Nachwort zur zweiten Auflage. stehen, wie er in einer gegebenen Zeitperiode beobachtet wird. Für ihn ist noch vor allem wichtig das Gesetz ihrer Veränderung, ihrer Entwicklung, das heißt der Uebergang aus einer Form in die andere, aus einer Ordnung des Zusammenhangs in eine andere. Sobald er einmal dies Gesetz entdeckt hat, untersucht er im Detail die Folgen, worin es sich im gesellschaftlichen Leben kundgibt. ... Demzufolge bemüht sich Marx nur um eins: durch genaue wissenschaftliche Untersuchung die Notwendigkeit bestimmter Ordnungen der gesell- schaftlichen Verhältnisse nachzuweisen und soviel als möglich un- tadelhaft die Tatsachen zu konstatieren, die ihm zu Ausgangs- und Stützpunkten dienen. Hierzu ist vollständig hinreichend, wenn er mit der Notwendigkeit der gegenwärtigen Ordnung zugleich die Not- wendigkeit einer andern Ordnung nachweist, worin die erste un- vermeidlich übergehen muß, ganz gleichgültig, ob die Menschen das glauben oder nicht glauben, ob sie sich dessen bewußt oder nicht bewußt sind. Marx betrachtet die gesellschaftliche Bewegung als einen naturgeschichtlichen Prozeß, den Gesetze lenken, die nicht nur von dem Willen, dem Bewußtsein und der Absicht der Menschen unabhängig sind, sondern vielmehr umgekehrt deren Wollen, Bewußt- sein und Absichten bestimmen. ... Wenn das bewußte Element in der Kulturgeschichte eine so untergeordnete Rolle spielt, dann ver- steht es sich von selbst, daß die Kritik, deren Gegenstand die Kultur selbst ist, weniger als irgend etwas anderes, irgendeine Form oder irgendein Resultat des Bewußtseins zur Grundlage haben kann. Das heißt, nicht die Idee, sondern nur die äußere Erscheinung kann ihr als Ausgangspunkt dienen. Die Kritik wird sich beschränken auf die Vergleichung und Konfrontierung [Gegenüberstellung] einer Tat- sache, nicht mit der Idee, sondern mit der andern Tatsache. Für sie ist es nur wichtig, daß beide Tatsachen möglichst genau unter- sucht werden und wirklich die eine gegenüber der andern ver- schiedene Entwicklungsmomente bilden, vor allem aber wichtig, daß nicht minder genau die Serie der Ordnungen erforscht wird, die Aufeinanderfolge und Verbindung, worin die Entwicklungsstufen erscheinen. Aber, wird man sagen, die allgemeinen Gesetze des ökonomischen Lebens sind ein und dieselben; ganz gleichgültig, ob man sie auf Gegenwart oder Vergangenheit anwendet. Gerade das leugnet Marx, Nach ihm existieren solche abstrakte Gesetze nicht... . Nach seiner Meinung besitzt im Gegenteil jede historische Periode ihre eigenen Gesetze. ... Sobald das Leben eine gegebene Ent- wicklungsperiode überlebt hat, aus einem gegebenen Stadium in ein anderes übertritt, beginnt es auch durch andere Gesetze gelenkt zu werden. Mit einem Wort, das ökonomische Leben bietet uns eine der Entwicklungsgeschichte auf andern Gebieten der Biologie analoge XLVI