Einleitung. Die Moralistik ist derjenige Teil der Statistik, welcher die Jurch die Moral gegebenen oder von ihr bewirkten, faßbaren Geschehnisse des menschlichen Lebens summiert und in Ziffern zum Ausdruck bringt. Schon die ersten Vorläufer der modernen Moralstatistik haben von der Ausdrucksfähigkeit derselben eine sehr hohe Meinung gehabt. So außer Süßmilch und neben dem mehr be- schreibenden Fregier1 zumal auch Bernoulli? und Guerry®, welch letzterer bekanntlich gemeinhin als der zeitlich erste Begründer dieses Zweiges der Statistik betrachtet zu werden pflegt. Ein anderer Vorläufer der Moralstatistik, P. A. Dufau, meinte 1840, die Statistik habe den Zweck, Fragen zu lösen, 1 Als eines der wichtigsten, die Entstehung der Moralstatistik vorbereiten- jen Werke wäre das von H. A. Freögier (seines Zeichens Chef de Bureau ı la‘ Pröfecture de la Seine) 1838 veröffentlichte und vom Institut de France (cade&mie des Sciences Morales et Politiques) preisgekrönte Buch „Des Classes Dangereuses de la Population des grandes Villes‘“ zu nennen, in welchem außer den eigentlichen Verbrechern auch die Dirnen und les por- tions vicieuses de la classe ouvriere erfaßt werden. Der Begriff der Classes dangereuses (die gefährlichen Klassen) enthält natürlich ein moralisches Werturteil. ? Christoph Bernoulli, Handbuch der Ponulationistik, Ulm 1841. Stettin, S. 122. 3 „Considerant les idees, les sentiments, les facult6s d’esprit, non dans leur manifestation ext6rieure, et en tant qu'ils tombent sous V’obseryvation directe, cette science, ou plutöt cette methode d’exposition, s’applique & wous les faits de l’ordre moral et intellectuel, sans en excepler meme ceux qui se rapportent ä l’expression de la pensee“ (A. M. Guerry, Statistique Morale de l’Angleterre comparee avec la Statistique Morale de la France, Paris 1864, Bailliere, p. XLVII). Eine Statistik, welche Gedanken aus- zudrücken fähig ist, sie aber nicht in ihren ewig ungreifbaren Prinzipien arfassen kann, begreife und erfasse wer will! Michels, Sittlichkeit in Ziffern.