stelle auf dem Koffer des abreisenden Gastes
angebracht, dem Personal im nächsten Hotel verraten: Der
Kofferbesitzer gibt generöse Trinkgelder! Ein anderes Zeichen
sollte verkündet haben: Mittelmäßige Trinkgelder! Wieder ein
anderes: Der Kofferbesitzer ist ein Knicker! Dieses Märchen ist
von harmlosen Kindergemütern unter den Reisenden immer
wieder geglaubt worden, und ich darf, bei der NeiaunS vieler
Menschen zum Mißtrauen, wohl annehmen, daß die Überklugen
oder Überempfindlichen in der schriftlichen Empfehlung so
        <pb n="524" />
        524

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

etwas Ähnliches wie die sagenhaften Kreidezeichen erblicken
könnten.

Die nützlichen und deshalb sehr wichtigen direkten Bezie-
hungen der Hotels zueinander können am besten gepflegt
werden, wenn der Besitzer oder Direktor es sich zum Prinzip
macht, alle befreundeten Häuser. alljährlich mindestens einmal
persönlich zu begrüßen. Zweimal würde ich zu allen reisen, mit
denen die Beziehungen, also die gegenseitige Empfehlung und
der Gästeaustausch, ganz besonders rege sind.

Bei diesen persönlichen Besuchen können Erfahrungen aus-
getauscht, neue Anregungen gegeben und durchgesprochen,
kleine Unstimmigkeiten berührt und beseitigt werden. Es ist
doch selbstverständlich, daß nervöse oder überempfindliche
oder sehr anspruchsvolle Gäste mit dem empfohlenen Haus
nicht immer zufrieden sein werden. Dann könnte es leicht
geschehen, daß sowohl dem empfohlenen als auch dem emp-
fehlenden Hotel oder Fremdenheim mit Entziehung der Gunst
gedroht wird. Ein Fall aus der Praxis mag zeigen, daß derlei
möglich ist und daß es durchaus nicht nur Ausnahmeerschei-
nungen sind. Der Fachmann weiß, daß es oft genug vorkommt
und der Schriftwechsel gar manchen Hotels könnte davon
erzählen.

Im Hotel Jupiter war eine große Hochzeit abgehalten worden.
Das junge Ehepaar reiste am Abend zunächst in eine nahe
Großstadt. Dort hatte es sich vom Direktor des Hotels Jupiter
ein Hotel empfehlen und sich von ihm zugleich telephonisch
anmelden lassen. Nach der Rückkehr von der Hochzeitsreise
helle Empörung bei dem jungen Paar, weil es in dem emp-
fohlenen Hotel ein Zimmer im zweiten Stock (oder gar im
dritten, ich habe es nicht mehr genau im Gedächtnis) erhalten
hatte, anstatt im vornehmen ersten Stock, worauf man im
Hinblick auf den schwiegerväterlichen Geldbeutel unbedingten
Anspruch zu haben glaubte. Der Direktor des Hotels Jupiter
sah sich, wohl oder übel, genötigt, dem befreundeten Hotel
einen geharnischten Schreibebrief zu schicken. Ausnahmsweise
war das in seinen heiligsten Gefühlen gekränkte junge Paar
mit dieser Lösung einverstanden und ließ seine Gnadensonne
wieder über das Hotel Jupiter scheinen. Es hätte aber auch die
Todesstrafe verhängen können...

Wie gesagt, alle derartigen, unvermeidlichen Zwischenfälle
lassen sich bei persönlichen Besuchen aufklären und etwa
        <pb n="525" />
        DER WERT PERSÖNLICHER BEZIEHUNGEN 525
eingetretene Mißstimmungen beseitigen. Aber auch noch ein
anderes ist möglich. Nicht zu Unrecht behauptet ein altes
Sprichwort, daß kleine Geschenke die Freundschaft erhalten.
{m Hotel- und Gaststättenwesen, der Heimat der Trinkgelder-
sitte, bewahrheitet dieses Sprichwort sich am häufigsten. Auch
im vorliegenden Falle der gegenseitigen freundschaftlichen
Beziehungen, der gegenseitigen Empfehlung und. des Gäste-
austausches. Es macht einen guten Eindruck und ist nützlich,
wenn der Hotelier oder der Direktor bei den persönlichen
Besuchen in einen anregenden Gedankenaustausch auch ‚mit
allen vorgenannten Angestellten eintritt. Ein freundschaftlicher
Händedruck mit der biederen Rechten hat schon oft Wunder
gewirkt, namentlich wenn die Linke so tat, als wüßte sie nicht,
was die Rechte noch außer dem Händedruck tat.

{m Interesse und zur besseren Auswertung der persönlichen
Beziehungen könnte, außer den schon besprochenen Brief-
köpfen, Speisenkarten usw., auch noch eine andere Reklame-
form herangezogen werden. Ich meine die Aschenschalen. Sie
werden gewöhnlich von Zigarettenfabriken oder von anderen
Lieferanten zur Verfügung gestellt, sind mehr oder weniger
geschmackvoll und enthalten den Reklameaufdruck oder die
Reklameprägung der stiftenden Firma.

Warum muß das immer ein Geschäftshaus sein? Warum
nützen die Hotelbesitzer diesen zwar alten, aber noch immer
wirkungsvollen Reklametrick nicht für sich selbst und für ihre
Geschäftsfreunde aus? Hier fällt mir eine Geschichte ein. Den
heute eine große Rolle spielenden Druckknopf kannte man
Schon jahrelang an Handschuhen. Bis es eines Tages einem
Äindigen Kopf. einfiel, das tatsächlich praktische Gebrauchsstück
auch anderen Zwecken dienstbar zu machen. Den wackeren
Mann soll seine Idee zum Millionär gemacht haben.

Auf geschmack vollen Aschenschalen lassen sich äußerst wir-
kungsvolle Hotelreklamen anbringen. Im gewöhnlichen
Schwarz- oder Farbendruck, in erhabener Prägung USW. Der
Phantasie ist hier ein breiter Spielraum gelassen. Wenn jene
Hotels, die im gegenseitigen Gästeaustausch miteinander
stehen, zur Anschaffung von Aschenschalen oder Streichholz-
behältern oder von anderen, für solche Zwecke geeigneten Ge-
brauchsgegenständen in dem hier skizzierten Sinne sich ent-
schließen, so würden sie wie der Mann mit den Druckknöpfen
handeln. Sie würden den Nutzen einer guten Reklameidee sich
        <pb n="526" />
        326

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
selbst zuwenden. Da die Kosten repartiert werden, fallen sie
gegenüber dem erzielten Nutzen nicht ins Gewicht.

Ja, persönliche kollegiale Beziehungen sind gut, nützlich und
weise! Sie können, geschickt gehandhabt, die sonstige Reklame
wertvoll ergänzen. Man pflege sie so, wie man seine Küche,
seine Weine und seine Biere pflegt: mit liebevoller Sorgfalt.
Dann wird das Geschäft wie ein Mairöselein blühen und von
der Bilanz am Jahresschluß wird es heißen: Ich verkündige dir
große Freude!

Auch ein gut gewähltes „Andenken“ kann die Jahresbilanz
ohne allzu große Unkosten günstig beeinflussen, wie ich in
einem diesbezüglichen Abschnitt nachzuweisen hoffe
        <pb n="527" />
        WIE SORGE ICH FÜR MEIN UND EIN GUTES ANDENKEN? 527

75. WIE SORGE ICH FÜR MEIN UND EIN
GUTES ANDENKEN?

In den ersten Jahren nach dem Weltkrieg haben die Hotels,
Fremdenheime und Gaststätten seltsame Dinge erlebt. Die „An-
denkenindustrie‘“ sah eine Blütezeit, die leicht zum Tode der
Betroffenen hätte führen können. Die Gäste waren von einer
wahren Sucht nach „Andenken“ beherrscht. Hotels, Fremden-
heime und Gaststätten schienen zur Börse geworden zu sein.
Messer, Gabeln, Löffel, Salz- und Pefferbehälter, Aschenschalen,
Mokkatassen, Sahnengießer, Zuckerschalen usw. waren be-
gehrt; mit Leidenschaft sogar begehrt, wenn sie aus Silber oder
Silberlegierung bestanden. Die Schuhe aller Art, die früher vor
den Zimmertüren ein beschauliches und nachdenkliches Dasein
geführt hatten, sahen plötzlich, namentlich wenn sie neu
waren, sehr „mitgenommen‘‘ aus. Die Gäste waren am Morgen
aufs höchste erstaunt und entrüstet, wenn sie entdeckten, daß
ihre Stiefel sich „verlaufen“ hatten, ohne daß sie an ihre Füße
gekommen waren. Dann wendete der feurige Sammeleifer, die
Andenkenleidenschaft, sich größeren Dingen zu. Kleinigkeiten
genügten den ins Große gehenden Ansprüchen nicht mehr.
Echte und unechte Teppiche, Tischläufer, Läufer, Portieren,
Fenstergardinen, Bettdecken und ganze Federbetten, Bilder,
Tintenfässer und Tischlampen schienen Held Siegfrieds Tarn-
kappe zu besitzen und konnten sich über Nacht unsichtbar
machen. So unsichtbar, daß selbst die schärfste polizeiliche
Spürnase nichts wieder von ihnen entdeckte.

Die Gäste kümmerten sich also mit erfolgreichem Eifer selbst
um ihre Reiseandenken. War es da ein Wunder, daß der be-
kümmerte Hotelbesitzer sich um Beschaffung hübscher und
neuer Andenken nicht mehr kümmerte, da den Gästen die Mit-
nahme der alten Sachen genügte? Dann hatte sich diese krank-
hafte Wut auf Andenken sozusagen totgelaufen, weil entweder
        <pb n="528" />
        528

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

schon alles Mitnehmenswerte mitgenommen war oder weil zu
scharf aufgepaßt wurde. Es trat Ruhe ein. Die Hotelbesitzer
atmeten auf und zählten die Häupter ihrer Lieben, die ihnen
aus der Andenkenschlacht noch geblieben. Und siehe, es fehlte
manch’ teures Haupt.

Ein bekannter deutscher Kurort stellte in seiner Rückschau
über die Saison fest, daß zwar die Quantität der Kurgäste abge-
nommen, ihre Qualität aber zugenommen und sich gegenüber
den Vorjahren wesentlich gehoben habe. Eine erfreuliche Fest-
stellung, die man auch in anderen Kurorten gemacht hat. Er-
freulich sowohl für die Gäste, denen man nun wieder Respekt
entgegenbringen wird, weil auch sie fremdem Eigentum gegen-
über Respekt haben. Erfreulich vor allem aber für die Gast-
stätteninhaber, weil sie bei Verwaltung ihrer Betriebe nun
wieder zu den bewährten Traditionen der Vorkriegszeit
zurückkehren können. Damit wird auch das „Andenken“ seine
Auferstehung feiern, das früher, namentlich wenn es sinnig und
geschmackvoll war, sich bei den Gästen großer Beliebtheit er-
freute. Habe ich doch selbst solche kleine Nippes oft jahrelang
aufbewahrt, die mir in diesem oder jenem Hotel bei der Abreise
verehrt wurden, und die mich dann immer wieder an die in
jener gastlichen Stätte verlebten Stunden erinnerten.,

Es kann natürlich nicht die Aufgabe dieses Werkes sein, ein
Verzeichnis von Gegenständen aufzustellen, die sich für Hotels,
Kurhäuser und Fremdenheime als Andenken eignen. Von
diesem Werk hoffe ich, daß es ein längeres Leben haben wird
als sein Erzeuger, und dann würden die Winke bald veraltet
sein, weil die Andenken genau so der Mode unterworfen sind
wie die Kleider und Hüte unserer Damen. Aber auch, seien
wir ehrlich, wie die Kleider der Männer. Einen Wink will ich
jedoch geben, während ich es sonst der Phantasie jener Industrie
überlasse, die sich mit der Fabrikation von Andenken- und Zu-
gabeartikeln befaßt, immer wieder neue Moden auszudenken.

Ich bitte, mir wieder in das Land der unbegrenzten Mög-
lichkeiten zu folgen. Obwohl Amerika keinen Weltkrieg
verloren hat, sind die amerikanischen Damen doch von einer
wahren Sammelwut beherrscht. Von der Reise müssen sie
alle möglichen, zuweilen auch unmöglichen Andenken mit-
bringen. Das war übrigens schon vor dem Kriege so. Die
amerikanischen Hoteliers wissen das. Da es ihnen nicht gleich-
gültig sein konnte, daß Löffel und Teller usw., auch wenn sie
        <pb n="529" />
        WIE SORGE ICH FÜR MEIN UND EIN GUTES ANDENKEN? 529

die Prägung des Hotels trugen, auf Nimmerwiedersehen ver-
schwanden, ja, dann erst recht verschwanden, weil sie dadurch
den Stempel des echten Andenkens erhielten, so beugte man
vor. Es wurden Löffel und Teller, mit Künstlerbildern auf
der Rückseite geschmückte Speisenkarten und andere kleine
Dinge geschaffen, mit dem geschmackvollen Visum des Hotels
versehen, und dann den entzückten Damen bei der Abreise über-
reicht. Von Stund an gingen auch die heimlichen „Abgänge“,
die vorher unheimlich waren, auf ein erträgliches Maß zurück.

Mokkalöffel und Mokkatassen waren auch in Deutschland
bei den Damen der guten Gesellschaft von jeher sehr beliebt.
Eine hübsche, zierliche Mokkatasse wird immer gern als Ge-
schenk angenommen. Die Mokkatasse nimmt im Porzellan-
schrank der Hausfrau eine besondere, bevorzugte Stellung ein.
Das übrige Porzellangeschirr, ganz gleich, ob es die vornehmen
gekreuzten Meißner Kurschwerter oder eine bescheidenere
Fabrikmarke trägt, muß in Uniform erscheinen. In Muster,
Farbe, Zeichnung und Größe ein Stück wie das andere. Die
Mokkatasse braucht das nicht. Ihr wird liebevolle Nachsicht
entgegengebracht. Je bunter die Kollektion, desto größer die
Freude der Hausfrau.

Der auf der Suche nach sinnigen „Andenken“ befindliche
Hotel- oder Fremdenheimbesitzer könnte sich die Freude der
Hausfrau an bunt zusammengewürfelten Mokkatassen zunutze
machen und sie ohne allzu hohe eigene Kosten erhöhen. Er
lege sich aparte, geschmackvolle Mokkatassen zu, die sowohl
auf der Ober- als auch Untertasse irgendein wirkungsvolles
Bildchen des eigenen Hauses tragen. Aber — und das ist be-
sonders wichtig! — in dezenter Ausführung, Es muß streng
vermieden werden, daß die Mokkatasse den Charakter einer
„Reklametasse“ erhält. Denn dann wird die Dame sie, nach
Hause zurückgekehrt, ganz sicher ihrer Zofe oder ihrem Haus-
mädchen schenken. Der Zweck der Tasse wäre also verfehlt.
_. Unterscheidet sich aber die. Tasse in nichts von einer der
üblichen Mokkatassen, die man in buntesten Variationen in den
Geschäften kaufen kann, und schmiegt sich das Bild des Hauses
und die Unterschrift (um Gottes willen nicht etwa: Andenken
an das Hotel Neptun in Frohwinkel, sondern nur schlicht:
Hotel Neptun in Frohwinkel) in unauffälliger Weise der Zeich-
nung und dem ganzen Charakter der Tasse ein, so wird die
Dame sich wirklich darüber freuen und vielleicht — noch um
        <pb n="530" />
        330

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

eine zweite bitten. Für ihren Mann. Die Zofe oder das Haus-
mädchen wird diese Mokkatassen dann sicher nicht bekommen.

Nun zum Mokkalöffel. Von meinen Reisen habe ich aus be-
merkenswerten Städten und Stätten stets einen jener kleinen,
reizenden, silbernen und matt vergoldeten Emaillelöffel mit-
gebracht, die, meiner Ansicht nach, das Hübscheste und Ge-
schmackvollste sind, was die Andenkenindustrie jemals hervor-
gebracht hat. Der fein ziselierte, zierliche Löffel zeigt gewöhnlich
in der inneren Höhlung, in farbiger Emaillemalerei, irgendeine
typische Ansicht der Stadt; der obere Teil des Griffes meistens
das Stadtwappen. Ich darf ruhig sagen, daß diese Emaillelöffel
stets das Entzücken unserer Gäste erregten, wenn wir beim
Mokka angelangt waren. Sie wanderten immer von Hand zu
Hand und wurden bewundert.

Wäre ich Besitzer eines mondänen Hotels oder eines vor-
nehmen Fremdenheims, ich ließe mir von einem künstlerisch
veranlagten Ziseleur ein besonders reizvolles Muster eines
solchen Emaillemokkalöffels entwerfen. Der innere Hohlraum
des Löffels würde ein wirkungsvolles Bild, eventuell auch ein
Interieur meines Hauses, mit entsprechender Unterschrift, in
farbenfreudiger Emaillemalerei tragen. Von diesem Löffel
würde ich mir durch eine leistungsfähige Fabrik eine größere
Anzahl, matt vergoldet, anfertigen lassen. Im Frieden habe ich
für diese Emaillelöffel, je nach der technischen Ausführung
und ihrer Schwere, acht bis vierzehn Mark durchschnittlich
bezahlt. Nur einzelne, hervorragend schöne Stücke, kosteten
zwanzig Mark. Ich nehme an, daß bei einem größeren Auftrag
die Kosten sich um die Hälfte verringern werden, denn die von
mir genannten Zahlen sind Händlerpreise; es ruhte darauf der
Gewinn des Fabrikanten, des Grossisten und des Kleinhändlers.

Diese Mokkalöffel würde ich bei der Abreise jenen Gästen
verehren, die längere Zeit bei mir wohnten, zufrieden waren und
an deren Wiederkommen mir gelegen ist. Wenn sie wieder-
kommen, dann würde ich einen Emaillelöffel mit einem
anderen Bild für sie bereithalten. Daß ich damit wirklich
Freude bereiten würde, und daß der Löffel tatsächlich auch
in den Silberschrank wandert und bei Hausfestlichkeiten zum
Mokka gereicht werden und dann für mein Haus vornehme
Reklame machen wird, davon bin ich überzeugt. Der kleine,
farbenfreudige Bote meines Hauses würde also für mich reden
und werben, wenn die Erinnerung an den Aufenthalt bei mir
        <pb n="531" />
        WIE SORGE ICH FÜR MEIN UND EIN GUTES ANDENKEN?

58.

ger

Behterke , Darı

KunferenTäle
für
Kuftichterafslikbungen
Hotel
Färk zu Siolberg
900 Bimmer, 40 Bäber
Eigentümer
frorag Sılmarga
YeNTäle
Ny ro
A ACC x‘
46 S
A KR
A.
On fe
Ga
Das ganze Nahr geöffnet

Titelseite eines Taschen-
kalenders.
In grün-schwarz-weiß,.
Charakteristisch durch Ver-
wendung des Kennzeichens.

für
Yamilienfetern

Hernruf: 12, 49, 60

Letzte Seite dieses
Taschenkalenders.

EDEN-HOTEL
MÜNCHEN
direkt am Hauptbahnhof Nordbau
and am Starnberger Bahnhof. Arnulfstraße 6/8
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Tel. 53 156 und 54630. Tel»=Adr.: Bdenhotel

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FAMILIEN-HOTEL

EDEN-HOTEL, MÜNCHEN

N Titelseite eines Taschenkalenders.
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Kofferetikette.

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mit fließendem kalten und warmen Wasser und

Staatstelephon. Abgeschlossene Wohnungen u.

Zimmer mit Privatbädern. Konferenz«Zimmer.
Varnehme Hallenräume

Letzte Seite dieses Taschenkalenders.
        <pb n="532" />
        332

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
vielleicht schon verblaßt ist. Dann würde die Erinnerung, wenn
mein Löffel, zusammen mit den anderen der hausfraulichen
Sammlung, an der Tafel die Runde macht, wieder aufleben,
und die Hausfrau oder der Hausherr würden wahrscheinlich
von den schönen Stunden im Hotel Neptun in Frohwinkel zu
erzählen beginnen. Das aber hätte mein winzig kleiner Bote
bewirkt.

Natürlich sind auch andere Andenken möglich. Von den
Reisenden der Andenkenindustrie werden oft genug derartige
Angebote gemacht. Kalender und Notizbücher sind wohl am
häufigsten darunter. Ich gebe die erste und letzte Seite zweier
Taschenkalender als Musterbeispiele wieder. Davon ist der eine
durch Verwendung des „Kennzeichens‘“, der andere durch Ver-
wendung der Kofferetikette bemerkenswert.

Ich will noch auf eine Möglichkeit hinweisen, die sich solche
Hotels nutzbar machen könnten, deren Stadt oder Kurort Sitz
einer besonders charakteristischen Industrie ist. Es sei an Köln
und Dresden erinnert. Ein Andenken in Form einer aparten,
nicht alltäglichen Kassette, mit Kölnisch Wasser gefüllt, würde
wohl jedem Gast Freude machen. In der Zigarettenstadt Dres-
den könnte ein eleganter Karton mit Zigaretten, eigene Haus-
marke, dieselbe Wirkung ausüben. Die „eigene Hausmarke“,
die bei einem größeren Auftrag jede Fabrik liefern würde, wäre
zugleich auch eine wirkungsvolle Reklame für das Hotel.
Warum sollte, um es an einem Beispiel aus dem Leben zu
zeigen, der Europa-Hof in Dresden nicht eine eigene Zigaretten-
marke „Europahof“‘“ schaffen und führen?
        <pb n="533" />
        DIE PROPAGANDA IM AUSLAND

76. DIE PROPAGANDA IM AUSLAND
In allen europäischen Reiseländern hat eine fast fieberhafte
Tätigkeit eingesetzt, um den Ausländerverkehr im eigenen
Lande zu heben. Ist man doch zur Erkenntnis gelangt, daß ein
reger Ausländerverkehr dem intensivsten Export gleichwertig
ist, und daß er die eigene Handelsbilanz günstig beeinflußt. In
drei bedeutenden Reiseländern: Schweiz, Italien und Frank-
reich, hat man es nur dem Fremdenverkehr zu danken, daß
die Handelsbilanzen ungefähr balancieren. Ohne die von den
Ausländern ins Land getragenen Gelder würden die Handels-
bilanzen in den genannten Ländern ebenfalls notleidend sein
wie in Deutschland und Österreich. Deshalb ist das Kapitel von
der Auslandswerbung für die Interessenten am Fremden-
verkehr, aber auch für die gesamte Volkswirtschaft von
ungeheurer Wichtigkeit.

Zunächst sei eine Frage erörtert, die besonders für die Hotel-
besitzer wichtig ist:

Hat es Zweck, im Ausland für ein Hotel Reklame durch
Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften zu machen?

Die Frage läßt sich nur generell beantworten. Nützen kann
die Hotel-Anzeige in den hierfür in Betracht kommenden euro-
Päischen Ländern, weil der von dort einreisende Fremde wohl
in den meisten Fällen schon ein festes Reiseprogramm und eine
bestimmte Reiseroute hat. Anders liegen die Dinge dagegen bei
der überseeischen Werbung, ganz besonders bei der amerika-
Nischen. Einer der bekanntesten deutschen Hotelfachmänner,
Generaldirektor G. Gottlob vom Frankfurter Hof und Englischen
Hof in Frankfurt a. M., hat im Sommer 1925 eine Studienreise
nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika gemacht, In
New York hatte er Gelegenheit, mit einem der prominentesten
Männer des Verkehrswesens über die europäische und deutsche
Werbung in Amerika zu sprechen. Dieser Amerikaner war der
        <pb n="534" />
        334

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Meinung, daß die Mentalität und die Psyche des Amerikaners
bei der europäischen Werbung und Reklame viel zu wenig
beachtet werde. Die Reklame irgendeines einzelnen Hotels in
Amerika sei nahezu wertlos. Sie interessiere den Amerikaner
gar nicht, denn für ihn komme die Wahl des Hotels erst in
dritter oder vierter Linie. Zuerst komme die Frage: Mache ich
überhaupt einen Trip nach dem alten Erdteil? Zweitens:
Welche Länder werde ich besuchen? Drittens: Welche Gegenden
und Städte? Die Unterkunftsfrage entscheide sich dann ganz
von selbst. Jedwede Art europäischer Verkehrswerbung müsse
deshalb prinzipiell darauf eingestellt sein, den Amerikaner für
den Besuch des eigenen Landes zu interessieren und zu
gewinnen. Die Richtigkeit dieser amerikanischen Einstellung
wird jeder bestätigen können, der einmal mit offenen Augen
in Amerika gereist ist oder die dortigen Verhältnisse wenigstens
in der Theorie gründlich studiert hat. Die Kenntnis und
Beachtung dieser Tatsache ist für den Hotelbesitzer auch
deshalb wichtig, weil die Zeitungsreklame in den U, S. A. sehr
kostspielig ist. Die für ganz zwecklose Inserate eventuell bereit-
gestellten Mittel können also für geeignetere Werbung ver-
wendet werden.

Ähnlich liegen die Dinge bei der Werbung in Asien, in Nord-
und Südafrika und in Australien. Hier sei eingeschaltet, daß
Südafrika und Australien bei unserer Auslandswerbung sehr zu
Unrecht etwas stiefmütterlich behandelt werden. Von Australien
hat sich zum Beispiel im Frühjahr 1925 eine wahre Hochflut
von Touristen nach Europa ergossen, und auch die Dampfer-
linien, die Europa mit der Südafrikanischen Union verbinden,
waren mit Europafahrern überfüllt. Man suggeriere diesen
Pilgern in die Alte Welt, die fast immer mit einem mehr-
monatigen Aufenthalt rechnen, den Besuch des eigenen Landes!
Geschieht es geschickt, wird es auch immer Erfolg bringen.
Denn wenn der Australier, der Südafrikaner, der Asiate nach
Europa reist, dann will er recht viel sehen!

Fast ebenso wie in Nordamerika liegen die Verhältnisse in
den größeren Staaten von Zentral- und Südamerika. Dort sind
in den letzten Jahren auch in politischer Beziehung gesündere
Verhältnisse eingezogen und der Weltkrieg mit seinen Um-
wälzungen hat eine neue Schicht von Reichen und Wohl-
habenden geschaffen. Diese sind nicht abgeneigt, einen Teil
ihres Überflusses in Europa zu verzehren. Man lege ihnen das
        <pb n="535" />
        BILD G
ABOUT, ABOARD

FE Chan E40 Eve ca des at

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aurte Kaley Leoper. pl Ci HaTEEE Kur
Zara, abo? Mary zontene, Mes Cunper
Abe Chad na ec far nr sen,

Musterbeispiel der Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung,
Englische und amerikanische Schiffahrtsgesellschaften photographieren den Kapitän
in der Unterhaltung mit Passagieren und nennen dabei den Schiffsnamen.
        <pb n="536" />
        VER THE JUMPS IN ENGLAND

Hurdle rieing still
Bourishes in England,
eepechafly at local hunt
meets where farmers
ee JUMREES EEE

A danger öyer hurdies
is when a section is
imashed and follow.
DE horses fait (6 rise
'o the jump; and fall

BILD 170.

„dt“

Musterbeispiel der Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung
Die beiden englischen Bilder oben (10) zeigen: wie man Sport- und andere Aufnahmen
richtig, nämlich typisch, macht. Das untere, deutsche Bild (11) soll ebenfalls eine
Aufnahme „vom Rennen“? darstellen.
        <pb n="537" />
        DIE PROPAGANDA IM AUSLAND

537

durch geschickte Werbung nahe. Man suggeriere ihnen den
Wunsch, bei dieser Europatour auch dem werbenden Land
unbedingt einen längeren Besuch abzustatten. Aber — — man
hüte sich bei der Werbung in Zentral- und Südamerika vor
jenen kleinen „Sprachfehlern“, die große, aber unerfreuliche
Wirkungen haben können. Hierunter verstehe ich einen Fehler
bei der Wahl der Sprache. Ein Mißgriff auf diesem Gebiete
kann die ganze, klug durchdachte und sorgfältig vorbereitete
Werbearbeit hinfällig machen. Wie leicht und zugleich wie
gründlich das möglich ist, will ich an einem Beispiel aus dem
kaufmännischen Leben zeigen.

Eine deutsche Filmgesellschaft hatte sich brieflich an eine
deutsche Firma in Guatemala, Südamerika, gewandt, um diese
als Abnehmer zu gewinnen. Also eine ganz alltägliche Art der
Werbung, über die eigentlich gar nichts zu sagen wäre. Ihr
besonderes, recht unerfreuliches Gesicht bekam diese Werbe-
affäre erst durch den bedauerlichen „Sprachschnitzer‘ der
Filmgesellschaft. Diese hatte nämlich den fast unglaublichen
Denkfehler begangen, einer deutschen Firma in dem spanisch
sprechenden Guatemala in — — französischer Sprache zu
schreiben! Sie bekam dafür eine Abfuhr von ungewöhnlicher
Schärfe.

Bei den Werbeschriften und Auslandsanzeigen hüte man sich
vor einem weiteren, oft begangenen Fehler. Sobald zum Ausland
gesprochen wird, muß man in erster Linie vom Land, dann erst
von der Stadt reden. Die für England und Amerika bestimmte
Werbebroschüre oder Anzeige trage deshalb am Kopf groß die
Bezeichnung des Landes:

GERMANT.
Oder, wenn eine schweizerische Fremdenstadt, ein schwei-
zerischer Kurort, ein schweizerisches Hotel die Broschüre, den
Faltprospekt oder das Inserat in England oder Amerika ver-
breiten, so rufe man recht kräftig:

SWITZERLAND.
An Hand zweier Musterbeispiele, die ich dem Text eingliedere,
versuche ich diese wichtige Forderung deutlich zu machen.
Man halte sich vor Augen, daß die geographischen Kenntnisse
Sogar bei den Gebildeten zu wünschen übrig lassen. Wo
Germany, Switzerland, Austria zu suchen sind, weiß wohl jeder
        <pb n="538" />
        38

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Engländer und Amerikaner. Anders ist es mit Ortsnamen.
Entweder hörte man „drüben‘ überhaupt noch nichts von
ihnen, oder man hat keine Ahnung, wo die Stadt oder der
Badeort liegen. Dazu kommt noch, daß in Amerika selbst zum
Beispiel zahlreiche deutsche Ortsnamen vertreten sind. Manche
sogar in mehreren Auflagen. So gibt es nicht nur in Deutschland
zwei Frankfurts, sondern auch in den U. S. A. existieren einige.
Man kann sich danach wohl vorstellen, was die Werbebroschüre
aus Bad Frohwinkel dem Stockamerikaner sagt, wenn nicht
über dem Ortsnamen in viel fetterem Druck „Germany“ steht.

I

Es sei auf die zwingende Notwendigkeit für den Werbe-
(achmann sowohl als auch für den Hotelfachmann hingewiesen,
der spanischen Sprache mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden!
Meines Erachtens ist die Kenntnis der spanischen Sprache
heutzutage notwendiger und wichtiger als die des Französischen.
Das wird nur in Frankreich, in der französischen Schweiz und
in Französisch-Kanada gesprochen. Glaubt man, daß diese
Länder für die Fremdenverkehrswerbung anderer Länder
irgendwie in Frage kommen könnten? Man studiere die Statistik
des internationalsten europäischen Reiselandes, der Schweiz.
Darin kommt Frankreich immer erst sehr weit hinten! Der
Franzose geht überhaupt nicht oder nur sehr selten ins Ausland!
Dagegen ist der Spanier reiselustig, auch hat das Hotelwesen
dort seit einiger Zeit einen bemerkenswerten Aufschwung
genommen und die Bemühungen zur Hebung des Fremden-
verkehrs in Spanien sind augenfällig. Ebenso reiselustig ist der
Südamerikaner. Er besucht gern Europa und gern wird er nach
Ländern kommen, für die er Sympathien hat, wenn er weiß,
daß er gut aufgenommen wird, und daß er mit seiner Landes-
sprache, dem Spanischen, fortkommt.

Vor dem Weltkriege waren die Lieblingsziele des ins Ausland
reisenden Spaniers die nahe an der Grenze gelegenen Badeorte,
wie St. Jean de Luz, Bayonne, Biarritz, Vernet-les-Bains usw.
Natürlich sind die Spanier auch in Paris in größerer Zahl zu
treffen. Das sollte für die Verkehrswerbung anderer Länder ein
Wink sein! Man mache den Spanier auf die Schönheiten des
eigenen Landes aufmerksam, gewinne sein Interesse durch
fesselnde Werbeschriften in spanischer Sprache und durch
anregende Schilderungen in den großen Zeitungen und Zeit-
        <pb n="539" />
        DIE PROPAGANDA IM AUSLAND

639

schriften Spaniens. Mehr Pflege der spanischen Sprache ist
auch schon der Besucher aus Zentral- und Südamerika wegen
nötig. Wie die Dinge heute liegen, eröffnen sich dort am ehesten
Aussichten auf Erfolg. Nicht außer acht gelassen werden darf,
daß die Handelsbeziehungen mit Spanien sowie mit den
Spanisch sprechenden Ländern Zentral- und Südamerikas ganz
von selbst einen regen Besuchsaustausch mit sich bringen
müssen. Das Hotel- und Fremdenheimgewerbe, die Verkehrs-
städte, Kur- und Badeorte sollten in eigenem Interesse auf diese
folgerichtige Entwicklung der Dinge sich rechtzeitig einstellen!
Wenn ich Leiter eines großen, auf internationalen Besuch
angewiesenen Hotelbetriebes oder des Verkehrsbureaus einer
Fremdenstadt oder eines Kur- und Badeortes wäre, so würde
ich sehr bald einmal nach Spanien reisen, die Verhältnisse
studieren und mit den dortigen Fremdenverkehrsvereinen und
den großen Hotelbetrieben persönliche Beziehungen anknüpfen.

Zur Orientierung für Interessenten sei mitgeteilt, daß in allen
mittel- und südamerikanischen Ländern Spanisch (nicht Fran-
zösisch, wie viele fälschlich wähnen) gesprochen wird. Nur
Brasilien macht davon eine Ausnahme. Dort ist Portugiesisch
die Landessprache.

Es kann gar nicht oft genug wiederholt werden, daß jedwede
Auslandswerbung, soll sie Erfolg bringen, auf die Psyche der
Bewohner des in Frage kommenden Landes eingestellt sein
Muß, Der amerikanische Reporter ist eine Erscheinung, wie
wir sie in ihrer Eigenart in Europa noch nicht kennen. Ob
„leider“ oder „Gott sei Dank“ sei hier unentschieden, es steht
Nicht zur Debatte. Jeder amerikanische Reporter und Journalist
Setzt seinen Lesern das an geistiger Lesekost vor, was diese
haben wollen. Nur danach richtet er sich. Mit der Wahrheit
limmt er es dabei nicht genau. Sie kommt etst in zweiter oder
dritter Linie. Zuweilen kommt sie auch gar nicht.

Nun will ich keineswegs predigen, man brauche es bei der
amerikanischen Werbung mit der Wahrheit nicht so genau
Zu nehmen. Ein bißchen Flunkern sei doch wunderschön! Nein!
Wenn es auch erlaubt ist, bei der Werbung die Trommel etwas
kräftiger zu schlagen, so muß der Propagandist doch immer in
3()%
        <pb n="540" />
        440

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

den Grenzen der Tatsachen bleiben. Es sei hier an ein Beispiel
aus jüngster Zeit erinnert. Der Verkehrsverein eines Ööster-
reichischen Wintersportplatzes hatte die Anfrage einer Sport-
vereinigung in England nach den Schneeverhältnissen dahin
erwidert, daß sie günstig seien. Als die Sportler eintrafen, fanden
sie keinen beziehungsweise nicht genügend Schnee für Aus-
übung des Wintersports vor, gingen zum Kadi und verklagten
den Kurort auf Ersatz ihrer nutzlos aufgewendeten Reise-
spesen. Hier war den Anfragenden wohl geantwortet worden,
was zu hören ihnen Freude machte, aber es ist doch nicht das
Richtige gewesen, weil es nicht richtig war.

Die amerikanische Psyche ist auf Sensationen eingestellt.
Ganz besonders kultiviert wird die gesellschaftliche Bericht-
erstattung, fast hätte ich Klatsch geschrieben. In diesem demo-
kratischsten aller Länder verfolgt die breite Öffentlichkeit das
Leben und Treiben seiner „upper ten thousand“, seiner guten
Gesellschaft, mit einer Aufmerksamkeit und einem kindlichen
Interesse, das für uns nahezu unverständlich ist. Hier sollte
der Amerikaner gepackt werden, an diesem psychologischen
Punkt sollte ein Teil unserer amerikanischen Propaganda ein-
setzen. Da der Amerikaner in seiner Presse allerhand Wichtig-
keiten und — — Nichtigkeiten über das hören will, was man
unter dem Sammelbegriff der guten Gesellschaft versteht, so
serviere man ihm diese Kost. Vielleicht, wahrscheinlich sogar,
wird sie sich besser bezahlt machen als wunderschöne Werbe-
schriften, die, leider, so oft dem Schicksal vielen bedruckten
Papieres verfallen. Nun möge ein Beispiel folgen, wie ich mir
diese Gelegenheitswerbung denke.

In der „Amerikanischen Schweizer-Zeitung‘ die in New York
erscheint und keineswegs nur von Schweizern gelesen wird,
fand ich folgende Notiz: „Unter den Kurgästen in Gstaad sind
zu erwähnen: Der Maharadscha Gaekwar von Baroda, Herzog
und Herzogin von Hamilton, Lords Malcolm, David und Rigel
Hamilton, Marquess von Clydesdale, Marquis Raul de Riencourt
mit Familie, der berühmte Maler John Newson und andere.
In Grindelwald sind anwesend: Sir Arthur Conan Doyle, der
vor 30 Jahren mit Freunden den Skisport in Davos und in der
Schweiz einführte, der bekannte Verfasser der Sherlock Holmes-
Geschichten, mit Familie. In Mürren weilen der Schriftsteller
William Le Queux, Verfasser einer Schrift über Interlaken, Sir
Claude Shuster, General Sir Ch. Hobell, Admiral Sir Ch. Kings-
        <pb n="541" />
        GRAND
HOTEL
CONTI:
NENTAL
MUÜNCHEN

The most refined, artistic
and up-to-date Hotel
of Munich,

BILD 79

Musterbeispiel der Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung.
Ds Biltmore Hotel in Los Angeles (Bild 19) bringt seine Reklamen richtig unter
em Schlagwort Californien! — Das deutsche Hotel (Bild 20) sagt nichts
bon dem für Amerikaner so wichtigen Germany, denn in Amerika ist fast jeder
deutsche Städtename oft in mehreren Wiederholungen vertreten!
        <pb n="542" />
        ST. MORITZ
Visit THE PALACE im February and March
3 Hours Sunshine Sun-Baths in. the ‚Snow
Grand Horse-Racing Week on St, Moritz Lake
Oresta Curzon Cup and Grand National
Grand Bobsleigh Derby
Tennis Championship on covered court of The Palace
Best months for High Alpine Skiing and Exeursions
Open-Air Restaurant
Apply personally to
HANS BADRUTT
TTTTTT 7ER HERE EEE
BILD 27

CN a]
KISSINGEN
The Famous
BAVARIAN SPA
"Ggrmany)

For complaints of the
Stomach— Tntestinesn
Heart Obesity— Gout
—Arterio-Scherosis,
Rakoczy. Drinking
Cure, Carbonie Avid
Saline and Mud Baths
GOLF GOLF
\LE KINDS OF SPORT

\
AN Ihe Comfort and
Umenities of «a Fashionable
Thermal Resort
Season:
March to November
Mineral waters despatched by
SPA PRODUCTS, INC

For information apply
“GERMAN HEALTH
RESORTS)

630 Filth Ave, NEW YORK
BILD 22

. Musterbeispiel der Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung.
Der Name St. Moritz ist jedem Amerikaner geläufig, er weiß, daß es in der Schweiz
licgt und er weiß, wo er die Schweiz zu suchen hat. — Bei Bad Kissingen ist das
nicht der Fall, es. müßte daher Germany groß voransetzen! Bavarian-Bayern kennen
die wenigsten Amerikaner.
        <pb n="543" />
        DIE PROPAGANDA IM AUSLAND

A

will und Lady Buckingham sowie andere. Kronprinz Olaf von
Norwegen trifft dieser Tage zu längerem Aufenthalt in Wengen
ein. Als Mitglied des Oxford University Skiklubs wird Kron-
prinz Olaf bei einer der nächsten Springkonkurrenzen an der
Jungfrauschanze starten.“

in unauffälliger und unaufdringlicher Weise wird hier in
einem Atemzuge für fünf schweizerische Kurorte kostenlos Re-
klame gemacht. Man arbeite diese Notiz in echt amerikanischem
Geiste um, schneide sie auf die amerikanische Gesellschaft zu
und lasse die Handlung in Städten oder Kur- und Badeorten
der Heimat spielen. Etwa so: Zu den prominenten Gästen des
Olympia-Hotels in Frohwinkel zählen seit kurzem Mrs. und Mr.
Verywell aus Cincinnatti, denen der Ruf vorauseilte, daß Mrs.
Verywell eine der besten und graziösesten Tänzerinnen der
Alten und Neuen Welt sei, während Mr. Verywell zu den erfolg-
reichsten amerikanischen Börsenkönigen der letzten zehn Jahre
gehört. Unsere Landsleute erregen in der guten, internationalen
Gesellschaft Frohwinkels berechtigtes Aufsehen und Anmeldun-
gen amerikanischer Gäste in Frohwinkel und im Olympia-Hotel
haben sich seit dem Eintreffen von Mrs. und Mr. Verywell auf-
fällig gehäuft. — Oder: Der berühmte amerikanische Schrift-
steller Optun Clinsair, dessen Buch „The Marsh‘ vor Jahren
so ungeheures Aufsehen machte und zu einer gründlichen Re-
form der Chicagoer Schlachthäuser Veranlassung gab, ist im
Eliland-Hotel in Ypsilonstadt eingetroffen. In der dortigen Ge-
sellschaft, die unsern Landsmann mit offenen Armen empfing,
erzählt man sich, daß er Studien über die Zustände während
der furchtbaren deutschen und österreichischen Inflations-
Periode machen wolle. Die Leitung des Eliland-Hotels bereitet
eine besondere Ehrung für unseren berühmten Landsmann vor.

Mit solchen gesellschaftlichen Notizen, die unserem Ge-
schmack nicht sonderlich zusagen, würde man die Psyche des
Amerikaners treffen. Man würde ihn reizen, den Gedanken zu
erwägen: wie sein Landsmann Mr. Verywell auch einmal pro-
Minenter Gast Frohwinkels sowie des Olympia-Hotels zu werden.
Der Zweck heiligt die Mittel, das trifft bei der Reklame mehr
loch als bei irgend etwas anderem zu.

Auch beim Bild sollte man auf diese Besonderheit des
Amerikaners Rücksicht nehmen und die gewohnten Bahnen
verlassen, selbst wenn man persönlich vielleicht eine andere
Einstellung hat. Es darf nicht vergessen werden, daß bei der
        <pb n="544" />
        544

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Propaganda, der Reklame, niemals die eigenen Wünsche oder
die vielleicht scharf ausgeprägte eigene Geschmacksrichtung
entscheiden dürfen, sondern in erster Linie: wie gewinne ich
den, um den ich werbe? Der Amerikaner hat es besonders gern,
wenn ihm bekannte und beliebte Persönlichkeiten im Bild vor-
geführt werden. Sei es im Kino, in der Zeitung oder auch in der
Reklame. Er wundert sich nicht, sondern er freut sich darüber,
wenn ihm auf dem Werbeprospekt eines Kurortes oder Hotels
eine heimische Schönheit, eine bekannte Filmgröße oder sonst
eine prominente Persönlichkeit der Staaten begegnet. Man darf
dem Amerikaner auch ruhig erzählen, wer alles aus den U. S. A.
schon im Hotel eingetroffen ist. So hat zum Beispiel das
Schwarzwaldhotel Waldlust in Freudenstadt, das starken Aus-
länderbesuch hat, im Sommer 1926 auf einem gut ausgestatteten
Zirkular eine lange Liste von Gästen aus den U. S. A. auf-
gezählt, die anwesend sind oder im Laufe der letzten Wochen
im Hotel gewohnt hatten. Dazu noch einige originelle Licht-
bilder, die bekannte Amerikanerinnen, darunter einen Filmstar,
bei der Ankunft, bei der Abreise, im Gespräch mit dem
Besitzer des Hauses zeigten. Zwei dieser Bilder gebe ich, mit
den Originalunterschriften, als Musterbeispiele wieder. So
etwas gefällt und imponiert dem Amerikaner.

Bei der Auslandswerbearbeit auf dem Gebiete des Fremden-
verkehrs liegt noch manches Gold auf der Straße. Man muß
es nur sehen und sich dazu entschließen können, es aufzuheben.

Es genügt nicht, Faltprospekte, Werbebroschüren, nette
kleine oder größere Artikel herzustellen und sie dann im In-
und Auslande zu verbreiten. Es genügt noch nicht, den Pro-
spekten, Broschüren usw. ein gutes Äußere zu geben, obwohl
gerade die typographische Ausstattung niemals als Ding von
nebensächlicher Bedeutung behandelt werden darf. Kleider
machen Leute, trifft auch bei der Werbearbeit zu. Ebenso
wichtig wie die äußere Form, sogar noch viel wichtiger, ist der
Inhalt. Also der erzählende Text, der den Photos in der Bro-
schüre oder im Faltprospekt beigegeben wird.

Tatsächlich: noch wichtiger! Denn dieser Text soll den
fremden Leser fesseln, ihn anreizen, bis zu Ende zu lesen und,
wenn er bei der letzten Zeile angelangt ist, ihm den Wunsch
        <pb n="545" />
        Douglas Fairbanks und Mary Pickford nach ihrem Erholungsaufenthalt im Schwarzwald-
hotel Waldlust in Freudenstadt.
        <pb n="546" />
        Mary Pickford verspricht dem Besitzer des Schwarzwaldhotels Waldlust in
Freudenstadt, in 14 Tagen wiederzukommen
        <pb n="547" />
        DIE PROPAGANDA IM AUSLAND

Ar

suggerieren: Was dir hier in Wort und Bild näher gebracht
wurde, möchtest du wohl einmal in Wirklichkeit sehen! ;

Nur der Prospekt, nur die Werbebroschüre erfüllen wirklich
ihren Zweck, denen diese undefinierbare Suggestionskraft
innewohnt. Diese Kraft kann aber nur der in ein solches Werk
hineinlegen, der die Art und das Wesen jenes Menschen kennt,
an den er sich wendet. Der in seiner Sprache mit ihm spricht.
Das geschieht aber noch lange nicht, wenn der ursprüngliche
Text ins Englische übersetzt wird, falls das Werbematerial für
England oder Amerika bestimmt ist. Der richtige Werbezweck
wird noch nicht dadurch erfüllt, daß die eigenen Gedanken und
Worte ins Holländische übertragen werden, weil sie zu Hollän-
dern reden sollen. Oder ins Spanische, weil die Werbeschrift
nach Spanien oder noch weiter, nach Zentral- und Südamerika
reisen soll.

Diese trockene und nüchterne, zuweilen nicht einmal gute
Übersetzung von Werbetexten in fremde Sprachen trägt in
allererster Linie die Schuld, wenn die erhoffte Wirkung der
Werbekampagne ausbleibt. Der Grund ist sehr einfach. Der
gedruckte Werber sagt dem Leser nichts, weil er diese Sprache
nicht versteht. Er kann sie wohl lesen, aber nur mit den Augen
und mit dem Verstand. Die Worte tönen nicht, sie dringen nicht
in seine Seele, fassen ihn nicht beim Gemüt, gehen am Herzen
klanglos vorüber. Es ist wohl seine „Sprache“, es sind seine
Laute, die der Fremde da liest, aber er versteht sie doch nicht,
weil sie nicht im gewohnten Gedankengange zu ihm reden!

Wer öfter amerikanische Zeitungen in englischer Sprache
liest, und die darin enthaltenen Reisebeschreibungen mit ähn-
lichen Aufsätzen zum Beispiel in deutschen Zeitungen ver-
gleicht, dem wird sogleich ein großer Wesensunterschied
auffallen. Der amerikanische Schilderer schreibt anders als der
deutsche, weil seine Leser auch anders lesen.

Da haben wir den eigentlichen Kern dieser Betrachtungen:
die Psyche des fremden Volkes, das für ein Land oder für einen
Ort interessiert und als Besucher gewonnen werden soll, muß
man kennen. Nur wer es versteht, sich bei seiner Werbearbeit
geschickt auf die fremde Psyche einzustellen, wird über die
Ergebnisse dieser Arbeit sich wirklich aufrichtig freuen können
und mit ihnen zufrieden sein.

Am vorteilhaftesten dürfte es sein, wenn man den fremd-
sprachlichen Text einem federgewandten Angehörigen jenes
        <pb n="548" />
        548

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Landes überläßt, für das die Broschüre oder der Prospekt
bestimmt ist. Man liefere ihm nur die Unterlagen, binde ihn
aber nicht sklavisch an den eigenen Text, der vielleicht aus-
gezeichnet für heimische Leser ist, in Amerika aber unter
Umständen die Rolle jener Glocke spielt, der der Klöppel fehlt.
Der von einem feder- und landeskundigen Amerikaner aus-
gearbeitete Text wird für Amerika wohl immer geeigneter sein,
als die orthographisch und grammatikalisch auf der Höhe
stehende, von einem heimischen Sprachenprofessor hergestellte
genaue Übersetzung des Urtextes. Die Wirkung würde ganz
sicher größer sein als die trockene Übersetzung eines vorhan-
denen Urtextes,

Es gibt im Ausland eine größere Anzahl verbreiteter Zeit-
schriften und Zeitungen, die ihre Korrespondenten in inter-
nationale Reiseländer senden und Originalbriefe über das dort
Gesehene und Erlebte veröffentlichen. Man nütze dieses auf der
Straße liegende Gold mehr als seither für die Werbearbeit aus.
Die Werbemittel werden dadurch abwechslungsreicher, und sie
bekommen für den zu gewinnenden Ausländer eine zugkräf-
tigere persönliche Note. Man vereinige solche Schilderungen zu
einer gut ausgestatteten und mit geschmackvollen Bildern
geschmückten Broschüre und verbreite sie ausschließlich im
Heimatlande des betreffenden Journalisten.

Natürlich darf man nicht vergessen, daß es überall Gesetze
zum Schutz des Urheberrechts gibt. Die Genehmigung entweder
ües Verfassers oder des Verlegers der Zeitschrift, worin der
Aufsatz erschien, muß eingeholt werden. Was auch ohne die
Schutzgesetze eine selbstverständliche Anstandspflicht ist, denn
kein rechtlich denkender' Werbefachmann wird fremdes
geistiges Eigentum ohne Erlaubnis auf seinen Acker verpflanzen.

Zum Schluß noch ein wichtiger Fingerzeig für die Auslands-
werbung, insbesondere die überseeische. London und Paris
sind für die nord- und südamerikanischen, für die Touristen
aus Asien, Afrika und Australien entweder Ausgangspunkt oder
wenigstens Hauptpunkt ihres Europatrips. Diese Weltgeltung
den beiden Metropolen streitig zu machen, dürfte schwer
fallen. Deshalb nütze man die dadurch gebotenen Werbe-
möglichkeiten tatkräftig und geschickt aus. Man versuche, an
die Überseer in London und Paris heranzukommen. Man
knüpfe mit den dortigen internationalen Reisebureaus Ver-
bindungen an.
        <pb n="549" />
        BILDER, DIE IN AMERIKA GEFALLEN UND WERBEND WIRKEN 549

7/7. BILDER, DIE IN AMERIKA GEFALLEN
UND WERBEND WIRKEN

Eine interessante New Year’s-Broschüre.

Im Kapitel über die Propaganda im Ausland sowie in einigen
anderen Abschnitten habe ich nachdrücklich auf die Not-
wendigkeit hingewiesen, bei Auswahl der Bilder für die Aus-
landspropaganda an die Psyche der Bewohner der zu bear-
beitenden Länder zu denken. Das gilt ganz besonders für die
Werbung in Amerika. Man vergesse nie, daß Amerika das Land
der unbegrenzten Möglichkeiten ist; daß es in reichstem Maße
landschaftliche Schönheiten besitzt, die denen Europas nicht
Nachstehen, ja, sie an Großartigkeit zuweilen übertreffen. Was
die U. S. A. nicht haben, das sind alte geschichtliche
Erinnerungen, Schätze aus früheren Kulturepochen, und damit
ist der Durchschnittsamerikaner am ehesten zu fesseln und zu
gewinnen. Wer dem Amerikaner mit gleichgültigen Alltags-
Photos kommt: netten Wald- oder Gartenpartien, die überall
und nirgends zu finden sein können, die der Amerikaner bei
sich zu Hause in Fülle hat, der spare sein Geld und unterlasse
die Propaganda in Amerika.

In verschiedenen Kapiteln habe ich bereits Musterbeispiele
von Bildern gegeben, wie der Amerikaner sie liebt und wie sie
suggestiv auf ihn wirken können. „Suggestiv‘“, indem sie ihm
den Wunsch suggerieren, das in Wirklichkeit zu sehen, was die
Bilder ihm so verlockend versprechen, In diesem Kapitel will
ich auszugsweise eine interessante Werbebroschüre zeigen,
die als besonderen Zweck gleichzeitig zum Neuen Jahr Glück
wünschen sollte. Sie ist von Heidelberg aus, durch Herrn Fritz
Gabler, Hotel Europäischer Hof, versandt worden. Aufmachung
        <pb n="550" />
        550

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
und Inhalt sind das, was den Amerikaner lockt. Was ihn zum
Besuch zu reizen vermag.

Man: wird mir wahrscheinlich entgegenhalten: Ja, Alt-
Heidelberg! Mit seiner alten Geschichte, seiner märchenhaften
Schloßruine, seinem reizvollen Studentenleben. Das kann wohl
interessante und vielgestaltige Bilder liefern.

Scheinbar trifft das zu. Aber doch nur scheinbar. Es gibt
wohl keinen Kur- und Badeort, keine große oder kleine
Fremdenverkehrsstadt, die nicht ebenfalls Ungewöhnliches,
Reizvolles und auch im Ausland Wirkendes zu zeigen hätte.
Hier sind die Worte Goethes wirklich angebracht: Greift nur
hinein ins volle Menschenleben! Und wo ihr’s packt, da ist’s
interessant. Allerdings muß die Gabe dafür vorhanden sein,
das Richtige beim Griff ins volle Menschenleben, oder in die
Natur, oder in die Tradition und Geschichte, oder in die
Geschehnisse aller Art zu packen.

Die wunderhübsche Broschüre aus Heidelberg soll Anregun-
gen dazu geben, bei der Auslandswerbung in Zukunft nach
solchem Bildermaterial Ausschau zu halten, das wirklich zum
Werber werden kann. Es ist vorhanden. Greift nur hinein...
Ferner will ich an Hand dieses Beispieles zeigen, wie man
auch aktuelle Ereignisse in geschickter Weise für wirkungs-
volle Werbebroschüren verwenden kann. Im Frühjahr 1926
haben bekanntlich zirka 300 amerikanische Hoteliers mit ihren
Damen eine mehrwöchentliche Studienreise durch die bemer-
kenswertesten Reiseländer Europas gemacht. Dabei wurde auch
Heidelberg berührt. Daß Heidelberg manches Interessante zu
zeigen hat, wissen wir. Für unsere Zwecke ist aber wichtig, zu
wissen, „wie‘‘ es seine Kuriositäten und Schönheiten: den
amerikanischen Besuchern gezeigt hat! Ob damit auch der
Propaganda gedient wurde, an die heutzutage wohl oder übel
bei all und jedem gedacht werden muß.
Nun, Herr Fritz Gabler, Besitzer des Hotels Europäischer
Hof und Mitbesitzer des Hotels Viktoria in Heidelberg, zeigte
uns ein halbes Jahr nach jenem Ereignis zweierlei. Erstens:
wie Heidelberg damals die amerikanischen Hoteliers zu fesseln
wußte; zweitens: wie man ein solches Geschehnis auch später
noch zu Werbezwecken verwerten kann. Herr Gabler stellte in
der hier zur Besprechung stehenden kleinen Broschüre, die er
        <pb n="551" />
        The old castle-guard saluting our american friends.
(Die alte Heidelberger Schloßwache salutiert unseren amerikanischen Freunden).

This is a revial of the old life of the. castle, specially arranged for your visit.
“Das ist eine, für Ihren Besuch besonders arrangierte, Wiederbelebung des einstigen
Lebens im Schloß).
        <pb n="552" />
        The Entry of King Rupprecht
(Der Einzug des Königs Rupprecht)

This Hotel owned by Herr Gabler at Heidelberg
‘Dieses Hotel gehört Herrn Gabler in Heidelberg)
        <pb n="553" />
        BILDER, DIE IN AMERIKA GEFALLEN UND WERBEND WIRKEN 5583

A Souvenir
of the American Hotel
Association’s Visit
to Heidelberg Castle
betitelte, und die als origineller Neujabhrsglückwunsch für
Amerika gedacht war
(With heartiest wishes
for a
Happy New Year)
zehn photographische Aufnahmen aus jenem Heidelberg-
Besuch der amerikanischen Hoteliers zusammen. Vier Bilder
aus dieser wirklich originellen Werbebroschüre gebe ich als
Musterbeispiele beziehungsweise für den Anschauungsunterricht
wieder. Sie vermitteln Anregungen. Sie können neue, wirkungs-
volle Ideen gebären helfen. Sie lehren, daß schließlich in jedem
Ereignis, welches aus dem Rahmen des Alltages fällt, Propa-
gandawerte und Werbemöglichkeiten schlummern, Diese ver-
borgenen Schätze müssen nur gehoben werden. Es gehört die
richtige Wünschelrute und der fähige Rutengänger dazu. Das
ist alles. Überflüssig erscheint mir, noch besonders darauf
hinzuweisen, daß mit originellen und sprechenden Bildern der
vorgeführten Art in allen Ländern, namentlich aber in Amerika,
bessere Werbegeschäfte zu machen sind, als mit photographi-
schen Wald-, Feld- und Wiesenaufnahmen des Dutzend-
durchschnitts. Photos, die überall und nirgends entstanden sein
können und keinerlei charakteristische Besonderheit oder
Eigenart haben.

Man wird nun vielleicht wiederum einwenden: Ja, Alt-
Heidelberg mit seiner reichen Fülle historischer Erinnerungen
und seinen landschaftlichen Reizen, mit seinem gefestigten
Weltruf hat es leicht, es kann aus dem Vollen schöpfen!

Das stimmt wohl und es stimmt doch nicht. Wenigstens
beweist es nichts. „Gelegenheiten“, die werbetechnisch aus-
gewertet werden könnten, lassen sich auch herbeiführen.
Irgend welche Anziehungskräfte besitzt schließlich jeder Ort
oder jedes Landschaftsgebiet, die Zusammenhang mit dem
Fremdenverkehr haben. Wir leben im Zeitalter der Politik
und des Sports. Beide liefern, in jedem Lande, fast täglich
Ereignisse aller Art, die interessieren und Propagandamaterial
        <pb n="554" />
        554

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
liefern können, Allgemeine Regeln hierfür lassen sich nicht
aufstellen. Man muß den richtigen Blick für die richtige
Gelegenheit haben, wie wir es aus Heidelberg sehen. Wie man
es uns in Locarno bewiesen hat. Ich zeige in anderen Kapiteln
einiges aus Locarno, zum Beispiel den Dankbrief Sir Chamber-
lains an die Direktion des Grand Hotels Palace in Locarno. Das
dortige Hotel Esplanade verwendet ein Dankschreiben des
deutschen Außenministers und Delegationsleiters Herrn Strese-
mann. Noch mehr „Gelegenheiten“ kann der Löwe unserer
Tage, der Sport, dieser Allesbeherrscher, liefern. Man greife
nur hinein ins volle Menschenleben. Und wo man’s packt, da
liefert es Propagandagelegenheiten!
        <pb n="555" />
        VOM WOHLTUN

a7 7

78. VOM WOHLTUN
{n‘ einer großen Dresdner Tageszeitung fand ich eine Notiz,
die interessant genug ist, wiedergegeben zu werden. .
„‚Wohltätigkeitstee. Generaldirektor Rücker veranstaltete
in der vergangenen Woche in den Gesellschaftsräumen des
Europahofes zwei Teenachmittage zu wohltätigen Zwecken.
Der erste Nachmittag galt dem geplanten Bau einer Kirche
in X. Die Opern- und Konzertsängerin A. v. B. erfreute die
Anwesenden mit dem Vortrag von Liedern, die sie — von
Dr. C. künstlerisch begleitet — mit volltönendem Sopran und
vertieftem Ausdruck sang. Schauspieler B. trug Lieder zur
Laute vor, die viel Anklang fanden. Auch das treffliche
Orchester unter P.s Leitung, der selbst schöne Violinsoli
spielte, unterhielt die Zuhörer einige Stunden. Der zweite
Nachmittag galt Kleinrentnern, die nicht mehr in der Lage
sind, etwas zu verdienen und sich mühsam durchs Leben
schlagen müssen. Auch hier fehlte es während der reichlichen
Bewirtung nicht an unterhaltsamen Vorträgen durch das
Instrumentaltrio und den oben genannten Lautenkünstler.“
Wohltun trägt Zinsen, ist ein altes Sprichwort. Ich sehe nicht
ein, warum der Leiter eines beliebten Gaststättenbetriebes sich
und seine Räume nicht in den Dienst der Wohltätigkeit stellen
Soll, auch wenn sich mit diesem Tun der Gedanke einer gewissen
Reklame verbindet! Seien wir einmal ganz ehrlich. Was ver-
anlaßt die Mehrzahl der Angehörigen der guten Gesellschaft,
sich. beim Arrangement von Wohltätigkeitsfesten aller Art auf-
zuopfern? Doch nur der — allerdings niemals ehrlich aus-
Sesprochene — Gedanke, daß damit eine sehr nette und sehr
gefällige Reklame für das eigene liebe Ich verbunden sei. Der
eingangs wiedergebenen Notiz waren natürlich verschiedene
andere vorausgegangen, in denen auf die geplante Wohltätig-
        <pb n="556" />
        556

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

keitsveranstaltung hingewiesen worden war, Also eine durchaus
vornehme, aber sehr wirkungsvolle lokale Werbung für das
veranstaltende Haus.

Wenn ein großer Hotelbetrieb, eine beliebte Gaststätte die
eigenen Räume, seine festbesoldeten sowie befreundeten Künstler
zur Verfügung stellt, um dem edelsten Zuge des menschlichen
Herzens, dem Wohltun, zu folgen, so ist das meines Erachtens
noch immer um einige Nuancen ethischer, als wenn die Frau
des im Kriege oder durch die furchtbare Inflation millionen-
reich gewordenen Kommerzienrats Meyer das gleiche tut. Denn
von jener Gaststätte nimmt von vornherein kein Mensch an,
daß nicht auch ein ganz klein wenig Egoismus mit der edlen
Regung verbunden ist. Sie selbst will etwas derartiges gar nicht
vortäuschen. Deshalb halte ich es für durchaus angebracht, daß
auch der Wohltätigkeit als einer jener Möglichkeiten gedacht
wird, um einen möglichst großen Kreis von Menschen an das
Vorhandensein dieses Hotels oder jener Gaststätte öfter zu
erinnern. Wenn plumpe Menschen das auch plump Reklame
nennen sollten — jener Europäische Hof hat doch ein erkleck-
liches Sümmchen zum Bau einer Kirche beigesteuert, er hat
alten Kleinrentnern, die in den vom Weltkrieg heimgesuchten
Ländern Europas wahrlich die Allerbeklagenswertesten sind,
ein wenig Freude bereitet. Oder glaubt man, die vielen Gäste,
die dem Rufe jenes Europäischen Hofes zum Wohltun Folge
leisteten, würden aus freien Stücken einige Mark für jene
Zwecke geopfert haben, wenn man sie in ihrem Heim darum
gebeten hätte? Ich glaube es nicht.

Deshalb sollten recht viele Hotels und Gaststätten den vom
Europäischen Hofe vorgezeichneten Weg betreten. Winke, wie
sie Wohltätigkeit üben und sich selbst dabei ein ganz klein
wenig nützen können, brauche ich nicht zu geben. Sie liegen
in der schweren Luft, die über der notleidenden Bevölkerung
vieler europäischer Länder lastet. Diese bittere Not lindern zu
helfen, ist eine schöne Aufgabe. Bei Erfüllung dieser Aufgabe
mögen die Gaststättenbetriebe sich nicht durch den Gedanken
beirren lassen, daß bei ihrem Wohltun etwas Egoismus mit-
klingt. Mir ist der selbstverständliche, naive Egoismus jenes
Europäischen Hofes tausendmal lieber als der verkapselte
Egoismus der millionenreichen Frau Kommerzienrat Meyer.
        <pb n="557" />
        DIE MODENSCHAU IM MONDÄNEN HOTEL 55°

79. DIE MODENSCHAUIM MONDÄNEN HOTEL
Eine aparte Form der Propaganda, die allerdings nur für
vornehme Hotels oder Gaststätten in Frage kommen kann, ist
die Modenschau! Vorbedingung für sie sind elegante, für diesen
Sonderzweck besonders geeignete Repräsentationsräume. Am
schönsten kommt eine Modenschau zur Geltung in großen
Hallen oder Dielen, die womöglich, eng benachbart, erhöht
gelegene Nebenräume haben, Damit die Damen recht viel sehen
und — — selbst von allen Seiten gesehen werden können.

An warmen Frühjahrs- oder Sommertagen kann eine solche
Modenschau entzückend wirken, wenn sie sich auf den Terras-
sen oder im Garten abspielt. Ich selbst habe in Baden-Baden
an einer Modenschau im Freien teilgenommen — Nur passiv,
nicht etwa aktiv als männlicher Mannequin — die das reiz-
vollste war, was ich auf diesem Gebiete gesehen habe. Und ich
habe ziemlich viel gesehen.

Großstädte sowie große Kur- und Badeorte haben längst die
Einrichtung der Modenschau. Man sollte aber auch in kleineren
Städten, vor allem in mittleren Kur- und Badeorten, den Ver-
such mit dieser modernen Form der Reklame machen, bei der
das ebenso zeitgemäße Prinzip der Genossenschaft in Anwen-
dung kommt. Selbstverständlich kann der Hotelbesitzer, auch
wenn seine Räume noch so wundervoll geeignet sind für eine
Modenschau, die Sache nicht allein machen. Er braucht
Genossen, die sich in die Kosten und in — den Gewinn teilen.
Diese Genossen sind große, leistungsfähige Modewarengeschäfte.
Oft vereinigen sich drei, vier und noch viel mehr Spezialfirmen
Zu diesem löblichen Tun. Eine stellt die Kostüme, eine andere
die Mäntel, eine dritte die Hüte, eine vierte die Pelze, eine

fünfte die Schuhe, eine sechste die Schirme, eine siebente die
Handtaschen, eine achte die Sportausrüstung usW.
        <pb n="558" />
        [9 Ya

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

EINLADUNG
Donnerstag, den 6. Januar 1927
nachmittags 4% und abends 8% Uhr
KROILT
GESELLSCHÄFTS.
TEE und ABEND

It
MODESCHÄMU
und
TÄRIT

Tischbestellung rechtzeitig erbeten
Hansa 2018, 2019 und 3371

Vorfi ührende Firmen umstehend

Einladungskarte zu einer Modenschau bei Kroll in Berlin, Direktor Heinrich

Kreuzer, früher langjähriger Direktor der Hoteltreuhand-Genossenschaft, Düsseldorf.

Die führenden Firmen: Tee- und Gesellschaftskleider, Pelz-Modelle, Modell-Hüte, Luxus-

wäsche, moderner Schmuck, Frisuren und Schuhe, Conferencier und künstlerische
Leitung sind auf der Rückseite der Karte verzeichnet.
        <pb n="559" />
        DIE MODENSCHAU IM MONDÄNEN HOTEL 559
Sache des Besitzers der Räume wäre es, die ihm geeignet
erscheinenden Firmen für die Beteiligung zu gewinnen. Als Zeit
kommt nur jene — verhältnismäßig kurze — Periode vor den
eigentlichen Saisons in Frage, da der Hauptteil der Neuheiten
eingegangen ist. Nur dann lassen sich Firmen, die auf ihren
guten Ruf bedacht sind, zur Beteiligung bewegen.

Das Arrangement der Modenschau selbst, soweit der Lokal-
inhaber in Frage kommt, ist einfach. Tische und — möglichst
bequeme — Sitzgelegenheiten müssen so verteilt sein, daß die
Gäste selbst wirklich bequem sitzen und daß auch die Manne-
quins sehr bequem zwischen den Tischen promenieren können,
So bequem, daß das von ihnen zur Schau Getragene auch
wirklich von allen Seiten gesehen werden kann. Gute Musik ist
selbstverständlich, besondere Vorträge sind überflüssig und
störend.

Sollte eine große Freitreppe vorhanden sein, die mitten in
den Schauplatz führt, so lasse man sich diese aparte Wirkung
nicht entgehen. Es ist ein Bild von seltenem Reiz, wenn die
graziösen Mannequins auf den weichen Läufern oder Teppichen
der Freitreppe herabgleiten und dann ihren Rundgang zwischen
den Tischreihen machen.

Einen besonderen Eintrittspreis festzusetzen, halte ich nicht
für glücklich. Die Beteiligung könnte sehr leicht darunter
leiden. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach ist dem Publi-
kum mit jener Zwischenlösung am besten gedient, die einen
bestimmten Preis für den Tee (oder Mokka oder Schokolade)
mit einem oder zwei Stückchen Gebäck nach Wahl festsetzt.
Sonderwünsche müssen selbstverständlich gesondert bezahlt
werden. Am einfachsten ist es wohl, wenn Karten, mit leicht
abzutrennendem Abschnitt, verkauft werden; den Abschnitt
erhält der bedienende Kellner an Stelle barer Bezahlung. Wenn
Trinkgeldablösung eingeführt ist, muß sie natürlich im Karten-
preis einkalkuliert werden, desgleichen Vergnügungs- und

Kartensteuer.

_ Sache des Veranstalters beziehungsweise Inhabers der Räume,

in denen die Modenschau stattfindet, ist es dann, die Ver-

anstaltung durch eine recht schwungvolle Reklame für sich aus-
zunützen. Es muß vorher und hinterher recht viel darüber
geschrieben und gesprochen werden. Dann erst ist der Zweck
der Modenschau, soweit der Hotelbesitzer beziehungsweise
Inhaber der Räume in Frage kommt, voll erfüllt.
        <pb n="560" />
        360

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Das Weitere besorgen die Damen. Ist es gelungen, sie
zufriedenzustellen, so werden sie in ihrem Bekanntenkreis noch
lange von der entzückenden Modenschau im Alhambra-Hotel
plaudern. Das ist dann kostenlose Reklame. Es dürfte nicht die
schlechteste sein. Es soll vorkommen, daß Ehemänner auf die
Modenschau ihren Groll werfen, weil sie vielleicht etwas tief in
den Beutel greifen mußten. Das braucht uns nicht zu beirren.
Ehemänner pflegen Heine nicht zu lesen und sein Gedicht:
„Ich grolle nicht!“ ist ihnen unbekannt. Die Frau Gemahlin
wird das Übrige schon besorgen und dafür sorgen, daß der
Herr und Gebieter zur nächsten Modenschau wieder mitkommt.
Sonst zitiert sie Goethe: Und folgst du nicht willig, so brauch’
ich Gewalt!
        <pb n="561" />
        DER PROPAGANDAWERT VON KONGRESSEN UND AUSSTELLUNGEN 61

80. DER PROPAGANDAWERT VON
KONGRESSEN UND AUSSTELLUNGEN
Auf den ‘großen Werbewert, der Kongressen und Aus-
stellungen innewohnt, brauche ich wohl nicht erst in ausführ-
licher Abhandlung hinzuweisen. Es genügt, wenn ich die
Reklamemöglichkeiten kurz streife.

Ganz abgesehen davon, daß Kongresse und Ausstellungen an
sich schon eine größere Besucherzahl als in normalen Zeiten
bringen, machen sie auch für den Ort über den Rahmen des
Kongresses oder der Ausstellung hinaus kostenlose Reklame.
Wenn der Kongreß von einiger Bedeutung ist, so wird nicht
nur in der beteiligten Fachpresse, sondern häufig auch in den
Tageszeitungen mehr oder weniger ausführlich berichtet,
wodurch die Leser auch auf die Kongreßstadt aufmerksam
gemacht werden. In der Fachpresse der Kongreßteilnehmer
wird den Berichten gewöhnlich ein breiterer Raum eingeräumt.
Stimmungsbilder über den festlichen Teil der Tagung, über
Besichtigung der Sehenswürdigkeiten, der Umgebung usw.
fehlen fast nie. Sie helfen, die Kunde von dem zu verbreiten,

was die Kongreßstadt ihren Besuchern bietet. Aber auch die
Hotels werden fast immer genannt; entweder in den Stimmungs-
berichten, oder auch vorher schon in jenen Avisen, worin die
Kongreßteilnehmer mit den Unterkunftsmöglichkeiten bekannt
gemacht werden.

Ähnlich liegen die Dinge bei Ausstellungen. Ist es eine Ver-
anstaltung von einiger Bedeutung, so ist die Zahl der Berichte
darüber Legion. Die Ausstellungsstadt kommt in vieler Leute
Mund und ihr Name wird Hunderttausenden und Millionen
täglich von neuem ins Gedächtnis gehämmert. Man vergegen-
wärtige sich zum. Beispiel, wie unendlich oft im Laufe des
Sommers 1925 die Reize Münchens in der Presse des In- und
        <pb n="562" />
        562

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Auslandes in Verbindung mit Berichten über die Verkehrs-
ausstellung geschildert worden sind. Wie die Gesolei im Sommer
1926 für Düsseldorf geworben, wieviele Besucher sie der Stadt
und den Hotels zugeführt hat. Aber auch andere Veranstaltungen
können das zu Wege bringen. Ein Beispiel:

Der Kurkommissar von Baden-Baden, Herr Duschl, hat mir
mit berechtigtem Stolz die unheimlich umfangreiche Sammel-
mappe mit den Zeitungsausschnitten gezeigt, welche die 1925
und 1926 in Baden-Baden stattgefundenen Schachturniere
behandelt hatten. Das waren, wohlgemerkt, nur die dem Kur-
kommissar bekannt gewordenen Ausschnitte. Sie hatten sich
fast aus der ganzen Welt in dieser interessanten Ausschnitt-
mappe zusammengefunden. Wahrscheinlich hätte man noch
eine zweite Mappe mit jenen Ausschnitten füllen können, die
man in der Schachturnierstadt gar nicht zu Gesicht bekommen
hat!

Über die große Werbekraft von Kongressen, Ausstellungen
und ähnlichen Veranstaltungen herrscht also wohl keinerlei
Zweifel. Die wichtigere Frage ist: was kann der Hotelbesitzer
tun, um diese billige und erfolgversprechende Werbekraft für
sich selbst und für den Ort auszunützen?

Da möchte ich zunächst auf die beiden Kapitel, worin ich
mich mit den wichtigen Problemen der Fremdenverkehrs-
vereine und der Kurdirektoren beschäftige, aufmerksam
machen und sie eingehender Beachtung empfehlen. Der Hotel-
besitzer muß sich Einfluß in allen jenen Stellen sichern, deren
Aufgabe es unter anderem ist, auch Kongresse und Aus-
stellungen in die Stadt oder in den Kurort zu ziehen. Darüber
hinaus kann der Hotelbesitzer aber auch selbständig handeln.
Er wird gut tun, wenn er die anderwärts stattfindenden Kon-
gresse aufmerksam verfolgt und entweder selbst für seinen
Wohnsitz als nächsten Kongreßort Stimmung macht oder ver-
anlaßt, daß der Fremdenverkehrsverein oder der Verkehrs-
direktor oder der Kurdirektor dies tut. Auf jeden Fall ist es
gut, wenn die Hotelbesitzer sich hierum kümmern. Es schadet
ganz bestimmt nichts. Der tüchtige, strebsame Verkehrsdirektor
wird für Anregungen solcher Art immer dankbar sein. Sehr oft
hat der Hotelbesitzer infolge seiner freundschaftlichen und
geschäftlichen Beziehungen viel größere Möglichkeiten als der
Verkehrsdirektor oder Kurdirektor, für seinen Ort als Kongreß-
stadt werbend zu wirken.
        <pb n="563" />
        DER PROPAGANDAWERT VON KONGRESSEN UND AUSSTELLUNGEN 563

Ähnlich kann bei Ausstellungen gehandelt werden. Man
prüfe, was für Ausstellungen im eigenen Land und im Ausland
stattgefunden haben und wie ihre Erfolge — die sogar bei
einem Defizit der Ausstellungsleitung für die Fremdenverkehrs-
interessenten groß gewesen sein können — waren. Dann prüfe
man weiter, was für Ausstellungen wohl in der eigenen Stadt
mit Aussicht auf Erfolg abgehalten werden könnten. Es muß
nicht immer eine Riesenveranstaltung sein, auch Ausstellungen
im engeren Rahmen können schöne Erfolge zeitigen. Dann
bemühe man sich, für seine Anregung Stimmung zu machen,
in erster Linie die maßgebenden Behörden für die Idee zu
gewinnen und weitere Anhänger zu werben. Gar oft schon ist
durch das Zusammenbringen eines ‚„Garantiefonds‘“ der Boden
für eine erfolgreiche Ausstellung geebnet worden,

Schließlich ist noch ein weiterer Umstand für den Hotel-
besitzer wichtig. Ist es gelungen, derartige Veranstaltungen
heranzuziehen, so wird die Frage der Unterbringung der zu
erwartenden Gäste bedeutungsvoll. Zunächst ist es Sselbst-
verständlich, daß mit Umsicht und Verständnis alle Vor-
kehrungen getroffen werden müssen, um die Zufriedenheit der
fremden Besucher zu sichern. Namentlich bei Kongressen ist
das von großer Wichtigkeit, weil die Kongreßteilnehmer
empfindlicher und beschwerdefreudiger zu sein pflegen als der
Durchschnittsgast. Das bringt die Art derartiger Veranstaltungen
mit sich, die vielfache Möglichkeiten bieten, in den Quartieren
gemachte gute oder schlechte Erfahrungen untereinander aus-
zutauschen, die Klagen wohl auch vor das Forum der Kongreß-
leitung zu bringen. Sehr oft ziehen derartige Beschwerden
weitere Kreise und verursachen unberechenbaren Schaden. So

hatten sich, um ein Beispiel aus der Praxis heranzuziehen,
einige Teilnehmer an einem in München stattgefundenen
Kongreß über die Hotelzimmerpreise beschwert. Die Sache war
auch im Stadtparlament zur Sprache gebracht worden und
kam dadurch in die breite Öffentlichkeit. Erfreulicherweise
stellte sich bei der nun vorgenommenen Nachprüfung heraus,
daß die Beschwerden ganz ungerechtfertigt waren, aber sie
waren doch in die Öffentlichkeit gedrungen. Jeder Hotel-
besitzer weiß, wie schädlich solche Gerüchte sind, und daß sie
fast immer eine weit größere Resonanz finden als später die
Berichtigungen. Deshalb ist der Hotelbesitzer sehr lebhaft
        <pb n="564" />
        564

/ DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

daran interessiert, daß den Kongreßteilnehmern möglichst keine
Ursachen zu Beschwerden gegeben werden.

Noch, mehr ist der Hotelbesitzer an der Art der Unter-
bringung, das heißt an der Verteilung der Gäste, interessiert.
Bei Kongressen mit starker Teilnehmerzahl wird es nötig sein,
auch Privatquartiere heranzuziehen. Nun kann es vorkommen
— und es ist auch in wiederholten Fällen schon vorge-
kommen — daß die verteilende Stelle, zuweilen der Verkehrs-
verein oder der Verkehrsdirektor, die privaten Quartiere
unverhältnismäßig bevorzugt, so daß die Hotels unbesetzte
Zimmer aufweisen, obwohl allgemein der Eindruck einer
starken Überfüllung herrschte. Sache der Hotelbesitzer ist es,
Vorkehrungen zu treffen, daß derartiges von vornherein
unmöglich gemacht wird. Schon im eigenen Interesse, dann
auch aus allgemeinen Gründen. Die gelegentlich heran-
gezogenen Privatquartiere sind nicht immer ideal, zuweilen
sind sie teurer als die alle Bequemlichkeiten bietenden Hotels,
die Kongreßteilnehmer geraten dann leicht in Versuchung, für
ihre nicht angenehmen Erfahrungen die Stadt verantwortlich
zu machen. Dadurch kann die starke werbende Kraft, die in
solchen Veranstaltungen ruht, womöglich ins Gegenteil verkehrt
werden.

Noch ein kurzes Wort über das Thema ‚Ausstellungen‘.
Auch sie können, wie die Kongresse und Vereinstagungen,
verkehrswerbend wirken. Nur muß man sich davor hüten,
diesen an sich guten Gedanken durch Förderung des „zuviel
des Guten‘ zu Tode zu hetzen. Es sei an die Kochkunst-
ausstellungen erinnert, die vor dem Kriegsausbruch wie Pilze
aus der Erde schossen, so daß sie gründlich in Mißkredit geraten
waren und kaum noch Beachtung fanden. Neuerdings scheinen
Verkehrs- und Sportausstellungen in diese Rolle geschoben zu
werden, denn ziemlich groß war die Zahl derartiger Ver-
anstaltungen, von denen ich im Laufe der letzten zwei Jahre
Kenntnis erhielt. Es liegt im Interesse der Hotelbesitzer wie
aller Fremdenverkehrsinteressenten, darüber zu wachen, daß
derartige, an sich wertvolle Werbehelfer nicht auf ein totes
Geleise geschoben werden.

Auf Kongressen erscheinen im Zeitalter des Frauenstimm-
rechtes natürlich auch die Frauen. Ihr aparter Bubikopf
beherrscht die Situation und die Zigarette ist ihr getreuester
Begleiter. Fast könnte man meinen, diese modernen Frauen
        <pb n="565" />
        DER PROPAGANDAWERT VON KONGRESSEN UND AUSSTELLUNGEN ‘ 563
wüßten nichts mehr von jenen Geheimnissen, die Henriette
Davidis unseren Großmüttern gelehrt hat. Henriette Davidis
war die verdienstvolle Autorin eines — — weitverbreiteten
Kochbuches. Sie hat viele Menschen auf dem Wege über die
Küche glücklich gemacht. Als moderner Zeitgenosse will ich
versuchen, ob ich Menschen glücklich machen kann, indem
ich in zwei, für Hotelbesitzer und Gastwirte besonders wich-
tigen Kapiteln: „Der Ruhetag der Frauen‘ sowie die Werbe-
aktion: „Der aufmerksame Ehemann“ ketzerhaft die Parole
gebe: Los von der Küche!
        <pb n="566" />
        301

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

81. DER RÜHETAG DER FRAUEN
Im Geiste sehe ich das erstaunte Gesicht des Lesers, wenn
sein Blick auf diese geheimnisvolle Überschrift fällt. Gemach!
Man wird sogleich in noch größeres Erstaunen fallen, wenn
man sieht, daß ich in diesem, der Reklame und Werbung ge-
widmeten Werke Intimitäten aus dem Eheleben ausplaudere.
Aber ich bleibe ganz ruhig. Weiß ich doch, daß die Frauen mir
für dieses Kapitel ein Denkmal setzen werden. Es braucht
nicht aus Stein zu sein. Bei den Frauen soll überhaupt nichts
aus Stein sein. Im Gegenteil. Doch ich sehe, der Leser wird un-
geduldig. Er wartet auf Intimitäten. Hm!

In den langen Jahren, die ich die sogenannten Ehefesseln
mit männlicher Würde und Heldenhaftigkeit getragen habe,
ist in meinem Haushalt an Sonn- und Feiertagen nicht ein
einziges Mal gekocht worden. Vom ersten Ehetage an habe ich
meine Frau Sonn- und Feiertags in eines jener behaglichen
Hotel-Restaurants zum Essen geführt, die es heutzutage wohl
in jeder Stadt des europäischen Kontinents gibt. Aber auch an
den Tagen der sogenannten „Großen Wäsche“ und beim
„Großen Reinemachen“ habe ich das gleiche getan. Als dann
mein Mädelchen „stubenrein“ geworden war, wurde es eben-
falls mitgenommen und so lernte das kleine Ding frühzeitig und‘
spielend, sich in der großen Öffentlichkeit zu benehmen.

Den größten Vorteil von dieser Einrichtung hatte ich selbst.
Bei uns gab es Sonn- und Feiertags niemals Abhetzerei und
schlechte Laune, weil an solchen Tagen, des nur an seinen
Magen denkenden egoistischen Ehemannes wegen, reichlicher
und besser gekocht werden muß, was für die Frau vermehrte
Arbeit und Sorge bedeutet. Wir haben jeden Sonn- und Feiertag
in Ruhe und Schönheit verlebt, und die Hausfrau hatte wenig-
stens einen Tag in der Woche, an dem sie, frei von den klein-
lichen Küchensorgen, aufatmen und sich selbst und dem Manne:
        <pb n="567" />
        DER RUHETAG DER FRAUEN

567

ein Wohlgefallen sein konnte. Aber auch unser getreues Haus-
mädchen, das vom ersten Ehejahre an mit uns Leid und Freud
geteilt hat, hatte einen freieren Tag in der Woche.

Als Folge dieser praktischen Wirtschaftseinteilung habe ich
niemals das Bedürfnis nach dem Frühschoppen empfunden,
denn das auswärts eingenommene Mittagsmahl ersetzte ihn mir
„voll und ganz“, wie es in manchen Reden in doppelter Stärke
zu heißen pflegt, ohne daß ich „voll“ wurde, was bei manchen
Frühschoppen vorkommen soll. Das Schönste war aber, daß wir
an Sonn- und Feiertagen ein ausgezeichnetes, mehrgängiges
Mittagsmahl mit einem leckeren und meistens aparten Nach-
tisch erhielten, das den weiteren Vorzug hatte, verhältnismäßig
billig zu sein. Wir haben oft ausgerechnet, daß es ganz un-
möglich sei, ein auch nur annähernd ähnliches und gleich-
wertiges Essen zu solchem Preise im eigenen Haushalt herzu-
stellen. Ist das vielleicht kein herzerfreuender Vorteil, wert von
Millionen Ehepaaren ausgenützt zu werden?

„Zur Sache!‘“, höre ich den Leser murmeln, der im Zeitalter
des immer stürmischer sich gebärdenden Parlamentarismus
selbstverständlich parlamentarisch bestens geschult ist. Ich bin
leider oder Gott sei Dank noch von der alten Schule. Parlamen-
tarismus ist das einzige Mus, das ich nicht mag. *

Verehrter Leser, der du Besitzer eines Hotel-Restaurants
bist und dem die +++ Steuerbehörde das Rechnen aus dem FF
beigebracht hat, rechne dir einmal aus, wieviele angenehme
und unverwöhnte Gäste — junge Ehemänner sind immer unver-
wöhnt — du an Sonn- und Feiertagen mittags und abends
mehr haben könntest, wenn es gelänge, die jungen und alten
Ehemänner der Stadt so zu erziehen, wie ich mich selbst er-
zogen habe. Rechne dir aus, wieviel Steuern du mehr bezahlen
könntest, wenn die also gut erzogenen Ehemänner mit ihren
Frauen regelmäßig bei dir zum Speisen erscheinen. Eine Er-
Scheinung, die auch den ängstlichsten Gespensterfürchtling
Nicht schrecken würde.

Doch nun zur Pointe, wie man auf Deutsch zu sagen pflegt.
Nütze mein Geschichtchen zu deinem Vorteil aus, verehrter
Leser. Stecke dich hinter die Frauen. Hetze sie auf. Predige
ihnen den Sonn- und Feiertag-Kochstreik. Sage ihnen, sie
Möchten sich auf ihre Frauenwürde und darauf besinnen, daß
sie Zeitgenossinnen eines sozialen Zeitalters sind. Male den
Frauen in verlockenden Farben aus, wie trefflich ihre Frauen-
        <pb n="568" />
        368

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

würde und — — ihre entzückenden neuen Kleider, Hüte und
Hauchstrümpfe sie kleiden würden, wenn sie von der Eleganz
und Behaglichkeit deines Speisesaales umrahmt sind. Eröffne
einen Feldzug gegen jene Ehemänner, die in krassem Egoismus
ihre Frauen an Sonn- und Feiertagen in die heiße Küche
schicken.

Wenn du in geschickt entworfenen und apart ausgeführten
Anzeigen immer wieder hiervon erzählt hast, so kann und wird
der Erfolg nicht ausbleiben. Beschränke dich aber nicht nur
auf Anzeigen. Wende dich direkt an die Frauen. Komm’ ihnen
zart entgegen, du gewinnst sie, auf mein Wort. Schreibe ihnen
auf gut ausgestattetem Briefpapier einen liebenswürdigen
Schreibebrief, um sie auf diese mephistophelische Weise gegen
ihre Sonntagskocherei aufzuhetzen. Etwa so, wie ich es in
meinem Musterbeispiel zeige.

Diese Anregungen dürften wohl genügen. Der Phantasie des
Lesers überlasse ich es, noch weitere Mittel und Wege zu
finden, um zum Ziele zu kommen. So könnte zum Beispiel dem
ersten Brief nach einigen Wochen ein zweiter folgen, wenn er
ergebnislos war. Natürlich müßte System in diese Werbekam-
pagne gebracht werden. Zunächst müßte man sich die Adressen
solcher Ehepaare verschaffen, die dafür in Frage kämen. Das
wird dem ortskundigen Hotelier und Gastwirt leicht sein. Dann
müßte eine gewisse Kontrolle über den Erfolg ausgeübt werden.
Hand in Hand mit den Briefen müßten apart wirkende Zeitungs-
anzeigen gehen, die am besten in den Samstags- und Sonntags-
ausgaben und möglichst immer am gleichen Platz zu erscheinen
hätten. Angabe des gebotenen Menus und des Preises ist selbst-
verständlich, die Nennung einiger besonders guter und preis-
werter Weine, auch offener Weine, ist zu empfehlen. Natürlich
darf man die Flinte nicht gleich ins Korn werfen, wenn der
Erfolg nicht sogleich am ersten Sonntag im Kassenschrank
greifbar in Erscheinung tritt. Werbungen dieser Art brauchen
immer einige Zeit, um sich auszuwirken. Aber ich kann mir sehr
wohl denken, daß der Enderfolg sicher und erfreulich ist.
Denn: Ende gut, alles gut!

Mit dieser Art Werbung können die Hoteliers und Gastwirte
ihrer eigenen Reklamephantasie die Zügel schießen lassen. Sie
können die Werbung genau dem Charakter ihres Hauses an-
passen. Da aber doppelt genäht besser hält, ist es auch nötig,
das nun folgende Kapitel aufmerksam zu studieren.
        <pb n="569" />
        DER.-RUHETAG DER FRAUEN
RESTAURANT LUKULLUS
WIEN I

;6o

Wien, 5. Januar 1927
Kärntnerring 477

I. H. Frau Kommerzialrat Magda Gumppendorfer
WIEN IV., Hauptstraße 119

Sehr geehrte gnädige Fraul

Ist Ihnen noch nie der Gedanke gekommen,
jaß es ein leichtes sein würde, sich an Sonn-
und Feiertagen das Leben leichter zu machen?
Warum stehen Sie Sonntags in der heißen Küche?
Warum nehmen Sie so oft das mürrische Gesicht
Ihrer Köchin in den Kauf, weil Sonn- und
Feiertage für sie nur vermehrte Küchenarbeit
bdedeuten? Warum zerbrechen Sie sich sechs
Wochentage den Kopf, was Sie dem Eheherrn
am siebenten, der doch ein Tag der Ruhe sein
sollte, an auserlesenen Genüssen vorsetzen
könnten?

Verehrte gnädige Frau. In meinem schönen,
vornehmen, behaglichen Speisesaal finden Sie
alles, was Sie sich für Sonn- und Feiertage
yünschen: Ausgezeichnetes Essen, einen vor-
züglichen Tropfen nach Wahl, aufmerksame
Bedienung, Wärme und Behaglichkeit, Ruhe
oder Unterhaltung. Das alles können Sie sich
bereiten, sich selbst und dem Herrn Gemahl,
wenn Sie sich dazu entschließen, Sonntags
die heiße Küche zu verschließen und mit dem
Herrn Gemahl meine willkommenen und regel-
mäßigen Gäste zu werden. Vergegenwärtigen
Sie sich die große Annehmlichkeit, das sonn-
tägliche Behagen, wenn Ihre Köchin, die sonst
80 brav und tüchtig ist, Sonntags nicht
        <pb n="570" />
        ‚70

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

mehr ein Gesicht schneidet, nicht mehr
Türen und Teller schmeißt, weil sie keinen
Berg Geschirraufwasch mehr zu bewältigen hat
wie seither!

Verehrte gnädige Frau, rechnen Sie sich
einmal aus, ob Sie Ihrem Gatten das für den
gleichen Preis vorsetzen können, was ich
Ihnen in ausgezeichneter Beschaffenheit
biete! Ausgeschlossen! Zu den Mehrkosten
kommt bei Ihrer sonntäglichen Küchenfron
aber noch der Ärger, die Hetze und die Küchen-
hitze! Wenn Sie sich spät am Nachmittag end-
lich in Ihr entzückendes Ausgehkleid werfen,
dann ärgern Sie sich über das vom Küchenherd
noch immer gerötete Gesicht.

Falls Ihr Herr Gemahl sich wider Erwarten
meinen triftigen Argumenten verschließen
sollte, so wird es leicht sein, ihn mit dem
Zauber Ihrer Persönlichkeit und Ihrer lie-
benswürdigen Überredungskunst zu überzeu-
gen, daß er gegen seinen eigenen Vorteil
wütet. Kommen Sie am nächsten Sonntag ver-
suchsweise zu mir. Sie werden mir höchstens
böse darüber sein, daß ich Ihnen diesen Brief
nicht schon am Hochzeitstage geschrieben
habe.

ML

voTrzüglicher Hochachtung

“2 0POLD HELLMERSBERGER
        <pb n="571" />
        DIE WERBEAKTION „DER AUFMERKSAME EHEMANN“ 571

8. DIE WERBEAKTION „DER AUFMERK-
SAME EHEMANN“

[hr Anfang und ihre Fortsetzungen.
Im vorhergehenden Kapitel „Der Ruhetag der Frauen‘ habe
ich nur eine Seite dieser interessanten Medaille gezeigt und be-
handelt. Der Appell richtet sich hauptsächlich an die Frauen.
Nun will ich mich an die Ehemänner wenden beziehungsweise
den Weg zeigen, wie diese erfolgreich zu bearbeiten wären.

In dem Kapitel, das ich der Anzeigenzentrale des Reichs-
verbandes der Deutschen Hotels, Restaurants und verwandter
Betriebe widme, erwähne ich kurz die von ihr inszenijerten
drei großen Werbeaktionen. Im nachstehenden schildere ich die
erste Kampagne, bekannt unter dem Namen „Der aufmerk-
same Ehemann“. Eine ausführliche Beschreibung ist deshalb
nötig, weil der Wert einer derartigen Aktion sich nur dann
voll auswirken kann, wenn sie zur Dauerpropaganda wird.
Der aufmerksame Ehemann selbst sowie die regelmäßige Wer-
bung dafür, dürfen aus dem Wirtschaftsleben nicht wieder ver-
schwinden. Nur dann hätte die Aktion Sinn und Zweck. Wie
dieses Ziel zu erreichen ist, soll im nachfolgenden gezeigt

werden.
_ Die Umschichtung in den wirtschaftlichen und gesellschaft-
lichen. Verhältnissen, in den meisten Ländern Europas zu be-
übachten, das fast völlige Verschwinden des früheren „guten
Mittelstandes‘“ und die Verarmung weiter Kreise hat sich im
Hotel- und Gastgewerbe besonders schwer ausgewirkt. Nament-
lich die besseren Hotels und Gaststätten, insbesondere aber
die sogenannten Luxushotels haben die Folgen des Weltkrieges
und die Auswirkungen der entsetzlichen Inflation hart zu
Spüren bekommen. Auf dem Felde der Darbietungen blieb alles
„auf der Höhe“. Die Unkosten aller Art, Steuern, Löhne usw.
        <pb n="572" />
        572

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

wurden sogar noch sehr viel höher. Nicht auf gleicher, wün
schenswerter Höhe blieb aber der Besuch der guten Hotels und
Gaststätten. Dieser ist aus wirtschaftlichen Gründen ganz emp-
findlich zurückgegangen, und infolgedessen ging auch der
Konsum in erschreckender Weise zurück.

An diese bedeutungsvolle und zugleich bedauerliche Erschei-
nung knüpfte die Werbekampagne an. Also ein logischer Zu-
sammenhang, der heute furchtbar einfach erscheint, wobei aber
doch zunächst Voraussetzung war, daß irgend jemand einen
„Fichtigen Gedanken“ hatte, den erfolgversprechenden Weg
für seine Durchführung fand und zugleich genügend Initiative
und Tatkraft besaß, um den guten Gedanken auch zu verwirk-
lichen und alle vorauszusehenden Hindernisse zu überwinden.

Der „gute Gedanke‘ wird durch das packende Motto oder
Stichwort verkörpert, worunter diese interessante Werbekam-
pagne großen Stils in Szene gesetzt worden ist, Das Motto heißt:
DER AUFMERKSAME EHEMANN!
Vater dieses galanten Ehemannes war der frühere (seit Be-
gründung bis November 1926) Leiter der Anzeigenzentrale,
Herr B. Dormeier, vielen Werbefachmännern bekannt als Mit-
arbeiter der „Reklame“ und früherer Werbeleiter bei Lingner
in Dresden und Kupferberg in Mainz. Der Entwicklungsgang
des modernen aufmerksamen Ehemannes ist wirklich inter-
essant. Besonders interessant auch deshalb, weil in die Werbe-
kampagne für die Hotels und Gaststätten auch eine solche
für den
DEUTSCHEN WEIN
eingeschaltet worden ist.

Seit den Tagen der deutschen Novemberrevolution 1918 hat
der Gedanke des gesetzlichen wöchentlichen Ruhetages in be-
stimmten Kreisen der Völker besonders feste Wurzeln gefaßt.
Jede Berufsgruppe hat sich diesen gesetzlichen wöchentlichen
Ruhetag erkämpft und alles wacht eifersüchtig darüber, daß
niemand ihn antaste. Nur ein Wesen sah sich von diesem
Ruhetag ausgeschaltet, für das existierte der Sonn- und Feier-
tag — oder ein Ersatztag dafür — nicht, obwohl er gesetzlich
fest verankert ist:
        <pb n="573" />
        DIE WERBEAKTION „DER AUFMERKSAME EHEMANN“ 573
DIE EHEFRAU.
Hier hakte die Anzeigenzentrale ein und fuhr mit ihrem
Aufmerksamen Ehemann zwischen diese durch Alter und Ge-

Der aufinerffame Lhemann.

; gin Beifpiel. Diefer (iedenewürbige und Fuge Frauenlenner fpeit am Sonntag
die nr zu Saufe. An einem Lage wenigltens wifl er feine Frau entlaften von allen Mühen
In Küche und Haushalt, Gibt cs bach fo viele gute Gaftftätten, wo man zu angemeffenen Preifen vor-
irefflich (Br unb fich auch ein Fläfchchen guten beutfchen Weines zu Gemüte führen darf. ohne Kich über

# Behühr au neraugachen.

Kopie des Werbebildes, das in ungezählten Exemplaren, auch auf
Postkarten, verbreitet warden ist.

wohnheit geheiligte Tradition. Sie gab folgende Parole aus:

„Sechs Tage in der Woche hat die Frau die Mühen des
Haushaltes und der Küche. Der aufmerksame Ehemann wür-
digt dies, indem er als liebenswürdiger und kluger Frauen-
kenner am Sonntag grundsätzlich nicht zu Hause speist. An
        <pb n="574" />
        574

-DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

diesem Tage will er seine Frau frei wissen von der häuslichen
Arbeit. Gibt es doch so viele gute Gaststätten, wo man zu an-
gemessenen Preisen vortrefflich essen und sich auch ein
Fläschchen guten deutschen Weines zu Gemüte führen kann,
ohne sich über Gebühr zu verausgaben.“

Stichtag für den Beginn der Werbekampagne war der 13. Fe-
bruar 1926. An diesem Tag erschien in der Zeitschrift „Die
Woche“‘, als Einleitung zu einem wirtschaftlichen Sonderteil,
das Bildchen des aufmerksamen Ehemannes nebst knapper
Unterschrift, begleitet von einem erläuternden Prosatext aus
meiner Feder sowie von weiteren Aufsätzen über die genannten
Wirtschaftsgebiete,

An dem gleichen Tage begannen alle Hotels und Gaststätten,
die sich an der Werbung beteiligten, mit dem Aushang eines
Sonderabdruckes dieses Bildes. Aber nicht nur die Hotels und
Gaststätten, sondern auch andere Gewerbetreibende, nament-
lich solche, denen diese großzügige Werbekampagne indirekt
mit zugute kam, hingen den „Aufmerksamen Ehemann“ eben-
falls in ihren Geschäftsräumen auf. Von dem Bild waren auch
Postkarten hergestellt worden, die beim Beginn der Werbe-
kampagne in den Gaststätten bereitgehalten, an die Gäste ver-
kauft und von diesen auch mit schmunzelndem Behagen in
Tausenden von Exemplaren verschickt worden sind.

Das zweite Bild zeigt uns an einem Beispiel, in welch ge-
schickter Weise manche Tageszeitungen die Werbeaktion
unterstützt, sie aber auch gleichzeitig in ihren eigenen Dienst
gestellt haben. Das eben ist das Großzügige an dieser Aktion:
wenn sie auch die Presse an ihren Wagen spannte — die damit
ein gutes Werk tat —, so gab sie ihr, insofern sie nur ein wenig
vigilant war, auch eine gute Gelegenheit, sich durch diese
Werbung eine laufende Einnahmequelle zu sichern. Hier traf
das lateinische Sprichwort also tatsächlich zu: Manus manum
lavat.

An weiteren Beispielen will ich zeigen, wie man ein derartig
ungewöhnliches Werbeproblem auch poetisch anpacken kann,
ohne daß sofort der Reklamecharakter solcher Gedichte deut-
lich wird. Aus einer Anzahl von Scherzgedichten, die ich im
Interesse des „Aufmerksamen Ehemannes‘“ verbrochen habe,
gebe ich folgende Beispiele mit dem ausdrücklichen Bemerken
wieder, daß ich ihre beliebige Verwendung gern gestatte, Nur
bitte ich, mir in solchen Fällen von den betreffenden Druck-
        <pb n="575" />
        Semittag, 13 EEE
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Ein Beispiel eich geschickter Weise eine Kasseler Zeitung ier
Werbeaktion “anch Für sich ausgenützt und so zwei Fliegen mit einer Klappe

geschlagen hat.
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        <pb n="577" />
        DIE WERBEAKTION „DER AUFMERKSAME EHEMANN“ 577
sorten je ein Exemplar für mein Archiv zu übersenden. Meine
zenaue Adresse ist jederzeit beim Verlag dieses Werkes, sowie
bei der Redaktion des HOTELS in Köln a. Rh., Am Hof 41—45
oder der „Deutschen Hotel-Nachrichten‘“ in Hamburg, Alter
Steinweg 23—25, zu erfahren.

LOB DES AUFMERKSAMEN EHEMANNS
Zu singen nach der feuchtfröhlichen Melodie:
„Im Schwarzen Walfisch zu Askalon...“
Ich lobe mir den Ehemann,
Der, aufmerksam und schlau,
Nicht Sonntags in die Küche bannt
Die liebe kleine Frau.
Ich lobe mir den Ehemann,
Der seinen Sonntag ehrt,
Und den sozialen Ruhetag
Auch seiner Frau beschert.
{ch lobe mir den Ehemann,
Der auf sein „Recht“ nicht pocht.
Der nicht verlangt, daß seine Frau
Am Sonn- und Festtag kocht.
Ich lobe mir den Ehemann,
Der Lebenskunst versteht,
Und deshalb Sonntags mit der Frau
Nur auswärts speisen geht.
Gaststätten gibt es überall,
Wo man vortrefflich speist.
Die man als preiswert weit und breit
Ind als behaglich Dpreist,
Dort sitzt sich’s Sonntags wundernett
Beim Mahl und guten Wein.
Dort kehrt nur Lust als guter Gast
Und niemals Hader ein.
Dort wird der Tag zum Sonnentag,
Den uns der Herr beschert.
Versuch’s und halte Sonntags fern
Die Frau vom Küchenherd!
Gönn’ einen Ruhetag der Frau,
Und eines ist gewiß:
Die Ehe wird euch beiden dann
Zum irdischen Paradies!
        <pb n="578" />
        y 4 a7

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

ICH BIN EIN KLUGER EHEMANN.
Ich bin ein kluger Ehemann,
Und weiß, wie man die Frau
Am Sonntag stets erfreuen kann,
Sei auch der Himmel grau:
Ich geh’ mit ihr ins Speisehaus,
Tirilli, tirilla, tirillo!
Dort such’ ich gute Speisen aus,
Dann halten wir den Sonntagsschmaus
Tirillo! Vergnügt und froh.

Bei uns ist jeder Sonntag schön,
Ein wahrer Ruhetag. ;
Bei uns gibts Sonntags kein Gestöhn
Ob heißer Küchenplag.
Ich geh’ mit meiner kleinen Frau
Tirilli, tirilla, tirillo!
Nur auswärts auf die Speisenschau
In einen schmucken Gasthausbau,
Tirillo! Vergnügt und froh.

Bei uns ist jeder Tag ein Fest!

Bloß weil mein Frauchen weiß:

Am Sonntag gibts im trauten Nest

Nicht Küchenfron und Schweiß.
Als aufmerksamer Ehemann,
Tirilli, tirilla, tirillo!
Tret ich mit meinem Frauchen dann
Zum Sonntagsschmaus im Gasthaus an,
Tirillo! Vergnügt und froh.
Ich rate jedem Eheherrn,

Zu handeln so wie ich.

Dann hat ihn tausendmal so gern

Sein Fraule sicherlich.
Führst Sonntags du dein Frauchen frisch
Tirilli, tirilla, tirillo!
Und „ungekocht‘“ zu leckrem Fisch
Und Fleisch und Wein zum Gasthaustisch,
Ist jeder Sonntag froh!

WAS SICH ZIEMT.
Willst du genau erfahren, was sich ziemt,
So frage nur bei edlen Frauen an... —
Was sagt die Frau? Der gute Gatte mimt
Sonntags den aufmerksamen Ehemann!
        <pb n="579" />
        DIE WERBEAKTION „DER AUFMERKSAME EHEMANN“ 579

Er bannt die Frau nicht an den heißen Herd,
Läßt sie nicht kochen, backen oder braten.
Es wird zum Mahl im Gasthaus eingekehrt.
So ist der Sonntag froh und wohlgeraten.

SCHILLER AN DIE EHEMÄNNER.
Ehret die Frauen. Sie flechten und weben
Himmlische Rosen ins irdische Leben, — —
Hat unser herrlicher Schiller gesungen!
Doch wie befolgen es unsere Jungen?

Sie nehmen dankbar die himmlischen Rosen,
Sie lassen sich küssen, lassen sich kosen.
Sie lassen noch mehr — — sie lassen geschehen,
Daß Frauen Sonntags vor Arbeit vergehen.

Sie lassen am glühenden Küchenherde
Die Frauen ertragen arge Beschwerde.
Sie lassen sie schwitzen, sich mühen und tummeln,
Indes sie selbst sonntäglich „Morgenbummeln‘‘.

Und kommen sie dann zum heimischen Tische,
Erwarten sie eine fröhliche, frische,
Munter plaudernde Hausfrau und Speisen,
Die sich als Sonntags- und Fest-Schmaus erweisen,

An solch’ einer Sonntags-Ehrung der Frauen
Würde sich Schiller gewiß nicht erbauen.
Er würde staunend die Locken schütteln
"Ind flugs an dem törichten Brauche rütteln.

Er würde sagen: Was seid ihr für Jungen?
[hr habt einen Ruhetag euch errungen,
Genießt ihn auch gern, mit stillem Behagen,
Ind laßt die Frau harte Küchenfron tragen.

Wahrhaftig! Ihr seid keine Frauenkenner!
Keine aufmerksam-klugen Ehemänner,
Wandelte ich noch auf Erden, ich wüßte
Den richtigen Weg, den man wandeln müßte,

Der führt in eine der gastlichen Stätten,
Die die Stirn versorgtester Frauen glätten,
Weil sie befrein von der Qual vieler Wochen:
Was könnten am Sonntag wir Gutes kochen?
        <pb n="580" />
        47

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Den Weg würd’ ich wandeln und also handeln,
Die Ehe zum Paradiese verwandeln.
Ihr aber? Dem „Ruhetage‘“ zum Hohne
Zwingt ihr die Frauen auch Sonntags zur Frone.

Friedlicher würde der Sonntag und stiller,
Folgte der Ehemann aufmerksam Schiller:
Ehret die Frauen! Sie flechten und weben
Himmliche Rosen ins irdische Leben.

REZEPT, DIE FRAUEN ZU GEWINNEN.
Manche Frauen kann man leicht gewinnen
Zu holdem Flirten und zu süßem Minnen,
Wenn man das Gardemaß hat und robust ist.
Man muß als starker Herkules gebaut sein,
Gleich wollen sie des schönen Mannes Braut sein,
Daß es ein Hochgenuß und eine Lust ist.
Man muß, mit einem Wort gesagt, ein Kerl sein,
Und darf kein magrer Spatz, kein dürrer Schmerl sein.

Andere Frauen lieben mehr die Kleinen,
Die Minnig-Sinnigen, Poetisch-Feinen,
Die weich und biegsam wie der Bienen Wachs sind.
Die ihre Liebe nur in Versen klagen,
Und nie sich einen Kuß zu stehlen wagen,
Und zu den Frauen nie ein frecher Dachs sind.
Die schmachtend und in wohlgebrannten Locken
Zu Füßen ihrer holden Schönen hocken.

Andre lieben sie mehr melancholisch.
Und wieder andere gar diabolisch,
Mit schwarzen Augen, die voll heißer Glut sind.
Die wie ein einz’ger Liebesseufzer wirken,
Und wie Mormonen oder Haremstürken
Gleich einem Dutzend holder Schönen gut sind.
Die durch der Augen Feuerblitz bestricken,
Und Mädchenherzen wie — —_ was anderes knicken.

Viele sehen mehr auf schöne Kleider
Vom teuersten und allerersten Schneider,
Die, wie die Hüte, hochmodern und schick sind.
Man braucht sie nur in Seide einzuhüllen,
Worauf sie folgsam jeden Wunsch erfüllen,
Weil sie so dankbar dann und so voll Glück sind.
Und schließlich gibt’s noch eine Mausefalle,
Patent und fein, in sie gehn alle, alle!
        <pb n="581" />
        DIE WERBEAKTION „DER AUFMERKSAME EHEMANN“ 581

Man muß als junger Ehemann galant sein!
Darf Sonntags nie so roh und arrogant sein,
Die Frau zu bannen an den heißen Herd.

Man führe Sonntags sie galant ins Gasthaus,
Es gibt ja überall ein gutes Rasthaus.

Solch aufmerksamer Ehemann ist ihr wert!
[ch sage es den Männern im Vertrauen:

In dieser Falle fängt man alle Frauen!

Den poetischen Mustern. lasse ich nun eine Anzahl Prosa-
skizzen aus meiner Feder folgen. Mit ihrer Wiedergabe verfolge
ich einen doppelten Zweck. Einmal will ich praktisch verwend-
bares Material sowie brauchbare Anregungen liefern. Zum
anderen Mal will ich an Hand meiner Musterbeispiele zeigen, wie
verhältnismäßig leicht es ist, ein und dasselbe Thema werbe-
technisch in den verschiedensten Variationen zu verarbeiten.
Wie man einen Grundgedanken von den verschiedensten
Seiten aus anpacken kann, so daß man anscheinend immer
wieder Neues bietet. Auch die Verwendung dieser Prosamuster
gestatte ich gern unter der Voraussetzung, daß mir von allen
Drucksachen je ein Exemplar übermittelt wird.

DIE SCHÖNHEIT DER FRAU,
EineMahnungan Ehemänner.
Ein alter Hagestolz antwortete auf die Frage, warum er nicht geheiratet
habe: „Ein schönes Mädchen zu meiner Frau zu machen, war mir zu
gefährlich. Eine schöne Frau hat man nur für die anderen. Noch weniger
Mochte ich bei meinem angeborenen Schönheitsgefühl eine Häßliche.
An diesem Dilemma ist meine Heiratssehnsucht gescheitert!“ ,

Verraten darf ich noch, daß dieser Einsame es in späteren Jahren sehr
bedauert hat, so übervorsichtig gewesen zu sein. Nun steht er vor dem
Donnerwort: Zu spät! Heute mag ihn keine Schöne mehr, und eine Häß-
liche will er noch immer nicht.

Aus diesem kleinen Zwischenspiel tritt die Frage hervor: Ist die Gabe
der Schönheit gar ein Danaergeschenk? Sollte es viele Männer geben, die
aus den eben genannten Gründen lieber unvermählt bleiben? Dann wäre
wohl, auch gar die Pflege der Schönheit eine überflüssige Aufgabe! }

Leider besteht noch keine Statistik darüber, welche Mädchen mehr
es lieber geheiratet werden: schöne oder häßliche. Aber darüber sollte

ein Zweifel bestehen, daß es sehr viele wirklich häßliche Mädchen gar
as it gibt. Irgendeinen Reiz hat fast jedes weibliche Wesen, Man muß
nur verstehen, diesen Reiz in helleres Licht zu rücken. Kein vernünf-
En Mensch wird es der Frau übelnehmen. Im Gegenteil. Dankbar wird

le Männerwelt ihr dafür sein. Denn in jedem Adam steckt etwas von
        <pb n="582" />
        382

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

jenem schönheitstrunkenen Hagestolz. Wir alle sind lieber von Schönheit
als von Häßlichkeit umgeben, Darin liegt zugleich eine Mahnung an
unsere, Frauen:

Hütet eure Schönheit. Bewahrt und pflegt eure Reize. Meidet Vermeid-
bares, was eurer Schönheit schaden könnte.

Ein gefährlicher Feind fraulicher Schönheit ist das Übermaß von Arbeit
in Haushalt und Küche. Übertriebene Reinemachesucht macht dem Manne
das Heim ungemütlich, und sie nimmt der Frau allmählich aber sicher
den Reiz der körperlichen Schönheit. Sie stumpft den Geist ab und das
wirkt schädlich auch auf die körperliche Schönheit ein.

Noch gefährlicher wird der Frauenschönheit übertriebene Arbeit am
heißen Küchenherd. Hier möchte ich dem Manne mehr Einsicht predigen.
Wenn er Schönheitssinn hat — und den haben wir Männer doch alle —
und wenn ihm die schlanke, ranke Schönheit seiner jungen Frau Freude
macht, dann werde er auch zum Hüter und Schützer dieser Körper-
schöne. Dann dulde er es nicht länger, daß seine Frau am heißen Herd
und in dunstiger Küche Überstunden macht!

„Überstunden?“ höre ich erstaunte Fragen. „Wie kann in der Ehe von
Überstunden die Rede sein?“

„Ja, Überstunden!“ Es ist so. Jede Frau, die auch an Sonn- und
Feiertagen stundenlang in der Küche und am heißen Herd hantieren
muß, damit der Mann ein besonders leckeres Mittagsmahl verspeisen
kann, leistet Überstunden! Denn sie hat schon an sechs Wochentagen
die gleiche schwere Arbeit tun müssen, während unser soziales Zeit-
alter doch jedem Menschen einen wöchentlichen Ruhetag bereiten will!
Auch der Mann hat diesen Ruhetag. Er genießt ihn froh. Denkt aber
nicht daran, daß sein anderes Ich, seine Frau, umso eher Anspruch
auf die gleiche soziale Errungenschaft hat, als sie der schwächere Teil
in jenem Kameradschaftsbündnis ist, das wir Ehe nennen. Mißmutig
wird der schönheitsdürstige Mann es sehen, wie das anmutige Bild
seines jungen Weibes langsam verblaßt. Wie Abgespanntheit und Über-
müdung besonders an Sonntagen ihre Runenschrift in das weiche Ge-
sichterl der jungen Frau eingraben.

Deshalb ist es nötig, Alarm zu schlagen. Ehemann, hüte und bewahre
das gütige Geschenk der Natur an deine Frau, ihre körperliche Schön-
heit. Merke auf! Werde ein aufmerksamer Ehemann. Gönne ‚deiner
Frau einen Ruhetag, der ihr und dir gehört. Denn auch dir wird dieser
Tag der Ruhe zugutekommen. Ihr werdet ihn zusammen in Schönheit
genießen. Die Schönheit deiner Frau wird wie eine Wunderblume neu
aufblühen, wenn du ihr einen vollen Tag des Ausruhens läßt. Führe,
als ein aufmerksamer Ehemann, deine Frau fortan an jedem Sonn- und
Feiertag in eine jener behaglichen Gaststätten zum Speisen, die wir in
allen deutschen Städten haben, und du wirst es erleben, wie jeder Sonntag
zu einem wirklichen Tage voll Sonne für euch wird. Ein Tag sonniger
Freude, auch wenn Wolken am Himmel stehen. Aller Augen werden
sich auf euch richten, sobald du mit deiner Frau in den Speisesaal
trittst, denn sie wird in jugendlicher Schönheit aufgeblüht sein, weil
sie einen vollen Ruhetag, fern von Küchenhast und Küchenhitze, mit dir
verleben darf.
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        DIE WERBEAKTION „DER AUFMERKSAME EHEMANN“ 583
ERZIEHUNG ZUM AUFMERKSAMEN EHEMANN

Ein sonniger Sonntagnachmittag. Die erzenen Stimmen der Kirchen-
ühren hatten soeben die dritte Stunde verkündet. Am Anfangspunkt der
elektrischen Bahn, die zum beliebten Ausflugsort Schloß Solitude führt,
trafen sich unerwartet zwei junge Ehepaare. Nach der herzlichen
Begrüßung fragte Elly Plaut die schlanke Freundin Eva Kühnreich,
nachdem sie deren etwas blasses, nervöses Gesicht lange gemustert hatte:

„Bist du krank, Eva? Du siehst nicht gut aus! Deine matten Augen
und der nervöse Zug um den Mund gefallen mir nicht.“

„Ich bin nicht krank, Elly“, wehrte Eva, mit einem hastigen Seiten-
blick auf ihren Mann, ab. „Nur etwas abgespannt. Bei der Kocherei
wollte es heute nicht klappen. Es war auch unerträglich heiß in der
Küche. Unsere Minna hatte Ausgang. Sie ließ mich schon um 11 Uhr
sitzen, weil sie mit ihrem Schatz einen Ausflug macht.“

Elly Plaut griff spontan nach der Hand ihres Mannes und streichelte
sie zärtlich. „Hast du gehört, Ewald? Sieh dir das sonst so blühende
und rosige Evchen an. Wie danke ich dir. du Guter, daß du mich Sonn-
tags nicht in die Küche bannst.“

Eva horchte auf. „Wie meinst du das, Elly? Sonntags nicht in die
Küche bannst? Habt ihr euch Sonntags etwa das Essen abgewöhnt und
lebt nur von der Luft und der Liebe?“

Auch der elegante Heinz Kühnreich blickte die reizende Freundin
seiner jungen Frau, die er nur flüchtig kennengelernt hatte, interessiert
ınd fragend an.

„Ganz im Gegenteil“, lachte Elly. „Wir essen Sonntags besser und
vornehmer als an den Wochentagen. Aber ich habe das Glück gehabt,
an einen aufmerksamen Ehemann zu geraten.“

„Also ich bin kein aufmerksamer Ehemann?“ fragte Heinz lachend.
Doch es schwang ein Unterton von Unsicherheit und Gereiztheit mit.

„Die Frage will ich nicht unbedingt bejahren‘“, erwiderte Elly und
zögerte etwas. „Ich weiß, daß Sie Eva jeden Wunsch erfüllen, ihr
Samstags Blumen, Schokolade und Kuchen für den Sonntag mitbringen.
Eva geht auch sehr elegant gekleidet. Aber sehen Sie sich das Gesichter}
Ihrer sonst so rosigen Frau an: Abgespannt, nervös und um die Augen
liegt ein müder Zug. Warum? Weil Evchen den ganzen Sonntag-
Morgen in der heißen und dunstigen Küche hantieren mußte, damit der
tens Eheherr ein besonders leckeres Sonntagsmahl schnabulieren

Onne.‘“‘

„Hm!“ brummt Heinz. „Das sagen Sie so in Ihrem jugendlichen Leicht-
sinn, Der Braten war aber angebrannt und an die Forellen war zuviel
Salz geraten.“

„Weil ich ganz allein war und mit meinen beiden Händen nicht überall
zugleich sein konnte“, warf Eva hastig ein. „Während ich dir die
Krawatte binden mußte, brannte der Braten an.“

Elly lachte ihren Gatten an, der sichtlich amüsiert zuhörte, und bat:
„Nun rede du, Ewald. Du siehst, diese junge Frau ist noch nicht auf-
raiTt Auch ihr 1.80 m hoher Gatte ist es noch nicht. Sage es diesen

ern
        <pb n="584" />
        384

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Ewald schmunzelte. „Elly ist ein Schelm. Es geht ihr zu gut bei mir,
darum wird sie leicht übermütig. Die Sache ist so: Wir speisen Sonn-
tags stets auswärts, und zwar in dem behaglichen, urgemütlichen
Restaurant des Zentralhotels. Die Küche ist ungewöhnlich gut gepflegt,
und es speisen viele junge und auch alte Ehepaare dort. Lauter auf-
merksame Ehemänner, die es nicht haben wollen, daß sie selbst am
Sonntag nichts tun, während die eigene Frau besonders hart in der
Küche heran muß.“

Evas Augen waren groß geworden: „Hörst du, Heinz? So etwas gibt
as! Nur nicht bei Plauts. Bei Plauts muß die Frau bis um ein Uhr in
der Küche schwitzen, dann sich hastig anziehen, um, fröhlich plaudernd,
aber völlig appetitlos, mit dem Gatten sonntäglich zu speisen. Darauf muß
sie sich nochmals umziehen, schön machen, damit der Mann zu seinem
Sonntagsausflug kommt. ©O, es ist ein herrlicher Genuß, abgespannt,
heiß und erregt auf die überfüllte Elektrische zu warten, um einen
‚Vergnügungs‘-Ausflug zu machen.“

„Du wirst bitter“, warf Heinz ein, aber er sagte es unsicher. „Doch
ich will dir nicht Unrecht geben. Wir Männer sind Egoisten, und wir
sind auch noch gedankenlos. Obwohl ich kürzlich in vielen Zeitungen
und Zeitschriften von einer Art Feldzug gegen die ‚unaufmerksamen‘
Ehemänner las, habe ich mir bei dieser Lektüre doch nichts gedacht.“

„Im Himmel ist mehr Freude über einen wiedergefundenen verlorenen
Sohn, als über tausend Gerechte“, unterbrach Elly den Gatten der
Freundin. „Zur Belohnung nehmen wir Sie hiermit feierlich in die
Gilde der aufmerksamen Ehemänner auf.“

„Tausend Dank, verehrte gnädige Frau“, erklärte Heinz und machte
ein zerknirschtes Gesicht. „Bubi wird künftighin brav sein und seine
kleine Frau mit ihrem Bubenkopf an allen künftigen Sonn- und Feier-
tagen ins Zentralhotel zum Mittagmahl führen. Als sichtbares Zeichen
meiner Bekehrung zum aufmerksamen Ehemann bitte ich Sie, meine
Einladung anzunehmen und mit mir und Eva in jenem Auto, dessen
Chauffeur schon lange aufmunternde und einladende Blicke herüber-
wirft, nach Schloß Solitude zu fahren. Als aufmerksamer Ehemann
werde ich meiner kleinen Frau doch nicht zumuten, sich in eine über-
füllte Elektrische zu quetschen, um, abgespannt und nervös, das ‚Ver-
gnügen‘ eines sogenannten Sonntagsnachmittagsausfluges zu genießen.“

„Du Guter!‘ sagte Eva zärtlich und der nervöse Zug war mit einem
Schlage aus ihrem reizenden Gesichter] verschwunden, „Du — du — —
du aufmerksamer Ehemann!“
WEISST DU ES AUCH?
Wichtige Kalenderdaten soll man sich merken. Ein solch bemerkens-
werter Tag war der 13, Februar 1926. An ihm erblickte der „Auf-
merksame Ehemann“ das sogenannte Licht der Welt. Es ist der Ehe-
mann, an dem jede Frau, ob jung oder alt, ihre herzinnige Freude haben
wird, wenn er sich auch in ihr Heim gefunden haben sollte.

Weißt du es auch, „wer“ ein aufmerksamer Ehemann ist? „Wann“
er es ist? „Wie“ er es ist? Das sind „drei Fragen“, die aber nicht
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        DIE WERBEAKTION „DER AUFMERKSAME EHEMANN“ 585
„hinter der Türe“ beantwortet zu werden brauchen, wie in dem an-
mutigen Pfänderspiele, das wir in meinen Jugendtagen spielten, sondern
die in voller Öffentlichkeit gelöst werden müssen, In den Tagen um
den 13. Februar haben fast alle deutschen Zeitungen von diesem „Auf-
merksamen Ehemann“ erzählt, ich will aber bereitwillig noch einiges
über ihn berichten.

„Wer“ ist ein aufmerksamer Ehemann? „Der“ ist es, wer aus freien
Stücken, ohne gesetzlichen Zwang, seiner vom Gesetzgeber völlig ver-
gessenen Frau einen wöchentlichen Ruhetag bereitet. Wie er selbst ihn
schon seit Jahren in Behaglichkeit von Gesetzes wegen genießt.

„Wann“ ist,er ein aufmerksamer Ehemann? Wenn er diesen Ruhetag
der Frau auf den Sonntag verlegt! Wenn er nicht duldet, daß seine
Frau an diesem Tage, von dem schon der Herr sagte: Am siebenten sollst
du ruhn!, in der Küche und am heißen Herd arbeitet und sich abmüht.
In verdoppelt harter Fron sich abrackert, weil ja am Sonntag besonders
gut und reichlich gegessen werden soll.

„Wie“ ist er ein aufmerksamer Ehemann? Indem er seine Frau am
Sonn. und Feiertag in eine jener guten Gaststätten führt, von denen wir
in Deutschland so viele haben. Dort werden. beide behaglich und sorglos
ein echtes Sonntagsmahl verzehren, dazu ein Fläschchen edlen Trauben-
hlutes vom Rhein oder von der Mosel, aus der Pfalz oder von der Nahe
usw., leeren, ohne daß sie sich über Gebühr verausgaben. Ein Sonntags-
Menu, wie man es in der großen Mehrzahl unserer guten Gaststätten findet,
wird wohl keine noch so tüchtige Hausfrau zum gleichen Preise her-
stellen können. Und die Flasche Wein liefert der eigene Keller auch
aicht umsonst.

Das ist die Antwort auf die drei Fragen. Nun sei noch eine vierte,
ungestellte Frage beantwortet. Wer sich so zum aufmerksamen Ehemann
emporentwickelt, der wird zugleich zum tüchtigen Volkswirt. Erstens,
indem er an seiner Frau sozial handelt; zweitens, indem er zur Hebung
der Wirtschaftsnot einen zwar kleinen, aber doch nicht unwichtigen Teil
beisteuert. Das Hotel- und Gastgewerbe, die Winzer und der Wein-
handel leiden bittere Not. Jede, auch kleine Hilfe ist willkommen. Viel
können unsere Frauen dazu beitragen, wenn sie mit ihren sanften Händen
und der klugen Frauendiplomatie den gestrengen Eheherrn zum
Modernen „Aufmerksamen Ehemann“ umformen. Den größten Nutzen
davon werden die Frauen selbst haben.
EHEKAMERADSCHAFT
Wer im Laufe der letzten Jahre die sogenannten Heiratsanzeigen in
den Zeitungen mit etwas Aufmerksamkeit verfolgte, der weiß, daß sich
auf diesem interessanten Gebiete eine bemerkenswerte Wandlung voll-
zogen hat. Anzeigen von naivem Überschwang sind fast völlig ver-
Schwunden, und haben einem neuen Stil Platz gemacht. „Er“ sucht
mit besonderer Vorliebe Einheirat in ein Geschäft und in eine —
Wohnung, „sie“ läßt es deutlich durchblicken, daß sie „versorgt“ zu
sein wünscht. Infolgedessen hat sich aus früherer Zeit nur eines
konserviert: „ihr“ Wunsch nach einem pensionsberechtigten Lehrer oder
Beamten. Eine weitere bemerkenswerte Wandlung verrät der Wunsch
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        386

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

unserer Zeit nach dem „Lebenskameraden‘“ oder der „Lebenskameradin“,
Daraus erkennen wir, daß der Gedanke der „guten Kameradschaft“, den
unser Zeitalter des vielgestaltigen Sports schuf, sich auch in der Ehe
durchzusetzen beginnt. „Sie“ will nicht mehr das „wonnige Weibchen“,
also das Spielzeug müßiger Stunden sein, und „er“ lehnt es ab, als
„liebes Männchen“ gewertet zu werden. Man will sich weniger oder mehr
sein, je nachdem, was persönliche Anschauung in den Begriff des „guten
Lebenskameraden“ hineinlegt.

Schlecht ist eine Ehe ganz sicher nicht, die auf guter Kameradschaft
aufgebaut wurde. Nur muß die gute Kameradschaft auch wirklich auf
beiden Seiten vorhanden sein und in Erscheinung treten. Es soll hier
aur eine, aber nicht unwichtige Seite beleuchtet werden:

Der wirklich gute Kamerad wird es niemals zugeben, daß seine Lebens.
kameradin von dem wöchentlichen Ruhetag, den unsere weitausgedehnte
soziale Fürsorge jedem werktätigen Menschen zusichert, nichts zu spüren
bekommt. Eine Ehe, wo die Frau durch Gedankenlosigkeit, Unverstand
und Überlieferung dazu gezwungen ist, jeden Sonn- und Festtag die
Haushalts- und Küchenarbeit ebenso wie an allen Wochentagen zu leisten,
kann nicht den Anspruch darauf erheben, eine „Ehekameradschaft“ zu
sein. Das Wort Kameradschaft enthält den Begriff der vollen Gleich-
berechtigung. Was der eine Partner dieser Kameradschaft hat und
genießt, soll auch der andere uneingeschränkt haben.

Heute gibt es wohl keine Ehe mehr, wo der Mann nicht einen vollen
wöchentlichen Ruhetag hat, sei er nun Geistes- oder Handarbeiter. Aber
es gibt, leider, noch immer sehr viele Ehen, wo der Begriff echter
Kameradschaft sich noch nicht durchgesetzt hat, obwohl man sich viel-
leicht einbildet, wie gute Kameraden zu leben. Wenn der Mann duldet,
daß seine Frau jeden Sonn- und Feiertag wie an den sechs Wcochentagen
harte Haushalt- und Küchenfron leistet, wenn er es über sich bringt,
die aus dieser Fron für ihn entspringenden Annehmlichkeiten behaglich
zu genießen, so ist er ein „Eheherr“, aber kein guter Ehekamerad. Er
ist auch kein aufmerksamer Ehemann, denn dem ist längst das Ver-
ständnis dafür aufgegangen, daß es nicht in unser soziales Empfinden
paßt, wenn der Mann sich am Sonntag volle Ruhe gönnen kann, während
die Frau noch härtere Arbeit als an Wochentagen am heißen Küchen-
herd leisten muß, weil der „Eheherr“ am Sonntag noch besser als in
der Woche verpflegt sein will.

Der „gute Ehekamerad“ wird das seiner Frau nicht zumuten, weil
ein guter Ehekamerad auch immer ein „Aufmerksamer Ehemann“ sein
wird. Der aufmerksame Ehemann aber führt seinen „Lebenskameraden“
an Sonn- und Feiertagen in eine behagliche Gaststätte zum Speisen, und
er schickt sie nicht in die heiße Küche. Ihm widerstrebt es, einen Ruhetag
zu genießen, an dem seine Frau keinen Anteil hat. Daraus folgert, daß
ein aufmerksamer Ehemann auch immer ein guter Ehekamerad sein
wird. In solcher Ehe herrscht wirkliche und echte Ehekameradschaft.

WERDE ENERGISCH!

Eine junge Frau klagte mir jüngst ihr herbes Leid: Mein Mann ist

50 anspruchsvoll. Er verlangt und erwartet daheim ein viel besseres,
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        DIE WERBEAKTION „DER AUFMERKSAME EHEMANN“ 587
viel reichhaltigeres und abwechslungsreicheres Essen, als er früher, in
seiner Junggesellenzeit, hatte. Besonders an Sonn- und Feiertagen macht
er mich zur leibhaftigen Küchensklavin. Dann stehe ich noch eine Stunde
früher auf als sonst, bloß um die umfangreiche Kocherei bewältigen zu
können. Mittags bin ich so abgehetzt, daß ich kaum einen Bissen
genießen kann, und am Nachmittag bin ich zu nichts mehr zu gebrauchen.
So gehört schlechte Laune bei uns schon seit langem zum stehenden
Sonntagsrepertoire. Wenn ich das doch ändern könntel

Aber das kannst du doch, liebe kleine Frau, erwiderte ich lächelnd.
Mit einer Kleinigkeit. Werde energisch. Dulde nicht länger, daß dein
Mann dich Tag für Tag zum Küchenputtel macht. Halte ihm ruhig
und sachlich vor Augen, daß er selbst allwöchentlich einen vollen Ruhe-
tag hat, den er behaglich genießt und über dessen Unantastbarkeit er
eifersüchtig wacht. Organisiere dich, liebe kleine Frau. Tritt der wirklich
„freien“ — nämlich herzensfreien — Gewerkschaft der „Aufmerksamen
Ehemänner‘“ mit aufmerksam umsorgten Frauen bei, und zwinge vor
allem deinen Mann zum Beitritt. Es kostet nichts und bringt doch so
viele Vorteilel Nämlich einen völlig freien Ruhetag für euch beide, den
ihr gemeinsam in Schönheit und Behaglichkeit genießen könnt. Ein
Tag, an dem ihr euch finden werdet, nachdem die sechs Wochentage
mit ihren vielseitigen Anforderungen euch ein wenig entfremdet haben.
Der „Aufmerksame Ehemann“ erlaubt es nämlich nicht, daß seine kleine
Frau auch an den Sonn- und Feiertagen sich in der heißen Küche für
\hn und seinen verwöhnten Magen abrackert. Er speist an diesen Tagen
mit ihr in einer jener behaglichen Gaststätten, die gut und doch ver-
hältnismäßig billig sind, und er sichert sich auf diese lächerlich einfache
Weise einen schönen, harmonischen, durch keinen Küchenmißklang
getrübten Sonntag und eine frische, blühende, nicht abgehetzte und dafür
von Herzen dankbare Eheliebste. Werde energisch, liebe kleine Frau.
Fordere dein soziales Recht auf einen vollen wöchentlichen Ruhetag.
Gar bald wird dein Mann erkennen, um wie vieles schöner nun die Welt
am Sonntag ist. Und er wird zum begeistertsten Anhänger der herzens-
freien Gewerkschaft der „Aufmerksamen Ehemänner‘“ werden.

WIE BLEIBE ICH SCHLANK?

Schlank sein, schlank bleiben, das ist die wichtigste Tagesfrage unserer
Frauen und Mädchen. Unsere Frauen beschäftigt sie noch stärker, weil
ihnen durch die Art der häuslichen Beschäftigung die Gefahr des
„Stärkerwerdens“ viel näher gerückt ist, als dem jungen Mädchen, dem
für Sport und sonstige körperliche Ausarbeitung genügend Zeit zur Ver-
fügung steht. Anders ist es bei der Frau. Die häuslichen Pflichten binden
sie, Obwohl den ganzen Tag in Anspruch genommen, ist die Art dieser
vielseitigen Arbeiten doch nicht dazu geeignet, die Frau vor dem Stärker-
werden, vor dem gefürchteten „Fettansatz‘“ zu schützen. So trägt gerade
die Arbeit in der Küche und am heißen Herd einen gewichtigen Teil
dazu bei, daß die Glieder sich in unerwünschter Weise „runden“, zuerst
„Mollig‘“ — der Wiener sagt mollert — und schließlich ganz richtiggehend
dick werden. Gar oft haben Hausfrauen, die trotz verhältnismäßiger
Jugend, schwer an ihrem Formenreichtum trugen, mir ihr Leid geklagt:
        <pb n="588" />
        8

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

„Es kommt von der Küchenarbeit! Vom Kochen! Weil wir so oft kosten
müssen! Zur guten Küche gehört Ööfteres gewissenhaftes Probieren.
Meistens sind wir schon satt, wenn wir das Essen auf den Tisch bringen.
Der gestrenge Eheherr, der gebieterisch eine „gute Küche“ heischt,
wundert sich dann über unsere „Appetitlosigkeit‘“ gegenüber solch
teckeren Dingen. Noch mehr wundert er sich, daß wir wie der wachsende
Mond zunehmen, obwohl wir doch hachgewiesenermaßen nur wie ein
Spatz von den Speisen naschen. Der Mann weiß eben nicht, daß wir
Opfer unseres Hausfrauenberufes sind. Daß : das‘ ununterbrochene
Hantieren in der Küche und am heißen Herd — an sieben Tagen der
Woche! — den gefürchteten Fettansatz begünstigt und geradezu anlockt.“

So habe ich viele jener rundlichen Frauen klagen hören, die sich
in kargen Mußestunden heiß um die verlorene „Schlanke Linie‘ mühten,
aber doch nichts anderes erreichten, als daß sie nervös wurden und sich
abgespannt und übermüdet fühlten. Ihnen wäre doch so leicht zu helfen
gewesen, wenn sie der Küche und dem Kochen nicht jenen übertriebenen
Eifer gewidmet hätten, durch den sie den Mann maßlos verwöhnten und
schließlich zum Haustyrannen erzogen. Wenn sie darauf gedrungen
hätten, daß der Eheherr ihnen wenigstens einmal in der Woche einen
vollen Ruhetag, und zwar am Sonntag, gegönnt hätte, wie er selbst ihn
als etwas „Selbstverständliches‘“ für sich in Anspruch nimmt. Kurz,
wenn sie den hohen Herrn zum „Aufmerksamen Ehemann“ erzogen
hätten, über den die Zeitungen in letzter Zeit so Interessantes zu berichten
wußten, Der „Aufmerksame Ehemann“ duldet nicht, daß seine Frau
auch an Sonn- und Feiertagen am heißen Küchenherd steht, noch sorg-
fältiger und häufiger als sonst kostet und probiert, weil zum ‚Sonntag
ein besonders leckeres und reichliches Essen gehört. Der „Aufmerksame
Ehemann‘ wird seine fleißige kleine Frau Sonntags in eine gute Gast.
stätte führen, wo sie zu erschwinglichem Preis ein abwechslungsreiches
und gediegenes Mittagmahl finden, und er wird — durch die kluge Ein-
schaltung wenigstens eines Schon- und Ruhetages — dazu beitragen, daß

seine Gattin die heißersehnte „schlanke Linie“ viel länger bewahrt.
DER GESTOHLENE SONNTAGSBRATEN

An der Hintertüre des Metzgers Fleischhauer wartete eine elegante
junge Frau. Sie hatte schon dreimal hastig und nervös geläutet. End-
lich erklangen schlurrende Schritte. Der dicke Meister Fleischhauer,
angetan in einen phantastischen, großblumigen Schlafrock, an den Füßen
ein Paar Filzschuhe, wie Elbkähne groß, erschien im Rahmen der für
ihn fast zu schmalen Türe. .

„Was is denn los, zum Donnerwetter? Nicht mal Sonntags hat man
Ruhe. Heh?“

Da erkannte er die junge Frau Edelmann, seit zwei Jahren eine seiner
besten Kundinnen, ;

„Verzeihen Sie, Frau Edelmann. Nischt für ungut. Aber wenn man
aus seinem Sonntagsvormittagsnickerchen aufgeschreckt wird — —.“

„Lieber Meister Fleischhauer,“ bat Frau Edelmann mit süßer Stimme,
„Sie müssen mir helfen. Wir haben nichts zu essen. Während ich die
Küche einen Augenblick verlassen und die Türe nur angelehnt hatte,
        <pb n="589" />
        DIE WERBEAKTION „DER AUFMERKSAME EHEMANN“ 589
schlich sich das Hundevieh meines Nachbars herein und stahl den
leckeren Sonntagsbraten, den ich gestern bei Ihnen gekauft habe, Sie
müssen mir Ersatz geben, lieber Meister Fleischhauer. Sonst wird mein
Mann böse, wenn er nichts zu essen bekommt.“

„Füttert die Bestie gut,“ lachte Meister Fleischhauer. „Aber das ist
nicht so einfach, verehrte Frau Edelmann, Ich mache mich strafbar,
wenn ich Sonntags etwas verkaufe, Es geht nicht!“

„Es muß gehen, lieber Meister Fleischhauer. Haben Sie doch ein
Finsehen. Was soll ich meinem Mann vorsetzen? Er erwartet Sonntags
immer: etwas besonders Leckeres.“

Meister Fleischhauer rieb seinen rötlich angehauchten Nasengipfel.
Plötzlich tippte er der schlanken jungen Frau auf die runde Schulter —
das heißt, er glaubte, nur zu „tippen“, aber Frau Edelmann knickte fast
N den Knien zusammen — und mit vergnügtem Grinsen sagte der

jese:

„Warten Sie mal, ich hab’s! Gleich bin ich wieder da.“

Er zog die junge Frau in den Hausflur, schloß die Türe und watschelte
in seinen riesigen Filzschuhen hastig davon. Bald kehrte er zurück‘ und
hielt der ungeduldig harrenden Frau ein Bild unter das rosige Näschen.
Frau Edelmann war verblüfft. Sie hatte auf eine Lende, oder ein Kalbs-
filet, oder eine saftige Hammelkeule gerechnet. Nun kam der dicke
Metzger mit einem Bild. Wollte er sie verhöhnen?

„Legen Sie das Ihrem Mann heute Mittag statt des Bratens auf den
Teller,“ sagte Fleischhauer schmunzelnd.

. Erika Edelmann war dem Weinen nahe. Zornestränen. Wütend wollte
sie das Bild auf die Erde werfen, da traf ihr schon halb verschleierter
Blick die Überschrift:
‚Der aufmerksame Ehemann“
las sie. Interessiert musterte Erika das flott gezeichnete Bild. Ein
Junges Ehepaar in einem behaglichen Restaurant. Nun sah sie, daß die
Driginelle Skizze auch eine Unterschrift hatte. In Gedanken verloren
las sie laut:
„Man nehme sich ein Beispiel. Dieser liebenswürdige und
kluge Frauenkenner speist am Sonntag grundsätzlich nicht zu
Hause. An einem Tage wenigstens will er seine Frau entlasten
von allen Mühen in Küche und Haushalt. Gibt es doch so viele
zute Gaststätten, wo man zu angemessenen Preisen vortrefflich
ißt und sich auch ein Fläschchen guten deutschen Weines zu
Gemüte führen darf, ohne sich über Gebühr zu verausgaben.“

„Nun?“ forschte Meister Fleischhauer und sah seiner jungen. reizenden
Kundin Hstig in die nun lachenden Augen.

„Vortrefflich, Meister Fleischhauer,“ jubelte Erika. „Daß ich und mein
Mann daran noch nie gedacht haben! Zu dumm! Sonntag um Sonntag
habe ich in der heißen Küche geschuftet. Nachmittags war ich immer
Nüde zum Umfallen.“

„Siehstewohl!“ schmunzelte der riesige Metzger. „Speisen Sie mit
Ihrem verehrten Herrn Gatten im Eden-Restaurant. Dorthin habe ich
Bestern die besten Teile eines Mastochsen geliefert. Eines Mastochsen,
        <pb n="590" />
        590

. DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

sage ich Ihnen! Und Kälbernes. Sowas gibts nicht wieder. Fast noch
besser, als der Braten, den Sie von mir bekommen haben. Sie sehen
also, liebe Frau Edelmann, daß ich nicht geschädigt bin, wenn Sie
Sonntägs nicht mehr zu Hause, sondern im „Eden“ futtern. Ich tus
nämlich auch mit Muttern. Meine Alte muß in der Woche genug schuften.
Da soll sie an Sonn- und Feiertagen Ruhe haben. Jawohl,‘“ wieherte der
Meister vergnügt, „ich bin auch ein aufmerksamer Ehemann.“

„Schenken Sie mir das hübsche Bild, lieber Meister,“ bat Erika. „Ich
will es meinem Mann mitbringen.“

„Gern, liebe kleine Frau. Ich kann mehr davon haben.“

Meister Fleischhauer saß bereits mit seiner gleichgewichtigen Frau
in einer behaglichen Nische des Eden-Restaurants, als Werner Edelmann
und seine reizende Frau eintraten. Sie fanden noch einen netten Tisch,
nahe der Nische Fleischhauers. Der dicke Meister hob sein Glas mit
perlendem Rheinwein, senkte es galant gegen seine junge Kundin und rief:

„Ihr Wohl, gnädige Frau. Und das Wohl des neugeborenen aufmerk-
samen Ehemannes.“
Diesen „Mustern“ zu regelmäßiger Werbung für den „Auf-
merksamen Ehemann“ will ich zum Schluß noch ein praktisches
Anzeigen-Beispiel angliedern. Ich erwähnte bereits, daß der
aufmerksame Ehemann nicht wieder aus unserem Wirtschafts-
leben verschwinden dürfe. Die Propaganda dafür muß dauernd
werden. Das kann durch briefliche Werbung geschehen, wie
ich es in dem Kapitel „Der Sonn- und Feiertag und die Frauen“
gezeigt habe. Es kann durch Skizzen und Notizen der Art ge-
schehen, wie ich soeben einige Musterbeispiele gab. Schließlich

„DER AUFMERWSAME EHEMANN“
speist des Sonntags grundsätzlich nicht zu Hause,
Die vornehme Gaststätte
AM HAUPTBAHNHOF, BERNHARDSTRASSE 1-3
bietet des Sonntags bei durchaus mäßigen Preisen in den behaglichen
Gesellschaftsräumen

Gewählte Gedecke und Spezialgerichte

Weine von 2 Mk., Sehoppenweine 75 Pf.

Mittags Tafelkonzert - Telephon 44-0-0 1

Säle für Festlichkeiten und Konferenzen

Während der Wintermonate ermäßigte Pensionspreise

Sonntags-Anzeige eines Hotels in Dresden, das den „Aufmerksamen
Ehemann“ regelmäßig in den Dienst seiner Propaganda stellt.
Jede Samstags- und Sonntags-Anzeige sollte an den „Aufmerksamen
Ehemann“ appellieren!
        <pb n="591" />
        DIE WERBEAKTION „DER AUFMERKSAME EHEMANN“ 591
kann es, muß es durch Anzeigen in der Presse geschehen. Wie,
veranschaulicht die bereits erwähnte Anzeige eines Hotels in
Dresden. Die üblichen Samstags- und Sonntags-Anzeigen, die
Einladungen des Hotel- und Gastgewerbes müssen unter dem
Zeichen des „Aufmerksamen Ehemannes‘““ stehen. Steter Tropfen
höhlt den Stein! Die unermüdlich wiederholten Mahnungen an
„Aufmerksame Ehemänner‘“ werden Schule machen und all-
wöchentlich viele neue „Aufmerksame Ehemänner“‘“ gewinnen!

Der praktische Werbefachmann wird nun fragen: Was hat
die Geschichte gekostet? Die Kampagne an sich war großzügig
und originell. Das Großzügigste und Originellste aber dürfte
wohl die Antwort auf die Frage nach den Kosten sein!

Nichts! hat die Werbung gekostet. Die Dispositionen der
Anzeigen-Zentrale, das Hand-in-Hand-Arbeiten mit dem Ver-
lage der „Deutschen Hotel-Nachrichten‘‘ waren derartig, daß
dieser einzigartige Werbefeldzug auch in einzigartiger Weise
geführt werden konnte. Der „Aufmerksame Ehemann“ hat
die sprichwörtliche Antwort des Marschalls Trivulzio an
Lugwig XII. auf dessen Frage, was für Rüstungen und Vorräte
zur Eroberung des Herzogtums Mailand nötig seien: tre cose,
Sire, ci bisogno preparare, danari, danari, e pol danari, Lügen
gestraft. Wenn wir meinen, daß zum Kriegführen drei Dinge
nötig seien, Geld, Geld und nochmals Geld, so haben wir hier
erlebt, daß ein Reklamefeldzug, zur Eroberung eines neuen Ab-
Satzgebietes, statt mit Geld, auch mit drei anderen Dingen ge-
führt werden kann: Mit neuen Gedanken, Umsicht und forschem
Draufgängertum. Ohne das letzte wäre der „Aufmerksame Ehe-
mann“ vielleicht im entscheidenden Augenblick noch zum
Stolpern über einige schwere Hindernisse gekommen, die der
tückische Zufall ihm in den Weg schob. Doch darüber schweigt
des Sängers Höflichkeit, weil das Wichtigste bei allen großen
Kampagnen das letzte ist: der Erfolg. Und der hat an der
Wiege des „Aufmerksamen Ehemannes“ Pate gestanden.
        <pb n="592" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

83. DAS „WOCHENENDE“ UND SEINE
ORGANISIERUNG

In dem Kapitel, das ich der Anzeigenzentrale des Reichsver-
bands der Deutschen Hotels, Restaurants und verwandter Be-
friebe, Hamburg, gewidmet habe, streife ich kurz das Wochen-
ende, jene englische Einrichtung, um deren Einführung man sich
jetzt überall auf dem Kontinent bemüht. Zum besseren Ver-
ständnis sei eine kurze Betrachtung über das Wesen dieses
Wochenendes vorausgeschickt sowie über die Gründe, welche
für seine allgemeine Einführung sprechen.

Das englische „Week-end‘, Wochenende, hat eine alte Tra-
dition. Es verdankt sein Dasein der englischen Arbeits- und
Freizeiteinteilung, die etwas so typisch Englisches hat, daß wir
auf dem Kontinent jahrelang von einer „englischen Tischzeit“
gesprochen haben. Diese englische Tischzeit, die identisch ist
mit durchgehender Arbeitszeit, steht im engen Zusammenhang
mit dem englischen Wochenende. Das eine ist aus dem anderen
heraus entstanden. Die Vorzüge dieser Einrichtung sind augen-
fällig. Doch müßte zunächst die Frage erörtert und geklärt
werden:

Soll man das Week-end im rein englischen Sinne anstreben?
Oder ist es ratsamer, nur den Grundgedanken zu übernehmen,
die Einrichtung des Wochenendes aber so auszugestalten, daß
die eigenen Belange und Verhältnisse sowie der eigene Volks-
charakter dem Wochenende ihr natürliches Gepräge auf-
drücken?

Die Frage ist leicht und schnell beantwortet. Das englische
Week-end ist in London entstanden und basiert auf echt eng-
lischen Gepflogenheiten und Gewohnheiten. Die ungeheure
Ausdehnung Londons, der Charakter der „City“ als reines Ge-
schäftsviertel — Wohnungen gibt es in der Londoner City fast
gar nicht — zwangen dazu, die privaten Haushalte in die Peri-
        <pb n="593" />
        DAS „WOCHENENDE“ UND SEINE ORGANISIERUNG 5393
pherie zu verlegen. Dann hat der Engländer niemals so fieber-
haft mit 12—14stündiger Dauer gearbeitet, wie es besonders
in Deutschland nach 1870, aber auch in manchem anderen
Lande Sitte geworden war. Bevor die soziale Gesetzgebung ein-
griff, war es zum Beispiel in Deutschland keine Seltenheit, daß
Ladengeschäfte usw. bis in die Nacht hinein geöffnet blieben,
und daß auch der Sonntag das gleiche Bild reger geschäftlicher
Tätigkeit zeigte. Dem übertrieben arbeitsfreudigen kontinen-
talen Sonntag stand der englische „stille Sonntag‘ gegenüber,
der dem Londoner keinerlei Zerstreuung und Vergnügen bot.
Die fand er nur in seinen ebenfalls echt englischen Einrich-
tungen, den Tausenden von Privatklubs und im Week-end. Am
Week-end führten zahlreiche Eisenbahnzüge den Londoner
und die Bewohner anderer Städte ans Gestade des Meeres oder
an die zahlreichen, schön gelegenen Sportplätze. Das Week-
end begann vielfach schon am Freitag abend und endete erst
am Montag morgen. Die ausgezeichneten Bahnverbindungen
und die mit rasender Schnelligkeit fahrenden Züge ermöglichten
es dem britischen Großstädter, allwöchentlich zwei volle Tage
auszuspannen. Heute ist der Week-end-Verkehr in England so
großzügig ausgebaut, daß jeder Engländer sein Week-end an
einem anderen Punkt des Inselreiches verleben kann. Niedrige
Week-end-Preise der Bahn, wobei oft volle Verpflegung wäh-
rend der Fahrt inbegriffen ist, ermöglichen es auch dem Manne
ınd der Frau mit bescheidenem Einkommen, sein beziehungs-
weise ihr Week-end in Schönheit zu genießen. Der Week-end-
Fahrer findet vielfach bei der Ausfahrt am Samstag früh im
Zuge Gelegenheit, sein Frühstück einzunehmen, und bei der
Heimfahrt wird ihm abends ebenfalls Verpflegungsgelegenheit
geboten.
Aus dieser kurzen Beschreibung ist schon zu erkennen, daß
ein kontinentales Wochenende auf ganz anderen Voraus-
setzungen aufgebaut werden müßte als das Week-end des Eng-
länders. Die in ganz Europa zu spürenden Folgen des Welt-
krieges, die daraus resultierenden wirtschaftlichen Verhältnisse
zwingen zu intensivster Arbeit. Für das kontinentale Wochen-
ende kann im günstigsten Falle nur die zweite Hälfte des Sonn-
abends, von 1 bis 3 Uhr nachmittags an, in Frage kommen und
der ganze Sonntag. Auf diese Besonderheiten muß der Wochen-
endverkehr auf dem Kontinent von vornherein zugeschnitten
werden. Nur über eines kann keinerlei Zweifel bestehen: daß
        <pb n="594" />
        94

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
man das ‚Wochenende auch in anderen Ländern einführen und
sorglich pflegen muß:

Vor dem Weltkriege wurde überall viel gereist. Auch den
sogenannten „kleinen Mann“ fand man in den schönen Sommer-
monaten auf der Bahn und in den vielbesuchten Fremden-
zentren. Man begegnete ihm nicht nur in seiner eigenen Heimat,
sondern auch in anderen Ländern, weil der Reise- und Bil-
dungsdrang Grenzen und Hindernisse zu überwinden wußte.
Diesem Bildungsdrange, der zugleich körperliche und geistige
Erholung bot, muß auch jetzt, trotz veränderter Verhältnisse, die
Bahn zu seiner Betätigung bereitet werden; Ebenso müssen die
Möglichkeiten zu geistiger und körperlicher Erholung und Aus-
spannung geschaffen werden. Zunächst sind die zwei wichtigen
Fragen zu klären, ob der Kontinent für Wochenend-Bestre-
bungen überhaupt geeignet ist, und ob diese Einrichtung im
englischen Sinne oder den eigenen Verhältnissen entsprechend
auszubauen ist.

Die Fragen stellen heißt, sie im ersten Punkt zugleich be-
jahen. Die Mehrzahl der europäischen Länder ist für ein
„Wochenende“ nicht nur geeignet, man braucht diese Ein-
richtung auch aus vielfachen Gründen, sie ist ihnen lebens-
notwendig. Zum zweiten Punkt kann es nur eine Antwort geben:
Das Wochenende muß bodenständig sein und auf heimische
Verhältnisse zugeschnitten werden! In dieser Ansicht wird man
bestärkt, wenn man den Blick über die eigenen Grenzen hinaus
in andere Länder lenkt. Fast überall ist man dabei, die Frage
des Wochenendes zu erörtern, und man ist auch schon zur
praktischen Verwirklichung diesbezüglicher Pläne übergegan-
gen. Das ist namentlich in Deutschland, in der Schweiz und in
Österreich der Fall, die auf dem Gebiete des volkswirtschaft-
lich so wichtigen Fremdenverkehrs gegenseitig schärfste Rivalen
sind. Welches Land sich nicht mit allen Kräften bemüht, dem
eigenen Volke die Segnungen eines praktisch durchgearbeiteten
Wochenendes zu verschaffen, läuft Gefahr, daß die nachbar-
liche Konkurrenz es überholt. Nun sei im wesentlichsten er-
artert, welches die
AUFGABEN DES HOTELGEWERBES UND DER
FREMDENVERKEHRSINTERESSENTEN
wären, um das kontinentale Wochenende richtig und erfolg-
versprechend auszubauen. Da man hier vor einem völligen
        <pb n="595" />
        DAS „WOCHENENDE“ UND SEINE ORGANISIERUNG 595
Neuland steht, könnten Fehler und Mißgriffe.nicht wieder. gut
zu machende Folgen haben.

Eine zielbewußte Ausgestaltung des Wochenendverkehrs, so
daß alle Beteiligten reine Freude daran haben können, ist nur
dann möglich, wenn alle direkt interessierten‘ Kreise ein-
trächtig Hand in Hand arbeiten, Die Aufgaben der Organisa-
tionen des Hotelgewerbes und des Fremdenverkehrs sind viel-
seitig. Sie seien in großen Zügen genannt.

Neben ihrer Beteiligung an der Organisation des eigentlichen
Netzes für den Wochenendverkehr haben sie alle wichtigen
Fragen zu lösen, die außerhalb des Bereiches der reinen Be-
förderungsinstitute liegen. Das sind; Empfang, Verpflegung,
Unterbringung, Führung durch die landschaftlichen Sehens-
würdigkeiten, durch Museen, Kunstschätze, Theater usw. Bei
Lösung ihrer Aufgabe müssen sie die zwei wichtigen Gesichts-
punkte im Auge behalten: Der Wochenendfahrer will die Schön-
heiten seiner engeren und weiteren Heimat kennenlernen; er
will sich bilden. .

Es ist also eine gewisse weise Beschränkung des Gebotenen
nötig. Ausflüge, Besichtigungen und Theaterbesuche dürfen
nicht zu physischer und psychischer Übermüdung führen. Diese
Fehler sind bei den sogenannten Pressefahrten gemacht und
von den Presseleuten gerügt worden. Sie dürfen bei den
Wochenendfahrten nicht wiederholt werden.

Wenn Hunderttausende, wahrscheinlich sogar Millionen von
Wochenendfahrern. beiderlei Geschlechts die sanitären Ein-
cichtungen und Hilfsmittel der heimischen und fremden Kur-
und Badeorte kennenlernen, so liegt darin eine Propaganda-
wirkung von großem Wert. Deshalb liegt es auch im Interesse
der Kurorte, wenn sie den Wochenendfahrern die Bekannt-
schaft mit ihren sanitären Einrichtungen verschaffen, Das
kann durch Freigabe oder wenigstens billigste Berechnung der
Benutzung oder Besichtigung ihrer Kurmittel geschehen. Es
kann auf diesem Gebiete noch weiter gegangen werden, indem
man für die Wochenendfahrer besondere hygienische Ein-

richtungen schafft, wodurch ihnen diese ja immerhin etwas
anstrengenden Reisen verannehmlicht werden. Überzeugt der
Wochenendfahrer sich davon, daß man sich an den Zielpunkten
der Reisen um ihn und sein Wohlergehen bemüht, so wird
dadurch der Wert der Wochenendfahrten gehoben. .
        <pb n="596" />
        36

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Die Organisation der Verpflegung und Unterkunft ist beson-
ders wichtig. Der „gut ausgeschlafene‘“ oder der „gut gegessene““
Mensch ist nicht nur aufnahmefähiger, dankbarer für das Ge-
botene, er wird auch zum wertvollen Werber. Es ist nun ein-
mal in der menschlichen Natur begründet, daß bei der Unter-
haltung über Reiseerlebnisse die Verpflegung eine wichtige Rolle
spielt. Eine Probe auf dieses Exempel kann man in jedem
Eisenbahnabteil machen. Man wird sich darüber zu einigen
haben, ob die Kosten für Unterkunft und Verpflegung zweck-
mäßiger in den Preis der Fahrt einbezogen, ob also ein Pau-
schalpreis erhoben werden soll, oder ob man dem Reisenden
die freie Wahl 1äßt, ihm aber klipp und klar sagt, mit welchen
Preisen und auf was er in den zur Wahl stehenden Hotels und
Gaststätten zu rechnen haben wird. Eine Einteilung der Hotels
und Gaststätten in verschiedene ‚Klassen‘ sollte vermieden
werden.

Sache der Kurverwaltungen, Fremdenverkehrsvereine und
Hotelbesitzerorganisationen wäre es, den Empfang und die
Führung so zu organisieren, daß sich alles reibungslos und ohne
Zeitverlust vollziehen kann. Ob man beispielsweise den Emp-
fang dadurch feierlicher gestaltet, daß man Musik spielen
läßt oder Ansprachen hält, wie es im Sommer 1925 beim Emp-
fang von Sonderzügen schon geschah, ist Sache des Ge-
schmacks. Auf jeden Fall muß dafür gesorgt werden, daß „Be-
sichtigungen‘“ von Sehenswürdigkeiten, Museen usw. möglichst
ganz frei sind und daß für etwaigen Konzert- oder Theater-
besuch Preisermäßigungen geboten werden. Prinzipiell sollten
alle Stätten, die der Bildung dienen, dem Wochenendfahrer
unentgeltlich erschlossen werden, weil Pflege des Bildungs-
dranges eine der Aufgaben des Wochenendes sein soll.

Aus diesem Grunde sei an weitere Möglichkeiten erinnert,
um die Wochenendfahrten noch stärker in den Dienst des
Volkes zu stellen. Industrielle Werke, kaufmännische Betriebe
usw. können zum Beispiel als Belohnung für besonderen Fleiß
oder hervorragende Leistungen in der Arbeit bestimmte Wochen-
endfahrten spenden. Studenten können Lernzwecke damit ver-
binden, und es könnten also die Wochenendfahrten zu einer
wertvollen Ausgestaltung der hier und da gebräuchlichen
Studienfahrten junger Studenten verwertet werden. Auf diesem
Gebiete wären noch manche Möglichkeiten zu erschließen. Auf-
gabe der Kurverwaltungen sowie der Städte wäre es, mit neuen
        <pb n="597" />
        DAS „WOCHENENDE‘ UND SEINE ORGANISIERUNG 597
Anregungen hervorzukommen. So haben zum Beispiel manche
Großstädte Spezialeinrichtungen, deren Besichtigung für ge-
wisse Bevölkerungskreise besonders wertvoll und belehrend
sein kann, wie das gleiche auch bei manchen Kurorten zutrifft.
Wenn ein Kurort den medizinischen Hörern einer nicht allzu
entfernten Universität die Möglichkeit verschafft, anläßlich
einer billigen Wochenendfahrt seine sanitären Einrichtungen
Cl ene OO
| Bad Menndorf

f

Hotel staatl, Kurhaus
Staatl. Hotel Cassel
Staatl,.HotelHannover
KurpensionKronprinz
Hotel Schaumburg
| Wochenendpreis Mk. 14.— und Mk, 12.— |
Ausweise im Vorverkauf
sel d. Mitteleuropäischen
Reisebüros und beim Ver-
xehrsbüro Bad Nenndorf!

Wochenend-Kollektivanzeige. Entwurf der Anz eigenzentrale, Hamburg.

gründlich zu studieren, so wäre das Werbung auf lange Sicht.
Der junge Student wird einstmals praktischer Arzt oder Spezial-
arzt, und er wird seine Patienten gerne in einen Badeort
schicken, von dem er aus persönlicher Anschauung etwas
Näheres weiß.
Zum Schluß sei nochmals daran erinnert, daß der Sport bei
den Wochenendfahrten auch eine gewisse Rolle spielen kann,
Es bieten sich da Möglichkeiten, Konkurrenzen zu schaffen
und auszufechten. Der: Besuch bestimmter Veranstaltungen
kann gehoben werden, wenn es gelingt, für diese Zeit Wochen-
endfahrten herbeizuziehen. Aus diesen kurzen Andeutungen
seht schon hervor, wie wichtig es für alle jene Städte, Kur- und
        <pb n="598" />
        398

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Badeorte usw. ist, die Wert darauf legen, in den Wochenend-
verkehr einbezogen zu werden, ihre Sportanlagen zeitgemäß
und großzügig auszubauen. Es sind Anlagen, die sich am
ehesten bezahlt machen werden, weil der Sport noch immer
große Entwicklungsmöglichkeiten hat. Aus diesem Grunde wird
und muß ‚er auch‘ bei den Wochenendfahrten eine Rolle
spielen.‘

Aus diesen Betrachtungen über den Sport im allgemeinen ist
ferner zu erkennen, daß der Wochenendverkehr auch in den
Dienst des Wintersports gestellt werden müßte. Dabei könnten
Erfolge besonderer Art erzielt werden, wenn durch den
Wochenendverkehr gleichzeitig eine wesentliche Verbesserung
der, vielfach noch sehr im argen liegenden Verbindungswege
nach Wintersportplätzen geschaffen würde. Die Leiter dieser
Plätze müßten darauf ihr Augenmerk richten.

Der Wochenendverkehr brauchte im Herbst und Winter
keineswegs zu stocken, soweit der Besuch von Städten in Frage
käme. Ihre Museen und Sehenswürdigkeiten aller Art, ihre
Theater und Konzerte würden durch einen zielsicheren Wochen-
endverkehr weit mehr als seither Gemeingut des ganzen Volkes
werden. Wir hören und lesen jetzt so viel von der Notlage der
Theater sowie der eng damit in Verbindung stehenden Not der
darstellenden Künstler. Geschickt arrangierte Wochenend-
fahrten könnten einen wertvollen Ausgleich schaffen, indem
sie diesen Kunstinstituten einen neuen Kreis aufnahmefähiger,
sozusagen noch naiver und durch den Großstadtirubel nicht
abgestumpfter Freunde zuführen. .

In Hotelbesitzerkreisen haben sich bei der Propagierung des
Wochenendes bedauerlicherweise auch Gegenströmungen be-
merkbar gemacht. Man fürchtet namentlich in Großstädten, daß
das Wochenende die Einwohner nach auswärts führen werde,
wofür dann kein Ersatz vorhanden sei. Die Gaststätten am Ort
würden schließlich veröden. Ich will nicht in die Erörterung
dieser Streitfrage eintreten, da es zu weit ab vom eigentlichen
Thema führen würde. Aber ich möchte alle derartigen Be-
denken mit dem Hinweis zerstreuen, daß die Propagierung des
Wochenendes nur dann werbetechnisch richtig aufgezogen ist,
wenn absolute "Gegenseitigkeit waltet. Um ein Beispiel anzu-
führen: Für alle Berliner, die das Wochenende am Sonnabend
nach auswärts führt, müssen entsprechend große Scharen von
Wochenendgästen aus der nahen und fernen Umgebung Berlins
        <pb n="599" />
        DAS „WOCHENENDE“ UND SEINE ORGANISIERUNG 599
herangezogen werden. Das Wochenende muß von vornherein
Austauschcharakter bekommen. Dann wird es allen zur Freude,
niemanden zum Leid werden. Daß dieser Austauschcharakter
leicht zu erreichen sein würde, wenn alle Beteiligten Hand in
Hand arbeiten, dürfte auch dem Skeptiker einleuchten.

Es wäre nun noch der praktischen Ausgestaltung des
Wochenendes zu gedenken. Statt theoretischer Erörterung will
ich auch in diesem Falle die Praxis sprechen lassen. Ich gebe
einige Drucksachen als Musterbeispiele wieder, die von der
Anzeigenzentrale des Reichsverbandes der Deutschen Hotels,
Restaurants und verwandter Betriebe ausgearbeitet worden
sind. Man ist mit diesem ‚System im allgemeinen zufrieden
gewesen. Es läßt sich varlieren, mehr oder weniger den eigenen
Besonderheiten anpassen, und es wird durch die praktischen
Erfahrungen weiter vervollkommnet werden.

Als Werber sowie als Verteilungsstellen für alles Wochenend-
Material kommen in erster Linie die Reisebureaus und die
Verkehrsbureaus im Frage. Namentlich den Reisebureaus
erwächst aus der Einführung des Wochenendes eine neue,
schöne, aber auch verantwortungsvolle Arbeit. Wenn man sich
dabei in der Hauptsache der anerkannt guten, zuverlässigen
Reisebureaus bedient (ich verweise auf das Adressenverzeichnis
am Schluß dieses Buches), so wird man mit den Ergebnissen
zufrieden sein. Nur auf Eines will ich nachdrücklich hinweisen:

Bülliges DMochen - Ende
Don Samstag Tachm. 3 Uhr bis
Montag Varm. 10 Uhr Zimmer u.
Verpflegung MK 20.— (mit Bad
INK 25.-) einschließlich. Besuch der

Diese Anzeige erschien in den Städten mit über 50.000 Ein-
wohnern im Umkreis bis zu 2 Schnellzugsstunden ab
Oktober bis Ende März.
„Der Hotelbesitzer darf seine Aufgabe und Arbeit nicht damit
als beendet betrachten, daß er sein Wochenend-Material einer
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        500

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Anzahl dafür geeigneter Reisebureaus übersandt hat, Er muß
sich darum kümmern, daß es von den Bureaus dann auch
richtig und systematisch verteilt wird. Zu dieser Mahnung ver-
anlassen mich ebenfalls praktische Erfahrungen. Ein Reise-
bureau kann noch so solid und zuverlässig sein, so ist es doch
möglich, daß sich zwischen das Personal mal ein unzuverlässiger
und gewissenloser Angestellter verirrt. Diese Erfahrung hat ein
bekanntes Kurhotel in Mitteldeutschland gemacht. Es stellte
fest, daß das einem großstädtischen Reisebureau übersandte
Wochenendmaterial so gut wie keine Erfolge gezeitigt hatte.
Persönliche Erkundigung brachte die Aufklärung. Ein nach-
lässiger, fauler Angestellter hatte das Paket mit dem gesamten
Wochenendmaterial des Hotels überhaupt nicht ausgepackt,
sondern in einen Winkel gestellt. Mit vollem Recht wurde der
gewissenlose Schuldige von der Leitung des Reisebureaus, das.
diesen Vorfall sehr bedauerte, entsprechend bestraft. Aber
dieses Beispiel aus der Praxis beweist die Berechtigung meiner
Mahnung, sich um das Schicksal des versandten Werbematerials
zu kümmern. Wäre das im geschilderten Falle unterblieben, so
hätte der nachlässige Angestellte vielleicht noch lange sein
Unwesen treiben können.

Es sei nun einer Organisation gedacht, deren am 2. Dezember
1926 erfolgte Begründung ein sprechender Beweis dafür ist,
welche Wichtigkeit man in Deutschland — übrigens auch in
anderen Ländern des europäischen Kontinents — der Propa-
gierung des Wochenendes beimißt. Es ist die „Wochenend-
Arbeitsgemeinschaft, gemeinnützige Vereinigung zur Förderung
und Durchführung des Wochenendes‘“. Ihr Sitz befindet sich
in Berlin W 30, Gossowstraße 4 (Fernsprecher 3660). Geschäfts-
führender Direktor ist Verlagsdirektor Paul Ackermann. Der
Wichtigkeit wegen gebe ich das Programm beziehungsweise
den vorläufigen Programmentwurf der Wochenend-Arbeits-
gemeinschaft, soweit er beim Abschluß dieses Buches vorlag,
nachstehend wieder:

Die Gründung der Wochenend-Arbeitsgemeinschaft mit dem Sitz in
Berlin ist eine Folge des Aufrufes des Bürgermeisters Dr. Scholtz in
Berlin. Die Wochenend-Arbeitsgemeinschaft stellt den Spitzenverband
        <pb n="601" />
        DAS „WOCHENENDE“ UND SEINE ORGANISIERUNG 601

aller im Deutschen Reiche bestehenden Wochenend-Vereinigungen dar.
Außerdem gehören ihr korporativ die Spitzenorganisationen von Berufs-
und sonstigen Vereinigungen an, welche aus Gründen ihrer Vereins-
bestrebungen oder im Interesse ihrer Mitglieder die deutsche Wochenend-
Bewegung fördern und stützen wollen. KEinzelmitglieder nimmt die
Wochenend-Arbeitsgemeinschaft nicht auf. Die Wochenend-Arbeits-
gemeinschaft wird geleitet vom Vorstand, welcher sich aus Vertretern
der ihr angeschlossenen Organisationen zusammensetzt. Dieser Vorstand
hat zur Leitung der Vereinsgeschäfte einen geschäftsführenden Direktor
bestellt, zurzeit Herrn Ackermann. Die Tätigkeit der Wochenend-
Arbeitsgemeinschaft ist gemeinnütziger Art. Politische und religiöse
Bestrebungen sind ausgeschlossen. Im einzelnen hat sich die Wochenend-
Arbeitsgemeinschaft folgendes Arbeitsprogramm gestellt:

i. Propaganda für die Wochenend-Idee in ganz Deutschland durch
aufklärende Vorträge in Wort und Bild in der Öffentlichkeit und in
Vereinen, sowie Propaganda durch Flugblätter-Verteilung, Plakatanschlag
und durch Veranstaltung öffentlicher Kundgebungen.

2. Förderung der Gründung von Wochenend-Vereinigungen im ganzen
Deutschen Reiche.

3. Anregungen und Mitarbeit an gesetzgeberischen Maßnahmen, welche
der werktätigen Bevölkerung die notwendigen Erholungsmöglichkeiten
sichern, insbesondere Unterstützung der Bestrebungen nach Frühschluß
der Arbeitsstätten am Sonnabendnachmittag, beziehungsweise späterer
Beginn der Arbeitszeit am Montag früh.

_ 4. Eintreten für Verbesserung und Verbilligung des Reiseverkehrs,
insbesondere des Wochenend-Verkehrs, durch generelle Bestimmungen
der Reichsbahn-Hauptverwaltung,

5. Mithilfe bei der Aufstellung berechtigter örtlicher Verkehrswünsche,
welche bei der Reichsbahn, bei der Postverwaltung in bezug auf Auto.
verkehr, bei den Dampfschiffahrtsgesellschaften und allen sonstigen der
Öffentlichkeit zur Verfügung stehenden Verkehrseinrichtungen erstrebt
werden.

8. Zusammenarbeit mit den Spitzenorganisationen der Hoteliers, Gast-
wirte, Pensionsinhaber, Bäder und Kurorte zwecks Erreichung guter
Unterkunfts-, Verpflegungs- und Kurmöglichkeiten in den verschiedenen
Erholungsgebieten zu erschwinglichen Preisen für alle Minderbemittelten.

7. Veranstaltung billiger Gesellschaftsreisen und Förderung des
Wochenend-Verkehrs vom Lande und von der Kleinstadt nach den
leutschen Kulturzentren.

8. Einrichtung von Landsmannschaftsfahrten zwecks Förderung des
besseren gegenseitigen Verständnisses und Kennenlernens der Eigenart

ler deutschen Stämme.

9. Durchführung der Wochenend-Siedlungsbewegung im Einvernehmen
nit Reich, Staat, Kommunal- und Gemeindeverwaltungen.

10. Streben nach Errichtung einer Reichskredit- und Unterstützungs-
kasse für Zwecke des Wochenendes, sowie Mithilfe bei der Errichtung
von Reise.-Sparkassen.
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Wochen-Ende Auf die Aufnahme von Wochenend-Besuchern sind eingerichtet
Grand Hotel SCHLESISCHER HOF zit,sen farstuichen vinen, nur für d’e Dbornach- Kup a rk Hot]
Der Wochenend-Preis umschließt das Abendessen Samstags, die Übernachtung zum Sonntag, das Früh-
stück, Mittag- und Abendessen Sonntags und stellt sich einschließlich Trinkgeld-Ablösung und ein-
schließlich auch der sonst üblichen Zuschläge für Grand Hotel schlesischer Hof großes Gadeck
auf M 17,—, kleines Gedeck auf M 15.—, im Kurpark-Hotel großes Gedeck auf M 12.—,
xleines Godeck auf M 10.—, für Kinder zwischen 65 und 10 Jahren werden halbe Preise gerechnet,
für Chauffeure und eigene Bedienung besondere Ermäßigungen gewährt
Vorverkauf der Wochenend-Ausweise bis Samstags vormittags 10 Uhr in den beiden Hotels sowie bei
Quellenversand Wieser, Breslau, Junkernstraße 13 (Ohle 7442), Der Ausweis legitimiert zum freien Ein-
tritt In den Kurpark, zu den Konzerten und Sonderveranstaltungen im Kurpark (auch zu den gelegent-
lichen Kurparkbeleuchtungen mit Fenerwerk), zur kostenfreien Trinkkur (Oberbrunnen, Kronenquelle,
Martaquelie) und zer freien Benutzung des Lichtiufibades
Die Reunion Samstags abends im Schlesischen Hof ist der gesellschaftliche Treffpunkt, Wochenend-Ausweise berechtigen sum
Eintritt. Für Tansteilmehmer Geselischaftskleidung Vorschrift
Auto-Garagen Umklelderäume für Bahnfahrt ab Breslau Preis der Sonntagsfahr-
stehen Automobilisten im Freiburger Bahnhof karten ab Breslau:
zur Verfügung Schlesischen Hof 10°, 502, 65 1. Kl, M 5.60, ZIL Kl M 4.40

Bad Salzbrunn!

Ruhe und Erholung in den gepflegten
Kurpark-Anlagen.
Ausgangspunkt für Ausflüge nach Hochwald,
Fürstensteiner Grund, Nehlesiertal, Aders-
bach, Weckelsdorf, Hohe Eule.

Autos stehen auf Wunsch zur Verfügung.
Sportgelegenheiten: Tennis und Golf. Platz-
vrorbestellungen an Badedirektion (Walden-
burg 57 und 58)
Wochenend-Anzeige. Entwurf der. Anzeigenzentrale, Hamburg.

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        Wochenend-
Ausweis

für die Benutzung von Wochenend;
Ausweisen:

Wichtig

Nr. =
(. Die Wochenend-Ausweise sind nur für
die gelöste Zeit gültig. Bei Nichtbenutzung
ist Umtausch nur bis Samstag früh 10 Uhr
in der betreffenden Ausgabestelle möglich.

2. Der Wochenend - Ausweis legitimiert zum
Besuche der Kuranlagen, Kur-Konzerte
sowie der Sonder - Veranstaltungen der
Kurverwaltung nach Bekanntmachung,
ferner zur kostenfreien Benutzung des
Licht-Luft-Bades und endlich auch der
Reunions Samstags abends Hotel »Der

Fürstenhofe, Sonntags abends »Fürstl.
Badehotel«, (Tanzteilnehmer Gesellschafts-
kleidung.)

Fürst].
Badehotel
Bad Eilsen

Zeit: vom

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Gezahlter Betrag: M. ======
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Ausgabetag:

Ausgabestelle:

Wochenend-Ausweisheft, in Originalgröße wiedergegeben, 15 Seiten.
Von der Anzeigenzenirale, Hamburg, bearbeitet.
Ganz ähnliche Hefte lagen vor vom Hotel Quisisana &amp; Königsvilla (Sendig Hotels) in Bad Schandau
und vom Kaiserin Auguste Victoria Kurhaus und Grand Hotel in Berchtesgaden.

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Fürstliches
Bad Eilsen

Bad Eılsen, das zum Privatbesitz des Fürsten Adolf
zu Schaumburg-Lippe gehört, wurde von der Fürstin
Juliane im Jahre 1794 gegründet.

Es liegt 4 km südöstlich von Bückeburg in einem
entzückenden ale, umgeben von den waldigen Höhen
des Wesergebirges, des Bückeberges und des Harrls,
geschützt gegen den Einfluß rauher Winde,

Die mittlere Temperatur in den Sommermonaten be-
Irägt etwa 18° Celsius. Die Luft ist rein und kräftig und
lurch die naheliegenden Wälder reich an Ozon, Der über
100 Jahre alte, 40 Morgen große Kurpark, der von dem
Auebach durchflossen wird, bietet idyllische Ruheplätz-
zhen. Behagliche Liegestühle laden auf weiten Rasen-
lächen und unter schattigen Bäumen zu Liegekuren ein.

Mitten im schattigen Park liegt das Schwimmbad,
Licht- und Sonnenbad, eine Erholungsstätte und Fami-
ıjenbad für jung und alt, umgeben von Rasenflächen mit
Ruhebänken und Turngeräten. Eine vorzügliche Tennis-
platzanlage von sieben Plätzen mit einem Tennishaus,
das Umkleide- und Duschräume enthält, bietet Geiegen-
heıt,sich dem Tennissport zu widmen. Alljährlich findet
‚m Herbst ein allgemeines großes Tennisturnier statt,
das sich bei der deutschen Tenniswelt großer Beliebt-
heit erfreut.

Bad Eilsen eignet sich besanders als Ausgangspunkt
zu den schönsten Spaziergängen und Ausflügen in die
waldreiche Umgebung,besondersin den Harrl,die Bücke-
berge und das Wesorgebirge. Die herrlichen Buchen-
wäldergrenzen unmittelbar an den Kurpark. Näheres er-
sieht man aus dem Führer für Bad Eilsen und Umgebung.

Für Untejhaltung ist in Bad Eilsen in jeder Be-
ziehung gesorgt. Die vorzügliche Kurkapellie spielt zwei-
pis dreimal täglich, Tanzabende, Künstlervorstellungen
‘eder Art, Theater, Freilichttheater, Gartenfeste mit
Feuerwerk, Militärkonzerte bieten ständig angenehme
Abwechslung.

In den Jahren 1914—18 wurde in Bad Eilsen ein neues
Badehaus errichtet, das wohl das modernste Kurmittel-
ıaus Deutschlands ist. Das alte Kurhaus mit den dazu-
‚ehörigen fürstlichen Logierhäusern entsprach den An-
'orderungen der Neuzeit und dem gesteigerten Besuch
les Bades nicht mehr, so daß sich der Besitzer des Bades
Zilsen, Fürst Adolf zu Schaumburg-Lippe, entschloß, an
Stelle dieser zum Teil noch aus den Gründungsjahren des
3ades stammenden Gebäude eine neue Kurhausanlage
ınd ein neues Hotel zu errichten Diese neue Anlage,
die mitten im Kurpark liegt, ist am 1, Mai 1926 dem
Verkehr übergeben worden, Bad Eilsen steht jetzt unter
den deutschen Bädern nicht nur wegen seiner hervor-
ragenden Heilmittel und idyllischen Lage, sondern auch
wegen seiner modernen Badehäuser, Hotels, Kursäle
mit an erster Stelle,

Die Kurhausanlage enthält einen großen Konzertsaal,
sin neuzeitliches Theater, Lesesaal und Schreibzimmer,
sowie Konferenzzimmer mit Bar.

Eine besondere Stelle nimmt in Bad Eilsen »Der
Fürstenhof« ein, eines der schönsten Hotels in Deutsch-
land, das in den Jahren 1914—18 nach den Plänen des
Architekten Prof, Baumgarten, Berlin, gebaut ist. Es ist
mit dem Badehaus durch eine gedeckte Wandelhalle ver-
bunden. Als vornehmstes Familienhotel bietet es be-
sonders ausgezeichnete Unterkunft und wird mit seinem
Komfort selbst den verwöhntesten Ansprüchen gerecht.

Das neue Fürst]. Badehotel enthält etwa 90 Zimmer
mit 130 Betten, große luftige Räume, selbstverständlich
mit allem Komfort der Neuzeit, Zentralheizung, fließen-
deskaltesund warmes Wasser, Bäder, Telephon, Aufzug,
jedoch ohne Luxus. Sämtliche Zimmer liegen nach
Süden, Osten und Westen, zum Teil mit Balkon.

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Nach dem Theater,
nach der Abend-Unterhaltung
gleite man mählich in die Welt der Wirklichkeit zurück und
weile noch ein wenig bei frohem Mahle, bei ediem Trank,
damit auch der Körper sein Teil bekomme, Das gibt einen
guten Stimmungsausgleich, das läßt uns heiteren Sinnes
heimkehren und die Erinnerung an den schönen Abend
lange noch in den grauen Alltag hineinklingen
Aus dem Wochenend-Ausweisheft,

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Bad Eilsen

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Das
Heim’ auf Reisen
Nicht nur die Hotelpaläste, nein, auch die Hotels mittleren
Ranges streben in der Ausstattung der Räume nach jener un-
aufdringlichen Eleganz. die den Gast sofort anheimelt. Wer
eine Reise tut, nimmt in diesen Zeiten ungern Gastfreund-
schaft in Anspruch, Viel bequemer und ungezwungener
wohnt es sich im Hotel. Man ist frei aller gesellschaftiichen
Verpflichtungen und fühlt sich wohl: man ist zu Hause,
Aus dem. Wochenend-Ausweisheft.

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Erziehung außer dem Hause
Man nehme die heranwachsende Jugend von Zeit
zu Zeit mit ins öffentliche Leben, damit sie wach-
samen Blicks lerne, wie es in der Welt zugeht.
Das erzieht zu straffer Selbstdisziplin — eine Er-
ziehung, die strahlenden Antlitzes und dankbaren
Herzens anerkannt werden wird.

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Entwurf und Verlag Anzeigen-Zentrale G, m, b. H., Hamburg 3.

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Hinaus ins Freie, aber
ohne Butterbrot, ohne Kochgeschirr, unbeschwert, wander-

leicht, wanderfroh.Es gibt überall am Wege Gastwirtschaften,

wo ein guter Imbiß winkt. Zu teuer? Stellt sich die umständ-

liche, für die Hausfrau nicht gerade Erholung versprechende

Selbstverpflegung mit allem Drum u. Dran wirklich billiger?

Gönnt euch draußen frohe Rast. Gute Heimkehr, ohne Last!
Aus dem Wochenend-Ausweisheft.

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Bad Eilsen

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Der aufmerksame Ehemann
Man nehme sich ein Beispiel: Dieser liebenswürdige und
kluge Frauenkenner ® eist am Sonntag grundsätzlich nicht
zu Hause, An einem Tage wenigstens will er seine Frau
entlasten von allen Mühen in Küche und Haushalt. Gibt
eg doch so viele gute Gaststätten, wo man zu angemessenen
Preisen vortrefflich ißt und sich auch ein Fläschchen
guten deutschen Weines zu Gemüte führen darf, ohne sich
über Gebühr zu verausgaben.

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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

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Bad Eilsen.

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den NameD ernennen EEE

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Letztes Blatt (die Rückseite bleibt leer)

des Wochenend-Ausweisheftes, wie die

vorhergehenden Blätter perforiert, zur

Anmeldung des Gastes, also Einsendung
an die Hotelleitung bestimmt.
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        NACH DEM THEATER... NACH DER ABENDUNTERHALTUNG 611

84. NACH DEM THEATER... ;
NACH DER ABENDUNTERHALTUNG...
Die dritte große Werbekampagne der Anzeigenzentrale des
Reichsverbandes der Deutschen Hotels, Restaurants und ver-
wandter Betriebe hatte wiederum, wie schon beim Aufmerk-
samen Ehemann, den deutschen Wein zum Gegenstand. Aber
in der Hauptsache zielte und zielt die Aktion darauf hin, das
Publikum zum Besuche der Hotels und Gaststätten aller Art
nach dem Theater, nach der Abendunterhaltung anzuregen.
Das besagt schon deutlich das Motto, unter dem diese Werbe-
kampagne großen Stils inszeniert wurde:

„Nach dem Theater, nach der Abend-Unterhaltung gleite man
mählich in die Welt der Wirklichkeit zurück und weile noch
ajin wenig bei frohem Mahle, bei edlem Trunk, damit auch der
Körper sein Teil bekomme. Das gibt einen guten Stimmungs-
ausgleich, das läßt uns heiteren Sinnes heimkehren und die
Erinnerung an den schönen Abend lange noch in den grauen
Alltag hineinklingen.‘
Diesmal eröffnete ein Sonderheft der in Leipzig erschei-
nenden Zeitschrift „Deutsches Land‘ (firmiert seit Januar
1927: „Deutschland‘“) den Reigen. Heft 11/1926 (vom 21. Ok-
lober) trug den Untertitel „Deutscher Wein“. Es enthielt zahl-
Teiche Aufsätze der verschiedensten Art über den deutschen
Wein. Außerdem war diesem Heft eine größere Zeichnung,
ähnlich der zum Aufmerksamen Ehemann, beigelegt, die das
vorstehende Motto trug, sowie einige Postkarten mit derselben,
verkleinerten Zeichnung.

Am 13. November 1926 folgten dann die „Deutschen Hotel-
Nachrichten“ (Nr. 91) mit einer umfangreichen und inter-
essanten „Werbe-Nummer für den Deutschen Wein“.

N Das Motiv „Nach dem Theater, nach der Abendunterhaltung“‘,
für den Hotelbesitzer und Gastwirt doch wohl das wichtigste
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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

und ausschlaggebende, war meiner Ansicht nach in dem Son-
derheft von „Deutsches Land“ allzu bescheiden in den Hinter-
grund getreten.

Da die Inszenesetzung dieser Aktion erfolgte, als ich bereits
mit dem Abschluß meiner umfassenden Arbeit für dieses Werk
beschäftigt war, kann ich über den Erfolg der Werbung nichts
sagen. Ich habe mich nur persönlich davon überzeugt, daß die
vorerwähnten Ansichtskarten (Nach dem Theater, nach der
Abendunterhaltung) in den Restaurants der in in jener Zeit von
mir besuchten Hotels auflagen und bei den Gästen Beachtung
fanden. Auch bringe ich drei mit Preisen bedachte Plakate,
durch die ebenfalls für den deutschen Wein geworben werden
soll. Der Wettbewerb war vom Reichsausschuß für Wein-
propaganda, Berlin N, Friedrichstraße 136, veranstaltet worden.

Da ich die Meinung äußerte, daß das für den Hotelier und
Gastwirt Wichtigste: Die Werbung für den Besuch der Gast-
stälten, in der Sondernummer „Deutsches Land“ allzu beschei-
den im Hintergrund gestanden habe, so gebe ich nachstehend
eine feuvilletonistisch gehaltene, also hauptsächlich für die Ver-
breitung in der Tagespresse sowie in hbelletristischen Zeit-
schriften bestimmt gewesene Plauderei wieder, die ich eigens
für diesen Zweck im Auftrag der Anzeigenzentrale geschrieben
habe. Sie trifft, meiner unmaßgeblichen Meinung nach, auf
jeden Fall den eigentlichen Kern des Werbeproblems, denn sie
wirbt für den deutschen Wein, indem sie für den Besuch der
Hotels und Gaststätten nach dem Theater, nach der Abend-
unterhaltung wirbt, und indem sie an die schönen, nach-
ahmenswerten Beispiele aus der Vorkriegszeit erinnert, Weh-
mütig stimmende Beispiele, deren wir von der alten Generation
nur mit schmerzlicher Resignation gedenken.

Im Interesse der guten Sache wünsche ich dieser Plauderei,
die in ihrem Kern aber viel mehr als eine harmlose Skizze ist,
die allerweiteste Verbreitung im deutschen Blätterwald. Sie
könnte diese Verbreitung auch in anderen Ländern vertragen,
wo man auf die gleichen, zu beklagenden Erscheinungen stößt.
Ich gestatte also ohne weiteres den Abdruck, empfehle den
Hoteliers und Gastwirten, für möglichst starke Ausnützung
dieser Erlaubnis zu sorgen, indem sie befreundete ZeitungS-
redaktionen zum kostenlosen Abdruck ermuntern, und stelle
nur die eine selbstverständliche Bedingung, daß der Verfasser
genannt wird. Hier die Plauderei:
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        ius dem Plakatwettbewerb des Reichs
ausschuß für Weinpropaganda.
1. Preis.
Hartmuth Pfeil, Darmstadt.

Aus dem Plakatwettbewerb des Reichs-
ausschuß für Weinpropaganda.
2, Preis.
Otto Ottler, München.

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Aus dem Plakatwettbewerb des Reichs-
ausschuß für Weinpropaganda.
3. Preis.
Professor Arno Drescher, Dresden.
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        VACH DEM THEATER... NACH DER ABENDUNTERHALTUNG 615
NACH DEM THEATER...
Theaterbesuch sollte ein Fest sein. Es gab eine Zeit, sie liegt noch
nicht allzu weit zurück, da war er das auch wirklich. Da schmückten
sich die Damen mit ihren neuesten und schönsten Gesellschaftskleidern,
am schlanken Hals und an den rosigen Fingern glitzerten die Brillanten
und die Herren bildeten zur anmutigen Erscheinung der eleganten Dame
im feierlichen Frack oder Smoking die fein abgestimmte Folie.

Nach dem Theater, nach dem Konzert oder Vortrag, nach der Abend-
unterhaltung traf man sich im schönen, behaglichen Speisesaal eines
mondänen Hotels oder sonst einer gepflegten Gaststätte. Oft war das
erst der Höhepunkt des Abends. Wenigstens für die elegante Dame.
Sie sah und wurde gesehen. Der entzückende neue Theaterhut fiel auf.
Bei den Damen unangenehm, bei den Herren anreizend. Sie fanden die
tiebenswürdige Frau Inge mal wieder reizend und liebenswert. Nahmen
sich vor, den letzten Gedanken in die Tat umzusetzen. Der kostbare
Abendmantel kam voll zur Geltung. Erfüllte erst hier, im stimmungs-
vollen, festlich erleuchteten Saale des Palast Hotels, oder des mondänen
Weinrestaurants Universum, seine eigentliche Bestimmung. Frau Konsul
Neugebauer wurde gelb im Gesicht, als sie den Mantel sah. Das heißt,
Frau Inge dachte: sie wurde noch gelber als sonst! Wie schön war
das, wenn man zeigen konnte, daß man schön war. Noch immer schön
war. Während die anderen — —! Die Stunden nach dem Theaterbesuch,
nach der Abendunterhaltung waren gar oft die schönsten.

Die Unterhaltung floß leicht und angenehm. Die Stimmen schwirrten.
Bonmots und liebenswürdige Scherze flogen Raketen gleich durch die
Luft. Man war angeregt vom vorausgegangenen Theaterbesuch. Er hatte
reichen, unerschöpflichen Unterhaltungsstoff geliefert. Man konnte über
den Komponisten, den Dichter plaudern. Konnte ein, zwei, drei gute Haare
an seinem Werk lassen. Die Sänger und Sängerinnen, die Darsteller und
Darstellerinnen würzten die Unterhaltung, obwohl sie nicht persönlich
teilnahmen. Aber gerade durch ihre Abwesenheit belebten sie die
Gespräche. Über den Abwesenden läßt sich viel amüsanter plaudern.
Und wie verstand man damals das Plaudern.

Wie wußte man in jener Zeit aber auch zu „genießen“, Geistig sowohl
als leiblich. Während der tadellos geschulte Kellner von den wunder-
vollen, vielfarbigen und vielgestaltigen Hors d’oeuvres, jede einzelne
Platte ein Stilleben und Gedicht, vorlegte, während man die köstlichen
Austern aus den Wogen der Nordsee schlürfte, wogte die Unterhaltung.
Dazu der Silberklang der Gläser, mit auserlesenen Gewächsen vom Rhein,
von Mosel, Nahe, Saar, Ruwer usw, gefüllt. Es war wirklich der Höhe-
punkt des Abends, der einzigartige, wundervolle und stimmungsvolle
Ausklang des Theaterbesuches. Noch heute denke ich mit seliger Freude
an manchen solcher Ausklänge. Erinnere mich, wie der Geist gewisser-
Maßen in prickelndem deutschen Sekt gebadet erschien und genau SO
Drickelte wie der schäumende Trank im Kristallkelch vor mir.

Tempi passati. Vergangene Zeiten! Wirklich vergangen? Vor wenigen
Tagen weilte ich wieder einmal in der Hauptstadt des Deutschen Reiches,
das seit jener im Traum soeben durchlebten schönen Zeit zur Republik
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        316

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

wurde. Fuhr natürlich abends in die Oper. „Rigoletto“. Verdis von
Leidenschaften durchtobtes, melodienreiches Werk. „Ach, wie SO
irügerisch sind Frauenherzen“, sang der leichtsinnige Herzog, und man
vergaß über dem Schmelz der wundervollen Tenorstimme, daß das Herz
des genußfrohen Jungen da oben auf den Brettern an „trügerischem“
nichts, absolut nichts zu wünschen übrig ließ. Selbstverständlich saß ich
im festlichen Smoking ebenso selbstverständlich zwischen zwei lieb-
reizenden jungen Frauen. Beide zum Anbeißen, auch wenn sie sich
nicht in duftige Gesellschaftskleider gehüllt hätten. Aber so waren sie
natürlich sogar zum Aufessen, Unsere Stimmung war also festlich.

Aber als wir die Blicke im Raum umherschweifen ließen — Schau ich
umher im edlen Kreise — da wurden wir jählings ernüchtert. Die
Mehrzahl der Herren in. hellen Straßenkleidern, vereinzelt sogar in
neckischen Knickerbockers, die auch aus dem ernstesten Mann eine
komische Figur zu machen wissen. Bei den Damen überwog der dunkle
Rock mit heller Bluse. Brr! Und der Thermometer unserer Lebens-
freude sank auf Null. Ach, wie so trügerisch sind Weiberherzen! Sie
wollen sich zum Theaterbesuch nicht mehr festlich anziehen. Und ich
hatte, wie ich das aus der Vorkriegszeit von der Dresdner Oper her
gewöhnt war, im Frack erscheinen wollen. Verhüllt, ihr Musen, euer
Haupt.

Nun, wir hofften auf „nachher“. Auf den Abend nach dem Opernabend.
Ein flinkes Auto führte uns in eine vornehme Gaststätte Unter den Linden,
ein Lieblingsziel der guten Gesellschaft. In jenen schönen Zeiten, von
denen ich eben träumte, bekam man dort nach dem Theater keinen Tisch,
wenn er nicht vorher bestellt war. Der Rahmen war stimmungsvoll und
elegant wie einst. Die Bedienung war aufmerksam und sorgfältig wie
einst. Küche und Keller überboten sich in ihren Darbietungen — —
wie einst. Nur die Gäste waren nicht wie einst. Es gab leere Tische.
Es gab Herren im Straßenanzug, Damen in Promenadenkleidern. Außer
meinen zwei reizenden Begleiterinnen waren nur noch zwei Damen in
großer Toilette erschienen, aber es war „Film“, anscheinend, dem
Appetit nach, sogar nur Komparserie. Also auch hier: Tempi passati!

Absichtlich habe ich die Erinnerung an das schöne, unvergessene Einst
anklingen lassen, weil ich weiß, daß ich unter den „älteren Jahrgängen“
viele Leidensgefährten habe, die gleich mir dem Entschwundenen nach-
trauern. Wir wollen die schöne Zeit in ihrem alten Glanz wieder auf-
leben lassen. Wir wollen eine geistige G. m. b. H. gründen zwecks
Wiederanknüpfung der Fäden, die uns unsichtbar noch immer mit dem
unvergessenen Einst verbinden.

Laßt uns mit dem guten Beispiel vorangehen. Laßt uns der heutigen
Jugend zeigen, um wie viele genußreiche, ästhetisch schöne Stunden
sie sich selbst bringt, wenn sie vergißt, was uns einst jung gemacht, jun8
erhalten hat: Die frohen Stunden in liebenswürdiger Geselligkeit, im
Theater, nach dem Theater, Wir wollen sie wieder zum Fest werden
lassen, indem wir uns festlich kleiden und sie festlich begehen. Warum
auch nicht? Der Alltag bringt uns so viel Schweres, daß Ausspannung
zur Pflicht wird. Mit den Alltagskleidern wollen wir den Alltagsmenschen
abstreifen, mit dem festlichen Gewand einen neuen Adam anziehen.
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        NACH DEM THEATER... NACH DER ABENDUNTERHALTUNG 617
Unsere schönen, gepflegten Gaststätten, ihre Küchen und ihre Keller
sind wieder auf der vollen Höhe der Vorkriegszeit, Wollen wir sie einsam
auf der Höhe sitzen lassen? Wollen wir ihnen das Leben, den Lebens-
kampf noch schwerer machen, indem wir uns abgewöhnen, unsere freien
Abendstunden festlich im festlichen Rahmen zu begehen?

In diesen Tagen, als der D-Zug mich in rascher Fahrt aus der Reichs-
hauptstadt wieder ins heimische Baden-Baden entführte, las ich zufällig
eine interessante Devise, der man hoffentlich recht oft begegnen wird:
„Nach dem Theater, nach der Abend-Unterhaltung gleite man
mählich in die Welt der Wirklichkeit zurück und weile noch
ein wenig bei frohem Mahle, bei ediem Trunk, damit auch der
Körper sein Teil bekomme. Das gibt einen guten Stimmungs-
ausgleich, das läßt uns heiteren Sinnes heimkehren und die
Erinnerung an den schönen Abend lange noch in den grauen
Alltag hineinklingen.“

Grauer Alltag! Muß er immer um uns sein? Nein! Dieses Motto sei
auch das unsere. Wie es mich dazu begeisterte, mir mit dieser kleinen
Plauderei die Erinnerung an unendlich viele schöne Stunden „nach dem
Theater“, „nach der Abend-Unterhaltung“, bei Becherklang und gutem
Mahl in die Erinnerung zurückzuzaubern, so möge diese Devise alle
dem trockenen, nüchternen Alltag gern entfliehenden Mitschwestern und
Mitbrüder anfeuern, die schöne Gepflogenheit der Vorkriegszeit wieder
zum Leben zu erwecken, Darum: Auf Wiedersehen heute abend nach
dem Theater im schönen Speisesaal des Palast Hotels oder des Restaurants
Universum. und zwar festlich im Gesellschaftskleid und Smoking.
Nun lasse ich noch zwei humoristisch gehaltene Skizzen aus
meiner Feder folgen, mit denen ich zeigen will, wie derartige
kleine Plaudereien beschaffen sein müßten, um Interesse bei
den Lesern und also auch Entgegenkommen bei den Zeitungs-
redaktionen zu finden. In beiden heiteren Skizzen versuche ich,
ganz unaufdringlich für den deutschen Wein zu werben, Feuille-
tonistisch gehaltene Plaudereien ähnlicher Art haben immer
Aussicht, namentlich von kleineren Zeitschriften und Zeitungen
veröffentlicht zu werden. Verwendung dieser Skizzen gestatte
ich unter der Bedingung, daß mir davon vorher Mitteilung ge-
macht und dann Belegexemplare übermittelt werden.
DAS STEINBERGER GABINETSTÜCKCHEN
Horst Stolzenberg war nur dem befreundeten Direktor des Palast-Hotels
zuliebe zum Tanzabend gekommen, Er war durch ein Übermaß von Ge-
selligkeit und Tanz übermüdet, etwas blasiert und sagte sich eigen-
äinnig:

Ich mache nicht mehr mit! Es ist alles dummes Zeug. Diese modernen
Tänze und diese modernen Tänzerinnen. Brr! Puh! Ein goldenes Glas
Wein vom Rhein ist mir tausendmal lieber.
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        319

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Vorsichtig hatte er seinen Platz in einer halb verborgenen Nische beim
Saaleingang gewählt. Er übersah alles und konnte selbst nur von einem
kleinen Teil der nächsten Tische aus gesehen werden. Dann übergab er
dem interessiert aufhorchenden Kellner seine Bestellung. Dieser flog. Bald
kehrte er zurück, servierte die übliche Gläsergarnitur ab und setzte bei-
nahe mit Andacht einen wundervoll geschliffenen Kristallkelch, ein
Meisterstück deutscher Glasbläserei- und edelster Schleifkunst, vor Horst
Stolzenberg nieder. Dazu eine schlankhalsige Flasche, die er zart und
behutsam wie eine verwöhnte Geliebte behandelte. Steinberger Cabinet
stand auf der Etikette. Vorsichtig goß der Kellner den goldklaren Wein
in das vornehme Kristallglas. Horst nahm den Kelch und sog mit Kenner-
miene die wunderherrliche Blume ein, „Meine schöne, duftige Geliebte
vom schönen Rhein!“ sagte er leise, weich und glücklich. „Du Einzigel“

Plötzlich ließ er den Becher sinken und seine dunklen, lebhaften Augen
starrten wie hypnotisiert auf die wunderschöne Ellen Gabriel, die in
diesem Augenblick mit ihrer noch jugendlich aussehenden Mutter in den
Saal trat. Ellen Gabriel mußte es bemerken und wunderte sich. Kannte
er sie? Es war ihr beinahe unangenehm, als die Mutter einen Tisch ganz
nahe bei dem von Horst Stolzenberg wählte. Derselbe Kellner bediente
sie. Frau Gabriel studierte die Weinkarte mit der Miene einer Kennerin,
dann bestellte sie. Der Kellner machte ein unglaublich verblüfftes Gesicht,
als er die Bestellung entgegennahm, so daß es Frau Gabriel hätte auf“
fallen müssen, wenn sie nicht gerade den Saal durch ihr Augenglas ge
mustert hätte. Fast zögernd entfernte sich der gewandte Kellner, auf
seinem Gesicht lag tiefes Erstaunen. Als er zurückkehrte, trug er vor-
sichtig zwei ebensolche geschliffene Weinkelche, wie er Horst Stolzen-
berg einen gebracht hatte. Und eine schlankhalsige Flasche mit der-
selben Etikette.

Horst beobachtete den Tisch scharf. Mit seinen Falkenaugen las er
trotz der Entfernung die Inschrift: Steinberger Cabinet! Es war „sein“
Wein. Da tat er einen tiefen Zug aus dem Kristalikelch und auf sein
markantes Gesicht trat ein Ausdruck, als habe er das Glück leibhaftig
vor sich.

Die Musik setzte ein. Zufällig spielte sie kein übermodernes Jazzstück,
sondern Strauß’ ewig schönen Walzer „Geschichten aus dem Wiener-
wald‘. Hastig sprang Horst, der nicht hatte tanzen wollen, auf, verbeugte
sich tief erst vor der Mutter und dann vor Ellen und bat um den Tanz.
Ellen erhob sich schneller, als es der gute Ton will. Ein wenig ver-
wirrt, leicht errötend, fragte sie: „Kennen Sie mich? Fast scheint es so!“

„Ja, ich kenne Siel* rief er freudig, mehr als er es sprach. „Sie sind
das Wesen, das mir mein Lieblingswein schon tausendmal vorgaukelte,
wenn ich in den goldenen Spiegel des Bechers blickte. Aber immer ver-
schwanden Sie wieder. Nun endlich halte ich Sie“ — — und werde dich
halten! setzte er unhörbar flüsternd hinzu. Ellen wurde ganz seltsam
zumute. Ein eigenes Gefühl überkam sie, War es Furcht vor seinem
exaltierten Wesen? Aber seine gefestigte männliche Erscheinung wollte
so gar nicht zu diesem Wesen passen. Hatte er etwa zu tief ins Glas
geblickt? Er sprach ja selbst davon, daß er sie schon tausendmal im
Spiegel des Bechers erblickt habe. Während Horst sie elegant und sicher
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        NACH DEM THEATER... NACH DER ABENDUNTERHALTUNG 619
durch die tanzenden Paare führte, klang sein übermütiges Lachen an
ihr Ohr:

NA ON Becher gesehen, meine Gnädigste. Ich
las diesen schwarzen Verdacht in Ihren Augen. Seien Sie ohne Sorge.
Horst Stolzenberg schätzt wohl die blumigen Kinder unseres Vaters Rhein,
er liebt sie sogar, aber er ist kein Trinker. Was mich so froh und über.
mütig macht? lese ich in Ihren Augen, Daß ich Sie gerade heute hier
finden mußte, wohin ich nur ungern, fast gezwungen kam. Und daß
Sie — nun lachen Sie recht übermütig — zu diesem schon übergroßen
Glück auch noch meinen Wein trinken.“

Ellen sah ihren Tänzer mit so unverhohlenem Entsetzen an, daß sie
beide aus dem Takt kamen und beinahe gestürzt wären. „Ich — soll
— Ihren — Wein — getrunken — haben?“ fragte sie stotternd.

Horst wurde scheinbar ernst: „Sie haben ihn nicht getrunken, sondern
Sie trinken ihn!“ Doch als er ihr ratloses, verwirrtes Gesichtchen sah,
tat Ellen ihm fast leid und er erklärte schalkhaft, mit der Miene eines
Dozenten trockener Juristerei: „Jawohl! Sie trinken meinen Wein. Aber
nicht aus meiner Flasche und nicht aus meinem Glas. Sie trinken meine
Lieblingsmarke, Steinberger Cabinet. Und dafür möchte ich — —*“, er
schwieg und setzte in Gedanken hinzu: „Sie küssen!“

„Nun verstehe ich!“ rief Ellen Gabriel fröhlich. Dann wurde sie ganz
unvermittelt traurig: „Der arme Papa. Eine gute Flasche Rheinwein war
seine Seligkeit. Aber bei einer Flasche Steinberger Cabinet konnte ich
Dies von ihm erreichen, bei ihm durchsetzen. Der arme, liebe, prächtige
apa.“

„Warum arm?“ fragte Horst vorsichtig.

„Er ist seit zwei Jahren tot. Ein Herzschlag nahm ihn uns. Riß ihn
jäh aus dem Leben. Und er war noch so jung. Erst 74. Mama war seine
zweite Frau. Ich werde 90 Jahre, sagte er immer. Das hat mir mein
Freund, Steinberger Cabinet, versprochen.“ Ein anmutiges Lächeln um-
spielte Ellens eben noch so traurig-ernstes Gesicht. Sie schien, als echte
Tochter ihres sorglosen Vaters, nicht lange ernst bleiben zu können.

„Muß ein prachtvoller Herr gewesen sein, Ihr alter Herr‘, meinte
Horst. „Schade, daß ich ihn nicht mehr kennenlernen kann. Ich liebe
fröhliche alte Herren, und liebe sie doppelt, wenn sie meinen geliebten
Rheinwein lieben.“

„Das würde Papa auch von Ihnen gesagt haben, wenn er es noch bei
Lebzeiten hätte erfahren können, daß Steinberger Cabinet Ihr Liebling
ist. Vater zu Ehren trinken Mama und ich stets diesen Wein, wenn wir
ausgehen. Unsere Bekannten haben mich das Steinberger Cabinetstück-
chen getauft“, setzte sie lachend hinzu.

„Steinberger Cabinetstückchen‘, wiederholte Horst versonnen, „Ein
entzückend zärtlicher Kosename nach meinem Geschmack. Ich werde
mich bemühen, bald, sehr bald zu diesen nahen Bekannten zu gehören,
um das Recht zu haben, Sie ebenfalls Steinberger Cabinetstückchen
nennen zu dürfen.“

Dabei sah er Ellen an, daß sie erst rot und dann blaß wurde. Er sah
es, und hätte am liebsten laut wie ein Schusterjunge gepfiffen. Da sich
        <pb n="620" />
        59}

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

das im Saale des Palast-Hotels aber nicht schickt, setzte er weich, mit
zärtlichem Flüstern hinzu: „Mein Steinberger Cabinetstückchen fürs ganze
Lebend41*

Dritter im Bunde sei eine kleine Skizze aparter Art, der man
den Werbecharakter ebenfalls nicht anmerkt. Sie hat, wie die
vorhergehende Arbeit, Aussicht, oft gedruckt zu werden, weil
sie dem modernen Wunsch der Redaktionen: kurz, kürzer am
kürzesten, gerecht wird.

DES RHEINES KÖSTLICHSTE GABE!

„Lassen Sie uns aufhören. Ich vertrage das Tanzen leider nicht und
tanze doch so gern“, sagte die entzückende junge Dame und atmete
schwer,

„Wie schade“, erwiderte ihr Partner und sah sie mit leuchtenden
Augen an. „Ich hatte mich gerade auf diesen Tanz gefreut. Mit Ihnen!“

Er war Arzt, noch sehr jung und seine Augen redeten eine deutliche
Sprache. Heute abend hatte er seine schöne Tänzerin erst kennen und

—- lieben gelernt.

„Schade!“ hauchte auch sie und stützte sich auf die Lehne eines
Stuhles, denn ihr war vom Tanz etwas schwindlich geworden. Zufällig
war es der Stuhl ihres Tänzers und auf dem schimmernd weißen Tafel-
tuch stand ein fein geschliffenes Kristallglas, angefüllt mit golden leuch-
tendem Wein. Ein wundervoller Duft wehte von dem Weinglas herüber.
Da schlug sich der junge Arzt vor die Stirne, griff nach dem Weinglas,
kredenzte es seiner reizenden, recht blaß gewordenen Tänzerin und bat:

„Trinken Sie von diesem Wein, Es ist ein köstlicher Tropfen. Johannis-
berger Hölle. Er wird Sie wunderbar stärken und beleben.“

Die junge Dame zögerte ein wenig, dann nahm sie das Glas und führte
es an ihre Lippen.

„Ah!“ sagte sie und sah den jungen Arzt schelmisch lächelnd an.
„Ich trinke selten Wein, aber einen solchen Trank lasse ich mir gefallen.
[ch fühle, wie er belebend und stärkend durch die Adern rinnt. Es ist
aine wunderbare Medizin.“

Eine leichte, gesunde Röte überzog das eben noch so blasse Gesichtchen
und machte es noch lieblicher. Die Augen blitzten und der schlanke
Körper straffte sich. Wie ein alter, erfahrener Weinkenner vom Rhein
nahm sie noch einen tiefen, tiefen Schluck und gab das Glas ihrem
Partner zurück.

„Das war köstlich, Herr Doktor. Vielen, vielen Dank, Ich fühle neuen
Lebensmut und die Kräfte eines Herkules in mir. Kommen Sie, lassen
Sie uns tanzen, tanzen. Aber vorher sagen Sie mir: Das war gewiß ein
Kind des sonnigen Südens, dieser Wein, daß er gar so feurig und er-
frischend wirkt?“

„Nein, meine Gnädigste! Es ist ein echter, aber edler deutscher Tropfen;
Johannisberger Hölle ist sein Name, Aber es ist kein Geschenk der Hölle,
        <pb n="621" />
        NACH DEM THEATER... NACH DER ABENDUNTERHALTUNG 621
sondern eine wundervolle Gabe des Himmels, Ja, unsere edlen deutschen
Gewächse nehmen es mit jeder Konkurrenz auf. Man muß sie nur kennen
und schätzen.“

„Johannisberger Hölle!“ meinte die junge Dame und ihr Gesicht über-
flog ein übermütiges, halb verlegenes Lächeln. „Ein ungewöhnlicher und
ungerechter Name für ein Getränk, das uns in den Himmel zaubert.“

„In den Himmel zaubert!“ wiederholte der junge Arzt inbrünstig. „Mit
Ihnen!“ setzte er wie ein Hauch hinzu. Aber sie hatte es doch gehört und
aus ihren Augen strahlte ein seliges Leuchten. Dann tanzten sie, weich
und hingebend. Der Tanz wurde zum Gedicht, zum hohen Lied der
Liebe und zum Lobgesang auf des deutschen Rheines köstlichste Gabe:
den deutschen Wein.

Unter meinen zahlreichen Illustrationen (Musterbeispielen)
gebe ich, wie schon eingangs erwähnt, auch die stark ver-
kleinerten Reproduktionen dreier Plakate wieder, die das Er-
gebnis eines Preisausschreibens sind, daß der im Mai 1926 ge-
gründete Reichsausschuß für ‚Weinpropaganda (Sitz Berlin,
Friedrichstraße 136) erlassen hatte. Was dieser Reichsausschuß
bezweckt, sagt schon sehr deutlich sein Name, eine ausführ-
lichere Kennzeichnung erübrigt sich also. Ich überlasse es ihm,
durch sein Wirken von sich reden zu machen.
        <pb n="622" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

85. EINE KLEINE WERBEKAMPAGNE
ANLÄSSLICH EINES BESONDEREN
EREIGNISSES

Es gibt außer dem Hotelgewerbe wohl kaum eine zweite
Industrie, kein Gewerbe, wo sich in gleicher Häufigkeit beson-
dere Anlässe bieten, die geradezu danach rufen, in geschickter
Weise werbetechnisch ausgewertet zu werden. In dem Kapitel
„Ausnützung der Gelegenheiten‘ beschäftige ich mich ein-
gehend mit diesen Möglichkeiten und lasse die Frage auch noch
in manch anderem Abschnitt anklingen. Hier will ich nur
wirkliche Musterbeispiele geben, also keine Theorie auftischen,
sondern die Praxis sprechen lassen.

Als der „Frankfurter Hof“ in Frankfurt a. M. im Juni 1926
den Tag seines fünfzigjährigen Bestehens gefeiert hatte, habe
ich auf Wunsch des Herrn Generaldirektors Georges Gottlob
diesen Anlaß zum Ausgangspunkt einer Werbekampagne im
kleinen benützt, ähnlich wie die bereits geschilderten großen
Aktionen der Anzeigenzentrale des Reichsverbandes der Deut-
schen Hotels beim „Aufmerksamen Ehemann“, dem ‚„„‚Wochen-
ende‘ und „Nach dem Theater‘. Betrachtet man die sogenann-
ten „besonderen Ereignisse‘ -— es muß durchaus nicht immer
irgendein Jubiläum sein — von allen Seiten durch die werbe-
technische Brille, so macht man sofort interessante Ent-
deckungen. Es zeigt sich, daß in einem solchen Anlasse allerlei
Fragen verborgen ruhen, die tatsächlich für die verschiedensten
Kreise interessant und beachtenswert sind. Ihre Verwertung
und Bekanntgabe läßt sich, bei nur einiger Geschicklichkeit,
unter Vermeidung des Reklamecharakters, ermöglichen, so
daß außer dem „Zeitungs-Verlag‘“, der berufsmäßig dazu ver-
pflichtet ist, wohl kein vernünftiger Mensch und keine denkende
Zeitungsredaktion Anstoß daran nimmt. Man hat nur nötig, die
in Betracht kommenden Notizen, Skizzen und Artikel des aus-
        <pb n="623" />
        EINE KLEINE WERBEKAMPAGNE ANLÄSSL. EINES BESOND. EREIGNISSES 623
gesprochenen Reklamegewandes zu entkleiden, und sie als das
zu behandeln, was sie auch in Wirklichkeit sind: volkswirt-
schaftlich interessante und wichtige Schilderungen.

Allerdings hat, leider, die Mehrzahl der Tageszeitungen auch
für solche wissenswerte und interessante Einsendungen meistens
keinen Platz, sofern sie aus der Welt der Hotels kommen. Um
liebevolle Aufnahme und Pflege zu finden, dürfen hotelgewerb-
liche Einsendungen nicht dieser Art sein, sie dürfen nicht den
volkswirtschaftlichen Wert des Hotelgewerbes aufzeigen,
sondern sie müssen ein wenig über die Hotels schimpfen!
Namentlich über die angeblich zu hohen Preise, oder über
angeblich schlechte Bedienung, oder über angeblich schlecht
gepflegte Hotelzimmer, oder über die Verpflegung, oder über
einen aufrechten Hotelbesitzer, der sich nicht zum Schuhputzer
nörgelnder Hotelgäste machen lassen wollte.

Man versteife sich deshalb nicht auf die Tagespresse,
namentlich auf die großen Blätter, deren Leiter dem Hotel-
gewerbe gegenüber zuweilen eine ganz merkwürdige Ein-
stellung zeigen, sondern man denke daran, daß kleinere
Zeitungen auch einen guten Leserkreis haben, und daß deren
Redakteure interessant aufgemachten Skizzen und Notizen
gegenüber viel weitherziger sind. Vor allem erinnere man sich
der reichhaltigen Fachpresse sowie jenes nicht kleinen Zweiges
aus dem Blätterwald: der belletristischen Zeitschriften mit
volkswirtschaftlichem Einschlag! Dort findet man zuweilen das
meiste Verständnis und Entgegenkommen.

Die erwähnte kleine Werbekampagne habe ich in der Haupt-
sache auf diesen Tatsachen aufgebaut. Nunmehr mag die
Praxis sprechen. Die folgenden Notizen und Artikel waren für
die Fachpresse, für belletristische Zeitschriften, für kleinere
Tageszeitungen bestimmt, weshalb sie auch von vornherein dem
Charakter des betreffenden Fachgebietes angepaßt wurden.
Ich gebe vor jeder Notiz usw. an, für welchen Wirtschaftszweig
sie berechnet war. Sie sind an Blätter der am Kopf jeder Notiz
genannten Art in Deutschland, Österreich, der Schweiz, der
Tschechoslowakei sowie an deutsche Zeitungen und Zeit-
schriften in Amerika gegangen. Alle Einsendungen, die eine von
mehr, die andere von weniger Blättern, sind angenommen und
veröffentlicht worden. Warum auch nicht? Sie sind sämtlich

Volkswirtschaftlich wohl mindestens ebenso interessant, wie
eine gewisse Sorte Sportberichte (wofür manche Tageszeitungen
        <pb n="624" />
        624

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

ein, zwei und mehr ganze Seiten übrig haben), die einem ihrer
Langweiligkeit und ihres oft schrecklichen Stils halber zuweilen
die Stiefel ausziehen. Selbstverständlich habe ich mich nur an
solche Fachkreise gewendet, die mit dem Hotelgewerbe Fühlung
haben und vielfach von ihm in Nahrung gesetzt werden. Die
Probearbeiten geben gute Anleitung, worauf es ankommt und
wie derartige Notizen und Artikelchen aufgezogen werden
müssen.
Für Fachzeitschriften der Maschinenbau-Industrie.
MASCHINENINDUSTRIE UND HOTELGEWERBE
Es würde volkswirtschaftlich interessant sein, wenn einmal zahlen-
mäßig festgestellt werden könnte, in welchem Ausmaße die Maschinen-
industrie seit Kriegsende für das Hotelgewerbe beschäftigt gewesen ist.
Die Ziffern würden infolge ihrer Höhe verblüffen. Außerordentlich groß
ist die Zahl der Hotels, die im Laufe der letzten acht Jahre Zentral-
heizung, Anlagen für fließendes kaltes und heißes Wasser, Privatbäder,
neue Küchen-, Konditorei. und Bäckereianlagen, Kühlanlagen mit Eis-
versorgung, Wäschereianlagen, Personen- und Gepäckaufzüge, Gasküchen-
anlagen, Haus- und Ferntelephon, Entstaubungsanlagen, Entlüfter, Licht-
signalanlagen usw. einrichten ließen. Den Spezialfabriken der ge-
nannten Zweige sind ganz bedeutende Aufträge zugeflossen. Nicht minder
groß dürfte der indirekte Nutzen für die Maschinenindustrie sein dadurch,
daß unsere schönen, in der ganzen Welt bekannten Hotels beim Bau und
der technischen Einrichtung von Gasthöfen des Auslandes häufig als
Muster dienen. Gar mancher große Auslandsauftrag ist der Maschinen-
industrie zugeflossen, weil die Anlage in irgendeinem deutschen Hotel den
Anreiz dazu gab. An diese Zusammenhänge mußte ich denken, als mir
Gelegenheit geboten war, anläßlich des fünfzigjährigen Bestehens des
Hotels Frankfurter Hof in Frankfurt a. M. intimen Einblick in alte
Dokumente aus der Gründungsgeschichte zu nehmen. 5,400.000 Mk.
betrug das Gründungskapital dieses alten und doch so jungen, weil hoch-
modernen Hotels. Davon wurden 850.000 Mk. für die Inneneinrichtung
und das Inventar ausgegeben. Auf Maschinenanlagen entfiel kein allzu-
großer Betrag, denn der geniale Ausbau der betriebstechnischen Anlagen
kam erst später. Obwohl das genannte Hotel sich in seiner äußeren Gestalt
fast nicht verändert hat, machte es, wie viele andere Hotels, im Innern
Umwandlungen durch, die sprechende Zeugen für den gewaltigen Fort-
schritt der Hoteltechnik sind. Alle vorstehend aufgeführten Anlagen sind
im Frankfurter Hof zu finden, und zwar in mustergültiger Ausführung,
die unsrer Maschinenindustrie alle Ehre macht. Eine Einrichtung fand
ich sogar, die meines Wissens noch kein anderes deutsches Hotel hat:
fließendes Eiswasser in einem Teil der Fremdenzimmer,

Weshalb ich diese Jubiläumsgeschichte erzähle? Weil ich auf etwas
hinweisen will, was man in Deutschland noch viel zu wenig kennt und
würdigt: den volkswirtschaftlichen Wert des nationalen und inter-
nationalen Fremdenverkehrs und dessen engen Zusammenhang mit der
        <pb n="625" />
        EINE KLEINE WERBEKAMPAGNE ANLÄSSL. EINES BESOND. EREIGNISSES 625
Industrie und dem Handel im allgemeinen, mit der Maschinenindustrie
im besonderen. Der wachsende Fremdenverkehr war der Anstoß zur
Schaffung schöner und weltbekannt gewordener Hotels. Sie befruchteten
wiederum die Industrie, regten die technische Vervollkommnung der
Maschinenanlagen an und wurden zum internationalen Verkünder und
Verbreiter des Ruhmes unserer Industrie. So war es indirekt der Fremden-
verkehr, der Aufträge vermittelte und neue Werte schuf. Diesen Zu-
sammenhang zwischen Fremdenverkehr und seinem Adjutanten, dem
Hotelgewerbe, sowie der Maschinenindustrie zu veranschaulichen, ist der
Zweck dieser Zeilen, Den Industriellen soll damit gezeigt werden, wie
wichtig für sie der nationale und internationale Fremdenverkehr ist.
Sie sollen angeregt werden, an seiner Förderung und Pflege mitzuarbeiten.
Mitzuhelfen an Beseitigung der Hemmungen, die dem Fremdenverkehr
noch vielfach bereitet werden. Mitzuwirken bei Aufklärung der
Regierungen und politischen Parteien über die volkswirtschaftliche Be-
deutung des Fremdenverkehrs. Wie ungeheuer wichtig und notwendig
diese Aufklärungsarbeit ist, lehrte uns erst in allerjüngster Zeit Bayern.
Es ist ein Land, in dem der Fremdenverkehr ein wichtiger Zweig der
Volkswirtschaft ist, wo ganze Bezirke (in Oberbayern zum Beispiel) fast
nur vom Fremdenverkehr leben. Zur Förderung dieses Verkehrs bewilligte
der bayrische Landtag für 1926 den Riesenbetrag von 20.000 Mk., schreibe
zwanzigtausend Mark. Das Groteske solcher „volkswirtschaftlichen‘“ Ein-
stellung wird klar, wenn man erfährt, daß der Frankfurter Hof im Jahre
1925 über eine halbe Million Mark an Steuern abführen mußte.

Für Fachzeitschriften der Textilindustrie.
HOTELGEWERBE UND TEXTILINDUSTRIE VOR
50 JAHREN
Am 25. Juni 1926 blickte das Hotel Frankfurter Hof in Frankfurt a. M.
auf eine 50jährige fesselnde Geschichte zurück. Für unsere Leser dürfte
ein kurzer Rückblick auf die Entstehung dieses schönen, noch heute
mustergültigen Hotels interessant sein. Brachte diese Gaststätte doch einer
ganzen Anzahl Firmen für die damalige Zeit bedeutende Aufträge. Das
Anlagekapital erreichte die riesige Höhe von 5,400.000 Mk. Davon kamen
auf Inventar und Einrichtung rund 850.000 Mk. In die Lieferung der
Teppiche, Vorhänge, Gardinen, Stores, Vitragen, Betten usw. teilten sich
acht Firmen in Berlin, Frankfurt, Leipzig und Bühl. Das war vor
50 Jahren. Es dürfte interessant sein, gelegentlich einmal festzustellen,
wievielen Firmen innerhalb dieses Lustrums weitere Aufträge aller Art
zugeflossen sind und in welchen Beträgen. Es werden Riesenziffern
herauskommen. Aus der Geschichte nur dieses einen Hotels kann man
Schon erkennen, welche Wichtigkeit und welchen Wert für Industrie und
Handel das Hotelgewerbe hat. Mit dem Hotelwesen eng verbunden ist der
nationale und internationale Fremdenverkehr. Kluge Volkswirte haben
techt, wenn sie Pflege und Förderung dieses Fremdenverkehrs ver-
langen. Er befruchtet auch Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirt-
schaft. Ein blühender internationaler Fremdenverkehr steht deshalb mit
unserem direkten Export auf gleicher Stufe. Italien, Frankreich und die
Schweiz haben es nur dem internationalen Fremdenverkehr zu verdanken
        <pb n="626" />
        526

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

gehabt, wenn ihre Handelsbilanzen in den letzten Krisenjahren einiger-
maßen balancierten.
Für Fachzeitschriften der Juweliere und Goldschmiede, der
Metallindustrie.
DAS SILBER IM HOTEL

Wir gehen auf Reisen, steigen in guten Hotels ab, freuen uns wohl
über die schön und festlich gedeckten Tische im Speisesaal unserer Hotels
ınd — — nehmen alles dort Gebotene als etwas Selbstverständliches hin.
Wer tiefer blickt, dem wird sogar das blitzende Silber auf seinem Tisch
interessante Geschichten erzählen. Als ich jüngst mal wieder im Hotel
Frankfurter Hof in Frankfurt a. M. saß und in der „Festschrift“ dieses
weltbekannten Hauses nachdenklich blätterte, da fand ich auf Seite 17
eine interessante Abbildung: „Aus dem Silberschatz des Hauses. Silber
von Napoleon III. im Besitz des Hotels.‘ Es sind drei wundervoll aus-
geführte Tafelaufsätze, Meisterwerke der Goldschmiedekunst im Ge-
schmack der damaligen Zeit. Dabei traten mir die bemerkenswerten
Wandlungen, die unsere Hotels in den letzten 50 Jahren erlebt haben, so
recht deutlich vor Augen. Der Frankfurter Hof hatte nämlich gerade
seinen fünfzigsten Geburtstag begangen. Diesem Geburtstag zu Ehren war
die Festschrift erschienen. Fünfzig Jahre zogen im bunten Wandel der
Zeit an meinem geistigen Auge vorüber. Ich stand vor den Anfangstagen
dieses heutigen Welthotels. Sah, wie seine Begründer einen Stein zum
andern trugen, dabei auch den Grund zum Silberschatz des Hauses legend.
Nach langwierigen Verhandlungen, nach dreitägiger Besichtigung und
Vergleichung der Fabrikate verschiedener Firmen, wurden jene zweier
Fabriken in Pforzheim und Frankfurt a. M. als die für den Gebrauch,
sowohl was Gediegenheit der Arbeit als auch Schönheit der Formen be-
trifft, am geeignetsten befunden. So steht es fast wörtlich in einem ver-
gilbten Protokollbuch aus dem Jahre 1875. Es steht ferner darin, daß der
Pforzheimer Firma ein Auftrag im Gesamtbetrage von 50.000 Mk., der
Frankfurter ein solcher in Höhe von 12.000 Mk. erteilt wurde. Also allein
62.000 Mk. für Silber flossen der Industrie aus einem einzigen Unter-
nehmen zu, das in der Folge mit dazu bestimmt sein sollte, den Fremden-
verkehr in Deutschland auf eine sehr hohe Stufe zu heben dadurch, daß
dieses Hotel zugleich den Ruf deutscher Gaststätten in der ganzen Welt
begründen und befestigen half,

So sah ich in meiner Vision den heutigen wertvollen Silberschatz des
Frankfurter Hofes entstehen. Wenn es der hochentwickelten metall-
verarbeitenden deutschen Industrie in der Folgezeit möglich werden
konnte, sich auf ihre jetzige stolze Höhe emporzuschwingen, so verdankt
sie dies nicht zum kleinsten Teil dem Hotelgewerbe und seinen führenden
Männern. Denn ohne Häuser vom Rufe und Rang des Frankfurter Hofes
würde der nationale und ganz besonders auch der internationale Fremden-
verkehr in Deutschland niemals zu seiner hohen Blüte gekommen sein.
Dadurch wird zugleich eine wichtige Tatsache in das helle Sonnenlicht
der Wirklichkeit gerückt: Zu seiner Wiedergesundung braucht Deutsch-
land blühende Industrien. Diese wiederum sind ohne regsten Fremden-
        <pb n="627" />
        EINE KLEINE WERBEKAMPAGNE ANLÄSSL. EINES BESOND. EREIGNISSES 627

verkehr, ohne mustergültige Hotelbetriebe nicht denkbar. Eines befruchtet
and fördert das andere. Denn internationale Hotels betreiben „Export“
im idealsten Sinne: sie ziehen fremde, gute Valuten ins Land, und sie
verschaffen der Industrie neue, wertvolle Aufträge, weil der Fremden-
verkehr zur Gütererzeugung anregt und gleichzeitig aber auch Abnehmer
dieser Güter ist.
Für Fachzeitschriften der Architekten, der Holz- und Möbel-
industrie.
HOTELGEWERBE UND INNENARCHITEKTUR VOR
50 JAHREN

Unsere schönen Gaststätten haben an der Ausgestaltung und Vervoll-
kommnung der Innenarchitektur keinen kleinen Anteil. Sie haben viel-
fach erzieherisch und geschmacksveredelnd gewirkt, und sie haben un-
seren Baumeistern und Architekten schöne und interessante Aufgaben
gestellt. Eines unsrer mustergültigsten Hotels, das den Ruf deutscher
Gastlichkeit über den ganzen Erdball getragen hat, beging am 25, Juni
1926 sein fünfzigjähriges Jubiläum. Es ist das Hotel Frankfurter Hof
in Frankfurt a. M. Werfen wir mal einen kurzen Rückblick auf die Ent-
stehungsgeschichte des Hauses, 5,400.000 Mk. waren sein Anlagekapital.
Im Jahre 1876 war das eine Riesensumme, denn Deutschland befand
sich erst im Aufstieg und die späteren großen Vermögen waren erst in
der Bildung begriffen. Die Stadt Frankfurt hatte nur rund 100.000 Ein-
wohner. Die Großzügigkeit und der Weitblick der Schöpfer des Frank-
furter Hofes sind um so bewunderungswürdiger. Der Industrie, dem
Handel und Gewerbe flossen damals bedeutende Aufträge zu und, da
der Frankfurter Hof sozusagen ein Bahnbrecher war, wurde er zugleich
zum Befruchter der Industrie, weil weitere große Hotelgründungen mit
neuen bedeutenden Aufträgen folgten. Von den rund 5% Millionen des
Gründungskapitals entfielen 850.000 Mk. auf Inventar, Möbel, Beleuch-
tungskörper usw. und Einrichtung des Hauses, Gut geleitete Hotels
bleiben nicht stehen. Dies natürlich nur bildlich genommen, Sie stellen
auch der Industrie immer wieder neue Aufgaben und bringen ihr direkt
und indirekt neue große Aufträge. Daraus erkennt man den engen Zu-
sammenhang von Hotelgewerbe und Fremdenverkehr mit Industrie,
Handel und Gewerbe. Der Fremdenverkehr befruchtete die Industrie und
der internationale Fremdenverkehr steht sogar mit dem lebensnot-
wendigen Export auf gleicher Stufe, Die Industrie hat deshalb ein sehr
Eroßes Interesse an der Förderung des Fremdenverkehrs sowie am Ge-
deihen unserer gediegenen Hotels.
Für Fachzeitschriften des :Weinbaues und Weinhandels, der
Brennerelindustrie.
WEINBAU; WEINHANDEL UND HOTELGEWERBE
Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte ich den Lesern dieses Blattes
davon erzählen. in welchem innigen Zusammenhange Weinbau und
        <pb n="628" />
        28

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Weinhandel mit dem Hotelgewerbe stehen. Besonders deutlich wurde
dieser Zusammenhang durch die Not der Winzer veranschaulicht, mit
der Hand in Hand eine Not des Hotelgewerbes ging. Nur haben sich
die Hotelbesitzer, zu ihrem Schaden, seither den Wahlspruch Kaiser
Friedrichs zu eigen gemacht: Lerne leiden, ohne zu klagen! Ohne die
Not der Hotels, hervorgerufen durch krasse Überlastung mit Steuern und
erschreckenden Rückgang des Konsums, hätte auch die Not der Winzer
niemals jene beklagenswerte Höhe erreichen können, — Eines der
schönsten deutschen Hotels, der Frankfurter Hof in Frankfurt a. M., be-
ging am 25. Juni 1926 die Feier seines 50jährigen Bestehens. Blicken
wir einmal auf die Gründungsperiode zurück. Frankfurt hatte damals
nur rund 100.000 Einwohner. Wirklich großzügig und wagemutig waren
die Schöpfer dieses Hotels, denn ein Gründungskapital von 5,400.000 Mk.
war in jener Zeit ein Riesenbetrag. Deutschland befand sich erst im
Aufstieg, sein späteres großes Nationalvermögen mußie noch verdient
werden. Auf Inventar und Einrichtung entfielen von diesen 5% Millionen
850.000 Mk., als Betriebsfonds blieben 325.000 Mk. übrig. Sehen wir uns
einmal die erste Weinbestellung der Gründer an: bei F. J. Müller in
Eltville 1 Stück (1194 Ltr.) 1868er Hattenheimer für 1810 Mk. und
% Stück (598 Ltr.) 1868er Kiedricher Sandgrub für 2440 Mk.; bei A. Keyl
&amp; Co. in Bordeaux 30 Oxhoft 1870er Medoc ä 225 Mk., 30 Oxhoft
1870er St. Julien A 350 Mk., 10 Oxhoft 1870er Margaux a 550 Mk. und
für 7100 Mk. feine Bordeauxweine und Cognaks. Mit dieser in damaliger
Zeit bedeutenden Bestellung vergleiche man die heutigen Riesenvorräte
in den Kellereien der großen Hotels. Es wäre zu wünschen, daß sowohl
die Regierungen als auch unsere politischen Parteien die große Be-
deutung eines regen nationalen und vor allem auch internationalen
Fremdenverkehrs erkennen und entsprechend handeln. Durch seine
Förderung und Pflege würde dem deutschen Weinbau und Weinhandel
ebenfalls geholfen. Es ließe sich noch ein interessantes Kapitel darüber
schreiben, in welch großem Maße die Welthotels zum Weinexport bei-
tragen. Man würde staunen, wenn man erführe, welche bedeutenden
Weinbestellungen von ausländischen Gästen während ihrer Anwesenheit
in unseren Hotels getätigt werden. Der Frankfurter Hof könnte Inter-
essantes über diesen volkswirtschaftlich so wertvollen Export erzählen.

Für Fachzeitschriften der Wäschebranche.
DER LEINENSCHATZ DES HOTELS
Die volkswirtschaftlich so außerordentlich wichtigen und wertvollen
Zusammenhänge zwischen Industrie, Handel und Handwerk sowie dem
Fremdenverkehr und Hotelgewerbe treten nach außen leider nicht deut-
lich genug in Erscheinung. Wer Gelegenheit hat, einen tieferen Einblick
in das Hotelgewerbe zu gewinnen, der begreift erst, warum unter den
deutschen Industrien und Gewerben das Hotelwesen in seiner volks-
wirtschaftlichen Bedeutung an dritter Stelle steht, warum einsichtsvolle
Volkswirte Pflege und Förderung des nationalen und vor allem auch
internationalen Fremdenverkehrs predigen und fordern. Am 25. Juni
1926 beging das Hotel Frankfurter Hof in Frankfurt a. M. das Fest
        <pb n="629" />
        EINE KLEINE WERBEKAMPAGNE ANLÄSSL. EINES BESOND. EREIGNISSES 629

seines fünfzigjährigen Bestehens. Anläßlich dieses Geburtstages hatte ich
Gelegenheit, in alten Akten zu blätiern. In dem vergilbten Protokoll-
buch des ersten Vorstandes der: Frankfurter Hotel-Aktiengesellschaft
fand ich einen sprechenden Zeugen für die Richtigkeit der eingangs
erwähnten These. Es behandelt als einzigen Sitzungsgegenstand die
Lieferung der Hotelwäsche. Das alte Dokument sei im Wortlaut hierher-
gesetzt, weil es aus längst verklungener Zeit, wie ein modernes Grammo-
phon, zu uns spricht:

„Nach eingehender Prüfung wurde die Lieferung der nötigen Hotel-
wäsche Herrn Julius Hofmann Nachflg. und Herrn Otto Mayer &amp; Ham-
burg überiragen, und zwar dem Ersten für den von ihm zu liefernden
Teil auf Grund der eingereichten Kommissionsnota und Musterverzeichnis
sowie der deponierten Muster; die von ihm gestellten Zahlungsbedin-
gungen sind: zwei Monat nach eingereichter Rechnung mit 5% Diskont.
Lieferzeit: vom 1. Oktober 1875 bis 1. April 1876. Zahlungsbedingungen
der letzten drei Monate a dato der Rechnung ohne Skonio. Lieferzeit
wie vorstehend, auf Grund der eingereichten Kommissionsnota und depo-
nierten Muster.“

Das war vor. 51 Jahren. Damals war ein einzige Bestellung im Werte
von 50.000 Mk. ein Riesenobjekt. Deutschland befand sich im Aufstieg,
der Grundstock zu seinem späteren großen Nationalvermögen wurde erst
gelegt. Erwägt man das, So wird überraschend klar, wie ungeheuer
befruchtend auf die verschiedensten Industriezweige die Begründung
großer Hotels wirken mußte. Dadurch wird die Wechselwirkung zwischen
Industrie und Handel und dem Hotelgewerbe klar. Man begreift es ein-
fach nicht mehr, daß der Internationale Hotelbesitzer-Verein acht Jahre
lang darum kämpfen mußte, die großen Hotelbetriebe den kaufmänni-
schen Großbetrieben gleichgestellt zu sehen. Der damalige Minister v.
Berlensch wollte sie nur den Innungen, also dem Handwerk, zuweisen.

Für Tageszeitungen, belletristische Zeitschriften mit volkswirt-

schaftlichem Einschlag, für Fachzeitschriften des Hotel- und

Gastgewerbes, für deutschsprachliche Zeitungen in Amerika.
AUS EINER HOTEL-CHRONIK
Anläßlich des 50jährigen Jubiläums des weltbekannten Hotels Frank-
furter Hof in Frankfurt a. M. werden einige interessante Daten bekannt.
Bei der Eröffnung am 25. Juni 1876 stellte das Haus sich sogleich in
den Dienst der Wohltätigkeit. Die Besichtigung war dem Publikum gegen
eine Mark Eintrittsgeld freigegeben. Ungefähr 1600 Personen machten
von dieser Gelegenheit Gebrauch, Der eingegangene schöne Betrag wurde
den Armen zugewiesen,

Das Anlagekapital war für damalige Verhältnisse riesenhaft. Es betrug
5,400.000 Mk. Davon entfielen auf den Bauplatz 1,450.000 Mk., auf den
Bau selbst 2,225 000 Mk., auf Inventar und Einrichtung 850.000 Mk.,
Bauleitung 50.000 Mk. Bauzinsen und Spesen zirka 500.000 Mk.;
325.000 Mk. blieben als Betriebsfonds übrig. Vergleicht man diese Zahlen
Mit den investierten Kapitalien moderner zum Beispiel amerikanischer
        <pb n="630" />
        330

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Riesenhotels, und berücksichtigt den damaligen Geldwert, der den
heutigen um ein vielfaches übersteigt, so muß man den Wagemut der
Schöpfer des Frankfurter Hofes bewundern. Sie haben Deutschland ein
Hotel geschenkt, das einen beträchtlichen Anteil an dem Ruhm und dem
Ansehen des deutschen Hotelwesens in der ganzen Welt hat.

Zu den früheren Leitern des Frankfurter Hofes gehörte auch ein
Mann, der sich selbst gern „König der Hoteliers‘‘ nennen hörte: Cäsar
Ritz. Sein Name ist für allererstklassige Verpflegung und für exquisiten
Luxus im Hotel typisch geworden. Ritz-Hotels und Ritz-Restaurants sind
heute noch markante Typen, und man findet das Ritz-Restaurant sogar
auf schwimmenden Hotelpalästen, wie man die großen Ozeandampfer mit
Recht nennt.

Fünfzig Jahre später! In seiner Ansprache bei der Generalversammlung
der Frankfurter Hof A.-G., am 25. Juni 1926, teilte Generaldirektor
Gottlob mit, daß im Jahre 1925 über eine halbe Million Mark an Steuern
abgeführt werden mußte. Das ist der zehnte Teil des Gründungskapitals.
Man erkennt daraus die ungeheueren Schwierigkeiten, mit denen unsere
schönen Musterhotels zu kämpfen haben. Die Zahlen zeigen auch die
dringende Notwendigkeit baldigster Änderung dieser steuerlichen Über-
lastung.

Schließlich gehörte zu dieser Serie noch eine heitere Plauderei,
betitelt „Was man in einem Hotelzimmer finden kann‘‘, die
ebenfalls von verschiedenen Blättern, teilweise mit IMlustra-
tionen, veröffentlicht worden ist. Man findet sie, mit den
Bildern, in dem Kapitel „Wichtige Kleinigkeiten im gepflegten
Hotelzimmer sind ausgezeichnete Werbehelfer‘“. Ein Thema,
das ich allen Hoteliers zur Beachtung warm empfehle.
        <pb n="631" />
        DER RUNDFUNK ALS WERBER

86. DER RUNDFUNK ALS WERBER

Die Entwicklung des Rundfunks ist in der Geschichte der
Technik fast beispiellos. Sie ist noch längst nicht abgeschlossen.
Ja, man könnte sagen, daß sie sich noch immer im Anfangs-
stadium befindet. Der Rundfunk wird uns sicher noch manche
Überraschungen bereiten. Heute schon ist es möglich, mit dem
Hören auch das Sehen zu verbinden. Mehrere neu konstruierte
Apparate ermöglichen das. Es ist zurzeit lediglich noch eine
Kostenfrage. Welche‘ Wege der Rundfunk im Dienste des
Fremdenverkehrs, der Städte, Kur- und Badeorte, Hotels,
Sanatorien usw. noch nehmen wird, wissen wir nicht. Anschei-
nend stehen wir bei ihm vor unbegrenzten Möglichkeiten,
Deshalb will ich mich nur kurz mit dem beschäftigen, was der
Rundfunk heute schon im Dienste der Fremdenverkehrs-
interessenten sein kann.

Zunächst sei an die gewissermaßen einfachste Form erinnert,
den Rundfunk als Reklameträger für Kurorte, Fremden-
verkehrsstädte, Gaststätten aller Art zu verwerten: das Vor-
handensein von Rundfunkapparaten in den Kurhäusern, Hotels
und Sanatorien. Über die technische Seite einer Großrundfunk-
anlage in Kurhäusern, Hotels und Sanatorien, für diese Betriebe
außerordentlich wichtig, werde ich am Schluß einige praktische
Ratschläge geben.

In den Reklamen durch Inserate, in den Werbeschriften aller
Art muß natürlich darauf hingewiesen werden, daß der Kurgast,
der Hotelgast, der Sanatoriumspatient die Darbietungen des
Rundfunks so bequem als nur möglich, im Hotel und Sana-
torium tunlichst auch vom Bett, von der Liegehalle, vom Liege-
balkon aus, genießen kann. Vielleicht weist man auch darauf
hin, welche Hörmöglichkeiten geboten werden und zu welchen
Tageszeiten. Namentlich für Sanatorien kann der Rundfunk
        <pb n="632" />
        332

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
zu einem wahren Segenspender werden. Im Sanatorium
St. Blasien, das eine ausgezeichnete Großrundfunkanlage besitzt,
erzählte mir der Betriebsleiter, daß seine Patienten zum Beispiel
die Rede des Oberbürgermeisters von Köln, anläßlich der
Befreiungsfeier von fremder Besetzung vor dem Dom gehalten,
besser und klarer gehört hätten, als die Mehrzahl der Hundert-
tausende, die unmittelbare Zeugen waren.

Als Reklameträger muß der Rundfunk vorsichtig gebraucht
werden, da der erhoffte Zweck sich sonst sehr leicht ins Gegen-
teil verwandeln könnte. Statt anziehend und werbend, würde
die Sache bei ungeschickter Handhabung womöglich zum
Abschreckungsmittel werden,

Gaststätten mit eigener, guter Hauskapelle können diese für
den Rundfunk spielen lassen. Ich bin überzeugt, daß viele Hörer
dadurch veranlaßt werden, sich die Musik auch am Schauplatz
ihrer Wirksamkeit anzuhören. Es ist doch etwas anderes, ob
ich die Musik bei mir im Alltagsheim, im nüchternen Haus-
anzug, durch den Rundfunk übertragen, genieße, oder ob ich
sie im eleganten Rahmen des Neptun-Hotels anhöre, umgeben
von einer gepflegten Gesellschaft und selbst in den Smoking
oder Cut gehüllt. Wer vielleicht aus irgend welchen Gründen
noch niemals in der Halle des Neptun-Hotels war, der wird zum
Besuche angeregt, wenn er im Tagesprogramm seines Rund-
funks den Namen des Neptun-Hotels liest, und wenn die Weisen
der Hauskapelle sich seinem Ohr einschmeicheln. Wiederholt
wies ich schon auf die suggestive Macht und Kraft der Reklame
hin und daß man sich diese Suggestion dienstbar machen solle.

Über die Alltagsmöglichkeiten der Rundfunkreklame will ich
mich nicht näher auslassen, weil diese Dinge sich noch zu sehr
im Fluß befinden, und weil jene Gesellschaften und Firmen,
die sich mit der geschäftlichen Auswertung des Rundfunks als
Reklamemittel befassen, die Kurorte sowie die Angehörigen des
Hotelgewerbes hierüber fortlaufend schon zur Genüge unter-
richten werden. Da, was beim Niederschreiben dieses Kapitels
geschildert wird, beim Erscheinen des Buches schon wieder
veraltet sein könnte, beschränke ich mich auf ein paar
allgemeine Winke.

Die vornehme Gaststätte, der seinen Ruf wahrende Kurort
wird sich besonders vor einer unvornehm wirkenden Reklame
durch den Rundfunk zu hüten haben. Man sehe sich deshalb
alle diesbezüglichen Anerbieten scharf daraufhin an, wie die
        <pb n="633" />
        DER RUNDFUNK.ALS WERBER 633
Reklame auf den wirken wird, dem der Rundfunk sie daheim
im stillen Kämmerlein vorsetzt. Ob sie dem Charakter und der
Würde des Kurortes oder des Hauses entspricht. Wie die
wirklich vornehme Gaststätte nicht in einer Zeitschrift oder
Zeitung inserieren wird, die auf die niedrigen Instinkte der
Menschen spekuliert und nur von Sensationen lebt, so soll sie
sich auch von unvornehmen Reklamearten des Rundfunks fern-
halten. Selbstverständlich wäre nichts dagegen einzuwenden,
daß die Kurortleitung oder das vornehme Hotel den Hörern
mitteilen läßt: Im morgigen Nachmittagskonzert im Kurhaus
beziehungsweise im Neptun-Hotel wird der ausgezeichnete und
bewunderte Geigenkünstler Hubert Kallenberg die Zigeuner-
weisen von Sarasate, der beliebte Cellist Streicher das Largo
von Händel spielen! — Oder: Das heutige Abendkonzert im
Kurhaus beziehungsweise in der lauschigen Halle des Neptun-
Hotels wird eine Reihe der besten, leider schon etwas in Ver-
gessenheit geratenen Operettenkomponisten aus der Glanzzeit
der Operette durch den Zauber ihrer Töne wieder ins Leben
zurückrufen. (Hier achte man darauf, daß diese Botschaft nicht
etwa von einem Manne vermittelt wird, der beim Sprechen
mit der Zunge anstößt oder lispelt und der aus der lauschigen
Halle womöglich eine lausige Halle macht.)

Der mondäne Kurort, die große Fremdenverkehrsstadt, das
vornehme Hotel kann mitteilen lassen, daß Träger eines großen
Namens oder bedeutende Persönlichkeiten der hohen Politik
oder Mitglieder der guten Gesellschaft eingetroffen sind und im
Hotel Neptun Wohnung genommen haben. Man kann mitteilen
lassen, daß am nächsten Mittwoch ein Gesellschaftsabend statt-
findet, zu dem eingeladen wird und wozu nur Karteninhaber
Einlaß finden usw.

Im Kapitel „Die negative Reklame“ beschäftige ich mich mit
dem wundesten Punkte im Hotel- und Fremdenverkehrswesen:
der Geneigtheit der Tagespresse, Beschwerden gereizter und
übernervöser Gäste über Kurorte oder Hotels allzu bereitwillig
ein offenes Ohr zu schenken. Vielleicht ließe der Rundfunk
sich dazu heranziehen, unzutreffende und schädliche Presse-
äußerungen über Hotels oder Kurorte auf schnellstem Wege
richtigzustellen und Aufklärung zu verbreiten. Bei dem großen
Schaden, der durch solche Pressenotizen, ganz gleich, welchen
Ursachen sie entsprangen, schon recht oft angerichtet worden
ist, dürfte es sich empfehlen, diese Anregung in Erwägung zu
        <pb n="634" />
        537

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
ziehen und sie zu befolgen; vorausgesetzt natürlich, daß sich
die Möglichkeit dazu bietet,

Wintersporthotels beziehungsweise Wintersportplätze können
den Rundfunk dazu benützen, um auf schnellem Wege über
die klimatischen und sportlichen Verhältnisse Meldung zu
erstatten.

Kurorte können interessante Vorträge sowohl medizinischer
als auch rein landschaftlicher Art einem großen Kreis von
Rundfunkhörern zugänglich machen. Sie können über Kon-
zerte, Theatervorstellungen, Wettbewerbe, Preisausschreiben,
Tanzturniere usw. berichten.

Sicher wird die nimmer rastende Technik noch viele Mög-
lichkeiten schaffen, die auch dem Hotelgewerbe und den Kur-
und Badeorten offenstehen werden.

Auf eines aber sei mit besonderem Nachdruck hingewiesen.
In den Kreisen der Großinserenten ist man sich bereits darüber
klar, daß der Rundfunk für die ausgesprochene, trockene
Reklame nicht in Frage kommt, Man weiß, daß der Rundfunk-
hörer den Apparat unmutig weglegt, wenn man seinem Ohr
„Inserate“ in unveränderter Form vorsetzt. Wir sind noch zu
sehr daran gewöhnt, Reklame uns durchs Auge vermitteln zu
lassen. Auf „Ohrfang‘“ sind die Menschen nicht eingestellt,
während die suggestive Wirkung des „Blickfangs‘ zweifelsfrei
feststeht. Trockene Aufzählung der Vorteile, die der Kurort
Frohwinkel, die das Hotel Neptun ihren Gästen bieten, würde
wirkungslos verhallen. Der Rundfunkhörer würde sie einfach
nicht anhören. Dagegen könnten wohl Erfolge erzielt werden,
wenn man es versteht, die Reklame oder Werbung in ein inter-
essantes, apartes Gewand zu hüllen. Man kleide sie in die Form
eines fesselnden, vielleicht humoristischen Gedichts. Man wähle
die erzählende Form und lasse den Rundfunkhörern eine
packende kleine Skizze durch einen guten Sprecher vortragen,
oder eine Humoreske oder zum Lachen reizende Groteske
ähnlich der Art, wie ich sie in den Kapiteln 29, 30, 31, 32 und
35 als Musterbeispiele wiedergegeben habe. Auch die Kapitel
8 und 9: „Der Reim in der Reklame‘ und „Die Zeitstrophe in
der Reklame“ bieten Anregungen für die Rundfunkwerbung.
        <pb n="635" />
        DER RUNDFUNK ALS WERBER 635

Wenn Kurhäuser, Hotels, Sanatorien usw. ihren Gästen heute
in großzügiger Weise die Annehmlichkeiten des Rundfunks
bieten können, so ist das insbesondere der Firma Siemens
£&amp; Halske, Wernerwerk, Siemensstadt bei Berlin, zu verdanken.
Der Literarischen Abteilung dieser Weltfirma verdanke ich
auch die Unterlagen für die folgende technische Schilderung
sowie die Klischees für die beigegebenen, das trockene Wort
anschaulicher machenden Illustrationen. Die Firma Siemens
&amp; Halske hat die«kostspieligen Versuche gemacht, um die tech-
nischen Schwierigkeiten bei Anlage von Großrundfunkstationen
in Hotels usw. zu meistern. Das ist ihr so ausgezeichnet
gelungen, daß die Großbetriebe des Fremdenverkehrs unbe-
denklich zur Installierung solcher Rundfunkanlagen schreiten
können, ohne schnelles Veralten befürchten zu müssen. Bei den
erwähnten Versuchen ließ man sich, soweit es sich um Hotels
und Kurhäuser handelt, von dem vernünftigen Gedanken
bestimmen, daß den Gästen die Möglichkeit gegeben werden
müsse, in ihren Zimmern so gut wie in bestimmten Gesell-
schaftsräumen Rundfunk zu hören. Dadurch tauchte das
Bedürfnis nach Großrundfunkanlagen auf, da es viel zu
ungünstig, unwirtschaftlich und unbequem sein würde, für
jeden Hotelgast oder für eine sehr große Zahl von Zimmern
eigene Empfangsgeräte vorzusehen. Die Zahl der Antennen
würde so groß sein, daß es auf Schwierigkeiten stieße, sie unter-
zubringen, und die Anlagen sich gegenseitig stören würden.
Man müßte sich auf die Verwendung von Innenantennen
beschränken, woraus sich weitere Schwierigkeiten ergeben,
besonders wenn das Hotel in größerer Entfernung vom Sender
liegt. Einfache Detektorgeräte würden den Ansprüchen vieler
Gäste nicht genügen und wertvolle Röhrengeräte, mit denen
man entfernte ausländische Stationen zu empfangen vermag,
wie das bei dem internationalen Charakter von Großhotels und
Manchen Sanatorien vielfach verlangt wird, stellen natürlich
zu hohe Ansprüche an Bedienung, als daß man sie jedem Gaste
anvertrauen könnte. Die Einrichtungen müssen so sein, daß
das Hotelpersonal durch die Bedienung nicht stark in Anspruch
genommen wird und der einzelne Gast nur ganz einfache Hand-
griffe auszuführen hat, die keineswegs schwieriger sind als zum
Beispiel das Führen eines Telephongespräches an einem Fern-
Sprechapparat. Es ist aber selbstverständlich, daß für den
genannten Zweck nur wirklich gute, von Ungeübten nicht
        <pb n="636" />
        536

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

bedienbare Geräte verwendet werden können, da gerade in
Hotels und Kurhäusern Fernempfang und Empfang aus-
ländischer Stationen gewünscht zu werden pflegt. Die Ansprüche
in bezug auf den Fernempfang werden um so dringender, je
internationaler der Kreis der Hotelgäste ist, was für viele Kur-
orte und Großstädte zutrifft. So gut der ausländische Kurgast
seine heimische Zeitung am nächsten Zeitungsstand zu kaufen
wünscht, so gut legt er Gewicht darauf, durch den Rundfunk
in Verbindung mit der Heimat zu bleiben. Aus solchen
Erwägungen heraus hat sich zum Beispiel auch die Kur-
verwaltung in Wiesbaden entschlossen, sobald dort der Rund-
funk freigegeben werde, eine Großrundfunkanlage für den
gleichzeitigen Empfang von drei verschiedenen Sendern zu
erstellen. Die Forderung nach gleichzeitigem Empfang von
mehreren Sendern wird dadurch erleichtert, daß alle Kopf-
hörer und Lautsprecher an ein einziges Empfangsgerät ange-
schlossen werden können, so daß insgesamt nur drei Empfangs-
anlagen erforderlich sind. Eine Tatsache, die die Einführung
von zentralen Anlagen höchst wünschenswert erscheinen läßt,
ist die Ersparnis an Abonnementsgebühren. In Deutschland
würden diese für ein Haus mit 100 Apparaten zum Beispiel
2400 Mark jährlich betragen, während sie sich für eine Groß-
rundfunkstation mit drei selbständigen Empfangsapparaten
der bisherigen Handhabung der Post zufolge nur auf 72 Mark
im Jahr stellen. In Kurorten können sich nötigenfalls mehrere
benachbarte Kurhäuser zusammentun und eine gemeinsame
Empfangszentrale schaffen, von der aus die Leitungen zu den
einzelnen Gebäuden und Räumen verzweigt werden. Soll der
Gast in seinem Zimmer oder in bestimmten Aufenthaltsräumen
die Wahl zwischen verschiedenen Sendern, zum Beispiel gleich-
zeitig drei, haben, so müssen natürlich die Abzweigungen dieser
drei Netze durch sein Zimmer führen. Irgend welche Regu-
lierungsarbeiten braucht der Gast nicht zu leisten. diese erfolgen
vielmehr in der Zentrale.

In meinen zwei ersten Bildern zeige ich die wichtigsten Geräte,
nämlich Hochfrequenzverstärker und Audion in einem Kasten
vereinigt, ferner den Leistungsverstärker in einem zweiten
Kasten. Die Anlage wird unter Umständen auch mit Detektor-
apparat für Ortsempfang und dem vorerwähnten Leistungs-
verstärker geliefert.

Die Empfangsanlage kann im Zimmer des Betriebsführers
        <pb n="637" />
        Empfangsanlage im Bureau des Geschäftsführers.
Yberes Fach enthält die Schalter zum Anschließen der
einzelnen Stockwerke usw.

Mittleres Fach: Empfangsgeräte.

Unteres Fach: Batterien.

Empfangsstation im Bureau des Hoteldirektors.
        <pb n="638" />
        Rundfunkdarbietungen in den Gesellschaftsräumen.
(Kurhaus in Wiesbaden.)

Rundfunkgenuß im Zimmer des Hotels oder Sanatoriums
        <pb n="639" />
        DER RUNDFUNK ALS WERBER

639

oder im Arbeitszimmer des Hoteldirektors aufgestellt werden,
wie ich es in zwei Bildern veranschauliche. Durch gefällige
Formgebung des Schrankes, der die Geräte enthält, lassen sich
Verunzierungen der Räume vermeiden. Das erste dieser zwei
Bilder zeigt, wie Kopfhörer und Lautsprecher abgestimmt
werden. Das oberste Fach enthält die Schalter zum Anschließen
der einzelnen Stockwerke, Pavillons usw., das mittlere das
Empfangsgerät, und das unterste die Batterien für die Strom-
lieferung.

Die Bedeutung der Großrundfunkanlagen wächst angesichts
des Umstandes, daß in der Herstellung von Lautsprechern und
Großlautsprechern außerordentliche Fortschritte gemacht
worden sind. Der neue, elektromagnetisch angetriebene
„Protos‘“-Lautsprecher der Firma Siemens &amp; Halske, den ich
in den Abbildungen vorführe, legt davon Zeugnis ab. Er
ermöglicht, Musik so klangrein zu übertragen, wie man das
bisher nicht für möglich gehalten haben würde. Dementspre-
chend bringen Kurhausdirektionen und Hotelbesitzer ihm ganz
besonderes Interesse entgegen. Bietet er doch die Mittel, Kur-
konzerte oder Kammermusik von einer Stelle zur andern zu
übertragen und in würdiger Form wiederzugeben, auch Vor-
träge, die im Hotel oder im Kurhaus selber gehalten werden, zu
verbreiten. Es ergibt sich also auch die Möglichkeit, Unter-
haltungs- oder Tanzmusik eines im Hotel spielenden Orchesters
nach zahlreichen Räumen und Einzelzimmern des Hotels zu
leiten. Statt des Hochfrequenzverstärkers und Audions wird
dann ein Besprechungsmikrophon an den Leitungsverstärker
angeschlossen, als welches das bekannte Bändchenmikrophon
verwendet werden kann.

In der nachfolgenden Tabelle gebe ich die mir beim Redak-
tionsschluß dieses Buches bekannt gewesenen bedeutendsten
europäischen Rundfunksender mit ihrer Frequenz, Wellen-
länge, Sendestärke und — wenigstens bei einem Teil — ihren
Rufzeichen bekannt.
        <pb n="640" />
        540

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Fre- ] Wellen-
quenz | länge

Sender

Land

Sende- | Ruf-
stärke zeichen

I60
950
940
330
J80
310
900

312,5
315,8
319,1
392.6
326,1
329.7
3998

Newcastle

Mailand

Dublin

Breslau

3Zournemouth

Nürnberg

Neapel

Reykjavik

Kopenhagen

Paris, Petit Parisien

Sevilla ?)

Prag (Praha)

Cardiff

London

Leipzig

Graz

Oslo

Madrid ?)

Stuttgart

Manchester

Toulouse (Radio-
Toulouse)

Hamburg

Bremen

Aalesund

Cadiz

Charleroy

Cork

Falun

Kosize (Kaschau)

Mont de Massan

Plymouth

Tampere (Tammer-
fors)

Warschau

Glasgow

Bern

Göteborg (Gothen-
burg)

Rom

Frankfurt a. M.

Großbritannien
[talien

Irland
Deutschland
Sroßbritannien
Deutschland
[talien

[sland
Dänemark
Frankreich
Spanien
Tschechoslowakei
Großbritannien
Großbritannien
Deutschland
Österreich
Norwegen
Spanien
Deutschland
Großbritannien

1,5
J
1,5
)
‚5

än0
1 mi
2 rn
6 bm

ea] 5
5 wa
2 le

390
380
370
360
550
530
RIO)

337

340,9
344,8
348,9
358

361,4
365.8

Zi
05

eaj 7
2 zy

810
800
790
780
770

370,4
375

379,7
384.6
2389 6

5

7

760
750

394,7
400

Frankreich
Deutschland
Deutschland
Norwegen
Spanien
Belgien

Irland
Schweden
Tschechoslowakei
Frankreich
Großbritannien

2

9
1,5
0,75
1

bmn
eaj 3

1

1,5
0,3
0.2

emzk

5 pyY
Finnland

Polen

Großbritannien ]

Schweiz

Schweden 1 sasb
Italien 12 1 ro
Deutschland 9 —

(40
730
790

405,4
411
416.7

5 sc
hba

710
700 |

422,6
4986

1) Mit der Wellenlänge von Sevilla darf auch der Sender Kowno, Weile 219 m,
arbeiten.

*) Mit der Wellenlänge von Madrid (Rufz, caj 7) darf ebenfalls der Sender Hel-
singfors, Welle 240 m, arbeiten.
        <pb n="641" />
        DER RUNDFUNK ALS WERBER

641

Fre-
quenz

"Vellen-
länge

Sender

Land

Sende- Ruf-
stärke zeichen

690 ' 434,8

Bilbao !)
Porsgrund
Brünn (Brno)
Paris(Telegr.-Schule)
Stockholm
Bergen
Jassy
Langenberg Rhein:
and Ruhrsender
Lyon (PTT.)
Berlin 1 (Berlin-
Witzleben)
Birmingham
Aberdeen
Barcelona II.
Bourges
Helsingfors (Helsin-
ki) II
Linköping
Palermo
Tromsö
Zürich
Brüssel
Wien I(Wien-Rosen-
hügel)
Riga
München
Sundsvall
3Zudapest
Berlin IX (B.-Mag-
deb. Pl.)
Bloemendaal
Mikkeli
Sarajevo
Vardö
Zaragoza (Saragossa)
Freiburg i. Br.
Madrid (RadioIberica)
"Jngvär (UZvorod)
Wien IL (Wien-Stu-
benring) Österreich 1,5 | —
Grenoble Frankreich | 0,5 —
Wilna ?) ‚ Litauen | ,
1) Mit der Wellenlänge von Bilbao und Porsgrund darf auch der Sender Lenin-
grad, Welle 223,9 m, arbeiten,
2) Großsender geplant, Wellenlänge noch nicht bekannt.

Spanien
Norwegen
Tschechoslowakei
Frankreich
Schweden
Norwegen
Rumänien

eaj 11
; —
24 | okb
0,8 fptt
15
0,5
0.8

z

680 | 441,2
670 | 447,8
650 154,5
650 461,5
640 |
630 |
620

300

5 it
23 bd
pal 13

590 |
380

370
360
550
340
580 |

eaj 23
ea} 6

210 |
        <pb n="642" />
        542

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Fre-
quenz,

Wellen-
länge

Sender

Land

Sende-
stärke

6 5
675

1595
444 4

stawropol

Astrachan (Radio-
peredacha)

Östersund

Genf

Kew (Radi”pere-
dacha)

Nish ij Nowgorod

Iwanowu-Wusnes-
sensk

Odense

Lausanne

H mel

Leningrad (Radio-
peredacha

W oronesh

Twer

Basel

Ä0stow

Skutari

Moskau (Popow-Stat.)

Ustjug Welıikij

Grönmgen (Groningen‘

Haag (den Haag)

Ydilversum

AAaaren

Nishnij Nowgorod

Tiflis

Ayvangen

Sorö

3oden

Ajörring

KÖnigswuster-
hausen (D. Welle)

Karlsborg

Motala (proj. 8S0-k W-S.)

Moskau (Komintern)

Daventry

Belgrad

Paris (Radio Paris)

Hammeren

Amsterdam

Parıs, Eiffelturm

LYNgbY

Paris, Eiffelturm

Rußland

2

(20
160
780

416,7
344.7
384.6

Rußland
Schweden
Schweiz

L
1,5

Ruß!tand
Rußland
ROO

275

1
1.2

10
850
Q0U
Q10

3704
352.9
333.3
319.1

Rußland
Dänemark
Schweiz
Rußland

1

0,7
1,5
1.2

950
965
1000

315,8
310,9
300

Rußland
Rußland
Rußland
Schweiz
Rußland
Albanien
Rußland
Rußland
Niederlande
Niederlande
Niederlande
Be'gien
Rußland
Rußland
Dänemark
Dänemark
Schweden
Dänemark

1

1.2
1,2
15
1,2
1010 |

9207

2
1,2
1,5
1,5
10 od. 24
2
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4,
1,5
1,5
1,5
3

1050 |

985.7

1100

272.7

1150

2609

1200
1250
1300

250
240
230.8
1365

2198

Deutschland
Schweden
Schweden
Rußland
Großbritannien
Südslawien
Frankreich
Dänemark
Niederlande
Frankreich
Dänemark
Frankreich

20
10

1450
L600
1650
1750
1900
1950
2200
2400
2650

206.9
187.5
181,8
171,4
157,9
1538
136,4
125

113.2

3
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1

Ruf-
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        <pb n="643" />
        PROPAGANDA DURCH DEN FILM

17

87. PROPAGANDA DURCH DEN FILM

Im Dienste des Hotelgewerbes hat der Film bisher nur eine
bescheidene Rolle gespielt. Wohl haben große Fremdenplätze,
Kur- und Badeorte mit internationalem Verkehr interessante
Filme geschaffen, auch auf wintersportlichem Gebiete, die
indirekt auch für die Hotels warben. Aber diese traten in der
Filmreklame selbst nicht so hervor, daß von einer erfolgreichen
Filmpropaganda gesprochen werden könnte. Das wird anders
werden, seitdem Filmgesellschaften entstanden sind, die die
Pflege des Reklamefilms sich zur Aufgabe machen.

Auch auf dem Gebiete der Filmreklame, wenigstens was das
Hotel- und Gaststättenwesen anbelangt, ist Amerika Europa
überlegen. So wurde in Deutschland unter einer Reihe populär-
wissenschaftlicher Filmwerke ein Film gezeigt, der das Hotel-
wesen in New York und das Leben und Treiben in einem der
größten Hotels dieser Riesenstadt, die zirka zwei Millionen
mehr Einwohner zählt als das ganze heutige Österreich, zum
Gegenstand hatte.

Nun bietet ja allerdings ein New Yorker Riesenhotel mit
seinen Tausenden von Zimmern, seinem Wolkenkratzercharak-
ter, seinen Festsälen für ein Heer von Besuchern, seinen Dach-
gärten in schwindelnder Höhe, ganz andere Filmmöglichkeiten
als die Hotels, die Gaststätten irgendeines europäischen Reise-
landes. Aber auch sie haben mancherlei zu zeigen, was sich zur
Darstellung wohl eignen und eine lohnende Reklame sein
würde. Unsere schwimmenden Riesenhotels — denn schwim-
mende Riesenhotels sind in Wirklichkeit jene Wunderwerke der
Schiffsbaukunst, die den Verkehr zwischen New York, Ostasien
usw. vermitteln — zeigen hierfür den Weg. Eifrige Kino-
besucher hatten jüngst die Möglichkeit, einen Film zu sehen,
der sie mit dem Bau und Betrieb des Riesendampfers „Kolum-
        <pb n="644" />
        544

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

bus“ bekannt machte. Küche- und Kellerbetrieb, Maschinen
und Kessel, alles wurde auf der Flimmerleinwand gezeigt.

Das ist der Weg, den auch das Festlandshotel bei der Film-
reklame zu gehen haben wird. Wie wenig Menschen gibt es,
die hinter die Kulissen eines Hotels gesehen haben. Und wie
riesig interessant ist es hinter diesen Kulissen. Meine gründliche
Kenntnis des Hotelwesens habe ich dazu benützt, um eine
umfangreiche Studie über die „Wunder der Technik im Deut-
schen Hotel‘ zu schreiben. In dieser Studie weise ich darauf
hin, daß in vielen europäischen Zeitungen und Zeitschriften die
technischen Einrichtungen der amerikanischen Riesenhotels
liebevoll gelobt werden, so daß beim Leser ganz unwillkürlich
der Eindruck geweckt werde, die europäischen Hotels blieben
weit, sehr weit hinter den amerikanischen zurück. Sie seien
also nicht auf der Höhe und minderwertig. In meiner Studie
schildere ich eine wahre Überfülle von technischen Einrich-
tungen, die dem Gast im Hotel zugute kommen, und die
geschaffen wurden, um auch die Preise so niedrig als möglich
halten zu können. Eine Verfilmung dieser Studie zum Beispiel
würde eine glänzende Filmreklame für die Hotels bilden.

Eine solche Filmreklame kann, wenn sie gut ist, nicht billig
sein, und sie wird deshalb nur sehr kapitalkräftigen Betrieben
offenstehen, für die anderen käme dann das Genossenschafts-
wesen, die Verteilung der Lasten auf verschiedene tragfähige
Schultern, in Frage. Ich kann es mir sehr wohl als möglich
denken, daß eine Anzahl geschäftlicher Betriebe — sie brauchen
durchaus nicht alle zum Gastgewerbe zu gehören — sich zur
Schaffung eines interessanten Reklamefilms zusammenschließen.
Sie können den Film dann bei sich selbst vor ihren Gästen
Jaufen lassen, können ihn aber auch nach auswärts verleihen.
Ich kenne Kurorte, die einen eigenen Werbefilm besitzen und
diesen während der Saison wöchentlich, oft mehrmals in der
Woche, ihren Gästen vorführen. Dabei war Eigenartiges zu
beobachten. Obwohl die Zuschauer selbst am Schauplatz des
Films weilten, waren sie doch mächtig gepackt und das Interesse
erlahmte nicht etwa, sondern blieb und wuchs sogar. Das mag
daher kommen, daß man die auf der Leinwand im Filmstreifen
vorgeführten Dinge mit ganz anderen, ich möchte sagen: auf-
nahmefähigeren Augen betrachtet als im wirklichen Leben.
Ich weiß, daß Leute an irgend etwas Bemerkenswertem jenes
Kurortes täglich vorübergingen, ohne es zu beachten und daß
        <pb n="645" />
        PROPAGANDA DURCH DEN FILM

BAR

sie: verblüfft waren, als es ihnen im Film so greifbar vor
Augen trat.

Darin liegt die Werbekraft des Films und sein Wert für eine
einprägsame Reklame. Darüber muß jeder, der den Film als
Propagandist in seinen Dienst stellen will, sich zuerst klar
geworden sein: Was habe ich in meiner Stadt, in meinem
Kurort, aus meinem Betriebe Packendes, Zugkräftiges zu
zeigen? So packend, so zugkräftig und SO in seinen Bann
zwingend, daß daraus eine wirkungsvolle Filmreklame werden
kann! Wer dieses Wichtigste eines Werbefilms gefunden hat,
der mag sich getrost auch dieser modernsten aller Reklamen
bedienen. Dann wird sie ihn nicht enttäuschen.

Aus prinzipiellen Gründen habe ich es möglichst vermieden,
die Adressen ausführender Firmen anzugeben. Wenn ich nun-
mehr doch eine solche Firma nenne, so geschieht es aus einem
besonderen Grund, und ‚weil es im Interesse mancher Kurorte
liegt. Die Werbelicht Akt.-Ges., Frankfurt a. M., Börsenplatz 9
bis 11, befaßt sich nicht nur mit der Anfertigung neuer Filme,
sondern sie bietet auch die Möglichkeit, schon vorhandene
Filme an mehr als 1000 deutschen Kinotheatern zu veröffent-
lichen.

Da gar manche Kurorte schon Reklamefilme besitzen, deren
Verwendung mangels geeigneter Verbindungen nur in unzu-
teichendem Maße möglich war, so wird mit‘der Angabe der
letzten Adresse wohl manchem Interessenten ein Dienst
erwiesen. Mir hat ein kleines Heft dieser Firma vorgelegen,
worin die Adressen aller vertraglich verpflichteten Kinos auf-
gezählt werden. Die Theater sind übersichtlich in alphabetischer
Ortsreihenfolge genannt und nach Lage und Platzzahl in
6 Gruppen eingeteilt.

Da selbstverständlich auch auf dem Gebiete der Film-Reklame
fast täglich Neuerungen und neue Firmen auftauchen, kann
ich den Interessenten nur empfehlen, die von mir bereits
erwähnten Reklame-Zeitschriften aufmerksam und regelmäßig
zu verfolgen. Die verhältnismäßig kleine Mühe wird sich durch
gewonnene Anregungen und Ideen lohnen.
        <pb n="646" />
        SEO

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Schließlich sei noch einer weiteren Werbemöglichkeit bei der
Filmreklame gedacht. In meinen Kapiteln „Die Mitarbeit der
Journalisten und Schriftsteller‘*‘ sowie „Journalistische Studien-
fahrten“ habe ich bereits Wege gewiesen, um die nicht zu unter-
schätzende freiwillige Mitarbeit dieser federgewandten Berufe
zu gewinnen. Diese Mitarbeit 1äßt sich mit Hilfe des Films
noch erweitern. Wie, sei wiederum durch ein Beispiel aus dem
praktischen Leben gezeigt.
In den „Münchner Neuesten Nachrichten‘‘ erschien eine
interessante Artikelserie „Bilderbuch einer Reise. Mit Auto und
Kurbelkasten durch Südtiroler Land“. Der mit dem Pseudonym
Peregrin zeichnende Verfasser schilderte in diesen Skizzen
begeistert das, was eine kleine Reisegesellschaft zu sehen
und — — — für einen werdenden Film zu kurbeln bekam.
Ich setze im Wortlaut hierher, was Peregrin über „das Auge“
des Filmoperateurs dieser auf Autos unterwegs befindlichen
Reisegesellschaft geschrieben hat:

„Dies Auge weilt unter uns: Es heißt Werner Schaarschmidt. Man
kennt weit über Deutschland hinaus aus den ‚Wundern des Schnee-
schuhs‘, den ‚Alpinen Majestäten‘, dem ‚Berg des Schicksals‘ usw. die
gewissenhafte Arbeit dieses seltenen Künstlers des Naturfilms, der in
einer Person Regisseur, photographischer Fachmann und erfahrener
Alpinist ist. Wenige verstehen wie er die Landschaft zum Bilde zu
formen. Er arbeitet mit ihren Stimmungsfaktoren wie der Maler mit
den Farben auf der Palette; er packt den Augenblick, erhascht die
Lichtwirkung, wo er sie findet, ohne Hast, fügt gewissenhaft eine
photographische Vision zur andern, bis eines Tages das fertige Natur-
drama dastehen wird. Doch mit einer einzigen Reise ist das nicht
getan. Oft noch wird das Auto die steile Alpenstraße hinaufklimmen
und an stillen, verlorenen Dolomitseen warten müssen, bis all das bei-
sammen ist, was auf der Kinoleinwand selbstverständlich reizvoll er-
scheinen und doch so viel Zeit und Mühe gekostet haben wird.“

Also was der Meister des Kurbelkastens auf dieser Reise im
Bilde festhielt, das schilderte Peregrin in seinen feuilletonisti-
schen Plaudereien. Fast zur gleichen Zeit fand ich im „Dresdner
Anzeiger‘ eine ähnliche Reiseskizze unter dem Titel: „Mit dem
Kurbelkasten in der Dobrudscha‘. Die Filmaufnahmen waren
im Auftrag des Sächsischen Heimatschutzes gemacht worden,
sie galten dem dortigen jungfräulichen „Vogelparadies‘“. Wir
haben hier also die doppelte Ausnützung ein und derselben
Reise in geschickter Form. Die Anregung ist jedenfalls ausS-
        <pb n="647" />
        PROPAGANDA DURCH DEN FILM

547

gezeichnet. Ich empfehle sie der Beachtung und zur Nach-
ahmung.

Es wird unter den Lesern dieses Buches viele geben, die über
die technische Seite des Werbefilms nicht orientiert sind. Für
sie wird daher von Interesse sein, was Dr. Max Friedländer,
ein guter Kenner des Filmwesens, über Wege zum Werbefilm
ausgeführt hat. Im nachstehenden gebe ich einige seiner
Gedankengänge wieder.

Die Tatsache, daß sich auf dem Gebiete des Werbefilms drei
Kategorien herauskristallisiert haben, läßt eine einheitliche
Norm hierüber zunächst nicht aufstellen. Wir unterscheiden:

1. Den Werkfilm, der lediglich Repräsentationszwecke ver-

folgt.

Den Werbespielfilm, der im Rahmen einer (meist humo-
ristischen) Spielhandlung das zu propagierende Objekt
in den Mittelpunkt des Interesses rückt,

3. Den Werbetrickfilm, der das ins Groteske abgebogene

Gegenstück zum Werbespielfilm darstellt.

Die Wege, die der Werkfilmhersteller beschreiten kann, sind
nicht sehr zahlreich. Im allgemeinen werden ihm die gleichen
Grenzen gesetzt sein, wie dem Industriekulturfilm-Hersteller.

Der Werbespielfilm bietet ungleich mehr Möglichkeiten zur
Entfaltung von individuellem Können seitens des Herstellers.

Merkwürdigerweise ist der Werbespielfilm im Verhältnis zum
Trickfilm sehr wenig gepflegt worden. Wohl hauptsächlich
deswegen, weil man glaubte, daß die Ausdrucksmittel des ersten
beschränkter seien, als die seines grotesken Kollegen. Doch mit
Unrecht!

Ausschlaggebend kann hier nicht die Quantität, sondern die
Qualität der Mittel sein! Die moderne Photographie ist heute
nicht mehr darauf angewiesen, lediglich Wirklichkeit zu
reproduzieren. Die fortgeschrittene Photo-Tricktechnik der
Gegenwart kennt fast kein Hindernis mehr, das ihr verböte,
einen in Wirklichkeit unmöglichen Vorgang bildlich wieder-
zugeben.

Meist wird sich für die Handlung des Werbespielfilms ein
humoristischer Ton empfehlen, da nur in den seltensten Fällen
ein ernster Inhalt sich mit der (meist am Schlusse einsetzenden)
Propaganda vereinbaren läßt.
        <pb n="648" />
        348

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Ein leider nur zu oft übersehener Punkt ist die Norm, daß
die Reklameaktion möglichst an den Schluß des Films verlegt
werden muß, damit die Spannung, die mit dem Einsetzen der
Propaganda meist vorüber ist, solange wie möglich aufrecht-
erhalten bleibe. Gerade hierin gipfelt oft die Schwierigkeit, ein
wirklich gutes Manuskript zu schreiben. Nicht minder wichtig
ist es, die Werbeidee so unaufdringlich wie möglich zu ge-
stalten und dennoch eine eindringliche Propagandawirkung zu
erzielen.

Was vom Werbespielfilm gilt, findet größtenteils auch auf

den (Zeichen-) Trickfilm Anwendung.
_ Der gezeichnete Werbefilm charakterisiert sich hauptsäch-
lich durch seinen grotesken Humor, der auf den Beschauer
durch die Wahrscheinlichmachung des Unwahrscheinlichen
wirkt.

Er hat manches vor dem Werbespielfilm voraus: denn er ge-
stattet groteske Übertreibungen, weil sie bewußt übertrieben
wirken und weil gerade bewußt übertriebene Reklame dem
Publikum oft eher zugänglich ist, als die sachlich-unter-
weisende, aber trocken wirkende Werbeaktion.

In der Schweiz und Italien sind der Fremdenverkehr und das
Hotelgewerbe Deutschland, Österreich sowie den anderen
Fremdenverkehrsländern beim Werbefilm voraus. Deutschland
strengt sich neuerdings aber sehr an. Das erkennt man am
deutlichsten an der starken Zunahme solcher Firmen, die sich
mit Herstellung der verschiedenen Arten von Werbefilmen
befassen. Ich könnte eine ganze Reihe solcher Geschäfte nennen.
Auch die Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung wendet
dem Film seit einiger Zeit rege Aufmerksamkeit zu. Kurz vor
Abschluß dieses Buches ist ein Rhein-Film der Reichszentrale
herausgekommen, der für die Zukunft Gutes verspricht. Ich
kann den Fremdenverkehrsinteressenten nur dringend emp-
fehlen, dem Film, diesem zukunftsreichen Zweige der Propa-
ganda, Beachtung zu schenken.
        <pb n="649" />
        PROTESTE GEGEN FILMREKLAME IM THEATER 649

88. PROTESTE GEGEN FILMREKLAME IM
THEATER

Nachdem ich im vorhergehenden Kapitel den Werbewert der
verschiedenen Arten von Filmreklamen veranschaulicht habe,
ist es für den Hotelbesitzer, Gastwirt und Fremdenverkehrs-
interessenten wichtig, Kenntnis davon zu erhalten, wie das Publi-
kum sich unter gewissen Umständen zu der Filmreklame in
Theatern stellt. In einem Privat-Schauspielhaus zu Dresden,
dem Albert-Theater, wurde wiederholt gegen die dort vorge-
führte Filmreklame protestiert. Die letzten Kundgebungen
nahmen einen besonders erregten Verlauf und arteten in
Lärmszenen aus, wie sie in der Dresdner Theatergeschichte
selten zu verzeichnen gewesen sind. Der Protest steigerte sich,
als ein Theaterbesucher vom zweiten Rang aus eine Ansprache
hielt, und die zahlreichen Besucher auf die schädlichen Wir-
kungen hinwies, die durch solche Ablenkungen, wie sie eine
Filmreklame vor oder zwischen einer geschlossenen Theater-
vorstellung zur Folge haben muß, hervorgerufen werden.

Es ist als eine in der Theatergeschichte noch nicht vorge-
kommene Tatsache festzustellen, daß ein richtiger Theater-
skandal sich ereignete, den aber keine Schauspielpremiere und
keine mißliebige Bühnengröße hervorgerufen hat, sondern ein
Kind der neuesten Zeit, die Filmreklame. Man mag sich zu dem
Vorgang in Dresden stellen wie man will, man mag die Er-
vegung der Theaterbesucher für berechtigt oder nicht berech-
tigt erklären, man mag die spontane Ansprache eines Theater-
besuchers für angebracht oder deplaciert halten, die Tatsache
bleibt bestehen, daß ausgerechnet jene Kreise gegen die Film-
teklame protestiert haben, an die sie sich wendet und für die
sie bestimmt ist. Also ein Zeichen, woran der Reklamefach-
Mann nicht mit einem Achselzucken vorübergehen kann, son-
dern von dem er Kenntnis nehmen muß.
        <pb n="650" />
        550

‘ DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
In vielen Kapiteln dieses Werkes hebe ich nicht mit Unrecht
immer wieder hervor, daß man bei seiner Werbearbeit auf die
Psyche jener Kreise Rücksicht nehmen müsse, die man ge-
winnen will. Es ist klar, daß man wohl schwerlich einen Men-
schen als Gast gewinnen wird, der sich über die Form der
Reklame ärgert. Deshalb mahnt der kleine „Theaterskandal“
in Dresden zur Vorsicht und zum Nachdenken.

Gerade weil die Filmreklame eine ungewöhnlich wirkungs-
volle Art der Werbung ist (das Gebot des „Blickfanges‘‘ findet
wie kaum bei einer anderen Werbung Erfüllung) muß darauf
geachtet werden, daß sie nicht ausarte. Daß sie sich nicht von
vornherein die Sympathien jener Kreise verscherze, die ge-
wonnen werden sollen. Exemplis discimus, an Beispielen lernen
wir, sagt schon ein alter Lateiner, Phädrus. Auch wir wollen
aus dem Dresdner Vorkommnis lernen, daß sich in der weisen
Beschränkung erst der Meister zeigt.
        <pb n="651" />
        Anwendung eigenartiger Schriftform.

Sich verkleinernde Buchstaben und zwei Zeilen untereinander.

Wieder zwei Zeilen untereinander, bei fetter und. magerer
Schrift. mit einer komplizierten Schutzmarke.
        <pb n="652" />
        Die im Text ausführlich beschriebene Fiat Lux-Anlage bei Tage.
Sie fällt überhaupt nicht auf.

Die nächtliche Wirkung der im Text ausführlich beschriebenen Fiat Lux-Anlage.
        <pb n="653" />
        REKLAME DURCH LICHT

89. REKLAME DURCH LICHT
Als der Weltkrieg ausbrach, hatte die Lichtreklame in
Europa technisch eine bemerkenswerte Höhe erreicht, sowohl
im wirklichen als auch im übertragenen Sinne. Die Dachfirsten
der Hotels, Fremdenheime, Restaurants, „Kaffeehäuser, Bars,
Dielen, Tanzsäle usw. sandten Lichtfluten in das Dunkel der
Nacht und wiesen dem Wanderer den Weg. Wer Nachts aus
dem Bahnhof auf die gut erleuchtete Straße trat, konnte wegen
des Findens einer Unterkunftsstätte nicht in Verlegenheit
kommen. Viel eher setzte ihn die Fülle der durch Lichtreklame
sich anbietenden Hotels in Verlegenheit. Vielgestaltig war diese
Reklameform, die nur durch das Wunder der Jetztzeit, den
elektrischen Kraftstrom, möglich geworden ist. Hier strahlendes
Weiß, dort Buntfarbigkeit; hier feststehende Riesenlettern, dort
wechselnde, sich ständig erneuernde Schreibschrift.

Das wurde mit einem Schlage anders, als der Weltkrieg die
furchtbare Kohlennot brachte. In einigen Ländern wurde die
Lichtreklame ganz verboten, in anderen starken Beschränkun-
gen unterworfen. In Deutschland schrieb man den einst feen-
haft erleuchtet und beleuchtet gewesenen großen Hotels und
sonstigen Gaststätten die lächerlich kleine Anzahl der Birnen
vor, die sie im Innern des Betriebes und an den Straßenfronten
brennen durften. Das bekannte Zitat aus Schillers Wallenstein
war Trumpf geworden: Nacht muß es sein. wo Friedlands
Sterne strahlen!

Kein Wunder, daß die Lichtreklame in Vergessenheit geriet,
ihre technische Weiterbildung und Vervollkommnung anderen
Ländern überlassen werden mußte, Auf diesem Gebiete hatten
die Vereinigten Staaten von Nordamerika, leider, die Führung
übernommen. Die zehn Jahre lang buchstäblich im Dunkeln
gehaltenen Deutschen konnten sich kein Bild mehr davon
machen, was unter dem Begriff „Lichtreklame“ eigentlich zu
        <pb n="654" />
        354

DAS HOTEL UND GASTGEWERBE

verstehen ist, was alles geboten werden kann. In einer deutschen
Großstadt, in München, wurde im Herbst 1924 ein Ladengeschäft
eröffnet, in dem ganz neuartige Beleuchtungseffekte ange-
wendet worden waren. Also nicht einmal Lichtreklame, sondern
nur Innenbeleuchtung. Dichte Scharen Neugieriger standen
vor dem Haus und drückten sich an den Schaufenstern die
Nasen. platt. Im Sommer 1914, zehn Jahre früher, würde
höchstens ein Bäuerlein aus Dachau, das zum ersten Mal nach
München kam, Augen und Mund aufgerissen haben! So wenig
waren wir von 1914 bis 1924 an Lichtreklame gewöhnt und
durch Lichtreklame verwöhnt worden.

Iın Herbst 1924 ist diese außerordentlich wirkungsvolle Art
der Reklame von Herrn Bureaukratius wieder freigegeben
worden. Nun konnte sich auch in Deutschland die Phantasie
wieder mit dem Ausdenken verblüffender Lichteffekte an den
Häusern und in der Luft beschäftigen. Nun werden sich auch
die Kurorte, Hotels, Fremdenheime und Gaststätten aller Art
der Lichtreklame wieder bedienen müssen, wenn sie im immer
härter werdenden Konkurrenzkampf erfolgreich bleiben wollen.
Es erscheint mir deshalb angebracht, zunächst einmal auf das
hinzuweisen, was jenseits des großen Teiches, in den Mammut-
städten der U. S. A., New York, Chicago, San Francisco usw.,
auf dem Gebiete der Lichtreklame geleistet wird. Ein In-
dustrieller, der New York und andere amerikanische Groß-
städte besuchte, schilderte seine Eindrücke in einem Vortrags-
abend der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft in fesselnder
Weise.

Jedem Besucher New Yorks, so sagte er, fällt vor allem die
geradezu beispiellose Entwicklung der Reklame auf, die alle
Hilfsmittel der modernen Technik in ihren Dienst stellt. Man
denke sich, daß Flugzeuge hoch oben ihre Kreise ziehen und
aus farbigem Rauch Buchstaben bilden, deren Zusammen-
setzung die Anpreisung irgendeines Fabrikats bildet. Reklame-
bilder sind in riesenhaften Quadraten auf niedrigen Häusern
aufgebaut. Man findet auf drei Stockwerk hohen Häusern 3 bis
4 Stock hohe Reklamebilder. Der Fremde, der abends aus der
Untergrundbahn steigt, sieht einen sinnverwirrenden Reigen
von weißen, roten, grünen und blauen Farben der Lichtre-
klamen, darunter leuchtende Glocken, die zu schlagen scheinen,
leuchtende Vögel mit sich bewegenden Flügeln u. a. m.

Der bekannte Münchner Komiker Weiß Ferdl schilderte
        <pb n="655" />
        Wirkunaosvolle und

doch dezent-vornehme nächtliche Portal-Beleuchtung
(Regina Palast Hotel, München).
        <pb n="656" />
        Nächtliche Reklamebeleuchtung von Ferdinand Hess’ Hotel Österreichischer Hof in Wien.
        <pb n="657" />
        REKLAME DURCH LICHT

557

seine Eindrücke von der New Yorker Lichtreklame wie folgt:
„Am Broadway, in der Nähe der Theater- und Vergnügungs-
lokale, flammt jedes Haus von oben bis unten in Hundert-
tausenden farbigen Lampen auf. Das flimmert, glitzert, läuft,
rollt und springt, daß dir die Augen weh tun. Da fällt vom
zwanzigsten Stock ein Pfeil herab und zeigt dir, wo du deine
Stiefel kaufen sollst. Ganz oben am Dach ziehen drei Eskimo-
buben einen Schlitten mit einer großen, brennenden Flasche,
ein vierter Eskimo schwingt die Peitsche, das Nordlicht flammt
in allen Regenbogenfarben auf, alles rührt und bewegt sich
und hebt sich strahlend vom dunklen Nachthimmel ab. Auf
ainem anderen Hausdach erscheint eine Figur, wird immer
größer und schmaucht mit wohlbehaglichem Schmunzeln eine
Zigarre, pafft den Rauch von sich, und dies alles machen auto-
matisch sich einschaltende Lichtkörper. Riesengroße bemalte
Flächen, größer wie bei uns eine Hausfront, stehen oben auf
den Dächern, so grell beleuchtet, daß man jedes Wort im zwan-
zigsten Stock droben lesen kann. Ein Meer von Lichtern.“

Der suggestiven Macht der Lichtreklame bedient man sich
in den amerikanischen Geschäftskreisen in weitestem Umfange.
Es werden dafür Unsummen ausgegeben. Was für Einnahme
die Stadt New York aus der Lichtreklame hat, ersieht man
daraus, daß die Reklame einer einzigen Firma an Lichtstrom
über 100.000 Dollar jährlich verschlingt.

Es wird wohl noch viel Rhein-, Elbe- und Donauwasser ins
Meer fließen, bis unsere Lichtreklame auf der Höhe der ameri-
kanischen angelangt sein wird. Aber der Hotel- und Fremden-
heimbesitzer, wie überhaupt jeder Inhaber einer größeren Gast-
stätte, wird doch gut tun, sich der Wahrheit des Satzes zu er-
innern, daß man sein Licht nicht unter den Scheffel stellen
soll. Im Gegenteil! Man stecke den Gästen beziehungsweise den
Leuten, die es werden sollen, ein recht helles Licht auf! Man
bediene sich der Lichtreklame wieder innerhalb des Rahmens,
der diesen Betrieben durch die Natur gezogen wurde.

Wenn ich vor dem Weltkriege von einer meiner vielen Reisen
wieder zu den heimischen Penaten zurückkehrte, grüßte mich
schon in der Lößnitz, jenem gesegneten Vorortgelände von
Dresden, das dessen Bewohner mit köstlichem Spargel, pur-
purnen Riesenerdbeeren und wundervollem Obst versorgt, im
nächtlichen Dunkel ein freundlicher, heller Lichtschein. „Bilz“
schrie es in die schwarze Nacht hinaus. Bilz ist das Sanatorium
        <pb n="658" />
        558

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
jenes Naturapostels gleichen Namens, der einst sehr viel von
sich reden machte, Auch seine Lichtreklame redete eine deut-
liche Sprache und erzählte allabendlich und allnächtlich unge-
zählten Tausenden von Reisenden, die sich auf dem eisernen
Schienenstrangederschönen sächsischen Haupt-und Kunststadt
näherten, immer wieder von dem Vorhandensein dieses Bilzes.

Auch ich erzähle davon, weil ich diese Art der Lichtreklame,
allerdings unter Berücksichtigung der inzwischen geschaffenen
technischen Verbesserungen, zurzeit für die geeignetste und
wirkungsvollste halte, um reisenden Menschen das Vorhanden-
sein dieses Hotels oder jener Gaststätte ins Gedächtnis einzu-
hämmern. Unendlich oft bin ich beim Erreichen der Lößnitz,
wenn die Bilz-Lichtreklame auftauchte, von wißbegierigen
Reisenden gefragt worden: „Was ist das?“

Vor den Einfallpforten großer und auch kleinerer Städte
kreuzen sich viel Schienenstränge. Diese bringen täglich neue
Reisende. Ihnen kann eine wirkungsvolle Lichtreklame, an
passender. Stelle angebracht, bevor die riesigen Bogenlampen
der Bahn ihren Dienst antreten. mit Nachdruck verkünden:
Ar

ua SA SE
| e ;
nn 4 x Ab

6 1

»

4

94

A
        <pb n="659" />
        Olektrisch zu beleuchtendes Firmenschild, das sich für Hotels
und Gaststätten aller Art besonders eignet. Taqaufnahme.

Elektrisch beleuchtetes Firmenschild, das sich für Hotels und
Gaststätten aller Art besonders eignet. Zeigt die Wirkung bei Nacht.
        <pb n="660" />
        Beleuchtung eines Gartenetablissements, zugleich als Lichtreklame
        <pb n="661" />
        REKLAME DURCH LICHT

561

Diese gewissermaßen vor den Toren der Stadt angebrachte
[ichtreklame wendet sich nicht nur an den engeren Kreis der
im Ort Ansässigen oder zum Besuche Weilenden. Sie wendet
sich auch an die auf rastlos rollenden Rädern durch die Land-
schaft und die Stadt eilenden Reisenden. Sie ist also wohl die
dankbarste Form der Lichtreklame und wird sich am ehesten
bezahlt machen. Nur begehe man ja nicht den Fehler, zuviel
erzählen zu wollen! Diese Art Reklame verträgt keine Schwatz-
haftigkeit. Ihre Wirkung ist auf Schlagworte gestellt. Lange
Sätze verpuffen wirkungslos. Wenige Worte prägen sich dem
Gedächtnis dauernd ein.

Im Ort selbst, an der eigenen Hausfassade oder am Giebel
des Hauses lassen sich die verschiedenartigsten Lichteffekte ver-
werten. Sie alle aufzuzählen, wäre schon deshalb verfehlt, weil
auch hierbei die Mode schnell wechselt und eines sich nicht für
alle schickt. Nur ein paar der neuesten, wirkungsvollsten und
für die Reklame der Hotels usw. geeignetsten seien hier ge-
schildert. Vorher will ich aber an eine aparte Form der Licht-
reklame erinnern, die zum ersten Male in Amerika angewendet
wurde und vor dem Weltkriege hier und da auch in Europa
auftauchte — aufleuchtete, müßte es richtiger heißen, Es ist
die im Dunkeln leuchtende Speisenkarte. Sie hängt sowohl am
Tage als auch in der Nacht neben der Eingangstür, wird aber
mit Eintritt der Dunkelheit durch eine sinnreiche Vorrichtung
in so helles Licht getaucht, daß sie die Vorübergehenden un-
widerstehlich anzieht. Wie das Licht die Motten. Das soll ja der
Zweck jeder Lichtreklame sein: anziehend zu wirken. Ohne daß
die magisch angezogenen Menschen sich die Flügel verbrennen.

So daß sie wieder und immer wieder kommen können,

Für Hotels und Gaststätten besonders geeignet ist das in
weißen, farbigen oder auch in wechselnden Farben aufflam-
mende und wiedererlöschende Lichtschild am Eingang. Das
plötzliche Aufflammen und Wiedererlöschen übt eine Wirkung
aus, die unbedingte Beachtung fordert. Sie ist geeignet, den
achtlos Vorüberwandelnden in ihren Bann zu zwingen und ihm
zuzurufen: Mich kannst und sollst du nicht übersehen! Da
diese Art der ‚Einzellichtreklame“ teuer ist, wird sie oft auch
so gestaltet, daß sie am hellen Tage ebenfalls wirkt. Und zwar
als Monumentalreklame. Hierbei wird man allerdings zuweilen
auf den Widerstand der Ortsbehörden stoßen, die mit bureau-
kratischem Eifer darüber wachen, daß die Lichtreklame in
        <pb n="662" />
        562

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

ästhetischen Grenzen bleibe, und daß die technische Anlage am
Tage nicht häßlich wirke. Hieran denke man vorher, ehe man
eine solche teure Lichtreklame in Auftrag gibt. Man erspart sich
dadurch die hinterher eintretenden Scherereien.

Zuweilen wirkt der bureaukratische Eifer allerdings nur wie
kleinliche Schikane. Er fällt dem Hotelbesitzer oder Gastwirt,
den die wirtschaftlichen. Sorgen und der ungeheure Steuer-
druck dazu zwingen, verzweifelte Anstrengungen zur Hebung
seines Umsatzes zu machen, mit „väterlicher Fürsorge‘ in die
Arme. Hier ein drastischer Beweis dafür. Die „Münchner
Neuesten Nachrichten‘ veröffentlichten Mitte Dezember 1926
folgende Notiz:

Abgelehnte Dachreklame. Der Besitzer des Regina-Palast-
Hotels beabsichtigte am Dachfirst des Anwesens nachts den
Namen des Hotels in leuchtenden Buchstaben anzubringen;
tagsüber sollte die Aufschrift umgelegt werden. In der Lokal-
baukommission beantragte der Referent die Ablehnung des
Gesuches; das Haus beherrsche ohnedies die Gegend, so daß
eine derartige Reklame nicht erforderlich sei. Der Besitzer
hob demgegenüber hervor, daß die Hotelbetriebe in der
Nähe des Bahnhofes im Sommer überfüllt seien, während
die Hotels in der Stadt leer stünden. Man könne die beab-
sichtigte Reklame um so eher bewilligen, als sie niemand
störe und am Tage von ihr nichts zu sehen sei. In Nürnberg
und überall in der Welt sei diese Reklame üblich. St.-R.
Deisenberger wandte sich dagegen, daß man derartige
Angelegenheiten schematisch abtue; man müsse die Beson-
derheit der Fälle berücksichtigen. Nachdem aber erklärt
worden war, daß nach den ortspolizeilichen Vorschriften
Dachreklamen in München nicht zulässig seien, wurde der
Plan abgelehnt.

Man ersieht hieraus, mit welchen Schwierigkeiten die Licht-
reklame an manchen Orten noch heute zu kämpfen hat. Das
geschah Ende 1926 in 'einer Stadt, für deren wirtschaftliche
Entwicklung und für deren Geschäftswelt der Fremdenverkehr
geradezu Lebensnerv bedeutet!

Der Löwe des Tages auf dem Gebiete der Lichtreklame ist
die sogenannte Wanderschrift. Sie eröffnet Möglichkeiten, an
die man seither nicht einmal in kühnen Träumen zu denken
wagte. Unter meinen verschiedenen Mustern von modernen
Lichtreklamen befinden sich solche dieser aparten Wander-
        <pb n="663" />
        Wirkungsvolle und zugleich originelle Lichtreklame für eine Gaststätle.
        <pb n="664" />
        Links: Lichtreklame für ein Kaffeehaus.
Rechts: Lichtreklame für ein Theater.
Reide schlaaen sich nicht
        <pb n="665" />
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55
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E
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.®

REKLAME DURCH LICHT

565

(Lauflicht-) Lichtreklame. Ich will auch ihrer technischen Aus-
führung im Text einen breiteren Raum widmen, weil sie die
Form der Lichtreklame sein dürfte, die für die Interessenten
des Fremdenverkehrs bis auf weiteres am meisten in Betracht
kommen wird.

Es handelt sich um eine Lichtanzeige ganz neuer Bauart, die
unter dem Namen „Fiat Lux‘ erstmalig in Zürich der Öffent-
lichkeit übergeben wurde, und zwar auf einem Hause des
Bellevueplatzes. Die wiedergegebenen Abbildungen erläutern
anschaulich, wie vielseitig die Darstellungsmöglichkeiten dieser
neuen Bauart sind.

Abbildung „Raucht Turmac“ zeigt die ganz besonders
wirkungsvolle Anwendung eigenartiger Schriftformen.

Abbildung „Schweizer Woche“ zeigt die Anbringung sich
verkleinernder Buchstaben und zugleich die Möglichkeit,
zwei Zeilen untereinander zu bringen.

Abbildung „Radioanlagen Wenger“ zeigt wiederum die
Anwendung von zwei Zeilen untereinander in Verbindung
mit einer gar nicht einfachen Schutzmarke. Zugleich ist hier
auch der Gegensatz fetter und magerer Schrift zum Ausdruck
gebracht.

Es ist interessant, wie diese von einem deutschen Ingenieur
arfundene Form der Lichtanzeige technisch ausgeführt wird.
Jeder Benützer erhält ein Zeichenblatt aus Papier, gemäß der
Abbildung „Das Zeichenblatt“ (wirkliche Größe 54 cm breit),
auf welchem er die gewünschte Schrift aufzeichnet. Jeder kleine
Kreis stellt eine Glühlampe dar. Bei der Zeichnung muß also
beachtet werden, daß die Linienführung stets über die kleinen
Kreise läuft, wie es in der weiteren Abbildung „Kupferberg

AERR N LSMT A

5
A 1.3900
A
N EAESTTERSSESENRC HEN

as Zeiss peemeT” yet 208
„EATLENE SENAT ATSUERTZETTETTE TUN Leere 3A Letig
ARRSESTEISSISTT2ESTTESZETTELETENT QESSESEUREUTURESETSSSUSEUEASUSERSNSSL

Das im Text besprochene Zeichenblatt, auf dem die gewünschte Schrift aufgezeichnet wird.

NERKELICHT A-0

Dasselbe Zeichenblatt mit der aufgezeichneten und zum Vorführen fertigen Schrift.
        <pb n="666" />
        666

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Gold“ mit der Schutzmarke an der Spitze, veranschaulicht wird.
Jede dieser Schaltzeichnungen entspricht einer Textplatte, auf
der die Zeichnung durch Metallstifte wiedergegeben wird, die
in die Löcher der Platte eingesteckt werden. (Die Zahl der
Löcher entspricht natürlich der Zahl der kleinen Kreise auf dem
Zeichenblatt.) Das „Ausstecken‘“ einer Zeichnung 1äßt sich bei
einiger Übung ganz schnell bewerkstelligen, je nach der
Schwierigkeit des Textes in fünf bis zehn Minuten, Die Text-
platten werden dann in den Schaltapparat gelegt und dort
selbsttätig oder mit Hilfe von Wasserkraft in leitende Berührung
mit der Kontaktplatte des Apparates gebracht. Diese weist
natürlich die genaue Zahl und Anordnung der Lochreihen auf,
In jedem Loch ist eine Kontaktfeder angebracht, die bei
Berührung der Textplatte durch einen Stift den Kontakt aus-
löst. Dadurch erscheint dann in Lichtschrift auf der Außen-
anlage genau das gleiche Bild, das durch die Stifte auf der Text-
platte gebildet wurde. Die einzelnen Textplatten werden in
gleicher Weise bereitgelegt, wie man etwa Grammophonplatten
aufhebt. Sie können mühelos ausgewechselt werden.

Die alleinige Herstellerin dieser Fiat-Lux-Lichtreklame ist die
Werbelicht-Akt.-Ges. in Frankfurt a. M., Börsenplatz 9—11, die
mir auch die Unterlagen für diese Beschreibung sowie die
dazu gehörigen Klischees geliefert hat. Zu den Abbildungen,
die eine Einzellichtanlage, eine Wanderlichtanlage, eine Fiat-
Lux-Anlage am Tage und bei Nacht zeigen, ist eine weitere
Erläuterung nicht nötig, sie erklären sich selbst. An dieser
neuesten Form der Lichtreklame ist besonders bemerkenswert
die Möglichkeit, immer neue Ausdrucksarten zu schaffen,
wodurch die Werbekraft lebendig erhalten wird. Es kann also
bei dieser Lichtreklame dieselbe Schriftart wie in den besonders
charakteristischen Reklamen durch Anzeigen, Plakate usw. ver-
wendet werden und es kann eventuell auch das „Kennzeichen“
bei der Lichtreklame aufleuchten.

Die Fiat-Lux-Reklame bietet den für Hotels, Kurorte und
Fremdenverkehrsstädte, die Hüter des landschaftlichen Bildes
sein sollen, nicht zu unterschätzenden Vorteil, daß sie auch am
Tage nicht störend wirkt, also bei den aufsichtsführenden Bau-
behörden keinen Anstoß erregen kann. Die Außenanlage wirkt
wie das Stabgitter eines Dachgartens. Will man die Sache noch
dezenter gestalten, so kann man durch künstliches Blattwerk
den Eindruck des Dachgartengitters noch verstärken. Die Les-
        <pb n="667" />
        Flektrisches Licht mit platzender Rakete. Tagaufnahme.

Elektrisches Licht mit platzender Rakete. Nachtauf nahme
Sie zeigt die einzelnen Phasen des Lichteffekts.
        <pb n="668" />
        Eine im Text besprochene Einzellicht-Anlage (Fiat Lux) bei Tag.
Sie wirkt nicht unvornehm.

Die Wirkung der im Text besprochenen Einzellicht-Anlage (Fiat Lux) bei Nacht.
        <pb n="669" />
        REKLAME DURCH LICHT

509

barkeit der leuchtenden Schrift wird abends und nachts dadurch
nicht beeinträchtigt.

Wer Gelegenheit hatte, die Fortschritte auf dem Gebiete der
Lichtreklame in deutschen, Österreichischen, italienischen,
tschechoslowakischen oder schweizerischen Großstädten usw.
zu beobachten, der weiß auch, daß von einer Verhäßlichung des
Stadt- oder Landschaftsbildes nicht gesprochen werden kann.
Im Gegenteil. Es bietet einen reizvollen und fesselnden Ein-
druck, diese wechselnden Lichtreklamen an sich vorüberfluten
zu sehen. Ich habe diese neueste Form der Lichtreklame in
Berlin, Frankfurt a. M., Dresden, Düsseldorf, München, Basel
und Zürich praktisch angewandt gesehen, und ich kann ihr das
Zeugnis ausstellen, daß sie zurzeit wohl das Beste und Wir-
kungsvollste auf diesem Gebiete ist. Die Interessenten des
Fremdenverkehrs mögen sich dieser neuen und wirkungsvollen
Reklameform deshalb unbedenklich bedienen.

Die A. E. G. (Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft) in Berlin
hat kürzlich eine Erfindung herausgebracht, die einen weiteren
Fortschritt auf dem Gebiete der Leuchtreklame-Technik be-
deutet. Der als Leuchtreklame gewünschte Text kann mühelos
mit Hilfe einer Schreibmaschine erzeugt und jederzeit wieder
ausgelöscht werden. An den Tasten der Schreibmaschine
befinden sich Kontakte, die beim Niederdrücken eine bestimmte
Relais-Anordnung unter Strom setzen, welche nun ihrerseits
jedesmal die für den betreffenden Buchstaben geltende Lampen-
anordnung betätigt. Die einmal erzeugten Buchstaben bleiben
auch beim Wiederhochgehen der Tasten solange bestehen, bis
sie durch den Druck auf eine bestimmte Taste wieder aus-
gelöscht werden. Jedes auf der Schreibmaschine geschriebene
Wort flammt also sofort in Leuchtschrift auf dem Dach
usw. auf.

Bei dieser Gelegenheit sei noch darauf aufmerksam gemacht,
daß man die bekannten Wandel-Leuchtbuchstaben jetzt auch
im Kleinen, zum Beispiel in Schaufenstern, nachahmt. Man 1äßt
die auf einem durchlöcherten Bande erzeugten Buchstaben
durch einen Motor vor einer Glühlampenapparatur vorbei-
ziehen. Diese Vorrichtung ist von der Firma Schwabe &amp; Co.,
Berlin, ausgebaut worden.

Eine weitere originelle Art der Lichtreklame, die ich wenig-
stens kurz streifen will, ist die nächtliche Fassadenbeleuchtung.
Für mondäne Gaststätten könnte sie vielleicht in Betracht
        <pb n="670" />
        570

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
kommen. Für Hotels halte ich sie nicht geeignet, weil die Gäste
dadurch so empfindlich gestört werden würden, daß die an
sich gute Reklamewirkung dadurch aufgehoben wird.

Eine neue Lichtreklameform ist die Verwandlungs-Reklame.
Ihr Hersteller ist die Frima Apparatebau-G. m. b. H. in Stutt-
gart, Ludwigsburger Straße 127, Die Frima ist ein Apparat mit
3 oder 5 Wechselbildern, die automatisch erscheinen und selbst-
tätig wechseln. Sie sollen für jeden Betrieb und für jede Art
Reklame verwendbar sein.

Ich erwähnte bereits die leuchtende Speisenkarte. Ihr ver-
wandt ist das Reklamelichtbild, welches sein Entstehen einem
Projektor verdankt. Für diese Form der Reklame, zu der auch
die, Reklame-Diapositive gehören, empfiehlt sich die Atrar-
Gesellschaft m. b. H. in Berlin W 9, Bellevuestraße 6a. Mit
ihren Projektoren soll jedes Bild (also auch Plakat) und jeder
Text dem Publikum in naturgetreuer Farbe und Form vor
Augen geführt werden können,

Erschöpft ist hiermit das interessante Gebiet der Lichtreklame
noch nicht. Täglich wird neues geboten. Der Hotelier und Gast-
wirt wird gut tun, sehr reiflich zu prüfen, ob das neu Angebotene
auch wirklich geeignet ist. Manche mit großer Begeisterung
angekündigte Neuerung verschwindet sehr schnell wieder vom
Schauplatz ihrer nächtlichen Tätigkeit.

Einen wichtigen Fingerzeig will ich noch geben. Bei der ein-
fachen Lichtreklame, die nur den Namen des Hotels oder der
Gaststätte vom Dachfirst oder vom Giebel aus in die Nacht
hinausruft;, ist mir schon recht häufig ein störender Fehler
aufgefallen. Entweder waren die gewählten leuchtenden Buch-
staben viel zu wenig klar und schlicht in der Linienführung,
um leicht und deutlich gelesen werden zu können, oder sie
waren so eng nebeneinander gerückt, daß man schon aus
geringer Entfernung den Namen nicht mehr zu entziffern ver-
mochte. Die einzelnen Buchstaben verschwimmen in Yer Licht-
flut und man sieht im nächtlichen Dunkel wohl einen hellen,
leuchtenden Fleck, aber der Name wird nicht verraten. Eine
solche Lichtreklame hat nur halbe oder Viertelswirkung, denn
Ziel und Zweck dieser Reklame ist doch nicht, in das nächtliche
Dunkel einen hellen Riß zu machen, sondern den Vorüber-
wandelnden zu verkünden, daß hier das Hotel Kosmos steht.
        <pb n="671" />
        Die im Text besprochene Wanderlicht-Anlage bei Tage.
Man sieht überhaupt nichts davon.

Die im Text besprochene Wanderlicht-Anlage in ihrer nächtlichen Wirkung.
        <pb n="672" />
        <pb n="673" />
        DIE REKLAME AN DER LANDSTRASSE

90. DIE REKLAME AN DER LANDSTRASSE
Die Streckenreklame hatte schon vor dem Kriege eine solche
Ausdehnung erfahren, daß der „Heimatschutz‘“ vielfach Ver-
anlassung fand, sich damit zu beschäftigen. Er wandte sich in
erster Linie gegen jene Reklameauswüchse, die geeignet waren,
das Landschaftsbild ungünstig zu beeinflussen, es zu verhäß-
lichen. Mit voller Absicht stelle ich das an den Anfang dieses
Kapitels. Möchte ich doch den Hotelbesitzern, Kurortleitern und
Fremdenverkehrsinteressenten recht nachdrücklich ans Herz
legen, daß sie berufene Hüter der landschaftlichen Reize ihres
Heimatgebietes sind! Berufene Hüter auch deshalb, weil sie
damit zugleich ihre eigenen Interessen wahren. Es würde wider-
sinnig sein, wollte ein Kurort in seinen Werbeschriften die
Schönheiten der Umgebung preisen, sie aber sozusagen im
gleichen Atemzuge durch unschöne, aufdringliche, markt-
schreierische Streckenreklame entwerten. Diese Mahnung ist
durchaus nicht ungerechtfertigt, denn ich habe Strecken-
reklamen gesehen, gegen die einzuschreiten der Heimatschutz
alle Ursache hat. Man sehe sich mein diesbezügliches „Muster-
beispiel“ an! Es ist ein „Muster“ in abschreckendem Sinne.
Etwas Häßlicheres kann man sich kaum vorstellen. Deshalb
sei hier eingeschaltet, daß die Hotelbesitzer, Kurortleiter und
Fremdenverkehrsvereine es sich zur Aufgabe machen sollten,
die Streckenreklame der Industrie und des Handels ebenso
sorgfältig zu überwachen, wie die eigene. Gegen häßliche Aus-
wüchse müßte mit allen Mitteln eingeschritten werden, wobei
man wohl immer die tatkräftige Unterstützung des Heimat-
schutzes finden wird. An einem Beispiel aus der Praxis will ich
zeigen, wie beachtenswert meine Mahnung ist. Eine Großfirma
der Auto-Brennstoffindustrie in England hat im Herbst 1925
ihre Reklameschilder von allen Landstraßen entfernt! Warum?
Sie stellte fest, daß ihr Absatz infolge dieser Streckenreklame
        <pb n="674" />
        574 DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
zurückgegangen war. Die Kraftfahrer hatten sich über die Ver-
schandelung der Landschaft durch die Reklameschilder so
geärgert, daß sie gerade jene Firma nicht mehr berücksichtigten,
die die umfangreichste Streckenreklame betrieben hatte.

Im Zeitalter des Automobils ist die Streckenreklame tatsäch-
lich noch vielseitiger und umfangreicher geworden. Kommen
doch nicht mehr die Eisenbahnlinien allein in Frage, sondern
auch die meisten Landstraßen! Insbesondere die ausgespro-
chenen Automobilstraßen müssen in den Kreis dieser, bei
geschickter und rücksichtsvoller Ausnützung sehr wertvollen
Reklame mit einbezogen werden. Bei ihr kann zugleich das
Angenehme mit dem Nützlichen verbunden werden. Kurorte,
Sommerfrischen, große und kleine Fremdenverkehrsstädte,
aber auch Hotels können schon in weiter Entfernung vom Ort
mit der Aufstellung von „Wegweisern‘“ beginnen. Auf diesen
Wegweisern, die geschmackvoll, sogar künstlerisch ausgeführt
werden müßten, könnte angekündigt werden:

NACH DEM WELTBEKANNTEN
BAD FROHWINKEL
IDEALE AUTOSTRASSE
NUR NOCH 30 KILOMETER!

Musterbeispiel für die wirkungsvolle Streckenreklame eines Kurortes in Verbindung
mit Entfernungsangabe.
Die Inschrift des „Wegweisers‘“ könnte vielleicht auch noch
drastischer gestaltet werden, was sich namentlich an Kreuz-
wegen gut ermöglichen ließe. Wie, veranschauliche ich durch
mein zweites Musterbeispiel.

Hierfür lassen sich noch mancherlei Kombinationen erfinden,
die wirkungsvoll gestaltet werden können, ohne daß die
Reklame zu aufdringlich hervorsieht und die Landschaft „‚ver-
schandelt‘“ wird.

Eine ebenso originelle wie wirkungsvolle Art von Land-
        <pb n="675" />
        Eine nahezu wirkungslose Streckenreklame, weil die Plakate zu weit ab vom Bahn-
körper angebracht sind. Die im Zuge vorübereilenden Reisenden können sie kaum lesen,
        <pb n="676" />
        4

Interessante und wirkungsvolle „Streckenreklume‘“ des Hotels „Fürst zu Stolberg“ in

Schierke; Die Tafel enthält Plakate über das gesamte Saison-Programm, und sie ist

nahe beim Hotel an einem viel befahrenen und begangenen Straßenkreuzungspunkt
des Kurortes angebracht
        <pb n="677" />
        DIE REKLAME AN DER LANDSTRASSE

57
ALT!!!
SIE FAHREN FALSCH!
Der Weg links führt nach
BAD FROHWINKEL

Musterbeispiel für aparte und originelle Streckenreklame eines Kurortes.
straßenreklame fand ich im Sommer 1926 in dem bekannten
Harzer Kurort Schierke. Herr Georg Schwarz, Besitzer des
Hotels Fürst zu Stolberg, hat an einer stark befahrenen und
begangenen Straßenkreuzung, nahe beim Hotel, eine breite
Reklametafel anbringen lassen. Dort sind nebeneinander Pla-
kate aufgeklebt, alle gut und wirkungsvoll ausgeführt, aus
denen der Beschauer die gesamten Wochen-Programme des
Hotels erfahren kann. Ein ausgezeichneter Gedanke, denn der
Kurgast wird dadurch mit einem Schlage orientiert und kann
sich ebenfalls sein „Wochenprogramm“ zusammenstellen. Für
Saisonhotels mit abwechslungsreichen Darbietungen ist es eine
so gute Einrichtung, daß ich eine Abbildung dieser originellen
und dabei durchaus dezenten „Landstraßen-Reklame“ als
Musterbeispiel wiedergebe.

Meine beim Plakat erteilte Mahnung zu größtmöglicher
Kürze des Textes, zu klarer und auf weite Entfernung gut les-
barer Schrift, zu wirkungsvollen Farbenkontrasten, um dadurch
den in der Reklame so wichtigen „Blickfang“ zu erreichen, ist
bei der Streckenreklame womöglich noch angebrachter. Sie
muß, ganz gleich ob von der Eisenbahn, vom Automobil oder
vom Schiff aus, „im Fluge‘“ genossen werden können. An der
Plakatsäule ist ein Stehenbleiben und näheres Betrachten
möglich. Bei der Streckenreklame dagegen nicht; es sei denn,
daß das Auto gerade eine Panne erlitten hat — dann wird man
aber nicht in der Stimmung sein, sich mit Reklame zu beschäf-
tigen — oder daß der Zug auf offener Strecke hält, was aller-
dings öfter geschieht, als es den eiligen Reisenden lieb ist.
an
        <pb n="678" />
        378

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Ich sagte, die Streckenreklame müsse im Fluge genossen
werden können. Auch das ist buchstäblich zu nehmen. Im Zeit-
alter des ständig wachsenden Flugverkehrs, der sich mehrenden,
regelmäßig bedienten Luftlinien ist auch die aus der Vogel-
perspektive zu betrachtende „Streckenreklame“‘“ keine Utopie
und kein Luftschloß mehr. Natürlich müßten bei ihr ganz
andere Gesichtspunkte gelten als bei der bisher üblichen
Streckenreklame. Aber ebenso gut, wie man senkrechte
Reklame-,,Blickfänger‘“ aufstellte, kann man auch zu wage-
rechten oder „schräg gestellten‘ übergehen, die der Luftschiff-
reisende aus seiner stolzen Höhe studieren könnte. Wobei ich
allerdings daran erinnern muß, daß das Hinunterblicken in die
Tiefe bei vielen Luftschiffreisenden ein Gefühl auslöst, das
bedenkliche Ähnlichkeit mit der Seekrankheit hat, in diesem
Falle aber wohl Sehkrankheit genannt werden müßte. Man
prüfe also zuvor alle Für und Wider, bevor man sich, wenn auch
nicht ewig, aber doch für einen längeren Zeitraum an eine
Streckenreklame aus der Vogelschau bindet. Diese Prüfung ist
überhaupt in jedem Falle angebracht, weil die Streckenreklame
eine besonders markante Eigenschaft des Brillanten hat: sie ist
kostspielig. Hinterher ist es zu spät, den so „zur Strecke
gebrachten Geldern nachzutrauern“,

Der Streckenreklame zuzählen kann man die Reklame in den
Eisenbahnabteilen, in Speisewagen, Schiffskajüten und auf
Bahnhöfen. Zur wirkungsvollen „Auslandsreklame‘“ könnte
man zum Beispiel die Werbung an Grenzstationen ausbilden,
wo die Reisenden wegen der Zoll- und Paßplackereien zu
längerem Aufenthalt gezwungen werden. Aus der goldenen
Vorkriegszeit meiner zahlreichen, gänzlich „paßlosen‘ Aus-
Jandsreisen erinnere ich mich so mancher „Mußestunde‘“ im
Kreise der nicht beliebten Zöllner, in der ich mit wahrer Leiden-
schaft sämtliche erreichbaren Plakate usw. studiert habe. Es
ist übrigens ein probates Mittel, um den Ärger über den erzwun-
genen Aufenthalt abzukürzen. Man darf sich zur Abwechslung
statt über die Zollplackerei über solche Werbeplakate ärgern,
die meinen Grundregeln für das „richtige“ Werbeplakat ins
Gesicht schlagen.

Schließlich sei noch etwas gestreift, was zwar nicht direkt
„Streckenreklame“ ist, aber doch dazu werden kann. Ich meine
jene Tafeln und Schilder, die den Autofahrern die schnelle
Orientierung erleichtern. Es ist auch eine Art „Werbung“, und
        <pb n="679" />
        In der erweiterten Vorhalle des Hauptbahnhofes Erfurt hat die Reichsbahndirektion die gerahmten Werbeplakate der Reichszentrale für Deutsche
Verkehrswerbung an den Wandflächen zwischen den Fahrkartenschaltern angeordnet, so daß die Plakate die Aufmerksamkeit des Reisenden, der im
Beariff ist, die Fahrkarte zu lösen, unmittelbar auf sich ziehen. Also auch eine Art »Streckenreklame«
        <pb n="680" />
        zegen solche Verschandelung des Landschaftsbildes sollten sich die Fremdenverkehrs-
interessenten zur Wehr setzen.

Eine wahllos und geschmacklos überladene Giebelwand. Nicht nur häßlich,
sondern auch fast wirkungslos. infolge der Plakatanhäufung.
        <pb n="681" />
        DIE REKLAME AN DER LANDSTRASSE 681

der Automobilist wird solche Strecken gern wieder befahren -—
dabei auch Einkehr halten — wo er aus dem Vorhandensein
praktischer Orientierungstafeln erkennen kann, daß man dem
Automobilisten wohlgesinnt ist. Einige deutsche Großstädte
haben die Nützlichkeit solcher Orientierungsschilder schon
erkannt, ich nenne als ein Beispiel Dresden, und dem Auto-
mobilisten an geeigneten Stellen den Weg bereitet. Übrigens
dienen sie sich damit auch selbst, was als nicht ganz neben-
sächlich gestreift sei. Je leichter und schneller der Autoführer
sich orientieren kann, desto reibungsloser wird sich der Verkehr
abspielen. So mancher Unfall könnte verhütet werden, der
durch schnelles, plötzliches Halten oder Falschfahren entsteht.

‘Hamburg
45 Km Y —
km

Streckenreklame für ein
Hotel in Verbindung mit
Entfernungsangabe.

Hannover
@ Fahrt vorsichtig!

Streckenreklame für ein Hotel in
Verbindung mit der Mahnung zur
Vorsicht.

Besonders wichtig und notwendig sind derartige Orientierungs-
tafeln in Gegenden mit vielen und unregelmäßigen Straßen-
kreuzungen, wie man sie oft im Weichbilde der Städte findet.
Auch diese Wegweiser könnten sehr wohl so aufgestellt und
ausgestaltet werden, daß ihnen ein gewisser Reklamewert inne-
wohnt. Es wäre zum Beispiel dadurch möglich, daß man mit
dem knappen Wegweisertext eine bildliche oder figürliche
Werbung für den Ort, oder für ein Hotel, verbindet.

Die Ausführung der Streckenreklame befindet sich meistens
in den Händen konzessionierter Firmen oder Gesellschaften,
denn die willkürliche Aufstellung, ohne behördliche Geneh-
migung, wird nur in seltenen Fällen möglich sein. Die Adressen
solcher Firmen oder Gesellschaften findet man, außer in den
einschlägigen Fachadreßbüchern, im Anzeigenteil der Fachzeit-
schriften für Reklame, deren bedeutendste ich bereits in frü-
heren Kapiteln genannt habe.
        <pb n="682" />
        ft

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

91. DIE NEGATIVE REKLAME

Ein Schauspieler soll einem messerscharfen Kritiker gesagt
haben, als dieser ihn längere Zeit weder getadelt noch gelobt
hatte: „Meinetwegen schreiben Sie ungünstig über mich, wenn
Ihnen schon nichts Gutes aus Ihrer giftigen Feder fließen will.
Aber schreiben Sie wenigstens! Schreiben Sie was Sie wollen!
Nur schweigen Sie mich nicht tot. Das wäre mein Tod und ich
würde es nicht überleben! Doch vor einem behüte mich, oh
großer Zeus: Vor der böswilligen Verleumdung!. Die nicht
Kritik, sondern negative Kritik ist.“

Auch dem Hotel, dem Kurort ist es angenehm und es klingt
ihnen lieblich in die Ohren, wenn man von ihnen redet, obwohl
sie weder Schauspieler noch Dramatiker sind. Selbst wenn es
nicht lauter römische Einser sind, die man ihnen ins öffentliche
Zensurenbuch schreibt. Sie wollen gar nicht. das sittsame
Mägdelein, die tugendhafte Frau markieren, die um so höher
in der Achtung steigen, je weniger die Zunge der Öffentlichkeit
sich mit ihnen beschäftigt. Sie werden es mit der Würde und
Höhe des Mädchens aus der Fremde — „Und eine Würde, eine
Höhe entfernte die Vertraulichkeit“ — zu ertragen wissen, wenn
man glaubt, sich in übervertraulichen Kritiken mit ihnen
beschäftigen zu müssen. Aber eines wollen sie sich nicht gefallen
lassen und darin gebe ich ihnen restlos recht:

Sie wollen sich nicht böswillig verleumden lassen! Geschehe
es auch nur aus Unverstand und Gedankenlosigkeit! Aus
Sensationslust! Aus Rechthaberei! Aus irregeleitetem Kritiker-
selbstgefühl! Sie wollen es sich nicht gefallen lassen, daß ihre
kostspielige Zeitungsreklame durch leichtfertige Veröffent-
lichung ungeprüfter Beschwerden nervöser oder verärgerter
Hotelgäste in eine negative Reklame verwandelt wird.

Weil den  wehleidigen Gast im Hotel Neptun oder im
Fremdenheim Nirwana eine Mücke schief angesehen hatte, wird
        <pb n="683" />
        DIE NEGATIVE REKLAME

583

sogleich der ganze künstliche Theaterdonner aufgezogen. Nicht
nur die kleine Mücke, die der Wehleidige für einen Elefanten
hielt, wird in Grund und Boden gedonnert, sondern sämtliche
Hotels und Gaststätten jenes Ortes, ja, der ganze Ort selbst,
werden mit Fluch und ewiger Verdammnis bedroht.

Diese Verallgemeinerung ist es, gegen die man sich immer,
wenn sie verübt wurde, recht kräftig zur Wehr setzen möge.
Man wende sich gegen das einseitige Hinausschreien von Be-
schwerden, ohne daß man es für nötig hielt, den angegriffenen
Teil vorher mit der schüchternen Frage zu belästigen: Was
hast du dazu zu sagen? Verhält die Sache sich wirklich so oder
hat unser Gewährsmann — es kann auch eine Gewährsfrau
gewesen sein — erst durch die berühmte Verärgerungsbrille
gesehen und sich dann auch noch die Vergrößerungsbrille auf-
gesetzt?

In dem Abschnitt „Die heitere oder satirische Episode in der
Kurort-Werbung‘“ habe ich einen Fall, der sich tatsächlich ganz
genau so, wie ich ihn schildere, zugetragen hat, zu einer
grotesken Satire verarbeitet. Er ist typisch für das, was ich in
diesem Kapitel zu geißeln versuche! Ungehörig ist es, wenn
jemand für „seinen“ rein persönlichen Verärgerungsfall die
Allgemeinheit verantwortlich macht und sie zu strafen versucht,
indem er Druckerschwärze verspritzt. Ungehörig ist es, wenn
irgendeine Zeitung sich ohne weiteres zum Sprachrohr solcher
Entrüstungstöne macht, ohne vorher die Wahrheit zu erfor-
schen. Mir kommen solche Zeitungen und Zeitschriften vor wie
der verstorbene sächsische Abgeordnete Julius Kell, der in der
zweiten Kammer einmal gesagt hat: Die Gründe der Regierung
kenne ich nicht, aber ich muß sie mißbilligen! Jene Blätter

kennen die Wahrheit gar nicht, versuchten sie auch nicht zu
erforschen, aber sie sprachen dem angegriffenen Teile ihre
Mißbilligung aus.

Ein viel, viel Größerer als der Abgeordnete Kell, nämlich der
Alte Fritz, dem Toleranz Herzensbedürfnis und nicht nur
Regierungskunst war, hat allerdings einmal das wirklich könig-
liche Wort gesprochen: Gazetten müssen nicht geniert werden!
Aber so hat er es doch nicht gemeint, daß sie das Recht haben
sollen, ohne Verhör Urteil und Recht zu sprechen.

Auch sehe ich den Grund nicht ein, warum gerade die Hotels,
die Bade- und Kurorte, die Wintersportplätze vogelfrei für die
Kritik sein sollen. Hat man es schon erlebt, daß eine Tages-
        <pb n="684" />
        584

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

zeitung oder sonst ein Blatt scharf vom Leder gezogen hat,
wenn Hinz oder Kunz sich über ein persönliches Erlebnis in
einem Basar, in einem Ladengeschäft oder dergleichen beschwert
fühlte? Schließlich haben diese Geschäfte genau denselben
„Öffentlichen“ Charakter wie Kurorte. Hotels. Fremdenheime
oder sonstige Gaststätten.

Aus diesem Buche kann auch der Laie erkennen, sofern er
nur will, daß die Hotels, Fremdenheime und das Gastgewerbe,
daß das vielverzweigte Gebiet des Fremdenverkehrs, also auch
die Kur- und Badeorte, nicht die schlechtesten Kunden aller
jener Wirtschaftszweige sein dürften, die von der Reklame
— — der anderen leben! Da die Hotelbesitzer, die Fremden-
verkehrsinteressenten ihnen also viel zu verdienen geben, ver-
dienen sie dafür doch wenigstens Zubilligung des Rechts, das
auch dem erbärmlichsten Verbrecher gewährt wird, nämlich:
daß man ihn vorher hört, daß er sich verteidigen darf, bevor
man hingeht und ihm das Urteil spricht!

Gazetten müssen nicht geniert werden! Das königliche Wort
soll gelten. Vorausgesetzt, daß die Gazetten sich künftighin
genieren werden, einseitig und verallgemeinernd über Kurorte,
Hotels, Fremdenheime oder Gaststätten zu Gericht zu sitzen.
Wenn sie schon den Gästen dieses Gewerbes ihr Ohr leihen,
dann müssen sie auch den angegriffenen Teil ebenfalls, und
zwar vor der öffentlichen Prangerstellung, hören. Es ist kein
erhebendes Schauspiel, daß man am Morgen auf jemand mit
dem Schießgewehr der einseitig orientierten Kritik schießt und
ihn am Nachmittag freundlich einladet, gegen hohes Eintritts-
geld im Anzeigenteil Platz zu nehmen. Dann darf man sich nicht
wundern, wenn aus der erhofften Reklame geharnischte,
gesalzene und gepfefferte Reklamationen werden.

Auch zu diesem, nicht erfreulichen Thema, das aber doch
angeschnitten werden mußte, wollte ich einige sprechende
Beispiele geben. Die Praxis hat sie in unerfreulicher Fülle
geliefert. Doch ich bin davon abgekommen, weil ich mein Werk
nicht mit solchen Dissonanzen und Mißakkorden abschließen
wollte. Es sei dieses Kapitel deshalb mit dem Rat an alle
Beteiligten abgeschlossen: Man lasse „böswillige Verleum-
dungen‘ der vorgeschilderten Art niemals durchgehen! Man
fordere von der sie verbreitenden Zeitung sachliche und unpar-
teiische Nachprüfung und erforderlichenfalls angemessene
Richtigstellung.
        <pb n="685" />
        DER GESCHULTE REKLAMEFACHMANN

af“
‚3-..

92. DER GESCHULTE REKLAMEFACHMANN

Die Vielseitigkeit der Reklamemöglichkeiten, das ständige
Wachsen des Reklamegebietes sowie die Unsicherheit, die
durch das tägliche Auftauchen neuer Reklameunternehmungen
allmählich eingerissen ist, ließen einen ganz neuen Erwerbs-
zweig entstehen: die Werbe- oder Reklameanwälte, wovon es
zurzeit viele gibt, die wohl als Reklameberater großer Firmen
usw. fungieren, sich aber ihre Unabhängigkeit gesichert haben.
Die Bedeutung dieser sehr zeitgemäßen Berufsgruppe wird dem
Laien wohl am .verständlichsten, wenn er hört, daß es in
Deutschland seit dem Jahre 1908 einen „Verband Deutscher
Reklamefachleute E. V.“ mit dem Sitz in Berlin und vielen
Ortsgruppen innerhalb des Deutschen Reiches gibt. Näheres
über das Wirken dieser Organisation ist im Kapitel „Der Ver-
band Deutscher Reklamefachleute‘“ nachzulesen.

Diese Reklameanwälte übernehmen die Ausarbeitung und
Verteilung von Anzeigen entweder im Auftrage oder auf eigene
Rechnung; Ausarbeitung von Prospekten, Werbebriefen, Pla-
katen usw., kurz aller Arbeiten, die irgendwie mit der Reklame
zusammenhängen. Sie sind entweder selbst gewandte Zeichner
oder haben entsprechende Kräfte an der Hand und sind dem-
zufolge befähigt, wirkungsvolle, von der Alltagsschablone
abweichende Reklameentwürfe zu liefern. Da in jeder größeren
Stadt, sogar in mancher Kleinstadt, derartige Reklameanwälte
zu finden sind, so bietet sich dem Hotelier, dem Fremden-
verkehrsinteressenten usw. die Möglichkeit, sich bei Aus-
arbeitung der Reklame eines solchen Werbefachmannes zu
bedienen. Wenn der Reklameanwalt tüchtig ist und seine Sache
versteht, dann wird sich seine Tätigkeit auch für den Auftrag-
geber bezahlt machen. Man lasse sich frühere Entwürfe vor-
legen, daraus wird man sich am ehesten ein Urteil über seine
Leistungsfähigkeit bilden können.
        <pb n="686" />
        3583

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

93. DIE ANZEIGENZENTRALE DES REICHS-

VERBANDES DER DEUTSCHEN HOTELS,

RESTAURANTS UND VERWANDTER BE-
TRIEBE E. V.

In den Musterbeispielen für Anzeigen sind einige Entwürfe
der Anzeigenzentrale vertreten. Sie gestatten einen flüchtigen
Einblick in das Tätigkeitsgebiet dieser Beratungs- und Ver-
trauensstelle des Hotel- und Gastgewerbes. Es sei mit einigen
knappen Sätzen umrissen:

a) Fachkundige, sachliche und persönliche Beratung in allen
Reklameangelegenheiten. Die Anzeigenzentrale hilft also bei
der Textabfassung, Wahl der Schrift und Satzanordnung der
Inserate; bei Auswahl der Zeitungen und Zeitschriften sowie
sonstiger Reklamemittel; bei der textlichen Ausarbeitung und
der Drucklegung von Falt- und anderen Prospekten, Plakaten,
Empfehlungsbriefen sowie Werbeschriften aller Art.

b) Praktische Unterstützung bei Ausübung der Reklame, und
zwar: durch Weiterleitung der Anzeigen und Reklameaufträge
an die in Aussicht genommenen Stellen zu vorteilhaften Bedin-
gungen und günstigen Preisen; durch gleichzeitige Auswertung
aller jener Wege, die zur Unterstützung der Reklame geeignet,
meistens aber nur dem Eingeweihten (also seit langem in der
Reklamepraxis Stehenden) bekannt und geläufig sind; durch
Übernahme aller Druckaufträge von der Idee bis zur fertigen
Drucksache.

Damit wäre sozusagen das rein Handwerksmäßige aus der
Tätigkeit der Anzeigenzentrale aufgezählt. Mit dieser nützlichen
und anregenden Tätigkeit begnügt sie sich aber keineswegs!
Ihre Ziele sind höher und weiter gesteckt. Das wird am deut-
lichsten klar, wenn ich die drei großen Werbekampagnen
schildere, welche die Anzeigenzentrale in den knapp zwei
Jahren ihres Bestehens inszeniert und technisch durchgeführt
        <pb n="687" />
        DIE ANZEIGENZENTRALE DES REICHSVERBANDES DER HOTELS USW. 687
hat. Diese Werbekampagnen stellten im Hotel- und Gast-
gewerbe etwas so absolut Neues und Ungewöhnliches dar, daß
ein kurzes Verweilen angebracht und notwendig ist.

Die erste große. Aktion ging unter dem Kennwort „Der auf-
merksame Ehemann“. Sie wandte sich an die Männer, an deren
Galanterie appelliert wurde, und an die Frauen, denen ein von
der Küchenarbeit „freier Sonntag“ beschert werden sollte.
Statt vieler Worte verweise ich den verehrten Leser auf das
Kapitel: „Eine Werbekampagne großen Stils. — Der aufmerk-
same Ehemann“, worin ich diese Aktion ausführlich schildere.

Die nächste große Werbekampagne ‘ der Anzeigenzentrale
hatte ein noch großzügigeres Problem als Ziel: Das Wochen-
ende nach englischem Muster in Deutschland einzuführen.
Auch diese Aktion war, in ähnlicher Weise wie der Aufmerk-
same Ehemann, geschickt inszeniert. Leider zeigte sich bei ihr
aber eine Erscheinung, die im Hotelgewerbe öfter beobachtet
werden kann: Uneinigkeit. Der Gedanke stieß dort auf Wider-
stand, wo man sich durch das Wochenende keine persönlichen
Vorteile versprach. Vielleicht eher eine Schädigung fürchtete.
Es muß das hier flüchtig gestreift werden, weil natürlich eine
gewisse Selbstdisziplin und Rücksichtnahme auf die Allgemein-
heit notwendig ist, wenn große Ziele angestrebt werden sollen.

Für verschiedene Hotelbetriebe in Kurorten und Fremden-
verkehrsstädten hat die Anzeigenzentrale im Sommer 1926 eine
Wochenendwerbung organisiert und systematisch durchgeführt.
Auch darüber berichte ich in einem besonderen Kapitel. Die
Angehörigen des Gastgewerbes werden gut tun, diese Idee im
Auge zu behalten. Soweit ich Kenntnis davon erhielt, sind die
Maßnahmen der Anzeigenzentrale geschickt ausgedacht und
ebenso geschickt durchgeführt worden. Wer sich am Wochen-
ende beteiligen will, beziehungsweise wer diesen Gedanken

werbetechnisch auch für den eigenen Betrieb auswerten möchte,
dürfte am besten fahren, wenn er sich vorher mit der Anzeigen-
zentrale in Verbindung setzt.

Die dritte große Werbekampagne behandelte zwei mitein-
ander in Verbindung stehende Motive: Propagierung des deut-
schen :Weines (um seinen Konsum zu heben) und Werbung
für den Besuch der Hotels und Restaurants nach dem Theater.
Das Motto dieser Aktion lautete deshalb auch:

„Nach dem Theater, nach der Abend-Unterhaltung gleite man
” ahlich in die Welt der Wirklichkeit zurück und weile noch
        <pb n="688" />
        A£R

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

ein wenig bei frohem Mahle, bei edlem Trunk, damit auch der

Körper sein Teil bekomme. Das gibt einen guten Stimmungs-

ausgleich, das läßt uns heiteren Sinnes heimkehren und die

Erinnerung an den schönen Abend lange noch in den grauen
Alltag hineinklingen.“

Ähnlich wie beim Aufmerksamen Ehemann hatte die An-
zeigenzentrale auch zu diesem Thema eine Skizze geschaffen,
bestimmt, in den Hotels und Restaurants ausgelegt und auch
sonst möglichst weit verbreitet zu werden. Von der Leipziger
Zeitschrift „Deutsches Land“ war ein Sonderheft „Deutscher
Wein“ herausgegeben worden, dem diese Skizze, auch in Post-
kartenform, ebenfalls beilag. Über das Ergebnis dieser aller-
neuesten Werbekampagne läßt sich noch nichts sagen, da sie
herauskam, als diese Zeilen abgeschlossen werden mußten.

Auch den Kurdirektionen, Bäderverwaltungen sowie Fremden-
verkehrs- und Verschönerungsvereinen steht die Anzeigenzen-
trale mit ihren reichen Erfahrungen, ihren vielseitigen Be-
ziehungen und ihrem tüchtigen Mitarbeiterstabe zur Verfügung.
Namentlich bei der Kollektivreklame, die ich in einem beson-
deren Abschnitte behandle, könnte die Anzeigenzentrale gute
Dienste leisten, um sie so zu gestalten, wie sie ausgeführt werden
müßte, wenn sie den erhofften Erfolg bringen soll. Deshalb
empfehle ich den Kurdirektoren und Verkehrsbureauleitern,
meine praktischen Ratschläge für die Kollektivreklame beson-
ders nachdenklich zu lesen.
        <pb n="689" />
        REICHSZENTRALE FÜR DEUTSCHE VERKEHRSWERBUNG 689

94. REICHSZENTRALE FÜR DEUTSCHE
VERKEHRSWERBUNG

Sitz Berlin W 35. Potsdamer Privatstraße 121 b.

Die Reichszentrale ist eine halbamtliche Schöpfung, an ihr
sind die Deutsche Reichsbahn, die großen, im Deutschen Städte-
tag zusammengeschlossenen Verkehrsstädte, die großen Wirt-
schaftsverbände usw. beteiligt und interessiert. Ihre Werbetätig-
keit soll allen Fremdenverkehrsinteressenten, allen landschaft-
lich reizvollen oder durch Werke der Kunst usw. ausgezeich-
neten Gebieten des Deutschen Reiches gleichmäßig und unpar-
teiisch zugute kommen. Die Reichszentrale ist also keine Stelle,
die für ein einzelnes Hotel, einen einzelnen Kurort oder der-
gleichen die Bearbeitung und Verteilung der Reklame über-
nimmt. Dagegen ist sie zur Entgegennahme und Verwertung von
Anregungen stets bereit; unterstützt berechtigte Wünsche ein-
zelner Landschaftsgebiete oder Städte bezüglich Verkehrsver-
besserungen und dergleichen und leitet sie weiter; berücksichtigt
bei ihren, der Werbung gewidmeten künstlerischen Veröffent-
lichungen die Belange eines Landschaftsgebietes, Kurortes oder
Fremdenverkehrsplatzes.

Besondere Verdienste hat die Reichszentrale um die künst-
lerische und zugleich praktische Ausgestaltung der beiden wich-
tigen Werbemittel: der Plakate und der Werbebroschüre, sich
erworben. Die heute schon über die ganze Welt verbreiteten
Plakate der Reichszentrale mit deutscher, englischer oder
spanischer Beschriftung halten jeder sachlichen Kritik stand,
und sie sind in ihrer ‚sich selbst empfehlenden Form auch die
besten Werber für Deutschland im In- und Ausland geworden.
Die von der Reichszentrale ausgearbeiteten Werbebroschüren
und Faltprospekte — ‚es liegen bereits zahlreiche fertige Hefte
aus allen Teilen des Deutschen Reiches in einer Gesamtauflage
        <pb n="690" />
        390

‘ DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
von zirka zwei Millionen (Oktober 1926) vor — sind zugleich
ein , ausgezeichnetes Lehrmaterial. Bei ihnen sind alle For-
derungen, welche die Neuzeit an gutes Werbematerial stellt,
erfüllt, und alle Fehler vermieden worden, die gerade bei der
Werbebroschüre und beim Faltprospekt mit besonderer Vorliebe
gemacht und immer von neuem wiederholt worden sind. Des-
halb kann ich allen, denen die Herausgabe neuer Werbebro-
schüren usw. anvertraut wurde, nur dringend raten, vorher die
fertig vorliegenden Werke der Reichszentrale zu. studieren, es
wird ihr Schade nicht sein.
Die Deutschen Bilder, ein groß angelegtes Werk der Reichs-
zentrale, haben sich bereits einen festen Platz in der ganzen
internationalen Verkehrswelt erworben. Sie dürften wohl hin-
reichend bekannt sein, so daß ausführlichere Beschreibung sich
erübrigt. Erfreulicherweise bricht sich auch die Erkenntnis
immer mehr Bahn, daß zugleich der deutschen Volkswirtschaft
gedient und geholfen wird, wenn die Deutschen Bilder, auch
Das schöne Deutschland genannt, überall einen würdigen und
auffälligen Platz erhalten. So hat zum Beispiel die Reichsbahn-
direktion Erfurt eine Anzahl gut gerahmter Deutschland-Pla-
kate zwischen den Fahrkartenschaltern in Blickhöhe auf-
gehängt (siehe 90. Kapitel), so daß der zum Warten Verurteilte
sie mit Muße und Genuß betrachten kann. Auch in allen Ab-
teilen der D-Züge hängt jetzt, unter Glas gerahmt, der Eisen-
bahnbildschmuck der Reichszentrale für Deutsche Verkehrs-
werbung, der „Das schöne Deutschland‘ in je drei schönen
Photos zeigt.
Wer irgendwie mit der Auslandswerbung zu tun hat, dem
rate ich, eine kleine Broschüre, betitelt „Werbespiegel‘, auf-
merksam zu studieren. Sie wurde 1926 von der Reichszentrale
für Deutsche Verkehrswerbung herausgegeben, aufgestellt in
der ersten und zweiten Verkehrspolitischem Konferenz, und sie
gibt eine ganze Anzahl nützlicher Fingerzeige für die praktische
Werbearbeit, namentlich für die Auslandswerbung. Schließlich
sei noch erwähnt, daß eine wöchentlich erscheinende Zeitschrift
„Verkehr und Bäder“ die Verbindung der Reichszentrale mit
den Fachkreisen und der Öffentlichkeit herstellt. Mit dem im
Juni 1925 eröffneten Werbebureau der Reichszentrale in New
York (German Railroads Information Office, New York City,
Station „‚G“ 630 Fifth Avenue) wurde der erste Schritt für die
        <pb n="691" />
        Blick in das Informationsbureau der Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung in
New York, 630 Fifth Avenue,
(German Railroads Office.)
        <pb n="692" />
        Das neue Bureau der Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung in London,
19 Regent Street,
(German Railways Information Bureau.)
        <pb n="693" />
        REICHSZENTRALE FÜR DEUTSCHE VERKEHRSWERBUNG 693
Ausgestaltung des ausländischen Werbedienstes der Reichs-
zentrale getan. Ihm hat sich am 1. November 1926 ein zweites
Auslandsbureau in London, German Railways Information
Bureau, angeschlossen; es liegt am Piccadilly Cirkus, Londons
Hauptverkehrsader für den Fremdenverkehr, 19 Regent Street.
Da diese beiden Bureaus, denen hoffentlich recht bald weitere
in anderen Ländern folgen werden, für die Auslandswerbung
außerordentlich wichtig und bedeutungsvoll sind, gebe ich
einige interessante Abbildungen davon wieder.
        <pb n="694" />
        45

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

95. DIE FREMDEN VERKEHRS-
KOMMISSION DER BUNDESLÄNDER WIEN
UND NIEDERÖSTERREICH
Die Fremdenverkehrskommission der Bundesländer Wien
und Niederösterreich wurde auf Grund eines Übereinkommens
der Ländesregierungen von Wien und Niederösterreich ge-
gründet. Das Übereinkommen wurde am 28. Februar 1926
unterzeichnet. Der Arbeitsausschuß der Kommission besteht aus
sieben Mitgliedern, von denen je drei der Wiener Stadtsenat als
Landesregierung und die Niederösterreichische Landesregierung,
eines die Wiener Messe-Aktiengesellschaft ernennt, welcher die
Geschäftsführung der Fremdenverkehrskommission obliegt.
Das von der Wiener Messe A.-G. ernannte Mitglied führt den
Vorsitz.

Aufgabe der Fremdenverkehrskommission ist die Hebung des
Reiseverkehrs aus dem Ausland und innerhalb der Republik
Österreich mit besonderer Berücksichtigung von Wien und
Niederösterreich. Ihr Sitz ist bei der Wiener Messe-Aktiengesell-
schaft, Wien VII., Museumstraße 1. Die Fremdenverkehrskom-
mission wird aber demnächst im Zentrum der Stadt ein Aus-
kunfts- und Kongreßbureau eröffnen, wo sowohl mündliche
wie schriftliche, den Fremdenverkehr und Kongreßveranstal-
tungen aller Art betreffende Auskünfte kostenlos erteilt werden.
Bis zur Eröffnung dieses Bureaus sind alle derartigen Anfragen
an die jetzige Adresse (VII., Museumstraße 1) zu richten.

Trotz der Kürze der Zeit hat die Fremdenverkehrskom-
mission der Bundesländer Wien und Niederösterreich seit ihrem
Bestehen eine außerordentlich rege und erfolgreiche Tätigkeit
im In- und Auslande entfaltet. Mit dem ihr von den beiden
Landesregierungen zur Verfügung gestellten Betrag wurden
Prospekte und Flugblätter hergestellt, Plakatausschreiben er-
lassen und zahlreiche Veranstaltungen in Wien und Nieder-
        <pb n="695" />
        DIE FREMDENVERKEHRSKOMMISSION DER BUNDESLÄNDER WIEN USW. 695
österreich durchgeführt. Für das Jahr 1927 sind derartige Ver-
anstaltungen im großen Stil in Vorbereitung. Hierzu gehören
insbesondere die Festwochen vom 5. bis 19. Juni. In dieser Zeit
wird eine Fülle von künstlerischen, gesellschaftlichen und sport-
lichen Festen in Wien und Umgebung stattfinden. Ihre An-
ziehungskraft wird wohl auch dadurch erhöht werden, daß die
österreichischen Bundesbahnen für diese Zeit eine 50prozentige
Fahrpreisermäßigung für Reisende aus dem Auslande und eine
25prozentige für Reisende aus dem Inlande zugestanden haben.

Die Fremdenverkehrskommission hat im Laufe des Jahres
1926 sich besonders auf dem Gebiete der Veranstaltung von
Kongressen betätigt. Im Jahre 1926 fanden in Wien mehr als
sechzig statt, gegen dreißig im Jahre 1913.

Sie hat ferner ein Bild- und Klischeearchiv eingerichtet,
das insbesondere für Zwecke der Presse dient und von aus-
wärtigen Journalisten sehr rege in Anspruch genommen wird.

Einen besonderen Erfolg hatte der von der Fremdenverkehrs-
kommission im Anschluß an die Wiener Herbstmesse 1926 ver-
anstaltete „Festsonntag‘“, dessen Mittelpunkt ein großer
Trachtenfestzug war, dem fast 500.000 Zuschauer auf der
Wiener Ringstraße beiwohnten.

Die Fremdenverkehrskommission setzte ferner Preise für
sportliche Veranstaltungen und für einen Zeitungsartikel aus,
hat anläßlich der Kongresse reich illustrierte Festschriften
herausgegeben und den Teilnehmern überreicht, hat sich finan-
ziell an dem in London von den österreichischen Bundesbahnen
gegründeten Reisebureau beteiligt, auswärtige Ausstellungen mit
Bildern und Propagandamaterial beschickt und dergleichen
mehr.

Die Fremdenverkehrskommission betreibt, da ihr ausschließ-
lich öffentliche Gelder zur Verfügung stehen, reine Aufwands-
wirtschaft.

Da auch die österreichischen Bundesbahnen neuerdings eine
sehr rege Propagandatätigkeit im Inland, besonders aber im
Ausland entfalten, mögen hierüber noch einige Angaben folgen,
da eine möglichst genaue Kenntnis dessen, was auf diesem Ge-
biete in den verschiedenen Reiseländern geschieht, für alle
Fremdenverkehrsinteressenten wichtig ist. Aus Beispielen kann
        <pb n="696" />
        596

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

man immer lernen. Die österreichischen Bundesbahnen arbeiten
unablässig an der Schaffung von Auskunftsstellen im Auslande.
Die Bundesbahnen haben als erste in Österreich die ganz außer-
ordentliche Dringlichkeit dieser Angelegenheit erkannt, und vor
einem Jahr hat Generaldirektor Dr. Maschat in einem Vortrage
jene Punkte aufgestellt, die den Bundesbahnen seither zur
Richtung dienen, um Österreich die Geltendmachung seiner
Stimme in dem immer lauter tönenden Propagandakonzert der
übrigen Reiseländer zu sichern,

Aus den Erfahrungen, die im letzten Jahre gemacht wurden,
Jäßt sich hervorheben, daß die Österreichischen Auslandsver-
tretungen nicht nur in ihrer engsten Tätigkeit, also bei der Pro-
paganda und bei der Erteilung von Auskünften, sondern auch
darüber hinaus sich bestens bewährt haben. Die Bundesbahnen
stellen ihre Auslandsstützpunkte ganz in den Dienst ihrer Be-
strebungen, Sie verfügen derzeit über folgende Vertretungen:
eine Agentur in London, eine Generalvertretung in Utrecht, eine
Vertretung in Paris und in Rom.

Weiter wurde dem Leiter des Österreichisch-deutschen Reise-
und Verkehrsbureaus in Berlin die Wahrnehmung der öster-
reichischen Reiseverkehrs- und Propagandainteressen anver-
traut. Als nächstes steht die Einrichtung einer Vertretung in der
Schweiz und in Ägypten in Erwägung.

Die Bestrebungen der Bundesbahnen, die Propaganda im
Ausland von festen Stützpunkten aus zu besorgen, spiegeln
sich auch in nunmehr gleichgerichteten Veranstaltungen des
Österreichischen Verkehrsbureaus. Während das Österreichi-
sche Verkehrsbureau bisher nur über je eine eigene Auslands-
filiale in München und in Prag verfügte, wird in Zukunft auch
in Berlin ein eigener Beamter, als Vertreter dieser österreichi-
schen. Gesellschaft, die Reiseverkehrsinteressen wahrnehmen.
Weiter läßt das Österreichische Verkehrsbureau in New York
durch einen eigenen Beamten die Propaganda und Auskunft-
erteilung für Österreich besorgen.
        <pb n="697" />
        Der Messepalast in

Wien, mit den Bureaus der Fremdenverkehrskommission der
Bundesländer Wien und Niederösterreich.
        <pb n="698" />
        C
Ideale Gegend für Pere und Aufenthalt in jeder Jahreszeit

Aachambi Ts aber Romans var rt Verkelrlngen
Herma t an vn as Vakatariracen Yirkeke ve mrait Aürh wen? Lamm

SCH‘

"x
‚ur unentgeltiche Auskunft und Broschüren wende man sich an die
schweizerische Verkehrszentrale, Zürich «er Lausanre

ba
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L w
Ideale Gegend für Reise und Aufenthalt zu jeder Jahreszeit
Auskünfte bei allen Reiseagenturen und Verkebrsbüroe
nein ma de Sichwirrchen Yaykıkrzeninde Zub ars Lumen

starke Verkleinerungen dreier schöner Plakate, die von der Schweizer Verkehrszentrale herausgegeben wurden
Die Originale sind im Tiefdruckverfahren hergestellt
        <pb n="699" />
        DIE SCHWEIZER VERKEHRSZENTRALE 699

96. DIE SCHWEIZER VERKEHRSZENTRALE

Aus ihrem Voranschlag für das Jahr 1927 geht am deut-
lichsten die eminente Bedeutung der Schweizer Verkehrs-
zentrale für dieses alte, internationale Reiseland hervor. Als Ge-
samtausgabe ist die Kleinigkeit von 541.600 Frs. vorgesehen.
Angesichts dieser Zahl kann ich die Neigung nicht unter-
drücken, an den „Riesenbetrag‘“ zu erinnern, den der zweit-
größte Bundesstaat Deutschlands, Bayern, für die „Hebung“ des
Fremdenverkehrs im Jahre 1926 zur Verfügung stellte: ganze
20.000 Mark! Auch die halbe Million Schweizer Franken sind
meines Wissens staatliche Gelder, sie wurden vom schweize-
rischen Verkehrsrat bewilligt. Von diesen 541.600 Frs. sind
mehr als vier Fünftel, nämlich 450.350 Frs., für die Auslands-
werbung bestimmt. Sie werden in Propagandamaterial aller
Art umgewandelt, für Zeitungsanzeigen, Agenturen ‚der
Schweizer Verkehrszentrale. Filmaufnahmen. Ausstellungen
usw. verausgabt.

Die für den Fremdenverkehr und seine Interessenten
wichtigste Aktion der Verkehrszentrale ist nach meinem Emp-
finden die im Jahre 1926 zum ersten Male inszenierte und mit
gutem Erfolg durchgeführte gemeinsame Anzeigenreklame der
bemerkenswertesten Verkehrsplätze der Schweiz. Sie war ver-
schiedener Art, entweder nur Anpreisung der Orte und ihrer
landläufigen Schönheiten, oder sie erfolgte auch gleichzeitig in
Verbindung mit Kollektivreklame der Hotels. Ich habe diese
empfehlenswerte Form der Propaganda im Kapitel „Gemein-
schaftsreklame der Hotels mit dem Kurort“ geschildert, so daß
es mit dieser kurzen Erinnerung sein Bewenden haben kann.

Ein besonderer Hinweis auf verschiedenes Werbematerial der
Verkehrszentrale erscheint mir angebracht, weil daraus An-
regungen zu schöpfen sind: Eine große Touristenkarte der
Schweiz, Maßstab 1 : 600.000, in Form eines Faltprospektes im
        <pb n="700" />
        700

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Folderformat gehalten. An dieser sehr übersichtlichen und
leicht zu verstehenden Karte fallen die ganz wundervoll aus-
geführten Abbildungen schweizerischer Sehenswürdigkeiten,
die Rückseite der Touristenkarte einnehmend, geradezu auf.
An diesen Bildern von fast lebender Plastik könnte gar manche
Stelle in anderen Ländern, der die wichtige Aufgabe der Ver-
kehrspropaganda übertragen ist, durch den Augenschein
lernen, wie die Bilder in Broschüren und dergleichen aussehen
müssen, wenn sie in anderen Ländern wirklich werben sollen.

Eine weitere, außerordentlich interessante Publikation der
Verkehrszentrale, in Verbindung mit dem Verband schweizeri-
scher Verkehrsvereine herausgegeben, ist ein 64 Seiten starkes
Heft: „Schweizer Reisen‘. Es stellt eine Bibliographie der Reise-
literatur dar, die von der Verkehrszentrale, den Schweizer
Transportanstalten, Verkehrs-, Kur- und Hotelier-Vereinen
gemeinsam herausgegeben wurde. Also ein Versuch, die Kennt-
nis von dieser zersplitterten Literatur zunächst einmal zu sam-
meln, wodurch Interessenten ein wirklich nützliches Nach-
schlagewerkchen in die Hand gegeben wird. Dieser Führer
durch die Bibliographie der Reiseliteratur kann vielleicht der
Anstoß zu einer sehr wünschenswerten größeren Konzentration
der Propagandamittel werden. Damit will ich keineswegs die
These aufstellen, daß alles Werbematerial eines Landes von
einer Stelle aus geschaffen werden solle. Davor möchte ich
ernstlich warnen. Die Mannigfaltigkeit der Propagandaschriften
kann zugleich ihr Vorzug sein. Sie verhütet Schablonisierung
und Uniformierung. Was ich im Auge habe, ist ein engerer Zu-
sammenschluß aller der Kräfte, die zwar dezentralisiert sind,
aber doch alle an gemeinsamem Strange ziehen: Propaganda
für ihre Gegend, also doch auch für ihr Land. Gegenseitige
Fühlungnahme, Austausch der Erfahrungen meine ich damit.
In regelmäßig stattfindenden Konferenzen oder Kongressen.
Wie in manchen Propagandamaßnahmen, ist Frankreich auch
auf diesem Gebiete bahnbrechend vorangegangen, indem Anfang
1926 alle mit der Verkehrswerbung betrauten Persönlichkeiten
zu einer Konferenz nach Paris eingeladen worden waren. Die
interessante Aktion war in anderen Ländern ziemlich unbemerkt
geblieben, weshalb ich seinerzeit etwas ausführlicher darüber in
der Presse berichtet habe. Deutschland ist dem guten Beispiele
dann später gefolgt und hat seine erste derartige Verkehrskon-
ferenz in Berlin gehabt.
        <pb n="701" />
        DIE SCHWEIZER VERKEHRSZENTRALE 701
Als mir besonders bemerkenswert erscheinende Veröffent-
lichung der Verkehrszentrale erwähne ich eine kleine Broschüre:
„Die Wintersaison in der Schweiz 1926/27.“ Darin sind sämt-
liche sportlichen und geselligen Veranstaltungen des ganzen
Landes in Kürze zusammengefaßt. Den landesfremden Sports-
freunden und Touristen ist damit ein Nachschlagewerk ge-
boten worden, was nicht nur ihnen, sondern auch dem Lande
gute Dienste erweisen wird. Denn es unterliegt wohl keinem
Zweifel, daß gerade ein solches Heftchen in vielen Lesern den
Wunsch erst wecken wird, dieses Land als Reiseziel zu wählen.
Hier liegt ein wertvoller Fingerzeig für andere Reiseländer!
Dieses Beispiel läßt sich verwerten und ausbauen. Man braucht
sich keineswegs nur auf die Wintersaison zu beschränken.
Wenn dem Ausländer eine solche Konzentration des im ganzen
Lande Gebotenen vor Festsetzung seines Reiseplanes in die Hand
gespielt werden kann, so wird das Heftchen in unendlich vielen
Fällen seine suggestive Wirkung ausüben. Suggestionskraft ist
die beste Eigenschaft des Propagandamaterials.

Die allerneueste Publikation (mir kurz vor Redaktionsschluß
dieses Buches bekannt geworden), ist der „Schweizer Reise-
Almanach 1927“. Das Werk enthält, außer einem mit flotten
Skizzen geschmückten Jahreskalender, einen Saison-Kalender
der schweizerischen Verkehrsstädte und Kur- und Badeorte.
Darin sind genaue Angaben über alle im Jahre 1927 vorge-

sehenen Veranstaltungen zu finden. Also eine außerordentlich
wertvolle Zusammenstellung, wenn man sie vom Standpunkt
des Ausländers, besonders des Überseers, betrachtet. Namentlich
in Amerika, aber auch in Afrika und Asien, beschäftigt man
sich schon im Februar mit den Reiseplänen für die kommende
Touristenperiode. Liefert man den reiselustigen Ausländern
rechtzeitig eine kurz gefaßte, leicht verständliche Übersicht
aller Darbietungen des ganzen Landes, so können die Reise-
dispositionen dadurch günstig, günstig fürs eigene Land, beein-
flußt werden. Ein solcher Führer durch die Veranstaltungen
aller Art muß dem Leser schließlich den Wunsch suggerieren,
mit dabei zu sein! — Der Almanach orientiert ferner in ziemlich
erschöpfender und anschaulicher Weise über die Postauto-

Kurse auf den Alpenstraßen, über die schweizerischen Bahnen

und Schiffahrtsunternehmungen. Dem Fremden wird dadurch

die Möglichkeit geboten, sich schon zu Hause über alles zu
unterrichten, was für ihn wichtig und wissenswert ist. — Auch
        <pb n="702" />
        702 DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

in diesem Almanach stehen die Illustrationen technisch auf sehr
hoher Stufe. Sie können als wirkliches Lehrmaterial für alle
jene bezeichnet werden, die die Notwendigkeit noch nicht er-
kannt haben, bei den Abbildungen nur Allererstklassiges in den
Werbeschriften zu bieten. — Ein sorgfältig ausgewählter
literarischer Teil nimmt dem Buch den Reklamecharakter. Er
wird auch jene veranlassen, in dem Werk zu lesen, die derartige
Propagandaschriften sonst unbeachtet lassen.

Pläne für 1927 sind: Eine Kollektivreklame in Zeitungen der
Cöte d’Azur. Dadurch hofft man an die Fremden heranzu-
kommen, die sich an der Riviera aufhalten. Kein schlechter Ge-
danke. Beabsichtigt sind ganzseitige Anzeigen mit Kopfleiste und
Klischees. Der Gedanke geht von der Zweigstelle der Schweizer
Verkehrszentrale in Nizza aus. Daraus ist zu erkennen, wie
nützlich derartige Vertretungen sind, weil sie die Verhältnisse
an Ort und Stelle studieren können. Ferner wird die Verkehrs-
zentrale eine Bäderkollektivreklame im Ausland veranstalten.

Schließlich erwähne ich. noch, daß die Hauptstelle der
Schweizer Verkehrszentrale sich in Zürich, Löwenstraße 55,
eine weitere Stelle in Lausanne, Grand Pont 2, befindet. Offi-
zielle Vertretungen unterhält die Zentrale unter anderen in fol-
genden Ländern beziehungsweise Städten: Dänemark: Dansk
Reisebureau, Amagertow 24, Kopenhagen; Bennett’s Reise-
bureau A. G., Raadhusplads 47, Kopenhagen; Schweiziske
Touristbureau ‚Alpina‘, Holmens Kanaal 15, Kopenhagen;
Bennett’s Reisebureau A. G., 6 Stor Torv., Aarhus. Finnland:
Finnlands Reisebureau N. Esplanadgatan 21, Helsingfors. Lett-
land: Schweizerisches Konsulat, Valdemara Jela 7, Riga. Nor-
wegen: Bennett’s Reisebureau A. G., 35 Karl Johans Gada, Oslo,
und alle Agenturen. Österreich: Schweizer Verkehrsbureau,
Schwarzenbergplatz 18, Wien; Hamburg-Amerika-Linie, Kärnt-
nerstraße 38, Wien; Internationales Reisebureau Schenker &amp;
Co., Schottenring 18a, Wien; Schweizer Verkehrsbureau,
Schillerstraße 13, Graz. Schweden: Bennett’s Reisebureau,
Skeppbron 22, Stockholm; Nordisk Reisbureau, Operahuset,
Stockholm; Schweiziska Turistbyrau „Alpina‘, Hamngatan 14,
Stockholm; Nordisk Reisbureau, Palace-Hotel, Göteborg;
Nordisk Reisbureau, Storterget 13 A, Malmö. Tschechoslowakei:
Office Suisse du Tourisme, Tylovo nam 1, Prag.

Die Schweizer Bundesbahnen unterhalten offizielle Agen-
turen und Fahrkartenbureaus an folgenden Plätzen des Aus-
        <pb n="703" />
        DIE SCHWEIZER VERKEHRSZENTRALE

703

Jandes: Berlin, Unter den Linden 57/58; London, 11 B Regent
Street, S. W. 1; Paris, 37, Boulevard des Capucines.

Öffentliche Verkehrsbureaus (man vergleiche das Kapitel:
„Adressen von Reise- und Verkehrsbureaus‘) befinden sich in
folgenden schweizerischen Plätzen:

Aarau
Adelboden
Altdorf
Ambri-Piotta
(Leventina)
Amden
Amsteg
Andeer
Andermatt
Appenzell
Arosa
Baden
Basel
Beckenried
Bellinzona
Bergün
Bern
Bex
Biel
Braunwald
Brig
Brunnen
Buochs
Burgdorf
Celerina
Champery
Chäteau-d’Oex
Chexbres
Chur
Davos-Platz
Finsiedeln

Engelberg
Faido
Flims-Waldhaus
Flüelen
Frauenfeld
Freiburg
Frutigen
Genf
Gersau
Glarus
Glion
Göschenen
Grindelwald
Gstaad
Heiden
Hochdorf
Interlaken
Kandersteg
Klosters
Kreuzlingen
Küssnacht
La Chaux-de-
Fonds
Langenbruck
Langenthal
Lausanne
Lauterbrunnen
Lenzburg
Le Pont
Leysin
Lichtensteig

Locarno
Lugano
Lungern
Luzern
Martigny-Ville
Meiringen
Montana
Montreux
Morschach
Mürren
Nesslau
Neuenburg
Neuhausen
Olten
Passuog
Pontresina
Poschiavo
Ragaz
Rapperswil
Rheinfelden
Rorschach
Saignelegier
Salvan
Samaden
Sarnen
Schaffhausen
Schuls-Tarasp
Schwanden
Schwyz
Seelisberg
Si1les.Maria

Silvaplana
Solothurn
Speicher
Spiez
St. Croix-
Les-Rasses
St. Gallen
St. Imier
St. Moritz-Dorf
Territet
Teufen
Thun
Thusis
Trogen
Unterwasser
Vevey
Villars s. Ollon
Vitznau
Vulpera-Tarasp
Wädenswil
Weesen
Weggis
Wengen
Wil
Winterthur
Yverdon
Zermatt
Zug
Zuoz
Zürich
7 weisimmen

Zur besseren Veranschaulichung der illustrativen Tätigkeit
der Schweizer Verkehrszentrale gebe ich die Abbildungen dreier,
von ihr im Jahre 1926 herausgebrachter Tiefdruck-Plakate
wieder. Das Tiefdruckverfahren ist jetzt So vervollkommnet,
daß seine stärkere Heranziehung bei der Herstellung des Pro-
pagandamaterials empfohlen werden kann. Es lassen sich mit
diesem Verfahren, das besonders für Massenauflagen vorteil-
haft ist, schöne und aparte Wirkungen erzielen.
        <pb n="704" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

97. DIE ITALIENISCHE U-N-I-T-I
U-N-I-T-I, Association de Tourisme International, Sitz Rom,
18, Piazza del Popolo (Unione Nazionale Industrie Touristische
Italiane), ist eine internationale, also nicht nur italienische
Organisation. Wenn sie auch italienischen Ursprungs ist, so ist
ihr doch durch ihre fortschreitende Entwicklung jener inter-
nationale Charakter verliehen worden, welcher jeder Organi-
sation zu eigen sein muß, der sich mit dem Problem der Welt-
touristik beschäftigt. Die U-N-I-T-I ist keine Hotelorganisation,
keine Verbindung touristischer Vereine und keine industrielle
Spekulation. Ihr Ziel ist: Zusammenschluß und Unterstützung
aller Industrien, die mit dem Weltfremdenverkehr in Verbin-
dung stehen (Schiffahrtsgesellschaften, Eisenbahngesell-
schaften, Hotels, Reisebureaus und Organisationen für die
Hebung des Fremdenverkehrs). Sie zwingt ihre Mitglieder nicht,
sich an bestimmten Aktionen zu beteiligen, sondern sie stellt
es ihnen frei, sich diejenigen auszuwählen, welche den beson-
deren Erfordernissen ihres Landes oder ihres Betriebes am
meisten entsprechen.

Natürlich ist dieses Programm in fortwährender Entwicklung
begriffen und kann daher nur als Basis angesehen werden.

Die Zugehörigkeit zahlreicher Schiffahrtsgesellschaften,
Eisenbahnen, Hotels und Reisebureaus hat der U-N-I-T-I die
Verpflichtung auferlegt, die besten Kräfte des Fremdenver-
kehrs in allen Ländern der Welt in weitestgehendem Maße zur
Mitarbeit heranzuziehen, weil eine praktische gegenseitige
Unterstützung der Mitglieder immer die Basis dieser Vereini-
gung bleiben soll.

Die Beitrittsbedingungen sind: Zum Beitritt sind nur erst-
        <pb n="705" />
        Herr Gr. Uff. Dr. Ludovico Silenzi, Präsident der U-N-I-T-I, Rom.
        <pb n="706" />
        Blick auf das Schaufenster der U-N-I-T-I in Rom, Piazza del Popolo 168.
        <pb n="707" />
        DIE ITALIENISCHE U-N-I1-T-I

707

klassige Betriebe zugelassen, das heißt solche, die sich mit dem
großen internationalen Verkehr befassen. Auf diese Weise hat
man eine Einheitlichkeit der Interessen schaffen wollen, wie
sie nötig ist, um an einem bestimmten Programm mitzuarbeiten.
Die U-N-I-T-I liefert besondere Beitrittsformulare, die, mit der
Unterschrift der betreffenden Mitglieder versehen, als Mitglieds-
kontrakte gelten. Diese Formulare enthalten die rein formellen
Bedingungen.

U-N-I-T-I-Kongreß. Die Mitglieder vereinigen sich alljährlich
zu einem Kongreß, wo die in gemeinsamer Arbeit erreichten
Resultate und die entfaltete Tätigkeit dargelegt und die zu er-
greifenden neuen Maßnahmen beschlossen werden. Im Februar
1927 fand ein solcher Kongreß in Cairo statt.

Schiffahrtsgesellschaften. Mit vielen Schiffahrtsgesellschaften,
die der U-N-I-T-I angehören, wurden besondere Abmachungen
getroffen.

Die Obliegenheiten der U-N-J-T-I sind:

1. Verteilung von Propagandamaterial. Das Speditionsbureau
verteilt an alle Mitglieder in regelmäßigen Zeiträumen das
Material, welches es von den anderen Beteiligten erhält, und
jedes Mitglied hat die moralische Verpflichtung, dieses Material
in der bestmöglichen Weise den Interessenten zugänglich zu
machen. Ausstellungsorte: Agenturen, Bureaus, Halle, Kasse,
Musiksalon an Bord von Schiffen, Eisenbahnwagen, usw. Mit
Rücksicht auf den enormen Verbrauch, besonders von seiten
der angeschlossenen Schiffahrtsgesellschaften, ist es ratsam, alle
Drucksachen in genügenden Mengen zur Verfügung zu stellen.
Wünsche bezüglich Verbreitung an besonderen Orten können
geäußert werden und werden tunlichst erfüllt.

2, Allgemeine Unterstützung. Auf Wunsch wird die U-N-I-T-I
bei Behörden, staatlichen oder privaten Organisationen zu-
gunsten eines ihrer Mitglieder, einer Stadt oder einer Gegend
vorstellig, deren touristischer Aufschwung eine Mitgliedergruppe
besonders interessiert. Sie vermittelt ebenfalls, wenn es sich
darum handelt, die Geschäftsbeziehungen zwischen zwei Mit-
gliedern enger zu gestalten.

3. Informationen und Adressen, Die U-N-I-T-I steht den Mit-
gliedern jederzeit und für jegliche Auskunft zur Verfügung.
Ihre Zentralstelle besitzt eine reichhaltige Sammlung von nütz-
lichen Adressen, von der die Mitglieder Gebrauch machen
können.
        <pb n="708" />
        08

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

4. Sammel-Propaganda. In verschiedenen Ländern Europas
besitzt die U-N-I-T-I als Mitglieder: die hauptsächlichsten
Eisenbahnen und das offizielle Verkehrsbureau, die wichtigsten
Schiffahrtsgesellschaften, Reisebureaus und Hotels. Sie ist da-
her imstande, in einem solchen Lande eine organisierte Propa-
ganda zu entfalten, die sich als äußerst wirksam erwiesen hat.

5. Presse. Die ausgedehnten Beziehungen der U-N-I-T-I
zur Presse stehen den Mitgliedern zur Verfügung. Als beson-
deren Vorteil betrachtet sie die ihr von amerikanischen Zeitun-
gen gebotene Möglichkeit, regelmäßig das Verzeichnis der
amerikanischen Reisenden zu veröffentlichen unter Angabe des
Hotels, das sie beherbergt. Jede Zeitung wird das Verzeichnis
der Touristen aus ihrer eigenen Stadt veröffentlichen. Dies be-
deutet für die Hotels eine äußerst nützliche Propaganda, um
so mehr, als die Zeitungen bereit sind, regelmäßig redaktionelle
Artikel über die Gegenden zu veröffentlichen, welche die Leser
interessieren.

6. Ausstellungen. Wenn die Umstände es erlauben, organisiert
die U-N-I-T-I besondere Touristen-Ausstellungen zugunsten
ihrer Mitglieder, und zwar unter Mitwirkung von Behörden,
der bedeutendsten Vertreter des Fremdenverkehrs und mit weit-
gehender Unterstützung von seiten der Zeitungen. Außerdem
veranstaltet sie Sammelausstellungen bei Gelegenheit von
Messen, Ausstellungen usw.

7. Personal. Das Personal steht den Mitgliedern zur Ver-
fügung, sei es, um ihnen Fachpersonal zu empfehlen, sei es,
um den Austausch zwischen verschiedenen Betrieben oder Per-
sonal verschiedener Länder zu vermitteln.

8. Mitglieder-Verzeichnis. In der Monatszeitschrift, in Bro-
schüren und Blättern sowie bei jeder anderen sich bietenden
Gelegenheit wird das vollständige Mitgliederverzeichnis ver-
öffentlicht, das auf diese Weise in Hunderttausenden von
Exemplaren verbreitet wird.

Von besonderer Bedeutung ist der in Leder gefertigte
Rahmen, der unter Glas das Verzeichnis der Mitglieder enthält.
Dieser Rahmen, in eleganter Aufmachung, soll in dem Betriebe
jedes Mitgliedes vorzufinden sein. Das Verzeichnis wird fort-
während ergänzt und figuriert außerdem in allen Ausgaben der
U-N-I-T-I, auf Menus, Rechnungen, Broschüren, Löschpapier,
Eisenbahnfahrkarten-Taschen, auf den Drucksachen vieler
Mitglieder und sogar auf Zigaretten, Streichholzschachteln.
        <pb n="709" />
        DIE ITALIENISCHE U-N-I-T-I

709

Das Kennzeichen der U-N-I-T-I ist nicht allein auf den Druck-
sachen, Empfehlungskarten und in der Ausschmückung der
Zimmer einzelner angeschlossener Hotels zu finden, sondern
sogar auf Tellern, Tassen, Tischzeug usw. .

9. Zeitschrift. Als wichtiges Bindeglied ist die Zeitschrift
„U-N-I-T-I“ zu nennen — in drei Ausgaben: Englisch, Franzö-
sisch, Deutsch -—, die sich zur Zeit (Ende 1926) im vierten Jahr-
gange befindet. Sie wird gratis an alle Mitglieder verteilt, denen
elegante, in Gold gepreßte Mappen mit der Aufschrift des be-
treffenden Betriebes zur Verfügung stehen. Sie wird auch an die
hauptsächlichsten Agenturen der Welt, die bedeutendsten Hotels
verschickt und ist an Bord der größten Ozeandampfer zu
finden.
        <pb n="710" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

98. DIE ITALIENISCHE ENIT
Das amtliche italienische Verkehrsbureau (in Italien als ENIT
bekannt, Ente Nazionale Per Le Industrie Turistische, Rom,
Via Marghera Nr. 6) ist mit Gesetz Nr. 610 vom 7. April 1921
gegründet worden, Es hat, laut seinem Gründungsvertrag, eine
sehr wichtige wirtschaftliche Funktion zu erfüllen, und zwar die
Förderung des Fremdenverkehrs nach Italien und die Verkehrs-
propaganda im In- und Auslande. Zu diesem Zwecke wurden
zahlreiche in- und ausländische Reisebureaus im Einverständnis
mit den italienischen Staatsbahnen sowie den wichtigsten ita-
lienischen Schiffahrtsgesellschaften und Kreditanstalten ein-
gerichtet, die ihre Tätigkeit auch außerhalb Italiens entfalten.
Das Italienische Reisebureaukonsortium hat gegenwärtig 57
eigene Ausgabestellen, 19 Informationsbureaus in den wich-
tigsten Städten und Häfen Italiens, 5 Informationsbureaus an
Bord der größeren italienischen Ozeandampfer, 5 Enitbureaus
für den Automobildienst in Norditalien, 24 Dolmetscher, sowie
765 Vertretungen in allen Weltteilen. ENIT steht in engen Ge-
schäftsbeziehungen mit sämtlichen ähnlichen großen Verkehrs-
unternehmungen des Auslandes, wie Mer, Österreichisches Ver-
kehrsbureau, Cedok, Orbis, Bennett, Nordisk, Societe Anonyme
de Tourisme-Budapest, Putnik, usw. Enit ist ein großes Unter-
nehmen, das den Reisenden in jeder Beziehung nützlich sein
will,

Die „ENIT“, Ente Nazionale Industrie Turistische, Rom, ent-
spricht in ihrem Aufbau und ihrer Tätigkeit in etwas der Reichs-
zentrale für Deutsche Verkehrswerbung. Ich schildere sie wohl
am anschaulichsten, wenn ich einige besonders wichtige Daten
aus dem letzten Jahresbericht der ENIT bekannt gebe. Sie ge-
statten einen Einblick in die überaus rege Propagandatätigkeit
[taliens zugunsten seines internationalen Fremdenverkehrs.

Im Jahre 1925 sind durch die ENIT im ganzen 86 Millionen
        <pb n="711" />
        DIE ITALIENISCHE ENIT

{fi

Seiten verschiedenen Propagandamaterials gedruckt worden,
gegen 83 Millionen im Jahre 1924 und 1,7 Millionen Seiten im
Jahre 1900. Darunter befindet sich auch der wertvolle Hotel-
führer, der 2300 Hotels mit Preisen und Bettenzahl sorgfältig
aufführt. Dieser Führer ist im Jahre 1926 viersprachig gedruckt
worden. Jetzt will die ENIT daran gehen, nach dem Vorbild
anderer Länder die Reklame in ausländischen Zeitungen für
italienische Kurorte und Hotels einheitlich zusammenzufassen,
um sie vor Zersplitterung zu bewahren. Ende des Jahres 1925
war der Reiseagenturdienst der ENIT unter Leitung von
Giuseppe Bastianini auf 29 Reisebureaus im Ausland und 19 im
Inland angewachsen; dazu kamen 13 Informationsbureaus,
6 Spezialbureaus für den Autoausflugdienst in der Venezia
Tridentina, 4 Informationsbureaus an Bord von Seedampfern,
3 Subagenturen, 16 Dolmetscherposten und 551 Korresponden-
tenagenturen, von denen 239 sich im Ausland befinden. Die
Bureaus der ENIT im Ausland haben im Jahre 1925 für 44
Millionen Lire italienische Eisenbahnfahrkarten verkauft,
gegenüber 46 Millionen Lire von allen anderen Reisebureaus
zusammen. 55.000 von im ganzen 103.000 Ausweisen für das
heilige Jahr hat die ENIT ausgestellt; sie selbst hat 92 Gemein-
schaftsreisen für 25.764 Personen organisiert und weitere 192
Reisegesellschaften haben sich um Auskunft an die ENIT
gewandt.

Man erkennt aus diesen knappen Angaben, daß die Fremden-
verkehrsinteressenten Italiens in ihrer U-N-I-T-I und in der
ENIT zwei Zentralen für die Propaganda in jeglicher Form
besitzen, um die man sie in anderen Ländern fast beneiden
könnte.
        <pb n="712" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

99. DER VERBAND DEUTSCHER REKLAME-
FACHLEUTE E. V.

Mein Werk würde eine Lücke enthalten, wenn darin nicht
jener Organisation gedacht wäre, die auf dem Gebiete der
Reklame eine bedeutsame Rolle spielen wird. Obwohl der Ver-
band Deutscher Reklamefachleute noch verhältnismäßig jung
ist, er wurde im Jahre 1908 gegründet, hat er doch schon
Ansehnliches geleistet, und wohl nicht zum kleinsten Teil ist es
seinem aufklärenden Wirken zuzuschreiben, daß man bei uns
allmählich anders und richtiger über den Wert und das Wesen
der Reklame zu denken lernt. Hierzu haben vor allem seine
interessanten Reklamemessen (Ausstellungen) sowie die öffent-
lichen wissenschaftlichen Vorträge beigetragen. Als ein ganz
besonderes Verdienst will ich hervorheben, daß der Verband
eine seiner vornehmsten Aufgaben darin erblickt, die Reklame
zu veredeln, sie auf ein künstlerisches Niveau zu heben, und
daß er infolgedessen auch alle Reklameauswüchse sowie jede
unlautere und unreelle Reklame bekämpft. Da gerade das
Hotel- und Gastgewerbe sowie das Fremdenverkehrswesen ein
beliebtes Objekt jener Reklameunternehmer sind, die von vorn-
herein als unlauter bezeichnet werden müssen, so wird der
Kampf des Verbandes auch den genannten Berufsgruppen
zugutekommen.

Es wird nun interessieren, die Mittel und Wege kennenzu-
lernen, womit der Verband Deutscher Reklamefachleute seine
hochgesteckten Ziele zu erreichen hofft. Zu diesen Mitteln
gehören in erster Linie seine Verbandzeitschrift „Die Reklame“,
die ich schon an anderer Stelle empfehlend erwähnte, sowie die
Herausgabe von Werken und Büchern über die Reklame und
verwandter Gebiete. Bei diesen Ausgaben soll nicht an mate-
riellen Gewinn gedacht werden. Nun seien noch die weiteren
Mittel summarisch aufgezählt:
        <pb n="713" />
        Stand des Verbandes Deutscher Reklamefachleute auf der letzten Reichsreklamemesse
        <pb n="714" />
        Zwei, stark verkleinerte,

Umschlagseiten der Zeitschrift „Die Reklame“. Die Originale
sind in Mehrfarbendruck ausgeführt.

Geschäftsstelle des Verbands Deutscher Reklamefachleute. Das Sitzungszimmer in Berlin.
        <pb n="715" />
        DER VERBAND DEUTSCHER REKLAME-FACHLEUTE E. V. 715
Das Verbandsarchiv mit Plakatsammlung sowie die Verbands.
bücherei;

die Veranstaltung von belehrenden Vorträgen, Lehrgängen und
von Versammlungen; Besichtigungen industrieller und gewerb-
licher Anlagen; die Förderung der hochschulmäßigen und sonst
geeigneten Einrichtungen, die auf Aus- und Weiterbildung in
der Reklame und in ihren Hilfsfächern gerichtet sind;

die Aufklärung der Öffentlichkeit und der Presse; Eingaben
an Behörden und gesetzgebenden Körperschaften;

die Veranstaltung von Preisausschreiben, Wettbewerben, Messen,
Ausstellungen, beziehungsweise die Mitwirkung dabei;
statistische Erhebungen über Reklame und Reklamefachleute;
unentgeltlicher Rechtsrat an die Mitglieder in Fach- und
Berufsangelegenheiten;

kostenlose Stellenvermittlung; ;

die Beteiligung an Veranstaltungen und Bestrebungen, die auf
die Förderung der Reklame abzielen,
Man erkennt aus dieser kurzen Schilderung die nicht kleine
Bedeutung, die der genannte Verband auch für das Hotel- und
Gastgewerbe, für. die Kur- und Badeorte sowie das gesamte
Fremdenverkehrswesen hat, denn für sie alle ist eine gute,
wirkungsvolle und richtig aufgemachte Reklame geradezu
Lebensnerv. Es wird bald kein Hotel, keinen Kurort, keine
Fremdenverkehrsstadt mehr geben, die ohne zielsichere Wer-
bung bestehen könnten. Besonders den jungen Nachwuchs des
Hotelgewerbes mache ich auf den Verband Deutscher Reklame-
fachleute und seine Institutionen aufmerksam! Denn die jungen
Leute werden in eine Zeit hineinwachsen, da man von den
Anwärtern auf gehobene Stellungen nicht nur gediegene Fach-
und Sprachkenntnisse, sondern auch ebenso gediegene Kennt-
nisse auf dem Gebiete der Reklame verlangen wird, verlangen
muß! Ich will in diesem Zusammenhange verraten, daß ein welt-
bekanntes, führendes deutsches Hotel in den Tagen, da diese
Zeilen geschrieben wurden, meine Mitwirkung erbat, um den
geeignetsten jungen Mann für eine neu zu schaffende Reklame-
abteilung zu finden. Das dürfte wohl genug erzählen. Erwähnt
sei ferner, daß die vorzüglich geleitete Höhere Hotelfachschule
in Heidelberg, die unter dem Protektorat des Reichsverbandes
der Deutschen Hotels, Restaurants und verwandter Betriebe
steht, dem wichtigen Kapitel Reklame rege Aufmerksamkeit
schenkt.

Auf die Stellenvermittlung des Verbandes (Adresse: Berlin
W 35, Potsdamerstraße 48) habe ich schon in dem Kapitel „Die
        <pb n="716" />
        716

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Anzeige auf dem gastgewerblichen Arbeitsmarkt“ hingewiesen.
Ich erinnere hier nochmals daran, falls man in einem Hotel,
Kurort oder in einer Fremdenverkehrsstadt einen geschulten
Werbefachmann für dauernd oder für gelegentliche Reklame-
arbeiten suchen sollte.

Schließlich sei noch mit einigen Worten der schon erwähnten
„Fachbücherei‘“ des Verbandes Deutscher Reklamefachleute
gedacht. Sie ist außerordentlich reichhaltig. Die Bücherei steht
allen Mitgliedern leihweise unentgeltlich zur Verfügung. Sie
enthält die wichtigsten Werke über folgende Grundthemen:
1. Grundsätzliches und Allgemeines (über Reklamewesen);
2. Werkarbeit, Werbzeugkunde; 3. Anbiet-Leiten: 4. Anbiet-
wesen; 5. Anbietleute; 6. Anbietrecht; 7. Anbietwissenschaft;
8. Anbiet-Unterricht; 9. Sonstiges; 10. Nachschlagwerke; 11. Zei-
tungskataloge.

Um nicht in den Verdacht zu geraten, als habe ich versucht,
für „meinen‘‘ Verband Reklame zu machen, bemerke ich, daß
ich nicht Mitglied bin, da ich diese Zeilen schreibe.
        <pb n="717" />
        DIE TÄTIGKEIT DER ANNONCEN-EXPEDITIONEN 717

100. DIE TÄTIGKEIT DER ANNONCEN-
EXPEDITIONEN

Mit der Ausdehnung der Reklame hat sich natürlich auch der
Kreis ihrer Nutznießer vermehrt. Annoncenexpeditionen gibt es
heute wohl in allen Ländern Europas mehr, als dem wirklichen
Bedarf entspricht. In Deutschland sind viele von ihnen Mit-
glieder des Verbandes Deutscher Annoncenexpeditionen, sie
können den zuverlässigen zugerechnet werden. Das Zeitungs-
gewerbe steht, was ich als gewissenhafter Chronist mitteilen
muß, dem Annoncenexpeditionswesen nicht übermäßig freund-
lich gegenüber. Das dürfte seine Ursache darin haben, daß der
scharfeKonkurrenzkampf der alizuvielen Annoncenexpeditionen
untereinander letzten Endes auf dem Rücken der Zeitungs-
verleger ausgefochten wird. Daß diese sich dagegen wehren, ist
schließlich nicht verwunderlich.

Meine Stellungnahme zu den Annoncenexpeditionen, soweit
die Intentionen dieses Werkes dabei in Frage kommen, sei in
kurzen Worten skizziert:

Diese Anzeigenvermittler können den Hotelbesitzern und
Gastwirten in allen den Fällen gute Dienste leisten, da es sich
um schnellste Weitergabe von Tagesanzeigen handelt. Das sind
in erster Linie Stellenausschreibungen, An- und Verkaufs-,
Pacht- und Verpachtungsankündigungen, Also die sogenannten
kleinen Anzeigen. Namentlich wenn der Auftraggeber mit
seinem Namen nicht hervorzutreten wünscht, auch nicht den
Geschäftsstellen der Zeitungen gegenüber, empfiehlt sich der
Umweg über eine Annoncenexpedition. Bei jeder anderen Art
der Reklame müßte sich aber der Hotelbesitzer und Fremden-
verkehrsinteressent erst fragen, ob er die Verteilung seiner
Anzeigen nicht lieber selbst vornehmen sollte. Sonst müßte er
sich wenigstens für eine Annoncenexpedition entscheiden, bei
der er die absolute Gewähr dafür hat, daß sie dieses besondere
        <pb n="718" />
        18

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Spezialgebiet nach allen Richtungen hin beherrscht. Man darf
niemals außer acht lassen, daß zwischen Reklame und Reklame
große Unterschiede bestehen, und daß die Propaganda für ein
Hotel, ein Fremdenheim, eine Gaststätte, ein Sanatorium, einen
Kurort, eine Fremdenverkehrsstadt ganz anders aufgezogen
werden muß, als für irgendein geschäftliches Unternehmen der
chemischen Branche oder der Textilindustrie usw. Für die
richtige Aufmachung der Reklame eines Hotels oder eines Kur-
ortes gehören Spezialkenntnisse, und man sollte sich deshalb,
will man die Ausarbeitung und Verteilung der Reklame nicht
selbst übernehmen, nur an eine Stelle wenden, wo diese Spezial-
kenntnisse bestimmt vorhanden sind.

Wiederholt habe ich mich bei Vergebung größerer Reklame-
aufträge der Vermittlung von Annoncenexpeditionen bedient.
Dabei bin ich im allgemeinen gut gefahren, nur einmal habe
ich folgende Erfahrung gemacht: Es wurden mir in erster Linie
solche Zeitungen und Zeitschriften als besonders geeignet vor-
geschlagen, die entweder im Verlage der betreffenden Annoncen-
expedition erschienen oder deren Anzeigenteil von ihr gepachtet
war. Nun will ich durchaus nichts gegen jene Zeitungen oder
Zeitschriften sagen; ebenso wenig will ich behaupten, daß ich
schlecht gefahren sein würde, wenn ich die mir empfohlenen
Blätter ohne schärfere Nachprüfung gewählt hätte. Aber es war
in mir. doch die unangenehme Empfindung geweckt worden,
daß man mich nicht über alle Zweifel erhaben unparteiisch und
unbefangen bedient habe. Da das Mißtrauen nun einmal
erwacht war, neigte ich zu der Annahme: Wurden mir nicht
etwa auch solche Blätter bevorzugt genannt, die besonders hohe
Sonderrabatte zugesagt haben?

Reklame ist eine absolute Vertrauenssache! Man muß sich
auf den Vermittler unbedingt verlassen können. Man muß
wissen, daß er seinen Auftraggeber mit absoluter Unparteilich-
keit beratet. Die rechte Hand, die den Reklameauftrag entgegen-
nimmt, darf nicht wissen, was die linke Hand davon für finan-
zielle Vorteile haben wird.

Weil die gute und geschickte Werbung für jeden Gaststätten-
betrieb, für alle Fremdenverkehrsinteressenten eine Lebens-
notwendigkeit ist, hat der Reichsverband der Deutschen Hotels,
Restaurants und verwandter Betriebe, Düsseldorf, die von mir
in einem besonderen Kapitel bereits besprochene Anzeigen-
zentrale geschaffen.
        <pb n="719" />
        SCHUTZVORZUDRINGLICHEN ANZEIGEN WERBERN USW. 719

101. SCHUTZ VOR ZUDRINGLICHEN
ANZEIGENWERBERNUNDZWEIFELHAFTEN
REKLAMEUNTERNEHMUNGEN

Anzeigenwerbern gegenüber beobachte man Vorsicht, wenn
es sich um unbekannte Zeitungen, Zeitschriften und Reklame-
unternehmungen handelt. Namentlich die Neugründungen auf
dem vielbeackerten Gebiete der Gelegenheitsreklame betrachte
man mit kühler Reserve und prüfe genau, bevor man sich durch
Unterschrift bindet. Insbesondere unterschreibe man nur solche
Bestellscheine, die man genau durchgelesen hat. Sie enthalten
zuweilen irgendeine Fußangel, der man nicht mehr entschlüpfen
kann, wenn man durch eigene Unvorsichtigkeit hineingeraten
ist. Eine besonders beliebte, aber auch gefährliche Fußangel der
Bestellscheine unbekannter oder gar unlauterer Reklameunter-
nehmungen ist jener Paragraph, der den Anzeigenauftraggeber
für ein weiteres Jahr oder eine neue Ausgabe oder eine weitere
Serie von Aufnahmen verpflichtet, wenn er das Vertrags-
verhältnis nicht ein Vierteljahr — das ist die übliche Frist! —
vorher gekündigt hat.

Reiseführer, Adreßbücher und ähnliche Verlagswerke tauchen
fast täglich neu auf und senden ihre Anzeigen- und Abonne-
mentswerber aus. Die Gaststätteninhaber versucht man in erster
Linie als Inserenten und Abonnenten heranzuziehen. Hotel-
besitzer, die sich im unklaren über den Wert eines ihnen ange-
botenen Reklamewerkes sind, tun am besten, wenn sie sich vor
Eingehen verbindlicher Verpflichtungen um Rat und Auskunft
an ihre Berufsorganisation wenden. Die Fachverbände des
Gastgewerbes pflegen alle Neuerscheinungen auf. dem erwähn-
ten Gebiete aufmerksam zu verfolgen, um ihre Mitglieder
beraten und vor Schaden schützen zu können. Man bediene sich
also dieser bequemen Gelegenheiten.

Natürlich will ich nicht alle neuen Reklameunternehmungen
        <pb n="720" />
        720

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
über einen Kamm scheren. Es können sich gute Ideen darunter
befinden, die ihren Wert in sich selber tragen. Aber zu der
Warnung glaube ich mich auf Grund langjähriger Beob-
achtungen berechtigt:

Man prüfe besonders kritisch alle jene, in reicher Fülle ange-
botenen Werke, die an unbekannte Interessenten unentgeltlich
verteilt oder versandt werden sollen. Dem geschenkten Gaul
guckt man nicht ins Maul, sagt ein altes, drastisches Sprichwort.
Man kann es dahin variieren, daß geschenkte, also unerbeten
ins Haus geflogene Bücher nur in den seltensten Fällen Beach-
tung finden. Auch ist bei solchen Werken keine Kontrolle über
die Höhe der Auflage, die tatsächliche Verbreitung usw. möglich.
Natürlich wird der Anzeigenwerber darüber die himmel-
blauesten Versprechungen machen. Man braucht sie aber nicht
zu glauben, denn die Tätigkeit solcher Anzeigenwerber endet
bei solchen Eintagsfliegen genau wie die Eintagsfliegen selbst:
Nach einem kurzen, oft verblüffend kurzen Traum. Das
Erwachen wird dann den eingefangenen Inserenten überlassen,
wenn sie sehen, daß auch die grandiosen Erfolge ihrer Reklame
in jenem Eintagswerke nichts als ein schöner Traum waren.

Wer mit häufigen Besuchen von Anzeigewerbern zu rechnen
hat, wer überhaupt öfter inseriert, für den ist es wichtig, über
alle im Anzeigengeschäft üblichen Gepflogenheiten möglichst
genau unterrichtet zu sein. Leider ist das nicht immer der Fall,
oft zum Schaden der Betroffenen. Deshalb gebe ich im nach-
folgenden Kapitel kurze Aufklärung über die Praxis zweier
Adreßbuch-Verlage. Wer sich vor unangenehmen Erfahrungen
bewahren will, beachte es. Ebenso dringend empfehle ich den
wichtigen Abschnitt: „Was jeder Inserent wissen muß“ der
Beachtung aller Interessenten.
        <pb n="721" />
        TRICKS WILDER ADRESSBUCH-UNTERNEHMER 721

102. TRICKS WILDER ADRESSBUCH-
UNTERNEHMER
Es gibt kaum ein zweites Gewerbe, das so von Anreißern und
Anzeigenwerbern für Verlagsunternehmungen aller Art heim-
gesucht wird, wie das Hotel- und Gastgewerbe. Deshalb ist es
nötig, auch in diesem Werk warnend zur Vorsicht gegenüber
derartigen Offerten zu mahnen. Noch wichtiger aber ist es, die
Tricks zu kennen, die jene Anreißer und Werber anwenden,
um ihre Opfer sicher zu machen und zu umgarnen. Wenn man
die beliebtesten Winkelzüge kennt, dann vermag man ihnen
auch am leichtesten zu entgehen.

Wilde Adreßbuch-Unternehmungen erscheinen ziemlich häu-
fig auf der Bildfläche. Um dann ebenso schnell wieder zu ver-
schwinden, sobald der Boden abgegrast ist und die Opfer
gerupft sind. Es ist klar, daß zum Beispiel ein Hoteladreßbuch
nur dann Wert hat und brauchbar ist, wenn alle Hotels lücken-
los darin vertreten sind. Hoteladreßbücher sind für den Reisen-
den natürlich so gut wie wertlos, wenn die Aufnahme in das
Adressenverzeichnis von der Bezahlung einer Gebühr oder von
der Bestellung eines Buches abhängig gemacht wird. Das Buch
ist in solchen Fällen auch für den Hotelbesitzer völlig wertlos.
Schreiber dieses hat im Laufe vieler Jahre sogenannte Hotel-
adreßbücher unter die Finger bekommen, die nichts anderes
waren als Anzeigenbegräbnisse. Begräbnisse deshalb genannt,
weil die Anzeige, oder die Hoteladresse, in jenen Büchern so
ungestört schlummern konnte, wie ein Toter in seinem Grabe.

Nun seien zwei Beispiele aus der Praxis solcher Adreßbuch-
verleger bekannt gegeben, damit der Hotelbesitzer und Gast-
wirt weiß, mit welchen Mitteln gearbeitet wird, um „Kunden
zu werben“. Mit anderen, treffenderen Worten gesagt, um Opfer
einzufangen. Im ersten Fall handelt es sich um einen im April
1926 in Berlin als G. m. b. H. eingetragenen „Ria-Verlag“. Als
        <pb n="722" />
        722

'DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Stammkapital wurde der Riesenbetrag von 5000 Mk. genannt.
Wer jemals etwas Näheres über die Unkosten bei Herausgabe
eines guten, brauchbaren Adreßbuches gehört hat, der weiß
Bescheid, „was‘‘ mit einem solch lächerlich kleinen Betriebs-
kapital geleistet werden kann. Es wird deshalb nicht verwun-
Aern, daß der Verlag Generalvertreter gegen Kaution anstellte.
Diese lassen dann Untervertreter auf die beglückte Geschäfts-
welt los. Da diese Vertreter in den meisten Fällen von der Sache
gar nichts verstehen — vielfach sind es problematische und
gescheiterte Existenzen, zuweilen auch Stellenlose, die einst
bessere Tage sahen — so müssen ihnen natürlich Hilfsmittel,
alias Richtlinien, für ihre Werbearbeit zur Verfügung gestellt
werden. In den Richtlinien des Ria-Verlages soll sich folgender
deutlich redender Satz befunden haben:

„Darum muß jeder, der im Ria-Werke aufgenommen werden
will, auch bezahlen!‘

Diese eine Richtlinie genügt, um die Tendenz des Verlages
zu kennzeichnen. Man weiß, mit wem man es zu tun hat. Es
entspricht durchaus den anständigen kaufmännischen bezie-
hungsweise verlegerischen Gepflogenheiten, daß die Aufnahme
in irgendein Branchen-Adreßbuch niemals von der Bezahlung
abhängig gemacht werden darf, sondern ausnahmslos unent-
geltlich erfolgen muß. Bezahlung verlangt werden darf höch-
stens bei Inanspruchnahme eines größeren als den normalen
Raum oder bei Aufgabe eines Inserates im Anzeigenanhange.
Wobei zu beachten ist, daß der unentgeltlich zur Verfügung
stehende Raum allermindestens für jene Angaben genügen
muß, die der Benutzer des Nachschlagewerkes wissen will und
ohne die es wertlos — für das angegebene Hotel sowie für den
Adreßbuch-Benutzer — sein würde.

Einen tiefen Einblick in die Psyche solcher Verleger, die die
Aufnahme der Adressen von einer Bezahlung abhängig machen,
ermöglicht ein anderer Passus der famosen „Richtlinien“, die,
wohlgemerkt, nur für die Vertreter, keinesfalls für die ahnungs-
los zu erhaltenden Opfer, bestimmt waren. Diese Richtlinien
legen dem vom Vertreter zu bearbeitenden ..Kunden‘“ folgende
Frage in den Mund:

„Wo soll ich bei der schlechten Zeit das Geld für Reklame
hernehmen? Ich kann meine Schulden nicht einmal bezahlen!“

Darauf soll der Ria-Vertreter mit der von ihm erwarteten
Schlagfertigkeit folgendes antworten:
        <pb n="723" />
        TRICKS WILDER ADRESSBUCH-UNTERNEHMER 728
„Sehen Sie! Das liegt daran, daß Sie noch nicht im Ria-Werk
vertreten sind, sonst würden Sie Aufträge aus dem ganzen
Reiche haben. Fragen Sie einmal bei den Ria-Inserenten an,
alle sind mit dem Erfolg zufrieden. Wollen Sie sich von der
Konkurrenz erdrücken lassen, die ihren guten Umsatz dem
Ria-Inserat verdankt? Wenn Sie kein Geld haben, so verkaufen
Sie einen Teil der Ware so schnell und so billig wie möglich,
damit Sie die wenigen Mark für das Inserat bezahlen können.
Der Erfolg wird nicht ausbleiben.“

Im zweiten Fall, Mitte Dezember 1926 bekannt geworden,
handelt es sich um den Verlag für Handel und Industrie Hart-
mann &amp; van Wersch, Berlin, Blumeshof 5, der ein Adreßbuch
der Hotels des Deutschen Reiches herausgeben will, und zwar
halbjährlich. Was dieses „halbjährlich‘“ bedeutet, erhellt aus
der Tatsache, daß dem Hotelbesitzer für eine Anzeige für ein
halbes Jahr die Kleinigkeit von 80 Mk. berechnet wird.
Davon sind 30 Mk. sofort zu bezahlen. In dem freundlichen
Einladungsschreiben an die Hoteliers heißt es:

„Sind wir nach fünf Tagen noch nicht im Besitze Ihrer
werten Antwort, so nehmen wir an, daß Sie mit dem Inhalt
des Schreibens sowie mit den Bedingungen der Veröffentlichung
einverstanden sind. Wir werden uns dann erlauben, den Betrag
von 30 RM., erste Rate vom Totalpreis von 80 RM., für die
erste Anzeige durch die Post erheben zu lassen.‘

Man weiß nun, „wie‘“ es gemacht wird. Es wird dem Hotel
besitzer und Gastwirt in Zukunft leicht sein, die Spreu vom
Weizen zu sondern und den Fallstricken skrupelloser Werber
zu entgehen.
        <pb n="724" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

103. VERSAND DER WERBESCHRIFTEN
Eine der schwierigsten Fragen ist für den Laien, der noch
keine Reklameerfahrung hat, die richtige Verwendung und
Versendung der Werbeschriften. Es genügt nicht, schöne,
wirkungsvolle Faltprospekte, Werbebroschüren, Zirkulare,
Werbebriefe, Empfehlungskarten usw. zu entwerfen und
drucken zu lassen, sie müssen auch richtig verwendet werden.
Einige Winke sind daher am Platze.

In erster Linie kommen die befreundeten Hotels in Betracht,
mit denen man in engeren Beziehungen, wohl gar im Gäste-
austausch steht. Ihnen muß man natürlich ein genügendes
Quantum der neuen Werbeschriften zustellen, und man muß
sie um freundliche Verteilung bitten. Damit ist es aber noch
nicht getan. Eine regelmäßige Kontrolle ist notwendig. Aus
diesem Grunde empfiehlt sich Anlegung einer Kartothek, die
gewissenhaft geführt werden muß, und die es ermöglicht,
über die versendeten Werbeschriften eine gewisse Kontrolle zu
führen. Diese Kontrolle soll Aufschluß darüber geben, wann
die Werbeschriften zum Versand kamen und wann ungefähr
ein neuer Vorrat geliefert werden könnte. Die Kontrolle muß
auch den Verbleib des Materials im Auge behalten, das heißt:
gelegentliche Rückfragen sind ratsam, um festzustellen, ob das
Werbematerial verbraucht und also neuer Nachschub erforder-
lich ist, und um gleichzeitig das befreundete Hotel, beziehungs-
weise den Empfänger des Werbematerials wieder an sich und
sein Haus oder seinen Ort zu erinnern. Derartige Rückfragen
sind selbstverständlich von Zeit zu Zeit überall da am Platze,
wohin Werbematerial gesandt wurde. Also an die befreundeten
Hotels, an Reisebureaus, an Fremdenverkehrsbureaus, an
Schiffahrtsgesellschaften, an Konsulate usw. Die nötigen
Kartothek-Karten legt man deshalb zweckmäßig gleich so an,
daß sie für alle diese Interessenten verwendet werden können,
        <pb n="725" />
        VERSAND DER WERBESCHRIFTEN 7/25

so daß zugleich mit dieser einen Kartothek auch eine volle
Übersicht über das gesamte Werbematerial ermöglicht wird.
Nachstehend gebe ich einen Entwurf für eine solche Kartothek-
Karte.

KARL ÖOTHEK-ENTWURF

Landis

07

Name: ..........

Adresse! .........

Material (Anzahl)...

Gesandt am:......... ..

Erinnert am:...........

Geantwortet am...

VE

Neues Material (Anzahl) ................0.000.00.0000-

Gesandt am un EEE

Bemerkungen:!................
        <pb n="726" />
        7/26

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Um Zweck und Gebrauch dieser Kartothek noch deutlicher
zu,veranschaulichen — denn sie ist wichtig, aber auch wertlos,
wenn sie nicht richtig geführt und regelmäßig vom Besitzer des
Hotels, vom Kurdirektor oder Verkehrskommissär kontrolliert
wird — lasse ich noch eine ausgefüllte Karte folgen. Sie
spricht wohl so deutlich, daß weiteres zu dieser Kartothekfrage
sich erübrigt. Höchstens sei noch der Hinweis gestattet, daß
man die Kartothek erst nach Rücksprache mit einer auf diesem
Gebiete besonders erfahrenen Spezialfirma, zum Beispiel
Henss &amp; Sohn (Henssson) in Weimar, anlegt. Es gibt ver-
schiedene Systeme: horizontal, vertikal, die jedes ihre Vorteile
und Nachteile haben. Man entscheide sich dann für eine Form,
die den eigenen Wünschen, vor allem aber dem Betrieb
entspricht. Einschalten will ich noch, daß die briefliche Gäste-
werbung, bei der Werbematerialversendung ebenfalls in Frage
kommt, ein besonderes Kapitel ist, und daß deshalb eine weitere
Kartothek-Karte nötig wird, die nur für Gäste, beziehungsweise
für Persönlichkeiten, die es werden sollen, bestimmt ist. Wer
eine doppelte Kartothek nicht anzulegen wünscht, hat die
Möglichkeit, in meinem Muster ein paar entsprechende Kolonnen
einzuschalten oder kleine Änderungen vorzunehmen, so daß die
Karte auch für die Gäste gebraucht werden kann.

In Deutschland gibt es noch zwei Möglichkeiten, Werbebriefe
und Werbematerial zum Versand zu bringen. Es handelt sich
um Einrichtungen der Deutschen Reichspost. Die eine davon,
mit dem originellen Namen
WURFSENDUNGEN.

erscheint mir für die genannten Zwecke nicht besonders
geeignet, weshalb ich mich nur kurz mit ihr beschäftige.
Immerhin hielt ich es für angezeigt, davon Notiz zu nehmen.
Diese Wurfsendungen, also die kuvertierten Werbebriefe, das
kuvertierte Werbematerial, werden der Post ohne Aufschrift
übergeben. Die Verteilung übernimmt die Post, und zwar liegt
sie letzten Endes in den Händen der Briefträger. Der Absender
hat nicht den geringsten Einfluß darauf, an wen und an welche
Kreise die „Wurfsendungen‘‘ gelangen, Es ist also wirklich ein
glücklicher „Wurf“, wie dreimal sechs Augen beim Würfelspiel,
wenn eine Sendung den richtigen Empfänger erreicht. Diese
Angaben dürften wohl genügen, so daß jeder Hotelier, Kurort-
        <pb n="727" />
        VERSAND DER WERBESCHRIFTEN

AUSGEFÜLLTE KARTOTHEK-KARTE

Land:...... Amerikanern Henn Ort: New York sn

Name:......German Railroads Information Office ............

Adresse:......Station „G” 680 Fifth Avenue.......

Material (Anzahl) ......200 Faltprospekte. 75 Werbebroschlref essen
= ....900 EmpfehlungsKkarten. 200 VATS 7721 A

Gesandt am:.....2. Oktober 1920...........-

Erinnert am:.....5. Dezember 1020.........

Geantwortet am:......20; Dezember 770)

Was? ......Das gesandte Material ist bis auf einen Kleinen Rest verteilt. Sofortige
Übersendung neuen Materials ratsam, weil die neue Werbekampagne vor
der Türe.

Neues Material (Anzahl) ......300 Faltprospekte. 200 Werbebroschüren.....................
aaa ana eena S00 Empfehlungskarten. 500 Zirkulare.................
500 AnsichtspostKarten.........

Gesandt am:.....22. Dezember 1920 ......
Damerkungen:...... Anfang Februar 1027 ist erneut anzufragen........ RE
        <pb n="728" />
        728

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
leiter usw. sich ein Urteil darüber bilden kann, ob „Wurf-
sendungen‘ für ihn geeignet sind oder nicht.

Neuerdings ist die Deutsche Reichspost aber mit einem neuen
Plan herausgekommen, der vielleicht eher geeignet ist, von den
Hotelbesitzern und Fremdenverkehrsinteressenten beachtet und
eventuell benützt zu werden. Diese neue Einrichtung nennt sich

PRÜFEN VON ANSCHRIFTEN.

Es ist wohl das Einfachste, wenn ich die Bedingungen in
kurzem Auszug hier wiedergebe, wie sie Postinspektor
F Schneider, Dresden, in einem Aufsatz geschildert hat:

Die Anschriften, deren Prüfung und Berichtigung durch die
Post beantragt wird, sind einzeln auf Karten in der ungefähren
Größe und Stärke der Postkarte anzubringen, doch ist es auch
zulässig, Briefumschläge und Streifbänder mit Anschrift oder
die einzelnen Blätter einer Anschriftenkartei zur Prüfung vor-
zulegen. Es ist dem Auftraggeber freigestellt, bei welchem Post-
amt er die Anschriften einliefern will.

Die im Bereiche des Einlieferungs-Postamtes zu prüfenden
Anschriftenkarten usw. können unverpackt übergeben werden;
die für andere Postämter bestimmten müssen je nach ihrem
Gewicht als Brief oder Paket postordnungsmäßig verpackt sein.
Für Postagenturen bestimmte Anschriftenkarten sind denen für
die Abrechnungs-Postämter beizufügen und besonders zu
kennzeichnen. Welchen Abrechnungs-Postämtern die Post-
agenturen zugeteilt sind, kann vorher bei der Einlieferungs-
Postanstalt erfragt werden. Bei der Versendung als Paket ist
die Beigabe einer Paketkarte nicht erforderlich.

Jede Sendung ist vom Auftraggeber mit einem weißen Zettel
zu bekleben, der die Aufschrift trägt: .. ..... Stück
Anschriften zur Prüfung

DACH - 2 4 4 4 a ; 4
(Bestimmungs-Postamt)
AT %
 Pfg
Gebühren verrechnet.

In jede Sendung ist obenauf eine vom Auftraggeber auszu-
fertigende Mitteilung in Form des nachstehenden Musters zu
legen:
        <pb n="729" />
        VERSAND DER WERBESCHRIFTEN

123

„MITTEILUNG“
Das Postamt in..........+.., wird gebeten, die
beiliegenden ...... Stück Anschriften unter den von der
Deutschen Reichspost im Amtsblatt des Reichspostministeriums
Nr. 66 von 1926 veröffentlichten und von mir als rechts-
verbindlich hiermit ausdrücklich anerkannten Bedingungen zu
prüfen.
+4]

‚9

(Unterschrift des Auftraggebers)

Postamt ..

den

3
Zurück nach. .
Stück Anschriften richtig — weniger — mehr eingegangen
und geprüft.
L V-&gt;

Die Mitteilung kann in Karten- oder Blattform hergestellt sein.

Für Orte mit mehreren Zustell-Postämtern sind die Sen-
dungen mit Anschriftenkarten an dasjenige Postamt zu richten,
das für die Verteilung der Wurfsendungen zuständig ist. Welche
Orte hierbei in Frage kommen, ist durch die Postanstalten zu
erfahren.

Die Anschriftenkarten sind, sofern es sich um 50 oder mehr
handelt, innerhalb jeder Sendung geordnet nach Straßen und
Hausnummern, solche ohne diese Angaben geordnet nach der
Buchstabenfolge der Empfängernamen zu legen und so zu
bündeln, oder in anderer Weise übersichtlich derart zusammen-
zufassen, daß ihre Stückzahl leicht festgestellt werden kann.

Bei der Einlieferung ist eine Liste, deren Einrichtung bei
jeder Postanstalt erfragt werden kann, in doppelter Ausfertigung
mit vorzulegen. Die Formblätter zu dieser „Liste“ und der
„Mitteilung“ werden amtlich nicht geliefert; ihre Beschaffung
bleibt den Auftraggebern überlassen.

Die Gebühr für das Prüfen von Anschriften beträgt 2 Pfg.
für das Stück unter Aufrundung des Gesamtbetrages auf volle
10 Pfennig, mindestens 1 Mark für Sendungen nach ein und
demselben Postamt; außerdem ist die Beförderungsgebühr für
        <pb n="730" />
        730

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

die Hin- und Rücksendung als Brief oder Paket mit der
doppelten Briefgebühr oder der doppelten Paketgebühr (nach
der Entfernungszone) bei der Einlieferung vorauszuentrichten.
Dem Auftraggeber kann auf Verlangen eine Bescheinigung über
den bezahlten Betrag erteilt werden. Die vom Auftraggeber
vorzubereitende Bescheinigung wird kostenlos erteilt. Ergibt
sich bei der postmäßigen Feststellung der Stückzahl am
Bestimmungsort ein Unterschied gegen die Angaben des
Absenders, so wird nachträglich ein Ausgleich durch Nach-
erhebung oder Erstattung des Unterschieds an Gebühren herbei-
geführt, wobei die Feststellungen der Post maßgebend sind.
Unterschiede von zusammen weniger als 10 Pfennig bleiben
unberücksichtigt. Für Anschriften, die nicht ermittelt werden
können, wird die Gebühr nicht erstattet. Im Falle des Verlustes
einer Sendung wird der volle dafür erhobene Gebührenbetrag
erstattet, irgendein weiterer Ersatz aber nicht geleistet.

Meiner Ansicht nach könnte diese neue postalische Ein-
richtung, das Prüfen von Anschriften, für Hoteliers und
Fremdenverkehrsinteressenten dann. in Frage kommen und
auch nützliche Dienste leisten, wenn man Werbebriefe und
Werbematerial an Persönlichkeiten verschicken will, von denen
man nur den Namen, Stand und Wohnort, aber nicht die nähere
Adresse kennt. Das würde zum Beispiel dann der Fall sein,
wenn man die Namen den Fremdenlisten anderer Kurorte und
anderer Städte entnimmt.

Für die Verteilung des Werbematerials kämen dann, außer
der direkten Versendung an bestimmte Persönlichkeiten, die
guten, soliden Reisebureaus, die Verkehrsbureaus, die großen
Tageszeitungen -— von denen verschiedene eine Art Reise-
bureaus oder wenigstens Auskunftsstellen unterhalten — die
großen Schiffahrtslinien (auch der Flüsse und Binnenseen), im
Ausland auch vielfach die Werbebureaus der Eisenbahn-
gesellschaften, sowie die Konsulate in Betracht. Die Auslands-
konsulate verschiedener Länder haben sich bereit erklärt, in
Fremdenverkehrsfragen Auskunft zu erteilen, sowie die Ver-
teilung von Werbematerial zu übernehmen. Da es heutzutage
ein fast überreiches Angebot an Adreßbüchern aller Art gibt,
so ist es nicht schwer, sich die einschlägigen Adressen zu
verschaffen.
        <pb n="731" />
        ERFOLGSKONTROLLE DER PROPAGANDAMASSNAHMEN 731

104. ERFOLGSKONTROLLE
DER PROPAGANDAMASSNAHMEN
Der Generaldirektor eines führenden Hotels von internatio-
nalem Ruf bat mich, einen geschülten, jungen Reklamefach-
mann zu empfehlen. Ihm sollten, unter Leitung des General-
direktors und eines der Direktoren, die Arbeiten für eine neu
einzurichtende Reklameabteilung übertragen werden. Mit der
Aussicht, sich bei Bewährung zum Reklamechef emporzu-
arbeiten. ;

Das ist ein erfreuliches Symptom dafür, daß man im Hotel-
gewerbe aufzumerken beginnt. Man erkennt hier und da,
wenigstens in „führenden Kreisen“, daß eine Abkehr von den
bisherigen Reklamemethoden notwendig ist. Wie wurde dieser
wichtige Zweig des Hotelbetriebes seither auf dem europäischen
Kontinent bearbeitet? In den weitaus meisten Fällen besorgte
der vielbeschäftigte, oft sogar überlastete Besitzer oder Direktor
seine Reklame selbst. Es ist klar, daß unter solchen Verhält-
nissen ein Vertiefen in diese schwierige Kunst so gut wie
ausgeschlossen ist, daß die wichtigen Finessen der Propaganda
stiefmütterlich oder überhaupt nicht beachtet und ausgewertet
werden können. Verwunderlich ist das, denn gerade der Hotelier
hat vielfache Möglichkeiten, mit Angehörigen anderer Berufe
in Fühlung zu treten, und es konnte ihm nicht verborgen
bleiben, daß in Industrie und Handel die Werbung zur Kunst
geworden und in die Hände berufener, fachlich, künstlerisch
und literarisch geschulter Männer gelegt worden ist. Selbst
kleinere und kleine Betriebe und Geschäfte haben, wenn auch
keinen eigenen Reklamechef, so doch einen ständigen Reklame-

berater. Sie fahren nicht schlecht dabei.

Meines Wissens findet man den Reklamechef, also den
geschulten Werbefachmann, auf dem europäischen Erdteil nur
in Hotelbetrieben Englands. Namentlich die großen Londoner
        <pb n="732" />
        732

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Hotels haben ihren eigenen Advertising Manager, und diese
wiederum haben sich innerhalb ihrer großen Fachvereinigung
zu einer besonderen Hotel- und Restaurantabteilung zusammen-
gefunden. Also ein Zeichen, daß es dort eine größere Anzahl
von diesen Hotel-Advertising-Managers geben muß. Tatsächlich
merkt man es einem bestimmten Teil des englischen Reklame-
materials an, daß sachkundige, vielseitig erfahrene Leute bei
seiner Entstehung beteiligt gewesen sein müssen.

Auf dem Kontinent dagegen? Wenn der Besitzer oder Direktor
sich nicht selbst, neben seinen vielen anderen wichtigen Auf-
gaben, mit der Propaganda herumquält und abärgert, so
überläßt man es einem Hotelbureauangestellten, der dafür ‚oft,
sehr oft sogar, genau so viel oder so wenig Vorschulung und
Sachkenntnis mitbringt, wie beispielsweise ich zum Posaune
blasen oder zum Trommeln. Mit einem Male sollen diese Leute
nun die Werbeposaune blasen und die Reklametrommel rühren
können. Merkwürdigerweise, es ist eine sonderbare Erscheinung,
auf die ich hierdurch mit kräftigem Nachdruck hinweise, tut
man in den Reihen des gehobenen Hotelpersonals nichts, um
diese Lücke in der Ausbildung auszufüllen. Absichtlich habe
ich in der Einleitung von den Plänen der Leitung eines führen-
den Hotels erzählt. Es bestätigt das, was ich über die bedauer-
liche Indolenz der in Betracht kommenden Hotelangestellten
zu schreiben gezwungen bin und zeigt den Ausblick in die
Zukunft.
Diesem wenig erfreulichen, aber im Interesse der direkt
Beteiligten leider sehr notwendigen Hinweis will ich sofort einen
erfreulicheren folgen lassen. Die Leitung der Höheren Hotel-
fachschule in Heidelberg, im Frühjahr 1925 auf Anregung des
Reichsverbandes der Deutschen Hotels, Restaurants und ver-
wandter Betriebe ins Leben gerufen, um dem jungen Nachwuchs
jene vielseitigen Kenntnisse zu vermitteln, die heute schon und
in Zukunft noch viel mehr, von den Leitern großer Hotelbetriebe
verlangt werden, wendet auch der Propaganda, also den viel-
gestaltigen Formen der Reklame, rege Aufmerksamkeit zu. Sie
bildet einen naturgemäß kleinen Teil des umfangreichen Lehr-
planes, aber die ihr trotzdem beigemessene Wichtigkeit ist
daraus zu erkennen, daß ich im Dezember 1926 eingeladen
wurde, vor den Hörern der Heidelberger Bildungsstätte einen
zweistündigen Vortrag über Reklame zu halten. Das erwähne
ich nur, um die Hotelangestellten aus ihrer Gleichgültigkeit und
        <pb n="733" />
        ERFOLGSKONTROLLE DER PROPAGANDAMASSNAHMEN 738
Nichtachtung des wichtigen, auch für ihre eigene Zukunft
wichtigen Reklameproblems aufzurütteln, Den Leitern der
Hotels aber gebe ich den Rat, künftighin von den Anwärtern
auf gehobene Posten angemessene Kenntnisse im Reklamewesen
ihres Berufes zu fordern. Dadurch können sie am ehesten zu
der notwendigen Besserung beitragen.

Unter solchen Verhältnissen ist es nicht verwunderlich, daß
es in ganz Europa nur wenige Hotels geben dürfte, wo man
nicht nur die Propaganda ganz systematisch und fachwissen-
schaftlich bearbeitet, sondern wo man auch die wichtige
Kontrolle übt und ihre Erfolgswirkung statistisch erfassen läßt.
Diese Kontrolle erscheint mir ebenso wichtig und nötig, wie die
erfreulicherweise jetzt schon vielfach eingeführte statistische
Erfassung des Verbrauches, der Unkosten, des Umsatzes und
des Reinertrages einzelner Zweige des Betriebes, zum Beispiel
der Küche, des Kellers, der Wäscherei usw. Die Kontrolle der
Propaganda ist deshalb wichtig, weil nur sie es ermöglicht, sich
über die Wirkungen der einzelnen Reklamemaßnahmen: der
Inserate, der brieflichen Werbung, der Broschüren usw. ein
Urteil zu bilden. Nur die Kontrolle wird zeigen, ob man seither
auf richtigem oder falschem Wege war. Ob diese Werbe-
maßnahme eingedämmt oder ganz eingestellt, jene intensiver
betrieben und ausgebaut werden sollte.

Diese Kontrolle ist möglich. Sie ist auch gar nicht schwer
und zeitraubend. Es wäre möglich, sie mit der Buchführung
(durch Kartei) über den Werbematerialversand zu verbinden,
so daß unter Umständen hierfür nur eine Kartothek eingerichtet
zu werden brauchte. In einigen Mustern solcher Karteikarten
will ich eine Anregung hierfür geben, die jeder Hotelier, Hotel-
direktor oder Gastwirt, eventuell auch jeder Kurdirektor oder

Verkehrsdirektor nach seinen Wünschen oder nach den
Besonderheiten seines Betriebes oder Bureaus ändern, weiter
ausgestalten oder vereinfachen kann. Ich folge bei diesen
Musterbeispielen den Vorschlägen eines bewährten Reklame-
fachmannes, Karl O. Fricke, der ein ähnliches System schon seit
Jahren in seinem kaufmännischen Betrieb benützt hat und
damit sehr zufrieden ist. Man wird sich schon nach oberfläch-
licher Prüfung davon überzeugen, daß dieses Schema den
Vorzug großer Einfachheit (und Billigkeit) und leichter Über:
sichtlichkeit hat. Das Musterbeispiel Nr. 1 zeigt die Karteikarte,
welche für die Buchführung des Werbematerialversandes
        <pb n="734" />
        734

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

dient. Vorausstellung des Landes ist für die Hotel- und
Fremdenverkehrspropaganda wichtig und eigentlich selbst-
verständlich. Empfehlenswert ist die alphabetische Einordnung
nach Orten, da es bessere Übersicht bietet und leichteres Auf-
finden als die Rubrizierung nach Namen ermöglicht.

Dieses wäre eine Kartei für künftige, also zu werbende Gäste.
Die Adressen dafür kann man sich auf verschiedenen Wegen
verschaffen: durch Adressenbureaus, durch fachliche Adreß-
bücher, durch das regelmäßige Studium von Tages- und Fach-
zeitschriften (Geschäftsanzeigen, Verlobungs-, Vermählungs-,
Geburtsanzeigen usw.) oder durch das Studium der Kurlisten
anderer Badeorte. Geschäftsreisendenhotels könnten sich die
Mitgliederverzeichnisse der Vereine reisender Kaufleute ver-
schaffen, die es in allen europäischen Ländern gibt. So kann
allmählich ein interessantes Adressenmaterial zusammen-
getragen und in dieser Kartei fixiert werden. Verwirrung kommt
nie in dieses Material, Nachbearbeitungen können jederzeit vor-
genommen werden, und inzwischen neu aufgenommene Adressen
geraten nicht zwischen die Nachbearbeitungen, weil der für den
Werbemonat aufgesetzte Reiter (oberer Rand der Karte mit
Monatsangabe) das verhindert. Saisonhotels und Kurorte, bei
denen nur einige Monate für die Werbung in Frage kommen,
mögen die Zahl der Reiter entsprechend verringern.

Hat die erste Aktion Erfolg gehabt, sind Anfragen und Gäste
eingelangt, so gehe man zum Musterbeispiel Nr. 2 über: der
Karteikarte für gewonnene Gäste. Diese gehören nicht mehr in
die erste Kartei, sondern man trage sie in die zweite ein, damit
der Gast durch dauernde Bearbeitung auch zum dauernden
Kunden geworben werde. Eine neue Karte ist hierfür nicht
nötig, man benutze einfach die Rückseite der Kartei 1, die mit
dem Schema der Kartei 2 bereits bedruckt sein kann. Für beide
Kartotheken wäre also auch nur ein Kasten notwendig. Kasten
oder Karton dürfte der Unterbringung in Mappen vorzuziehen
sein, weil es handlicher ist.

Diese zweite Kartei wäre als Grundlage für die Erfolgs-
statistik beziehungsweise Kontrolle zu verwenden. Für diese
nunmehr einsetzende Statistik kann ebenfalls eine Kartei
angelegt, sie könnte aber auch in einem Buch eingetragen
werden. Herr Fricke sagt, daß sich diese Kartei bei ihm ebenfalls
vorzüglich bewährt habe. Es käme hierfür eventuell das Muster-
beispiel 3 in Frage.
        <pb n="735" />
        Januar Februar | März | Apcil | Mai Juni | Juli | August |Septemb. | Oktober | Novemb. | Dezemb.
Ort:

&amp;y
bl
I
Land:

Name:

Don (7]
Stand:

Adresse:

Adressen-
Quelle:

Material gesandt am:

ja, am
Gast geworden JA, 2
nein

tm

Bearbeitet anı

Bearbeitet durd:

Frfolg

Bemerkungen...

Kr
&gt;

x
a
=

Musterbeispiel Nr. i.

M
Su
&gt;
        <pb n="736" />
        Januar | Februar | März | April | Mai | Juni | Juli | August |Septemb. | Oktober | Novemb. | Dezemb. x
SENSE SLAM nA
Ort:

Land:

Name:

Kern n}
Stand:

Adresse:

Adressen-
Nuelle:

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nn
A

Gast
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| briefliche WerbuD terre
Aktion Nor.
Anfrage von ihm am:............

SO rss nenne nr EEE
Anfrage von ihm am: nn

z

Bemerkungen:?............ ...

Angekommen
am

Abgereist
am

|

Zimmerpreis
pro Tag

|

Pensionspreis
pro Tag

Sonstiger
Verzehr

|  Totalausgabe
‚Total | während des
p g Aufenthalts

-
in
w
&gt;

Musterbeispiel Nr. 2.
        <pb n="737" />
        ERFOLGSKONTROLLE DER PROPAGANDAMASSNAHMEN 737

Aktion No.:

Kontroll-
Zeichen:

Kosten:

Druck des Werbe-
materials. ...

Versandspesen ...
Porto .....0.004.4
Inserate. .......
Sonstiges. ......

Mark |

Form der Werbung:

Bemerkungen:

Erfolg:

Pf,

Anfragenzahl: ausser
Prozent der Anfrage t.ussn
Zahl der Bestellungen?! u...

Prozent der Bestellungen:..................

Sonstiges! ........

Mark | Pfg.

Totalkosten ..-

Totalumsatz . ..-.

Mark

Pfg.

Ergebnis der Werbeaktion: . .

Musterbeispiel Nr. 3.

Wenn man eine solche Kartothek anlegt und es versteht, aus
ihr die richtigen Schlüsse zu ziehen, so wird es nicht mehr
vorkommen, daß man aufs Raten angewiesen ist, wenn man
wissen möchte, ob jene Inseratenaktion oder diese Propaganda-
kampagne oder jenes Werbematerial gute oder schlechte Ergeb-
nisse gebracht haben. Natürlich läßt es sich nicht auf Heller
und Pfennig errechnen, das liegt in der Natur der Reklame, die
in gewisser Beziehung immer einen problematischen Charakter
behalten wird. Aber man nehme einmal folgende Beispiele:
        <pb n="738" />
        138

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Das Wochenende ist das zurzeit wichtigste und, wenigstens
was das Hotelgewerbe anbelangt, noch umstrittene Problem.
Ein Hotel hat nun eine großzügige Aktion eingeleitet, um für
sich in jenen Kreisen zu werben, die nach seiner Meinung für
Wochenendfahrten in Betracht kommen würden. Könnte
hierbei eine Kontrollstatistik nach obigem Muster nicht
unschätzbare Dienste leisten?! Wie will man es sonst feststellen,
ob gerade diese Aktion richtig war? Ob man sich an die richtigen
Kreise gewandt hat? Wie will man sonst herausbekommen, ob
ein finanzieller Erfolg oder ein Fiasko herausschaute?

Auslandswerbung ist für international geführte Hotels wichtig
und notwendig. Sie ist aber auch kostspieliger als die Inlands-
werbung. Bei ihr werden die meisten Fehler gemacht. Eine
Erfolgskontrolle ist deshalb unerläßlich, will man nicht
zwecklos erhebliche Beträge ausgeben und das gleiche verfehlte
Experiment womöglich noch etliche Male wiederholen. Übrigens
wäre gerade bei der Auslandspropaganda noch am ehesten eine
solche Kontrolle mit Aussicht auf gute Ergebnisse durchführbar.

Die Schlußfolgerung meiner Betrachtungen ist: Was dem
Küchenbetrieb, dem Keller, der Abteilung Hotelrestaurant, der
Abteilung Tagesrestaurant, der Wäschereianlage usw., deren
Ergebnisse man schon jetzt vielfach statistisch erfaßt, recht ist,
das ist der Propaganda, zumal sie teuer ist, billig. Auch bei ihr
kann eine klug und systematisch durchgeführte Erfolgskontrolle
Klarheit und wichtige Aufschlüsse bringen.
        <pb n="739" />
        REISEBUREAUS SOWIE HOTEL- UND FREMDENVERKEHRSWERBUNG 7839

105. REISEBUREAUS SOWIE HOTEL- UND
FREMDENVERKEHRSWERBUNG
Was Reisebureaus für den Fremdenverkehr und also auch

für die Entwicklung des Geschäftes in den Hotels bedeuten,
braucht nicht erst beleuchtet zu werden. Namentlich der Aus-
landsverkehr könnte ohne international geschulte Reisebureaus
heute kaum noch auskommen. Es gibt Länder, deren Bewohner
sich daran gewöhnt haben, die Bestimmung des Reiseziels sowie
die Ausarbeitung des Reiseprogramms vertrauensvoll irgend-
einem Reisebureau zu überlassen. Zu diesen Ländern gehören
in erster Linie England, Holland und die Vereinigten Staaten
von Nordamerika. In den beiden erstgenannten gibt es außerdem
noch Reisevereinigungen, die zahlreiche Mitglieder in den
besseren Volksschichten haben, und deren Einfluß auf die
Reiseprogramme ihrer Mitglieder bedeutend ist. Aus dieser
knappen Schilderung ist deutlich zu erkennen, daß jeder Hotel-
besitzer, der auf Auslandsverkehr rechnet, am Gedeihen sowie
am reibungslosen Arbeiten dieser Reisebureaus und der Reise-
vereinigungen lebhaft interessiert ist. Es liegt also auch im
Interesse dieser Hoteliers, daß den Reisebureaus, ich will der
Kürze halber nur von ihnen sprechen, ihre Arbeit tunlichst
erleichtert und daß ihnen vor allen Dingen jenes Material in
ausreichendem und zuverlässigem Maße zur Verfügung gestellt
wird, das sie benötigen, wenn sie ihre Kunden gut und gewissen-
haft bedienen wollen. Geschieht das überall? Es scheint nicht
so! Sonst könnten nicht immer wieder Klagen seitens der Reise-
bureaus laut werden.

Von einigen Reisebureaus liegt mir interessantes und
wichtiges Material vor. Ich lasse eine Zuschrift für sich
sprechen, die das Internationale Reisebureau Hagemann &amp; Co.
in Aachen an die Leitung des Internationalen Hotelbesitzer-
Vereins in Köln gerichtet hatte. Darin heißt es unter anderem:
        <pb n="740" />
        }

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

„Einleitend möchten wir bemerken, daß wir bereits seit mehr
als Jahresfrist uns mit einer ganzen Anzahl befreundeter,
beziehungsweise uns bekannter Kollegenfirmen im Auslande in
Verbindung gesetzt haben zu dem Zwecke, den ausländischen
Fremdenverkehr mehr als wie bisher nach Deutschland zu
ziehen. Wir haben eigens zu diesem Zwecke, den Neigungen des
betreffenden Landes entsprechend, eine ganze Reihe von Pro-
grammen zur Bereisung Deutschlands ausgearbeitet und nach
Belgien, Frankreich, England, Nord- und Südamerika usw.
gesandt. Es handelt sich hierbei um sogenannte „Akkord‘“‘-
(Familienreisen von 2-5 Personen) und Gesellschaftsreisen in
größeren und kleineren Gruppen.

Eine Anzahl ausländischer Reisefirmen hat unsere Anregung
gerne aufgenommen und Kostenanschläge verlangt, beziehungs-
weise bereits Aufträge erteilt, andere haben im Austausch-
verkehr um eine Liste empfehlenswerter Hotels der verschie-
denen Kategorien mit Rangeinteilung nach Preis und Ein-
richtung gebeten.

Die uns zugesandten Hotelführer geben zwar über eine
größere Anzahl Hotels genaue Auskunft, bei einer Anzahl Städte
fehlen jedoch leider die Angaben von Hotels gewissen Ranges.
In der Absicht, den ausländischen Kollegen in möglichst
gewissenhafter Weise genauen Aufschluß über die zurzeit nach
Preis usw, gültige Rangeinteilung geben zu können, haben wir
uns bereits früher wie auch in letzter Zeit an die Hotelier-
vereine und Verkehrsvereine, beziehungsweise Verkehrsämter
schriftlich gewandt. Auf diese Anfragen haben wir nur einzelne,
genauere Auskünfte erhalten, die Mehrzahl der Angefragten hat
es noch nicht für nötig befunden, zu antworten. Ein solches
Verhalten ist uns unverständlich. Ebenso haben wir an eine
große Anzahl Hotels, unter Angabe des Zweckes, den üblichen
Fragebogen gesandt, um deren augenblicklich gültigen Preise
und Bedingungen zu erfahren. Eine ganze Anzahl dieser Hotels,
unter anderem in Köln und Berlin, hat nicht, beziehungsweise
erst nach Wochen geantwortet. Während wir über Belgien,
Frankreich, England, Italien, Schweiz usw. dauernd unter-
richtet und aus allen anderen Ländern unaufgefordert mit
Werbematerial versehen werden, wird uns aus vielen Städten
Deutschlands kaum auf Anfrage Material geliefert, vielfach
sogar nicht geantwortet. Während andere Länder, wie zum
Beispiel Schweiz, Holland, England, Finnland usw. und letzthin
        <pb n="741" />
        REISEBUREAUS SOWIE HOTEL- UND FREMDENVERKEHRSWERBUNG 741
sogar Frankreich, durch ihre Konsulate, Comites d’initiative
usw., schriftlich oder durch persönliche Fühlungnahme,
Besuche usw., zum Beispiel noch in letzter Zeit der Präsident
der französischen Handelskammer der besetzten Gebiete, Sitz
Mainz, zu Werbezwecken an uns herangetreten sind, die Schweiz
eigens einen Werbevertreter gesandt hat, und wir von dieser
Seite in jeder Weise unterstützt werden, haben wir in Deutsch-
land die größte Mühe, um uns in erforderlicher Weise unter-
richten zu können.

Einen ganz besonderen Mißstand bildet die Preisfrage. Wie
bereits bemerkt, haben wir im internationalen Austauschverkehr
Listen „Empfehlenswerter Hotels“ der verschiedensten Rang-
klassen auf Verlangen nach dem Auslande weitergegeben unter
Angabe der Preise, die durch die betreffenden Hotels im Frage-
bogen spezifiziert wurden, beziehungsweise im Hotelführer des
Internationalen Hotelbesitzer-Vereins genannt sind. Weiter
haben wir auf Grund derselben Preise eine ganze Anzahl fester
Kostenanschläge eingereicht. Heute wurden uns von einer
Anzahl Hotels auf Anfrage Preise aufgegeben, die bis zu 35%
höher sind als die im Fragebogen genannten und bis zu 25%
höher, wie sie der Hotelführer als Maximalpreise nennt. Solche
Zustände sind nicht allein unhaltbar, sondern für ein Land mit
stabiler Währung unverständlich, unverständlich besonders,
weil es sich in diesem Falle um Häuser I. Ranges handelt.

Zudem laufen wir Gefahr, durch derartige Preisunterschiede
bei unseren ausländischen Kollegenfirmen in Verruf zu kommen.
Anderseits sind wir bei einem solchen Geschäftsgebaren nicht
mehr in der Lage, feste Kostenanschläge nach dem Auslande,
besonders nicht mehr nach Übersee, machen zu können. In
einem Lande mit stabiler Währung darf man um so eher
verlangen, daß die im Hotelführer angegebenen Maximalpreise,

insbesondere aber die uns schriftlich aufgegebenen Festpreise,
auch tatsächlich eingehalten werden und für das ganze Jahr
gelten müssen. Zumindest aber dürfen wir als Reisebureau
verlangen, daß man uns bei etwaigen großen Preisänderungen
verständigt. Das Gegenteil würde unsere Arbeit und also auch
die Wiederbelebung des ausländischen Fremdenverkehrs nach
Deutschland gänzlich lähmen. Außerdem muß ein derartiges

Geschäftsgebaren dem Ruf Deutschlands wie auch dem Ansehen

des Hotelierberufes im Auslande schaden.“

So weit die Klagen des Reisebureaus Hagemann &amp; Co. in
        <pb n="742" />
        /42

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Aachen, also an einem der bedeutendsten Badeorte Deutsch-
lands mit starkem internationalen Verkehr. Vom Standpunkt
des Hotelfachmannes aus sind besonders die Klagen über die
unzureichenden Angaben in den offiziellen Hotelführern sowie
über die Nichteinhaltung der darin angegebenen Preise beach-
tenswert und wichtig. Aus langjähriger Erfahrung weiß ich,
daß in gewissen Kreisen der Hotelbesitzer schon immer eine
Abneigung gegen die Nennung fester Preise bestanden hat. Ich
konstatiere die Tatsache, ohne die Gründe zu untersuchen
beziehungsweise zu nennen. Aus dem Schreiben des Aachener
Reisebureaus erfahren wir ganz authentisch, welche üblen
Folgen für den internationalen Besuch Deutschlands entstehen
müssen, wenn die Interessenten die gewünschten Angaben in
den Hotelführern nicht finden. Schon der Name „Hotelführer“
sagt, daß das Buch dem Interessenten ein Wegweiser, ein
Vademecum, sein will. Wie aber soll der „Führer“ diese Aufgabe
erfüllen, wenn er auf dem heutzutage wichtigsten Gebiete, bei
den Preisen, versagt? Noch schlimmer aber ist es, wenn die
Preise wohl genannt sind, dann aber in der Praxis nicht einge-
halten werden.

Nun zu der anderen Seite des wichtigen Problems, nämlich
zu den Klagen der Hotelbesitzer über gewisse Praktiken der
Reisebureaus. Ein großer, internationaler Hotelbetrieb in einem
der beliebtesten europäischen Reiseländer (nicht Deutschland)
beklagte sich in einer Zuschrift über die Fülle von „Frage-
bogen‘, die ihm von Reisebureaus und ähnlichen Institutionen
zugehen. Zweck dieser Fragebogen sei, auf mehr oder weniger
mühelose Weise „Geld zu machen“. Der Besitzer jenes Hotels
teilte, in dem löblichen Bestreben, seine Kollegen vor Schaden
zu bewahren, einige Fälle aus jüngster Zeit mit, die allerdings
ein seltsames Licht auf die Praxis mancher Reisebureaus
werfen. Das Peinlichste dabei ist, daß die unangenehmen
Erfahrungen bei Firmen gemacht wurden, mit denen das Hotel
teilweise schon in jahrelanger Verbindung stand und die ihm
bisher als reell bekannt waren.

Nach eingehender, wechselseitiger Korrespondenz hatte ein
Gast zu einem festbestimmten Preis für längeren Aufenthalt
Zimmer in jenem Hotel bestellt. Einige Tage vor der Ankunft
erhielt der Hotelier von einem ihm bekannten Reisebureau, am
        <pb n="743" />
        REISEBUREAUS SOWIE HOTEL- UND FREMDENVERKEHRSWERBUNG 743
Wohnort des Gastes domizilierend, ein Schreiben. Darin teilte
das Bureau mit, daß die vom Gast getätigte direkte Zimmer-
bestellung zu annullieren sei. Das war aber keineswegs eine
vollständige Annullierung des Auftrags, sondern nur eine kleine
„Schiebung‘“. Denn der Hotelier wurde im gleichen Atemzuge
aufgefordert, nach erfolgter Abreise des Gastes von seinem
Wohnort dem Reisebureau die vertraglich vereinbarte Kom-
missionsgebühr von zehn Prozent einzusenden. Die zehn-
prozentige Trinkgeldablösung — die in jenem Lande übrigens
nur fakultativ eingeführt und deswegen nie im Preis enthalten
ist — sei ebenfalls in dem vom Reisebureau mit dem Gast
vereinbarten Preis einbegriffen. Die von jenem Bureau an dem
Hotel versuchte „Schröpfung‘“ wird dem Kundigen aus diesen
kurzen Angaben deutlich erkennbar.

Von besonderem Interesse für alle Hoteliers ist, zu erfahren,
wie das Dazwischenschieben des Reisebureaus in feste, direkte
Abmachungen überhaupt möglich werden konnte. Man weiß
dann wenigstens, „wie“ so etwas gemacht wird und ist gewarnt.
Jener Reisende, der das Verhalten des Bureaus übrigens scharf
verurteilt hat, klärte den Hotelier nach seiner Ankunft über
den Zusammenhang auf, Als der Gast im Reisebureau seine
Fahrkarte lösen wollte, wurde er über seine Absichten und das
Reiseziel ausgefragt. Dann schlug man ihm vor, das ganze
Arrangement durch das Bureau gehen zu lassen, es könne die
Geschichte wesentlich besser und billiger machen. Unter dem
„billiger“ verstand man Einbezug der Trinkgeldablösung in das
mit dem Gast direkt getroffene Preisarrangement. Diese zehn
Prozent sollten also dem Hotel aufgehalst werden, dazu außer-
dem noch die 10% Kommission an das Bureau für eine „Arbeit“
und für ein „Arrangement“, die schon beendet und vom Hotel
geleistet worden waren. Das Reisebureau hatte nichts weiter zu
tun. als seine „Kommissionsgebühr““ einzustecken,

Ein anderer Fall, von demselben Hotel erzählt. Ein hollän-
disches Reisebureau hatte von einem Kunden durchschnittlich
130 Prozent mehr gefordert, als es den Hotelbesitzern vergütete.
Das Reisebureau war seither als reell bekannt. Dieses unge-
wöhnlich „geschäftstüchtige“‘ Verhalten des KReisebureaus
brachte ihm ein weniger angenehmes gerichtliches Nachspiel.
Der übervorteilte Gast hatte Anzeige gegen das Bureau erstattet.

Das Reisebureau ist, wie ich bereits betonte, nicht nur für
den gesamten Fremdenverkehr wichtig, es hat sich auch. zur
        <pb n="744" />
        ZAH

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Hauptverteilungsstelle eines wichtigen Teiles jenes Werbe-
materials ausgebildet, wovon in diesem Buche die Rede ist. Aus
diesem Grunde erschien es mir nötig, diesen Fragenkomplex
wenigstens flüchtig zu streifen — es könnte und müßte
eigentlich noch vieles zu diesem Thema gesagt werden — um
beiden Teilen: Reisebureaus wie Hoteliers und Fremden-
verkehrsinteressenten, zu dienen. In Erkenntnis der Bedeutung
unserer international arbeitenden Reisebureaus bringe ich im
nächsten Kapitel auch ein Adressenverzeichnis der bekann-
ten, soliden und zuverlässigen, bei denen Erfahrungen der vor-
geschilderten Art kaum zu erwarten sind. Ihnen kann der Hotel-
besitzer also ruhig sein Werbematerial, seine Reklameschriften
zustellen. Im übrigen sei daran erinnert, daß der Internationale
Hotelbesitzer-Verein, Köln, einen Auskunftsdienst über Reise-
bureaus für seine Mitglieder eingerichtet hat.
        <pb n="745" />
        ADRESSEN VON REISE- UND VERKEHRSBUREAUS 74

106. ADRESSEN VON REISE- UND VERKEHRS-
BUREAUS))

Im Verzeichnis der Reise- und Verkehrsbureaus nenne ich
diejenigen Stellen, die in erster Linie für Reiseauskünfte und
für die Verbreitung von Werbematerial in Frage kommen. Die
meisten der aufgeführten Bureaus, nicht alle, sind Vertreter
der bedeutenden Mitteleuropdischen Reisebureaus G. m. vb. H.,
Berlin W 9, Voßstraße 2, deren Vertreternetz fast die ganze
Erde umspannt. Ich habe sie durch ein kleines Sternchen (*)
vor dem Namen gekennzeichnet. Die Gesellschaft wird abge-
kürzt „Mer“ genannt. Viele dieser Bureaus besorgen auch den
Verkauf von Fahrkarten und Bettkarten der Schlafwagen, von
Kabinenplätzen der Ozeandampfer usw.; manche veranstalten
selbst kleine und große Gesellschaftsreisen. Auch die Adressen
der größten Weltreisebureaus, Cook; Bennett, Dean &amp; Dawson,
Lindemann, Kuoni, American Express und andere sind darin
zu finden.
Anspruch auf absolute Vollständigkeit: kann das Verzeichnis
trotzdem nicht erheben. Wir waren in Deutschland allzu lange
vom Verkehr abgeschnitten, und es ist deshalb nicht leicht, das
einschlägige Material zusammenzubringen. Deshalb richte ich
die Bitte an alle Leser, insbesondere aber an die Reise- und
Verkehrsbureaus selbst, dann auch an die Fremdenverkehrs-
vereine, Kur- und Badeverwaltungen usw., mir Ergänzungen
sowie Richtigstellungen freundlichst an die Adresse des Ver-
lages in Essen oder Wien mitzuteilen, damit ich sie bei der
nächsten Buchausgabe berücksichtigen kann.

1) Die mit einem Sternchen vor dem Namen (*) bezeichneten Bureaus sind offizielle
Vertreter der Mitteleuropäischen Reisebureaus Gesellschaft m. b. H. (Mer), Berlin
W 9, Voßstraße 2.
        <pb n="746" />
        "6

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Deutschland.
Aachen, *Verkehrsbureau am Elisenbrunnen, Friedrich-Wilhelm-Platz 14,
—- *Verkehrsbureau der Niederländischen Eisenbahnen, Seilgraben 22.
Internationales Reisebureau Hagemann &amp; Co.
Allenstein, *Süd-Ostpreußisches Reisebureau, G. m. b. H., Altes Rathaus, Markt.
Altona, *Internationales Reisebureau, Gebr. Schnieder, Hauptbahnhof.
Augsburg, *Lloyd Reisebureau, Untere Maxstraße C 9/10.
Baden-Baden, *Reisebureau H. Hansen, Generalagentur der Hamburg-Amerika-
Linie, Am Leopoldsplatz,
- *Lloyd-Reisebureanu W. Langguth, Lichtenthaler Straße 10,
Bad Elster, *Verkehrsbureau-Badedirektion, Badeplatz.
Bad Harzburg, *Verkehrsbureau der Städtischen Kurverwaltung, Herzog Wilhelm-
straße, Haus Radauburg.
Bad Kissingen, *Amtliches Bayrisches Reisebureau, G. m. b. H., Kurhausstraße 4.
Bad Mergentheim, *Württembergisches Reise- und Verkehrsbureau, Im Kurhaus.
Bad Nauheim, *Koch, Lauteren &amp; Co., Vertretung des Norddeutschen Lloyd,
Alicenplatz 1,
Bad Nenndorf, *Reisebureau Hamburg-Amerika-Linie, Gaffky &amp; Köhler,
Bad Neuenahr, A.-G. Bad Neuenahr (Kurdirektion), Bad Neuenahr (Rhld.).
Bad Oeynhausen, *Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie L. Back, Staatliche
Badeverwaltung (Kurpark).
Bad Pyrmont, *Reisebureau der Kurverwaltung (in der Wandelhalle), Kirch-
straße, Ecke Brunnenplatz.
Bad Salzschlirf, *Akt.-Ges, Bad Salzschlirf, Kurdirektion, Badehof,
Bad Salzuflen, *Reise- und Verkehrsbureau, Badeverwaltung.,
Bad Tölz, *Städtisches Reisebureau (gegenüber der Kurdirektion).
Badenweiler, *Reisebureau der Kurverwaltung, Badenweiler.
Bad Wildungen, *Wildunger Reisebureau,
Barmen, *Lloyd-Reisebureau Rudolf Dahl, Altermarkt 12.
Berchtesgaden, Amtliches Reisebureau, Am Hauptbahnhof.
— Seb. Eibls Nachfolger, Glück &amp; Sandrock, Rathausplatz 178.
Berlin, Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung, W 35, Potsdamer Privat-
straße 121 b. (Kein Reisebureau.)
*Mitteleuropäisches Reisebureau, G. m. b. H., NW 7, Unter den Linden 57/58,
“Mitteleuropäisches Reisebureau, G. m. b. H., W 9, Potsdamer Bahnhof.
*Mitteleuropäisches Reisebureau, G. m. b. H., NW 7, Bahnhof Friedrichstraße.
*Reiseburean der Hamburg-Amerika-Linie, G. m. b. H., W 8, Unter den Linden 8.
*Reise- und Verkehrsbureau, Kaufhaus des Westens, G. m. b. H.. W 50, Tauen-
tzienstraße 21/24,
— *Weltreisebureau Union, G. m. b. H., W 8, Unter den Linden 22.
*Norddeutscher Lloyd, Kajütenbureau, W 8, Unter den Linden 1.
*Reisebureau Wertheim, W 9, Leipziger Straße 126—137.
*Schwedisches Reisebureau, G, m. b. H., W 8, Unter den Linden 22/23.
“Reisebureau Norden, Amtl. Reisebureau der dänischen Staatsbahnen, W 8, Unter
den Linden 30,
"Amtliches Reisebureau für Norwegen, W 8, Unter den Linden 32.
“Reisebureau der Vlissinger Route, Brasch &amp; Rothenstein, NW 7, Unter den
Linden 71.
        <pb n="747" />
        ADRESSEN VON REISE- UND VERKEHRSBUREAUS 7#

Berlin, *E. Zarnkes Verkehrs- und Reisebureau, G. m. b, H,, Kurfürstendamm 237.
_— *Amtliches italienisches Reisebureau ENIT, NW 7, Unter den Linden 54/55.
Reisebureau Amerika, W 8, Unter den Linden 14.
Lloyd-Triestino, Dampfschiffahrtsgesellschaft, NW 7, Unter den Linden 47.
+Warenhaus Hermann Tietz, Abteilung Reisebureau, SW 19, Leipziger Str. 46/49.
*Scherls Reisebureau, SW 19, Krausenstraße 38/39.
*American Express Company m. b. H., W 8, Charlottenstraße 55.
United States Lines, Unter den Linden 9.
*Schweizer Verkehrsbureau (Amtl. Reisebureau der Schweizerischen Bundes-
bahnen), NW 7, Unter den Linden 57/58.
*Reise- und Verkehrsbureau A.-G,, Königgrätzer Straße 123.
_. *Verkehrsbureau der Niederländischen Eisenbahnen, W 8, Unter den Linden 19.
Beuthen O.-S., Max Weichmann, Reisebureau, Bahnhofstraße 16,
Bielefeld, *Hamburg-Amerika-Linie, . Vertreter Waldemar Weber, Ulmenstraße 5.
Blankenburg i. Harz, *Kurverwaltung Akt.-Ges., Kurhotel Fürstenhof.
Bochum, *Verkehrsverein Bochum, Bahnhofsplatz.
*Hamburg-Amerika-Linie, Karl Koop, Humboldtstraße 2.
Bonn, Lloyd-Reisebureau Heinrich Brinck, Am Hof 9.
Brandenburg (Havel), *Verkehrsbureau Brandenburg, Steinstraße 1.
Braunschweig, *Verkehrsverein e. V., Hinter Liebfrauen 1, Ecke Münzstraße.,
Bremen, *Norddeutscher Lloyd, Reisebureau, Bahnhofstraße 35.
_ American Express Co., Bahnhofstraße 32.
— United States Lines, An der Wieden 43, ;
Bremerhaven, *Reisebureau des Verkehrsvereins Unterweser, Bürgerm. Smidt-
straße 101, Ecke Lloydstraße,

__ *Fahrkarten-Ausgabestelle Lloydhalle, Agentur des Norddeutschen Lloyd.
Breslau, *Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie, Schweidnitzer Stadtgraben 13.
_— #*Norddeutscher Lloyd, Generalagentur Breslau, Neue Schweidnitzer Straße 6.

Cassel, Lloyd-Reisebureau August Pechmann, Kölnische Straße 16.
-— Jac. Wertheim jr., Obere Königstraße 30.
Chemnitz i Sa, Verein für Fremdenverkehr e. V., Jakobikirchplatz 1.
— *Lloyd-Reisebureau A. Hauptmann, Königstraße 8.
— *Hapag Reisebureau Alfred Blank, Königstraße 13.
Coblenz, Norddeutscher Lloyd, Hotel Traube, Rheinstraße 3.
Coburg, *Lloyd-Reisebureau Haeßler &amp; Hülbig, Steinweg 13.
Cottbus, *Reisebureau des Cottbuser Anzeiger, Spremberger Straße 42/43.
Crefeld, Reisebureau Josef Esser, Ostwall 34.
Cuxhaven, *Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie, Cuxhaven, Hafenbahnhof.
Darmstadt, *Landwirtschaftsbank, Aktien-Gesellschaft, Abteilung Reisebureau.
Rheinstraße 17.
— *Verkehrsverein, Elisabethenstraße 14.
Dessau, *Speditionsverein, Abteilung Reisebureau, Zerbster Straße 56.
Dortmund, *Wilhelm Hemsoth. G. m. b. H., Abteilung Verkehrs- und Reisebureau,
Königwall 2.
*Verkehrsverein e. V., Am Markt 12.
— #*LJloyd-Reisebureau August Mülker, Hansastraße 57.
Dresden, *Alfred Robn, Reisebureau, Prager Straße 26.
- *Hamburg-Amerika-Linie, Reisebureau, Waisenhausstraße 17, Ecke Prager Straße.
*Norddeutscher Lloyd, Generalagentur Dresden, Prager Straße 49, gegenüber dem
Hauptbahnhof.
        <pb n="748" />
        148

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Dresden: *Amtliche Expreß u. Gepäckfahrt, G. m. b. H., Hauptbahnhof, Prager Straße 64.
=— *Reise- und Verkehrsbureau des Dresdner Verkehrsvereins, Hauptbahnhof,
Ostbau.
— *Reise- und Verkehrsbureau des Dresdner Verkehrsvereins, Verkehrshaus, Altmarkt.
Dresden-Weißer Hirsch, *Reise- und Verkehrsbureau des Dresdner Ver-
kehrsvereins, Dresden-Weißer Hirsch, Schulstraße 1b.
Duisburg, *Lloyd-Reisebureau, Königstraße 40,
— *Wilhelm Hohendahl &amp; Co., G. m. b. H,, Abteilung Reisebureau, Hauptbahnhof.
Düsseldorf, *Weltreisebureau Emil Heß, Wilhelmplatz 10,
— *Verkehrsbureau Jonen, Am Hauptbahnhof,
— *Leonhard Tietz, A.-G., Abteilung Reisebureau, Königsallee.
Eisenach, Otto Voppel, Vertretung des Norddeutschen Lloyd, Bahnhofstraße, Ecke
Müllerstraße 1.
Elberfeld, Union-Reisebureau, Schlössergasse 6.
— *Lloyd-Reisebureau Rudolf Dahl, Altenmarkt 19,
Emden, *Emder Verkehrsgesellschaft A.-G., Schweckendieckplatz 1.
Erfurt, *Erfurter Verkehrsverein, Bahnhofstraße 46,
Essen, Norddeutscher Lloyd, Börsenhaus, Bahnhofsvorplatz,
--*yan Eupen, Speditionsgesellschaft m. b. H, &amp; Co. Abteilung Reisebureau,
Personenhauptbahnhof.
*Reisebureau Krupp, Limbeckerplatz 3.
— *Verkehrsverein für den Stadt- und Landkreis Essen, Handelshof.
Flensburg, *P. &amp; W. Leichhauer, Reisebureau, Norderhofenden 20.
Frankfurt a. M., Mitteleuropäisches Reisebureau, G. m. b. H., Hauptbahnhof.
— *Mitteleuropäisches Reisebureau, G. m. b. H., Kaiserstraße 17.
*Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie, Hapaghaus am Kaiserplatz.
*Norddeutscher Lloyd, Kaiserstraße 76.
— United States Lines, Kaiserstraße 27.
Frankfurt a. Oder, *Oskar Pinnow, Spedition und Möbeltransport, Wilhelmplatz 14.
Freiburg (i. Breisg.), *Badisches Reisebureau, G. m. b. H., Fisenbahnstraße 33,
Ecke Rotteckplatz,
Freudenstadt, *Württembergisches Reise- und Verkehrsbureau, beim Kurtheater.
Friedrichshafen, *Württembergisches Reise- und Verkehrsbureau, Passage-
bureau Rominger G. m. b. H., Deutsches Haus.
Garmisch-Partenkirchen, *Amtliches Bayerisches Reisebureau, G. m. b. H..
Neue Bahnhofstraße.
Gelsenkirchen, *Verkehrsverein e. V., Kirchplatz 7.
Gera (Reuß), *Europäisches Reisebureau G. m. b. H., im Hause Gebr. Oberländer.
Sorge 11.
Gleiwitz, *Max Weichmann, Abteilung Reisebureau, Wilhelmstraße 38.
Glogau, *Norddeutscher Lloyd, Mälzstraße 8.
Görlitz, *Verkehrsverein, Handelshof, Hospitalstraße 13—16.
Hagen, *Union-Reisebureau, Hohenzollernstraße 12.
— *Norddeutscher Lloyd, Im Hauptbahnhof.
Halle a. S., *Hallesches Verkehrsbureau, Roter Turm, Marktplatz,
— *Lloyd-Reisebureau L. Schönlicht, Poststraße (Stadt Hamburg).
Hamburg, *Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie, Verkehrspavillon am Jung-
fernstieg.
*Reisebureau Walter Bamberger, Pferdemarkt 15, Thalia-Haus.
        <pb n="749" />
        ADRESSEN VON REISE- UND VERKEHRSBUREAUS 749

Hamburg, *Weltreisebureau Union, G. m. b. H., Alsterdamm 7.

— Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie, Kaufhaus Tietz, Jungfernstieg 16—20,
*Internationales Reisebureau Gebrüder Schnieder, 36 im Dammtorbahnhof.
*Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie, Hauptbahnhof, Glockengießerwall.
American Line, Alsterdamm 39.

*Reisebureau Hugo Stinnes Linien, Jungfernstieg 30 (Hamburger Hof).
American Express Co., Alsterdamm 10.
Hamburg-Südamerikanische D. S. G., Holzbrücke 8.
Hannover, *Norddeutscher Lloyd. Generalagentur Hannover, Georgstraße 39, Ecke
Andreasstraße.
*Gaffky &amp; Köhler, Hamburg-Amerika-Linie, Georgstraße 18.
Reisebureau Hanomag, Hannover-Linden.
— *Lindener Reisebureau, Hannover-Linden, Falkenstraße 4.
Heidelberg, *Badisches Reisebureau, Anlagen 2.
— Städtisches Verkehrsamt, Anlage 2.
Heilbronn, *Württembergisches Reise- und Verkehrsbureau, Bahnhofstraße 1.
Helgoland, *Norddeutscher Lloyd, Abteilung Seebäderdienst, gegenüber der Lan-
dungsbrücke.,
*Hamburg-Amerika-Linie, H. Edlefsen, Unterland.
Heringsdorf, Zweigstelle des Europäischen Reisebureaus Weimar, Kursaalplatz.
— *Ostseereisebureau der Swinemünder Dampfschiffahrts-A.-G.
Hildesheim, *Lloyd-Reisebureau G. m, b. H., Bernwardstraße 23,
Hindenburg, Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie, Max Weichmann, Markt-
platz 1,
Hirschberg i Schl., *Reisebureau Rig, Warmbrunnerplatz,
Ingolstadt, *Städtisches Reisehureau, Schrannenstraße 1,
Karlsruhe i. B., *Reisebureau Karlsruhe A.-G., Kaiserstraße 158,
_ *Norddeutscher Lloyd, Kaiserstraße 181.
Kiel, *Kieler Reise- und Verkehrsbureau, G. m. b. H., im Hauptbahnhof,
Köln, *Mitteleuropäisches Reisebureau, G. m. b. H., Domkloster 3 (Schaebenhaus).
*Norddeutscher Lloyd, Domkloster 1.
Verkehrsbureau der Niederländischen Eisenbahnen, Domhof 14,
*Generalagentur der Southern Railway Cie., Domhof 6.
Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie im Kaufhaus Tietz, Hohe Straße,
— *Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie, Wallrafplatz 3.
Köln, *Städtisches Verkehrsamt, Unter Fettenhennen 19
- Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grand-Express
Europeens Hauptbahnhof,

Königsberg, Pr., *Reisebureau Robert Meyhöfer, G. m. b. H., Vordere Vorstadt 35.

Koblenz, *Norddeutscher Lloyd, Hotel Traube, Rheinstraße 3.

Konstanz, Reisebureau des Kur- und Verkehrsvereins, Konstanz.

Krefeld, *Reisebureau Josef Esser, Ostwall 34.

Leipzig, Norddeutscher Lloyd, Generalagentur, Poststraße 1.

*Norddeutscher Lloyd, Bahnhofstraße 3,
Internationales Verkehrsbureau des Leipziger Meßamtes, G. m. b. H., Markt 4
(Alte Waage).
*Generalagentur der Hamburg-Amerika-Linie, Augustusplatz 2.
*Verkehrsverein e. V., Naschmarkt 3.
— *Holland-Amerika-Linie, Grimmaische Straße 21.
United States Lines, Goethestraße 6.
        <pb n="750" />
        750

DAS _HOTEL- UND GASTGEWERBE

Lindau, *Amtliches Bayerisches Reisebureau, G. m. b. H,, Hauptbahnhof.

Lübeck, Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie, Auf dem Markt.

*Norddeutscher Lloyd, Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs e. V., Meng-
straße 4. (Buddenbrookhaus).

Ludwigshafen a. Rh., Amtliches Bayerisches Reisebureau G. m. b. H., Haupt-
bahnhof.

Magdeburg, *Verkehrsverein e. V., Breiteweg 166.

*Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie, Alte Ulrichstraße 7.

Mainz, Lloyd-Reisebureau L. Lyssenhop &amp; Co., G. m. b. H., Kaiserstraße 7.
Reisebureau der‘ Hamburg-Amerika-Linie J. F, Hillebrand, G. m, b. H., Reiche
Klarastraße und im Kaufhaus Leonhard Tietz, A.-G., Mainz.

*Norddeutscher Lloyd, Bahnhofstraße 3. i

Mannheim, *Reisebureau H. Hansen, E 1 19.

— *Verkehrs-Verein Mannheim E. V., N 2, 4.

Marburg a. L., *Lloyd-Reisebureau Carl Schneider, Bahnhofstraße 20.

Memel, Reisebureau Robert Meyhöfer, Börsenstraße 13.

München, *Amiliches Bayerisches Reisebureau, G. m. b. H., Promenadeplatz 16.
Fremdenverkehrs-Verein, Hauptbahnhof.

FAmtliches Bayerisches Reisebureau, G. m. b. H., Hauptbahnhof, Mittelbau.
*Österreichisches Verkehrsbureau, G. m. b. H., Promenadeplatz 15. .
*Norddeutscher Lloyd, Briennerstraße 8 (Caf&amp; Luitpold), Eingang Maximilianplatz.
*Hamburg-Amerika-Linie, Thealinerstraße 38, Ptr.
"Kaufhaus Oberpollinger, Neuhauser Straße 44.
*Hotel Bayerischer Hof, Abteilung Verkehrs- und Reisebureau, Promenadeplatz 18.
Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie im Warenhaus Tietz, Bahnhofplatz 7, I.
Italienisches Reiseverkehrsamt, Odeonplatz 1.

— United States Lines, Maximilianplatz 12a,

München-Gladbach, *Verkehrsverein e. V., Markt 37.

Münster i. W., Norddeutscher Lloyd, Prinzipalmarkt 8—9.

Neustadt a. d. Haardt, Reisebureau des Verkehrsvereins, Bahnhofplatz.

Norderney, *Lloyd-Reisebureau Hermann Opitz, Poststraße 2 (Hansahaus).

Nürnberg, *Amtliches Bayerisches Reisebureau, G. m. b. H., im Hauptbahnhof,

Oberhausen, *Reisebureau der Gutehoffnungshütte, Essenerstraße.

Oberhof i. Thüringen, Kuropäisches Reisebureau, G. m. b. H.

— *Norddeutscher Lloyd, Oberhof.

Oberstdorf, Bayer, Allgau, *Reise- und Verkehrsbureau, Marktplatz.

Offenburg, *Verkehrsverein e. V., Hauptstraße 38.

Oldenburg, Reisebureau Brandorffy o. Seggern, Langenstraße 59.

— *Norddeulscher Lloyd, Haarenstraße 48.

Oppeln, *“Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie, Max Weidmann, Hauptbahnhof.

Osnabrück, *Sanders, Wieking &amp; Co., Zweigstelle Hauptbahnhof.

Passau, *Städtische Wechselstube des Amtl. Bayerischen Reiseburenus, Hauptbahnhof.

Pforzheim, *Schauenburg &amp; Co., Bahnhofstraße 26.

Plauen i. V., *Reıise- und Verkehrsbureau Br. Würker, Bahnhofstraße 47,

Recklingshausen, *Lloyd-Reisebureau Otto Sandkühler, Kunibertistraße 23.

Regensburg, *Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie, Richard Becker, Maximi-
Hanstraße 23.

Rostock, Reise- und Verkehrsbureau, Steinstraße, Haus Sonne,

Saarbrücken, Saarländisches Reisebureau A.-G., am Hauptbahnhof.

— *Amtliches Reisebureau der Saarbahnen, Hauptbahnhof.
        <pb n="751" />
        ADRESSEN VON REISE- UND VERKEHRSBUREAUS 751
Schweinfurt, *Norddeutscher Lloyd, Roßmarkt 4.
St. Blasien, Badisches Reisebureau, St. Blasien.
Stettin, Stettiner Dampfschiffs-Ges., J. F. Bräunlich, G. m. b. H., Stettin.
*Reisebureau der Stettiner Dampfer-Compagnie A.-G., Bollwerk 21.
— *Rud. Christ. Gribel, Stettin.
Stuttgart, *Hamburg-Amerika-Linie, Hotel Marquardt, Schloßstraße 6.
+Württembergisches Reise- und Verkehrsbureau, Passagebureau Rominger
G. m. b. H., Königstraße 15.
Swinemünde, *Ostsee-Reisebureau der Swinemünder Dampfschiffahrt-Aktien-Gesell-
schaft, Kurhaus.
Triberg, *Reisebureau der Kurverwaltung, Triberg.
Trier, *städtisches Verkehrsamt.
Überlingen, *Städtisches Verkehrsbureau (Briefanschrift: Postschließfach 40), Hof-
statt 54.
Ulm a. D., *Württembergisches Reise- und Verkehrsbureau, Passagebureau Rominger
G. m. b. H., Münsterplatz (Kiosk).
Waldenburg i. Schl., *Reise- und Verkehrsbureanu,
Wangerooge, Norddeutscher Lloyd. Abteilung Seebäderdienst, Ecke Zedelius- und
Peterstraße.
Weimar, *Europäisches Reisebureau, G. m. b. H., Norddeutscher Lloyd, Karlsplatz 12.
Wernigerode i. Harz, *Verkehrsamt der Städtischen Kurverwaltung.
Westerland, *Verkehrsbureau der Hamburg-Amerika-Linie, Strandpromenade.
Wiesbaden, *L. Rettenmayer, G. m. b. H.. Abteilung Reisebureau, Kaiser Friedrich-
Platz 2.
*Lloyd-Reisebureau J. Chr. Glücklich, Wilhelmstraße 56.
— #*Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie, Kranzplatz 5, Palast-Hotel.
Wildbad, *Württembergisches Reise- und Verkehrsbureau, König-Karl-Straße 187 B,
Wilhelmshaven, *Lloyd-Reisebureau, gegenüber dem Hauptbahnhof,
Würzburg, *Lloyd-Reisebureau Carl Schlier, Domstraße 21.
“Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie, W. Götze, Bahnhofsplatz, Verkehrs-
bureau.,
Zwickau. *Lloyd-Reisebureau Ernst Meitzner, Hauptmarkt 8 (Postfach 72).
Gebiet der freien Stadt Danzig.
Danzig, *Norddeutscher Lloyd, G. m. b. H., „Hohes Tor“, Heumarkt.
_— United States Lines, Dominikswall 13.
__ *Polnisches Reisebureau, „Orbis“, G. m. b. H., Stadtgraben 7,
Zoppot, *Norddeutscher Lloyd, Kasino.
Österreich.

Bad Gastein, *Österreichisches ‘Verkehrsbureau G. m. b. H., Kurhaus.

Bad Gleichenberg, *Kienreichs Reisebureau.

Bad Ischl, *Österreichisches Verkehrsbureau G. m. b. H., Hotel Post.

Baden bei Wien, *Reisebureau der Sanatorium Gutenbrunn A. G. in Baden bei Wien,
Frauengasse 4.

Bregenz, *Österreichisches Verkehrsbureau G. m. b. H., Römerstraße 8.

Bruck a. d. Mur, *Handels- und Gewerbebank r. Gen. m. b. H., Mittergasse 1.

Gmunden, *Österreichisches Verkehrsbureau G. m. b. H., Kurkommission,
Esplanade 6.
        <pb n="752" />
        TU

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Graz, *Österreichisches Verkehrsbureau G. m. b. H., Murplatz 16,
7— *Kienreichs Reisebureau, Sackstraße 16.
Hofgastein, *Internationales Reiseverkehrs- und Speditionsbureau, Kurgarten-
straße 147.
Innsbruck, *Österreichisches Verkehrsbureau G. m. b. H., Brixner Straße 6.
Klagenfurt, *Kärntner Reisebureau G. m. b. H., Burggasse 8.
Leoben, *Alpenländische Landbank, r, Gen. m. b. H., Homanngasse 4.
Linz a. d. D., *Österreichisches Verkehrsbureau G. m. b. H., Graben 42,
Salzburg, *Österreichisches Verkehrsbureau G. m. b. H., Schwarzstraße 1.
Semmering, *Kurkommission, Semmering.
St. Wolfgang, *Österreichisches Verkehrsbureau G. m. b. H., Grand Hotel St. Wolf-
gang.
Velden a. Wörthersee, Österreichisches Verkehrsbureau G. m. b. H., Schloß Velden.
Villach, *Bankhaus Schenk &amp; Stage, Hötzendorferstraße 1.
Wien, Reiseverkehrsbureau des „Neuen Wiener Journals“ gemeinsam mit der M.
Dukes Nachf, Akt.-Ges., Wollzeile 16.
*Österreichisches Verkehrsbureau G. m. b. H., Friedrichstraße 1.
*Repräsentanz des Tschechoslowakischen Reise- und Verkehrsbureaus G. m. b. H.,
beim Österreichischen Verkehrsbureau, Friedrichstraße 1.
*Klea‘, Vereinigte Textilwaren und Kleiderfabriken A. G., Mariahilferstraße 85.
— *Thos. Cook &amp; Son, Stephansplatz 2.
*Reisebureau des Grand Hotel, Kärntnerring 11.
*Hamburg-Amerika-Linie, Kärntnerstraße 38,
*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, I., Kärnitnerring 11.
*JItalienisches Reise- und Touristen-Bureau (Enit), Kärntnerring 6.
*Mitropa, Mitteleuropäische Schlafwagen- und Speisewagen A.-G., Friedrichstraße 1.
“Internationales Reisebureau Schenker &amp; Co.,, I., Schottenring 18a.
United States Lines, Kärntnerring 7 und Wiedner Gürtel 12.

Ungarn,
Budapest, Fremdenverkehrsbureau Akt.-Ges., gegenüber Ostbahnhof.

— *Amtliches Fahrkartenbureau der Königl. Ungarischen Staatsbahnen.
*Fremdenverkehrs- und Reiseunternehmungs-A.-G., Vigadö6.
*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, Maria Valeria-utca 1.
United States Lines, Baross Ter 2 Sz.
*Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen, Gellert-
ter 1.
*Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen. Baross-
te&amp;r 15.
*Filiale des Amtl, Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen. Erzsebet-
körut 45—47.
*Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen, Rakö6czi-
ut. 9.

— *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen, Lanehet-u. 1.
+Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar, Staatsbahnen, Blaha
Lujza ter 3.
        <pb n="753" />
        ADRESSEN VON REISE- UND VERKEHRSBUREAUS 753
Baja, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen, Bär6
Eötvös-utca 7. ;
Balassagyarmat, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staats-

bahnen, Kossuth Lajos-u, 1.
Bek&amp;scsaba, *Filiale des Amt]. Fahrkartenbureäus der Königl. Ungar. Staatsbahnen
Andrässy-utca 6. ;
Czegled, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar, Staatsbahnen
Debrecen, *Filiale des Amtl, Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen.
Piacz-utca 87. ;
*Piliale des Amtl, Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen, Ferenc
Jözsef-ut. 56.
Eger, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl, Ungar. Staatsbahnen
Szechenyi-utca 3. ;
Gyöngyös, *Filiale des Amtl, Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar, Staatsbahnen
Petöfi Sandor-utca 1330, ;
Györ, *Filiale des Amtl, Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen, Baross-
utca 25.
Hatvan, *Filiale des Amtl, Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen,
Kossuth ter 19.
H. M. VAsärhely, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staats-
bahnen, Szent Antal-utca 7.
Kaposvär, *Filiale des Amt]; Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen,
Fö-utca 12,
Karcag, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen,
Föter 1.
Kecskem6t, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen,
Beniczky-utca 4.
Keszthely, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar., Staatsbahnen,
Hungaria Palais,
K. K. Felegyhäza, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staats-
bahnen, Damjanich-utca 1.
Kiskunhalas, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staats-
bahnen, Ärpäd-utca 1.
Kisvärda, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen,
Kossuth Lajos-utca 2.
Komärom, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar, Staatsbahnen,
Igmändy-utca 6.
Köszeg, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen, Föter,
Makö6, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen,
Szechenyi-ter 18.
Mäteszalka, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen,
Kossuth-utca 440.
Mezötur, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen,
Kossuth-utca 96/97.
Miskolcz, *Filiale des Amil. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen,
Sz6chenyi-utca 133.
Nagykanisza, *PFiliale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staats-
bahnen, Csengery-utca 1.
Nyiregyhäza, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staats-
bahnen, Zrinyi Hona-utca 3.
        <pb n="754" />
        754

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Oroshaza, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen,
* Föler 4.

Päpa, *Filiale des Amtl.  Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen,
Kossulh Lajos utca 22. .

Pecs, *Filiale des. Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen,
Kiräly-utca 22,

S. A, Ujhely, *Filiale des Amtl, Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen,
Räkossy-utca 3.

Sopron, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen,
Värkerület 44. .

Szeged, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen,
Bästya-utca 9, .

Veszprem, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staatsbahnen,
Horthy Miklös-utca 1.

Zalaegerszeg, *Filiale des Amtl. Fahrkartenbureaus der Königl. Ungar. Staats-
bahnen. Föter.

Tschechoslowakei

Aussig a. d. E. (Usti n. L.), *Aussiger Lager- und Speditionshausgesellschaft
m. b. H., Marktplatz.

Bad Luhatschowitz (LaznE&amp; Luhacovice), *Cechoslovakisches Reise- und
Verkehrsbureau „Cedok“, Hudebni Pavillon. ;

Brünn (Brmo), *Cechoslovakisches Reise- und Verkehrsbureau „Cedok“, Namesti
Svobody 4.

Budweis (Ceske Bud&amp;jovice), *Libor AmbroZ Reisebureau, Lannova 35.

Eger (Cheb), Schreiter &amp; Pohl, Nadrazni tr. 60.

Franzensbad (Frantiäkovy Läzn€), *Cechoslovakisches Reise- und Ver-
kehrsbureäu „Cedok‘“, Neue Kolonnade 5.

Gablonz a. N. (Jablonce n. N.), *Cechoslovakisches Reise- und Verkehrsbureau
„Cedok“, Kronenstraße 15.

Johannisbad (Janske€ Läzn®€), *Cechoslovakisches Reise- und Verkehrsbureau
„Cedok“, Kurhaus,

Karlsbad (Karlovy Vary), *Cechoslovakisches Reise- und Verkehrsbureau
„Cedok“, Mlynska ul. c. 1 (Mühlbrunnstraße 1).
‘Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, Miynska ul. 16 (Mühlbrunnstraße 1).

— *Karlsbader Omnibusgesellschaft, Reisebureau, Haus Lorbeerkranz.

Kaschau (Ko5Sice), *Slovenskä Banka, Hlavnä ul. 82.

Königgrätz (Hradec Krälove), *J. Urban, Grand-Hotel, Hradec Krälove.

Mährisch-Ostrau (Moravskä Ostrava), *Cechoslovakisches Reise- und
Verkehrsbureau „Cedok“, Denisovo näm €&amp; 8.

Marienbad (Marianske Läzn®), *Cechoslovakisches Reise- und Verkehrs-
bureau „Cedok“, Hauptstraße, Haus Sanssouci.

Olmütz (Olomouc), *Vojt&amp;ch Sebestik, Nämöesti (vedle orloje).

PieStany, *Riaditel’stvo küpelov.

Pilsen (Plzen), *Kolumbia-Reisebureau L. AmbroZ &amp; Comp., Vankova tf,

— B. Panyrek, Reisebureau, Kramäfovy sady 14.

Prag (Praha), *Cechoslovakisches Reise- und Verkehrsbureau „Cedok‘“, IL,

Mikulandskä 7.
        <pb n="755" />
        ADRESSEN VON REISE- UND VERKEHRSBUREAUS %5
Prag (Praha), *Cechoslovakisches Reise- und Verkehrsbureau „Cedok“, IL,
Hybernskä 14. ;
_— *Cechoslovakisches Reise- und Verkehrsbureau „Cedok“, II, Väclavske näm. 63.
— *Internationales Reiseburean Schenker &amp; Comp., IL, Piikopy 34. i
— *D. Schick und Rosenbaum, Reisebureau, II, Väclavske näm. 47.
Reise- und Verkehrsbureau Ocean, G. m. b. H., II, Havlickova ul. 1.
*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, II, Pfikovy 26,
United States Lines, Nar Pfikope 19.
Preßburg (Bratislava), *Cechoslovakisches Reise- und Verkehrsbureau „Cedok“,
Dihfa ul ec. 12.
Reichenberg (Liberec), *Bankhaus „Anker“, J. Masopust &amp; Co., Schloßgasse 11.
Stary Smokovec, *Cechoslovakisches Reise- und Verkehrsbureau „Cedok“, im
‚Hause der Tatra Elektrischen Vicinalbahn.
Teplitz-Schönaut (Teplice-Sanov), *Cechoslovakisches Reise- und Ver-
kehrsbureau „Cedok‘“, Schillerplatz.
Troppau (Opava), *Julius Duschek, Spediteur, Jaktarstraße 1.
U%horod., Podkarpatskyi Bank. Masarykovo näm. 11.

Belgien.
Antwerpen, *American Express Company, Place de Meir 87.
_— *Thos. Cook &amp; Son, Place de Meir No. 80.
Brüssel, *Agence Continentale &amp; Anglaise, Rue de la Madeleine 13.
_—. *American Express Company, Boulevard Adolphe Max 121.
*Thos. Cook &amp; Son, Rue de VEveque 11, Boulevard Anspach.
— *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, Place de Brouck&amp;re 17. ;
:_ *Bureau Italien de Voyages et de Tourisme (Enit), Rue de Loxum 1.
Ostende, American Express Company, Rampe Est du Kursaal 11 A.
*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europteens, Avenue Leopold 29 und Kiosk de la digue.
*Thos. Cook &amp; Son, Rue de Flandre 47—49.

Bulgarien.
Sofia, “Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Furopeens, Grand Hötel de Bulgaria. en face le Palais Royal,

Dänemark.

Aarhus, *Bennetts Reisebureau A.-K., Store Torv 6:

Kopenhagen, *Dansk Rejsebureau, Amagertorf 24.
*Amtliches Reisebureau der dänischen Staatsbahnen, Bernstorffsgade 4A.
*Bennetts Reisebureau A.-S., Raadhusplads 47.

— *Thos. Cook &amp; Son, Kongens Nytorv 26. .

*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, Vesterbrogade, Palais. de Industrie,
*American Express Company, Holmens Kanal 8.
*Dansk Reisebureau, Amagertorf 24.
        <pb n="756" />
        ‚6

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Großbritannien,
Cardiff, *Thos, Cook &amp; Son, 28, High Street.
Dublin, United States Lines, 3 and 4, College Street,
Hull], *Thos. Cook &amp; Son, 5, Carr Lane.
Liverpool, *Thos, Cook &amp; Son, 49, Lord: Street.
London, German Railways Information Bureau, 19, Regent Street, Piccadilly Circus.
Bureau der Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung.
S. W. 1, *American Express Company, Haymarket 6.
E. C., *American Express Company, 16 Bury Street,
S. W., *American Express Company, Hotel Cecil,
S. W., *American Express Company, Hotel Metropole.
W. C. 1, *Bennetts Travel Bureau Ltd., Greener House 66/68, Haymarket SW. 1.
E. C. 3, *Continental Express Ltd., Gracechurchstreet 57.
W. 1, *Thos, Cook &amp; Son. Head Office, Berkeley Street, Piccadilly.
E. C. 4, *Thos, Cook &amp; Son (City Office), Ludgate Circus.
E. C. 3, *Thos. Cook &amp; Son (City Office), Gracechurchstreet 99.
E. C. 3, *Thos. Cook &amp; Son (City Office), Leadenhall St. 100.
E. C. 2, *Thos. Cook &amp; Son (City Office), Cheapside 81.
W. 1, *Thos. Cook &amp; Son (West End Office), Piccadilly 38/9.
W. 8, *Thos Cook &amp; Son (West End Office), High St. 21, Kensington.
5. W. 1, *Thos. Cook &amp; Son (West End Office), Pall Mall 125. ,
W. 1, *Thos. Cook &amp; Son (West End Office), Oxford St. 86. ;
Strand W. C. 2, *Thos. Cook &amp; Son, Strand 378.
W. C. 2, *Thos. Cook &amp; Son, 43 Kingsway.
S. W. 1, *Thos. Cook &amp; Son, Grosvenor Hotel.
W. 1, *Thos. Cook &amp; Son, Regent Palace Hotel,
Charing Cross W. C. 2, *Thos, Cook &amp; Son, Forecourt, Charing Cross Terminus,
Jlolborn W. C. 1, *Thos. Cook &amp; Son, High Holborn 122. ; .
maston Road N, W. 1, *Thos. Cook &amp; Son, Front of St. Pancras Station.
Easton Road.
N. W. 1, *Dean &amp; Dawson Ltd., Managers Office, 7, Blandford Square.
W. C. 2, Dean &amp; Dawson Ltd., 5, Surrey Street.
W. 1, *Dean &amp; Dawson Ltd., 84 b, Piccadilly.
E. C. 1, *Dean &amp; Dawson Litd., 28, Aldersgate Street.
E. C. 3, *Dean &amp; Dawson Ltd., 87, Gracechurch Street. .
W. 1, London and North Eastern Railway, Regent Street 71.
E. C. 3, American Line, 1, Leadenhall Street.
S. W. American Line, 1, Cockspur Street.
W. C. 2, The Travel Club, 1, Charing Cross.
S. W. *Agence generale de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des
Grands Express Europeens, Cockspur Street 20, Trafalgar Square.
‘Italian Tourist Office (ENIT), Waterloo Place, 12 (Regent St. S. W. 1).
S. W. 1, *Norwegian State Railways Travel Bureau, Cockspur Street 2124,
Norwayhouse,
W. 1, *The Swedish Travel Bureau, Coventry Street 21,
W. C. 1, *The Wayfarers Travel Agency, Gordon Square 33, Bloomsbury.
E. C. 2, *Zeeland S. S. Co., Electra House 78, Finsbury Pavement, Moorgate.
London, S. W. 1, United States Lines, 14 Regent Street.
        <pb n="757" />
        ADRESSEN VON REISE- UND VERKEHRSBUREAUS 757
London, *General Agents Zeeland S. S. Co., Wm. Müller &amp; Co., Ltd, Greener House
66—68, Haymarket.
*Frames Tours’ Ltd. 92, Southampton Rew,

Manchester, *Thos. Cook &amp; Son, 77, Market Street.

Southampton, United States Lines, 3/4 Canuie Road.

Estland.
Reval, Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, Nunne tänaw 8.
Eesti Reisibureau, Pikk tänaw 8.

Finnland,
Helsingfors, Finnlands Reisebureau, Esplanadgatan 21,

Frankreich.
Aix-Les-Bains, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des
Grands Express Europeens, Square du Temple de Diane.
Algier, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, 62, Rue d’Isly.
*Thos. Cook &amp; Son, 61, Rue d’Isly.
Biarritz, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, 1, Villa Larralde rue Garderes.
— *Dean &amp; Dawson Ltd., Avenue Edouard VII.
—. *Thos. Cook &amp; Son, Avenue Edouard VI.
Bordeaux, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, 28-30, cours de l’Intendance.
Cannes, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, 4, Promenade de la Croisette.,
*Thos. Cook &amp; Son, 3, Rue Marechal Foch.
Chamonix, Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, Hötel Majestic.
La Baule, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, Au Casino.
Lille, *Socie&amp;le Anonyme Exprinter, 83, Rue Nationale.
Lyon, Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, Hötel Terminus en gare.
Marseille, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des
Grands Express Europeens, 38-30, Rue de Noailles.
*American Express Company Inc., 24, Rue Cannebitre,
_— #*Thos. Cook &amp; Son, 11 B, Rue Noailles,
— #*Dean &amp; Dawson Ltd., 2. Rue Beauvau,
Mentone, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, Avenue de la Gare.
— *Thos. Cook &amp; Son, 22, Avenue Felix Faure.
—_ *Dean &amp; Dawson Ltd., Square Bennet,
Monte Carlo, Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des
Grands Express Europeens, 15, Galerie Charles III.
        <pb n="758" />
        758

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Monte Carlo, *Thos, Cook &amp; Son, Credit Lyonnais, Avenue des Beaux Arts,
;— *American Express Company Inc., Grand Hotel.
Nizza, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits des Grands Express
Europeens, 14, Avenue de Verdun.
— *American Express Company Inc., 2, Rue du Congrö8s.
— *Bureau de Voyages Bennett, 4, Rue Halevy. ;
*Thos. Cook &amp; Son, 13, Promenade des Anglais.
— *Bureau Italien de Voyages et de Tourisme (ENIT), 10, Avenue de la Victoire.
Paris, Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, 14, Boulevard des Capucines.
*Agence de Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, 88, Avenue des Champs-Elysees.
*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europte€ens, Hötel Moderne, 8 bis Place de la Republique.
"Agence de la Compagnie International des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, Grand Hötel. .
*Agence de la Compagnie International des Wagons-Lits et des Grands Express
Europe&amp;ens, Gare Lyon.
*Agence de la Compagnie International des Wagons-Lits et des Grands Express
Europteens, Gare du Nord.
*Agence de la Compagnie International des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, Gare d’Orsay.
— *Agence Continentale &amp; Anglaise, 27, Boulevard Magenta.
*Agence Lubin, 36, Boulevard Haussmann.
*American Express Company Inc., 11, Rue Scribe,
*Bureau de Voyages Bennet, 4, Rue Scribe,
*Thos. Cook &amp; Son, 2, Place de la Madelaine.
*Thos. Cook &amp; Son, 18, Rue de la Paix,
*Thos. Cook &amp; Son, 101, Avenue des Champs Elysees,
*Thos. Cook &amp; Son, 250, Rue de Rivoli.
*Dean &amp; Dawson Ltd., 2 &amp; 4, Rue Edouard VII,
*Dean &amp; Dawson Lid., 212, Rue de Rivoli.
"Bureau Italien. de Voyages et de Tourisme (Enit), 4, Place de "1Operea, Rue 4
Septembre 34.
*Nordisk Voyages S. A., 28 bis Avenue de l’Opera.
*Excursions en Suede, Bureau de voyages. 5. Avenue de ]l’Opera, Banque de
Suede et de Paris. .
*Societe Anonyme des Voyages Duchemin, 20, Rue de Grammont.
United States Lines, 1, Rue Auber.
Straßburg, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, 13, Rue de Vieux-Marche-aux-Vins.
*Societe Anonyme Exprinter, 31, Place Kleber.

Griechenland. ;
Athen, *American Express Company, 31, Stadium Street,
— *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, 5 Rue Metropole. .
*Thos. Cook &amp; Son. Place de la Constitution.
        <pb n="759" />
        ADRESSEN VON REISE- UND VERKEHRSBUREAUS 759

Piraeus, *American Express Company Inc., 44 Philinos Str.
Saloniki, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, 3b, Boulevard Nikis.

Holland,
Amsterdam, *Lissone &amp; Zoon Reisebureau A. G., Leidschestraat 5.
*Lissone &amp; Zoon Reisebureau, Filiale, Dam 10.
__ *Thos. Cook &amp; Son, Vijgendam 10.
*Thos. Cook &amp; Son, Amstel Hotel.
*American Express Company, Kalverstraat 101 und Rokin 88/90.
“Agence de la Compagnie Internationale des. Wagons-Lits et des Grands Express
Europ&amp;ens, Rembrandtplein 3. ;
*Officieel Reisbureau der Zweedsche Staatssporwegen (Post-box 996), Vischers-
dam 7.
Arnhem, *Reisbureau Lindeman, Bakkerstraat 7.
Groningen, *Reisbureau Lindeman, Brugstraat 4,
Haag, *Reisbureau Lindeman, Groenmarkt 22.
*Thos. Cook &amp; Son, 58 A, Lange Voorhout,
Haarlem, *Reisbureau. Lindeman, Stationsplein 13.
Leeuwarden, *Reisbureau Lindeman, Raadhuisplein 21.
Rotterdam, *Reisbureau Lindeman, Nordblaak 13.
_. *American Express Company, Zuidblaak 26 A.
Utrecht, *Reisbureau Lindeman, Lange Jaunsstraat 11,

Italien.
Abbazia, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, Corso Vittorio Emanuele Il.
Como, *Agencia Viaggi Associazione. Pro Como, Piazza Cavour 3.
Florenz, *Agence de Ja Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europ6&amp;ens, 4, Via Strozzi.
*American Express Company, Via Tornabuoni 2 e 4. 8
Cardone-Riviera, *Agenzi Viaggi Fratelli Molinari:;
Genua, *Thos. Cook &amp; Son, Via Arsenale di Terra (Piazza Acquaverde).
_. *American Express Company S. A. I, Piazza Nunziata 17.
*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, Via Balbi 31.
Grado, *Ufficio Centrale Viaggi della Venezia Giulia.
Mailand, *Thos. Cook &amp; Son, Via A. Manzoni 7.
*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, Via Manzoni 6.
— Agenzia Chiari-Sommariva, Via Dante 7.
Malta, *Thos. Cook &amp; Son, 308 Strada Reale Valetta.
Meran, *Fremdenverkehrsbureau des Kur- und Verkehrsvereins, Kurhaus, Corso
Prinzipe Umberto.
*D. &amp; J. Biedermann, Bankgeschäft und Reisebureau,
_ *Bank- und Wechselstuben A. G „Mercur“.
        <pb n="760" />
        760

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Montecatini, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des
„  Grands Express Europeens,
Neapel, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, Via Calabritto 10 (Piazza dei Martiri),
*Thos, Cook &amp; Son, Galleria Vittorio, Via Chiatamone 4.
— *American Express Company, Piazza dei Martiri.
Rapallo, *Ufficio Viaggi e Turismo (ENIT), Corso Italia 2.
Rom, *Roesler Franz &amp; Figli, Via Condotti 91/93.
— *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, Piazza San Silvestro 93.
‘American Express Company 5. A. I., Piazza di Spagna.
*Thos. Cook &amp; Son, Piazza Esedra 54,
— *Thos, Cook &amp; Son, Piazza di Spagna 1B.
Salerno, *Societa Meridionale Trasporti.
Salso Maggiore, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et
des Grand Express Europeens, Aux Thermes Royales.
San Remo, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, Via Vittorio Emanuele.
— *Thos. Cook &amp; Son, Via Vittorio Emanuele.
Stresa, *Thos. Cook &amp; Son, 28, Viale Umberto I.
Taormina, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, Largo S. Domenico.
Trento, *Banca cooperative, Trento.
Triest, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, Via Orologio 1.
— *P, Christofidis, Hotel de la Ville.
Tripolis, *Ufficio Viaggi e Turismo (ENIT), Corso Vittorio Emanuele II.
Venedig, *Ufficio Viaggi e Turismo (ENIT), Piazza San Marco 49/50.
— *Thoaos. Cook &amp; Son. Piazza dei Leoneini.

Offizielle Bureaus der „ENIT“, Italien.
(Ente Nazionale Industrie Turistische)
Generaldirektion der Enit: Rom, Via Marghera 6. Telegramme: Enit.
Abbazia, Italien, Corso Vittorio Emanuele IN;
Aosta, Italien, Piazza Carlo Alberto, 6 bis.
Bologna, Italien, Piazza del Nettuno 3A.
Bolzano (Bozen), Italien, Corso Vittorio Emanuele Il.
Cortina d’Ampezzo, Italien, Piazza Venezia.
Fiume, Italien, Via XXX. Ottobre.
Firenze (Florenz), Italien, Via Speziali 2.
Genova (Genua), Italien, 237 rosso, Via XX, Settembre.
Laurana, Italien, 152, Corso Vittorio Emanuele.
Merano (Meran), Italien, Corso Principe Umberto,
Milano (Mailand), Italien, Via S. Margherita 16.
Napoli (Neapel), Italien, Piazza Trento et Trieste.
Palermo, Italien, Via Roma 340-—342.
Rapallo, Halien, Corso Italia 2.
Riva (Gardasee), Italien, Piazza Garibaldi 5:
Roma (Rom), Italien, Piazza Colonna und Via Vittorio Veneto.
        <pb n="761" />
        ADRESSEN VON REISE- UND VERKEHRSBUREAUS 761

San Remo, Italien, Via Vittorio Emanuele 2.

Santa Margherita, Italien, Piazza Manzini.

Trento (Trient), Italien, Via Roma,

Trieste (Triest), Italien, Via della Borsa 2.

Tripoli (Tripolis), Italien, Lungo Mare Conte Volpi.
Turino (Turin), Italien, Piazza Castello.

Venezia (Venedig), Italien. Piazza S. Marco.

Basel, Schweiz, Centralbahnstraße 17.

Genf, Schweiz, Rue du Mont Blanc 3.

Lausanne, Schweiz, Place St. Francois 1.
Locarno, Schweiz, Via F. Balli ang. Viale Stazione.
Luzern, Schweiz, Schweizerhofquai 2.

Lugano, Schweiz, Piazza R. Rezzonico.

St. Gallen, Schweiz, Leonhardstraße 20.

Zürich, Schweiz, Bahnhofstraße 80.
Barcelona, Spanien, Rambla Santa Monica 1 y 3.
Madrid, Spanien, Calle Alcala 47.
St Sebastian, Spanien, Oquendo 7.
Berlin, Deutschland, Unter den Linden 54/55.
München, Deutschland, Odeonsplatz 1.
Brüssel, Belgien, Rue de Loxum 1.
Bukarest, Rumänien, Calea Grivitei 143.
Budapest, Ungarn, Vigadö Epület.

Cannes, Frankreich, wird Anfang 1927 eröffnet.
Marseille, Frankreich, Rue de Noailles 10.
Menton, Frankreich, Rue Partounneaux 40,
Nizza, Frankreich, Avenue de la Victoire 10.
Paris. Frankreich. Place de VOpera 4.
Monte Carlo, Monaco, Boulevard des Moulins 2.
Prag, Tschechoslowakei, Hybernskä ul. 14.
Alexandrien, Ägypten, Rue Cherif Pascha 30.
Kairo, Ägypten, Sharia Kamel 4.

Tunis, Tunesien, Avenue de France 3.
Buenos Aires, Argentinien, Lavalle Esq. Florida.
Rio de Janeiro, Brasilien, Avenida Rio Branco 2/6.
St. Paul, Brasilien, Rua Alvares Pentcado 43.
New York, U. S. A, 749, Fifth Avenue,
        <pb n="762" />
        a

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Jugoslawien.
4
Belgrad, Agence de Ia Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, Rue Kolarceva 1.
— United States Lines, Palata Beogradske Zadruge.
Ljubljana (Laibach), *Josip Zidar, Reisebureau, Dunaiska cesta 31.
Zagreb (Agram), Georges Trpinac, Ilica passage.
— *Hamburg-Amerika-Linie, Generalrepräsentanz für Jugoslawien, Besta Nr. 3.
*Agence de Ia Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, Jelatchitchev trg. Nr. 26, Palais de la Banque Yougoslave.
*Jugoslavische Bank.

Lettland,
Libau, *Dampfschiffahrts-Gesellschaft Baltischer Lloyd, Abteilung Reisebureau,
Rosenplatz 11.
Riga, *Dampfschiffahrts-Gesellschaft Baltischer Lloyd, Abteilung Reisebureau, Kauf-
straße 22,
*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, L. Smilsu eela 8—10.
*Stadt-Station und Transport-Kontor der: Lettischen Bahnen, Kalkstraße 36,
Litauen.
Kowno, *Dampfschiffahrts-Gesellschaft Baltischer Lloyd, Abteilung Reisebureau,
Laisves Aleja 24.
*Reisebureau Robert Meyhoefer, Fischerstraße 12,
*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, Laisves Aleja 56.
*Hamburg-Amerika-Linie, Generalvertretung für Litauen, Laisves Aleja 46.

Luxemburg.
Luxemburg, *Luxzemburger Reise- und Verkehrsbureau, Aldringerstraße,
Norwegen.

Bergen, Bennetts Reisebureau A.-G., Torvalmenning 37.
— *Thos. Cook &amp; Son, Kong Oskars Gate 10.

Kristianssand, Bennetts Reisebureau A.-G., Vestre Strandgate 16.

Narvik, *Bennetts Reisebureau A.-G.,. Dronningensgate.

Oslo (Kristiania), *Bennetts Reisebureau A.-G., Karl Johans Gate 35.
—— *Statsbanenes Reisekontor og Sovevogncentral, Oestbanestationen,
— *Thos. Cook &amp; Son, Karl Johans Gate 20 (Egertorvet).

Stavanger, *Bennetts Reisebureau A.-G., Kaien.

Trondhjem, *Bennetts Reisebureau A.-G., Dronningensgate 7.

— *Thos, Cook &amp; Son. Kongens Gate 10, entrance Nordre Gate.
Polen.
Bielsko (Bielitz), *Polnisches Reisebureau ORBIS G. m. b. H., ul. 3. Maja 13.
Katowice (Kattowitz), *Polnisches Reisebureau ORBIS G. m. b. H., ul. Dyrekecyina 2.
        <pb n="763" />
        ADRESSEN VON REISE- UND VERKEHRSBUREAUS 768
Krak6w (Krakau), *Polnisches Reisebureau ORBIS G. m. b. H., Rynek linja C-D 33.
_— *Polnisches Reisebureau ORBIS G. m. b. H., Dietlowska 46.
L6dz, *Polnisches Reisebureau ORBIS G. m. b. H., ul. Andzeja 5.
Lw6 w, *Polnisches Reisebureau ORBIS G. m, b. H., Zentralstelle, ul. Jagiellönska 20-22.
_— *Polnisches Reisebureau ORBIS G. m. b. H., plac Marjacki 8.
*Polnisches Reisebureau ORBIS G, m. b. H., ul. Szpitalna 1,
*Agence de la Compagnie Internationale des Wagon-Lits et des Grands Express
Europeens, 15, Place Halicky. V
Poznan (Posen), *Polnisches Reisebureau ORBIS G. m. b. H., plac Wolnosei 9.
Przemy6$1], *Polnisches Reisebureau ORBIS G. m. b. H., ul, Mickiewicza 8.
Sambor, *Polnisches Reisebureau ORBIS G. m. b. H., Rathaus.
Stanis!aw6w, *Polnisches Reisebureau ORBIS G. m. b. H., ul. Kosciuszki (Gmach
Magistratu);
Stryj, *Polnisches Reisebureau ORBIS G. m. b. H., Sobieskiego 12.
Tarnow, *Polnisches Reisebureau ORBIS G. m. b. H., Krakowska 13.
Warszawa, *Polnisches Reisebureau ORBIS G. m. b. H., ul. Widok 8.
*Polnisches Reisebureau ORBIS G. m. b. H., ul. Nalewki 8.
“Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, Hotel Bristol, Faubourg de Cracovie,
Zakopane, *Polnisches Reisebureau ORBIS G. m. b. H., ul. Krupöwki.

Portugal.
Lissabon, *Agence de la Companie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europ&amp;ens, 87c, Rua do Carmo.
_— *Thos. Cook &amp; Son, Rua Aurea 52-54.
_ *Fseriptorio Italiano de Viagens e Turismo (ENIT), Rua dos Fanqueiros 15.

Rumänien.
Arad, *Reise- und Speditionsbureau „Idet‘“ (Sardev Vertretung), Str. Berthelot 2.
— *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europ6ens, 18, Boulevard Regina Maria.
Brasov (Kronstadt), *Reise- und Speditionsbureau H. Aronsohn &amp; Co. (Sardev-Ver-
tretung), Brasov.
Bucuregti (Bukarest), *Rumänisches Reisebureau A.-G. (Sardev), Strada Aca-
demiei Nr. 21.
*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits. et des Grands Express
Europ&amp;ens, Piata Regele Carol Ier.
__. *Bureau officiel Italien de voyages et tourisme (ENIT), Calea Crivitei, 143,
GCernauti (Cernowitz), *Rumänisches Reisebureau A.-G. (Sardev) Filiale, Piata
Unirei 2.
*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, 10, Strada lancu Flondor,
Chisinau, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagon-Lits et des Grands
Express Europ&amp;ens, 85, Strada Chievului.
Cluj, Birou orasenese pentru bilete de tren C. F. R, (Sardev Vertretung), Piata
Unirei No. 1.
k*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, Piata Unirei et Strada Nicolae Jorga.(Hotel New York).
        <pb n="764" />
        764, DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Jasi, *Rumänisches Reisebureau A.-G. (Sardev) Filiale, Strada Academici No. 3.
+ *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, 44 Strada Cuza Voda.
Oradea-Mare, *Banca Dacia (Sardev Vertretung), Bulevard Regele Ferdinand No. 4.
— *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europ&amp;eens, 2, Bulevard Regele Ferdinand.
Timisoara (Temesvar), *,Birdev“ Birou de voiaj, Casa de bilete C. F.R. Marius
Popescu (Sardev Vertretung), Str. J. C. Bratianu No. 4.
*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, 8. Bulevard Regele Ferdinand.
Rußland.
Leningrad (Petersburg), *Reisebureau der Deutsch-Russischen Lager- und Trans-
port-Gesellschaft m. b. H. (DERUTRA), Hotel d’Europa, Lassallestraße 1.
Moskau, *Reisebureau der Deutsch-Russischen Lager- und Transport-Gesellschaft
m. b. H. (DERUTRA), Petrowka 4.

Odessa, *Reisebureaw der Deutsch-Russischen Lager- und Transport-Gesellschaft
m. b. H. (DERUTRA), Deribassowskaja 12.

Wladivostock, *Agence de la Compagnie des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens. 27, Aleutskava street.
Schweden.
Göteborg. *Statens Järnvägars Resebyra (Amtliches Reisebureau der Schwedischen

Staatsbahnen), Stationsbyggnaden vid Drottningtorget.
— *Aktiebolaget Nordisk Resebureau, Södra Hamngatan 43,

Malmö, *Aktiebolaget Nordisk Resebureau, Stortorget 13a.
*Billjettexpedition (Fahrkartenausgabe der Schwedischen Staatsbahnen, Central-
stationen.

Stockholm, *Aktiebolaget Nordisk Resebureau, Im Opernhaus.
Aktiebolaget . Nordisk Resebureau, Im Grand Hotel.
Aktiebolaget Nordisk Resebureau, Im Hotel Continental,
*Statens Järnvägars Resebyra (Amtliches Reisebureau der Schwedischen Staats-
bahnen), Vasagatan 1.
Schweiz.
Arosa, *Rhätische Bank, Arosa,
Basel, *Danzas &amp; Cie. A.-G., Reisebureau, Zentralbahnplatz 8.
- *Internationales Reisebureau Zwilchenbart A.-G., Zentralbahnplatz 9.
— *American Express Company, Zentralbahnplatz 13.
*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, Zentralbahnplatz 16.
— *Bureau officiel italien des voyages et tourisme (ENIT), Zentralbahnstraße 17.
Bern, *Berner Handelsbank, Abteilung Reise und Verkehr, Bundesgasse 14.
— *,Ritztours‘““ Reisebureaus und Wechselstuben A.-G., Hauptbahnhof,
Davos, *Meisser &amp; Betzen, Vertreter der Hamburg-Amerika-Linie, Promenade 40.
— *Rhätische Bank, Davos.
— Kleiner, Gerber &amp; Co.
Genf, Reisebureau La Mondiale, Rue d’Italie 1.
— *Thos. Cook &amp; Son. Rue du Rhöne 90.
        <pb n="765" />
        ADRESSEN VON REISE- UND VERKEHRSBUREAUS 765

Genf, *Agence de 1a Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express

Europeens, Rue du Mont Blanc 4.
*Bureau officiel italien de voyages et tourisme (ENIT), 3, Rue du Mont Blanc.
*C. Blenk, Fert &amp; Co., 1, Rue du Mont Blanc.
Interlaken, *Thos. Cook &amp; Son., Höheweg.
— *American Express Company, Höheweg 33.
*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeen, Bahnhofplatz 29.
— *Volksbank Interlaken, Höheweg.
Lausanne, *Frederic Scheidegger, Rue du Petit Chene.
_— *Perrin &amp; Co., Place St. Francois 15.
__ #*Thos. Cook &amp; Son., Grand Chene 10.
*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, Place St. Francois 16.
— *Bureau officiel italien de voyages tourisme (ENIT), Place St. Francois 1.
Lugano, *Thos. Cook &amp; Son., Quai Vincenzo Vela 8.
Luzern, *Reisebureau A. Kuoni A.G., Schweizerhofquai—Alpenstraße 2.
— *Thos. Cook &amp; Son, Schwanenplatz.
_— *American Express Company, Haldenstraße 4,
*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeen, Luzernerhof, Schweizerhofquai,
*Bank Sautier &amp; Co., Kapellplatz 10.
_— *Bureau officiel italien de voyages et tourisme (ENIT), Schweizerhofquai 2.
Montreux, *Thos. Cook &amp; Son, Arcades du National, Bon Port.
__ *American Express Company, Grand Rue,

Pontresina, *Reisebureau A. Kuoni A. G., Filiale Pontresina.

Schaffhausen, Reisebureau Eugen Schuler (Briefanschrift aus Deutschland: Fa,
Eugen Schuler, Internationale Transporte. Schaffhausen, Postamt Gottmadingen
(Baden), Bahnhofstraße 24.

St. Gallen, *Reise- und Verkehrsbureau Hans Steurer, Neugasse 40.

— *Bureau officiel italien de voyages et tourisme {ENIT), Leonhardtstraße 20.
St. Moritz, *Reisebureau A. Kuoni A. G., in Fa, J. Töndury &amp; Co. (Engadiner Bank}.
_ *Naegeli, Weetmann &amp; Co.
_ *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeen, Immeuble de la Banque Populaire Suisse:
*Rhätische Bank.
__ *Thos. Cook &amp; Son., Badstraße.

Vulpera, *Reisebureau A. Kuoni A. G., Schuls-Tarasp.

Winterthur, *Reisebureau Eugen Schuler, Bankstraße 10 (Adresse für Sendungen
aus Deutschland: Postamt Gotimadingen, Baden).

Zürich, *Reisebureau A. Kuoni A. G., Bahnhofplatz 7.

Meiß &amp; Co., A.-G., Lloyd-Reisebureau, Bahnhofstraße 40.

*Hapag-Reisebureau H. Altenberger, Bahnhofstraße 90.

*Thos. Cook &amp; Son, Bahnhofstraße 33.

*American Express Company, Bahnhofstraße 79.

*Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express
Europeens, Bahnhofstraße 53.

*Bureau officiel italien de voyages et tourisme (ENIT), Bahnhofstraße 80.
        <pb n="766" />
        Hay

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Spanien.
Barcelona, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, Plaza Cataluna 20.
"Thos. Cook &amp; Son, Calle de Fontanella 19.
American Express-Company, Calle de Fontanella 17.
*Oficina Italiana de Viajes y Turismo (ENIT), Rambla Santa Monica 1 y 3.
— *Banca Marsans, Rambla de Canaletas 2 y 4.
Biarritz, Dean &amp; Dawson Lid., Avenue Edouard VII.
[run, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagon-Lits et des Grands Express
Europ&amp;eens, A la gare.
Madrid, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, Calle del Arenal 3 und Hotel Ritz.
*Thos. Cook &amp; Son., Avenida del Conde de Penalver 15.
*Thos. Cook &amp; Son, Palace Hotel.
*Viajes Marsans, Carrera S. Jerönimo 43.
_— *Oficina Italiana de Viajes y Turismo (ENIT), 47 Calle Alcalä.
Sevilla, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, Sierpes 78.
— "Thos. Cook &amp; Son, Calle Canovas del Castillo 18.
St. Sebastian, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des
Grands Express Europeens, Calle Andia 2.
— Oficina Italiana de Viajes y Turismo (ENIT), Oquendo 7.
Valencia, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europe6ens. Palace-Hötel. 44 Calle de la Paz.

Türkei
Stambul, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Fxpress Europeens. 245 Grande Rue de Pera.

Ägypten.
Alexandria, *Travel &amp; Tourist Office of the Enit, 50, Rue Cherif Pacha.

Cairo, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens, 8, Sharia ei Manakh,
*American Express Company Inc., Continental-Savoy Building.
Travel &amp; Tourist Office of the Enit, Sharia Kamel (between Shepheards
Continental Hotels).

Luxor, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Fxpress Europneens, a la gare.

Marokko.
Casablanca, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et der
Grands Express Europeens, Rue de l’Horloge.

Palästina.
Haifa, *Agence de la Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands
Express Europeens. Aa la gare.
        <pb n="767" />
        ADRESSEN VON REISE- UND VERKEHRSBUREAUS 767

Vereinigte Staaten von Nordamerika.

Atlanta, United States Lines, 433 Healy Building.

Boston, *Thos. Cook &amp; Son, 167 Tremont Street.

— WVUnited States Lines, 75 State Street.
Chicago, *IB., Thos, Cook &amp; Son, North Michigan Avenue 350.
American Line, 127 South State Street.
— WUnited States Lines, 110 South Dearbon Street.
Cincinnati, United States Lines, Provident Bank Building, Room 727,
Cleveland, Ohio, American Line, Ohio Euclid Avenue,
— United States Lines, Hotel Cleveland.

Dallas, United States Lines, Thomas Building.

Detroit, United States Lines, 1514 Washington Boulevard,

Los Angeles, *Thos. Cook &amp; Son, South Grand Avenue 623.

-— United States Lines, 820 Merchants National Bank Building.

New York, German Railroads Information Office, New York City, Station „G“ 630
Fifth Avenue. Bureau der Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung.
Amerop Travel Service, Inc., Fifth Avenue 574. (Ende 1926 eröffnetes Bureau
der Mer, des Mitteleuropäischen Reisebureaus G. m. b. H., dem sich auch
Österreich und Ungarn mit je einem eigenen Beamten angeschlossen haben.)
*Nor!h German Lioyd (Nordd. Lloyd), 32 Broadway, Station P.,

*Thos. Cook &amp; Son (Chief Office), 585 Fifth Avenue,
*Thos. Cook &amp; Son (Branch Office), 253 Broadway.
*Dean &amp; Dawson, Ltd., 500 Fifth Avenue.
*American Express Company (Head Office), 65 Broadway.
United States Lines, 45 Broadway.

— *Bankhaus Emil Kiss, 133 Second Avenue.

Minneapolis, Minn. American Line, South Third Street.

New Orleans, United States Lines, Hibernia Bank Building.

Omaha, United States Lines, 1227 City National Bank Building.

Philadelphia, American Line, 3119 Walnut Street.

— United States Lines, 1431 Walnut Street.
— *Thos. Cook &amp; Son, 130 South Fifteenth Street.

Pittsburgh, United States Lines, Jenkings Arcade.

Portland, Me., Uni'ed States Lines, 404 Congress Street,

San Francisco, Cal., United States Lines, 50 Sutter Street.

*Thos. Cook &amp; Son, 128 Sutter Street.
_— *Dean &amp; Dawson Ltd., 544 Market Street.
St. Louis, American Line, 1101 Locust Street.
— United States Lines, 1026 Locust Street,
_— *Thos. Cook &amp; Son, City Club Building, 1020, Locust Street.
Seattle, United States Lines, 919 Second Street.
Washington. D. C.. United States Lines, 1414 F. St. New Willard Annex,

Kanada.
Montreal, *Thos. Cook &amp; Son, St. Catherine Street, West 526.
Toronto, *Uni'ed States Lines, 79 Queen Street, West.
—_ *Thos. Cook &amp; Son, Bank of Hamilton Bldgs., Yonge Street 65.
Vancouver. * Thos. Cook &amp; Son, Georgia Street, West 723.
        <pb n="768" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Argentinien,
Buenos Aires, *Norddeutscher Lloyd, E. Arnold, Corrientes 600, esquina Florida.

Brasilien.
ao Paulo, United States Lines, Prof. Arthur Dasinger.

Mexiko.
Mexico City, N. Y. Cuba Mail S. S. Co., Cinco de Mayo 16.

Havana, Kuba.
Havana, N. Y. Cuba Mail S. S. Co., 118 Pasco di Marti.

Australien.
Sydney, United States Lines, Birt &amp; Co., Ltd., 4 Bridge Street.

China.

Changchoune, *Agence des Wagons-Lits et des Grands Express Europeens,
a la Gare.

Charbin, *Agence des Wagons-Lits et des Grands Express Europeens, 60, Kitaiskaja-
street,

Foutchiatien, *Agence des Wagons-Lits et des Grands Express Europeens, 15,
Tching Yang Gue.

Mandchouria, *Agence des Wagons-Lits et des Grands Express Europeens,
Aa ia Gare.
        <pb n="769" />
        ADRESSEN VON KONSULATEN

2

107. ADRESSEN VON KONSULATEN

Die Konsulate der europäischen Fremdenverkehrsländer ge-
winnen immer mehr an Bedeutung, weil sie nicht nur für An-
fragen und’ Auskünfte aller Art in Betracht kommen, sondern
weil gar manche dieser Konsulate sich auch bereit erklärt
haben, die Fremdenverkehrspropaganda zu unterstützen und
Werbematerial zu verteilen. Eine sehr erfreuliche Neuerung
im Konsulatswesen, die nach Möglichkeit ausgebaut werden
sollte.

Nachstehend gebe ich die Adressen von Konsulaten der für
den Fremdenverkehr wichtigsten Länder bekannt. Das Ver-
zeichnis macht keinen Anspruch auf Vollständigkeit, zumal es
erst ein Feststellungs-Versuch sein soll, ob in einem Werk wie
das vorliegende für Adressen dieser Art überhaupt Interesse
vorhanden ist. Aus diesem Grunde würden Verfasser und Ver-
lag für diesbezügliche Mitteilungen aus dem Leserkreise dank-
bar sein, damit etwaige Wünsche bei der nächsten Auflage be-
rücksichtigt werden können.

REUTSCHE KONSULATE IM AUSLAND.
Die nachstehenden Adressen sind dem „Handbuch für das
Deutsche Reich 1926“ (Carl Heymanns Verlag, Berlin) ent-
nommen.

Briefe und Sendungen aller Art sind am besten an das Kon-
sulat, also nicht an eine persönliche Adresse zu richten, weil
ja hin und wieder Personenwechsel eintritt.

Wo bei den persönlichen Adressen ein Gesandter (also kein
Konsul) genannt ist, werden die Konsulatsgeschäfte für die zu-
ständigen Bezirke von der Gesandtschaft erledigt. Die mit einem
Sternchen (*) bezeichneten Konsulate sind Berufskonsulate
oder durch Berufsbeamte verwaltete Konsularämter.
        <pb n="770" />
        ' 73

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

I]. Europa.
Tirana, Albanien, von Kardorff, Gesandter.

Brüssel, Belgien. Dr. von Keller, Gesandter,
kAntwerpen, Belgien. Hellwig, Generalkonsul.

London, Britisches Reich. Dr. Sthamer, Botschafter. — Dufour-Feronce, Botschafisrat.
Bristol, Britisches Reich, E. Hartly Hodder, Vizekonsul.

Cardiff, Britisches Reich. Alexander Matthew, Konsul.

*Dublin, Britisches Reich, Dr. von Dehn-Schmidt, Generalkonsul.
*Glasgow, Britisches Reich. Dr. Heyer, Konsul,

Burntisland, Britisches Reich. James Wallace Connel, Vizekonsul.
Dundee, Britisches Reich, Simon Forrest, Konsul.

Grangemouth, Britisches Reich. John Paton, Vizekonsul.

Kirkwall, Britisches Reich. Fred Buchanan, Vizekonsul.

Leith, Britisches Reich, Anton Vöge, Konsul.

Lerwick, Britisches Reich. W. A. A. Tulloch, Vizekonsul.

Methil, Britisches Reich, Samuel Barnetson, Vizekonsul.

King's Lynn, Britisches Reich, Frederick Crundall, Vizekonsul,
*Liverpool, Britisches Reich. Von Kamphövener, Konsul.

Belfast, Britisches Reich. Arthur Burke, Vizekonsul,

Boston, Britisches Reich. Frederick Foster, Vizekonsul.

Hu1]), Britisches Reich. Richard Huenecke, Konsul.

Middlesbrough, Britisches Reich. John G. Peckston, Vizekonsul. ;
Newcastle on Tyne, Britisches Reich. Ernst Balster, Konsul,

West Hartlepool, Britisches Reich. Robert Heppel Clarkson, Vizekonsul.
Lowestoft, Britisches Reich. George Fred. Spashett, Vizekonsul,
Plymouth, Britisches Reich, 0. J. H, Davis, Vizekonsul.
Southampton. Britisches Reich. Charles Frederick Alexander, Konsul.

Sofia, Bulgarien. Dr. Rümelin, Gesandter, — Dr. Kurt Lindenblatt, Konsul.
Burgas, Bulgarien. Dr. Curt Jakubowsky, Vizekonsul.

*Varna, Bulgarien. Dr. Kalisch, Konsul.

Rustschuk, Bulgarien. Carl Burges, Vizekonsul.

Kopenhagen, Dänemark, Von Mutius, Gesandter.
Aalborg, Dänemark. Lars Christian Sommer-Larsen, Konsul.
Aarhus, Dänemark. Arnold Elmgreen sen., Konsul.
*Apenrode, Dänemark. Dr. Kühne, Generalkonsul.
Esbjerg, Dänemark. Erik Permin, Konsul,
Frederikshavn, Dänemark, Peter Julius Kall, Konsul.
Fridericia, Dänemark. Karl Wilhelm Loehr, Konsul.
Helsingör, Dänemark. Gustav Rink, Konsul,

Hjörring, Dänemark. Henrik Carstens, Konsul.
Horsens, Dänemark. L. Lund, Konsul.

Kallundborg, Dänemark. Christian Valentin, Vizekonsul.
Kolding, Dänemark. J. E. Damkier-Petersen, Konsul.
Korsör, Dänemark, Lauritz Jepsen, Konsul.

Naestvyed Dänemark. Julius Nandrup, Konsul.
        <pb n="771" />
        ADRESSEN VON KONSULATEN

Nybor, Dänemark. Baron von Haxthausen, Konsul.

Nykjöbing (Falster), Dänemark. C. Ortmann, Konsul.

O.dense, Dänemark. Knud Mengel, Konsul,

Randers, Dänemark, J. Chr. J. Bach, Konsul.

Ringkjöbing, Dänemark. J. P. Laursen, Konsul,

R önne, Dänemark. Ludwig Hintze, Konsul.

Skive, Dänemark, Andreas Andersen, Vizekonsul.

Svaneke, Dänemark, Christian M. Schmidt, Konsul.

Thisted, Dänemark, F. C. Bendixsen, Konsul.

Trangisvaag, Dänemark (Faröer). Richard B. Thomsen, Vizekonsul.

*Danzig, Freistadt Danzig. Dr. Freiherr von Thermann, Generalkonsul.
Reval, Estland. Frank, Gesandter, — Hellmuth Witte, Konsul.
Dorpat, Estland. Karl Mueller, Konsul.

Narwa, Estland, Dr. Waldemar Lange, Konsul.

Pernau. Estland. Robert Schmidt. Vizekonsul,

Helsingfors, Finnland. Dr. Hauschild, Gesandter.

Abo, Finnland. Wilhelm Gädeke, Konsul.

Gamla Karleby, Finnland. Gunnar Björklund, Vizekonsul.
Jakobstad, Finnland. Gustav Schütt, Vizekonsul.

Kemi, Finnland. Gustav Adolf Finne, Vizekonsul,

Kotka, Finnland. J ohannes Fohström, Vizekonsul.
Lovisa, Finnland. Ivar Söderström, Vizekonsul.

Uleaborg, Finnland. Lennart Haapanen, Konsul,

W asa, Finnland. Alfred Viklund, Konsul.

Wihboreg, Finnland. Viktor Sellgren, Konsul.

Paris, Frankreich. Dr. von Hoesch, Botschafter. — Dr. Rieth, Botschaftsrat.
Athen, Griechenland. Martin Renner, Gesandter,

Kanea, Griechenland. Richard Georg Krüger, Konsul,
Korfu, Griechenland. Hugo Spengelin, Konsul,

Patras, Griechenland. Alfred Haupt, Vizekonsul.

Piräus, Griechenland, Friedrich Kloebe, Konsul.

*S alonik, Griechenland, Dr. Theodor Weber, Konsul z. D.
Samos-Vathy, Griechenland. Carl Acker, Vizekonsul.

V olo. Griechenland. Helmut Scheffel. Konsul.
R om, Italien. Freiherr von Neurath, Botschafter. — Dr. von
Botschaftsrat.

*Mailand, Italien. Dr. Ernst Schmidt, Generalkonsul 1. KL

*Genua, Italien. Dr. Thomas, Konsul.

Carrara, Italien. Rudolf Neumann, Konsul.

Florenz, Italien. Bruno Stiller, Konsul.

San Remo, Italien. Otto Karl Geibel, Konsul.

*Neapel, Italien. Dr. Breitling, Generalkonsul,

Bari, Italien. Fritz Thisson, Konsul.

Prittwitz und Gaffron,
        <pb n="772" />
        72

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Brindisi, Italien. Angelo Titi, Konsul,
Catania, Italien, Curt Haeni, Konsul.
Messina, Italien. Wilhelm Smiths-Jacob,
Palermo, Italien. Arthur Müller, Konsul
*T riest, Italien. Dr. Limmer, . Konsul.
Venedig, Italien. Adolf Loewi, Konsul.
Turin. Halien. August Neumever. Konsul.

Konsul.

Riga, Lettland. Dr. Adolf Köster, Gesandter.
Libau, Lettland. Alfred Seligmann, Konsul.
Kowno, Litauen. Schroetter, Gesandter,
*Memel, Litauen. Dr. Mudra, Generalkonsul.
Luxemburg, Luxemburg. Dr. von Gülich, Gesandter.
Haag, Niederlande, Freiherr Lucius v. Stoedten, Gesandter,
*Amsterdam, Niederlande. Prinz von Hatzfeld-Trachenberg, Generalkonsul 1. Kl.
Arnheim, Niederlande, Dr. €. M. Böthlingk, Konsul.
Groningen, Niederlande. Th. F. H. Gebhard, Vizekonsul.
Harlingen, Niederlande, Leendert Jacobus Hannema, Vizekonsul.
*Maastricht, Niederlande, von Strahl, Konsul.

Nymwegen, Niederlande. Dr. Joseph Nolte, Konsul.
*Rotterdam, Niederlande. Von Hahn, Konsul,

Dordrecht, Niederlande. Wilhelm de Jongh, Vizekonsul,
Middelburg, Niederlande. Henry Dronkers, Konsul.

Ymuiden, Niederlande, Pieter Jacobus Bakker, Vizekonsul,
LZevenaar. Niederlande. Herm. Jos. Buschhammer, Vizekonsul.
Oslo, Norwegen, Dr. Rhomberg, Gesandter.
Aalesund, Norwegen. Gerhard Christian Wiig, Vizekonsul.
Arendal, Norwegen. Jörgen Smith, Konsul.

Bergen, Norwegen. Magnus Heldal, Konsul.

Bodö, Norwegen. Christian Owe, Vizekonsul.

Drammen, Norwegen. Albert Laubrich, Konsul,
Drontheim, Norwegen. Anton Jenssen, Konsul.
Farsund, Norwegen. Thorleif Egge, Vizekonsul,
Frederikshald, Norwegen. Wilh. Suhrke, Vizekonsul,
Fredrikstad, Norwegen. Finn Schübeler-Christiansen, Vizekonsul.
Grimstad, Norwegen. Anders Isachsen, Vizekonsul,
Kragerö, Norwegen, H. G. Björn, Vizekonsul,
Kristiansand-S,, Norwegen, H. F. von Riegen, Konsul.
Kristiansand-N., Norwegen. Endre Witzöe, Vizekonsul.
Larvik, Norwegen. Erhard Schoepke, Vizekonsul.
Mandal, Norwegen. Morten Dahl Bessesen, Vizekonsul.
Melbo, Norwegen. Gunnar Frederiksen, Vizekonsul,
Molde, Norwegen. Thorolf Kildal, Vizekonsul.

Moss, Norwegen. Petter Rosenvinge, Vizekonsul,

Namsos, Norwegen. Christian Johansen, Vizekonsul.
Narvik, Norwegen. Ottokar Koniakowski, Konsul.
        <pb n="773" />
        ADRESSEN VON KONSULATEN

8

Sarpsborg, Norwegen. S. G. Blomhoff, Vizekonsul.
Stavanger, Norwegen. Ommund Braadland, Konsul,
Tönsberg. Norwegen. Jacob Odd Lyngaas, Vizekonsul,
Wien, Österreich. Dr. Pfeiffer, Gesandter. — Graf von Dönhoff, Freiherr von Krafft,
Komm. Gesandtschaftsrat 1. Kl.

*Graz, Österreich. Max Müller, Konsul.

*Innsbruck, Österreich. (Komm. verw.)}) Konsulat.

*Klagenfurt, Österreich, Dr. Wendschuch, Generalkonsul,

*Linz a. D., Österreich. Dr. von Magnus, Konsul. ;

*calzburg, Österreich. (Komm, verw.) Konsulat.

Warschau, Polen, Rauscher, Gesandter.

*KXattowitz, Polen. Dr. Freiherr von Grünau, Generalkonsul.
Krakau, Polen. (Komm, verw.) Konsulat.

*L o dz, Polen. Dr. von Luckwald Konsul.

*p osen, Polen, Dr. Vassel, Generalkonsul.

*T horn, Polen. Dr. Pochhammer., Konsul.

Lissabon, Portugal, Dr. Voretzsch, Gesandter.

Angra do Heroismo, Portugal. Hans Walter, Vizekonsul.
Funchal, Portugal (Madeira). Emil Gesche, Konsul,

Ponta Delgada, Portugal (Azoren). Hans Jobst, Konsul.
Porto, Portugal. W. H. Stüwe, Konsul.

Villa Nova de Portimayo, Portugal. Jose Duarte, Vizekonsul.

Bukarest, Rumänien. Freytag, Gesandter.
*Czernowitz, Rumänien. Dr. Walbeck, Konsul,
Kischineff, Rumänien, Otto Hirsch, Vizekonsul.
*Galatz, Rumänien. Dr. Schönberg, Leg.-Rat, Konsulat.
*Kronstadt, Rumänien, Lautz, Konsul.

Ploesti, Rumänien. Otto Braun, Konsul.

*Temesvar.ı Rumänien. August Haas, Generalkonsul.

Moskau, Rußland. Dr. Graf Brockdorff-Rantzau, Botschafter.
Leningrad (Petersburg), Rußland. Dr. Karl Walther, Generalkonsul
*Nowosibirsk (Nowo Nikolajewsk), Rußland. Großkopf, Konsul.
*Saratow, Rußland. Dr. Roth, Konsul.

+*Wliladiwostok, Rußland. Sommer, Konsul.

*Charkow, Rußland (Ukraine). Graap, Generalkonsul.

*Kiew, Rußland. Dr. Stephany, Konsul.

*Odessa, Rußland. Dr. Dienstmann, Konsul,

*T3£#lis Rußland. Dr. Prüfer, Generalkonsul,
Stockholm, Schweden. Dr. von Rosenberg, Gesandter.

Ahus, Schweden. Harry W. Donner, Vizekonsul.

Gefle, Schweden, Nils Berlin, Konsul.

Gotenburg, Schweden. Graf von Pfeil und Klein-Ellguth, Konsul
Halmstad, Schweden. Oskar Hill, Vizekonsul.

Helsingborg, Schweden. Ivar Persson-Henning, Konsul.
        <pb n="774" />
        774

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Hernösand, Schweden. Herman Ramström, Konsul.
Hudiksvall, Schweden. Gunnar Dahlgqvist, Vizekonsul.
Kalmar, Schweden, Gustav Kreuger, Konsul,
Karlskamm, Schweden, Carl Fieber, Vizekonsul.
Karlskrona, Schweden. Karl Vogel, Konsul.
Landskrona, Schweden, Hugo Liedholm, Vizekonsul,
Lulea, Schweden, Melcher Lindquist, Konsul,
Malmö, Schweden. Aug. Schmitz, Konsul,
Norrköping, Schweden, Friedr, Aug. Busch, Konsul.
Nyköping, Schweden, O. Falker, Vizekonsul,
Oskarshamn, Schweden, Karl Andre, Vizekonsul.
Pitea, Schweden, Arvid Hedqvist, Vizekonsul.
Skelleftea, Schweden. Herman Anrep, Vizekonsul.
Söderhamn, Schweden, Wilh. Brolin, Konsul,
Sundsvall, Schweden. Gustav Öhmann, Konsul.
Umea, Schweden, Emil Lundmark, Vizekonsul,
Westerwik, Schweden. Uno Steinholtz, Vizekonsul.
Wisby, Schweden, Carl Emil Ekman, Konsul.

Ystad, Schweden. Tancred Körling, Vizekonsul.

Bern, Schweiz. Dr. Adolf Müller, Gesandter.

“Zürich, Schweiz. Dr. hon. c. Rheinboldt, Generalkonsulat.
*Basel, Schweiz, Foerster, Generalkonsul z. D.

*Genf, Schweiz, Aschmann, Generalkonsul,

Lugano, Schweiz, Franken, Konsul.

St. Gallen, Schweiz. Von Landmann, Konsul.

Belgrad, Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Dr. Olshausen, Gesandter.
Sarajewo, Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Dr. von Druffel, Konsul.
Zagreb (Agram), Königreich der Serben. Kroaten und Slowenen. Seiler. Konsul.

Madrid, Spanien. Graf von Welczeck, Botschafter,
*Barcelona, Spanien. Von Hassell, Generalkonsul.
Alicante, Spanien, Heinrich Steinkamp, Konsul,
Almeria, Spanien. Hugo Prinz, Vizekonsul.

Bilbao, Spanien. Wilhelm Eickhoff, Konsul,
Coruna, Spanien, Felipe Rodriguez Rey, Konsul.
Corcubi6n, Spanien. Jesus Castro Rey, Vizekonsul,
Gijön, Spanien, Alexander Jaenicke, Konsul,
Granada, Spanien. Eduard No&amp;, Vizekonsul,
Huelva, Spanien. Ludwig Clauß, Konsul.

Las Palmas, Spanien (Kanar, Inseln). Walther Sauermann, Vizekonsul.
Mahö6n, Spanien, Juan F. Taltavull y Galens, Konsul,
Malaga, Spanien. Rudolf Frömke, Konsul.

Palma de Mallorca. Alfred Müller, Konsul.

San Sebastian, Spanien, Karl Rehmann, Konsul.
Santa Cruz, Teneriffa, Jakob Ahlers, Konsul.
Santander, Spanien, Hermann Hoppe, Konsul.
Saragossa, Spanien, Gustav Freudenthal, Konsul.
        <pb n="775" />
        ADRESSEN VON KONSULATEN

73

Tarragona, Spanien. Fritz Löwe, Vizekonsul.
Valencia, Spanien. Max Buch, Konsul,
Valladolid, Spanien. Cesar Miguel, Vizekonsul,
Vigo, Spanien. Richard Kindling, Konsul.
Vivero, Spanien. Friedrich Cloos, Vizekonsul.

Prag, Tschechoslowakei, Dr. Walter Koch, Gesandter,
*Brünn, Tschechoslowakei, Graf von Bethusy-Huc, Konsul.
*Eger, Tschechoslowakei. Becker, Konsul.
*Mährisch-Ostrau, Tschechoslowakei. Karow, Konsul
*pilsen, Tschechoslowakei, Aeldert, Konsul.

*Preßburg, Tschechoslowakei, Reinebeck, Konsul,
*Reichenberg,. Tschechoslowakei, Henkel, Konsul,
Konstantinopel, Türkei. Radolny, Botschafter,
*Ssmvyrna, Türkei. Padel. Geh. Leg.-Rat, Generalkonsul,
Budapest. Ungarn. Dr. von Schoen, Gesandter.

IL Amerika.
Washington, Vereinigte Staaten. Freiherr von Maltzan, Botschafter,
*Chicago, IL, Vereinigte Staaten. Dr. Steinbach, Generalkonsul,
*New Orleans, Louis. Vereinigte Staaten. Dr. Sethe, Konsul.
Charleston, Sud. Carol., Vereinigte Staaten, Dr. hon, c. Ernst
Galveston, Texas, Vereinigte Staaten. Jul. W. Jockusch, Konsul.
Mobile, Alab., Vereinigte Staaten. Robert Du Mont, Konsul.
Pensacola, Flor,, Vereinigte Staaten. Gerhard Rolfs, Konsul,

San Antonio, Texas, Vereinigte Staaten. Carl Lueicke, Konsul.
Savannah, Georg., Vereinigte Staaten. Julius Carl Schwarz, Konsul.
*New York, Vereinigie Staaten. Von Lewinski, Generalkonsul. — Dr. Heuser, Konsul.
Baltimore, Maryland, Vereinigte Staaten. Konsulat,

Boston, Mass., Vereinigte Staaten. Konsulat.

Cineinnati, Vereinigte Staaten. Albert Huseman, Konsul.

Cleveland, Ohio, Vereinigte Staaten, Vizekonsulat,

Newport News Norfolk, Virg., Vereinigte Staaten. Leopold Marshall v. Schilling,

Vizekonsul.

*Ssan Francisco, Cal., Vereinigte Staaten. Dr. Ziegler, Generalkonsul.
Denver, Col, Vereinigte Staaten. Godefroy Schirmer, Konsul.

Los Angeles, Cal, Vereinigte Staaten. Siegfried C. Hagen, Konsul.
*Seattle, Wash,, Vereinigte Staaten. Freiherr v. Ungelter, Generalkonsul.
Portland, Oreg., Vereinigte Staaten. Konsulat,

*6 £. Louis. Miss. Vereinigte Staaten. Dr. Ahrens, Konsul.
IMontreal, Canada, Kempff, Generalkonsul 1. Kl.
Havanna, Cuba. Dr. Zitelmann, Gesandter. — Karl Berndes, Konsul,
Santo Domingo, Cuba. Johann Julius Hohlt, Konsul.
Mantanzas, Cuba. Clemens Landmann, Vizekonsul,
        <pb n="776" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Santjago de Cuba, Cuba. Hermann Michaelsen, Konsul.

176

4
San Petro de Macoris, Dominikanische Republik. Hermann Lange, Konsul.
Santjago de los Caballeros-La Vega, Dominikanische Republik. Dr. Alb
Michaelis, Vizekonsul.
Portau Prince, Haiti, Konsulat,

Buenos Aires, Argentinien, Gneist, Gesandter,

Bahia Blanca, Argentinien. Jose Beckers, Konsul,
Comodoro Rivadavia, Argentinien, Ernst Gröne, Vizekonsul.
Concordia, Argentinien. Kurt Truppel, Vizekonsul.
Cordoba, Argentinien. Georg Krug, Konsul.

Mendoza, Argentinien, Eberhard Seidel, Konsul.

Posadas, Argentinien, Theodor Kopf, Vizekonsul,

Puerto Gallegos, Argentinien. Rudolf Paarmann, Vizekonsul.
Puerto Madryn, Argentinien. Georg Steinhoff, Vizekonsul.
Rosario, Argentinien. Emil Werner, Konsul,

Salta, Argentinien. Johann Göttling, Vizekonsul,

Santa Fe, Argentinien, Friedrich Gebien, Vizekonsul.
Tucumän, Argentinien. Adolf Haas. Vizekonsul.

La Paz, Bolivien. Dr. Marckwald, Gesandter. — Richard Boy, Konsul.
Cochabamba, Bolivien. Hans Rücker, Konsul.

Potosi, Bolivien. Nikolaus Schütt, Konsul.

Puerto Suärez, Bolivien. Heinrich Schnack, Konsul

Riberalta, Bolivien. Carl Sonnenschein, Vizekonsul.

Santa Cruz, Bolivien, Philipp Schweitzer, Konsul.

Trinidad, Bolivien, Wilhelm Best, Vizekonsul.

Villa Montes. Bolivien. Fritz Petzold, Vizekonsul.

Rio de Janeiro, Brasilien. Knipping, Gesandter.

Bahia, Brasilien. Heinrich Hoffmeister, Konsul.
Blumenavuy, Brasilien, Otto Rohkohl, Konsul,

Cearä, Brasilien. Oskar Huland, Konsul.

Cuyaba, Brasilien. Henry Heßlein, Konsul.

Joinville, Brasilien, Heinrich Meyer, Konsul.

Manaos, Brasilien. Carl Dreyer, Konsul,

Parä (Belem), Brasilien. Franz Berringer, Konsul.
Pernambuco, Brasilien. Carl von den Steinen, Konsul.
*Porto Alegre, Brasilien, Dr. Daehnhardt, Generalkonsul.
Santos, Brasilien. Otto Uebele, Konsul.

Sao Luiz do Maranhao, Brasilien, Adolf Friedheim, Konsul.
*Sao Paulo, Brasilien. (Komm, verw.) Konsulat.
Victoria. Brasilien. August Arens, Konsul.
Santjago, Chile, Graf von Spee, Gesandter. — Wilhelm Schacht, Konsul.
Antofagasta, Chile. Leonhard Kulenkampff, Konsul.

Arica, Chile. Carlos Gierke, Vizekonsul.

Caldera, Chile. Thomas Siggelkow, Vizekonsul.
        <pb n="777" />
        ADRESSEN VON KONSULATEN

Concepciön, Chile. Carl Schorr, Konsul.
Coronel, Chile. Ludwig Jacobsen, Vizekonsul.
Iquique, Chile. Carl Schneider, Konsul.
La Serena, Chile. Ferdinand Kemnis, Vizekonsul,
Los Andes, Chile. Felix J. Zieleniewicz, Vizekonsul,
Osorno, Chile. Hermann Kraushaar, Vizekonsul.
Puerta Montt, Chile. Carlos Wittwer, Vizekonsul.
Punta Arenas, Chile. Rudolf Stubenrauch, Vizekonsul.
Talca, Chile. Richard Schorr, Vizekonsul.
Talcahuano, Chile, Eduard Schuyler, Vizekonsul.
Tocopilla, Chile. Johannes Feindt, Vizekonsul.
Valdivia, Chile. Cäsar Gleisner, Konsul.
*Valparaiso. Chile. Dr. Roh. Generalkonsul,
Bogeta, Columbien. Von Haeften, Gesandter, — Karl Hollmann, Konsul,
Barranquilla, Columbien. Richard Schrader, Konsul.
Bucaramanga, Columbien. Gustav Lubinus, Konsul.

Cali, Columbien. Martin Skoworonski, Konsul.

Cartagena, Columbien. W. Heidmann, Konsul,

Manizales, Columbien. Karl Lüchau, Konsul.

OCroecu6&amp;, Columbien, Friedrich Speidel, Konsul.

San Jose€ de Cücuta, Columbien. Hermann Meywald, Konsul,
Quito, Ecuador. Grunow, Gesandter.
Guayaquil Ecuador. (Komm. verw.) Konsulat.
Mexiko, Mexiko. Will, Gesandter. — J. Henckel, Konsularagent in Toluca.
Durango, Mexiko. Rudolf Schommer, Vizekonsul,
Guadalajara, Mexiko. Albert Biester, Konsul.
Guanajuata, Mexiko. Heinrich Langenscheidt, Vizekonsul,
Guyamas, Mexiko. Otto Rademacher, Vizekonsul.
Mazatlan, Meziko. Fritz Unger, Konsul.

Merida, Mexiko. Hermann Struck, Konsul,

Monterrey, Mexiko. Paul Burchard, Konsul.

Orizaba, Mexiko. Otto Weiser, Vizekonsul.

San Luis Potosi, Mexiko. Georg Unna, Konsul.
Tapachula, Mexiko, Hermann Kruse, Konsul.

Tepic, Mexiko. Eugen Hildebrand, Konsul..

Veracruz, Mexiko. (Komm. verw.) Konsulat.
Asunciön, Paraguay. Rudolf von Bülow, Gesandter.
Encarnaeciön., ParaguaYy, Emil Cloß, Konsul.
Lima, Peru. Rohland, Gesandter. — Otto v. Bischoffshausen, Konsul,
Arequipa, Peru, Wilhelm Eddelbüttel, Konsul.

Cajamarca, Peru. Oskar C. Kuntze, Konsul,

Callao, Peru. Fritz Tiedt, Konsul.

Cuzco, Peru, Friedrich Tabel, Konsul.

Iquitos, Peru. Egil Straßberger, Konsul.

Molilendo, Peru. Martin Singelmann, Konsul.
        <pb n="778" />
        778

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Piura, Peru. Walter Ostendorf, Konsul.
Salaverry-Trujillo, Peru. Bruno Gerberding, Konsul.

Montevideo, Uruguay. Dr. Schmidt-Elskop, Gesandter,
Rocha, Uruguay. Max Vogler, Vizekonsul.
Salto, Uruguay. Vietor Popelka., Vizekonsul.

Caräcas, Venezuela. Dr, von der Heyde, Gesandter, — Ludwig Hauck, Konsul.
Ciudad-Bolivar, Venezuela. Chr. W. Wulff, Konsul.

La Guayra, Venezuela. Julius Leisse, Konsul.

Maracaibo, Venezuela. Eduard v. Jess, Konsul. .

Puerto Cabello, Venezuela. Carl Kreuzhage, Konsul.

San Cristöbal, Venezuela, Karl Thos, Konsul.

Valencia. Venezuela, Carlos Petersen. Konsul.

Guatemala, Guatemala. Von Kuhlmann, Gesandter. — Konsulat wird komm. verw.
Coban, Guatemala. Helmut Schilling, Konsul.

Livingston, Guatemala. Paul Doescher, Konsul.

Quezaltenango, Guatemala, Max Bregartner, Konsul.

Retalhuleu. Guatemala. Kurt Franke. Konsul.

San Jose de Costa Rica, Costa Rica, Hermann Ahrens, Konsul.
Puerta Limön, Costa Rica. Erich Scholz. Vizekonsul.

Amapala, Honduras. Theodor Köhncke, Konsul.
Choluteca, Honduras, J. A. F. Siercke, Konsul.
San Pedro Sula, Honduras. Richard Rogge, Konsul.
Tegugigalpa, Honduras. Nicolaus Cornelsen, Konsul.

Leön, Nicaragua. Wilhelm Gosebruch, Vizekonsul,
Managua, Nicaragua. Franz Bunge, Konsul.
Matagalpa. Nicaragua. Wilhelm Hüper, Vizekonsul.

Bocas del Toro, Panamä. Carl Friese, Konsul,
Colön, Panamä. Konsulat.
Panamä, Panamä. Ernst Neumann, Konsul.

San Salvador. Salvador. Max Cohn. Konsul.

Il. Asien
Kabul, Afghanistan. Dr. Feigel, Gesandter.
Peking, China. Dr. Boye, Gesandter, — Dr. Freiherr v. Schoen, Gesandtschafts-
rat 1. Klasse.

*Canton, China, Dr. Crull, Generalkonsulat.

*Chungking, China. Dr. Adolf Nord, Konsul.

*Hankow, China, Timann, Generalkonsul.

*Harbin, China. Tigges, Konsul.
        <pb n="779" />
        ADRESSEN VON KONSULATEN

*Mukden, China. Martin Fischer, Konsul.

*Shanghai, China. Thiel, Generalkonsul 1. Kl.
*Tientsin, China. Dr. Betz, Generalkonsul.

*Tsinanfu, China. Dr. Siebert, Konsul.

*Honskong, China (Brit. Besitzung). Dr. Wagner, Konsul.

Tokyo, Japan. Dr. Solf, Botschafter. — Dr. v. Borch, Botschaftsrat,
*Dairen, Japan. Dirks, Konsul.

*Kobe, Japan. Dr. Ohrt, Generalkonsul,

*Vokohama. Japan. Konsulat.

*Kalkutta, Indien, Freiherr Rüdt v. Collenberg-Bödigheim, Generalkonsul,
*Singapore, Indien. Dr. Otto Weber, Generalkonsul.
Kingston, Jamaica. Joseph Stephens, Konsul.
Port of Spain, Trinidad. Konsulat.
*Batavia, Java. Von Keßler, Generalkonsul.
Surabaya, Java. Konsulat.
Makassar, Celebes. Ferdinand Remppis, Konsul,
Medan, Sumatra. Franz Teschner, Konsul,
Padang, Sumatra. Konsulat.

Teheran, Persien. Graf von der Schulenburg, Gesandter.
Bangkok, Siam, Dr. Asmis, Gesandter.
*Terusalem, Palästina. Dr. Erich Nord, Generalkonsul.

IV. Afrika.
Kapstadt, Union von Südafrika. Dr. Hermann Hammann, Konsul,
*Pretoria, Union von Südafrika. Haug, Generalkonsul 1. Kl. — Robert Renner,
Konsul.
kMombasa. Afrika, Dr. Speiser, Konsul.
Kairo, Ägypten. Meriens, Gesandter.
*Alexandrien, Ägypten. Konsulat,

Port Said, Ägypten. Reinhold Pauling, Konsul.
Suez, Ägypten. Georg Meinecke, Konsul.
*Tetuan, Marokko. Bohn, Konsul.
IMonrovia, Liberia, Hermans, Generalkonsul,
        <pb n="780" />
        +

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

V. Australien.
*M elbourne, Australien. Dr. Büsing, Generalkonsul

Wellington, Neuseeland. Wilhelm Penseler, Konsul,

AUSLANDS-KONSULATE IN DEUTSCHLAND.
Konsulate im Freistaate Baden.
(GK. = Generalkonsul, K.=— Konsul, VK.— Vizekonsul.)
Argentinische Republik:
E. Federico Morck, VK., Karlsruhe, Kaiserstraße 24. 1.

Belgien:
G. van Schendel, GK., Frankfurt a. M.
Fuchs Arthur, K., Karlsruhe. Haydnplatz 3.

Brasilien:
Carlos Renaux, K., Baden-Baden.
Rudolf Scherrer. VK., Baden-Baden.

Dänemark:
Söven Peter, Frydendahl Seest,, K., Mannheim,
Eugen Finckh, VK., Mannheim.
Müller C. F. Otto, VK., für die Stadt Karlsruhe, Karlsruhe, Kaiserstraße 144 und 183.
Frankreich:
P. F. X. Calviere, K., Karlsruhe, Bernhardstraße 19.
Chätel Henry, VK. (Kanzler), Karlsruhe.
Jean Imbert, Konsularagent. Mannheim.

Griechenland:
Menzer Hermann, K., Neckargemünd beziehungsweise Mannheim.
Hans Katz, K., Baden-Baden.

Guatemala:
Otto Rusche, K., Freiburg i. Br.
Mexiko:
Leopold Weiß, K., Baden-Baden.

Brosien Dr. Paul Richard, Geh.
Melchers Emil, VK., Mannheim,

Niederlande:
Kommerzienrat, K., Mannheim.

Norwegen:
Baus Paul, K., Mannheim.
        <pb n="781" />
        ADRESSEN VON KONSULATEN

81

Österreich:
Direktor Willy Menzinger, GK., Karlsruhe, Kaiserstraße 96.

Paraguay:
Herbert Stoeckle, K., Pforzheim.

Peru:
Alfred Stübel, K., Mannheim.

Portugal:
Louis L. Stern, K., Karlsruhe, Jahnstraße 22,
Walter Gottfried Kummer, K., Mannheim.
Oskar Bungert, VK., Mannheim.

Schweden:
Nicolai Robert, Bankdirektor, K., Karlsruhe, Jahnstraße 13.
Sternberg Oskar, Kommerzienrat, K., Mannheim.

Schweiz:
Dr. Max A. Kunz, K., Mannheim.

Spanien:
Nauen Moritz, K.. Mannheim.

Auslands-Konsulate in deutschen Großstädten.
Konsulat der Vereinigten Staaten von Nordamerika, BERLIN, Voßstraße 12.
Argentinisches Konsulat, Berlin, Augsburger Straße 53.

Brasilianisches Konsulat, Berlin, Lützowunfer 5a.

Chilenisches Konsulat, Berlin-Charlottenburg, Uhlandufer 188.
Konsulat der Republik China, Berlin SW 19, Beuthstraße 1.
Konsulat von Columbien, Berlin-Charlottenburg, Neue Kantstraße 21.
Dänisches Generalkonsulat, Berlin NW 40, Alsenstraße 3a.
Finnländisches Konsulat, Berlin, Alsenufer 1.

Französisches Konsulat, Berlin W 10, Matthäikirchstraße 3b.
Konsulat von Großbritannien, Berlin, Tiergartenstraße 1,
Italienisches Konsulat, Berlin, Tiergartenstraße 6.

Japanisches Konsulat, Berlin, Hindersinstraße 4,

Mexikanisches Konsulat, Berlin W 62, Landgrafenstraße 13.
Niederländisches Generalkonsulat, Berlin NW 7, Dorotheenstraße 13.
Österreichisches Generalkonsulat, Berlin W 10. Bendlerstraße 15.
Portugiesisches Konsulat, Berlin-Friedenau, Elsastraße 3.
Rumänisches Generalkonsulat, Berlin NW 7, Dorotheenstraße 26.
Schwedisches Generalkonsulat, Berlin SW 19, Wallstraße 5—8
Schweizer Konsulat, Berlin NW 40, Fürst Bismarckstraße 4.
Spanisches Konsulat, Berlin, Roonstraße 6.

Konsulat der Tschechoslowakischen Republik, Berlin W 10, Hildebrandstraße 11.
Türkisches Konsulat, Berlin, Tiergartenstraße 19.
        <pb n="782" />
        782

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Konsulat der Vereinigten Staaten von Nordamerika, BREMEN, Am Wall 80.
Atgentinisches Konsulat, Bremen, Sögestraße 23.
Brasilianisches Konsulat, Bremen, Georgstiraße 44,
Chilenisches Konsulat, Bremen, Lesmonahaus.
Finnländisches Konsulat, Bremen, Holzpforie 9.
Englisches Konsulat, Bremen, Bahnhofstraße 53.
Norwegisches Konsulat, Bremen, Nauenstraße 3.
Konsulat von Paraguay, Bremen, Schlachtestraße 2,
Peruanisches Konsulat, Bremen, Kohlhökerstraße 62.
Spanisches Konsulat, Bremen, Breitenweg 5.
Französisches Konsulat, Bremen, Kohlhökerstraße 58.
Schweizerisches Konsulat, Bremen. Domshof 26.

Konsulat der Vereinigten Staaten von Nordamerika, BRESLAU, Elsäßerstraße 12.
Bulgarisches Konsulat, Breslau, Vogelweide 186.

Konsulat der Republik Chile, Breslau, Kaiser-Wilhelm-Straße 100—102,
Königliches Konsulat von Dänemark, Breslau, Teichstraße 3,

Österreichisches Konsulat, Breslau, Viktoriastraße 120,

Konsulat der Republik Finnland, Breslau, Werderstraße 14--—16,

Konsulat der Republik Frankreich, Breslau, Moritzstraße 3—85,

Königlich Italienisches Konsulat, Breslau, Rehdigerstraße 33.

Konsulat der Vereinigten Republiken von Mexiko, Breslau, Viktoriastraße 116.
Königlich Niederländisches Konsulat, Breslau, Antoniestraße 19—21.

Königlich Norwegisches Konsulat, Breslau, Matthiassiraße 194—196.
Konsulat der Republik Polen, Breslau, Freiburgerstraße 7.
Portugiesisches Konsulat, Breslau, Kaiser-Wilhelm-Straße 27.

Königlich Rumänisches Konsulat, Breslau, Kaiser-Wilhelm-Straße 48—50.
Königlich Schwedisches Konsulat, Breslau, Tauentzienstraße 5.

Königlich Spanisches Konsulat, Breslau, Tauentzienplatz 2.

Konsulat der Tschechoslowakischen Republik, Breslau, Gablitzstraße 28.
Türkisches Konsulat, Breslau, Neudorfstraße 36.

Ungarisches Konsulat, Breslau, Ringstraße 33.
Konsulat der Vereinigten Staaten von Nordamerika, DRESDEN-A., Waisenhausstraße 19.
Konsulat von Belgien, Dresden-A., Johannstraße 3.

Konsulat von Bolivien, Dresden-A., Beuthstraße 1.

Konsulat von Brasilien, Dresden-A., Canalettostraße 10.

Konsulat von Chile, Dresden-A., Hohe Straße 35.

Konsulat von Costa Rica, Dresden-A., Bernhardstraße 65.

Konsulat von Dänemark, Dresden-A,, Galeriestraße 3.

Konsulat der‘ Dominikanischen Republik, Dresden-N., Bautznerstraße 84.
Konsulat von Finnland, Dresden-A., Waisenhausstraße 20,
Generalkonsulat von Frankreich, Dresden-A., Lindenaustraße 3.

Konsulat von Griechenland, Dresden-A., Hettinerstraße 8,

Konsulat von Italien, Dresden-A., Lessingstraße 9.

Konsulat von Jugoslawien, Dresden-A., Leubnitzerstraße 17.

Konsulat von Lettland, Dresden-A., Lukasstraße 2.

Konsulat von Mexiko, Dresden-N., Antonstraße 17.

Konsulat von Nicaragua, Dresden-N., Bautznerstraße 17,

Konsulat der Niederlande, Dresden-Blasewitz. Emser Allee 24.
        <pb n="783" />
        ADRESSEN VON KONSULATEN

?Q6

Konsulat von Norwegen, Dresden-A., Johannstraße 3.
Generalkonsulat von Österreich, Dresden-A., Bürgerwiese 18.
Generalkonsulat von Panama, Dresden-A., Nicolaistraße 4.
Generalkonsulat von Paraguay, Dresden-A,, Elisenstraße 11.
Konsulat von Peru, Dresden-A., Wasastraße 11.

Konsulat von Portugal, Dresden-Weißer Hirsch, Lahmannring 1.
Generalkonsulat von Rumänien, Dresden-A., Sidonienstraße 18,
Konsulat von Salvador, Dresden-N., Heideparkstraße 8.

Konsulat von Siam, Dresden-A., Emser Allee 47.

Konsulat von Schweden, Dresden-A,, Hähnelsiraße 6.

Konsulat der Schweiz, Dresden-A., Hohe Straße 33.

Konsulat von Spanien, Dresden-A., Sidonienstraße 27.
Generalkonsulat der Tschechoslowakei, Dresden-A., Wiener Straße 13.
Konsulat von Ungarn, Dresden-A., Beuthstraße 1.

Konsulat von Uruguay, Dresden-A., Seminarstraße 20.

Konsulat von Venezuela, Dresden-A., Waisenhausstraße 9.
Konsulat von Württemberg, Dresden-A..' Waisenhausstraße 20.
Argentinien: K. Kohlstedt, FRANKFURT AM MAIN, Lindenstraße 32.

Belgien: GK. van Schendel, Frankfurt am Main, Mainzerlandstraße 42.

Brasilien: K. Staub, Frankfurt am Main, Reuterweg 66.

Bulgarien: GK. Paul Löwenthal, Frankfurt am Main, Hauffstraße 7.

Chile: K. Karl Melber, Frankfurt am Main, Forsthausstraße 102.

Costa Rica: GK. Ronaldo Falconer Davenport, Frankfurt am Main. Hallgarten-
straße 50.

Columbien: K. E. Langenbach, Frankfurt am Main, Palmengartenstraße 3.

Dänemark: K. Bernhard Wolff, Frankfurt am Main, Langestraße 14.

Domin. Republik: K. Etienne Roques, Frankfurt am Main, Thüringerstraße 9.

Estland: K. Ed. Schwarzschild, Frankfurt am Main, Roßmarkt 13.

Frankreich: K. J .de Camas, Frankfurt am Main, Marienstraße 1.

Finnland: VK. August Kaiser, Frankfurt am Main, Goetheplatz 5.

Großbritannien: GK, Vivian Henry Courthope Basanquet, Frankfurt am Main,
Viktoria-Allee 10.

— VE. R. Roß, Frankfurt am Main, Viktoria-Allee 10.

—_ VK. A. J. P. Butler, Frankfurt am Main, Viktoria-Allee 10.

Griechenland: GK. D. M. Hadjipetro, Frankfurt am Main, Hanauerlandstraße 149.

Haiti: K. Otto Neuberger, Frankfurt am Main, Osthafenplatz 6/8.

Italien: GK. Tito Chiovenda, Frankfurt am Main, Rheinstraße 24, .

Island: K. Bernhard Wolff, Frankfurt am Main, Langestraße 14.

Jugoslawien: K. Harry Fuld, Frankfurt am Main, Mainzerlandstraße 134.

Mexiko: K. Carlos Grimm, Frankfurt am Main, Steinweg 9.

Niederlande: K. ter Horst, Frankfurt am Main, Wiesenhüttenstraße 1.

Nicaragua: K. Ricardo Diener, Frankfurt am Main, Neue Mainzerstraße 53.

Norwegen: K. Dr. K. Kotzenberg, Frankfurt am Main, Kaiserstraße 27.

Österreich: GK. Herm. YV. Passavant, Frankfurt am Main, Roßmarkt 11.

Persien: K. Rott, Frankfurt am Main, Mörfelderlandstraße 117,

Peru: K. W. Quattelbaum, Frankfurt am Main, Taunusstraße 10.

Portugal: K: Mayer-Alberti, Frankfurt am Main, Untermainkai 82,

Paraguay: K. Minner, Frankfurt am Main, Beethovenstraße 38.

Rumänien: GK. Erich Mokrauer, Frankfurt am Main, Langestraße 32.
        <pb n="784" />
        134

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Schweiz: K. Dr. G. Dubois, Frankfurt am Main, Neue Mainzerstraße 1.
Siam: K. Udo Rouselle, Frankfurt am Main, Weserstraße 63.
Spanien: K. Andres Jglesias-Velayos, Frankfurt am Main, Mainzerlandstraße 40
Schweden: GK. Spaeth, Frankfurt am Main, Bethmannstraße 7/9.
Tschechoslowakei: K.Oscar F.Oppenheimer, Frankfurt am Main, Neue Mainzer-
straße 68.
Ungarn: K. Ludwig v. Gans, Frankfurt am Main, Keitenhofweg 130.
Uruguay: K. Enrico Weyrauch, Frankfurt am Main, Mendelssohnstraße 45.
Venezuela: K. Dr. Bergmann, Frankfurt am Main, Bruchfeldstraße 14.
Vereinigte Staaten von Nordamerika: K. Hamilton C. Claiborne, Frank-
furt am Main, Börsenstraße 2—4.
K. Ravndal, Frankfurt am Main, Börsenstraße 2—4,
VK. Williams, Frankfurt am Main, Börsenstraße 2—4.
VK. Wvyvles. Frankfurt am Main, Börsenstraße 2—4.

Konsulat der Vereinigten Staaten von Nordamerika, HAMBURG, Ferdinandstraße 58.
Argentinisches Konsulat, Hamburg, Ferdinandstraße 56.
Belgisches Konsulat, Hamburg, Spitalerstraße 11.

Bolivisches Konsulat, Hamburg, Schlüterstraße 2.
Brasilianisches Konsulat, Hamburg, Glockengießerwall 12.
Chilenisches Konsulat, Hamburg, An der Alster 25.
Chinesisches Konsulat, Hamburg, Ferdinandstraße 56,
Generalkonsulat von Columbien, Hamburg, Steinstraße 147.
Generalkonsulat von Cuba, Hamburg, Uhlenhorster Weg 23.
Generalkonsulat von Dänemark, Hamburg, Badestraße 32—34,
Finnisches Konsulat, Hamburg, Dovenfloth 40.

Konsulat von Großbritannien, Hamburg, Scherthor 9.
Generalkonsulat von Griechenland, Hamburg, Hallerplatz 1.
Generalkonsulat von Guatemala, Hamburg, Schopenslehl 15.
Holländisches Konsulat, Hamburg, Lilienstraße 7.
Japanisches Konsulat, Hamburg, Mönckebergstraße 7.
Generalkonsulat von Italien, Hamburg, Mönckebergstraße 7.
Konsulat von Litauen, Hamburg, Hansaplatz 12.
Mexikanisches Konsulat, Hamburg, Alster 65.

Konsulat von Nicaragua, Hamburg, Hohe Bleichenstraße 35.
Österreichisches Konsulat, Hamburg, Beneckestraße 58.
Konsulat von Persien, Hamburg, Schwanenwick 37.
Peruanisches Konsulat, Hamburg, Alsterufer 15.

Konsulat von Rumänien, Hamburg, Gerhofstraße 3—5,
Russisches Konsulat, Hamburg, Steinstraße 10.

Konsulat von Salvador, Hamburg, Papenhuderstraße 36.
Tschechoslowakisches Konsulat, Hamburg, Alterwall 69.
Ungarisches Konsulat, Hamburg, Beneckestraße 48.

Konsulat von Uruguay, Hamburg, Armgartstraße 22.

Brasilien: K. Pindaro Tasso Jatahy, HANNOVER, Klewegarten 1.
Bulgarien: GK. Kommerzienrat Paul Klaproth, Hannover, Georgstraße 20
Chile: K. Eickenrodt, Hannover, Brahmsstraße 3.

Costa Rica: K. Otto Steinvorth, Hannover, Waldhausenstraße 30.
        <pb n="785" />
        ADRESSEN VON KONSULATEN

{_

Dänemark: VK. Georg Brandes, Hannover, Joachimstraße 6.

Dominikanische Republik: K. Hohlt, Hannover, Hohenzollernstraße 10.

Finnland: VK. Dr. Heinrici, Hannover, Ferdinand-Wallbrecht-Straße 84.

Großbritannien und Irland: VK, Captain W. C. R. Aue, Hannover, Theater-
straße 8.

Haiti: K. Alfred Winter, Hannover, Arndtstraße 21.

Mexiko: VK. Wilhelm Garvens, Alexanderstraße 3.

Niederlande: K. H. Tiefers, Hannover, Landschaftstraße 8,

Norwegen: K, Gerlach, Hannover, Bödekerstraße 36.

Österreich: K. Kurt Gumpel, Hannover, Luisenstraße 8—9,

Panama: K. Arnulf Lüders, Kirchwenderstraße 9.

Portugal: K. Wilhelm Schöttler, Hannover, Göttinger Chaussee 6—8.

Rumänien: GK. Dr. Robert Kind, Hannover, An der Markuskirche 5.

Schweden: K. Dr. jur. Jul. Caspar, Hannover, Prinzenstraße 9.

Siam: K. Louis Gröpke, Hannover, Heiligerstraße 1.

Spanien: K. Arthur Krohn, Hannover, Ißerstraße 1.

Tschechoslowakei: K. Gen.-Direktor u. Handelsrichter Raskop, Hannover,
Rühlmannstraße 1.

Auswärtige Konsulate mit Amtsbezirk Provinz Hannover.
Vereinigte Staaten von Nordamerika: K. Lesli E. Reed, BREMEN,
Am Wall 80.

Ägypten: GK. 5. E. Seifullah, Yousry Pascha, Berlin-Grunewald, Delbrückstraße 8.

Albanien: K. D. Protosingelon, Hamburg, Carolinenstraße 10.

Argentinien: GE. Juan Oyhanarte, Hamburg, Ferdinandstraße 56,

Belgien: GK. A. Moulaert, Hamburg, Spitalstraße 11,

Bolivien: K. Harry Meyer, Hamburg, Schlüterstraße 2.

China: GK. Fong Tsiang Kwang, Hamburg, Ferdinandstraße 56.

Columbien: GK. Louis Suarez Castillo, Hamburg, Steinstraße 147.

Cuba: GK. Luis Rodriguez Embil, Hamburg, Uhlenhorster Weg 23.

Dänemark (Island): GK. Marinus Larsen Yde, Hamburg, Badestraße 32 u. 34.

Ecuador: GK. R. Schumacher, Berlin W 8, Französischestraße 16.

Estland (Eesti): Generalkonsulat Berlin W 10, Hildebrandstraße 5.

Frankreich: K. P. Dubois, Bremen, Kohlhökerstraße 58,

Griechenland: GE. 3J. Melecos, Hamburg, Hallerplatz 1.

Guatemala: GK. Sinforosa Agnilar, Hamburg, Schopenstehl 15.

Japan: GK. S. Kawaschima, Hamburg, Mönckebergstraße 7.

Italien: GK. Ubaldo Rochira, Hamburg, Mönckebergstraße 7.

Jugoslawien: Siehe Serbien usw.

Lettland: GK. Edg. Kreewinsch, Berlin W 62, Burggrafenstraße.,

Liberia: GK. Momolu Massaquot, Hamburg, Lange Reihe 29,

Litauen: VK. Alexander Polisaitis, Hamburg 5, Hansaplatz 12.

Luxemburg: GK. J. F. A. George, Berlin W 8, Charlottenstraße 62,

Nicaragua: GK. Frederico Solorzano M., Hamburg 36, Hohe Bleichenstraße 35

Paraguay: GK. Ludwig Rehwinkel, Berlin W 15, Kurfürstendamm 220.

Persien: GK. L. Brandt, Hamburg, Schwanenwick 37.

Polen: GK. Stanislaw Zieliuski, Berlin W 35, Kurfürstenstraße 137,

Rumänien: GK. Leon Guttmann, Hamburg 36. Guatemala-Haus, Gerhofstraße 3—5
        <pb n="786" />
        786

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

E1lSalvador: GK. Dr. Arcadio Rochac Velado, Hamburg 24, Papenhuderstraße 36,

Schweiz: K. Friedrich Krose, Bremen, Domshof 26.

Königreich der Serben, Kroaten und Slovenen: GK. S. Ramadonovic,
Berlin W 50, Ansbacherstraße 3.

Türkei: K. Eburrizza Namüyk Bey, Charlottenburg, Mommsenstraße 51.

Ungarn: K. Georg v. Chika, Hamburg, Beneckestraße 48.

Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken: GE. Prof. Dr.
Metschislaw Dobranitzky, Hamburg, Steinstraße 10.

Uruguay: GK, O. Basigaluz Susviela, Hamburg 24, Armgartstraße 22.

Konsulat der Vereinigten Staaten von Nordamerika, KÖLN, Am Hof 24/26.

Konsulat der argentinischen Republik für die Rheinprovinz, Köln-Marienburg,
Lindenallee 1.

Belgisches Generalkonsulat, Köln, Hohenzollernring 73.

Konsulat der Republik Bolivien, Köln-Braunsfeld, Raschdorffstraße 2.

Konsulat der Vereinigten Staaten von Brasilien, Köln-Bayenthal, Alteburgerstraße 153.

Königl. Bulgarisches Generalkonsulat, Köln-Bayenthal, Bayenthalgürtel 64.

Konsulat der Republik Chile, Köln-Kalk, Hauptstraße 137.

Konsulat der Republik China, Köln, Krebsgasse 11—17.

Königl. Konsulat von Dänemark u. Island, Köln, Glockengasse 4.

Konsulat der Republik Estland, Köln, Heumarkt 43.

Vize-Konsulat der Republik Finnland, Köln, Martinstraße 40.

Französisches Generalkonsulat, Köln, Hohenzollernring 58.

Griechisches Vize-Konsulat, Köln-Lindenthal, Theresienstraße 85.

Königl. Großbritannisches Generalkonsulat, Köln, Kaiser-Friedrich-Ufer 31.

Konsulat von Haiti, Köln, Mainzerstraße 32.

Königl. Italienisches Konsulat, Köln, Sachsenring 41.

Kaiserlich Japanisches Konsulat, Köln, Marzellenstraße 37.

Konsulat der Republik Columbien, Köln-Braunsfeld, Friedrich Schmidtstraße 42.

Großherzoglich Luxemburgisches Konsulat, Köln, Hansaring 5.

Konsulat der Vereinigten Staaten von Mexiko, Köln, Händelstraße 17.

Königl. Niederländisches Konsulat, Köln, Bayenstraße 65.

Königl. Norwegisches Konsulat, Köln, Albertusstraße 45,

Österreichisches Generalkonsulat, Köln, Richard Wagnerstraße 37.

Konsulat der Republik Panama, Köln, Steinstraße 1.

Konsulat der Südamerikanischen Republik Peru, Köln, Werderstraße 13.

Konsulat der Republik Polen, Köln-Lindenthal, Dürenerstraße 248.

Portugisisches Konsulat, Köln, Kaiser-Friedrich-Ufer 67.

Königl. Rumänisches Generalkonsulat, Köln, Mühlenbach 38.

Königl. Schwedisches Konsulat, Köln, Laurenzplatz 3.

Schweizerisches Generalkonsulat, Köln, Kaiser Wilhelmring 55.

Königl. Spanisches Konsulat, Köln, Severinstraße 214.

Konsulat der Tschechoslowakischen Republik, Köln, Am Hof 24/26.

Königl. Ungarisches Konsulat für die Rheinprovinz, Köln, Richard Wagnerstraße 35.

Konsulat der Vereinigten Staaten von Venezuela, Köln, Wallrafplatz 3.
Konsulat der Vereinigten Staaten von Nordamerika, LEIPZIG, Otto Schillstraße 1.
Argentinisches Konsulat, Leipzig, Kaiserin-Augusta-Straße 14.
Bulgarisches Konsulat, Leipzig, Hardenbergstraße 5.
        <pb n="787" />
        ADRESSEN VON KONSULATEN

3

Dänisches Konsulat, Leipzig, Hainstraße 2.
Finnisches Konsulat, Leipzig, Täubchenweg 2.
Konsulat von Großbritannien, Leipzig, Schulstraße 10.
Japanisches Konsulat, Leipzig, Nikolaistraße 47.
Norwegisches Konsulat, Leipzig, Johannisgasse 10.
Schwedisches Konsulat, Leipzig, Rathausring 2.
Spanisches Konsulat, Leipzig, Brühl 75.

Tüzkisches Konsulat, Leipzig, Thomasgasse 8.

Konsulat von Ägypten, MÜNCHEN, Hotel Vier Jahreszeiten, Maximilianstraße 4.
Konsulat von Albanien, München, Amaliensiraße 29.

Konsulat der Vereinigten Staaten von Nordamerika, München, Ledererstraße 25,
Konsulat von Argentinien, München, Poschingerstraße 5.
Konsulat von Belgien, München, Von der Tannstraße 27.
Konsulat von Brasilien, München, Rheinbergerstraße 1.

Konsulat von Bulgarien, München, Von der Tannstraße 27.
Konsulat von Chile, München, Roecklplatz 2.

Konsulat von Columbien, München, Karlstraße 14.

Konsulat von Costa Rica, München, Johann v. Werthstraße 2.
Konsulat von Dänemark, München, Paul Heysestraße 10.
Konsulat von Estland, München, Ludwigstraße 17a.

Konsulat von Finnland, München, Karolinenplatz 3.

Konsulat von Frankreich, München, Steinsdorfstraße 10.

Konsulat von Griechenland, München, Maria Theresiastraße 22.
Konsulat von Großbritannien, München, Prannerstraße 11.
Konsulat von Guatemala, München, Fürstenfelderstraße 10.
Konsulat von Haiti, München, Dienerstraße 14,

Konsulat von Japan, München, Königinstraße 85.

Konsulat von Italien, München, Königinstraße 20.

Konsulat von Jugoslawien, München, Tengstraße 33.

Konsulat von Luxemburg, München, Maximilianstraße

Konsulat von Mexiko, München, Viktualienmarkt 12.

Konsulat von Nicaragua, München, Am Kosttor 1.

Konsulat der Niederlande, München, Böcklinstraße 1.

Konsulat von Norwegen, München, Giselastraße 21.

Konsulat von Österreich, München, Schackstraße 3.

Konsulat von Panama, München, Kindermannstraße 4.

Konsulat von Paraguay, München, Kindermannstraße 4.
Konsulat von Persien, München, Weinstraße 4.

Konsulat von Polen, München, Von der Tannstraße 26.
Konsulat von Portugal, München, Widenmayerstraße 23.
Konsulat von Rumänien, München, Unertlstraße 7,

Konsulat von Schweden, München, Löwengrube 20.

Konsulat der Schweiz, München, Ottostraße 9.

Konsulat von Spanien, München Friedrichstraße 19.

Konsulat der Tschechoslowakei, München, Briennerstraße 9.
Konsulat von Ungarn, München, Schönfeldstraße 32.

Konsulat von Uruguay, München, Ungererstraße 19,

Konsulat von Venezuela, München, Residenzstraße 21 (Honorarkonsulat).
        <pb n="788" />
        788

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
ÖSTERREICHISCHE KONSULATE IM AUSLANDE.
A g ypten: Alexandrien (Honorarkonsulat), 8 Rue Side El Metevalli P. O0. B. 1675.
Cairo (Honorarkonsularagent), 6, Chareh El Tourgouman P. O0. B. 792.
Amerika, Vereinigte Staaten: Washington (Gesandtschaft), 1851 Wyoming
Avenue (Telegrammadresse: Austreplic Washington). Chicago (Honorarkonsulat),
Room 701, 30 North Michigan Boulevard (Telegrammadresse: Austrian Consulate
Chicago), New York (Generalkonsulat), 24, State street (Telegrammadresse:
Austreplic New York).

Argentinien: Buenos Aires (Honorarkonsulat), San Martin 232 Eseritorio 401
(Telegrammadresse: Schanz. Buenos Aires).

Belgien: Antwerpen (Honorarkonsulat), 143 Lougne rue neuve, Brüssel (Honorar
konsulat). Rue de Industrie 7.

Brasilien: Rio de Janeiro (Gesandtschaft); (Honorargeneralkonsulat), Rua Sao
Pedro 9 (Briefadresse: Caixa postal 757; Telegrammadresse: Ornstein, Riojaneiro)}.
Bulgarien: Sofia Gesandtschaft), Schipkagasse 2 (Telegrammadresse: Austromission
Sofia).

China: Shanghai (Honorarkonsulat), Nr. 7, The Bund (Telegrammadresse: Steel-
boder Shanghai).

Dänemark: Aalborg (Honorarkonsulat). Kopenhagen (Honorargeneralkonsulat),
Gothersgade 175.
Deutschland: Berlin (Gesandtschaft), NW 40, Bendlerstraße 15. Bremen (Honorar-
konsulat). Breslau (Honorarkonsulat), 13, Viktoriastraße 120. Chemnitz (Honorar-
Konsulat), Johannisplatz 2, I. Cuxhaven (Honorarkonsulat), Grünerweg 28. Danzig
(Honorarkonsulat), Langermarkt 38, I. Dresden (Honorargeneralkonsulat), Bürger-
wiese 18. Frankfurt a. M. (Honorargeneralkonsulat), Neue Mainzerstraße 54. Ham-
burg (Generalkonsulat), Rothenbaumchaussee 44. Harburg (Honorarkonsulat),
Schloßstraße 6. Karlsruhe (Honorarkonsulat), Kaiserstraße 96, II, Kiel (Honorar-
konsulat), Hafenstraße 9, I. Köln (Generalkonsulat), Richard Wagnergasse 37, I.
Königsberg (Honorarkonsulat), Tragheimer Kirchenstraße 50. Leipzig (Honorar-
konsulat), Brühl 75—77, I. Lübeck (Honorarkonsulat), Beckergrube 16 pt. Stettin
‚Honorarkonsulat), Große Lastadie 90—92. Stuttgart (Honorarkonsulat), Königs-
araße 1993.

Frankreich: Paris (Gesandtschaft), 23, Rue Beaujon.
Griechenland: Athen (Honorarkonsulat), Boulevard Alexandra 18 (Telegramm-
adresse: Austkon Athen).
Großbritannien: London (Gesandtschaft), S. W. I, 18, Belgrave Square.
[talien: Triest (Generalkonsulat), Via Ghega 8. Venedig, Campo S, Luga 4267.
Mailand (Konsulat), Piazza Duomo 21. Rom (Gesandtschaft), Lungotevere Vallati 10.
        <pb n="789" />
        ADRESSEN VON KONSULATEN

WC

Niederlande: Im Haag (Gesandtschaft), Koninginnegracht 29,
Norwegen: Christiania (Honorargeneralkonsulat), Store Strandgade 1.
Polen: Warschau, Koszykowa 11b. Krakau (Paßstelle), Kanoniza 16,

Rumänien: Bukarest (Gesandtschaft), Strada Boteanului 4 (Telegrammadresse:
Legation Autriche Bucaresto); (Honorarkonsulat), Strade Boteanului 4.

Schweden: Gothenburg (Göteborg) (Honorarkonsulat), Västra Hamngatan 2.
Schweiz: Bern (Gesandtschaft), Sulgenauweg 26. Zürich (Konsulat), Kappeler-
gasse 17. ;

Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen: Beigrad (Gesandt-
schaft), Varoski, Knez Michailov venac 16. Agram (Konsulat), Beskoviceva ulica 40.
Laibach (Ljubljana) (Paßstellel, Turijaski trg 5. Sarajevo (Paßstelle), Dositijeva
ulica 6. IH.

Sozialistische Sowjetrepubliken, Union der: Moskau (Gesandtschaft),
Sadowaja Kudrinskaja 13 (Telegrammadresse: Austromission Moskau).
Spanien: Madrid, Calle de Alcala 16.
Tschechoslowakei: Prag (Gesandtschaft), Smichov, Junkmanova 9. Brünn,
Koliste 59. Mährisch-Ostrau, Klemensgasse 6. Preßburg, Lorenzertorgasse 5. II.

Türkei: Stambul (Gesandtschaft), Nischantasch 2 (Telegrammadresse: Legation
Autriche Konstantinopel). Konstantinopel (Honorarkonsulat), Nischantasch 2.

Ungarn: Budapest (Gesandtschaft), V., Akademia utca 16 (Telegrammadresse: Österr.
Ges. Budavest); (Honorargeneralkonsulat).

AUSLANDS-KONSULATE IN ÖSTERREICH.
Diplomatisch vertreten sind in Österreich:
Ägypten: Konsularamt, Wien IV, Wohllebengasse 15.
Albanien: Konsularamt, Wien IV, Wiedner Hauptstraße 15.

Vereinigte Staaten von Amerika: Gesandtschaft, Wien IV, Wohlleben-
gasse 9.
Konsularamt. Wien I, Stock-im-Eisen-Platz 3.
Argentinien: Gesandtschaft, Wien III, Reisnerstraße 51.
Konsularamt, im Postsparkassengebäude Wien I. Rosenbursenstraße 1
        <pb n="790" />
        790

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Belgien: Gesandtschaft, Wien IV, Schönburgstraße 10.
» Konsularamt, Wien I, Schenkenstraße 8.
Bolivia: Gesandtschaft, Wien III, Keilgasse 11.
Konsularamt. Wien I. Marc Aurelstraße 5.

Brasilien: Gesandtschaft, Wien III, Jaure6sgasse 9.
Konsularamt, Wien VI, Gumpendorferstraße 9.
Konsularamt. Graz Annenstraße 11.
Bulgarien: Gesandtschaft, Wien IV, Gußhausstraße 2.
Chile: Gesandtschaft, Wien I, Schauflergasse 6.
Konsularamt, Wien I, Schauflergasse 6.

China: Gesandtschaft, Wien III, Lothringerstraße 16.
Columbien: Konsularamt, Wien I, Stadiongasse 5.
Costa Rica: Konsularamt, Wien XIM, Auhofstraße 78a.
üuba: Gesandtschaft, Wien I, Wollzeile 30,
Konsularamt, Wien III Marxergasse ?2.

Dänemark: Gesandtschaft, Wien IV, Wohllebengasse 9.
Konsularamt, Wien IV, Wohllebengasse 9.

Deutsches Reich: Gesandtschaft, Wien II, Metternichgasse 3.
Paßstelle, Wien IV, Rainergasse 18.
Konsularamt, Graz, Bernhardstraße 59,
Konsularamt, Innsbruck, Bahnstraße 16.
Paßstelle, Linz, Goethestraße 1.
Paßstelle, Salzburg, Schwarzstraße 7.

Ecuador: Konsularamt, Wien III, Reisnerstraße 37.
Estland: Konsularamt, Wien III, Neulinggasse 42,
Finnland: Konsularamt, Wien I, Kolowratring 6.
Frankreich: Gesandtschaft, Wien IV, Technikerstraße 2,
Konsularamt. Wien I. Schwarzenbergplatz-Technikerstraße 9.

Griechenland: Gesandtschaft, Wien IV, Argentinierstraße 14.
Konsularamt, Wien IV, Argentinierstraße 14.

Großbritannien: Gesandtschaft, Wien III, Metternichgasse 6.
Konsularamt; Wien III, Jacquingasse 21.
Paßstelle, Wien I, Universitätsstraße 5.
        <pb n="791" />
        ADRESSEN VON KONSULATEN
Guatemala: Konsularamt, Wien I, Opernring 17.
Haiti: Konsularamt, III, Hainburgerstraße 45,
Honduras: Konsularamt, Wien VIII, Langegasse 65.

[talien: Gesandtschaft, Wien III, Rennweg 27.
Konsularamt, Wien IV, Belvederegasse 7.
Konsularamt, Graz, Jungferngasse 1.
Konsularagentur, Salzburg, Bürgelsteinstraße.
Konsularamt, Innsbruck, Erlerstraße 17.
Konsularagentur, Feldkirch.

Konsularamt. Klagenfurt. Bahnhofstraße 9.

Japan: Gesandtschaft, Wien II, Kölblgasse 1
Konsularamt, Wien III, Kölblgasse 1.

Jugoslawien: Gesandtschaft, Wien I, Annagasse 20.
Konsularamt, Wien I, Seilerstätte 30.
Konsularamt, Graz, Schubertstraße 16.
Konsularamt, Klagenfurt. Bahnhofstraße 26a.

Lettland: Gesandischaft, Wien I, Kärntnerring 3,
Konsularamt, Wien I. Kärntnerring 3.
Luxemburg: Konsularamt, Wien XIX, Radlmayergasse 4.
Malteserritterorden, Souveräner: Wien I, Johannesgasse 2,
Mexiko: Konsularamt, Wien III, Strohgasse 10.
Nicaragua: Konsularamt, Wien XII, Steinbauergasse 25.

Niederlande: Gesandtschaft, Wien J, Burgring 1.
Konsularamt, Wien IV, Wiedner Gürtel 12.
Konsularamt. Linz.
Norwegen: Konsularamt, Wien I, Wildpretmarkt 10.
Päpstlicher Stu hl: Wien IV, Theresianumgasse 31.
Panama: Konsularamt, Wien VI, Liniengasse 2a.
Paraguay: Konsularamt, Wien IX, Liechtensteinstraße 3.
Persien: Gesandtschaft, Wien III, Jauresgasse 11.
Konsularamt. Wien III, Jauresgasse 11.

Peru: Konsularamt, Wien I, Operngasse 8.
        <pb n="792" />
        792

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Polen: Gesandtschaft, Wien III, Rennweg 1.
‘Konsularamt, Wien III, Rennweg la.
Paßstelle. Wien IV. Maverhofgasse 11.

Portugal: Gesandtschaft, Wien VI, Nelkengasse 1,
Konsularamt, Wien VI, Nelkengasse 1.

Rumänien: Gesandtschaft, Wien IV, Brucknerstraße 8.
Konsularamt, Wien IV. Belvederegasse 34.
Rußland: Gesandtschaft, Wien III, Reisnerstraße 45—47.
Konsularamt, Wien IIL Reisnerstraße 47.

Salvador: Konsularamt, Wien IV, Johann-Strauß-Gasse 22.

San Domingo: Konsularamt, Wien XII, Bujattigasse 3.
Paßstelle. Wien VII. Zieglergasse 8.

Schweden: Gesandtschaft, Wien I, Stadiongasse 6.
Konsularamt, Wien I, Stadiongasse 6.
Vizekonsulat. Salzburg, Paris-Lodron-Straße 3.

Schweiz: Gesandtschaft, Wien II, Strohgasse 16.

Spanien: Gesandtschaft, Wien IV, Argentinierstraße 34.
Konsularamt, Wien II, Rotensterngasse 21.
Virekonsulat. Salzbure, Schloß Mirabell.
Tschechoslowakei: Gesandtschaft, Wien I, Lobkowitzplatz 2.
Konsularamt, Wien XI1/2, Penzingerstraße 11—13.
Konsularamt, Graz, Merangasse 20.
Konsularamt. Linz. Donaustraße 1.

Ungarn: Gesandtschaft, Wien I, Bankgasse 4—6.
Uruguay: Gesandtschaft, Wien I, Hotel Krantz, Neuer Markt 6.
Konsularamt. Wien Ill. Reisnerstraße 16.
Venezuela: Gesandtschaft, Wien I, Stubenring 18.
Konsularamt. Wien I. Stubenring 18.

AUSLANDS-KONSULATE DER SCHWEIZ.
Il. Europa.
Brüssel, Belgien. Square Frere-Orban 7.
Antwerpen, Belgien. Place de la Gare 41.

Sofia. Bulgarien. Ulitza Scheinovo 25.
        <pb n="793" />
        ADRESSEN VON KONSULATEN

'9®

Kopenhagen, Dänemark. Havnegade 13.
Berlin. Fürst Bismarckstraße 4.
Bremen, Domshof 26—30.
Dresden. Hohe Straße 33.
Düsseldorf. Benratherstraße 29,
Elbing. Friedrich-Wilhelm-Platz 19.
Frankfurt a. M. Neue Mainzerstraße 1
Hamburg. Adolphsplatz 2.

Köln a. Rh. Kaiser-Wilhelm-Ring 50.
Leipzig. Nicolaistraße 10.
Mannheim. Werderstraße 17.
München. Ottostraße 9.
Nürnberg. Lutzstraße 1,
Stuttgart. Poststraße 7.
Revalı Estland, Antonisberg 3.
Abo. Finnland. Trädgärtsgatan 3.

Paris. Avenue Hoche 51.

Besancon. Rue des Granges 48.

Beziers (Herault). Avenue Saint-Saens 55.
Bordeaux. Rue Cornac 23.

Dijon. Rue de Gray 30.

Havre. Rue Pleuvry 2.

Lille. Rue Desire Courcot 24 (Boite postale 65).
Lyon, Quai des Brotteaux 6.

Marseille. Rue Louise Michel 115.
Mülhausen. Rue de la Somme 4.

Nancy. Boulevard Godefroy-de-Bouillon 15.
Nantes. Rue du Maine 37 bis.

Nizza. Place de Dijon 4.

Straßburg. Quai des Batteliers 27.
Tonlouse, Rue de Metz 58.
Athen, Griechenland. Rue Heiden 31. (Boite postale 82.)
London. Queen Anne Street 32, W I.

Glasgow. Bath Street 49.

Hull Lloyd Bank Chambers, Market Place.
Liverpool. Dominion Buildings, Brunswick Street 28.
Manchester. Albert Square 11

Rom. Piazza Croce Rossa 3.

Catania. Via Bicocca 8.
Florenz-Firenze. Via dei Sassetti 2.
Genua-Genova. Via Peschiera 6.
Livorno. Via Ernesto Rossi 30.
Mailand-Milano. Via Armorari 14.
        <pb n="794" />
        794

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Neapel-Napoli. Via Medina 5.

Triest-Trieste. Piazza Nicolo Tommaseo 4.
Turin-Torino. Via Montecucoli 7.
Venedig-Venezia. Campo Santo Maria Formosa 6123,
Riga, Lettland. Valdemara iela 7.
Kaunas, Litauen. Bazuijceios gatve 12.
Amsterdam. Willemsparkweg 30.
Rotterdam. Wynstraat 124 b.
Haag. Parkstraat 26.
Oslo-Christiania, Norwegen. Kirke gaten 2 (Postfach 428).
Wien, Österreich. III, Strohgasse 16.

Warschau, Polen. Rue Smolna 25.

Lissabon, Portugal. Largo do Carmo 4.

Porto-Oporto, Portugal. Avenida dos Aliados 9.
Bukarest, Rumänien. Str. Pitar Mosu 10.
Galatz Rumänien. Rue Zimbrului 1.

Stockholm, Schweden. Blasieholmstorg. 11,

Belgrad, Serbien. Pozorisna ulica 29.
Zagreb-Agram. Serbien. Preratovice&amp;va ulica 24,

Madrid, Spanien. Calle de Sagasta 25.
Barcelona, Spanien. Calle Pelayo 14.
Sevilla, Spanien. Calle Albareda 33, Apartado 124.
Prag-Praha, Tschechoslowakei, VII. N. C. 237, Belskystraße 13n.
Budapest, Ungarm. IX. Szvetenay-utca 21.
Il. Amerika.
Washington, D. C. Hillyer Place 2013.
Chicago, IM, South Dearbon Street 38.
Cincinnati, Ohio. Carew Building 100.
Denver, Colorado. American National Bank Building 307.
Los Angeles, Cal. Grant Building 500. South Broadway 355.
New Orleans, La. Mason Building 205, Gravier Street 730,
New York. Fifth Avenue 104.
Philadelphia, Pa. 1412 N. 16th Street.
Portland, Ore, Gerlinger Building 407, Second and Alder Street.
San Francisco, Cal. California Street 485.
Seattle, Wash. Arctic Building 516.
        <pb n="795" />
        ADRESSEN VON KONSULATEN

"A

St. Louis, Mo. Merchants Laclede Building 824.

Montreal, Canada, Keefer Building, Ste. Catherine Street 698
Toronto, Canada. Empire Building. 716, Wellington Street 64.
Vancouver, Canada. Hastings Street 122.

Winnipeg, Canada. Mc Intyre Block 719, Main Street 416,

Buenos Aires, Argentinien. Calle Ayacucho 658.
Mendoza, Argentinien. Calle Rivadavia 287.

Rosario de Santa Fe, Argentinien. Calle Santa Fe 1290.
Santa Fe. Argentinien. Calle Gobernador Crespo 264.
La Paz, Bolivien. Casilla 657.
Rio de Janeiro, Brasilien. Rua Teophilo Ottoni 17.
Bahia, Brasilien. Rua Conselheiro Dantas 31.

Curityba, Brasilien. Rua Visconde de Guarapuava 47,
Parä, Brasilien. Boulevard da Republica 30.
Pernambuco, Brasilien. Rua de Imperador Pedro II 512.
Porto Alegre, Brasilien. Rua Sete de Setembro 86

Sao Paulo. Brasilien. Rua Barao de Itapetininga 35.

Santjago de Chile, Chile. Calle Agustinas 1220.
Punta Arenas, Chile. Calle Lantaro Navarro 894
Valparaiso, Chile. Calle Blanco 1173. Casilla 805.

Bogotä, Columbien. Carrera 8, No. 481, Apartado 450.

San Jose, Costa Rica. Avenida Central 44.
Guayaquil. Ecuador. Malecon 1105/8.

Mexiko, Mexiko. Calle Gante 4.

Guadalajara, Mexiko. Calle de Ocampo 222,
Tampico, Mexiko. Calle Commercio 63, Apartado 238.
Panama. Panama. Avenida Central 87.

Asunciön, Paraguav. Calle 14 de Julio 124.
Lima, Peru. Calle Plumereros 312, Apartado 1899.
Montevideo, Uruguay. Calle 25 de Mayo 395.
Caracas, Venezuela. Sur 4 No. 39.

IN. Afrika.

Algier. Rue Arago 2.
Casablanca. Boulevard de la gare 112. Boite postale 5.

Frectocon. Racodonstreet 23.
        <pb n="796" />
        796

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Jobannesburg. National Building. Pritchard Street 31.
Kapstadt-Capetown. Church Street 56. O0. Box 806.
Lourenco-Marques. Caixa postal 78.

IV. Asien.
Bombay, Indien. Graham Road 19.
Calcutta, Indien. Clive Street 100.

Colombo, Cevlon. Prince Street. P, O0. Box 164.
Madras. Armenian Street 115. P. O. Box 45.
Singapore. Market Street 117—121.
Batavia, Java. Kampong Malaka 3.
Deli, Sumatra. Tjinta Radja Estate, Post Tandjong Poera.

Shanghai, China. Bubbling Well Road 95.
Canton, China. Shameen 49.

Tokio. Japan. Shiba Koen 9 of 21, Shiba-ku.,

V. Australien.
Melbourne. King Street 31.
Sydnevy. Pitt Street 163.

AUSLANDS-KONSULATE IN ROM.
Afghanistan: Legazione dell’Afghanistan, Roma, Via Nomentana N, 68a.
Albania: Legazione dell’Albania, Roma, Corso d’Italia 92.

Arabia: Legazione dell’Arabia, Roma, Via Sardegna 83.

Argentina: Roma, Viale Mazzini 9.

Austria: Legazione dell’Austria, Roma, Lungotevere Vallati N. 19.

Belgio: Roma, Via Campania 55.

Bolivia: Roma, Via dei Greci 3.

Brasile: Roma, Via Dora 2,

Bulgaria: Legazione dell’Bulgaria, Roma, Via dei Mille 6.
Cecoslovacchia: Legazione dell’Cecoslovacchia, Roma, Via Luisa di Savoia 22.
Cile: Roma, Via Condotti 11.

Cina: Roma, Via Sistina 109.

Colombia: Roma, Corso Vittorio Emanuele 101.

Costa Rica: Roma, Via dei Greci 3.

Cuba: Roma, Piazza Trinita dei Monti 16.

Danimarca: Roma, Via Piemonte 62.

Egitto: Legazione dell’Egitto, Roma, Grand Hotel. Via delle Terme di Diocleziano 3a.
        <pb n="797" />
        ADRESSEN VON KONSULATEN

W

Equatore: Roma, Piazza del Popolo 18.

Estonia: Legazione dell’Estonia, Roma, Via Giambattista Morgagni 5.
Finlandia: Roma, Via Sicilia 66,

Francia: Roma, Via dei Farnesi (Palazzo Farnese).

Germania: Ambasciata dell’Germania, Roma, Via Conte Rosso 25.
Giappone: Ambasciata dell’Giappone, Roma, Piazza del Gesü (Palazzo Altieri).
Gran Bretagna: Roma, Piazza di Spagna 60-A.

Gracia: Roma, Via delle Terme di Diocleziano 83.

Guatemala: Roma, Via Giovanni Pacini 11.

Haiti: Roma, Via Marianna Dionigi 16.

Honduras: Roma, Via dell’Anima 10.

Jugoslavia: Roma, Via Poli 25.

Lettonia: Legazione della Lettonia, Roma, Via Nicold Porpora 3.
Liberia: Roma, Via 24 Maggio 46.

Lituania: Legazione della Lituania, Roma, Corso d’Halia 25.
Messico: Roma, Via Ripetta 22.

Monaco: Legazione di Monaco, Roma, Via Aureliana 39.
Nicaragua: Roma, Via Ripetta 22.

Norvegia: Roma, Piazza di Spagna 32.

Paesi Bassi: Roma, Via Terme di Diocleziano 75.

Panama: Roma, Corso Umberto I, 337.

Persia: Roma, Piazza Margana 19.

Perü: Roma, Via Monte della Farina 19.

Polonia: Roma, Piazza di Spagna 20.

Portogallo: Roma, Via Monserrato 48.

Romania: Roma, Via Poli 48.

Salvador: Roma, Via Ripetta 22.

San Domingo: Roma, Via Poli 25.

San Marino: Roma, Via Giuseppe Ferrari 2,

Siam: Roma, Via Aurora 39.

Spagna: Roma, Circo Agonale 93,

Stati Uniti d’America: Roma, Via Nazionale 89.

Svezia: Roma, Via Marche 1.

Svizzera: Legazione della Svizzera, Roma, Piazza della Croce Rossa 3.
Turchia: Roma, Via Palestro 28.

Ungheria: Legazione dell’Ungheria, Roma, Via Sesia 1,

Unione Repubbliche Soviettiste e Socialiste: Roma, Via Gaeta 3.
Uruguay: Roma, Via Germanico 216.

Venezuela: Roma, Corso Umberto I, 271.
        <pb n="798" />
        e

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

108. AUSKLANG

Im Auftakt teile ich die Summen mit, die jenseits des großen
Teiches, der Atlantischer Ozean heißt, für Reklame aufgewendet
werden. Im Finale muß ich den Leser bitten, mich freundlichst
noch einmal nach New York zu begleiten. Nur im Gedanken-
flugzeug. Es ist also ungefährlich und kostet nichts. Aber diese
nochmalige Gedankenreise nach Amerika ist für die Zustände
bezeichnend, die der Weltkrieg in Europa geschaffen hat. Der
reiche Vetter in Amerika, in der neuen Welt, ist Trumpf, denn
er hat das Geld der alten Welt schmunzelnd in seine Tasche
gesteckt. Nun sind aller Augen auf den milliardenschweren
Uncle Sam gerichtet und viele Gehirne beschäftigen sich mit der
ernsten und wichtigen Frage: Wie holen wir das gleißende
Gold wieder aus den amerikanischen Taschen heraus?

Bei dieser lohnenden und für alle Völker Europas auch
ungeheuer wichtigen Aufgabe fällt der Hotelindustrie, dem
Fremdenverkehr ein vollgerüttelt Maß von Arbeit zu. Auch sie
müssen sich mit neuzeitlichen Tiefbohrern ausrüsten und nach
dem amerikanischen Golde schürfen, das eigentlich gar nicht
amerikanisches, sondern zu einem großen Teil europäisches ist.

Kurz sei auf die, leider noch immer viel zu wenig erkannte
und bekannte Tatsache hingewiesen, daß der internationale
Fremdenverkehr dieselbe Wichtigkeit und Bedeutung hat, wie
der Export. Internationaler Fremdenverkehr ist allerdings
„Import“; aber er ist Import fremder Valuten beziehungsweise
fremden Geldes. Der ausländische Vergnügungsreisende expor-
tiert aber auch wieder! Alles, was er bei seiner Anwesenheit
kauft, um es mit heimzubringen, ist Export. Er läßt dafür das
Geld seines Landes zurück. Aus diesen wenigen Worten kann
man die ungeheuere Wichtigkeit des internationalen Fremden-
verkehrs erkennen.
        <pb n="799" />
        AUSKLANG

799

Für die Hotels ist ein blühender, nationaler und inter-
nationaler Fremdenverkehr, ohne behördliche Hemmungen
durch Paß-, Visum- und polizeiliche Anmelde-Schikanen, ohne
untragbare Luxussteuern, ohne hohe Gebühren für fremde
Automobilisten usw., eine Lebensnotwendigkeit. Langsam hat
man die Wichtigkeit des Fremdenverkehrs auch in amtlichen
Kreisen erkannt. Man schuf Zentralen, denen die Förderung
des Fremdenverkehrs übertragen wurde. Auch in Deutschland
wurde vor einigen Jahren die „Reichszentrale für Deutsche
Verkehrswerbung“ geschaffen. Ich habe ihr ein besonderes
Kapitel gewidmet. Mit dieser offiziösen Stelle für Verkehrs-
werbung steht Deutschland natürlich nicht etwa einzig da,
denn auch andere Reiseländer haben, wie schon erwähnt, solche
amtlichen Stellen. Einzig steht Deutschland wohl nur darin da,
daß sowohl von der Reichsregierung und den Länderregierun-
gen als auch von den Parlamenten des Reiches und der Bundes-
staaten für die Förderung des volkswirtschaftlich so wichtigen
und wertvollen Fremdenverkehrs nicht die Mittel zur Ver-
fügung gestellt werden, die notwendig wären, wenn ebenso
großzügige und erfolgreiche Arbeit geleistet werden soll, wie es
in anderen Ländern mit regem Fremdenverkehr geschieht. Ich
erinnere an Bayern, dessen Bevölkerung ein sehr großes Inter-
esse am Fremdenverkehr hat, und wo viele wichtige Kurorte
fast nur vom Fremdenverkehr leben. Der Finanzausschuß des
bayerischen Landtages warf für 1925 die „Riesensumme“‘ von
40.000 Mark für die Förderung des Fremdenverkehrs aus. Also
ein Betrag, den ein kleines Warenhaus in einer Provinzstadt
allermindestens für seine Reklame ausgibt. Für 1926 reduzierte
derselbe Landtag diesen „Riesenbetrag‘“ sogar auf nur 20.000
Mark. Difficile est, satiram non scribere. Es ist schwer, darüber
keine Satire zu schreiben!

Diese übertrieben bescheidene Zurückhaltung gegenüber den
Belangen des wichtigen Fremdenverkehrs ist um so befremd-
licher, als der Staat aus den Hotels, den Hauptinteressenten
des Fremdenverkehrs, ungeheure Summen durch Steuern und
Abgaben aller Art herausholt. Der kurzsichtige Staat handelt
hier wie jener habgierige Bauer, der aus seinem ertragreichen
Boden nur immer herausholte und erntete, ohne für recht-
zeitige, regelmäßige und kluge Düngung zu sorgen. Als der
Boden dann nichts mehr hergab, nur noch Dornen und Disteln,
        <pb n="800" />
        500

DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
da machte der Bauer ein verdutztes und dummes Gesicht, bevor
er‘ verhungerte.

Man darf sich allerdings nicht nur auf die amtlichen Stellen
verlassen. Diese können auch nur fördernd und unterstützend
eingreifen; die Hauptarbeit muß doch von den Hotelbesitzern,
von den Verkehrsstädten, Kur- und Badeorten geleistet werden.

Ringsum stehen scharfe Konkurrenten, bereit, das Nachbar-
land vom internationalen Fremdenverkehr abzuschnüren;
bereit, die ins Ausland drängenden, wohlhabenden Kreise des
eigenen Landes mit offenen Armen zu empfangen. Frankreich
hatte das Budget seines „Office national du tourisme‘ (Offi-
ziellen Verkehrsbureaus) für das Jahr 1925 auf rund vier
Millionen Franken festgesetzt; die Schweizer Verkehrszentrale
bezifferte ihr Budget für 1927 auf den für dieses kleine Land
bedeutenden Betrag von 541,600 Frs.; Italien überläßt seiner
„Enit“ gewisse, nicht unbedeutende Steuereinnahmen aus
dem Fremdenverkehr und gewährt ausländischen Reisenden
bedeutende Nachlässe bei ihren Eisenbahnfahrten; Österreich,
Jugoslawien, Holland, die Tschechoslowakei, Spanien, Un-
garn, Belgien und die nordischen Staaten geben sich die
größte Mühe, den internationalen Touristenstrom einzufangen.
Ja sogar England, das seither die Welt mit Vergnügungs-
reisenden überschwemmte, macht schon seit längerer Zeit
Anstrengungen, die eigenen Bürger im Lande zu halten und
fremde Touristen anzulocken. Es gibt in England eine Organi-
sation, „Come to Britain“ — Kommt nach Großbritannien —
betitelt, deren Ziel schon der Name verkörpert. Bezeichnend
dabei ist, daß eine solche Vereinigung in dem reiselustigsten
Lande der Erde möglich werden konnte. Ende 1926 sind im
Schoße dreier großer britischer Berufsorganisationen: der
Incorporated Association of Hotels and Restaurants, der Resi-
dential Hotels und der Caterers’ Association, ernste Beratungen
über die Errichtung eines „Hotel-Information Bureaus‘“ in
London gepflogen worden, das ähnlichen Zwecken wie „Come
to Britain‘ dienen soll.

Und die Vereinigten Staaten von Nordamerika? Auf deren
wertvolle Dollars man überall in Europa hofft! Gegen Ende des
Jahres 1926 wurde bekannt, daß die neugegründete American
Travel Development Association, die nationale Organisation
zur Förderung des Fremdenverkehrs in Amerika, beschlossen
habe, einen Propagandafonds von nicht weniger als 5 Millionen
        <pb n="801" />
        AUSKLANG

301

Dollars von der Regierung zu fordern. Dieses Geld soll dazu
verwendet werden, um mit dem Wahlspruch „Know America!‘
(Amerikaner, lerne dein Land kennen) eine großzügige Pro-
paganda für die Schönheit Amerikas im eigenen Lande zu
entfalten. Es ist sehr charakteristisch, daß in den Zeitungen
Amerikas offen hierzu erklärt wird: „Wir haben nur einen
Konkurrenten, und das ist Europa“.

Fünf Millionen Dollars! Das ist die Kleinigkeit von rund
21 Millionen Mark, rund 26 Millionen Schweizer Franken, rund
40 Millionen österreichischer Schillinge oder rund 100 Millionen
italienischer Lire. Wer die Mentalität, das Nationalbewußtsein
und den Stolz des Amerikaners auf sein Vaterland kennt, der
weiß auch, daß diese American Travel Development Association
wenn auch nicht gerade 5 Millionen, aber doch sicher mehrere
Millionen Dollars Subvention vom Staate erhalten wird. Man
vergleiche diese Summe dann mit den vom Bayerischen Land-
tage gespendeten 20.000 Mark.

Wenn man im Interesse des eigenen Landes derartigen
Gegenströmungen begegnen will, wenn man mit der intensiv
arbeitenden Konkurrenz Schritt halten will, dann wird man der
wichtigen und wertvollen Helferin Propaganda künftighin noch
ganz andere Aufmerksamkeit schenken müssen.
        <pb n="802" />
        DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

BITTE AN DIE LESER
Das vorliegende Werk wurde geschrieben, das umfangreiche
Material mit Bienenfleiß zusammengetragen, um bei dieser
Propagandaarbeit so viel als möglich zu helfen. Es liegt deshalb
im Interesse aller Beteiligten, daß in der Praxis gemachte gute
und schlechte Erfahrungen bekannt werden, damit man daraus
lernen kann. Deshalb richte ich an alle, die es angeht, die Bitte,
mir von praktischen Erfahrungen regelmäßig Mitteilung zu
machen. Besonders interessieren mich hierbei die Ergebnisse
von Maßregeln, die auf Grund von praktischen Winken dieses
Buches erzielt wurden. Auch sonst bin ich für Anregungen und
sachliche Kritiken stets dankbar. Schließlich liegt das im
Interesse aller Fremdenverkehrsinteressenten, denn je erschöp-
fender und zuverlässiger ein Werk wie das vorliegende ist,
desto größeren Nutzen kann man daraus ziehen. Jede Art Mit-
teilung, Anregung, Auskunft usw. ist willkommen. Ich bitte,
sie an die Adresse des Verlages in Essen oder Wien zu richten.
Ganz besonders dankbar werde ich für fortlaufende Zusendung
neuen und aparten Werbe-, Anzeigen- und Plakatmaterials
sein, wie ich es zum Beispiel der Anzeigenzentrale des Reichs-
verbandes der Deutschen Hotels, der Reichszentrale für Deut-
sche Verkehrswerbung, der Kurdirektion Davos,. Hofrat und
Kurdirektor a. D. Ludwig Anders in Bad Kreuznach sowie zahl-
reichen Hotelbesitzern und Kurortleitern verdanke, welche mir
in liebenswürdiger Weise einen Teil des illustrativen Muster-
materials zur Verfügung stellten.

Nur zielbewußte, unermüdliche und geschickte Reklame,
neben mustergültiger Führung der Betriebe, wird die Hotels,
Fremdenverkehrsstädte, Kur- und Badeorte in den Stand
setzen, jeder Konkurrenz erfolgreich zu begegnen. Daß diese
Erfolge noch viel schöner und größer werden möchten, als man
sie in kühnen Träumen erhoffte, ist mein Wunsch, und mit
diesem sich hoffentlich erfüllenden Wunsch setze ich hinter
meine Gedankengänge den Schlußpunkt.
        <pb n="803" />
        EIN WORT AN DEN INTERNAT. HOTELBESITZERVEREIN U. SEIN „HOTEL“ 803

| EIN WORT
AN DEN INTERNATIONALEN HOTELBESITZER-VEREIN
UND SEIN .HOTEL*‘‘

Wer, wie der Verfasser, 28 Jahre seines Lebens an der Spitze
von Fachzeitschriften gestanden hat, die ihren Flug über die
ganze Welt nahmen und in allen fünf Erdteilen zu finden
waren, der darf wohl seiner Freude darüber Ausdruck geben,
daß man wieder „international“ denken und wünschen und
streben kann. Es ist kein „Verbrechen“ mehr, es laut zu sagen,
daß man das Heil der Völker darin sieht, sich kennen und
verstehen zu lernen, woraus Achtung und Schätzung ganz von
selbst erwachsen werden.

Diese vermittelnde, Völker verbindende Tätigkeit war seit
nun fast 60 Jahren die vornehmste Aufgabe des IHV. und
seines Ministers des Äußeren, des HOTELS. Als vor ungefähr
sechs, sieben Jahren Bestrebungen sich bemerkbar machten,
den IHV. als „überlebt“, als „überflüssig‘ mit allem Prunk
und Pomp, also wenigstens erstklassig, zu begraben, da habe
ich mit Wort und Schrift zum Ausdruck gebracht: Es wird eine
Zeit kommen, früher als man denkt, da der „Begrabene‘“ mit
allen Mitteln wieder zum Leben erweckt werden soll. Die Zeit
gab mir und vielen anderen Einsichtsvollen Recht! Bestünde
der IHV. nicht mehr, so würde man ihn wieder herbeiwünschen
und herbeisehnen, denn die internationale Einstellung des
Fremdenverkehrs, die schöne Mission des kosmopolitischen
Welthotels macht eine Korporation zur zwingenden Notwendig-
keit, die nichts anderes ist als eben die Verkörperung aller jener
Imponderabilien, die den Komplex: Weltverkehr und Welt-
hotel, umschließen. Glücklicherweise haben wir den IHV.
noch, trotz seines hohen Alters jugendlich frisch und wunder-
voll rege und rührig, und die Pioniere des Weltverkehrs und
des Welthotels können geruhsam und sicher auf den ehernen
Fundamenten weiterbauen, die der IHV. in sechzigjähriger
Lebensarbeit errichtet hat. Sie können von seinem reichen
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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE

Schatz vielseitiger Erfahrungen zehren. Eine kostbare und
ausgezeichnete Wegzehrung für die Kommenden.

Darf ich nochmals eine persönliche Erinnerung auffrischen?
Als die Gunst der Verhältnisse es mir im Jahre 1913 ermög-
lichte, mit der „Illustrierten Hotel-Industrie‘“ ein einzig daste-
hendes Weltorgan der internationalen Hotels zu schaffen, da
schien mir der Gipfelpunkt meines geistigen Strebens im
Dienste des Hotelgewerbes erreicht. Ein Jahr später zerschlug
der rauhe Kriegsgott Mars mein prächtig aufgeblühtes Geistes-
kind in Staub und Asche. Mit doppelter Freude sehe ich, daß
der Gedanke, trotz Weltkrieg und Chaos, noch lebt; daß im
HOTEL schon seit einigen Jahren verkörpert wird, was mir
vor 14 Jahren vorschwebte. Deshalb darf ich wohl, mit
größerem Recht als irgend ein anderer, dem HOTEL mit auf-
richtiger Freude an dieser Stelle ein herzliches „Glück auf“
zurufen. Sehe ich doch, daß IHV. und seine Zeitschrift auf
dem rechten Wege sind, und daß beide ihre schöne, ethische
Mission erfüllen werden, auch — -— wenn die Welt voll
Teufel wär!
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VEKLAME DURCH LICHT

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3n der New Yorker Lichtreklame wie folgt:
ı der Nähe der Theater- und Vergnügungs-
des Haus von oben bis unten in Hundert-
2 Lampen auf. Das flimmert, glitzert, läuft,
daß dir die Augen weh tun. Da fällt vom
ein Pfeil herab und zeigt dir, wo du deine
st. Ganz oben am Dach ziehen drei Eskimo-
titten mit einer großen, brennenden Flasche,
schwingt die Peitsche, das Nordlicht flammt
zenfarben auf, alles rührt und bewegt sich
ahlend vom dunklen Nachthimmel ab. Auf
ausdach erscheint eine Figur, wird immer
ucht mit wohlbehaglichem Schmunzeln eine
Rauch von sich, und dies alles machen auto-
Chaltende Lichtkörper. Riesengroße bemalte
vie bei uns eine Hausfront, stehen oben auf
"ell beleuchtet, daß man jedes Wort im zwan-
en lesen kann. Ein Meer von Lichtern.“
. Macht der Lichtreklame bedient man sich
chen Geschäftskreisen in weitestem Umfange.
Unsummen ausgegeben. Was für Einnahme
‚Tk aus der Lichtreklame hat, ersieht man
teklame einer einzigen Firma an Lichtstrom
ar jährlich verschlingt.
‚Och viel Rhein-, Elbe- und Donauwasser ins
ınsere Lichtreklame auf der Höhe der ameri-
ıgt sein wird. Aber der Hotel- und Fremden-
überhaupt jeder Inhaber einer größeren Gast-
gut tun, sich der Wahrheit des Satzes zu er-
sein Licht nicht unter den Scheffel stellen
Man stecke den Gästen beziehungsweise den
den sollen, ein recht helles Licht auf! Man
Lichtreklame wieder innerhalb des Rahmens,
)en durch die Natur gezogen wurde.
em Weltkriege von einer meiner vielen Reisen
imischen Penaten zurückkehrte, grüßte mich
Snitz, jenem gesegneten Vorortgelände von
sen Bewohner mit köstlichem Spargel, pur-
beeren und wundervollem Obst versorgt, im
‚el ein freundlicher, heller Lichtschein, „Bilz“
hwarze Nacht hinaus. Bilz ist das Sanatorium

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