Prinzipielle Kritik der Unehelichkeitsstatistik. 67 zuzufügen‘“?9, Das geht schon aus dem Umstand hervor, daß das Durchschnittsalter der unehelich Erstgebärenden jünger ist als das der ehelich Gebärenden 8%, Darin liegt von vornherein für die unehelichen Mütter ein starkes Schuldminderungs- element, denn sie werden dadurch als die Unerfahrenen, bis- weilen sogar als die Idealkräftigeren gekennzeichnet. Sie haben vielfach ohne Gegenrechnung ihr Bestes preisgegeben, in Jugend- lichem Enthusiasmus und Idealismus. Sozialpsychologen haben beim Vergleich zwischen jungen unverheirateten und älteren verheirateten Arbeiterinnen ohnehin das Vorhandensein größerer seelischer und intellektueller Unterschiede zugunsten ersterer festgestellt 8. Daß Schlüsse aus der „Moralstatistik‘“ nicht ohne weiteres zulässig sind, ergibt ferner „schon der einfache Vorhalt, daß gerade die unmoralischsten Arten der Unzucht am wenigsten die Gefahr in sich tragen, zu einer Zeugung respektive Kon- zeption und Geburt zu führen‘, „Ein entwickeltes Prostitutions- wesen ist in der Lage, den außerehelichen Geschlechtsverkehr in gewisser Weise zu konzentrieren, während sonst derselbe vielfach Ursache unehelicher Geburten sein würde®?.““ Es ist wohl anzunehmen, daß auch eine große Zahl von Urningen wahrscheinlich nur eine sehr verringerte Zahl unehe- licher Geburten ergibt, ohne daß sie einen Beweis hoher Ge- schlechtssittlichkeit für das Volk, in dem sie sich vorfindet, dar- stellen dürfte. Zur Feststellung der Zahl der Urninge hat Hirschfeld zwei Methoden angewandt: erstens die der Stichproben und zweitens die der ausgesandten Fragebogen. Bei der ersteren hat er sich ?9 Ernst Engel, Das Königreich Sachsen, 1853, S. 76. 80 Vgl. p. 33 unseres Buches. 81 Clementina Black, Sweated Industry and the Minimum Waage, London 1907, Duckworth, p. 137; ganz ähnlich auch Collet, Educated Working Women, p. 46. 82 Friedrich Lindner, 1. e., S. 13.