A 7 Das Bürgertum verlor seinen Kampf an die Reaktion der fürst— lichen Obrigkeitsregierung. Der Vater des Kampfes gegen die Frei— heitsbewegung war der Führer der höfischen Politik, Metternich. Unter seiner Führung wurde die Freiheitsbewegung mit Gewalt nieder— geschlagen. Auch nachfolgende Kämpfe führten nicht zum Erfolge. Die Niederlage erstickte den kämpferischen Willen im gebildeten Bürger— tum, besonders in der akademischen Jugend. An Stelle des alten Kampfwillens traten Müdigkeit und stumpfe Ergebenheit. Der auf— blühende Wohlstand brachte Verflachung. Die Gründung des zweiten Reiches durch siegreiche Kriege führte den Offizierstand des Volksheeres an die Spitze der bürgerlichen Ordnung. Unter der Führung Kaiser Wilhelms J. gewann er eine im ganzen Volke führende Stellung. Der alte Kaiser stellte ihn bewußt dem um sich greifenden Luxus und Wohlleben entgegen. Er erzog ihn zu der Einsicht der Höherbewertung ideeller Güter gegenüber dem materiellen Besitz. Der Offizierstand war jedoch nicht in der Lage, das Erbe der Ver— gangenheit des Bürgertums fortzusetzen. Seine einseitige militärische Bildung verhinderte ihn an der geistigen Entfaltung. Seine Bindung an die Obrigkeit verbot ihm die Teilnahme am Kampf für die staats— bürgerliche Entwicklung. Seine immer mehr um sich greifende Zurück— gezogenheit ließ ihn die durch würdiges Beispiel gewonnene Stellung im Volke wieder verlieren. Der durch die Entwicklung des deutschen Offizierstandes vom ganzen Volke geschaffene Typ wurde zum Sinnbild gehobener Stände. Damit schied er als führender Typ werdenden Staatsbürgertums aus. Er blieb nur führend für das höherstehende Bürgertum. Er riß diesen Teil des Bürgertums an sich und riß ihn von dem übrigen Teile des Bürgertums und des Volkes ab. Lurus und Wohlleben Der Wohlstand des Bismarckreiches mehrte in erster Linie den Besitz des Bürgertums. Mit dieser Mehrung des Besitzes griffen Luxus und Wohlleben um sich. Dies traf das Bürgertum um so verderb— licher, da es ohnehin schon auf dem Wege der Verflachung und Willensentäußerung war. — ——