188 Vierter Teil, Helden harren und ihnen inzwischen Siegeskränze winden. Im amerikanischen Sezessionskrieg befahl der nordamerika- nische General Butler in New Orleans, daß, falls Frauen und. Mädchen für seine Soldaten Verachtung an den Tag legen oder gar sie beschimpfen sollten, sie als Prostituierte zu behandeln seien. Die Soldaten waren anständiger als ihr Vor- gesetzter und befolgten, wie berichtet wird, den Rat nicht. Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 haben die deutschen Vaterlandsretter mit französischen Kokotten phallische Feste gefeiert®%. Gleichzeitig rauften sich die französischen Soldaten mit den ihnen aus Italien zu Hilfe geeilten Garibaldianern in den Bordellen von Dijon und rächten die italienischen Offiziere durch zahlreiche Verführung französischer Bürgerfrauen die italienischen Ehemänner, deren Frauen nach Magenta und Sol- ferino 1859 den französischen Alliierten um den Hals gefallen waren ®1, Gegen diese Übelstände gibt es außer dem modernen nationalen Etappenbordellsystem oder doch Etappenhurenwesen nur den nie völlig durchgeführten und heute unmöglichen Ver- such, den Napoleon anstellte, als er den Frauen und Bräuten seiner Krieger die Bildung einer Art von Troß gestattete®?. Im Weltkriege konnte wahrgenommen werden, wie die alten Gebräuche einer reglementierten Unzucht wieder aufgenommen 59 Calhoun, vol. II, p. 3972. 50 Das geht aus den Tagebüchern deutscher Offiziere im Feldzug 1870 zur Genüge hervor (z. B. von Hans von Kretschmann, Kriegsbriefe aus den Jahren 1870/71, ı2. Aufl., Berlin 1911, Meyer & Jessen, S, 332, 335 usw.) und wird auch von französischer Seite, für welche dieses Phänomen sicherlich nicht ehrenvoller ist, zugegeben (siehe z. B. die Szene in Mille Fifi von Guy de Maupassant [Neudruck Paris 1907], Ollendorff), 51 Siehe die Memoiren von Ettore Socci, Da Firenze a Digione, Im- pressioni di un Reduce Garibaldino, Firenze 1897, Paggi, p. 76ff., 257. 62 „Beaucoup de femmes d’officiers suivent l’Arm&e, dont la modeste fortune (des officiers) ne permet pas d’entretenir deux menages.“ (Elz6ar Blaze, La vie militaire sous VEmpire, ou Meurs de la garnison, du bi- vouac et de la caserne, Paris 1837, vol. I, p. 116.)