Der Ausgleichsmechanismus des Devisenmarkts (internationales Zahlungs-Clearing) 15 zision für — devisentechnisch gesprochen — exotische und halbexotische Länder geringer als für den Zahlungsverkehr Berlin—London—New York—Paris usw. „Die Nutzanwendung dieser Erscheinung für unsere Frage besteht in folgen- dem: Denkt man sich Berlin als den Mittelpunkt des Globus, so ergeben die von Berlin aus nach allen Devisenplätzen gezogenen Linien einen Stern, dessen einzelne Strahlen je einem Wechselkurs entsprechen; die einzelnen Wechselkurse stehen verschieden hoch oder tief, auf, unter oder über der Parität, je nach der Marktlage für die betreffende Devisensorte. In ihrer Gesamtheit spiegelt sich der Gesamtstand der deutschen Zahlungsbilanz, soweit sie an dem betreffenden Börsen- tage zur Regulierung an den Markt kommt, und insoweit korrespondiert die Er- scheinung mit der kontenmäßigen Zusammenstellung der deutschen Zahlungs- bilanz auf Seite 91), Eine vierte und besonders wichtige Einzelheit bezieht sich auf den Ver- lauf der Wechselkurse bei normalen wirtschaftlichen Verhältnissen. Eingehende Untersuchungen der wichtigen Wechselkurse Berlin—London und Berlin—Paris, je für vier Jahre, ergaben für die Vorkriegszeit eine starke Abhängigkeit der Wechselkurse von den internationalen Zinssätzen. War gestern z. B. der Zins sowohl in Berlin wie in London 4% und steigt heute der Zins in London auf 41/4 0%, während er in Berlin unverändert 4% bleibt oder gar auf 334 % zurückgeht, so ist Geld in London wertvoller als in Berlin. Infolgedessen neigen deutsche Geld- geber dazu, ihr Geld in London statt in Berlin anzulegen. Sie kaufen z. B. Aus- zahlung London und verleihen den auszuzahlenden Betrag in London zu 414%. Da viele Geldgeber dieses Verfahren wählen, entsteht eine relativ starke Nach- irage nach Pfunden, der Pfundkurs steigt. Liegen die Geldmarktverhältnisse umge- kehrt, z. B. Zins in Berlin steigt auf 41/2%o, Zins in London fällt auf 37/4 %, so erfolgen privatwirtschaftliche „Geldverschiebungen‘“ von London nach Berlin. Lon- doner Banken treten als Käufer für Markwechsel bzw. Markguthaben auf, die Mark steigt durch die relativ verstärkte Nachfrage in London und in der Konse- quenz fällt der Pfundkurs in Berlin. Der Pfundkurs in Berlin fällt auch deshalb, weil gleichzeitig deutsche Besitzer von Pfundguthaben diese wegen der gefallenen Verzinsung auf den Berliner Markt werfen, sodaß ein relativ verstärktes Angebot von Pfunden in Berlin eintritt und deren Kurs drückt. Nach unseren bisherigen Dar- legungen ist es selbstverständlich, daß der Zahlungsbilanz-Saldo durch solche „Geldverschiebungen‘“ nicht verändert wird, ‚Das Reagieren der Wechselkurse auf die Zinsdifferenzen ist außerordentlich präzis. In den oben erwähnten Untersuchungen?) wurden die täglichen Differen- zen zwischen dem Berliner Privatdiskont und dem Londoner bzw. Pariser Privat- jiskont als Linien gezeichnet, z. B. London über bzw. unter Berliner Privatdiskont am 8. 9. 10. 11. 12. Februar Zinsdifferenz A 1, A 31 SP — 1, —8/. Prozent, 1) Man kann aber nicht ohne weiteres den Durchschnitt aller deutschen Wechsel- kurse als maßgeblich für den Stand der deutschen Zahlungsbilanz ansehen, da für jedes Land ein solcher Stern mit eigener Zahlungsbilanz-Gesetzlichkeit zu denken ist; ınsofern Mußte der seinerzeit von Schär (Zahlungsbilanz und Diskont, Berlin 1908) unternommene Versuch, die deutsche Zahlungsbilanz aus den Wechselkursen zu berechnen und für speku- lative Zwecke zu verwenden, scheitern, zumal über dem Globus.ein weiteres Dreiecksnetz zu denken ist, das aus den Diskontdifferenzen der Devisenplätze untereinander besteht, Siehe darüber den nächsten Abschnitt. ?) Schmalenbach, Der Kurs des Pfund-Sterling, Zeitschrift f. Handelswissenschaftl. Forschung Bd. I, S. 243 ff... Mahlberg, Der Kurs des Frankenwechsels a. a. O0. S. 401 ff.