Weltwirtschaftliche Grundlagen einer deutschen Reparationspolitik, 93 punkt, daß nennenswerte Importüberschüsse, durch welche die Entente Reparations- abgaben erhalten könne, nicht zu erwarten sind, und also der status quo der Arbeitsteilung unter den Völkern der Weltwirtschaft nicht wesentlich sich verändern werde, auch nicht durch die Reparationen, Eine Schlußbetrachtung muß der Möglichkeit gelten, daß es zu starken Export- überschüssen Deutschlands kommt. Es muß nicht dahin kommen, denn es ist durchaus möglich, daß sich die großen Kapitalinvestierungen der nächsten Ver- gangenheit und Zukunft so in den Kreislauf der deutschen Wirtschaft einpassen, daß letzterer so viel oder so wenig Autarkie ist, wie es Deutschland bis jetzt war. Kommt es aber zu stärkerer Ausfuhr, so bedeutet das Ausdehnung unseres Geschäfts- radius, Steigerung unseres volkswirtschaftlichen Umsatzes; unser Geschäft wird arfreulicherweise größer. War vorher der Zustand starker Überiremdung deutscher Wirtschaftsteile für uns micht drückend, wie wir gezeigt haben, so kann er dadurch, laß sich unser Geschäft hebt, erst recht nicht drückend werden. War vorher der Zustand starker Überfremdung nicht drückend, so kann er uns auch dann nicht drücken, wenn nunmehr die uns durch den Exportüberschuß entstehenden Kapital- rechte im Ausland gegen die Kapitalrechte des Auslandes im Inlande kompensiert werden, Mit dieser Beweisführung haben wir nicht etwa die Volte geschlagen, sondern hier zeigt sich das innerste Wesen des Kapitals. Wir sind. im wesentlichen nur an dem Rundlaufen der durch die Reparations- investierung entstehenden wirtschaftlichen Betriebsapparatur in Deutschland inter- essiert, daran daß es rentable Anlagen sind. Daß die Eigentümer Ausländer sind, stört uns nur kulturell, wirtschaftlich dagegen, wie wir ausführlich gezeigt haben, nicht. Es sind relativ wenige Personen, die auf Grund der Rente mit ernährt werden müssen — die meisten „verdienen‘‘ ja außerdem ihre Ernährung durch weitere Mit- arbeit —, und dieses „Minus‘ wird mehr als wettgemacht dadurch, daß ihr Kapital den unverzehrbaren, Ifruchttragenden Betriebsapparat erstellt hat. Tritt nun eine an sich erfreuliche Umsatzsteigerung durch Exportvermehrung auf, so entstehen neue Kapitalien, die aktiv im Ausland angelegt sind. Deren Eigentümer, über deren „Mit- ernährung‘ wieder das Vorstehende gilt, sitzen in Deutschland, Durch Kompensation von deren Eigentumsrechten mit den aus Reparationszahlungen entstandenen ergibt sich kein Nachteil für Deutschland, denn dann brauchte man ja die Kompensation nicht vorzunehmen und nur den status quo ante aufrecht zu erhalten. Es entsteht im Gegenteil ein Vorteil, weil im Ausmaß der Exportüberschüsse die oben erwähnten kulturellen Störungen fortfallen, ohne daß dadurch die Rentabilität unseres Wirt- schaftskreislaufes verschlechtert würde, im Gegenteil, sie dürfte verbessert werden. Das ist in der Tat eine Schlußfolgerung, die allen herkömmlichen Auffassungen widerspricht und sich darauf gründet, daß die Personen, welche das große Kapital besitzen, bzw. ihr Konsum für den wirtschaftlichen Kreislauf im wesentlichen eine quantitee negligeable sind im Gegensatz zum kleinen Kapital von Handwerkern, Bauern, mittleren Betrieben. Und noch etwas darf als Schlußfolgerung aus dem Wesen des Kapitals hinzu- gefügt werden über die Sinnlosigkeit der Reparationen für die Entente. Das Kapital ist unverzehrbar. Wer deutsche Forderungsrechte aus der Reparationszahlung er- werben will, muß immer schon vorher das nötige Kapital besitzen. Die besitzlosen Klassen in den Entente-Staaten, denen. man goldne Zeiten durch die Tributzahlungen versprochen hat, werden nicht in den Besitz oder Genuß der deutschen Titel ge- jangen. Immer nur sind es „Kapitalisten“, die das Eigentum an den deutschen Lei- stungen erwerben können. Die besitzlosen Klassen werden mit dem Steuererlaß