Vorwort . des: Herausgebers. wenn er nicht wenigstens. einigermaßen den Gedankengang kennt, von dem der Autor ausgeht. . . Ehe der Leser an die erwähnten Kapitel herangeht, ist ihm daher zu raten, sich mindestens mit den Marxschen Broschüren „Lohnarbeit und Kapital“ sowie „Lohn, Preis und Profit“ bekannt- zumachen. Natürlich darf er dann bei diesen Kapiteln nicht stehen bleiben. Er hätte ja sonst nur die Teile in der Hand ohne das geistige Band, das sie verbindet. Jene Kapitel sollen ihn nur mit dem ökonomischen Stoff bekanntmachen, sie sollen ihm die Wirklichkeit zeigen, deren Gesetzmäßigkeit zu erforschen, die Aufgabe der Theorie ist. Nun erst gewinnt diese für ihn Leben und Inhalt. So darf man erwarten, daß nach der Durcharbeitung der historischen Kapitel der Leser mit er- höhtem Eifer darangehen wird, das „Kapital“ von Anfang an zu studieren, um Licht und Klarheit über alles das zu gewinnen, was ihm in den von ihm schon gelesenen beschreibenden Teilen noch dunkel geblieben ist. Sollte der Leser dabei im dritten Kapitel über das Geld außer- ordentliche Schwierigkeiten. finden, dann lasse er sich dadurch nicht abschrecken. Alles folgende ist relativ einfach. Und vieles in diesem Kapitel findet seine Fortentwicklung erst im 2. und 3. Bande. Wird also zunächst dem Leser nicht alles klar, dann schreite er doch un- entwegt fort, freilich mit dem Vorbehalt, später noch einmal zu dem Ausgangspunkte zurückzukehren. Wie jedes grundlegende, klassische Werk verträgt das „Kapital“ eine wiederholte Lektüre, ja, es erheischt sie. So oft man es auch liest, man findet immer neue Gedanken und Anregungen darin. Jeder Fortschritt unserer Erkenntnis sozialer Dinge erschließt uns neue Seiten des „Kapital“, Darin beruht seine Größe, darin seine Lebenskraft, daß Marx nicht nur die ökonomischen und historischen. Details in einer Weise be- herrschte, wie sie sonst nur bei Spezialisten vorkommt, sondern gleichzeitig auch die Gesamtheit der Gesellschaft räumlich und zeit- lich in einem Umfange übersah, wie es bisher noch keinem andern philosophischen Geiste gelungen ist. Wer ihn begreifen will, der muß versuchen, ihm nach beiden Richtungen nahezukommen, sowohl in der gewissenhaften Erforschung der einzelnen Tatsachen wie in der Erkenntnis des Gesamtprozesses; der wird nie eine Tatsache für sich allein betrachten, sondern stets in ihrem Gesamtzusammen- hange, als Wirkung wie als Ursache. Die Wirklichkeit ist ein unendlicher Kreislauf, in dem sich nicht bloß aus dem Anfang das Ende, sondern auch aus dem Ende der Anfang entwickelt, allerdings im dialektischen Prozeß nicht KXXII