Der Trust gemeinschaften. Während aber das Kartell auf einem zeitlich be- schränkten Vertrage beruht, stellt der Trust eine dauernde Organisation in einer höheren Unternehmungsform dar. Das Kartell umfaßt ferner nur Konkurrenten in der gleichen Ware, so daß eine Unternehmung mehreren Kartellen angehören kann, während der Trust die Unter- nehmung ganz einbezieht, und zwar vereinigt er nicht bloß gleichartige (horizontale Konzentration), sondern auch sich ergänzende Unter- nehmungen. (vertikale Konzentration), für letztere Zusammenfassung gilt er sogar als besonders charakteristisch gegenüber den Kartellen, die Jediglich auf der horizontalen Konzentration aufgebaut sind. Die Formen für die Trusts sind verschieden und leicht veränderlich. Anfangs benützte man den board of trustees, ein aus sieben. bis neun Vertrauensmännern. gebildetes Kollegium, das von den Aktionären der zu vereinigenden Unternehmungen die Aktien übernahm und ihnen dafür Trustzertifikate ausfolgte, die zum Bezuge der Dividenden be- rechtigten. Später wurde die Form der Haltegesellschaft dazu benützt. Auch die Form der vollständigen Verschmelzung (Fusion) wird an- gewendet. Bei der Zusammenfassung muß übrigens nicht eine voll. ständige Eigentumsübertragung stattfinden, denn es genügt auch die Verpachtung einer Unternehmung an eine andere. In Deutschland ist für solche Zusammenfassungen mehrerer Unternehmungen zu einer nach innen oft vielfach gegliederten, nach außen aber geschlossenen Einheit der Ausdruck Konzern geworden. Das Hauptgebiet der Trusts sind die Vereinigten Staaten von Amerika geworden, und zwar aus mehrfachen Ursachen. Die Gründung von Trusts beansprucht Kapitalsummen, wie sie in außeramerikanischen Wirtschaftsgebieten für ein industrielles Unternehmen kaum aufzu- bringen sind; brauchte doch ein einziger Trust mehr Anlagekapital als sämtliche Aktiengesellschaften in Deutschland. Sie waren ferner ein willkommenes Mittel des Gründungsschwindels und dienten viel häufiger einem Bedürfnis der Spekulation als der Industrie. Ihre Ausschreitungen wurden wesentlich durch die anglosächsische Abneigung gegen jede Stärkung des staatlichen Einflusses im Wirtschaftsleben unterstützt. Eisenbahnen, Kanäle, Röhrenleitungen blieben ‚Privatgesellschaften überlassen, die den Trusts geheime Rabatte gewährten, ihren Mit- bewerbern dagegen allerlei Schwierigkeiten in der Verfrachtung bereiteten, Bodenschätze blieben völlig dem privaten Unternehmungsgeist aus- geliefert. Erst durch diese Verbindung mit Monopolsgegenständen erlangten die Trusts auch in der industriellen Arbeit eine Art Monopol- stellung. Dazu kam die große Bestechlichkeit in Verwaltung, Gerichts- barkeit und Presse. Die Bildung von Trusts ist eine Beschäftigung des Promoters, der die zu vereinigenden Unternehmer zu überreden hat, und dies natürlich am Jeichtesten dadurch bewirkt, daß er ihren