Vorwort des Herausgebers. hundert alt ist, .bis auf die neueste Zeit fortführen und ergänzen. Es ist kein Zweifel, daß das Buch an Brauchbarkeit durch solche Noten sehr gewinnen würde, auch schreien manche Stellen geradezu nach einer Fortsetzung und Ergänzung. .Ich hegte denn auch die Absicht, wie schon Engels vor mir getan, ergänzende Noten zu geben. Ich hatte damit. bereits. begonnen, kam aber von meinem Vorhaben wieder ab. XXVI Diese Noten wären sehr einfach dort, wo die neueren Verhält- nisse eine bloße Fortsetzung der von Marx geschilderten sind. Aber in dem halben Jahrhundert, das seitdem verflossen, sind die mannig- fachsten Aenderungen eingetreten. England hat sein Industrie- monopol verloren, es wird immer mehr von Deutschland und den Vereinigten Staaten überflügelt. Die herrschende Rolle der Textil- industrie hat aufgehört, die Technik hat enorme Umwälzungen durchgemacht usw. Diese ganze Entwicklung bildet die glänzendste Bestätigung des „Kapital“, sie wird durch dieses erst vollständig verständlich, aber sie ist keine geradlinige, sondern eine dialektische Entwicklung. Die Fortsetzung der Ausführungen des „Kapital“ bis in die Gegenwart müßte zeigen nicht nur, daß dieselben Tendenzen heute wie damals herrschen, sondern auch wo und warum ihre Er- scheinungsformen andere geworden sind. Das ließe sich in einzelnen kurzen Noten nicht machen, das würde eine Reihe Monographien über die verschiedensten Gebiete erheischen. Es ist fraglich, ob das ungeheure Material, das die rapide Ausdehnung und Umwälzung des Kapitalismus in dem letzten halben Jahrhundert geliefert, selbst durch eine so gewaltige Arbeitskraft, wie die von Marx, noch all- seitig bewältigt werden könnte, Selbst das vornehmlich auf England beschränkte Material des „Kapital“ hätte Marx nicht so meisterhaft beherrschen können ohne Engels Mithilfe. Es ist ganz ausgeschlossen, daß einem der heute Lebenden das gleiche für den modernen inter- nationalen Kapitalismus gelingt. Und wenn es gelänge, gäbe das ein Werk für sich, keine bloße Mustrierung des „Kapital“. Werden aber die erläuternden Noten nicht in ausreichender Vollständigkeit, sondern nur dort gegeben, wo sie kurz und leicht zu fassen sind, dann liegt die Gefahr nahe, daß sie das Gegenteil dessen erzielen, was sie bewirken sollen. Sie erwecken einen falschen Eindruck, wenn sie gerade dort schweigen, wo am meisten neu zu sagen wäre. Der Leser glaubt dann, in der neuen Ausgabe nicht bloß zu erfahren, wie die Dinge vor fünfzig Jahren lagen, sondern auch, wie sie heute liegen, und wird dabei in allen Punkten im Stiche gelassen, in denen sich die wichtigsten Veränderungen vollzogen haben.