65 Nach dem Gesagten ist nicht mehr viel zu den üblichen Ein- wänden gegen die Normung zu bemerken. Sie zerstört deshalb nicht den »individuellen Charakter« der Ware, und ist deshalb kein Feind des Kunstgewerbes, weil sie sich ja nur auf Gegenstände des täg- lichen Gebrauches erstreckt, wo eben ein wirtschaftliches Bedürfnis nach ihr besteht. Hat es z. B. einen Sinn, daß eine Bank täglich L000 Briefe erhält, bei denen 100 verschiedene Formate und Größen vorkommen? Welcher »Leerlauf« der Bureauarbeit nur beim Öffnen lieser Briefe! Und eine rationelle Ablage ist unmöglich. Dagegen kann man ja gewisse Fertigwaren, wie Spielzeuge, kleine Keramiken und Bronzen u. ä., verschiedenmaßig herstellen, obwohl derlei Krimskrams nur selten eine »künstlerische Note« zeigt. Aber: Besen, Mörser, Suppenteller, Trinkgläser zum täglichen Gebrauch sind unbedingt zu normen (und zu standardisieren). In den Ab- schnitten über hauswirtschaftliche und agrarische Rationalisierung wolle man andere Beispiele nachlesen. Ein Vorwurf kann allerdings den Normungsausschüssen — die wie alle Rationalisierungsorgani- sationen durchaus ohne Zwang arbeiten — nicht erspart werden: sie arbeiten etwas zu langsam und sollten ihrer wichtigen Aufgabe im Dienste der Volkswirtschaft doch etwas mehr Nachdruck verleihen. Typisierung, Standardisierung, Spezialisierung. Wir gelangen nun zur Besprechung jener Maßregeln der Ratio- nalisierung, die man speziell in Europa »Typisierung« und »Standardisierung« nennt, während die amerikanischen Fach- leute unter »standardization« die Vereinfachung (simplifying), Ver- einheitlichung, Verbesserung und Verbilligung der Produktion (und des Absatzes), kurz die gesamte rationelle Organisation des Betriebes zu verstehen pflegen. In Europa, besonders in Deutschland, Österreich und anderen Nachfolgestaaten, heißt » Typisierung « (auch »Typung«) die Methode, nach welcher man eine bestimmte, nicht zu große Zahl von Typen (Sorten, Arten) eines Gegenstandes herstellt. Es ist irrationell, z. B. Motore für jeden Besteller in besonderer Gestalt und PS.-Leistung herzustellen, also 3-, 5-, 7 1/,-. . .30-, 25-, 351/ pfer- dige usw. Motore. Umgekehrt verlangen die Käufer durchaus ver- schiedentypige Motore, einer z. B. wünscht einen 42 pferdigen Motor, die Motorenfabrik baut aber nur 40- und 43 pferdige. Es ist kein Wort darüber zu verlieren, daß weitgehende Typung gerade wichtiger Produktionsmittel und Bedarfsgegenstände wesentlich zur Verein- Kobatsch. Wirtschaftlichkeitslehre.