F In den parteiistischen Wahlen ist eine Möglichkeit dieser Prüfung in jeder Beziehung ausgeschlossen. Das Wesentliche an der ganzen Wahl wird der Wahlvorschlag. In Wirklichkeit bestimmen also nicht diejenigen, die das Wahlrecht besitzen, sondern die, welche den Wählermassen den fertigen Wahlvorschlag vorlegen. Der Wahlvorschlag erfolgt in Form der Aufstellung einer Liste von Abgeordneten. Die Masse der Wähler ist nicht in der Lage, die Aufstellung dieser Liste zu beeinflussen. Sie wird in der Dunkelkammer der führenden Parteiclique verfertigt. Da aber die Besitzer der Geldmittel in der Parteiclique einen ausschlag— gebenden Einfluß haben, werden sie nur solche Namen auf der Liste dulden, welche ihnen die Gewähr bieten, daß ihre Interessen vertreten werden. Damit hat also der Besitzer des Privatunternehmens Partei auch die Möglichkeit, die Abgeordnetensitze zu verteilen. Zum aller⸗ mindesten hat er auf die Verteilung einen maßgebenden Einfluß. Die Erfahrung zeigt, daß in der Aufstellung der Abgeordnetenlisten der Krisenpunkt des Parteiwesens liegt. Die Vorbedingung für den Erfolg der Liste ist auch hier wieder der Einsatz der notwendigen Geldmittel für Propaganda und Agitation. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Geldgeber der Partei diese notwendigen Geldmittel erst dann zur Verfügung stellen, wenn die Liste der Abgeord— neten ihren Wünschen entspricht. Die vorherige Verpflichtung der Abgeordneten auf eine bestimmte Politik und die nachherige Genehmigung der Liste durch die Geldherren der Partei ist das nächste Entwicklungsstadium der Plutokratisierung. So ist also die Wahl zu einer vollkommenen Scheinhandlung herabgewürdigt. Sie besteht nur deshalb noch, weil man sich scheut, die Diktatur der Parteiclique offen einzugestehen. Für den Fall, daß es selbst unter diesen Verhältnissen nicht gelingt, den Wählern die Wahl einer bestimmten Persönlichkeit aufzuzwingen, hat sich das Varteiwesen noch durch die Reichsliste gesichert. Nach dieser Einrichtung ist es möglich, die Wahl von Persönlichkeiten durchzusetzen, welche selbst bei bester Propaganda nicht in der Lage wären, die not- wendige Anzahl von Stimmen innerhalbeines Wahl— kreises auf sich zu vereinigen. 70