78 beruht zum großen Teil — abgesehen von der starken landwirtschaftlichen Quote — auf mittleren und kleineren Betrieben der Fertigwarenerzeugung. Zudem ist im französischen Wirtschafter noch starker Individualismus und Traditionalismus ausgeprägt. Man defürchtet von der Rationalisierung, daß dann der für die mittleren ınd kleineren Betriebe notwendige Nachwuchs nicht mehr herangebildet werden könnte. Die Inhaber dieser Betriebe wollen ihre Eigenart und ihre Selbständigkeit behaupten und scheuen daher die Konzentration. Trotz dieser Widerstände hat aber auch in Frankreich der Zusammenschluß ebenso wie die Rationalisierung Anhänger gewonnen. Während aber für Deutschland die Form der Konzentration die Fusion oder der Trust ist, wird hiefür in Frankreich (wo die Kartelle, welche die freie Preisbildung gefährden, nach der Verfassung und dem Strafgesetz geahndet werden) mehr das — auch gesetzlich begünstigte — »Syndikat« oder eine lose Vereinbarung gewählt oder eine Berufs(Branchen)vertretung mit dieser Aufgabe betraut, So daß die geschäftliche Selbständigkeit der Betriebsinhaber nöglichst gewahrt bleibt. Dabei macht aber die Mechanisierung der Arbeit, die Zerlegung und Vereinfachung des Arbeitsprozesses, selbst die Standardisierung der Waren (natürlich abgesehen von allen Luxusund Kunstgewerben) ständig Fortschritte. Jedenfalls schwankt noch das Urteil über die Konzentration. Als zwei Antipoden seien Yves Guyot und Loucheur angeführt. Guyot, als alter liberaler Dogmatiker, beruft sich auf Ad. Smith, wenn er behauptet, daß der freie Markt und die freie Konkurrenz am ehesten die Annäherung der Produktionskosten und Verkaufspreise bewirken können. Er ist daher gegen jede Art von Kartellen, insbesondere gegen die Rationierung oder das Quotensystem, denn das ist ein Kampf gegen den Kunden, während auf freiem Markte der Kampf um den Kunden herrscht und preissenkend wirkt. Wenn Guyot als Beweis die Politik der U. S. Steel Corporation anführt, die den Weltmarkt monopolisieren wollte, die Inlandpreise hochhielt, aber bewirkte, daß die Vereinigten Staaten bald an die fünfte Stelle im Stahlwelthandel gedrängt wurden, worauf man hohe Zölle gegen deutschen und englischen Stahl forderte, so übersieht er, daß inzwischen die Stahlindustrie Englands und noch mehr die Deutschlands sich mächtig entwickelt hatte, was der amerikanischen Industrie wahrscheinlich noch mehr Abbruch getan hätte, wenn sie nicht organisiert gewesen wäre. Guyot beschwört schließlich eine