Die Wirkungen auf die Produktionskosten 59 Die Kartelle als die allgemeinsten Zusammenschlüsse der horizontalen Konzentration scheinen dem in der wirtschaftlichen Entwicklung be- g®ündeten Streben nach Senkung der Produktionskosten entgegenzu- arbeiten, denn es gibt wegen der Unterschiede des Standortes, der Bezugs- und Absatzverhältnisse und der Betriebsorganisation nicht zwei Unternehmungen, die mit denselben Kosten arbeiten, und die Kartellpolitik muß oft auf die Erhaltung auch der schwächsten Bedacht nehmen, Bei verschiedenen Kosten und gleichen Verkaufspreisen er- halten aber die stärkeren auch im Rahmen der Vereinbarung eine größere Gewinnmöglichkeit und diese veranlaßt sie, die schwächeren durch Fusion. oder Interessengemeinschaften sich anzugliedern und dadurch die eigene Beteiligungsquote im Kartell zu erhöhen. Die Beteiligungsquote gewinnt dadurch, daß sie von einem teurer arbeitenden Betrieb auf einen billiger arbeitenden Betrieb übertragen wird, an Wert und wird demgemäß als selbständiges Handelsobjekt bezahlt. Im rheinisch-westfälischen Kohlen. syndikat hat sich demgemäß die Zahl der Mitglieder rasch vermindert, die Beteiligungsziffer gerade der größten Gruppen aber stark vermehrt. Nicht zu übersehen ist freilich, daß die die Arbeitsteilung notwendiger- weise ergänzende Arbeitsvereinigung bei dem Zusammenwirken vieler Menschen in einer Organisation wieder Kosten verursacht. Bei einem einzelnen Unternehmer erfolgt die planmäßige Zusammenfassung der technischen und kommerziellen Teilvorgänge in seinem Kopfe, die Einheitlichkeit des Willens ist von vornherein gegeben, bei einem großen Stabe von leitenden Persönlichkeiten muß sie aber erst künstlich kon- strujert werden. Für die gemeinsame Willensbildung müssen eigene Organe, Ausschüsse, gebildet werden, in denen sich gerade tüchtige Persönlichkeiten leicht gegenseitig hemmen. Bei starker Zentralisierung müssen an die Stelle persönlicher Anordnungen allgemeine Dienst- vorschriften treten, die durch allzu große Schablonisierung allen Einzel- fällen nicht gerecht werden, gleichzeitig auch das Verantwortlichkeits- gefühl und Interesse der untergeordneten Leiter beträchtlich vermindern. Die Bureaukratisierung ist keine Eigentümlichkeit der Staatsverwaltung, sondern haftet auch privaten Unternehmungen an und wächst mit ihrer Größe, Bei weitgehender Dezentralisierung werden aber die Leiter der Betriebe und Abteilungen ihre Selbständigkeit betonen, woraus sich wieder innere Reibungen ergeben, die ein auf den Gesamterfolg abzielendes Zusammenarbeiten erschweren. Jede Organisation hat daher ein gewisses Optimum der Größe, über das hinaus ihre Kosten die Ersparnisse durch Arbeitsteilung überschreiten. Rein empirisch hat man für die heutigen Verhältnisse gefunden, daß dieses Optimum bei einem Betriebe, also der technischen Einheit jedes Konzerns, bei 1500 bis 3000, bei einem mehrere Betriebe umfassenden Konzern etwa bei 50 000 beschäftigten Arbeitern liegt.