594 Siebter Abschnitt. schlechteste Wasserzufuhr und, in Städten, größter Mangel an Licht und Luft. Dies sind die Gesundheitsgefahren, denen die Armut un- vermeidlich ausgesetzt ist, wenn diese Armut Nahrungsmangel ein- schließt. Wenn die Summe dieser Uebel von furchtbarer Größe für das Leben ist, so ist der bloße Nahrungsmangel an sich selbst ent- setzlich. ... Dies sind qualvolle Gedanken, namentlich wenn man sich erinnert, daß die Armut, wovon es sich handelt, nicht die selbst- verschuldete Armut des Müßigganges ist. Es ist die Armut von Arbeitern. Ja, bei den Hausarbeitern ist die Arbeit, wodurch der knappe Bissen Nahrung erkauft wird, meist über alles Maß ver- längert. Und dennoch kann man nur in sehr bedingtem Sinne 3agen, daß diese Arbeit ausreicht, den Arbeiter von Unterstützungen mmabhängig zu machen. . . . In sehr großem Maße kann die nominelle Selbsterhaltung nur ein kürzerer oder längerer Umweg zum Pauperis- Mus sein.‘“114 Der innere Zusammenhang zwischen Hungerpein der fleißigsten Arbeiterschichten und auf kapitalistischer Akkumulation begründe- tem, grobem oder raffiniertem Verschwendungskonsum der Reichen anthüllt sich nur durch die Erkenntnis der ökonomischen Gesetze Anders mit dem Wohnungszustand. Jeder unbefangene Beobachter sieht, daß je massenhalfter die Zentralisation der Produktionsmittel desto größer die entsprechende Zusammendrängung von Arbeitern auf geringem Raum, daß daher, je rascher die kapitalistische Akku- mulation, desto elender der Wohnungszustand der Arbeiter. Die das Wachstum des Reichtums begleitende „Verbesserung“ und „Ver schönerung“ (improvements) der Städte durch Niederreißen schlecht yebauter Viertel, Errichtung von Palästen für Banken, Waren häuser usw., Verbreiterung der Straßen für Geschäftsverkehr und Luxuskarossen, Einführung städtischer Eisenbahnen usw. verjagt augenscheinlich die Armen in stets schlechtere und dichter gefüllte Schlupfwinkel. Anderseits weiß jeder, daß die Teuerkeit der Wohnungen im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Güte steht und laß die Minen des Elends von Häuserspekulanten mit mehr Profit und weniger Kosten ausgebeutet werden als jemals die Silbermine? von Potosi. Der antagonistische Charakter der kapitalistischen. Akkumulatio® und daher der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse überhaupt!” wird hier so handgreifbar, daß selbst die offiziellen englischen Be richte über diesen Gegenstand wimmeln von ketzerischen AusfälleP auf das „Eigentum und seine Rechte“. Das Uebel hielt solche” Schritt mit der Entwicklung der Industrie. der Akkumulation des “4 Ebenda, S. 14, 15. ‘5 „Nirgendwo sind so offen und so schamlos die Rechte der Person dem Recht des Eigentums geopfert worden, als in den Wohnungsverhältnisse® der arbeitenden Klasse, Jede große Stadt ist eine Stätte des Menschenopfer® ein Altar, worauf Tausende jährlich dem Moloch der Habsucht geschlachte werden.“ (S. Laing: „National Distress, 1844“, p. 150.)