6 Die Wirkungen auf die Arbeiter ferner können sich die Unternehmungen bei dem Wegfall jäher Preis- schwankungen mit einem geringeren Unternehmergewinn begnügen, weil er nur die Prämie für das Unternehmerrisiko bildet. Die Auswirkung dieser Ermäßigungen auf die Preise wird also nicht gehindert, weil keine Konzentration die Konkurrenz aufhebt, wenn sie nicht auf der natürlichen Seltenheit eines Produktes oder auf einem gesetzlichen Monopol auf- gebaut ist. 23. Die Wirkungen auf die Arbeiter Gelegentlich der deutschen Kartellenquete von 1905 und auch späterer Erörterungen wurde seitens der Unternehmer betont, daß die Kartelle eine Regelung des Arbeitsverhältnisses nicht kennen, hierin vielmehr den Mitgliedern vollkommen freie Hand lassen. Diese Be- hauptung wird von manchen Kartellschriftstellern nicht geglaubt, denn, so sagen sie, wenn auch die Statuten eine Behandlung von Arbeiter- fragen. nicht kennen, so liegt es doch nahe, daß sich die Teilnehmer bei ihren öfteren Zusammenkünften auch darüber verständigen. Utsch (Kartelle und. Arbeiter, S. 41) meint sogar, daß die Kartelle als die festeste Organisation die Aufgaben zu übernehmen hätten, welche heute die Arbeitgeberverbände erfüllen. Diese Meinungsdifferenzen haben ihre Ursache nur in einer Begriffsverwirrung. Eine direkte Beeinflussung des Arbeitsverhältnisses ist durch die Kartelle in der Regel nicht vor- gesehen und wird auch zweckmäßigerweise vermieden. In dem einen Falle handelt es sich um die Ware, um eine Angelegenheit des kauf- männischen Vertriebes, in dem anderen um eine Arbeitsleistung, um eine Angelegenheit des technischen Betriebes. Der Arbeitgeberverband ist auch kein gewöhnlicher Verein, sondern ein Kartell, aber ein solches über die Arbeitskräfte, gewöhnlich nicht fachlich, sondern territorial organisiert. Es läßt sich zwar psychologisch leicht erklären, daß die Einigung auf einem Gebiete auch eine solche auf einem anderen Gebiet regen und fördern. kann, die Scheidewand zwischen Kartell und Arbeit- geberverband bleibt aber aufrecht. Auf der anderen Seite muß aber eine indirekte Beeinflussung des Arbeitsverhältnisses durch die Kartelle zugegeben werden. Die unmittelbarste und wichtigste Folge der Kartellierung ist die Stetigkeit der Arbeitsgelegenheit. Zwar wurde eingewendet, daß die Entstehung eines Kartells oder Trusts nicht selten mit massenhaften Arbeiterentlassungen einsetzt. Diese sind aber nicht eine Folge der Konzentration, sondern eine Folge der Krise, die voraufgegangen ist. Sie hätten einmal unter allen Umständen vorgenommen werden müssen; je später, desto schlimmer. Das Kartell sucht sogar im eigensten Interesse die für die Arbeiter mildeste Form einer nur teilweisen, aber allgemeinen Produktionseinschränkung oder eines allmählichen Überganges, während