—W — angegriffen. In Wirklichkeit muß man vom deutschen Standpunkte aus dem alten Reiche einen ganz anderen Vorwurf machen. Dieser be— steht darin, daß es nicht verstanden hat, das Volk von der Notwendig— keit seiner Wehrkraft im geeigneten Maße zu überzeugen. Während die Feinde mit allen Mitteln auf den Weltkrieg rüsteten, war die deutsche Wehrkraft im Augenblick der Entscheidung nicht im ent— ferntesten so weit entwickelt, daß bei der ungeheuer ungünstigen Lage Deutschlands die Sicherheit der Grenzen gewährleistet war. Das Versailler Diktat hat Deutschland vollends entwaffnet. In— mitten waffenstrotzender Nachbarn steht das Deutsche Reich ohne jeden Schutz da. Die Bestimmungen des Versailler Diktates nehmen jede Möglichkeit, eine Landesverteidigung zu unterhalten, welche auch nur im entferntesten das deutsche Gebiet sichern könnte. Deutschland ist noch nicht einmal in der Lage, seine Neutralität zu wahren, falls neue européische Zusammenstöße erfolgen. Pazifismus unod Friedensliebe Trotz dieser ungeheuren Gefahr bekennen sich weite Kreise in Deutschland zum Pazifismus. An sich ist diese Bewegung für ein Volk erklärlich, welches nach vierjährigem Kampf die furchtbaren Lasten einer Niederlage tragen muß. Die innerdeutschen Kämpfe spielen sich zum großen Teil um die Frage: Für oder wider den Pazifismus ab. Während ein Teil des Volkes die Notwendigkeit der Wehrkraft verneint, erscheint sie dem anderen Volks— teile als die Grundlage jeder nationalen Selbst— behauptung. Der Pazifismus, wie er von den pazifistischen Extremisten ge— lehrt wird, stellt sich auf den Standpunkt der Verneinung jedes Krieges. Die Verfechter dieser Ansicht gehen von der Überzeugung aus, daß die Entwicklung der Menschheit darauf hindränge, jede kriegerische Auseinandersetzung unmöglich zu machen. Um diese Ent— wicklung zu beschleunigen, fordern sie vom deutschen Volk, daß es mit sich selbst den Anfang zu dieser neuen Entwicklung machen soll. Ihr Losungswort lautet: Die allgemeine Abrüstung liegt in der 152