Statistische Vorfragen. früher als die Normalmädchen und die Prostituierten früher als die DiebinnenS. Bei der Frage der Geschlechtsreife muß hinsichtlich der Verwendbarkeit ihrer Daten für die Moralstatistik noch zweier- lei bemerkt werden: Für die Feststellung der ‚Zahl der gebär- fähigen Frauen in der Ehe ist natürlich das gesetzlich fest- gesetzte Mindestalter maßgebend. Dies ist aber in den einzelnen Ehegesetzgebungen den approximativen Durchschnittssätzen der entsprechenden Pubertätsjahre nach verschieden, woraus für jede vergleichende zwischenstaatliche Betrachtung der Resul- tate ein Fehleransatz entsteht. Zweitens ist, soweit die unehe- lichen Geburtenzahlen in Frage kommen, der Umfang der Ge- bärfähigkeit ob der erwähnten Schwankungen im Eintritt der Menstruation nicht absolut sicher erfaßbar, jedenfalls aber, da das gesetzlich fixierte Mindestalter für die Ehe aus naheliegen- den Schonungsgründen, wenigstens unter physiologischen Ge- sichtspunkten, eher zu hoch als zu niedrig gefaßt ist* und also eine gewisse Zahl gebärfähiger Mädchen ausschließt, größer, als es der Umfang der ehelichen Gebärfähigkeit ist. Allerdings gebärt — als Gegengewicht — die aus dem Geschlechtsverkehr ein Gewerbe machende weibliche Bevölkerungsschicht nur sehr spärlich 5. Es dürfte wenig bekannt sein, daß sozialistische An- hänger des Prinzips der freien Liebe sich gerade auf. diese Tat- 3 Cesare Lombroso e S. Ottolenghi,. La donna delinquente e la prostituta, im Giornale della Regia Accademia di Medicina (Torino), 189, No. g—10 (Abdruck S. 23). t So bemerkt schon Genovesi sehr verständig unter Zugrundelegung eines psychologischen Reifebegriffs: „La pubertä delle donne non pud essere prima de’ 17, n& quella de’ maschi prima de’ 20; perchö & da darsi tempo alle sviluppo del corpo e dell’ anima.“ (Antonio Genovesi: Lezioni di Com- mercio, vol. I, p. 112 [ed. Milano 1820].) 5 Spann fand unter den Frankfurter Prostituierten. nur sieben Mütter auf tausend (Othmar Spann, Die Lage und das Schicksal der unehelichen Kinder, Vorträge der Gehe-Stiftung zu Dresden, vol. I, 1909, Dresden, Teubner, S. 33). Das ist nicht viel. Außerdem wäre noch die Frage zu