Wirtschaftsgeschichte der deuischen Kolonien 37 Pflanzungen zählten 1912 8 Millionen Kakao⸗, tz Millionen Kautschukbäume und 134, Million Olpalmen. Die Ausfuhr von Kakaobohnen war von 1898-1912 von 246 auf 4553 t gewachsen, wovon nur 700 t Eingeborenenproduktion waren. Das Produkt der Plantagen war ausge— zeichnet. Außerdem standen 2 Millionen Bananen im Felde, deren Früchte mit eigens gebauten Kühldampfern nach Europa gebracht werden sollten, als der Krieg ausbrach. Ganz besonders aus— sichtsreich war aber der Tabakanbau. In den vier Jahren 1910 bis 19183 stieg die Ausfuhr von 56 auf 5000 Ballen eines ausgezeichneten Deckblattes. Der Gesamthandel belief sich auf 68 Millionen Goldmark, davon entfielen 23 auf die Ausfuhr, worunter Kautschuk mit 11, Palm— 285 km den schiffbaren Njong erreichte. Und doch mußte gerade Kamerun, die einzige unserer afrika— aischen Kolonien, die zahlreiche, wenigstens im Heittellauf schiffbare Flüsfe aufweist, für ein System, »aß diese Wasserstraßen unlereinander und mit »er Küste verband, dankbar sein. Keine Kolonie Jjat, wie diese unter der übel angebrachten Spar— amkeit des Mutterlandes zu leiden gehabt. 3. Südwestafrika Ganz anders ist das Bild, das die subtropische Siedelungskolonie Südwestafrika bietet. Deutsch- Züdwest Hist zweifellos unsere ärmste Kolonmie. Dieses Land mit seiner hindernisreichen, hafen— osen Küste und seinem armen Boden“, schreibt Abbildung 3 Sortieren der Tabakblätter GPflanzung Ubanga, Kamerum) kerne und Kakao mit je 4u/,, Palmöl mit 1134, Millionen Meoben anstehen. Um das Palm-— öl an Ort und Stelle rationell zu gewinnen, hatte das Syndikat für Olpalmkultur, die Zentrale des holländisch-englisch-deutschen Margarinekon— zerns (Altona⸗Bahrenfeld) leistungsfähige Fabrik— anlagen an der Nordbahn geschaffen. Dabei war Kamerun zweifellos das am meisten vernach— lässigte unserer Schutzgebiete. Es verfügte bei Kriegsausbruch über ganze 445 km Eisenbahn (GHamburg — Dresden)! Davon entfielen 160 km auf die Nordbahn — 1906 bis 11 für 16,6 Million M erbaut —, die von dem Duala gegenüberliegenden Ufer des Krieks durch das Plantagengebiet bis an das Grasland bei Ngongsamba-vBare führte, während die von Duala ausgehende Mittellandbahn — 1908 bis 11für 48 Millionen Merbaut — nach der Amerikaner Gibbons, „zeigt den unüber— vindlichen Geist der Männer, die den bestmög— ichen Nutzen aus den widrigsten Umständen zogen ind eine sich selbst erhaltende Kolonie schufen, trotz ingünstigster politischer, geographischer, wirtschaft⸗ icher und finanzieller Bedingungen.“ Das Land wurde 1888 durch den Bremer daufmann Lüderitz durch Kaufverträge mit einge— »orenen Häuptlingen erworben. Es ist 885 000 qkin, also 1140 mal so groß wie Deutschland. Im Norden stößt es an das portugiesische Angola (Kunene und Okavangofluß), im Suͤden, wo der Orange⸗ duß die Grenze bildet, an die Südafrikanische Union. Im Osten liegt das britische Betschuar a⸗ and⸗Protektorat, die sog. Kalahari — „Wüste“. Der an der Küste entlang fließende kalte Benguela— trom läßt die Verdünstungsmengen des Ozeans