—DNX — — — — Der Führer im Staate, der Landesherr, war nicht mehr der Schirmherr seiner Lehensmannen. Er wurde zum Besitzer von Land und Leuten nach römischem Recht. Mit dieser Wandlung in der Auf— fassung verschwand die Gebundenheit an die sittlichen Pflichten des Führeramtes. Land und Leute wurden zur Materie erbberechtigter Be⸗ sitzer. Der Fluch dieser Tat wandte sich gegen das Kaisertum selbst. Die Fürsten trachteten nicht nur danach, ihre Erbgüter durch Heiraten und Kriege zu vermehren, sondern auch die Oberhoheit der Kaiser⸗ gewalt abzuschütteln. Endlose Kriege zwischen den Fürsten und dem Naiser endeten mit dem Westfälischen Frieden, der zu Münster am 24. November 1648 geschlossen wurde. Er gab den Fürsten das Recht, Bündnisse unter sich und mit dem Auslande zu schließen. Die Lehensoberhoheit des Kaisers wurde beseitigt. Die Fürsten wurden Souveräne ihrer Länder. Damit war das Reich in Wirklichkeit zer⸗ stört. Es führte bis zu seiner endgültigen Auflösung in der napoleoni— schen Zeit nur noch ein Schattendasein. Der letzte Rest von Reichsmacht ging in den selbstsüchtigen hausmachtpolitischen Kämpfen der Fürsten gegeneinander zugrunde. Die Regierungsform der Landesherren schaltete allmählich alle Rechte des Volkes aus. Der Absolutismus hielt seinen Einzug. Recht und Freiheit verschwanden. Im Jahre 1806 löste der deutsche Kaiser Franz II. von Habsburg das Reich nach eigenem Ermessen auf. Er versuchte, für diese Tat vom Kaiser Napoleon noch einen Vorteil für seine Hausmacht heraus— zuschlagen. Er betrachtete die Kaiserkrone also nicht anders als einen Gegenstand, der ihm gehörte und den er verhandeln konnte. Mit dieser Tat endete das deutsche Kaisertum, welches, jahrhundertelang an die Familie Habsburg erblich gebunden, die ganze Tragikeiner völkischen Ordnung versinnbildlicht, derzufolge ein ganzes Volk an die Niedergangserscheinungen eines einzigen Ge— schlechtes gefesselt ist. Jahrhunderte der erbdynastischen Bindung des deutschen Volkes an die Familie Habsburg sind Jahrhunderte der Schmach, der Ohnmacht und der Erniedrigung. Das 19. Jahrhundert stürzte in Frankreich die absolute Herrschaft der Dynastie. In Deutschland brachte es einen 14