34 1 Die Sabotage der Reparationszahlung durch den Mechanismus der Weltwirtschaft, betrogen, denn aus der Geldentwertung entstehen Störungen in der Wirtschaft der Entente-Länder, welche die arbeitende Bevölkerung als Arbeitslosigkeit, Senkung des Reallohns usw. auszubaden hat, während die Welt in ihrem instinktiven Drang nach Reparierung der Kriegsmißwirtschaft ohne Tribute viel blühender in den zehn Jahren seit Kriegsschluß emporgewachsen wäre. Hier ist die Stelle, wo noch einmal an die von Schultzel) hervorgehobene Folge zu großen ausländischen Kapital- besitzes für das Rentnerland erinnert. werden. darf. Wie König Midas im Golde er- stickte, so werden die französischen, englischen usw. Arbeiterscharen, die es nicht zu Kapitalbesitz und damit einem Anteil an den deutschen Tributzahlungen bringen, dadurch ungeheuer geschädigt, daß die führenden wirtschaftlichen Schichten ihres Landes „ihrer ausländischen Rente leben‘“ und nicht ihre Fähigkeiten und Kapi- talien im Inland einsetzen, um als Unternehmer den Lebensspielraum der nicht- führenden Schichten zu vergrößern. Daran schließt sich eine andere Folge der Reparationen für die nicht-besitzen- den Schichten in England, Frankreich, Belgien usw, Das ist die Erscheinung, daß lie Einwohner dieser Länder nach dem Verteilungsschlüssel ihrer sonst not- wendigen Steuerzahlung an dem formellen Genuß der deutschen Tribute teilnehmen, Der Verteilungsschlüssel ist so eingerichtet, daß schwache Schultern wenig, starke lagegen mehr Steuern zu zahlen hätten, wenn nicht die Deutschen einen großen Teil der Staatsbedürfnisse dieser Länder zwangsweise decken müßten. Der Vertei- lungsschlüssel wirkt nunmehr umgekehrt: schwache Schultern brauchen nur kleine Steuerbeträge nicht zu bezahlen, sparen also nur kleine Summen, die ihnen außerdem durch inflationsartige Preiserhöhungen ohne weiteres wieder aus der Hand genommen werden, während starke Schultern große Beträge an Steuern nicht zu bezahlen brauchen und mithin große Summen wirklich ersparen. Die Re- parationen wirken mithin auchunter diesem Gesichtspunkt völlig unsozial in den Empfangsländern, Bevor wir die Grundlinien einer weltwirtschaftlich fundierten Reparations- politik zu skizzieren versuchen, darf darauf hingewiesen werden, daß wir mit unserer vom Herkömmlichen abweichenden Meinung nicht völlig isoliert dastehen. An- klänge an unsere Meinung, zum Teil ähnliche Formulierungen finden sich bei Susat?) und bei Sulzbach®?). Was ihnen zur vollen Erfassung des Tatbestandes fehlt, ist vor allem die Erkenntnis, daß Kapital „sozialisiertes und unverzehrbares Eigentum‘ ist. Hätten sie diese Tatsache und deren ungeheure Konsequenzen mit berücksichtigt, so würden sie vermutlich zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sein, wie sie hier dargestellt wurden. Eine Auseinandersetzung mit ihnen im Einzelnen erübrigt daher, Ebenso ist der nationalökonomische Kollege Röpke-Jena%) zu nennen, der unter vielem anderen Erfreulichen folgendes ausführt: „Um die Ketzerei auf die Spitze zu treiben, fügen wir hinzu, daß auch der reguläre Fall ler Kapitalbildung innerhalb einer Volkswirtschaft — ohne Rücksicht auf eine geographische Trennung von Kapitalgebern und Kapitalnehmern — sich nicht im Geringsten von dem Fall der Auslandskredite unterscheidet.‘ Er sieht im übrigen 1) a. a. 0. S. 45; s. unsere Ausführung auf S. 83, 2) Susat, Zahlungsbilanz, Handelsbilanz und Auslandskredit, Kölnische Zeitung v, 30. 8. 25, ferner Susat, Über die Beziehung zwischen Außenhandel und Volkswohlstand, Vorträge des weltwirtschaftlichen Instituts Kiel, Gustav Fischer, Jena 1927. %) Dr. Walter Sulzbach, Frankfurt-Main, Zum Transferproblem: Die Bedeutung der Währungsverbände und Zollverbände, Der Deutsche Volkswirt 1927 Nr. 38 S. 1193, *) Röpke, Investitionskonjunktur und Konsumkonjunktur, Industrie- und Handelszeitung vr. 9. 3. 28: ferner erschienen in Heft 6 der Zeitschrift Maschinenbau.