<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Wirtschaftlichkeitslehre</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Rudolf</forname>
            <surname>Kobatsch</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1777655390</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>177 
heitsstaat zu revidieren, weil man das äÄußerst Irrationelle der 
Bundesstaaterei gründlich erkannt hat. Am 16. Jänner 1928 trat eine 
Konferenz der Ländervertreter zusammen, um dieses Problem zu 
behandeln; Mitte Jänner 1928 bildete sich ein Verein von 200 Per- 
sonen aus allen Berufen und Parteien, um für den Gedanken der 
Reform im Sinne des Einheitsstaates zu wirken. In der Schweiz, wo 
der Kantönligeist herrscht, gibt es ebenfalls eine Bewegung zur größeren 
Vereinheitlichung der föderativen Verfassung, die auch dort eine 
sehr irrationelle, teure und komplizierte Verwaltung zur Folge hatte. 
In Österreich, dem Staate des »Länderismus«, ist von ähnlichen 
Reformbestrebungen noch wenig zu bemerken, obwohl auch hier 
die Verfassung eine irrationell teure Legislative und Exekutive be- 
wirkte, ja man hat höchst irrationellerweise ein Land sogar in zwei 
Länder (Wien und Niederösterreich) zerrissen. 
Die föderative Verfassung kompliziert, verteuert und verlangsamt 
den Gang der staatlichen Verwaltung; wogegen sich immer 
mehr Stimmen erheben. Reichsminister Dr. Stresemann: sprach 
Dresden, 31. Oktober 1927) davon, daß Deutschland »das Durch- 
einander und Nebeneinander der Behörden« nicht ertragen könne; 
der schroffe Gegensatz zwischen der Rationalisierung der Wirt- 
schaft und dem Zustande der Verwaltung beweise, daß die ein- 
geleitete Reform der Verwaltung gerechtfertigt ist. Es wurde nämlich 
von der Regierung eine Fachkommission eingesetzt, um den Leer- 
lauf zu beseitigen, der jetzt deshalb besteht, weil Reich, Länder 
und Gemeinden oft dieselben Materien bearbeiten; das »Doppel- 
geleise« in der Verwaltung muß, auch in Österreich, beseitigt werden. 
Die Tendenz zum möglichst einheitlich verwalteten Staat wird 
noch durch die große Finanznot verstärkt; auf dem deutschen 
Städtetage in Magdeburg (September 1927) sagte denn auch der 
Reichsfinanzminister selbst, daß »die unerträgliche Buntscheckigkeit« 
der Steuergesetzgebung abgebaut werden müsse; es gehe nicht an, 
über Sparsamkeit und Vereinfachung immer nur zu reden, jedem 
Versuche zur Tat aber entgegenzutreten; insbesondere tue eine 
sparsame Personalpolitik not. Auch die wirtschaftlichen Kreise 
Deutschlands befassen sich jetzt unausgesetzt mit der Rationali- 
sierung auch der Verwaltung. So verlangte der Verein deutscher 
Maschinbauanstalten (Versammlung am 17. April 1927) »die Ra- 
‘jonalisierung des Staates«, »rationelle Steuerpolitik« und »rationelle 
Verwaltungsreform«; der übertriebene Partikularismus wirke lähmend 
Kobatsch, Wirtschaftlichkeitsliehre.</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
