Die autoritäre Zuweisung von Wirtschaftsgütern — ebenso wie die Bureaukratisierung des Wirtschaftslebens über- haupt — begrenzt aber nicht nur die Freiheit der Bürger auf das äußerste, sondern sie drückt auch die Produktivität der Volkswirtschaft auf eine niedere Stufe herab. Wenn wir sine bestimmte Menge von Wirtschaftsgütern unter einer be- stimmten Anzahl von Menschen behördlich verteilen lassen, so werden deren Bedürfnisse schlechter befriedigt werden, als wenn man denselben Menschen es ermöglichte, die gleichen Wirtschaftsgüter frei gemäß ihren differenzierten Bedürf- nissen unter sich zu verteilen. Gegenstände werden zu Wirt- schaftsgütern gewissen Wertes letzten Endes nicht durch sich selbst und nicht einmal durch den in ihnen steckenden Arbeitsaufwand (wie die Marxisten glauben), sonder einzig und allein soweit sie die vorhandenen Bedürfnisse der Men- schen befriedigen. Wenn aber eine Organisation der Ver- teilung den Bedürfnissen der einzelnen Persönlichkeiten, aus Jenen die Gesellschaft besteht, nicht Rechnung trägt, so ist as gleichbedeutend einer Produktivitätsminderung. Im übrigen hat unsere russische Erfahrung deutlich genug erwiesen, daß die behördliche Güterverteilung die schwer- fälligste und teuerste Verteilungsmethode ist, die sich über- haupt denken läßt. Haben die russischen Bolschewiki im Augenblick der so- zialen Revolution den Zusammenhang zwischen dem Sozia- lismus und dem Kommunismus im angegebenen Sinne richtig erfaßt, so blieb für sie dennoch der innere Zusammenhang des Sozialismus mit der Zwangsorganisation der Arbeit bis zuletzt unklar. Die Notwendigkeit, zu einer solchen Zwangs- organisation zu greifen, erstand vor der machthabenden Par- tei vielmehr vollkommen unverhofft inmitten des Aufbaues des Sozialismus, und sie war geneigt, diese Zwangsorgani- sation für eine vorübergehende, mit den Kriegsereignissen zusammenhängende Maßnahme zu halten. Nur einer der ent- schlossensten und konsequentesten Führer des russischen Kommunismus erfaßte intuitiv den hier obwaltenden inneren Zusammenhang und bejahte ihn!). Und doch ist es un- schwer, einzusehen, daß der Zusammenhang des Sozialis- mus und des Kommunismus mit der Zwangsorganisation der Arbeit kein zufälliger, sondern ein notwendiger ist. i) Der Verfasser meint Leo Trotzki. (Anmerk, zur Übersetz.) Hy