Der Bartransfer eine Fiktion. 47 Verfügung gestellt, und von da aus erfolgen seine Überweisungen an das Ausland bzw. seine Zahlungen in Deutschland für unsere Sachlieferungen und sonstigen Lei- stungen. Wenn der Reparationsagent von seinem Konto bei der Reichsbank seine Zah- lungen ins Ausland tätigt, so bedeutet das grundsätzlich, daß er bzw. die Reichs- bank als sein Helfer in den Abrechnungsverkehr des internationalen Devisenmarktes eintreten, wie er durch die Hlustration 2 und 3 (s. S. 8 und S. 9) dargestellt wurde. Die dort bereits verzeichnete Reichsbank tritt für ihren „Großkunden“, den Reparationsagenten, als Nachfrage nach Devisen auf und zahlt dafür die bei ihr von dem Großkunden aufgespeicherte Reichsmark. Die Devisenbeschaffung durch die Reichsbank erfolgt auf drei Wegen: 4 1. sie stellt eigene Bestände zur Verfügung, welche sie angesammelt oder all- mählich aus dem Markt genommen hat; 2. sie kauft im Zeitpunkt fälliger Reparations-Überweisungen ins Ausland die Bestände dritter inländischer Banken; 3 sie beschafft sich Devisen durch Kreierung von Guthaben im Ausland, indem sie sich bei ausländischen Banken Trassierungs-Kredite einräumen 1äßt. Diesen letzteren Weg schlägt nicht nur die Reichsbank ein, sondern alle deutschen Banken, welche dazu irgendwie in der Lage sind, lassen sich von ihren wuslän« dischen Geschäftsfreunden solche Kredite einräumen und stellen deren Gehalt der Reichsbank zur Verfügung. Darüber hinaus beteiligen sich auch ausländische Banken an diesem Geschäft — nehmen wir als Beispiel holländische Banken —, welche etwa in ihrem eigenen Land, also z. B. in Holland, der Reichsbank oder anderen deutschen Banken keine Kredite zur Verfügung stellen können, aber in England, den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika usw. als kreditwürdig gelten, sodaß man ihnen dort Trassierungskredite einräumt, deren Gehalt sie dann mit einem Zwischengewinn bzw. Zinsaufschlag an deutsche Freunde verkaufen. Sie nehmen also eine Delcredere-Hilfs- oder Zwischenstellung ein, d. h. sie leihen uns ihr Kreditansehen in andern Ländern, Selbstredend beteiligen sich alle Banken des In- und Auslandes gern an diesem Geschäft, denn es handelt sich um ganz unge- wöhnlich große Umsätze und eine sehr bequeme Verdienstmöglichkeit, wie es wohl am deutlichsten das vorstehend für Holland angenommene Beispiel zeigt, das mit geringfügiger Korrespondenzarbeit und einigen Kabelspesen große Provisio- nen und Zwischenzinsen verdienen läßt, Die auf diese Weise „beschafften Devisen‘ stellt die Reichsbank dem Repa- rationsagenten zur Verfügung, der das Verfügungsrecht an die Staatskassen der Reparationsgläubiger weiterleitet und die Reichsbank ans seinem Konto bei ihr „bar bezahlt‘. Das Resultat dieser für die Weltwirtschaftsgeschichte ganz ungewöhnlich großen Finanztransaktionen ist folgendes: Il. Bei formeller, juristischer, privatwirtschaftlicher Be- trachtung: die im Augenblick fällig gewesene bzw. zu transferierende Repara- tionsschuld ist bar ins Ausland überführt worden. Das durch Steuer- usw. Zah- jungen beim Reparationsagenten angesammelte deutsche Geld ist der deutschen Wirtschaft als Zahlung für die hergegebenen Devisen zur Verfügung gestellt wor- den... In deutschen Hauptbüchern sind zahlreiche Passiv- Posten zugun- sten ausländischer Geschäftsfreunde entstanden, deren Gesamtsumme bis dahin als Passivposten in deutschen Hauptbüchern zugunsten des Reparationsagenten standen. In ausländischen Hauptbüchern sind zahlreiche Aktiv-Posten zu- Jasten deutscher Geschäftsfreunde entstanden; es werden daran Zinsen verdient.