Das Meer veranlaßt wohl die Vermehrung der Seestaaten, aber selbst schafft es durch seinen Raum keine neuen politischen‘ Gebilde. Jeder selbständige Meeresraum, auch der kleinste, entbehrt der charakteristischen Seite der Landräume, durch irgendwelche Grenzfestsetzungen in kleinere oder größere Oberhoheitsgebiete zergliedert zu werden. Kein Meeresraum kann in politische Teile zerfallen; da er eigentlich weder geschlossen noch geöffnet werden kann. Schon die alten Römer sagten: „Mare natura omnibus patet.‘‘ Völlig der Natur läuft es zuwider, wenn irgend ein Meeresbecken, selbst wenn es auf allen Seiten von ein- und derselben politischen Macht begrenzt wird, als „Eigentumsmeer‘‘ des betreffenden Staates betrachtet wird, wie solche Meeresteile von Perels im „Internationalen öffentlichen Seerecht der Gegenwart‘ bezeichnet werden. Die Macht auf der See geht, im Grunde genommen, nirgend weiter als sie von Kanonen beherrscht wird. Wenn England auch die Weltherrschaft zur See besitzt, die durch viele Kolonien und Stützpunkte gesichert ist, wodurch ihm vor allem eine schnelle Konzentration von Schiffen an irgendwelchen Punkten der Erde ermöglicht wird, ist es ihm doch unmöglich, irgend ein großes Ozeangebiet nach seiner ganzen Ausdehnung zu beherrschen, selbst nicht einmal den Indischen Ozean, obwohl sich seine Gestade zu einem „Britischen Indiameerreich‘ ausgebildet haben. Dadurch wird aber auch andern seetüchtigen Völkern die Möglichkeit gegeben, sich zur Seemacht zu entwickeln, und wo es engbegrenzte politische Verhältnisse, wie bei den Niederlanden, bei Norwegen, bei Dänemark, nicht erlauben, sieht man doch das Streben, sich durch Seehandel und Seeverkehr einige Macht zu sichern. Die Entwicklung der heutigen Volkswirtschaft führte die Großstaaten zur See und zwang sie, Seemacht zu werden. Günstiger