Prinzipielle Kritik der Unehelichkeitsstatistik. 69 Ihnen noch verhältnismäßig fremd. Infolgedessen ereignet es sich bei ihnen viel öfter, daß sie uneheliche Kinder zur Welt bringen. Da die Engelmacherinnen auf dem Lande noch nicht so regelmäßig ihr schändliches Gewerbe ausüben, so wachsen die Kinder mutig und frisch heran%,“ Stimmen wie diese sind in der sozialwissenschaftlichen Literatur häufig genug. Wir möchten nur zwei unter ihnen noch anführen. So leitete Bulwer in England die Tatsache, daß die uneheliche Geburtenziffer in den Fabrikstädten weniger hoch sei als auf dem flachen Lande, nicht nur von der geringeren Tragfähigkeit und der schlech- teren Gesundheit der Fabrikarbeiterinnen ab, sondern machte auch die in diesen Kreisen üblichen künstlichen Aborte nach ungewollter Empfängnis mit dafür verantwortlich.und meinte, daß es folglich ein Trugschluß sei, etwa zu glauben, daß die Sexualmoral in den Fabrikstädten höher stehe als auf dem Lande 8. In einem französischen Bericht über den Unterschied des Verhaltens zwischen den vom Lande stammenden Dienst- mädchen und den aus der Stadt gebürtigen Arbeiterinnen heißt es: „La domestique, qui est une paysanne d’hier, encore mal degrossie et d’une intelligence trös möediocre, n’est pas au courant des pratiques abortives, ou bien elle n’ose pas y re- courir. L’ouvri&re, au contraire, plus maligne et plus os6e, comme elle tient a garder sa fine taille, s’en va trouver une faiseuse d’anges dont une de ses camarades d’atelier lui a communique l’adresse8.“ Wer demnach die Verminderung der unehelichen Natalität als einen Ausfluß vermehrter Sittlichkeit im Volke ansieht, wäre 8 Otto Mönkemöller, Korrektionsanstalt und Landarmenhaus, Leipzig 908, J. A. Barth, 5. 261£f£. 85 Edward Lytton Bulwer, England and the English, Paris 1836, Baudry, p. 83/84. — Für Jtalien ist das gleiche Phänomen von Paolo Locatelli (Miseria e Beneficenza, Milano. 1878, Dumolard, p. 204) be- irachtet worden. 8 Vernicres, p. 173.