wertung des Menschen nach äußerlichen Gesichtspunkten erkennen. Das Frontsoldatentum erhob bald das sichtbare Maß staatsbürgerlicher Pflichterfüllung zum Wertmesser in der Beurteilung des Menschen. Die staatsbürgerliche Pflichterfüllung bestand in Frontkamerad⸗ schaft, Mut, Tapferkeit und opferfreudiger Hingabe für das Vaterland. An diesem greifbaren Prüfstein des Wertes brach sich die bürgerliche Ordnung, die nach Herkunft und Besitz unterschied. So erwuchs dem Frontsoldaten die Forderung nach der Erhöhung des Einzelnen auf Grund seiner Leistung im Gegensatz zur Erhöhung auf Grund eines Erbes. Im Verfolg des Hineinlebens in die Frontkameradschaft lernte er das Standesmenschentum ablehnen, das Charaktermenschentum aber anstreben. Dem Frontsoldaten wurde seine Frontkameradschaft zum Sinnbilb einer besseren Lebensordnung. Um so mehr erwuchs ihm die Abneigung gegen die vorhandene bürgerliche Gesellschaftsordnung seines Volkes. Das Frontgeschlecht lernte erkennen, daß es eine höhere Bindung unter bden Gliedern einer Nation gibt als tene, welche die vorhandene Ordnung in den Vordergrund stellt. Es erkannte die Größe und die Kraft der schicksalverbundenen Gemeinschaft, deren Bande stärker sind als die durch Stand, Klasse oder Interesse geflochtenen. Der Frontsoldat lernte erkennen, daß die Lauterkeit der Front⸗ kameradschaft die Quelle völkischer Kraft und der Born soldatischer Tugenden ist. Diese Erkenntnisse sind dem Frontgeschlecht gefühlsmäßig zum Untergrund seiner Forderungen für die Neuordnung von Volk und Staat geworden. Es fordert in der Fortsetzung der Frontkameradschaft die Gemeinschaft der Schicksalsverbundenen als das neue Fundament der Einheit. Auf diesem neuen Fundament will es den neuen Bau bes Staates errichtet sehen. Alle diese Forderungen stehen im Gegensatz zu der morschen Ordnung unserer Z8eit. Darum macht die Fort⸗ entwicklung des Fronterlebnisses das Frontgeschlecht zum Träger der Revolutiondes 20. Jahrhunderts.