620 Siebter Abschnitt. bebaut, behauste Arbeiter eine Wohnlichkeit findet, wie sie sein Leben produktiven Fleißes verdient. Selbst auf den fürstlichsten Gütern ist seine Cottage oft von der allerjämmerlichsten Art. Es gibt Landlords, denen ein Stall gut genug für ihre Arbeiter und deren Familien erscheint, und die es dennoch nicht verschmähen, aus ihrer Miete so viel Bares als möglich herauszuschlagen.!® Es mag nur eine verfallende Hütte mit einer Schlafstube sein, ohne Feuerherd, ohne Abtritt, ohne öffenbare Fenster, ohne Wasserzufuhr außer dem Graben, ohne Garten, der Arbeiter ist hilflos gegen die Unbill. Und unsere gesundheitspolizeilichen Gesetze (The Nuisances Removal Acts) sind ein toter Buchstabe. Ihre Ausführung ist ja gerade den Eigentümern anvertraut, welche solche Löcher vermieten. ... Man muß sich durch ausnahmsweise lichtvollere Szenen nicht blenden lassen über das erdrückende Uebergewicht der Tatsachen, die ein Schandfleck der englischen Zivilisation sind. Schauderhaft muß in der Tat die Lage der Dinge sein, wenn, trotz der augenfälligen Ungeheuerlichkeit der gegenwärtigen Behausung, sachverständige Beobachter einstimmig zu dem Schlußresultat gelangen, daß selbsi die allgemeine Nichtswürdigkeit der Wohnungen noch ein unendlich minder drückendes Uebel ist als ihr bloß numerischer Mangel. Seil Jahren war die Ueberstopfung der Wohnungen der Landarbeiter ein Gegenstand tiefen Kummers nicht nur für Personen, die auf Gesund- heit, sondern für alle, die auf anständiges und moralisches Leben halten. Denn, wieder und wieder, in Ausdrücken so gleichförmig, daß sie stereotypiert zu sein scheinen, klagen die Berichterstatter über die Verbreitung epidemischer Krankheiten in den ländlichen Distrikten, über Hausüberfüllung als eine Ursache, die jeden Ver such, den Fortschritt einer einmal eingeführten Epidemie aufzu- halten, durchaus vereitelt. Und wieder und wieder ward nach- gewiesen, daß den vielen gesundheitlichen Einflüssen des Landlebens zum Trotz die Zusammendrängung, welche das Umsichgreifen ansteckender Krankheiten so sehr beschleunigt, auch die Entstehung 168 „Der Hausvermieter (der Pächter oder Landlord) bereichert sich direkt oder indirekt durch die Arbeit eines Mannes, dem er 10 Shilling pro Woche zahlt, und zwackt dann wieder diesem armen Teufel 4 oder 5 Pfd. Sterl. jährliche Miete für Häuser ab, die keine 20 Pfd. Sterl. auf offenem Markt wert sind, aber auf ihrem künstlichen Preis erhallen werden durch die Macht des Eigentümers, zu sagen: „Nimm mein Haus oder pack’ Dich und suche anderswo ein Unterkommen, ohne Arbeitszeugnis von mir.“ ... Wünscht ein Mann sich zu verbessern und als Schienenleger zu einer Eisen- bahn zu gehen oder einem Steinbruch, wieder ist dieselbe Macht bereit mit einem: „Arbeite für mich zu diesem niedrigen Arbeitslohn, oder pack’ Dich auf eine Woche Kündigung; nimm Dein Schwein mit Dir, wenn Du eines hast, und schau zu, was Du aus den Kartoffeln herausschlägst, die in Deinem Garten wachsen.“ Steht jedoch das Interesse nach der andern Seite, so ziehl in solchen Fällen der Eigentümer (respektive Pächter) manchmal eine er- höhte Hausmiete vor als Strafe für die Desertion aus seinem Dienst.“ (Dr. Hunter: a. a. O., S. 132.)