Statistische Vorfragen. 17 Wichtig ist das ziffernmäßige Verhältnis zwischen der ge- schlechtsreifen und zeugungsfähigen männlichen Bevölkerung in einem Lande und der entsprechenden. unverheirateten (sowie geschiedenen und verwitweten) weiblichen Bevölkerung (denn die verheirateten Frauen eines Landes können bekanntlich zwar unehelich zeugen, aber nicht unehelich gebären !® und scheiden deshalb aus dieser Untersuchung aus). Insbesondere würde es sich natürlich auch beim männlichen Teil um die Gesamtzahl der zeugungsfähigen Ledigen handeln. Zwar dürfen auch die Ehemänner für die außereheliche Zeugung nicht ausgeschlossen werden. Sie sind umgekehrt zweifellos in ihr als Koeffizient reichlich enthalten. Im ganzen soll sogar der polygame Char rakter des Mannes beim Ehemann nicht weniger stark hervor- treten als beim Junggesellen. Ehrenfels meint, ein sittliches Ge- bot, etwa dahingehend, mit einem Weib im Leben nie mehr als einen Koitus auszuüben, würde einer von Kultur, Erziehung, moralischer Suggestion unbeeinflußten gesunden Natur des Mannes besser entsprechen und zu seiner Aufrechterhaltung vom Manne weniger Selbstüberwindung verlangen als das Ge- bot, den Koitus im Leben nur mit einem Weibe auszuführen, Diese Auffassung ist wohl etwas zugespitzt. Sie ergibt sich aus der Annahme von der Unbeständigkeit des menschlichen Wil- lens, wie sie ın den Worten Diderots ihren klassischen Ausdruck gefunden haben dürfte: „Ne vois-tu pas qu'on a confondu la chose qui n’a ni sensibilite, ni pensee, ni desir, ni volonte, qu'on quitte, qu’on prend, qu'on garde, qu’on change sans quelle souffre et sans qu'elle se plaigne, avec la chose qui ne s’echange point, ne s’acquiert point, qui a liberte, volonte, desir, qui peut se donner ou se refuser pour un moment, se donner OU se: ve- fuser pour toujours, qui se plaint et qui souffre, et qui ne 10 Vgl. p. 41 unseres Buches, U Christian von Ehrenfels, Sexuales Ober- und Unterbewußtsein, in der Politisch-Anthropologischen Revue, ı. Jahrg. (1902), S. 463. Michels, Sittlichkeit in Ziffern.