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        Wirtschaftsgeschichte
der deutschen Kolonien

Bo

Hans Zache
Regierungsrat und Bezirksamtmann a. D.
Referent am Hamburgischen Weltwirtschafts-Archiv (SGolonial-Institut)

Mit 13 Abbildungen
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897 J *

—8
        <pb n="3" />
        Erster Abschnitt.
Die Schutzgebiete unter deutscher Verwaltung

Am 4. November 1922 stellte die Abteilung
hamburg der Deutschen Kolonialgesellschaft neben
der Universität, die aus dem ehemaligen Kolonial—⸗
institut hervorgegangen
ist, das Wißmanndenk⸗
nal auf, das seit 1909
in Daressalam gestanden
hatte. Der 4. November
vird alljährlich von den
nach dem Mutterlande
zurückgekehrten Kolo—⸗
aialdeutschen als allge—
meiner Kolonialgedenk⸗
ag begangen. Und daß
nan gerade diesen Tag
zewählt hat, hat seine
ernste symbolische Be⸗
deutung. Am 4. No⸗
vember 1914 schlug der
Oberstleutn. v. Lettow⸗

Vorbeck mit 300 Pflan⸗
ern der Nordbezirke
Deutsch⸗Ostafrikas und
mit 600 Alkari den
zritischen General Aitken
nit einer 8000 Mann
starken Division, die
tags vorher gelandet
var, bei Tanga ver—⸗
nichtend. So bernich⸗
end, daß Old England
ein ganzes Jahr lang
nicht mehr den Mut
oder die Kraft hatte, in
Deutsch⸗Ostafrika einzu⸗
allen. Die Schlacht bei
Tanga — und für afri⸗
kanische Verhältnisse war
es eine Schlacht — ist
der größte Sieg, den wir
auf kolonialem Boden
errungen haben. An sich
gewiß schon ein Grund
zu stolzer Feier! Aber der Sieg erhält eine höhere,
eine große rechtfertigende Bedeutung unserer
kolonialen Friedensarbeit, wenn wir uns
näher ansehen, was er bedeutet und wie er zu—⸗
stande kam. Wie konnten 300 Pflanzer, Farmer,

Kaufleute, Beamte, Handwerker das stolze Royal
Northlancashire Regiment, bestehend aus 800 gut⸗
zenährten, gut ausgerüsteten, gut ausgebildeten bri⸗—
tischen Berufssoldaten,
wie konnten 600 Askari,
ostafrikanische Landes⸗
kinder, 7000 Kaschmir⸗
schützen, Bombay-Gre⸗
nadiere, Rajputs, Gor⸗
khas, bengalische Pio⸗
niere und sonstige Elite⸗
truppen Indiens über
den Haufen rennen, daß
sie Hals über Kopf in
ihre Schiffe stürzten
und unter Zurücklassung
zahlloser Toter, Ver—⸗
wundeter und Gefan—⸗
gener, Waffen und Aus⸗
rüstungsstücke die Anker
lichteten, um nimmer
wiederzukehrenꝰ
Weil unsere Kolo—
nialdeutschen nicht, wie
es die schamlose Partei⸗
lüge behauptet hat und
heute noch nicht zurück⸗
nehmen will, die ver—
lorenen Söhne, sondern
die Besten der Nation
darstellen, ganze Män⸗
ner, die wußten, was
sie wollten, die mit den
größeren Verbhältnissen
in Ubersee selber grö—
ßer geworden waren,
jeder ein Kerl, eine
Persönlichkeit. Gewiß
oft rauh und barsch,
Pflichttreue heischend,
weil selber pflichttreu,
strenge Erzieher einer
ursprünglich weichen
und faulen Rasse, nicht durch Lehre, sondern durch
jartes Beispiel und energisches Zupacken. Und
nit welchem Erfolge! Die zehntausend Plantagen⸗
arbeiter, die ihren Herrn zur Front folgten, um
die viertausend Soldaten der Truppe und Polizei

Abbildung 1
Hermann von Wißmann
Aufgestellt: Daressalam 1909 bis 1918
Wiederaufgestellt: Hamburg 4. November 1922 bis ...
        <pb n="4" />
        Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien
zu ergänzen im Kampfe gegen Feinde ringsum —
Engländer und Inder, Südafrikaner und Portu—
giesen, Belgier und Farbige aus ganz Afrika, ja
aus Westindien — die hunderttausend Plantagen⸗
arbeiter, die als Träger im Trosse der Truppe
folgten und auf den schnell gebahnten Etappen—
straßen wie die Ameisen auf und ab marschierten,
die ganze Beölkerung des Landes, die Nahrungs—
mittel baute und brachte für das kämpfende Heer:
sie alle zeigten, was deutsches Beispiel, was
deutsche Erziehung in einem Menschbenalter zu⸗
wege gebracht hatte: die völlige Umwandlung
einer fremdrassigen Bevölkerung, die Erfüllung
mit deutschartigem Pflichtbewußtsein. Das ehrte
beide Teile, den gebenden wie den empfangenden,
den Lehrer wie den Schüler. Zwang“ Wer
hinderte Askari und Träger am Weglaufen in
den endlosen Buschwäldern? Freude am Krieger—
leben? Wer fühlt noch Freude, wenn es Monat
für Monat, Jahr für Jahr heißt: Rückzug vor
einem hundertfach stärkeren Feinde, mit knurrendem
Magen, in Frost und Hitze, in Regenzeiten und Tagen
der Krankheit, abgerissen, halbuackt, ohne Arznei und
ohne Sold? Und sie hielten aus, auch dann noch,
außerhalb der Heimat, auf portugiefischem und
britischem Boden, als es auch dem Blödesten klar
sein mußte, daß auf Sieg nicht zu rechnen war:
Pflichtgefuhl und Anhänglichkeit“' Brutale Aus—
beuter hätten sich diesen Arbeiterschlag erzogen?
Nie und nimmer! Und wenn sie die Treue hielten
noch nach dem Abschub der deutschen Herren,
wenn 1918 90, 880/0 trotz des feindlichen
Besasungsdruckes für die Rückkehr der Deutschen
stimmten, dann kann dem nur das Gefühl zu—
grunde liegen: Treue um Treue.

Schon seit mindestens zwei Jahrzehnten vor
dem Kriege war in Verwaltung und Schutztruppe
das Prinzip durchgeführt worden, daß die Besten
gerade gut genug seien für den Kolonialdienst.
Und das trug bei Tanga seine Früchte. Tanga
ist ein Sieg der deutschen Methoden über britische,
der deutschen Eingeborenenpolitik über die englische
und damit der deuischen Kolonialpolitik, der
deutschen kolonialen Befähigung über die angel—
sächsischel Der zehn — von Engländern erzogene
— indische Soldaten vor sich herjagende Askari
aus deutscher Schule, der drei britischen Berufs—
soldaten überlegene deutsche Pflanzer, zeigen das
Ergebnis dreier Jahrzehnte deutscher Kolonial⸗
tätigkeit: eine zum Pflichtgefühl und zur Mannen—
treue erzogene farbige Bevölkerung und eine aus
Persönlichkeiten zusammengesetzte und zu Erziehern
einer farbigen Rasse berufene weiße Amiedler—
schaft. So ist der Tangatag mit Recht der allge⸗
meine Kolonialgedenktag. An ihm wurde das
Wißmanndenkmal wieder aufgestellt als allgemeines
deutsches Kolonialdenkmal. Es ist keine Frage,
daß ein anderer Mann mehr als Wißmann den
deutschen Kolonialwillen zum Ausdruck bringt:
Carl Peters. Dieser wollte Kolonien schaffen.
Als Jüngling noch, in Vondon, faßte er den Plan,

Deutschland zur Kolonialmacht werden zu lassen.
And er führte den Plan durch. Deuisch-Ostafrika
rerdanken wir ihm. Wißmann ging im Äuftrage der
Wissenschaft nach Afrika, nach dem internationalen
dongostaat. Aber als das Vaterland ihn rief in
)er Stunde der Gefahr, als die Rebellion der
arabischen Sklavenbalter die Autorität der deutsch—
»stafrikanischen Gesellschaft weggefegt hatte, da
tellte er sich zur Verfugung und stabilifierte ver—
nittels der schnell von ihm gegründeten Schutz—
ruppe die Reichsautorität in Ostafrika wie einen
ocher de bronce. Der ZSivilist Peters war der
krupellose Eroberer, der Blutvergießen nicht scheute,
der Milttär Wißmann rühmte sich, ohne Menschen—
eben zu vernichten, Afrika zweimal durchquert zu
zaben. Wißmann, der „mit weißer Weste aus
Afrika zurückgekehrt ist“ Wismani akili arbain
Wißmann mit dem vierzigfachen Verstande), wie
hn die Sugheli noch heute bewundernd nennen,
Wißmann ist deshalb mit Recht der Repräsentant
inserer Kolonialmethode, die väterlich-patriarcha—
isch war, und streng nur, wo es unbedingt sein
nußte. Aber neben das Tenkmal unserer Kolonial⸗
nethode, die bei Tanga sich so siegreich erwies,
zehört unbedingt das Denkmal unseres unent—
vegten Kolonialwillens, den Carl Peters repräsen⸗
iert. Deshalb wird die Abteilung Hamburg der
Deutschen Kolonialgesellschaft auch das Denkmal
»es deutschen Cecil Rhodes hoch am Elbestrand
rufstellen, den ausfahrenden deutschen Überseern
ein Symbol unserer Hoffnungen für die Zukunft,
hen Fremden aber ein Wahrzeichen, daß Deutschland
iun und nimmer gewillt ist, auf seine kolonialen
Ansprüche zu verzichten!

Es ist auch nicht ohne Bedeutung, daß beide
Denkmale Ostafrikanern errichtet sind. Ostafrika
st die einzige unserer Kolonien, die eine Geschichte
jat. Westafrika war gegen die Welt in viel
)öherem Grade abgesperrt. Die Hafenarmut,
»ie ungehemmt heranbrandende Kalema, machte
»ie Westküste unzugänglich. Eine einheimische
Zegelschiffahrt hat hier nie bestanden. Und
zußerdem panzerte sich das ungastliche Gestade
noch durch schier unüberwindliche Hindernisse,
zurch den breiten Wüstengürtel der Namib im
Züden, durch die wochenweiten Urwälder in
damerun. Ostafrika, im Monsumgebiet gelegen,
nit vielen leicht zugänglichen Häfen, lag im
Zandelsgebiet Arahiens und Indiens und emp—
ing von dort seine erste Halbkultur. Freilich
zrachte ihm Arabien den Sklavenhandel mit allen
einen Greueln. Aber dasselbe wurde auch
Westafrika zuteil, nur noch härter und unmensch—
icher. Die Organisation der grabischen Sklaven—
sändler kam, verglichen mit Westafrika, über den
dleinbetrieb nicht hinaus, weil auch das Bedürf—
nis des fast nur an der Küste besiedelten Arabiens
zeringfügig war. Anders Westafrika. Der un⸗
endlich überlegene Organisations- und Erwerbs—
zeist des Europäers wirkte sich hier viel ener—
zischer und skrupelloser aus, zumal Amerikas
        <pb n="5" />
        Erster Abschnitt. Die Schutzgebiete unter deutscher Verwaltung

Bedarf an Sklaven unersättlich war. So wurde
der Westafrikaner fremdenfeindlicher, abgeschlossener,
rotziger und nahm Kulturgüter unwilliger an,
ils der Ostafrikaner. Weit ins Land gelangten
in Ostafrika die Kulturpflanzen und Haustiere
der Länder des Indischen Ozeans. Die Kokgs—
»alme ist hier im Gegensatz zur westafrikanischen Ol⸗
halme die Charakterpflanze geworden. Der Mono—
heismus in Gestalt des Islam ist wenigstens an
den ostafrikanischen Küsten viele Jahrhunderte
alt, während an den westafrikanischen Küsten
bis zum Eingreifen der christlichen Mission der
Fetischdienst, vielfach verbunden mit Menschen⸗
opfern und schauerlichen Geheimbünden, ohne
Begenwirkung sein Unwesen trieb. Nach West—⸗
afrika gelangte der Islam nicht vom Meere
ondern vom Lande aus und erreichte die Küste
uuch in der neuesten Zeit nicht. Der Inder
fehlte ganz. Ob sein Erscheinen in Ostafrika
für die Eingeborenen ein reiner Segen war,
wird man bezweifeln dürfen, denn sicher war er
ein Kulturträger nur gegen hohe Wucherzinsen.
Aber zum Charakter des modernen Oftafrika hat
er schon deswegen nicht unwesentlich beigetragen,
weil er den europäischen Krämer entbehrlich machte.
In Ostafrika erschien der handeltreibende Europäer
aur als Kaufherr, während in Westafrika neben dem
Kaufherrn auch der Krämer auftrat, der mit dem
Neger um den Regenschirm, mit der Mammi um
die Schachtel Streichhölzer handelte. Auch die
—A
Ostafrika die ausgesprochene Herrenkolonie wurde.
Hier wurde das leicht erlernbare Suaheli ge—
prochen und verstanden und von uns sofort als
Verkehrs- und Verwaltungssprache übernommen
uind überallhin ins Innere verbreitet, eine klang—
schöne, anpassungsfähige Sprache, zum Kultur—
vermittler wie geschaffen. Sie bewahrte uns
davor, die Muttersprache von Negerlippen ver—⸗
tümmelt zu hören und reservierte sie der Herren⸗
schicht; aber sie bewahrte uns vor allen Dingen
vor dem Zwange, uns des kindisch-grotesken
Pidgin-Englisch des tropischen Westafrika und
der Südsee bedienen zu müssen.

Alles dies hat dazu beigetragen, den be—
sonderen Charakter jeder einzelnen Kolonie, der
ihr durch die physischen Grundlagen und die
geschichtliche und wirtschaftliche Entwickluug vor⸗
geschrieben war, auszugestalten, wie wir später⸗
hin erkennen werden.

Doch nun zunächst zu der Frage, weshalb
Deutschland sich entschlossen hat, Kolonial—
politik zu treiben und wie sich diese Hoffnungen
verwirklichten. Es ist bekannt, daß unsere Be—
»ölkerung in den 40 Jahren vor dem Kriege sich
um die Hälfte vermehrte und daß in dieser Zeit
Landwirtschaft und Industrie ihre Rolle ver—
tauschten, d. h. daß die 420,, der Gesamtbevölkerung,
die noch in den 80er Jahren landwirtschaftlich
ttitig waren, im 20. Jahrhundert sich in der
Industrie ihr Brot verdienten, und daß die Land—

virtschaft nur noch ein Viertel unseres Volkes
veschäftigte. Dementsprechend führten wir Acker—
auprodukte ein, beim Weizen schon halb so viel
ils wir selbst erzeugten, und führten Industrie—
rodukte aus. Für diese aber mußten wir ebenfalls
ie Rohstoffe aus dem Auslande beziehen:
in Baumwolle und Wolle zusammen über eine
Milliarde, an Kupfer und Häuten je ein drittel
Nilliarde, an Kautschuk 140 Millionen. Aus
en Beispielen geht hervor, daß ein sehr großer Teil
er Einfuhr tropischer Herkunft war. UÜber eine
Milliarde entfiel darauf. Denn der Verbrauch
og. Kolonialwaren, d. h. tropischer Nahrungs⸗
ind Genußmittel, war ungemein gestiegen. Allein
in tropischen Olfrüchten, aus denen wir die be—
ebten Speisefette wie Palmin usw. herstellten,
ihrten wir für eine halbe Milliarde ein, an
abak für 180 Millionen. Der Kaffeeverbrauch war
eit 1840 auf das 27/,fache, der Reisverbrauch auf
as 18 fache gestiegen. Ja Baumwolle verbrauchten
oir 1913 vierunddreißigmal soviel als 1840.

Es lag nahe, daß ein solches Konsumentenvolk
aran dachte, diese Bedarfsstoffe ganz oder zum
rheblichen Teile auf eigenem Boden zu ge—
vinnen. Dieser Wunsch war auch rechnerisch
ichtig. Als in Hamburg Sachverständige daran
ingen, für die Vorbereitung des Friedensvertrages
en Wert unserer Kolonien und den Verlust zu
erechnen, den ihr Fortfall für uns bedeuten
ürde, kamen wir zu dem Ergebnis, daß tropische
zinfuhrgüter, die uns, aus fremden Kolonien be⸗
»gen, 100 Millionen kosten würden, bei der
zrzeugung in eigenen Kolonien nur 50 bis
5 Millionen Mark kosteten, weil der Rest als
zewinn und Lebensunterhalt unserer Ansiedler
ind Angestellten daselbst, als Handels-, Reederei—
ind Versicherungsgewinn, unserem National⸗
ermögen wieder zugute kam.

Hinzu kommt, daß die Lieferungsländer sich
tit immer mehr Erfolg bemühten, uns statt Roh—
rodukte, wie z. B. Palmkerne, Halbfabrikate, wie
zalmöl, oder gar Fertigfabrikate, wie
Nargarine und Seife zu liefern und daß schließlich,
vie der damalige Abgeordnete Stresemann einma.
o hübsch sagte, sich die „Offene Tür“ so oft als
ie erwiesen hat. aus der der deutsche Kaufmann
mnaus flog. Tatsächlich haben nur Deutschland
nd die Niederlande das Prinzip der Offenen
Für ehrlich durchgeführt, jenes so ehrlich, daß
nsere Kolonien als Zollausland galten, d. h.
aß Deutsch-Ostafrikanischer Kaffee denselben
rzinfuhrzoll in Hamburg zahlile wie Brasilkaffee.
50 kam es, daß manche unserer kolonialen Er—⸗
eugnisse statt nach Deutschland ins Ausland
ingen. Frankreich gibt den Importeuren seiner
dolonien Vergünstigungen für die Einfuhr auf
ranzösischen Schiffen, England gibt seinen Ex—
»orteuren nach den Kolonien Vorzugszölle bis
332/50, und Portugal sogar bis 900/0.

Äuch waren die Kolonialgebiete, aus denen
wir bezogen, keineswegs gleichwertig als Ab⸗
        <pb n="6" />
        Wirlschaftsgeschichte der deutschen Kolonien
nehmer, Indien gab uns für 500 Millionen und
erhielt von uns nur für 150, Britisch Westafrika gab
uns für 135 und bezog für 16, Agypten für 118
und bezog für 43 und andere ähnlich.

Die Siedlungsfrage spielte bekanntlich
eine besondere große Rolle, als wir in die
Kolonialgeschichte eintraten, weil damals jährlich
200 000 Deutsche auswanderten. Aber diese
Zahl ging bald auf das normale zurück, ja machte
einem Einwanderungsplus Platz. Deshalb schon
kam eine erhebliche Auswanderung nicht in Fluß,
ganz abgesehen davon, daß sich nach damaliger
Anschauung tropische Kolonien nicht zur Massen⸗
ansiedlung eigneten.

Es fragt sich nun, wie weit unsere Kolo—
nien diesen Anforderungen entsprochen
haben. Sie sind bekanntlich sechsmal so groß wie
Deutschland gewesen und zählien zuletzt 29000
Weiße und 12 Miillionen Farbige.

Von unseren Gegnern wird betont, daß die
Schutzgebiete uns noch nicht einmal 450/0 unseres
Einfuhrbedarfes lieferten. Aber man verschwieg
dabei, daß aus den noch so jungen Kolonien
bisher nur die Erstlinge der Ernten auf den
Markt gekommen waren, daß aber zehn- und
hundertfach soviel im Heranwachsen begriffen war,
und daß die Proben, die wir geliesert hatten,
einen begierigen Markt gefunden hatten. So
konnten die erweiterten Forderungsanlagen auf
unserer Südseeinsel Nauru nicht nur den deutschen,
sondern für viele Menschenalter den Wellibedar,
der Landwirtschaft an Phosphaten decken; Ostafrika
lieferte in Gestalt von Sisal alles, was Deutschland
für Schiffstaue und Stricke an Hanf brauchte;
die Bestände an Kokos- und Olpalmen in Afrika
und der Südsee genügten zuletzt schon für Deuisch—
lands gesamten Bedarf an Speisefetten; an
Kautschuk wuchs die Hälfte, an Kakao ein
Fünftel unseres Jahresverbrauchs in den Kolo—
nien heran und selbst für die Fleischversorgung
'am Deutsch-Ostafrika mit seinen 4 Millionen
Haupt Rindvieh und 7 Millionen Stück Klein—
vieh sehr wohl in Betracht. Ter Gesamthandel
wurde für 1920 auf 700 Millionen, für 1925
auf eine Milliarde berechnet, und nach einer
Autorität wie Professor Wohltmann konnten wir
mit Sicherheit darauf, rechnen, daß in einigen
Generationen unsere Kolonien alle unsere Be—
dürfnisse nach tropischen Produkten befriedigen
würden.

Den Geldwert unseres Kolonialbesitzes
zahlenmäßig zu errechnen, ist natürlich sehr schwer.
Haben wir doch geologisch den Boden kaum an—
gekratzt und sind doch weite Strecken, z. B. in
Neuguinea, noch von keines Weißen Fuß betreten
worden. Dennoch haben win gerade geologisch ein
Glück gehabt, das für die Zukunft zu den größten
Hoffnungen berechtigte. Wie Riesengeschenke sind
uns die 300 Millionen Tonnen Phosphate auf
den Südfeeinseln in den Schoß gefallen. Die
trostloseste Wüste in Südwest erwies sich eines

Tages als ein reiches Diamatengefilde, das bereits
200 Millionen Mark Erträgnisse gegeben hat. Die
stupferfunde in Tsumeb machten eine Bahn von
mehreren hundert Kilometern rentabel. In Ost—⸗
afrika wurde Salz, Glimmer und Gold abgebaut,
und viele Quadratmeilen des Natronsees sind mit
reiner Soda bedeckt. Und es ist kein Geheimnis
nehr, daß in Neuguinea kurz vor dem Kriege Gold
ind Platin, Petroleum und Kohle einwandfrei
ind abbauwürdig festgestellt ist. Dazu kommen
die ungeheuren Pflanz- und Weideflächen mit
hren Wild⸗ und Viehbeständen. In Deuisch—
Ostafrika spielt z. B. die Viehzucht nicht die Haupt⸗
rolle, und doch sind dort allein 10 Millionen Stück
Kieh vorhanden. Nehmen wir hinzu die Wald⸗
hestände, die namentlich in Kamerun und der
Südsee wertvoll sind, und dann auch die Werte,
die wir in den 40 Jahren unserer kolonialen
Tätigkeit geschaffen haben, die Städte und Häfen,
die wir gebaut, die 4000 kme Eisenbahn, die wir
vorgestreckt haben. Und dann die Pflanzungs⸗
internehmungen, deren rapide Entwicklung Bände
pricht: in zweimal 8 Jahren seit 1896 hat sich
zie unter Kultur genommene Fläche zweimal ver—
zierfacht. Alles dieses läßt Schlüsse auf Möglich—
eiten zu, die man auf 70 Milliarden Goldmark be—
echnet hat und läßt die Erklärung des Engländers
Morel in der Zeitschrift „Nation“, daß der Wert
riner unserer großen Kolonien die phantastischsten
driegsentschädigungsforderungen weit übersteigt,
nicht unberechtigt erscheinen.

Gemeinsam war allen Schutzgebieten
folgendes: Ein jedes unterstand einem Gouver⸗
neur, der von einem zum Teil aus Nichtbeamten, die
»on den europäischen Ansiedlern gewählt wurden,
»estehenden Gouvernements- oder Landesrat be—
aten wurde. Die Gouverneure unterstanden
»em Reichskanzler, der die Geschäfte der Kolonien
m Reichskolonialamt — Direktor Dr. Stübel,
eit 1906 Staatssekretäre Dernburg, v. Lindequist,
Dr. Solf —, die des Schutzgebiets Kiautschou
m Reichsmarineamt bearbeiten ließ. Unter den
Bouverneuren standen Bezirksamtmänner, denen
ein ähnlich gebildeter Bezirksrat zur Seite stand.
Aber die Farbigen übte der Bezirksamtmann,
iber die Weißen ein Bezirksrichter, in zweiter
Instanz über beide ein Oberrichter die Gerichts—
——
Weltpostverein angeschlossen und hatten zahlreiche
Post- und Telegraphenanstalten sowie Ortsfern⸗
prechnetze. Überall galt das metrische System
uind mit Ausnahme Teutschostafrikas die Reichs—
vährung. Die Zöolle betrugen mit wenigen Aus—
rahmen (Alkohol bis 1609/0, Tabak, Waffen und
Munition) 100/, des Einfuhrwertes. Zollfrei
)lieben außer Regierungsgütern, Maschinen,
Fisenhahn⸗ und Wegebaumaterial, Betriebsmittel.
Ausfuhrzölle kamen fast nur für Diamanten in
Südwestafrika (33230/5) 1911-12, fernerhin
ür Elfenbein (25940) und andere Erzeugnisse der
FJagd (Gehörne, Roͤbbenfelle), der Sammeltãtig⸗
        <pb n="7" />
        Erster Abschnitt. Die Schutzgebiete unter deutscher Verwaltung
keit (Kopal, Wachs, Wildkautschuk, Guano), der
Biehhaltung (Tiere, Häute) und der Forstwirt⸗
ichaft (Hölzer, Gerbrinden) in Betracht.

Landwirtschaftliche Versuchsanstalten, botanische
Bärten, Tierzuchtstationen waren überall ein—
zerichtet und glänzend ausgestattet. Zahlreiche
Tierärzte bekämpften die Tierseuchen mit großem
Erfolge; der Wild⸗ und Forstschutz wurde
durch Förster und Oberförster ausgeübt. In
Tiautschon wurde z. B. das kahle Lautschan—
BSebirge in vorbildlicher Weise aufgeforstet.

Herrenloses Land wurde zu Kronland erklärt
und durch Kaufpachtverträge, welche den Eigen—
umserwerb von der Kultivierung abhängig machten,
ain Farmer und Pflanzer überlassen.

Die Etats sämtlicher Kolonien unterlagen der
zeschlußfassung des Reichsstages. Die Einnahmen
varen eigene (anfänglich hauptsächlich Zölle,
»äter mehr Stenern) sowie ein Reichszuschuß.
dieser bezog sich seit 1909 bei sämtlichen afrika⸗—
cischen Schutzgebieten nur noch auf die Unter—
jaltung der Schutztruppen Deutsch-Ostafrika 8,8,
damerun 3,2, Deutsch-Südwestafrika 13,6 Mil⸗
onen M). Die Ausgaben für alles andere, Ver—
baltung, Polizeitruppe, Bauten uswp. — 70 Mill. M.
-deckten die Kolonien aus eigenen Einnahmen oder
us Anleihen — für werbende Anlagen —, die sie aus
igenen Einnahmen verzinsten. Die Schutzgebiets—
mleihen beliefen sich auf 282 000 000 Mund wurden
ast ausschließlich für Eisenbahnbauten verwendet.

Abbildung 2
fFingeborenengericht Jaunde in Kamerun)

Zahlreiche Regierungsärzte und Krankenhäuser
für Eingeborene und Europäer bekämpften die
Zrankheilen, die in besonderen Laboratorien er⸗
orscht wurden. Namentlich wurde für die Be⸗
ämpfung der Schlafkrankheit in Togo, Kamerun
und Deutsch-Ostafrika jährlich etwa 1000 000 Me
aufgewendet.

Das Schulwesen stellte unsere Nachbarn
äberall in den Schatten. In Tsingtau bestand
ein Gymnasium und die deutsch-chinesische Hoch⸗
chule, in der 370 junge Chinesen Lande und
Forstwirtschaft, Technik, Rechtswissenschaft und
JNaturwissenschaft studierten. Überall bestanden
Schulen für Eingeborene, die mit Haudwerker—⸗
schulen verbunden waren. Auch die Missionen
beider Konfessionen, die auf zahlreichen Stationen
in allen Schutzgebieten arbeiteten, unterhielten
zahlreiche Schulen mit regem Zuspruch.

Über die Etats und den Handel der Schutz⸗
gebiete gibt folgende Tabelle nähere Auskunft.

Gesamthandel der Schutzgebiete
Afrikanische Schutzgebiete:
Werte in 1000 M
ä. Einfuhr B. Ausfuhr
1902 1912
deutsch⸗Ostafrika 8858 5288 31418
damerun 13392 3652 23386
kogo 6206 4184 08889
deutsch⸗Südwest⸗
asrua 8568 82400 2218 39036
Summe 1 87024 128478 18342 103748
        <pb n="8" />
        Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien
Einnahmen und Ausgaben der Schutz gebiete
1904 und 1914
a) Deutjch⸗Oftafrita
5041 Einnahmen und Ausgaben 1904 1914
(41000 M. 61000 M.
5 A. Ordentlicher Etat
J. Einnahmen. Darunter:
Steuern 1128 6 220
Zolle 1707 585850
Sonstige Abgaben 937 2024
Einnahmen aus dem Eisenbahn⸗
betriebe J 71 653
Eigene Einnahmen des Schutz⸗
gebieres 5938 16478
Erfparnisse aus früheren Rech—
nungsjahren 95 3818
Reichszuschuß 41l 3800:
Summe der Einnahmen?) 12678 28 748
Summe der Ausgaben 10452 28748

II. Südsee-Schutzgebiete:
Werte in 1000 M
A. Einfuhr B. Ansfuhr
1902 1017 1902 1912
Deutsch-Neuquinea:
Bismarck-Archipel 717
Kaifer Wilhelms—
land
Ost⸗Karolinen
West⸗Karolinen
einschl. Palau
Marianen
Marshall⸗Inseln
Samoa: 2493 — 2 5045
Summe 11 5879 T1520 77138
Summe der Ein-⸗ u.
Ausfuhr (AL u.

II, BI u. II) 42903 142789 22119 120880
Kiautschou — 121254 118000 79 640
C. Gesamthandel

1. Afrikanische
Schutzgebiete 55 366 232228
IJ. Südsee⸗Schutz⸗
gebiete 9656 31332
Summe 65 022 263 559
ßiantschou 200 894
Reihenfolge der Produkte nach dem
Werte der Ausfuhr
Uber 50000 M.

B. Außerordentlicher Etat
J. Einnahmen. Darunter:
Aus der Anleihe für Schutz⸗
gebiete ) —
Zusammen
II. Ausgaben

efd.
Nr.

Bezeichnung

J Wert in M

86 646
g6 800
36 800

2

Diamanten
Kautschuk
Kopra..
Palmkerne.
Sisal. ..
Erze. ..
Kafabßs..
Phosphate..
Haute und Fell⸗
Palmöl. ..
Baumwollen
Kaffee ..
Erdnüssen.
Elfenbein.
Nutzhölzer.
Wachs ..
Glimmer.
Rindviehn.
Bold
Sesam....
Paradiesvögel.
Maisßs.. .
Butter, Milch usw..
Blei.....
Reis.
Kolanüsse. ..
Perlmutterschalen
Schafwolle..
Mtama...
Kassada. ..
Kopal.
Gerbhölzer.
Straußfedern

80414078
21147 800
1704 506
7785 718
7 869 669
b 6147 722
5418 592
4991 825
4332 006
30385 241
2625 126
908 748
278 066
939 011
853 662
829 057
581 507
535 898
580 624
528719
449 890
288 785
257 767
228 127
196 860
166 962
157 867
149 6658
149 551
122 063
119 718
99 836
97012

b) RKamerun
A. Ordentlicher Etat
J. Einnahmen. Darunter:
Steuern
Zölle
Sonstige Abgaben
Einnahmen aus der Miittel-
landbahn —
Eigene Einnahmen des Schutz⸗
gebietes
Ersparnisse aus früheren Rech—
nungsjahren
Reichszuschuß
Eumme der Einnahmen
Summe der Ausgaben

168 3 685
1828 5881
427 1735
10
2418 11806
— 2 788
1400 81669
4170 17 260
40621 17260
B. Außerordentlicher Etat
J. Einnahmen. Darunter:
Aus der Anleihe für die Schutz⸗
gebiete) — —6280
Zusammen — 15 280
II. Ausgaben — 15 230

8

87
28
20
30
—31
32
39

1) Nur noch für die Schutztruppe.

2) Es sind nur die wichtigsten Summanden auf⸗
geführt.

8) Von den Schutzgebieten selbst verzinst.
        <pb n="9" />
        Erster Abschnitt. Die Schutzgebiete unter deutscher Verwaltung
e) Togo
Einnahmen und Ausgaben 1904 1914
. Ordentlicher Etat ud y cqod m
. Einnahmen. Darunter:
Steuern 86
Zölle 1289
Sonstige Abgaben 81
Einnahmen aus den Verkehrs—
anlagen — 114
Sigene Einnahmen des Schutz-
gebieles
Ersparnisse aus früheren Rech—
nungsjahren
Reichszuschuß
Darlehn des Reichs J
Summe der Einnahmen
Summe der Ausgaben
3. Außerordentlicher Etat
l. Einnahmen
Aus der Anleihe für die Schutz⸗
gebiete) —
Summe der Einnahmen
II. Ausgaben

) Samoa
Einnahmen und Ausgaben 1904 1914
(1000 My (lIooo m
Einnahmen. Darunter:
Steuern 108
Zölle 279
Sonstige Abgaben J 50
Figene Einnahmen des Schutz⸗
gebietes 4837 1086
Reichszuschuß —B 288 —
Summe der Einnahmen 746 1270
Summe der Ausgaben 541 1270

F) Kiantschou
in Millionen M

1802 1912
Sigene Einnahmen 0,86 0,46
Reichszuschuß 12340 12,85
Ausgaben 12,40 12,81

d) Deutsch-⸗Südwejtafrika

Gesamteinnahmen der Schutzgebiete
ohne Kiautschou
I. Ordentlicher Etat
Einnahmen. Darunter:
Steuern 99 14338
dZoͤlle 7138 2641
Sonstige Abgaben 417 1959
ktunahmen aus dem Betriebe
von Eisenbahnen und 669 8 988
Hafenanlagen 90
Sigene Einnahmen des Schutz-
gebietes 2088 283 299
Ersparnisse aus früheren Rech—
nungsjahren 509 4500
Reichszuschuß für die Zwecke der
Milirarverwaltung 108 1362) 18 624
Summe der Einnahmen 11168388 41428
Summe der Ausgaben 66450 41423
3. Außerordentlicher Etat
Einnahmen
Darlehn des Reiches — —
Aus der Anleihe für Schutz—
gebietei) — 4981
Summe der Einnammen — 4981
bI. Ausgaben — 4981
e) Deutsch-NReuguinea einschließzlich der Insel⸗
bezirke der Südsee
Einnahmen. Darunter:
Steuern 57 8399
doͤlle 19 1150
Sonstige Abgaben 05 547
kigene Einnahmen des Schutz⸗
gebietes
Ersparnisse aus früheren Rech—
nungsjahren 20 21
Reichszuschuß 6 1717
Summe der Einnahmen 1520 3 834
Summe der Ausgaben 1482 38834

A. Ordentlicher Etat
1904 1914

1000 M 1000 M

ẽigene Einnahmen 12662 57768
krsparnisse aus früheren Rech—

nungsjahren 1154 11982
steichszuschuß für Zwecke der

Militärverwaltung 1170332) 21807

Ddarlehn des Reiches 22704 —
Zufammen 185917 91704

B. Außerordentlicher Etati
Darlehn des Reiches —
Aus der Anleihe für die Schutz⸗
gebiete *) — 56 857
krsparnisse aus früheren Rech—
nungs jahren — 7 158
Summe der Einnahmen 185917 148719

Gesamtausgaben der Schutzgebiete
A. Ordentlicher Etat
87655 91704
8. Außerordentlicher Etat
Besamtausgabe — — 57 015
Summe der Ausgaben 87655 148719

1) Es sind nur die wichtigsten Summanden auf—
gesührt.

2) Der große Eingeborenenaufstand 1904/06.

s) Von den Schuzgebieien selbst verzinst.

) Von den Schutzgebieten selbst verzinst.
Der große Eingeborenenanfstand 1904/06.
9
        <pb n="10" />
        Wirischaftsgeschichte der deuischen Kolonien
Zzweiter Abschnitt.
Ddie einzelnen Schutzgebiete und ihre Entwicklung

1. Togo

Werfen wir jetzt einen Blick auf die ein—
zelnen Schutzgebiete und ihre Entwicklung, so
'angen wir zweckmäßig mit Togo an, das ja
mmer im Rufe der Musterkolonie gestanden hat.
Togo liegt an der „Skavenküste“ zwischen dem
französischen Dahomé (O.) und der britischen
Boldküste (WV.), hat nur 50 km Küste, aber
260 km Innenausdehnung GBerlin-Wien). Die
Westgrenze bildet teilweise die schiffbare Volta,
die Ostgrenze der Monufluß, deren Wasserscheide
ein von 88W nach NNo streichendes Miitel—
gebirge ist. Der Regenfall ist, abgesehen vom
Gebirge, verhältnismäßig gering. Er erreicht
eine Höhe im deutschen Hochsommer, während
die Wintermonate trocken sind. Die Temperatur
schwankt im Mittel zwischen 25 und 28. im
Sudaän 810. An der Küste finden wir vielfach
Ldagunenbildungen, dahinter ein von den Kulturen
der Eingeborenen durchsetztes Buschland. Es
folgt die Zone der Olpalmen, dann die Baum—
teppe mit werwollen Schibutter-Bäumen. Urwald
zeigt sich nur im Gebirge und an den Flußläufen.
Die Kolonie wurde äm 5. Juli 1884 durch
Verträge des Generalkonsuls Nachtigall mit den
Küstenhäuptlingen deutsch. Sie ist etwas größer
als Bayern und hat 1 Million Einwohner, d. h. elf
auf den qkm, während Deutsch-Ostafrika nur acht,
Kamerun gar nur drei auf der gleichen Fläche auf⸗
zuweisen hat. Hinzukommt, daß diese Bevölkerung
zanz der Sudanrasse angehört, die die in unseren
fropischen Kolonien Afrikas überwiegenden Bantu—
völker an wirtschaftlicher Energie und Leistungs—
zähigkeit weit übertrifft. Dies und das Wirken
einer großen Anzahl besonders tüchtiger Beamter
— Gouverneure Graf Zech, Herzog Adolf Friedrich
zu Mecklenburg, Bezirksamtmänner Major
v. Döring, Dr. Gruner und Dr. Kersting — kam

n Togo
Kamerun
Südwestafrika
Deutsch⸗Ostafrika

„der Südsee

ind — zum Vergleiche —
in der belgischen Kongo—
kolonie (1922)

1714
1764

38
1690
1000

auf

53500)

Togo hatte also, gemessen an der Zahl
seiner Eingeborenen, eine normale, gemessen an
seiner Fläche, eine vergleichsweise starke be—
waffnete Macht. Die günfstigen Finanzverhältnisse
und die darauf beruhende Gunst in der Meinung
der Offentlichkeit und des Reichssstages ermög
lichten es dem Schutzgebiete, das ausgedehntefle

dem Schutzgebiete zustatten. Die Plantagen
pielten bei der dichten Besiedelung und dem
Erwerbstriebe der Eingeborenen immer nur eine
etundäre Rolle. Togo ist fast ausschließlich
Singeborenen- und Handelskolonie ge—
»lieben, d. h. die europäischen Handelshäuser
auften auf, was die Eingeborenen an über—
chießenden Produkten anboten und versorgten sie
afür mit europäischen Bedürfnissen. Der Handels—
imsatz belief sich 1888 auf knapp 4, zuletzt auf
21 Millionen Goldmark. Palmöl und Palm⸗
erne, zeitweise Mais, daneben Kautschuk, Baum—
volle, Kakao waren die Hauptprodukie. Die
kinfuhr stieg von 1902 bis 1912 auf mehr als
das doppelte, die Ausfuhr auf fast das doppelte.
Der Außenhandel lag in den Händen von zehn
deutschen und einem englischen Hause. Neben dem
Außenhandel bestand ein lebhaster Binnenhandel;
hei diesem ist der Sudanhandel von Interesse,
dem Haussaleute Kolanüsse gegen Vieh umd
Zchibutter umtauschten, um mit dem begehrten
Erfrischungsmittel das Hinterland (Sudans zu
jersorgen. Die Einnahmen des Schuß—
zebietes deckten seine Ausgaben und gaben in
nanchen Jahren sogar Überschüsse. Das ist
jesonders bemerkenswert, weil die Verwaltung
erhältnismäßig kostspielig war. Denn nach
lmfang, und Bevölkerungszahl übertraf Togo
aum eins der größeren Bezirksämter anderer
dolonien, die von etwa zehn, im Höchstfalle
‚wanzig Weißen mit 60—120 farbigen Polizisten
derwaltet wurden, während Togo als selbständige
dolonie einen Beamtenapparat von fast 100 und
zine Polizeitruppe von 560 Köpfen aufwies, was
illerdings noch wenig war im Vergleich mit der
ritischen Nachbarkolonie. Eine Schutztruppe hat
Togo allerdings nicht gehabt, aber wenn man
Polizei- und Schutztruppe zusammenzählt, entfallen

155 qkm
382
278
222
4068

Eingeborene
oder auf
0

farbiger Angehöriger
der bewaffneten Macht.

71

Eisenbahnsystem unter den afrikanischen
Kolonien anzulegen. Es war allerdings nur
330 kmGBerlin — Hamburg) lang, aber es kam
doch in Togo 1 kKm Bahn schon auf 260 km
Bodenfläche, gegenüber 400 in Südwestafrika,
300 in Deutsch-⸗Ostafrika und gar 1400 in Kamerun.
Beide Inlandbahnen, sowie die 1905 mit
        <pb n="11" />
        Zweiter Abschnitt. Die einzelnen Schutzgebiete und ihre Entwicklung
1a248 Mill. M Aufwand erbaute Küstenbahn nach
dem zweitwichtigften Ort der Kolonie Aneché
— gKleinpopo, Bezirksamt, Nachtigalkrankenhaus)
zehen von der Landeshauptstadt Lome aus. Sie
jat keinen Hafen; aber eine 304 m lange
dandungsbrücke mit Bahngeleisen und drei Dampf⸗
rähnen wurde 1899 -1804 über die Brecherzone
Ainaus ins Meer gebaut. In Lome bestand eine
Kiederlassung der Westafrikanischen Bank mit
31 Mill. M. Jahresumsatz. Es zählte unter
90 Weißen 167 Deutsche, außerdem 3000 Farbige.

Die westliche Bahn wurde 1904 -1907 für
7,8 Mill. Schutzgebietsanleihe bis Palime
119 xmy) geführt, von wo ein Fahrweg zu dem
uuf 470 m im Gebirge gelegenen Bezirksamt
Misahöhe führte.

Die östliche Strecke — 167 kmälang —
vurde 1904 513 aus 11,2 Mill. Schutzgebiets⸗
inleihe bis zu der Bezirkshauptstadt Atakpame
Jeführt, die auf 308 m Höhe liegt. Von hier
jeht eine Automobilstraße nach Banjeli, wo am
Djoleberge jährlich 400 t vorzügliches Eisenerz
in 500 Hochöfen der Eingeborenen gewonnen
wurden. Nach weiteren 180 km wird der Be—
irksort Sansanne Manga, ein wichtiger Umschlags⸗
ert des Sudanhandels, erreicht.

Togo besaß eine Großfunkstation in Kaming,
die mit Nauen und mit der Großfunkstation in
Windhuk (S. W. A.) und in Daressalam (D. O. A.)
derkehrte.

Togo wurde verhältnismäßig leicht befriedet.
Immerhin hat es an lebhaften Kämpfen mit den
wattegepanzerten Reiterscharen der mohamme—
danischen Großen des Hinterlandes nicht gefehlt.

um Tschadsee fließende Löogone, der Dscha⸗Ssanga,
zie zumi Kongo entwässern, und ein Teil ihrer
debenflüsse. Einige wurden bereits von Dampfern
efahren. Altkamerun umfaßte 500000 qkm;
nit den von Frankreich 1912 abgetretenen Teilen
— „Antennen“ zum Kongo und Lubangi —
var es fast 114, mal so groß wie Deutschland.

Die Flaggenhissung erfolgte 1884 durch
cachtigal, naͤchdein schon jahrzehntelang deutsche
zirmen — Woermann, Janssen und Thormählen —
en Küstenhandel beherrscht hatten. Aber die
üstenstämme, besonders die Duala, ließen keinen
irektten Verkehr mit den eigentlich produzierenden
sinnenstämmen zu, bis Dr. Zintgraff und Premier⸗
»utnant Morgen die Sperre gewaltsam durch—
rachen. Schwere Kämpfe mußten die deutsche
serrschaft sichern, — Irhr. v. Gravenreuth,
Kamptz, Pavel, Puder und vor allem der Er⸗
zerer des „blauen Landes“ Adamaua und Ab⸗
ott des Jaunde-Volkes Dominik seien als Führer
rwähnt.

Erster Gouverneur war Frhr. von Soden,
ann folgten v. Zimmerer, v. Putkamer, Dr. Gleim,
Ir. Seitz und Ebermaier.

Im Gegensatz zu Togo ist Kamerun wie unsere
inderen Tropenkolonien nicht auf dem Standpunkt
er reinen Handelskolonie stehen geblieben, sondern
zat einen starken Anlauf zur Plantagenkolonie
enommen. Kamerun zerfällt wirtschaftspoli—
isch in zwei Teile: in das von untüchtigen
Zantustämmen bewohnte Waldland, das einen
00 -200 xm breiten Küstenstreifen und den
anzen Süden erfüllt, und in das von Sudan⸗
tämmen bewohnte Grasland. Der nördliche Teil
es Waldlandes zeigt fruchtbare vulkanische Böden
ei enormem Regenreichtum, und da hier auch die
eiden guten Häsen des Schusgebietes Tuala und
Ziktorig, hinter denen auf ein Viertel Höhe des
damerunberges die Verwaltungshauptstadt Buea
elegen ist, sich befinden, wurden hier die großen
zflanzungsbetriebe der europtischen Gesellschaften
nngelegt.“ Das füdliche Waldland ist reich an
RNpalmen und Kautschuklianen, deren Produkte
on den Eingeborenen gesammelt und an die von
dribi aus gegründeten Buschfaktoreien gebracht
burden. Kamerun war also im Süden Handels-,
m Norden Plantagenkolonie. Das Grasland
iente wesentlich als Rekrutierungsgebiet für
Irbeiter, obwohl daselbst Baumwolle und Erd—
rüsse in großem Maßstabe gepflanzt und Pferde—
ind Rinderzucht getrieben werden konnte. Das
zrasland war eben wirlschaftlich noch nicht er⸗
hlossen. Da das Hauptprodukt des Südens
er Kautschuk war, so hatte Südkamerun den
zegen des Kautschukbooms von 1910 und den
Uinsegen der bald darauf infolge der Überpro—

uktion einsetzenden Kautschukkatastrophe auszu—
alten. Kameruns Kautschukausfuhr stieg von
00 t in 1909 auf fast 2000 t in 1910 und
2800 t in 1912: der Preis stieg entsprechend von
3000 Mopro t auf 5500 und fiel dann wieder. Die

—ARX

Kamerun liegt an dem einspringendsten
Winkel des Atlantischen Ozeans, der Bucht von
Biafra. Im Norden bildel das britische Nigeria,
im Osten und Süden Französisch-Aquatorialafrika
die Grenze. Eingeschlossen ist das spanische
Munigebiet.

Das Klima ist an der Küste und am Tschad
um heißesten (Maximum 32. und 469, Mittel
2427 bzw. 22 -320), gemäßigter auf dem Hoch⸗
and (Minimum 7, Maximum 32, Mittel 1809).
Die Hauptniederschläge fallen im Sommer (Küste
1000- 10000, Hochland 2-3000, Tschadgebiet
500 mm jährlich).

Hinter dem Küstenvorland mit dem noch tätigen
1070 m hohen Kamerunvulkan, dessen von Plan⸗
agen bedecktes Umland bis zu 10000 mm jähr⸗
iche Regenmengen empfängt, erhebt sich ein Hoch⸗
and von 122000 m äHbhe, das im No all⸗
nählich zum Bénue und Tschadsee, im 80 zum
Ssanga, einem Nebenfluß des Kongo, abfällt.
Die an den Küstenmündungen vielfach Mangroven
uufweisenden Flüsse haben im Unterlauf Strom—⸗
schnellen und sind deshalb meist nur im Mittel⸗
lauf schiffbar, so der Ssanaga und Njong. Schiff⸗
har sind aber auch der Bénue (zum Niger), der
        <pb n="12" />
        Wirtschaftsgeschichte der deuischen Kolonien
37 Pflanzungen zählten 1912 8 Millionen Kakao⸗,
tz Millionen Kautschukbäume und 134, Million
Olpalmen. Die Ausfuhr von Kakaobohnen war
von 1898-1912 von 246 auf 4553 t gewachsen,
wovon nur 700 t Eingeborenenproduktion
waren. Das Produkt der Plantagen war ausge—
zeichnet. Außerdem standen 2 Millionen Bananen
im Felde, deren Früchte mit eigens gebauten
Kühldampfern nach Europa gebracht werden sollten,
als der Krieg ausbrach. Ganz besonders aus—
sichtsreich war aber der Tabakanbau. In den
vier Jahren 1910 bis 19183 stieg die Ausfuhr
von 56 auf 5000 Ballen eines ausgezeichneten
Deckblattes. Der Gesamthandel belief sich auf
68 Millionen Goldmark, davon entfielen 23 auf
die Ausfuhr, worunter Kautschuk mit 11, Palm—

285 km den schiffbaren Njong erreichte. Und doch
mußte gerade Kamerun, die einzige unserer afrika—
aischen Kolonien, die zahlreiche, wenigstens im
Heittellauf schiffbare Flüsfe aufweist, für ein System,
»aß diese Wasserstraßen unlereinander und mit
»er Küste verband, dankbar sein. Keine Kolonie
Jjat, wie diese unter der übel angebrachten Spar—
amkeit des Mutterlandes zu leiden gehabt.

3. Südwestafrika
Ganz anders ist das Bild, das die subtropische
Siedelungskolonie Südwestafrika bietet. Deutsch-
Züdwest Hist zweifellos unsere ärmste Kolonmie.
Dieses Land mit seiner hindernisreichen, hafen—
osen Küste und seinem armen Boden“, schreibt

Abbildung 3
Sortieren der Tabakblätter GPflanzung Ubanga, Kamerum)

kerne und Kakao mit je 4u/,, Palmöl mit
1134, Millionen Meoben anstehen. Um das Palm-—
öl an Ort und Stelle rationell zu gewinnen,
hatte das Syndikat für Olpalmkultur, die Zentrale
des holländisch-englisch-deutschen Margarinekon—
zerns (Altona⸗Bahrenfeld) leistungsfähige Fabrik—
anlagen an der Nordbahn geschaffen. Dabei war
Kamerun zweifellos das am meisten vernach—
lässigte unserer Schutzgebiete. Es verfügte bei
Kriegsausbruch über ganze 445 km Eisenbahn
(GHamburg — Dresden)! Davon entfielen 160 km
auf die Nordbahn — 1906 bis 11 für 16,6 Million M
erbaut —, die von dem Duala gegenüberliegenden
Ufer des Krieks durch das Plantagengebiet bis
an das Grasland bei Ngongsamba-vBare führte,
während die von Duala ausgehende Mittellandbahn
— 1908 bis 11für 48 Millionen Merbaut — nach

der Amerikaner Gibbons, „zeigt den unüber—
vindlichen Geist der Männer, die den bestmög—
ichen Nutzen aus den widrigsten Umständen zogen
ind eine sich selbst erhaltende Kolonie schufen, trotz
ingünstigster politischer, geographischer, wirtschaft⸗
icher und finanzieller Bedingungen.“

Das Land wurde 1888 durch den Bremer
daufmann Lüderitz durch Kaufverträge mit einge—
»orenen Häuptlingen erworben. Es ist 885 000 qkin,
also 1140 mal so groß wie Deutschland. Im
Norden stößt es an das portugiesische Angola (Kunene
und Okavangofluß), im Suͤden, wo der Orange⸗
duß die Grenze bildet, an die Südafrikanische
Union. Im Osten liegt das britische Betschuar a⸗
and⸗Protektorat, die sog. Kalahari — „Wüste“.
Der an der Küste entlang fließende kalte Benguela—
trom läßt die Verdünstungsmengen des Ozeans
        <pb n="13" />
        Zweiter Abschnitt. Die einzelnen Schutzgebiete und ihre Entwicklung
niederschlagen, ehe sie das Land erreichen. Das
Ergebnis ist eine für die Schiffahrtunbequeme Rebel⸗
ildung auf dem Meere und eine Wüstenbildung
auf dem Lande. Hinter dieser, der Namib, er—
Jebt sich das 1200 m hohe Plateau mit aufgesetzten
Gebirgszügen und Bergen bis zu 2600 m (Brandberg,
Waterberg Omatako). Nordöstlich reicht der Caprivi⸗
ipfel bis zum Sambesi, der Wendekreis des Krebses
geht etwas südlich Windhuk durch das Land. Dort
falien etwa 400 mm Regen von November bis April,
die letzten Tropfen der Verdunstungsmenge des In⸗
ischen () Ozeans. Der Sommer ist trocken. Die
Temperatur schwankt zwischen 1 und 330, das Mittel
beträgt 19,30, es kommen Nachtfröste von 100 und
daruñter vor. Die Küste hat überhaupt kaum Regen
ind im Mittel 150. Hitze und Regenfall nimmt nach
Süden ab (Keetmanshoop 130 mmy), nach Norden zu
Grootfontain 619 mm). Das Ovamboland ist tro⸗
disch (GBalmen). Dieses war noch nicht der Ver—
valtung angegliedert. Es lieferte mit seinen 60000
Bewohnern die Arbeiter, namentlich für die Diamant⸗
gewinnung. In der Mitte, dem Damaraland,
vohnen 25000 Hereros und 20000 Bergdamara,
m Süden, dem Namaqualand, 14000 Hotten⸗
otten Mama). Außerdem wurden 8000 umher—
streifende Buschleute und 3000 christliche Bastards
— kapholländisch sprechende Nachkommen von
Buren und Hotitentottinnen — gezählt.

Um Südwestafrika ist schwer gekämpft worden.
Die stolzen und arbeitsfeindlichen Hereros, be—
onders aber die verschlagenen Hottentotten (Hendrik
Witboi) griffen in kurzen Zwischenräumen immer
wieder zu den Waffen. Der erste Gouverneur
deutwein und der Major v. Estorff seien als
desonders erfolgreiche Kolonialoffiziere genannt.
Bouverneure waren nach Leutwein v. Schuck—
mann, v. Lindequist, Dr. Seitz.

Das Land hat nim einen Hafen: Lüderitzbucht.
Swakopmund ist eine der Brandung schutzlos aus⸗
gesetzte offene Reede, die man, wie die Hauptstadt
Togos, Lome, durch eine mehrere hundert Meter
lange Landungsbrücke nutzbar machen mußte.
Deun das beste Weideland liegt nicht hinter
Lüderitzbucht, sondern hinter Swakopmund, nach—
dem der 100 — 150 kmäebreite Wüstengürtel durch—
chritten ist. Die Namib ist ganz besonders bös—
artig im Süden, hinter Lüderigbucht, weil hier
jaushohe Wanderdünen das Land überziehen.
Deshalb fand, trotz der Ungunst der Landungs—
verhältnisse, die erste UÜberwindung des Wüsten—
zürtels durch eine Bahn von Swakopmund
aus nach der auf 1600 m Höhe gelegenen Haupt⸗
stadt Windhukstatt. Die eingeborene Bevölkerung
war immer spärlich und dezimierte sich in un—
unterbrochenen Fehden, die zwischen den ver—
schlagenen und raͤuberischen Hottentotten und den
auf igren großen Viehbesitz stolzen und die Arbeit
ablehnenden Hereroös wüteten. Dieser Viehreich—
sum war aber so gut wie unproduktiv, da der
Besitz als solcher geschätzt wurde und Veräuße—
rung, also Verwertung kaum üblich war. Die

rotz aller Energie in der Absperrung und Be—
impfung 1896 doch eingeschleppte und bis zu 6000
er Bestünde vernichtende Rinderpest hatte das
zute, daß das zum Stillstand gekommene landes—
bliche Transportmittel, der von 12-16 Joch
)chsen gezogene schwere Burenwagen auf der
auptstrecke Swakopmund — Windhuk durch eine
zisenbahn ersetzt wurde und daß eine Verschiebung
er Besitzverhältnisse an Vieh und Weideland
ch anbahnte. Denn an der Wiederaufzucht be—
iligten sich die Europäer energischer und erfolg—
icher als die Eingeborenen. Die Besiedelung
it Deutschen wurde allerdings durch die Vand⸗
»nzessionen an große Gesellschaften, die be—⸗
nders in der Zeit der kolonialen Hoffnungslosigkeit
uter Caprivi ftattfand, lange gehemmt; auch die
aderen Kolonien, besonders Kamerun, litten unter
seser Politik, deren Rückgängigmachung große
zchwierigkeiten machte, aber nirgends war die
Lirkung so hemmend wie in Südwestafrika. Tas
insiedlermaterial waren im ersten Jahrzehnt und
rüber hinaus wesentlich ausgediente Schutz—
uppler, und dieses meist tüchtige aber rauhe
lement hat der Kolonie lange ihren Charakter
egeben: eine schroffere Eingeborenenpolitik, als sie
aden anderen Kolonien üblich war, war die Folge.
lllerdings trug der besonders siörrische Charakter der
tingeborenen dazu reichlich bei. Ja, ein bekannter
ifrsaner schrieb sogar im Londoner „Observer“
11: „Deutschland muß es aufgeben, die Einge⸗
orenen, die den niedrigsien Typen der menschlichen
dassen angehören, veredeln zu wollen. Das ist ein
soffnungsloses Beginnen Die Hereroös müßten nach
ustralischem Vorbild auf Reservationen abgeschoben
herden. Nur durch weiße Besiedelung ist das Auf⸗
lühen der Kolonien zu erhoffen.“ Dabei war diese
zolitik, wenigstens zum Teil nach dem großen
lufstand 1904 schon verwirklicht. Dieser Auf—
aund — 1904 bis 1906 — war die gewaltsame
deaktion der Unkultur gegen die forischreitende
ivilisation und arbeitete mit Mitteln der grauen—
aftesten Barbarei. Die Folge war eine erheb—
iche Verminderung der Zahl der Eingeborenen
urch Waffen und Hunger und eine vollständige
imsiellung der Wirtschaft des Landes, indem
en Überkebenden nur der Besitz von Kleinvieh
ind engere Weideplätze blieben. Damit konnte
ine raschere Besiedelung des Landes mit Weißen,
ne ratibnelle Aufzucht des Großviehs, Verede⸗
uing durch europaͤisches und australisches Blut
ind die Einführung neuer Rassen — Angora—
iegen, Karakulschafe — stattfinden. Die neue
Anfiedlerschaft bestand zum großen Teil aus An⸗
ehbrigen gebildeter und kapitalkräftiger Kreise.
913 wurden 14000 Erwachsene, darunter
.700 Frauen sowie 3200 Kinder gezählt: 12800
avon waren Reichsangehörige, 1630 Südafrikaner.
zn ihrem Besitze waren 1331 Farmen und
340 Kleinsiedelungen. Für Kinder bestanden
20 Schulen, wegen der zerstreuten Besiedelung
neist mit Pensionaten verbunden: in der Haupt⸗
        <pb n="14" />
        Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien
stadt Windhuk gab es eine Real⸗, in Swakop⸗
mund eine höhere Knabenschule.

Der Aufstand hatte eine zweite Stichbahn
Lüderitzbucht — Keetmansbooß erforderlich
gemacht, die 1905—08 für 28 Mill. M gebaut
wurde. Es wurde die Kapspur gewählt und die
nördliche Stichdahn 1807 1902 für“i5 Mill. M
auf diese umgebaut. Ein weit nach Norden
führender Zweig kam mit der Anlegung der
Kupferhüttenwerke bei Tsumeb hinzu, und schließ⸗
lich wurden die Endpunkte beider Stichbahnen
durch eine Nordsüdbahn — 1910 bis 12, 500 km
für 40 Mill. M Schutzgebietsanleihe — ver—
bunden und ein nach Süden Galkfontein)
reichender Ast — 1908 bis 09, 180 kmm für
14 Mill. M — angebaut; damit war Südwest-
afrika die erste und einzige Kolonie, die ein
Bahnnetz hatte, das mit 2104 kmu Flensburg

fönnte, kann man große Herden tränken. Süd—
vestafrika ist deshalb ein ausgesprochenes
Biehzuchtgebiet, nicht besser, aber auch nicht
chlechter als weite Gebiete der südafrikanischen
Anion. Die Wirtschaft ist billig, insofern Ställe
bei dem guten Klima nicht erforderlich find;
inderseits erfordert die Seuchengefahr Einfenzung
nit Draht. Die Grasbüschel bilden keine zu⸗
ammenhängende Narbe, sondern stehen in Ab⸗
tänden, und zwar nimmt die Dichtigkeit von
Lord nach Süd ab. Deshalb ist die Viehzucht
tensiv, die Farmfläche verhältnismäßig groß,
»esonders im Süden. Es eignet sich danach der
Züden mehr für Kleinviehzucht und der Norden
nehr für Großviehzucht. Die Weidegräser sind
wußerordentlich nahrhaft; da sie bei der herrschenden
Lufttrockenheit auf den Halmen zu Heu werden,
st das kostspielige Ansammeln eines Vorrats für

Abbildung 4
Wollschaf-Zuchtherde (François-Veste, Komashochland, D.⸗S.⸗W.⸗A.,

bis München und zurück — das Schutzgebiet an
die erste Stelle unter allen rückte, wenn auch im
Verhältnis zur Fläche Togo besser bedacht war.

Das Land hat nur als Nord- und Südgrenze
einen dauernd wasserführenden Fluß. Die
„Riviere“ liegen fast das ganze Jahr lang,
außer kurze Zeit, oft nur einige Tage nach den
großen Regenfällen, wo sie „abkommen“, trocken.
Auch Wasserstellen sind selten, dagegen lassen sich
fast überall, wenn auch mit erheblichen Kosten,
Brunnen bohren. Bielfach sind Stauseen möglich
und waren an einigen Stellen auch schon an—
gelegt. Die Niederschläge sind gering und
nehmen vom tropischen Norden zum gemäßigten
Süden erheblich ab. Demgemäß reicht die
Feuchtigkeit nur an wenigen Stellen zum Acker—
bau, wohl aber zum Gartenbau in beschränktem
Umfange und zum Trockenfarmen aus. Aber mit
der Flüssigkeit, die nur schmale Äcker bewässern

die vegetationslose Zeit — Heumachen — nicht
erforderlich.

Unter diesen Gesichtspunkten waren die An—
ichten auch dieses Schutzgebietes gut, sobald für
den Absatz nach Europa Schlacht- und Kühlhäuser
ind geeignete Transportschiffe vorhanden waren.
Da für derartige Anlagen ein Nachwuchs von
ährlich 12000 schlachtreifen Rindern erforderlich
ist, der 1914/168 erwartet wurde, hat auch hier
her Krieg eine hoffnungsreiche Entwicklung geknickt.

Daß die „Bauzeit“, d. h. die Zeit' bis zur
Erreichung des geschilderten Zustandes, der noch
zielen Tausend Deutschen Gelegenheit zur An—
iedelung gegeben hätte, ohne schwere Opfer seitens
des Mutterlandes durchgehalten werden konnie,
ist dem Mineralreichtum des Landes zu ver⸗
»anken, von dem wir zweifellos bisher nur die
ersten Proben erhalten haben. Dennoch genügten
ie, den Etat ins Gleichgewicht zu bringen. Die
        <pb n="15" />
        Zweiter Abschnitt. Die einzelnen Schutzgebiete und ihre Eutwicklung
Diamanten, deren Vorhandensein an der füdlichen
Küste 1908 gelegentlich des Bahnbaues Lüderitz-—
hucht — Keetmannshoop der damalige Bahnmeister

nuf das Doppelte stieg. Damit betrugen (1914
die eigenen Einnahmen, einschließlich 42/, Millionen
Ersparnissen aus früheren Jahren, 28 Misll. M

Abbildung 6
Kupferhütte Tsumeb (DeS.«W.⸗«A)

Abbildung 6
Erzaufbereitung (Tsumeb, D.S.W.-A.)

Stauch — der nicht nur dadurch einer der am
neisten verdienten Kolonialmänner wurde —
entdeckte, brachten dem Schutzgebiet erstmalig 1908
»ine Einnahme von 7 Millionen, die zum Schluß

'o daß bei 41 Millionen Ausgaben nur noch die
18/, Millionen für die — nur hier aus Weißen
estehende — Schutztruppe dem Mutterlande zur
dast fielen. DTaß aber der Schutz der Schutz—
        <pb n="16" />
        Wirtschastsgeschichte der deutschen Kolonien
gebiete nach innen und außen dessen Ehrenpflicht
ist, sollte selbstverständlich sein. Kommen' dem
Mutterlande doch auch die wirtschaftlichen Vor—
teile aus den Kolonien in Gestalt von Handels—

Werte von 68 Millionen, wovon dem Fiskus
rund 409/0 zufielen. Das Kupferbergwerk
Tsumeb führte 1918 47000 t im Werte von
7,7 Mill. Maus.

Abbildung 7
Diamantengewinnung (Trommelsiebe) in der Namib (D-S.W.-A.)

Abbildung 8
Schnittreifes Sisalfeld (D.⸗O.«A.)

und Reedereigewinnen, Verzinsung des dort an—
gelegten Aktienkapitals, Rückkehr der erworbenen
Vermögen usw. fast ausschließlich zugute. Die
Diamantenförderung betrug 1908 88000 Karal
im Werte von 1, 1918 1500000 Karat im

4. Deutsch⸗Oftafrika
Mit rund 1000000 ꝗakm ist Deutsch—
Ostafrika das größte unserer ehemaligen Schutz⸗
gebiete. doppelt so groß als das Mutterland.
8
        <pb n="17" />
        Zweiter Abschnitt. Die einzelnen Schutzgebiete und ihre Entwicklung
Erworben wurde es 1884 und in den folgenden
Jahren durch Dr. Carl Peters und andere. Am
28. Februar 1885 erhielt die von Peters ge—
gründete Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft den
Kaiserlichen Schutzbrief. 1891 ging die Regie—
rung von der Gesellschaft auf das Deutsche Reich
iber, nachdem der Araberaufstand gezeigt hatte,
daß eine Privatgesellschaft der Aufgabe nicht ge⸗—
wachsen war. Die Grenze bildete im O der
Indische Ozean mit der vorgelegenen Insel
Sansibar (britisch), im N Britisch-Ostafrika (Kenya—
Colony) und Uganda, im Wdie Kette der großen
Seen (Viktoria-Nyansa, Kivusee. Tanganika), die

Abbildung 9
Kautschukpflanzung Manibot Gla-iovii, D.⸗O.«A.)

zweite Küste Afrikas“ gegen die belgische Kongo⸗
lonie und Rhodesia, im 8 der Rovumastrom
zegen Portugiesisch-Ostafrika (Mozambique). In
Zen Flußmündungen wachsen Mangroven mit
vertvoller Gerbrinde; die Kulturzone der Küste
st mit Kokospalmen und Anpflanzungen der Ein⸗
Jeborenen bedeckt, soweit der Busch gerodet ist.
Ddas flache Küstenvorland, das im N 30, im 8
300 kmn breit ist, steigt bis zu 500 m Höhe an.
Dann erhebt sich die schroffe Stufe des Binnen⸗—
hochlandes 1000 51500 m hoch. Berge und
Gebirgszüge von 2 - 3000 m (absoluter) Höhe sind ihr
wufgesetzi. Viele, teils noch tätige — Virunga im
Zwischenseengebiet — und erloschene Vulkane —
Mexu. Kilimandiaro, dieser 6000 m hoch, mit

n Senkenke abgebaut (1912: 224 kg) und Glimmer
1911 15410 bei Morogoro im ÄÜlugurugebirge).

Deutsch⸗Ostafrika ist eine rein tropische Kolonie.
Ddas Klima ist feuchtwarm an der Küste und
rockenwarm im Innern. Der Norden hat zwei
NRovember — Dezember und März —Mai), der
Züden eine Regenzeit (Dezember — März, am
— kühle,
n Norden eine heiße und eine kühle Trockenzeit.
die Temperaturen schwanken zwischen 6 und 400.
joch ist das Klima sehr gleichmäßig, an der Küste
25226, im Innern 18-240. Die Regenmengen
ind sehr ungleich, groß im Seengebiet, auf den
vebirgen und an der nördlichen Küste, stellen⸗
veise aber geringer als in Deutschland. Die

7

Zache, Deutsche Kolonien
        <pb n="18" />
        Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien
Bantubevölkerung ist nicht gleichmäßig ver—
teilt. Mehr als ein Drittel der Gesamtbevölke—
rung wohnt zusammengedrängt auf einem Zwölftel
des Bodens in der Nordwestecke der Kolonie.
Vor der Inbesitznahme durch Deutschland produ⸗—
zierte die Bevölkerung wenig über den Bedarf.
Ackerbauprodukte kamen nur selten zur Ausfuhr.
Dagegen wurden die Ergebnisse der Sammel—⸗
tätigkeit (Kautschuk, Kopal usw.) und der Jagd
(Elfenbein) gegen leichte Baumwollgewebe um—
getauscht. Die deutsche Kolonialwirtschaft
zeigte drei Stufen. In der ersten machte man
planlose Versuche mit dem Anbau tropischer Pro—
dukte (Baumwolle, Tabak) in der Ebene, in der
zweiten Periode stieg man auf die gesunden Hoch—

zut verwaltet, vom rechtlichen wie ökonomischen
Standpunkt aus betrachtet. In letzter Hinsicht
st die deutsche Regierung unternehmungslustiger
ils unsere eigene gewesen, in bezug auf Ein—
ührung und Anpassung neuer Gewächse. Kaut⸗—
chuk und Sisal haben die Deutschen jahrelang
vor uns gebaut, so daß sie bereits große Mengen
uusführen, wo unsere Pflanzungen sich erst zu
ntwickeln anfangen.“ Die „Times“ schrieben
noch am 24. Mai 1916: „In Teutsch-Ostafrika
vurden niemals halbe Maßregeln ergriffen. Die
Möglichkeiten des Landes wurden erkannt und
nach kaufmännischen Gesichtspunkten ausgewertet.
Dabei ist die organisierte Wissenschaft dem Pflanzer
wußerordentlich zu Hilfe gekommen. Die Vorzuͤge

Abbildung 10
Elfenbeinkarawane in der älteren Zeit Deutsch-Ostafrikas

länder und legte, teilweise unter Leitung von
Pflanzern aus Java, Kaffeepflanzungen an. Die
Ergebnisse, waren zufriedenstellend, dis die brasi—
lianische Überproduktion den Preis unter die
Rentabilitätsgrenze drückte. In der dritten
Periode stieg man wieder in die Ebene herab;
die Malaria, die zu bekämpfen und der vor—
zubeugen Robert Koch gelehrt hatte, erschien
nicht mehr als unüberwindlicher Feind. Weite
Ebenen bedeckten sich mit Kulturpflanzen, die
aber nicht mehr „Kolonialprodukte“, sondern
Rohstoffe für unsere Industrie lieferten, mit
Qautschuk⸗ und Sisalplantagen, deren Ausdehnung
nur an den immer schwieriger werdenden Arbeiter
verhältnissen eine Grenze fand. „Deutsch⸗-Ost—⸗
afrika“, schreibt der Gnideto South and ERast-
africa (London 1914) „ist fruchtbar und wird

und Schönheiten des biologisch-landwirt—
chaftlichen Instituts Amani können über—
aupt nicht übertrieben werden, wo ein Stab von
Krofessoren, Botanikern, Zoologen und Chemikern,
ie mit ihrem Fache vollständig vertraut waren,
»en Pflanzern, für die ein gut eingerichtetes
Unterkunftshans bereit stand, Auskunft und Be—
ehrung erteilten.“ 1913 wurden für 81/, Mill. M
Llantagenkautschuk (Manihot Glaziovii) und für
»143 Mill. MeSisal, für je 2 Mill. M Baum—
volle und Kaffee, für 11/, Mill. Me Kopra, für
Mill. M Häute und für 800000 M Wachs
zusgeführt. Auch Zedernholz (Juniperus) zur
Bleistiftfubrikation wurde in den Wäldern am
Vestusambara gewonnen und auf einer kühnen
Drahtseilbahn zu Tal gebracht. Die Produktion des
andes stieg von 1894 bis 1912 von knapp 5 auf
        <pb n="19" />
        Zweiter Abschnitt. Die einzelnen Schutzgebiete und ihre Entwickluug
31 Mill.M. 1904 betrug der Europäeranteil 100/0,
1912: 6009,0. Die Einfuhr stieg von 1896 bis 1912
bon 8 auf 50 Mill. M. Deutlicher als alles
andere zeigt den wirtschaftlichen Aufschwung des
Landes die Steigerung der eigenen Einnahmen,
die 1904: 6, 1914 aber 161/0 Mill. Meubetrugen!
Dazu kommen 4 Mill. MErsparnisse aus früheren
Rechnungsjahren! Der ordentliche Etat balancierte
mit 24 — M. Seit 1909 war auch dieses
Schutzgebiet finanziell unabhängig vom Mutter⸗
land bis auf den Zuschuß für die Schutztruppe
Zu/ Mill. M). Es ist überhaupt eine gänzlich
unbegründete Behauptung, daß die Schustzgebiete
dem Mutterlande „Unsuümmen“ gekostet haben.

—
»r. Stübel und des mit größerem Erfolge in
rinen Bahnen wandelnden Staatssekretärs Dern⸗
urg zu danken, der wohl auf dem ihm fremden
zebiet erheblich unter dem Einfluß des trotz
einer stark bekämpften Eingeborenenpolitik hoch—
edeutenden Gouverneurs von D.O.⸗A., Frei⸗
errn von Rechenberg, stand. Diese Finanzpolitik
eruhte darauf, daß Eisenbahnen gebaut wurden
uus Anleihen, die die Schutzgebiete aus ihren
igenen Einnahmen verzinsten. Neue Eisenbahnen
rmöglichten neue Pflaͤnzungen, die neue Aus—
uhrwerte schufen und neue Tausende von Ein—
geborenen steuer- und kaufkräftig machten. Daraus

Abbildung 11
Sägewerk und Drahtseilbahn in West-Usambara (Wilkins K Wiess)
(Erbauer der Drahtseilbahn Adolf Bleichert &amp; Co., Leipzig)

Nur die Bekämpfung des großen Aufstandes in
S.W.⸗A. erforderte über das Normale hinans⸗
gehende Zuschüsse. Togo hat überhaupt nie einen,
Samoa seit 1909 keinen Reichszuschuß mehr ge—
zraucht, und die übrigen afrikanischen Schutzgebiete
seit diesem Jahr nur noch kleine Zuschüsse für
die Unterhaltung der Schutztruppe. Nur die
Südsee hat jährlich O,7 —1,7 Mill. M. gebraucht,
ind natürlich Kiautschou, das aber seiner Natur
iach eigentlich kein Schutzgebiet, sondern ein
Marinestützpunkt ist; solche aber kosten überall,
uuch England und den anderen Seemächten,
diel Geld.

Die Finanzierung Deutsch-Ostafrikas
und im Anschlusse daran die der anderen Schutz⸗
gebiete war mustergültig. Sie ist wesentlich der

rwuchsen neue Zoll- und Steuereinnahmen, so
aß ein außerordentlich günstiger Kreislauf statt⸗
and. In den letzten Jahren überstiegen die
Finnahmen die Ausgaben stets erheblich. Die
Ersparnisse aus früheren Rechnungsjahren“ be⸗
jefen sich im ostafrikanischen Etat von 1905 ab
ährlich — mit einer Ausnahme — aufel Million
ind darüber, betrugen 1913 über 8 und 1914
ast 4 Mill. M. Welche Bedeutung das hat.
rhellt daraus, daß 1km Eisenbahnban in
üfrika durchschnittlich 81000 M, einschließlich
ollenden Materials 100000 Meukostete, am
venigsten in Togo — 57000 bis 59000 M —
im meisten im Kameruner Waldlande —
45000 M—, in Deutsch-Ostafrika 96000 M.
da man mit 4 Millionen M 100 Millionen M
—19
        <pb n="20" />
        Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien
verzinsen konnte, waren mit einem solchen
Überschusse 1000 km Eisenbahn zu bauen. Auch
Kamerun hatte von 1909 ab Ersparnisse, die
bald die erste Million überschritten und sich
1914 der dritten näherten, und in Südwestafrika
war es nicht anders. Deutsch-Ostafrika verfügte
1914 über die 1250 km lange Mittellandbahn
vom Indischen Ozean (Daressalam) zum Tanga⸗
nikasee und die 350 km lange Nordbahn vom
Indischen Ozean (Tanga) durch die reichen
Pflanzungsbezirke Tanga und Wilhelmstal nach
dem Siedelungsgebiet am Kilimandscharo.

Papüa — sind wenig kulturfähig, scheu und
ieifach noch Menschenfresser. Kämpfe mit ihnen
ind nicht ausgeblieben. Die zahlreichen Inseln des
Schutzgebictes sind über eine Fläche so groß wie
das Mittelmeer zerstrent. Zu Neuguinea im
engeren Sinne gehört der Bismarckarchipel, Neu—
„ommern,. Neumecklenburg uswp.,, von Mela—
iesiern bewohnt, — er zeigt im großen und ganzen
den Charakter Neugnuineas —, zwischen dem
ünften und zehnten Grad nördlich des Aquators
iegen die West⸗- (Bezirksamt Jap) und Ost—
arolinen (Bezirksamt Ponape) und die Marshall⸗

Abhildung 12
Hafenanlage mit elektrischen Laufkrähnen (Daressalam)

3. Südsee-Echutzgebiete
Die Südsee-Schutzgebiete Neugninea
— mit der Hauptstadt Rabaul auf der Insel
Neupommern — und Samoa liegen beiderseits
des AÄquators, der durch die Phosphatinsel Nauru
geht. Kaiser⸗Wilhelms-Land (Neuguinea) hat
zwei zusammen auf 600 km schiffbare Flüsse —
Sepik und Ramu. Sein Inneres füllt ein ge—
waltiges bewaldetes Gebirge aus, das sich bis
zu 4000 m erhebt. Das Vorland ist teils mit
Urwald, teils mit Baumsavanne oder Grasland
bedeckt. Känguruhs, Kasuare sind hänfig: auch
Paradiesvögel werden gejagt. Regenzeit herrscht
an der Nordküste während unseres Winters, an
der Südküste während unseres Sommers. Die
Niederschlagsmenge beträgt 3—56000 mm, die
Temperatur 2228310. Die Eingeborenen —

Inseln (Regierungsstation, früher Landeshaupt—
nannschaft auf den Jaluit-Inseln). Nördlich
erstrecken sich die Marianen (Bezirksamt Saipan)
zis zum zwanzigsten Grad. Diese Inseln sind
eils vulkanisch, teils Atolle, d. h. nur wenige
Meter über dem Meer emporragende Ringe auf
orallischem Untergrund, mit Kokospalmen bedeckt.
Das Klima zeigt in allen Monaten ein Mittel
»on 26—-290, Regen fällt in allen Monaten
eichlich. Die mikronesische Bevölkerung ist im
illgemeinen gutartig, wenn auch nicht gerade sehr
irbeitsfreudig.

Samoa liegt weit nach Westen hinaus gerückt
uinter dem 1800 östlich von Greenwich, ist also
don diesem über Ost und West gleich weit entfernt;
eine Einwohner sind die Antipoden Deutschlands.
Sie sind liebenswürdig, aber menig arbeitsfroh,
tolz und im Besitz einer gewissen Kultur. Die
20
        <pb n="21" />
        Zweiter Abschnitt. Die einzelnen Schutzgebiete und ihre Entwicklung
vier deutschen Inseln, von denen Sawai — mit
der Haupistadt Apia — und Upolu die größten
sind, bedecken eine Fläche so groß wie Sachsen—
Meiningen. Sie sind vulkanisch mit Höhen bis
zu 1000 m. Das Klima hält sich zwischen 26
und 270 im Mittel. Die reichen Niederschläge
oerteilen sich auf das ganze Jahr und sind am
größten in unserm Winter.
—XE——
Kompagnie des Geheimrats v. Hansemann er—
worben; auf den Karolinen usw. fand die 1885 er⸗
folgende Flaggenhissung den Widerspruch Spaniens;
der von Bismarck als Schiedsrichter angerufene
Papst (Leo XIII) erkannte Spaniens Anspruch
als berechtigt an. worauf die Inseln für 20 Mil—

550000 Palmen, 12 Millionen Kakao⸗— und
300 000 Kautschukbäume. Von den Kakaobäumen
varen allerdings erst 50/0 ertragsfähig.

An Olfrüchten führten die Schutzgebiete
9183 76000 t im Werte von 24 Millionen M
ius, woran die Südsee mit 10 Millionen M
zeteiligt war. Hätte die Produktion in derselben
Weise wie in den letzten fünf Jahren vor dem
Friege zugenommen, so hätte Deutschland 1924
nindestens 130000 t Kopra, d. h. die Hälfte
eines gesamten Speisefetibedarfs von dort, und
ie andere Hälfte bequem aus Afrika bezogen;
Am sich den Wert klar zu machen, den der Besitz—
der Olrohstoffe produzierenden Kolonien hat, muß
mnan sich vergegenwärtigen, daß 1t Kopra außer

Abbildung 13
Kakao-Darre (Samoa)

lionen Mabgekaust wurden. Von Samoa wurde
nach Verhandlungen, englischen und amerikanischen
Infriguen und auch Kaͤmpfen 1899 der größere
Teil deutsch. Gouverneure von Samoa: Dr. Solf,
Hr. Schulz⸗-Ewerth, von Neuguinea: v. Bennigsen,
Dr. Hahl, Haber.

Der Reichtum der Südseeschutzgebiete ist
ihre durch den Inselcharakter, gegebene reiche
Küstengliederung, die es ermöglicht, daß die der
Kokospalme so“ nötigen Seewinde überall hin—
streichen können und daß für Massenprodukte
billige Abfuhrbedingungen gegeben sind. Außer
den wilden Beständen standen auf dem Plantagen⸗
zelände des Schutzgebietes Neuguinea 31/, Mil⸗
sionen Palmen, dazu 200000 Kakao-— und
500 000 Kautschukbäume, außerdem auf Samoa
— das ein selbständiges Schutzgebiet war —,

21

/zat Pflanzenbutter *3 t Futterkuchen liefert.
Dieses Edelkraftfutter setzt sich aber wieder in
„t Milch oder 35 Xg Butter oder 88 xg
Schlachtgewicht um! Die Südsee lieferte also
20 Millionen Pfund prima Margarine und
bensoviel Liter Milch. An Kakao erhielten wir
us der Südsee (Samoa) 808 t feinster Bohnen,
ius Afrika 53000. Deutschland war für Kakao vor
ʒem Kriege nach den Vereinigten Staaten der stärkste
herbraucher, indem es sobiel wie England und
Frankreich zusammen konsumierte.
6. stiautschou
Der Marinestützpunkt Kiautschou, der 1898
in der Südküste Schantungs angelegt und auf
Fhinas Verlangen befestigt wurde, sollte der Aus—
        <pb n="22" />
        Wirischaftsgeschichte der deutschen Kolonien
besserung und Ausrüstung im fernen Osten
stationierter Schiffe und ihrer Kohlenversorgung,
dazu aber auch der wirtschaftlichen Erschließung
der Halbinsel (Provinz) Schantung dienen. Das
Pachtgebiet hat mit 500 4km den Umfang
des Hamburgischen Staatsgebiets. Daraus hal
sich unter der Leitung weitblickender Gouver—
neure (Rosendahl, Jaeschke, Truppel, Meyer—
Waldeck) eine für subtropische Verhältnisse —
Tsingtau liegt unter dem Breitengrade von Tunis
und Algier — mustergültige Stadt, mit einem
ausgezeichneten Hafen, Aufforstung des benach—
barten Gebirgszuges und einer deussch-chinesischen
Hochschule und die 435 km lange Schantung—
bahn durch das Kohlengebiet der Provinz eni—
wickelt. Der Handel belief sich auf 200 Meil⸗
lionen M. Es wurden besonders Strohborten,
Bohnenkuchen, Erdnußöl, Erdnüsse, Seide, Häute
ausgeführt. „Großartig,“ schreibt die „Quinzaine
Coloniale“ am 10. Mai 1908, „ist der Hafen
von Tsingtau, ein richtiger Hafen nach Lduro—
päischem Muster, wie ihn weder Yokohama
noch Schanghai besitzen, wo die größten Schiffe
an mehr als 2 km langen Kais anlegen können.
Ein über 4 Km langer Hafendamm' schützt den
Hafen vor Versandung. Es befinden sich dort
Reparaturwerkstätten, Trockendocks und ein
Schwimmdock, das Schiffe von 16000 t auf—
nehmen kann, und im ganzen sernen Osten seines⸗
gleichen sucht. Und „United Empire“ (London
1912) fügte hinzu: „So alt wir als Kolonialvolf
auch sind, so haben wir doch noch nicht ausgelernt,
befonders wenn das Wort, kolonisieren im moͤdernen
Sinn gebraucht wird. Viel können wir lernen
von dem, was Deutschland ruhig und unauffällig
in China tut. Die deutschen Maßnahmen zut
Durchführung von Ordnung und System, Hygiene
und Aufforstung erzwingen Achtung und sprechen
zu dem erwachenden China in beredter Weise
von einem Lande, das ihm wie eine aus der
Dunkelheit emporgestiegene neuweltliche Macht
erscheint. China empfindet nicht mehr Kiautschou
als einen Dorn in seinem Fleische, sondern als
eine Stelle, von der Gesundheit auf das himm—
lische Reich ausstrahlt.“

vegen der Artauswahl und der zu bekämpfenden
Schädlinge, sondern besonders deswegen, weil sie
zanz xegelmäßige und scharfe abgegrenzie Regen—
ind Trockenzeilen oder Bewässerungsinöglichkeit
»oraussetzt. Es darf deshalb nicht wundernehmen,
»aß die Versuchsperiode verhältnismäßig so aus—
zedehnt war: anderseits war dieses Staduüm 1914
im großen und gauzen überwunden, so daß mit
dein Einsetzen regelmäßiger und steigender großer
Lieferungen gerechnet werden konnte.

8. Die Schiffahrt nach den Schutzgebieten

Hand in Hand mit der wirtschaftlichen Ent⸗
vicklung ging die Entfaltung der Schiffahrt
Jach Deutschlands überseeischen Besitzungen“).
Sie hatte den Stand erreicht, der eine schnelle
ind zweckmäßige Verbindung zwischen dem Mutter—
ande und den Kolonien gewährleistete und den
Bedürfnissen entsprach. Die älteste und zugleich
vichtigste Linie, die den Verkehr nach und von
inseren west⸗ und füdwestafrikanischen Kolonien ver—
nittelte, ist die Woermannlinie. Bereits um
die Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte das
Zaus Woermann an der Kameruner Küste eine
Reihe von Fakloreien errichtet, die untereinander
ind mit dem Heimatlande durch eine kleine Segler⸗
lotte in Verbindung standen. An die Sitelle
)er Segler traten Ende der achtziger Jahre
Ddampfer, die bald einen regelmäßigen Verkehr
nufnahmen, so daß ihnen die Beförderung der Post
ibertragen werden konnte. Die von Woermann
zegründete Afrikanische Dampfschiffahrts-A.-G.
sob sich zusehends trotz scharfer englischer Kon⸗
urrenz und obwohl ein Auͤtrag auf Subvention

884 von dem Reichstag abgelehnt wurde. 1887
ählte die Flotte der Gesellschaft bereits acht große
ind fünf kleinere (für die Küstenfahrt bestimmie)
Ddampfer, 1896 kaufte Woermann die Afrika—
ische Dampfschiffahrts-Gesellschaft, insgesamt
5 Dampfer, mit 28000 Brutto⸗Register⸗Toͤnnen.
Die Woermann⸗-Flotte vergrößerte sich dann von
Fahr zu Jahr und zählte 1914 40 Schiffe, dar—
inter drei Doppelschraubendampfer von 7000 bis
1500 Tonnen. Alle wichtigen Plätze der West—
lüste Afrikas von Marokko bis zum Kapland
vurden angelaufen. Neben der Woermannlinie
waren die Hamburg-Amerika-Linie und die Ham—
burg⸗Bremer⸗Afrika-⸗Linie Morddeutscher Lloyd)
an dem westafrikanischen Schiffahrtsverkehr be—
seiligt, beide mit je zwölf geräumigen und modern
eingerichteten Frachtdammpfern. Jusgesamt zählte
ilso die für den westafrikanischen Dienst zur Ver—
riügung stehende Flotte 64 Schiffe.

Den Ostafrikadienst versah die Deutsche
OstafrikacLinie, die im Juli 1890 mit einer staal—
lichen Subvention eröffnet wurde. Anfänglich
bestand eine vierwöchentliche Verbindung von

7. Die Baumwollfrage in den Schutzgebieten
Es muß noch von der Baumwolle geredet
werden, weil von der Baumwoll- und Wollein—
fuhr in Deutschland 1 Million Textilarbeiter,
d. h. mit Angehörigen und den Arbeilern der
Hilfsindustrien und deren Angehörigen 7 Millionen
Menschen abhängig sind. Es kann nicht ver—
schwiegen werden, daß der Menge nach die Schutz⸗
gebiete die Hoffnung bisher micht erfüllt haben,
die man hegte. Denn während wir aus den
Vereinigten Staaten 500000 6 einführten, lieferte
Togo nur 2000, Deutsch-Ostafrika 8000 Ballen.
Die Baumwolle hat sich wider Erwarten als
eine sehr schwierige Kultur erwiesen, nicht un

*) Nach W. Roß in „Weltverkehr und Weltwirt—
schaft“.
22
        <pb n="23" />
        Zweiter Abschnitt. Die einzelnen Schutzgebiete und ihre Entwicklunug
Hamburg nach Tanga, Daressalam, Lindi bis
nach Delagoa-Bay, doch wurden bei Ablauf des
Subventionsvertrages (Ende 1900) erst drei—
wöchentliche, dann vierzehntägige Fahrien ein—
geführt, die sich bis Pori Natal ausdehnten. Am
i. April 1901 trat ein neuer Subventionsvertrag
in Kraft. Seit dieser Zeit sind die Verbindungen
bedeutend verbessert und erweitert worden. Bis
zum Kriege fanden geschlossene Rundfahrten um
Afrika statt, und zwar eine westliche und eine
östliche Rundfahrt in vierzehntägigen Z8wischen⸗
räumen. Als Nebenlinie bestand eine subvenlions⸗
lose Verbindung zwischen Bombay und den Ost⸗
und Südostpläßen Afrikas mit Anschluß an die
Hauptdampfer. Insgesamt hatte die Ostafrika—
Linie 23 Schiffe, darunter zehn Doppelschrauben⸗
dampfer, zur Verfügung

Sämtliche an der Afrikaschiffahrt beteiligten
deutschen Linien hatten eine Betriebsgemeinschaft:
seit 1900 die Woermann-Linie und die Hapag,
denen sich im Frühjahr 1907 auch die beiden
andexen Linien anschlossen.

Über den Schiffsverkehr in unseren afrika—
nischen Häfen im Jahre 1912 geben die amt—
lichen Jahresberichte, Die Schutzgebiete in Afrika
und der Südsee 1912/13* erschöpfende Aus—
kunft. Demnach wurde Deutsch-Ostafrika ange—
laufen von 558 Dampfern unter deutscher Flagge
mit insgesamt 1771997 Registertonnen. Die
entsprechenden Zahlen für Kamerun sind 1912:
254 Dampfer und 1254250 Registertonnen.
Togo (Lome) wurde 1912 von 176 Dampfern
mit 414751 Registertonnen besucht. Die deulsch—
südwestafrikanischen Häfen liefen an 1912:
368 Dampfer mit 1378929 Registertonnen.

Unsere Südseebesitzungen standen durch
zwei Zweiglinien des Norddeutschen Lloyd, der
Austral⸗Japane und der Singapore-Rabaul—
Sidney-Linie, mit dem Mutterlande in Ver—⸗
bindung. Bis 1894 waren die Marshallinseln,
die Karolinen und Mariannen auf den Verkehr
der gelegentlichen Handelsschiffe, die nach San
Franzisko, den australischen Häfen, nach Hongkong
und auch nach den europäischen Häfen, besonders
Marseille und Liverpool, verkehrten, angewiesen.
Im Herbst 1894 stellte die Jaluitgesellschaft einen
Dampfer in Dienst, der den Anschluß an die
Ponape auf den Ost-Karolinen anlaufenden
spanischen und französischen Postdampferlinien
herstellte und zugleich den Lokalverkehr zwischen
den einzelnen Inselgruppen vermittelte. Der
Verkehr wurde später nach den Palauinseln aus—
gedehnt. Im Januar 1902 wurde der Gesell⸗
schafi die Beförderung der Post übertragen unter
der Bedingung, daß sie ihren Dampferverkehr bis
nach Sidney ausdehne. Inzwischen ließ der
Norddeutsche Lloyd feit Juli 1900 seine Schiffe
der Austral-Japan-Linie die Valauinseln und

Jap anlaufen. Da diese Plätze wiederum durch
ie Dampfer der Jaluitgesellschaft mit den übrigen
Inselgruppen, den Marianen, Ost-Karolinen und
Hearshallinseln in Verbindung standen, so war
Anfang 1902 eine doppelte Schiffsverbindung mit
dem Mutterlande hergestellt.

Mit besonderen Schwierigkeiten war die Ent—
vicklung der Schiffahrt in dem Neu⸗Guineg⸗—
Zchutzgebiet verknüpfl. Sie lag anfangs in
Zänden der British India Steam Navigation Co.,
sing später über an die Holländische Stoomvaart
Maatschappij „Nederland“ und schließlich an die
leichfalls holländische „Sunda- Linie“. An—
chlußhafen war zuerst Cooktown in Australien,
päter Soerabaja auf Java. Den Anschluß ver⸗
nitiselten die Dampfer der Neu-Guinea-Com—
»agnie. Am 20. März 1893 kam ein Sub—
»entionsvertrag mit dem Norddeutschen Lloyd
zustande, wodurch eine Linie Singapore⸗Neu⸗—
Buinea und damit eine regelmäßige Verbindung
wischen Singapore über Batavia nach der Nord-
üste von Neu⸗Guinea und dem Bismarck-Archipel
zeschaffen wurde. Die Compagnie wurde be—
zeutend entlastet und hatte nur für den Lokal⸗
derkehr zu sorgen. 1900 wurde die Lloyd-Linie
dis Sidney verlängert. Den Zubringerdienst
»on den übrigen Inselgruppen übernahm die
Jaluitgesellschaft.

Das Südseeschutzgebiet wurde besucht im Jahre
1912 von 606 Tampfern unter deutscher Flagge
nit insgesamt 600011 Registertonnen.

Ohne direkte deutsche Schiffsverbindung mit
»em Mutterlande blieb Samoa. Der gesamte
Verkehr wurde von Dampfern unter englischer
Flagge (86 im Jahre 1912 mit 77240 Register⸗
'onnen) bewältigt.

Kiautschou stand durch eine Zweiglinie
Schanghai⸗Tsingtau der Hamburg-Amerika-Linie
nit dem Mutterlande in Verbindung. Bei UÜber⸗
iahme der Pachtung 1897 bestand eine Schiffs⸗
»erbindung überhaupt nicht. Der Norddeutsche
2loyd ließ seine Schiffe nur bis Schanghai laufen.
den ersten Verkehr mit dem neuen Schutzgebiet
ibernahm die Apenrader Reederei M. Jebsen,
ie wöchentlich 152 mal Dampfer von Schanghai
xpedierte. 1901 übernahm die Hamburg—
Amerika-Linie den gesamten Dampferpark der
etzt Diedrichsen, Jebsen u. Co. lautenden Firma
mid setzte den Dampferdienst zwischen den ge⸗—
iannten Häfen fort. Bis zum Kriege ging regel⸗
näßig an jedem Mittwoch und Sonnabend ein
Dampfer von Schanghai nach Tsingtau. Auf er—
»em schickte die Gesellschaft alle vier Wochen
inen Dampfer von Hongkong nach der Kiautschon⸗
zucht und weiter nach Nagasaki und Wladiwonock.
258 deutsche Tampfer liefen im Jahre 19812
Tsingtau an gegen 234 im Jahre 1911.
        <pb n="24" />
        Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien
dritter Abschnitt.
Die Schutzgebiete im Weltkriege
Gleich zu Kriegsbeginn hatte die Reichsregie—
rung den feindlichen Mächten den Artikel 11 der
Kongoakte in Erinnerung gebracht: „Falls eine
Macht, welche Souveränitäts- oder Protektorats-
rechte in den dem Freihandelssystem unterstellten
Ländern ausübt, in einen Krieg verwickelt werden
sollte, verpflichten sich die hohen Teile, welche die
gegenwärtige Akte unterzeichnen, sowie diejenigen,
welche ihr in der Folge beitreten, ihr gute Dienste
zu leisten, damit die dieser Macht gehörigen und
in der konventionellen Freihandelszone einbe—⸗
griffenen Gebiete, im gemeinsamen Einverständnis
dieser Macht und der anderen kriegführenden Teile
für die Dauer des Krieges den Gesetzen der Neu—
tralität unterstellt und so betrachtet werden, als
ob sie einem nichtkriegführenden Staate angehören.“
Zu diesem konventionellen Kongobecken gehört ganz
Deutsch-⸗Ostafrika und ein großer Teil von Kamerun
Es kann aber keinem Zweifel unterliegen, daß
dem Geiste nach alle tropischen oder überhaupt
alle der Mehrzahl nach von Eingeborenen be—
wohnten Kolonien in Afrika und sinngemäß auch
der Südsee dazu gehörten. Belgien bemühte sich
im Sinne des deutschen Vorschlages bei England,
und auch Frankreich erklärte sich noch am 9. August
1914 nicht abgeneigt, änderte aber, da England
keine Antwort gab, am 16. August seine Stellung—
nahme. Am Tage darauf erklärte England, daß
bereits Kriegszustand herrsche, da die Deutschen
am Nyassa auf englischem Gebiet angegriffen,
und die Engländer Daressalam beschossen hätten.
Es wurde verschwiegen, daß die ersten feindlichen
Akte am 7. August in der Gefangennahme eines
deutschen Parlamentärs durch die Belgier am
kongostaatlichen Ufer des Nyassa und im Ein—
marsch in Togo durch Engländer und Franzosen,
am 8. August in der Beschießung des Daressalamer
Funkenturms durch die britischen Kreuzer, Pegasus“
und „Astraea“ und am 19. August in der Weg⸗
nahme des deutschen Dampfers „Hermann von
Wißmann“ auf dem Nyassa, als er friedlich in
deutschem Gebiet auf dem Slip lag, bestanden
hatten. Erst am 15. August besetzte die ost⸗
afrikanische Schutztruppe den britischen Ort Taveta
in dem einspringenden Winkel am Kilimandjaro
und erst am 9. September fand der deutsche Angriff
auf Karonga im britischen Nyassagebiet statt.

Außerdem konnte natürlich in jeder Phase des
begonnenen Kampfes bei ernstlichem Willen noch
ein Waffenstillstand und eine Neutralerklärung der
Schutzgebiete eintreten. Aber es fehlte der Wille.
Noch am 23. August wurde eine bei den Ver—
einigten Staaten durch Deutschland nachgesuchte
Vermittlung abgelehnt aus dem formalen Grunde,
daß die Vereinigten Staaten nicht Vertragspartei
seien, weil sie zwar die Kongoakte mit beschlossen,
aber nicht ratifiziert hätten.

So nahm das Unglück seinen Lauf. Schon
am 7. August war die Grenze Togos von den
Feinden überschritten und am Tage darauf die
daupistadt Lome besetzt worden, obwohl der
Bouverneur auch hier Neutralität auf Grund
der Kongoakte anbot. Am 12. August wurden
die Funkstation Yap auf den Ostkarolinen und
ie Postanstalten in Neu-Guinea zerstört. Am
4. und 15. Angust beschossen britüche Truppen
zie deutschen Zollwächter am Croßfluß, der Nord⸗
zrenze Kameruns, am 23. erfolgte der erste An—
griff in Neukamerun, das zum konventionellen
dongobecken gehörte. Am 29. wurde von der
uustralischen Flotte Samoa, am 11. September
stdabaul und Herbertshöhe, die Hauptstädte von
deu⸗Guinea, besetzt, am 29. von den Japanern
ie Marschallinseln. Diese Nation hatte am
9. August in einem Ultimatum, dessen Ton eine
Zeantwortung ausschloß, die Übergabe Kiautschous
jerlangt und es nach zehnwöchiger Beschießung
im 7. November zur Übergabe gezwungen. Am
4. September war der deutsche Polizeiposten
Ramansdrift am Oranjefluß von Truppen der
üdafrikanischen Union besetzt worden.

Wenn wir das Hineintrogen des Krieges in
zie Kolonialgebiete ein Unglück nannten, so wird
die Zukunft zeigen, wie berechtigt das ist. Die
herrschaft Europas über die tropischen Rohstoff⸗
gebiete beruht auf der Solidarität der weißen
asse, auf dem Prestige der Farbe. Dieses
stasseprestige hat der Krieg zerstört. Und einmal
erstört, ist es nicht wieder herstellbar. Im Ver⸗
auf des Krieges ist dann gar eine halbe Million
Farbiger auf den europäischen Kriegsschauplatz
gebracht und zum Abschlachten Weißer ausgebildet
vorden. Tie Folge war jedem, der die Ver—⸗
jältnisse kennt, klar. Und so, wie man voraus—
ehen mußte, ist es gekommen. Der Rassenkampf
st im Werden. Nichts werden die Kolonial—
nächte so bitter zu bereuen haben als ihren
Rassenverrat im Weltkriege: England, daß es den
drieg in die Kolonien trug, Frankreich, daß es
eine farbige Soldateska nach dem Rhein brachte,
vo es sie zu Herren über eine weiße Herren—
iation machte und duldete oder nicht verhindern
onnte, daß sie sich an weißen Frauen vergiug.

Der Krieg nahm überall nach heldenhafter
Begenwehr den Ausgang, der unvermeidlich ist,
venn ein Land blockiert ist und den Feinden
merschöpflicher Nachschub an Waffen, Munition,
Menschen und wertvollsten Kriegswerkzeugen zur
Verfügung steht: In Südwestafrika mußten die
etzten 3370 Mann am 6. Juli 1916 unter
hrenvollen Bedingungen kapitulieren. Der Feind
var zeitweilig 60000 Mann ssttark gewesen, wir
rie ssärker als 5500 Mann, worunter 1967 Be—
ufssoldaten: Schutztruppe und Polizisten. In
        <pb n="25" />
        VBierter Abschnitt. Die Schutzgebiete unter Mandatsverwaltung
Kamerun, wo das Zahlenverhältnis ähnlich war
— die Schutztruppe hat 200 Europäer und 2000
Farbige gezaͤhlt, wozu noch 1200 farbige Frei—
willige und einige Hundert eingezogene Europäer
kamen — traten im Februar 1915 1140 Deutsche
und 3900 farbige Soldaten auf spanisches Ge—
biet über, wobei ihnen 45000 Eingeborene in
Treue und Anhänglichkeit folgten. Ist Ostafrika
focht Lettow mit einer Truppe von 260 Europäern
und 2500 Mann, die er im Kriege auf 2400
Weiße und 13000 Farbige brachte, vier Jahre

ang gegen 180 Generale mit 800000 Mann.
ind als'er schließlich auf heimischen Befehl nach
Abschluß des Erzbergerschen Waffenstillstandes
nit 155 Europäern, 1168 Askari und 1522
Trägern am 10. November 1918 auf britischem
hebiet die Waffen streckte, befand sich darunter
ein einziges deutsches Gewehr oder Geschütz:
ie ganze Truppe war seit Jahren mit eroberten
xritischen und portugiesischen Waffen ausgerüstet
zewesen und hatte nur noch eroberte Munition
jerschossen!
vpierter Abschnitt.
Die Schutzgebiete unter Mandatsverwaltung
Bekauntlich wurde Deutschland durch den
Friedeunsvertrag von Versailles gezwungen
im Artikel 119 zugunsten der alliierten und
assoziierten Hauptmächte auf seine Kolonien zu
oerzichten. Der bedeutendste britische Kolonial⸗
poluiter Sir Harry Johnston, der sich vor dem
Kriege oft und gern als Bewunderer unserer
Kolonialmethode bekannt hat, während des Krieges
Iber dem Zweckverbande“ unserer Verleumder
angeschlossen hatte, konnte noch 1916 nicht um⸗
hin, zu bekennen (Windsor Magazine, März⸗
ummer): „Wenn die Deutschen Teutsch-Ostafrika
berlieren, wird es nicht die Folge irgendwelcher
Verbrechen sein, die sie in Äfrika begangen
haben ... Sie haben nicht allzuviel Rücksicht
auf Rechte der Eingeborenen genommen, aber
im allgemeinen haben sie diese nicht schlechter,
ja, in einigen Beziehungen sogar besser behandelt
als andere europäusche Mächte, die sich in der
Kolonisation und Entwicklung des schwarzen
Erdteils versuchten.“ Nicht anders war es in
den übrigen Schußgebieten. Troßdem wagte der
sehr ehrenwerte Woodrow Wilson auf, der Pariser
Konferenz am 14. Februar 1919 die ruchlose
Behauptung auszusprechen: „Zu den vielen be—
trüblichen Enthüllungen der letzten Jahre hat es
gehört, daß die Großmacht, die soeben glücklicher⸗
weise besiegt worden ist, unerträgliche Lasten und
Ungerechtigkeiten den hilflosen Menschen in einigen
der Kolonien auferlegt hat, die sie sich angegliedert
hatte, so daß eher deren Ausrottung als deren
Entwicklung von dieser Macht als ihr Interesse
angesehen wurde ... Jest sagt die Welt und
gibt dem Gebot ihres Gewissens in Gesetzesform
Ausdruck: Dies hat ein Ende.“

Deutschland ist also wegen seiner Un—
würdigteit und Unfähigkeit, Kolonien zu
verwalten, aus der Reihe der Kolonialmächte
ausgeschieden. Wie wenig Deuischland „unfähig“
waär, wird aus unserer Darstellung zu ersehen
gewesen sein. Die Engländer, Gebrüder Meitle,
die Deutsch-Ostafrika bereist haben, schrieben in
ihrem Buche „After big game“: Man muß
sich darüber wundern, daß die Deutschen in so
kurzer Zeit so viel fertig brachten, und ihre prak⸗

ische Art und ihr geduldiger Fleiß lassen sich
nit den allzu bedächtigen Methoden der Engländer
n den Troͤpen kaum vergleichen.“ Ein anderer
rẽngländer, L. Hamilton, schrieb 1918 in „United
dnpire“; „Ist Deutschland in seinen Kolonien
erfolgreich gewesen? Vor fünf Jahren wäre es
—V— heute
nuß sie von jedem ehrlichen objektiven Beurteiler
nit Ja beantwortet werden.“ Und selbft die „Dé-
gehe Coloniale“ bekaunte am 6. Oktober 1916:
Unsere Leser entsinnen sich, daß wir von einem
Tage zum anderen die Fortschrilte der deutschen
dolonien und die beständigen Anstrengungen, sie
ur Blüte zu bringen, verzeichnet haben, denn es
däre kindisch gewesen, dies zu leugnen oder zu
verschweigen. Durch das Aufblühen Togos,
dameruns, Ostafrikas, ja sogar der kletnen
eutschen Gebiete im Stillen Ozean, schließlich
uuch Kiautschous, waren die Deuischen nahe da—
an, den höchsten Rang unter den
dosonialmächten einzunehmen.“

Mögen diese Zeugnisse hier genügen!

Und wie steht es mit der Unwürdigkeit?

Der Amerikaner Gibbons schreibt 1916 (317he
ew map of Africa“): „Von allen europaischen
Mäüchten hat nur Großbritannien soviel Mensch⸗
ichkeit und Idealismus bewiesen, wie Deuisch⸗
and bei der Errichtung und Aufrechterhaltung
einer gerechten und aufgeklärten Kolonialherr⸗
chaft. Gerade jetzt ist es von außerordentlicher
Wichtigkeit, daß dies jemand feststellt, bei dem
nan Sympathien im gegenwärtigen Kriege für
Deutschland nicht voraussetzen darf; aber Wahr⸗
seit bieibt Wahrheit. Nur auf Wahrheit kann
Zie Zukuuft sich gründen. In Frankreich, in
Belgien, in Portugal, in Italien, in Rußland
ucht man vergeblich nach einem so weit ver⸗
reiteten und bedeutsamen Eintreten für das Wohl
er eingeborenen Rassen, wie man es in Deutsch⸗
and findet.“ Ja, in der „american Review ot
Feviewse erklärte 1913 E. R. Forbes rund heraus:
Von allen Schutzherren in Afrika hat der deuische
die reinsten Hände und die besten Aussichten!“

Wenn wir uns nun fragen, ob es nach unserer
Zertreibung aus den Schutzgebieten dort besser
        <pb n="26" />
        Wirtischaftsgeschichte der deutschen Kolonien
geworden ist, so müssen wir uns zunächst des
Versprechens entsinnen, das der Präsident der
Vereinigten Staaten in der Rede bei der Vor⸗
legung der Völkerbundsakte in Paris am
14. Februar 1919 abgab: „Solche Stoaten sollen
mit der Verwaltung der deutschen Kolonien be—
traut werden, die bereits bewiesen haben, daß sie
imstande sind, sich dabei vom Gewissen leiten zu
lassen. Unter ihrer Vormundschaft werden die
hilflosen Völker der Welt einem neuen Lichte und
einer neuen Hoffnung entgegengehen.“

Daß dies der, Fall ist, wird niemand be—
haupten können. Überall findet die Ausbeutung
der tropischen Rohstoffkolonien für die Bedürfnisse
der Mutterländer statt, und die Belange der Ein⸗
geborenen werden dabei mehr oder minder ge—
schont oder berücksichtigt. Die ständige Mandals—
kommission des Völkerbundes in Genf, der seit
dem Herbst 1927 in dem Geheimrat Kastl, früher
Beamter in Südwestafrika, auch ein deutsches
Mitglied angehört, überwacht die Vorgänge, in—
dem sie sich von den Mandataren Berichte vor—
legen und Fragebogen ausfüllen läßt. Aber im
großen und ganzen billigt sie die Geschehnisse.
Und seit sie angeordnet hat, daß ihr Beschwerden

1918
1917/18 1918/19 1919/20

Sisal. *
Baumwolle. ..
däute und Felle.
stopra..
Erdnüsse.. ..
Kaffee.
Betreide...
Sesam ..
Wachs —F—
Butterschmalz. ..
Seife —W
Salz..
c. Pfeffe.

Bei der Betrachtung der Tabelle ist zu be—
cücksichtigen, daß sie die Länder Urundi-Ruanda,
die zum größten Teil unter belgischem Mandat
stehen, nicht mit umfaßt. Das zeigt sich ins—
besondere bei der Ausfuhr tierischer Produkte, da
beide Gebiete fast nur an solchen beteiligt waren.
Besaßen die beiden Landschaften doch fast ein
Drittel des gesamten Rindviehbestandes der Kolonie.
Wie ersichtlich, trat der Tiefstand 1920 ein, während
19189/20 einen gewissen Aufschwung gezeigt hatte,
der aber nur scheinbar war, weil er nicht aus
einer Steigerung der Erzeugung beruhte, sondern
auf der mit den freiwerdenden überseeischen Trans⸗
portmitteln ermöglichten Ausfuhr der angesam—
melten Vorräte aus deutscher Zeit. Aber 1921
war doch der Wendepunkt, und das Jahr 1924
hatte im großen und ganzen die Ausfuhrwerte
des Jahres 1913 wieder erreicht. Dabei sind
allerdings wichtige Verschiebungen eingetreten.
Ganz weggefallen ist z. B. die Kautschukausfuhr,
die 1913 1367 t im Werte von 328400 be—

16740
500
4180
3330
820
3930
11580
270

»on nicht mit Mandaten versehenen Regierungen
Deutschland) überhaupt nicht, von Eingeborenen
nur durch die Hand der Mandatarmächte einge—
reicht werden dürfen, hat sie auf eine wirklich
ontrollierende Tätigkeit grundsätzlich verzichtet.
Deutsch⸗Ostafrika (Tanganyika Territory).
Der Krieg, der hier volle vier Jahre ge—
vütet hatte, hatte diesem Schutzgebiet schwerere
Wunden geschlagen als den anderen. Die Ein—
zeborenen waren an Zahl und Arbeitskräften
ehr zurückgegangen und ihre Produktionsmittel
um Teil vernichtet, insonderheit der Viehstand.
Die europäischen Pflanzungen waren verunkrautet,
um Teil vernichtet, die Vorräte des Landes auf⸗
zebraucht, die Bahnen zerstört und abgenutzt.
Dazu kam die auch wirtschafilich gänzlich körichte
Maßnahme der Regierung, die Deutschen, die die
Organisatoren der Produktion gewesen waren,
ruszuweisen. Die Zahl der Europäer ging von
3000 auf 2200 zurück, erhöhte sich aber bis
Mitte 1926 wieder auf 3500. Nach alledem
jeigt die Produktion in der Ausfuhrstatistik
'olgendes Bild (in t):
192111 19221 1923 10924 1 1925 1926

10220 12846 18428 18276 25022

1544 1468 2541 4502 4900

—1518 2068 2547 2661 2109

5948 6669 8125 7623 7348

12518 16608 8684 9055 15867

4271 4047 5261 6009 6644

18912 11786 14483 7392 7722

2778 4435 3909 3396 3563

333 302 425 293 307

380 396 472 383 371

5 15 86 317 89

uuss idan 2363 d 1838

1I 9 5191 910 123 23

rug. Ersatz trat ein durch das gewaltige An—

chwellen der Kaffeeausfuhr, das aber kein Aus—

)ruck des wirtschaftlichen Fleißes und Erfolges

inserer Nachfolger ist: es sind zu deutscher Zeit

zepflanzte Bäume zur Volltragfähigkeit herange—

ceift. Am Viktoria-Njansa ist die Eingeborenen⸗

Kaffeekultur durch den damaligen deutschen

Residenten eingeführt worden. Am Kilimandjaro

ind Meru ist den Eingeborenen unter britischer

Herrschaft gestattet worden, ehemals deutsche

Pflanzungen zu erwerben und eigene anzulegen.
Man zählte dort:

7923
1096
956
6104
8448
3827
94 49
1385
183
6306

192211925
Eingeborene Kaffeepflanzer.. 5921 6916
Tragende Irpen dr 36266 881509
Noch nicht tragende) sitz Farbiger —— 844607
Sie ernteten 1824 75, 1925 125 t. Diese Ent—
vicklung hat bei den Weißen steigende Erbitterung
hervorgerufen, denn sie verschärst die Arbeiternot
        <pb n="27" />
        Vierter Abschnitt. Die Schutzgebiete unter Maudatsverwaltung
o sind diese 1928 überholt worden: Einfuhr
in 1000 *8) —
——

und Schädlingsgefahr und vermindert die Güte
des Produktes. Neuerdings unterstützt daher die
Regierung diese Entwicklung nicht mehr. — Auch
die Kopraͤausfuhr beruht auf Palmen, die noch
von deutschen Händen ängepflanzt sind.

Wenn auch Sisal hat nachgepflanzt werden
müssen, so war die Arbeit nicht schwer, da die
Hauptarbeit des Rodens zu deuitscher Zeit ge—
heistet worden war. Das — zeitweise — gewal⸗
lige Anschwellen der Produktion reiner Einge⸗
doͤrenentätigkeit (Erdnüsse 1922 -24, Getreide
1919 -24, Sesam und roter Pfeffer 1923 -24)
erklärt sich daraus, daß die Eingeborenen ihre
erheblich erhöhten Steuern nicht, wie zu deutscher
Zeit durch die auf den europäischen Betrieben
erhaltenen Barlöhne aufbringen konnten, sondern
genötigt waren, die Produkte ihres Ackerbaus an
den Markt zu bringen. Deshalb ist sie rückläufig,
feitdem der Plantagenbau wieder in vollem Be—
rieb ist. Für die von Viehhaltung lebenden
Stämme bedeutete die Lieferung von Butterschmalz
Ghee) dasselbe.

Die Ergebnisse an Baumwolle sind — ob—
wohl sich die Ernte seit 1913 mehr als verdoppelt
hat — doch relativ nur gering, wenn man die
großen Anstrengungen in Rücksicht zieht, die Jahr
für Jahr gemacht worden sind.

Daß Seife ausgeführt wird, ist verdienstlich,
wenn die Erzeugung entsprechend gestiegen ist.
Denn zweifellos ist es zum Vorteil des Landes,
wenn ein möglichst großer Teil der Kopra dort
selbst verarbeitet wird. Die Fabrik in Tanga
bestand schon zu deutscher Zeit. Damals aber
wurde die Erzeugung im Lande verbraucht. Die
Ausfuhr kann also auch auf dem Sinken der
Kauftraft der Eingeborenen beruhen. Ebenso ist
es mit dem Salz aus der ehemals ein deutsches
Privatunternehmen bildenden Saline Gottorp).
GHewonnen wurden 1924 4556, 1925 4000,
1926 3105 t, wovon mehr als die Hälfte aus—
geführt wurde, Die Einnahmen betrugen 139074
bei 7379 4 Ausgaben (1928).

Die Außenhaͤndelswerte denen der Vor⸗
kriegs zeit gegenüberzustellen, hat bei dem Anziehen
aller Preise infolge des Krieges keinen Wert; so
brachten qB. 20800 13 Sisal 1913 504 000 æ,
25 022 in 1926 911293 u, Die Ausfuhr betrug
für die oben angeführten Gegenstände 1925 und
1926 (in 1000 *

1. Baumwollwaren
2. Verzehrungs⸗

gegenstände
3. Baumaterialien
. Brennöle
. Tabak
3. Geistige Getrünk
7. Maschinen
3. Eisen⸗Stahl⸗

waren
3. Zigaretten sung 8 31 34
O. Wein, Bier hin 6) 131 201 243830

Dazu ist ferner zu bemerken, daß die Einfuhr
yon Verzehrungsgegenständen nicht nur infokge
der Abnahme der Zaͤhl der Europäer gesunken ist:
der Hauptausfall kommt auf die Reiseinfuhr
ür die Plantagenarbeiter, die zu deutscher Zeit
175 000 &amp; betrug. Interessant ist, daß halb so
diel Europäer — seit die Engländer überwiegen
— mehr geistige Getränke — dem Werte nach —
erbrauchen (67 000 6) als doppelt so viel Deutsche
1918 (54000 M). Auch die Tabakeinfuhr ist
erheblich gestiegen (von 41000 auf 64000 æ),
rotz der Abnahme der Europäer und Farbigen
im die Hälfte. Daß Baumaterialien (Eisenbahn),
Maschinen und Eisenwaren zu deutscher Zeit in teil⸗
veise doppeltem Werte eingeführt wurden, spricht für
sich selbsi. Dagegen erfordert die fortschreitende Auto—
mobilisierung eine große Einfuhr an Brennblen.

In 1000 4 betrug der Gesamthandel:

955 818
2821349

oia Io22 1023 1024 102511926
infuhr .. 3333
Ausfuhr.. 738 2695 3008 8129
kransiee 27ĩ1 267 608 135611428
BesamthandesAασ Soοο 7ο 54017227 7708

Die Gesamthandelszahlen enthalten den Tran—
itverkehr nach der Belgischen Kongo-Kolonie, und
war nicht nur die Einfuhr (Eisenbahn und Schiffs⸗
naterial) des östlichen, am Tanganyika gelegenen
Teiles, sondern auch die erheblichen Ausfuhr⸗
nengen Katanga⸗Kupfer).

Von der Einfuhr kamen 62,2, im Vorjahre
34,800 aus Großbritannien und seinen Be—
sitzungen, 9,4 (10,800) aus Deutschland, 8,8 (O0/0)
auͤs Holland und 7,20/0 aus Japan.

Dagegen sind auf bergbaulichem Gebiete
nicht unerhebliche Fortschrifle gemacht. So wurde
1924 ein starkes Schwemmgoldvorkommen
im Lupa, einem Bach, der zum Rikwa fließt, festge—
tellt. Die Ausbeute betrug 1924 6805, 1925 9159,
m ersten halben Jahr 1926 3037 Unzen im
Verte von 120381 F. Jetzt scheint Erschöpfung

ingetreten zu sein. Auch im Muansabezirk
1924 214, 1928 152 Unzen) und in Sekenke
1925: 808 Unzen), sowie in Kilimafeza wurde

1028

99*

26
Sisal. .. Sesam

Baumwollen. Wachs

däute u. Felle Butter⸗

Kopra.. 610 * schmalz

Erdnüsse. .1179 Seife .— *

— 13

Getreide .1 84 92 I roter Pfeffer 3 o,
Dasselbe gilt für die Einfuhrwerte, die in

Mengen nicht angegeben werden. Will man sie

lroßdem mii den Siffern von 19183 vergleichen,
        <pb n="28" />
        Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien
Gold gewonnen. Glimmer wurden 686 für
300004 gefördert. Die Diamantgruben der
Tanganyika Diamonds Coy Ltd. Managua und
Mabuti (Bezirk Muansa) sollen einen großen
Krater wie in Kimberley darstellen und werden seit
dem 1. 1. 1926 von einer Anglo-American Coy
of South Afrieca ausgebeutet. Schon während
des Projektierens wurden im zweiten Halbjahr
1925 411, im ersten 1926 612 Karat im Durch—
chnittswerte von 54* aufgelesen. Als die Arbeit
um 1.7. 1926 begann, förderte man in den ersten
3 Tagen 184, in den 5 folgenden 361 Karat,
vobei der größte Stein 181/, Karat wog.

Noch während des Krieges war — am
. Jamiar 1917 — eine Zivilverwaltung im
„kkupierten Teile der deutschen Kolonie unter
5. A. Byatt eingerichtet worden, dessen üher⸗
rieben negrophile und der Eingeborenenkultur
zünstige Politik mit Recht allgemeinen Wider—⸗
pruch fand. Sein Bericht (1923) über die
Intwicklung des Schutzgebietes wurde von
der Britischen Handelskammer in Daressalam
zgekennzeichnet als „admirably calculated to
ieceive the Britisn public“. Dennoch wurde
er, seit 1919 Administrator und seit 1920 Gou—
verneur, erst 1925 durch Sir D. C. Cameron,
der seine Befähigung in Uganda bewiesen hatte,
ersetzt. In der uͤblichen Weise wurden dem Gou—
derneur ein Executive und ein Legislativo Council
J. 7. 1926) beigegeben. Letzteres besteht aus
18 Beamten und 10 vom Gouverneur auf 8 Jahre
ernannten Mitgliedern. Zur deutschen Zeit bestand
bekanntlich schon ein Wahlrecht. Aber man
fürchtet eingestandenermaßen, daß die zurück—
zekehrten Deutschen die Oberhand gewinnen
tönnten, und versagt es.

Die Gesetzgebungsmaschine arbeitet
intensiv; jährlich kommt ein dicker Band neuer
Verordnungen und Gesetze heraus. Zweckmäßig
var es, daß 1926 ein Versäumnis in deutscher
Zeit nachgeholt wurde, indem die 383 selbständigen
Distrikte zu 11 Provinzen zusammengefaßt wurden.
Dadurch sind zwei Verwaltungsinstanzen ge⸗
schaffen. Aufmerksamkeit verdienen die dem Geist
des Mandats zuwiderlaufenden Bestrebungen, die
ostafrikanischen Besitzungen Großbritanniens (Njas⸗
saland, Nord-Rhodesien, Sansibar, Kenya und
Aganda) mit dem Tanganyika Territory zu einer
Verwaliungs⸗ (Zoll- und Verkehrs-) Einheit zu—
ammenzuschweißen. Konferenzen der von Lord
Delamere geführten Ansiedler britischer Rasse (in
Tukuyu-Neulangenburg Oktober 18925) und der
Bouverneure in Nairobi (1926) sprachen sich —
diese bedingt — dafür aus.

Die Finanzen der letzten Jahre stellten sich
vie folgi lin 1000 *)
D ——
Ausgaben.. 1812 1748 1952 2261
Einnahmen. 11220 15591116362234

Defizit .. 583 187 316 258

Unverkennbar ist eine Besserung. Denn 1919
jis 1922 beliefen sich die Defizits auf 436 415,
42510, 793190, 483633 e. Die Verwaltung
st viel kostspieliger als die deutsche. Während
51 deutsche Beamte (19183) 5336 Weiße und
„6 Million Farbige betreuten, sind (1924) für
347 Weiße und 4,1 Million Farbige 800 bri—
sche Beamte nötig! Dazu werden um 600,,
öhere Gehälter gezahlt.

Von den Einnahmen beruhten (1926 aus)
zteuern 48,80,0 (6678 002 M), auf Zöllen 32, 80,
501000 4). Die Steuern sind gegen die deutsche
zeit um 1500,, und mehr, die Emifuhrzölle um
300/0 und mehr erhöht worden.

Von den Ausgaben fielen 178483 5 auf die
okalverwaltung, 124460 4 auf die Schutztruppe,
18856 auf die Volizei, 106 127 auf das Sani⸗
itswesen, 124444 auf öffentliche Arbeiten
204417 im außerordentlichen Etat), 63 450 auf
zost und Telegraphen, 86173 auf Land- und
forstwirtschaft. Die Eisenbahn brauchte 358684
in ordentlichen, 135287 an außerordentlichen
susgaben. Die Schulden betrugen 3144000 *
nd müssen neuerdings verzinst werden. Eine
hon für Anfang 1926 geplante 10-Millionen⸗
Unleihe ist bisher nicht zustande gekommen, und
amit sind die großen Bahnprojekte (Kilimandjaro

-Zentralbahn, Zentralbahn— Njassa) vorläufig
ußer der Strecke Tabora — Muansa undurchführ—
ar. Dagegen hat die Automobilisierung ganz
ewaltige Fortschritte gemacht, so daß man mit
ast⸗ und Versonenautos bereits fast überall hin⸗
elangen kann.

Kronland wird an den Meistbietenden in
Zacht auf 33 oder 99 Jahre gegeben. Der
Zzachtpreis ist alle 20 Jahre abänderbar. Dazu
estehen Kulturverpflichtungen, die zu erfüllen
ind. Einige Bezirke, in denen das Kronland
ereits vergeben ist, sind gesperrt. Erwerbungen
us zweiter Hand sind sehr kostspielig. Die
Urbeilerbeschaffung ist fast schwieriger als zu
eutscher Zeit, obwohl zahlreiche Hände infolge der
Ublösung des Trägerverkehrs durch die modernen
transportmittel frei geworden sind. Aber nicht
ur haben sich zahlreiche Eingeborene als Unter⸗
ehmer selbständig gemacht, sondern es sind auch
ewaltige Rekrutierungsbezirke wegen der Schlaf—
rankheit, die sich südlich der Zentralbahn weit
usgebreitet hat, gesperrt worden. Die Löhne
ind um das Maß der Teuerung gestiegen.

Nachdem im Juni 1925 den Deutschen die
Finreise wieder erlaubt und im November auch
— D—
ine erhebliche Rückwanderung ein. Zurzeit wird
chon in englischen Blättern über eine „deutsche
hefahr“ im TPanganyika Territory gefabelt. Die
zahl dürfte immerhin bald soviel betragen, als
üchtbeamiete Engländer vorhanden sind. Sie
esitzen 14 Handelsfirmen, 8 alte Sisalpflanzungen
uit 15000 ha Fläche und 10 neue mit 10000 ha.
        <pb n="29" />
        Vierter Abschnitt. Die Schutzgebiete unter Mandatsverwaltung
10 alte und 20 neue Kaffeepflanzungen sowie 7
alte und 5 neue Kokospflanzungen.

Die belgischem Mandal uunterstellten Länder
Urundi-Rusanda kamen auch in deutscher Zeit
wirischaftlich noch wenig in Betracht. Ihre Pro—
duktion beruhte wesentlich auf der Rinderhaltung.
Obwohl die Bevölkerung fast die Hälfte der des
Schutzgebietes ausmachte, bedeutete sie wegen ihrer
mangelnden Kaufkraft für den Absaß der Einfuhr⸗
werte wenig und für den Arbeitsmarkt gar nichts,
da man sie als Gebirgsbewohner gegen die Ge—
sahren der Malaria in den Tiefländern durch
Anwerbeverbote schützen zu müssen glaubte. Euro—
päische Pflanzungen kamen bei der dichten
Bevölkerung und Bestockung (pro qkm 51 bzw.
72 Köpfe, über 5 bzw. über 10 Haupt Rindvieh
und mehr als 30 Stück Kleinvieh) kaum in Be—
tracht. Die Belgier veranlassen dagegen die Ein⸗
geborenen, für die Minen in Katanga Arbeits⸗
kräfte und Lebensmittel zu liefern, wobei die
Belgier und die Häuptlinge verdienen, das Volk
aber schwer geschaͤdigt wird.

Südwestafrika.
Einfuhr (in 1000 46)
ige2 19281924 1826 1926

Die Statistik zeigt uns eine wachsende Erholung

er Wirischaft. Bekanntlich hatte man in Südwest—
afrika die Deutschen nicht restlos „repatriiert“,
ondern nur zum Teil. Man hoffte die abziehenden
»urch „Arme Blanke“ aus der Union ersetzen zu
önnen und so eine englisch-burische Mehrheit zu
ewinnen. Die Land- und Baukprarxis der ersten
Fahre nach dem Kriege war darauf zugeschnitten.
Iber Südwestafrika ist kein Land für vVeute, die
veder arbeiten wollen noch Kapital mitbringen.
ẽs trat eine katastrophale Lage ein, und zahlreiche
rzxistenzen gingen zugrunde. Aber allmählich be—
annen, namenulich aus Deutschland, neue Kräfte
jachzurücken, die nun Farmen und Vieh billig er—
tehen konnten. Die Verwaltung hatte auch ge—
erat und verzichtete darauf, einen Unterschied
wischen deutschen und südafrikanischen Ansiedlern
u machen. Aber der große wirtschaftliche Um—
chwung bahnt sich erst seit Mitte 1924 an.
Währeud 1920 nur 169 Farmen vergeben wurden,
detrug die Zahl 1925 880. Es war der Kraft—
vagen in Wirksamkeit getreten, und damit war
s möglich geworden, Milch an die erst sporadisch,
denn überall entstehenden Molkereien zu liefern.
Die Folge war, daß man sich von der Zucht von
Schlachtvieh immer mehr auf Milchwirtschaft
imstellen konnte. Die Butter ging in die
deksfabriken Südafrikas und Englands. Von
924 bis 1926 hai sich die Ausfuhr verdoppelt.
Aber auch das Schlachtvieh, das in der Krise
— eingebracht
Jatte, ließ sich wieder verwerten. Die Cold
torage Ltd. hat im März des Jahres den Be—
rieb qhrer Kühlhallen in Walfishbai aufgenommen
mit einer täglichen Schlachtung von 1560 Haupt
und zahlt für 100 Ibs 21 -25 sh.

Die weiße Bevölkerung beträgt über 24000
Zöpfe; die Deuischen nähern sich zusehends der
Majorität: 1925 wanderten über See 1288, über
dand 724 Seelen zu. Darin drückt sich die Verschie—
ung zugunsten des deutschen Elements aus. Unsere
dandsleute haben neben der deutschen auch die
hritische Staatsangehörigkeit erworben, und damit
m Landesrat die Hälfte der Stimmen erhalten.
Auch die deutschen Schulen sind gerettet worden.
Dagegen ist es ihnen noch nicht gelungen, die
—DDD

Einnahmen und Ausgaben geben (in 1000 )
folgendes Bild:

Insgesamt

1148 1301 1777 3οο

Inionsprodukte.
UÜber die Union ..
Von Ubersee...
Maschinen. ..
Metall(waren) .
Motorjahrzeuge
—*8
Zement. .
d0olzcwaren)...
Bekleidungsgegen⸗
stände.
sKörner⸗ und Hülsen⸗
früchte. u9 102 127
Zucker.. .. 471 9— 67
Geistige Getränke. 48 3839 48
sobele.e 1 18 9 *
Tabatk 521 60 63
Ausfuhr (in 1000 *6)
Insgesamt 11203 2672 2790 2828 3292

364 418 476
128 Bs 08
283 860 628
33 82 127
51841161

it 32
—
8 71 18
18 2i 45

2341 320

5199 —
47
*4—
*
3771
3073
—
3
8
823 873

338—
35
7 68
———
331 80

Nach der Union ..
Nach Ubersee...
Broßvieh ..
1000 Haupt —
Kleinvieh.
1000 Stück
Butter....
1000 1I1b8ß8. ..
Diamanten
1000 Karat..
Erze..
Häute und Felle..
Fische...
Wolle

4321 504 8546
22983 2110 2244
5 288 293
485 88 37
— 27 1430
16401437
18 31 680
297 426 784
344 421 4896
144 433 494
394 341 75)
24 33 23
271 64 34
»t 57

476
780
236

49

—DD———
82
753
725
138
13

118
113
62
844
587
5hk
762
40
64
5

174
1418
1836

Vortrag ..
Finnahmen.
Ausgaben.
Schuldenbrirfẽt
— .1

ergibt sich, daß der Etat, je nach dem
Ertrage der Diamantensteuer, ungeheuren Schwan⸗
unmgen ausgesetzt ist. Besonders zurzeit ist die
dage kritisch, weil die ‚, Schwemmdiamanten“ nicht

—*
22

Mad
        <pb n="30" />
        Wirischaftsgeschichte der deutschen Kolonien
tontingentiert sind. Das Kontingent Südwest—
afrikas beträgt 210,,, die Lieferung aus den An⸗
schwemmungen stieg aber von monatlich 100000
nuf 6—2 700000 æ. Es ist infolgedessen eine weitere
Ausfuhrbeschränkung nötig, um den Markt zu halten,
und das bedingt eine wesentliche Herabsetzung der
Position Diamantensteuer und außerdem eine all—
zemeine Verschlechterung der Lage. Denn von
dem Diamantenabbau leben 1200 Weiße und 8000
Fingeborene, die 100000 e an Landesprodukten
hrauchen. Auch zahlten die Minen 1926 fast
30000 Einfuhrzoll und 80000 f an die Bahn—
uind Hafenverwaltung. Dazu ist die Ausfuhr von
Qupfer von 554000 auf 502000, die von Vanadium
pon 123000 auf 58000 t heruntergegangen wegen
Mangels an Arbeitskräften; mehr als die Hälfte
nußten aus der Union geholt werden.

322000 unter Kultur. 21500 bebaut waren, auf
enen zu deutscher Zeit 100 Europäer tätig ge—
vesen waren, von einem landwirtschaftlichen Be—
imten, dem allmählich 14 Gehilfen beigegeben
vurden, betreut worden! Jetzt sind 75 europäische,
65 farbige Beamte und 12000 Arbeiter tätig.

Es betrug (in 1000 F, ohne Münzen und
Regierungsgüter)
jo2B 1o24 1oeö oεσ
483,3 223,3 ——
212672207
Es wurden (in t) ausgeführt:
———

die Einfuhr.— —
die Ausfuhr... 7

Kamerun

sakao ..

vdaffee . ..
dolanüsse ..
Lalmkerne
zalmöß..
dauischuk *
Zananen getrocknet.

969290

3639 3400
3 0,7
73 d6

z788
28454
1

*

ist neben Südwestafrika und Deutsch-Ostafrika
die einzige unserer Kolonien, in der es wieder
deutsche Interessen gibt. Und auch nur im
hritischen Mandatsgebiet. Denn schneller
als die Franzosen haben die Engländer sich ent⸗
ichlossen, den schweren Fehler, den sie auch im
Interesse der eigenen Wirtschaft machten, als sie
die deutschen Kulturträger aus dem Mandalts⸗
zebiet auswiesen, wieder gutzumachen.

Als deshalb 1922 in London nur 10 Be—
iitzungen mit zusammen 5000 ha für 19 500 *
Bieter fanden, ließ man im November 1924 auch
Deutsche bei der Versteigerung zu. Hier wurden
51 Besitzungen in der Größe von 120000 ha
für 222000 4 versteigert und zwar fast aus⸗
nahmslos an deutsche Vorbesitzer. Bis dahin
varen die insgesamt 105000 ha, von denen

Es ist an den Einfuhrzahlen seit 1925 und
den Ausfuhrzahlen von 1826 ersichtlich, wie
virtschaftiich England handelte, als es den Rück—
rwerb der Pflanzungen durch die deutschen
horbesitzer zuließ. Die Verwaltung hat von
915 - 1925 ein Defizit von 291000 * ver⸗
rsacht, 1925 - 1926 von 30770 4. 1926 betrug
„er Etat 116000 æ, wovon 85000 * durch
innahmen gedeckt waren: Zölle 40000 *,
zteuern 23000, Gebühren 3700. Die Zölle
ind entgegen 1925 um 870/, gestiegen, dank der
»eutschen Arbeit.

Französisches Mandatsgebiet
in 1000 Fr) 1818 o211 1822 i82319241928 18260
kinfuhr 41890 1260861 191949
Ausfuhr . .34980 1180881 136806
Fecsne r— 57 B75 75558668 91 —
Darnach hätte dieser Teil Kameruns, wenn
nan in Betracht zieht, daß in den Zahlen von
918 die des britischen Mandatsgebietes mit ent⸗
halten sind, schon 1819 oder spätestens 1920 die
Kriegsfolgen überwunden und befände sich in
einer stetigen und gedeihlichen Aufwärtsbewegung.
Aber dem ist nicht so, wenn man die fortschreitende
Entwertung des Franken ins Auge faßt. Das ergibt
ein Vergleich der Mengen der Ein- und Ausfuhr.

Wenn sich über Spirituoseneinfuhr der fran—
zösische Bericht (1925: 80220 ) ausschweigt, so
läßt das tief blicken, da schon ein Vergleich der
Wein- und Biereinfuhr ergibt, wieviel konsum—⸗
kräftiger die 1000 Franzosen sind als es die fast
»oppelt so zahlreichen Deutschen des Jahres 19183

varen. Oder soll man annehmen, daß unter
ranzösischer Herrschaft die Eingeborenen daran
inen wesentlichen Anteil haben? Die gewachsene
rinfuhr an Brennölen ist ein Ausdruck der
Lutomobilisierung des Landes, während der
dückgang an Eingeborenen-Bedarfsartikeln die ge—

Einfuhr inst

1912

1925

1926
zerzehrungsgegenstände ..
abatk...
Vein und Bier... ..
zrennöle.
zekleidungsgegenstände .
Netallwaren. *
zaumaterial.....

19478
526
746

1096

2540
0720

5840

—501
582
960

1358

953

5428
2486

8998

579
1989
2195
1909
4621
5376

3
        <pb n="31" />
        Vierter Abschnitt. Die Schutzgebiete unter Mandatsverwaltung
sunkene Kaufkraft aufzeigt. Dies ist um so auf⸗
fallender, als die starke Steigerung der Ausfuhr
bon Eingeborenenprodukten sie erheblich hätte
heben sollen!
Ausfuhr inet

912119925

1926

Palmkerne... 5999 36 428 35479
Palmöl.. 3595 6276 5812
Kakaobohnen .. 4552 4917 5348
Kautschuk.. 2811 830 1037
Edelhölzer. 11290 17806 22792

Während 1912 der Kautschuk mit 112/, Mill.
Mark noch den Hauptausfuhrwert darstellte, hat
man Ersatz gesucht und gefunden in einer ver—
mehrten Ausfuhr anderer Produkte des Waldes
durch Ausbeutung der Bestände an lpalmen und
Edelhölzern. Auffallend ist der Rückgang an
Tabak von 171 t (1825) auf 90 t (1926). Be—⸗
kanntlich exportierten wir ein sehr wertvolles
Deckblait in Mengen von 56 (1910), 412 (1911),
1690 (1912) Ballen. Für 1913/14 erwartete
nan 4-5000.

An der Einfuhr war Deutschland mit 14,1
192 I Sos, 1925. 8040), Frankreich mit 88,1,
GBroßbritannien mit 55,8 beteiligt; an der Ausfuhr
Deutschland mit 86,7 (1921: 14040, 1925: 27 65,
besonders Palmprodukte), Frankreich mit 63,8,
England mit 44.

Die Mittellandbahn ist (12. III. 27) bis zur
jetzigen Hauptstadt Yaunde (307 kw) verlängert
worden. Die Finanzen zeigen folgendes Bild:

—
nödo my (100o fr)
Eigene
Siigtaens uusos 18701265368 2180087 041. 26200
Gesamt⸗ Anschlag
— 1324901 15181118446 21800 28014 200
Frankreich macht also trotz des lächerlich kleinen
Etats — in Gold — noch Ersparnissel Wenn man
die Werte in Gold umrechnet, stehen 32,5 Gold⸗
nark in 1914 3,6 Goldmark 1926 gegenüher. Es
ist ersichtlich, daß damit nur der Schein einer
Berwaltung aufrecht erhalten wird. Für öffent⸗
iche Bauten gab z. B. Deutschland 16, Frank—⸗
eich 2; für sanitäre Fürsorge Deutschland über J.
rrankreich 0,8 Mill. Mark aus.

Bekanntlich steht seit dem Handelsvertrags⸗
rovisorium rechtlich nichts mehr dem Aufent⸗
jalt Deutscher im französischen Mandatsgebiet im
Wege. Es scheint aber, daß davon wenig Ge⸗
rauch gemacht werden kann. Von den 362 li—
suidierten Grundstücken sind in öffentlicher Ver⸗
teigerung verkauft worden 132 an Franzosen,
M an Engländer, 29 an Eingeborene und 12 an
Angehörige anderer Staaten. Die Regierung hat
ersteigert, 36 wegen angeblich mangelhafter
Rechtstilel eingezogen, 40 durch Verkaufsrecht
ind 67 mangels erfolgender Gebote sich zu eigen
zemacht. Dafür hat sie durchschnittlich zehen
Zfennig (pro Grundstück!) bezahlt!! Der Ge—
amterlös beträgt die Lächerlichkeit von 11 Mill.
Bapierfranken!

Zogo
a) Französisches Mandat.

— 1925 1026
Einfuhr . . ... 11218 10:07 6 —— —X
Ausfuhr.. 7018 17 187 61577 79377

esamnsandes 25 664 37 0- Sε Iö 279οö 5 öößI6Oνα 1837 805178 425

BGoidira«n
1012

Bcao——

rant

Einfuhr int

Im allgemeinen gilt das bei Kamerun Gesagte
äber die Entwicklung des Franken und die all—
gemeine Weristeigerung der Produlte. In Gold—
ranken umgerechnet zeigt der Gesamthandel 1925
27,6 Mitl.s kaum eine Steigerung gegen 1912
25,7 Mill.); zu berücksichtigen ist allerdings, daß
has französische Mandatsgebiet nur 52000 qkm
zegen 87200 und nur 747 000 Einwohner gegen
10317185 zu deutscher Zeit umfaßt. Tätig waren
326 Weiße (gegen 368).

Der Staatshaushalt wird angegeben (in
1000 Fr.) auf 3,6 in 1922; 5,9 in 1923; 8,2
n 1924; 16,9 in 1295; 23,9 in 1926; die beiden
etzten Jahre geben in Goldmark umgerechnet
3,323,4 Mill.“ — Der deutsche Etat belief sich
riicht (1914), wie das Bulletin du Comité de
»Afridue francçaise (S. 226 v. Mai 1926) angibt.

1912 192519268

Mehlwaren..
Tabaftkk
BSetränke.
Petroleum.....
Bekleidungsgegenstände.
Metallwaren. ..
Zement.

1075
zis
13082
177
10715
2216
*

1024
222
910

2315
934
832

2372

2695

163
1228
1944

846
15146
3790
Auskfuhr in
Palmkerne... 111639
Palmöl. .. . 3337
Kakaobohnen. 288
Baumwolle. .. 551
Mais. 365
Kopra.. 163

3816
2665
1607
1602
1433
1009

2952
2622
5226
1231
3987

380
        <pb n="32" />
        Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien
auf 1,878 (Zolleinnahmen), sondern auf 4,17
Boldmark! Zu alledem hat Frankreich 1924 nur
3,2 Mill. Papierfranken (S 1,2 Mill. Goldfranken)
rusgegeben, die Ersparnis aber von 14,4 Mill.
Ir. einem „Reservefonds“ zugeführt. Es ist
ußerordentlich erstaunlich, daß sich die Franzosen
dieser Finanzpolitik noch rühmen. Denn jeder
Kolonialpoliüker weiß, daß in Kolonialgebieten
die Anforderungen stets die zur Verfügung stehenden
Mittel überschreiten, wenn die Verwältung einiger—
maßen fähig und gedankenreich ist, es sei denn,
daß die Einnahmen die Voranschläge über alles
Erwarten übersteigen. Davon ist aber keine
Rede in dem französisch verwalteten Togo.

Die Liquidation der deutschen Liegenschaften
hat 25 Mill. Fr. ergeben, der noch unversteigerte
Rest wird auf 385000 Fr. geschätzt.

b) Britisches Mandat.

Auf 33773 qkm wohnen 188039 Farbige
ind 14 Europäer mit 6 Frauen, sämtlich Beamte
ind Missionare bis auf einen (Kaufmann). —
Der Handel betrug (in *8):

923

—D
221221204
16466154743

Einfuhr .
Ausfuhr.

1

0

8

in
Slm—

lu
Baumwolle

—X *
Palmkerne .. 530
Ballonen Palmöl 40 954

200 211
602 4941
545 410
65514 60754
Die Einnahmen betrugen (1924/25) 36015 4,
davon 26430 Einfuhr- und 5856 Ausfuhrzölle,
die Ausgaben 93001 *
Die Südsee

Die wenigen Deutschen, die zurückbleiben
tonnten, haben in Samoa nichts zu leiden, aber
Finwanderungsgesuche sind abgelehnt worden. In
Neuguinea schwebt noch täglich die Furcht vor
Ausweisung über ihrem Haupt, und auf der
nikronesischen Inselflur sind sie wirtschaftlich in der
apanischen Hochflut untergegangen: immerhin wird
der Zuwanderung nirgends mehr ein generelles
Verbot entgegengestellt, jedoch bedürfen Deutsche,
die schon vor dem Kriege ansässig waren, für Neu—
zuinea der Einreiseerlaubnis des Gouverneurs.

Auf die unter japanischem Mandat stehenden
Inseln nördlich des Äquators sind 78900 Söhne
des Mikado eingewandert — 1913 betrug ihre
Zahl 72! Ihre Bedürfnisse hob die Einfuhr von
(,os Mill. HYen (18919) auf 2,5 (1923). Nicht
gieichen Schritt hat die Entwicklung der Ausfuhr
zur Hälfte Phosphat, zu einem Drittel Kopra —
gehalten von 2,2 auf 2,3 Mill. Yen. In Nauru
nachen England und seine Teilhaber, Australien
and Neuseeland, glänzende Geschäfte, wenn auch
die Zahl der ausgeführten Tonnen Phosphat nach
ziner Steigerung von 236000 (1921) auf 281000

1924), 1925 wieder auf 225000 gefallen ist
191319000). Von den chinesischen Kontrakt⸗
rbeitern wurden (1925) 440/0 vor Ablauf der
gerpflichtung arbeusunfähig! 240/0 der Einge⸗
orenen leiden am Aussatz, der 1913 noch unbe—
annt war.

In Neuguinea betrug in (1000 *) die

—————

äin uhr g WDrn 55 —*
—0
926 wurden an Kopra 45806 t, Kakao 11313,
Muscheln 8660t, 1925 Gold 7420 Unzen aus—
eführt. Bekanntlich ist das Gold schon zu
eutscher Zeit gefunden worden. Aber erst die
uftralischen Ausbeuter gerieten in blutige Kämpfe
nit den Eingeborenen.

In Samoa erhalten britische Erzeugnisse
ine Zollvergünstigung von 7,50/0. Der Handel
etrug (in 1000 8):
—

282269 — 2785 8

3651 289 8611879

924 stammten von der Einfuhr 9,20/0 aus
5ngland, 31,8 aus Neuseeland, 36,2 aus Au⸗
——
die Ausfuhr bestand 1924 in 13202 t Kopra
ind 10160 Kakao im Werte von 284272
zw. 57958 4, 1926 in 12294 t Kopra und
ur 356t () Kakao. Davon gingen für 111203 *
iach Großbritannien, 8261 nach Neuseeland, 7009
jach Australien, 12008 nach den Vereinigten
Ztaaten, 21906 nach Holland und 376183 nach
deutschland. 1825 waren von der Kopra—
lusfuhr (15200 t) 770/, Eingeborenenprodukte.
die Kakadausfuhr ging auf 840 t zurück. Wie
denig es die Neuseeländer verstanden haben sich
sie Herzen der Eingeborenen zu erobern, zeigte
ich 1927, als allgemeine Unruhen die Depor⸗
ation mehrerer Häuptlinge ratsam erscheinen ließen!

ẽInfuhr
Ausfuhr

1

Kiautschou
Heute ist Tsingtau — oder Kiautschau, wie
er Platz zolltechnisch heißt — mit 4,270/0 an
en Gesamteinnahmen des Seezolls beteiligt und
eht somit an 6. Stelle hinter Schanghai.
rientsin, Dairen, Hankow und Kanton. Es hat
ndere bekannte Plätze des Ostens, wie Harbin,
zwatow, Amoy und Futschau, beträchtlich hinter
sch gelafsen. Unter den Kennern der Verbältnisse
eissagen einzelne eine großartige Entwicklung
ür die Zukunst, andere sind vorsichtiger, und die
on ihnen geäußerten Bedenken lassen sich im
vesentlichen in zwei große Richtungen leiten. Ein⸗
nal setzt die geographische Lage der Entwicklung
ieses Platzes notwendige Grenzen. Der Hafen
st einzigartig in seiner natürlichen Anlage. Das
        <pb n="33" />
        Fünfter Abschnitt. Anerkeunungen der deutschen Kolonialbetätigung aus Feindesmund
Hinterland reich an Bodenschätzen und landwirt⸗
schafuichen Erzeugnissen. Aber es fehlt der Fluß—
lauf, die große Waͤsserverbindung nach dem Innern,
die kein lechnisches Verkehrsneß, geschweige denn
eine einzelne Eisenbahnlinie, die noch dazu oft für
militärische Zwecke ausschließlich in Anspruch ge—
nommen wird, ersetzen kann. So wird Tsingtau
wachsen mit der wachsenden Erschließung seines
Hmlerlandes, aber es wird sozusagen sein spezifisches
Gewicht nicht verändern, und große Überraschungen
dürften ihm bei normalem Gang der Ereignisse
nicht beschieden sein.

Ein zweiter bedeutsamer Punkt ist der gegen⸗
wärtige politische Status Tsingtaus, das heute
unter rein chinesischer Verwaltung steht. Was
Tsingtau als Handelsplatz ist, verdankt es der
deutschen Schöpfung. Sein Fortbestand als Hafen
hängt von der normalen Weiterentwicklung dieser
Handelsanlage großen Stils ab. Es ist oft, be—
sonders in der angelsächsischen Presse, die Ansicht
bertreten worden, daß unter chinesischer Verwaltung
der Platz zum sicheren Niedergang verurteilt und
sein gänzlicher Verfall nur eine Frage der Zeit
sei. Diese Ansicht hat von vornherein den fatalen
Beigeschmack des Tendenziösen, denn es handelte
ich im Interesse der Aufrechterhaltung exterrito⸗
rialer Vorrechte natürlich darum, die chinesische
Verwaltung einer modernen Stadt als ein hoff⸗
nungsloses Experiment hinzustellen.

Dennoch läßt sich die Berechtigung nicht ver⸗
kennen, die dieser Auffassung zugrunde liegende
Frage aufzuwerfen. Plaͤtze wie Tsingtau sind,
vom Standpunkt des mechanisierten Westens aus
gesehen, Oasen in dem vortechnischen China. Ihre
Pflege und Erhaltung erfordert, an den Maßen
Chinas gemessen, unverhältnismäßig große Mittel.
Wollte man den entsprechenden Grad von Pflege
und Sorgfalt auf das übrige China verwenden,
so würden Mittel erforderlich werden, die selbst
ein geeintes China unter seiner heutigen Ver—
fassung gar nicht aufbringen könnte. Es kommt
dinzu, daß alle andern geöffneten Handelszentren
in wesentlichen Teilen der chinesischen Verwaltung
entzogen sind, Tsingtau jedoch ihr unmittelbar
und unbeschränkt untersteht. Dennoch kommt man
beim Studium der Verhältnisse zu der ÜUberzeugung,

aß für die Erhaltung der Siadt alles getan wird,
vas die Verhältnisse nur irgendwie zulassen. Von
inem „offensichtlichen Verfall“ kann jedenfalls
richt die Rede sein. Die Straßen sind sauber
ind durchweg im besten Zustand. Man sieht
berall Arbeuͤer am Wegebau beschäftigt. Die
echnischen Einrichtungen, Licht- und Wasseranlagen
ind in guter Ordnung, der Verkehr durch aus—
eichende und gutdisziplinierte Polizei geregelt,
er Hafen wird, wenn nicht weiter ausgebant, so
voch wenigstens instand gehalten.

Der jetzige Gouverneur Tschau⸗tsi, der aus—
zezeichnet deutsch spricht, ist sich seiner Aufgabe,
sie naätürlich fuür ganz China eine „Gesichtsfrage“
rsten Ranges ist, voll und ganz bewußt; und
ch habe in verschiedenen Unterredungen mit ihm
en Eindruck gewonnen, daß er noch weit mehr
ür die Erhaliung und den Ausbau Tsingtaus
risten würde, wenn ihm nicht ein schweres Hinder⸗
lis im Wege stände, für das er nicht verantwortlich
t: Tsingtau ist Tsinanfu direkt unterstellt. Tsi—
anfu und die Provinz Schantung sind heute das
kzupanat Tschang⸗tschung-tschangs. Dieser ist
leichsam ein Lehnsträger im Gefolge Tschang—⸗
ktso⸗lins und hat als solcher Truppen zu stellen
ind zu unterhälten für den großen Waffengang
wischen Nord und Süd. CEiun außerordentlich
roßer Teil der Einnahmen Tsingtaus fließt in
zie Kriegskasse von Tsinanfu, ein Rest verbleibt
n den Händen des tüchtigen und ehrlichen Gou⸗
»erneurs; und es ist aller Achtung wert, was
nit diesen beschränkten Mitteln geleistet wird.

Man kaun auch nicht — in falscher Schluß—
olgerung — nun dem Tupan Tschang die Schuld
ür die Verhältnisse in die Schuhe schieben. Er
st ein Erzeugnis seiner Zeit und bei näherer Be—
euchtung wahrlich nicht ihr schlechtester Re—
räsentant. Die ihn näher kennen, schätzen den
cordchinesischen Hünen als Ehrenmann, der es
»ei aller Härte, die zum Heeresführer heute in
Fhina gehört, versteht, ein Freund zu sein und
Wort zů halten. Seine besondere Arbeit gilt der
Entwicklung Schantungs, das er nach Kräften
zrtlich aus den Wirren des Krieges heraushält.
So tut er sein Teil an seinem Platz.

(Hamb. Fremdenbl. 2. 11. 1927.)

Fünfter Abschnitt.
Anerkennungen der deutschen Kolonialbetätigung aus Feindesmund
so leicht in der Einförmigkeit der Methoden und
Begriffe einschlafen.
Paul Leroy: „De la Coloni-
sation ehez les Peuptes mo-
dernes“,. Paris 1908

Die Deutschen haben als Forscher und auch
als Kaufleute gläuzende Proben ihres
Könnens abgelegt. Jetzt müssen sie auch
zeigen, was sie als Ansiedler vermögen.

Es liegt im Interesse der Zivilisation, daß
alle europaͤischen Völker einem der noch in Besitz
zu nehmenden Teile der Erde ihr besonderes
Gepräge aufdrücken. Die Welt wird auf diese
Weise etwas mehr Abwechslung zeigen und nicht

28

Ich war nicht vorbereitet auf die interessanten
Typen unter den Deutschen, die Pflanzer, die
Zivilbeamten, die Offiziere, die weiße oder ein⸗

Zache, Deutsche Kolonien
        <pb n="34" />
        Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien
geborene Truppen befehligt hatten oder zu über—
nehmen im Begriffe waren. Es waren Männer
von unzweifelhafter Fähtgkeit und Tatkraft; wenn
man sie sah, so verstand man leicht, warum
Deutschland in Ostafrika so zusehends emporgeblüht
st. Es sind erstklassige Menschen, diese
Engländer und Deutschen; beide verrichten
in Ostafrika ein Werk, das der ganzen
Welt zugute kommt. Es ist Raum genug für
deide, es besteht nicht die geringste Ursache für
einen anderen als einen durchaus freundschaftlichen
Wettstreit; es ist im Interesse beider und auch
der Fernstehenden ernstlich zu wünschen, daß ihre
Beziehungen zueinander immer besser werden, und
nicht nur in Ostafrika, sondern überall.

Theodore Roosevelt: „Afrikanische

Wanderungen eines Naturforschers

und Jägers“, 1910

Mit Rücksicht darauf, daß die Deutschen ihren
Kolonialbesitz erst seit 30 Jahren haben, während
England seine Überseestaaten seit mindestens einem
Jahrhundert okkupiert hält, ist der Fortschritt
Deutsch-Südwest-Afrikas keineswegs ge—
ring anzuschlagen. Ich kenne das Land seit
über 80 Jahren und prophezeie ihm eine ähn—
liche Zukunft wie die Britisch-Kaffrarias, das ja
auch von deutschen Auswanderern kolonisiert
worden ist.

Nur muß Deutschland es aufgeben, die
Eingeborenen, die den niedrigsten Typen der
menschlichen Rassen angehören, veredeln zu
wollen. Das ist ein hoffnungsloses, Be—
zinnen. Die Hereros müssen nach meiner Über—
jeugung nach australischem Vorbild auf Reser—
bationen abgeschoben und pensioniert werden.
Nur durch weiße Besiedelung ist das Auf—
blühen der Kolonie zu erhoffen.

Samuel: Observer,
London 1911.

Ohne große Posaunenstöße und ohne
die lärmende Hilfe der Preßagenten er—
zieht sich der Deutsche das junge Afrika
nach seiner Art, und er läßt es sich auch Mühe
kosten. Ich habe die Deuischen in ihrem nahen
Verkehr mit ihren halbwilden Schützlingen an der
Westküste genau beobachtet. Tie Verwaltung und
Regierung im schwarzen Erdteil ist zu einem sehr
zroßen Teil eine Frage des Temperaments, und
iblem Anschein nach lassen sich die Deutschen
weniger leicht zur Heftigkeit und zur Er—
regung hinreißen, als die anderen weißen
Peenschen. Ich habe allen weißen Rassen bei
hrer Arbeit, Afrika zu erwecken, zugesehen und
kann mich nicht der Überzeugung verschließen, daß
der deutsche „Eingeborene“ sich ebensoweit,
wenn nicht noch höher entwickeln wird
wie alle anderen.

E. R. Forbes: American Review
of Reviews, 1911.

Mit eigenen Augen konnte ich sehen,
velches Riesenwerk die Deutschen bei der
Irdnung der verschiedenen Verhältnifsfe
nuder Kolonie Deutsch-Ost-Afrika geleistet
aben. Man merkte, daß es Deutschland
nerster Linie nicht darum zu tun war,
inen so großen wirtschaftlichen Gewinn,
bie nur möglich zu erzielen, sondern daß
„ie Kolonie auf eine Weise verwaltet
purde, die auch den Eingeborenen Nutzen
rachte. Sogar in einem so kleinen Ort wie
sambura, am Nordende des Sees, gab es eine
rächtige Schule für die Kinder der Eingeborenen,
ind die Schule wurde auf besonders verständige
Urt geleitet.

Graf Eric von Rosen-Sparreholm
1911/12.

Angenommen, Deutschland wolle irgendwo in
»er Welt Territorien erwerben, die nicht zum
Zritischen Reich gehören. Liegt irgendein Grund
or, weshalb sich England ihrer Erwerbung durch
deutschland widersetzen sollte? Die Deutschen
ind fähige Kolonisatoren und würden in
llen Besitzungen, die sie erwerben, Tüch—
iges leisten. Sie haben in ihren jetzigen Be—
tzungen Tüchtiges geleistet und tun es noch,
venn auch ihr System sich von dem englischen
interscheidet. Aber es gibt mehr als ein System,
ind es gibt kein Monopol für kolonisatorisches
Talent. Indessen stehen die Deutschen unter
zem Eindruck, daß, so oft sie den Platz für eine
nögliche Erwerbung finden, England ihnen im
Vege steht, wenn es auch das Gebiet nicht für
ich selbst beansprucht. Wäre das der Fall, dann
zätte Deutschland Grund zur Klage.

Morning Post, 18. Januar 1912.

Da das Britische Reich den inneren
Wert der deutschen Zivilisation anerkennt,
dürfte es der deutschen Ausdehnung jen—
eits der Meere weder was den Handel
roch das Gebiet betrifft, Hindernisse in
den Weg legen.

Richard Jebb: United Empire,
London 1912.

Die britischen Kaufleute wissen mit
ibsoluter Sicherheit, daß sie ein warmes
VGillkommen und jeglichen Beistand in den
eutschen Kolonien empfangen. Sie wissen,
aß keiner ihnen vorgezogen wird, und daß, wenn
as öffentliche Interesse erfordert, daß eine Faktorei
utfernt oder ein Weg durch ein Grundstück gelegt
vbird, die deutsche Regierung keine zweifel—
jaften gesetzlichen Vorwände gebraucht,
ondern die Frage auf der breitesten Linie
ines gesunden Menschenverstandes be—
sandelt.

Die Deutschen lieben weder den britischen
daufmann, noch hassen sie ihn. Es kommt für
        <pb n="35" />
        Fünufter Abschnitt. Anerkennungen der deutschen Kolonialbetätigung aus Feindesmund
sie wr derge daß dißsehes enie an enar Fragen würden im Hause der Gemeinen
britischer Geist ein Segen für ihre Kolonien sind. gestellt werden? ines Bj
Ohne sentimentale Phrase! Der Deutsche bewill⸗ d eee 3
kommnet den Briten warm und achtet darauf, daß
kein deutscher Kaufmann einem englischen
vorgezogen wird, weil dadurch die britischen
Firmen veranlaßt werden könnten, weiteres Kapital
in einer deutschen Kolonie nicht mehr anzulegen.

Es ist wahr, es gibt zahlreiche gesetzliche Be—
stimmungen in den deutschen Kolonien, die mit
militärischer Genauigkeit und Strenge durchgeführt
werden. Die Eingeborenen, die Jahrhunderte hinter
dem weißen Manne zurück sind, empfinden diesen
Zwang wenig angenehm. Der Engländer aber
merkt nach einiger Zeit, daß diese Bestim—
mungen zu seinem Besten da find, und ist
damit einverstanden. Keinem Kaufmann macht es
Vergnügen, seinen Hof frei von Abfall zu halten.
Er ist zuerst unwillig, wenn er für eine alte
Blechdose, die halbvoll mit Regenwasser in seinem
Hofe liegt, 20 Mark Strafe zahlen muß, aber,
wenn er merkt, daß er in Zukunft von Malaria
verschont bleibt, sieht er den Vorteil dieser
Moslitoverordnung ein.

John Harris: Dawn in darkest
Africa. London 1912.

Wir waren immer geneigt zu glauben, daß
»as Britische Reich und Volk ein bedeutendes
dolonialvolk ist, und sicherlich ist sein Ruf ein
ehr stolzer und berühmter gewesen, aber dine
Lraft und Stärke und das Sysiem, mit
dem Deutschland sich in den letzten Jahren
der ausländischen Kolonisation unter—
zogen hat, ist sehr beachtenswert gewesen.

George Foster, kanadischer Handels—
minister. United Empireé.
London, Februar 1914.
Deutsch-Ost-Afrika ist fruchtbar und wird
zut verwaltet, vom rechtlichen und vom land⸗
virtschaftlichen Standpunkt aus geurteilt.

In ökonomischer Hinsicht ist die deutsche
Regierung unternehmungslustiger als
insere eigene gewesen in bezug auf die
kinführung und Anpassung neuer Gewächse.
Teara-Gummi und Sisalhanf haben sie Jahre
bor uns gebaut und exportieren nun große Mengen
der Produkte, während unsere Plantagen sich erst
eniwickeln. 7he Guide to South and Bast

Africa, London 1914
Die Politik, die jetzt in den deuischen Kolo—
nien maßgebend ist, die Eingeborenen mit
Freundlichkeit und Rücksicht zu behandeln,
hatviel dazu beigetragen, die Sicherheit des
Lebens und die allgemeine Zufriedenheit
zu fördern. Dieser befriedigende Zustand
würde aber nicht von langer Dauer sein,
wenn den Eingeborenen nicht die heilsame
Lehre beigebracht worden wäre, daß Ver—
brechen und Aufruhr schnell und mit fester
Hand unterdrückt werden, die, wenn nölig,
bis in die fernsten Gegenden reicht.

L. Hamilton: United Empireé,
London 1912.

Im Gegenteil zu dem, was in den letzten beiden
Fahren häufig behauptet worden ist, hat die
ffentliche Meinung in Deutschland, wie
vir schon bei der Unterdrückung des Hereroauf—
tandes gesehen haben, die Verantwortlichkeit
deutschlands seinen eingeborenen Schutz—
efohlenen gegenüber klar erkannt. Man
raucht nur Zeitungen und Zeitschriften zu lesen,
Zücherverzeichnisse zu durchblättern und die während
zer letzten fünfzehn Jahre veröffentlichten Reichtags⸗
»erhandlungen zu verfolgen, um sich zu vergegen⸗
värtigen, daß von allen europäischen
dolonialmächten nur Großbritannien so
»iel Menschlichkeit und Idealismus be—
viesen hat wie Deutschland bei der Er—
ichtung und Aufrechterhaltung einer ge—
echten und aufgeklärten Kolonialherr—
chaft. In diesem Augenblick grade ist es außer—
e7dentlich wichtig, daß dieses jemand feststellt, von
em man nicht annehmen darf, daß er in dem
egenwärtigen Kriege mit Deutschland sympathisiert
der versucht, für die deutsche Sache einzutreten,
ber Wahrheit bleibt Wahrheit. Nur auf Wahr⸗
seit kann die Zukunft sich gründen. In Frank—
eich, in Belgien, in Portugal, in Italien,
n Rußland sucht man vergeblich nach
inem so weit verbreiteten und bedeut—
amen Eintreten für das Wohl der ein—
geborenen Rassen, wie man es in Deutschland
indet. Herbert Adams Gibbons (Ameri⸗—
kaner): The new map of Ame-
rica, 1916

Blinde Selbstsucht charakterisiert den
Deutschen nicht, wie einige von uns annehmen
mögen, denn, wenn der Deutsche eine Kolonie
erwirbt, lädt er alle, Deutsche und Engländer
Portugiesen oder Franzosen ein, ihr Kapital und
ihren Handel dorthin zu bringen. In keiner
der westafrikanischen Kolonien wird der
Kaufmann freundlicher ermutigt als in
Deutisch-Togoland und Kamerun, wo Frei—⸗
heit, Gleichheit und Brüderlichkeit das
Motto der herrschenden Macht ist. In
Duala teilte mir ein englischer Kaufmann mit,
daß der Gouverneur zweimal jährlich Beamte,
Kaufleute und Missionare zur Beratung zusammen—
ruft. Man stelle sich den englischen Gonverneur
oon Sierra Leone, der Goldküste oder Südnigeria
oor, der einen ähnlich radikalen Schritt täte und
noch dazu Deutsche einlüde, mit ihm zu beraten.
35
        <pb n="36" />
        Wirtschastsgeschichte der deutschen Kolonien
Die Deutschen haben nicht allzu viel Rücksicht
auf Rechte der Eingeborenen genommen, aber
im allgemeinen haben sie die Eingeborenen
nicht schlechter und in einigen Beziehungen
besser behandelt als andere europäische
Mächte, die sich in der Kolonisation und Ent—
vicklung Afrikas versuchten. Wenn Deutsch—
Ost-Afrika unter eine oder mehrere andere
remde Flaggen kommt, wird das nicht als
Strafe für große Fehler geschehen, die
Deutschland in Verwaltung oder Justiz begangen
jat, und sicherlich nicht für Mängel in der wissen—
chaftlichen Erforschung. Da ist kein Licht unter
den Scheffel gestellt worden. Wenn die Deutschen
Dstafrika verlieren, wird es nicht die Folge
rgendwelcher Verbrechen sein, die sie in
Afrika begangen haben.

Sir Harry Johnston: Windsor
Magazin, März 1916.

verden. müßten. Wir wissen heute, daß
»iese Beschuldigungen unwahr sind. Die
eutschen Kolonien wurden bestimmt nicht
hlechter verwaltet als der Kolonialbesitz
rgend eines der Verbündeten. Heute
ruͤssen wir sogar anerkennen, daß gewisse
eutsche Kolonien jetzt schlechler ver—
»altet und entwickelt werden als früher
on den Deutschen. Da also bewiesen ist,
aß Deutschland seine Kolonien nicht
hlecht verwaltet hat, fallen auch die
zründe weg, aus denen Deutschland der
dolonien beraubt wurde, also hat Deutsch—
and einen Anspruch auf ein Mandat.
ẽs müßte amtlich durch den Völkerbund unter—
ucht und festgestellt werden, daß die deutschen
dolonien wirklich nicht schlechter als andere
dolonien verwaltet und entwickelt worden sind.
Regierungsblatt De Burger,
Februar 1924.
Wenn der gesunde Menschenverstand
zu seinem Recht kommen soll, ist die
Wiedererrichtung des deutschen Kolonial—
besitzes unvermeidlich, und wir Italiener
müssen den Tag berbeiwünschen, wo die deutschen
solonien ihrem Besitzer zurückgegeben werden.

Giacomo Buonomo: Africa
Italiana, März-April 1920.

—ER
zroße Zukunft. Es hatte den besten aller
Anfänge im deutschen Unternehmungs—
geist, deutscher Entwicklungsfähigkeit und
allgemeiner kaufmännischer Gründlichkeit.
Wenn Australien diese energische Politik fortsetzt,
dann muß Deutsch-Neu-Guinea eine der blühendsten
Inseln aller Inselgruppen des südlichen Stillen
Dzeans werden.

Thos. J. Me. Mahon: hor
hHastern Review, Juni 1921.

Bekanntlich sind Deutschland seine Kolonien
veggenommen worden, weil nach Angabe der
VBerbündeten Deutschland dort Mißwirtschaft ge⸗
rrieben hat und die' Eingeborenen dort von
eutschen Gewalttaten und Sklavenketten erlöst

Die Reichsregierung muß ihren Induftrien
uin genügendes Absatzgebiet verschaffen. Das
st nur durch Wiedergewinnung der Kolo—
tien möglich, Deutschland muß durchaus
eine überseeischen Besitzungen zurückbe—
ommen, um seine Produkte absetzen zu können.
Venn dies nicht geschieht, wird Deutschland
eute wie gestern der furchtbare Konkurrent des
brigen Europa sein, der Hauptinteressent an der
Industrie und dem Handel der ganzen Welt.
zine fruchtbare Nation, die sich durch starken
achwuchs wieder ergänzt hat und in zu enge
zrenzen eingeschnürt ist, braucht Ausgänge zu—
ächst nach ihren überseeischen Besitzungen. Sie
eteiligt sich an dem Handel und der Industrie
hrer Nachbarn nur mit dem Überschuß ihrer
Zroduktion. Sonst gibt es im Innern Arbeits⸗
osigkeit, Elend, Revolution und bei Gelegenheit
es kleinsten Konfliktes Gefahr für die anderen
Bölker. Auch wird ein revolutionärer Staat
ug die Verbreitung der bolschewistischen Lehre
zrdern.
Fernand Bouisson, Vizepräsident

»er französischen Kammer der

Deputierten. N. Fr. Presse, Wien,
Januar 1925
Sechster Abschnitt.
Stimmen Eingeborener der deutschen Kolonien
Massa, bleib doch hier, bis der Krieg zu
Ende ist, wir werden hier sonst sicher umkommen.
In Kamerun sind jetzt die Franzosen ... dadurch
ind wir wieder in die alte Zeit zurückversetzt,
wo nur der Stärkere das Recht auf seiner Seite
hatte, der Schwache aber unterdrückt und verfolgt
wurde. Das war, als ihr Weißen noch nicht im
Lande waret. Ach, wenn jetzt doch wenigstens die

Engländer das Land verwalleten, bis die Deutschen
zurückkehren. Ein Kameruner im April 1916 zu
einem Deuischen, der von Fernando
VPo nach Spanien gebracht wurde.
Ich habe eine große Sehnsucht nach Ihnen.
Ich habe in meinem letzten Schreiben zum Aus—
ruck gebracht, daß ich Sie und ihre Nation zeit⸗
2
        <pb n="37" />
        Sechster Abschnitt. Stimmen Eingeborener der deutschen Kolonien
ebens nie vergessen werde. Das wiederhole ich
sier von neuem. Ich bin deutsch, ich lebe deutsch,
cch sterbe deutsch. Ich bin immer bereit, das
Besagte zu wiederholen, wenn ich Sie zu Gesicht
bvekomme. Das Beste, was hier zu tun ist, besteht
darin, daß Sie bitte versuchen wollen, daß die
Musterkolonie wieder in die Hände Ihrer Nation
kommt. Denn Diebstahl, Mord, Raub und
Großsprecherei nehmen alltäglich überhand.
Brief eines Togonegers, 1920

Einige von den weißen Leuten sagten, Sie
kommen, einige sagten, Sie kommen nicht. Aber
cch glaube allen ihren Worten nicht. Ich bin
icher in meinem Herzen, daß Sie kommen. Lieber
Herr, mit der Kolonie geht es abwärts. Bitte,
sassen Sie mich wissen, wann Sie nach Lome
kommen, damit ich weiß, was ich zu tun habe.

Ein Togoneger an seinen deutschen
Herrn. Ende 1920

Das ganze Dualavolk liebt die französische
Regierung nicht. Diese hat den Menschenhandel
angefangen. Wir wollen lieber einen Deutschen,
wie tausend Franzosen. Wo bleiben die guten
deutschen Kaufleute? Es fehlt an Faktoreien, an
Stoffen, Arbeitsgerät uswp. Unter der Mehrzahl
der Eingeborenen besteht der Wunsch und das
Berlangen nach Rückkehr der Deutschen.

Brief, aus Kamerun: Junge
Maänner Dualas. 1900
„Unser Gedanken und Hoffen an euch ist be—
tändig . .. Sehr viele Menschen wurden durch
Gribis) Hustenkrankheit gestorben (wohl Grippe?ꝰ)
.. Wir vergiesen jetzt zum Teil das Deuische
Text im Schreiben, weil wir an Deuische nicht
mehr verkehnt, so die Sprache geht verloren. Sie
kann es hier in Brief bemerken. Trotzdem liegt
aber unsere armen Gedanken fortwährend an euch
anvergeßlich, Tag zu Tag und Jahr über Jahre

(wörtlich aus einem Briefe vom 20. 7. 21).

„Diejenigung, die bei uns sind (Franzosen)
so schlecht machen sie uns. Tie Frauen ziehen
aur Mattenblätter an, wie unsere NRütter vorher
getan, die Männer bloß die Baumrinde, wie
ansere Väter vorher gezieht hatte. Zwischen Lust
und Leid und Qual sind wir. O mein Herr, ich
hjabe jetzt verstandlos. Wahrlich, wahrlich sage
ich euch, von heute bis Ende der Erde kann ich
Ihnen nicht vergessen ... Bilte Herren, werdet
Jour nicht mehr bei uns kommen? Wir meinen.
ihr mußtet wieder nach Kamerun kommen ...
Wörtlich aus einem Briefe vom 19. 10. 21).

„Das ist nicht wahr, wir glauben es nicht,
denn eine bessere Arbeit wie die deutsche kann
kein Franzose leisten“ (wörtlich vom 15. 5. 28).

„Ich denke immer an unsere Deutschen und
hoffe, daß sie Erlaubnis hier zu kommen bitten
werden, weil alle ihnen lieben ... In Farm
ind alle Bäume nicht qut gewachsen, denn die

zranzosen haben keine Arbeitern, und weil sie
nicht östers gereinigt werden, so gehen alle kaput ..
Ich spreche mit den Franzosen wenig (von
hwarzem Briefschreiber unterstrichen). (Wörtlich
jom 22. 6. 21.)

„Schicke mir doch einmal einen Brief, damit
r mich aufrichte. Die französischen Zustände und
ie Art dieser Menschen lähmen mich und machen
nir das Herz schwach .. Ich weine um Euch
ille Tage, und alle Leute mit mir. Ihr müßt
viederkommen, damit die Franzosen wieder fort—
ehen. Denn die tun nichts anderes als die
eute schlagen, ihnen Geld (Steuer) abnehmen
nd über die Deutschen lästern. Wenn einer von
ihnen oder sonst irgend jemand schriebe, ihr sollt
a nicht wiederkommen, dann ist das gelogen.
henn alle Leute wünschen von Herzen, daß ihr
diederkommt, denn ihr Deutsche waret viel freund—
sccher gegen die schwarze Bevölkerung ... Über—
Il sehnt man sich nach Euch zurück. Ich muß
ie Wahrheit sagen: Alle Leule weinen! (Im
Jiginal unterstrichen!) Hier müssen wir jetzt an
en Bahnbauarbeiten an der Strecke von Eseka
ach Jaunde schwer helfen. Dabei sterben die
eute so zahlreich, wie sie kaum gestorben sind zu
zeiten des Krieges. Wie steht es jetzt in Europa
nit dem Krieg? Halten die Deutschen noch
us?“ (Wörtlich übersetzt aus einem Brief
om 21. 7. 22)

Er sei ermächtigt, im Namen des National-—
ongresses von Britisch-Westafrika zu erklären, daß
inter den Eingeborenen West-Afrikas Unzufrieden—
jeit wegen der Übertragung von Togo und Kamerun
in Frankreich herrsche ... Er betone ausdrücklich,
aß Frankreich heute nicht im Besitz von Kamerun
ind Togo wäre, wenn die Bevölkerung befragt
vorden wäre.

Abordnung westafrikanischer Neger
in Loͤndon 1921.

Wenn ich in die vergangene Zeit zurückblicke,
o sehe ich, daß die Deusschen mir und dem lieben
Togolande nur große Wohltaten erwiesen haben.
ich weiß, daß die Deutschen streng sind; aber
zarmherzigkeit, Gerechtigkeit und Wohltätigkeit
nnd bei ihnen zu finden. Haben die andern Na—
onen auch diese Eigenschaflen? Nein, gar nicht!
Zie sind heimtückisch, böse, geizig und lieben die
arbigen Angestellten nur in dem Auge. Von der
eutschen Zucht ist nur Gutes zu reden. Ein
renger, guter und wohltätiger Herr ist tausendmal
esser als ein heimtückischer, böser und geiziger.

In der deutschen Zeit war jeder Mensch seines
Lebens sicher. Ein einziger Mensch konnte ohne
Furcht das ganze Togoland bereisen; Mord und
daub kamen sehr selten vor. Und wie ist es
eute in Togo? Sehr schrecklich. Keiner darf es
etzt wagen, allein eine Fußreise von der Küste
rach dem Innern Togos zu machen ...

Ist das ganze Togoland deutsch gesinnt? Ja.
Togo steht immer auf deutscher Seite. Selbst in
        <pb n="38" />
        Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien
den englischen und französischen Gebieten haben
die Leute große Sehnsucht nach den Deutschen.
Seit dem Ausbruch des Krieges ist Togo mit
einem Kinde zu vergleichen, dessen Ellern ge—
storben sind und das keine Geschwister hat und
allein auf der Erde ist. Oh' treues Teutschland,
hehalte immer deine Musterkolonie Togo in deinen
Bedanken und vergiß sie nie!

... Wenn auch heute die deutschen Kolonien
in den Händen anderer Nationen sind, so hoffe
ich doch fest, daß sie einst in die Hände ihrer
alten Herren zurückkommen werden.

Ein Togoneger, März 1921.

Am Sonntag kam der erste deutische Dampfer
der Woermann-Linie mit deutscher Flagge. Viele
Lente liefen an den Strand, um alle wohlbe—
tannten Freunde zu begrüßen; es war einfach
erhebend . .. Hier war die Verwunderung über
die Begeisterung der Eingeborenen so groß, daß
die Regierung die Truppen an die Brücke be—
xderte und der Administrator die Leute mit dem
Stock vom Strande zu vertreiben suchte, was ihm
aber nicht gelang. Der Kapitän wollte an Land
ommen, aber es wurde ihm verweigert; es durfte
nuch niemand an Bord ... Sie hätten das Er—
eignis, die Ankunft des ersten deutschen Fracht⸗
dampfers in Lome erleben sollen! Woher die
große Furcht vor einem einfachen Frachtdampfer,
st schwer zu ergründen. Immerhin ist ein An—
sang gemacht. Brief eines Togonegers vom

23. Februar 1921.

Ach, was sagten die Eingeborenen nicht alles
zu mir! „Unser Vater kommt zurück. Jevbt freue
cch mich sehr, jetzt ist unserem Lande von Gott
unser Vater wiedergegeben.“ „Gott sei Dank,
daß endlich nach so vielen Jahren ein Dampfer
oon unserem Vater gekommen ist.“ „Kommt wieder,
damit das goldene Zeitalter wieder anfängt!“

Ein alter Deutsch-Ostafrikaner,

der am 16. April 1922 mit dem

ersten deutschen Dampfer in
Daressalam war.
Stolz setzte der Herero hinzu: „Wir sind doch
auch Deutsche, so genau wie ihr!“ Das ist keine
Spielerei, keine Negerlaune; das ist aufrichtiges
Bekenntnis, das ist Ernst! Sogar zur Ruhrspende
haben Eingeborene aus freien Stücken selbständig
uind unbeeinflußt beigetragen. Vor ein paar
Tagen brachte noch ein Hereroweib einem hiesigen
Kaufmann zehn Schilling mit dem ausdrücklichen
Bemerken, das sei für die Deutschen, die unter
den Franzosen leiden müßten. Mehr könne sie
leider nicht geben. Aus einem Briefe aus Deuisch-

Südwestafrika vom Oktober 1928.
Ich bin in ... beschäftigt, da die Behand⸗
jung zu Hause zu tierisch geworden war seit dem

Abgang der Deutschen. Das deutsche Kamerun
st jetzt wegen der schlechten Behandlung durch
ie Franzosen leer. Das ganze Kamerun steht
is heute am Ufer und erwartet die Ankunft der
Deutschen.
Ans dem Briefe eines Kameruners,
1923.
In jedem Dorfe, in das ich komme, laufen
zie Bewohner zusammen und fragen, ob und
vann die Deutschen zurückkommen, da sie der
ranzösischen Behandlung überdrüssig sind. Ohne
ie Deutschen geht die Welt zugrunde, sagten diese
zuschleute zu mir ...

Die Franzosen haben das Land Kamerun
erdorben. Jaunde⸗ und Bakoko-Weiber sind
zariser Weiber für die Franzosen geworden. Ein
anzösischer Offizier wurde am Sonntag mit einer
aunde- oder Bakoko⸗Weib mit tätowiertem Ge—
cht sich umarmen auf der Straße lausen, dieser
ffizier oder hohe Beamte schämen sich nicht, diese
Leiber in den Tanzsaal zu führen, die Nacht
urch zu tanzen und wo viel Schw ....... getrieben
pird. Die Boxerei geht los zwischen die Herren
kuropäer und die Schwarzen. Flaschenfchlägerei
nt manchmal vor, wenn alle sich vollgetrunken
aben.

Aus dem Briefe eines Kameruners.
Anfang 1924.

Bedrückung statt Wohlfahrt.
Sin Kamerunneger über die Zustände im
Mandatsgebiet.

Die in Lagos an der westafrikanischen Küste
cscheinenden „The Nigerian Daily Times“ geben
imem Kamerunneger Gelegenheit, sich anläßlich
ines Artikels mit antideulscher Tendenz zu der
rage der Rückgabe von Kamerun an Deutsch-—
and zu äußern. Dieser Eingeborene gibt, indem
r die Unrichtigkeiten des Artikels nachweist, ein
ateressantes Bild von den trauxigen Zuständen
den früheren deuischen, jetzt französischen west—
frikanischen Kolonien Kamerun und Togo. Er
hreibt dem Schriftleiter:

„Im Hinblick auf Ihren Leitartikel zur
Frage der Rückgabe der früheren deutschen
dolonien an Deutschland bin ich betrübt, daß
Ihr aufgeklärtes Blatt seine Spalten öffnet für
den Pressefeldzug gegen deutsche Kolonial—
nethoden, für Artikel, von denen die meisten
iuf Unwissenheit und Vorurteil aufgebaut sind.
In den früheren deutschen Kolonien gibt
8s keinen Eingeborenen, der nicht glück—
ich wäre, wenn er die Deutschen wieder
m Lande wüßte. Offen gesagt, von dem,
vas Deutschland für Kamerun und Togo ge—
eistet hat, hat kein anderes Gouvernement auch
iur einen Bruchteil getan. Die Eingeborenen
er früheren deutschen Kolonien sind heute, wie
hedem die Israeliten, über alle Länder ver—
        <pb n="39" />
        Ausblick
pprengt, um sich der französischen Bedrückung
zu entziehen. Als Eingeborener einer früheren
deutschen Kolonie kann ich bekunden, daß sich
die Franzosen wie ein Gifthauch ausgewirkt
haben. All die ausgezeichneten Einrich—
lungen, die die Deurschen pflegten, sind
»ernachlässigt, der Handel ist zerstört

uind die Bevölkerung bis auf die Knochen
hesteuert. Wir haben nun genug gehört von
der angeblichen Gottlosigkeit der Deutschen;
venn aber die Wahl besteht zwischen ihnen
und den Franzosen, dann gebt uns die Deutschen;
Bott möge geben, daß sie bald zurückkehren.“

Der Kolonialdeutsche, Berlin 1. 12. 1927.

Ausbelick
Der Überblick über die wirtschaftliche Lage der
Kolonien ergibt die Tatsache, daß in Südwestafrika,
Ostafrika und Britisch-Kamerun erhebliche deuische
Interessen vorhanden sind. Letzteres ist fast ein
rein deutsches Wirtschaftsgebiet unter britischer Ver—
valtung, in Südwest beginnen die Deutschen um
hie Mehrheit zu kämpfen und in Ostafrika dürfte
n absehbarer Zeit die deutsche Bevölkerung der
zritischen Zivilbevölkerung gleich sein. Das ist
zewiß rühmlich für die deutsche Spannkraft und
Leistungsfähigkeit, wenn man an die schamlose
Beraubung und Vertreibung unter dem Namen
Liquidation und Repatriierung denkt. Es ist aber
oor allem ein starkes Bekenntnis zum Kolonial⸗
villen des Teiles unseres Volkes, der aus eigener
Sachkunde ein Urteil abzugeben berufen ist. Dort,
wie in den Gebieten, in denen wir z. T. noch
durch Gewalt oder Tücke am Weitbewerbe ver—
hindert werden — eine Angst, die uns ehrt! —,
sind die Kriegsfolgen überwunden, und die Er—
folge deutscher Arbeit fallen als üppige Ernte
unseren unrechtmäßigen „Rechtsnachfolgern“ in
den Schoß. Die Hoffnungen, die wir seinerzeit
ruf unsere Kolonien setzten, haben sich als sachlich
gerechtfertigt erwiesen. Wir haben ihre wirtschaft⸗
lichen Mögßglichkeiten nicht überschätzt, sondern
richtig eingeschätzt, als wir ihren Wert auf
70 Milliarden Goldmark berechneten. Diese sind
uns bisher nicht gusgebracht. Man hat die Ent⸗
schädigungen der beraubten Kolonial- und Übersee—
deutschen aus den Tawes-Annuitäten im Haag
abgelehnt. Wir werden nunmehr fordern müssen,
daß, wenn die Mandate in Eigentum der jetzigen
Inhaber umgewandelt werden sollten, der volle
Wert auf unser Kriegsdebet angerechnet wird.
Beschieht die Umwandlung aber nicht — und das
allein entspricht dem Rechte — dann müssen uns
die Mandate wieder übertragen werden, nachdem
in Locarno anerkannt ist, daß die einzige Recht—
fertigung des Kolonialraubes, unsere angebliche
oloniale Unfähigkeit und Unwürdigkeit, eine Lüge,
die Kolonialschuldlüge — gewesen ist. Wir
sind nach wie vor unter den Weltvölkern eines
der ersten. Und Weltvölker haben das Recht und
die Pflicht mitzuwirken bei der Einfügung der
ioch brachliegenden Gebiete in die Weltwirtschaft
ind die Zivilisation.

Es bliebe die Frage, ob Deutschland mit
jeiner jetzigen traurigen Wirtschaftlage überhaupt
vieder Kolonialbesitz mit Aussicht auf Erfolg
in Verwaltung nehmen könnte. Wir sind

er Meinung, daß das bejaht werden muß. Wir
oürden Rohstoffe zu erschwinglicheren Preisen
us eigenen Schutzgebieten beziehen als aus dem
luslande, ganz abgesehen davon, daß 30 - 405
er Kosten unserer Volkswirtschaft in Gestalt von
handels⸗, Reederei⸗, Versicherungsgewinnen und
Is Gehälter und Unterhaltungskosten unserer in
en Kolonien tätigen Landsleute wieder zuflössen.
die Tatkraft unserer Auslandsdeutschen, zum
roßen Teile völlig brachgelegt, würde ein Be—
itigungsfeld finden und die Kolonien in An—
etracht unserer Rohstoffnot zu einem ungeahnten
lufschwung bringen. Das alles würde das
Nutterland wirtschaftlich stärken und im Hinblick
uf seine Verpflichtungen aus dem Friedensvertrage
ahlungsfähiger machen. Uns will scheinen, daß
uch Teutschlands Gläubiger ein Interesse an
ieser Lösung haben.

Geld braucht Deutschland nicht für die Ver—
»altung eines ihm neu zufallenden Kolonial—
esitzes. Tenn wie schon 1909 bringen auch
eute noch die Kolonien ihre Verwaltungskosten
elbst auf. Und Privaätkapital ist für Afrika
mmer noch zu finden, ganz abgesehen davon,
,aß die Amerikaner, in der Überzeugung, daß
kolonialbesitz Deutschland zur Ersüllungspolitik
zach dem Dawesplan fähig macht, bereit sind, es
a deutschen Kolonien anzulegen oder ihnen zur
zerfügung zu stellen.

Macht ist dazu auch nicht nötig. Man könnte
in die relativ gleichfalls machtlosen Kolonialstaaten
Sortugal, Spanien und vor allem Holland denken
— aber ist dieser Einwurf überhaupt berechtigt
ud würdig? Wenn man etwas nicht unternehmen
»ll, weil man es im Kriegsfalle nicht schützen
ann, hätten wir dann unseren Überseehandel,
nsere Schiffahrt wieder ausfbauen dürfen? Ja,
ind wir denn in der Lage, den Bauern hinter
em Pfluge, den Arbeiter an der Maschine zu
hützen? Und sollen Pflug und Maschine deshalb
illstehen?

Und dann malen pazifistische Phantasten ein
hauriges Gemälde von dem „mit Kolonialbesitz nicht
elasteten“ Deutschland, das außerhalb der Rassen⸗
ämpfe bleibt und sich womöglich gar deswegen
„er Liebe und Verehrung der farbigen Rassen er—
reut. Ich habe darüber eine kleine Schrift ge—
hrieben (Imperialismus und Kolonialpolitik,
serausgegeben 1927 von der Deutschen Kolonial—
gesellschaft), die diese Illusionen widerlegt. Hier
rur soviel: was für China und Indien gelten

2
        <pb n="40" />
        Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien
mag, gilt nie und nimmer für den Neger. Die
Aufgabe der Kolonialpolitik ist die Eingliederung
virtschaftlich unerschlossener Gebiete in die Welt
wirtschaft. Und ohne Afrika verhungert Europa, da
es seine Nahrungsmittel (Pflanzenbutter besonders)
und Rohstoffe braucht. Um so mehr, als sich seit
dem Kriege überall Autarkien bilden mit dem
Brundsatze: selbst schaffen was wir brauchen und
elbst verbrauchen was wir hervorbringen. Die
Zeiten, in denen Europa für seinen Bevoͤlkerungs⸗
aberschuß aus jungen Ländein über See (Nord—
amerika, Argentinien, Australien z. B.) Lebens—
nittel erhielt und mit Industrieprodukten bezahlte,
ind vorbei: Europa muß sich immer mehr selbst
eine Nahrungsmittel und Rohstoffe schaffen. Und
dazu ist Afrika da, das die Bestimmung hat,
Furopas südliche Verlängerung, seine Plantage
zu werden. Deutschland aber hat es wie keine
zweite Macht verstanden, die Afrikaner zur Werte—
heschaffung zu erziehen unter Wahruͤng seiner
eigenen Interessen. Deutschland — fast allein
Deutschland — hat den dazu erforderlichen
Menschenüberschuß. Ohne Teutschland kann
Furopa deshalb seinen Bestand, sein Leben nicht
ichern. Und deshalb haben alle europäischen
Mächte und auch die Eingeborenen Afrikas ein
Lebensinteresse daran, daß Deutschland wieder
eine Kolonialmacht wird, denn wenn es den
Afrikanern gelingen sollte, die Europäer zu ver—
reiben, würde dort ein Kampf aller gegen alle
beginnen, gegen den die Greuel des Bolschewis⸗
mus ein Kinderspiel wären. Jahrtausendelang
jaben die Eingeborenen gegeneinander gewütet:
daher die ungeheure Menschenarmut des dunkeln
Erdteils. Einmal haben wir den Afrikanern
dereits den Landfrieden gebracht; und wenn dazu
dämpfe nötig waren, so bedeuten die Menschen—
derluste in diesen Kämpfen nur einen lächerlichen
Bruchteil der beständigen Aderlasse, die sich die
Eingeborenen selbst zugefügt haben. Und dazu
ommen die Verluste durch Menschen- und Tier—
euchen, durch Aberglauben und Barbarei, die
Afrika dezimiert haben. Die Tropenmedizin, die
Verwaltung, die Mission haben die Eingeborenen
don alledem befreit. Das alles dankt uns der
Afrikaner. Wir werden in Afrika immer treue
dettow-Askari finden, die bereit sind, uns zu
dienen und für die wahren Interessen ihrer Rasse
zu kämpfen. Wöre das aber nicht so, dann wäre
gerade das ein Beweis, daß der Afrikaner der
—VV

Es erübrigt sich, zurzeit darüber zu sprechen,
vie Afrika unler weltwirtschaftlichen Gesichts—
unkten aufgeteilt werden müßte, d. h. wie
nan verfahren müßte, um den siärkften Strom
on intelleltueller und materieller Energie über
zen weilen Kontinent zu leiten. Soviel st sicher,
»atßz die heutige Verteilung die afrikanischen
cchätze nicht ausnutzt, sondern quiesziert, thesauriert.
Veder Portugal, noch Belgien, noch Frankreich
sat das Menschenmaterial, die Industrie, das
veld, um seinen übermäßigen Landbesitz zu
efruchten und zu befrieden. Selbst England kann
einen ungeheuren Kolonialbesitz nicht mehr mit deu
rforderlichen Kräften versorgen. Ohne die deuische
Nitarbeit bleibt Afrika ein ungehobener Schatz.
insere Ausschließung an der Miilarbeit bedeutet
in Aufhalten, ein Rüchstauen der eingeschlagenen
ẽnwicklung.

Sollte gar einmal der große Rassenkampf
»er Welt beginnen, den viele Sachkenner für
nvermeidbar halten, — nur über das Wann ist
nan sich noch nicht einig —, so wird England
aAsien gebunden sein, und Frankreich, das sich
uf die farbigen Heere stützen zu können glaubt,
ersagen. Sein auf einer gänzlich falschen Ein—
eborenenpolitik beruhendes und seine Kraft weit
bersteigendes Kolonialreich ist „top-heéavy“,
insturzreif. Es scheint nicht ausgeschlossen, daß
deutschland cinmal dazu berufen ist, Afrika für
zuropa zu retten. Denn, angenommen, daß,
die Lothrop Stoddard (The rising tide of color,
dew Vork 1920) befürchtet, „Asien den Asiaten“
berlassen werden muß, ist auch die Südsee
erloren und Europa für tropische Rohstoffe,
hne die es wirtschaftlich und physisch zugrunde
ehen muß, auf das tropische Amerika und
Ufrila angewiesen. Jenes gegen den gelben
Unsturm zu bewahren, wird Aufgabe der Ver—
inigten Staaten sein, dieses in Botmäßigkeit zu
alten, Deutschlands. Denn England wuͤrde im
ame um Asien und Australien aufgebraucht
verden.
Es ist nicht immer nichtige Spielerei, sich mit
erart weitliegenden Fragen zu beschäftigen, denn
uch rassenpolitische Enswicklungen schlagen im
eitalter der Hertzschen Wellen ein anderes Tempo
in als im Zeilalter der Postkutsche. Ein deutsches
Mandat für Afrika“ liegt auch unter diesem Ge—
schtspunkte nicht außerhalb des Bereichs der
HNöglichkeit in den nächsten Jahrzehnten.
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Fünfter Abschnitt. Anerkennungen der deutschen Kolonialbetätigung aus Feindesmund
ind reich an Bodenschätzen und landwirt—
hen Erzeugnissen. Aber es fehlt der Fluß—
»große Wasserverbindung nach dem Innern,
technisches Verkehrsnetz, geschweige denn
zelne Eisenbahnlinie, die noch dazu oft für
che Zwecke ausschließlich in Anspruch ge⸗—
twird, ersetzen kann. So wird Tsingiau
mit der wachsenden Erschließung seines
andes, aber es wird sozusagen sein spezifisches
nicht verändern, und große Überraschungen
ihm bei normalem Gang der Ereignisse
schieden sein.
zweiter bedeutsamer Punkt ist der gegen—
politische Status Tsingtaus, das heute
rein chinesischer Verwaltung steht. Was
m als Handelsplatz ist, verdankt es der
hen Schöpfung. Sein Fortbestand als Hafen
yon der normalen Weiterentwicklung dieser
zanlage großen Stils ab. Es ist oft, be—
in der angelsächsischen Presse, die Ansicht
n worden, daß unter chinesischer Verwaltung
itz zum sicheren Niedergang verurteilt und
inzlicher Verfall nur eine Frage der Zeit
zese Ansicht hat von vornherein den satalen
qmack des Tendenziösen, denn es handelte
Interesse der Aufrechterhaltung exterrito⸗
Vorrechte natürlich darum, die chinesische
tung einer modernen Stadt als ein hoff⸗
»ses Experiment hinzustellen.
moch läßt sich die Berechtigung nicht ver⸗
die dieser Auffassung zugrunde liegende
aufzuwerfen. Plätze wie Tsingtau sind,
iandpunkt des mechanisierten Westens aus
Oasen in dem vortechnischen China. Ihre
und Erhaltung erfordert, an den Maßen
gemessen, unverhältnismäßig große Mittel.
man den entsprechenden Grad von Pflege
yrgfalt auf das übrige China verwenden,
den Mitiel erforderlich werden, die selbsi
intes China unter seiner heutigen Ver—
gar nicht aufbringen könnte. Es kommt
daß alle andern geöffneten Handelszentren
ntlichen Teilen der chinesischen Verwaltung
a find, Tsingtau jedoch ihr unmittelbar
eschränkt untersteht. Dennoch kommt man
udium der Verhältunisse zu der Überzeuqung.

»aß für die Erhaltung der Stadt alles getan wird,
vas die Verhältnisse nur irgendwie zulassen. Von
einem „offenfichtlichen Verfall“ kann jedenfalls
nicht die Rede sein. Die Straßen sind sauber
ind durchweg im besten Zustand. Man sieht
iberall Arbeiter am Wegebau beschäftigt. Die
echnischen Einrichtungen, Licht- und Wasseranlagen
ind in guter Ordnung, der Verkehr durch aus—
eichende und gutdisziplinierte Polizei geregelt,
her Hafen wird, wenn nicht weiter ausgebaut, so
voch wenigstens instand gehalten.

Der jetzige Gouverneur Tschanu-tsi, der aus—
‚ezeichnet deutsch spricht, ist sich seiner Aufgabe,
ie natürlich für ganz China eine „Gesichtsfrage“
ersten Ranges ist, voll und ganz bewußt; und
ch habe in verschiedenen Unterredungen mit ihm
jen Eindruck gewonnen, daß er noch weit mehr
ür die Erhaltung und den Ausbau Tsingtaus
eisten würde, wenn ihm nicht ein schweres Hinder⸗
iis im Wege stände, für das er nicht verantwortlich
st: Tsingtau ist Tsinanfu direkt unterstellt. Tsi—
ranfu und die Provinz Schantung sind heute das
(upanat Tschang⸗tschung-tschangs. Dieser ist
leichsam ein Lehnsträger im Gefolge Tschang⸗
kso⸗-lins und hat als solcher Truppen zu stellen
ind zu unterhalten für den großen Waffengang
wischen Nord und Süd. Ein außerordentlich
zroßer Teil der CEinnahmen Tsingtaus fließt in
zie Kriegskasse von Tsinanfu, ein Rest verbleibt
n den Händen des küchtigen und ehrlichen Gou⸗
erneurs; und es ist aller Achtung wert, was
nit diesen beschränkten Mitteln geleistet wird.

Man kann auch nicht — in falscher Schluß—
olgerung — nun dem Tupan Tschang die Schuld
ür die Verhältnisse in die Schuhe schieben. Er
st ein Erzeugnis seiner Zeit und bei näherer Be—
euchtung wahrlich nicht ihr schlechtester Re—
räsentant. Die ihn näher fennen, schätzen den
ordchinesischen Hünen als Ehrenmanu, der es
ei aller Härte, die zum Heeresführer heute in
cChina gehört, versteht, ein Freund zu sein und
Vort zu halten. Seine besondere Arbeit gilt der
Entwicklung Schantungs, das er nach Kräften
jrtlich aus den Wirren des Krieges heraushält.
So tut er sein Teil an seinem Plaͤtz.

(Hamb. Fremdenbl. 2. 11. 1927.)

fFünfter Abschnitt.
nerkennungen der deutschen Kolonialbetätigung aus Feindesmund
so leicht in der Einförmigkeit der Methoden und
Begriffe einschlafen.
Paul Leroy: „De la Coloni-
sation chez les Peuples mo-
dernes“. Varis 1908

Deutschen haben als Forscher und auch
ifleute gZlänzende Proben ihres
ens abgelegt. Jetzt müssen sie auch
was sie als Ansiedler vermögen.

liegt im Interesse der Ziviuͤsation, daß
opäischen Völker einem der noch in Besib
nenden Teile der Erde ihr besonderes
aufdrücken. Die Welt wird auf diese
was mehr Abwechslung zeigen und nicht

29

Ich war nicht vorbereitet auf die interessanten
Typen unter den Deutschen, die Pflanzer, die
Zivilbeamten, die Offiziere. die weiße oder ein—

zursche Kolonien
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