84 Dritter Teil. Austria, Gaston d’Orleöans, der Marschall Moritz von Sachsen, Vendöme, waren entweder Kinder, oder doch Enkelkinder der freien Liebe, und so ebenfalls die Pompadour und die Zarin Anna von Rußland. Die Klugheit, die die Bastarde aus- zeichnet, wird (und vielleicht nicht ganz mit Unrecht) gewissen Elementen der Überlegenheit unehelicher über eheliche Zeu- gung zugeschrieben. Die natürlichen Kinder, oder wie sie der Volksmund nennt, die Kinder der Liebe, sind Geschöpfe einer natürlichen Wahlverwandtschaft der Eltern und entstehen sehr oft in sexueller Wohllust zweier junger Körper. Dagegen werden die legitimen Kinder der in der Kirche gesegneten und zivilamtlich registrierten Ehen, bei deren Zustandekommen die Liebe, wenn sie nicht überhaupt gar fehlte, so doch wenigstens sehr oft nur die letzte Stelle einnahm, häufig von einem alternden Manne und einer grießgrämigen und indo- lenten Frau zwischen Langeweile und Gähnen gezeugt. So ist es denn nicht verwunderlich, daß die Frucht der ersteren Liebes- art die der zweiten an Schönheit und Entwicklungsfähigkeit übertrifft11?7, Auch ein Teil der legitimierten Kinder dürfte ohne Zweifel zu den wertvollsten Kulturträgern eines Volkes gehören. „Ist es doch gerade sehr oft die starke geniale Persön- lichkeit, die sich durch die Institution der Ehe in ihrer Ent- wicklung gehemmt und zur Heuchelei verurteilt sieht und sich deshalb erst spät zu einer Legalisierung der Ehe entschließt. Wir wissen heute noch wenig von den unehelich gezeugten Nachkommen dieser Menschen; denn auch innerhalb der Fami- lien- und Stammbaumforschung ist die Gliederung der Nach- 17 „Gewiß gibt es unter den Unehelichen physisch und psychisch Ent- artete, aber nicht mehr als unter den Ehelichen. Dagegen ist die Lebens- kraft bei den Unehelichen, da sie meist aus innigem Liebesverkehr hervor- gehen und ihre Eltern in der Blüte der Jahre stehen, durchweg robuster als bei den Ehelichen.“ (Otto Rühle, Das proletarische Kind, München 1911, Langen, S. 68.)