121 Ein ernster Einwand ist folgender: Solange die wirtschaftliche Krise dauert, gibt es nicht genug Arbeitsstellen, um den Prüfling in jenem Berufe unterzubringen, für den er die beste Eignung hat; ferner wirft man ein, die Industrie wähle die Besten der Geeigneten aus, die anderen, obwohl geeignet, werden sich selbst überlassen. Diese Einwände verkennen das Wesen der Prüfung: Diese soll nur vor Berufen warnen, in denen jemand zufolge seiner Veranlagung keine günstigen Aussichten hätte, während er anderen Berufen, je nach der Marktlage, zugeführt werden kann. Die Prüfung ist also nur eine präventive soziale Fürsorge; sie soll auch keine Best- auslese sein, sondern zur richtigen Verteilung der arbeitenden Menschen auf die ihnen entsprechenden Berufe beitragen. Die Erfahrung lehrt, daß die Prüfung, wenn sie richtig und gewissenhaft vorgenommen wurde, Sich stets bewährt hat. Sie muß allerdings durch die Bewährungskontrolle ergänzt werden: der psychotechnisch geprüfte Arbeiter (Schüler) soll vom Werkmeister (Lehrer) während der Arbeit oder in der Schule auf seine Tüchtig- keit beobachtet werden, bzw. daraufhin von :Zeit zu Zeit geprüft werden. Diese Kontrolle ist zumeist noch recht mangelhaft, geschieht unregelmäßig, oft auch willkürlich, selten systematisch; jeder Beob- achter gelangt zu einem anderen Ergebnisse, jeder Mensch kann eben von verschiedenen Gesichtspunkten aus beurteilt werden; es sollten aber nur die für eine bestimmte Leistung maßgebenden Eigenschaften beurteilt werden. Für die allgemeine Anwendung der Eignungsprüfung spricht vor allem ein wichtiger wirtschaftlicher Grund: nicht bloß Baustoffe sollen vor ihrer Verwendung auf ihre inneren Eigenschaften Eignung) untersucht werden, sondern vor allem der Mensch, den man nicht nach dem äußeren Merkmale (»allgemeiner Eindruck«) oder nach Zeugnissen oder nach irgend einer »Empfehlung« ver- wenden darf, sondern erst auf Grund genauer, sachkundiger Erhebung seiner gesamten und inneren Eignung für eine Arbeit. Diese Prüfung soll mehrfachen Schaden verhüten: den des Prüflings selbst und den anderer. Der Mensch soll nicht auf Posten gelangen, wo er versagen muß oder Minderes leistet als anderswo; der Unternehmer soll nicht überflüssigerweise Mühe und Zeit auf die Anlernung un- geeigneter Personen vergeuden. Solche Ungeeignete werden auch leichter die Ursache (und das Opfer!) von Unfällen leiblicher und seelischer Art.