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        <title>Der Produktionsprozeß des Kapitals</title>
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            <forname>Karl</forname>
            <surname>Marx</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
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            <idno>1780159595</idno>
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        ZOG MTUR

WE)

„34

Fr
        <pb n="2" />
        Das Kapital

Kritik der politischen Ökonomie

VON

V”ARLIiMARX

Erster Band

Buch I:

Der Produktionsprozeß des Kapitals

Volksausgabe
Herausgegeben von Karl Kautsky

Achte, unveränderte Auflage

1928

J.H. W. Dietz Nachf.,, G.m, b. H.,
Berlin .
        <pb n="3" />
        Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten

dw

258

2

Druck: Vorwärts Buchdruckerei, Berlin SW. 68
        <pb n="4" />
        Gewidmet

meinem unvergeßlichen Freunde

dem kühnen, treuen. edlen Vorkämpfer des Proletariats

Wilhelm Wolff

Geboren zu Tarnau 21. Juni 1809
Gestorben im Exil! zu Manchester 9. Mai 1864
        <pb n="5" />
        Inhaltsverzeichnis..

Vorwort des Herausgebers ..
Vorwort zur ersten Auflage... ..,
Nachwort zur zweiten Auflage..........

Seite
Ve... XI
‚0... XXXVI
XL

Erstes Buch.
Der Produktionsprozeß des Kapitals,
Erster Abschnitt.
Ware und Geld.

Erstes Kapitel. Die Ware................... „4 KMBKER
1. Die zwei Faktoren der Ware: Gebrauchswert und Wert (Wertsubstanz
 und Wertgröße) ...........0.00.00000000 000. LEER
2. Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit.........
3. Die Wertform oder der Tauschwert............. zu
A. Einfache, einzelne oder zufällige Wertform ...................
l. Die beiden Pole des Wertausdrucks: Relative Wertform und
Aequivalentform ............
2. Die relative Wertform ........ EEE
a) Gehalt der relativen Wertform ........ .. HERR
b) Quantitative Bestimmtheit der relativen Wertform .......
3. Die Aequivalentform ............. Sa
4. Das Ganze der einfachen Wertform ..
Totale oder entfaltete Wertform ...
1. Die entfaltete relative Wertform ... ...
2. Die besondere Aequivalentiorm...........0000 00 ss
3. Mängel der totalen oder entfalteten Wertform..............
Allgemeine Wertform ..... ........ XEBEM
1. Veränderter Charakter der Werform...........0......0.000..
2. Entwicklungsverhältnis von relativer Wertform und Aequivalentform........
 LEHE
3. Uebergang aus der allgemeinen Wertform zur Geldiorm ...
D. Geldform ee see RR
4. Der Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis...
Zweites Kapitel. Der Austauschprozeß................-Drittes
 Kapitel. Das Geld oder die Warenzirkulation . :
1. Maß der Werte... HERR RR
(Preis 57, Maßstab der Preise 59, allgemeines Steigen oder
Fallen der Preise 60, Rechennamen des Geldes, Rechengeld 61,
quantitative Inkongruenz von Wertgröße und Preis 68, qualitative
 Inkongruenz derselben 63, Preis nur ideelle Wertform der
Ware 64.) '

3

3
9
4
15

L5
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30
30

39
28
A
5
“m
56
ze
        <pb n="6" />
        VIII

Inhaltsverzeichnis.

2, Zirkulationsmittel............
a) Die Metamorphose der Waren ........... RE era
(Kreislauf W-G-W 66, Verkauf W-G 66, Kauf G-W 70, Gesamtmetamorphose
 einer Ware 71, Warenzirkulation 71, Unterschied
zwischen Warenzirkulation und Produktenaustausch 72.)
Der Umlauf des Geldes ............ EER x um
(Warenmetamorphose und Geldumlauf 74, Doppelter Stellenwechsel
 des Geldes 75, Quantität des umlaufenden Geldes 76,
Umlaufsgeschwindigkeit 79, Fluß und Stockung des Umlaufs 79,
Faktoren, die die Masse des umlaufenden Geldes bestimmen 80.)
c) Die Münze: Das Wertzeichen. ......... 8 OKNMRER Bar wie
(Münze und Barren, Verschleiß der Münze 88, Wertzeichen 84,
Silber- und Kupfermarken 85, Papiergeld 86, Gesetz der Papierzirkulation
 mit Zwangskurs 87.)
3. Geld.............
a) Schatzbildung .........
b) Zahlungsmittel .
ee) Weltoeld ...

Seite
.. 64
64

74

83

88
88
92
100

Zweiter Abschnitt.
; ‚Die Verwandlung von Geld in Kapital.
Viertes Kapitel. Die Verwandlung von Geld in Kapital.
1. Die allgemeine Formel des Kapitals. ............
2. Widersprüche der allgemeinen Formel ......
8. Kauf und Verkauf der Arbeitskraft .... ‚...... “#0 Oo kimm
(Der freie Arbeiter 123, Wert der Arbeitskraft 126, Eigentümliche
 Natur der Ware „Arbeitskraft“ 129.)
Dritter Abschnitt.
Die Produktion des absoluten Mehrwertes,
Fünftes Kapitel. Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß.............. 188
l. Der Arbeitsprozeß oder die Produktion von Gebrauchswerten ... 138
(Arbeitsprozeß 183, Arbeitsgegenstand, Rohmaterial, Arbeitsmittel
 134, Produktionsmittel 136, produktive Konsumtion 139.)
2, Der Verwertungsprozeß oder die Produktion des Mehrwertes ....
(Der Arbeitsprozeß als Konsumtionsprozeß der Arbeitskraft
durch den Kapitalisten 140, Wertbildungsprozeß 142, Wert der
Arbeitskraft und ihre Verwertung im Arbeitsprozeß verschiedener
Größen 148; Verwertungsprozeß, Ursprung des Kapitals 149.)
Sechstes Kapitel. Konstantes Kapital und variables Kapital..... Zu 4 um 108
Siebtes Kapitel. Die Rate des Mehrwertes HERNE ‚..-. 164
1. Der Grad der Ausbeutung der Arbeitskraft... Bee ai 164
2. Darstellung des Produktenwertes in PronDortionellen Teilen des
Produkts ..... aus 172
3. Seniors „Letzte Stunde“.... Wer en 74
‚4. Das Mehrprodukt................. .0000000 279
Achtes Kapitel. Der Arbeitstag.... ... kowwanmunes 180
1.. Die Grenzen des Arbeitstages.............. .renene re n0n 040044 180
2, Der Heißhunger nach Mehrarbeit. Fabrikant und Bojar......... 184
3. Englische Industriezweige ohne gesetzliche Schranke der Ausbeutung 192
(Spitzenindustrie 193, Töpferei 198, Zündhölzer 195, Tapeten 195,
Bäckerei197, Eisenbahnbetrieb 201,Putzmacherei 203,Schmiede 204.)

104
104
113
1929
        <pb n="7" />
        Inhaltsverzeichnis.

IX

Tag- und Nachtarbeit. Das Ablösungssystem (Metallurgie en
Metallindustrie). .................0.00 + 2 „2... 9205
Der Kampf um den Normalarbeitstag. Zwangsgesetze zur Verlängerung
 des Arbeitstages von der Mitte des 14. bis zu Ende des
17. Jahrhunderts ....... SA a
(Rücksichtslosigkeit des Kapitals gegen Gesundheit und. Lebensdauer
 des Arbeiters 215, englische Arbeitergesetze 219, Schranken
des Arbeitstages im 18. Jahrhundert bis zur Epoche der großen
Industrie 222.) .
5, Der. Kampf um den Normalarbeitstag. Zwangsgesetzliche Beschränkung
 der Arbeitszeit. Die englische Fabrikgesetzgebung
von 1833 bis 1864 . 2. 7 Se
{Akt von 1833 227, von 1844 229, von 1847 232, von 1850 240,
Seidenfabrik 240, Druckereien 242, Färbereien und Bleichereien
 243.) n
Der Kampf um den Normalarbeitstag. Rückwirkung der englischen
Fabrikgesetzgebung auf andere Länder........ ;
Neuntes Kapitel. Rate und Masse des Mehrwertes....

Vierter Abschnitt.
Die Produktion des relativen Mehrwertes.
Zehntes Kapitel. Begriff des relativen Mehrwertes. ....... 261
Elftes Kapitel. Kooperation .......00000000001 Le er Leere 269
(Ausgangspunkt der kapitalistischen Produktion, ihr quantitativer
 Unterschied von der zünftigen Industrie 270, gesellschaftliche
 Durchschnittsarbeit 270, Oekonomie der Produktionsmittel
 272, gesellschaftliche Produktivkräfte. der  kooperativen
Arbeit 273, frühere Formen der Kooperation 281. ihre kapitalistische
 Form 282.)
Zwölftes Kapitel. Teilung der Arbeit und Manufaktur . . 2838
1. Doppelter Ursprung der Manufaktur........... 283
2. Der Teilarbeiter und sein Werkzeug ................. ......... 9286
3. Die beiden Grundformen der Manufaktur — heterogene Manufaktur
und organische Manufaktur ‚.....0000000000000000000000000.0.... 289
Teilung der Arbeit innerhalb der Manufaktur und Teilung der
Arbeit innerhalb der Gesellschaft ........... 000000 297
5. Der kapitalistische Charakter der Manufaktur ................... 306
Dreizehntes Kapitel. Maschinerie und große Industrie ............... 315
1. Entwicklung der Maschinerie........... „0.0... 815
2. Wertabgabe der Maschinerie an das Produkt .... .„... 330
3, Nächste Wirkungen des maschinenmäßigen Betriebes auf den Arbeiter 338
a) Aneignung zuschüssiger Arbeitskräfte durch das Kapital. Weiberund
 Kinderarbeit. ................ 2....40.1 389
b) Verlängerung des Arbeitstages ..... ze.u0:s DET
c) Intensifikation der Arbeit 2.00... 308
4. Die Fabrik....... 363
5. Kampf zwischen Arbeiter und Maschine ............ vaw«.2 STI
6.. Die Kompensationstheorie bezüglich der durch Maschinerie verdrängten
 Arbeiter ................. RR 881
Abstoßung und Anziehung von Arbeitern. mit Entwicklung. des
Maschinenbetriebes. Krisen der Baumwaollindustrie ............. 390
        <pb n="8" />
        Inhaltsverzeichnis.

Seite
Revolutionierung von Manufaktur, Handwerk und Hausarbeit durch
die große Industrie... 0.0.0000 Were OB
a) Aufhebung der auf Handwerk und Teilung der Arbeit beruhenden
 Kooperation ‚0er kr 408
b) Rückwirkung des Fabrikwesens auf Manufaktur und Hausarbeit 404
ce) Die moderne Manufaktur .......00000 re re dO6
d) Die moderne Hausarbeit (Spitzenerzeugung, Strohflechterei) ... 408
e) Uebergang der modernen Manufaktur und Hausarbeit zur
großen Industrie, Beschleunigung dieser Revolution durch
Anwendung der Fabrikgesetze auf jene Betriebsweisen ....... 418
(Die Nähmaschine 414.)
Fabrikgesetzgebung. (Gesundheits- und Erziehungsklauseln.) Ihre
Verallgemeinerung in England. ........... ‚..... 422
(Bergwerksindustrie 435.)
10. Große Industrie und Agrikultur

er

Fünfter Abschnitt. ;
„Die Produktion des absoluten und relativen Mehrwertes.
Vierzehntes Kapitel. Absoluter und relativer Mehrwert.............. 447
Fünfzehntes Kapitel. Größenwechsel von Preis der Arbeitskraft und
Mehrwert. .......... ... % Denen 456
I. Größe des Arbeitstages und Intensität der Arbeit konstant, Produktivkraft
 der Arbeit variabel................ een0 0000000 457
Konstanter Arbeitstag, konstante Produktivkraft der Arbeit, Intensität
 der Arbeit variabel........... ........ 461
Produktivkraft und Intensität der Arbeit konstant, Arbeitstag
variabel... ee RA RER ee ı 468
IV. Gleichzeitige Variationen in Dauer, Produktivkraft und Intensität
der Arbeit ....0000 „... 464
Sechzehntes Kapitel. Verschiedene Formeln für die Rate des Mehrwertes..
 _

 ..0.0. 467

Sechster Abschnitt.
Der Arbeitslohn.
Siebzehntes Kapitel. Verwandlung von Wert respektive Preis der
Arbeitskraft in Arbeitslohn .,.......... 2.0.04 471
Achtzehntes Kapitel. Der Zeitlohn......... ..... 478
Neunzehntes Kapitel. Der Stücklohn.............00.0. 0000000000... 486
Zwanzigstes Kapitel. Nationale Verschiedenheit der Arbeitslöhne .... 494

Siebter Abschnitt.
Der Akkumulationsprozeß des Kapitals.
Einleitung. 00.00 WE
Einundzwanzigstes Kapitel. Einfache Reproduktion ....... ..........
(Arbeiterklasse als Zubehör des Kapitals 508, das Verhältnis
zwischen Kapitalist und Arbeiter reproduziert durch den kapitalistischen
 Produktionsprozeß 506.)
Zweiundzwanzigstes Kapitel. Verwandlung von Mehrwert in Kapital.. 514
L. Kapitalistischer Produktionsprozeß auf erweiterter Stufenleiter.
Umschlag der Eigentumsgesetze der Warenproduktion in Gesetze
der kapitalistischen Aneignung... .. 514
        <pb n="9" />
        Inhaltsverzeichnis;

XI

Seite
2. Irrige Auffassung der Reproduktion auf erweiterter. Stufenleiter
seitens der politischen Oekonomie.............. .. 200000044 528
Teilung des Mehrwertes in Kapital und Revenue. Die Abstinenz-DET
 aa KERNE rende... 526
Umstände, welche unabhängig von der proportionellen Teilung des
Mehrwertes in Kapital und Revenue den Umfang der Akkumulation
 bestimmelB .....000 RR TAe
{(Ausbeutungsgrad der Arbeitskraft 534, Produktivkraft der
Arbeit 539, wachsende Differenz zwischen angewandtem und konsumiertem
 Kapital 543, Größe des vorgeschossenen Kapitals 544.)
5. Der sogenannte Arbeitsfonds ................00 200 0000000000001 545
Dreiundzwanzigstes Kapitel. Das allgemeine Gesetz der kapitalistischen
Akkumulation.......... $ 1 ............G48
1. Wachsende Nachfrage nach Arbeitskraft mit der Akkumulation,
bei gleichbleibender Zusammensetzung des Kapitals............. 548
Relative Abnahme des variablen Kapitalteils im Fortgang der Akkumulation
 und der sie begleitenden Zentralisation ............. 557
Zunehmende Produktion einer relativen Uebervölkerung der industriellen
 Reservearmee ......... ................ 566
Verschiedene Existenzbedingungen der relativen Uebervölkerung.
Das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation........ 578
Illustration des allgemeinen Gesetzes der kapitalistischen Akkumu-JOH
 ae A 0.000... 585
a) England von 1846 bis 1866 ................. .00.0.4. 585
b) Die schlechtbezahlten Schichten der britischen industriellen
Arbeiterklasse ...........- .......0... 591
(Nahrungsverhältnisse 591, Wohnungszustand 594, London 595,
Newcastle upon Tyne 598, Bradford 599, Bristol 600.)
c) Das Wandervolk. Die Bergarbeiter .................1....0.. 600
(Wohnungsverhältnisse 600, Eisenbahnarbeiter 600, Kohlenund
 andere Bergwerksarbeiter 601.)
d) Wirkung der Krisen auf den bestbezahlten Teil der Arbeiterklasse
 (Eisenschiffsbauer im Osten von London) .............. 604
e) Das britische Ackerbauproletariat..... ‚... 608
(Die Wandergänge 628.)
f) Irland ..........,.. .....
Vierundzwanzigstes Kapitel. Die sogenannte ursprüngliche Akkumu-JAHOD
 une wer * Mara - EEE
1. Das Geheimnis der ursprünglichen Akkumulation...............
2. Expropriation des Landvolkes von Grund und Boden............
(Verwandlung von Ackerland in Viehweide im letzten Drittel
des 15. und den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts 649,
die Reformation und der Diebstahl an den Kirchengütern 652,
Verwandlung von feudalem in bürgerliches Eigentum 654, die
Restauration und die „Glorious Revolution“ 654, Diebstahl an
Staatsdomänen 654. Gemeindeeigentum und der Raub desgelben
 655, Clearing of Estates, Verwandlung von Ackerland in
Schaftriften und von Schaftriften in Jagdrevier im schottischen
Hochland 659.)
Blutgesetzgebung gegen die Expropriierten seit Ende des 15. Jahrhunderts.
 Gesetze zur Herabsetzung des Arbeitslohnes .........

&amp;gt;
        <pb n="10" />
        XII

Inhaltsverzeichnis,

Seite
4. Das Aufkommen der kapitalistischen Pächter ........... ..0.0044, 672
5. Rückwirkung der agrikolen Revolution auf die Industrie. Herstellung:
 des inneren Marktes für das industrielle Kapital........ 674
6. Das Aufkommen des industriellen Kapitalisten........,......... 678
{(Kolonialsystem, Staatsschuldensystem 680, modernes Steuersystem
 und Protektionssystem 684, der Kinderraub beim Beginn
der großen Industrie 685.)
7. Geschichtliche Tendenz der kapitalistischen Akkumulation HK Ba
Fünfundzwanzigstes Kapitel. Die moderne Kolonisationstheorie REG

Register ...........
Einleitung ............ Ha ... EEE
Verzeichnis aller im ersten Band des „Kapital“ zitierten Werke ....
A, Werke genannter Verfasser .............
B. Werke anonymer Verfasser................. KERMERMEE.
C. Veröffentlichungen offizieller und anderer Körperschaften ....
D. Zeitungen und Zeitschriften .. .
Namenregister ......
Sachregister ....

701
701
707
707
715
717
718
720
740
        <pb n="11" />
        Vorwort des Herausgebers.

Die Tatsache, daß die Marxschen Werke vom 1. Januar 1914
an für den Nachdruck frei wurden, ließ den Wunsch erstehen, die
deutsche Sozialdemokratie möge diese Gelegenheit benutzen, das
für die Arbeiterklasse wichtigste Werk ihres Meisters, den ersten
Band des „Kapital“, dem proletarischen Leser leichter zugänglich
zu machen.
„ Dementsprechend forderte mich der Vorstand der deutschen
Sozialdemokratie auf, eine populäre Ausgabe des ersten Bandes des
„Kapital“ zu veranstalten. Mir erschien es als eine Pflicht der
Pietät gegenüber dem Manne, dem ich mehr als irgendeinem andern
an Erkenntnis verdanke, dieser Aufforderung nachzukommen und
damit meinen Anteil an der Herausgabe des Marxschen Nachlasses
abzuschließen.

Zunächst schien es, als fiele die Hauptaufgabe bei der neuen Ausgabe
 der technischen Herstellung zu. Sie stellte in der Tat große Anforderungen
 an Sorgsamkeit und Sachkunde des Druckers und Verlegers..
 Wir verdanken es der eifrigen Mühewaltung unseres Freundes
Dietz und der Sorgfalt der hamburgischen Parteidruckerei Auer &amp;amp; Co.,
daß alle Schwierigkeiten nach dieser Richtung überwunden wurden.
Meine eigene Aufgabe war dagegen anscheinend ganz einfach.
Ich hatte nur für die Korrektheit des Textes zu sorgen. Aber schon
hierbei entstand eine Schwierigkeit. Es lag nahe, die neue Ausgabe
als einen Neudruck der letzten von Engels veranstalteten, der fünften,
herzustellen. Dagegen sprachen jedoch verschiedene Erwägungen,
von denen die wichtigste die war, daß seit der letzten, noch von Marx
selbst herausgegebenen Auflage, der zweiten, sich von Auflage zu
Auflage die Druckfehler mehren, nicht geringfügige Versehen, die
jeder Leser selbst verbessern kann, sondern sinnstörende Druckfehler
der gröbsten Art.
So ergab zum Beispiel eine Vergleichung der fünften mit der
zweiten Auflage folgende Druckfehler in jener:
Seite X: „hoffnungslose“ statt „hofinungsvolle“ (2. Auflage, S. 814).
» 90: „Abwechslung mit Scheidemünze“ statt „Auswechslung“ (2. Auflage,
 S. 107). . ;
„Verwandlung von Naturalrente in Goldrente“ statt „Geldrente“
(2. Auflage, S. 123).
„Die Zirkulation ist die Summe aller Warenbeziehungen der
Warenbesitzer“ statt „Wechselbeziehungen“ (2. Auflage, S. 150).

„1928:
        <pb n="12" />
        XIV
Seite 164:

Vorwort des Herausgebers.

„Der Wert steht in direktem Verhältnis zu dem Neuwert, den
ar ersetzt“ statt „zusetzt“ (2. Auflage, S. 191).
„Mehrheit“ statt „Mehrarbeit“ (2, Auflage, S. 218).
„nämlich“ statt „räumlich“ (2. Auflage, S, 229).
„Fabrikats“ statt „Fabrikakts“ (2. Auflage, S. 232).
„in dem veränderlichen Prozeß“ statt „unveränderlichen“ (2. Auflage,
 S. 256).
227: „Lebenskräfte“ statt „Leibeskräfte“ (2, Auflage, S. 262). ;
240: „Das französische Volk“ statt „Arbeitervolk“ (2. Auflage,
S, 277).
272: „Arbeitskraft“ statt „Arbeitszeit“ (2. Auflage, S, 318).
318: „In Indien“ statt „Indien“ (2. Auflage, S. 365).
355: „12 Unzen“ statt „13 Unzen“ (2. Auflage, S. 407).
362: „natürliche Entfremdung der Mütter gegen ihre Kinder“ statt
„Unnatürliche“ (2. Auflage, S. 415).
„gezählt“ statt „gewählt“ (2, Auflage, S. 420).
„15 Shilling“ statt „12 Shilling“ (2. Auflage, S, 447).
soll es heißen: „Die einen Teil des Erdballs in Vorzugsweis agrikoles
 Produktionsfeld (für den andern als vorzugsweis industrielles
 Produktionsfeld) umwandelt.“ Die eingeklammerten
Worte stehen in der 2. Auflage und noch in der 3. Auflage, fehlen
aber in der 4. und 5. Auflage.
454: „Arbeitseinteilung“ statt „Arbeitsteilung“ (2, Auflage, S. 515).
457: „nur“ statt „zwar“ (2. Auflage, S. 519).
471: „Die Mehrbeträge des Feldes“ statt „Mehrerträge“ (2. Auflage,
S. 529).
473: „Lederfabrik“ statt „Lehrfabrik“ (2, Auflage, S, 531).
494: „sind“ statt „ist“ (2, Auflage, S. 551).
506: „englische Oekonomie“ statt „poliische Oekonomie“ (2, Auflage,
 S. 565). )
511: „Arbeitstag“ statt „Arbeitszeit“ (2. Auflage, S. 567).
515: „fürchtbar“ statt „fruchtbar“ (2 Auflage, S, 576).
521: „Ausspruch der Arbeiter“ statt „Anspruch“ (2, Auflage, S, 582).
530: „Dies Geld ist nur die verwandelte Form des Arbeitsprodukts
(oder vielmehr eines Teiles des Arbeitsprodukts).“ Der eingeklammerte
 Satz findet sich in der 2. Auflage, S. 590, er fehlt
in der 4. und 5. Auflage, .
614: „Glaswerke“ statt „Gaswerke“ (2, Auflage, S. 675).
642 sind eine Reihe statistischer Zahlen falsch (2. Auflage, S. 705).
Dies einige Beispiele. Im ganzen habe ich an 150 derartige sinnstörende
 Druckfehler in der fünften Auflage gezählt, die sich in der
zweiten nicht finden. Ich bürge keineswegs für die Vollständigkeit
der Liste. Der eine oder andere Druckfehler mag mir wohl entgangen
 sein. Indes genügten die gefundenen Fehler Schon, mir zu
zeigen, daß die zweite Auflage und keine spätere zur Grundlage des
herausgegebenen Textes zu machen war.
        <pb n="13" />
        Vorwort des Herausgebers.

SV

Das konnte freilich nicht heißen, daß dieser Text nun unverändert
 nachgedruckt wurde.
Engels hat in den von ihm besorgten beiden Auflagen, der
äritten und vierten, eine Reihe erheblicher Verbesserungen vorgenommen.
 Diese ignorieren, hätte geheißen, einen argen Rückschritt
 machen. Sie mußten bei der Herstellung des Textes benutzt
werden. Ein großer Teil dieser Verbesserungen stammte noch von
Marx selbst her. Er hatte in seinem Handexemplar der zweiten
Auflage eine Reihe von Anmerkungen und Zusätzen notiert, die
Engels in die neuen Auflagen aufnahm. Er berücksichtigte jedoch
nicht alle handschriftlichen Noten von Marx. Da mir dank dem
Parteiarchiv dieses Marxsche Handexemplar zur Verfügung stand,
ebenso wie das Engelssche, sowie auch das Marxsche Handexemplar
der ersten Auflage, habe ich noch verschiedene von Marx verzeichnete
 Aenderungen und Zusätze aufnehmen können, die in den
bisherigen Auflagen nicht berücksichtigt waren.
Die zweite große Verbesserung, die Engels außer der Aufnahme
der Marxschen handschriftlichen Noten in der dritten Auflage vornahm,
 war die Berücksichtigung der französischen Uebersetzung des
„Kapital“. Engels selbst schrieb darüber in seinem Vorwort zur
dritten Auflage:
Marx hatte anfangs vor, den Text des ersten Bandes großenteils umzuarbeiten,
 manche theoretischen Punkte schärfer zu fassen, neue einzufügen,
 das geschichtliche und statistische Material bis auf die neueste Zeit
zu ergänzen. Sein Krankheitszustand und der Drang, zur Schlußredaktion
des zweiten Bandes zu kommen, ließen ihn hierauf verzichten. Nur das
Nötigste sollte geändert, nur die Zusätze eingefügt werden, die die inzwischen
erschienene französische Ausgabe (Le Capital. Pär Karl Marx, Paris,
La Chätre, 1878) schon enthielt,
Im Nachlaß fand sich denn auch ein deutsches Exemplar, das von ihm
stellenweise korrigiert und mit Hinweisen auf die französische Ausgabe versehen
 war; ebenso ein französisches, worin er die zu benutzenden Stellen
genau bezeichnet hatte. Diese Aenderungen und Zusätze beschränken sich,
mit wenigen Ausnahmen, auf den letzten Teil des Buches, den Abschnitt:
Der Akkumulationsprozeß des Kapitals. Hier folgte der bisherige Text mehr
als sonst dem ursprünglichen Entwurf, während die früheren Abschnitte
gründlicher überarbeitet waren. Der Stil war daher lebendiger, mehr aus
einem Guß, aber auch nachlässiger, mit Anglizismen versetzt, stellenweise
undeutlich; der Entwicklungsgang bot hier und da Lücken, indem einzelne
wichtige Momente nur angedeutet waren.
Was den Stil betrifit, so hatte Marx mehrere Unterabschnitte selbst
gründlich revidiert und mir darin, sowie in häufigen mündlichen Andeutungen,
 das Maß gegeben, wie weit ich gehen durfte in der Entfernung
englischer technischer Ausdrücke und sonstiger Anglizismen. Die Zusätze
und Ergänzungen hätte Marx jedenfalls noch überarbeitet und das glatte
        <pb n="14" />
        XVI

Vorwort des Herausgebers.

Französisch durch sein eigenes gedrungenes Deutsch ersetzt; ich mußte‘ mich
begnügen, sie unter möglichstem Anschluß an den ursprünglichen Text zu
übertragen.
‚£s ist also in dieser dritten Auflage kein Wort geändert, von dem ich
nicht bestimmt weiß, daß der Verfasser selbst es geändert hätte.
Die Zusätze aus der französischen Ausgabe sind sehr wichtig,
Marx selbst legte ihnen große Bedeutung bei, wie aus seinem Nachwort
 zu dieser Ausgabe erhellt, das vom 25. April 1875 datiert ist.
Dieses Datum bezeugt, nebenbei gesagt, daß es einem Versehen
oder einem Druckfehler zuzuschreiben ist, wenn in der eben zitierten
Engelsschen Vorrede als Erscheinungsjahr der französischen Uebersetzung
 1878 angegeben wird.
So wie die zweite Auflage des deutschen Originals, erschien die
französische Uebersetzung in Lieferungen. Es dauerte drei Jahre,
bis die Ausgabe zum Abschluß kam. Die Vorrede ist vom 18. März
1872 datiert, das Nachwort, wie wir eben gesehen, vom April 1875.
Beide verdienen, in einer Neuausgabe des „Kapital“ neben den
deutschen Vorreden ihren Platz zu finden.
Das Vorwort zur französischen Ausgabe ist an den‘ „Bürger
Maurice La Chätre“, den Verleger, gerichtet und lautet:
Lieber Genosse (citoyen)!
Ihre Absicht, die Uebersetzung des „Kapital“ in periodischen Lieferungen
 herauszugeben, findet meinen vollsten Beifall. In dieser Form wird
das Werk der Arbeiterklasse leichter zugänglich, und diese Erwägung ist
für mich entscheidend.
Das ist die schöne Seite Ihrer Medaille. Nun aber die andere Seite:
Die Untersuchungsmethode, deren ich mich bediente und die bisher noch
nicht auf ökonomische Fragen angewandt wurde, macht das Lesen der
ersten Kapitel recht schwierig. Es ist zu fürchten, daß das französische
Publikum, das stets ungeduldig nach den Schlußfolgerungen drängt, begierig,
zu erfahren, in welchem Zusammenhang die allgemeinen Prinzipien mit
den Fragen stehen, die es unmittelbar erregen, abgeschreckt wird, wenn es
sich beim Lesen aufgehalten sieht.
Gegen diesen Nachteil kann ich nicht mehr tun, als die nach Wahrheit
dürstenden Leser von vornherein darauf aufmerksam zu machen und
dagegen zu wappnen. Es gibt keine breite Heerstraße (route royale) zur
Wissenschaft, und nur jene dürfen erwarten, ihre HKechtvollen Gipfel erreichen
 zu können, die nicht vor der Mühe zurückschrecken, ihre steilen
Piade zu erklimmen.

Ihr ergebener Karl Marx.
Das Nachwort ist betitelt: Avis au lecteur, Wink für den Leser:
Herr J. Roy hatte es unternommen, die Vebersetzung so genau und
selbst so wörtlich als möglich zu geben. Er hat seine Aufgabe gewissenhaft
erfüllt. Aber gerade seine Gewissenhaftigkeit und Treue veranlaßten mich,
den Wortlaut mitunter zu ändern, um ihn für den Leser leichter verständlich
        <pb n="15" />
        Vorwort des Herausgebers.

XVII

zu machen. Diese Umänderungen mußten zeitweise eilig gemacht. werden,
da das Buch in Lieferungen erschien, sie wurden nicht immer mit gleicher
Sorgfalt vollzogen und verursachten daher Ungleichmäßigkeiten des Stils.
Da ich mich einmal an diese Arbeit der Revision gemacht hatte, so
fühlte ich mich veranlaßt, sie auch auf die Grundlage des Texies — die
zweite deutsche Auflage — auszudehnen, einzelne Ausführungen zu vereinfachen,
 andere‘ zu vervollständigen, historische oder statistische Zusätze
zu machen, kritische Bemerkungen hinzuzufügen usw. Mag die vorliegende
französische Ausgabe ihre literarischen Mängel haben, sie besitzt
neben dem Original einen besonderen wissenschaftlichen
 Wert und sollte daher auch von Lesern benutzt
werden, die mit der deutschen Sprache vertraut sind...
Karl Marx.

Man sieht, daß durch die Berücksichtigung der französischen
Uebersetzung der wissenschaftliche Wert auch des deutschen
Originals erhöht wurde. Ich glaubte aber nicht, wie Engels, dabei
an jene Stellen der Uebersetzung gebunden zu sein, die Marx selbst
bezeichnet hatte. Meine Stellung ihr gegenüber war eine andere
als die von Marx und Engels. Diese hatten sie nur daraufhin angesehen,
 inwieweit sie einen wissenschaftlichen Fortschritt bedeutete.
 Für mich kam noch ein anderer Gesichtspunkt in Betracht:
die leichtere Verständlichkeit der französischen Ausgabe. Marx
hatte damit gerechnet, daß er bei den französischen Arbeitern
weniger geduldige Leser finden werde, als bei den deutschen, und
getrachtet, ihnen die Lektüre stellenweise zu erleichtern. Ich fühlte
mich berechtigt, wo ich solche Stellen fand, sie auch für die Gestaltung
 des deutschen Textes zu benutzen, denn meine Aufgabe war es,
ihn leichter verständlich zu gestalten, so weit dies ohne Antastung
der Tiefe und des Charakters des Werkes möglich war.
Ich habe aber in der französischen Vebersetzung neben redaktionellen
 Aenderungen auch noch einige Zusätze gefunden, die Marx
in seinem Handexemplar nicht verzeichnet und Engels daher nicht
in die deutsche Ausgabe aufgenommen hatte, die mir aber doch von
Bedeutung erschienen.
Und wie in der Auswahl der einzelnen Stellen fühlte ich mich
Auch in ihrer Uebersetzung nicht an Engels gebunden, weil auch da
für mich der Gesichtspunkt der leichten Verständlichkeit zur Geltung
 kam. Aber daß ich die klassische Engelssche Uebersetzung
möglichst oft akzeptierte, ist selbstverständlich.
Es erhob sich die Frage, ob die der französischen Vebersetzung
entnommenen Aenderungen nicht besonders als solche kenntlich
gemacht werden sollten, etwa durch Einklammerung. Engels hat
davon abgesehen, und ich glaube, er tat recht daran. Nicht immer
sind die durch die Uebersetzung veranlaßten Aenderungen einfache
Das Kapital. I.
        <pb n="16" />
        XVII
Zusätze. Sie erforderten häufig Umwandlungen einzelner Sätze,
Weglassungen einzelner Partien; manchmal wieder betreffen sie
nur einzelne Worte. Hier überall anzuzeigen, wo und was geändert
worden, hätte den Leser sehr gestört. Was Engels für seine Ausgabe
 nicht für notwendig hielt, wurde erst recht entbehrlich, ja
überflüssig für eine populäre Ausgabe, die von aller Pedanterie
absehen muß.
Für die vierte Auflage benutzte Engels neben der französischen
auch noch die englische Uebersetzung, die 1887 erschien. Für diese
hatte, wie Engels in seinem Vorwort zu ihr berichtet, Eleanor Marx-Aveling
 „die Zitate mit den.Originalen verglichen und bei den zahl
reichen Stellen, die englischen Autoren und Blaubüchern entnommen
und von Marx ins Deutsche übertragen waren, keine Rückübersetzung
vorgenommen, sondern den englischen Originaltext hergestellt“,
Außerdem hatte F. A. Sorge, Hoboken, den Uebersetzern ein Marxsches
 Manuskript zur Verfügung gestellt, in dem Marx ungefähr
zehn Jahre vor dem Erscheinen der englischen UVebersetzung (also
um das Jahr 1877 herum) Anweisungen für eine englische Ausgabe
gegeben hatte, Anweisungen, die zum größten Teil durch spätere
mündliche Anweisungen von Marx an Engels für die dritte Auflage
überholt waren, so daß Engels sie nur wenig benutzte.
Die Vergleichung der zitierten Stellen mit den Originalen ebenso
wie die Herstellung der englischen Originale an Stelle der deutschen
Vebersetzungen veranlaßte einige Korrekturen in der englischen
Ausgabe.

Vorwert des Herausgebers.

In seiner Vorrede zur vierten Auflage bemerkt Engels darüber:
Es fanden sich mancherlei kleine Ungenauigkeiten. Hinweise auf unrichtige
 Seitenzahlen, teils beim Kopieren aus den Heften verschrieben, teils
im Verlauf von drei Auflagen gehäufte Druckfehler. Unrichtig gesetzte
Anführungszeichen oder Lückenpunkte, wie dies bei massenhaftem Zitieren
aus Auszugsheften unvermeidlich. Hier und da ein weniger glücklich
gewähltes Uebersetzungswort. Einzelne Stellen zitiert aus den alten Pariser
Heften 1848—45, wo Marx’ noch kein Englisch verstand und englische
Oekonomen in französischer Uebersetzung las; wo dann‘ der doppelten
Vebersetzung eine leichte Aenderung der Klangfarbe entsprach, zum Beispiel
 bei Steuart, Ure und andern — wo jetzt der englische Text zu benutzen
war. Und was dergleichen kleine Ungenauigkeiten und Nachlässigkeiten
mehr sind. ,
Wenn man nun die vierte Auflage mit den vorigen vergleicht, so wird
man sich überzeugen, daß dieser ganze mühsame Reinigungsprozeß an dem
Buche aber auch nicht das geringste geändert hat, das der Rede wert ist,
Nur ein einziges Zitat hat nicht gefunden werden können, das aus Rich. Jones
(4. Auflage, S. 562, Note 47). Marx hat sich wahrscheinlich im Titel des
Buches verschrieben. Alle andern behalten ihre volle Beweiskraft oder
verstärken sie in der jetzigen exakten Form.
        <pb n="17" />
        Vorwort des Herausgebers.

XIX

Dieser „ganze mühsame: Reinigungsprozeß“. ist sicher sehr
dankenswert und höchst nützlich gewesen. Indes blieb mir noch
eine Nachlese übrig.
Die Bemerkung, Eleanor Marx habe „sämtliche angeführten
Stellen mit den Originalen verglichen“, bezieht sich offenbar nur auf
die Zitate aus englischen Quellen. Soweit es mir möglich war, habe
ich auch die andern Zitate des Textes mit den Originalen verglichen,
inbegriffen solche, bei denen die Stellen, in denen sie zu finden,
nicht angegeben waren, wie zum Beispiel das Zitat aus Aristoteles,
S. 26. Nicht immer konnte ich mich den Aenderungen Marxscher
Vebersetzungen anschließen, die Engels vollzog. So übersetzte Marx
den Satz: „The refractory hand of labour will always be taught
docility“ mit: „(Das Kapital) zwingt die rebellische Hand der
Industrie zum Gehorsam“. Engels änderte das in: „zwingt
die rebellische Hand der Arbeit zur Gelehrigkeit“. Die
Ersetzung der „Industrie“ durch „Arbeit“ bedeutete sicher eine
Verbesserung. Dagegen konnte ich es nicht als solche anerkennen,
wenn „docility“ durch „Gelehrigkeit‘“ übersetzt wurde. „Gehorsam“
war allerdings nicht ganz genau. Ich habe „Fügsamkeit“ gewählt
(S. 380 der vorliegenden Ausgabe).
Die Benutzung der französischen Ausgabe des „Kapital“ hat
ebenfalls hier und da eine neue Ungenauigkeit hervorgerufen. So
übersetzt Marx dort auf S. 222 einen Satz aus J. St. Mills „Principles
of Political Economy“, London 1860, S. 253, folgendermaßen:
Je presuppose toujours V’etat actuel des choses, qui predomine universellement
 ä peu d’exceptions prös, c’est &amp;amp; dire que le capitaliste fait toutes
les avances y inclus la remuneration du travailleur.
Dazu bemerkt Marx:
Etrange illusion d’optique de voir universellement un etat de choses
qui n’existe encore que par exception sur notre globe.
Engels gibt das Zitat aus Mill mit den Worten wieder: ;
Ich setze überall den gegenwärtigen Stand der Dinge voraus, der bis
auf wenige Ausnahmen überall herrscht, das heißt, daß der Kapitalist alle
Vorschüsse macht, die Bezahlung des Arbeiters inbegriffen.
Die Marxsche Bemerkung dazu lautet in der Engelsschen Uebersetzung:

Seltsame optische Täuschung, überall einen Zustand zu sehen, der bis
jetzt nur ausnahmsweise auf dem Erdball herrscht.
Diese Uebersetzungen sind sicher vollkommen korrekt, Engels
hätte sie aber nicht niedergeschrieben, wenn er Mill nicht aus der
französischen Uebertragung, sondern aus dem englischen Original
übersetzt hätte. Dort heißt es:
        <pb n="18" />
        XXX

Vorwort des Herausgebers.

{ assume throughout the. state of things which, where the
labourers and capitalists are separate classes, prevails,
with few exceptions, universally ete.
Das heißt:.
Ich setze überall den Stand. der Dinge voraus, der dort, wo Ar.
beiter und Kapitalisten verschiedene Klassen bilden,
bis auf wenige Ausnahmen, allgemein herrscht, usw.
Der gesperrt gedruckte Satz ist von Marx offenbar übersehen
worden, als er den schriftlichen Auszug aus dem Werk für seine
Hefte machte. Er gibt dem Millschen Passus einen bedingten Sinn,
der die Marxsche Kritik gegenstandslos macht. Ich habe sie daher
in der vorliegenden Ausgabe weggelassen, was ich um so eher
durfte, als sie mit dem Gegenstand, den Marx dort behandelt, nur
lose zusammenhängt.
Gelegentlich habe ich mir erlaubt, Marx selbst zu korrigieren.
Er schreibt in der zweiten Auflage auf S. 123/124 (vorliegende Ausgabe
 S. 99):
Aus dem Gesetz über die Umlaufsgeschwindigkeit der Zahlungsmittel
folgt, daß für alle periodischen Zahlungen, welches immer ihre Quelle, die
notwendige Masse der Zahlungsmittel in umgekehrtem Verhältnis zur Länge
üer Zahlungsperioden steht.
Das Beispiel, das er zur MNlustrierung des Satzes in der Fußnote
aus Petty zitiert, beweist jedoch das Gegenteil. Je kürzer die
Zahlungsperiode, desto geringer die notwendige Masse der Zahlungsmittel.
 Sie ist bei wöchentlicher Zahlung viel kleiner als bei vierteljährlicher.
 . Hier liegt offenbar ein Schreibfehler vor. Es muß
heißen: „In geradem Verhälinis“.
Und ebenso beruht es wahrscheinlich auf einem Schreibfehler,
wenn es auf S. 193 (S. 158 der vorliegenden Ausgabe) heißt, daß
ein Produktionsmittel ganz in den Arbeitsprozeß eingehen kann, das
nur zum Teil in den Verwertungsprozeß eintritt. Das ist richtig,
gilt aber nicht bloß für den Verwertungsprozeß, sondern für jeden
Wertbildungsprozeß. Ich habe daher letzteres Wort an Stelle des
ersteren gesetzt.
Das sind natürlich nur ganz untergeordnete Aenderungen. Ich
kann auch von meinem „Berichtigungsprozeß“ nur wiederholen, was
Engels von dem seinen sagt, daß er „an dem Buche aber auch nicht
das geringste ändert, das der Rede wert ist“.
Neben dem Berichtigungsprozeß war ein Reinigungsprozeß zu
vollziehen, die Reinigung von Ausdrücken, die aus fremden Sprachen
entnommen waren. Wie bei der bisher geschilderten redaktionellen
Tätigkeit, folgte ich auch hier den Spuren der Arbeit, die schon
Engels bei seiner Herausgabe geleistet, aber auch hier fühlte ich
        <pb n="19" />
        Vorwort des. Herausgebers.

XXI

mich berechtigt, weiter zu gehen, als‘ Engels getan, weil meine
Aufgabe nicht mit der seinen zusammenfiel.
Der Kampf gegen die Fremdworte hatte vor allem in einer Ausmerzung
 von Anglizismen zu bestehen, das heißt von Worten
und Wendungen, die dem Englischen entnommen waren.
Für Marx war zur Zeit. der Niederschrift des „Kapital“ das
Englische ebenso geläufig wie das Deutsche. Seinen in England
aufgewachsenen Kindern war das Englische die vertrauteste Sprache
geworden, so wurde es auch für Marx die Sprache des täglichen
Verkehrs. Das bewirkte, daß ihm oft unbewußt das Englische näher
lag als das Deutsche. Dazu kam aber auch eine bewußte Bevorzugung
 in manchen Dingen. Zur Zeit seiner Studien war England
 das einzige Land, das einen entwickelten Kapitalismus und
eine Entwicklung der Theorie des Kapitalismus aufwies. Die
Materialien wie die Terminologie, die Kunstsprache, seiner Wissenschaft
 waren fast ausschließlich englisch. Zu alledem kam endlich,
daß Marx bei seiner gleichmäßigen Beherrschung der drei großen
Sprachen Westeuropas in einem gegebenen Moment am liebsten zu
jener grifi, die seinen Zwecken gerade am besten entsprach, seinen
Gedanken den präzisesten, feinsten oder kraftvollsten Ausdruck
verlieh. Da lehnte er sich auch, wenn er Deutsch schrieb, mitunter
an: eine französische oder, und zwar mit Vorliebe, englische Wendung
 an, nicht aus Versehen oder Vergeßlichkeit, sondern mit Absicht,
 um die Wirkung seiner Worte zu verstärken. Seine Anglizismen
sind ein wesentlicher Bestandteil seines Stils geworden, ohne sie
hätte er nicht seine so packende und treffende Eigenart erlangt.
Aber nicht alle seine Anglizismen sind dieser Art; es gab
welche, die entbehrlich, ja schädlich erscheinen, weil sie bei dem
des Englischen nicht kundigen Leser leicht Mißverständnisse hervorrufen
 können.

Marx hatte schon nach dem Erscheinen der zweiten deutschen
Auflage begonnen, den Text von Anglizismen letzterer Art zu
reinigen. Wie Engels in der bereits zitierten Stelle aus seiner Vorrede
 zur dritten Auflage erzählt, hatten beide sich auch darüber verständigt
 und Engels war mit der Reinigungsarbeit fortgefahren.
{ch habe selbstverständlich die von den beiden vollzogenen
Aenderungen des Textes der zweiten Auflage vollständig akzeptiert,
glaubte aber auch hier auf dem von den beiden beschrittenen Wege
weitergehen zu dürfen und müssen als sie, aus dem schon früher
angeführten Grunde, weil für die vorliegende Ausgabe der Grundsatz
 der Leichtverständlichkeit eine größere Rolle spielte. Außerdem
 aber war Engels, wenn auch nicht in So hohem Grade wie
Marx, doch auch so sehr im englischen Leben aufgegangen, daß ihm
        <pb n="20" />
        XXI ,
ein Anglizismus nicht immer auffiel. Er hat noch manchen im
„Kapital“ stehen gelassen, der auszumerzen war.
So wird zum Beispiel noch in der vierten Auflage, S. 139, von
der Lehre Benthams gesprochen, daß der Eigennutz die einzige Macht
sei, die die Menschen zusammenbringt, wobei „jeder nur für sich
und keiner für den andern kehrt“. Dieses Kehren gibt kaum
einen Sinn, wenn man es nicht in Verbindung bringt mit dem englischen
 care, sorgen.

Vorwort. des Herausgebers,

Auf S. 219, Note 91, heißt es: „Die Nervenkraft verliert ihren
Ton.“ Hier schwebte Marx das englische Tone, lateinisch Tonus,
Spannkraft, vor.
In derselben Note ist von „plastischem Blute“ die Rede.
Gemeint ist „stoffbildendes Blut“.
Auf S. 221 wird der Satz: „Slept on the floor of the
furnace“, „ich schlief auf dem Fußbod en des Hochofens“, übersetzt
 mit: „Schlief auf dem Flur“, welche niederdeutsche Form
den französischen Uebersetzer verführte, zu schreiben: „J’ai dormi
dans les cham ps“, „ich schlief auf freiem Felde“.
Earthenware, irdenes Geschirr, wird auf S, 257 und 260 als
„Erdenware“ bezeichnet, S. 441 gar als „Erdengut“.
Auf S. 300 spricht Marx von der Manufakturperiode, die „rauh
angeschlagen“, vom 16. bis ins 18. Jahrhundert währt. Dieses ra uh
ist das englische rough, das nicht nur rauh bedeutet, sondern auch
ungefähr.

Oefters gebraucht Marx das Wort „untergehen“, wo er nicht ein
Zugrundegehen, sondern ein Durchmachen bezeichnen will, wofür
der Engländer das Wort undergo anwendet. Einige Male hat Engels
in der dritten und vierten Auflage dieses verbessert, aber nicht
durchgehends.
Aus dem Französischen wieder ist das Wort „einrollieren“ entnommen
 (enroler, anwerben). Auch das hat Engels gelegentlich
verdeutscht, aber hin und wieder stehen lassen, so S. 426, Fußnote:
 „Darunter 1286 Arbeiterinnen, vom 5, Jahre an einrolliert.“
Oder S. 609: „In die aktive Arbeiterarmee einrolliert.“
S. 456 wird der Satz: „He always felt restless at night“ mit
den Worten wiedergegeben: „Er fühle sich stets rastlos des
Nachts.“ Gemeint ist, er fühle sich stets beunruhi gt, durch den
Gedanken an die Konkurrenz der andern.
Auf S. 564 wird Liquors, Flüssigkeiten, übersetzt mit „Liköre“:
„Ihr Getränk besteht aus Wasser oder ähnlichen schwachen Likören.“
(Their drink is either water or some other small liquors.)
        <pb n="21" />
        Vorwort des Herausgebers.

XXI

Auf S. 636 ist die Rede von einem Arbeitslosen, der nichts
besitzt als ein „K1luster Pfandzettel“. Das englische Wort Cluster
bezeichnet ein Bündel oder einen Haufen.
Die auffallendsten Anglizismen hat Engels freilich beseitigt. So
sprach in der zweiten Auflage Marx noch von der Einzäunung innerhalb
 eines Pfahls (pale), was Engels durch „Umpfählung“ ersetzte.
(4. Auflage, S. 701.)
Den Satz: „All residence of agricultural population in a parish
is glaringly an addition to its poor rates“ übersetzte Marx mit: „Alle
Residenz einer Ackerbaubevölkerung in einer Pfarrei ist augenscheinlich
 ein Zuschuß zu ihrer Armensteuer.“ (2. Auflage,
S. 713.)
Die Residenz von Landarbeitern erschien Engels doch ein
zu großer Anglizismus. Er ersetzte das Wort „Residenz“ durch das
Wort „Ansässigkeit“. (4. Auflage, S. 649.) Indes scheint mir der
Satz, daß „alle Ansässigkeit einer Ackerbaubevölkerung einen Zuschuß
 zu ihrer Armensteuer bedeutet“, noch nicht hinlänglich klar
zu sein. Unter einem „Zuschuß“ zu einer Armensteuer braucht man
doch nicht eine Vermehrung der Armenlast zu verstehen. Ich habe
daher dem Satz die Form gegeben: „Jede Niederlassung von Landarbeitern
 in einer Pfarrei bedeutet offenbar eine Vermehrung ihrer

Armensteuer.“

Auf S. 720 (2. Auflage) hatte Marx geschrieben, die „Landlords
lassen dem armen Nest frei zur Ader“. Freely bedeutet im Englischen
 aber nicht bloß „frei“, sondern auch „reichlich“, und dies
war es offenbar, was Marx sagen wollte. Engels ersetzte das „frei“ in
der 4. Auflage (S. 655) durch „flott“. In der englischen Uebersetzung
des „Kapital“ heißt es im Auszug aus Dr. Hunter: „The absentee
landlords bleed this poor rookery too freely.“ Ich glaube, dies
wird am besten nicht durch „flottes‘“, sondern durch „allzu reichliches“
 Aderlassen bezeichnet. Diese Form habe ich auch gewählt.
Weitere Beispiele anzuführen, wäre zu ermüdend. Die mitgeteilten
 dürften genügen, zu zeigen, daß die Ausmerzung der
Anglizismen keine so einfache Sache war, um so mehr, als man sich
vor Vebertreibungen hüten mußte. Man durfte dabei nicht so weit
gehen, daß die Eigenart und Kraft der Marxschen Sprache aufgehoben
 wurde. Anglizismen, von denen anzunehmen war, sie seien
bewußt gewollt, und bei denen ein Mißverständnis nicht zu erwarten
war, habe ich stehen gelassen. Natürlich war es nicht in jedem einzelnen
 Falle leicht, zu entscheiden, ob man den vorgefundenen Text
stehen lassen oder ändern solle.
Fast noch größere Schwierigkeiten boten die sonstigen Fremdworte,
 die Marx reichlich angewandt hat. Das hängt zum Teil mit
        <pb n="22" />
        XXIV

Vorwort. des Herausgebers.

seiner Gewohnheit zusammen, in englischer Sprache zu denken. Der
Engländer gebraucht weit mehr Fremdworte, namentlich lateinische,
als wir. Ein anderer großer Teil der von Marx gebrauchten Fremdworte
 ist aber der Gelehrtensprache, namentlich der Sprache der
Philosophen und der Mathematiker entnommen. \

Alle diese Fremdworte über einen Kamm zu scheren und zu
verdeutschen, ging nicht an. Sicher gibt es eine Menge unter ihnen,
die ohne weiteres durch deutsche Worte ersetzt werden können.
Sie finden bloß deshalb Anwendung, weil die Gelehrten an sie gewöhnt
 sind, sie ihnen als vertrautes Handwerkszeug näher zur Hand
liegen, als die entsprechenden Worte der Umgangssprache, die sie
erst suchen müssen, wobei es nicht immer leicht ist, das geeignete
Wort zu finden, das dem gelehrten Kunstausdruck entspricht. Eine
gelehrte Arbeit ohne Fremdworte zu schreiben, ist unter Umständen
ein mühseligeres Geschäft, als sie mit Fremdworten zu spicken. Dem
Unerfahrenen wird freilich das letztere mehr imponieren und auch
den Anschein erwecken, als stecke weit mehr Arbeit darin.
Wer aber für Arbeiter schreiben will, für ein Publikum, dem
die Vertrautheit mit der Sprache der Gelehrten fehlt, der darf sich
die Mühe nicht verdrießen lassen, für alle entbehrlichen Fremdworte
 die entsprechende deutsche Bezeichnung zu suchen.
Diese Notwendigkeit wurde bereits von Marx anerkannt. Hatte
ihn bei der Abfassung des Textes des „Kapital“ zunächst ganz die
Aufgabe gefangen genommen, den ganzen ungeheuren Stoff zu bewältigen
 und zu gliedern, wobei es ihm nur auf die Genauigkeit und
nicht auch auf die leichte Verständlichkeit seiner Worte ankam, so
trachtete er später, sobald er erst einmal diese schwere Aufgabe gelöst,
 auch den Gesichtspunkt der leichteren Verständlichkeit mehr
zur Geltung kommen zu lassen. Die zweite deutsche Auflage und
dann die französische Uebersetzung schreiten darin immer weiter
fort.

Freilich ist es noch mehr die Art der Darstellung als die Reinigung
 von Fremdwörtern, die Marx da beschäftigt. Indes blieb er
nicht blind für die Notwendigkeit der letzteren Aufgabe. Hier und
da gab er in Noten seines Handexemplars der zweiten Auflage Hinweise,
 wie Fremdworte durch deutsche Worte ersetzt werden könnten.
 So finden wir dort auf S. 13 das Wort „das Residuum“
(der Arbeitsprodukte) durchstrichen und darüber geschrieben: „den
Rest“. Auf derselben Seite weiter unten statt „abstrakt mensch.
liche Arbeit“ „schlechthin menschliche Arbeit“. Und vorher
schon, auf S. 11, durchstrich er das Wort: „cCOniradictio in
adjecto“ und ersetzte es durch: „Widersinn“.
        <pb n="23" />
        Vorwort. des Herausgebers.

XXV
Leider wurde er durch andere Aufgaben offenbar wieder abgelenkt;
 so hat er diese Verdeutschungen nicht weiter verfolgt. Und
Engels hat auch diese Ansätze nicht beachtet. Wir finden in der
vierten Auflage noch die .contradictio in adiecto (S. 3), wie das
Residuum (S. 4).
Für die gelehrite Welt wären diese Verdeutschungen auch höchst
überflüssig. Wohl aber erschien. es mir eine Hauptaufgabe bei der
Herstellung einer. populären Ausgabe zu sein, in solchen Verdeutschungen
 so weit zu gehen, als es möglich war, ohne die. Genauigkeit
 und Schärfe der Gedanken zu schädigen.
Dabei blieb indes immer noch eine Fülle von Fremdworten, die
durch deutsche nicht ersetzbar waren. Jede Wissenschaft ist genötigt,
 sich im Laufe ihres Fortschritts eine eigene Sprache zu
schaffen. Die gewöhnliche Umgangssprache. bezeichnet nur die Erscheinungen
 der Oberfläche. . Sobald man tiefer gräbt, stößt man auf
Begriffe, für die in der herkömmlichen Sprache die. Worte fehlen.
Entweder muß man zu ihrer Bezeichnung neue Worte erfinden oder
hergebrachten, die man irgendeiner Sprache, meist der lateinischen
oder griechischen entnimmt, einen besonderen Sinn geben, der mit
ihrem ursprünglichen nicht völlig zusammenfällt, der daher durch
eine bloße Uebersetzung nicht genau wiederzugeben ist. Immerhin
wird das Verständnis solcher Bezeichnungen erleichtert, wenn man
erfährt, was sie in ihrem gewöhnlichen Sinne bedeuteten.
Solche Fremdworte durfte man natürlich nicht ausmerzen. Und
ich glaubte auch manche, die durch deutsche ersetzbar waren, nicht
entfernen zu dürfen, wenn sie für die Marxsche Ausdrucksweise bezeichnend
 und bereits fester Bestandteil des Sprachschatzes der
marxistischen Literatur geworden sind, so daß sich jeder mit ihnen
vertraut machen muß, der dieser Literatur näher treten will. Um
solche Worte leichter verständlich zu machen, habe ich jedem von
ihnen dort, wo es zum ersten Male auftritt, als Erläuterung das
seinem Sinne am meisten nahekommende deutsche Wort beigefügt,
in eine eckige Klammer eingeschlossen. Nur selten, wo es ganz
unmöglich schien, das Fremdwort mit einem oder zwei Worten
verständlicher zu machen, habe ich die Zuflucht zu einer Fußnote
genommen. Die von mir herrührenden Noten sind mit einem K.
gezeichnet. Wo ich fürchtete, die Beifügung der Verdeutschung
würde den Fluß der Darstellung unnötigerweise hemmen und
stören, habe ich von solcher Beifügung abgesehen.
Darüber, welche Worte einer erläuternden Beifügung bedurften,
wird man in einzelnen Fällen verschiedener Meinung ‘sein können.
Man konnte nicht etwa jedes Wort als Fremdwort auffassen, das
aus einer fremden Sprache stammt. Es gibt Worte, die aus einer
        <pb n="24" />
        XXVI ;

Vorwort des Herausgebers.

andern Sprache stammen, sich aber so eingebürgert haben, daß sie
uns weniger fremd sind als manches deutsche Wort. Was der Juni
ist, weiß jedermann. Der Brachmond ist weit weniger bekannt.
Für den gewöhnlichen deutschen Leser müßte man eher das deutsche
Wort durch das lateinische übersetzen, als umgekehrt.
Für welche Fremdworte eine Uebersetzung oder Erläuterung
notwendig erscheint, wird davon abhängen, welche Kenntnisse man
bei den Lesern des „Kapital“ voraussetzt. Nun darf man wohl annehmen,
 daß sich nur intelligente Arbeiter an dessen Lektüre heranmachen,
 die schon aus der Zeitungsliteratur mit zahlreichen Fremdworten
 vertraut sind. Aber niemand liest eine Zeitung mit. dem
Fremdwörterbuch in der Hand. Bei der Hast, mit der man sie zu
lesen pflegt, führt die Anwendung zahlreicher Fremdworte in
ihnen leicht nicht zu vermehrtem Verständnis solcher, sondern zur
Gewohnheit, über unverstandene Worte hinwegzuhuschen, deren
Sinn man halb errät, halb mißversteht, um sie dann ebenso halb
richtig, halb verkehrt anzuwenden.
Gerade die Gewohnheit, mit den Fremdwörtern in der Zeitung
so zu verfahren, legt. die Gefahr nahe, daß der Leser sich auch im
„Kapital“ mit Wörtern, die ihm nicht geläufig sind, in gleicher Weise
abfindet. Darum erschien es mir angezeigt, bei den Erläuterungen
von Fremdwörtern lieber zu viel als zu wenig zu geben. Allerdings,
öfter vorkommende Fremdworte jedesmal zu erläutern, erschien mir
überflüssig.
Wem ich bei den Uebersetzungen. und Erläuterungen . von
Fremdworten nicht weit genug ging, dem muß ich dringend den
Gebrauch eines Fremdwörterbuches anraten, etwa die neue Auflage
des Liebknechtschen. Eine Reihe Erläuterungen von Eigennamen,
darunter auch solche wie Maritorne, Bill Sykes, Pindar, Fortunatus,
sind im Namenregister gegeben, auf das ich noch zu sprechen komme.
Unmöglich war es, etwa noch zu erklären, was zum Beispiel der Gral
bedeutet. Das hätte unerträgliche Störungen im Text gegeben und das
Buch wäre schließlich zu einem Konversationslexikon angeschwollen.
Wo sich eine Erläuterung mit einem Wort machen ließ, hat Marx
selbst eine solche mitunter in der französischen Uebersetzung eingefügt.
 So bemerkte er über die Wittib Hurtig, sie sei die Freundin
Falstaffs gewesen (französische Vebersetzung, S. 18, 4. Auflage S. 14).
Derartige Zusätze habe ich natürlich aus der französischen Uebersetzung
 übernommen und nach ihrem Vorbild auch selbst einige
gemacht, aber nur dort, wo es sich ohne Aufdringlichkeit und ohne
Störung des Zusammenhanges mit einem Wort bewerkstelligen ließ.
Ganz verzichtet habe ich auf erläuternde Noten, die das von
Marx vorgebrachte Tatsachenmaterial, das jetzt ein halbes Jahr-
        <pb n="25" />
        Vorwort des Herausgebers.
hundert alt ist, .bis auf die neueste Zeit fortführen und ergänzen.
Es ist kein Zweifel, daß das Buch an Brauchbarkeit durch solche
Noten sehr gewinnen würde, auch schreien manche Stellen geradezu
nach einer Fortsetzung und Ergänzung. .Ich hegte denn auch die
Absicht, wie schon Engels vor mir getan, ergänzende Noten zu geben.
Ich hatte damit. bereits. begonnen, kam aber von meinem Vorhaben
wieder ab.

XXVI

Diese Noten wären sehr einfach dort, wo die neueren Verhältnisse
 eine bloße Fortsetzung der von Marx geschilderten sind. Aber
in dem halben Jahrhundert, das seitdem verflossen, sind die mannigfachsten
 Aenderungen eingetreten. England hat sein Industriemonopol
 verloren, es wird immer mehr von Deutschland und den
Vereinigten Staaten überflügelt. Die herrschende Rolle der Textilindustrie
 hat aufgehört, die Technik hat enorme Umwälzungen
durchgemacht usw. Diese ganze Entwicklung bildet die glänzendste
Bestätigung des „Kapital“, sie wird durch dieses erst vollständig
verständlich, aber sie ist keine geradlinige, sondern eine dialektische
Entwicklung.
Die Fortsetzung der Ausführungen des „Kapital“ bis in die
Gegenwart müßte zeigen nicht nur, daß dieselben Tendenzen heute
wie damals herrschen, sondern auch wo und warum ihre Erscheinungsformen
 andere geworden sind. Das ließe sich in einzelnen
kurzen Noten nicht machen, das würde eine Reihe Monographien
über die verschiedensten Gebiete erheischen. Es ist fraglich, ob das
ungeheure Material, das die rapide Ausdehnung und Umwälzung
des Kapitalismus in dem letzten halben Jahrhundert geliefert, selbst
durch eine so gewaltige Arbeitskraft, wie die von Marx, noch allseitig
 bewältigt werden könnte, Selbst das vornehmlich auf England
beschränkte Material des „Kapital“ hätte Marx nicht so meisterhaft
beherrschen können ohne Engels Mithilfe. Es ist ganz ausgeschlossen,
daß einem der heute Lebenden das gleiche für den modernen internationalen
 Kapitalismus gelingt. Und wenn es gelänge, gäbe das
ein Werk für sich, keine bloße Mustrierung des „Kapital“.
Werden aber die erläuternden Noten nicht in ausreichender
Vollständigkeit, sondern nur dort gegeben, wo sie kurz und leicht
zu fassen sind, dann liegt die Gefahr nahe, daß sie das Gegenteil
dessen erzielen, was sie bewirken sollen. Sie erwecken einen
falschen Eindruck, wenn sie gerade dort schweigen, wo am meisten
neu zu sagen wäre. Der Leser glaubt dann, in der neuen Ausgabe
nicht bloß zu erfahren, wie die Dinge vor fünfzig Jahren lagen,
sondern auch, wie sie heute liegen, und wird dabei in allen Punkten
im Stiche gelassen, in denen sich die wichtigsten Veränderungen
vollzogen haben.
        <pb n="26" />
        XXVIIH

Vorwort des Herausgebers.

Selbst Engels hat in seinen ergänzenden Noten zur dritten und
vierten Auflage auch nicht annähernd nach Vollständigkeit getrachtet,
 sondern nur hier und da, wo er sich gerade dazu angeregt
fühlte, eine ergänzende Bemerkung gemacht. Das mochte auch vor
einem Vierteljahrhundert genügen, wo die Veränderungen gegenüber
 den Marxschen Schilderungen noch nicht so weit gediehen
waren.

Natürlich durfte ich nicht von diesen Engelsschen Noten absehen.
Die Neuausgabe sollte nirgends ärmer sein als ihre Vorgänger. Ich
mußte die Engelsschen Zusätze benutzen. Aber ihnen gegenüber
galten nicht die Bedenken, die ich eben dargelegt. Etwaige Veränderungen
 der letzten Jahrzehnte darzulegen, war hier stets mit
wenigen Worten möglich, wo es überhaupt notwendig wurde. Ich habe
überall dort die erforderlichen Zusätze gemacht.
Darüber hinauszugehen, das Marxsche Gesamtwerk zu modernisieren,
 fühlte ich mich ‚als sein Herausgeber weder berufen noch
berechtigt. Bei aller Aktualität, die es heute noch erfüllt und es
zum lebenskräftigsten Werke unserer Literatur macht, ist es doch
ein historisches Dokument und als solches zu lesen. Der Leser darf
nie vergessen, daß es .einer andern Zeit entstammt als der heutigen,
der Zeit des Industriemonopols Englands, des Manchestertums, des
Freihandels, der Zeit, in der der Liberalismus und nicht die Sozialdemokratie
 der Angelpunkt war, um den sich alle Politik drehte.
Wenn Marx im „Kapital“ von „jetzt“ spricht, bezieht sich das
indes nicht immer auf das gleiche Jahr. Die erste Auflage wurde
1867 fertiggestellt, die zweite 1872, das letzte Heft der französischen
Uebersetzung 1875. Jede dieser Ausgaben brachte ‘Neuerungen und
Zusätze. Verschiedene Sätze und Noten in den späteren Auflagen
rühren also aus verschiedenen Zeiten her. Wo sie von: „jetzt“
sprechen, wurde es daher notwendig, in jedem Falle festzustellen.
welches Datum damit gemeint ist.

So wenig aber wie den historischen, wollte ich den lokalen Charakter
 des Werkes antasten. Wohl wirkt es sehr störend, daß Marx
last nur mit englischen Maßen, Gewichten und- Geldeinheiten operiert,
 die dem deutschen Leser so wenig vertraut sind und das Rechnen
 so schwerfällig machen. Marx selbst hatte in der französischen
Uebersetzung versucht, französische Bezeichnungen für die englischen
 einzusetzen, mit Franken, Metern und ‘Kilogrammen zu
operieren, es aber bald aufgegeben. Denn schließlich konnte er
nur bei den erfundenen Beispielen diese Umwandlung vornehmen,
nicht bei den dem Leben entnommenen, die alle der englischen
Wirklichkeit entstammten und ihren Stempel {rugen.
        <pb n="27" />
        Vorwort des Herausgebers.

XXIX

Um so weniger konnte*ich dazu übergehen, an Stelle der englischen
 Geldbezeichnungen deutsche zu setzen, die nicht nur den
lokalen, sondern auch den historischen Charakter des Werkes geändert
 hätten. Denn als das heutige deutsche Geldsystem aufkam,
war das „Kapital“ bereits geschaffen.
Auch für mich galt, was darüber Engels in der Vorrede zur
dritten Auflage sagt: ;
Ebensowenig habe ich mir erlaubt, das im Text durchweg gebrauchte
englische Maß und Gewicht auf seine neudeutschen Aequivalente zu reduzieren.
 Als die erste Auflage erschien, gab es in Deutschland so viele
Arten von Maß und Gewicht wie Tage im Jahr, dazu zweierlei Mark (die
Reichsmark galt damals nur im Kopfe Soetbeers, der sie Ende der dreißiger
Jahre erfunden), zweierlei Gulden und mindestens dreierlei Taler, darunter
einer, dessen Einheit das „neue Zweidrittel“ war. In der Naturwissenschaft
 herrschte metrisches, auf dem Weltmarkt englisches Maß und Gewicht.
 Unter solchen Umständen waren englische Maßeinheiten selbstverständlich
 für ein Buch, das seine tatsächlichen Belege fast ausschließlich
aus englischen industriellen Verhältnissen zu nehmen genötigt war.
Nur in einem Punkte habe ich mir gestattet, die englische Maßeinheit
 anzutasten: die Temperaturangaben nach Fahrenheit habe
ich durch solche nach Celsius ersetzt.
Soviel über den Text. Und nun noch ein Wort über die Marxschen
 Fußnoten. Sie dienten dreierlei Zwecken... Die einen sind
geistreiche Bemerkungen, dazu bestimmt, den Leser zu erfrischen,
der des trockenen Tones satt ist. Andere haben die Aufgabe, tatsächliche
 Belege zu dem in dem Text Ausgeführten zu liefern. Nicht
wenige davon könnten leicht in den Text selbst verlegt werden.
Marx hat auch in der französischen Ausgabe eine sehr lange Note
über die Bergwerksarbeiter in den Text gesetzt und Engels ist ihm
in der vierten Auflage darin gefolgt. Es lag nahe, mit noch andern
Noten desgleichen zutun. Ich habe jedoch davon Abstand genommen,
um die Numerierung der Fußnoten nicht zu stören. In der deutschen
Ausgabe (leider nicht auch in der französischen und englischen)
sind die Fußnoten innerhalb jedes Abschnitts fortlaufend numeriert.
So verschieden die Seitenzahlen der verschiedenen. Auflagen sind,
die Nummern der gleichen Fußnoten bleiben in allen, bis auf einige
geringfügige Ausnahmen, dieselben. Das erleichtert. die Vergleichung
 verschiedener Auflagen und das Zurechtfinden in einer
fremden Auflage.
Diese erwünschte Uniformität wollte ich ohne Not nicht stören,
und daher sah ich davon ab, die tatsächlichen Illustrationen dort, wo
es sonst angängig wäre, aus Fußnoten in den Text zu übertragen.
Die dritte Aufgabe der Fußnoten im „Kapital“ besteht aber
darin, die Geschichte der ökonomischen Theorien zu illustrieren.
        <pb n="28" />
        XXX Vorwort des Herausgebers,
Engels sagt darüber in seiner schon mehnrfach zitierten Vorrede zur
dritten Auflage:
+. WO theoretische Ansichten anderer Oekonomen zitiert werden.
Hier soll ‚das Zitat nur feststellen, wo, wann und von wem ein im Laufe
der Entwicklung. sich ergebender ökonomischer Gedanke zuerst klar ausgesprochen
 ist. Wobei es nur darauf ankommt, daß die fragliche ökonomische
 Vorstellung für die Geschichte der Wissenschaft Bedeutung hat,
daß sie der mehr oder weniger adäquate theoretische Ausdruck der
Skonomischen Lage ihrer Zeit ist. Ob aber diese Vorstellung für den Standpunkt
 des Verfassers noch absolute oder relative Geltung hat, oder ob sie
bereits ganz der Geschichte verfallen, darauf kommt es ganz und gar nicht
an. Diese Zitate bilden also nur einen, der Geschichte der ökonomischen
Wissenschaft entlehnten, laufenden Kommentar zum Text und stellen die
einzelnen wichtigeren Fortschritte der ökonomischen Theorie nach Datum
und Urheber fest. Und das war sehr nötig in einer Wissenschaft, deren
Geschichtschreiber bisher nur durch tendenziöse, fast streberhafte Unwissenheit
 sich auszeichnen. — Man wird es nun auch begreiflich finden, weshalb
Marx im Einklang mit dem Vorwort zur zweiten Ausgabe nur ganz ausnahmsweise
 deutsche Oekonomen anzuführen in die Lage kommt.
In seinen Fußnoten zitiert aber Marx die Autoren in der Regel
im Original. Sie zu übersetzen, war unumgänglich für eine populäre
Ausgabe. Gustav Eckstein hat diese Arbeit auf mein Ersuchen übernommen.
 Außerdem hat er mich noch dadurch unterstützt, daß er
den von mir hergestellten Text einer nochmaligen Durchsicht unterzog,
 sowie die von mir mehrere Male gelesenen Korrekturen ebenfalls
 nochmals las und auch sonst mir mit Rat und Tat zur Seite
stand, wofür ihm an dieser Stelle gedankt sei.
Er hat die Zitate der Noten nicht bloß übersetzt, sondern auch,
soweit es möglich und nicht schon von Eleanor Marx-Aveling geschehen,
 mit den Originalen verglichen. Eine anscheinend geringfügige
 Neuerung bei der Angabe der zitierten Stellen wird manchem,
der das „Kapital“ studiert, willkommen sein.
Marx gibt die Titel der von ihm zitierten Bücher nur einmal
an, an der ersten Stelle, an der er sie erwähnt. Später bezeichnet
er sie nur mit 1. e. (loco citato,, am angeführten Ort). Für denjenigen,
 der eine dieser Stellen im Original nachschlagen will und
der das zitierte Buch nicht zur Hand hat, es vielleicht in einer
Bibliothek verlangen will, erwächst daraus die Notwendigkeit, im
„Kapital“ so lange zurückzublättern, mitunter mehrere hundert Seiten
lang, bis er die Stelle findet, an der der vollständige Büchertitel zu
finden ist. Versehen sind dabei nicht ausgeschlossen, namentlich
wenn Marx nacheinander verschiedene Werke desselben Autors
zitiert. Es hat sich in der Tat herausgestellt, daß Marx selbst dabei
hin und. wieder ein Irrtum unterlief, den richtigzustellen nicht so
ainfach war.
        <pb n="29" />
        Vorwort des Herausgebers,

XXXI

Eckstein hat überall das 1. e. durch den vollen Büchertitel ersetzt
und damit dem Leser, der sich mit einem der von Marx zitierten
Autoren in einem oder dem andern Falle näher bekannt machen
will. eine lästige Arbeit erspart.
Noch willkommener wird vielen Lesern das Namens- und Sachregister
 sein, das Rjasanoff herstellte, dem ich auch manchen wertvollen
 Hinweis bei meiner Arbeit verdanke.
Die Nützlichkeit des Registers liegt auf der Hand und bedarf
keiner Auseinandersetzung. Ueber seine Benutzung unterrichtet
uns Rjasanoff selbst in einer Einleitung.
{ch möchte hier nur dringend davon abraten, das Register etwa
in der Weise zu benutzen, daß man sich die mühevolle Arbeit des
Durchstudierens des ganzen Werkes zu ersparen sucht und bloß die
Rosinen aus dem Kuchen ausliest, bloß jene Ausführungen sucht,
die direkt praktische Anwendung finden können, von jenem Drang
nach sofortigen praktischen Schlußfolgerungen getrieben, vor dem
Marx schon in seiner oben zitierten Vorrede zur französischen Ausgabe
 warnte. Ist ein solches Verfahren überall schlecht am Platze,
so nirgends mehr als beim „Kapital“, in dem das einzelne nur für
den begreiflich wird, der das Ganze kennt, es nicht nur gelesen
hat, sondern auch sich stets gegenwärtig hält.
Damit sei nicht gesagt, daß jedermann zu raten wäre, das „Kapital“
 ohne weiteres von A bis Z durchzulesen. Der gewöhnliche Leser
wird dabei gerade im ersten Abschnitt auf erhebliche Schwierigkeiten
stoßen, die ihn abschrecken, in der Lektüre weiter fortzuschreiten,
und doch fände er später ausgedehnte Partien, die allgemein verständlich,
 ja packend und eindringlich geschrieben und dabei für
jeden Proletarier von äußerster Wichtigkeit sind. .
Marx selbst fühlte, daß man dem Durchschnittsleser nicht zumuten
 kann, sich durch das „Kapital“ so, wie es vorliegt, durchzuarbeiten.
 Als ihm sein Freund Kugelmann mitteilte, seine Frau
hätte Lust, das „Kapital“ zu lesen, finde sich aber im Anfange
schwer zurecht, antwortete Marx mit folgendem „Rezept zum Lesen
des Buches“:
Wollen Sie Ihrer Frau Gemahlin als zunächst lesbar die Abschnitte
über den „Arbeitstag“, „Kooperation, Teilung der Arbeit und Maschinerie“,
endlich über die „ursprüngliche Akkumulation“ bezeichnen.
Danach hätte also der Leser, der vor den Schwierigkeiten des
Anfangs zurückschreckt, zunächst das 8. Kapitel, dann das 11., 12.
und 138. sowie endlich das 24. in Angriff zu nehmen. Die genannten
Kapitel sind neben jenen über den Arbeitslohn und das allgemeine
Gesetz der kapitalistischen Akkumulation die praktisch wichtigsten
für ihn, sie bleiben jedoch bloße Beschreibungen von Zuständen,
        <pb n="30" />
        Vorwort . des: Herausgebers.
wenn er nicht wenigstens. einigermaßen den Gedankengang kennt,
von dem der Autor ausgeht. . .
Ehe der Leser an die erwähnten Kapitel herangeht, ist ihm
daher zu raten, sich mindestens mit den Marxschen Broschüren
„Lohnarbeit und Kapital“ sowie „Lohn, Preis und Profit“ bekanntzumachen.

Natürlich darf er dann bei diesen Kapiteln nicht stehen bleiben.
Er hätte ja sonst nur die Teile in der Hand ohne das geistige Band,
das sie verbindet. Jene Kapitel sollen ihn nur mit dem ökonomischen
Stoff bekanntmachen, sie sollen ihm die Wirklichkeit zeigen, deren
Gesetzmäßigkeit zu erforschen, die Aufgabe der Theorie ist. Nun erst
gewinnt diese für ihn Leben und Inhalt. So darf man erwarten, daß
nach der Durcharbeitung der historischen Kapitel der Leser mit erhöhtem
 Eifer darangehen wird, das „Kapital“ von Anfang an zu
studieren, um Licht und Klarheit über alles das zu gewinnen, was
ihm in den von ihm schon gelesenen beschreibenden Teilen noch
dunkel geblieben ist.
Sollte der Leser dabei im dritten Kapitel über das Geld außerordentliche
 Schwierigkeiten. finden, dann lasse er sich dadurch nicht
abschrecken. Alles folgende ist relativ einfach. Und vieles in diesem
Kapitel findet seine Fortentwicklung erst im 2. und 3. Bande. Wird
also zunächst dem Leser nicht alles klar, dann schreite er doch unentwegt
 fort, freilich mit dem Vorbehalt, später noch einmal zu dem
Ausgangspunkte zurückzukehren.
Wie jedes grundlegende, klassische Werk verträgt das „Kapital“
eine wiederholte Lektüre, ja, es erheischt sie. So oft man es auch
liest, man findet immer neue Gedanken und Anregungen darin. Jeder
Fortschritt unserer Erkenntnis sozialer Dinge erschließt uns neue
Seiten des „Kapital“,
Darin beruht seine Größe, darin seine Lebenskraft, daß Marx nicht
nur die ökonomischen und historischen. Details in einer Weise beherrschte,
 wie sie sonst nur bei Spezialisten vorkommt, sondern
gleichzeitig auch die Gesamtheit der Gesellschaft räumlich und zeitlich
 in einem Umfange übersah, wie es bisher noch keinem andern
philosophischen Geiste gelungen ist. Wer ihn begreifen will, der
muß versuchen, ihm nach beiden Richtungen nahezukommen, sowohl
in der gewissenhaften Erforschung der einzelnen Tatsachen wie in
der Erkenntnis des Gesamtprozesses; der wird nie eine Tatsache für
sich allein betrachten, sondern stets in ihrem Gesamtzusammenhange,
 als Wirkung wie als Ursache.
Die Wirklichkeit ist ein unendlicher Kreislauf, in dem sich
nicht bloß aus dem Anfang das Ende, sondern auch aus dem Ende
der Anfang entwickelt, allerdings im dialektischen Prozeß nicht

KXXII
        <pb n="31" />
        Vorwort des Herausgebers,

XXXIH

genau der gleiche, sondern ein etwas weiter entwickelter Anfang.
Auch die kapitalistische Gesellschaft bildet einen immer wiederkehrenden
 Kreislauf der Produktion, nur wer diesen voll begriffen
hat, wird jeden einzelnen ihrer Faktoren begreifen. Ein Buch aber
kann keinen Kreislauf bilden, es muß einen Anfang haben und ein
Ende. So wie die Wirklichkeit, die es zu fassen sucht, wird man es
jedoch nicht völlig verstehen, wenn man es nicht auch als Kreislauf
 auffaßt — das heißt, wenn man nicht, nachdem man es zu Ende
gelesen, noch einmal von vorn beginnt. Wenigstens gilt das für alle
Bücher, die so umfangreich sind und deren Basis so neu, daß man
unmöglich nach einmaliger Lektüre ihren Gesamtinhalt im Kopfe
haben kann.
Schopenhauer hat einmal eine ähnliche Auffassung entwickelt,
allerdings rein idealistisch von dem Wesen des Gedankens,
nicht der Wirklichkeit ausgehend. Er sagt: ;
Ein System von Gedanken muß allemal einen architektonischen
Zusammenhang haben, das heißt einen solchen, in welchem immer ein Teil
den andern trägt, nicht aber dieser auch jenen, der Grundstein endlich alle,
ohne von ihnen getragen zu werden, der Gipfel getragen wird, ohne zu
tragen. Hingegen ein einziger Gedanke muß, so umfassend er auch
sein mag, die vollkommenste Einheit bewahren. Läßt er dennoch, zum
Behufe seiner Mitteilung, sich in Teile zerlegen, so muß doch wieder der
Zusammenhang dieser Teile ein organischer, das heißt ein solcher
sein, wo jeder Teil ebenso das Ganze erhält, als er vom Ganzen gehalten
wird, keiner der erste und keiner der letzte ist, der ganze Gedanke durch
jeden Teil an Deutlichkeit gewinnt und auch der kleinste Teil nicht völlig
verstanden werden kann, ohne daß das Ganze vorher verstanden sei. —
Ein Buch muß inzwischen eine erste und eine letzte Zeile haben und wird
insofern einem Organismus allemal sehr unähnlich bleiben, so sehr diesem
ähnlich auch immer sein Inhalt sein mag: folglich werden Form und Stoff
hier im Widerspruch stehen.
Es ergibt sich von selbst, daß unter solchen Umständen zum Eindringen
in den dargelegten Gedanken kein anderer Rat ist, als das Buch zweimalzu
 lesen, und zwar das erste Mal mit viel Geduld, welche
allein zu schöpfen ist aus dem freiwillig geschenkten Glauben, daß der
Anfang das Ende beinahe so sehr voraussetze, als das Ende den Anfang,
und ebenso jeder frühere Teil den späteren beinahe so sehr als dieser
jenen. Ich sage „beinahe“; denn ganz und gar so ist es keineswegs, und
was irgend zu tun möglich war, um das, welches am wenigsten erst durch
das folgende aufgeklärt wird, voranzuschicken, wie überhaupt, was irgend
möglich, zur leichten Faßlichkeit und Deutlichkeit beitragen konnte, ist
redlich und gewissenhaft geschehen; ja, es könnte sogar damit in gewissem
Grade gelungen sein, wenn nicht der Leser, was sehr natürlich, nicht bloß
an das jedesmal Gesagte, sondern auch an die möglichen Folgerungen daraus,
 beim Lesen dächte, wodurch außer den vielen wirklich vorhandenen
Widersprüchen gegen die Meinungen der Zeit und mutmaßlich auch des
Das Kapital. I.

4
a
        <pb n="32" />
        XXXIV
Lesers, noch so viele andere antizipierte und imaginäre hinzukommen
können, daß dann als lebhafte Mißbilligung sich darstellen muß, was noch
bloßes Mißverstehen ist, wofür man es aber um so weniger erkennt, als
die mühsam erreichte Klarheit der Darstellung und Deutlichkeit des Ausdrucks
 über den unmittelbaren Sinn des Gesagten wohl nie zweifelhaft
läßt, jedoch nicht seine Beziehungen auf alles übrige zugleich aussprechen
kann. Darum also erfordert die erste Lektion, wie gesagt, Geduld, aus der
Ueberzeugung geschöpit, bei der zweiten vieles, oder alles, in ganz anderm
Lichte erblickt zu werden.
Schopenhauer schrieb das im Vorwort zur ersten Auflage von
„Die Welt als Wille und Vorstellung“, man könnte aber diese Zeilen
auf jedes bedeutende Werk anwenden, das uns die Wirklichkeit,
oder vielmehr einen größeren Ausschnitt daraus, denn die Wirklichkeit
 ist unendlich und nie ganz zu fassen, von einem neuen Standpunkt
 aus in neuem Lichte zeigt. Es gilt auch vollkommen vom
„Kapital“. Soll man ein Stück daraus völlig begreifen, muß man
das Ganze kennen. Der erste Band kann nicht völlig verstanden
werden ohne den zweiten und dritten, und vieles im ersten Band,
namentlich der größte Teil seines ersten Abschnittes über Ware und
Geld, bildet mehr die Vorbereitung des zweiten und dritten Bandes
als die der weiteren Ausführungen des ersten, ist mehr nötig zum
Verständnis des Zirkulations- und des Gesamtprozesses als des
Produktionsprozesses. Indes reichen genau genommen nicht einmal
die drei Bände des „Kapital“ aus, den Gesamtprozeß und damit
auch jeden seiner Teile nach allen Richtungen hin zu erfassen,
denn auch diese drei Bände sind noch nicht das vollständige Werk,
dessen Abschluß wohl im Marxschen Kopf, nicht aber auf dem
Papier gelang. Einige neue Gesichtspunkte erschließen ums noch
die aus nachgelassenen Papieren gezogenen „Theorien über den
Mehrwert“,
Je weiter man im Studium dieser Werke fortschreitet, desto
mehr begreift man ihren Ausgangspunkt, die Werttheorie; und je
mehr man diese begreift, desto klarer wird uns das gesamte Getriebe,
 dessen Fortgang durch das Wertgesetz beherrscht wird.
Aber es ist nicht jedem gegeben, alle diese Werke zu studieren.
Für den gewöhnlichen Leser ist es schon eine große Leistung, wenn
er den ersten Band des „Kapital“ bewältigt, der für den Arbeiter
der wichtigste ist, weil er die Gesetze behandelt, die das Verhältnis
zwischen Kapital und Arbeit bei der Produktion beherrschen. Jene
Bewältigung des ersten Bandes setzt aber die Erfüllung der Schopenhauerschen
 Forderung voraus: das mindestens zweimalige Lesen
des Werkes. Und das wieder erfordert jene Geduld, von der
Schopenhauer spricht, auf die auch Marx in der schon zitierten Vorrede
 zur französischen Uebersetzung des „Kapital“ hinweist:

Vorwort des Herausgebers.
        <pb n="33" />
        Vorwort des Herausgebers.

XXXV

Es gibt keine breite Heerstraße zur Wissenschaft und nur jene dürfen
arwarten, ihre lichtvollen Gipfel erreichen zu können, die nicht vor der
Mühe zurückschrecken, ihre steilen Pfade zu erklimmen,
Kein fruchtbares Studium des „Kapital“ ist möglich ohne Geduld.
 Doch ist es nicht jene Geduld, die aus resignierter Ergebung
in das Unvermeidliche entspringt, sondern eine Geduld, die ihre
Kraft schöpft aus der leidenschaftlichen Empörung gegen die Fesseln
der Unwissenheit, und aus der erhebenden Zuversicht, daß aus dem
Wissen Waffen zu schmieden sind zur Eroberung eines neuen,
höheren Daseins. Der Leser des „Kapital“ bedarf der Geduld.
Aber nicht der Geduld stiller Ergebung, sondern der Geduld des
unermüdlichen Kämpfers,
Berlin, März 1914.

Karl Kautsky.

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        Vorwort zur ersten Auflage.

Das Werk, dessen ersten Band ich dem Publikum übergebe,
bildet die Fortsetzung meiner 1859 veröffentlichten Schrift: „Zur
Kritik der Politischen Oekonomie.“ Die lange Pause zwischen Anfang
 und Fortsetzung ist einer langjährigen Krankheit geschuldet,
die meine Arbeit wieder und wieder unterbrach.
Der Inhalt jener früheren Schrift ist zusammengefaßt im ersten
Kapitel dieses Bandes. Es geschah dies nicht nur des Zusammen.
hangs und der Vollständigkeit wegen. Die Darstellung ist verbessert.
Soweit es der Sachverhalt irgendwie erlaubte, sind viele früher nur
angedeuteten Punkte hier weiter entwickelt, während umgekehrt dort
ausführlich Entwickeltes hier nur angedeutet wird. Die Abschnitte
über die Geschichte der Wert- und Geldtheorie fallen jetzt natürlich
ganz weg. Jedoch findet der Leser der früheren Schrift in den Noten
zum ersten Kapitel neue Quellen zur Geschichte jener Theorie eröffnet.

Aller Anfang ist schwer, gilt in jeder Wissenschaft. Das Verständnis
 des ersten Kapitels, namentlich des Abschnitts, der die
Analyse [die Zergliederung] der Ware enthält, wird daher die meiste
Schwierigkeit machen. Was nun näher die Analyse der Wertsubstanz
 und der Wertgröße betrifft, so habe ich sie möglichst
popularisiert.* Die Wertform, deren fertige Gestalt die Geldform,
ist sehr inhaltslos und einfach. Dennoch hat der Menschengeist sie
seit mehr als 2000 Jahren vergeblich zu ergründen gesucht, während
anderseits die Analyse viel inhaltsvollerer und komplizierterer Formen
 wenigstens annähernd gelang. Warum? Weil der ausgebildete
Körper leichter zu studieren ist als die Körperzelle. Bei der Analyse
der ökonomischen Formen kann außerdem weder das Mikroskop
dienen noch chemische Reagentien. Die Abstraktionskraft muß
beide ersetzen. Für die büzgerliche Gesellschaft ist aber die Waren«-*

 Es schien dies um so nötiger, als selbst der Abschnitt von F. Lassalles
Schrift gegen Schulze-Delitzsch, worin er „die geistige Quintessenz“ meiner
Entwicklung über jene Themata zu geben erklärt, bedeutende Mißverständnisse
 enthält. Nebenbei: Wenn F. Lassalle die sämtlichen allgemeinen
theoretischen Sätze seiner ökonomischen Arbeiten, zum Beispiel über den
historischen Charakter des Kapitals, über den Zusammenhang zwischen
Produktionsverhältnissen und Produktionsweise usw. usw. fast wörtlich, bis
auf die von mir geschaffene Terminologie hinab, aus meinen Schriften entlehnt
 hat, und zwar ohne Quellenangabe, so war dies Verfahren wohl durch
Propagandarücksichten bestimmt. Ich spreche natürlich nicht von seinen
Detailausführungen und Nutzanwendungen, mit denen ich nichts zu tun habe.
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Vorwort zur ersten Auflage.

XXXVII

form des Arbeitsprodukts oder die Wertform der Ware die ökonomische
 Zellenform. Dem Ungebildeten scheint sich ihre Analyse in
bloßen Spitzfindigkeiten herumzutreiben. Es handelt sich dabei in
der Tat um Spitzfindigkeiten, aber nur so, wie es sich in der mikrologischen
 Anatomie darum handelt.
Mit Ausnahme des Abschnitts über die Wertform wird man
daher dies Buch nicht wegen Schwerverständlichkeit anklagen
können. Ich unterstelle natürlich Leser, die etwas Neues lernen,
also auch selbst denken wollen.
Der Physiker beobachtet Naturprozesse entweder dort, wo sie
in der prägnantesten Form und von störenden Einflüssen mindest
getrübt erscheinen, oder womöglich macht er Experimente unter
Bedingungen, welche den reinen Vorgang des Prozesses sichern.
Was ich in diesem Werk zu erforschen habe, ist die kapitalistische
Produktionsweise und die ihr entsprechenden Produktions- und Verkehrsverhältnisse.
 Ihre klassische Stätte. ist.bis jetzt England. Dies
der Grund, warum es zur Hauptillustration meiner theoretischen Entwicklung
 dient. Sollte jedoch der deutsche Leser pharisäisch die
Achseln zucken über die Zustände der englischen Industrie- und
Ackerbauarbeiter, oder sich optimistisch dabei beruhigen, daß in
Deutschland die Sachen noch lange nicht so schlimm stehen, so
muß ich ihm zurufen: De te fabula narratur [es ist deine Geschichte,
die hier erzählt wird]!
An und für sich handelt es sich nicht um den höheren oder
niedrigeren Entwicklungsgrad der gesellschaftlichen Gegensätze,
welche aus den Naturgesetzen der kapitalistischen Produktion entspringen.
 Es handelt sich um diese Gesetze selbst, um diese mit
eherner Notwendigkeit. wirkenden und sich durchsetzenden Tendenzen.
 Das industriell entwickeltere Land zeigt dem minder entwickelten
 nur das Bild der eigenen Zukunft.
Aber abgesehen hiervon. Wo die kapitalistische Produktion
völlig bei uns eingebürgert ist, zum Beispiel in den eigentlichen
Fabriken, sind die Zustände viel schlechter als in England, weil das
Gegengewicht der Fabrikgesetze fehlt. In allen andern Sphären
quält uns, gleich dem ganzen übrigen kontinentalen Westeuropa,
nicht nur die Entwicklung der kapitalistischen Produktion, sondern
auch der Mangel ihrer Entwicklung. Neben den modernen Notständen
 drückt uns eine ganze Reihe vererbter Notstände, entspringend
 aus der Fortvegetation altertümlicher, überlebter Produktionsweisen
 mit ihrem Gefolg von zeitwidrigen gesellschaftlichen
und politischen Verhältnissen. Wir leiden nicht nur von den Lebenden,
 sondern auch von den Toten. Le mort saisit le vif [der Tote
ergreilt den Lebenden und setzt ihn an seine Stelle] !
        <pb n="36" />
        XXXVIII

Vorwort zur ersten Auflage.

Im Vergleich zur englischen ist die soziale Statistik Deutschlands
 und des übrigen kontinentalen Westeuropas elend. Dennoch
lüftet sie den Schleier gerade genug, um hinter demselben ein
Medusenhaupt ahnen zu lassen. Wir würden vor unsern eigenen
Zuständen erschrecken, wenn unsere Regierungen und Parlamente,
wie in England, periodische Untersuchungskommissionen über die
ökonomischen Verhältnisse bestallten, wenn diese Kommissionen mit
derselben Machtvollkommenheit, wie in England, zur Erforschung
der Wahrheit ausgerüstet würden, wenn es gelänge, zu diesem Behuf
ebenso sachverständige, unparteiische und rücksichtelose Männer zu
finden, wie die Fabrikinspektoren Englands sind, seine ärztlichen
Berichterstatter über „Public Health“ [Oeffentliche Gesundheit],
seine Untersuchungskommissäre über die Ausbeutung der Weiber
und Kinder, über Wohnungs- und Nahrungszustände usw. Perseus
brauchte eine Nebelkappe zur Verfolgung von Ungeheuern. Wir
ziehen die Nebelkappe tief über Aug’ und Ohr, um die Existenz der
Ungeheuer wegleugnen zu können.
Man muß sich nicht darüber täuschen. Wie der amerikanische
Unabhängigkeitskrieg des 18. Jahrhunderts die Sturmglocke für die
europäische Mittelklasse läutete, so der amerikanische Bürgerkrieg
des 19. Jahrhunderts für die europäische Arbeiterklasse. In England
 ist der Umwälzungsprozeß mit Händen greifbar. Auf einem
gewissen Höhepunkt muß er auf den Kontinent rückschlagen. Dort
wird er sich in brutaleren oder humaneren Formen bewegen, je
nach dem Entwicklungsgrad der Arbeiterklasse selbst. Von höheren
Motiven abgesehen, gebietet also den jetzt herrschenden Klassen ihr
eigenstes Interesse die Wegräumung aller gesetzlich kontrollierbaren
Hindernisse, welche die Entwicklung der Arbeiterklasse hemmen.
Ich habe deswegen unter anderm der Geschichte, dem Inhalt und
den Resultaten der englischen Fabrikgesetzgebung einen so ausführlichen
 Platz in diesem Bande eingeräumt. Eine Nation soll und kann
von der andern lernen. Auch wenn eine Gesellschaft dem Naturgesetz
 ihrer Bewegung auf die Spur gekommen ist — und es ist
der letzte Endzweck dieses Werkes, das ökonomische Bewegungsgesetz
 der modernen Gesellschaft zu enthüllen —, kann sie naturgemäße
 Entwicklungsphasen weder überspringen noch wegdekretieren.
 Aber sie kann die Geburtswehen abkürzen und mildern.
Zur Vermeidung möglicher Mißverständnisse ein Wort. Die
Gestalten .von Kapitalist und Grundeigentümer zeichne ich keineswegs
 in rosigem Licht. Aber es handelt sich hier um die Personen
nur, soweit sie die Personifikation ökonomischer Kategorien sind,
Träger von ‚bestimmten Klassenverhältnissen und Interessen.
Weniger als jeder andere kann mein Standpunkt, der die Entwick-
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Vorwort zur ersten Auflage.

XXXIX

lung der ökonomischen Gesellschaftsformation als einen naturgeschichtlichen
 Prozeß auffaßt, den einzelnen veraniwortlich machen
für Verhältnisse, deren Geschöpf er sozial bleibt, so sehr er sich
auch subjektiv über sie erheben mag.
Auf dem Gebiete der politischen Oekonomie begegnet die freie
wissenschaftliche Forschung nicht nur demselben Feinde, wie auf
allen andern Gebieten. Die eigentümliche Natur des Stoffes, den
sie behandelt, ruft wider sie die heftigsten, kleinlichsten und gehässigsten
 Leidenschaften der menschlichen Brust, die Furien des
Privatinteresses, auf den Kamp{fplatz. Die englische Hochkirche zum
Beispiel verzeiht eher den Angriff auf 38 von ihren 39 Glaubensartikeln
 als auf */,, ihres Geldeinkommens. Heutzutage ist der
Atheismus selbst eine geringfügige‘ Sünde, verglichen mit der Kritik
überlieferter Eigentumsverhältnisse. Jedoch ist hier ein Fortschritt
unverkennbar. Ich verweise zum Beispiel auf das in den letzten
Wochen veröffentlichte Blaubuch: „Correspondence with Her
Majesty’s Missions Abroad, regarding Industrial Questions and
Trades-Unions.“ Die auswärtigen Vertreter der englischen Krone
sprechen es hier mit dürren Worten aus, daß in Deutschland, Frankreich,
 kurz allen Kulturstaaten des europäischen Kontinents, eine
Umwandlung der bestehenden Verhältnisse von Kapital und Arbeit
ebenso fühlbar und ebenso unvermeidlich ist als in England. Gileichzeitig
 erklärte jenseits des Atlantischen Ozeans Herr Wade, Vizepräsident
 der Vereinigten Staaten von Nordamerika, in öffentlichen
Meetings: Nach Beseitigung der Sklaverei trete die Umwandlung der
Kapital- und Grundeigentumsverhältnisse auf die Tagesordnung! Es
sind dies Zeichen der Zeit, die sich nicht verstecken lassen durch
Purpurmäntel oder schwarze Kutten. Sie bedeuten nicht, daß morgen
Wunder geschehen werden. Sie zeigen, wie selbst in den herrschenden
 Klassen die Ahnung aufdämmert, daß die jetzige Gesellschaft
kein fester Kristall, sondern ein umwandlungsfähiger und beständig
im Prozeß der Umwandlung begriffener Organismus ist,
Der zweite Band dieser Schrift wird den Zirkulationsprozeß
des Kapitals (Buch II) und die Gestaltungen des Gesamtprozesses
(Buch 11T), der abschließende dritte (Buch IV) die Geschichte der
Theorie behandeln.
Jedes Urteil wissenschaftlicher Kritik ist mir willkommen.
Gegenüber den Vorurteilen der sogenannten öffentlichen Meinung,
der ich nie Konzessionen gemacht habe, gilt mir nach wie vor der
Wahlspruch des großen Florentiners:
Segui il tuo corso, e lascia dir le gentil
[Geh’ deinen Weg und laß die Leute reden!]
London, 25. Juli 1867. Karl Marx.
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        Nachwort zur zweiten Auflage.

Den Lesern der ersten Ausgabe habe ich zunächst Ausweis zu
geben über die in der zweiten Ausgabe gemachten Veränderungen
Die übersichtlichere Einteilung des Buches springt ins Auge. Zusätzliche
 Noten sind überall als Noten zur zweiten Ausgabe bezeichnet.
Mit Bezug auf den Text selbst ist das wichtigste:
Kapitel I, 1 ist die Ableitung des Wertes durch Analyse der
Gleichungen, worin sich jeder Tauschwert ausdrückt, wissenschaftlich
 strenger durchgeführt, ebenso der in der ersten Ausgabe nur
angedeutete Zusammenhang zwischen der Wertsubstanz und der Bestimmung
 der Wertgröße durch gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit
 ausdrücklich hervorgehoben. Kapitel I, 3 (die Wertform) isi
gänzlich umgearbeitet, was schon die doppelte Darstellung der ersten
Ausgabe gebot. — Im Vorbeigehen bemerke ich, daß jene doppelte
Darstellung durch meinen Freund, Dr. L. Kugelmann in Hannover,
veranlaßt ward. Ich befand mich bei ihm zu Besuch im Frühling
1867, als die ersten. Probebogen von Hamburg ankamen, und er überzeugte
 mich, daß für die meisten Leser eine nachträgliche, mehr
didaktische Auseinanderseizung der Wertform nötig sei. — Der
letzte Abschnitt des ersten Kapitels: „Der Fetischeharakter der
Ware usw.“ ist großenteils verändert. Kapitel III, 1 (Maß der Werte)
ist sorgfältig revidiert, weil dieser Abschnitt in der ersten Ausgabe,
mit Hinweis auf die „Zur Kritik der politischen Oekonomie. Berlin
1859“ bereits gegebene Auseinandersetzung, nachlässig behandelt
war. Kapitel VII, besonders Teil 2, ist bedeutend umgearbeitet.
Es wäre nutzlos, auf die stellenweisen Textänderungen, oft nur
stilistisch, im einzelnen einzugehen. Sie erstrecken sich über das
ganze Buch. Dennoch finde ich jetzt bei Revision der zu Paris erscheinenden
 französischen Uebersetzung, daß manche Teile des
deutschen Originals hier mehr durchgreifende Umarbeitung, dort
größere stilistische Korrektur oder auch sorgfältigere Beseitigung
gelegentlicher Versehen erheischt hätten. Es fehlte dazu die Zeit,
indem ich erst im Herbst 1871, mitten unter andern dringenden Arbeiten,
 die Nachricht erhielt, daß das Buch vergriffen sei, der Druck
der zweiten Ausgabe aber bereits im Januar 1872 beginnen sollte.
Das Verständnis, welches „Das Kapital“ rasch in weiten Kreisen
der deutschen Arbeiterklasse fand, ist der beste Lohn meiner Arbeit.
Ein Mann, ökonomisch auf dem Bourgeoisstandpunkt, Herr Mayer.
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        Nachwort zur zweiten Auflage.
Wiener Fabrikant, tat in einer während des Deutsch-Französischen
Krieges veröffentlichten Broschüre treffend dar, daß der große
theoretische Sinn, der als deutsches Erbgut galt, den sogenannten
gebildeten Klassen Deutschlands durchaus abhanden gekommen ist,
dagegen in seiner Arbeiterklasse neu auflebt.
Die politische Oekonomie blieb in Deutschland bis zu dieser
Stunde eine ausländische Wissenschaft. Gustav von Gülich hat in
„Geschichtliche Darstellung des Handels, der Gewerbe usSWw.“,
namentlich in den 1830 herausgegebenen zwei ersten Bänden seines
Werkes, großenteils schon die historischen Umstände erörtert, welche
die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise bei uns
hemmten, daher auch den Aufbau der modernen bürgerlichen Gesellschaft.
 Es fehlte also der lebendige Boden der politischen
Oekonomie. Sie ward als fertige Ware importiert aus England und
Frankreich; ihre deutschen Professoren blieben Schüler. Der
theoretische Ausdruck einer fremden Wirklichkeit verwandelte sich
unter ihrer Hand in eine Dogmensammlung, von ihnen gedeutet im
Sinne der sie umgebenden kleinbürgerlichen Welt, also mißdeutet.
Das nicht ganz unterdrückbare Gefühl wissenschaftlicher Ohnmachi
und das unheimliche Gewissen, auf einem in der Tat fremdartigen
Gebiet schulmeistern zu müssen, suchte man zu verstecken unter
dem Prunk literarhistorischer Gelehrsamkeit oder durch Beimischung
fremden Stoffes, entlehnt den sogenannten Kameralwissenschaften,
einem Mischmasch von Kenntnissen, deren Fegfeuer der hofinungsvolle
 Kandidat deutscher Bureaukratie zu bestehen hat.
Seit 1848 hat sich die kapitalistische Produktion rasch in
Deutschland entwickelt und treibt heutzutage bereits ihre Schwindelblüte.
 Aber unsern Fachleuten blieb das Geschick gleich abhold.
Solange sie politische Oekonomie unbefangen treiben konnten, fehlten
 die modernen ökonomischen Verhältnisse in der deutschen Wirklichkeit.
 Sobald diese Verhälinisse ins Leben traten, geschah es
unter Umständen, welche ihr unbefangenes Studium innerhalb des
bürgerlichen Gesichtskreises nicht länger zulassen. Soweit sie
bürgerlich ist, das heißt die kapitalistische Ordnung statt als geschichtlich
 vorübergehende Entwicklungsstufe, umgekehrt als absolute
 und letzte Gestalt der gesellschaftlichen Produktion auffaßt,
kann die politische Oekonomie nur Wissenschaft bleiben, solange
der Klassenkampf latent [unbemerkt] bleibt oder sich in nur vereinzelten
 Erscheinungen offenbart.
Nehmen wir England. Seine klassische politische Oekonomie
fällt in die Periode des unentwickelten Klassenkampfes. Ihr letzter
großer Repräsentant, Ricardo, macht endlich bewußt den Gegensatz
der Klasseninteressen, des Arbeitslohnes und des Profits, des Profits

XLI
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        XLII Nachwort zur zweiten Auflage.
und der Grundrente, zum Springpunkt seiner Forschungen, indem
er diesen Gegensatz naiv als gesellschaftliches Naturgesetz auffaßt.
Damit war aber auch die bürgerliche Wissenschaft der Oekonomie
bei ihrer unüberschreitbaren Schranke angelangt. Noch bei Lebzeiten
 Ricardos und im Gegensatz zu ihm trat ihr in der Person
Sismondis die Kritik gegenüber.?
Die nachfolgende Zeit von 1820 bis 1830 zeichnet sich in England
aus durch wissenschaftliche Lebendigkeit auf dem Gebiet der
politischen Oekonomie. Es war die Periode wie der Vulgarisierung
[der Verflachung] und Ausbreitung der Ricardoschen Theorie, so
ihres Kampfes mit der alten Schule. Es wurden glänzende Turniere
gefeiert. Was damals geleistet worden, ist dem europäischen
Kontinent wenig bekannt, da die Polemik großenteils in Revueartikeln,
 Gelegenheitsschriften und Pamphlets? zerstreut ist. Der
unbefangene Charakter dieser Polemik — obgleich die Ricardosche
Theorie ausnahmsweise auch sehon als Angrifiswaffe wider die
bürgerliche Wirtschaft dient — erklärt sich aus den Zeitumständen.
Einerseits trat die große Industrie selbst nur aus ihrem Kindheitsalter
 heraus, wie schon dadurch bewiesen ist, daß sie erst mit der
Krise von 1825 den periodischen Kreislauf ihres modernen Lebens
eröffnet. Anderseits blieb der Klassenkampf zwischen Kapital und
Arbeit in den Hintergrund gedrängt, politisch durch den Zwist
zwischen den um die heilige Allianz gescharten Regierungen und
Feudalen und der von der Bourgeoisie geführten Volksmasse, ökonomisch
 durch den Hader des industriellen Kapitals mit dem
aristokratischen Grundeigentum, der sich in Frankreich hinter dem
Gegensatz von Parzelleneigentum und großen Grundbesitz verbarg,
in England seit den Korngesetzen offen ausbrach. Die Literatur der
politischen Oekonomie in England erinnert während dieser Periode
an die ökonomische Sturm- und Drangperiode in Frankreich nach
Dr. Quesnays Tod, aber nur wie ein Altweibersommer an den Frühling
 erinnert. Mit dem Jahre 1830 trat die ein für allemal entscheidende
 Krise ein.
Die Bourgeoisie hatte in Frankreich und England politische
Macht erobert. Von da an gewann der Klassenkampf, praktisch und
theoretisch, mehr und mehr ausgesprochene und drohende Formen.
Er läutete die Totenglocke der wissenschaftlichen bürgerlichen

? Siehe meine Schrift: „Zur Kritik der Politischen Oekonomie. 1. Auflage.
 Berlin 1959“, S. 89. [Neue Ausgabe, Stuttgart 1907, S. 44.]
* Marx gebraucht das Wort in der Regel im englischen Sinne, wo es
bloß Flugschrift oder Broschüre bedeutet ohne die Nebenbedeutung einer
Schmähschrift, die es im Deutschen hat. K.
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Nachwort zur zweiten Auflage.

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Dekonomie. Es handelte sich jetzt nicht mehr darum, ob‘ dies oder
jenes Theorem wahr sei, sondern ob es dem Kapital nützlich oder
schädlich, bequem oder unbequem, ob polizeiwidrig ‚oder nicht. An
die Stelle uneigennütziger Forschung trat bezahlte Klopffechterei,
an die Stelle unbefangener wissenschaftlicher Untersuchung das
böse Gewissen und die schlechte Absicht der Apologetik [der Rechtfertigung].
 Indes selbst die zudringlichen Traktätchen, welche die
Anti-Cornlawleague [der Bund zur Bekämpfung der Kornzölle] mit
den Fabrikanten Cobden und Bright an der Spitze, in die Welt
schleuderte, boten, wenn kein wissenschaftiliches, doch ein historisches
 Interesse durch ihre Polemik gegen die grundeigentümliche
Aristokratie. Auch diesen letzten Stachel zog die Freihandelsgesetzgebung
 seit Sir Robert Peel der Vulgärökonomie aus.
Die kontinentale Revolution von 1848/49 schlug auch auf Eng-{and
 zurück. Männer, die noch wissenschaftliche Bedeutung beanspruchten
 und mehr sein wollten als bloße Sophisten und Sykophanten?
 der herrschenden Klassen, suchten die politische Oekonomie
des Kapitals in Einklang zu setzen mit den jetzt nicht länger zu
ignorierenden Ansprüchen des Proletariats. Daher ein geistloser
Synkretismus [vermittelnde Vereinigung gegensätzlicher Auffassungen],
 wie ihn John Stuart Mill am besten repräsentiert. Es ist eine
Bankerotterklärung der „bürgerlichen“ Oekonomie, welche der große
russische Gelehrte und Kritiker N. Tschernyschewsky in seinem
Werk „Umrisse der politischen Oekonomie nach Mill“ bereits
meisterhaft beleuchtet hat.
In Deutschland kam also die kapitalistische Produktionsweise
zur Reife, nachdem ihr antagonistischer [auf Gegensätzen beruhender]
 Charakter sich in Frankreich und England schon durch geschichtliche
 Kämpfe geräuschvoll offenbart hatte, während das deutsche
Proletariat bereits ein viel entschiedeneres theoretisches Klassenbewußtsein
 besaß als die deutsche Bourgeoisie. Sobald eine bürgerliche
 Wissenschaft der politischen Oekonomie hier möglich zu werden
schien, war sie daher wieder unmöglich geworden.
Unter diesen Umständen teilten sich ihre Wortführer in zwei
Reihen. Die einen, kluge, erwerbslustige, praktische Leute, scharten
sich um die Fahne Bastiats, des flachsten und daher gelungensten
Vertreters vulgärökonomischer Apologetik; die andern, stolz auf die
Professoralwürde ihrer Wissenschaft, folgten J. St. Mill in dem

38 Im Griechischen bedeutet Sykophant einen Denunzianten mit niedrigen
Absichten. Der Engländer bezeichnet mit dem Wort einen Menschen, der
Leuten schmeichelt, von denen er einen Vorteil erwartet. Marx gebraucht
das Wort meist im englischen Sinne. K.
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        Nachwort zur zweiten Auflage.
Versuch, Unversöhnbares zu versöhnen. Wie zur klassischen Zeit
der bürgerlichen Oekonomie blieben die Deutschen auch zur Zeit
ihres Verfalls bloße Schüler, Nachbeter und Nachtreter, Kleinnausierer
 des ausländischen Großgeschälfts. ;
Die eigentümliche historische Entwicklung der deutschen Gesellschaft
 schloß hier also jede originelle Fortbildung der „bürgerlichen“
 Oekonomie aus, nicht aber deren — Kritik. Soweit solche
Kritik überhaupt eine Klasse vertritt, kann sie nur die Klasse ver-'reten,
 deren geschichtlicher Beruf die Umwälzung der kapitalistischen
 Produktionsweise und die schließliche Abschaffung der Klassen
ist — das Proletariat.
Die gelehrten und ungelehrten Wortführer der deutschen
Bourgeoisie haben „Das Kapital“ zunächst totzuschweigen versucht,
wie ihnen das mit meinen früheren Schriften gelungen war. Sobald
diese Taktik nicht länger den Zeitverhältnissen entsprach, schrieben
sie, unter dem Vorwand, mein Buch zu kritisieren, Anweise „Zur
Beruhigung des bürgerlichen Bewußtseins“, fanden aber in der
Arbeiterpresse — siehe zum Beispiel Joseph Dietzgens Aufsätze im
„Volksstaat“ — überlegene Kämpen, denen sie die Antwort bis
heute schuldig.*
Eine treffliche russische Ueberseitzung des „Kapital“ erschien
im Frühling 1872 zu Petersburg. Die Auflage von 3000 Exemplaren
ist jetzt schon beinahe vergriffen. Bereits 1871 hatte Herr N. Sieber,
Professor der politischen Oekonomie an der Universität zu Kiew,
in seiner Schrift: „Teoria Cennosti i Kapitala D. Rikardo“ [D. Risardos
 Theorie des Wertes und des Kapitals usSW.‘“], meine Theorie des

XLIV

* Die breimäuligen Faselhänse der deutschen Vulgärökonomie schelten
Stil und Darstellung meiner Schrift, Niemand kann die literarischen Mängel
des „Kapital“ strenger beurteilen als ich selbst. Dennoch will ich, zu Nutz
und Freud dieser Herren und ihres Publikums, hier ein englisches und ein
"ussisches Urteil zitieren. Die meinen Ansichten durchaus feindliche
„Saturday Review“ sagte in ihrer Anzeige der ersten deutschen Ausgabe:
Die Darstellung „verleiht auch den trockensten ökonomischen Fragen einen
eigenen Reiz (charm)“. Die „S. P, Wjedomosti“ („St. Petersburger Zeitung“)
bemerkt in ihrer Nummer vom 20. April 1872 unter anderm: „Die Darstellung
 mit Ausnahme weniger zu spezieller Teile zeichnet sich aus durch
Allgemeinverständlichkeit, Klarheit und, trotz der wissenschaftlichen Höhe
des Gegenstandes, ungewöhnliche Lebendigkeit. In dieser Hinsicht gleicht
der Verfasser . .. auch nicht von fern der Mehrzahl deutscher Gelehrter,
lie... ihre Bücher in so verfinsterter und trockener Sprache schreiben,
jaß gewöhnlichen Sterblichen der Kopf davon kracht.“ Den Lesern der
zeitläufigen deutsch-nationalliberalen Professoralliteratur kracht jedoch
{was ganz anderes als der Kopf.
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Nachwort zur zweiten Auflage.
Wertes, des Geldes und des Kapitals in ihren Grundzügen als notwendige
 Fortbildung der Smith-Ricardoschen Lehre nachgewiesen.
Was den Westeuropäer beim Lesen seines gediegenen Buches überrascht,
 ist das konsequente Festhalten des rein theoretischen Standpunktes.

Die im „Kapital“ angewandte Methode ist wenig verstanden
worden, wie schon die einander widersprechenden Auffassungen
derselben beweisen.
So wirft mir die Pariser „Revue Positiviste“ vor, einerseits, ich
behandle die Oekonomie metaphysisch, anderseits — man rate! —,
ich beschränke mich auf bloß kritische Zergliederung des Gegebenen,
statt Rezepte (comtistische?) für die Garküche der Zukunft zu verschreiben.
 Gegen den Vorwurf der Metaphysik bemerkt Professor
Sieber: „Soweit es sich um die eigentliche Theorie handelt, ist die
Methode von Marx die deduktive Methode der ganzen englischen
Schule, deren Mängel und Vorzüge den besten theoretischen Oekonomisten
 gemein sind.“ Herr M. Block — „Les Theoriciens du
Socialisme en Allemagne. Extrait du Journal des Economistes,
juillet et aoüt 1872“ — entdeckt, daß meine Methode analytisch ist
und sagt unter anderm: „Durch dieses Werk reiht sich Herr Marx
unter die ausgezeichnetsten analytischen Geister ein.“ Die deutschen
Rezensenten schreien natürlich über Hegelsche Sophistik. Der
Petersburger „Wjestnik Jevropi“ [„Europäischer Bote“], in einem
Artikel, der ausschließlich die Methode des „Kapital“ behandelt
(Mainummer 1872, S. 427 bis 436), findet meine Forschungsmethode
streng realistisch, die Darstellungsmethode aber unglücklicherweise
deutsch-dialektisch. Er sagt: „Auf den ersten Blick, wenn man nach
der äußeren Form der Darstellung urteilt, ist Marx der größte Idealphilosoph,
 und zwar im deutschen, das heißt schlechten Sinn des
Wortes; In der Tat aber ist er unendlich mehr Realist als alle seine
Vorgänger im Geschäft der ökonomischen Kritik. . .. Man kann ihn
in keiner Weise einen Idealisten nennen.“ Ich kann dem Herrn Verfasser
 nicht besser antworten, als durch einige Auszüge aus seiner
eigenen Kritik, die zudem manchen meiner Leser, dem das russische
Original unzugänglich ist, interessieren mögen.
Nach einem Zitat aus meiner Vorrede zur „Kritik der Politischen
Oekonomie“, Berlin 1859, S. IV bis VII, wo ich die materialistische
Grundlage meiner Methode erörtert habe, fährt der Herr Verfasser
 fort:
„Für Marx ist nur eins wichtig: das Gesetz der Phänomene [der
Erscheinungen] ' zu finden, mit deren Untersuchung er sich beschäftigt.
 Und ihm ist nicht nur das Gesetz ‚wichtig, das sie beherrscht,
soweit sie eine fertige Form haben und in einem Zusammenhang

XLV
        <pb n="44" />
        Nachwort zur zweiten Auflage.
stehen, wie er in einer gegebenen Zeitperiode beobachtet wird. Für
ihn ist noch vor allem wichtig das Gesetz ihrer Veränderung, ihrer
Entwicklung, das heißt der Uebergang aus einer Form in die andere,
aus einer Ordnung des Zusammenhangs in eine andere. Sobald er
einmal dies Gesetz entdeckt hat, untersucht er im Detail die Folgen,
worin es sich im gesellschaftlichen Leben kundgibt. ... Demzufolge
bemüht sich Marx nur um eins: durch genaue wissenschaftliche
Untersuchung die Notwendigkeit bestimmter Ordnungen der gesellschaftlichen
 Verhältnisse nachzuweisen und soviel als möglich untadelhaft
 die Tatsachen zu konstatieren, die ihm zu Ausgangs- und
Stützpunkten dienen. Hierzu ist vollständig hinreichend, wenn er
mit der Notwendigkeit der gegenwärtigen Ordnung zugleich die Notwendigkeit
 einer andern Ordnung nachweist, worin die erste unvermeidlich
 übergehen muß, ganz gleichgültig, ob die Menschen das
glauben oder nicht glauben, ob sie sich dessen bewußt oder nicht
bewußt sind. Marx betrachtet die gesellschaftliche Bewegung als
einen naturgeschichtlichen Prozeß, den Gesetze lenken, die nicht
nur von dem Willen, dem Bewußtsein und der Absicht der Menschen
unabhängig sind, sondern vielmehr umgekehrt deren Wollen, Bewußtsein
 und Absichten bestimmen. ... Wenn das bewußte Element in
der Kulturgeschichte eine so untergeordnete Rolle spielt, dann versteht
 es sich von selbst, daß die Kritik, deren Gegenstand die Kultur
selbst ist, weniger als irgend etwas anderes, irgendeine Form oder
irgendein Resultat des Bewußtseins zur Grundlage haben kann. Das
heißt, nicht die Idee, sondern nur die äußere Erscheinung kann ihr
als Ausgangspunkt dienen. Die Kritik wird sich beschränken auf
die Vergleichung und Konfrontierung [Gegenüberstellung] einer Tatsache,
 nicht mit der Idee, sondern mit der andern Tatsache. Für
sie ist es nur wichtig, daß beide Tatsachen möglichst genau untersucht
 werden und wirklich die eine gegenüber der andern verschiedene
 Entwicklungsmomente bilden, vor allem aber wichtig, daß
nicht minder genau die Serie der Ordnungen erforscht wird, die
Aufeinanderfolge und Verbindung, worin die Entwicklungsstufen
erscheinen. Aber, wird man sagen, die allgemeinen Gesetze des
ökonomischen Lebens sind ein und dieselben; ganz gleichgültig, ob
man sie auf Gegenwart oder Vergangenheit anwendet. Gerade das
leugnet Marx, Nach ihm existieren solche abstrakte Gesetze nicht... .
Nach seiner Meinung besitzt im Gegenteil jede historische Periode
ihre eigenen Gesetze. ... Sobald das Leben eine gegebene Entwicklungsperiode
 überlebt hat, aus einem gegebenen Stadium in ein
anderes übertritt, beginnt es auch durch andere Gesetze gelenkt zu
werden. Mit einem Wort, das ökonomische Leben bietet uns eine
der Entwicklungsgeschichte auf andern Gebieten der Biologie analoge

XLVI
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3

Nachwort zur zweiten Auflage.
Erscheinung. ... Die alten Oekonomen verkannten die Natur
ökonomischer Gesetze, als sie dieselben mit den Gesetzen der Physik
und Chemie verglichen. . . . Eine tiefere Analyse der Erscheinungen
bewies, daß soziale Organismen sich voneinander ebenso gründlich
unterscheiden wie Pflanzen- und Tierorganismen. ... Ja, ein und
dieselbe Erscheinung unterliegt ganz und gar verschiedenen Gesetzen
 infolge des verschiedenen Gesamtbaues jener Organismen,
der Abweichung ihrer einzelnen Organe, des Unterschieds der Bedingungen,
 worin sie funktionieren usw. Marx leugnet zum Beispiel,
daß das Bevölkerungsgesetz dasselbe ist zu allen Zeiten und an allen
Orten. Er versichert im Gegenteil, daß jede Entwicklungsstufe ihr
eigenes Bevölkerungsgesetz hat. . . . Mit der verschiedenen Entwicklung
 der Produktivkraft ändern sich die Verhältnisse und die sie
regelnden Gesetze. Indem sich Marx das Ziel stellt, von diesem
Gesichtspunkt aus die kapitalistische Wirtschaftsordnung ‚zu erforschen
 und zu erklären, formuliert er nur streng wissenschaftlich
das Ziel, welches jede genaue Untersuchung des ökonomischen
Lebens haben muß. ... Der wissenschaftliche Wert solcher Forschung
 liegt in der Aufklärung der besonderen Gesetze, welche Entstehung,
 Existenz, Entwicklung, Tod eines gegebenen gesellschaftlichen
 Organismus und seinen Ersatz durch einen andern, höheren
regeln. Und diesen Wert hat in der Tat das Buch von Marx.“
Indem der Herr Verfasser das, was er meine wirkliche Methode
nennt, so treffend, und soweit meine persönliche Anwendung derselben
 in Betracht kommt, so wohlwollend schildert, was anders hat
er geschildert als die dialektische Methode?
Allerdings muß sich die Darstellungsweise formell von der
Forschungsweise unterscheiden. Die Forschung hat den Stoff sich
im Detail anzueignen, seine verschiedenen Entwicklungsformen zu
analysieren und deren inneres Band aufzuspüren. Erst nachdem
diese Arbeit vollbracht, kann die wirkliche Bewegung entsprechend
dargestellt werden. Gelingt dies und spiegelt sich nun das Leben
des Stoffes ideell wider, so mag es aussehen, als habe man es mit
einer Konstruktion a priori [von vornherein} zu tun.
Meine dialektische Methode ist der Grundlage nach von der
Hegelschen nicht nur verschieden, sondern ihr direktes Gegenteil.
Für Hegel ist der Denkprozeß, den er sogar unter dem Namen Idee
in ein selbständiges Subjekt verwandelt, der Demiurg [der Schöpfer] |
des Wirklichen, das nur seine äußere Erscheinung bildet. Bei mir |
ist umgekehrt das Ideelle nichts anderes als das im Menschenkopf
umgesetzte und übersetzte Materielle.
Die mystifizierende Seite der Hegelschen Dialektik habe ich vor
beinahe 30 Jahren, zu einer Zeit kritisiert, wo sie noch Tagesmode

XLVII
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        Nachwort zur zweiten Auflage.
war. Aber gerade als ich den ersten Band des „Kapital“ ausarbeitete,
 gefiel sich das verdrießliche, anmaßliche und mittelmäßige
 Epigonentum, welches jetzt im gebildeten Deutschland
das große Wort führt, darin, Hegel zu behandeln, wie der brave
Moses Mendelssohn zu Lessings Zeit den Spinoza behandelt hat,
nämlich als „toten Hund“. Ich bekannte mich daher offen als
Schüler jenes großen Denkers und kokettierte sogar hier und da im
Kapitel über die Werttheorie mit der ihm eigentümlichen Ausdrucksweise.
 Die Mystifikation, welche die Dialektik in Hegels Händen
erleidet, verhindert in keiner Weise, daß er ihre allgemeinen Bewegungsformen
 zuerst in umfassender und bewußter Weise dargestellt
hat. Sie steht bei ihm auf dem Kopf. Man muß sie umstülpen, um
den rationellen. Kern in der mystischen Hülle zu entdecken. i
In ihrer mystifizierten Form ward die Dialektik deutsche Mode,
weil sie das Bestehende zu verklären schien. In ihrer rationellen
Gestalt ist sie dem Bürgertum und seinen doktrinären Wortführern
ein Aergernis und ein Greuel, weil sie in dem positiven Verständnis
des Bestehenden zugleich auch das Verständnis seiner Negation
[seiner Verneinung], seines notwendigen Untergangs einschließt,
jede gewordene Form im Flusse der Bewegung, also auch nach ihrer
vergänglichen Seite auffaßt, sich durch nichts imponieren läßt, ihrem
Wesen nach kritisch und revolutionär ist.
Die widerspruchsvolle Bewegung der kapitalistischen Gesellschaft
 macht sich dem praktischen Bourgeois am schlagendsten fühlbar
 in den Wechselfällen des periodischen Kreislaufs, den die
moderne Industrie durchläuft, und deren Gipfelpunkt — die allgemeine
 Krise. Sie ist wieder im Anmarsch, obgleich noch begriffen
in den Vorstadien, und wird durch die Allseitigkeit ihres Schauplatzes,
 wie die Intensität ihrer Wirkung, selbst den Glückspilzen
des neuen heiligen, preußisch-deutschen Reichs Dialektik einpauken.
London, 24. Januar 1873.

XLVIII

Karl Marx.
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Erstes Buch.

Der Produktionsprozeß des Kapitals.

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Das Kanital.
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        Erster Abschnitt.
Ware und Geld.

Erstes Kapitel
Die Ware.

1. Die zwei Faktoren der Ware: Gebrauchswert und Wert
; (Wertsubstanz und Wertgröße). : .
Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische
Produktionsweise herrscht, erscheint als eine „ungeheure Warensammlung‘,
 die einzelne Ware als seine Elementarform [seine Ausgangsform].
 Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse
[der Zergliederung] der Ware.
Die Ware ist zunächst ein äußerer Gegenstand, ein Ding, das
durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art
befriedigt. Die Natur dieser Bedürfnisse, ob sie zum Beispiel dem
Magen oder der Phantasie entspringen, ändert nichts an der Sache.? Es
handelt sich hier auch nicht darum, wie die Sache das menschliche
Bedürfnis befriedigt, ob unmittelbar als Lebensmittel, das heißt
als Gegenstand des Genusses, oder auf einem Umweg, als Produktionsmittel.

Jedes nützliche Ding, wie Eisen, Papier usw., ist unter doppeltem
 Gesichtspunkt zu betrachten, nach Qualität [Beschaffenheit] und
nach Quantität [Menge]. Jedes solches Ding ist ein Ganzes vieler
Eigenschaften und daher nach verschiedenen Seiten nutzbar. Diese
verschiedenen Seiten und daher die mannigfachen Gebrauchsweisen
der Dinge zu entdecken, ist geschichtliche Tat® So die Erfindung
 gesellschaftlicher Maße für die Quantität der nützlichen

1 Karl Marz: „Zur Kritik der Politischen Oekonomie. Berlin 1859“, 8.3.
[Ausgabe Stuttgart 1897, S. 1.]
_ ? „Das Verlangen setzt das Bedürfnis voraus; es ist der Appetit des
Geistes, diesem ebenso nützlich, wie der Hunger dem Körper. ... Die
meisten Dinge erhalten ihren Wert dadurch, daß sie die Bedürfnisse des
Geistes befriedigen.“ (Nicolas Barbon: „A Discourse on coining the new
2 yehlor in answer to Mr. Lockes Considerations ete, London 1696“,
p. 2, 8.
®* „Die Dinge haben eine innere Vortrefflichkeit (vertue, dies bei
Barbon die spezifische Bezeichnung für Gebrauchswert), die überall dieselbe
 ist, ebenso wie die des Magnets, Eisen anzuziehen.“ (N. Barbon: „A
Discourse on coining the new money lighter“, p. 16.) Die Eigenschaft des
Magnets, Eisen anzuziehen, wurde erst nützlich, sobald man vermittels derselben
 die magnetische Polarität entdeckt hatte.
        <pb n="49" />
        Erster Abschnitt.

Dinge. Die Verschiedenheit der Warenmaße entspringt teils aus
der verschiedenen Natur der zu messenden Gegenstände, teils aus
Vebereinkommen.
Die Nützlichkeit eines Dinges, seine Eigenschaft, menschliche
Bedürfnisse irgendeiner Art zu befriedigen, macht es zum Gebrauchswert.*‘
 Aber diese Nützlichkeit schwebt nicht in der Luft.
Durch die Eigenschaften des Warenkörpers bedingt, existiert sie
nicht ohne ihn. Der Warenkörper selbst, wie Eisen, Weizen, Diamant
 usw., ist daher ein Gebrauchswert oder Gut. Dieser sein
Charakter hängt nicht davon ab, ob die Aneignung seiner Gebrauchseigenschaften
 dem Menschen viel oder wenig Arbeit kostet. Bei
Betrachtung der Gebrauchswerte wird stets ihre quantitative Bestimmtheit
 vorausgesetzt, wie Dutzend Uhren, Elle Leinwand, Tonne
Eisen usw. Die Gebrauchswerte der Waren liefern das Material
einer eigenen Disziplin [Lehrzweigs] der Warenkunde.® Der Gebrauchswert
 verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Nutzung.
Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches
immer seine gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachtenden
 Gesellschaftsform treten sie zugleich auf als stoffliche
Träger des — Tauschwerts,
Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis,
 die Proportion, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen
Gebrauchswerte anderer Art austauschen,* ein zufälliges Verhältnis,
das fortwährend mit Zeit und Ort wechselt. Der Tauschwert scheint
daher etwas Zufälliges und rein Relatives vorzustellen, ein der Ware
innerlicher, immanenter Tauschwert (valeur intrinse&amp;amp;que) also ein
Widersinn zu sein.’ Betrachten wir die Sache näher.

* „Der natürliche Wert (worth) jeder Sache besteht in ihrer Eignung,
die notwendigen Bedürfnisse des menschlichen Lebens zu - befriedigen
oder der Bequemlichkeit zu dienen.“ (John Locke: „Some Considerations
on the Consequences of the Lowering of Interest. 1691“, in „Works, ed,
London 1777“, vol. II, p. 28.) Im 17. Jahrhundert finden wir noch häufig bei
englischen Schriftstellern „worth“ für Gebrauchswert und „value“ für
Tauschwert, ganz im Geist einer Sprache, die es Kebt, die unmittelbare
Sache germanisch und die reflektierte Sache romanisch auszudrücken.
5 In der bürgerlichen Gesellschaft herrscht die fictio juris [die der
Wirklichkeit widersprechende Voraussetzung], daß jeder Mensch als Warenkäufer
 eine enzyklopädische [allumfassende] Warenkenntnis besitzt.
$ „Der Wert besteht in dem Verhältnis, in dem sich die eine Sache gegen
die andere, eine bestimmte Menge des einen Produkts gegen eine bestimmte
Menge des andern austauscht.“ (Le Trosne: „De l’Inter&amp;amp;t Social.“ Physiocrates,
 6d. Daire. Paris 1846, p. 889.)
„Nichts kann einen inmnnerlichen Tauschwert haben.“ (N. Barbon:
„A Discourse on coining the new money lighter“, p. 16), oder wie Buller sagt:
„The value of a thing
Is just as much as it will bring.“
[Ein Ding ist soviel wert, wie es einbringt. ]
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71O0-Erstes

 Kapitel.

5

Eine besondere Ware, 1 Quarter Weizen zum Beispiel, tauscht
sich in den verschiedensten Verhältnissen mit andern Waren aus,
zum Beispiel mit 20 Pfund Stiefelwichse oder mit 2 Ellen Seide oder
mit */, Unze Gold usw.; dennoch bleibt der Tauschwert des Quarters-Weizen
 unverändert, ob in Stiefelwichse, Seide oder Gold ausgedrückt.
 Er muß also einen von diesen verschiedenen Ausdrucksweisen
 unterscheidbaren Gehalt haben.
Nehmen wir ferner zwei Waren, zum Beispiel Weizen und Eisen.
Welches immer ihr Austauschverhältnis, es ist stets darstellbar in
einer Gleichung, worin ein gegebenes Quantum Weizen irgendeinem
Quantum Eisen gleichgesetzt wird, zum Beispiel 1 Quarter Weizen
sei gleich 2 Zentnern Eisen. Was besagt diese Gleichung? Daß ein
Gemeinsames von derselben Größe in zwei verschiedenen Dingen
existiert, in 1 Quarter Weizen und ebenfalls in 2 Zentnern Eisen.
Beide sind also gleich einem Dritten, das an und für sich weder
das eine noch das andere ist. Jedes der beiden, soweit es Tauschwert,
 muß also auf dies Dritte reduzierbar [zurückführbar] sein.
Ein einfaches geometrisches Beispiel veranschauliche dies. Um
den Flächeninhalt aller gradlinigen Figuren zu bestimmen und zu
vergleichen, löst man sie in Dreiecke auf. Das Dreieck selbst reduziert
 man auf einen von seiner sichtbaren Figur ganz verschiedenen
Ausdruck — das halle Produkt seiner Grundlinie mit seiner Höhe.
Ebenso sind die Tauschwerte der Waren zu reduzieren auf ein Gemeinsames,
 wovon sie ein Mehr oder Minder darstellen.
Dies Gemeinsame kann nicht eine geometrische, physikalische,
chemische oder sonstige natürliche Eigenschaft der Waren sein. Ihre
körperlichen Eigenschaften kommen überhaupt nur in Betracht, soweit
 selbe sie nutzbar machen, also zu Gebrauchswerten. Anderseits
aber sieht der Tauschwert der Waren augenscheinlich ab von ihrer
Nützlichkeit. Innerhalb des Austauschverhältnisses der Waren gilt
ein Gebrauchswert gerade soviel wie jeder andere, wenn er nur in
gehöriger Proportion vorhanden ist. Oder wie der alte Barbon sagt:
„Die eine Warensorte ist so gut wie die andere, wenn ihr Tauschwert
 gleich groß ist. Da existiert keine Verschiedenheit oder Unterscheidbarkeit
 zwischen Dingen von gleich großem Tauschwert.“® Als
Gebrauchswerte sind die Waren vor allem verschiedener Qualität,
als Tauschwerte können sie nur verschiedener Quantität sein, enthalten
 also kein Atom Gebrauchswert.
Sieht man nun vom Gebrauchswert der Warenkörper ab, so
bleibt ihnen nur noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten.
Jedoch ist uns auch das. Arbeitsprodukt bereits in der Hand verwandelt.
 Abstrahieren wir, sehen wir ab von seinem Gebrauchswert,
80 abstrahieren wir auch von den körperlichen Bestandteilen und For-Mi


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® Barbon fährt fort: „+ «. Blei oder Eisen für 100 Pfd. Sterl. haben
den gleichen Tauschwert wie Silber oder Gold für denselben Betrag.“ („A
Discourse on coining the new money lighter“, p.53 u. 7.)
        <pb n="51" />
        Erster Abschnitt.

men, die es zum Gebrauchswert machen. Es ist nicht länger Tisch oder
Haus oder Garn oder sonst ein nützlich Ding. Alle seine sinnlichen
Beschaffenheiten sind ausgelöscht. Es ist auch nicht länger das Produkt
 der Tischlerarbeit oder der Bauarbeit oder der Spinnarbeit
oder sonst einer bestimmten produktiven Arbeit. Mit dem nützlichen
Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet der nützliche Charakter
der in ihnen dargestellten Arbeiten, es verschwinden also auch die
verschiedenen konkreten, bestimmten Formen dieser Arbeiten, sie
unterscheiden sich nicht länger, sondern sind allzusamt reduziert auf
zleiche menschliche Arbeit, abstrakt, schlechthin menschliche Arbeit.

Betrachten wir nun den Rest der Arbeitsprodukte. Es ist nichts
von ihnen übrig geblieben als dieselbe gespenstige Gegenständlichkeit,
 eine bloße Gallerte unterschiedsloser menschlicher Arbeit, das
heißt der Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ohne Rücksicht
auf die Form ihrer Verausgabung. Diese Dinge stellen nur noch dar,
daß in ihrer Produktion menschliche Arbeitskraft verausgabt, menschliche
 Arbeit aufgehäuft ist, Als Kristalle dieser ihnen gemeinschaftlichen
 gesellschaftlichen Substanz sind sie Werte — Warenwerte.
Im Austauschverhältnis der Waren selbst erscheint uns ihr
Tauschwert als etwas von ihren Gebrauchswerten durchaus Unabhängiges.
 ‚ Abstrahiert man nun wirklich vom Gebrauchswert der
Arbeitsprodukte, so erhält man den Wert, wie er eben bestimmt
ward. Das Gemeinsame, was sich im Austauschverhältnis oder
Tauschwert der Ware darstellt, ist also ihr Wert. Der Fortgang der
Untersuchung wird uns zurückführen zum Tauschwert als der notwendigen
 Ausdrucksweise oder Erscheinungsform des Warenwertes,
der zunächst jedoch unabhängig von dieser Form zu betrachten ist.
Ein Gebrauchswert oder Gut hat also nur einen Wert, weil
abstrakt menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht oder materialisiert
 ist. Wie nun die Größe seines Wertes messen? Durch das
Quantum der in ihm enthaltenen „wertbildenden Substanz“, der
Arbeit. Die Quantität der Arbeit selbst mißt sich an ihrer Zeitdauer
 und die Arbeitszeit besitzt wieder ihren Maßstab an bestimmten
 Zeitteilen, wie Stunde, Tag usw.
Es könnte scheinen, daß, wenn der Wert einer Ware durch das
während ihrer Produktion verausgabte Arbeitsquantum bestimmt
ist, je fauler oder ungeschickter ein Mann, desto wertvoller seine
Ware, weil er desto mehr Zeit zu ihrer Verfertigung braucht. Die
Arbeit jedoch, welche die Substanz der Werte bildet, ist gleiche
menschliche Arbeit, Verausgabung derselben menschlichen Arbeitskraft.
 Die gesamte Arbeitskraft der Gesellschaft, die sich in der
Gesamtheit der Werte der Warenwelt darstellt, gilt hier als eine und
dieselbe menschliche Arbeitskraft, obgleich sie aus zahllosen individuellen
 Arbeitskräften besteht. Jede dieser individuellen Arbeitskräfte
 ist dieselbe menschliche Arbeitskraft wie die andere, soweit
sie den Charakter einer gesellschaftlichen Durchschnitts-Arbeitskraft
        <pb n="52" />
        Erstes Kapitel.

besitzt und als solche gesellschaftliche Durchschnitts-Arbeitskraft
wirkt, also in der Produktion einer Ware auch nur die im Durchschnitt
 notwendige oder gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit
braucht. Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt
 um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlich-normalen
 Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen
 Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit darzustellen.
 Nach der Einführung des Dampfwebstuhles in England
zum Beispiel genügte vielleicht halb soviel Arbeit als vorher, um
ein gegebenes Quantum Garn in Gewebe zu verwandeln. Der englische
 Handweber brauchte zu dieser Verwandlung in der Tat nach
wie vor dieselbe Arbeitszeit, aber das Produkt seiner individuellen
Arbeitsstunde stellte jetzt nur noch eine halbe gesellschaftliche Arbeitsstunde
 dar und fiel daher auf die Hälfte seines früheren Wertes.
Es ist also nur das Quantum gesellschaftlich notwendiger Arbeit
oder die zur Herstellung eines Gebrauchswertes gesellschaftlich notwendige
 Arbeitszeit, welche seine Wertgröße bestimmt.* Die einzelne
 Ware gilt hier überhaupt als Durchschnittsexemplar ihrer
Art.?° Waren, worin gleich große Arbeitsquanta enthalten sind, oder
die in derselben Arbeitszeit hergestellt werden können, haben daher
dieselbe Wertgröße. Der Wert einer Ware verhält sich zum Wert
jeder andern Ware, wie die zur Produktion der einen notwendigen
Arbeitszeit zu der für die Produktion der andern notwendigen ÄArbeitszeit.
 „Als Werte sind alle Waren nur bestimmte Maße festgeronnener
 Arbeitszeit.“1
Die Wertgröße einer Ware bliebe daher konstant, beständig
gleich, wäre die zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit konstant.
Letztere wechselt aber mit jedem Wechsel in der Produktivkrait der
Arbeit. Die Produktivkraft der Arbeit ist durch mannigfache Umstände
 bestimmt, unter andern durch den Durchschnitisgrad des
Geschickes der Arbeiter, die Entwicklungsstufe der Wissenschaft
und ihrer technologischen Anwendbarkeit, die gesellschaftliche

® Note zur 2. Ausgabe, „The value of them (the necessaries of life) when
they are exchanged ihe one for another, is regulated by the quantity of
labour necessarily required, and commonly taken in producing them.“ „Der
Wert von Gebrauchsgegenständen, sobald sie gegeneinander umgetauscht
werden, ist bestimmt durch das Quantum der zu ihrer Produktion notwendig
?rheischten und gewöhnlich angewandten Arbeit.“ („Some Thoughts on the
Interest of Money in general, and particularly in the Public Funds etc.
London“, p. 36.) Diese merkwürdige anonyme Schrift des vorigen Jahrhunderts
 trägt kein Datum. Es geht jedoch aus ihrem Inhalt hervor, daß
sie unter Georg Il., etwa 1739 oder 1740, erschienen ist. .
1 „Alle Produkte derselben Art bilden eigentlich nur eine Masse, deren
Preis im allgemeinen bestimmt wird und ohne Rücksicht auf die Umstände
des Einzelfalles,“ (Le Trosne: „De l’Interet Social“, p. 898.)
u Karl Marx: „Zur Kritik der Politischen Oekonomie“, S. 6. [Ausgabe
Stuttgart 1897, S, 5.]
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        3

Erster Abschnitt.

Organisation des Produktionsprozesses, den Umfang und die Wirkungsfähigkeit
 der Produktionsmittel, und durch Naturverhältnisse.
Dasselbe Quantum Arbeit stellt sich zum Beispiel bei günstiger Ernte
in 8 Bushel Weizen dar, bei ungünstiger in nur 4. Dasselbe
Quantum Arbeit liefert mehr Metalle in reichhaltigen als in armen
Minen usw. Diamanten kommen selten in der Erdrinde vor und ihre
Findung kostet daher im Durchschnitt viel Arbeitszeit. Folglich stellen
sie in wenig Umfang viel Arbeit dar. Jacob bezweifelt, daß Gold jemals
seinen vollen Wert bezahlt hat. Noch mehr gilt dies vom Diamant.
Nach Eschwege hatte 1823 die achtzigjährige Gesamtausbeute der
brasilianischen Diamantgruben noch nicht den Preis des anderthalbjährigen
 Durchschnittsprodukts der brasilianischen Zucker- oder
Kaffeepflanzungen erreicht, obgleich sie viel mehr Arbeit darstellte,
also mehr Wert. Mit reichhaltigeren Gruben würde dasselbe Arbeitsquantum
 sich in mehr Diamanten darstellen und ihr Wert
sinken. Gelingt es, mit wenig Arbeit Kohle in Diamant zu verwandeln,
 so kann sein Wert unter den von Ziegelsteinen fallen.
Allgemein: Je größer die Produktivkraft der Arbeit, desto kleiner
die zur Herstellung eines Artikels erheischte Arbeitszeit, desto
kleiner die in ihm kristallisierte Arbeitsmasse, desto kleiner sein
Wert. Umgekehrt, je kleiner die Produktivkraft der Arbeit, desto
größer die zur Herstellung eines Artikels notwendige Arbeitszeit,
desto größer sein Wert. Die Wertgröße einer Ware wechselt also
direkt wie das Quantum und umgekehrt wie die Produktivkraft der
sich in ihr verwirklichenden Arbeit.
Ein Ding kann Gebrauchswert sein, ohne Wert zu sein. Es ist
dies der Fall, wenn sein Nutzen für den Menschen nicht durch Arbeit
vermittelt ist. So Luft, jungfräulicher Boden, natürliche Wiesen,
wildwachsendes Holz usw. Ein Ding kann nützlich und Produkt
menschlicher Arbeit sein, ohne Ware zu sein. Wer durch sein Produkt
 sein eigenes Bedürfnis befriedigt, schafft zwar Gebrauchswert,
aber nicht Ware. Um Ware zu produzieren, muß er nicht nur Gebrauchswert
 produzieren, sondern Gebrauchswert für andere, gesellschaftlichen
 Gebrauchswert.11*
Endlich kann kein Ding Wert sein, ohne Gebrauchsgegenstand
 zu sein. Ist es nutzlos, so ist auch die in ihm enthaltene
Arbeit nutzlos, zählt nicht als Arbeit und bildet daher keinen Wert.

214 Engels bemerkt hierzu: „Und nicht nur für andere schlechthin.
Der mittelalterliche Bauer produzierte das Zinskorn für den Feudalherrn,
das Zehntkorn für den Pfaffen. Aber weder Zinskorn noch Zehntkorn
wurden dadureh Ware, daß sie für andere produziert waren. Um Ware
zu werden, muß das Produkt dem andern, dem es als Gebrauchswert dient,
durch den Austausch Übertragen werden.“ — Diese Bemerkung erschien
 Engels notwendig, weil sehr häufig das Mißverständnis entstanden
war, jedes Produkt, das von einem andern als dem Produzenten konsumiert
wird, gelte bei Marx als Ware. K.
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Erstes Kapitel.

2, Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit.
Ursprünglich erschien uns die Ware als ein Zwieschlächtiges,
Gebrauchswert und Tauschwert. Später zeigte sich, daß auch die
Arbeit, soweit sie im Wert ausgedrückt ist, nicht mehr dieselben
Merkmale besitzt, die ihr als Erzeugerin von Gebrauchswerten zukommen.
 Diese zwieschlächtige Natur der in der Ware enthaltenen
Arbeit ist zuerst von mir kritisch nachgewiesen worden.!? Da dieser
Punkt der Springpunkt ist, um den sich das Verständnis der polilischen
 Oekonomie dreht, soll er hier näher beleuchtet werden.
Nehmen wir zwei Waren, etwa 1 Rock und 10 Ellen Leinwand.
Der erstere habe den zweifachen Wert der 10 Ellen Leinwand.
Der Rock ist ein Gebrauchswert, der ein besonderes Bedürfnis
befriedigt. Um ihn hervorzubringen, bedarf es einer bestimmten
Art produktiver Tätigkeit. Sie ist bestimmt durch ihren Zweck,
Operationsweise, Gegenstand, Mittel und Resultat. Die Arbeit, deren
Nützlichkeit sich so im Gebrauchswert ihres Produkts oder darin
darstellt, daß ihr Produkt ein Gebrauchswert ist, nennen wir kurzweg
 nützliche Arbeit. Unter diesem Gesichtspunkt wird sie stets
betrachtet mit Bezug auf ihren Nutzeffekt.
Wie Rock und Leinwand qualitativ verschiedene Gebrauchswerte,
 so sind die ihr Dasein vermittelnden Arbeiten qualitativ
verschieden — Schneiderei und Weberei. Wären jene Dinge nicht
qualitativ verschiedene Gebrauchswerte und daher Produkte qualitativ
 verschiedener nützlicher Arbeiten, so könnten sie sich überhaupt
 nicht als Waren gegenübertreten. Rock tauscht sich nicht aus
gegen Rock, derselbe Gebrauchswert nicht gegen denselben Gebrauchswert.
 .
{n der Gesamtheit der verschiedenartigen Gebrauchswerte oder
Warenkörper erscheint eine Gesamtheit ebenso mannigfaltiger, nach
Gattung, Art, Familie, Unterart, Varietät verschiedener nützlicher
Arbeiten — eine gesellschaftliche Teilung der Arbeit. Sie ist Existenzbedingung
 der Warenproduktion, obgleich Warenproduktion
nicht umgekehrt die Existenzbedingung gesellschaftlicher Arbeitsteilung.
 In der altindischen Gemeinde ist die Arbeit gesellschaftlich
geteilt, ohne daß die Produkte zu Waren werden. Oder, ein näherliegendes
 Beispiel, in jeder Fabrik ist die Arbeit systematisch yeleilt,
 aber diese Teilung nicht dadurch vermittelt, daß die Arbeiter
ihre individuellen Produkte aystauschen. Nur Produkte selbständiger
 und voneinander unabhängiger Privatarbeiten treten
einander als Waren gegenüber.
Man hat also gesehen: in dem Gebrauchswert jeder Ware steckt
eine bestimmte zweckmäßig produktive Tätigkeit oder nützliche
Arbeit. Gebrauchswerte können sich nicht als Waren gegenübertreten,
 wenn nicht qualitativ verschiedene nützliche Arbeiten in

1 Karl Marz: „Zur Kritik der Politischen
passim. [Ausgabe Stutigart 1897, S. 11, 12 und

Oekonomie“, S, 12, 13 und
passim. ]
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        LO

Erster Abschnitt,

ihnen stecken. In einer Gesellschaft, deren Produkte allgemein
die Form der Ware annehmen, das heißt in einer Gesellschaft von
Warenproduzenten, entwickelt sich dieser qualitative Unterschied
der nützlichen Arbeiten, welche unabhängig voneinander als Privatgeschäfte
 selbständiger Produzenten betrieben werden, zu einem
vielgliederigen System, zu einer gesellschaftlichen Teilung der
Arbeit.
Dem Rock ist es übrigens gleichgültig, ob er vom Schneider
oder vom Kunden des Schneiders getragen wird. In beiden Fällen
wirkt er als Gebrauchswert. Ebensowenig ist das Verhältnis
zwischen dem Rock und der ihn produzierenden Arbeit an und für
sich dadurch verändert, daß die Schneiderei besondere Profession
wird, selbständiges Glied der gesellschaftlichen Teilung der Arbeit.
Wo ihn das Kleidungsbedürfnis zwang, hat der Mensch Jahrtausende
lang geschneidert, bevor aus einem Menschen ein Schneider ward.
Aber das Dasein von Rock, Leinwand, jedem nicht von Natur vorhandenen
 Element des stofilichen Reichtums, mußte immer vermittelt
 sein durch eine spezielle, zweckmäßig produktive Tätigkeit,
die besondere Naturstoffe besonderen menschlichen Bedürfnissen
assimiliert [anpaßt]. Als Bildnerin von Gebrauchswerten, als nützliche
 Arbeit, ist die Arbeit daher eine von allen Gesellschaftsformen
unabhängige Existenzbedingung des Menschen, ewige Naturnotwendigkeit,
 um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das
menschliche Leben zu vermitteln.
Die Gebrauchswerte Rock, Leinwand usw., kurz die Warenkörper,
 sind Verbindungen von zwei Elementen, Naturstoff und
Arbeit. Zieht man die Gesamtsumme aller verschiedenen nützlichen
 Arbeiten ab, die in Rock, Leinwand usw. stecken, so bleibt
stets ein materielles Substrat, ein stofflicher Rückstand zurück, der
ohne Zutun des Menschen von Natur vorhanden ist. Der Mensch
kann in seiner Produktion nur verfahren wie die Natur selbst, das
heißt nur die Formen der Stoffe ändern.*® Noch mehr. In dieser
Arbeit der Formung selbst wird er beständig unterstützt von Natur.

2 „Alle Erscheinungen des Weltalls, ob hervorgerufen von der Hand
des Menschen oder durch die allgemeinen Naturgesetze, stellen keine wirkliche
 Neuschöpfung dar, sondern bloß eine Umformung des Stoffes. Zusammenfügen
 und Trennen sind die einzigen Elemente, die der menschliche
Geist immer wieder findet, wenn er die Vorstellung des Hervorbringens
zergliedert; und ebenso steht es um die Hervorbringung des Wertes (valore,
Gebrauchswert, obgleich Verri hier in seiner Polemik gegen die Physiokraten
selbst nicht recht weiß, von welcher Sorte Wert er spricht) und des Reichtums,
 wenn Erde, Luft und Wasser sich auf dem Felde in Gras verwandeln,
oder wenn sich unter der Hand des Menschen die klebrige Absonderung
eines Insekts in Seide verwandelt oder einige Metallstückchen sich zu einer
Repetieruhr zusammenfügen.“ (Pietro Verri: „Meditazioni sulla Economia
Politica‘“ (zuerst gedruckt 1778) in der Ausgabe der italienischen Oekonomer
von Custodi, Parte Moderna, vol. XV, p. 22.)
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Erstes Kapitel.

11

kräften. Arbeit ist also nicht die einzige Quelle der von ihr produzierten
 Gebrauchswerte, des stofflichen Reichtums. Die Arbeit ist
sein Vater, wie William Petty sagt, und die Erde seine Mutter.
Gehen wir nun von der Ware, soweit sie Gebrauchsgegenstand,
über zum Warenwert.
Nach unserer Unterstellung hat der Rock den doppelten Wert
der 10 Ellen Leinwand. Dies ist aber nur ein quantitativer Unterschied,
 der uns zunächst noch nicht interessiert. Wir erinnern daher,
daß, wenn der Wert von 1 Rock doppelt so groß als der von 10 Ellen
Leinwand, 20 Ellen Leinwand dieselbe Wertgröße haben wie 1 Rock.
Als Werte sind Rock und Leinwand Dinge von gleicher Substanz,
gleichem Wesen, objektive Ausdrücke gleichartiger Arbeit. Aber
Schneiderei und Weberei sind qualitativ verschiedene Arbeiten. Es
gibt jedoch Gesellschaftszustände, worin. derselbe Mensch abwechselnd
 schneidert und webt, diese beiden verschiedenen Arbeits.
weisen daher nur Abänderungen der Arbeit desselben Individuums
und noch nicht besondere feste Funktionen verschiedener Individuen
sind, ganz wie der Rock, den unser Schneider heute, und die Hosen,
die er morgen macht, nur Variationen derselben individuellen Arbeit
voraussetzen. Der Augenschein lehrt ferner, daß in unserer kapitalistischen
 Gesellschaft, je nach der wechselnden Richtung der
Arbeitsnachfrage, eine gegebene Menge menschlicher Arbeit abwechselnd
 in der Form von Schneiderei oder in der Form
von Weberei zugeführt wird. Dieser Formwechsel der Arbeit
mag nicht ohne Reibung abgehen, aber er muß gehen. Sieht
man ab von der Bestimmtheit der produktiven Tätigkeit und
daher vom nützlichen Charakter der Arbeit, so bleibt das
an ihr, daß sie eine Verausgabung menschlicher Arbeitskraft
ist. Schneiderei und Weberei, obgleich qualitativ verschiedene
produktive Tätigkeiten, sind beide produktive Verausgabung von
menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand usw., und in diesem Sinn
beide menschliche Arbeit. Es sind nur zwei verschiedene Formen,
menschliche Arbeitskraft zu verausgaben. Allerdings muß die
menschliche Arbeitskraft selbst mehr oder minder entwickelt sein,
um in dieser oder jener Form verausgabt zu werden. Der Wert der
Ware aber stellt menschliche Arbeit schlechthin dar, Verausgabung
menschlicher Arbeit überhaupt. Wie nun in der bürgerlichen Gesellschaft
 ein General oder Bankier eine große, der Mensch schlechthin
 dagegen eine sehr schäbige Rolle spielt,!* so steht es hier auch
mit der menschlichen Arbeit. Sie ist Verausgabung einfacher Arbeitskraft,
 die im Durchschnitt jeder gewöhnliche Mensch, ohne
besondere Entwicklung, in seinem leiblichen Organismus besitzt.
Die einfache Durchschnittsarbeit selbst wechselt zwar in verschiedenen
 Ländern und Kulturepochen ihren Charakter, ist aber in einer
vorhandenen Gesellschaft gegeben. Kompliziertere Arbeit gilt nur

1 Vgl. Hegel: „Philosophie des Rechts. Berlin 1840“, S. 250, 8 190.
        <pb n="57" />
        12

Erster Abschnitt.

als potenzierte [erhöhte], oder vielmehr multiplizierte [vervielfachte],
einfache Arbeit, so daß ein kleineres Quantum komplizierter
Arbeit gleich einem größeren Quantum einfacher Arbeit. Daß
diese Reduktion, Zurückführung, beständig vorgeht, zeigt die
Erfahrung. Eine Ware mag das Produkt der kompliziertesten
Arbeit sein, ihr Wert setzt sie dem Produkt einfacher Arbeit
gleich und stellt daher selbst nur ein bestimmtes Quantum einfacher
 Arbeit dar.!*® Die verschiedenen Proportionen, worin verschiedene
 Arbeitsarten auf einfache Arbeit als ihre Maßeinheit
reduziert sind, werden durch einen gesellschaftlichen Prozeß hinter
dem Rücken der Produzenten festgesetzt und scheinen ihnen daher
durch das Herkommen gegeben. Der Vereinfachung halber gilt uns
im folgenden jede Art Arbeitskraft unmittelbar für einfache Arbeitskraft,
 wodurch nur die Mühe der Reduktion erspart wird.
Wie also in den Werten Rock und Leinwand von dem Unterschied
ihrer Gebrauchswerte abstrahiert [abgesehen] ist, so in den Arbeiten,
die sich in diesen Werten darstellen, von dem Unterschied ihrer nützlichen
 Formen, der Schneiderei und Weberei. Wie die Gebrauchswerte
 Rock und Leinwand Verbindungen zweckbestimmter, proüuktiver
 Tätigkeiten mit Tuch und Garn sind, die Werte Rock
und Leinwand dagegen bloße gleichartige Arbeitsgallerten, so
gelten auch die in diesen Werten enthaltenen Arbeiten nicht
durch ihr produktives Verhalten zu Tuch und Garn, sondern
nur als Verausgabungen menschlicher Arbeitskraft. Bildungselemente
 der Gebrauchswerte Rock und Leinwand sind Schneiderei
und Weberei eben durch ihre verschiedenen Qualitäten; Substanz,
Grundlage des Rockwertes und Leinwandwertes sind sie nur, soweit
von ihrer besonderen Qualität abstrahiert wird und beide gleiche
Qualität besitzen, die Qualität menschlicher Arbeit.
Rock und Leinwand sind aber nicht nur Werte überhaupt,
sondern Werte von bestimmter Größe und nach unserer Unterstellung
 ist der Rock doppelt soviel wert als 10 Ellen Leinwand.
Woher diese Verschiedenheit ihrer Wertgrößen? Daher, daß die
10 Ellen Leinwand nur halb soviel Arbeit enthalten als der Rock, so
daß zur Produktion des letzteren die Arbeitskraft während doppelt
soviel Zeit verausgabt werden muß als zur Produktion der ersteren.
Wenn also mit Bezug auf den Gebrauchswert die in der Ware
enthaltene Arbeit nur qualitativ gilt, gilt sie mit Bezug auf die Wertgröße
 nur quantitativ, nachdem sie bereits auf menschliche Arbeit
ohne weitere Qualität reduziert ist. Dort handelt es sich um das
Wie und Was der Arbeit, hier um ihr Wieviel, ihre Zeitdauer.
Da die Wertgröße einer Ware nur das Quantum der in ihr ent-1

 Der Leser muß aufmerken, daß hier nicht vom Lohn oder Wert die
Rede ist, den der Arbeiter etwa für einen Arbeitstag erhält, sondern vom
Warenwert, worin sich sein Arbeitstag vergegenständlicht. Die Kategorie
jes Arbeitslohnes existiert überhaupt noch nicht auf dieser Stufe unserer
Darstellung,
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Erstes Kapitel.

13
haltenen Arbeit darstellt, müssen Waren in gewisser Proportion
stets gleich große Werte sein.
Bleibt die Produktivkraft, sage aller zur Produktion eines Rockes
erheischten nützlichen Arbeiten unverändert, so steigt die Wertgröße
 der Röcke mit ihrer eigenen Quantität. Wenn 1 Rock z. B. 8,
stellen 2 Röcke 2 X 3 — 6 Arbeitstage dar usw. Nimm aber an, die
zur Produktion eines Rockes notwendige Arbeit steige auf das
Doppelte oder falle um die Hälfte. Im ersteren Falle hat ein Rock
soviel Wert als vorher zwei Röcke, im letzteren Falle haben zwei
Röcke nur soviel Wert als vorher einer, obgleich in beiden Fällen
ein Rock nach wie vor dieselben Dienste leistet und die in ihm enthaltene
 nützliche Arbeit nach wie vor von derselben Güte bleibt.
Aber das in seiner Produktion verausgabte Arbeitsquantum hat sich
verändert.
Ein größeres Quantum Gebrauchswert bildet an und für sich
größeren stofflichen Reichtum, zwei Röcke mehr als einer. Mit
zwei Röcken kann man zwei Menschen kleiden, mit einem Rock nur
einen Menschen usw. Dennoch kann der steigenden Masse des
stofflichen Reichtums ein gleichzeitiger Fall seiner Wertgröße ent-Sprechen.
 Diese gegensätzliche Bewegung entspringt aus dem
zwieschlächtigen Charakter der Arbeit. Produktivkraft ist natürlich
stets Produktivkraft nützlicher, konkreter Arbeit und bestimmt in der
Tat nur den Wirkungsgrad zweckmäßiger produktiver Tätigkeit in
gegebenem Zeitraum. Die nützliche Arbeit wird daher reichere oder
dürftigere Produktenquelle im direkten Verhältnis zum Steigen oder
Fallen ihrer Produktivkraft. Dagegen trifft ein Wechsel der Produktivkraft
 die im Wert dargestellte Arbeit an und für sich gar nicht. Da
die Produktivkraft der konkreten nützlichen Form der Arbeit angehört,
kann sie natürlich die Arbeit nicht mehr berühren, sobald von ihrer
konkreten. nützlichen Form abstrahiert wird. Dieselbe Arbeit ergibt
daher in denselben Zeiträumen stets dieselbe Wertgröße, wie immer
die Produktivkraft wechsle. Aber sie liefert in demselben Zeitraum
verschiedene Quanta Gebrauchswerte, mehr, wenn die Produktivkraft
 steigt, weniger, wenn sie sinkt. Derselbe Wechsel der Produktivkraft,
 der die Fruchtbarkeit der Arbeit und daher die Masse
der von ihr gelieferten Gebrauchswerte vermehrt, vermindert also
die Wertgröße dieser vermehrten Gesamtmasse, wenn er die Summe
der zu ihrer Produktion notwendigen Arbeitszeit abkürzt. Ebenso
umgekehrt.
Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft
 im Physiologischen Sinne und in dieser Eigenschaft gleicher
menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert.
 Alle Arbeit ist anderseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft
 in besonderer zweckbestimmter Form und in dieser Eigenschaft
konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte.!®
‘6 Note zur 2, Ausgabe. Um zu beweisen, „daß die Arbeit allein das
endgültige und reale Maß ist, woran der Wert aller Waren zu allen Zeiten
        <pb n="59" />
        Erster Abschnitt.
3. Die Wertform oder der Tauschwert.
Waren kommen zur Welt in der Form von Gebrauchswerten oder
Warenkörpern, als Eisen, Leinwand, Weizen usw. Es ist dies ihre
hausbackene Naturalform. Sie sind jedoch nur Waren, weil Doppeltes,
 Gebrauchsgegenstände und zugleich Wertiräger. Sie erscheinen
daher nur als Waren oder besitzen nur die Form von Waren, sofern
sie Doppelform besitzen, Naturalform und Wertform.
Die Wertgegenständlichkeit der Waren unterscheidet sich dadurch
 von der Wittib Hurtig, der Freundin Falstaffs, daß man nicht
weiß, wo sie zu haben ist. Im geraden Gegenteil zur sinnlich groben
Gegenständlichkeit der Warenkörper geht kein Atom Naturstoff in
ihre Wertgegenständlichkeit ein. Man mag daher eine einzelne
Ware drehen und wenden wie man will, sie bleibt unfaßbar als
Wertding. Erinnern wir uns jedoch, daß die Waren nur Wertgegenständlichkeit
 besitzen, sofern sie Ausdrücke derselben gesellschaftlichen
 Einheit, menschlicher Arbeit, sind, daß ihre Werigegenständgeschätzt

 und verglichen werden kann“, sagt A. Smith: „Gleiche Quantitäten
Arbeit müssen zu allen Zeiten und an allen Orten für den Arbeiter selbst
denselben Wert haben. In seinem normalen Zustand von Gesundheit, Krafli
und Tätigkeit, und mit dem Durchschnittsgrad von Geschicklichkeit, die er
besitzen mag, muß er immer das gleiche Ausmaß seiner Ruhe, seiner Freiheit
 und seines Glückes hingeben.‘“ („Wealth of Nations“, b. I, ch. 5. [Vgl
Adam Smith: „Untersuchung über das Wesen und die Ursachen des Volkswohlstandes.‘“
 ‘Aus dem Englischen übertragen von F, Stöpel. 2, Auflage.
Berlin 1905. Bd. I, S. 45.] Einerseits verwechselt A. Smith hier (nicht überall)
die Bestimmung des Wertes durch das in der Produktion der Ware verausgabte
 Arbeitsquantum mit der Bestimmung der Warenwerte durch den Wert
der Arbeit und sucht daher nachzuweisen, daß gleiche Quantitäten Arbeit
stets denselben Wert haben. Anderseits ahnt er, daß die Arbeit, soweit sie
sich im Wert der Waren darstellt, nur als Verausgabung von Arbeitskrafi
gilt, faßt diese Verausgabung aber wieder bloß als Opfer von Ruhe, Freiheit
 und Glück, nicht auch als normale Lebensbetätigung, Allerdings hal
er den modernen Lohnarbeiter vor Augen. — Viel treffender sagt der Note 9
zitierte anonyme Vorgänger von A. Smith: „Jemand hat eine Woche darauf
verwendet, einen Gebrauchsgegenstand herzustellen. . . Wer ihm nun einen
andern in Tausch gibt, kann nach keinem besseren Maßstab abschätzen, was
wirklich gleichwertig ist, als indem er berechnet, welcher Gegenstand ihn
ebensoviel Arbeit (labour) und Zeit kostet. Das kommt in der Tat darauf
hinaus, daß die Arbeit, die der eine Mann während einer bestimmten Zeit
in sein Produkt gesteckt hat, ausgetauscht wird gegen die Arbeit, die der
andere während der gleichen Zeit auf einen andern Gegenstand verwendet
hat.“ („Some Thoughis on the Interest of money in general etc.“, p. 39.)
[Engels bemerkt hierzu in einer Fußnote zur englischen Uebersetzung des
„Kapital“, Bd. I, S. 14: „Die englische Sprache hat den Vorzug, zwei verschiedene
 Bezeichnungen für diese zwei verschiedenen Seiten der Arbeit zu
haben. Die Arbeit, die Gebrauchswerte schafft und qualitativ bestimmt ist,
heißt Work, im Gegensatz zu Labour; die Arbeit, die Wert schafft und nur
quantitativ gemessen wird, heißt Labour, im Gegensatz zu Work.“
Man vergleiche dazu die Note 4, S. 4, über den Geist der englischen
Sprache. K.]
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Erstes Kapitel,

15

lichkeit also rein gesellschaftlich ist, so versteht sich auch von selbst,
daß sie nur im gesellschaftlichen Verhältnis von Ware zu Ware erscheinen
 kann. Wir gingen in der Tat vom Tauschwert oder Austauschverhältnis
 der Waren aus, um ihrem darin versteckten Wert
auf die Spur zu kommen. Wir müssen jetzt zu dieser Erscheinungslorm
 des Wertes zurückkehren.
Jedermann weiß, wenn er auch sonst nichts weiß, daß die
Waren eine mit den bunten Naturalformen ihrer Gebrauchswerte
höchst auffallend kontrastierende, gemeinsame Wertform besitzen
— die Geldform. Hier gilt es jedoch zu leisten, was von der bürgerlichen
 Oekonomie nicht einmal versucht ward, nämlich die Entstehung
 dieser Geldfiorm nachzuweisen, also die Entwicklung des
im Wertverhältnis der Waren enthaltenen Wertausdrucks von seiner
einfachsten unscheinbarsten Gestalt bis zur blendenden Geldiorm
zu verfolgen. Damit verschwindet zugleich das Geldrätsel.
Das einfachste Weritverhältnis ist offenbar das Wertverhältnis
einer Ware zu einer einzigen verschiedenartigen Ware, gleichgültig
welcher. Das Wertverhältnis zweier Waren liefert daher den einfachsten
 Wertausdruck für eine Ware.

A. Einfache, einzelne oder zufällige Wertiorm.
x Ware A = y Ware B oder: x Ware A ist y Ware B wert.
(20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder: 20 Ellen Leinwand sind 1 Rock wert.)
1. Die beiden Pole des Wertausdrucks: Relative Wertiorm
und Aequivalentiorm.
Das Geheimnis aller Wertform steckt in dieser einfachen Wertlorm.
 Ihre Analyse, Zergliederung, bietet daher die eigentliche
Schwierigkeit.
Es spielen hier zwei verschiedenartige Waren A und B, in
unserm Beispiel Leinwand und Rock, offenbar zwei verschiedene
Rollen. Die Leinwand drückt ihren Wert aus im Rock, der Rock
dient zum Material dieses Wertausdruckes. Die erste Ware spielt
eine aktive, die zweite eine passive Rolle. Der Wert der ersten
Ware ist als relativer Wert dargestellt oder sie befindet sich in
relativer Wertform. Die zweite Ware funktioniert als Aequivalent
[als Gleichwertiges], oder befindet sich in Aequivalentform.
Relative Wertform und Aequivalentform sind zueinander gehörige,
 sich wechselseitig bedingende, unzertrennliche Momente,
aber zugleich einander ausschließende oder entgegengesetzte Ex-!reme,
 das heißt Pole desselben Wertausdrucks; sie verteilen sich
steis auf die verschiedenen Waren, die der Wertausdruck aufeinander
 bezieht. Ich kann zum Beispiel den Wert der Leinwand nicht
in Leinwand ausdrücken. 20 Ellen Leinwand = 20 Ellen Leinwand
ist kein Wertausdruck. Diese Gleichung sagt vielmehr umgekehrt:
20 Ellen Leinwand sind nichts anderes als 20 Ellen Leinwand, ein
bestimmtes Quantum des Gebrauchsgegenstandes Leinwand. Der
Wert der Leinwand kann also nur relativ ausgedrückt werden, das
        <pb n="61" />
        16

Erster Abschnitt.

heißt in anderer Ware. Die relative Wertform der Leinwand unterstellt
 daher, daß irgendeine andere Ware sich ihr gegenüber in der
Aequivalentform befindet. Anderseits, diese andere Ware, die als
Aequivalent figuriert, kann sich nicht gleichzeitig in relativer Wertiorm
 befinden. Nicht sie drückt ihren Wert aus. Sie liefert nur dem
Wertausdruck anderer Ware das Material.
Allerdings schließt der Ausdruck: 20 Ellen Leinwand — 1 Rock
oder 20 Ellen Leinwand sind 1 Rock wert, auch die Rückbeziehung
ein: 1 Rock — 20 Ellen Leinwand oder 1 Rock ist 20 Ellen Leinwand
 wert. Aber so muß ich doch die Gleichung umkehren, um
jen Wert des Rockes relativ auszudrücken, und sobald ich das tue,
wird die Leinwand Aequivalent statt des Rockes. Dieselbe Ware
kann also in demselben Wertausdruck nicht gleichzeitig in beiden
Formen auftreten. Diese schließen sich vielmehr polarisch, wie die
beiden Endpunkte einer Linie, aus.
Ob eine Ware sich nun in relativer Wertform befindet oder in
ler entgegengesetzten Aequivalentform, hängt ausschließlich ab von
Ihrer jedesmaligen Stelle im Wertausdruck, das heißt davon, ob sie
lie Ware ist, deren Wert, oder aber die Ware, worin Wert auszedrückt
 wird.
2. Die relative Wertiorm.
a) Gehalt der relativen Wertform.
Um herauszufinden, wie der einfache Wertausdruck einer Ware
im Wertverhältnis zweier Waren steckt, muß man letzteres zunächst
ganz unabhängig von seiner quantitativen Seite betrachten. Man
verfährt meist gerade umgekehrt und sieht im Wertverhältnis nur
die Proportion, worin bestimmte Quanta zweier: Warensorten einander
 gleichgelten. Man übersieht, daß die Größen verschiedener
Dinge erst quantitativ vergleichbar werden nach ihrer Reduktion
[Zurückführung] auf dieselbe Einheit. Nur als Ausdrücke derselben
Einheit sind sie gleichnamige, daher kommensurable [mit dem
zleichen Maß meßbare] Größen.
Ob 20 Ellen Leinwand == 1 Rock oder — 20 oder — x Röcke,
das heißt ob ein gegebenes Quantum Leinwand viele oder wenige
Röcke wert ist, jede solche Proportion schließt stets ein, daß Leinwand
 und Röcke als Wertgrößen Ausdrücke derselben Einheit,
Dinge von derselben Natur sind. Leinwand = Rock ist die Grundlage
 der Gleichung.
Aber die zwei qualitativ gleichgesetzten Waren spielen nicht
dieselbe Rolle. Nur der Wert der Leinwand wird ausgedrückt. Und
wie? Durch ihre Beziehung auf den Rock als ihr „Aequivalent“
17 Die wenigen Oekonomen, die sich, wie S, Bailey, mit der Analyse der
Wertform beschäftigt haben, konnten zu keinem Resultat kommen, einmal,
weil sie Wertiorm und Wert verwechseln, zweitens, weil sie, unter dem
rohen Einfluß des praktischen Bürgers, von vornherein ausschließlich die
quantitative Bestimmtheit ins Auge fassen. „Die Verfügung über Mengen
‚.. macht den Wert aus.“ („Money and its Vicissitudes. London 1837“,
p. 11.) Verfasser 8. Bailey,
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37°

Erstes Kapitel.

17

oder mit ihr „Austauschbares“.‘ In diesem Verhältnis gilt der Rock
als Existenzlorm von Wert, als Wertding, denn nur als solches ist er
dasselbe wie die Leinwand. Anderseits kommt das eigene Wertsein
der Leinwand zum Vorschein oder erhält einen selbständigen Ausdruck,
 denn nur als Wert ist sie auf den Rock als Gleichwertiges
oder mit ihr Austauschbares bezüglich. So ist die Buttersäure ein
vom Propyliormat verschiedener Körper. Beide bestehen jedoch aus
denselben chemischen Substanzen — Kohlenstoff (C), Wasserstoff
(H) und Sauerstoff (0), und zwar in gleicher prozentiger Zusammensetzung,
 nämlich C,H,0,. Würde nun der Buttersäure das Propylformat
 gleichgesetzt, so gälte in diesem Verhältnis erstens das
Propylformat bloß als Existenzform von C,H,0, und zweitens wäre
gesagt, daß auch die Buttersäure aus C,H,O, besteht. Durch die
Gleichsetzung des Propylformats mit der Buttersäure wäre also ihre
chemische Substanz im Unterschied von ihrer Körperform ausgedrückt.

Sagen wir: Als Werte sind die Waren bloße Gallerten menschlicher
 Arbeit, so reduziert unsere Analyse dieselben auf die Wertabstraktion,
 gibt ihnen aber keine von ihren Naturalformen verschiedene
 Wertform. Anders im Wertverhältnis einer Ware zur
andern. Ihr Wertcharakter tritt hier hervor durch ihre eigene Beziehung
 zu der andern Ware. .
Indem zum Beispiel der Rock als Wertding der Leinwand
gleichgesetzt wird, wird die in ihm steckende Arbeit der in ihr
steckenden Arbeit gleichgesetzt. Nun ist zwar die Schneiderei, die
den Rock macht, eine von der Weberei, die die Leinwand macht,
verschiedenartige konkrete Arbeit. Aber die Gleichsetzung mit der
Weberei reduziert die Schneiderei tatsächlich auf das in beiden
Arbeiten wirklich Gleiche, auf ihren gemeinsamen Charakter
menschlicher Arbeit. Auf diesem Umwege ist dann gesagt, daß
auch die Weberei, sofern sie Wert webt, keine Unterscheidungsmerkmalo
 von der Schneiderei besitzt, also abstrakt menschliche
Arbeit ist. Nur der Aequivalenzausdruck verschiedenartiger Waren
bringt den spezifischen Charakter der wertbildenden Arbeit zum
Vorschein, indem er die in den verschiedenartigen Waren steckenden,
 verschiedenartigen Arbeiten tatsächlich auf ihr Gemeinsames
reduziert, auf menschliche Arbeit überhaupt.!"*
a Note zur 2. Ausgabe. Einer der ersten Oekonomen, der nach
William Petty die Natur des Wertes durchschaut hat, der berühmte Franklin,
sagt: „Da der Handel überhaupt nichts ist als der Austausch einer Arbeit
gegen andere Arbeit, wird der Wert aller Dinge am richtigsten geschätzt in
Arbeit.“ („The Works of B. Franklin, etc., ed. by Sparks. Boston 1836“,
vol. IL, p. 267.) Franklin ist sich nicht bewußt, daß, indem er den Wert aller
Dinge „in Arbeit“ schätzt, er von der Verschiedenheit der ausgetauschten
Arbeiten abstrahiert — und sie so auf gleiche menschliche Arbeit reduziert.
Was er nicht weiß, sagt er jedoch. Er spricht erst von „der einen Arbeit“,
dann „von der andern Arbeit“, schließlich von „Arbeit“ ohne weitere Bezeichnung
 als Substanz des Wertes aller Dinge.
Das Kanital. I.
        <pb n="63" />
        Erster Abschnitt.

Es genügt indes nicht, den spezifischen Charakter der Arbeit
auszudrücken, woraus der Wert der Leinwand besteht. Menschliche
 Arbeitskraft im flüssigen Zustand oder menschliche Arbeit
bildet Wert, aber ist nicht Wert. Sie wird Wert in geronnenem
Zustand, in gegenständlicher Form. Um den Leinwandwert als
Gallerte menschlicher Arbeit auszudrücken, muß er als eine
„Gegenständlichkeit“ ausgedrückt werden, welche von der Leinwand
selbst dinglich verschieden und ihr zugleich mit anderer Ware gemeinsam
 ist. Die Aufgabe ist bereits gelöst.
Im Wertverhältnis der Leinwand gilt der Rock als ihr qualitativ
 Gleiches, als Ding von derselben Natur, weil er ein Wert ist.
Er gilt hier daher als ein Ding, worin Wert erscheint, oder welches
in seiner handgreiflichen Naturalform Wert darstellt. Nun ist zwar
der Rock, der Körper der Rockware, ein bloßer Gebrauchswert.
Ein Rock drückt ebensowenig Wert aus als das erste beste Stück
Leinwand. Dies beweist nur, daß er innerhalb des Wertverhältnisses
zur Leinwand mehr bedeutet als außerhalb desselben, wie so
mancher Mensch innerhalb eines galonierten Rockes mehr bedeutet
als außerhalb desselben.
In der Produktion des Rockes ist tatsächlich, unter der Form
der Schneiderei, menschliche Arbeitskraft verausgabt worden. Es
ist also menschliche Arbeit in ihm aufgehäuft. Nach dieser Seite
hin ist der Rock „Träger von Wert“, obgleich diese seine Eigenschaft
 selbst durch seine größte Fadenscheinigkeit nicht durchblickt.
Und im Wertverhältnis der Leinwand gilt er nur nach dieser Seite,
daher als verkörperter Wert, als Wertkörper. "Trotz seiner zugeknöpften
 Erscheinung hat die Leinwand in ihm die stammverwandte
 schöne Wertseele erkannt. Der Rock kann ihr gegenüber
 jedoch nicht Wert darstellen, ohne daß für sie gleichzeitig der
Wert die Form eines Rockes annimmt. So kann sich das Individuum
A nicht zum Individuum B als einer Majestät verhalten, ohne daß
für A die Majestät zugleich die Leibesgestalt von B annimmt und
daher Gesichtszüge, Haare und manches andere noch mit dem
jedesmaligen Landesvater wechselt.
Im Wertverhältnis, worin der Rock das Aequivalent der Leinwand
 bildet, gilt also die Rockform als Wertform. Der Wert der
Ware Leinwand wird daher ausgedrückt im Körper der Ware Rock,
der Wert einer Ware im Gebrauchswert der andern. Als Gebrauchswert
 ist die Leinwand ein vom Rock sinnlich verschiedenes Ding,
als Wert ist sie „Rockgleiches“ und sieht daher aus wie ein Rock.
So erhält sie eine von ihrer Naturalform verschiedene Wertform.
Ihr Wertsein erscheint in ihrer Gleichheit mit dem Rock, wie die
Schafsnatur des Christen in seiner Gleichheit mit dem Lamm
Gottes.
Man sieht, alles, was uns die Analyse des Warenwertes vorher
sagte, sagt die Leinwand selbst, sobald sie in Umgang mit anderer
Ware, dem Rock, tritt. Nur verrät sie ihre Gedanken in der ihr
        <pb n="64" />
        Erstes Kapitel,

19

allein geläufigen Sprache, der Warensprache. Um zu sagen, daß
die Arbeit in der abstrakten Eigenschaft menschlicher Arbeit ihren
eigenen Wert bildet, sagt sie, daß der Rock, soweit er ihr gleichgilt,
also Wert ist, aus derselben Arbeit besteht wie die Leinwand. Um
zu sagen, daß ihre erhabene Wertgegenständlichkeit von ihrem
steifleinenen Körper verschieden ist, sagt sie, daß Wert aussieht wie
ein Rock und daher sie selbst als Wertding dem Rock gleicht wie
ein Ei dem andern. Nebenbei bemerkt hat auch die Warensprache,
außer dem Hebräischen, noch viele andere mehr oder minder
korrekte Mundarten. Das deutsche „Wertsein“ drückt zum Beispiel
minder schlagend aus als das romanische Zeitwort valere, valer,
valoir, daß die Gleichsetzung der Ware B mit der Ware A der eigene
Wertausdruck der Ware A ist. Paris vaut bien une messe [Paris ist
wohl eine Messe wert]!
Vermittels des Wertverhältnisses wird also die Naturalform der
Ware B zur Wertform der Ware A oder der Körper der Ware B zum
Wertspiegel der Ware A.!® Indem sich die Ware A auf die Ware B
ls Wertkörper bezieht, als Materiatur [Verkörperung] menschlicher
Arbeit, macht sie den Gebrauchswert B zum Material ihres eigenen
Wertausdrucks. Der Wert der Ware A, so ausgedrückt im Gebrauchswert
 der Ware B. besitzt die Form des relativen Wertes.
b) Quantitative Bestimmtheit der relativen
Wertiorm.

Jede Ware, deren Wert ausgedrückt werden soll, ist ein Gebrauchsgegenstand
 von gegebenem Quantum, 15 Scheffel Weizen,
100 Pfund Kaffee usw. Dieses gegebene Warenquantum enthält ein
bestimmtes Quantum menschlicher Arbeit. Die Wertform hat also
dicht nur Wert überhaupt, sondern quantitativ bestimmten Wert
dder Wertgröße auszudrücken. Im Wertverhältnis der Ware A zur
Ware B, der Leinwand zum Rocke, wird daher die Warenart Rock
aicht nur als Wertkörper überhaupt der Leinwand qualitativ gleich-S6setzt,
 sondern einem bestimmten Leinwandquantum, zum Beispiel
20 Ellen Leinwand, wird ein bestimmtes Quantum des Wertkörpers
°der Aequivalents, zum Beispiel 1 Rock, gleichgesetzt. .
_ Die Gleichung: „20 Ellen Leinwand == 1 Rock oder: 20 Ellen
Leinwand sind 1 Rock wert“ setzt voraus, daß in 1 Rock gerade soviel
 Wertsubstanz steckt wie in 20 Ellen Leinwand, daß beide
Warenquanta also gleich viel Arbeit kosten oder gleich große

‘% In gewisser Art geht's dem Menschen wie der Ware. Da er weder
mit einem Spiegel auf die Welt kommt, noch als Fichtescher Philosoph: Ich
bin ich, bespiegelt sich der Mensch zuerst nur in einem andern Menschen.
Erst durch die Beziehung auf den Menschen Paul als seinesgleichen, bezieht
Sich der Mensch Peter auf sich selbst als Mensch. Damit gilt ihm aber auch
der Paul mit Haut und Haaren, in seiner paulinischen Leiblichkeit, als Er-;cheinungsform
 des genus Mensch.
        <pb n="65" />
        20

Erster Abschnitt.

Arbeitszeit. Die zur Produktion von 20 Ellen Leinwand oder 1 Rock
notwendige Arbeitszeit wechselt aber mit jedem Wechsel in der
Produktivkraft der Weberei oder der Schneiderei. Der Einfluß
solcher Wechsel auf den relativen Ausdruck der Wertgröße soll nun
näher untersucht werden.
[. Der Wert der Leinwand wechsle,!? während der Rockwert
konstant bleibt. Verdoppelt sich die zur Produktion der Leinwand
notwendige Arbeitszeit, etwa infolge zunehmender Unfruchtbarkeit
des flachstragenden Bodens, so verdoppelt sich ihr Wert. Statt
20 Ellen Leinwand — 1 Rock, hätten wir 20 Ellen Leinwand
= 2 Röcke, da 1 Rock jetzt nur halb soviel Arbeitszeit enthält als
20 Ellen Leinwand. Nimmt dagegen die zur Produktion der Leinwand
 notwendige Arbeitszeit um die Hälfte ab, etwa infolge verbesserter
 Webstühle, so sinkt der Leinwandwert um. die Hälfte.
Demgemäß jetzt: 20 Ellen Leinwand — */, Rock. Der relative Wert
der Ware A, das heißt ihr Wert ausgedrückt in der Ware B, steigt
und fällt also direkt wie der Wert der Ware A, bei gleichbleibendem
Wert der Ware B.
Il. Der Wert der Leinwand bleibe konstant, während der Rockwert
 wechsle. Verdoppelt sich unter diesen Umständen die zur
Produktion des Rockes notwendige Arbeitszeit, etwa infolge‘ ungünstiger
 Wollschur, so haben wir statt 20 Ellen Leinwand =— 1 Rock
jetzt: 20 Ellen Leinwand == !/, Rock. Fällt dagegen der Wert des
Rockes um die Hälfte, so 20 Ellen Leinwand = 2 Röcke. Bei gleichbleibendem
 Wert der Ware A fällt oder steigt daher ihr relativer,
in der Ware B ausgedrückter Wert in umgekehrtem Verhältnis zum
Wertwechsel von B.
Vergleicht man die verschiedenen Fälle sub I und II, so ergibt
sich, daß derselbe Größenwechsel des relativen Wertes. aus ganz
entgegengesetzten Ursachen entspringen kann. So wird aus der
Gleichung 20 Ellen Leinwand = 1 Rock: 1. die Gleichung 20 Ellen
Leinwand =: 2 Röcke, entweder weil der Wert der Leinwand sich
verdoppelt oder der Wert der Röcke um die Hälfte fällt, und 2. die
Gleichung 20 Ellen Leinwand — !/, Rock, entweder weil der Wert
der Leinwand um die Hälfte sinkt oder der Wert des Rockes auf das
Doppelte steigt.
III. Die zur Produktion von Leinwand und Rock notwendigen
Arbeitsquanta mögen gleichzeitig, in derselben Richtuug und derselben
 Proportion wechseln. In diesem Falle nach wie vor 20 Ellen
Leinwand — 1 Rock, wie immer ihre Werte verändert seien. Man
entdeckt ihren Wertwechsel, sobald man sie mit einer dritten Ware
vergleicht, deren Wert konstant blieb. Stiegen oder fielen die Werte
aller Waren gleichzeitig und in derselben Proportion, so würden ihre

2 Der Ausdruck „Wert“ wird hier, wie beiläufig schon früher stellenweis
 geschah, für quantitativ bestimmten Wert, also für Wertgröße gebraucht.
        <pb n="66" />
        21
relativen Werte unverändert bleiben. Ihren wirkliehen. Wertwechsel
ersähe man daraus, daß in derselben Arbeitszeit nun allgemein ein
größeres oder kleineres Warenquantum als vorher geliefert würde.
IV. Die zur Produktion von Leinwand und Rock respektive notwendigen
 Arbeitszeiten, und daher ihre Werte, mögen gleichzeitig
in derselben Richtung wechseln, aber in ungleichem Grade, oder in
entgegengesetzter Richtung usw. Der Einfluß aller möglichen derartigen
 Kombinationen auf den relativen Wert einer Ware ergibt
sich einfach durch Anwendung der Fälle I, II und 111.
Wirkliche Wechsel der Werigröße spiegeln sich also weder unzweideutig
 noch erschöpfend wider in ihrem relativen Ausdruck
Oder in der Größe des relativen Wertes. Der relative Wert einer
Ware kann wechseln, obgleich ihr Wert konstant [unverändert] bleibt.
Ihr relativer Wert kann konstant bleiben, obgleich ihr Wert wechselt,
und endlich brauchen gleichzeitige Wechsel in ihrer Wertgröße und
im relativen Ausdruck dieser Wertgröße sich keineswegs zu decken.

Erstes Kapitel,

3. Die Aequivalentiorm.
Man hat gesehen: Indem eine Ware A (die Leinwand) ihren
Wert im Gebrauchswert einer verschiedenartigen Ware B (dem
Rock) ausdrückt, drückt sie letzterer selbst eine eigentümliche Wertform
 auf, die des Aequivalents. Die Leinwandware bringt ihr
eigenes Wertsein dadurch zum Vorschein, daß ihr der Rock, ohne
Annahme einer von seiner Körperform verschiedenen Wertform.

20 Note zur 2. Ausgabe. Diese Inkongruenz [Mißverhältnis] zwischen
der Wertgröße und ihrem relativen Ausdruck ist von der Vulgärökonomie
mit gewohntem Scharfsinn ausgebeutet worden. Zum Beispiel: „Gebt einmal
zu, daß A fällt, wei] B, womit es ausgetauscht wird, steigt, obgleich unterdessen
nicht weniger Arbeit auf A verausgabt wird, und euer allgemeines Wertprinzip
lällt zu Boden. ... Wenn zugegeben wird, daß, weil der Wert von A
relativ zu B steigt, der Wert von B relativ zu A fällt, ist der Grund unter
den Füßen weggeschnitten, worauf Ricardo seinen großen Satz aufstellt,
daß der Wert einer Ware stets bestimmt ist durch das Quantum der ihr
Einverleibten Arbeit, denn wenn ein Wechsel in den Kosten von A nicht
Mur seinen eigenen Wert im Verhältnis zu B, womit es ausgetauscht wird,
Verändert, sondern auch den Wert von B relativ zu dem von A, obgleich
kein Wechsel stattgefunden hat in dem zur Produktion von B erheischten
Arbeitsquantum, dann fällt nicht nur die Doktrin zu Boden, die versichert,
daß die auf einen Artikel verausgabte Quantität Arbeit seinen Wert reguliert,
Sondern auch die Doktrin, daß die Produktionskosten eines Artikels seinen
Wert regulieren.“ (J. Broadhurst: „Political Economy. London 1842“.
PB. 11, 14.)
Herr Broadhurst konnte ebensogut sagen: man sehe sich einmal die
Zahlenverhältnisse 19/0, %/so, 19/00 usw. an. Die Zahl 10 bleibt unverändert,
und dennoch nimmt ihre proportionelle Größe, ihre Größe relativ zu den
Nennern 20, 50, 100, beständig ab. Also fällt das große Prinzip zu Boden,
daß die Größe einer ganzen Zahl, wie 10 zum Beispiel, durch die Anzahl
der in ihr enthaltenen Einer „reguliert“ ist.
        <pb n="67" />
        29

Erster Abschnitt.

gleichgilt. Die Leinwand drückt also in der Tat ihr eigenes Wertsein
 dadurch aus, daß der Rock unmittelbar mit ihr austauschbar
ist. Die Aequivalentform einer Ware ist folglich die Form ihrer unmittelbaren
 Austauschbarkeit mit anderer Ware.
Wenn eine Warenart, wie Röcke, einer andern Warenart, wie
Leinwand, zum Aequivalent dient, Röcke daher die charakteristische
Eigenschaft erhalten, sich in unmittelbar austauschbarer Form mit
Leinwand zu befinden, so ist damit in keiner Weise die Proportion
gegeben, worin Röcke und Leinwand austauschbar sind. Sie hängt,
da die Wertgröße der Leinwand gegeben ist, von der Wertgröße
der Röcke ab. Ob der Rock als Aequivalent und die Leinwand als
relativer Wert, oder umgekehrt die Leinwand als Aequivalent und
der Rock als relativer Wert ausgedrückt sei, seine Wertgröße bleibt
nach wie vor durch die zu seiner Produktion notwendige Arbeitszeit,
also unabhängig von seiner Wertform bestimmt. Aber sobald die
Warenart Rock im Wertausdruck die Stelle des Aequivalents einnimmt,
 erhält ihre Wertgröße keinen Ausdruck als Wertgröße. Sie
figuriert in der Wertgleichung vielmehr nur als bestimmtes Quantum
 einer Sache.
Zum Beispiel: 40 Ellen Leinwand sind „wert“ — was? 2 Röcke.
Weil die Warenart Rock hier die Rolle des Aequivalents spielt, der
Gebrauchswert Rock der Leinwand gegenüber als Wertkörper gilt,
genügt auch ein bestimmtes Quantum Röcke, um ein bestimmtes
Wertquantum Leinwand auszudrücken. Zwei Röcke können daher
die Wertgröße von 40 Ellen Leinwand, aber sie können nie ihre
eigene Wertgröße, die Wertgröße von Röcken, ausdrücken. Die
oberflächliche Auffassung dieser Tatsache, daß das Aequivalent in
der Wertgleichung stets nur die Form eines einfachen Quantums
einer Sache, eines Gebrauchswertes, besitzt, hat Bailey, wie viele
seiner Vorgänger und Nachfolger, verleitet, im Wertausdruck ein
nur quantitatives Verhältnis zu sehen. Die Aequivalentform einer
Ware enthält vielmehr keine quantitative Wertbestimmung.
Die erste Eigentümlichkeit, die bei Betrachtung der Aequivalentjorm
 auffällt, ist diese: Gebrauchswert wird zur Erscheinungs
form seines Gegenteils, des Wertes.
Die Naturalform der Ware wird zur Wertform. Aber, notabene,
dies Quidproquo [diese Umstellung] ereignet sich für eine Ware B
(Rock oder Weizen oder Eisen usw.) nur innerhalb des Wertverhältnisses,
 worin eine beliebige andere Ware A (Leinwand usw.) zu ihr
tritt, nur innerhalb dieser Beziehung. Da keine Ware sich auf sich
selbst als Aequivalent beziehen, also auch nicht ihre eigene Naturalhaut
 zum Ausdruck ihres eigenen Wertes machen kann, muß sie
sich auf andere Ware als Aequivalent beziehen oder die Naturalhaut
einer andern Ware zu ihrer eigenen Wertform machen.
Dies veranschauliche uns das Beispiel eines Maßes, welches den
Warenkörpern als Warenkörpern zukommt, das heißt als Gebrauchswerten.
 Ein Zuckerhut, weil Körper, ist schwer und hat daher
        <pb n="68" />
        Erstes Kapitel.
Gewicht, aber man kann keinem Zuckerhut sein Gewicht ansehen
oder anfühlen. Wir nehmen nun verschiedene Stücke Eisen, deren
Gewicht vorher bestimmt ist. Die Körperform des Eisens, für sich
betrachtet, ist ebensowenig Erscheinungsform der Schwere als die
des Zuckerhutes. Dennoch, um den Zuckerhut als Schwere auszudrücken,
 setzen wir ihn in ein Gewichtsverhältnis zum Eisen. In
diesem Verhältnis gilt das Eisen als ein Körper, der nichts darstellt
 außer Schwere. Eisenquanta dienen daher zum Gewichtsmaß
des Zuckers und repräsentieren dem Zuckerkörper gegenüber bloße
Schwergestalt, Erscheinungsform von Schwere. Diese Rolle spielt
das Eisen nur innerhalb dieses Verhältnisses, worin der Zucker
Oder irgendein anderer Körper, dessen Gewicht gefunden werden
Soll, zu ihm tritt. Wären beide Dinge nicht schwer, so könnten sie
nicht in dieses Verhältnis treten und das eine daher nicht zum
Ausdruck der Schwere des andern dienen. Werfen wir beide auf
die Wagschale, so sehen wir in der Tat, daß sie als Schwere dasselbe,
 und daher in bestimmter Proportion auch von demselben Gewicht
 sind. Wie der Eisenkörper als Gewichtsmaß dem Zuckerhut
gegenüber nur Schwere, so vertritt in unserm Wertausdruck der
Rockkörper der Leinwand gegenüber nur Wert.
Hier hört jedoch die Analogie [die Uebereinstimmung] auf. Das
Eisen vertritt im Gewichtsausdruck des Zuckerhutes eine beiden
Körpern gemeinsame Natureigenschaft, ihre Schwere, während der
Rock im Wertausdruck der Leinwand eine übernatürliche Eigenschaft
beider Dinge vertritt: ihren Wert, etwas rein Gesellschaftliches.
Indem die relative Wertform einer Ware, zum Beispiel der
Leinwand, ihr Wertsein als etwas von ihrem Körper und seinen
Eigenschaften durchaus Unterschiedenes ausdrückt, zum Beispiel
als Rockgleiches, deutet dieser Ausdruck selbst an, daß er ein gesell-Schaftliches
 Verhältnis birgt. Umgekehrt mit der Aequivalentform.
Sie besteht ja gerade darin, daß ein Warenkörper, wie der Rock,
dies Ding wie es geht und steht, Wert ausdrückt, also von Natur
Wertform besitzt. Zwar gilt dies nur innerhalb des Wertverhältnhisses,
 worin die Leinwandware auf die Rockware als Aequivalent
bezogen ist.?*! Da aber Eigenschaften eines Dinges nicht aus seinem
Verhältnis zu andern Dingen entspringen, sich vielmehr in solchem
Verhältnis nur betätigen, scheint auch der Rock seine Aequivalentform,
 seine Eigenschaft unmittelbarer Austauschbarkeit, ebensosehr
von Natur zu besitzen wie seine Eigenschaft, schwer zu sein oder
warm zu halten. Daher das Rätselhafte der Aequivalentform, das
den bürgerlich rohen Blick des politischen Oekonomen erst schlägt,
Sobald diese Form ihm fertig gegenübertritt im Geld. Dann sucht

23

% Es ist mit solchen Reflexionsbestimmungen überhaupt ein eigenes
Ding. Dieser Mensch ist zum Beispiel nur König, weil sich andere
Menschen als Untertanen zu ihm verhalten, Sie glauben umgekehrt, Unterlamen
 zu sein, weil er König ist.
        <pb n="69" />
        24

Erster Abschnitt.

er den mystischen Charakter von Gold und Silber wegzuklären,
indem er ihnen minder blendende Waren unterschiebt und mit stets
erneutem Vergnügen den Katalog all des Warenpöbels ableiert, der
seinerzeit die Rolle des Warenäquivalents gespielt hat. Er ahnt
nicht, daß schon der einfachste Wertausdruck, wie 20 Ellen Leinwand
 — 1 Rock, das Rätsel der Aequivalentform zu lösen gibt.
Der Körper der Ware, die zum Aequivalent dient, gilt stets
als Verkörperung abstrakt menschlicher Arbeit und ist stets das
Produkt einer bestimmten nützlichen, konkreten Arbeit... Diese
konkrete Arbeit wird also zum Ausdruck abstrakt menschlicher
Arbeit. Gilt der Rock zum Beispiel als bloße Verwirklichung, so
die Schneiderei, die sich tatsächlich in ihm verwirklicht, als bloße
Verwirklichungsform abstrakt menschlicher Arbeit. Im Wertausdruck
 der Leinwand besteht die Nützlichkeit der Schneiderei
nicht darin, daß sie Kleider, also auch Leute, sondern daß sie einen
Körper macht, dem man es ansieht, daß er Wert ist, also Gallerte
von Arbeit, die sich durchaus nicht unterscheidet von der im Leinwandwert
 vergegenständlichten Arbeit. Um solch einen Wertspiegel
zu machen, muß die Schneiderei selbst nichts widerspiegeln außer
ihrer abstrakten Eigenschaft, menschliche Arbeit zu sein.
In der Form der Schneiderei wie in der Form der Weberei wird
menschliche Arbeitskraft verausgabt. Beide besitzen daher die allgemeine
 Eigenschaft menschlicher Arbeit und mögen daher in bestimmten
 Fällen, zum Beispiel bei der Wertproduktion, nur unter
diesem Gesichtspunkt in Betracht kommen. Al das ist nicht
mysteriös. Aber im Wertausdruck der Ware wird die Sache verdreht.
 Um zum Beispiel auszudrücken, daß das Weben nicht in
seiner konkreten Form als Weben, sondern in seiner allgemeinen
Eigenschaft als menschliche Arbeit den Leinwandwert bildet, wird
ihm die Schneiderei, die konkrete Arbeit, die das Leinwand-Aequivalent
 produziert, gegenübergestellt als die handgreifliche
Verwirklichungsform abstrakt menschlicher Arbeit.
Es ist also eine zweite Eigentümlichkeit der Aequivalentform,
daß konkrete Arbeit zur Erscheinungsform ihres Gegenteils, abstrakt
 menschlicher Arbeit wird.
Indem aber diese konkrete Arbeit, die Schneiderei, als bloßer
Ausdruck unterschiedsloser menschlicher Arbeit gilt, besitzt sie die
Form der Gleichheit mit anderer Arbeit, der in der Leinwand
steckenden Arbeit, und ist daher, obgleich Privatarbeit, wie alle
andere Waren produzierende Arbeit, dennoch Arbeit in unmittelbar
gesellschaftlicher Form. Eben deshalb stellt sie sich dar in einem
Produkt, das unmittelbar austauschbar mit anderer Ware ist. Es
ist also eine dritle Eigentümlichkeit der Aequivalentform, daß
Privatarbeit zur Form ihres Gegenteils wird, zu Arbeit in unmittelbar
 gesellschaftlicher Form.
Die beiden zuletzt entwickelten Eigentümlichkeiten der Aequivalentform
 werden noch faßbarer, wenn wir zu dem großen Forscher
        <pb n="70" />
        Erstes Kapitel.

25

zurückgehen, der die Wertform, wie so viele Denkformen, Gesell-Schaftsformen
 und Naturformen zuerst analysiert hat. Es ist dies
Aristoteles.
Zunächst spricht Aristoteles klar aus, daß die Geldform der
Ware nur die weiter entwickelte Gestalt der einfachen Wertform
ist, das heißt des Ausdrucks des Wertes einer Ware in irgendeiner
beliebigen andern Ware, denn er sagt: ;
„5 Polster == 1 Haus“ („Klivaı r£&amp;amp;vte dvti olkiag“)
„unterscheidet sich nicht“ von:
„ö Polster == soundso viel Geld“
(„Kilvor n£&amp;amp;vre AÄvtl . . , 5000 wi mevte KAlyoL“).
Er sieht ferner ein, daß das Wertverhältnis, worin dieser Wertäusdruck
 steckt, seinerseits bedingt, daß das Haus dem Polster qualilativ
 gleichgesetzt wird, und daß diese sinnlich verschiedenen Dinge
Ohne solche Wesensgleichheit nicht als kommensurable Größen aufeinander
 beziehbar wären. „Der Austausch“, sagt er, „kann nicht
Sein ohne die Gleichheit, die Gleichheit aber nicht ohne die Kommen-Surabilität“
 („od lc6tn6 4 obong cupperplag“). Hier aber stutzt er und
gibt die weitere Analyse der Wertform auf. „Es ist aber in Wahrheit
Unmöglich („t% u&amp;amp;v 05v Aindelg Adüvarov“), daß so verschiedenartige
Dinge kommensurabel‘“, das heißt qualitativ gleich seien. Diese
Gleichsetzung kann nur etwas der wahren Natur der Dinge Fremdes
sein, also nur „Notbehelf für das praktische Bedürfnis“.21®
Aristoteles sagt uns also selbst, woran seine weitere Analyse
scheitert, nämlich am Mangel des Wertbegriffs. Was ist das Gleiche,
das heißt die gemeinschaftliche Substanz, die das Haus für den
Polster im Wertausdruck des Polsters vorstellt? So etwas kann „In
Wahrheit nicht existieren“, sagt Aristoteles. Warum? Das Haus
Stellt dem Polster gegenüber ein Gleiches vor, soweit es das in
beiden, dem Polster und dem Haus, wirklich Gleiche vorstellt. Und
das ist — menschliche Arbeit.
Daß aber in der Form der Warenwerte alle Arbeiten als gleiche
Menschliche Arbeit und daher als gleichgeltend ausgedrückt sind,
konnte Aristoteles nicht aus der Wertform selbst herauslesen, weil
die griechische Gesellschaft auf der Sklavenarbeit beruhte, daher
die Ungleichheit der Menschen und ihrer Arbeitskräfte zur Naturbasis
 hatte. Das Geheimnis des Wertausdrucks, die Gleichheit und
gleiche Gültigkeit aller Arbeiten, weil und insofern sie menschliche
Arbeit überhaupt sind, kann nur entziffert werden, sobald der Be-8riff
 der menschlichen Gleichheit bereits die Festigkeit eines Volksvorurteils
 besitzt. Das ist aber erst möglich in einer Gesellschaft,
Worin die Warenform die allgemeine Form des Arbeitsprodukts, also
Auch das Verhältnis der Menschen zueinander als Warenbesitzer das
ferrschende gesellschaftliche Verhältnis ist. Das Genie des Aristoeles
 glänzt gerade darin, daß er im Wertausdruck der Waren ein

*4 Aristoteles: Ethicorum ad Nicomachum libri decem, lib. V, ce. 8. K
        <pb n="71" />
        78

Erster Abschnitt.

Gleichheitsverhältnis entdeckt. Nur die historische Schranke der
Gesellschaft, worin er lebte, verhindert ihn herauszufinden, worin
denn „in Wahrheit“ dies Gleichheitsverhältnis besteht.
4. Das Ganze der einfachen Wertiorm.
Die einfache Wertform einer Ware ist enthalten in ihrem Wertverhältnis
 zu einer verschiedenartigen Ware oder im Austauschverhältnis
 mit derselben. Der Wert der Ware A wird qualitativ ausgedrückt
 durch die unmittelbare Austauschbarkeit der Ware B mit
der Ware A. Er wird quantitativ ausgedrückt durch die Austauschbarkeit
 eines bestimmten Quantums der Ware B mit dem gegebenen
Quantum der Ware A. In andern Worten: Der Wert einer Ware ist
selbständig ausgedrückt durch seine Darstellung als „Tauschwert“.
Wenn es im Eingang dieses Kapitels in der gang und gäben Manier
hieß: Die Ware ist Gebrauchswert und Tauschwert, so war dies,
genau gesprochen, falsch. Die Ware ist Gebrauchswert oder Gebrauchsgegenstand
 und „Wert“. Sie stellt sich dar als dies Doppelte.
was sie ist, sobald ihr Wert eine eigene, von ihrer Naturalform verschiedene
 Erscheinungsform besitzt, die des Tauschwerts, und sie
besitzt diese Form niemals isoliert betrachtet, sondern stets nur im
Wert- oder Austauschverhältnis zu einer zweiten, verschiedenartigen
Ware. Weiß man das jedoch einmal, so tut jene Sprechweise keinen
Harm, sondern dient zur Abkürzung.
Unsere Analyse bewies, daß die Wertform oder der Wertausdruck
 der Ware aus der Natur des Warenwerts entspringt, nicht umgekehrt
 Wert und Wertgröße aus ihrer Ausdrucksweise als Tauschwert.
 Dies ist jedoch der Wahn sowohl der Merkantilisten
und ihrer modernen Aufwärmer wie Ferrier, Ganilh usw.,??
als auch ihrer Gegenfüßler, der modernen Freihandels-Commis-Voyageurs,
 wie Bastiat und Konsorten. Die Merkantilisten
 legen das Hauptgewicht auf die qualitative Seite des
Wertausdrucks, daher auf die Aequivalentform der Ware, die im
Geld ihre fertige Gestalt besitzt — die modernen Freihandelshausierer
 dagegen, die ihre Ware um jeden Preis losschlagen
müssen, auf die quantitative Seite der relativen Wertform. Für sie
existiert folglich weder Wert noch Wertgröße der Ware, außer in dem
Ausdruck durch das .Austauschverhältnis, daher nur im Zettel des
täglichen Preiskurants. Der Schotte MacLeod, in seiner Funktion
die kreuzverwirrten Vorstellungen von Lombardstreet?* möglichst
gelehrt herauszuputzen, bildet die gelungene Synthese [ Verbindung]
zwischen den abergläubigen Merkantilisten und den aufgeklärten
Freihandelshausierern.

% Note zur 2. Ausgabe, F.C. A. Ferrier (sous-inspecteur des douanes):
„Du Gouvernement consider6&amp;amp; dans ses rapports avec le commerce. Paris
1805“ und Charles Ganilh: „Des Systeömes de l’Economie Politique. 2&amp;amp;me &amp;amp;d.
Paris 1821.“
22 Straße in London, Sitz großer Banken. K.
        <pb n="72" />
        Erstes Kapitel.

27

Die nähere Betrachtung des im Wertverhältnis zur Ware B enthaltenen
 Wertausdrucks der Ware A hat gezeigt, daß innerhalb des-Selben
 die Naturalform der Ware A nur als Gestalt von Gebrauchswert,
 die Naturalform der Ware B nur als Wertform oder Wertgestalt
gilt. Der in der Ware eingehüllte innere Gegensatz von Gebrauchswert
 und Wert wird also dargestellt durch einen äusseren Gegen-Satz,
 das heißt durch das Verhältnis zweier Waren, worin die eine
Ware, deren Wert ausgedrückt werden soll, unmittelbar nur als Gebrauchswert,
 die andere Ware hingegen, worin Wert ausgedrückt
wird, unmittelbar nur als Tauschwert gilt. Die einfache Wertform
einer Ware ist also die einfache Erscheinungsform des in ihr enthaltenen
 Gegensatzes von Gebrauchswert und Wert:
Das Arbeitsprodukt ist in allen gesellschaftlichen Zuständen Gebrauchsgegenstand,
 aber nur eine historisch bestimmte Entwicklungsepoche,
 welche die in der Produktion eines Gebrauchsdinges verausgabte
 Arbeit als seine „gegenständliche“ Eigenschaft darstellt, das
heißt als seinen Wert, verwandelt das Arbeitsprodukt in Ware. Es
folgt daher, daß die einfache Wertform der Ware zugleich die einfache
 Warenform des Arbeitsprodukts ist, daß also auch die Ent-Wicklung
 der Warenform mit der Entwicklung der Wertform zu-Sammenfällt.

Der erste Blick zeigt das Unzulängliche der einfachen Wertform,
dieser Keimform, die erst durch eine Reihe von Metamorphosen
[Verwandlungen] zur Preisform heranreift.
Der Ausdruck in irgendwelcher Ware B unterscheidet den Wer!
der Ware A nur von ihrem eigenen Gebrauchswert und setzt sie
daher auch nur in ein Austauschverhältnis zu irgendeiner einzelnen
von ihr selbst verschiedenen Warenart, statt ihre qualitative Gleichheit
 und quantitative Proportionalität mit allen andern Waren darzustellen.
 Der einfachen relativen Wertform einer Ware entspricht
die einzelne Aequivalentform einer andern Ware. So besitzt der
Rock, im relativen Wertausdruck der Leinwand, nur Aequivalentform
 oder Form unmittelbarer Austauschbarkeit mit Bezug auf diese
Sinzelne Warenart Leinwand.
_ Indes geht die einzelne Wertiorm von selbst in eine voll
Sländigere Form über. Vermittels derselben wird der Wert einer
Ware A zwar in nur einer Ware von anderer Art ausgedrückt.
Welcher "Art aber diese zweite Ware, ob Rock, ob Eisen, ob
Weizen usw., ist durchaus gleichgültig. Je nachdem sie also zu dieser
Oder jener andern Warenart in ein Wertverhältnis tritt, entstehen
Verschiedene einfache Wertausdrücke ein und derselben Ware.??*
Die Anzahl ihrer möglichen Wertausdrücke ist nur beschränkt durch
die Anzahl von ihr verschiedener Warenarten. Ihr vereinzelter
Wertausdruck verwandelt sich daher in die stets verlängerbare Reihe
Ihrer verschiedenen einfachen Wertausdrücke.
Dı 22b „Note zur 2. Ausgabe. Zum Beispiel bei Homer wird der Wert eines
inges in einer Reihe verschiedener Dinge ausgedrückt.
        <pb n="73" />
        .rx
ae

Erster Abschnitt.

B. Totale oder entfaltete Wertiorm.
z Ware A — u Ware B oder — v Ware C oder — w Ware D oder —
x Ware E oder — usw.
(20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder = 10 Pfd. Tee oder = 40 Pfd. Kaffee oder
= 1 Quarter Weizen oder = 2 Unzen Gold = ?!/» Tonne Eisen oder = usw.)

1. Die entfaltete relative Wertiorm.
Der Wert einer Ware, der Leinwand zum Beispiel, ist jetzt ausgedrückt
 in zahllosen andern Elementen der Warenwelt. Jeder
andere Warenkörper wird zum Spiegel des Leinwandwertes.? So
erscheint dieser Wert selbst erst wahrhaft als Gallerte unterschiedsloser
 menschlicher Arbeit. Denn die ihn bildende Arbeit ist nun
ausdrücklich als Arbeit dargestellt, der jede andere menschliche Arbeit
 gleichgilt, welche Naturalform sie immer besitze, und ob sie sich
daher in Rock oder Weizen oder Eisen oder Gold usw. vergegenständliche.
 Durch ihre Wertform steht die Leinwand daher jetzt
auch in gesellschaftlichem Verhältnis nicht mehr zu nur einer einzelnen
 andern Warenart, sondern zur Warenwelt. Als Ware ist sie
Bürger dieser Welt. Zugleich liegt in der endlosen Reihe seiner
Ausdrücke, daß der Warenwert gleichgültig ist gegen die besondere
Form des Gebrauchswertes, worin er erscheint.
In der ersten Form: 20 Ellen‘Leinwand == 1 Rock kann es zufällige
 Tatsache sein, daß diese zwei Waren in einem bestimmten
quantitativen Verhältnisse austauschbar sind. In der zweiten Form
leuchtet dagegen sofort ein von der zufälligen Erscheinung wesentlich
 unterschiedener und sie bestimmender Hintergrund durch. Der
Wert der Leinwand bleibt gleich groß, ob in Rock oder Kaffee oder
Eisen usw. dargestellt, in zahllos verschiedenen Waren, den verschiedensten
 Besitzern angehörig. Das zufällige Verhältnis zweier

28 Man spricht deshalb vom Rockwert der Leinwand, wenn man ihren
Wert in Röcken, von ihrem Kornwert, wenn man ihn in Korn darstellt usw.
Jeder solche Ausdruck besagt, daß es ihr Wert ist, der in den Gebrauchswerten
 Rock, Korn usw. erscheint, „Der Wert jeder Ware bringt ihr Verhältnis
 im Austausch zum Ausdruck; wir können daher von ihm sprechen
als von ihrem . . . Kornwert oder Tuchwert, je nach der Ware, mit
der sie verglichen wird; und so gibt es tausenderlei verschiedene Werte,
ebenso viele, als es Waren gibt, und alle sind in gleicher Weise wirklich und
in gleicher Weise eingebildet.“ („A Critical Dissertation on the Nature,
Measure and Causes of Value: chiefly in reference to the writings of
Mr. Ricardo and his followers. By the Author of Essays on the Formation etc.
of Opinions, London 1825“, p. 39.) S. Bailey, der Verfasser dieser anonymen
Schrift, die seinerzeit viel Lärm in England machte, wähnt durch diesen
Hinweis auf die kunterbunten relativen Ausdrücke desselben Warenwertes
alle Begriffsbestimmung des Wertes vernichtet zu haben. Daß er übrigens,
trotz eigener Borniertheit, wunde Flecken der Ricardoschen Theorie sondiert
hatte, bewies die Gereiztheit, womit die Ricardosche Schule ihn angriff,
zum Beispiel in der „Westminster Review“.
        <pb n="74" />
        Erstes Kapitel. 29
individueller Warenbesitzer fällt fort. Es wird offenbar, daß nicht
der Austausch die Wertgröße der Ware, sondern umgekehrt die
Wertgröße der Ware ihre Austauschverhältnisse reguliert.

2. Die besondere Aequivalentiorm.
Jede Ware, Rock, Tee, Weizen, Eisen usw., gilt im Wertausdruck
der Leinwand als Aequivalent und daher als Wertkörper. Die bestimmte
 Naturalform jeder dieser Waren ist jeizt eine besondere
Aequivalentform neben vielen andern. Ebenso gelten die mannigfaltigen
 in den verschiedenen Warenkörpern enthaltenen bestimmten,
konkreten, nützlichen Arbeitsarten jetzt als ebenso viele besondere
Verwirklichungs- oder Erscheinungsformen menschlicher Arbeit
Schlechthin.

3. Mängel der totalen oder entialteten Wertiorm.
Erstens ist der relative Wertausdruck der Ware unfertig, weil
Seine Darstellungsreihe nie abschließt. Die Kette, worin eine Wertgleichung
 sich zur andern fügt, bleibt fortwährend verlängerbar
durch jede neu auftretende Warenart, welche das Material eines
neuen Wertausdrucks liefert. Zweitens bildet sie eine bunte Mosaik
auseinanderfallender und verschiedenartiger Wertausdrücke. Wird
endlich, wie dies geschehen muß, der relative Wert jeder Ware in
dieser entfalteten Form ausgedrückt, so ist die relative Wertform
jeder Ware eine von der relativen Wertform jeder andern Ware
verschiedene endlose Reihe von Wertausdrücken. — Die Mängel der
entfalteten relativen Wertform spiegeln sich wider in der ihr ent-Sprechenden
 Aequivalentform. Da die Naturalform jeder einzelnen
Warenart hier eine besondere Aequivalentform neben unzähligen
andern besonderen Aequivalentformen ist, existieren überhaupt nur
beschränkte Aequivalentformen, von denen jede die andere aus-Schließt.
 Ebenso ist die in jedem besonderen Warenäquivalent enthaltene
 bestimmte, konkrete, nützliche Arbeitsart nur besondere,
also nicht erschöpfende Erscheinungsform der menschlichen Arbeit.
Diese besitzt ihre vollständige oder totale Erscheinungsform zwar in
dem Gesamtumkreis jener besonderen Erscheinungsformen. Aber
So besitzt sie keine einheitliche Erscheinungsform.
Die entfaltete relative Wertform besteht jedoch nur aus einer
Summe einfacher relativer Wertausdrücke oder Gleichungen der
ersten Form, wie:
20 Ellen Leinwand — 1 Rock,
20 Ellen Leinwand == 10 Pfd. Tee usw.
‚. Jede dieser Gleichungen enthält aber rückbezüglich auch die
Identische Gleichung:
1 Rock — 20 Ellen Leinwand,
10 Pfd. Tee = 20 Ellen Leinwand usw.
In der Tat: Wenn ein Mann seine Leinwand mit vielen andern
Waren austauscht und daher ihren Wert in einer Reihe von andern
        <pb n="75" />
        30

Erster Abschnitt.

Waren ausdrückt, so müssen notwendig auch die vielen andern
Warenbesitzer ihre Waren mit Leinwand austauschen und daher die
Werte ihrer verschiedenen Waren in derselben dritten Ware ausdrücken,
 in Leinwand. — Kehren wir also die Reihe: 20 Ellen Leinwand
 — 1 Rock oder — 10 Pfd. Tee oder — usw. um, das heißt,
drücken wir die der Sache nach schon in der Reihe enthaltene Rückbeziehung
 aus, so erhalten wir:

C. Allgemeine Wertiorm.
1 Rock
10 Pid. Tee
40 Pfd. Kaffee
1 Qrtr., Weizen
2 Unzen Gold
\/2 Tonne Eisen -
x Ware A ==usw.
 Ware ==20

 Ellen Leinwand.

1. Veränderter Charakter der Wertiorm.
Die Waren stellen ihre Werte jetzt erstens einfach dar, weil in
einer einzigen Ware und zweitens einheitlich, weil in derselben
Ware. Ihre Wertform ist einfach und gemeinschaftlich, daher allgemein.

Die Formen A (einfache) und B (entfaltete Wertform) kamen
beide nur dazu, den Wert einer Ware als etwas von ihrem eigenen
Gebrauchswert oder ihrem Warenkörper Unterschiedenes auszudrücken.

Die erste Form ergab Wertgleichungen wie: 1 Rock = 20 Ellen
Leinwand, 10 Pfd. Tee — !/, Tonne Eisen usw. Der Rockwert wird
als Leinwandgleiches, der Teewert als Eisengleiches usw. ausgedrückt,
 aber Leinwandgleiches und Eisengleiches, diese Wertausdrücke
 von Rock und Tee, sind ebenso verschieden wie Leinwand
und Eisen. Diese Form kommt offenbar praktisch nur vor in den
ersten Anfängen, wo Arbeitsprodukte durch zufälligen und gelegentlichen
 Austausch in Waren verwandelt werden.
Die zweite Form unterscheidet vollständiger als die erste der
Wert einer Ware von ihrem eigenen Gebrauchswert, denn der Wert
des Rockes zum Beispiel tritt jetzt seiner Naturalform in allen möglichen
 Formen gegenüber, als Leinwandgleiches, Eisengleiches, Teegleiches
 usw., alles andere, nur nicht Rockgleiches. Anderseits ist
hier jeder gemeinsame Wertausdruck der Waren direkt ausgeschlossen,
 denn im Wertausdruck je einer Ware erscheinen jetzt
alle andern Waren nur in der Form von Aequivalenten. Die entfaltete
 Wertform kommt zuerst tatsächlich vor, sobald ein Arbeitsprodukt,
 Vieh zum Beispiel, nicht mehr ausnahmsweise, sondern
schon gewohnheitsmäßig mit verschiedenen andern Waren AUSgetauscht
 wird.
        <pb n="76" />
        31
_ Die neu gewonnene Form C drückt die Werte der Warenwelt in
ein und derselben von ihr abgesonderten Warenart aus, zum Bei-Spiel
 in Leinwand, und stellt so die Werte aller Waren dar durch
ihre Gleichheit mit Leinwand. Als Leinwandgleiches ist der Wert
Jeder Ware jetzt nicht nur von ihrem eigenen Gebrauchswert unterschieden,
 sondern von allem Gebrauchswert, und eben dadurch als
das ihr mit allen Waren Gemeinsame ausgedrückt. Erst diese Form
bezieht daher wirklich die Waren aufeinander als Werte oder läßt
Sle einander als Tauschwerte erscheinen.
Die beiden früheren Formen drücken den Wert je einer Ware,
Sei es in einer einzigen verschiedenartigen Ware, sei es in einer
Reihe vieler von ihr verschiedenen Waren, aus. Beidemal ist es sozu-Sagen
 das Privaitgeschäft der einzelnen Ware, sich eine Wertform zu
geben, und sie vollbringt es ohne Zutun der andern Waren. Diese
Spielen ihr gegenüber die bloß passive Rolle des Aequivalents. Die
allgemeine Wertform entsteht dagegen nur als gemeinsames Werk
der Warenwelt. Eine Ware gewinnt nur allgemeinen Wertausdruck,
weil gleichzeitig alle andern Waren ihren Wert in demselben Aequivalent
 ausdrücken und jede neu auftretende Warenart muß das nach-Machen.
 Es kommt damit zum Vorschein, daß die Wertgegenständlichkeit
 der Waren, weil sie das bloß „gesellschaftliche Dasein“
dieser Dinge ist, auch nur durch ihre allseitige gesellschaftliche Be-Ziehung
 ausgedrückt werden kann, ihre Wertform daher gesellschaftlich
 gültige Form sein muß.
‚In der Form von Leinwandgleichen erscheinen jetzt alle Waren
Nicht nur als qualitativ Gleiche, Werte überhaupt, sondern zugleich
als quantitativ vergleichbare Wertgrößen. Weil sie ihre Wertgrößen
IM ein und demselben Material, in Leinwand bespiegeln, spiegeln
Sich diese Wertgrößen wechselseitig wider. Zum Beispiel 10 Pfd.
Tee — 920 Ellen Leinwand, und 40 Pfd. Kaffee — 20 Ellen Leinwand.
Also 10 Pfd. Tee — 40 Pfd. Kaffee. Oder in 1 Pfd. Kaffee steckt nur
Sin Viertel soviel Wertsubstanz, Arbeit, wie in 1 Pfd. Tee.
„Die allgemeine relative Wertform der Warenwelt drückt der von
ihr ausgeschlossenen Aequivalentware, der Leinwand, den Charakter
des allgemeinen Aequivalents auf. Ihre eigene Naturalform ist die
Semeinsame Wertgestalt dieser Welt, die Leinwand daher mit allen
andern Waren unmittelbar austauschbar. Ihre Körperform gilt als
die sichtbare Verkörperung, die allgemeine gesellschaftliche Ver-Puppung
 aller menschlichen Arbeit. Die Weberei, die Privatarbeit,
Welche Leinwand produziert, befindet sich zugleich in allgemein ge-Sellschaftlicher
 Form, der Form der Gleichheit mit allen andern Arbeiten.
 Die zahllosen Gleichungen, woraus die allgemeine Wertform
besteht, setzen der Reihe nach die in der Leinwand verwirklichte
Arbeit jeder in anderer Ware enthaltenen Arbeit gleich und machen
jadurch die Weberei zur allgemeinen Erscheinungsform mensch-LO
 Arbeit überhaupt. So ist die im Warenwert vergegenständchte
 Arbeit nicht nur negativ dargestellt als Arbeit, worin von allen

Erstes Kapitel.
        <pb n="77" />
        30

Erster Abschnitt.

konkreten Formen und nützlichen Eigenschaften der wirklichen Arbeiten
 abstrahiert wird. Ihre eigene positive Natur tritt ausdrücklich
hervor. Sie ist die Reduktion aller wirklichen Arbeiten auf den
ihnen gemeinsamen Charakter menschlicher Arbeit, auf die Verausgabung
 menschlicher Arbeitskraft.
Die allgemeine Wertform, welche die Arbeitsprodukte als bloße
Gallerten unterschiedloser menschlicher Arbeit darstellt, zeigt durch
ihr eigenes Gerüste, daß sie der gesellschaftliche Ausdruck der
Warenwelt ist. So offenbart sie, daß innerhalb dieser Welt der allgemein
 menschliche Charakter der Arbeit ihren spezifisch gesellschaftlichen
 Charakter bildet,

2. Entwicklungsverhältnis von relativer Wertiorm
und Aequivalentiorm.
Dem Entwicklungsgrad der relativen Wertform entspricht der
Entwicklungsgrad der Aequivalentform. Aber, und dies ist wohl zu
merken, die Entwicklung der Aequivalentform ist nur Ausdruck und
Resultat der Entwicklung der relativen Wertform.
Die einfache oder vereinzelte relative Wertform einer Ware
macht eine andere Ware zum einzelnen Aequivalent. Die entfaltete
Form des relativen Wertes, dieser Ausdruck des Wertes einer Ware
in allen andern Waren, prägt ihnen die Form verschiedenartiger besonderer
 Aequivalente auf. Endlich erhält eine besondere Warenart
 die allgemeine Aequivalentform, weil alle andern Waren sie zum
Material ihrer einheitlichen, allgemeinen Wertform machen.
In demselben Grad aber, worin sich die Wertform überhaupt
entwickelt, entwickelt sich auch der Gegensatz zwischen ihren beiden
Polen, der relativen Wertform und der Aequivalentform.
Schon die erste Form — 20 Ellen Leinwand =— 1 Rock — enthält
 diesen Gegensatz, fixiert ihn aber nicht. Je nachdem dieselbe
Gleichung vorwärts oder rückwärts gelesen wird, befindet sich jedes
der beiden Warenextreme, wie Leinwand und Rock, gleichmäßig
bald in der relativen Wertform, bald in der Aequivalentform. Es
kostet hier noch Mühe, den polarischen Gegensatz festzuhalten.
In der Form B kann immer nur je eine Warenart ihren relativen
 Wert total entfalten oder besitzt sie selbst nur entfaltete relative
 Wertform, weil und sofern alle andern Waren sich ihr gegenüber
 in der Aequivalentform befinden. Hier kann man nicht mehr
die zwei Seiten der Wertgleichung — wie 20 Ellen Leinwand —
i Rock oder — 10 Pfd. Tee oder == 1 Qrtr. Weizen usw. — umsetzen,
ohne ihren Gesamtcharakter zu verändern und sie aus der totalen
in die allgemeine Wertform zu verwandeln.
Die letztere Form, Form C, endlich gibt der Warenwelt allgemein-gesellschaftliche
 relative Wertform, weil und sofern, mit
einer einzigen Ausnahme, alle ihr angehörigen Waren von der allgemeinen
 Aequivalentform ausgeschlossen sind. Eine Ware, die
Leinwand, befindet sich daher in der Form unmittelbarer Austausch-
        <pb n="78" />
        an

h

n

Erstes Kapitel.
barkeit mit allen andern Waren oder in unmittelbar gesellschaftlicher
 Form, weil und sofern alle andern Waren sich nicht darin beänden.?*


Umgekehrt ist die Ware, die als allgemeines Aequivalent figutiert,
 von der einheitlichen und daher allgemeinen relativen Wertlorm
 der Warenwelt ausgeschlossen. Sollte die Leinwand, das heißt
irgendeine in allgemeiner Aequivalentform befindliche Ware, auch
zugleich an der allgemeinen relativen Wertform teilnehmen, so
müßte sie sich selbst zum Aequivalent dienen. Wir erhielten dann:
20 Ellen Leinwand =— 20 Ellen Leinwand, eine Tautologie ?#, worin
weder Wert noch Wertgröße ausgedrückt ist. Um den relativen Wert
des allgemeinen Aequivalents auszudrücken, müssen wir vielmehr die
Form C umkehren. Es besitzt keine mit den andern Waren gemeinschaftliche
 relative Wertform, sondern sein Wert drückt sich relativ
Aus in der endlosen Reihe aller andern Warenkörper. So erscheint
Jetzt die entfaltete relative Wertform oder Form B als die spezifische
[besondere] relative Wertform der Aequivalentware.

3, Vebergang aus der allgemeinen Wertiorm zur Geldform.
Die allgemeine Aequivalentform ist eine Form des Wertes überhaupt.
 Sie kann also jeder Ware zukommen. Anderseits befindet
Sich eine Ware nur in allgemeiner Aequivalentform (Form ©),
Weil und sofern sie durch alle andern Waren als Aequivalent aus-Seschlossen
 wird. Und erst vom Augenblick, wo diese Ausschließung
Sich endgültig auf eine spezifische, besondere Warenart beschränkt,
bat die einheitliche relative Wertform der Warenwelt objektive
Festigkeit und allgemein gesellschaftliche Gültigkeit gewonnen.

‚4 Man sieht es der Form allgemeiner unmittelbarer Austauschbarkeit
In der Tat keineswegs an, daß sie eine gegensätzliche Warenform ist, von
der Form nicht unmittelbarer Austauschbarkeit ebenso unzertrennlich wie die
Positivität eines Magnetpols von der Negativität des andern. Man mag sich
daher einbilden, man könne allen Waren zugleich den Stempel unmittelbarer
 Austauschbarkeit aufdrücken, wie man sich einbilden mag, man könne
Alle Katholiken zu Päpsten machen. Für den Kleinbürger, der in der Waren-Produktion
 das nec plus ultra [den Gipfel] menschlicher Freiheit und indi-“dueller
 Unabhängigkeit erblickt, wäre es natürlich sehr wünschenswert, der
Mit dieser Form verbundenen Mißstände überhoben zu sein, namentlich auch
der Nicht unmittelbaren Austauschbarkeit der Waren. Die Ausmalung dieser
Philisterutopie bildet Proudhons Sozialismus, der, wie ich anderswo gezeigt,
licht einmal das Verdienst der Originalität besitzt, vielmehr lange vor ihm
;0n Gray, Bray und andern weit besser entwickelt wurde. Dies verhindert
SOlche Weisheit nicht, heutzutage, in gewissen Kreisen, unter dem Namen
der „Wissenschaft“ zu grassieren. Nie hat eine Schule mehr als die
Proudhonsche mit dem Wort „Wissenschaft“ um sich geworfen, denn
„Wo Begriffe fehlen,
da stellt zur rechten Zeit ein Wort sich ein.“
24 Tautologie ist ein Satz, in dem das Prädikat eine bloße Wiederholung
 des Subjekts darstellt. K.
Das Kapital. I.
        <pb n="79" />
        Erster Abschnitt.

Die spezifische Warenart nun, mit deren Naturalform die Aequivalentform
 gesellschaftlich verwächst, wird zur Geldware oder funktioniert
 als Geld. Es wird ihre spezifisch gesellschaftliche Funktion,
und daher ihr gesellschaftliches Monopol, innerhalb der Warenwelt
die Rolle des allgemeinen Aequivalents zu spielen. Diesen bevorzugten
 Platz hat unter den Waren, welche in Form B als besondere
Aequivalente der Leinwand figurieren und in Form C ihren ‚relativen
 Wert gemeinsam in Leinwand ausdrücken, eine bestimmte
Ware historisch erobert, das Gold. Setzen wir daher in Form C die
Ware Gold an die Stelle der Ware Leinwand, so erhalten wir:

D. Geldiorm.

20 Ellen Leinwand
1 Rock
10 Pfd. Tee
10 Pfd. Kaffee
1 Qrtr. Weizen
4 Tonne Eisen
x Ware A

2 Unzen Gold.

Es finden wesentliche Veränderungen statt beim Uebergang von
Form A zu Form B, von Form B zu Form C. Dagegen unterscheidet
 Form D sich durch nichts von Form C, außer daß jetzt
statt Leinwand Gold die allgemeine Aequivalentform besitzt. Gold
bleibt in Form D, was die Leinwand in Form C war — allgemeines
Aequivalent. Der Fortschritt besteht nur darin, daß die Form
unmittelbarer allgemeiner Austauschbarkeit oder die allgemeine
Aequivalentform jetzt durch gesellschaftliche Gewohnheit endgültig
mit der spezifischen Naturalform der Ware Gold verwachsen ist.
Gold tritt den andern Waren nur als Geld gegenüber, weil es
ihnen bereits zuvor als Ware gegenüberstand. Gleich allen andern
Waren funktionierte es auch als Aequivalent, sei es als einzelnes
Aequivalent in vereinzelten Austauschakten, sei es als besonderes
Aequivalent neben andern Warenäquivalenten. Nach und nach
funktionierte es in engeren oder weiteren Kreisen als allgemeines
Aequivalent. Sobald es das Monopol dieser Stelle im Wertausdruck
der Warenwelt erobert hat, wird es Geldware, und erst von dem
Augenblick, wo es bereits Geldware geworden isl, unterscheidet
sich Form D von Form C, oder ist die allgemeine Wertform verwandelt
 in die Geldform.
Der einfache relative Wertausdruck einer Ware, zum Beispiel
der Leinwand, in der bereits als Geldware funktionierenden Ware,
zum Beispiel dem Gold, ist Preisform. Die „Preisform“ der Leinwand
 daher:

20 Ellen Leinwand — 2 Unzen Gold,
oder, wenn 2 Pfd. Sterl. der Münzname von 2 Unzen Gold, ;
20 Ellen Leinwand — 2 Pfd. Sterl.
        <pb n="80" />
        1

Erstes Kapitel.

35

Die Schwierigkeit im Begriff der Geldform beschränkt sich auf
das Begreifen der allgemeinen Aequivalentform, also der allgemeihen
 Wertiorm überhaupt, der Form C. Form C löst sich rückbezüglich
 auf in Form B, die entfaltete Wertform, und ihr konstituierendes,
 ihr Urelement ist Form A: 20 Ellen Leinwand — 1 Rock
oder x Ware A=y Ware B. Die einfache Wertform2% ist daher der
Keim der Geldform.

4. Der Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis. .
Eine Ware scheint auf den ersten Blick ein selbstverständliches,
triviales [allgemein bekanntes] Ding. Ihre Analyse ergibt, daß sie ein
Sehr vertracktes Ding ist, voll metaphysischer [übersinnlicher] Spitz-Ändigkeit
 und theologischer Mucken. Soweit sie Gebrauchswert, ist
nichts Mysteriöses an ihr, ob ich sie nun unter dem Gesichtspunkt betrachte,
 daß sie durch ihre Eigenschaften menschliche Bedürfnisse befriedigt
 oder diese Eigenschaften erst als Produkt menschlicher Arbeit
erhält, Es ist sinnenklar, daß der Mensch durch seine Tätigkeit die
Formen der Naturstoffe in einer ihm nützlichen Weise verändert. Die
Form des Holzes zum Beispiel wird verändert, wenn man aus ihm
Slnen Tisch macht. Nichtsdestoweniger bleibt der Tisch Holz, ein ordi-Näres
 sinnliches Ding. Aber sobald er als Ware auftritt, verwandelt
ST sich in ein sinnlich übersinnliches Ding. Er steht nicht nur mit
Seinen Füßen auf dem Boden, sondern er stellt sich allen andern
Waren gegenüber auf den Kopf, und entwickelt aus seinem Holzkopf
 Grillen, viel wunderlicher, als wenn er aus freien Stücken zu
tanzen begänne.?
Der geheimnisvolle Charakter der Ware entspringt also nicht
aus ihrem Gebrauchswert. Er entspringt ebensowenig aus dem
Inhalt der Wertbestimmungen. Denn erstens, wie verschieden die
Lützlichen Arbeiten oder produktiven Tätigkeiten sein mögen, es ist
ine physiologische Wahrheit, daß sie Funktionen des menschlichen
Organismus sind, und daß jede solche Funktion, welches immer ihr
Inhalt und ihre Form, wesentlich Verausgabung von menschlichem
Hirn, Nerv, Muskel, Sinnesorgan usw. ist. Was zweitens der Bestimmung
 der Wertgröße zugrunde liegt, die Zeitdauer jener Ver-Ausgabung,
 oder die Quantität der Arbeit, so ist die Quantität sogar
Snnfällig von der Qualität der Arbeit unterscheidbar. In allen Zu-Ständen
 mußte die Arbeitszeit, welche die Produktion der Lebenslitel
 kostet, den Menschen interessieren, obgleich nicht gleich-Näßig
 auf verschiedenen Entwicklungsstufen.?* Endlich; sobald die

2b In den früheren Ausgaben steht: Warenform K.
°5 Man erinnert sich, daß China und die Tische zu tanzen anfingen, als
Alle übrige Welt still zu stehen schien — um die andern zu ermuntern.
26 Note zur 2. Ausgabe, Bei den alten Germanen wurde die Größe eines
Morgens Land nach der Arbeit eines Tages berechnet und daher der Morgen
Tagwerk (auch Tagwanne — jurnale oder jurnalis, terra jurnalis, jornalis
oder diornalis), Mannwerk, Mannskraft, Mannsmaad, Mannshauet usf. beüaännt.
 Siehe Georg Ludwig v. Maurer: „Einleitung zur Geschichte der
        <pb n="81" />
        36

Erster Abschnitt.

Menschen in irgendeiner Weise für einander arbeiten, erhält ihre
Arbeit auch eine gesellschaftliche Form.
Woher entspringt also der rätselhafte Charakter des Arbeitsprodukts,
 sobald es Warenform annimmt? Offenbar aus dieser
Form selbst. Die Gleichheit der menschlichen Arbeiten erhält die
sachliche Form der‘ gleichen Wertgegenständlichkeit der Arbeitsprodukte,
 das Maß der Verausgabung menschlicher Arbeitskraft
durch ihre Zeitdauer erhält die Form der Wertgröße der Arbeitsprodukte,
 endlich die Verhältnisse der Produzenten, worin jene
gesellschaftlichen Bestimmungen ihrer Arbeiten betätigt werden,
erhalten die Form eines gesellschaftlichen Verhältnisses der Arbeitsprodukte.

Das Geheimnisvolle der Warenform besteht also einfach darin,
daß sie den Menschen die gesellschaftlichen Charaktere ihrer eigenen
 Arbeit als gegenständliche Charaktere der Arbeitsprodukte
selbst, als gesellschaftliche Natureigenschaften dieser Dinge zurückspiegelt,
 daher auch das gesellschaftliche Verhälinis der Produzenten
 zur Gesamtheit als ein außer ihnen existierendes gesellschaftliches
 Verhältnis von Gegenständen. Durch dies Quidproquo
 werden die Arbeitsprodukte Waren, sinnlich übersinnliche
oder gesellschaftliche Dinge. So stellt sich der Lichteindruck eines
Dinges auf den Sehnerv nicht als subjektiver Reiz des Sehnervs
selbst, sondern als gegenständliche Form eines Dinges außerhalb
des Auges dar. Aber beim Sehen wird wirklich Licht von einem
Ding, dem äußeren Gegenstand, auf ein anderes Ding, das Auge,
geworfen. Es ist ein physisches Verhältnis zwischen physischen
Dingen. Dagegen hat die Warenform und das Wertverhältnis der
Arbeitsprodukte, worin sie sich darstellt, mit ihrer physischen Natur
und den daraus entspringenden dinglichen Beziehungen absolut
nichts zu schaffen. Es ist nur das bestimmte gesellschaftliche Verhältnis
 der Menschen selbst, welches hier für sie die phantasmagorische
 [ein Trugbild vorzaubernde] Form eines Verhältnisses von
Dingen annimmt. Um daher eine Analogie zu finden, müssen wir
in die Nebelregion der religiösen Welt flüchten. Hier scheinen die
Produkte des menschlichen Kopfes mit eigenem Leben begabte,
untereinander und mit den Menschen in Verhältnis stehende selbständige
 Gestalten. So in der Warenwelt die Produkte der menschlichen
 Hand. Dies nenne ich den Fetischismus, der den Arbeitsprodukten
 anklebt, sobald sie als Waren produziert werden, und der
daher von der Warenproduktion unzertrennlich ist.
Dieser Fetischeharakter der Warenwelt entspringt, wie die vorhergehende
 Analyse bereits gezeigt hat, aus dem eigentümlichep
gesellschaftlichen Charakter der Arbeit. welche Waren produziert.

Mark-, Hof- usw. Verfassung, München 1859“, S, 129 fg. Die Bezeichnung
„journal“ für ein Flächenmaß Landes, etwa einen Morgen, besteht noch ip
einigen Teilen Frankreichs.
        <pb n="82" />
        -

Erstes Kapitel.

37

Gebrauchsgegenstände werden überhaupt nur Waren, weil sie
Produkte voneinander unabhängig betriebener Privatarbeiten sind.
Der Komplex [die Gesamtheit] dieser Privatarbeiten bildet die gesell-Schaftliche
 Gesamtarbeit. Da die Produzenten erst in gesellschaftlichen
 Kontakt [Berührung] treten durch den Austausch ihrer Arbeitsprodukte,
 erscheinen auch die spezifisch gesellschaftlichen‘ Charaktere
 ihrer Privatarbeiten erst innerhalb dieses Austausches. Oder
die Privatarbeiten betätigen sich in der Tat erst als Glieder der
Besellschaftlichen Gesamtarbeit durch die Beziehungen, worin der
Austausch die Arbeitsprodukte und vermittels derselben die Produzenten
 versetzt. Den letzteren erscheinen daher die gesellschaftlichen
 Beziehungen ihrer Privatarbeiten als das, was sie sind, das
heißt nicht als unmittelbar gesellschaftliche Verhältnisse der Personen
 in ihren Arbeiten selbst, sondern vielmehr als sachliche Verhältnisse
 der Personen und gesellschaftliche Verhältnisse der Sachen.
. Erst innerhalb ihres Austausches erhalten die Arbeitsprodukte
eine von ihrer sinnlich verschiedenen Gebrauchsgegenständlichkeit
getrennte, gesellschaftlich gleiche Wertgegenständlichkeit. Diese
Spaltung des Arbeitsproduktes in nützliches Ding und Wertding
betätigt sich nur praktisch, sobald der Austausch bereits hinteichende
 Ausdehnung und Wichtigkeit gewonnen hat, damit nützliche
 Dinge für den Austausch produziert werden, der Wertcharakter
der Sachen also schon bei ihrer Produktion selbst in Betracht
kommt. Von diesem Augenblick erhalten die Privatarbeiten der
Produzenten tatsächlich einen doppelten gesellschaftlichen Chatakter.
 Sie müssen einerseits als bestimmte nützliche Arbeiten ein
bestimmtes gesellschaftliches Bedürfnis befriedigen und sich so als
Glieder der Gesamtarbeit, des naturwüchsigen Systems der gesell-Schaftlichen
 Teilung der Arbeit, bewähren. Sie befriedigen anderseits
 nur die mannigfachen Bedürfnisse ihrer eigenen Produzenten,
Sofern jede besondere nützliche Privatarbeit mit jeder andern
Qützlichen Privatarbeit autauschbar ist, also ihr gleichgilt. Die Gleichheit
 toto coelo [in jeder Beziehung] verschiedener Arbeiten kann nur
N einer Abstraktion von ihrer wirklichen Ungleichheit bestehen, in
der Reduktion auf den gemeinsamen Charakter, den sie als Verausgabung
 menschlicher Arbeitskraft, abstrakt menschliche Arbeit,
besitzen. Das Gehirn der Privatproduzenten spiegelt diesen doppelten
 gesellschaftlichen Charakter ihrer Privatarbeiten nur wider in
den Formen, welche im praktischen Verkehr, im Produktenaustausch
scheinen — den gesellschaftlich nützlichen Charakter ihrer
P Tivatarbeiten also in der Form, daß das Arbeitsprodukt nützlich
 sein muß, und zwar für andere — den gesellschaftlichen
Charakter der Gleichheit der verschiedenartigen Arbeiten in der
Form des gemeinsamen Wertcharakters dieser materiell verschiedelen
 Dinge, der Arbeitsprodukte.
. Die Menschen beziehen also ihre Arbeitsprodukte nicht auf-SlNnander
 als Werte. weil diese Sachen ihnen als bloß aachliche
        <pb n="83" />
        38

Erster Abschnitt.

Hüllen gleichartig menschlicher Arbeit gelten. Umgekehrt. Indem
sie ihre verschiedenartigen Produkte einander im Austausch. als
Werte gleichsetzen, setzen sie ihre verschiedenen Arbeiten einander
als menschliche Arbeit gleich. Sie wissen das nicht, aber sie tun
es.” Es steht daher dem Werte nicht auf der Stirn geschrieben,
was er ist. Der Wert verwandelt vielmehr jedes Arbeitsprodukt in
eine gesellschaftliche Hieroglyphe. Später suchen die Menschen
den Sinn der Hieroglyphe zu entziffern, hinter das Geheimnis ihres
eigenen gesellschaftlichen Produkts zu kommen; denn die Bestimmung
 der Gebrauchsgegenstände als Werte ist ihr gesellschaftliches
Produkt so gut wie die Sprache. Die späte wissenschaftliche Entdeckung,
 daß die Arbeitsprodukte, soweit sie Werte, bloß sachliche
Ausdrücke der in ihrer Produktion verausgabten menschlichen
Arbeit sind, macht Epoche in der Entwicklungsgeschichte der
Menschheit, aber verscheucht keineswegs den gegenständlichen
Schein der gesellschaftlichen Charaktere der Arbeit. Was nur für
diese besondere Produktionsfiorm, die Warenproduktion, gültig ist,
daß nämlich der spezifisch gesellschaftliche Charakter der voneinander
 unabhängigen Privatarbeiten in ihrer Gleichheit als
menschliche Arbeit besteht und die Form des Wericharakters der
Arbeitsprodukte annimmt, erscheint, vor wie nach jener Entdeckung,
den in den Verhältnissen der Warenproduktion Befangenen ebenso
endgültig, als daß die wissenschaftliche Zersetzung der Luft in ihre
Elemente die Luftform als eine Physikalische Körperform fortbestehen
 läßt.
Was die Produktenaustauscher zunächst praktisch interessiert,
ist die Frage, wieviel fremde Produkte sie für das eigene Produkt
erhalten, in welchen Proportionen sich also die Produkte austauschen.
 Sobald diese Proportionen zu einer gewissen gewohnheitsmäßigen
 Festigkeit herangereift sind, scheinen sie aus der Natur
der Arbeitsprodukte zu entspringen, so daß zum Beispiel 1 Tonne
Eisen und 2 Unzen Gold gleichwertig, wie 1 Pfund Gold und
I Pfund Eisen trotz ihrer verschiedenen physikalischen und chemischen
 Eigenschaften gleich schwer sind. In der Tat befestigt sich
der Wertcharakter der Arbeitsprodukte erst durch ihre Betätigung
als Wertgrößen. Die letzteren wechseln beständig, unabhängig vom
Willen, Vorwissen und Tun der Austauschenden. Ihre eigene gesellschaftliche
 Bewegung besitzt für sie die Form einer Bewegung
von Sachen, unter deren Kontrolle sie stehen, statt sie zu kontrollieren.
 Es bedarf vollständig entwickelter Warenproduktion, bevor
aus der Erfahrung selbst die wissenschaftliche Einsicht heraus-?7

 Note zur 2, Ausgabe. Wenn daher Galiani sagt: Der Wert ist ein Verhältnis
 zwischen zwei Personen — „La Richezza &amp;amp; una ragione tra due persone“
 —, so hätte er hinzusetzen müssen: unter dinglicher Hülle verstecktes
Verhältnis. (Galiani: „Della Moneta“, p. 220, vol. III von Custodis Sammlung
der „Scrittori Classici Italiani di KEconomia Politica“, Parte Moderna.
Milano 1801.)
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7

Erstes Kapitel.

39

wächst, daß die unabhängig voneinander betriebenen, aber als
aaturwüchsige Glieder der gesellschaftlichen Teilung der Arbeit
allseitig voneinander abhängigen Privatarbeiten fortwährend auf
ihr gesellschaftlich proportionelles Maß reduziert werden, weil sich
in den zufälligen und stets schwankenden Austauschverhältnissen
Ihrer Produkte die zu deren Produktion gesellschaftlich notwendige
Arbeitszeit als regelndes Naturgesetz gewaltsam durchsetzt, wie
Stwa das Gesetz der Schwere, wenn einem das Haus über dem
Kopfe zusammenpurzelt. ? Die Bestimmung der Wertgröße durch
lie Arbeitszeit ist daher ein unter den erscheinenden Bewegungen
der relativen Warenwerte verstecktes Geheimnis. Seine Entdeckung
hebt den Schein der bloß zufälligen Bestimmung der Wertgrößen
der Arbeitsprodukte auf, aber keineswegs ihre sachliche Form.
Das Nachdenken über die Formen des menschlichen Lebens,
also auch ihre wissenschaftliche Analyse, schlägt überhaupt einen
der wirklichen Entwicklung entgegengesetzten Weg ein. Es beginnt
Post festum [hinterdrein] und daher mit den fertigen Resultaten des
Entwicklungsprozesses. Die Formen, welche Arbeitsprodukte zu
Waren stempeln und daher der Warenzirkulation vorausgesetzt sind,
besitzen bereits die Festigkeit von Naturformen des gesellschaftlichen
Lebens, bevor die Menschen sich Rechenschaft zu geben suchen, nicht
über den historischen Charakter dieser Formen, die ihnen vielmehr
bereits als unwandelbar gelten, sondern über deren Gehalt. So war
$8 nur die Analyse der Warenpreise, die zur Bestimmung der Wert-8röße,
 nur der gemeinschaftliche Geldausdruck der Waren, der zur
Fixierung ihres Wertcharakters führte. Es ist aber eben diese fertige
Form — die Geldiorm — der Warenwelt, welche den gesellschaftlichen
 Charakter der Privatarbeiten und daher die gesellschaftlichen
Verhältnisse der Privatarbeiter, sachlich verschleiert, statt sie zu
öffenbaren. Wenn ich sage, Rock, Stiefel usw. beziehen sich auf
Leinwand als die allgemeine Verkörperung abstrakter menschlicher
Arbeit, so springt die Verrücktheit dieses Ausdrucks ins Auge.
Aber wenn die Produzenten von Rock, Stiefel usw. diese Waren
auf Leinwand — oder auf Gold und Silber, was nichts an der Sache
Ändert — als allgemeines Aequivalent beziehen, erscheint ihnen die
Beziehung ihrer Privatarbeiten zu der gesellschaftlichen Gesamtarbeit
 genau in dieser verrückten Form.
Derartige Formen bilden eben die Kategorien [die Grundbegriffe]
 der bürgerlichen Oekonomie. Es sind gesellschaftlich gültige,
also obiektive Gedankenformen für die Produktionsverhältnisse

a

di % „Was soll man von einem Gesetze denken, das sich nur durch periogehe
 Revolutionen durchsetzen kann? Es ist eben ein Naturgesetz, das auf
a Bewußtlosigkeit der Beteiligten beruht.“ (Friedrich Engels: „Umrisse
En Einer Kritik der Nationalökonomie“ in Deutsch-französische Jahrbücher,
Crausgegeben von Arnold Ruge und Karl Marx, Paris 1844.) — [Vgl.
„Gesammelte Schriften von K. Marz und Friedrich Engels, 1841—1850. Stutt-Bart
 1902“, Bd. I. S. 449.1]
        <pb n="85" />
        10

Erster Abschnitt.

dieser historisch bestimmten gesellschaftlichen Produktionsweise,
der Warenproduktion. Aller Mystizismus der Warenwelt, all der
Zauber und Spuk, welcher Arbeitsprodukte auf Grundlage der
Warenproduktion umnebelt, verschwindet daher sofort, sobald wir
zu andern Produktionsformen flüchten.
Da die politische Oekonomie Robinsonaden liebt, erscheine
zuerst Robinson auf seiner Insel. Bescheiden, wie er von Haus
aus ist, hat er doch verschiedenartige Bedürfnisse zu befriedigen
und muß daher nützliche Arbeiten verschiedener Art verrichten,
Werkzeuge machen, Möbel fabrizieren, Lama zähmen, fischen,
jagen usw. Vom Beten und dergleichen sprechen wir hier nicht, da
unser Robinson daran sein Vergnügen findet und derartige Tätigkeit
 als Erholung betrachtet. Trotz der Verschiedenheit seiner
produktiven Funktionen weiß er, daß sie nur verschiedene Betätigungsformen
 desselben Robinson, also nur verschiedene Weisen
menschlicher Arbeit sind. Die Not selbst zwingt ihn, seine Zeit
genau zwischen seinen verschiedenen Funktionen zu verteilen. Ob
die eine mehr, die andere weniger Raum in seiner Gesamttätigkeit
einnimmt, hängt ab von der größeren oder geringeren Schwierigkeit,
 die zur Erzielung des bezweckten Nutzeffekts zu überwinden
ist. Die Erfahrung lehrt ihn das, und unser Robinson, der Uhr,
Hauptbuch, Tinte und Feder aus dem Schiffbruch gerettet, beginnt
als guter Engländer bald Buch über sich selbst zu führen. Sein
Inventarium enthält ein Verzeichnis der Gebrauchsgegenstände, die
8r besitzt, der verschiedenen Verrichtungen, die zu ihrer Produktion
grheischt sind, endlich der Arbeitszeit, die ihm bestimmte Quanta
dieser verschiedenen Produkte im Durchschnitt kosten. Alle Beziehungen
 zwischen Robinson und den Dingen, die seinen selbstgeschaffenen
 Reichtum bilden, sind hier so einfach und durchsichtig,
 daß selbst Herr M. Wirth sie ohne besondere Geistesanstrengung
 verstehen dürfte. Und dennoch sind darin alle wesentlichen
 Bestimmungen des Wertes enthalten.
Versetzen wir uns nun von Robinsons lichter Insel in das finstere
auropäische Mittelalter. Statt des unabhängigen Mannes finden wir
hier jedermann abhängig — Leibeigene und Grundherren, Vasallen
und Lehnsgeber, Laien und Pfaffen. Persönliche Abhängigkeit
charakterisiert ebensosehr die gesellschaftlichen Verhältnisse der
materiellen Produktion als die auf ihr aufgebauten Lebenssphären

2 Note zur 2. Ausgabe. Auch Ricardo ist nicht ohne seine Robinsonade.
„Den Urfischer und den Urjäger 1äßt er sofort als Warenbesitzer Fisch und
Wild austauschen, im Verhältnis der in diesen Tauschwerten vergegenständlichten
 Arbeitszeit. Bei dieser Gelegenheit fällt er in den Anachronismus,
 daß Urfischer und Urjäger zur Berechnung ihrer Arbeitsinstrumente
die 1817 auf der Londoner Börse gangbaren Annuitätentabellen zu Rate
ziehen, Die „Parallelogramme des Herrn Owen“ scheinen die einzige Gesellschaftsform,
 die er außer der bürgerlichen kannte.“ (Karl Marz: „Zur
Kritik der Politischen Oekonomie“, S, 38, 39,) [Stuttgarter Ausgabe S. 43.]
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Erstes Kapitel,
[Wirkungskreise]. Aber eben weil persönliche Abhängigkeitsverhältnisse
 die gegebene gesellschaftliche Grundlage bilden, brauchen
Arbeiten und Produkte nicht eine von ihrer Realität verschiedene
Phantastische Gestalt anzunehmen. Sie gehen als Naturaldienste
und Naturalleistungen in das gesellschaftliche Getriebe ein. Die
Naturalform der Arbeit, ihre Besonderheit, und nicht, wie auf
Grundlage der Warenproduktion, ihre Allgemeinheit, ist hier
ihre unmittelbar gesellschaftliche Form. Die Fronarbeit ist
ebensogut durch die Zeit gemessen wie die Waren produzierende
Arbeit, aber jeder Leibeigene weiß, daß es ein bestimmtes Quanlum
 seiner persönlichen Arbeitskraft ist, die er im Dienst seines
Herrn verausgabt. Der dem Pfaffen zu leistende Zehnten ist
klarer als der Segen des Pfaflen. Wie man daher immer die
Charaktermasken beurteilen mag, worin sich die Menschen hier
segenübertreten, die gesellschafilichen Verhältnisse der Personen
in ihren Arbeiten erscheinen jedenfalls als ihre eigenen persönlichen
 Verhältnisse und sind nicht verkleidet in gesellschaftliche
Verhältnisse der Sachen, der Arbeitsprodukte.
Für die Betrachtung gemeinsamer, das heißt unmittelbar ver-Sesellschafteter
 Arbeit brauchen wir nicht zurückzugehen zu der
haturwüchsigen Form derselben, welche uns an der Geschichts-Schwelle
 aller Kulturvölker begegnet. Ein näher liegendes Bei-Spiel
 bildet die ländlich patriarchalische Industrie einer Bauernfamilie,
 die für den eigenen Bedarf Korn, Vieh, Garn, Leinwand,
Kleidungsstücke usw. produziert. Diese verschiedenen Dinge treten
der Familie als verschiedene Produkte ihrer Familienarbeit gegenüber,
 aber nicht sich selbst wechselseitig als Waren. Die verschiedelen
 Arbeiten, welche diese Produkte erzeugen, Ackerbau, Vieh-Zucht,
 Spinnen, Weben, Schneiderei usw., sind in ihrer Naturalform
Sesellschaftliche Funktionen, weil Funktionen der Familie, die ihre
gene naturwüchsige Teilung der Arbeit besitzt, so gut wie die
Warenproduktion. Geschlechts- und Altersunterschiede, wie die mit
lem Wechsel der Jahreszeit wechselnden Naturbedingungen der
Arbeit, regeln ihre Verteilung unter die Familie und die Arbeitszeit
der einzelnen Familienglieder. Die durch die Zeitdauer gemessene

3 Note zur 2. Ausgabe. „Es ist ein lächerliches Vorurteil in neuester
Zeit verbreitet, daß die‘ Form des naturwüchsigen Gemeineigenitums spefisch
 slawische, sogar ausschließlich russische Form sei. Sie ist die Urform,
die wir bei Römern, Germanen, Kelten nachweisen können, von der aber
Cine ganze Musterkarte mit mannigfachen Proben sich noch immer, wenn
auch zum Teil ruinenweise, bei den Indiern vorfindet. Ein genaueres Studium
 der asiatischen, speziell der indischen Gemeineigentumsformen würde
Nächweisen, wie aus den verschiedenen Formen des naturwüchsigen Gemein-Eigentums
 sich Verschiedene Formen seiner Auflösung ergeben. So lassen
Sich zum Beispiel die verschiedenen Originaltypen von römischem und
Sermanischem Privateigentum aus verschiedenen Formen des indischen
Gemeineigentums ableiten.“ (Karl Marx: „Zur Kritik der Politischen
Dekonomie“, S. 10,) [Stuttgarter Ausgabe S. 9.7
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        ‚DD

Erster Abschnitt.

Verausgabung der individuellen Arbeitskräfte erscheint hier aber
von Haus aus als gesellschaftliche Bestimmung der Arbeiten selbst,
weil die individuellen Arbeitskräfte von Haus aus nur als Organe
der gemeinsamen Arbeitskraft der Familie wirken.
Stellen wir uns endlich, zur Abwechslung, einen Verein freier
Menschen vor, die mit gemeinschaftlichen Produktionsmitteln arbeiten
 und ihre vielen individuellen Arbeitskräfte selbstbewußt als
eine gesellschaftliche Arbeitskraft verausgaben. Alle Bestimmungen
von Robinsons Arbeit wiederholen sich hier, nur gesellschaftlich,
statt individuell. Alle Produkte Robinsons waren sein ausschließlich
 persönliches Produkt und daher unmittelbar Gebrauchsgegenstände
 für ihn. Das Gesamtprodukt des Vereins ist ein gesellzchaftliches
 Produkt. Ein Teil dieses Produkts dient wieder als
Produktionsmittel. Er bleibt gesellschaftlich. Aber ein anderer
Teil wird als Lebensmittel von den Vereinsgliedern verzehrt. Er
muß daher unter sie verteilt werden. Die Art dieser Verteilung
wird wechseln mit der besonderen Art des gesellschaftlichen Proluktionsorganismus
 selbst und der entsprechenden geschichtlichen
Entwicklungshöhe der Produzenten. Nur zur Parallele mit der
Warenproduktion setzen wir voraus, der Anteil jedes Produzenten
an den Lebensmitteln sei bestimmt durch seine Arbeitszeit. Die
Arbeitszeit würde also eine doppelte Rolle spielen. Ihre gesellschaftlich
 planmäßige Verteilung regelt die richtige Proportion der
verschiedenen Arbeitsfunktionen zu den verschiedenen Bedürfuissen.
 Anderseits dient die Arbeitzeit zugleich als Maß des
individuellen Anteils des Produzenten an der Gemeinarbeit und
daher auch an dem individuell verzehrbaren Teil des Gemeinprodukts.
 Die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen zu
ihren Arbeiten und ihren Arbeitsprodukten bleiben hier durchsichtig
 einfach in der Produktion sowohl wie in der Distribution [der
Verteilung].
Die religiöse Welt ist nur der Reflex der wirklichen Welt. Für
eine Gesellschaft von Warenproduzenten, deren allgemein gesellschaftliches
 Produktionsverhältnis darin besteht, sich zu ihren Produkten
 als Waren, also als Werte zu verhalten und in dieser
schlichten Form ihre Privatarbeiten aufeinander zu beziehen als
gleiche menschliche Arbeit, ist das Christentum mit seinem Kultus
des abstrakten Menschen, namentlich in seiner bürgerlichen Entwicklung,
 dem Protestantismus, Deismus usw., die entsprechendste
Religionsform. In den altasiatischen, antiken usw. Produktionsweisen
 spielt die Verwandlung des Produkts in Ware, und daher
das Dasein der Menschen als Warenproduzenten, eine untergeordaete
 Rolle, die jedoch um so bedeutender wird, je mehr die Gemeinwesen
 in das Stadium ihres Unterganges treten. Eigentliche Handelsvölker
 existieren nur in den Intermundien [den Zwischenräumen
zwischen den verschiedenen Kulturkreisen] der alten Welt, wie
Cpikurs Götter, oder wie Juden in den Poren der polnischen Gesell-
        <pb n="88" />
        Erstes Kapitel.

43

Schaft. Jene alten gesellschaftlichen Produktionsorganismen sind
außerordentlich viel einfacher und durchsichtiger als der bürgerliche,
 aber sie beruhen entweder auf der Unreife des individuellen
Menschen, der sich von der Nabelschnur des natürlichen Gattungs-Ausammenhanges
 mit andern noch nicht losgerissen hat, oder auf un-Mittelbaren
 Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnissen. Sie sind
bedingt durch eine niedrige Entwicklungsstufe der Produktivkräfte
der Arbeit und entsprechend befangene Verhältnisse der Menschen
innerhalb ihres materiellen Lebenserzeugungsprozesses, daher zu-$nander
 und zur Natur. Diese wirkliche Befangenheit spiegelt sich
ideell wider in den alten Natur- und Volksreligionen. Der religiöse
Widerschein der wirklichen Welt kann überhaupt nur verschwinden,
Sobald die Verhältnisse des praktischen Werkeltagslebens den
Menschen tagtäglich durchsichtig vernünftige Beziehungen zueinander
 und zur Natur darstellen. Die Gestalt des gesellschaftlichen
Lebensprozesses, das heißt des materiellen Produktionsprozesses,
streift nur ihren mystischen Nebelschleier ab, sobald sie als Produkt
 frei vergesellschafteter Menschen unter deren bewußter planmäßiger
 Kontrolle steht. Dazu ist jedoch eine materielle Grundlage
ler Gesellschaft erheischt oder eine Reihe materieller Existenzbedingungen,
 welche selbst wieder das naturwüchsige Produkt einer
langen und qualvollen Entwicklungsgeschichte sind.
Die politische Oekonomie hat num zwar, wenn auch unvollkommen
 !!, Wert und Wertogröße analvsiert und den in diesen For-EEE


3 Wie schon S.17 bemerkt, sagt Benj. Franklin: „Da der Handel überüaupt
 nichts ist als der Austausch einer Arbeit gegen andere Arbeit, wird
der Wert aller Dinge am richtigsten in Arbeit geschätzt.“ („The Works of
Benj. Franklin, etc, ed. by Sparks. Boston 1886“, vol. II, p. 267.)
Franklin findet es ebenso natürlich, daß die Dinge Wert, wie daß die Körper
Schwere besitzen. Von seinem Standpunkt handelt es sich einfach darum,
herauszufinden, wie dieser Wert so genau wie möglich gemessen werden
%ann, Er bemerkt nicht einmal, daß er bei der Behauptung, man schätze
len Wert aller Dinge am richtigsten in Arbeit, von dem Unterschied der
Ausgetauschten Arbeiten abstrahiert und sie auf gleiche menschliche Arbeit
'eduziert. Sonst hätte er sagen müssen: Da der Austausch von Schuhen und
Stiefeln gegen Tische nichts anderes ist als ein Austausch von Schuhmacherarbeit
 gegen Tischlerarbeit, mißt man durch die Tischlerarbeit am geü4auesten
 den Wert der Stiefel! Indem er das Wort „Arbeit“ im allgemeinen
Zebraucht, abstrahiert er von dem Nützlichkeitscharakter und von der konkreten
 Form der verschiedenen Arbeiten.
ä Das Unzulängliche in Ricardos Analyse der Wertgröße — und es ist
16 beste — wird man aus dem dritten und vierten Buch dieser Schrift
Eschen, Was aber den Wert überhaupt betrifft, so unterscheidet die
Kässische politische Oekonomie nirgendwo ausdrücklich und mit klarem
wußtsein die Arbeit, wie sie sich im Wert, von derselben Arbeit,
Soweit sie sich im Gebrauchswert ihres Produkts darstellt. Sie macht
atürlich den Unterschied tatsächlich, da sie die Arbeit das eine Mal
Quantitativ, das andere Mal qualitativ betrachtet. Aber es fällt ihr nicht
Sin, daß bloß quantitativer Unterschied der Arbeiten ihre qualitative Ein-
        <pb n="89" />
        Erster Abschnitt.

men versteckten Inhalt entdeckt. Sie hat niemals auch nur die
Frage gestellt, warum dieser Inhalt jene Form annimmt, warum
sich also die Arbeit im Wert und das Maß der Arbeit durch ihre
Zeitdauer in der Wertgröße des Arbeitsprodukts darstellt?:? Foraeit
 oder Gleichheit voraussetzt, also ihre Reduktion auf abstrakt menschliche
 Arbeit, Ricardo zum Beispiel erklärt sich einverstanden mit Destuti
de Tracy, wenn dieser sagt: „Da es gewiß ist, daß unsere natürlichen und
sittlichen Fähigkeiten allein unser ursprünglicher Reichtum sind, so ist die
Anwendung dieser Fähigkeiten, Arbeit irgendeiner Art, unser ursprünglicher
Schatz, und durch diese Anwendung werden alle die Dinge geschaffen, die wir
Reichtum nennen. ... Außerdem ist es sicher, daß alle diese Dinge nur die
Arbeit repräsentieren, die sie geschaffen hat, und wenn sie einen Wert oder
wenn sie auch zwei verschiedene Werte haben, so können sie diese Werte nur
von dem der Arbeit herleiten, von der sie herrühren.“ (Destutt de Tracy:
„Elements d’ideologie. 4&amp;amp;me et 5&amp;amp;me partie. Paris 1826“, pP. 35, 36, zitiert
bei Ricardo: „The Prineiples of Political Economy, 3rd. ed. London 1821“.
p. 334.) [Vgl. David Ricardo: „Grundgesetze der Volkswirtschaft und Besteuetung“,
 aus dem Englischen übersetzt von Dr. Ed. Baumstark. 2. Auflage.
Leipzig 1577, S. 253.] Wir deuten nur an, daß Ricardo dem Destutl
seinen. eigenen tieferen Sinn unterschiebt. Destutt sagt in der Tat zwar
einerseits, daß alle Dinge, die den Reichtum bilden, „die Arbeit repräsentieren,
 die sie geschaffen hat“, aber anderseits, daß sie ihre „zwei verschiedenen
 Werte“ (Gebrauchswert und Tauschwert) vom „Wert der Arbeit“ erhalten.
 Er fällt damit in die Flachheit der Vulgärökonomie, die den Werl
einer Ware (hier der Arbeit) voraussetzt, um dadurch hinterher den Wert
der andern Waren zu bestimmen. Ricardo liest ihn so, daß sowohl im
Gebrauchswert als Tauschwert sich Arbeit (nicht Wert der Arbeit) darstellt.
Er selbst aber scheidet so wenig den zwieschlächtigen Charakter der Arbeit,
die doppelt dargestellt ist, daß er in dem ganzen Kapitel: „Wert und Reichum,
 ihre unterscheidenden Eigentümlichkeiten“ sich mühselig mit den Plattheiten
 eines J. B. Say herumschlagen muß. Am Ende ist er daher auch
ganz erstaunt, daß Destutt zwar mit ihm selbst über Arbeit als Wertquelle
and dennoch anderseits mit Say über (den Wertbegriff übereinstimme.
#2 Es ist einer der Grundmängel der klassischen politischen Oekonomie,
daß es ihr nie gelang, aus der Analyse der Ware und spezieller des Warenwertes
 die Form des Wertes, die ihn eben zum Tauschwert macht, herauszufinden.
 Gerade in ihren besten Repräsentanten, wie A. Smith und Ricardo,
behandelt sie die Wertform als etwas ganz Gleichgültiges oder der Natur
der Ware selbst Aeußerliches. Der Grund ist nicht allein, daß die Analyse
der Wertgröße ihre Aufmerksamkeit ganz absorbiert. Er liegt tiefer, Die
Wertform des Arbeitsprodukts ist die abstrakteste, aber auch allgemeinste
Form der bürgerlichen Produktionsweise, die hierdurch als eine besondere
Art gesellschaftlicher Produktion und damit zugleich historisch charakterisiert
 wird. Versieht man sie daher für die ewige Naturform gesellschaftlicher
 Produktion, so übersieht man notwendig auch das Spezifische der
Wertform, also der Warenform, weiter entwickelt der Geldform, Kapitalform
 usw. Man findet daher bei Oekonomen, welche über das Maß der
Wertgröße durch Arbeitszeit durchaus übereinstimmen, die kunterbuntesten
ınd widersprechendsten Vorstellungen von Geld, das heißt der fertigen Gestalt
des allgemeinen Aequivalents. Dies tritt schlagend hervor zum Beispiel bei der
Behandlung des Bankwesens, wo mit den gemeinplätzlichen Definitionen des
Geldes nicht mehr ausgereicht wird. Im Gegensatz entsprang daher eiß
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Erstes Kapitel.

15

meln, denen es auf der Stirn geschrieben steht, daß sie einer Ge-Sellschaftsformation
 angehören, worin der Produktionsprozeß die
Menschen, der Mensch noch nicht den Produktionsprozeß bemeistert,
gelten ihrem bürgerlichen Bewußtsein für ebenso selbstverständliche
 Naturnotwendigkeit als die produktive Arbeit selbst. Vorbürgerliche
 Formen des gesellschaftlichen Produktionsorganismus
werden daher von ihr behandelt, wie etwa von den Kirchenvätern
Vorchristliche Religionen.

restauriertes Merkantilsystem (Ganilh usw.), welches im Wert nur die gesellschaftliche
 Form sieht oder vielmehr nur ihren substanzlosen Schein. —
Um es ein für allemal zu bemerken, verstehe ich unter klassischer politischer
Jekonomie alle Oekonomie seit W. Petty, die den inneren Zusammenhang
der bürgerlichen Produktionsverhältnisse erforscht im Gegensatz zur Vulgär-Skonomie,
 die sich nur innerhalb des scheinbaren Zusammenhangs herumtreibt,
 für eine plausible Verständlichmachung der sozusagen gröbsten
Phänomene und den bürgerlichen Hausbedarf das von der wissenschaftlichen
Oekonomie längst gelieferte Material stets von neuem wiederkaut, im
ibrigen aber sich darauf beschränkt, die abgedroschenen und selbstgefälligen
Vorstellungen der bürgerlichen Produktionsagenten von ihrer eigenen besten
Welt zu systematisieren, pedantisieren und als ewige Wahrheiten zu prokla-Nieren,

3 „Die Oekonomen verfahren auf eine sonderbare Art. Es gibt für sie
lur zwei Arten von Institutionen, künstliche und natürliche. Die Instituionen
 des Feudalismus sind künstliche Institutionen, die der Bourgeoisie
Qatürliche. Sie gleichen darin den Theologen, die auch zwei Arten von
Religionen unterscheiden. Jede Religion, die nicht die ihre ist, ist eine Er-Indung
 der Menschen, während ihre eigene Religion eine Offenbarung
üottes ist. ,.. Somit hat es eine Geschichte gegeben; aber es gibt keine
Mehr.“ (Karl Marx: „Misere de la Philosophie. Reponse ä la Philosophie
de Ja Misere par M. Proudhon. 1847“, p. 113.) [Vgl. Karl Marz: „Das Elend
der Philosophie‘, deutsch von E. Bernstein und K. Kautsky. 2. Auflage. Stuttgart
 1892, S, 104.] Wahrhaft drollig ist Herr Bastiat, der sich einbildet, die
alten Griechen und Römer hätten nur von Raub gelebt. Wenn man aber
viele Jahrhunderte durch von Raub lebt, muß doch beständig etwas zu
'auben da sein oder der Gegenstand des Raubes sich fortwährend reprodu-%eren.
 Es scheint daher, daß auch Griechen und Römer einen Produktions-Prozeß
 hatten, also eine Oekonomie, welche ganz so die materielle Grundlage
 ihrer Welt bildete, wie die bürgerliche Oekonomie die der heutigen
Welt. Öder meint Bastiat etwa, daß eine Produktionsweise, die auf der
Sklavenarbeit beruht, auf einem Raubsystem ruht? Er stellt sich dann auf
Sefährlichen Boden. Wenn ein Denkriese wie Aristoteles in seiner Würdi-3ZUng
 der Sklavenarbeit irrte, warum sollte ein Zwergökonom, wie Bastiat, in
Seiner Würdigung der Lohnarbeit richtig gehen? — Ich ergreife diese Gelegenheit,
 um einen Einwand, der mir beim Erscheinen meiner Schrift „Zur
Kritik der Poltitischen Oekonomie 1859“ von einem deutsch-amerikanischen
Blatte gemacht wurde, kurz abzuweisen. Es sagte, meine Ansicht, daß die be-Stimmte
 Produktionsweise und die ihr jedesmal entsprechenden Produktionsverhälinisse,
 kurz „die ökonomische Struktur der Gesellschaft die reale
Basis sei, worauf sich ein juristischer und politischer Ueberbau erhebe, und
Welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprächen“, daß
«die Produktionsweise des materiellen Lebens den sozialen, politischen ımd
        <pb n="91" />
        Erster Abschnitt.

Wie sehr ein Teil der Oekonomen von dem der Warenwell
anklebenden Fetischismus oder dem gegenständlichen Schein der
gesellschaftlichen Arbeitsbestimmungen getäuscht wird, beweist
unter anderm der langweilig abgeschmackte Zank über die Rolle
der Natur in der Bildung des Tauschwertes. Da Tauschwert eine
bestimmte gesellschaftliche Manier ist, die auf ein Ding verwandte
Arbeit auszudrücken, kann er nicht mehr Naturstoff enthalten als
atwa der Wechselkurs.
Da die Warenform die allgemeinste und unentwickeltste Form
der bürgerlichen Produktion ist, weswegen sie früh auftritt, obgleich
nicht in derselben herrschenden, also charakteristischen Weise wie
beutzutage, scheint ihr Fetischeharakter noch relativ leicht zu durchschauen.
 Bei konkreteren Formen verschwindet selbst dieser
Schein der Einfachheit. Woher die Illusionen des Monetarsystems?
Es sah dem Gold und Silber nicht an, daß sie als Geld ein gesellschaftliches
 Produktionsverhältnis darstellen, aber in der Form von
Naturdingen mit sonderbar gesellschaftlichen Eigenschaften. Und
die moderne Oekonomie, die vornehm auf das Monetarsystem herabgrinst,
 wird ihr Fetischismus nicht handgreiflich, sobald sie das
Kapital behandelt? Seit wie lange ist die physiokratische Illusion
verschwunden, daß die Grundrente aus der Erde wächst, nicht aus
der Gesellschaft?
Um jedoch nicht vorzugreifen, genüge hier noch ein Beispiel
bezüglich der Warenform selbst. Könnten die Waren sprechen, so
würden sie sagen, unser Gebrauchswert mag den Menschen interassieren.
 Er kommt uns nicht als Dingen zu. Was uns aber dingich
 zukommt, ist unser Wert. Unser eigener Verkehr als Warendinge
 beweist das. Wir beziehen uns nur als Tauschwerte aufeinander.
 Man höre nun, wie der Oekonom aus der Warenseele
heraus spricht: „Wert (Tauschwert) ist Eigenschaft der Dinge,
Reichtum (Gebrauchswert) des Menschen. Wert in diesem Sinn
schließt notwendig Austausch ein, Reichtum nicht.“ „Reichtum

geistigen Lebensprozeß überhaupt bedinge“ — alles dies sei zwar richtig
für die heutige Welt, wo die materiellen Interessen, aber weder für das
Mittelalter, wo der Katholizismus, noch für Athen und Rom, wo die Politik
herrschte. Zunächst ist es befremdlich, daß jemand vorauszusetzen beliebt,
diese weltbekannten Redensarten über Mittelalter und antike Welt seien
‘rgend jemand unbekannt geblieben. So viel ist klar, daß das Mittelalter
nicht vom Katholizismus und die antike Welt nicht von der Politik leben
konnte. Die Art und Weise, wie sie ihr Leben gewannen, erklärt umgekehrt,
warum dort die Politik, hier der Katholizismus die Hauptrolle spielte. Es
gehört übrigens wenig Bekanntschaft zum Beispiel mit der Geschichte der
römischen Republik dazu, um zu wissen, daß die Geschichte des Grundeigentums
 ihre Geheimgeschichte bildet. Anderseits hat schon Don Quixote den
{rrtum gebüßt, daß er die fahrende Ritterschaft mit allen ökonomischen
Formen der Gesellschaft gleich verträglich wähnte.
4 „Observations on some verbal disputes in Political Economy, partieularly
 relating to value and. to supply and demand. London 1821“, p. 16.
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Zweites Kapitel,
(Gebrauchswert) ist eine Eigentümlichkeit des Menschen, Wert eine
Eigentümlichkeit der Waren. Ein Mensch oder ein Gemeinwesen
Ist reich; eine Perle oder ein Diamant ist wertvoll. .. . Eine
Perle oder ein Diamant hat Wert als Perle oder Diamant.“ ®
Bisher hat noch kein Chemiker Tauschwert in Perle oder Dia-Mant
 entdeckt. Die ökonomischen Entdecker dieser chemischen
Substanz, die besonderen Anspruch auf kritische Tiefe machen,
änden aber, daß der Gebrauchswert der Sachen unabhängig von
Ihren sachlichen Eigenschaften, dagegen ihr Wert ihnen als Sachen
zukommt. Was sie hierin bestätigt, ist der sonderbare Umstand,
laß der Gebrauchswert der Dinge sich für den Menschen ohne
Austausch realisiert, also im unmittelbaren Verhältnis zwischen
Ding und Mensch, ihr Wert umgekehrt nur im Austausch, das
beißt in einem gesellschaftlichen Prozeß. Wer erinnert sich
hier nicht des guten Dogberry, der den Nachtwächter Seacoal belehrt:
 „Ein gut aussehender Mann zu sein, ist eine Gabe der Um-Stände,
 aber Lesen und Schreiben zu können, kommt von Natur.“
(Shakespeare: „Viel Lärm um nichts.“):s

Zweites Kapitel
Der Austauschprozeß.
Die Waren können nicht selbst zu Markte gehen und sich nicht
Selbst austauschen. Wir müssen uns also nach ihren Hütern umsehen,
 den Warenbesitzern. Die Waren sind Dinge und daher
Widerstandslos gegen den Menschen. Wenn sie nicht willig, kann
° Gewalt brauchen, in andern Worten, sie nehmen.” Um diese
Dinge als Waren aufeinander zu beziehen, müssen die Warenhüter
ch zueinander als Personen verhalten, deren Willen in jenen
Dingen haust, so daß der eine nur mit dem Willen des andern, also
|9der nur vermittels eines, beiden gemeinsamen Willenakts sich die
(Temde Ware aneignet, indem er die eigene veräußert. Sie müssen

% S, Bailey: „A eritical Dissertation on the Nature ete. of value“, p. 165.
‚ 3% Der Verfasser der „Observations“ und 5S, Bailey beschuldigen
Ricardo, er habe den Tauschwert aus einem nur Relativen in etwas Absolutes
 verwandelt. Umgekehrt. Er hat die Scheinrelativität, die diese Dinge,
Diamant und Perlen zum Beispiel, als Tauschwerte besitzen, auf das hinter dem
“Chein verborgene wahre Verhältnis reduziert, auf ihre Relativität als bloße
Ausdrücke menschlicher Arbeit. Wenn die Ricardianer dem Bailey grob,
aber nicht Schlagend antworten, so nur, weil sie bei Ricardo selbst keinen
Aufschluß über den inneren Zusammenhang zwischen Wert und Wertform
der Tauschwert fanden.
*7 Im 12., durch seine Frömmigkeit so berufenen Jahrhundert kommen
ünter diesen Waren oft sehr zarte Dinge vor. So zählt ein französischer
Dichter jener Zeit unter den Waren, die sich auf dem Markt von Landit
Snfanden, neben Kleidungsstoffen, Schuhen, Leder, Ackergeräten, Häuten
ÜSW. auch „femmes folles de leur corps“ [Freudenmädchen] auf.
        <pb n="93" />
        Erster Abschnitt.

sich. daher wechselseitig als Privateigentümer anerkennen. Dies
Rechtsverhältnis, dessen Form der Vertrag ist, ob nun gesetzlich entwickelt
 oder nicht, ist ein Willensverhältnis, worin sich das ökonomische
 Verhältnis widerspiegelt. Der Inhalt dieses Rechts- oder
Willensverhältnisses ist durch das ökonomische Verhältnis selbst
gegeben. Die Personen existieren hier nur für einander als Repräsentanten
 von Ware und daher als Warenbesitzer. Wir werden
überhaupt im Fortgang der Entwicklung finden, daß die ökonomischen
 Charaktermasken der Personen nur die Personifikationen
der ökonomischen Verhältnisse sind, als deren Träger sie sich
gegenübertreten.
Was den Warenbesitzer namentlich von der Ware unterscheidet,
ist der Umstand, daß ihr jeder andere Warenkörper nur als Erscheinungsform
 ihres eigenen Wertes gilt. Geborener Leveller
[Gleichmacher] und Zyniker steht sie daher stets auf dem Sprunge,
mit jeder andern Ware, sei selbe auch ausgestattet mit mehr Unanaehmlichkeiten
 als Maritorne, nicht nur die Seele, sondern den Leib
zu wechseln. Diesen der Ware mangelnden Sinn für das Konkrete
des Warenkörpers ergänzt der Warenbesitzer durch seine eigenen
fünf und mehr Sinne. Seine Ware hat für ihnen keinen unmittelbaren
Gebrauchswert. Sonst führte er sie nicht zu Markt. Sie hat Gebrauchswert
 für andere. Für ihn hat sie unmittelbar nur den
Gebrauchswert Träger von Tauschwert und so Tauschmittel zu
sein.®® Darum will er sie veräußern für Ware, deren Gebrauchs-38

 Proudhon schöpft erst sein Ideal der justice Gternelle [der
awigen Gerechtigkeit] aus den der Warenproduktion entsprechenden
Rechtsverhältnissen, wodurch, nebenbei bemerkt, auch der für alle Spießdürger
 so tröstliche Beweis geliefert wird, daß die Form der Warenproduktion
 ebenso ewig ist wie die Gerechtigkeit. Dann umgekehrt will
er die wirkliche Warenproduktion und das ihr entsprechende wirkliche
Recht diesem Ideal gemäß ummodeln. Was würde man von einem Chemiker
denken, der, statt die wirklichen Gesetze des Stoffwechsels zu studieren
und auf Basis derselben bestimmte Aufgaben zu lösen, den Stoffwechsel
durch die „ewigen Ideen“ der „naturalite“ und der „affinite“ [der „spezifischen
Eigenschaften“ und der „Verwandtschaften“] ummodeln wollte? Weiß man
etwa mehr über den „Wucher“, wenn man sagt, er widerspreche der „Justice
Sternelle“ [ewigen Gerechtigkeit“] und der „equit&amp;amp; &amp;amp;ternelle“ [„ewigen
Billigkeit“] und der „mutualite&amp;amp; 6ternelle“ [„ewigen Gegenseitigkeit“] und
andern „vöerites 6ternelles“ [ewigen Wahrheiten“], als die Kirchenväter
wußten, wenn sie sagten, er widerspreche der „gräce 6ternelle“ [„ewigen
Gnade“], der „foi 6ternelle“ [„dem ewigen Glauben“], der „volonte eternelle
 de dieu“ [„dem ewigen Willen Gottes“]?
%9 „Denn zweifach ist der Gebrauch jedes Gutes. — Der eine ist dem
Ding als solchem eigen, der andere nicht, wie einer Sandale zur Beschuhung
zu dienen und austauschbar zu sein. Beides sind Gebrauchswerte der
Sandale; denn auch wer die Sandale mit dem ihm Mangelnden, zum Beispiel
der Nahrung, austauscht, benutzt die Sandale als Sandale, Aber nicht in ihrer
natürlichen Gebrauchsweise, ‚Denn sie ist nicht da des Austausches wegen.“
(Aristoteles: „De Republica“, lib. I, ce. 9.)
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Zweites Kapitel.
Wert ihm Genüge tut. Alle Waren sind Nichtgebrauchswerte für
+hre Besitzer, Gebrauchswerte für ihre Nichtbesitzer, Sie müssen
Also allseitig die Hände wechseln. Aber dieser Händewechsel bildet
hren Austausch, und ihr Austausch bezieht sie als Werte aufeinander
und realisiert sie als Werte. Die Waren müssen sich daher als
Werte realisieren, bevor sie sich als Gebrauchswerte realisieren
zönnen.
Anderseits müssen sie sich als Gebrauchswerte bewähren, be-“or
 sie sich als Werte realisieren können. Denn die auf sie ver-Ausgabte
 menschliche Arbeit zählt nur, soweit sie in einer für
indere nützlichen Form verausgabt ist. Ob sie andern nützlich, ihr
Produkt daher fremde Bedürfnisse befriedigt, kann aber nur ihr
Austausch beweisen.
Jeder Warenbesitzer will seine Ware nur veräußern gegen
andere Ware, deren Gebrauchswert sein Bedürfnis befriedigt.
Sofern ist der Austausch für ihn nur individueller Prozeß. Ander-Seits
 will er seine Ware als Wert realisieren, also in jeder ihm
beliebigen andern Ware von demselben Wert, ob seine eigene
Ware nun für den Besitzer der andern Ware Gebrauchswert habe
°der nicht. Sofern ist der Austausch für ihn allgemein gesellschaftlicher
 Prozeß. Aber derselbe Prozeß kann nicht gleichzeitig für
Alle Warenbesitzer nur individuell und zugleich nur allgemein
Sesellschaftlich sein.
Sehen wir näher zu, so gilt jedem Warenbesitzer jede fremde
Ware als besonderes Aequivalent seiner Ware, seine Ware daher
als allgemeines Aequivalent aller andern Waren. Da aber alle
Warenbesitzer dasselbe tun, ist keine Ware allgemeines Aequivalent
And besitzen die Waren daher auch keine allgemeine relative Wertform,
 worin sie sich als Werte gleichsetzen und als Wertgrößen
YSrgleichen. Sie stehen sich daher überhaupt nicht gegenüber als
Waren, sondern nur als Produkte oder Gebrauchswerte.
In ihrer Verlegenheit denken unsere Warenbesitzer wie Faust.
Im Anfang war die Tat. Sie haben daher schon gehandelt, bevor
6 gedacht haben. Die Gesetze der Warennatur betätigten sich im
Naturinstinkt der Warenbesitzer. Sie können ihre Waren nur als
Werte und darum nur als Waren aufeinander beziehen, indem sie
Kieselben gegensätzlich auf irgendeine andere Ware als allgemeines
Aequivalent beziehen. Das ergab die Analyse der Ware. Aber
ur die gesellschaftliche Tat kann eine bestimmte Ware zum allge-Meinen
 Aequivalent machen. Die gesellschaftliche Aktion aller
\ndern Waren schließt daher eine bestimmte Ware aus, worin sie
Alseitig ihre Werte darstellen. Dadurch wird die Naturalform
lieser Ware gesellschaftlich gültige Aequivalentform. Allgemeines
Aequivalent zu sein wird durch den gesellschaftlichen Prozeß zur
Pezifisch gesellschaftlichen Funktion der ausgeschlossenen Ware.
(0 wird sie — Geld. „Diese haben einerlei Meinung und geben ihre
Macht und Gewalt dem Tiere. Und niemand solle kaufen oder
Das Kapital. I.

49
        <pb n="95" />
        50

Ermer Abschnitt.

verkaufen können, der nicht den Stempel habe mit dem Namen des
Tieres oder der Zahl seines Namens.“ (Offenbarung Johannis.):!”
Der Geldkristall ist ein notwendiges Produkt des Austauschprozesses,
 worin verschiedenartige Arbeitsprodukte einander tatsächlich
 gleichgesetzt und daher tatsächlich in Waren verwandelt
werden. Die historische Ausweitung und Vertiefung des Austausches
 entwickelt den in der Warennatur schlummernden Gegensatz
 von Gebrauchswert und Wert. Das Bedürfnis, diesen Gegensatz
 für den Verkehr äußerlich darzustellen, treibt zu einer selbständigen
 Form des Warenwertes und ruht und rastet nicht, bis sie
endgültig erzielt ist durch die Verdoppelung der Ware in Ware und
Geld. In demselben Maße daher, worin sich die Verwandlung der
Arbeitsprodukte in Waren, vollzieht sich die Verwandlung von Ware
in Geld.*
Der unmittelbare Produktenaustausch hat einerseits die Form
üdes einfachen Wertausdrucks und hat sie anderseits noch nicht.
Jene Form war x Ware A — y Ware B. Die Form des unmittelbaren
 Produktenaustausches ist: x Gebrauchsgegenstand A — y Gebrauchsgegenstand
 B.*2 Die Dinge A und B sind hier nicht Waren
vor dem Austausch, sondern werden es erst durch denselben. Die
erste Weise, worin ein Gebrauchsgegenstand der Möglichkeit nach
Tauschwert ist, ist sein Dasein als Nichtgebrauchswert, als die unmittelbaren
 Bedürfnisse seines Besitzers überschießendes Quantum
von Gebrauchswert. Dinge sind an und für sich. dem Menschen
äußerlich und daher veräußerlich. Damit diese Veräußerung
wechselseitig, brauchen Menschen nur stillschweigend sich als
Privateigentümer jener veräußerlichen Dinge und eben dadurch als
voneinander unabhängige Personen gegenüberzutreten. Solch ein
Verhältnis wechselseitiger Fremdheit existiert jedoch nicht für die
Glieder eines naturwüchsigen Gemeinwesens, habe es nun die Form
einer patriarchalischen Familie, einer altindischen Gemeinde, eines
Inkastaates usw. Der Warenaustausch beginnt, wo die Gemeinwesen
enden, an den Punkten ihres Kontaktes [ihrer Berührung] mit fremden
Gemeinwesen oder Gliedern fremder Gemeinwesen. Sobald Dinge
39 Marx gibt nicht näher an, wo der Passus zu finden ist. Er ist aus
zwei verschiedenen Stellen zusammengesetzt. Die eine ist 17, 13, die ander?
18, 17 zu finden. K.
40 Danach beurteile man die Pfiffigkeit des kleinbürgerlichen Sozialis
mus, der die Warenproduktion verewigen und zugleich den „Gegensatz vor
Geld und Ware“, also das Geld selbst, denn es ist nur in diesem Gegeosatze,
 abschaffen will. Ebensowohl könnte man den Papst abschaffen und
len Katholizismus bestehen lassen. Das Nähere hierüber siehe in meine!
Schrift: „Zur Kritik der Politischen Oekonomie“, S, 61 ff. [Stuttgarter Aus
gabe S. 70 ff.]
“ Solange noch nicht zwei verschiedene Gebrauchsgegenstände aus
getauscht, sondern, wie wir das bei Wilden oft finden, eine chaotisch®
Masse von Dingen als Aequivalent für ein Drittes angeboten wird, steht der
unmittelbare Produktenaustausch selbst erst in seiner Vorhalle.
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Zweites Kapitel.

aber einmal im auswärtigen, werden sie auch rückschlagend im inneen
 Gemeinleben zu Waren. Ihr quantitatives Austauschverhältnis ist
zunächst ganz zufällig. Austauschbar sind sie durch den Willensakt
ihrer Besitzer, sie wechselseitig zu veräußern. Indes setzt sich das
Bedürfnis für fremde Gebrauchsgegenstände allmählich fest. Die
deständige Wiederholung des Austausches macht ihn zu einem
regelmäßigen gesellschaftlichen Prozeß. Im Laufe der Zeit muß
daher wenigstens ein Teil der Arbeitsprodukte absichtlich zum
Behufe des Austausches produziert werden. Von diesem Augenblick
 befestigt sich einerseits die Scheidung zwischen der Nützlichkeit
 der Dinge für den unmittelbaren Bedarf und ihrer Nützlichkeit
Zum Austausch. Ihr Gebrauchswert scheidet sich von ihrem Tauschwerte,
 Anderseits wird das quantitative Verhältnis, worin sie sich
Austauschen, von ihrer Produktion selbst abhängig. Die Gewohnheit
 fixiert sie als Wertgrößen.
Im unmittelbaren Produktenaustausch ist jede Ware unmittelbar
Tauschmittel für ihren Besitzer, Aequivalent für ihren Nichtbesitzer,
ledoch nur so weit sie Gebrauchswert für ihn. Der Tauschartikel
Prhält also noch keine von seinem eigenen Gebrauchswert oder dem
ndividuellen Bedürfnis der Austauscher unabhängige Wertform.
Die Notwendigkeit dieser Form entwickelt sich mit der wachsenden
Anzahl und Mannigfaltigkeit der in den Austauschprozeß eintretenden
 Waren. Die Aufgabe entspringt gleichzeitig mit den Mitteln
ihrer Lösung. Ein Verkehr, worin Warenbesitzer ihre eigenen
Artikel mit verschiedenen andern Artikeln austauschen und ver-Zleichen,
 findet niemals statt, ohne daß verschiedene Waren von
"erschiedenen Warenbesitzern innerhalb ihres Verkehrs mit ein
3nd derselben dritten Warenart ausgetauscht und als Werte ver-?lichen
 werden. Solche dritte Ware, indem sie Aequivalent für
Yerschiedene andere Waren wird, erhält unmittelbar, wenn auch in
“hgen Grenzen, allgemeine oder gesellschaftliche Aequivalentform.
Diese allgemeine Aequivalentform entsteht und vergeht mit dem
\ugenblicklichen gesellschaftlichen Kontakt, der sie ins Leben rief.
Abwechselnd und flüchtig kommt sie dieser oder jener Ware zu.
Mit der Entwicklung des Warenaustausches heftet sie sich aber
Asschließlich fest an besondere Warenarten, oder kristallisiert zur
Geldiorm. An welcher Warenart sie kleben bleibt, ist zunächst zu-Üällig.
 Jedoch entscheiden im großen und ganzen zwei Umstände.
Geldiorm heftet sich entweder an die wichtigsten Eintauschartikel
«us der Fremde, welche in der Tat naturwüchsige Erscheinungstormen
 des Tauschwertes der einheimischen Produkte sind, oder
an den Gebrauchsgegenstand, welcher das Hauptelement des einheimischen
 veräußerlichen Besitztums bildet, wie zum Beispiel Vieh.
Nomadenvölker entwickeln zuerst die Geldform, weil all ihr Hab
Gut sich in beweglicher, daher unmittelbar veräußerlicher Form
Alindet, und weil ihre Lebensweise sie beständig mit fremden
©meinwesen in Kontakt bringt, daher zum Produktenaustausch

51
        <pb n="97" />
        52

Erster Abschnitt.

anreizt. Die Menschen haben oft den Menschen selbst in der
Gestalt des Sklaven zum ursprünglichen Geldmaterial gemacht, aber
niemals den Grund und Boden. Solche Idee konnte nur in bereits
ausgebildeter bürgerlicher Gesellschaft aufkommen. Sie datiert vom
letzten Drittel des 17. Jahrhunderts, und ihre Ausführung, auf
nationalem Maßstab, wurde erst ein Jahrhundert später in der
bürgerlichen Revolution der Franzosen versucht.
In demselben Verhältnis, worin der Warenaustausch seine nur
lokalen Bande sprengt, der Warenwert sich daher zur Materiatur
menschlicher Arbeit überhaupt ausweitet, geht die Geldform auf
Waren über, die von Natur zur gesellschaftlichen Funktion eines allzemeinen
 Aequivalents taugen, auf die edlen Metalle.
Daß nun, „obgleich Gold und Silber nicht von Natur Geld,
Geld von Natur Gold und Silber ist“,“*? zeigt die Kongruenz [die
Uebereinstimmung] ihrer Natureigenschaften mit seinen Funklionen.*®
 Bisher kennen wir aber nur die eine Funktion des
Geldes, als Erscheinungsform des Warenwertes zu dienen oder
als das Material, worin die Wertgrößen der Waren sich gesellschaftlich
 ausdrücken. Adäquate [entsprechende] Erscheinungsform
von Wert oder Materiatur abstrakter und daher gleicher menschlicher
 Arbeit kann nur eine Materie sein, deren sämtliche Exemplare
 dieselbe gleichförmige Qualität besitzen. Anderseits, da der
Unterschied der Wertgrößen rein quantitativ ist, muß die Geld:
ware rein quantitativer Unterschiede fähig, also nach Willkür teilbar
 und aus ihren Teilen wieder zusammensetzbar sein. Gold und
Silber besitzen aber diese Eigenschaften von Natur.
Der Gebrauchswert der Geldware verdoppelt sich. Neben ihrem
besonderen Gebrauchswert als Ware, wie Gold zum Beispiel zum
Ausstopfen hohler Zähne, Rohmaterial von Luxusartikeln usw.
dient, erhält sie einen formalen Gebrauchswert, der aus ihren
spezifischen gesellschaftlichen Funktionen entspringt.
Da alle andern Waren nur besondere Aequivalente des Geldes,
das Geld ihr allgemeines Aequivalent, verhalten sie sich als besondere
 Waren zum Geld als der allgemeinen Ware.**
Man hat gesehen, daß die Geldform nur der an einer Ware festhaftende
 Reflex der Beziehungen aller andern Waren. Daß Geld
Ware ist,% ist also nur eine Entdeckung für den, der von seiner
4 Karl Marx: „Zur Kritik der Politischen Oekonomie“, S, 185 [Stuttzarter
 Ausgabe S. 159]. „Die wertvollen Metalle .. . sind von Natur aus
Geld.“ (Galiani: „Della Moneta‘“ in Custodis Sammlung. Parte Moderna
vol. III, p. 72.)
* Das Nähere darüber in meiner eben zitierten Schrift, Abschnitt:
„Die edlen Metalle“.
44 „Das Geld ist die allgemeine Ware.“ (Verri: „Meditazioni sulla
Economia Politica“, p. 16.)
45 „Silber und Gold an sich, die wir mit dem allgemeinen Namen vor
Edelmetall bezeichnen können, sind ... Waren ..., die im Werte steigeß
der fallen. Man kann dem Edelmetall dann einen höheren Wert bei
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Zweites Kapitel.

53

iertigen Gestalt ausgeht, um sie hinterher zu analysieren. Der Auslauschprozeß
 gibt der Ware, die er in Geld verwandelt, nicht
ihren Wert, sondern ihre besondere Wertform. Die Verwechslung
 beider Bestimmungen verleitete dazu, den Wert von Gold
und Silber für imaginär [bloß in unserer Vorstellung bestehend] zu
alten. 46 Weil Geld in bestimmten Funktionen durch bloße Zeichen
seiner selbst ersetzt werden kann, entsprang der andere Irrtum, es sei ein
öloßes Zeichen. Anderseits lag darin die Ahnung, daß die Greldform
des Dinges ihm selbst äußerlich und bloße Erscheinungsform dahinter
versteckter menschlicher Verhältnisse, In diesem Sinn wäre jede Ware
ein Zeichen, weil als Wert nur sachliche Hülle der auf sie verausgabten
Nenschlichen Arbeit.*? Indem man aber die gesellschaftlichen Charaktere,
Nessen, wenn ein kleineres Gewicht davon ausgetauscht wird gegen eine
größere Masse der landwirtschaftlichen oder industriellen Produkte eines
Landes usw.“ („A Discourse of the General Notions of Money, Trade,
and Exchange, as they stand in relations to each other. By a Merchant.
London 1695“, p. 7.) „Wenn auch Gold und Silber, gemünzt oder ungemünzt,
um Maßstab für alle andern Dinge gebraucht werden, sind sie doch nicht
Weniger eine Ware als Wein, Oel, Tabak, Kleider oder Zeug.“ („A Discourse
Sohcerning Trade, and that in particular of the East-Indies etc. London
1689“, p. 2.) „Als Vermögen und Reichtum des Königreichs (Englands)
kann füglich nicht nur das Geld angesehen werden, noch kann Gold und
Silber der Warencharakter abgesprochen werden.“ („The East India Trade
a most Profitable Trade. London 1677“, p. 4.)
4 Gold und Silber haben als Metalle ihren Wert, noch bevor sie zu
Geld geworden.“ (Galiani: „Della Moneta“.) Locke sagt: „Die allgemeine
Uebereinstimmung der Menschen legte dem Silber, wegen seiner Quali-Öüten,
 die es zum Geld geeignet machten, einen imaginären Wert bei.“
Dagegen Law: „Wie könnten verschiedene Nationen irgendeiner Sache
nen imaginären Wert geben ... oder wie hätte sich dieser imaginäre
Wert erhalten können?“ Wie wenig er selbst aber von. der Sache verstand:
„Das Silber tauschte sich aus nach dem Gebrauchswert, den es hatte, also
aach seinem wirklichen Wert; durch seine Bestimmung als Geld erhielt es
nen zuschüssigen Wert (une valeur additionelle).“ („Jean Law: „Considerations
Sur le numö6raire et le commerce“ in E. Daires Edit. der „Economistes
Financiers qu XVII sisele“, p. 470.)
b *7 „Das Geld ist das Zeichen dafür (für Waren).“ (V. de For-Önnais:
 „El&amp;amp;ments du Commerce. Nouv. Edit. Leyde 1766“, vol. II, p. 143.)
a Zeichen wird es von den Waren angezogen.“ (Ebenda, S. 155.) „Das
4 eld ist das Zeichen für eine Sache und vertritt sie.“ (Montesquieu: „Esprit
ze Lois. Oeuvres, London 1767“, vol. II, p. 2.) „Das Geld ist nicht bloßes
4 Sichen, denn es ist selbst Reichtum; es vertritt nicht die Werte, es ist
U Wert.“ (Le Trosne: „De YInteret Social“, p. 910.) „Betrachtet man
©n Begriff des Wertes, so wird die Sache selbst nur als ein Zeichen an-Sesehen,
 und sie gilt nicht als sie selber, sondern als was sie wert ist.“
(Hegel: „Philosophie des Rechtes“, S. 100.) Lange vor den Oekonomen
n achten die Juristen die Vorstellung von Geld als bloßem Zeichen und dem
en imaginären Wert der edien Metalle in Schwung, im Lakaiendienst
On königlichen Gewalt, deren Münzverfälschungsrecht sie das ganze Mittel-G
 er hindurch auf die Traditionen des römischen Kaiserreichs und die
eldbegriffe der Pandekten stützten. „Niemand kann und darf bezweifeln.“
        <pb n="99" />
        54

Erster Abschnitt,

welche Sachen, oder die sachlichen Charaktere, welche gesellschaftliche
 Bestimmungen der Arbeit auf Grundlage einer bestimmten
Produktionsweise erhalten, für bloße Zeichen, erklärt man sie zugleich
 für willkürliches Produkt des Nachdenkens der Menschen, sanktioniert
 durch die sozusagen allgemeine Zustimmung der Menschheit.
Es war dies beliebte Aufklärungsmanier des 18. Jahrhunderts, um
den rätselhaften Gestalten menschlicher Verhältnisse, deren Entstehungsprozeß
 man noch nicht entziffern konnte, wenigstens vorläufig
 den Schein der Fremdheit abzustreifen. Da man noch nicht
den Ursprung und die Entwicklung der rätselhaften Formen der
gesellschaftlichen Verhältnisse aufzudecken wußte, suchte man ihnen
den wunderbaren Charakter dadurch zu nehmen, daß man erklärte,
zie seien menschliche Erfindung und nicht vom Himmel gefallen.
Es wurde vorhin bemerkt, daß die Aequivalentform einer Ware
die quantitative Bestimmung ihrer Wertgröße nicht einschließt.
Weiß man, daß Gold Geld, daher mit allen andern Waren unmittelbar
 austauschbar ist, so weiß man deswegen nicht, wieviel zum
Beispiel 10 Pfund Gold wert sind. Wie jede Ware kann das Gold
seine eigene Wertgröße nur relativ in andern Waren ausdrücken.
Sein eigener Wert ist bestimmt durch die zu seiner Produktion
erheischte Arbeitszeit und drückt sich in dem Quantum jeder andern
Ware aus, worin gleichviel Arbeitszeit geronnen ist.*® Diese Festsetzung
 seiner relativen Wertgröße findet statt an seiner Produktionsquelle
 in unmittelbarem Tauschhandel. Sobald es als Geld in die
Zirkulation eintritt, ist sein Wert bereits gegeben. Wenn es schon
in den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts weit überschrittener
Anfang der Geldanalyse, zu wissen, daß Geld Ware ist, so aber
sagt ihr gelehriger Schüler, Philipp v. Valois [als König von Frankreich
Philipp VI.], in einem Dekret von 1346, „daß Uns und Unserer Königlichen
 Majestät allein zusteht . . . das Geschäft, . die Ausprägung, der
Zustand, der Vorrat und jegliche Verordnung der Münze, sie in Umlauf
 zu setzen und ihren Wert zu bestimmen, wie es Uns gefällt und
gut dünkt.“ Es war römisches Rechtsdogma, daß der Kaiser den Geldwert
 dekretiert. Es war ausdrücklich verboten, das Geld als Ware
zu behandeln. „Geld zu handeln soll niemand erlaubt sein; denn was
für den Öffentlichen Gebrauch bestimmt ist, darf nicht zur Ware
werden.“ Gute Auseinandersetzung hierüber von 6. F. Pagnini: „Saggio
sopra il giusto pregio delle cose. 1751“, bei Custodi, Parte Moderna, vol. 11.
Namentlich im zweiten Teil der Schrift polemisiert Pagnini gegen die
Herren Juristen,
* „Wenn jemand eine Unze Silber aus den Bergwerken in Peru in
derselben Zeit nach London bringen kann, die er brauchen würde, um
ein Bushel Korn zu produzieren, dann ist das eine der Natürliche Preis des
andern; wenn nun neue, ergiebigere Bergwerke in Angriff genommen und
infolgedessen zwei Unzen Silber mit derselben Mühe gewonnen werden,
wie vorher eine, wird das Korn nun bei einem Preis von 10 Shilling für
das Bushel ebenso wohlfeil sein, wie vorher bei einem Preis von 5 Shilling,
wenn die übrigen Umstände unverändert geblieben sind.“ (William Petty:
„A Treatise on Taxes and Contributions. London 1667“, p. 31.)
        <pb n="100" />
        Zweites Kapitel.

55

auch nur der Anfang. Die Schwierigkeit liegt nicht darin, zu
begreifen, daß Geld Ware, sondern wie, warum, wodurch Ware
Geld ist.*
Wir sahen, wie schon in dem einfachsten Wertausdruck,
x Ware A — y Ware B, das Ding, vorin die Wertgröße eines
andern Dinges dargestellt wird, seine Aequivalentform unabhängig
von dieser Beziehung als gesellschaftliche Natureigenschaft zu
besitzen scheint. Wir verfolgten die Befestigung dieses falschen
Scheins. Er ist vollendet, sobald die allgemeine Aequivalentiorm
mit der Naturalform einer besonderen Warenart verwachsen oder
zur Geldform kristallisiert ist. Eine Ware scheint nicht erst Geld
zu werden, weil die andern Waren allseitig ihre Werte in ihr
darstellen, sondern sie scheinen umgekehrt allgemein ihre Werte
In ihr darzustellen, weil sie Geld ist. Die vermittelnde Bewegung
verschwindet in ihrem eigenen Resultat und läßt keine Spur zurück.
Ohne ihr Zutun finden die Waren ihre eigene Wertgestalt fertig
vor als einen außer und neben ihnen existierenden Warenkörper.
Diese Dinge, Gold und Silber, wie sie aus den Eingeweiden der
Erde herauskommen, sind zugleich die unmittelbare Inkarnation
[Verkörperung] aller menschlichen Arbeit. Daher die Magie des
Geldes, Das bloß atomistische Verhalten der Menschen in ihrem
Besellschaftlichen Produktionsprozeß und daher die von ihrer Kontrolle
 und ihrem bewußten individuellen Tun unabhängige, sachliche
Gestalt ihrer eigenen Produktionsverhältnisse erscheinen zunächst
darin, daß ihre Arbeitsprodukte allgemein die Warenform annehmen,
Das Rätsel des Geldfetischs ist daher nur das sichtbar gewordene,
die Augen blendende Rätsel des Warenfetischs.

. % Nachdem Herr Professor Roscher uns belehrt: „Die falschen Definitionen
 von Geld lassen sich in zwei Hauptgruppen teilen: solche, die es für
Mehr, und solche, die es für weniger halten als eine Ware“, folgt ein kunterbunter
 Katalog von Schriften über das Geldwesen, wodurch auch nicht
die entfernteste Einsicht in die wirkliche Geschichte der Theorie durch-Schimmert,
 und dann die Moral: „Zu leugnen ist übrigens nicht, daß die
Meisten neueren Nationalökonomen die Eigentümlichkeiten, weiche das Geld
“On andern. Waren unterscheiden (also doch mehr oder weniger als Ware?),
Nicht genug im Auge behalten haben . . . Insofern ist die halbmerkantilistische
 Reaktion von Ganilh usw. nicht ganz unbegründet.“ (Wilhelm
Roscher: „Die Grundlagen der Nationalökonomie. 3. Auflage, 1858“, S. 207
bis 210, Mehr — weniger — nicht genug — insofern — nicht ganz! Welche
Begriffsbestimmungen! Und dergleichen eklektische Professoralfaselei tauft
Herr Roscher bescheiden „die anatomisch-physiologische Methode“ der
Politischen Oekonomie! Eine Entdeckung ist ihm jedoch geschuldet, nämlich,
 daß Geld „eine angenehme Ware“ ist
        <pb n="101" />
        Erster Abschnitt

Drittes Kapitel
Das Geld oder die Warenzirkulation.
1. Maß der Werte.
Ich setze überall in dieser Schrift, der Vereinfachung halber.
Gold als die Geldware voraus.
Die erste Funktion des Goldes besteht darin, der Warenwell
das Material ihres Wertausdrucks zu liefern oder die Warenwerte
als gleichnamige Größen, qualitativ gleiche und quantitativ vergleichbare,
 darzustellen. So funktioniert es als allgemeines Maß
der Werte, und nur durch diese Funktion wird Gold, die spezifische
Aequivalentware, zunächst Geld.
Die Waren werden nicht durch das Geld kommensurabel [mit
gleichem Maß meßbar]. Umgekehrt. Weil alle Waren als Werte
vergegenständlichte menschliche Arbeit, daher an und für sich
kommensurabel sind, können sie ihre Werte gemeinschaftlich in
derselben spezifischen [besonderen] Ware messen und diese dadurch
in ihr gemeinschaftliches Wertmaß oder Geld verwandeln. Geld
als Wertmaß ist notwendige Erscheinungsform des immanenten
[ihnen innewohnenden] Wertmaßes der Waren, der Arbeitszeit.”
Der Wertausdruck einer Ware in Gold — x Ware A — y Geldware
 — ist ihre Geldform oder ihr Preis. Eine vereinzelte
Gleichung, wie 1 Tonne Eisen — 2 Unzen Gold, genügt jetzt, um
den Eisenwert gesellschaftlich gültig darzustellen. Die Gleichung
braucht nicht länger in Reih und Glied mit den Wertgleichungen
der andern Waren aufzumarschieren, weil die Aequivalentware,
das Gold, bereits den Charakter von Geld besitzt. Die allgemeine
relative Wertform der Waren hat daher jeizt wieder die Gestalt
ihrer ursprünglichen, einfachen oder einzelnen relativen Wertform.
Anderseits wird der entfaltete relative Wertausdruck oder die end-50

 Die Frage, warum das Geld nicht unmittelbar die Arbeitszeit selbst
repräsentiert, so daß zum Beispiel eine Papiernote etwa zwei Arbeitsstunden
 vorstellt, kommt ganz einfach auf die Frage heraus, warum auf
Grundlage der Warenproduktion die Arbeitsprodukte sich als Waren darstellen
 müssen, denn die Darstellung der Ware schließt ihre Verdoppelung
in Ware und Geldware ein. Oder warum Privatarbeit nicht als unmittelbar
gesellschaftliche Arbeit, als ihr Gegenteil, behandelt werden kann. Ich habe
den seichten Utopismus eines „Arbeitsgeldes“ auf Grundlage der Warenproduktion
 anderswo ausführlich erörtert. („Zur Kritik der Politischen Oekonomie“,
 S, 61 ff.) [Stuttgarter Ausgabe S. 70 ff.] Hier sei noch bemerkt,
daß zum Beispiel das Owensche „Arbeitsgeld‘“ ebensowenig „Geld“ ist, wie
etwa eine Theatermarke. Owen setzt unmittelbar vergesellschaftete Arbeit
voraus, eine der Warenproduktion diametral entgegengesetzte Produktionsform.
 Das Arbeitszertifikat konstatiert nur den individuellen Anteil des
Produzenten an der Gemeinarbeit und seinen individuellen Anspruch auf den
zur Konsumtion bestimmten Teil des Gemeinprodukts. Aber es fällt Owen
nicht ein, die Warenproduktion vorauszusetzen und dennoch ihre notwendigen
Bedingungen durch Geldpfuschereien umgehen zu wollen.
        <pb n="102" />
        Drittes Kapitel.

57

lose Reihe relativer Wertausdrücke zur spezifisch relativen Wertform
 der Geldware. Diese Reihe ist aber jetzt schon gesellschaftlich
gegeben in den Warenpreisen. Man lese die Notierungen einer
Preisliste rückwärts, und man findet die Wertgröße des Geldes
In allen möglichen Waren dargestellt. Geld hat dagegen keinen
Preis, Um an dieser einheitlichen relativen Wertform der andern
Waren teilzunehmen, müßte es auf sich selbst als sein eigenes
Aequivalent bezogen werden.
Der Preis oder die Geldform der Waren ist, wie ihre Wertform
 überhaupt, eine von ihrer handgreiflich reellen Körperform
Unterschiedene, also nur ideelle oder vorgestellte Form. Der Wert
von Eisen, Leinwand, Weizen usw. existiert, obgleich unsichtbar,
m diesen Dingen selbst; er wird vorgestellt durch ihre Gleichheit
mit Gold, eine Beziehung zum Gold, die sozusagen nur in ihren
Köpfen spukt. Der Warenhüter muß daher seine Zunge in ihren
Kopf stecken oder ihnen Papierzettel umhängen, um ihre Preise
der Außenwelt mitzuteilen.! Da der Ausdruck der Warenwerte
In Gold ideell ist, ist zu dieser Operation auch nur vorgestelltes oder
ldeelles Gold anwendbar. Jeder Warenhüter weiß, daß er seine
Waren noch lange nicht vergoldet, wenn er ihrem Wert die Form
des Preises oder vorgestellte Goldform gibt, und daß er kein
Quentchen wirkliches Gold braucht, um Millionen Warenwerte in
Gold zu schätzen. In seiner Funktion des Wertmaßes dient das Geld
daher — als nur vorgestelltes oder ideelles Geld. Dieser Umstand
hat die tollsten Theorien veranlaßt.®® Obgleich nur vorgestelltes
Geld zur Funktion des Wertmaßes dient, hängt der Preis ganz vom
reellen Geldmaterial ab. Der Wert, das heißt das Quantum menschlicher
 Arbeit, das zum Beispiel in einer Tonne Eisen enthalten ist,
Wird ausgedrückt in einem vorgestellten Quantum der Geldware,
Welches gleichviel Arbeit enthält. Je nachdem also Gold, Silber
öder Kupfer zum Wertmaß dienen, erhält der Wert der Tonne Fisen

„A

' 4 Der Wilde oder Halbwilde braucht die Zunge anders, Kapitän Parry
bemerkt zum Beispiel von den Bewohnern an der Westküste der Baffinsbay:
„In diesem Falle (beim Produktenaustausch) ... beleckten sie es (das ihnen
Angebotene) zweimal mit der Zunge; damit schienen sie das Geschäft als zu
Ihrer Zufriedenheit abgeschlossen zu beirachten.“ Ebenso beleckte bei den
Östlichen Eskimos der Eintauscher jedesmal den Artikel beim Empfang des-Selben.
 Wenn die Zunge so im Norden als Organ der Aneignung, ist es kein
Wunder, daß der Bauch im Süden als Organ des akkumulierten Eigentums
8ilt und der Kaffer den Reichtum eines Mannes nach seinem Fettwanst
Schätzt, Die Kaffern sind grundgescheute Kerle, denn während der offizielle
britische Gesundheitsbericht von 1864 den Mangel eines großen Teiles der
Arbeiterklasse an fettbildenden Substanzen beklagt, machte ein Dr. Harvey;
der jedoch nicht die Blutzirkulation erfunden hat, in demselben Jahre sein
Glück durch marktschreierische Rezepte, die der Bourgeoisie und Aristo-Kratie
 Fettüberflusseslast abzutreiben versprachen. |
** Siehe Karl Marx: „Zur Kritik der Politischen Oekonomie“: „Theorien
von der Maßeinheit des Geldes“, S, 53 ff. [Stuttgarter Ausgabe S. 61 {£.7
        <pb n="103" />
        38

Erster Abschnitt.

ganz verschiedene Preisausdrücke, oder wird in ganz verschiedenen
Quantitäten Gold, Silber oder Kupfer vorgestellt.
Dienen daher zwei verschiedene Waren, zum Beispiel Gold und
Silber, gleichzeitig als Wertmaße, so besitzen alle Waren zweierlei
verschiedene Preisausdrücke, Goldpreise und Silberpreise, die ruhig
nebeneinander laufen, solange das Wertverhältnis von Silber zu
Gold unverändert bleibt, zum Beispiel — 1:15. Jede Veränderung
 dieses Wertverhältnisses stört aber das Verhältnis zwischen
den Goldpreisen und den Silberpreisen der Waren, und beweist so
tatsächlich, daß die Verdoppelung des Wertmaßes seiner Funktion
widerspricht.®
Die preisbestimmten Waren stellen sich alle dar in der Form:
a Ware A — x Gold; b Ware B — z Gold; ce Ware C == y Gold usw.,
wo a, b, c bestimmte Massen der Warenarten A, B, C vorstellen,
x, z, y bestimmte Massen Goldes. . Die Warenwerte sind daher
verwandelt in vorgestellte Goldquahta von verschiedener Größe,
also trotz der wirren Buntheit der Warenkörper in gleichnamige

3 Note zur 2. Ausgabe. „Wo Gold und Silber gesetzlich als Geld, das
heißt als Wertmaß nebeneinander bestehen, ist stets der vergebliche Versuch
gemacht worden, sie als eine und dieselbe Materie zu behandeln. Unterstellt
 man, daß dieselbe Arbeitszeit sich unveränderlich in derselben Proportion
 von Silber und Gold vergegenständlichen muß, so unterstellt man
in der Tat, daß Silber und Gold dieselbe Materie sind, und daß eine bestimmte
 Masse des minder wertvollen Metalls, des Silbers, den unveränderlichen
 Bruchteil einer bestimmten Goldmasse bildet. Von der Regierung
Edwards II. bis zur Zeit von Georg If. verläuft sich die Geschichte des
englischen Geldwesens in eine fortlaufende Reihe von Störungen, hervorgehend
 aus der Kollision zwischen der gesetzlichen Festsetzung des Wertverhältnisses
 von Gold und Silber und ihren wirklichen Wertschwankungen.
Bald war Gold zu hoch geschätzt, bald Silber. Das zu niedrig geschätzte
Metall wurde der Zirkulation entzogen, umgeschmolzen und exportiert. Das
Wertverhältnis beider Metalle wurde dann wieder gesetzlich verändert,
aber der neue Nominalwert trat bald mit dem wirklichen Wertverhältnis in
denselben Konflikt wie der alte. — In unserer eigenen Zeit hat der sehr
schwache und vorübergehende Fall im Wert von Gold gegen Silber infolge
der indisch-chinesischen Silbernachfrage dasselbe Phänomen auf der größten
Stufenleiter in Frankreich erzeugt, Ausfuhr von Silber und seine Vertreibung
aus der Zirkulation durch Gold. Während der Jahre 1855, 1856, 1857 betrug
der Ueberschuß der Goldeinfuhr in Frankreich über die Goldausfuhr aus
Frankreich 41 580 000 Pfd. Sterl., während der Ueberschuß der Silberausfuhr
über die Silbereinfuhr 14 704 000 Pfd. Sterl. betrug. In der Tat, in Ländern,
wo beide Metalle gesetzliche Wertmaße sind, daher beide in Zahlung angenommen
 werden müssen, jeder aber beliebig in Silber oder Gold zahlen
kann, trägt das im Wert steigende Metall ein Agio und mißt wie jede andere
Ware seinen Preis in dem überschätzten Metall, während letzteres allein
als Wertmaß dient. Alle geschichtliche Erfahrung in diesem Gebiet reduziert
 sich einfach darauf, daß, wo gesetzlich zwei Waren die Funktion des
Wertmaßes versehen, faktisch immer nur eine als solches den Platz behauptet.‘“
 (Karl Marz: „Zur Kritik der Politischen Oekonomie“, S. 52, 53.)
"Stuttgarter Ausgabe S. 59, 60.]
        <pb n="104" />
        Drittes Kapitel.

59

Größen, Goldgrößen. Als solche verschiedene Goldquanta vergleichen
 und messen sie sich untereinander, und es entwickelt sich
technisch die Notwendigkeit, sie auf ein fixiertes Quantum Gold als
ihre Maßeinheit zu beziehen. Diese Maßeinheit selbst wird durch
Weitere Einteilung in aliquote Teile®* zum Maßstab fortent-Wickelt.
 Vor ihrer Geldwerdung besitzen Gold, Silber, Kupfer
bereits solche Maßstäbe in ihren Metallgewichten, so daß zum Bei-Spiel
 1 Pfund als Maßeinheit dient, und nach der einen Seite wieder
 Unzen usw. abgeteilt, nach der andern in Zentner usw. zusammenaddiert
 wird.** Bei aller metallischen Zirkulation bilden daher die
Yorgefundenen Namen des Gewichtsmaßstabes auch die ursprünglichen
 Namen des Geldmaßstabes oder Maßstabes der Preise.
Als Maß der Werte und als Maßstab der Preise verrichtet das
Geld zwei ganz verschiedene Funktionen. Maß der Werte ist es
als die gesellschaftliche Inkarnation der menschlichen Arbeit, Maß-Slab
 der Preise als ein festgesetztes Metallgewicht. Als Wertmaß
dient es dazu, die Werte der bunt verschiedenen Waren in Preise zu
Verwandeln, in vorgestellte Goldquanta; als Maßstab der Preise
Mißt es diese Goldquanta. Am Maß der Werte messen sich die
Waren als Werte, der Maßstab der Preise mißt dagegen Goldquanta
an einem Goldquantum, nicht den Wert eines Goldquantums am
Gewicht des andern. Für den Maßstab der Preise muß ein be-Stimmtes
 Goldgewicht als Maßeinheit fixiert werden. Hier, wie in
allen andern Maßbestimmungen gleichnamiger Größen, wird die
Festigkeit der Maßverhältnisse entscheidend. Der Maßstab der
P Teise erfüllt daher seine Funktion um so besser, je unveränderlicher
 ein und dasselbe Quantum Gold als Maßeinheit dient. Als
Maß der Werte kann Gold nur dienen, weil es selbst Arbeitsprodukt,
also der Möglichkeit nach ein veränderlicher Wert ist.®
Es ist zunächst klar, daß ein Wertwechsel des Goldes seine
F ünktion als Maßstab der Preise in keiner Weise beeinträchtigt.
Wie auch der Goldwert wechsle, verschiedene Goldauanta bleiben

... 58 Aliquote Teile einer Größe sind solche ihrer Teile, durch die sie
Sch ohne Rest dividieren läßt. So sind zum Beispiel 2 und 3 aliquote Teile
von 6, E, .
4 Noto zur 2. Ausgabe. Die Sonderbarkeit, daß die Unze Gold in England
 als Einheit des Geldmaßstabs nicht in aliquote Teile abgeteilt ist, erklärt
 Sich wie folgt: „Unsere Münze war ursprünglich nur für die Verwen-Jung
 von Silber eingerichtet, daher kann eine Unze Silber stets in eine be-SUmmte
 Sntsprechende Zahl von Geldstücken ausgeprägt werden; da aber
Gold Srst zu einer späteren Zeit zur Ausmünzung gelangte, während der
Münzfuß bloß dem Silber angepaßt war, kann eine Unze Gold nicht in eine
“Msprechende Zahl von Geldstücken ausgeprägt werden.“ (Maclaren: „History
°£ the Currency. London 1858“, p. 16.) .
® Note zur 2. Ausgabe, In englischen Schriften ist die Konfusion über
Maß der Werte (measure of value) und Maßstab der Preise {standard of
Value) unsäglich. Die Funktionen und daher ihre Namen werden beständig
“erwechselt.
        <pb n="105" />
        Erster Abschnitt
stets im selben Wertverhältnis zueinander. Fiele der Goldwert um
1000 pZt., so würden nach wie vor 12 Unzen Gold zwölfmal mehr
Wert besitzen als 1 Unze Gold, und in den Preisen handelt es
sich nur um das Verhältnis verschiedener Goldquanta zueinander.
Da anderseits 1 Unze Gold mit dem Fallen oder Steigen ihres
Wertes keineswegs ihr Gewicht verändert, verändert sich ebensowenig
 das ihrer aliquoten Teile, und so tut das Gold als fixer Maßstab
 der Preise stets denselben Dienst, wie immer sein Wert wechsle.
Der Wertwechsel des Goldes verhindert auch nicht seine Funktion
 als Wertmaß. Er trifit alle Waren gleichzeitig, läßt also, unter
sonst gleichen Verhältnissen, ihre wechselseitigen relativen Werte
unverändert, obgleich sie sich nun alle in höheren oder niedrigeren
Goldpreisen als zuvor ausdrücken.
Wie bei der Darstellung des Wertes einer Ware im Gebrauchswert
 irgendeiner andern Ware, ist auch bei der Schätzung der
Waren in Gold nur vorausgesetzt, daß zur gegebenen Zeit die Produktion
 eines bestimmten Goldquantums ein gegebenes Quantum
Arbeit kostet. In bezug auf die Bewegung der Warenpreise überhaupt
 gelten die früher entwickelten Gesetze des einfachen relativen
Wertausdruckes.
Die Warenpreise können nur allgemein steigen, bei gleich
bleibendem Geldwert, wenn die Warenwerte steigen; bei gleich
bleibenden Warenwerten, wenn der Geldwert fällt. Umgekehrt
Die Warenpreise können nur allgemein fallen bei gleichbleibendem
Geldwert, wenn die Warenwerte fallen; bei gleichbleibenden Warenwerten,
 wenn der Geldwert steigt. Es folgt daher keineswegs, daß
steigender Geldwert proportionelles Sinken der Warenpreise und
fallender Geldwert proportionelles Steigen der Warenpreise bedingt.
 Dieses gilt nur für Waren von unverändertem Wert. Solche
Waren zum Beispiel, deren Wert gleichmäßig und gleichzeitig steigl
mit dem Geldwert, behalten dieselben Preise. Steigt ihr Werl
langsamer oder rascher als der Geldwert, so wird der Fall oder da®
Steigen ihrer Preise bestimmt durch die Differenz zwischen ihrer
Wertbewegung und der des Geldes usw.
Kehren wir nun zur Betrachtung der Preisform zurück.
Wir haben gesehen, daß die herkömmlichen Namen des Gewichts
maßstabes und seiner Unterabteilungen auch die ursprüngliche?
Namen des Geldmaßstabes bilden. Nach und nach trennen sich die
Geldnamen der Metallgewichte von ihren ursprünglichen Gewichts
namen aus verschiedenen Gründen, darunter historisch ent
scheidend: 1. Einführung fremden Geldes bei minder entwickelten
Völkern, wie zum Beispiel im alten Rom Silber- und Goldmünzel
zuerst als ausländische Waren zirkulierten. Die Namen diese‘
55a „Das Geld kann fortwährend in seinem Werte schwanken und dennoch
als Maßstab des Wertes ebensogut dienen, wie wenn es vollkomme?
unverändert bliebe.“ (Bailey: „Money and its Vicissitudes. London 1887”)
p. 11.)
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Drittes Kapitel.

61

fremden Geldes sind von den einheimischen Gewichtsnamen verschieden.
 2. Mit der Entwicklung des Reichtums wird das minder
Sdle Metall durch das edliere aus der Funktion des Wertmaßes verdrängt,
 Kupfer durch Silber, Silber durch Gold, so sehr diese Reihenfolge
 aller poetischen Chronologie widersprechen mag.” Pfund war
dun zum Beispiel Geldname für ein wirkliches Pfund Silber. Sobald
 Gold das Silber als Wertmaß verdrängt, hängt sich derselbe
Name vielleicht an 1, usw. Pfund Gold, je nach dem Wertverhältnis
 von Gold und Silber, Pfund als Geldname und als ge-Wöhnlicher
 Gewichtsname des Goldes sind jetzt getrennt.” 3. Die
Jahrhunderte fortgesetzte Geldfälschung der Fürsten, welche vom
ursprünglichen Gewicht der Geldmünzen in der Tat nur den Namen
ZUrückließ.s8

Diese historischen Prozesse machen die Trennung des Geldüamens
 der Metallgewichte von ihrem gewöhnlichen Gewichtsnamen
zur Volksgewohnheit. Da der Geldmaßstab einerseits rein konventionell
 ist, anderseits allgemeiner Gültigkeit bedarf, wird er
letzt gesetzlich reguliert. Ein bestimmter Gewichtsteil des edlen
Metalles, zum Beispiel 1 Unze Gold, wird offiziell abgeteilt in
aliquote Teile, die legale Taufnamen erhalten, wie Pfund, Taler usw.
Solcher aliquote Teil, der dann als die eigentliche Maßeinheit des
Geldes gilt, wird untergeteilt in andere aliquote Teile mit gesetzlichen
 Taufnamen wie Shilling, Penny usw.” Nach wie vor bleiben
bestimmte Metallgewichte Maßstab des Metallgeldes. Was sich
Seändert, ist Einteilung und Namengebung.
., Die Preise, oder die Goldquanta, worin die Werte der Waren
ideell verwandelt sind, werden jetzt also ausgedrückt in den Geldlamen
 oder gesetzlich gültigen Rechennamen des Geldmaßstabes.
Statt also zu sagen, der Quarter Weizen ist gleich einer Unze Gold,
Würde man in England sagen, er ist gleich 3 Pfd. Sterl. 17 Shilling

56 Sie ist übrigens auch nicht von allgemein historischer Gültigkeit.
‚, 7 Note zur 2. Ausgabe. „Jene Geldsorten, deren Benennung nur noch
ideell ist, sind bei allen Völkern die ältesten. Jede war einmal realer
Natur (Diese letztere Bemerkung trifft ziemlich häufig nicht zu. Marx) und
&amp;amp;trade weil sie realer Natur waren, dienten sie als Rechengeld.“ (Galiuni,
„»Della Moneta“, p. 153.) [In den früheren deutschen Ausgaben des „Kapi-41“
 sind die Noten 57 und 58 vertauscht. K.]
5 Note zur 2. Ausgabe. So bezeichnet das englische Pfund weniger
NN "a seines ursprünglichen Gewichts, das schottische Pfund vor der
ion nur noch !/se, der französische Livre !/z1, der spanische Maravedi
Weniger als */ı000, der portugiesische Rei eine noch viel kleinere Proportion.
5® Note zur 2. Ausgabe. Herr David Urquhart bemerkt in seinen
‚Bamiliar Words“ über das Ungeheuerliche (!), daß heutzutage ein Pfund
N Id, Sterling), die Einheit des englischen Geldmaßstabs, gleich ungefähr
u nze Gold ist: „Das heißt ein Maß fälschen, nicht einen Maßstab
üb Stellen.“ Er findet in dieser „falschen Benennung“ des Goldgewichts wie
Srall sonst die fälschende Hand der Zivilisation.
        <pb n="107" />
        62
10% Pence. Die Waren sagen sich so in ihren Geldnamen, was sie
wert sind, und das Geld dient als Rechengeld, so oft es gilt, eine
Sache als Wert und daher in Geldform zu fixieren.®
Der Name einer Sache ist ihrer Natur ganz äußerlich. Ich weiß
nichts vom Menschen, wenn ich weiß, daß ein Mensch Jakobus
heißt. Ebenso verschwindet in den Geldnamen Pfund, Taler, Frank,
Dukaten usw. jede Spur des Wertverhältnisses. Die Wirre über
den Geheimsinn dieser kabbalistischen Zeichen ist um so größer,
als die Geldnamen den Wert der Waren und zugleich aliquote Teile
eines Metallgewichts, des Geldmaßstabes, ausdrücken.*! Anderseits
 ist es notwendig, daß der Wert im Unterschied von den bunten
Körpern der Warenwelt sich zu dieser begriffslos sachlichen, aber
auch einfach gesellschaftlichen Form fortentwickle.®?
Der Preis ist der Geldname der in der Ware vergegenständlichten
 Arbeit. Die Aequivalenz der Ware und des Geldquantums,
dessen Name ihr Preis ist, ist daher eine Tautologie,® wie ja überhaupt
 der relative Wertausdruck einer Ware stets der Ausdruck der

Erster Abschnitt.

0 Note zur 2. Ausgabe. „Als man den Anacharsis fragte, wozu die
Hellenen das Geld brauchen, antwortete er: zum Rechnen.“ (Alhenaeus:
„Deipnosophistai‘“, 1, IV, 49 v. 2. ed. Schweighäuser, 1802.)
$1 Note zur 2. Ausgabe. „Weil das Gold als Maßstab der Preise in denselben
 Rechennamen erscheint, wie die Warenpreise, also zum Beispiel eine
Unze Gold ebensowohl wie der Wert einer Tonne Eisen in 3 Pfd. Sterl.
17 Shilling 10*/2 Pence ausgedrückt wird, hat man diese seine Rechennamen
seinen Münzpreis genannt. Die wunderliche Vorstellung entstand daher, als
ob das Gold (respektive Silber) in seinem eigenen Material geschätzt werde
und im Unterschied von allen Waren von Staatswegen einen fixen Preis erhalte.
 Man versah die Fixierung von Rechennamen bestimmter Goldgewichte
für Fixierung des Wertes dieser Gewichte.“ (Karl Marz: „Zur Kritik der
Politischen Oekonomie“, S. 52.) [Stuttgarter Ausgabe S. 59.]
% Vgl. „Theorien von der Maßeinheit des Geldes“ in „Zur Kritik der
Politischen Oekonomie“, S. 53 ff., Stuttgarter Ausgabe S. 61 ff. Die
Phantasien über Erhöhung oder Erniedrigung des „Münzpreises‘“, die
darin besteht, die gesetzlichen Geldnamen für gesetzlich fixierte
Gewichtsteile Gold oder Silber auf größere oder kleinere Gewichtsteile
 von Staats wegen zu übertragen und demgemäß auch etwa 1/4 Unze
Gold statt in 20 künftig in 40 Shilling zu prägen — diese Phantasien,
soweit sie nicht ungeschickte Finanzoperationen gegen Staats- und
Privatgläubiger, sondern Ökonomische „Wunderkuren“ bezwecken, hal
Petty so erschöpfend behandelt in „Quantulumeumque concerning Money. To
Ihe Lord Marquis of Halifax. 1682“, daß schon seine unmittelbaren Nachfolger,
 Sir Dudley North und John Locke, von späteren gar nicht zu reden,
ihn nur verflachen konnten. „Wenn der Reichtum einer Nation,“ sagt er
anter anderm, „durch eine königliche Verfügung verzehnfacht werden
könnte, wäre es befremdlich, daß solche Verfügungen nicht schon längst von
unsern Regierungen erlassen worden sind.“ (In dem eben zitierten Werke;
S. 36.)
% „Oder man muß sich entschließen zu sagen, daß eine Million in Geld
mehr wert ist als derselbe Wert in Waren“ (Le Trosne: „De 1’Interet Social“
p. 922), also „daß ein Wert mehr wert ist als ein gleicher Wert“,
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31

Drittes Kapitel.
Aequivalenz zweier Waren ist. Wenn aber der Preis als Exponent
[Anzeiger] der Wertgröße der Ware Exponent ihres Austauschverhälthisses
 mit Geld, so folgt nicht umgekehrt, daß der Exponent ihres
Austauschverhältnisses mit Geld notwendig der Exponent ihrer Wertgröße
 ist. Gesellschaftlich notwendige Arbeit von gleicher Größe stelle
Sich in 1 Quarter Weizen und in 2 Pfd. Sterl. (ungefähr 1, Unze
Gold) dar. Die 2 Pfd. Sterl. sind Geldausdruck der Wertgröße des
Quarters Weizen, oder sein Preis. Erlauben nun die Umstände,
ihn zu 3 Pfd. Sterl, oder zwingen sie, ihn zu 1 Pfd. Sterl. zu
Nofieren, so sind 1 Pfd. Sterl. und 3 Pfd. Sterl. als Ausdrücke der
Wertgröße des Weizens zu klein oder zu groß, aber sie sind
dennoch Preise desselben, denn erstens sind sie seine Wertform,
 Geld, und zweitens Exponenten seines Austauschverhält-Nisses
 mit Geld. Bei gleichbleibenden. Produktionsbedingungen
Oder gleichbleibender Produktivkraft der Arbeit muß nach wie
vor zur Reproduktion des Quarters Weizen gleichviel gesell-Schaftliche
 Arbeitszeit verausgabt werden. Dieser Umstand hängt
Weder vom Willen des Weizenproduzenten noch von dem der andern
Warenbesitzer ab. Die Wertgröße der Ware drückt also ein
Notwendiges, ihrem Bildungsprozeß immanentes Verhältnis zur
Sesellschaftlichen Arbeitszeit aus. Mit der Verwandlung der Wert-8röße
 in Preis erscheint dies notwendige Verhältnis als Austauschverhältnis
 einer Ware mit der außer ihr existierenden Geldware.
In diesem Verhältnis kann sich aber ebensowohl die Wertgröße der
Ware ausdrücken, wie das Mehr oder Minder, worin sie unter gegebenen
 Umständen veräußerlich ist. Die Möglichkeit quantitativer
Inkongruenz [Nichtübereinstimmung] zwischen Preis und Wertgröße,
Oder der Abweichung des Preises von der Wertgröße, liegt also in
der Preisform selbst. Es ist dies kein Mangel dieser Form, sondern
Macht sie umgekehrt zur adäquaten Form einer Produktionsweise,
Worin sich die Regel nur als blindwirkendes Durchschnittsgesetz
der Regellosigkeit durchsetzen. kann.
. Die Preisform 1äßt jedoch nicht nur die Möglichkeit quantitaliver
 Inkongruenz zwischen Wertgröße und Preis, das heißt zwischen
der Wertgröße und ihrem eigenen Geldausdruck zu, sondern kann
Sinnen qualitativen Widerspruch beherbergen, so daß der Preis über-Saupt
 aufhört, Wertausdruck zu sein, obgleich Geld nur die Wert.
form der Waren ist. Dinge, die an und für sich keine Waren sind,
Zum Beispiel Gewissen, Ehre usw., können ihren Besitzern für Geld
feil sein und so durch ihren Preis die Warenform erhalten. Ein
Ding kann daher formell einen Preis haben, ohne einen Wert zu
haben. Der Preisausdruck wird hier imaginär,®%® wie gewisse Größen
der Mathematik. Anderseits kann auch die imaginäre Preisform,

% Das Wort imaginär ist hier in Anlehnung an einen Ausdruck der
Mathematik gebraucht und kaum zu übersetzen. Am ehesten könnte man
das Wort mit dem Satz wiedergeben, daß der Preisausdruck hier einer
bloßen Vorstellung entspricht. K.
        <pb n="109" />
        54

Erster Abschnitt.

wie zum Beispiel der Preis des unkultivierten Bodens, der keinen
Wert hat, weil keine menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht
ist, ein wirkliches Wertverhältnis oder von ihm abgeleitete Beziehung
verbergen.
Wie die relative Wertform überhaupt, drückt der Preis den
Wert einer Ware, zum Beispiel einer Tonne Eisen, dadurch aus, daß
ein bestimmtes Quantum Aequivalent, zum Beispiel eine Unze Gold,
unmittelbar austauschbar mit Eisen, aber keineswegs umgekehrt,
daß seinerseits das Eisen unmittelbar austauschbar mit Gold ist.
Um also praktisch die Wirkung eines Tauschwerts auszuüben, muß
die Ware ihren natürlichen Leib abstreifen, sich aus nur vorgestelltem
 Gold in wirkliches Gold verwandeln, obgleich diese Transsubstantiation,
 diese Wandlung ihr „saurer“ ankommen mag als dem
Hegelschen „Begriff“ der Uebergang aus der Notwendigkeit in die
Freiheit oder einem Hummer das Sprengen seiner Schale, oder dem
Kirchenvater Hieronymus das Abstreifen des alten Adam.‘** Neben
ihrer reellen Gestalt, Eisen zum Beispiel, kann die Ware im Preise
ideelle Wertgestalt oder vorgestellte Goldgestalt besitzen, aber sie
kann nicht zugleich wirklich Eisen und wirklich Gold sein. Für ihre
Preisgebung genügt es, vorgestelltes Geld ihr gleichzusetzen. Durch
Gold ist sie zu ersetzen, damit sie ihrem Besitzer den Dienst eines
allgemeinen Aequivalents leiste. Träte der Besitzer des Eisens
zum Beispiel dem Besitzer einer weltlustigen Ware gegenüber und
verwiese ihn auf den Eisenpreis, der Geldform sei, so würde der
Weltlustige antworten, wie im Himmel der heilige Petrus dem
Dante, der ihm die Glaubensformeln hergesagt:
„... Gar wohl durchgangen
Ist jetzo Schrot und Korn schon jener Münze,
Doch sprich, ob du sie hast in deiner Börse.“
(Göttliche Komödie, III, 24, 83—85.)
Die Preisform schließt die Veräußerlichkeit der Waren gegen
Geld und die Notwendigkeit dieser Veräußerung ein. Anderseits.
 funktioniert Gold nur als ideelles Wertmaß, weil es sich bereits
 im Austauschprozeß als Geldware umtreibt. Im ideellen Maß
der Werte lauert daher das harte Geld.

2. Zirkulationsmittel.
a) Die Metamorphose der Waren.
Man sah, daß der Austauschprozeß der Waren widersprechende
und einander ausschließende Beziehungen einschließt. Die Entwicklung
 dieses Prozesses, der den Doppelcharakter der Ware als
%** Wenn Hieronymus in seiner Jugend viel mit dem materiellen Fleisch
zu ringen hatte, wie sein Wüstenkampf mit schönen Frauenbildern zeigt, so
im Alter mit dem geistigen Fleisch. „Ich glaubte mich“, sagt er zum Bei
spiel, „im Geist vor dem Weltrichter.“ „Wer bist du?“ fragte eine Stimme:
„Ich bin ein Christ,“ „Du lügst‘“, donnerte der Weltrichter. „Du bist nur
ein Ciceronianer 1“
        <pb n="110" />
        Drittes Kapitel. 65
Gebrauchswert und Tauschwert zur Erscheinung bringt und die
Sonderung der Waren in gemeine Waren und Geldware herbeiführt,
 hebt diese Widersprüche nicht auf, schafit aber die Form,
Worin sie sich bewegen können. Dies ist überhau,„t die Methode,
Wodurch sich wirkliche Widersprüche lösen. . Es ist zum Beispiel
ein Widerspruch, daß ein Körper beständig in einen andern fällt
und ebenso beständig von ihm wegflieht. Die Ellipse ist eine der
Bewegungsformen, worin dieser Widerspruch sich ebensosehr ver-Wirklicht
 als löst.
Soweit der Austauschprozeß Waren aus der Hand, worin sie
Nichtgebrauchswerte, in die Hand überträgt, worin sie Gebrauchs-Werte,
 ist er gesellschaftlicher Stoffwechsel.. Das Produkt einer nützlichen
 Arbeitsweise ersetzt das der andern. Einmal angelangt zur
Stelle, wo sie als Gebrauchswert dient, fällt die Ware in die Sphäre
der Konsumtion aus der Sphäre des Warenaustausches, Letztere
allein interessiert uns hier. Wir haben also den ganzen Prozeß
Nach der Formseite zu betrachten, also nur den Formwechsel oder
die Metamorphose der Waren, welche den gesellschaftlichen Stoff-Wechsel
 vermittelt.
Die durchaus mangelhafte Auffassung dieses Formwechsels ist,
abgesehen von Unklarheit über den Wertbegriff selbst, dem Um-Stand
 geschuldet, daß jeder Formwechsel einer Ware sich voll-%eht
 im Austausch zweier Waren, einer gemeinen Ware und der
Geldware. Hält man an diesem stofflichen Moment, dem Austausch
 von Ware mit Gold, allein fest, so übersieht man gerade,
Was man sehen soll, nämlich was sich mit der Form zuträgt. Man
übersieht, daß Gold als bloße Ware nicht Geld ist, und daß die
indern Waren sich selbst in ihren Preisen auf Gold als ihre eigene
Geldgestalt beziehen.
Die Waren gehen zunächst unvergoldet, unverzuckert, wie der
Kamm ihnen gewachsen ist, in den Austauschprozeß ein. In diesem
3.08 finden wir auf der einen Seite das Gold, auf der andern
elte alle andern brauchbaren Dinge. Auf beiden Seiten finden
din Waren, Einheiten von Gebrauchswert und Tauschwert. Aber
Bor Einheit von Unterschieden stellt sich auf jedem der beiden
bez, umgekehrt dar und stellt dadurch zugleich deren Wechselse
 Chung dar. Die Ware ist reell Gebrauchswert, ihr Wertsieh
 erscheint nur ideell im Preis, der sie auf das gegenüberda
 ©nde Gold als ihre reelle Wertgestalt bezieht. Umgekehrt gilt
Tar Goldmaterial nur als Werimateriatur, Geld. Es ist reell daher
Reiner yert. Sein Gebrauchswert erscheint nur ‚noch ideell in der
üb © der relativen Wertausdrücke, worin es sich auf die gegengestarehenden
 Waren als den Umkreis seiner reellen Gebrauchsdie
 alten bezieht. Diese gegensätzlichen Formen der Waren sind
© wirklichen Bewegungsformen ihres Austauschprozesses.
bek Begleiten wir nun irgendeinen Warenbesitzer, unsern altännten
 Leinweber zum Beispiel, zur Szene des Austausch-Das
 Kapital. I.
        <pb n="111" />
        56

Erster Abschnitt.

prozesses, dem Warenmarkt. Seine Ware, 20 Ellen Leinwand, ist
preisbestimmt. Ihr Preis ist 2 Pfd. Sterl. Er tauscht sie aus gegen
2 Pfd. Sterl. und, Mann von altem Schrot und Korn, tauscht die
2 Pfd. Sterl. wieder aus gegen eine Familienbibel vom selben Preis.
Die- Leinwand, für ihn nur Ware, Weriträger, wird entäußert gegen
Gold, ihre Wertgestalt, und aus dieser Gestalt rückveräußert gegen
eine andere Ware, die Bibel, die aber als Gebrauchsgegenstand ins
Weberhaus wandern und dort Erbauungsbedürfnisse befriedigen
soll. Der Austauschprozeß der Ware vollzieht sich also in zwei
entgegengesetzten und einander ergänzenden Metamorphosen {[Verwandlungen]
 — Verwandlung der Ware in Geld und ihre Rückverwandlung
 aus Geld in Ware.® Die Momente der Waren
metamorphose sind zugleich Handlungen des Warenbesitzers — Verkauf,
 Austausch der Ware mit Geld; Kauf, Austausch des Geldes mit
Ware, und Einheit beider Akte: Verkaufen, um zu kaufen.
Besieht sich der Leinweber nun das Endresultat des Handels,
so besitzt er Bibel statt Leinwand, statt seiner ursprünglichen Ware
eine andere vom selben Werte, aber verschiedener Nützlichkeit. In
gleicher Weise eignet er sich seine andern Lebens- und Produktions
mittel an. Von seinem Standpunkt vermittelt der ganze Prozeß
nur den Austausch seines Arbeitsproduktes mit fremdem Arbeitsprodukt,
 den Produktenaustausch.
Der Austauschprozeß der Ware vollzieht sich also in folgendem
Formwechsel:
Ware — Geld — Ware,
W-— GG -— WW.

Nach ihrem stofflichen Inhalt ist die Bewegung W—W, Aus
tausch von Ware gegen Ware, Stoffwechsel der gesellschaftlichen
Arbeit, in dessen Resultat der Prozeß selbst erlischt.
W-—G. Erste Metamorphose der Ware oder Verkauf. Das
VUeberspringen des Warenwertes aus dem Warenleib in den Geldjeib
 ist, wie ich es anderswo bezeichnet, der Salto mortale [der
Sprung auf Tod und Leben] der Ware. Mißlingt er, so ist. zwar
nicht die Ware geprellt, wohl aber der Warenbesitzer. Die gesell
schaftliche Teilung der Arbeit macht seine Arbeit ebenso eir
seitig als seine Bedürfnisse vielseitig. Eben deswegen dient
ihm sein Produkt nur als Tauschwert, Allgemeine gesellschaft
lich gültige Aequivalentform erhält es aber nur im Geld, und
das Geld befindet sich in fremder Tasche. Um es herauszt“
ziehen, muß die Ware vor allem Gebrauchswert für den Geld
besitzer sein, die auf sie verausgabte Arbeit also in gesellschaftlich

%5 „Nach Heraklit entsteht alles durch Umwandlung aus ... dem Feu&amp;amp;!
und das Feuer aus allem, so wie sich das Gold in Waren und die Ware?
wieder in Gold verwandeln.“ (F. Lassalle: „Die Philosophie Herakleitos de®
Dunkeln. Berlin 1858“, Bd. I, S. 222.) Lassalles Note zu dieser Stelle:
S. 224, N. 8, erklärt das Geld unrichtig für bloßes Wertzeichen.
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Drittes Kapitel.
nützlicher Form verausgabt sein oder sich als Glied der gesell-Schaftlichen
 Teilung der Arbeit bewähren. Aber die Teilung der
Arbeit ist ein naturwüchsiger Produktionsorganismus, dessen Fäden
hinter dem Rücken der Warenproduzenten gewebt wurden und sich
lortweben. Vielleicht ist die Ware Produkt einer neuen Arbeitsweise,
 die ein neu aufgekommenes Bedürfnis zu befriedigen vor-Kibt
 oder auf eigene Faust ein Bedürfnis erst hervorrufen will.
Sestern noch eine Funktion unter den vielen Funktionen eines und
desselben Warenproduzenten, reißt sich eine besondere Arbeits-“Errichtung
 heute vielleicht los von diesem Zusammenhange, ver-Selbständigt
 sich und schickt eben deswegen ihr Teilprodukt als
Selbständige Ware zu Markt. Die Umstände mögen reif oder un-Teif
 sein für diesen Scheidungsprozeß. Das Produkt befriedigt heute
Sin gesellschaftliches , Bedürfnis. Morgen wird es vielleicht ganz
°der teilweise von einer ähnlichen Produktenart aus seinem Platze
verdrängt. Ist auch die Arbeit, wie die unseres Leinwebers,
Pälentiertes Glied der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, so ist
damit noch keineswegs der Gebrauchswert gerade seiner 20 Ellen
Leinwand garantiert. Wenn das gesellschaftliche Bedürfnis für
Leinwand, und es hat sein Maß, wie alles andere, bereits durch
üebenbuhlerische Leinweber gesättigt ist, wird das Produkt unseres
Freundes überschüssig, überflüssig und damit nutzlos. Einem ge-Schenkten
 Gaul sieht man nicht ins Maul, doch der Weber beschreitet
Nicht den Markt, um Präsente zu machen. Gesetzt aber, der Gebrauchs-Wert
 seines Produktes bewähre sich und Geld werde daher an-S°2ogen
 von der Ware. Aber num fragt sich’s, wieviel Geld? Die
Antwort ist allerdings schon vorweggenommen im Preis Cer Ware,
dem Exponenten ihrer Wertgröße. Wir sehen ab von etwaigen rein
Sübjektiven Rechenfehlern des Warenbesitzers, die auf dem Markt
Sofort objektiv korrigiert werden. Er soll auf sein Produkt nur den
Sesellschaftlich notwendigen Durchschnitt von Arbeitszeit veraus-8abt
 haben. Der Preis der Ware ist also nur Geldname des in ihr
‚Srgegenständlichten Quantums gesellschaftlicher Arbeit. Aber olne
Erlaubnis und hinter dem Rücken unseres Leinwebers gerieten die
altverbürgten Produktionsbedingungen der Leinweberei in Gärung.
Was gestern zweifelsohne gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit
Zur Produktion einer Elle Leinwand war, hört heute auf es zu sein,
Wie der Geldbesitzer eifrigst demonstriert aus den Preisnotierungen
"Stschiedener Nebenbuhler unseres Freundes. Zu seinem Unglück
8ibt’s viele Weber auf der Welt. Gesetzt endlich, jedes auf dem
Markt vorhandene Stück Leinwand enthalte nur gesellschaftlich not.
VYendige Arbeitszeit. Trotzdem kann die Gesamtsumme dieser
Stücke überflüssig verausgabte Arbeitszeit enthalten. Vermag der
Marktmagen das Gesamtquantum Leinwand, zum Normalpreis von
2 Shilling pro Elle, nicht zu absorbieren, so beweist das, daß ein
U großer Teil der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit in der Form
der Leinweberei verausgabt wurde. Die Wirkung ist dieselbe als
        <pb n="113" />
        38

Erster Abschnitt.

hätte jeder einzelne Leinweber mehr als die gesellschaftlich notwendige
 Arbeitszeit auf sein individuelles Produkt verwandt. Hier
heißt’s: Mitgefangen, mitgehangen. Alle Leinwand auf dem
Markt gilt nur als ein Handelsartikel, jedes Stück nur als aliquoter
Teil. Und in der Tat ist der Wert jeder individuellen Elle ja auch
nur die Materiatur desselben gesellschaftlich bestimmten Quantums
gleichartiger menschlicher Arbeit.
Man sieht, die Ware liebt das Geld, aber „die wahre Liebe
zieht nicht auf glatter Bahn“. Ebenso naturwüchsig zufällig, wie die
qualitative, ist die quantitative Gliederung des gesellschaftlichen
Produktionsorganismus, der seine membra disjecta [seine zerstückten
Glieder] im System der Teilung der Arbeit darstellt. Unsere Warenbesitzer
 entdecken daher, daß dieselbe Teilung der Arbeit, die sie
zu unabhängigen Privatproduzenten, den gesellschaftlichen Produktionsprozeß
 und ihre Verhältnisse in diesem Prozeß von ihnen selbst
unabhängig macht, daß die Unabhängigkeit der Personen vonainander
 sich in einem System allseitiger sachlicher Abhängigkeit
ergänzt.
Die Teilung der Arbeit verwandelt das Arbeitsprodukt in Ware
und macht dadurch seine Verwandlung in Geld notwendig. Sie
macht es zugleich zufällig, ob diese Transsubstantiation [diese Verwandlung]
 gelingt. Hier ist jedoch das Phänomen rein zu betrachten,
sein normaler Vorgang also vorauszusetzen. Wenn es übrigens
überhaupt vorgeht, die Ware also nicht unverkäuflich ist, findet stets
ihr Formwechsel statt, obgleich abnormal in diesem Formwechsel
Substanz — Wertgröße — eingebüßt oder zugesetzt werden mag.
Dem einen Warenbesitzer ersetzt Gold seine Ware und dem
andern Ware sein Gold. Das sinnfällige Phänomen ist der Händeoder
 Stellenwechsel von Ware und Gold, von 20 Ellen Leinwand
und 2 Pfd. Sterl., das heißt ihr Austausch. Aber womit tauscht sich
die Ware aus? Mit ihrer eigenen allgemeinen Wertgestalt. Und
womit das Gold? Mit einer besonderen Gestalt seines Gebrauchswertes.
 Warum tritt Gold der Leinwand als Geld gegenüber?
Weil ihr Preis von 2 Pfd. Sterl. oder ihr Geldname sie bereits auf
Gold als Geld bezieht. Die Entäußerung der: ursprüngliche?
Warenform vollzieht sich durch die Veräußerung der Ware, das
heißt in dem Augenblicke, wo ihr Gebrauchswert das in ihrem
Preis nur vorgestellte Gold wirklich anzieht. Die Realisierung des
Preises oder der nur ideellen Wertform der Ware ist daher zugleich
umgekehrt Realisierung des nur ideellen Gebrauchswertes des
Geldes, die Verwandlung von Ware in Geld zugleich Verwandlung
von Geld in Ware. Der eine Prozeß ist zweiseitiger Prozeß, vom
Pol des Warenbesitzers Verkauf, vom Gegenpol des Geldbesitzer®
Kauf. Oder Verkauf ist Kauf, W — G zugleich G — W.68

56 „Jeder Verkauf ist zugleich Kauf“
Commerce et les Travaux des Artisans.“

(Dr. Quesnay: „Dialogues sur 1°
Physiocrates, ed. Daire, I. Partie
        <pb n="114" />
        MT
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Drittes Kapitel.

69

Wir kennen bisher kein ökonomisches Verhältnis der Menschen
Außer dem von Warenbesitzern, ein Verhältnis, worin sie fremdes
Arbeitsprodukt nur aneignen, indem sie eigenes entfremden. Einem
Warenbesitzer kann der andere daher nur als Geldbesitzer gegenübertreten,
 entweder weil sein Arbeitsprodukt von Natur die Geldform
 besitzt, also Geldmaterial ist, Gold usw., oder weil seine eigene
Ware sich bereits gehäutet und ihre ursprüngliche Gebrauchsform
abgestreift hat. Um als Geld zu funktionieren, muß das Gold
Natürlich an irgendeinem Punkt in den Warenmarkt eintreten.
Dieser Punkt liegt an seiner Produktionsquelle, wo es sich als un-Mittelbares
 Arbeitsprodukt mit anderm Arbeitsprodukt von dem-Selben
 Wert austauscht. Aber von diesem Augenblick stellt es be-Ständig
 realisierte Warenpreise vor.” Abgesehen vom Austausch
des Goldes mit Ware an seiner Produktionsquelle, ist das Gold in
der Hand jedes Warenbesitzers die entäußerte Gestalt seiner veräußerten
 Ware, Produkt des Verkaufs oder der ersten Waren-Metamorphose
 W — G.%® Ideelles Geld oder Wertmaß wurde das
Gold, weil alle Waren ihre Werte in ihm maßen und es so zum vor-S6stellten
 Gegenteil ihrer Gebrauchsgestalt, zu ihrer Wertgestalt
Machten. Reelles Geld wird es, weil die Waren durch ihre allseitige
Veräußerung es zu ihrer wirklich entäußerten oder verwandelten
Gebrauchsgestalt und daher zu ihrer wirklichen Wertigestalt machen.
In ihrer Werigestalt streift die Ware jede Spur ihres naturwüchsigen
Gebrauchswertes und der besonderen nützlichen Arbeit ab, welcher
Sie den Ursprung verdankt, um sich in die gleichförmige gesell-Schaftliche
 Materiatur unterschiedsloser menschlicher Arbeit zu ver-Püppen,
 Man sieht dem Geld daher nicht an, welchen Schlages die
m e8 verwandelte Ware. Eine sieht in ihrer Geldform geradeso aus
wie die andere. Geld mag daher Dreck sein, obgleich Dreck nicht
Geld ist. Wir wollen annehmen, daß die zwei Goldfüchse, wogegen
Unser Leinweber seine Ware veräußert, die verwandelte Gestalt
Sines Quarters Weizen sind. Der Verkauf der Leinwand, W — G,
St zugleich ihr Kauf, G — W. Aber als Verkauf der Leinwand
beginnt dieser Prozeß eine Bewegung, die mit seinem Gegenteil
ndet, mit dem Kauf der Bibel; als Kauf der Leinwand endet er
eine Bewegung, die mit seinem Gegenteil begann, mit dem Verkauf
des Weizens. W — G (Leinwand — Geld), diese erste Phase von
W— G — W (Leinwand — Geld — Bibel), ist zugleich G — W
(Geld — Leinwand), die letzte Phase einer andern Bewegung
W—G—wW (Weizen — Geld — Leinwand). Die erste Metamorphose

Dario 180
Ta 1846, p. 170), oder, wie Quesnay in seinen „Maximes Generales“ sagt:
» Verkaufen ist Kaufen.“
bezahn „Der Preis einer Ware kann nur mit dem Preis einer andern Ware
ie u werden.“ (Mercier de la Riviere: „L’Ordre naturel et essentiel des
t6s politiques.“ Physiocrates, 6d. Daire, IL Partie, p. 554.)
kauf „Um in den Besitz dieses Geldes zu gelangen, muß man zuerst ver-Ult
 haben.“ (Ebenda, S. 5438.)
        <pb n="115" />
        70

Erster Abschnitt

einer Ware, ihre Verwandlung aus der Warenform in Geld, ist stets
zugleich zweite entgegengesetzte Metamorphose einer andern Ware.
ihre Rückverwandlung aus der Geldform in Ware.® .
G — W. Zweite oder Schlußmetamorphose der Ware: Kauf. —
Weil die entäußerte Gestalt aller andern Waren oder das Produkt
ihrer allgemeinen Veräußerung, ist Geld die absolut veräußerliche
Ware. Es liest alle Preise rückwärts und spiegelt sich so in allen
Warenleibern als dem hingebenden Material seiner eigenen Warenwerdung.
 Zugleich zeigen die Preise, die Liebesaugen, womit ihm
die Waren winken, die Schranke seiner Verwandlungsfähigkeit, nämlich
 seine eigene Quantität. Da die Ware in ihrer Geldwerdung verschwindet,
 sieht man dem Geld nicht an, wie es in die Hände seines
Besitzers gelangt oder was in es verwandelt ist. Non olet [es stinkt
nicht], wessen Ursprungs auch immer. Wenn es einerseits verkaufte
Ware repräsentiert, so anderseits kaufbare Waren.”
G — W, der Kauf ist zugleich Verkauf, W — G; die letzte
Metamorphose einer Ware daher zugleich die erste Metamorphose
einer andern Ware. Für unsern Leinweber schließt der Lebenslauf
seiner Ware mit der Bibel, worin er die 2 Pfd. Sterl. rückverwandel!
hat. Aber der Bibelverkäufer setzt die vom Leinweber gelösten
2 Pfd. Sterl. in Kornbranntwein um. G — W, die Schlußphase von
W—G — W (Leinwand — Geld — Bibel) ist zugleich W — G, die
erste Phase von W— G— W (Bibel — Geld — Kornbranntwein)-Da
 der Warenproduzent nur ein einseitiges Produkt liefert, verkauft
er es oft in größeren Massen, während seine vielseitigen Bedürfnisse
ihn zwingen, den realisierten Preis oder die gelöste Geldsumme
beständig in zahlreiche Käufe zu zersplittern. Ein Verkauf mündet
daher in viele Käufe verschiedener Waren. Die Schlußmetamorphose
einer Ware bildet so eine Summe von ersten Metamorphosen anderer
Waren.
Betrachten wir nun die Gesamtmetamorphose einer Ware, zum
Beispiel der Leinwand, so sehen wir zunächst, daß sie aus zwei entgegengesetzten
 und einander ergänzenden Bewegungen besteht.
W — Gund G — W. Diese zwei entgegengesetzten Wandlungen der
Ware vollziehen sich in zwei entgegengesetzten gesellschaftlichen
Prozessen des Warenbesitzers und reflektieren [spiegeln] sich in zwei
enigegengesetzten ökonomischen Charakteren desselben. Als Agent
[Vollbringer] des Verkaufes wird er Verkäufer, als Agent des Kaufes
Käufer. Wie aber in jeder Wandlung der Ware ihre beiden Formen:
Warenform und Geldform, gleichzeitig existieren, nur auf entgegeDgesetzten
 Polen, so steht demselben Warenbesitzer als Verkäufer eiß

%® Ausnahme, wie vorher bemerkt, bildet der Gold- respektive Silber“
produzent, der sein Produkt austauscht, ohne es vorher verkauft zu haben
"° „Wenn das Geld in unsern Händen die Dinge darstellt, die wir
kaufen wollen, so stellt es zugleich auch die Dinge dar, die wir um dieses
Geld verkauft haben.“ (Mercier de la Riviere: „L’Ordre naturel et essentiel
des societes politiques‘“, p. 586.)
        <pb n="116" />
        1.

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Drittes Kapitel.

71

anderer Käufer und als Käufer ein anderer Verkäufer gegenüber.
Wie dieselbe Ware die zwei umgekehrten Wandlungen nacheinander
durchläuft, aus Ware Geld und aus Geld Ware wird, so wechselt der-Selbe
 Warenbesitzer die Rollen von Verkäufer und Käufer. Es sind
dies also keine festen, sondern innerhalb der Warenzirkulation beständig
 die Person wechselnde Charaktere.
Die Gesamtmetamorphose einer Ware unterstellt, in ihrer einfachsten
 Form, vier Extreme und drei Personae dramatis, drei handelnde
 Personen. Erst tritt der Ware das Geld als ihre Wertgestalt
zegenüber, die jenseits, in fremder Tasche, sachlich harte Realität
besitzt. So tritt dem Warenbesitzer ein Geldbesitzer gegenüber.
Sobald die Ware nun in Geld verwandelt, wird letzteres zu ihrer
verschwindenden Aequivalentform, deren Gebrauchswert oder Inhalt
dieseits in andern Warenkörpern existiert. Als Endpunkt der ersten
Warenwandlung ist das Geld zugleich Ausgangspunkt der zweiten.
So wird der Verkäufer des ersten Aktes Käufer im zweiten, wo
ihm ein dritter Warenbesitzer als Verkäufer gegenübertritt.”*
Die beiden umgekehrten Bewegungsphasen der Warenmetamor-Phose
 bilden einen Kreislauf: Warenform, Abstreifung der Warenform,
 Rückkehr zur Warenform. Allerdings ist die Ware selbst
hier gegensätzlich bestimmt. Am Ausgangspunkt ist sie Nicht-Sebrauchswert,
 am Endpunkt Gebrauchswert für ihren Besitzer.
So erscheint das Geld erst als der feste Wertkristall, worin sich die
Ware verwandelt, um hinterher als ihre bloße Aequivalentform zu
terrinnen.
Die zwei Metamorphosen, die den Kreislauf einer Ware, bilden
%ügleich die umgekehrten Teilmetamorphosen zweier andern Waren.
Dieselbe Ware (Leinwand) eröffnet die Reihe ihrer eigenen Meta-Morphosen
 und schließt die Gesamtmetamorphose einer andern
Ware (des Weizens). Während ihrer ersten Wandlung, dem Verkauf,
 spielt sie diese zwei Rollen in eigener Person. Als Gold-*hrysalide
 [Goldpuppe] dagegen, worin sie selbst den Weg alles
Fleisches wandert, endet sie zugleich die erste Metamorphose einer
äritten Ware. Der Kreislauf, den die Metamorphosenreihe jeder
Ware beschreibt, verschlingt sich also unentwirrbar mit den Kreisläufen
 anderer Waren. Der (Gesamtprozeß stellt sich dar als Waren-Zirkulation.

Die Warenzirkulation ist nicht nur formell, sondern wesentlich
Vom unmittelbaren Produktenaustausch unterschieden. Man werfe
dur einen Rückblick auf den Vorgang. Der Leinweber hat unbedingt
 Leinwand mit der Bibel vertauscht, eigene Ware mit
Tremder, Aber dies Phänomen ist nur wahr für ihn. Der Bibelagent,
 der dem Kühlen Heißes vorzieht, dachte nicht daran. Lein-—



- „7 „Es gibt also vier Endpunkte und drei Kontrahenten, von denen einer
pP Simal auftritt.“ (Le Trosne: „De l’Inter&amp;amp;t Social.“ Physiocrates, ed. Daire.
äris 1846, p. 908.)
        <pb n="117" />
        72

Erster Abschnitt

wand für Bibel einzutauschen, wie der Leinweber nicht davon weiß
üaß Weizen gegen seine Leinwand eingetauscht worden ist usw.
Die Ware des B ersetzt die Ware des A, aber A und B tausches
nicht wechselseitig ihre Waren aus. Es kann in der Tat vorkommen,
daß A und B wechselweise voneinander kaufen, aber solche besondere
 Beziehung ist keineswegs durch die allgemeinen Verhältnisse
 der Warenzirkulation bedingt. Einerseits sieht man hier, wie
der Warenaustausch die individuellen und lokalen Schranken des
unmittelbaren Produktenaustausches durchbricht und den Stoffwechsel
 der menschlichen Arbeit entwickelt. Anderseits entwickelt
sich ein ganzer Kreis von den handelnden Personen unkontrollierbarer,
 gesellschaftlicher Naturzusammenhänge. Der Weber kann
nur Leinwand verkaufen, weil der Bauer Weizen, Heißsporn nur
die Bibel, weil der Weber Leinwand, der Destillateur nur gebranntes
Wasser, weil der andere das Wasser des ewigen Lebens bereits
verkauft hat usw.
Der Zirkulationsprozeß erlischt deswegen auch nicht, wie der
unmittelbare Produktenaustausch, in dem Stellen- oder Händewechsel
 der Gebrauchswerte. Das Geld verschwindet nicht, weil
28 schließlich aus der Metamorphosenreihe einer Ware herausfällt.
Es schlägt immer nieder auf eine durch die Waren geräumte
Zirkulationsstelle. Zum Beispiel in der Gesamtmetamorphose der
Leinwand: Leinwand — Geld — Bibel fällt erst die Leinwand aus
der Zirkulation, Geld tritt an ihre Stelle, fällt dann die Bibel aus
der Zirkulation, Geld tritt an ihre Stelle. Der Ersatz von Ware
durch Ware läßt zugleich an dritter Hand die Geldware hängen.”
Die Zirkulation schwitzt beständig Geld aus.
Nichts kann alberner sein als das Dogma, die Warenzirkulation
bedinge ein notwendiges Gleichgewicht der Verkäufe und Käufe,
weil jeder Verkauf Kauf und umgekehrt. Soll dies bedeuten, daß
die Zahl der wirklich vollzogenen Verkäufe gleich derselben Zahl
von Käufen, so ist es platte Tautologie. Aber es soll beweisen,
daß der Verkäufer seinen eigenen Käufer zu Markt führt. Verkauf
und Kauf sind ein identischer [sind derselbe] Akt als Wechselbeziehung
 zwischen zwei polarisch entgegengesetzten Personen;
dem Warenbesitzer und dem Geldbesitzer. Sie bilden zwei
polarisch entgegengesetzte Akte als Handlungen derselben Persou
Die Identität [die Wesenseinheit] von Verkauf und Kauf schließt
daher ein, daß die Ware nutzlos wird, wenn sie, in die
alchimistische Retorte der Zirkulation geworfen, nicht als Geld
herauskommt, nicht vom Warenbesitzer verkauft, also vom Geldbesitzer
 gekauft wird. Jene Identität enthält ferner, daß der Prozeß:
wenn er gelingt, einen Ruhepunkt, einen Lebensabschnitt der
Ware bildet, der länger oder kürzer währen kann. Da die erste
7 Note zur 2. Ausgabe, So handgreiflich diese Erscheinung ist, wird
sie dennoch von politischen Oekonomen meist übersehen, namentlich vom
Freihändler vulgaris [dem flachen Durchschnittsfreihändler}.
        <pb n="118" />
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16
E-Drittes

 Kapitel. :

73

Metamorphose der Ware zugleich Verkauf und Kauf, ist dieser
Teilprozeß zugleich selbständiger Prozeß. Der Käufer hat die Ware,
der Verkäufer hat das Geld, das heißt eine Ware, die zirkulationsfähige
 Form bewahrt, ob sie früher oder später wieder auf dem
Markt erscheine. Keiner kann verkaufen, ohne daß ein anderer
kauft. Aber keiner braucht unmittelbar zu kaufen, weil er selbst
verkauft hat. Die Zirkulation sprengt die zeitlichen, örtlichen und
individuellen Schranken des Produktenaustausches eben dadurch,
daß sie die hier vorhandene unmittelbare Identität zwischen dem
Austausch des eigenen und dem Eintausch des fremden Arbeits-Produkts
 in den Gegensatz von Verkauf und Kauf spaltet. Daß die
Selbständig einander gegenübertretenden Prozesse eine innere Einheit
 bilden, heißt ebensosehr, daß ihre innere Einheit sich in äuße-"en
 Gegensätzen bewegt. Geht die äußerliche Verselbständigung
der innerlich Unselbständigen, weil einander ergänzenden, bis zu
einem gewissen Punkt fort, so macht sich die Einheit gewaltsam
Eeltend durch eine — Krise. Der der Ware immanente Gegensatz
Von Gebrauchswert und Wert, von Privatarbeit, die sich zugleich
als unmittelbar gesellschaftliche Arbeit darstellen muß, von be-Sönderer
 konkreter Arbeit, die zugleich nur als abstrakt allgemeine
Arbeit gilt, von Personifizierung der Sache und Versachlichung der
P rsonen — dieser immanente Widerspruch erhält in den Gegen-Sätzen
 der Warenmetamorphose seine entwickelten Bewegungsformen.
 Diese Formen schließen daher die Möglichkeit, aber auch
Nür die Möglichkeit der Krisen ein. Die Entwicklung dieser Möglichkeit
 zur Wirklichkeit erfordert einen ganzen Umkreis von Verhältnissen,
 die vom Standpunkt der einfachen Warenzirkulation
"och gar nicht existieren.”
‚Als Vermittler der Warenzirkulation erhält das Geld die Funktion
 des Zirkulationsmittels,

3 Vgl. meine Bemerkungen über James Mill in: „Zur Kritik der
Politischen Oekonomie“, S. 74 bis 76. [Stuttgarter Ausgabe S. 86 ff.] Zwei
Punkte sind hier charakteristisch für die Methode der ökonomistischen Apologetik
 [der Verteidigung und Beschönigung des Bestehenden]. Erstens die
(entifzierung von Warenzirkulation und unmittelbarem Produktenaustausch
durch einfache Abstraktion von ihren Unterschieden. Zweitens der Versuch,
die Widersprüche des kapitalistischen Produktionsprozesses wegzuleugnen,
‚ndem man die Verhältnisse seiner Produktionsagenten in die einfachen Be-Mehungen
 auflöst, die aus der Warenzirkulation entspringen. Waren-Produktion
 und Warenzirkulation sind aber Phänomene, die den ver-Schiedensten
 Produktionsweisen angehören, wenn auch in verschiedenem
Umfang und Tragweite. Man weiß also noch nichts von der Differentia
SPecifica [der kennzeichnenden Eigenart] dieser Produktionsweisen und kann
Se daher nicht beurteilen, wenn man nur die ihnen gemeinschaftlichen,
abstrakten Kategorien der Warenzirkulation kennt. In keiner Wissenschaft
Außer der politischen Oekonomie herrscht so große Wichtigtuerei mit elemenlarischer
 Gemeinplätzlichkeit. Zum Beispiel J. B. Say nimmt sich heraus,
Über die Krisen abzuurteilen, weil er weiß, daß die Ware Produkt ist.
        <pb n="119" />
        Erster Abschnitt,

b) Der Umlauf des Geldes.
Der Formwechsel, worin sich der Stoffwechsel der Arbeitsprodukte
 vollzieht, W — G — W, bedingt, daß derselbe Wert als
Ware den Ausgangspunkt des Prozesses bildet und zu demselben
Punkt zurückkehrt als Ware. Diese Bewegung der Waren ist daher
Kreislauf. Anderseits schließt dieselbe Form den Kreislauf des
Geldes aus. Ihr Resultat ist beständige Entfernung des Geldes
von seinem Ausgangspunkt, nicht Rückkehr zu demselben. Solange
der Verkäufer die verwandelte Gestalt seiner Ware festhält, das
Geld, befindet sich die Ware im Stadium der ersten Metamorphose
oder hat nur ihre erste Zirkulationshälfte zurückgelegt. Ist der
Prozeß, Verkaufen um zu kaufen, vervollständigt, so ist auch das
Geld wieder aus der Hand seines ursprünglichen Besitzers entfernt.
 Allerdings, wenn der Leinweber, nachdem er die Bibel gekauft,
 von neuem Leinwand verkauft, kehrt auch das Geld in seine
Hand zurück. Aber es kehrt nicht zurück durch die Zirkulation
der ersten 20 Ellen Leinwand, wodurch es vielmehr aus den Händen
des Leinwebers in die des Bibelverkäufers entfernt ist. Es kehrt
nur zurück durch die Erneuerung oder Wiederholung desselben
Zirkulationsprozesses für neue Ware, und endet hier wie dort mit
demselben Resultat. Die dem Geld durch die Warenzirkulation
unmittelbar erteilte Bewegungsform ist daher seine besländige Entfernung
 vom Ausgangspunkt, sein Lauf aus der Hand eines Warenbesitzers
 in die eines andern, oder sein Umlauf (currency, cours de
la monnaie).
Der Umlauf des Geldes zeigt beständige, eintönige Wiederholung
 desselben Prozesses. Die Ware steht stets auf Seite des
Verkäufers, das Geld stets auf Seite des Käufers, als Kaufmittel.
Es funktioniert als Kaufmittel, indem es den Preis der Ware
realisiert. Indem es ihn realisiert, überträgt es die Ware aus der
Hand des Verkäufers in die Hand des Käufers, während es sich
zleichzeitig aus der Hand des Käufers in die des Verkäufers entfernt,
 um denselben Prozeß mit einer andern Ware zu wiederholen-Daß
 diese einseitige Form der Geldbewegung aus der doppelseitigen
Formbewegung der Ware entspringt, ist verhüllt. Die Natur der
Warenzirkulation selbst erzeugt den entgegengesetzten Schein. Die
arste Metamorphose der Ware ist nicht nur als Bewegung des
Geldes, sondern als ihre eigene Bewegung sichtbar, aber ihre
zweite Metamorphose ist nur als Bewegung des Geldes sichtbar
In ihrer ersten Zirkulationshälfte wechselt die Ware den Platz mit
dem Geld. Damit fällt zugleich ihre Gebrauchsgestalt aus der
Zirkulation heraus, in die Konsumtion.’* Ihre Wertgestalt oder

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OO

74 Selbst wenn die Ware wieder und wieder verkauft wird, ein Ph
nomen, das hier noch nicht für uns existiert, fällt sie mit dem letzten defini‘
tiven Verkauf aus der Sphäre der Zirkulation in die der Konsumtion, um
hier als Lebensmittel oder als Produktionsmittel zu dienen.
        <pb n="120" />
        Drittes Kapitel.
Geldlarve tritt an ihre Stelle. Die zweite Zirkulationshälfte durchläuft
 sie nicht mehr in ihrer eigenen Naturalhaut, sondern in ihrer
Goldhaut. Die Kontinuität [der ununterbrochene Fortgang] der Bewegung
 fällt damit ganz auf die Seite des Geldes, und dieselbe
Bewegung, die für die Ware zwei entgegengesetzte Prozesse ein-Schließt,
 schließt als eigene Bewegung des Geldes stets denselben
Prozeß ein, seinen Stellenwechsel mit stets anderer Ware. Das
Resultat der Warenzirkulation, Ersatz von Ware durch andere
Ware, erscheint daher nicht durch ihren eigenen Formwechsel ver-Wittelt,
 sondern durch die Funktion des Geldes als Zirkulationsmittel,
 welches die an und für sich bewegungslosen Waren zirkuliert,
 sie aus der Hand, worin sie Nichtgebrauchswerte, in die Hand
überträgt, worin sie Gebrauchswerte, stets in entgegengesetzter
Richtung zu seinem eigenen Lauf. Es entfernt die Waren beständig
Aus der Zirkulationssphäre, indem es beständig an ihre Zirkulations-Stelle
 tritt und sich damit von seinem eigenen Ausgangspunkt entfernt.
 Obgleich daher die Geldbewegung nur Ausdruck der Waren-Zirkulation,
 erscheint umgekehrt die Warenzirkulation nur als
Resultat der Geldbewegung.?®
.., Anderseits kommt dem Geld nur die Funktion des Zirkulations-Mittels
 zu, weil es der verselbständigte Wert der Waren ist. Seine
Bewegung als Zirkulationsmittel ist daher in der Tat nur ihre
gene Formbewegung. Diese muß sich daher auch sinnlich im
Umlauf des Geldes widerspiegeln. So verwandelt zum Beispiel die
Leinwand zuerst ihre Warenform in ihre Geldform. Das letzte
Extrem ihrer ersten Metamorphose W — G, die Geldform, wird
Kann das erste Extrem ihrer letzten Metamorphose G — W, ihrer
Uckverwandlung in die Bibel. Aber jeder dieser zwei Form-Wechsel
 vollzieht sich durch einen Austausch zwischen Ware und
Geld, durch ihren gegenseitigen Stellenwechsel. Dieselben Geld-Vücke
 kommen als entäußerte Gestalt der Ware in die Hand des
We käufers und verlassen sie als absolut veräußerliche Gestalt der
x are, Sie wechseln zweimal die Stelle. Zuerst mit der Leinwand
des dann mit der Bibel. Dieselben 2 Pfd, Sterl., die beim Verkauf
Let Leinwand aus der Tasche des Weizenbauers in die Tasche des
Die webers einwandern, wandern von ihr aus beim Kauf der Bibel.
sich beiden entgegengesetzten Formwechsel derselben Ware spiegeln
also wider im zweimaligen Stellenwechsel des Geldes in ent-S°gengesetzter
 Richtung.
v F Inden dagegen nur einseitige Warenmetamorphosen statt, bloße
Ger Käufe oder bloße Käufe, wie man will, so wechselt dasselbe
Ann auch nur einmal den Platz. Sein zweiter Stellenwechsel
genckt Stets die zweite Metamorphose der Ware aus, ihre Rück-=
 "Wandlung aus Geld. In der häufigen Wiederholung des Stellen-Produk,
 „Es (das Geld) hat keine andere Bewegung als jene, die ihm von den
trat ten mitgeteilt wird.“ (Le Trosne: “De l’Interet Social,“ Physio-©8,
 6d. Daire. Paris 1846, pn. 885.)

75
        <pb n="121" />
        76

Erster Abschnitt

wechsels derselben Geldstücke spiegelt sich nicht nur die Metamorphosenreihe
 einer einzigen Ware wider, sondern auch die Ver
schlingung der zahllosen Metamorphosen der Warenwelt überhaupt.
 Es versteht sich übrigens ganz von selbst, daß alles dies
nur für die hier betrachtete Form der einfachen Warenzirkulation
gilt.
Jede Ware, bei ihrem ersten Schritt in die Zirkulation, bei
ihrem ersten Formwechsel, fällt aus der Zirkulation heraus, in
welche stets neue Ware eintritt. Das Geld dagegen als Zirkulations
mittel haust beständig in der Zirkulationssphäre und treibt sick
beständig in ihr um. Es entsteht also die Frage, wieviel Geld dies«
Sphäre beständig absorbiert.
In einem Lande gehen jeden Tag zahlreiche, gleichzeitige und
daher räumlich nebeneinander laufende einseitige Warenmeta
morphosen vor, oder in andern Worten, bloße Verkäufe von der
einen Seite, bloße Käufe von der andern. In ihren Preisen sind
die Waren bereits bestimmten vorgestellten Geldmengen gleich
gesetzt. Da nun die hier betrachtete unmittelbare Zirkulations
form Ware und Geld einander stets leiblich gegenüberstellt, die
eine auf den Pol des Verkaufes, das andere auf den Gegenpol de®
Kaufes, ist die für den Zirkulationsprozeß der Warenwelt erheischte
Masse von Zirkulationsmitteln bereits durch die Preissumme de!
Waren bestimmt. In der Tat stellt das Geld nur reell die in der
Preissumme der Waren bereits ideell ausgedrückte Goldsumme dar
Die Gleichheit dieser Summen versteht sich daher von selbst. Wil
wissen jedoch, daß bei gleichbleibenden Werten der Waren ihre
Preise mit dem Werte des Goldes (des Geldmaterials) selbst wech:
seln, verhältnismäßig steigen, wenn er fällt, und fallen, wenn e!
steigt. Ob die Preissumme der Waren so steige oder falle, die
Masse des zirkulierenden Geldes muß gleichmäßig steigen oder
fallen. Der Wechsel in der Masse der Zirkulationsmittel entspring!
hier allerdings aus dem Geld selbst, aber nicht aus seiner Funktior
als Zirkulationsmittel, sondern aus seiner Funktion als Wertmaß
Der Preis der Waren wechselt erst umgekehrt wie der Wert der
Geldes und dann wechselt die Masse der Zirkulationsmittel direk!
wie der Preis der Waren. Ganz dasselbe Phänomen würde sicl
greignen, wenn zum Beispiel nicht der Wert des Goldes sänke
sondern Silber es als Wertmaß ersetzte, oder nicht der Wert de‘
Silbers stiege, sondern Gold es aus der Funktion des Wertmaße:
verdrängte. In dem einen Fall müßte mehr Silber zirkulieren al
vorher Gold, in dem andern weniger Gold als vorher Silber. Ir
beiden Fällen hätte sich der Wert des Geldmaterials verändert, da‘
heißt der Ware, die als Maß der Werte funktioniert, daher de)
Preisausdruck der Warenwerte, daher die Masse des zirkulierende!
Geldes, das zur Realisierung der Preise dient.
Man hat gesehen, daß die Zirkulationssphäre der Waren ei
Loch hat, wodurch Gold (Silber, kurz das Geldmaterial) in sie eil‘
        <pb n="122" />
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Drittes Kapitel.

77

tritt als Ware von gegebenem Wert. Dieser Wert ist vorausgesetzt
bei der Funktion des Geldes als Wertmaß, also bei der Preis-Sestimmung.
 Sinkt nun zum Beispiel der Wert des Wertmaßes
Selbst, so erscheint dies zunächst im Preiswechsel der Waren, die
unmittelbar an den Produktionsquellen der edlen Metalle mit ihnen
äls Waren ausgetauscht werden. Namentlich in minder entwickelten
Zuständen der bürgerlichen Gesellschaft wird ein großer Teil der
andern Waren noch längere Zeit in dem nun illusorisch gewordenen,
veralteten Wert des Wertmaßes geschätzt werden. Indes steckt die
eine Ware die andere an durch ihr Wertverhältnis zu derselben,
die Gold- oder Silberpreise der Waren gleichen sich allmählich aus
N den durch ihre Werte selbst bestimmten Proportionen, bis
Schließlich alle Warenwerte dem neuen Wert des Geldmetalls ent-Sprechend
 geschätzt werden. Dieser Ausgleichungsprozeß ist beleitet
 von dem fortwährenden Wachstum der edlen Metalle, welche
m Ersatz für die direkt mit ihnen ausgetauschten Waren ein-Strömen.
 In demselben Maße daher, worin die berichtigte Preis-Sebung
 der Waren sich verallgemeinert, oder ihre Werte dem neuen,
Sesunkenen und bis zu einem gewissen Punkt fortsinkenden Wert
des Metalls gemäß geschätzt werden, ist auch bereits eine zu ihrer
Realisierung notwendige Mehrmasse vorhanden. Einseitige Be-°bachtung
 der Tatsachen, welche der Entdeckung der neuen Gold-"nd
 Silberquellen folgten, verleitete im”17. und namentlich im
18, Jahrhundert zum Trugschluß, die Warenpreise seien gestiegen,
Cil mehr Gold und Silber als Zirkulationsmittel funktionierten.
Im folgenden wird der Wert des Goldes als gegeben vorausgesetzt,
Wie er in der Tat im Augenblick der Preisschätzung gegeben ist.
_ Unter dieser Voraussetzung also ist die Masse der Zirkulations-Mittel
 durch die zu realisierende Preissumme der Waren bestimmt.
Setzen wir nun ferner den Preis jeder Warenart als gegeben vor-AUS,
 so hängt die Preissumme der Waren offenbar von der in Zir-Kulation
 befindlichen Warenmasse ab. Es gehört wenig Kopf-5
 "brechen dazu, um zu begreifen, daß, wenn 1 Quarter Weizen
S Pfd. Sterl., 100 Quarter 200 Pfd. Sterl., 200 Quarter 400 Pfd.
ter], usw. kosten, mit der Masse des Weizens daher die Geldmasse
Wächsen muß, die beim Verkauf den Platz mit ihm wechselt.
4 Die Warenmasse als gegeben vorausgesetzt, flutet die Masse
en Zirkulierenden Geldes auf und ab mit den Preisschwankungen
„Waren. Sie steigt und fällt, weil die Preissumme der Waren
Aolge ihres Preiswechsels zu- oder abnimmt. Dazu ist keineswegs
08, daß die Preise aller Waren gleichzeitig steigen oder fallen.
a Preissteigerung einer gewissen Anzahl leitender Artikel in dem
de Oder ihre Preissenkung in dem andern Fall, reicht hin, um
ah ZU Tealisierende Preissumme aller zirkulierenden Waren zu
kun ken oder zu senken, also auch mehr oder weniger Geld in Zir-W.
 ätion zu setzen. Ob der Preiswechsel der Waren wirkliche
“Tiwechsel widerspiegelt oder bloße Schwankungen der Markt-
        <pb n="123" />
        Erster Abschnit!
preise, die Wirkung auf die Masse der Zirkulationsmittel bleib!
dieselbe.
Es sei gegeben eine Anzahl zusammenhangsloser, gleichzeitige!
und daher räumlich nebeneinander laufender Verkäufe oder Teil
metamorphosen, zum Beispiel von 1 Quarter Weizen, 20 Ellen Leinwand,
 1 Bibel, 4 Gallonen Kornbranntwein. Wenn der Preis jedes
Artikels 2 Pfd. Sterl., die zu realisierende Preissumme daher 8 Pfd
Sterl., so muß eine Geldmasse von 8 Pfd. Sterl. in die Zirkulation
eingehen. Bilden dieselben Waren dagegen Glieder der uns bekannten
 Metamorphosenreihe: 1 Quarter Weizen — 2 Pfd. Sterl. —
20 Ellen Leinwand — 2 Pfd. Sterl. — 1 Bibel — 2 Pfd. Sterl. —
4 Gallonen Kornbranntwein — 2 P{fd. Sterl., so machen 2 Pfd. Sterl
die verschiedenen Waren der Reihe nach zirkulieren, indem sie
deren Preise der Reihe nach, also auch die Preissumme von 8 Pfd
Sterl., realisieren, um schließlich in der Hand des Destillateurs aus
zuruhen. Sie vollbringen vier Umläufe. Dieser wiederholte Stellenwechsel
 derselben Geldstücke stellt den doppelten Formwechsel de!
Ware dar, ihre Bewegung durch zwei enigegengesetzte Zirkulations
stadien und die Verschlingung der Metamorphosen verschiedene?
Waren-.’® Die gegensätzlichen und einander ergänzenden Phasen.
wodurch dieser Prozeß verläuft, können nicht räumlich neben:
einander fallen, sondern nur zeitlich aufeinander folgen. Zeit
abschnitte bilden daher das Maß seiner Dauer, oder die Anzahl de!
Umläufe derselben Geldstücke in gegebener Zeit mißt die Geschwindigkeit
 des Geldumlaufes. Der Zirkulationsprozeß jener vier
Waren dauere zum Beispiel einen Tag. So beträgt die zu realisierend«
Preissumme: 8 Pfd. Sterl., die Anzahl der Umläufe derselben Geld
stücke während des Tages: 4 und die Masse des zirkulierender
Geldes: 2 Pfd. Sterl.
Das heißt, für einen gegebenen Zeitabschnitt des Zirkulations
prozesses ist die Masse des als Zirkulationsmittel funktionierender
Geldes gleich der Preissumme der Waren, dividiert durch die
Umlaufsanzahl gleichnamiger Geldstücke. Dies Gesetz gilt allgemein
Der Zirkulationsprozeß eines Landes in einem gegebenen
Zeitabschnitt umfaßt zwar einerseits viele zersplitterte, gleich
zeitige und räumlich nebeneinander fallende Verkäufe (respek
tive Käufe) oder Teilmetamorphosen, worin dieselben Geldstücke
nur einmal die Stelle wechseln oder nur einen Umlauf voll
ziehen, anderseits viele teils nebeneinander herlaufende, teilt
sich ineinander verschlingende mehr oder minder gliederreicht
Metamorphosenreihen, worin dieselben Geldstücke mehr oder miv
der zahlreiche Umläufe zurücklegen. Die Gesamtzahl der Umläufe

18

76 „Es sind die Produkte, die es (das Geld) in Bewegung setzen und €
zirkulieren lassen, ... Die Geschwindigkeit seines (des Geldes) Umlaufs er“
setzt seine Menge. Im Bedarfsfalle gleitet es von einer Hand in die ander®
öhne einen Augenblick zum Stillstand zu kommen.“ (Le Trosne: „De TIntere!
Social.“ Physiocrates, €d. Daire. Paris 1846, p. 915 sa.)
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Drittes Kapitel.
aller in Zirkulation befindlichen gleichnamigen Geldstücke ergibt
jedoch die Durchschnittsanzahl der Umläufe des einzelnen Geld-;tückes
 oder die Durchschnittsgeschwindigkeit des Geldumlaufes.
Die Geldmasse, die bei Beginn zum Beispiel des täglichen Zir-{ulationsprozesses
 in ihn hineingeworfen wird, ist natürlich bestimmt
 durch die Preissumme der gleichzeitig und räumlich neben-Sinander
 zirkulierenden Waren. Aber innerhalb des Prozesses wird
%n Geldstück sozusagen für das andere verantwortlich gemacht.
Beschleunigt das eine seine Umlaufsgeschwindigkeit, so erlahmt die
des andern, oder es fliegt ganz aus der Zirkulationssphäre heraus,
da diese nur eine Goldmasse absorbieren kann, welche, multipliziert
mit der mittleren Umlaufsanzahl ihres einzelnen Elements, gleich
der zu realisierenden Preissumme ist. Wächst daher die Anzahl
ler Umläufe der Geldstücke, so nimmt ihre zirkulierende Masse
ab. Nimmt die Anzahl ihrer Umläufe ab, so wächst ihre Masse.
Weil die Masse des Geldes, die als Zirkulationsmittel funktionieren
Kann, bei gegebener Durchschnittsgeschwindigkeit gegeben ist, hat
Man daher zum Beispiel nur eine bestimmte Quantität von Ein-Pfund-Noten
 in die Zirkulation hineinzuwerfen, um ebenso viele
°overeigns [Ein-Pfund-Münzen] hinauszuwerfen, ein allen Banken
Wohlbekanntes Kunststück.
Wie im Geldumlauf überhaupt nur der Zirkulationsprozeß der
Waren, das heißt ihr Kreislauf durch entgegengesetzte Metamor-Shosen
 erscheint, so in der Geschwindigkeit des Geldumlaufes die
Geschwindigkeit ‚ihres Formwechsels, das kontinuierliche Inein-Adergreifen
 der Metamorphosenreihen, die Hast des Stoffwechsels,
das Tasche Verschwinden der Waren aus der Zirkulationssphäre
d ihr ebenso rascher Ersatz durch neue Waren. In der Ge-Schwindigkeit
 des Geldumlaufes erscheint also die flüssige Eindeit
 der entgegengesetzten und sich ergänzenden Phasen, Verwandlung
 der Gebrauchsgestalt in Wertgestalt und Rückverwandlung der
Wertgestalt in Gebrauchsgestalt, oder der beiden Prozesse des Verkaufes
 und Kaufes. Umgekehrt erscheint in der Verlangsamung
des Geldumlaufes die Trennung und gegensätzliche Verselbständi-Sg
 dieser Prozesse, die Stockung des Formwechsels und daher des
7. Uwechsels. Woher diese Stockung entspringt, ist natürlich der
\'kulation selbst nicht anzusehen. Sie zeigt nur das Phänomen
Subst, Der populären Anschauung, welche mit verlangsamtem
„eldumlauf das Geld minder häufig auf allen Punkten der Zir.
Wationsperipherie erscheinen und verschwinden sieht, liegt es
dahe, das Phänomen aus mangelnder Quantität der Zirkulations-Mittel
 zu deuten?

79

7” „D ld... ‚wöhnliche Maß bei Kauf und Verkauf ist, glaubt
(eder, de zu nen hat und keine Käufer findet, sogleich, daß
Mangel an Bargeld im Land oder Bezirk die Ursache dafür ist, daß ihm die
Waren liegen bleiben; und 80 ist „Mangel an Geld“ die allgemeine Klage;
las beruht aber auf einem großen Irrtum. Was brauchen die Leute wirklich,
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        30

Erster Abschnitt

Das Gesamtquantum des in jedem Zeitabschnitt als Zirkulations:
mittel funktionierenden Geldes ist also bestimmt einerseits durc}
die Preissumme der zirkulierenden Warenwelt, anderseits durel
den langsameren oder rascheren Fluß ihrer gegensätzlichen Zirkulationsprozesse,
 von dem es abhängt, der wievielte Teil jene]
Preissumme durch dieselben Geldstücke realisiert werden kann
Die Preissumme der Waren hängt aber ab sowohl von der Masse
als den Preisen jeder Warenart. Die drei Faktoren: die Preis
bewegung, die zirkulierende Warenmasse und endlich die Umlaufsgeschwindigkeit
 des Geldes, können aber in verschiedener Richtung
und verschiedenen Verhältnissen wechseln, die zu realisierende
Preissumme, daher die durch sie bedingie Masse der Zirkulations
mittel, also sehr zahlreiche Kombinationen durchmachen. Wir zählen
hier nur die in der Geschichte der Warenpreise wichtigsten auf.
Bei gleichbleibenden Warenpreisen kann die Masse. der Zir
kulationsmittel wachsen, weil die Masse der zirkulierenden Warer
zunimmt oder die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes abnimmt
oder beides zusammenwirkt. Die Masse der Zirkulationsmittel kanr
umgekehrt abnehmen mit abnehmender Warenmasse oder zu
nehmender Zirkulationsgeschwindigkeit.
Bei allgemein steigenden Warenpreisen kann die Masse de!
Zirkulationsmitiel gleichbleiben, wenn die Masse der zirkulierender

die nach Vermehrung des Geldes schreien? ... Der Pächter klagt... el
denkt, er könnte seine Produkte zu gutem Preise verkaufen, wenn nur meh!
Geld im Lande wäre, . . . Da scheint es also, daß er nicht Geld braucht, son
dern einen guten Preis für sein Korn und sein Vieh, die er verkaufen
möchte, aber nicht kann.... Warum erlangt er keinen solchen Preis? Erstens:
entweder gibt es überhaupt zu viel Korn und Vieh im Lande, so daß die
meisten auf dem Markte ebenso wie er verkaufen und nur wenige kaufen
wollen, oder zweitens die gewöhnliche Entlastung des Marktes durch Aus
fuhr stockt . . . oder drittens der Konsum geht zurück, wenn zum Beispie
die Bevölkerung infolge von Verarmung nicht mehr soviel für ihren Haus
halt ausgibt wie früher; es ist also nicht die Vermehrung des Bargeldes, die
den Produkten des Pächters zum Verkauf verhelfen würde, sondern die Be
seitigung einer der erwähnten drei Ursachen, die in der Tat den Mark
drücken, ... Der Kaufmann und der Krämer brauchen Geld in derselbe!
Weise, das heißt sie vermissen den Absatz für die Güter, mit denen sie Hande
treiben, weil die Märkte stocken, . . . Eine Nation gedeiht niemals besser
als wenn die Reichtümer möglichst schnell die Hände wechseln.“ (Si
Dudley North: „Discourses upon Trade, London 1691“, p. 11—15 passim-Herrenschwands
 Schwindeleien kommen alle darauf hinaus, daß die aus de!
Natur der Ware entspringenden und daher in der Warenzirkulation er
scheinenden Widersprüche durch Vermehrung der Zirkulationsmittel b®
seitigt werden können. Aus der Volksillusion, welche Stockungen des Pre
duktions- und Zirkulationsprozesses einem Mangel an Zirkulationsmittel?
zuschreibt, folgt übrigens keineswegs umgekehrt, daß wirklicher Mangel #9
Zirkulationsmitteln, zum Beispiel infolge offizieller Pfuschereien mit de!
„Regulierung des Umlaufsmittels‘, nicht seinerseits Stockungen hervorrufe?
kann.
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Drittes Kapitel.
Waren in demselben Verhältnis abnimmt, worin ihr Preis zunimmt,
öder die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes ebenso rasch zunimmt
wie die Preiserhöhung, während die zirkulierende Warenmasse
konstant bleibt. Die Masse der Zirkulationsmittel kann fallen, weil
die Warenmasse rascher ab- oder die Umlaufsgeschwindigkeit
"ascher zunimmt als die Preise.
Bei allgemein faHenden Warenpreisen kann die Masse der Zirkulationsmittel
 gleichbleiben, wenn die Warenmasse in demselben
Verhältnis wächst, worin ihr Preis fällt, oder die Umlaufs-Seschwindigkeit
 des Geldes in demselben Verhältnis abnimmt wie
lie Preise. Sie kann wachsen, wenn die Warenmasse rascher
Wächst oder die Zirkulationsgeschwindigkeit rascher abnimmt, als
die Warenpreise fallen.
Die Variationen der verschiedenen Faktoren können sich
Wechselseitig aufheben, so daß ihrer beständigen Unstetigkeit
Zum Trotz die zu realisierende Gesamtsumme der Warenpreise
&amp;lt;onstant bleibt, also auch die zirkulierende Geldmasse. Man findet
laher, namentlich bei Betrachtung etwas längerer Perioden, ein viel
Xonstanteres Durchschnittisniveau der in jedem Lande zirkulierenden
 Geldmasse und, mit Ausnahme starker Störungen, die periolsch
 aus den Produktions- und Handelskrisen, seltener aus einem
Wechsel im Geldwert selbst entspringen, viel geringere Ab-Yeichungen
 von diesem Durchschnittsniveau, als man nach dem
Augenschein erwarten sollte.
Das Gesetz, daß die Quantität der Zirkulationsmittel bestimmt
in durch die Preissumme der zirkulierenden Waren und die Durch-“hnitisgeschwindigkeit
 des Geldumlaufes,’® kann auch SO aus.

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Ha 78 „Es gibt ein bestimmtes Maß und Verhältnis des Geldes, das für den
nn einer Nation erforderlich ist. Ein Mehr oder Minder würde diesen
Me Indern, Es ist das ebenso, wie in einem Kramladen eine bestimmte
na von Pfennigstücken erforderlich ist, um Silbermünzen zu wechseln
dicht sche Zahlungen zu begleichen, die mit den. kleinsten Silbermünzen
Wende zugleichen sind. ,.. Wie nun das Verhältnis der im Handel not-Ihrer
 zen Pfennigstücke abhängt von der Zahl der Käufer, der Häufigkeit
Nün Käufe sowie auch hauptsächlich von dem Wert der kleinsten Silber-Mmser
 50 ist auch in ähnlicher Weise das Verhältnis des zur Fortführung
Äildern Handels notwendigen Hartgeldes (des gemünziten Goldes und
der 78) abhängig von der Häufigkeit der Tauschakte und von dem Betrage
Dont inzelnen Zahlungen.“ (William Petty:: „A Treatise on Taxes and
Ist Mbutions. London 1667“, p. 17.) Die Humesche Theorie wurde gegen
Uryau rt u. a, verteidigt von A. Young in seiner „Political Arithmetice. London
D 122 Wo ein eigenes Kapitel: „Prices depend on quantity of money“,
Statt SQQ. Ich bemerke „Zur Kritik der Politischen Oekonomie“, S, 149,
den Mor Ausgabe S. 176]: „Die Frage über die Quantität der zirkulieren-'alsch
 Unze beseitigt er (A. Smith) stillschweigend, indem er das Geld ganz
; durch 2 bloße Ware behandelt.“ Dies gilt nur, soweit A. Smith ex officio
lich den Plan seines Werkes dazu verpflichtet] das Geld behandelt. Gelegent-Jedoch,
 zum Beispiel in der Kritik der früheren Systeme der politischen
Das Kapital, ı
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        2

Erster Abschnitt.

gedrückt werden, daß bei gegebener Wertsumme der Waren und
gegebener Durehschnittsgeschwindigkeit ihrer Metamorphosen, die
Quantität des umlaufenden Geldes oder des Geldmaterials von
seinem eigenen Wert abhängt. Die Illusion, daß umgekehrt die
Warenpreise durch die Masse der Zirkulationsmittel und letztere
ihrerseits durch die Masse des in einem Lande befindlichen Geld
materials bestimmt werden,’® wurzelt bei ihren ursprünglichen Ver
tretern in der abgeschmackten Hypothese, daß Waren ohne Preif
und Geld ohne Wert in den Zirkulationsprozeß eingehen, wo sich
dann ein bestimmter Teil des Warenbreies mit einem bestimmteb
Teil des Metallberges austausche.®
Dekonomie, spricht er das Richtige aus: „Die Menge gemünzten Geldes richte
sich in jedem Lande nach dem Werte der damit in Umlauf gesetzten
Waren. ... Der Wert der in einem Lande jährlich gekauften und verkauftes
Waren erfordert eine gewisse Menge Geldes, um die Waren in Umlauf z'
setzen und an ihre eigentlichen Verbraucher zu verteilen; mehr aber i
nicht verwendbar, Der Umlaufskanal zieht eine zu seiner Füllung hir
reichende Summe an sich und läßt niemals mehr zu.“ („Wealth of Nations“
b. IV, ch. 1.) [Vgl. Adam Smith: „Untersuchung über das Wesen und di
Ursachen des Volkswohlstandes.“ Uebersetzt von F. Stöpel. Berlin 1906, Bd. I
S. 209 und 211.] Aehnlich eröffnet A. Smith sein Werk ex officio mit eine!
Verherrlichung der Teilung der Arbeit. Hinterher, im letzten Buch über d#
Quellen des Staatseinkommens, gibt er gelegentlich A. Fergusons, seine
Lehrers, Kritik der Teilung der Arbeit wieder.
79 „Die Preise der Waren werden sicherlich bei jeder Nation steige?
sowie die Menge von Gold und Silber im Volke zunimmt; und wo hir
wiederum die Menge von Gold und Silber bei einer Nation abnimmt, müsse!
daher die Preise sinken, und zwar im Verhältnis zu jener Abnahme.“ (Jacol
Vanderlint: „Money answers all Things, London 1734“, p. 5.) Nähere Ver
gleichung zwischen Vanderlint und Humes „Essays“ läßt mir nicht den g”
ringsten Zweifel, daß Hume V.s übrigens bedeutende Schrift kannte und b®
nutzte. Die Ansicht, daß die Masse der Zirkulationsmittel die Preise b*
stimmt, auch bei Barbon und noch viel älteren Schriftstellern. „Unbehlt
derter Handel“, sagt Vanderlint, „kann keinen Schaden bringen, sondel!
nur großen Vorteil. ... Denn wenn der Geldvorrat einer Nation durch il
vermindert wird, was ja die Schutzzölle und Einfuhrverbote verhinder!
sollen, so werden diejenigen Nationen, zu denen der Geldvorrat abströß
bald erfahren, daß alle Preise steigen. . . . Hingegen werden unsere Man?
fakturprodukte und alle andern Waren bald so sehr im Preise sinken, d#
sich die Handelsbilanz wieder zu unsern Gunsten neigt und wir dadurch d?
Geld wieder zurückholen.‘““ („Money answers all Things“, p. 44.)
% Daß jede einzelne Warenart durch ihren Preis ein Element d®
Preissumme aller zirkulierenden Waren bildet, ist selbstverständlich. W”
aber untereinander unvergleichbare Gebrauchswerte sich in ihrer Gesam
masse mit der in einem Land befindlichen Gold- oder Silbermasse a
tauschen sollen, ist völlig unbegreiflich. Verschwindelt man die Warenw®*
in eine einzige Gesamtware, wovon jede Ware nur einen bestimmten Te
bildet, so kommt das schöne Rechenexempel heraus: Die Gesamtware *
gleich einem gewissen Gewicht Gold. Eine einzelne Ware A ist ein bestimm!®
Teil der Gesamtware, sie ist daher gleich demselben bestimmten Teil jen?
Gewichts Gold, Dies ehrlich heraus bei Montesauieu: „Wenn man &amp;amp;
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Drittes Kapitel.

83

c) Die Münze. Das Wertzeichen.
Aus der Funktion des Geldes als Zirkulationsmittel entspringt
5cine Münzgestalt. Der in dem Preise oder Geldnamen der Waren
vorgestellte Gewichtsteil Gold muß ihnen in der Zirkulation als
Zeichnamiges Goldstück oder Münze gegenübertreien. Wie die
Feststellung des Maßstabes der Preise, fällt das Geschäft der Mün-‘ung
 dem Staat anheim. In den verschiedenen Nationaluniformen,
die Gold und Silber als Münzen tragen, auf dem Weltmarkt aber
Wieder ausziehen, erscheint die Scheidung zwischen den inneren
&amp;gt;der nationalen Sphären [ Gebieten] der Warenzirkulation und ihrer
Allgemeinen Weltmarktssphäre.
Goldmünze und Barrengold unterscheiden sich also von Haus
AUS nur durch die Figur, und das Gold ist beständig aus einer Form
N die andere verwandelbar.*! Der Weg aus der Münze ist aber

Masse des in der Welt vorhandenen Goldes und Silbers mit der vorlandenen
 Warensumme vergleicht, so ist es sicher, daß jedes einzelne
Erzeugnis und jede einzelne Ware einem bestimmten Teil der Edelmetall-Nasse
 gleichgesetzt werden kann. Nehmen wir nun an, daß es nur eine
“nzige Ware auf der Welt gibt, oder daß nur eine einzige zum Verkauf
Zebracht wird, und daß diese in demselben Verhältnis teilbar ist wie das
Geld, Dann würde ein bestimmter Teil der Ware einem ebensolchen Teil
des Geldvorrats entsprechen, die Hälfte der Gesamtware der Hälfte des
Seldvorrats usw. ... Die Bestimmung der Warenpreise hängt stets im
Sünde von dem Verhältnis ab, in dem die Gesamtsumme der Waren zur
Jesamtmasse der Geldzeichen steht.“ (Montesquieu: „Esprit des Lois.
Jeuvres, London 1767“, vol. III, P- 12, 13.) Ueber die Weiterentwicklung
Kieser Theorie durch Ricardo, seinen Schüler James Mill, Lord Over-Hone
 usw. vgl. „Zur Kritik der Politischen Oekonomie“, S. 140 bis 146 und
&amp;gt; 150 ff, [Stuttgarter Ausgabe S. 165 bis 172 und S. 177 ft.] Herr J. St. Mill
/tsteht es, mit der ihm geläufigen eklektischen Logik, der Ansicht seines
Vaters J. Mill und zugleich der entgegengesetzten zu sein. Vergleicht man
den Text seines Leitfadens: „Principles of Political Economy“ mit der
Vorrede (erste Ausgabe), worin er sich selbst als Adam Smith der
&amp;amp;8enwart ankündet, so weiß man nicht, was mehr bewundern, die
Naivität des Mannes oder die des Publikums, das ihn auf Treu und
Glauben in den Kauf nahm als Adam Smith, zu dem er sich etwa
Drhält wie General Williams Kars von Kars zum Herzog von Wellington.
Die Weder umfangreichen noch gehaltreichen Originalforschungen des
deren J. St. Mill im Gebiete der politischen Oekonomie findet man alle in
Reih und Glied aufmarschiert in seinem 1844 erschienenen Schriftchen:
»Some Unsettled Questions of Political Economy“, Locke spricht direkt
den Zusammenhang zwischen der Wertlosigkeit von Gold und Silber und
der Bestimmung ihres Wertes durch Quantität aus. „Da man überein-S°kommen
 ist, Gold und Silber einen eingebildeten Wert beizulegen ...
50 jst der innere Wert, der in diesen Metallen in Betracht kommt, nichts
nn Ihre, Menge.“ („Some Considerations on the Consequences of the
°wering of Interest. 1691“, Works, ed. 1777, vol. II, p. 15.)
* Es liegt natürlich ganz jenseits meines Zweckes, Details wie Schlaghatz
 und dergleichen zu behandeln. Gegenüber. dem romantischen
Ykophanten Adam Müller jedoch, der „die großartige Liberalität“ be
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        34

Erster Abschnitt

zugleich der Gang zum Schmelztiegel. Im Umlauf verschleißen
nämlich die Goldmünzen, die eine mehr, die andere weniger. Gold
titel und Goldsubstanz, Nominalgehalt und Realgehalt beginner
ihren Scheidungsprozeß. Gleichnamige Goldmünzen werden von
ungleichem Wert, weil verschiedenem Gewicht. Das Gold als Zir
kulationsmittel weicht ab vom Gold als Maßstab der Preise, und
hört damit auch auf, wirkliches Aequivalent der Waren zu sein
deren Preise es realisiert. Die Geschichte dieser Wirren bildet die
Münzgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit bis ins 18. Jahr
hundert. Die naturwüchsige Tendenz des Zirkulationsprozesses, daf
Goldsein der Münze in Goldschein oder die Münze in ein Symbo:
ihres offiziellen Metallgehalts zu verwandeln, ist selbst anerkann:
durch die modernsten Gesetze über den Grad des Metallverlustes
der ein Goldstück kursunfähig macht oder demonetisiert.
Wenn der Geldumlauf selbst den Realgehalt vom Nominalgehal'
der Münze scheidet, ihr Metalldasein von ihrem funktionellen Da
sein, so enthält er die Möglichkeit latent [in sich verborgen], da‘
Metallgeld in seiner Münzfunktion durch Marken aus anderw
Material oder Symbole zu ersetzen. Die technischen Hinder
nisse der Münzung ganz kleiner Gewichtsteile des Goldes re
spektive Silbers, und der Umstand, daß niedrigere Metalle ur
sprünglich statt der edleren, Silber statt des Goldes, Kupfer
statt des Silbers, zum Wertmaß dienen und daher als Geld
zirkulieren im Augenblick, wo das edlere Metall sie entthront
erklären historisch die Rolle von Silber- und Kupfermarkel
als Ersatz der Goldmünze. Sie ersetzen das Gold in den Kreisel
der Warenzirkulation, worin die Münze am schnellsten zirkulier
und sich daher am schnellsten abnutzt, das heißt wo Käufe und
Verkäufe unaufhörlich im kleinsten Maßstab erneuert werden. Um
die Festsetzung dieser Trabanten an der Stelle des Goldes selbst zU
verhindern, werden gesetzlich die sehr niedrigen Proportionen be
stimmt, worin sie allein an Zahlungsstatt für Gold angenommel
werden müssen. Die besonderen Kreise, worin die verschiedener
Münzsorten umlaufen. laufen natürlich ineinander. Die Scheide
wundert, womit die „englische Regierung unentgeltlich münzt“, folgende®
Urteil Sir Dudley Norths: „Silber und Gold haben wie andere Waren ihr‘
Ebbe und Flut, Wenn Mengen davon aus Spanien ankommen . .. werde?
sie nach dem Tower gebracht und ausgemünzt. Nicht lange danach brauch!
man Barrengold oder Barrensilber zum Zwecke der Ausfuhr. Wenn nu
keine: Barren vorhanden sind, sondern alles ausgeprägt wurde, was dann!
Man muß es wieder einschmelzen. Der Eigentümer erleidet dabei keine?
Verlust, denn die Ausprägung kostet ihn nichts. Die Nation aber hat eine?
Schaden; denn sie muß für das Flechten von Stroh zahlen, das dann Esel
zu fressen bekommen. Wenn der Kaufmann (North war selbst einer de!
größten Kaufleute zu Karls II. Zeit) Schlagschatz zu zahlen hätte, so schick!‘
er sein Silber nicht ohne triftigen Grund nach dem Tower und gemünzt®
Geld würde stets einen höheren Wert besitzen als Barrensilber.“ (Nortl‘
„Discourses upon Trade, London 1691“, pn. 18.)

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4

Drittes Kapitel.

Münze erscheint neben dem Gold zur Zahlung von Bruchteilen der
kleinsten Goldmünze; das Gold tritt beständig in die Detailzirkulaion
 ein, wird aber durch Auswechslung mit Scheidemünze ebenso
Yeständig herausgeworfen.®?
Der Metallgehalt der Silber- oder Kupfermarken ist willkürlich
durch das Gesetz bestimmt. Im Umlauf verschleißen sie noch
'ascher als die Goldmünze. Ihre Münzfunktion wird daher faktisch
durchaus unabhängig von ihrem Gewicht, das heißt von allem Wert.
Das Münzdasein des Goldes scheidet sich völlig von seiner Wert-3ubstanz.
 Relativ wertlose Dinge, Papierzettel, können also an
*6iner Statt als Münze funktionieren. In- den metallischen Geld-Narken
 ist der rein symbolische Charakter noch einigermaßen ver-;teckt.
 Im Papiergeld tritt er augenscheinlich hervor. Man sieht:
Nur der erste Schritt fällt schwer. '
Es handelt sich hier nur um Staatspapiergeld mit Zwangskurs.
Es wächst unmittelbar aus der metallischen Zirkulation heraus.
Kreditgeld unterstellt dagegen Verhältnisse, die uns vom Stand-Büunkt
 der einfachen Warenzirkulation noch durchaus unbekannt
And. Im Vorbeigehen sei jedoch bemerkt, daß, wie eigentliches
P ahiergeld aus der Funktion des Geldes als Zirkulationsmittel ent-PTingt,
 das Kreditgeld in der Funktion des Geldes als Zahlungs-Mittel
 seine naturwüchsige Wurzel besitzt.83

85

3 „Wenn die Menge der Silbermünzen niemals über das hinausgeht,
Yas für die kleineren Zahlungen erforderlich ist, können sie nicht in Mengen
MBesammelt werden, die für die größeren Zahlungen zureichen würden 46
die Verwendung von Gold zu den Zahlungen im großen führt mit Not-V°Ndigkeit
 auch zu seiner Verwendung im Detailhandel. Die Besitzer von
"Oldmünzen bezahlen mit ihnen auch‘ kleinere Einkäufe und erhalten
A8leich mit der gekauften Ware den Rest des Preises in Silber zurück.
Auf diese Weise wird das überschüssige Silber, das sonst dem Detail-7üdler
 auf dem Hals bliebe, ihm wieder entzogen und der allgemeinen
Zirkulation Üüberantwortet. Wenn aber so viel Silber vorhanden ist, daß
un die kleinen Zahlungen ohne Heranziehung von Gold abwickeln lassen,
an Wird der Detaillist für seine kleinen Verkäufe Silber erhalten und dieses
Ins Sich Notwendigerweise in seinen Händen anhäufen.“ (David Buchanan:
du iry into the Taxation and Commercial Policy of Great Britain. Edin-"eh
 1844“, p. 248, 249.)
Xi % Der Finanzmandarin Wan-mao-in ließ sich beigehen, dem Sohn des
den mels ein Projekt zu unterbreiten, welches versteckt auf Verwandlung
3eu; Ainesischen Reichsassignaten in konvertible Banknoten hinzielte. Im
ze At des Assignatenkomitees vom April 1854 erhält er gehörig den Kopf
X Väschen. Ob er auch die obligate Tracht Bambushiebe erhielt, wird
jet Semeldet, „Das Komitee“, lautet es am Schluß des Berichts, „hat
vn P Tojekt aufmerksam erwogen und findet, daß alles in ihm auf den
‚ Orteil der Kaufleute ausgeht und nichts für die Krone vorteilhaft ist.“
OArbeiten der Kaiserlich Russischen Gesandtschaft zu Peking über China.
(85gu dem Russischen von Dr. X. Abel und F, A. Mecklenburg. Berlin
nün.’? Bd. I S. 47 ff.) Ueber die beständige Entmetallung der Gold-Ünzen
 durch ihren Umlauf sagt ein „Governor“ der Bank von England
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Erster Abschnitt

PapierzetteL,. denen Geldnamen, wie 1 Pfd. Sterl., 5 Pfd
Sterl. usw. aufgedruckt sind, werden vom Staat äußerlich in den Zirkulationsprozeß
 hineingeworfen. Soweit sie wirklich an der Stelle
der. gleichnamigen Goldsumme zirkulieren, spiegeln sich in ihre!
Bewegung nur die Gesetze des Geldumlaufes selbst wider. Ein
spezifisches Gesetz der Papierzirkulation kann nur aus ihrem
Repräsentationsverhältnis zum Gold entspringen. Und dies Geselz
ist einfach dies, daß die Ausgabe des Papiergeldes auf die Quantitäl
zu beschränken ist, worin das von ihm symbolisch dargestellte Gold
(respektive Silber) wirklich zirkulieren müßte. Nun schwankt zwar
das Goldquantum, welches die Zirkulationssphäre absorbieren kann,
beständig über oder unter ein gewisses Durchschnittsniveau. Jedoch
sinkt die Masse des zirkulierenden Mediums in einem gegebenen
Land nie unter ein gewisses Minimum, das sich erfahrungsmäßig
feststellt. Daß diese Minimalmasse fortwährend ihre Bestandteile
wechselt, das heißt aus stets andern Goldstücken besteht, änder'
natürlich nichts an ihrem Umfang und ihrem konstanten Umtrieb
in der Zirkulationssphäre. Sie kann daher durch Papiersymbole
ersetzt werden. Werden dagegen heute alle Zirkulationskanäle zum
vollen Grad ihrer Geldabsorptionsfähigkeit mit Papiergeld gefüllt.
so können sie infolge der Schwankungen der Warenzirkulatior
morgen übervoll sein. Alles Maß geht verloren. Ueberschreitet
aber das Papier sein Maß, das heißt die Quantität von Goldmünze
gleicher Benennung, welche zirkulieren könnte, so stellt es, von der
Gefahr allgemeiner Diskreditierung abgesehen, innerhalb der
Warenwelt dennoch nur die durch ihre immanenten Gesetze be
stimmte, also auch allein repräsentierbare Goldquantität vor. Stell!
die Papierzettelmasse zum Beispiel je 2 Unzen Gold statt je 1 Unze
dar, so wird faktisch 1 Pfd. Sterl. zum Beispiel zum Geldnamen sag
etwa von */, Unze statt von */, Unze. Die Wirkung ist dieselbe, al
wäre das Gold in. seiner Funktion als Maß der Preise veränder
worden. Dieselben Werte, die sich daher vorher im Preise voß
1 Pfd. Sterl., drücken sich jetzt im Preise von 2 Pfd. Sterl. aus.
Das Papiergeld ist Goldzeichen oder Geldzeichen. Sein Ver
hältnis zu den Warenwerten besteht nur darin, daß sie ideell in del
selben Goldmengen ausgedrückt sind, welche vom Papier symbolisch
sinnlich dargestellt werden. Nur sofern das Papiergeld Goldquanf*
repräsentiert, die, wie alle andern Warenquanta, auch Wertquanf#
ist es Wertzeichen.®*

als Zeuge vor dem „House of Lords’ Committee“ (über „Bankacts‘“): „Jede
Jahr wird eine frische Klasse von Souverainen (dies nicht politisch, sonde!?
der Sovereign ist Name des Pfund Sterling) zu leicht. Die Klasse, welch‘
das eine Jahr als vollwichtig passiert, verliert durch den Verschleiß hin
reichend, um das nächste Jahr die Wagschale gegen sich zu drehen
(House of Lords’ Committee 1848, n. 429.)
84 Note zur 2. Ausgabe. Wie unklar selbst die besten Schriftstelle!
über Geldwesen die verschiedenen Funktionen des Geldes auffasgen zeit
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Drittes Kapitel,

87

Es fragt sich schließlich, warum das Gold durch bloße wertlose
Zeichen seiner selbst ersetzt werden kann? Es ist aber, wie man
Sesehen, nur so ersetzbar, soweit es in seiner Funktion als Münze
Oder Zirkulationsmittel isoliert oder verselbständigt wird. Nun
findet die Verselbständigung dieser Funktion zwar nicht für die
einzelnen Goldmünzen statt, obgleich sie in dem Fortzirkulieren
verschlissener Goldstücke erscheint. Bloße Münze oder Zirkula-Honsmittel
 sind die Goldstücke gerade nur solange sie sich wirklich
im Umlauf befinden. Was aber nicht für die einzelne Goldmünze,
Eilt für die vom Papiergeld ersetzbare Minimalmasse Gold. Sie
haust beständig in der Zirkulationssphäre, funktioniert fortwährend
als Zirkulationsmittel und existiert daher ausschließlich als Träger
dieser Funktion.” Ihre Bewegung stellt also nur das fortwährende
Ineinanderumschlagen der entgegengesetzten Prozesse der Waren-Metamorphose
 W — G — W dar, worin der Ware ihre Wertgestalt
Aur gegenübertritt, um sofort wieder zu verschwinden. Die selb-Ständige
 Darstellung des Tauschwertes der Ware ist hier nur
üchtiges Moment. Sofort wird sie wieder durch andere Ware
STseizt. Daher genügt auch die bloß symbolische Existenz des Geldes
© einem Prozeß, der es beständig aus einer Hand in die andere
Sntfernt. Sein funktionelles Dasein absorbiert sozusagen sein
Materielles. Verschwindend objektivierter Reflex der Warenpreise
funktioniert es nur noch als Zeichen seiner selbst und kann daher
Ach durch Zeichen ersetzt werden.® Nur bedarf das Zeichen des
Geldes seiner eigenen objektiv gesellschaftlichen Gültigkeit und
liese erhält das Papiersymbol durch den Zwangskurs. Nur innerlb
 der von den Grenzen eines Gemeinwesens umschriebenen oder
m Beispiel folgende Stelle aus Fullarton: „Insofern nun der inländische
Verkehr in Frage kommt, können alle Geldfunktionen, die in der Regel
70h Gold- und Silbermünzen erfüllt werden, mit der gleichen Wirksamkeit
Jurch den Umlauf von uneinlösbaren Noten erfüllt werden, die keinen andern
Wert haben als jenen künstlichen und auf Uebereinkunft beruhenden, den
hnen das Gesetz verleiht. Das ist eine Tatsache, die meiner Ueberzeugung
sch nicht in Abrede gestellt werden kann. Ein derartiger Wert könnte allen
Bedürfnissen genügen, die heute von vollwertigen Münzen erfüllt werden,
% er könnte selbst die Funktion eines Maßstabs der Werte und Preise
Abernehmen, wenn nur die Menge seiner Ausgabe in entsprechenden
Tehzen gehalten wird.“ (Fullarton: „Regulation of Currencies. 2nd ed.
London 1845“, p. 21.) Also weil die Geldware durch bloße Wertzeichen
M der Zirkulation ersetzt werden kann, ist sie als Maß der Werte und
aßstab der Preise überflüssig! )
Fun," Daraus, daß Gold und Silber als Münze oder in der ausschließlichen
Unktion als Zirkulationsmittel zu Zeichen ihrer selbst werden, leitet
Nicolas Barbon das Recht der Regierungen her, „to raise money“ [„den
Lnzwert zu erhöhen‘“], das heißt zum Beispiel einem Quantum Silber,
un Groschen hieß, den Namen eines größeren Silberquantums wie Taler
geben, und so den Gläubigern Groschen statt Taler zurückzuzahlen.
„ld nutzt sich ab und wird leichter, wenn es durch viele Hände geht...
Ist die Benennung und Prägung und nicht der Gehalt an Silber, die
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        38

Erster Abschnitt.

inneren Zirkulationssphäre gilt dieser Staatszwang, aber auch nur hier
geht das Geld völlig auf in seine Funktion als Zirkulationsmittel ode!
Münze und kann daher im Papiergeld eine von seiner Metallsubstanz
äußerlich getrennte und bloß funktionelle Existenzweise erhalten

3. Geld.
Bisher haben wir das Edelmetall in seiner doppelten Eigenschaft
 betrachtet, als Wertmaß und als Zirkulationsmittel. Die
erstere Funktion erfüllt es als ideelles, vorgestelltes Geld, in der
zweiten kann es durch Geldzeichen ersetzt werden. Aber es gibt
Funktionen, in denen es in seiner goldenen (respektive silbernen)
Leiblichkeit erscheinen muß, daher als Geldware, also weder bloß
ideell, wie im Wertmaß, noch vertretungsfähig, wie im Zirkulationsmittel.
 Anderseits gibt es eine Funktion, die es entweder in eigene!
Person oder durch Stellvertreter vollziehen kann, wo es allen andern
Waren als bloßen Gebrauchswerten gegenüber als allein adäquates
Dasein ihres Tauschwertes oder alleinige Wertgestalt auftritt. In
allen diesen Fällen sagen wir, daß es als Geld im eigentlichen Sinne
[ungiert im Gegensatz zu seinen Funktionen als Wertmaß und als Münze
a) Schatzbildung.
Der kontinuierliche Kreislauf der zwei entgegengesetzte)
Warenmetamorphosen oder der flüssige Umschlag von Verkauf und
Kauf erscheint im rastlosen Umlauf des Geldes oder seiner Funktior
als Perpetuum mobile [als unaufhörlich wirkender Mechanismus]
der Zirkulation. Es wird festgelegt oder verwandelt sich, wie Bois
guillebert sagt, aus meuble in immeuble [aus beweglichem in unbeweß
liches Gut] aus Münze in Geld, sobald die Metamorphosenreihe unter
brochen, der Verkauf nicht durch nachfolgenden Kauf ergänzt wird
Mit der ersten Entwicklung der Warenzirkulation selbst ent
wickelt sich die Notwendigkeit und die Leidenschaft, das Produkt
der ersten Metamorphose, die verwandelte Gestalt der Ware ode!
ihre Goldpuppe festzuhalten. Ware wird verkauft, nicht um War®
zu kaufen, sondern um Warenform durch Geldiorm zu ersetzel
Aus bloßer. Vermittlung des Stoffwechsels wird dieser Formwechs®
zum Selbstzweck. Die entäußerte Gestalt der Ware wird verhinder
als ihre absolut veräußerliche Gestalt oder nur verschwindend“‘
Geldform zu funktionieren. Das Geld versteinert damit zum Schatt
und der Warenverkäufer wird Schatzbiladner.

man beim Handel beachtet... Die Autorität der Regierung ist es, dit
das Stück Metall zum Gelde macht.“ (N. Barbon: „A Discourse on coining
Ihe new money lighter, in answer to Mr. Lockes Considerations etc. Londo®
1696“, p. 29, 80, 45.)
56 „Reichtum an Geld ist nichts anderes ... .als Reichtum an Pr
dukten, die in Geld verwandelt wurden.“ (Mercier de la Riviere: „L’Ordr®
naturel et essentiel des societes politiques.“ Physiocrates, 6d. Daire, I. Parti®
Paris 1848, p. 557.) „Eine in Produkten ausgedrückte Wertsumme hat nV”
die Form gewechselt,“ (Ebenda, S. 486.)
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A

Drittes Kapitel.

89

Gerade in den Anfängen der Warenzirkulation verwandelt sich
ur der Ueberschuß an Gebrauchswerten in Geld. Gold und Silber
erden so von selbst zu gesellschaftlichen Ausdrücken des Ueberlusses
 oder des Reichtums. Diese naive Form der Schatzbildung
/erewigt sich bei Völkern, wo der traditionellen und auf Selbstbedarf
 gerichteten Produktionsweise ein fest abgeschlossener Kreis
“on Bedürfnissen entspricht. Die Zirkulation ist gering, die Menge
der Schätze groß. So bei den Asiaten, namentlich den Indern.
Vanderlint, der die Warenpreise durch die Masse des in einem
Land befindlichen Goldes und Silbers bestimmt wähnt, fragt sich,
Yaruım die indischen Waren so wohlfeil? Antwort: Weil die Inder
das Geld vergraben. Von 1602 bis 1734, bemerkt er, vergruben sie
150 Millionen Pfund Sterling Silber, die ursprünglich von Amerika
lach Europa kamen.** Von 1856 bis 1866, also in 10 Jahren, ex-“Ortierte
 England nach Indien und China (das nach China exportierte
Metall fließt großenteils wieder nach Indien) 120 Millionen Pfund
Sterling in Silber, welches vorher gegen australisches Gold ein-3eWwechselt
 wurde.
Mit mehr entwickelter Warenproduktion muß jeder Waren-Produzent
 sich den Nervus rerum [den „Nerv der Dinge“], das ‚gesell-Schaftliche
 Faustpfand“ sichern.® Seine Bedürfnisse erneuern sich
Maufhörlich und gebieten unaufhörlichen Kauf fremder Ware,
Vährend Produktion und Verkauf seiner eigenen Ware Zeit kosten
and. von Zufällen abhängen. Um zu kaufen, ohne zu verkaufen,
Muß er vorher verkauft haben, ohne zu kaufen: Diese Operation,
Auf allgemeiner Stufenleiter ausgeführt, scheint sich selbst zu wider-Srechen.
 An ihren Produktionsquellen jedoch tauschen sich die
dien Metalle direkt mit andern Waren aus. Es findet hier Verkauf
(auf Seite der Warenbesitzer) ohne Kauf (auf Seite der Gold- und
A berbesitzer) statt.‘®° Und spätere Verkäufe ohne nachfolgende
4ufe vermitteln bloß die weitere Verteilung der edlen Metalle
‚uter alle Warenbesitzer. So entstehen auf allen Punkten des Verychrs
 Gold- und Silberschätze von verschiedenstem Umfange. Mit
We Möglichkeit, die Ware als Tauschwert oder den Tauschwert als
ya festzuhalten, erwacht die Goldgier. Mit der Ausdehnung der
tert. nzirkulation wächst die Macht des Geldes, der stets schlagain
 ‘gen, absolut gesellschaftlichen Form des Reichtums. „Gold ist
vi Wunderbares Ding! Wer dasselbe besitzt, ist Herr von allem,
p S Sr wünscht. Durch Gold kann man sogar Seelen in das
“radies gelangen lassen.“ (Columbus, im Brief aus Jamaica, 1503.)

nn
ind 57 „Durch dieses Verfahren halten sie die Preise aller ihrer Güter
i7840 ren nn Miedrig.“ (Vanderlint: „Money answers all Things. London
&amp;gt; P. 95, 96.)
Man ° „Geld ist ein Pfand.“ (John Bellers: „Essays about the Poor,
“actures, Trade, Plantations, and Immorality, London 1699“, p. 13.)
scho Kauf im kategorischen Sinn unterstellt nämlich Gold oder Silber
N -als verwandelte Gestalt der Ware oder als Produkt des Verkaufs.
        <pb n="135" />
        30

Erster Abschnitt

Da dem Geld nicht anzusehen, was in es verwandelt ist, ver
wandelt sich alles, Ware oder nicht, in Geld. Alles wird ver
käuflich und kaufbar. ‚Die Zirkulation wird die große gesellschaft
liche Retorte, worin alles hineinfliegt, um als Geldkristall wieder
herauszukommen. Dieser Alchimie widerstehen nicht einmal
Heiligenknochen und noch viel weniger minder grobe Res
sacrosanclae, extra commercium hominum [geheiligte, dem Handels
verkehr der Menschen entrückte Dinge]. Wie im Geld aller qualitative
 Unterschied der Waren ausgelöscht ist, löscht es seinerseits
als radikaler Leveller alle Unterschiede aus.” Das Geld ist
aber selbst Ware, ein äußerlich Ding, das Privateigentum eines
jeden werden kann. Die gesellschaftliche Macht wird so zur Privat
macht der Privatperson. Die antike Gesellschaft klagt es daher als
die Scheidemünze ihrer ökonomischen und sittlichen Ordnung an.”

% Heinrich III, allerchristlichster König von Frankreich, raub!
Klöstern usw. ihre Reliquien, um sie zu versilbern. Man weiß, welche
Rolle der Raub der delphischen Tempelschätze durch die Phoker in de!
griechischen Geschichte spielt. Dem Gott der Waren dienten bei der
Alten bekanntlich die Tempel zum Wohnsitz. Sie waren „heilige Banken“
Den Phöniziern, einem Handelsvolke par exeellence, galt Geld als die ent
äußerte Gestalt aller Dinge. Es war daher in der Ordnung, daß die Jung
irauen, die sich an den Festen der Liebesgöttin den Fremden hingaber
das zum Lohn empfangene Geldstück der Göttin opferten.
x „Gold! Kostbar, flimmernd rotes Gold! ...
So viel hiervon macht schwarz weiß, häßlich schön,
Schlecht gut, alt jung, feig tapfer, niedrig edel.
Ihr Götter! Warum dies? Warum dies, Götter;
Ha, dies lockt euch den Priester vom Altar;
Reißt Lebenskräft’'gen weg das Schlummerkissen,
Ja, dieser rote Sklave löst und bindet
Geweihte Bande, segnet den Verfluchten,
Macht ehrwürdig den Aussatz, ehrt den Dieb
Und gibt ihm Rang, gebeugtes Knie und Geltung
Im Rat der Senatoren; dieser führt
Der überjähr’gen Witwe Freier zu.
‚... Verdammte Erde,
Gemeine Hure, die du Zwietracht stiftest
Im Völkerschwarm ....“
(Shakespeare: Timon von Athen.) [IV. 3
Vebersetzung von Dorothea Tieck.]
„Deun von dem Menschengeiste ward dem Gelde gleich
Nichts Arges mehr ersonnen. Städte kehrt es um
Und treibt die Menschen flüchtig aus den Wohnungen;
Mit arger Lehre wandelt es den Männersinn,
Daß sich der Edle zu der Schmach des Bösen kehrt;
Zu jeder Arglist leitet es die Menschen an
Und macht sie kundig jeder gottvergess’nen Tat.“
(Sophokles: Antigone.) [V. 295 bis 301.
Deberseizung nach Georg Thudichum. Ed. Reclam.‘
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        4.

4

„q

Drittes Kapitel.
Die moderne Gesellschaft, die schon in ihren Kinderjahren den Plulus
 [den Gott des Reichtums] an den Haaren aus den Eingeweiden
der Erde herauszieht,® begrüßt im Goldgral die glänzende Verkör
 Perung ihres eigensten Lebensprinzips.
Die Ware als Gebrauchswert befriedigt ein besonderes Bedürfnis
und bildet ein besonderes Element des stofflichen Reichtums. Aber
der Wert der Ware mißt den Grad ihrer Anziehungskraft auf alle
Elemente des stofflichen Reichtums, daher den gesellschaftlichen
Reichtum ihres Besitzers. Dem barbarisch einfachen Warenbesitzer,
Selbst einem westeuropäischen Bauer, ist der Wert unzertrennlich
Yon der Wertform, Vermehrung des Gold- und Silberschatzes daher
Wertvermehrung. Allerdings wechselt der Wert des Geldes, sei es
infolge seines eigenen Wertwechsels, sei es des Wertwechsels der
Waren. Dies verhindert aber einerseits nicht, daß 200 Unzen Gold
üach wie vor mehr Wert enthalten als 100, 300 mehr als 200 usw.,
Aoch anderseits daß die metallene Naturalform dieses Dinges die
allgemeine Aequivalentform aller Waren bleibt, die unmittelbar
Sesellschaftliche Verkörperung aller menschlichen Arbeit. Der Trieb
der Schatzbildung ist von Natur maßlos. Qualitativ oder seiner
Form nach ist das Geld schrankenlos, das heißt allgemeiner Reprä-Sentant
 des stofflichen Reichtums, weil in jede Ware unmittelbar
Unsetzbar. Aber zugleich ist jede wirkliche Geldsumme quantitativ
deschränkt, daher auch nur Kaufmittel von beschränkter Wirkung.
Dieser Widerspruch zwischen der quantitativen Schranke und der
Talitativen Schrankenlosigkeit des Geldes treibt den Schatzbildner
Stets zurück zur Sisyphusarbeit [zur endlos sich erneuernden Arbeit]
der Akkumulation [der Ansammlung und Aufspeicherung von Gold
And Silber]. Es geht ihm wie dem Welteroberer, der mit jedem
%6uen Land nur eine neue Grenze erobert.
Um das Gold als Geld festzuhalten und daher als Element der
Schatzbildung, muß es verhindert werden zu zirkulieren oder als
Kaufmittel sich in Genußmittel aufzulösen. Der Schatzbildner
’Plert daher dem Goldfetisch seine Fleischeslust. Er macht Ernst
Mt dem Evangelium der Entsagung. Anderseits kann er der Zir-“Wation
 nur in Geld entziehen, was er ihr in Ware gibt. Je mehr
dr Produziert, desto mehr kann er verkaufen. Arbeitsamkeit, Spareemkeit
 und Geiz bilden daher seine Kardinaltugenden, viel veräufen,
 wenig kaufen, die Summe seiner politischen Oekonomie.**
6 Neben der unmittelbaren Form des Schatzes läuft seine ästhe-"che
 Form, der Besitz von Gold- und Silberwaren. Er wächst mit

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3 % „Die Habsucht hofft den Plutus selbst aus dem Innern der Erde
Mporzuziehen.“ (Athenaeus: „Deipnosophistai.“)
di * „Die Zahl der Verkäufer jeder Ware nach Möglichkeit zu erhöhen,
im Zahl der Käufer nach Möglichkeit zu vermindern, das sind die Angeln,
M die sich alle Maßregeln der politischen Oekonomie drehen.“ (Verri:
Den itazioni sulla Economia Politica“, in der Ausgabe der italienischen
°Bomen von Custodi, Parte Moderna, vol. XV, p. 52.)
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Erster Abschnilt

dem Reichtum der bürgerlichen Gesellschaft. „Seien wir reich odel
scheinen wir reich“ (Diderot). Es bildet sich so teils ein stet
ausgedehnterer Markt für Gold und Silber, unabhängig von ihre
Geldfunktionen, teils eine latente Zufuhrquelle des Geldes, die
namentlich in gesellschaftlichen Sturmperioden fließt.
Die Schatzbildung erfüllt verschiedene Funktionen in der Oekt
nomie der metallischen Zirkulation. Die nächste Funktion ent
springt aus den Umlaufsbedingungen der Gold- und Silbermünze
Man hat gesehen, wie mit den beständigen Schwankungen del
Warenzirkulation in Umfang, Preisen und Geschwindigkeit die
Umlaufsmasse des Geldes rastlos ebbt und flutet. Sie muß also der
Zusammenziehung und Ausdehnung fähig sein. Bald muß Geld al
Münze angezogen werden und in die Zirkulation eintreten, bald
Münze als Geld abgestoßen werden und aus der Zirkulation aus
treten. Damit die wirklich umlaufende Geldmasse dem Sättigung“
grad der Zirkulationssphäre stets entspreche, muß das in einem
Lande befindliche Gold- oder Silberquantum größer sein als da®
in Münzfunktion begriffene. Diese Bedingung wird erfüllt durch
die Schatzform des Geldes. Die Schatzreservoirs dienen zugleich
als Abfuhr- und Zufuhrkanäle des zirkulierenden Geldes, welche
seine Umlaufskanäle daher nie überfüllt.?

b) Zahlungsmittel
In der bisher betrachteten unmittelbaren Form der Warer
zirkulation war dieselbe Wertgröße stets doppelt vorhanden, War“
auf dem einen Pol, Geld auf dem Gegenpol. Die Warenbesitze!
iraten daher nur in Kontakt als Repräsentanten wechselseitig vor
handener Aequivalente. Mit der Entwicklung der Warenzirkulatios
entwickeln sich jedoch Verhältnisse, wodurch die Veräußerung de'

% „Zur Fortführung des Geschäftsverkehrs jeder Nation ist eine be
stimmte Summe Bargeldes notwendig, die schwankt und höher oder tiefe
steht, wie es jeweils die Umstände erfordern. ... Diese Schwankunge®
diese Ebbe und Flut des Geldes, passen sich ohne Einmischung der R®
zierung den wechselnden Situationen an. ... Die beiden Eimer arbeite!
abwechselnd: wenn Geld knapp ist, werden Barren ausgemünzt; sin“
Barren knapp, werden Münzen eingeschmolzen.“ (Sir D. North: „Discours®
upon Trade. London 1691“, p. 22.) John Stuart Mill, lange Zeit Beamte
der ostindischen Kompanie, bestätigt, daß in Indien immer noch der Silber
schmuck unmittelbar als Schatz funktioniert. Die „silbernen Schmuck
sachen werden in die Münze geschickt, sobald der Zinsfuß hoch steht; 8
wandern zurück, wenn der Zinsfuß sinkt.“ (J. St. Mills: „Evidence Reports ®
Bankacts 1857“, n. 2084.) Nach einem parlamentarischen Dokument vo
1864 über Gold- und Silber-Import und -Export in Indien überstieg 1886
der Import von Gold und Silber den Export um 19867 764 Pfd. Sterl. In de”
letzten acht Jahren vor 1864 betrug der Ueberschuß des Imports über d®
Export der edien Metalle 109652917 Pfd. Sterl. Während dieses Jah!
hunderts wurden weit über 200000000 Pfd. Sterl. in Indien gemünzt.
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Drittes Kapitel.

Ware von der Realisierung ihres Preises zeitlich getrennt wird.
Es genügt, die einfachsten dieser Verhältnisse hier anzudeuten. Die
ne Warenart erheischt längere, die andere kürzere Zeitdauer zu
Ihrer Produktion. Die Produktion verschiedener Waren ist an verschiedene
 Jahreszeiten geknüpft. Die eine Ware wird auf ihrem
Marktplatz geboren, die andere muß zu entferntem Markt reisen.
Der eine Warenbesitzer kann daher als Verkäufer auftreten, bevor
der andere als Käufer. Bei steter Wiederkehr derselben Trans-Aktionen
 [Geschäfte] unter denselben Personen regeln sich die Verkaufsbedingungen
 der Waren nach ihren Produktionsbedingungen.
Anderseits wird die Benutzung gewisser Warenarten, zum Beispiel
“nes Hauses, für einen bestimmten Zeitraum verkauft. Erst nach
Ablauf des Termins hat der Käufer den Gebrauchswert der Ware
Wirklich erhalten. Er kauft sie daher, bevor er sie zahlt. Der eine
Warenbesitzer verkauft vorhandene Ware, der andere kauft als
bloßer Repräsentant von Geld oder als Repräsentant von künftigem
Gelde. Der Verkäufer wird Gläubiger, der Käufer Schuldner. Da
die Metamorphose der Ware oder die Entwicklung ihrer Wertform
Slch hier verändert, erhält auch das Geld eine andere Funktion. Es
Wird Zahlungsmittel.®
Der Charakter von Gläubiger oder Schuldner entspringt hier aus
der einfachen Warenzirkulation. Ihre Formveränderung drückt dem
Verkäufer und Käufer diese neuen Stempel auf. Zunächst also
nd es ebenso verschwindende und wechselweise von denselben
Zirkulationsagenten gespielte Rollen wie die von Verkäufer und
Käufer, Jedoch sieht der Gegensatz jetzt von Haus aus minder gemütlich
 aus und ist größerer Kristallisation fähig. Dieselben
Charaktere können aber auch von der Warenzirkulation unabhängig
Auftreten. Der Klassenkampf der antiken Welt zum Beispiel bewegt
Sch hauptsächlich in der Form eines Kampfes zwischen Gläubiger
Ad Schuldner und endet in Rom mit dem Untergang des plebejischen
Schuldners, der durch den Sklaven ersetzt wird. Im Mittelalter
‚det der Kampf mit dem Untergang des feudalen Schuldners, der
ine Politische Macht mit ihrer ökonomischen Basis einbüßt. Indes
Diegelt die Geldiorm — und das Verhältnis von Gläubiger und
a uldner besitzt die Form eines Geldverhältnisses — hier nur den
Sgensatz tiefer lLegender ökonomischer Lebensbedingungen wider.

93

&amp;gt;

.., % Luther unterscheidet zwischen Geld als Kaufmittel und Zahlungs-Nittel,
 »Machest mir einen Zwilling aus dem Schadewacht, das ich hie
Spt bezalen und dort nicht kauffen kann.“ (Martin Luther: „An die
“Tarrherrn, wider den Wucher zu predigen. Wittenberg 1540.“) |
* Ueber die Schuldner- und Gläubigerverhältnisse unter den englischen
Handelsteuten Anfang des 18. Jahrhunderts: „Hier in England herrscht unter
den Kaufleuten ein Geist der Grausamkeit, wie er in keiner andern ‚Ge-"llschaftsschicht
 und in keinem andern Lande der Welt zu finden ist.
(An Essay on Credit and ihe Bankrupt Act. London 1707“, p. 2.)
        <pb n="139" />
        Erster Abschnit!

Kehren wir zur Sphäre [zum Bereich] der Warenzirkulatior
zurück. Die gleichzeitige Erscheinung der Aequivalente Ware un
Geld auf den beiden Polen des Verkaufsprozesses hat aufgehört
Das Geld funktioniert jetzt erstens als Wertmaß in der Preis
bestimmung der verkauften Ware. Ihr kontraktlich festgesetzte!
Preis mißt die Verbindlichkeit des Käufers, das heißt die Geld
summe, die er an bestimmtem Zeittermin schuldet. Es funktionier‘
zweitens als ideelles Kaufmittel. Obgleich es nur im Geld
versprechen des Käufers existiert, bewirkt es den Händewechse
der Ware. Erst am fälligen Zahlungstermin tritt das Zahlungsmitte:
wirklich in Zirkulation, das heißt geht aus der Hand des Käufer‘
in die des Verkäufers über. Das Zirkulationsmittel verwandelt
sich in Schatz, weil der Zirkulationsprozeß mit der ersten Phas‘
L[Erscheinungsform] abbrach oder die verwandelte Gestalt der Warte
der Zirkulation entzogen wurde. Das Zahlungsmittel tritt in die
Zirkulation hinein, aber nachdem die Ware bereits aus ihr aus
getreten ist. Das. Geld vermittelt nicht mehr den Prozeß. E:
schließt ihn selbständig ab, als absolutes Dasein des Tauschwerte
oder allgemeine Ware. Der Verkäufer verwandelte Ware in Geld
um ein Bedürfnis durch das Geld zu befriedigen; der Schatzbildner
um die Ware in Geldform zu konservieren; der schuldige Käufer, ur
zahlen zu können. Zahlt er nicht, so finden Zwangsverkäufe seine
Habe statt.

Die Verwandlung der Ware in ihre Wertgestalt, in Geld, wir!
also jetzt eine gesellschaftliche Notwendigkeit, die sich dem Waren
produzenten aufdrängt, unabhängig von seinen Bedürfnissen um‘
seinen persönlichen Liebhabereien. Diese Notwendigkeit entspring
aus den Verhältnissen des Zirkulationsprozesses selbst.

Nehmen wir an, daß der Bauer vom Leineweber 20 Ellen Lei
wand zum Preise von 2 Pfd. Sterl. kauft, aber nicht bezahlt. E!
besitzt nicht die nötigen 2 Pfd. Sterl., denn er hat noch nicht seine!
Weizen verkauft. Der Preis des Quarters Weizen sei ebenfall
2 Pfd. Sterl. Der Bauer verwandelt seinen Weizen in Leinwand
ehe er ihn in Geld verwandelt hat. Er vollzieht. also die zweil®
Warenmetamorphose vor der ersten. Dann verkauft er den Weize?
um 2 Pfd. Sterl, die er dem Weber zum vereinbarten Zeitpunk
ausfolgt. Das wirkliche Geld dient dem Bauern hier nicht mel
als Vermittler der Ersetzung des Weizens durch Leinwand
Dies ist schon geschehen. Für ihn bildet das Geld vielmelW
den Abschluß der Transaktion, weil es die absolute Form de‘
Wertes bildet, den er zu liefern hat, die allgemeine Ware. Wa
den Weber anbelangt, so hat seine Ware zirkuliert und ihren Prei
realisiert, aber nur in einem privatrechtlichen Anspruch auf Geld
Sie trat in die Konsumtion eines andern ein, verwandelte sich 2
Gebrauchswert, bevor sie sich in Geld verwandelt hatte. Die erst“
Metamorphose seiner Leinwand ward also aufgeschoben und ers!
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95
üachträglich vollzogen, zum Zeitpunkt, an dem die Schuld des
Bauern fällig wurde.
In jedem bestimmten Zeitabschnitt des Zirkulationsprozesses
"epräsentieren die fälligen Verbindlichkeiten die Preissumme der
Waren, deren Verkauf sie hervorrief. Die zur Realisierung dieser
Preissumme nötige Geldmasse hängt zunächst ab von der Umlaufs-Seschwindigkeit
 der Zahlungsmittel. Sie ist bedingt durch zwei Um-Stände:
 die Verkettung der Verhältnisse von Gläubiger und Schuldner,
 so daß A, der Geld von seinem Schuldner B erhält, es an seinen
Gläubiger C fortzahlt usw. — und die Zeitlänge zwischen den ver
Schiedenen Zahlungsterminen. Die Kette von aufeinanderfolgenden
Zahlungen oder nachträglichen ersten Metamorphosen unterscheidet
 sich wesentlich von der früher betrachteten Verschlin-8ung
 der Metamorphosenreihen. Im Umlauf des Zirkulations-Mittels
 wird der Zusammenhang zwischen Verkäufern und Käufern
dicht nur ausgedrückt. Der Zusammenhang selbst entsteht erst in
nd mit dem Geldumlauf. Dagegen drückt die. Bewegung des
Zahlungsmittels einen schon vor ihr fertig vorhandenen gesell-Schaftlichen
 Zusammenhang aus.
Gleichzeitigkeit und Nebeneinander der Verkäufe oder Käufe
beschränken den Ersatz der Münzmasse durch Umlaufsgeschwindigkeit.
 Sie bilden umgekehrt einen neuen Hebel in der Oekonomie
der Zahlungsmittel. Mit der Konzentration der Zahlungen an dem-Selben
 Platz entwickeln sich naturwüchsig eigene Anstalten und
Methoden ihrer Ausgleichung. So zum Beispiel die Virements im
C telalterigen Lyon. Die Schuldforderungen von A an B, B an C,
an A usw. brauchen bloß einander gegenübergestellt zu werden,
nn Sich wechselseitig bis zu einem gewissen Belauf als positive und
g.8ative Größen aufzuheben. So bleibt nur eine Schuldbilanz [ein
qeeuldüberschuß] zu begleichen. Je massenhafter die Konzentration
nn Zahlungen, desto kleiner relativ die Bilanz, also die Masse der
rkulierenden Zahlungsmittel.
v Die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel schließt einen un-SMittelten
 Widerspruch ein. Soweit sich die Zahlungen aus-Drittes

 Kapitel.

——

% Note zur 2. Ausgabe. Aus folgendem, meiner 1859 erschienenen
Schritt entlehnten Zitat wird man sehen, warum ich im Text keine Rück-Acht
 Nehme auf eine entgegengesetzte Form: „Umgekehrt kann im Prozeß
= w das Geld als wirkliches Kaufmittel entäußert und der Preis der
Ware so realisiert werden, ehe der Gebrauchswert des Geldes realisiert
ler die Ware veräußert wird. Dies findet zum Beispiel statt in der all-Slichen
 Form der Pränumeration, Oder in der Form, worin die englische
°8ierung das Opium der Ryots in Indien kauft, ... So wirkt jedoch
das Geld nur in der schon bekannten Form des Kaufmittels ,.. Kapital
Dad Natürlich auch in der Form des Geldes avanciert (vorgeschossen) . ..
t6Ser Gesichtspunkt fällt aber nicht in den Horizont der einfachen Zirku-Ton,“
 („Zur Kritik der Politischen Oekonomie. Berlin 1859“, S. 119, 120.)
fütigarter Ausgabe S. 140.1
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Erster Abschnitt

gleichen, funktioniert es nur ideell als Rechengeld oder Maß der
Werte, Soweit wirkliche Zahlung zu verrichten, tritt es nicht als
Zirkulationsmittel auf, als nur verschwindende und vermittelnde
Form des Stoffwechsels, sondern als die individuelle Verkörperung
der gesellschaftlichen Arbeit, selbständiges Dasein des Tauschwertes,
 absolute Ware. Dieser Widerspruch kommt zum Ausbruch
in dem Moment der Produktions- und Handelskrisen, der Geldkrise
heißt.*® Sie ereignet sich nur, wo die ununterbrochene Kette auf
einanderfolgender Zahlungen und ein künstliches System ihrer Aus
gleichung völlig entwickelt sind. Mit allgemeineren Störunger
dieses Mechanismus, woher sie immer entspringen mögen, schlägl
das Geld plötzlich und unvermittelt aus der nur ideellen Gestall
des Rechengeldes in hartes Geld um. Es wird unersetzlich durch pro
fane [gemeine] Waren. Der Gebrauchswert der Ware wird wertlos
und ihr Wert verschwindet vor seiner eigenen Wertform. Ebert
noch erklärte der Bürger in prosperitätstrunkenem Aufklärungs
dünkel das Geld für leeren Wahn. Nur die Ware ist Geld. Nur da®
Geld ist Ware! gellt’s jetzt über den Weltmarkt. Wie der Hirsch
schreit nach frischem Wasser, so schreit seine Seele nach Geld,
dem einzigen Reichtum.!® In der Krise wird der Gegensatz zwischel
der Ware und ihrer Wertgestalt, dem Geld, bis zum absoluten
Widerspruch gesteigert. Die Erscheinungsform des Geldes ist hier
daher auch gleichgültig. Die Geldhungersnot bleibt dieselbe, ob
in Gold oder Kreditgeld, Banknoten etwa. zu zahlen je+101

% Die Geldkrise, wie im Text bestimmt als besondere Phase jede!
allgemeinen Produktions- und Handelskrise, ist wohl zu unterscheiden vol
der speziellen Sorte der Krise, die man auch Geldkrise nennt, die abel
selbständig auftreten kann, so daß sie auf Industrie und Handel nur rück
schlagend wirkt. Es sind dies Krisen, deren Bewegungszentrum das Geld
kapital ist, und daher Bank, Börse, Finanz ihre unmittelbare Sphäre.
100 „Dieses plötzliche Umschlagen aus dem Kreditsystem in das
Monetarsystem fügt den theoretischen Schrecken zur praktischen Panik‘
and die Zirkulationsagenten schaudern vor dem undurchdringlichen Ge
heimnis ihrer eigenen Verhältnisse.“ (Karl Marx: „Zur Kritik der Politischen
 Oekonomie, Berlin 1859“, S, 126.) [Stuttgarter Ausgabe S. 148.] „Die
Armen sind arbeitslos, weil die Reichen kein Geld haben, um sie zu be
schäftigen, obgleich sie im Besitz desselben Grund und Bodens und der
selben Arbeitskräfte sind wie sonst, um Lebensmittel und Kleider zu produ
zieren. In diesen besteht aber der wahre Reichtum einer Nation und
nicht im Gelde.‘“ (John Bellers: „Provosals for raising a Colledge df
Industry. London 1696“, p. 38.)
+01 Wie solche Momente von den „amis du commerce“, den „Freu
den des Handels“, ausgebeutet werden: „Bei einer bestimmten G&amp;amp;
legenheit (1839) hob ein alter wucherischer Bankier (der City) 3
seinem Privatkontor den Deckel seines Pultes auf und zeigte eine®
Freunde Rollen Banknoten; und dabei sagte er mit dem deutliche
Ausdruck der Freude, das wären 600000 Pfd. Sterl. in Noten; die
hielte er zurück, um Geldknappheit zu erzielen. Nach 3 Uhr nach
mittags desselben Tages würde er sie auf den Markt werfen.“ („The
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Drittes Kapitel.

D7

Betrachten wir nun die Gesamtsumme des in einem gegebenen
4eitabschnitt umlaufenden Geldes, so ist sie, bei gegebener Umaufsgeschwindigkeit
 der Zirkulations- und. Zahlungsmittel, gleich
ler Summe der zu realisierenden Warenpreise, vermehrt um die
;umme der fälligen Zahlungen, vermindert um die sich aus-Heichenden
 Zahlungen, vermindert endlich um. die Anzahl Um-Äufe,
 worin dasselbe Geldstück abwechselnd bald als Zirkulations-,
2ald als Zahlungsmittel funktioniert. Zum Beispiel der Bauer
lat sein Getreide für 2 Pfd. Sterl. verkauft, die so als Zirkuälionsmittel
 dienen. Er benutzt sie nun zur Begleichung einer
&amp;gt;chuld, die fällig wird für Leinwand, die ihm der Weber gelefert
 hat. Dieselben 2 Pfd. Sterl. funktionieren jetzt als Zahlungs-Nittel.
 Der Weber kauft damit nun eine Bibel gegen bar — sie
unktionieren von neuem als Zirkulationsmittel — usw.
Selbst Preise, Geschwindigkeit des Geldumlaufs, und Oeko-\Omie
 der Zahlungen gegeben, decken sich daher nicht länger
die Während einer Periode, eines Tages zum Beispiel, umlaufende
veldmasse und zirkulierende Warenmasse. Es läuft Geld um, das
der Zirkulation längst entzogene Waren repräsentiert. Es laufen
Waren um, deren Geldäquivalent erst in der Zukunft erscheint.
Änderseits sind die jeden Tag kontrahierten und die denselben Tag
älligen Zahlungen durchaus inkommensurable Größen.!02
„Das Kreditgeld entspringt unmittelbar aus der Funktion des
“eldes als Zahlungsmittel, indem Schuldscheine für die verkauf-°n
 Waren selbst wieder zur UVebertragung der Schuldforderungen
Arkulieren. Anderseits, wie sich das Kreditwesen ausdehnt. so die

Theory of Me Exchanges. The Bank Charter Act of 1844. London 1864“,
* 81.) Das halboffizielle Organ „The Observer“ bemerkt am 24. April 1864:
»Einige sehr sonderbare Gerüchte sind in Umlauf über die Mittel, die
lazu ängewendet wurden, eine Knappheit in Banknoten zu erzeugen. .,.
50 %Wweifelhaft auch die Annahme scheinen mag, daß irgendwelche der-Artigen
 Kniffe zur Anwendung kamen, so waren die Berichte darüber
so verbreitet, daß sie verdienen, erwähnt zu werden.“ . nn
12 Der Betrag der Kaufgeschäfte oder Vertragsabschlüsse, die im
Laufe eines bestimmten Tages zustande kommen, haben keinen Einfluß auf
die Geldmenge, die an diesem selben Tage in Umlauf ist; sie werden vielmehr
mer großen Mehrzahl der Fälle in den verschiedenartigsten gezogenen
Wechseln zum Ausdruck kommen, welche auf Geldsummen lauten, die
ASt zu Späteren Zeiten in Umlauf sein werden. ,.. Die heute ausgestellten
Wechsel und eröffneten Kredite brauchen mit denen von morgen ‚oder
‚bermorgen weder in der Gesamtsumme noch in der Höhe der „Einzel-"Siräge
 Oder in der Laufzeit irgendeine Aehnlichkeit zu besitzen; vielmehr
Meichen Sich viele der heute ausgestellten Wechsel und gewährten Buchedite
 bei ihrer Fälligkeit mit einer Menge von Verbindlichkeiten aus,
aen Ursprung sich über eine ganze Reihe früherer Termine verteilt. Oft
den Wechsel mit 12, 6, 3 oder 1 Monat Ziel gerade auf einen bestimmten
% 8 Zusammen und erhöhen so die Masse der an diesem Tage fälligen Veru
 dlichkeiten.“ : („The Currency Question Reviewed; a letter to the Scotch
SOple, By a Banker in England. Edinburgh 1845‘, p. 29, 30 passim.)
Das Kayital. tT
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        DS

Erster Abschnitt

Funktion des Geldes als Zahlungsmittel. Als solches erhält es eigene
Existenzformen, worin es die Sphäre der großen Handelstrans
aktionen behaust, während die Gold- oder Silbermünze hauptsäch
lich in die Sphäre des Kleinhandels zurückgedrängt wird.!®
Bei gewissem Höhegrad und Umfang der Warenproduktion
greift die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel über die Sphäre
der Warenzirkulation hinaus. Es wird die allgemeine Ware der
Kontrakte.!** Renten, Steuern usw. verwandeln sich aus Natural
lieferungen in Geldzahlungen. Wie sehr diese Umwandlung durch
die Gesamtgestalt des Produktionsprozesses bedingt wird, beweis!
zum Beispiel der zweimal gescheiterte Versuch des römischen
Kaiserreichs, alle Abgaben in Geld zu erheben. Das ungeheure
Elend des französischen Landvolks unter Ludwig XIV., das Bois
guillebert, Marschall Vauban usw. so beredt brandmarken, wa
nicht nur der Steuerhöhe geschuldet, sondern auch der Verwand
lung von Naturalsteuer in Geldsteuer.!®® Wenn anderseits die
Naturalform der Grundrente, in Asien zugleich das Hauptelemer‘
der Staatssteuer, dort auf Produktionsverhältnissen beruht, welcht
sich mit der Unwandelbarkeit von Naturverhältnissen reproduziereß
erhält jene Zahlungsform rückwirkend die alte Produktionsforrr

105 Als Beispiel, wie wenig wirkliches Geld in die eigentlichen Handel‘
operationen eingeht, folgt hier das Schema eines der größten Londone
Handelshäuser (Morrison, Dillon &amp;amp; Co.) über seine jährlichen Geldeinnahme
und Zahlungen. Seine Transaktionen im Jahre 1856, die viele Millionen Pfur
Sterling umfassen, sind auf den Maßstab einer Million verkürzt.
Einnahmen. Pfd, Sterl, Ausgaben. Pfd, Ster
Wechsel v. Bankiers u, Kauf- Wechsel nach Datum zahlbar 302 67
leuten nach Datum zahlbar 533596 Schecks auf Londoner Ban-Schecks
 von Bankiers usw. Kiers ...............,.., 66367
bei Sicht zahlbar........ 357715 Noten der Bank von England 2274
Landbank-Noten........... 9627 Gold.................1.... 94
Noten der Bank von England 68554 Silber und Kupfer......... 14
GO ers re rmEE ner BB 089
Silber und Kupfer......... 1486
Geldanweisung. durch d. Post 933
Totalsumme. ..1 000000 | Totalsumme. . .1 000 0%
(„Report from the Select Committee on the Bankaets. July 1858“, p. LXXL
104 „Der Charakter des Geschäftsverkehrs hat sich in der Weise ge
ändert, daß an die Stelle des Austausches von Gütern gegen Güter sow“
deren Lieferung und Abnahme nun lediglich das Verhältnis von Verka
und Bezahlung getreten ist. Alle Arten des Verkehrs . . . haben sich dab®
aufgelöst in reine Geldgeschäfte.“ („An Essay upon Publick Credit. 3rd €
London 1710“, p. 8.)
105 „Das Geld ist zum Henker aller Dinge geworden.“ Die Finap?
kunst ist die „Retorte, in der eine furchtbare Menge von Gütern und Ware
verdampft wird, um jenen verhängnisvollen Niederschlag (das Geld) %
gewinnen“, „Das Geld erklärt dem ganzen Menschengeschlecht den Krieß- |
(Boisguillebert: „Dissertation sur la nature des richesses, de Vargent ®%
des tributs‘“, 6d. Daire, „Economistes financiers, Paris 1843“, vol. I, p. aß
417. 419.)
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Drittes Kapitel.

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Sie bildet eines der Selbsterhaltungsgeheimnisse des türkischen
Reiches. Zieht der durch Europa aufgedrängte auswärtige Handel
in Japan die Verwandlung von Naturalrente in Geldrente nach sich,
30 ist es um seine musterhafte Agrikultur geschehen. Ihre engen
ökonomischen Existenzbedingungen werden sich auflösen.
In jedem Land setzen sich gewisse allgemeine Zahlungstermine
fest. Sie beruhen teilweise, von andern Kreisläufen der Reproduk-Non
 abgesehen, auf den an Wechsel der Jahreszeit gebundenen
Naturbedingungen der Produktion. Sie regeln ebenso Zahlungen,
die nicht direkt der Warenzirkulation entspringen, wie Steuern,
Renten usw. Die Geldmasse, die zu diesen über die ganze Oberläche
 der Gesellschaft zersplitterten Zahlungen an gewissen Tagen
des Jahres erheischt ist, verursacht periodische, aber ganz ober-Bächliche
 Störungen in der Oekonomie der Zahlungsmittel.*°® Aus
dem Gesetz über die Umlaufsgeschwindigkeit der Zahlungsmittel
folgt, daß für alle periodischen Zahlungen, welches immer ihre
Quelle, die notwendige Masse der Zahlungsmittel in geradem
erhältnis zur Länge der Zahlungsperioden steht.1°

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6, Pfingstmontag 1824“, erzählt Herr Craig dem parlamentarischen
Untersuchungskomitee von 1826, „war eine solche ungeheure Nachfrage für
Banknoten in Edinburg, daß wir um 11° Uhr keine einzige Note mehr in
Anserm Verwahrsam hatten. Wir sandten der Reihe nach zu den verschiedenen
 Banken, um welche zu borgen, konnten aber keine erhalten,
ünd viele Transaktionen konnten nur durch Slips of paper [Streifen
Papier“, formlose Bankanweisungen] berichtigt werden. Um 3 „Uhr nach-Mittags
 jedoch waren bereits sämtliche Noten zu den Banken zurückgekehrt,
7° denen sie ausliefen. Sie hatten nur die Hände gewechselt.“ Obgleich
die effektive Durchschnittszirkulation der Banknoten in Schottland weniger
als 8 Mill. Pfd. Sterl. beträgt, wird dennoch, an verschiedenen Zahlungsterminen.
 im Jahre, jede im Besitz der Bankiers befindliche Note, alles in
Allem ungefähr 7 Mill, Pfd. Sterl., in Aktivität gerufen. Bei diesen Gelegenheiten
 haben die Noten eine einzige und spezifische Funktion zu vollziehen,
nd sobald sie vollzogen, fließen sie zu den respektiven Banken zurück,
Son denen sie ausliefen. (John Fullarton: „Regulation of Currencies.
Ad ed. London 1845“, p. 86 n.) Zum Verständnis ist hinzuzufügen, daß
N Schottland zur Zeit von Fullartons Schrift nicht Schecks. sondern nur
ten für die Depositen ausgegeben wurden. . .
„T Auf die Frage, „ob dieselben 6 Millionen (Gold) zur Zirkulation
Snügen würden, wenn 40 Millionen jährlich im Geschäftsverkehr umgesetzt
Werden Sollen“, antwortet Petty mit seiner gewohnten Meisterschaft: „Ich
hetworte mit Ja; denn wenn der Umschlag in so kurzen Terminen, das
Sißt Wöchentlich, erfolgte, wie im Verkehr zwischen armen Handwerker
und Lohnarbeitern, bei denen jeder Sonnabend Zahltag ist, dann würden
hon 40/,, Millionen für den Bedarf an Bargeld zum Umsatz von
4 Millionen genügen. Wenn aber der Umschlag vierteljährlich erfolgt,
We bei uns Pachtzinse und Steuern gezahlt werden, dann sind 10 Millionen
STlorderlich, Wenn wir daher annehmen, daß. im allgemeinen die Um-Melagszeiten
 zwischen 1 und 13 Wochen liegen, dann muß man das
Wtel ziehen und 10 Millionen und */- Millionen zusammenzählen. wovon
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        100

Erster Abschnifl

Die Entwicklung des Geldes als Zahlungsmittel ernötigt Geld
akkumulationen für die Verfalltermine der geschuldeten Summen
Während die Schatzbildung als selbständige Bereicherungsform ver
schwindet mit dem Fortschritt der bürgerlichen Gesellschaft, wächs
sie umgekehrt mit demselben in der Form von Reservefonds de
Zahlungsmittel.

c) Welitgeld.

Mit dem Austritt aus der inneren Zirkulationssphäre streift da‘
Geld die dort aufschießenden Lokalformen von Maßstab der Preise
Münze, Scheidemünze und Wertzeichen wieder ab und fällt in die
ursprüngliche Barrenform der edlen Metalle zurück. Im Welthande
entfalten die Waren ihren Wert universell. Ihre selbständige Wert
gestalt tritt ihnen daher hier auch gegenüber als Weltgeld. Ers!
auf dem Weltmarkt funktioniert das Geld in vollem Umfange al
die Ware, deren Naturalform zugleich unmittelbar gesellschaftlich“
Verwirklichungsform der menschlichen Arbeit in abstracto ist
Seine Daseinsweise wird seinem Begriff adäquat.
In der inneren Zirkulationssphäre kann nur eine Ware zur
Wertmaß und daher als Geld dienen. Auf dem Weltmarkt herrsch'
doppeltes Wertmaß, Gold und Silber.108
die Hälfte etwa 5'/2 Millionen ausmacht. Dieser Betrag würde also ge
nügen.“ (William Petty: „Political Anatomy of Ireland, 1672“, ed. Londor
1691, p. 13, 14.)
108 Daher die Abgeschmacktheit jeder Gesetzgebung, die den National
banken vorschreibt, nur das edle Metall aufzuschatzen, das im Innern de
Landes als Geld funktioniert. Die so selbstgeschaffenen „holden Hinder
nisse“ der Bank von England zum Beispiel sind bekannt. Ueber die großer
historischen Epochen des relativen Wertwechsels von Gold und Silber sieh‘
Karl Marx: „Kritik der Politischen Oekonomie“, S. 136 ff, [Stuttgarte
Ausgabe S. 159 ff.] Zusatz zur 2. Ausgabe: Sir Robert Peel sucht
in seinem Bankakt von 1844 dem Mißstand dadurch abzuhelfen, dal
er der Bank von England erlaubte, Noten auf Silberbullion (Silber
barren) auszugeben, so daß jedoch der Silbervorrat nie mehr al
'ja des Goldvorrats. Der Silberwert wird dabei geschätzt nach seineF
Marktpreis (in Gold) auf dem Londoner Markt. (Zur 4, Auflage bemerkt‘
hier Engels: „Wir befinden uns wieder in einer Epoche starken relative!
Wertwechsels von Gold und Silber. Vor etwa 25 Jahren war das Wertverhäl‘
nis des Goldes zum Silber — 15*/; : 1, jetzt [1890] ist es ungefähr = 22:1
und Silber fällt noch fortwährend gegen Gold. Dies ist wesentlich Folg
einer Umwälzung in der Produktionsweise beider Metalle. Früher wurd
Gold fast nur durch Auswaschen goldhaltiger Alluvialschichten, der Ver
witterungsprodukte goldhaltiger Gesteine, gewonnen. Jetzt reicht dies
Methode nicht mehr aus und ist in den Hintergrund gedrängt durch di
früher nur in zweiter Linie betriebene, obwohl schon den Alten (Diodor 1}
12 bis 14) wohlbekannte Bearbeitung der goldhaltigen Quarzgänge selbst
Anderseits wurden nicht nur im Westen der amerikanischen Felsengebirg‘
ungeheure neue Silberlager entdeckt, sondern diese und die mexikanisch&amp;amp;
Silbergruben durch Eisenbahnen erschlossen, die Zufuhr von moderner M%
3chinerie und von Brennstoff, und dadurch Silbergewinnung auf größter
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        1

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Drittes Kapitel.

101
Das Weltgeld funktioniert als allgemeines Zahlungsmittel, all-Ecmeines
 Kaufmittel und absolut gesellschaftliche Materiatur [Verkörperung]
 des Reichtums überhaupt (englisch: universal wealth).
Die Funktion als Zahlungsmittel, zur Ausgleichung internationaler
Bilanzen, herrscht vor. Daher das Losungswort des Merkantilsystems
— Handelsbilanz!!?® Zum internationalen Kaufmittel dienen Gold und

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Maßstab und mit geringeren Kosten ermöglicht. Es besteht aber ein großer
Unterschied in der Art, wie beide Metalle in den Erzgängen vorkommen.
Das Gold ist meist gediegen, aber dafür in winzig kleinen Mengen im Quarz
terstreut; die ganze Gangart muß daher zerstampft und das Gold aus-Bewaschen
 respektive durch Quecksilber ausgezogen werden. Auf 1000 000
Gramm Quarz kommen dann oft kaum 1 bis 8, sehr selten 30 bis 60 Gramm
Gold. Silber kommt selten gediegen, dafür aber in eigenen, verhältnismäßig
leicht von der Gangart zu trennenden Erzen vor, die meist von 40 bis
3 pZt. Silber enthalten; oder aber es ist in geringeren Mengen enthalten
© den an sich schon Bearbeitung lohnenden Erzen von Kupfer, Blei usw.
Schon hieraus geht hervor, daß, während die Produktionsarbeit des Goldes
Sch eher vermehrt, die des Silbers sich entschieden vermindert hat, der
Wertfall des Jetzeren sich also ganz natürlich erklärt. Dieser Wertfall würde
ch in noch größerem Preisfall ausdrücken, würde nicht der Silberpreis auch
letzt noch durch künstliche Mittel hoch gehalten. Die Silberschätze von
Amerika sind aber erst zum kleinen Teil zugänglich gemacht, und so ist alle
Aussicht vorhanden, daß der Silberwert noch längere Zeit am Sinken bleibt.
Hierzu muß noch mehr beitragen die relative Abnahme des Silberbedarfs
für Gebrauchs- und Luxusartikel, sein Ersatz durch plattierte Waren,  Alu-Minium
 usw. Danach ermesse man den Utopismus der bimetallistischen Vor-Sellung,
 ein internationaler Zwangskurs werde das Silber auf das alte Wert-Verhältnis
 von 1: 15'/» wieder hinaufschrauben. Eher dürfte das Silber auch
nn dem Weltmarkt seine Geldqualität mehr und mehr einbüßen.“ — Diese
"Wartung, die Engels 1890 aussprach, hat sich seitdem immer mehr erfüllt,
Obwohl seitdem auch die Goldgewinnung durch den Cyanidprozeß revolutio-Mert
 Wurde und man nicht mehr davon reden kann, daß „die Produktionsarbeit
 des Goldes sich eher vermehrt“. Das Wertverhältnis zwischen Silber
yet Gold, das Engels noch als 1:22,1 angeben konnte, betrug schon 1902
+39,2, sank bis 1906 auf 30,1, um 1909 wieder auf 89,7 zu steigen. K.
Schü 199 Die Gegner des Merkantilsystems, welches die Ausgleichung überben.
 iger Handelsbilanz durch Gold und Silber als Zweck des Welthandele
Wie edelte, verkannten ihrerseits durchaus die Funktion des Weltgeldes.
min die falsche Auffassung der Gesetze, welche die Masse der Zirkulationsde
 tel regeln, sich in der falschen Auffassung der internationalen Bewegung
Be ‚Sdlen Metalle nur widerspiegelt, habe ich ausführlich an Ricardo nach-A
 lesen. („Zur Kritik der Politischen Oekonomie“, S. 150 ff.) [Stuttgarter
ist Sgabe S, 178 f.] Sein falsches Dogma: „Eine ungünstige Handelsbilanz
Die 98 nur die Folge einer Ueberfülle von Zirkulationsmitteln. ...
Sie Ausfuhr von Harigeld wird durch seine Entwertung verursacht.
Bilan St nicht die Wirkung, sondern die Ursache einer ungünstigen
daher (Ricardo: „The high Price of Bullion“ etc., p. 11, 12, 14), findet man
Über Schon bei Barbon: „Die Ausgleichung der Handelsbilanz ist, wenn sie
Dort a uPt erfolgt, nicht die Ursache dafür, daß Geld aus dem Lande exim
 lert wird. Diese Versendung ist vielmehr die Folge der Verschiedenheit
Werte der Edelmetalle in den verschiedenen Ländern.“ (N. Barbon: „A
        <pb n="147" />
        102
Silber wesentlich, so oft das herkömmliche Gleichgewicht des Stoff
wechsels zwischen verschiedenen Nationen plötzlich gestört wird
Endlich als absolut gesellschaftliche Materiatur des Reichtum!
wo es sich weder um Kauf noch Zahlung handelt, sondern ur
Uebertragung des Reichtums von einem Land zum andern, und w‘
diese Uebertragung in Warenform entweder durch die Konjunkture”
[die wechselnden Umstände] des Warenmarktes oder den zu er
[üllenden Zweck selbst ausgeschlossen wird.11®
Wie für seine innere Zirkulation, braucht jedes Land für dit
Weltmarktzirkulation einen Reservefonds. Die Funktionen der
Schätze entspringen also: teils aus der Funktion des Geldes al
inneres Zirkulations- und Zahlungsmittel, teils aus seiner Funktior
als Weltgeld.?1* In der letzteren Rolle ist stets die wirkliche Geld
ware, leibhaftes Gold und Silber, erheischt, weswegen James Steuar
Gold und Silber, im Unterschied von ihren nur lokalen Stellvertre
tern, ausdrücklich als Money of the world [Weltgeld] charakterisier!
Die Bewegung des Gold- und Silberstromes ist eine doppelte
Einerseits wälzt er sich von seinen Quellen über den ganzen Welt
markt, wo er von den verschiedenen nationalen Zirkulationssphärel

Erster Abschnitt

Discourse on coining the new money lighter. London 1696“, p. 59, 60.) Mat
Culloch in „The Literature of Political Economy, a classified catalogu®
London 1845“, belobt Barbon für diese Vorwegnahme, vermeidet aber wohl
weislich die naiven Formen, worin bei B. die absurden Voraussetzungen de
„currency principle“ noch erscheinen, auch nur zu erwähnen. Die Kritik
losigkeit und selbst Unehrlichkeit jenes Katalogs gipfeln in den Abschnitte”
über die Geschichte der Geldtheorie, weil MacCulloch hier als Sykophal'
des Lord Overstone (Exbankier Lloyd), den er „facile princeps argentariorum
[wohl den Fürsten der Bankiers] nennt, schwanzwedelt.
16 Zum Beispiel bei Subsidien, Geldanleihen zur Kriegführung ode!
zur Wiederaufnahme der Barzahlungen von Banken usw. kann Wert gerad!
in der Geldform erheischt sein.
1108 Note zur 2. Ausgabe. „Ich könnte mir keinen überzeugender®
Beweis für die Fähigkeit wünschen, welche die Vorkehrungen zur Ansam‘
lung eines Metallschatzes in Ländern mit Metallwährung besitzen, jedem E”
fordernis der Begleichung internationaler Verbindlichkeiten ohne jede wahr‘
nehmbare Unterstützung aus dem allgemeinen Zirkulationsfonds nach#"”
kommen, als die Leichtigkeit, mit der Frankreich, während es eben erst IP
Begriff war, sich von den Folgen einer verheerenden feindlichen Invasi®
zu erholen, imstande war, im Laufe von kaum 27 Monaten die Zahlung ein
Kriegsentschädigung von nahezu 20 Millionen (Pfund Sterling) an die ver
bündeten Mächte, und noch dazu einen bedeutenden Teil in Metallgeld, 24
zubringen, ohne daß der Geldumlauf im Inlande in merklichem Maße el”
geschränkt oder gestört, oder daß die Wechselkurse irgendwie in 9”
ängstigende Schwankungen versetzt worden wären.“ (Fullarton: „Regulati
of Currencies, 2nd ed. London 1845“, p. 191.) Zur 4. Auflage fügte Eng®.
hinzu: „Ein noch schlagenderes Beispiel haben wir in der Leichtigkeit, won
dasselbe Frankreich 1871 bis 1878 in 30 Monaten eine mehr als zehnf@l
größere Kriegsentschädigung, ebenfalls zum bedeutenden Teil in Metallge!
abzutragen imstande war.“

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Drittes Kapitel.

103

N verschiedenem Umfange abgefangen wird, um in ihre inneren
Jmlaufskanäle einzugehen, verschlissene Gold- und Silbermünzen
I ersetzen, das Material von Luxuswaren zu liefern und zu Schätzen
‘U erstarren.!1 Diese erste Bewegung ist vermittelt durch direkten
Austausch der in Waren realisierten Nationalarbeiten mit der in
len Metallen realisierten Arbeit der Gold und Silber produzierenlen
 Länder. Anderseits laufen Gold und Silber fortwährend hin
Md her zwischen den verschiedenen nationalen Zirkulationssphären,
ine Bewegung, die den unaufhörlichen Oszillationen des Wechsel-{Urses
 folgt.11?
„Länder entwickelter bürgerlicher Produktion beschränken die in
Jankreservoirs massenhaft konzentrierten Schätze auf das zu ihren
Pezifischen Funktionen erheischte Minimum.!® Mit gewisser Aus-‘ahme
 zeigt auffallendes Ueberfüllen der Schatzreservoire über ihr
Durchschnittsniveau Stockung der Warenzirkulation an oder unter-Tochenen
 Fluß der Warenmetamorphose.114

41 Das Geld verteilt sich auf die Nationen im Verhältnis ihres Be-Järtes
 indem es stets von den Waren angezogen wird.“ (Le Trosne: „De
"Interet Social.“ Physiocrates, &amp;amp;d. Daire, Paris 1846, p. 916.) „Die Berg-Werke,
 die fortwährend Gold und Silber hergeben, liefern genug, um jeder
Nation dieses notwendige Maß zukommen zu lassen.“ (Vanderlint: „Money
Wswers all Things. London 1734“, p. 40.) . . .
. M2 Die Wechselkurse steigen und fallen allwöchentlich; zu irgend-“ner
 Zeit stehen sie auf die eine Nation hoch, zu einer andern Zeit im
ben Jahre stehen sie ebenso hoch gegen SEN. By „A Discourse
°ining the new money lighter. London 1696“, p. 39. |
3 Diese” verschiedenen Funktionen können in gefährlichen Konflikt
eraten, sobald die Funktion eines Konversionsfonds für Banknoten hinzu-1


"4 Was an Gold mehr vorhanden ist, als der inländische Verkehr ‚un-Sedingt
 erfordert, bildet toten Vorrat und bringt dem Lande, das es besitzt,
„Sinen Gewinn; nur daß es im Außenhandel aus- und wieder eingeführt
ned.“ (John Bellers: „Essays about the Poor. London 1669“, p. 12.) „Was
5 zu tun, wenn wir zu viel gemünztes Geld haben? Wir können das voll-Xchtigste
 einschmelzen und zu prunkendem Tafelgeschirr, Gefäßen oder
3 STätschaften aus Gold und Silber verarbeiten, oder wir können es als Ware
Orthin ausführen, wo Bedarf und Nachfrage danach ist, oder wir können
nn dorthin auf Zins ausleihen, wo der Zinsfuß hoch steht.“ (Petiy: „Quansuümeunque
 concerning Money, 1682“, p. 39.) „Geld ist nur das Fett des
Hatskörpers, Ein Zuviel davon hindert ebenso oft seine Beweglichkeit, wie
na /Uwenig ihn krank macht, ... Wie Fett das Spiel der Muskeln leicht
ct, dem Körper Nahrung bietet, wenn keine Lebensmittel da sind, Un-1
 heiten ausfüllt und den ganzen Körper verschönt, so erleichtert das Geld
% “ Staat die Bewegung, bringt Lebensmittel aus dem Ausland herbei, wenn
cs. Inlande knapp sind, es begleicht Schuldforderungen ,.. und ver-Klönert
 das Ganze; allerdings,“ meint er ironisch abschließend, „vor allem
eigen, die recht viel davon haben.“ (W. Petty: „Political Anatomy of
“and, 1672,“ Ed. London 1691, p. 14.)
        <pb n="149" />
        Zweiter Abschnitt,
Die
Verwandlung von Geld in Kapital

Viertes Kapitel
Die Verwandlung von Geld in Kapital.
1. Die allgemeine Formel des Kapitals.
Die Warenzirkulation ist der Ausgangspunkt des Kapitals
Es erscheint nur dort, wo Warenproduktion und entwickelte Waren
zirkulation, Handel, eine gewisse Höhe der Entwicklung erreich
haben. Welthandel und Weltmarkt eröffnen im 16. Jahrhundert di
moderne Lebensgeschichte des Kapitals.
Sehen wir ab vom stofflichen Inhalt der Warenzirkulation, vor
Austausch der verschiedenen Gebrauchswerte, und betrachten wi
nur die ökonomischen Formen, die dieser Prozeß erzeugt, so finde!
wir als sein letztes Produkt das Geld. Dies letzte Produkt de
Warenzirkulation ist die erste Erscheinungsform des Kapitals.
Historisch tritt das Kapital dem Grundeigentum überall zunächs
in der Form von Geld gegenüber, als Geldvermögen, Kaufmanns
kapital und Wucherkapital.! Jedoch bedarf es nicht des Rückblick‘
auf die Entstehungsgeschichte des Kapitals, um das Geld als seinf
erste Erscheinungsform zu erkennen. Dieselbe Geschichte spiel
läglich vor unsern Augen. Jedes neue Kapital betritt in erste
Instanz die Bühne, das heißt den Markt, Warenmarkt, Arbeitsmark
oder Geldmarkt, immer noch als Geld, Geld, das sich durch b®
stimmte Prozesse in Kapital verwandeln soll.
Geld als Geld und Geld als Kapital unterscheiden sich zunäch“
nur durch ihre verschiedene Zirkulationsform. .
Die unmittelbare Form der Warenzirkulation ist W— G — W
Verwandlung von Ware in Geld und Rückverwandlung von Gel‘
in Ware, verkaufen um zu kaufen. Neben dieser Form finde!
wir aber eine zweite, spezifisch unterschiedene vor, die ForP
G — W — G, Verwandlung von Geld in Ware und Rückverwandlurf
von Ware in Geld, kaufen um zu verkaufen. Geld, das in seine

WA

1 Der Gegensatz zwischen der auf persönlichen Knechtschafts- und Herr
schaftsverhältnissen beruhenden Macht des Grundeigentums und der ul
persönlichen Macht des Geldes ist klar gefasst in den zwei französisch?!
Sprichworten: „Nulle terre sans seigneur.“ [„Kein Grundstück ohne Herrn.
„L’argent n’a pas de maitre.“ („Das Geld kennt keinen Herrn.“1
        <pb n="150" />
        Viertes Kapitel,

105

Bewegung diese letztere Zirkulation beschreibt, verwandelt sich in
Kapital, wird Kapital und ist schon seiner Bestimmung nach
apital.
„Sehen wir uns die Zirkulation G — W — G näher an. Sie durchläuft,
 gleich der einfachen Warenzirkulation, zwei entgegengesetzte
hasen. In der ersten Phase, G — W, Kauf, wird das Geld im
Ware verwandelt. In der zweiten Phase, W — G, Verkauf, wird
lie Ware in Geld rückverwandelt. Die Einheit beider Phasen
aber ist die Gesamtbewegung, welche Geld gegen Ware und
dieselbe Ware wieder gegen Geld austauscht, Ware kauft um sie
7% verkaufen, oder wenn man die formellen Unterschiede von Kauf
und Verkauf vernachlässigt, mit dem Geld Ware und mit der Ware
Geld kauft? Das Resultat, worin der ganze. Prozeß erlischt, ist
Austausch von Geld gegen Geld, G — &amp;amp;. Wenn ich für 100 Ptd
Ster]. 2000 Pfund Baumwolle kaufe und die 2000 Pfund Baumwolle
Sucder für 110 Pfd. Sterl. verkaufe, so habe ich schließlich 100 Pfd.
Sterl. gegen 110 Pfd. Sterl. ausgetauscht, Geld gegen Geld.
Es ist nun zwar augenscheinlich, daß der Zirkulationsprozeß
G— W — G abgeschmackt und inhaltslos wäre, wollte man ver-Mittels
 seines Umweges denselben Geldwert gegen denselben Geldwort,
 also zum Beispiel 100 Pfd. Sterl. gegen 100 Pfd. Sterl., aus-Supschen,
 Ungleich einfacher und sicherer bliebe die Methode des
uatzbildners, der,seine 100 Pfd. Sterl. festhält, statl sie der Zirku-10i°Rsgefahr
 preiszugeben. Anderseits, ob der Kaufmann die mit
° © Pid. Sterl. gekaufte Baumwolle wieder verkauft zu 110 Pfd. Sterl.
Schr ob er sie zu 100 Pfd. Sterl. und selbst zu 50 Pfd. ‚Sterl. 1osfü
 lagen muß, unter allen Umständen hat sein Geld eine eigen-Anliche
 und originelle Bewegung beschrieben, durchaus anderer
Tr als in der einfachen Warenzirkulation, zum Beispiel in der
Ren des Bauern, der Korn verkauft und mit dem so gelösten Geld
ölder kauft. Es gilt also zunächst die Charakteristik der Form-Der
 *tschiede zwischen den Kreisläufen G—W—G und W— G —W.
hit wird sich zugleich der inhaltliche Unterschied ergeben, der
üter diesen Formunterschieden lauert.
Sehen wir zunächst, was beiden Formen gemeinsam.
Ph Beide Kreisläufe zerfallen in dieselben zwei entgegengesetzten
Phast% W— G, Verkauf, und G —W, Kauf. In jeder der beiden
wen Stehen sich dieselben zwei sachlichen Elemente gegenüber,
K und Geld — und zwei Personen in denselben ökonomischen
Kres Aktermasken, ein Käufer und ein Verkäufer. Jeder der beiden
beige Auf ist die Einheit derselben entgegengesetzten Phasen und
drei °Mal wird diese Einheit vermittelt durch das Auftreten von
kant Kontrahenten, wovon der eine nur verkauft, der andere nur
= &amp;amp; der dritte aber abwechselnd kauft und verkauft.
de | 8 „Mit Geld kauft man Ware, und mit Waren kauft man Geld.“ (Mercier
Oraten Riviere: „L’ordre naturel et essentiel des societ6s politiques,“ Physio-°S,
 6d. Daire, Il. Partie, p. 548.)
        <pb n="151" />
        [08

Zweiter Abschnitt

Was jedoch die beiden Kreisläufe W— G — W und G —W—(
von vornherein scheidet, ist die umgekehrte Reihenfolge derselbe!
entgegengesetzten Zirkulationsphasen. Die einfache Warenzirku
lation beginnt mit dem Verkauf und endet mit dem Kauf, die Zirkv
lation des Geldes als Kapital beginnt mit dem Kauf und endet m
dem Verkauf. Dort bildet die Ware, hier das Geld den Ausgang‘
punkt und Schlußpunkt der Bewegung. In der ersten For
vermittelt das Geld, in der andern umgekehrt die Ware den Gesam‘
verlauf.
In der Zirkulation W— G — W wird das Geld schließlich ?
Ware verwandelt, die als Gebrauchswert dient. Das Geld ist al
definitiv ausgegeben. In der umgekehrten Form G — W — G gil
der Käufer dagegen Geld aus, um als Verkäufer Geld einzunehme?
Er wirft, beim Kauf der Ware, Geld in die Zirkulation, um es il
wieder zu entziehen durch den Verkauf derselben Ware. Er ef
läßt das Geld nur mit der hinterlistigen Absicht, seiner wieder hal
haft zu werden. Es wird daher nur vorgeschossen.?
In der Form W — G — W wechselt dasselbe Geldstück zweim*
die Stelle. Der Verkäufer erhält es vom Käufer und zahlt es w&amp;amp;#
an einen andern Verkäufer. Der Gesamtprozeß, der mit der Et
nahme von Geld für Ware beginnt, schließt ab mit der Weggabe vo
Geld für Ware. Umgekehrt in der Form G—W—G. Nic
dasselbe Geldstück wechselt hier zweimal die Stelle, sondern dit
selbe Ware. Der Käufer erhält sie aus der Hand des Verkäufe!‘
und gibt sie weg in die Hand eines andern Käufers. Wie in d*
einfachen Warenzirkulation der zweimalige Stellenwechsel desselb#
Geldstücks sein definitives Uebergehen aus einer Hand in die ande!
bewirkt, so hier der zweimalige Stellenwechsel derselben Ware d“
Rückfluß des Geldes zu seinem ersten Ausgangspunkt.
Der Rückfluß des Geldes zu seinem Ausgangspunkt hängt nic}
davon ab, ob die Ware teurer verkauft wird, als sie gekauft w#
Dieser Umstand beeinflußt nur die Größe der rückfließenden Gel!
summe. Das Phänomen des Rückflusses selbst findet statt, sobal
die gekaufte Ware wieder verkauft, also der Kreislauf G — W —
vollständig beschrieben wird. Es ist dies also ein sinnlich wal”
nehmbarer Unterschied zwischen der Zirkulation des Geldes ?'
Kapital und seiner Zirkulation als bloßem Geld.
Der Kreislauf W— G—W ist vollständig zurückgelegt, soba!
der Verkauf einer Ware Geld bringt, welches der Kauf ander“
Ware wieder entzieht. Erfolgt dennoch Rückfluß des Geldes Ö
seinem Ausgangspunkt, so nur durch die Erneuerung oder Wied
holung des ganzen Vorgangs. Wenn ich ein Quarter Korn verkauf

3

dr

VAR

A}

WW,

* „Die Summe, die verwendet wird, um Waren zum Zweck des wieder
verkaufes zu kaufen, heißt vorgeschossenes Geld; wird sie bloß zum K%
verwendet, ohne die Absicht des Wiederverkaufes, dann kann man sag%%
sie sei verausgabt. (James Steuart: „Works etc. edited by General Sir JaP
Steuart, his son. London 1801“, vol. I, D. 274.)
        <pb n="152" />
        ib

Viertes Kapitel.

107

G

eß

für 3 Pfd, Sterl. und mit diesen 3 Pfd. Sterl. Kleider kaufe, sind
die 3 Pfd. Sterl. für mich definitiv verausgabt. Ich habe nichts
Mehr mit ihnen zu schaffen. Sie gehören dem Kleiderhändler. Verkaufe
 ich nun ein zweites Quarter Korn, so fließt Geld zu mir Zurück,
aber nicht infolge der ersten Transaktion, sondern nur infolge ihrer
Wiederholung. Es entfernt sich wieder von mir, sobald ich die
‚weite Transaktion zu Ende führe und von neuem kaufe. In der
Zirkulation W— G — W hat also die Verausgabung des Geldes
Nichts mit seinem Rückfluß zu schaffen. In G — W—G dagegen
‘St der Rückfluß des Geldes durch die Art seiner Verausgabung
Selbst bedingt. Ohne diesen Rückfluß ist die Operation mißglückt
Oder der Prozeß unterbrochen und noch nicht fertig, weil seine
‘weite Phase, der den Kauf ergänzende und abschließende Verkauf,
 fehlt.
Der Kreislauf W— G — W geht aus von dem Extrem einer
Ware und schließt ab mit dem Extrem einer andern Ware, die aus
der Zirkulation heraus und der Konsumtion anheimfällt. Kon-Sumtion,
 Befriedigung von Bedürfnissen, mit einem Wort, Gebrauchsen
 ist daher sein Endzweck. Der Kreislauf G — W-—G geht
ägegen aus von dem Extrem des Geldes und kehrt schließlich
rück zu demselben Extrem. Sein treibendes Motiv und bestim-Mender
 Zweck ist daher der Tauschwert selbst.
sel In der einfachen Warenzirkulation haben beide Extreme diew
 ökonomische Form. Sie sind beide Ware. Sie sind auch
En von derselben Wertgröße. Aber sie sind qualitativ ver-Pr
 ledene Gebrauchswerte, zum Beispiel Korn und Kleider. Der
sich ktenaustausch, der Wechsel der verschiedenen Stoffe, worin
Box die gesellschaftliche Arbeit darstellt, bildet hier den Inhalt der
den ung. Anders in der Zirkulation G — W—G. Sie scheint auf
nie ersten Blick inhaltslos, weil tautologisch, weil ihr Endpunkt
Bde ist als eine Wiederholung ihres Ausgangspunktes. Beide
as me haben dieselbe ökonomische Form. Sie sind beide Geld,
be keine qualitativ unterschiedenen Gebrauchswerte, denn Geld ist
brau die verwandelte Gestalt der Waren, worin ihre besonderen Gewon
 werte ausgelöscht sind. Erst 100 Pfd. Sterl. gegen Baum-Atsta
 und dann wieder dieselbe Baumwolle gegen 100 Pfd. Sterl.
ze Äuschen, also auf einem Umwege Geld gegen Geld, dasselbe
sen dasselbe, scheint eine ebenso zwecklose als abgeschmackte
Peration.4 Eine Geldsumme kann sich von der andern Geldsumme

Gl
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1

M * „Man tauscht nicht Geld gegen Geld,“ ruft Merecier de la Riviere den
Pie, Kantilisten zu. („L’Ordre naturel et essentiel des societ6ös politiques.“
YSiocrates, 6a. Daire, p. 468.) In einem Werke, welches ausdrücklich vom
Handel“ und der „Spekulation“ handelt, liest man: „Aller Handel besteht
nn Austausch von Dingen verschiedener Art; und der Vorteil (für den Kaufpen?)
 entspringt eben aus dieser Verschiedenheit, Ein Pfund Brot gegen ein
and Brot austauschen, wäre ohne allen Vorteil . , , daher der vorteilte
 Kontrast zwischen Handel und Spiel, welches nur Austausch von
        <pb n="153" />
        108
überhaupt nur durch ihre Größe unterscheiden. Der Prozet
G — W — G schuldet seinen Inhalt daher keinem qualitativer
Unterschied seiner Extreme, denn sie sind beide Geld, sondern nu!
ihrer quantitativen Verschiedenheit. Schließlich wird der Zirkuls
tion mehr Geld entzogen als anfangs hineingeworfen ward. Die zU
100 Pfd. Sterl. gekaufte Baumwolle wird zum Beispiel wieder ver
kauft zu 100 + 10 Pfd. Sterl. oder 110 Pfd. Sterl. Die vollständige
Form dieses Prozesses ist daher G — W — G’, wo G'’—G + A G, da®
heißt gleich der ursprünglich vorgeschossenen Geldsumme, vermehr'
um einen Zuwachs. Diesen Zuwachs oder den Ueberschuß übe!
den ursprünglichen Wert nenne ich — Mehrwert (englisch: sur
plus value). Der ursprünglich vorgeschossene Wert erhält sicl
daher nicht nur in der Zirkulation, sondern in ihr verändert e'
seine Wertgröße, setzt einen Mehrwert zu, oder verwertet sich
Und diese Bewegung verwandelt ihn in Kapital.
Es ist zwar auch möglich, daß in W— G —W die beiden Ex
treme W, W, zum Beispiel Korn und Kleider, quantitativ verschieden“
Wertgrößen sind. Der Bauer kann sein Korn über dem Wert ver
kaufen oder die Kleider unter ihrem Wert kaufen. Er kann seiner
seits vom Kleiderhändler geprellt werden. Solche Wertverschieden
heit bleibt jedoch für diese Zirkulationsform selbst rein zufällig
Sinn und Verstand verliert sie nicht schier, wie der Prozet
G— W —6G, wenn die beiden Extreme, Korn und Kleider zum Be’
spiel, Aequivalente sind. Ihr Gleichwert ist hier vielmehr Bedir
gung des normalen Verlaufes.
Die Wiederholung oder Erneuerung des Verkaufes um zu kaufe?
findet, wie dieser Prozeß selbst, Maß und Ziel an einem außer ihr
liegenden Endzwecke, der Konsumtion, der Befriedigung bestimmte!
Bedürfnisse. Im Kauf für den Verkauf dagegen sind Anfang und
Ende dasselbe, Geld, Tauschwert, und schon dadurch ist die Be
wegung endlos. Allerdings ist aus G, G + AG geworden. aus del

Geld gegen Geld ist.“ (Th. Corbet: „An Inquiry into the Causes and Mode®
of the Wealth of Individuals; or the Principles of Trade and Speculatio®
explained. London 1841“, p. 5.) Obgleich Corbet nicht sieht, daß G — G
Geld gegen Geld austauschen, die charakteristische Zirkulationsform, nich!
nur des Handelskapitals, sondern alles Kapitals ist, gibt er wenigstens z%
daß diese Form einer Art des Handels, der Spekulation, mit dem Spiel g*
mein sei, aber dann kommt MacCulloch und findet, daß Kaufen, um zu ver‘
kaufen, Spekulieren ist, und der Unterschied zwischen Spekulation und
Handel also wegfällt. „Jedes Geschäft, bei dem jemand ein Produkt kaufb
um es wieder zu verkaufen, ist in .Wirklichkeit eine Spekulatioß-(MacCulloch:
 „A Dictionary practical etc. of Commerce. London 1847“, p. 1058)
Ungleich naiver Pinto, der Pindar der Amsterdamer Börse: „Der Handel ist
ein Spiel (dieser Satz entlehnt aus Locke), und an Bettlern ist nichts zu 8°
winnen. Hätte man längere Zeit hindurch allen Spielern alles abgewonneb
müßte man den größten Teil des Gewinnes freiwillig wieder zurückgebe®
wollte man das Spiel von neuem wieder beginnen.“ (Pinto: „Traite de 3
Cireulation et du Credit. Amsterdam 1771“, pD. 231.)

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Viertes Kapitel.

109

100 Pfad. Sterl. 100 + 10. Aber bloß qualitativ betrachtet sind
U0 Pia. Sterl. dasselbe wie 100 Pfad. Sterl., nämlich Geld. Und
Quantitativ betrachtet sind 110 Pfd. Sterl. eine beschränkte Wert-5UmMme
 wie 100 Pfd. Sterl. Würden die 110 Pfd. Sterl. als Geld
Verausgabt, so fielen sie aus ihrer Rolle. Sie hörten auf, Kapital
U sein. Der Zirkulation entzogen, versteinern sie zum Schatz und
kein Pfennig wächst ihnen zu, ob sie bis zum jüngsten Tage {ortlagern.
 Handelt es sich also einmal um Verwertung des Wertes,
50 besteht dasselbe Bedürfnis für die Verwertung von 110 Pfd,
Ster]. wie für die von 100 Pfd. Sterl., da beide beschränkte Ausdrücke
 des Tauschwertes sind, beide also denselben Beruf haben,
“ch dem Reichtum schlechthin durch Größenausdehnung anzu-Nähern.
 Zwar unterscheidet sich für einen Augenblick der ur-‚Prünglich
 vorgeschossene Wert 100 Pfd. Sterl. von dem in der Zirkulation
 ihm zuwachsenden Mehrwert von 10 Pfd. Sterl., aber dieser
Unterschied zerfließt sofort wieder. Es kommt am Ende des Pro-*688es
 nicht auf der einen Seite der Originalwert von 100 P{fd. Sterl.
und auf der andern Seite der Mehrwert von 10 Pfd. Sterl. heraus.
W 8 herauskommt, ist ein Wert von 110 Pid. Sterl., der sich ganz
in derselben entsprechenden Form befindet, um den Verwertungs-Prozeß
 zu beginnen, wie die ursprünglichen 100 Pfd. Sterl. Geld
Kommt am Ende der Bewegung wieder als ihr Anfang heraus.“ Das
Ende jedes einzelnen Kreislaufes, worin sich der Kauf für den Ver-Kauf
 Vollzieht, bildet daher von selbst den Anfang eines neuen Kreisäufes,
 Die einfache Warenzirkulation — der Verkauf für den Kauf
5 dient zum Mittel für einen außerhalb der Zirkulation liegenden
Endzweck, die Aneignung von Gebrauchswerten, die Befriedigung
von Bedürfnissen. Die Zirkulation des Geldes als Kapital ist da-Scgen
 Selbstzweck, denn die Verwertung des Wertes existiert nur
Keerhalb dieser stets erneuerten Bewegung. Die Bewegung des
äpitals ist daher maßloqgs

wi * „Das Kapital teilt sich... in das ursprüngliche Kapital und den Ge-Som
 den Zuwachs des Kapitals . . , obwohl die Praxis selbst diesen Gewinn
Um wieder zum Kapital schlägt und mit diesem in Fluß setzt.“ (F. Engels:
Jahrpis® zu einer Kritik der Nationalökonomie“ in „Deutsch-Französische
3 gg her, herausgegeben von Arnold Ruge und Karl Marx, Paris 1844“,
Statt ) [Gesammelte Schriften von Karl Marx und Friedrich Engels,
art 1902, Bd. I, S. 445 fg.]
ton q Aristoteles stellt der Chrematistik die Oekonomie entgegen. Er geht
die vn Oekonomik aus. Soweit sie Erwerbskunst, beschränkt sie sich auf
Staat STschaffung der zum Leben notwendigen und für das Haus oder den
Aus setützlichen Güter, „Der wahre Reichtum (&amp;amp; &amp;amp;\ndwvög xAodroc) besteht
Rieger hen Gebrauchswerten; denn das zum guten Leben genügende Maß
der E Art von Besitz ist nicht unbegrenzt. Es gibt aber eine zweite Art
tolge ae erbakunst, die vorzugsweise und mit Recht Chrematistik heißt, in-Der
 waren keine Grenze des Reichtums und Besitzes zu existieren scheint,
mt Arenhandel (% xannııxy heißt wörtlich Kramhandel und Aristoteles
diese Form, weil in ihr der Gebrauchswert vorherrscht) gehört von
        <pb n="155" />
        L10

Zweiter Abschnitl

Als bewußter Träger dieser Bewegung wird der Geldbesitze!
Kapitalist. Seine Person, oder vielmehr seine Tasche, ist der Aus
gangspunkt und der Rückkehrpunkt des Geldes. Der objektive In
halt jener Zirkulation — die Verwertung des Wertes — ist sel!
subjektiver Zweck, und nur soweit wachsende Aneignung des ab
strakten Reichtums das allein treibende Motiv seiner Operationel
funktioniert er als Kapitalist oder personifiziertes, mit Willen un
Bewußtsein begabtes Kapital. Der Gebrauchswert ist also nie 2!
unmittelbarer Zweck des Kapitalisten zu behandeln.” Auch nic
der einzelne Gewinn, sondern nur die rastlose Bewegung des (+
winnens.® Dieser absolute Bereicherungstrieb,® diese leidensch?‘
Natur nicht zur Chrematistik, denn hier bezieht sich der Austausch nur #
das für sie selbst (Käufer und Verkäufer) nötige.“ Daher, entwickelt ‘
weiter, war auch die ursprüngliche Form des Warenhandels der Tausc
handel, aber mit seiner Ausdehnung entstand notwendig das Geld. Mit d
Erfindung des Geldes mußte sich der Tauschhandel notwendig zur xanniıX
zum Warenhandel entwickeln, und dieser, im Widerspruch zu sein‘
ursprünglichen Tendenz, bildete sich zur Chrematistik aus, zur Kunst, Gel
zu machen, Die Chrematistik nun unterscheidet sich von der Oekonomi
dadurch, daß „für sie die Zirkulation die Quelle des Reichtums ist“ (mxoımt*
XpnndtewV ... Stk yxpnpdtwv Staßol%e)l Und um das Geld scheint sie sich !
drehen, denn das Geld ist der Anfang und das Ende dieser Art von Austaus‘
(tö Y&amp;amp;p vöpLoNm oTOLXETOV Kal KEepAC TÄc AAkayic Sortiv). Daher ist auch der Reid
tum, wie ihn die Chrematistik anstrebt, unbegrenzt. Wie nämlich jede Kuns
der ihr Ziel nicht als Mittel, sondern als letzter Endzweck gilt, unbegrenzt !
ihrem Streben ist, denn sie sucht sich ihm stets mehr zu nähern, während d
Künste, die nur Mittel zum Zwecke verfolgen, nicht unbegrenzt sind, da d?
Zweck selbst ihnen die Grenze setzt, so gibt es auch für diese Chrematist]
keine Schranke ihres Ziels, sondern ihr Ziel ist absolute Bereicherung. DI
Oekonomik, nicht die Chrematistik, hat eine Grenze . . . die erstere bezwec”
ein vom Gelde selbst Verschiedenes, die andere seine Vermehrung ..-Die
 Verwechslung beider Formen, die ineinander überspielen, veranla$f
einige, die Erhaltung und Vermehrung des Geldes ins Unendliche als Er’
ziel der Oekonomik zu betrachten.“ (Aristoteles: „De Republica“, ed. Bekk“”
lib. I, ce. 8 und 9 passim.)
7 „Güter (hier im Sinne von Gebrauchswerten) sind nicht der Endzwe”
des industriellen Kapitalisten ... Geld ist sein Endzweck.“ (Th. Chalme!‘
„On Political Economy etc. 2nd ed. London 1832“, p. 166.)
8 „Der Kaufmann sieht zwar den bereits erzielten Gewinn durcha*
nicht für nichts an, aber sein Augenmerk ist doch stets auf die Zukunift £*
richtet.“ (A. Genovesi: „Lezioni di Economia Civile (1765).“ Ausgabe de
italienischen Oekonomen von Custodi, Parte Moderna, vol. VIII, p. 139.)
® „Die unauslöschliche Leidenschaft für den Gewinn, die auri sa0r
fames bestimmt stets den ‘Kapitalisten.“ (MacCulloch: „The Principles
Political Economy. London 1880“, p. 179.) Diese Einsicht verhindert de
selben MacCulloch und Konsorten natürlich nicht, in theoretischen ver
Jegenheiten, zum Beispiel bei Behandlung der Ueberproduktion, denselb%
Kapitalisten in einen guten Bürger zu verwandeln, dem es sich nur um 9 {
Gebrauchswert handelt und der sogar einen wahren Werwolfheißhung“,
entwickelt für Stiefel, Hüte, Eier, Kattune und andere höchst famili#f
Sorten von Gebrauchswert,
        <pb n="156" />
        af

U

1

Viertes Kapitel.

111

liche Jagd auf den Wert ist dem Kapitalisten mit dem Schatzbildner
Semein, aber während der Schatzbildner nur der verrückte Kapitalist,
 ist der Kapitalist der rationelle Schatzbildner. Die rastlose Ver-Mehrung
 des Wertes, die der Schatzbildner anstrebt, indem er das
Geld vor der Zirkulation zu retten sucht,!® erreicht der klügere
Kapitalist, indem er es steis von neuem der Zirkulation preisgibt.1®
Die selbständigen Formen, die Geldiormen, welche der Wert
der Waren in der einfachen Zirkulation annimmt, vermitteln nur den
Warenaustausch und verschwinden im Endresultat der Bewegung.
In der Zirkulation G — W — G funktionieren dagegen beide, Ware
Wd Geld, nur als verschiedene Existenzweisen des Wertes selbst,
das Geld seine allgemeine, die Ware seine besondere, sozusagen
Nur verkleidete Existenzweise.!! Er geht beständig aus der einen
Form in die andere über, ohne sich in dieser Bewegung zu verlieren,
und verwandelt sich so in ein automatisches Subjekt [in ein Wesen
„it eigener Bewegung]. Fixiert man die besonderen Erscheinungslormen,
 welche der sich verwertende Wert im Kreislauf seines
Lebens abwechselnd annimmt, so erhält man die Erklärungen:
Kapital ist Geld, Kapital ist Ware.!? In der Tat aber wird der Wert
Nier das Subjekt [der Träger] eines Prozesses, worin er unter dem
“Ständigen Wechsel der Formen von Geld und Ware seine Größe
lost verändert, sich als Mehrwert von sich selbst als ursprüng-Chem
 Wert abstößt, sich selbst verwertet. Denn die Bewegung,
Worin er Mehrwert zusetzt, ist seine eigene Bewegung, seine Verbertung
 also Selbstverwertung. Er hat die okkulte Qualität [die verjr
 gene Kraft] erhalten, Wert zu setzen, weil er Wert ist. Er wirft
°bendige Junge oder legt wenigstens goldene Eier.
ür Als das übergreifende Subjekt eines solchen Prozesses, worin
in Seldform und Warenform bald annimmt, bald abstreift, sich aber
8 diesem Wechsel erhält und ausreckt, bedarf der Wert vor allem
ds Selbständigen Form, wodurch seine Identität [seine Wesenser
 hheit] mit sich selbst konstatiert wird. Und diese Form besizt
D tur im Gelde. Dieses bildet daher Ausgangspunkt und Schlußj
 I jedes Verwertungsprozesses. Er war 100 Pfd. Sterl., er ist
% 110 Pfd. Sterl. usw. Aber das Geld selbst gilt hier nur als

Art 9 Nehleiyt [wörtlich „retten“] ist einer der charakteristischen Ausjoe
 der Griechen für das Schatzbilden, Ebenso bedeutet das englische
"9 Saye“ zugleich retten und sparen. . . .
in 5 ‘8 Das Unendliche, das nicht im Fortschreiten der Dinge liegt, liegt
Ihrem Kreislauf.“ (Galiani.)
di * „Es ist nicht der Stoff, der das Kapital ausmacht, sondern der Wert
Pit Stoffes,“ (J. B. Say: „Traite d’Economie Politique. 3&amp;amp;me 6d. Paris
» VOL I, p. 428.
ist 1 Das ine Geld (currency!) verwendet zu produktiven Zwecken,
(RBESADital.“ (MacLeod: „The Theory and Practice of Banking. London
a pe Vol. I, ch. 1.) „Kapital ist soviel wie Ware,“ (James Mill: „Elements
Olitical Economy. London 1821“, p. 74.)
        <pb n="157" />
        112

Zweiter Abschnit

eine Form des Wertes, denn er hat deren zwei. Ohne die Annahm‘
der Warenform wird das Geld nicht Kapital. Das Geld tritt hie
also nicht polemisch [nicht feindselig] gegen die Ware auf, wie ü
der Schatzbildung. Der Kapitalist weiß, daß alle Waren, wie lump{
sie immer aussehen oder wie schlecht sie immer riechen mögen, ir
Glauben und in der Wahrheit Geld, innerlich beschnittene Jude
sind, und zudem wundertätige Mittel, um aus Geld mehr Geld !
machen.

Wenn in der einfachen Zirkulation der Wert der Waren ihre!
Gebrauchswert gegenüber höchstens die selbständige Form de
Geldes erhält, so stellt er sich hier plötzlich dar als eine prozessit
rende [fortschreitende], sich selbst bewegende Substanz, für welch
Ware und Geld beide bloße Formen. Aber noch mehr. Statt Warer
verhältnisse darzustellen, tritt er jetzt sozusagen in ein Priv?
verhältnis zu sich selbst. Er unterscheidet sich als ursprüngliche
Wert von sich selbst als Mehrwert, als Gott Vater von sich selbst 2
Gott Sohn, und beide sind vom selben Alter, und bilden in der 7:
nur eine Person, denn nur durch den Mehrwert von 10 Pfd. Ster
werden die vorgeschossenen 100 Pfd. Sterl. Kapital, und sobald $
dies geworden, sobald der Sohn, und durch den Sohn der Vate
erzeugt, verschwindet ihr Unterschied wieder und sind beide eilf
110 Pfd. Sterl.
Der Wert wird also prozessierender Wert, prozessierendes Gel
und als solches Kapital. Er kommt aus der Zirkulation her, gel
wieder in sie ein, erhält und vervielfältigt sich in ihr, kehrt ve!
größert aus ihr zurück und beginnt denselben Kreislauf stets wiede
von neuem. G-— G’, geldheckendes Geld — money which bege
money — lautet die Beschreibung des Kapitals im Munde sein“
ersten Dolmetscher, der Merkantilisten.
Kaufen um zu verkaufen, oder vollständiger, kaufen um teur®
zu verkaufen, G — W — G”’, scheint zwar nur einer Art des Kapital?
dem Kaufmannskapital, eigentümliche Form. Aber auch das ind”
strielle Kapital ist Geld, das sich in Ware verwandelt und durch d&amp;amp;
Verkauf der Ware in mehr Geld rückverwandelt. Akte, die etw
zwischen dem Kauf und dem Verkaufe, außerhalb der Zirkulatior®
sphäre, vorgehen, ändern nichts an dieser Form der Bewegung: bi
dem zinstragenden Kapital endlich stellt sich die Zirkulati®
G —W— GG’ abgekürzt dar, in ihrem Resultat ohne die Vermittlupf
sozusagen im Lapidarstil, als G— GG’, Geld, das gleich mehr Geld
Wert, der größer als er selbst ist. ;
In der Tat also ist G—W-—GG’ die allgemeine Formel d*
Kapitals, wie es unmittelbar in der Zirkulationssphäre erscheint.

5 „Kapital... permanenter sich vervielfältigender Wert.“ (Sismond”
„Nouveaux Principes d’Economie Politique“, vol. L D. 90.)

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Viertes Kapitel,

113

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2, Widersprüche der allgemeinen Formel.
Die Zirkulationsform, worin sich das Geld zum Kapital ent-Puppt,
 widerspricht allen früher entwickelten Gesetzen über die
Natur der Ware, des Wertes, des Geldes und der Zirkulation selbst.
Was sie von der. einfachen Warenzirkulation unterscheidet, ist die
ümgekehrte Reihenfolge derselben zwei entgegengesetzten Prozesse,
Verkauf und Kauf. Und wie sollte solcher rein formelle Unter-Schied
 die Natur dieser Prozesse umzaubern?
Noch mehr. Diese Umkehrung existiert nur für einen der drei
Geschäftsfreunde, die miteinander handeln. Als Kapitalist kaufe
‘Ch Ware von A und verkaufe sie wieder an B, während ich als einlacher
 Warenbesitzer Ware an B verkaufe und dann Ware von A
‘aufe, Für die Geschäftsfreunde A und B existiert dieser Unter-°chied
 nicht. Sie treten nur als Käufer oder Verkäufer von Waren
auf, Ich selbst stehe ihnen jedesmal als einfacher Geldbesitzer oder
Ww arenbesitzer, Käufer oder Verkäufer gegenüber, und zwar trete
‘°h in beiden Reihenfolgen der einen Person nur als Käufer und
der andern nur als Verkäufer gegenüber, der einen als nur Geld,
dor andern als nur Ware, keiner von beiden als Kapital oder Kapita-St
 oder Repräsentant von irgendetwas, das mehr als Geld oder
TYare wäre, oder eine andere Wirkung außer der des Geldes oder
„7 Ware ausüben könnte. Für mich bilden Kauf von A und Ver-"auf
 an B eine Reihenfolge. Aber der Zusammenhang zwischen
lesen beiden Akten existiert nur für mich. A schert sich nicht um
ne Transaktion mit B, und B nicht um meine Transaktion mit A.
Ollte ich ihnen etwa das besondere Verdienst klarmachen, das ich
an durch die Umkehrung der Reihenfolge erwerbe, so würden sie
die beweisen, daß ich mich in der Reihenfolge selbst irre und daß
Vo Gesamttransaktion nicht mit einem Kauf begann und einem
au Kauf endete, sondern umgekehrt mit einem Verkauf begann und
a “nem Kauf abschloß. In der Tat, mein erster Akt, der Kauf,
on Von A.s Standpunkt ein Verkauf, und mein zweiter Akt, der
workauf, war von B.s Standpunkt ein Kauf. Nicht zufrieden damit,
A und B erklären, daß die ganze Reihenfolge überflüssig
ind Hokuspokus war. A wird die Ware direkt an B verkaufen
Tra B Sie direkt von A kaufen. Damit verschrumpft die ganze
zirkktion in einen einseitigen Akt der gewöhnlichen Waren-Dante
 tom, vom Standpunkt A.s bloßer Verkauf und vom Stand-Reih
 Bs bloßer Kauf, Wir sind also durch die Umkehrung der
hina nr Olge nicht über die Sphäre der einfachen Warenzirkulation
nach Kommen und müssen vielmehr zusehen, ob sie ihrer Natur
von Verwertung der in sie eingehenden Werte und daher Bildung
Mehrwert gestattet.
Sich Nehmen wir den Zirkulationsprozeß in einer Form, worin er
Wenn bloßer Warenaustausch darstellt. Dies ist stets der Fall,
3il beide Warenbesitzer Waren voneinander kaufen und die
A ihrer wechselseitigen Geldforderungen sich am Zahlungstage
48 Kapital. I.

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        114

Zweiter Abschnitt

ausgleicht. Das Geld dient hier als Rechengeld, um die Werte del
Waren in ihren Preisen auszudrücken, tritt aber nicht den Warel
selbst dinglich gegenüber. Soweit es sich um den Gebrauchswer
handelt, ist es klar, daß beide Austauscher gewinnen können. Beid
veräußern Waren, die ihnen als Gebrauchswert nutzlos, und erhalte
Waren, deren sie zum Gebrauch bedürfen. Und dieser Nutzen mä
nicht der einzige sein. A, der Wein verkauft und Getreide kaufl
produziert vielleicht mehr Wein als Getreidebauer B in derselber
Arbeitszeit produzieren könnte, und Getreidebauer B in derselbe!
Arbeitszeit mehr Getreide als Weinbauer A produzieren könnte
A erhält also für denselben Tauschwert mehr Getreide und B meh
Wein, als wenn jeder von den beiden, olıme Austausch, Wein um
Getreide für sich selbst produzieren müßte. Mit Bezug auf de
Gebrauchswert also kann gesagt werden, daß „der Austausch ein
Transaktion ist, worin beide Seiten gewinnen‘“.!* Anders mit der
Tauschwert. „Ein Mann, der viel Wein und kein Getreide besitz
handelt mit einem Mann, der viel Getreide und keinen Wein besitz
und zwischen ihnen wird ausgetauscht Weizen zum Wert von 5
gegen einen Wert von 50 in Wein. Dieser Austausch ist keine Ve"
mehrung des Tauschwertes, weder für den einen noch für de
andern; denn bereits vor dem Austausch besaß jeder von ihne
einen Wert gleich dem, den er sich vermittels dieser Operation ve"
schafit hat.“ Es ändert nichts an der Sache, wenn das Geld a2!
Zirkulationsmittel zwischen die Waren tritt und die Akte des Kauf“
und Verkaufes sinnlich auseinanderfallen.!* Der Wert der Ware
ist in ihren Preisen dargestellt, bevor sie in die Zirkulation trete!
also Voraussetzung und nicht Resultat derselben.!?
Abstrakt betrachtet, das heißt abgesehen von zufälligen Um
ständen, die nicht aus den immanenten Gesetzen der einfache
Warenzirkulation hervorfließen, geht außer dem Ersatz eines G®
brauchswertes durch einen andern nichts in ihr vor als eine Meif
morphose, ein bloßer Formwechsel der Ware. Derselbe Wert, da
heißt dasselbe Quantum vergegenständlichter gesellschaftlicher A"
beit, bleibt in der Hand desselben Warenbesitzers in Gestalt er®
seiner Ware, dann des Geldes, worin sie sich verwandelt, endlich d?
Ware, worin sich dies Geld rückverwandelt. Dieser Formwechs®
1 „Der Tausch ist ein wunderbarer Vorgang, bei dem die beiden ve
tragschließenden Teile gewinnen, und zwar stets (1).“ (Destutt de Trac
„Traite de la Volonte et de ses effets. Paris 1826“, p. 68,) Dasselbe Buch %”
schien später als „Trait@ d’Economie Politique“,
15 Mercier de la Riviere: „L’Ordre naturel et essentiel.“ Physiocrate*
$d, Daire, II. Partie, p. 544.
26 „Es ist an sich vollkommen gleichgültig, ob einer dieser beide
Vers x Geld besteht, oder ob sie beide gewöhnliche Waren sind.“ (Ebend*
. 543.
ır „Nicht die Vertragsparteien entscheiden über den Wert, dieser steh
vielmehr schon vor dem Geschäftsabschluß fest.“ (Le Trosne: „De 1’Inte“
Social.“ Physiocrates, &amp;amp;d. Daire, Paris 1846, p. 906.)

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Viertes Kapitel,

115

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Schließt keine Aenderung der Wertgröße ein. Der Wechsel aber, den
der Wert der Ware selbst in diesem Prozeß durchmacht, beschränkt
Sich auf einen Wechsel seiner Geldform. Sie existiert erst als Preis
der zum Verkauf angebotenen Ware, dann als eine Geldsumme, die
aber schon im Preise ausgedrückt war, endlich als der Preis einer
\quivalenten Ware. Dieser Formwechsel schließt an und für sich
Sbensowenig eine Aenderung der Wertgröße ein, wie das Aus-Wechseln
 einer Fünfpfundnote gegen vier Sovereigns, einen halben
Sovereign und zehn Shilling. Sofern also die Zirkulation der Ware
Mr einen Formwechsel ihres Wertes bedingt, bedingt sie, wenn das
pP hänomen rein vorgeht, Austausch von Aequivalenten. Die Vulgärkonomie
 selbst, so wenig sie ahnt, was der Wert ist, unterstellt daher,
9 oft sie in ihrer Art das Phänomen rein betrachten will, daß Nachtrage
 und Zufuhr sich decken, das heißt daß ihre Wirkung überhaupt
Aufhört. Wenn also mit Bezug auf den Gebrauchswert beide Auslauscher
 gewinnen können, können sie nicht beide gewinnen an
Tauschwert. Hier heißt es vielmehr: „Wo Gleichheit ist, ist kein
Gewinn.“1s Waren können zwar zu Preisen verkauft werden, die
YOn ihren Werten abweichen, aber diese Abweichung erscheint als
Verletzung des Gesetzes des Warenaustausches.!® In seiner reinen
Gestalt ist er ein Austausch von Aequivalenten, also kein Mittel,
“ch an Wert zu bereichern.”
Hinter den Versuchen, die Warenzirkulation als Quelle von
Mehrwert darzustellen, lauert daher meist ein Quidproquo, eine
Verwechslung von Gebrauchswert und Tauschwert. So zum Beispiel
dei Condillac: „Es ist falsch, daß man im Warenaustausch gleichen
Wert gegen gleichen Wert austauscht. Umgekehrt. Jeder der
Slden Kontrahenten gibt immer einen kleineren für einen größeren
Wert, ++ Tauschte man in der Tat immer gleiche Werte aus, so
DATe kein Gewinn zu machen für irgendeinen Kontrahenten. Aber
nn beide gewinnen oder sollten doch gewinnen. Warum? Der
niert der Dinge besteht bloß in ihrer Beziehung auf unsere Bedürfae
 Was für den einen mehr, ist für den andern weniger, und
au SSkehrt, -«. Man setzt nicht voraus, daß wir für unsere Kon-—
 unentbehrliche Dinge zum Verkauf ausbieten. ... Wir
zu len eine uns nutzlose Sache weggeben, um eine uns notwendige
ap halten; wir wollen weniger für mehr geben. . .. Es war
&amp;gt; STlich zu urteilen, daß man im Austausch gleichen Wert für
SE Galiani: „Della Moneta“, in Custodi: Parte Moderna, vol. IV, p. 244,
Außer »Der Austausch wird für eine der beiden Parteien unvorteilhaft, wenn
Ieichn Stände den Preis herabsetzen oder hinaufschrauben: dann ist die
and Aeit verletzt; aber diese Verletzung rührt von jenen ‚Umständen her
Physio aus dem Austausch selbst.“ (Le Trosne: „De FInt&amp;amp;röt Social.
20 rates, 6d. Daire, Paris 1846, p. 904.) .
Vertra »Der Austausch ist seiner Natur nach ein auf Gleichheit beruhender
der Be und erfolgt zwischen gleichen Werten, Er ist daher kein Mittel
S, 903), ®icherung, da man ebenso viel hingibt, wie man empfängt.“ (Ebenda,

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        116

Zweiter Abschnitt

gleichen Wert gebe, so oft jedes der ausgetauschten Dinge an Werl
demselben Quantum Geld gleich war. ... Aber eine andere Be
trachtung muß noch in die Rechnung eingehen; es fragt sich, ob wi"
beide einen Ueberfluß gegen etwas Notwendiges austauschen.“
Man sieht, wie Condillae nicht nur Gebrauchswert und Tauschwer
durcheinander wirft, sondern wahrhaft kindlich einer Gesellschaf
mit entwickelter Warenproduktion einen Zustand unterschieb!
worin der Produzent seine Subsistenzmittel selbst produziert un“
nur den Ueberschuß über den eigenen Bedarf, den Ueberfluß,
die Zirkulation wirft.?* Dennoch wird Condillacs Argument häufig
bei modernen Oekonomen wiederholt, namentlich wenn es gilt, dit
entwickelte Gestalt des Warenaustausches, den Handel, als pr“
duktiv von Mehrwert darzustellen. „Der Handel“, heißt es zum
Beispiel, „fügt den Produkten Wert zu, denn dieselben Produkt
haben mehr Wert in den Händen des Konsumenten als in den Här
den des Produzenten und er muß daher wörtlich (strietly) als Pr
duktionsakt betrachtet werden.“?* Aber man zahlt die Waren nich
doppelt, das eine Mal ihren Gebrauchswert und das andere M#
ihren Wert. Und wenn der Gebrauchswert der Ware dem Käufe
nützlicher als dem Verkäufer, ist ihre Geldform dem Verkäufer nül?
licher als dem Käufer. Würde er sie sonst verkaufen? Und %
könnte ebensowohl gesagt werden, daß der Käufer wörtlich (strictly)
einen „Produktionsakt“ vollbringt, indem er zum Beispiel d®
Strümpfe des Kaufmannes in Geld verwandelt.
Werden Waren oder Waren und Geld von gleichem Tauscl
wert, also Aequivalente ausgetauscht, so zieht offenbar keiner mel!
Wert aus der Zirkulation heraus, als er in sie hineinwirft. Es finde!
dann keine Bildung von Mehrwert statt. In seiner reinen For
aber bedingt der Zirkulationsprozeß der Waren Austausch v®
Aequivalenten. Jedoch gehen die Dinge in der Wirklichkeit nich
rein zu. Unterstellen wir daher Austausch von Nichtäquivalente?
Jedenfalls steht auf dem Warenmarkt nur Warenbesitzer de?
Warenbesitzer gegenüber, und die Macht, die diese Personen über‘

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21 Condillac: „Le Commerce et le Gouvernement“ (1776). Ed. Dai®
et Molinari in den „Meölanges d’Economie Politique. Paris 1847“, p. 267.
22 Le Trosne antwortet daher seinem Freunde Condillac sehr richtif‘
„Die bestehende Gesellschaft kennt überhaupt nichts UVeberflüssiges,“
gleich neckt er ihn mit der Glosse, daß „wenn beide Austauscher gleich vie
mehr für gleich viel weniger erhalten, sie beide gleich viel erhalten“. wel
Condillac noch nicht die geringste Ahnung von der Natur des Tauschwert®
besitzt, ist er der passende Gewährsmann des Herrn Prof, Wilhelm Rosch®
für seine eigenen Kinderbegriffe. Siehe dessen: „Die Grundlagen def
Nationalökonomie, 3. Auflage 1858.“ — [So zitiert er zum Beispiel mit wohl
gefallen dort im $ 107 folgenden Weisheitsspruch Condillacs: „Ein DI 4
hat nicht Wert, weil es etwas kostet, sondern es kostet (Arbeit nder Geld)
weil es Wert hat.“ K.]
28 8. P. Newman: „Elements of Political Economy. Andover and Net
York 1835“. 9. 175.

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Viertes Kapitel.

117

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Änander ausüben, ist nur die Macht ihrer Waren. Die stoffliche
/erschiedenheit der Waren ist das stoffliche Motiv des Austausches
d macht die Warenbesitzer wechselseitig voneinander abhängig,
ldem keiner von ihnen den Gegenstand seines eigenen Bedürfnisses
nd jeder von ihnen den Gegenstand des Bedürfnisses des andern
X Seiner Hand hält. Außer dieser stofflichen Verschiedenheit ihrer
Jebrauchswerte besteht nur noch ein Unterschied unter den Waren,
ler Unterschied zwischen ihrer Naturalform und ihrer verwandel-„2
 Form, zwischen Ware und Geld. Und so unterscheiden sich die
‚arenbesitzer nur als Verkäufer, Besitzer von Ware, und als Käu-%,
 Besitzer von Geld.
{ Gesetzt nun, es sei durch irgendein unerklärliches Privilegium
7m Verkäufer gegeben, die Ware über ihrem Werte zu verkaufen,
Mn 110, wenn sie 100 wert ist, also mit einem nominellen Preiswilschlage
 von 10 pZt. Der Verkäufer kassiert also einen Mehrat
 von 10 ein. Aber nachdem er Verkäufer war, wird er Käufer.
niege Tilter Warenbesitzer begegnet ihm jetzt‘ als Verkäufer und geka
 t seinerseits das Privilegium, die Ware 10 pZt. zu teuer zu ver-10
 den. Unser Mann hat als Verkäufer 10 gewonnen, um als Käufer
all ZU verlieren.?** Das Ganze kommt in der Tat darauf hinaus, daß
förk Warenbesitzer ihre Waren einander 10 pZt. über dem Wert
W aufen, was durchaus dasselbe ist, als ob sie die Waren zu ihren
Male verkauften. Ein solcher allgemeiner nomineller Preis-Wa
 tlag der Waren bringt dieselbe Wirkung hervor, als ob die
die Awerte zum Beispiel in Silber statt in Gold geschätzt würden.
Sch, Geldnamen, das heißt die Preise der Waren, würden an-Wellen,
 aber ihre Wertverhältnisse unverändert bleiben.
die Ynterstellen wir umgekehrt, es sei das Privilegium des Käufers,
öl ären unter ihrem Wert zu kaufen. Hier ist es nicht einmal
Va erinnern, daß der Käufer wieder Verkäufer wird. Er war
käuf äufer, bevor er Käufer ward. Er hat bereits 10 pZt. als Ver-Wie
 "io Verloren, bevor er 10 pZt. als Käufer gewinnt.? Alles bleibt
ST beim alten.
Ge] 1 Bildung von Mehrwert und daher die Verwandlung von
York Kapital, kann also weder dadurch erklärt werden, daß die
daß aer die Waren über ihrem Werte verkaufen, noch dadurch,
— © Käufer sie unter ihrem Werte kaufen.?*
Verka 2 Die Erhöhung des nominellen Wertes der Produkte .. . bringt den
7erli ren keinen Vorteil... denn ‚was sie als Verkäufer gewinnen,
Wealth N Im selben Maße als Käufer.“ („The Essential Principles of the
25% Nations etc, London 1797“, p. 66.)
geher? Mh man gezwungen ist, für 18 Livres eine Produktenmenge hin-8
 Live ie eigentlich 24 wert ist, wird man beim Kauf ebenso für jene
(Le Tros SO viel bekommen, wie man sonst mit 24 Livres bezahlen mußte.“
26 e: „De ]’Interet Social.“ Physiocrates, 6d. Daire, Paris 1846, p. 897.)
Händig „Kein Verkäufer kann seine Waren ständig verteuern, ohne ebenso
WS dem Waren der andern Verkäufer teurer bezahlen zu müssen; und
Selben Grunde kann kein Konsument ständig billiger einkaufen. ohne

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        Zweiter Abschnif
Das Problem wird in keiner Weise dadurch vereinfacht, d#
man ifiremde Beziehungen einschmuggelt, also etwa mit Ober
Torrens sagt: „Die effective [tatsächliche] Nachfrage besteht in de?
Vermögen und der Neigung &amp;lt;(!) der Konsumenten, sei es durch
mittelbaren oder vermittelten Austausch, für Waren eine gewis®
größere Menge von allen Bestandteilen des Kapitals zu geben, als ib!
Produktion kostet.“? In der Zirkulation stehen sich Produzenten uw
Konsumenten nur als Verkäufer und Käufer gegenüber. Behaupt®
der Mehrwert für den Produzenten entspringe daraus, daß die Ko
sumenten die Ware über den Wert zahlen, heißt nur den einfach®
Satz maskieren: Der Warenbesitzer besitzt als Verkäufer das Pri"
legium, zu teuer zu verkaufen. Der Verkäufer hat die Ware gelb!
produziert oder vertritt ihren Produzenten, aber der Käufer hat nid
minder die in seinem Gelde dargestellte Ware selbst produziert 04
vertritt ihren Produzenten. Es steht also Produzent dem Produz&amp;amp;
ten gegenüber. Was sie unterscheidet, ist, daß der eine kauft
der andere verkauft. Es bringt uns keinen Schritt weiter, daß 0
Warenbesitzer unter dem Namen Produzent die Ware über ihr“
Werte verkauft und unter dem Namen Konsument sie zu te
zahlt.28
Die konsequenten Vertreter der Illusion, daß der Mehrw”
aus einem nominellen Preiszuschlag entspringt, oder aus d®
Privilegium des Verkäufers, die Ware zu teuer zu verkaufen, unt#
stellen daher eine Klasse, die nur kauft ohne zu verkaufen, a
auch nur konsumiert ohne zu produzieren. Die Existenz ein?
solchen Klasse ist von unserm bisher erreichten Standpunkt, de
der einfachen Zirkulation, noch unerklärlich. Aber greifen wir ®
Das Geld, womit eine solche Klasse beständig kauft, muß ihr 1”
ständig, ohne Austausch, umsonst, auf beliebige Rechts- und GewalP
titel hin, von den Warenbesitzern selbst zufließen. Dieser Klaf
die Waren über dem Wert verkaufen, heißt nur, umsonst we
gegebenes Geld sich zum Teil wieder zurückschwindeln.? So zahlt?

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zugleich die Waren, die er verkauft, ebenso ständig billiger abgeben *
müssen.“ (Mercier de la Riviere: „L’Ordre naturel et essentiel.“ Phys
crates, ed. Daire, II. Partie, p. 555.) 4
27 R. Torrens: „An Essay on the Production of Wealth. London 18%
p. 349.
28 „Die Vorstellung, daß die Profite von den Konsumenten getreß
werden, ist sicherlich ganz unsinnig. Wer sind die Konsumente®,
(6. Kamsay: „An Essay on the Distribution of Wealth, Edinburgh 1880
p. 184.) )
2 „Wenn jemand für seine Waren keinen Absatz findet, empfiehlt % © )
dann Herr Malthus, einem andern Geld zu geben, damit dieser ihm 4 I
Waren abkaufe?“ fragt ein entrüsteter Ricardianer den Malthus, der, % ”""
sein Schüler, der Pfaffe Chalmers, die Klasse von bloßen Käufern 0
Konsumenten ökonomisch verherrlicht. Siehe: „An Inquiry into Dr
principles respecting the Nature of Demand and the Necessity of Consu?
tion, lately advocated by Mr. Malthus etc. London 1821“, p. 55.

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Viertes Kapitel,

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lie kleinasiatischen Städte jährlichen Geldtribut an das alte Rom.
Mit diesem Geld kaufte Rom Waren von ihnen und kaufte sie zu
Suer. Die Kleinasiaten prellten die Römer, indem sie den Eroberern
nen Teil des Tributs wieder abluchsten auf dem Wege des Handels,
 Aber dennoch blieben die Kleinasiaten die Geprellten. Ihre
Waren wurden ihnen nach wie vor mit ihrem eigenen Gelde gezahlt.
8 ist dies keine Methode der Bereicherung oder der Bildung von
Mehrwert.
Halten wir uns also innerhalb der Schranken des Warenaus-Ausches,
 wo Verkäufer Käufer und Käufer Verkäufer sind. Unsere
erlegenheit stammt vielleicht daher, daß wir die Personen nur als
Personifizierte Kategorien, nicht individuell, gefaßt haben.
„„ Warenbesitzer A mag so pfiffig sein, seine Kollegen B oder C
ders Ohr zu hauen, während sie trotz des besten Willens die
Revanche schuldig bleiben. A verkauft Wein zum Wert von 40 Pfd.
Ser], an B und erwirbt im Austausch Getreide zum Wert von 50 Pfd.
Ser], A hat seine 40 Pfd. Sterl. in 50 Pfd. Sterl. verwandelt, mehr
Seld aus weniger Geld gemacht und seine Ware in Kapital vervähdelt.
 Sehen wir näher zu. Vor dem Austausch hatten wir für
© Pfd. Sterl. Wein in der Hand von A. und für 50 Pfd. Sterl. Getreide
2 der Hand von B, Gesamtwert 90 Pfd. Sterl. Nach dem Austausch
laben Wir denselben Gesamtwert von 90 Pfd. Sterl. Der zirkulierende
Vert hat sich um kein Atom vergrößert, nur seine Verteilung zwischen
. nd B hat sich verändert. Auf der einen Seite erscheint als Mehr-Det,
 Was auf der andern Minderwert ist, auf der einen Seite als
„lüs, Was auf der andern als Minus. Derselbe Wechsel hätte sich
3 ienet, wenn A, ohne die verhüllende Form des Austausches, dem
m Pfd. direkt gestohlen hätte. Die Summe der zirkulierenden
Te kann offenbar durch keinen Wechsel in ihrer Verteilung ver-Achrt
 Werden, so wenig wie ein Jude die Masse der edlen Metalle
pt. Sinem Lande dadurch vermehrt, daß er einen Farthing [einen
Yale] aus der Zeit der Königin Anna für eine Guinee [ein Goldk
 %K] verkauft. Die Gesamtheit der Kapitalistenklasse eines Landes
“DD Sich nicht selbst übervorteilen.® .
eb Man mag sich also drehen und wenden, wie man will, das Er-Steht
 bleibt dasselbe. Werden Aequivalente ausgetauscht, so ento
 ! kein Mehrwert, und werden Nichtäquivalente ausgetauscht,
©Utsteht auch kein Mehrwert.“ Die Zirkulation oder der Waren.

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ide n Destutt de Tracy, obgleich — vielleicht weil — Mitglied des Institut
m. ce), war umgekehrter Ansicht. Die industriellen Kapitalisten, sagt
cost Achen dadurch ihre Profite, daß „sie alles teurer verkaufen als es ge.
Tr hat zu Produzieren, Und an wen verkaufen sie? Erstens aneinander.“
Ale de la Volont6 et de ses effets, Paris 1826“, p. 289.) .
lie M. „Der Austausch gleicher Werte vermehrt weder noch vermindert er
eich der in der Gesellschaft vorhandenen Werte, Der Austausch un-Ache
 Sr Werte » +, ändert gleichfalls nichts an der Summe der gesellschafta
 Werte, wenn er auch dem Vermögen des einen Teils ebenso viel zu-
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        120

Zweiter Abschnll

austausch schafft keinen Wert.*? Man versteht daher, wart
in unserer Analyse der Grundform des Kapitals, der Form, wor‘
es die ökonomische Organisation der modernen Gesellschaft b
stimmt, seine populären und sozusagen vorsintflutlichen Gestalte
Handelskapital und Wucherkapital, zunächst gänzlich unberücksir
tigt bleiben.
Im eigentlichen Handelskapital erscheint die Form G —W-—
kaufen um teurer zu verkaufen, am reinsten. Anderseits geht sei
ganze Bewegung innerhalb der Zirkulationssphäre vor. Da es al
unmöglich ist, aus der Zirkulation selbst die Verwandlung von G«
in Kapital, die Bildung von Mehrwert zu erklären, erscheint 0
Handelskapital unmöglich, sobald Aequivalente ausgetauscht w“
den,°* daher nur ableitbar aus der doppelseitigen Vebervorteilt
der kaufenden und verkaufenden Warenproduzenten durch den
parasitisch [als Schmarotzer] zwischen sie schiebenden Kaufmar
In diesem Sinne sagt Franklin: „Krieg ist Raub, Handel ist Preil
rei.‘®%* Soll die Verwertung des Handelskapitals nicht aus bloß‘
Prellerei der Warenproduzenten erklärt werden, so gehört dazu e
lange Reihe von Mittelgliedern, die hier, wo die Warenzirkulat
und ihre einfachen Momente unsere einzige Voraussetzung bild“
noch gänzlich fehlt.
Was vom Handelskapital, gilt noch mehr vom Wucherkapi!
Im Handelskapital sind die Extreme, das Geld, das auf den Ma’
geworfen, und das vermehrte Geld, das dem Markt entzogen wW
wenigstens vermittelt durch Kauf und Verkauf, durch die Beweg'
der Zirkulation. Im Wucherkapital, ist die Form G—W—G' ;
gekürzt auf die unvermittelten Extreme G — G’, Geld, das ®
fügt, wie er dem des andern nimmt.“ (J. B. Say: „Traite d’Economie ?
lique, Paris 1817“, vol. I, p. 434, 435.) Say, natürlich unbekümmert um %
Konsequenzen dieses Satzes, entlehnt ihn ziemlich wörtlich den Physiokral‘
Die Art, wie er ihre zu seiner Zeit verschollenen Schriften zur Vermeh!"
seines eigenen „Wertes“ ausgebeutet hat, zeige folgendes Beispiel. Der „r
rühmteste‘“ Satz des Monsieur Say: „Man kauft Produkte nur mit Pr
dukten‘“ (ebenda, Bd. II, S. 438), lautet im physiokratischen Original: El
Produkte lassen sich nur mit Produkten bezahlen.“ (Le Trosne: »
l’Interet Social.“ Physiocrates, €d. Daire, Paris 1846, p- 899.)
32 „Der Austausch überträgt überhaupt keinen Wert auf die Produkt
(F. Wayland: „The Elements of Political Economy. Boston 1853“, p. 168.) ‘i
5 „Unter der Herrschaft unveränderlicher Aequivalente wäre ©
Handel unmöglich.“ (G&amp;amp;, Opdyke: „A Treatise on Political Economy. N
York 1851“, p. 69.) „Dem Unterschiede zwischen Realwert und Tausch“,
liegt eine Tatsache zum Grunde — nämlich daß der Wert einer Sache %
schieden ist von dem im Handel für sie gegebenen sogenannten Aequival®
das heißt daß dieses Aequivalent kein Aequivalent ist.“ (F, Engels: „Um
zu einer Kritik der Nationalökonomie“, in Deutsch-Französische Jahrbü®,
Paris 1844, S. 95.) [Vergl. „Gesammelte Schriften von Karl MarX
Friedrich Engels, Stuttgart 1902“, Bd. I, S. 442] x
1 Benjamin Franklin: Works, vol. II, ed. Sparks in: „Positions ©
examined concerning National Wealth.“

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        Viertes Kapitel.

121

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Segen mehr Geld austauscht, eine der Natur des Geldes wider-Prechende
 und daher vom Standpunkt des Warenaustausches unklärliche
 Form. Daher Aristoteles: „Da die Chrematistik eine
Joppelte ist, die eine zum Handel, die andere zur Oekonomik ge-Vrig,
 die letztere notwendig und lobenswert, die erstere auf ‚die
“tkulation gegründet und mit Recht getadelt (denn sie beruht nicht
2 der Natur, sondern auf wechselseitiger Prellerei), so ist der
Wucher mit vollstem Recht verhaßt, weil das Geld selbst hier die
Juelle des Erwerbs und nicht dazu gebraucht wird, wozu es erfunden
 ward. Denn für den Warenaustausch entstand es, der Zins
Aber macht aus Geld mehr Geld. Daher auch sein Name (z6xoc Zins
and Geborenes). Denn die Geborenen sind den Erzeugern ähnlich.
Der Zins aber ist Geld von Geld, so daß von allen Erwerbszweigen
lieser der naturwidrigste.‘“3% |
‚Wie das Handelskapital werden wir das zinstragende Kapital
© Verlauf unserer Untersuchung als abgeleitete Formen vorfinden
A d Zugleich sehen, warum sie historisch vor der modernen Grund-7m
 des Kapitals erscheinen. .
‚Es hat sich gezeigt, daß der Mehrwert nicht aus der Zirkulation
 ©hispringen kann, bei seiner Bildung also etwas hinter ihrem
Rücken vorgehen muß, das in ihr selbst unsichtbar ist.®® Kann
Aber der Mehrwert anderswoher entspringen als aus der Zirkulation?
Die Zirkulation ist die Summe aller [durch ihre Waren bestimmten]
Vechselbeziehungen der Warenbesitzer. Außerhalb derselben steht
der Warenbesitzer nur noch in Beziehung zu seiner eigenen Ware.
Was ihren Wert angeht, beschränkt sich das Verhältnis darauf, daß
ne ein Nach bestimmten gesellschaftlichen Gesetzen gemessenes
Quantum seiner eigenen Arbeit enthält. Dieses Quantum Arbeit
drückt Sich aus in der Wertgröße seiner Ware und da sich Wert-0ße
 in Rechengeld darstelit, in einem Preise von zum Beispiel
(0 Pfad, Sterl. Aber seine Arbeit stellt sich nicht dar im Werte der
Ware und einem Ueberschuß über ihrem eigenen Wert, nicht in
weom Preise von 10, der zugleich ein Preis von 11, nicht in einem
gen der größer als er selbst ist. Der Warenbesitzer kann durch
rn Arbeit Werte bilden, aber keine sich verwertenden Werte.
W kann den Wert einer Ware erhöhen, indem er vorhandenem
St Neuen Wert durch neue Arbeit zusetzt, zum Beispiel aus Leder
Ri fel macht. Derselbe Stoff hat jetzt mehr Wert, weil er ein
als „t®S Arbeitsquantum enthält. Der Stiefel hat daher mehr Wert
% (as Leder, aber der Wert des Leders ist geblieben, was er war,
Bi hat sich Nicht verwertet, nicht während der Stiefelfabrikation
Zen Mehrwert angesetzt. Es ist also unmöglich, daß der Warenze
 “Yistoteles: „De Republica' , lib. I, ce. 10. .
Austau »Bei dem gewöhnlichen Stand des Marktes kann Profit nicht durch
8 k5 Sch erzielt werden. Hätte er nicht vor diesem Vorgang bestanden,
Disteptt® SF auch nachher nicht bestehen, (Ramsay: „An Essay on the
Übution of Wealth. Edinburgh 1836“, p. 184.)

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        Zweiter Abschni
produzent außerhalb der Zirkulationssphäre, ohne mit ander
Warenbesitzern in Berührung zu treten, Wert verwerte und dal
Geld oder Ware in Kapital verwandle.
Kapital kann also nicht aus der Zirkulation entspringen und '
kann ebensowenig aus der Zirkulation nicht entspringen. Es m
zugleich in ihr und nicht in ihr entspringen.
Ein doppeltes Resultat hat sich also ergeben.
Die Verwandlung des Geldes in Kapital ist auf Grundlage d®
Warenaustausch immanenter Gesetze zu entwickeln, so daß &amp;amp;
Austausch von Aequivalenten als Ausgangspunkt gilt.” Unser !'
noch als Kapitalistenraupe vorhandener Geldbesitzer muß
Waren zu ihrem Wert kaufen, zu ihrem Wert verkaufen, und denn
am Ende des Prozesses mehr Wert herausziehen als er hineinw#
Seine Schmetterlingsentfaltung muß in der Zirkulationssphäre U
muß nicht in der Zirkulationssphäre vorgehen. Dies sind die Bedi
gungen des Problems. Hic Rhodus, hic salta! [Jetzt zeige, was “
kannst !]

122

3. Kauf und Verkauf der Arbeitskraft.
Das Wachstum des Wertes, wodurch das Geld sich in Kap!!
verwandeln soll, kann nicht an diesem Geld selbst vorgehen. Die
es als Kaufmittel oder als Zahlungsmittel, dann realisiert es nur d
Preis der Waren, die es kauft oder zahlt. Bleibt es, was es war, V'
harrt es in seiner eigenen Form, dann erstarrt es gleichsam zu ei“
versteinerten Wert von gleichbleibender Gröäßess

s7 Nach der gegebenen Auseinanderseizung versteht der Leser, daß ®
gur heißt: Die Kapitalbildung muß möglich sein, auch wenn der War®
preis gleich dem Warenwert. Sie kann nicht aus der Abweichung C
Warenpreise von den Warenwerten erklärt werden. Weichen die Pre
von den Werten wirklich ab, so muß man sie erst auf die letzteren rel
zieren, das heißt von diesem Umstande als einem zufälligen absehen; _
das Phänomen der Kapitalbildung auf Grundlage des Warenaustaus“
rein vor sich zu haben und in seiner Beobachtung nicht durch störende
dem eigentlichen Verlauf fremde Nebenumstände verwirrt zu werden.
weiß übrigens, daß diese Reduktion keineswegs ein bloß wissenscl
liches Verfahren ist. Die beständigen Schwankungen der Marktpreise:
Steigen und Sinken, kompensieren sich, heben sich wechselseitig auf !
reduzieren sich selbst zum Durchschnitispreis als ihrer inneren Regel. D*
bildet den Leitstern zum Beispiel des Kaufmanns oder des Industrielle?
jeder Unternehmung, die längeren Zeitraum umfaßt. Er weiß also, daß, £
längere Periode im ganzen betrachtet, die Waren wirklich weder u
noch über, sondern zu ihrem Durchschnittspreis verkauft werden. W
interesseloses Denken also überhaupt sein Interesse, so müßte er sich ‘
Problem der Kapitalbildung so stellen: Wie kann Kapital entstehen bei‘
Regelung der Preise durch den Durchschnittspreis, das heißt in letzter
stanz durch den Wert der Ware? Ich sage „in letzter Instanz“, weil ’
Durchschnittspreise nicht direkt mit den Wertgrößen der Waren zusam
fallen, wie A. Smith, Ricardo usw. glauben.
%8 „In der Gestalt von Geld .. . produziert das Kapital keinen Pre
(Ricardo: „Principles of Political Economy. 3rd ed. London 1821“. p- 2
        <pb n="168" />
        anni
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Viertes Kapitel.

1elf
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123

Die Wertveränderung, die in der Formel G — W— &amp;amp; aus-Jedrückt
 wird, der Verwandlung von Geld in Ware und der Rück-"STwandlung
 von Ware in mehr Geld, muß also aus der Ware ent-Pringen.
 Aber sie kann sich nicht im zweiten Zirkulationsakt, dem
Wiederverkauf der Ware, W— G’, vollziehen, denn dieser Akt ver-Yaändelt
 die Ware bloß aus der Naturalform zurück in die Geld-Orm.
 Betrachten wir nun den ersten Akt, G — W, den Kauf der
Nare, So finden wir, daß er ein Austausch von Aequivalenten ist;
lie Ware wird zu ihrem Wert bezahlt, sie hat nicht mehr Wert als
18 in sie verwandelte Geld. Es bleibt also nur noch die Möglich-Sit
 übrig, daß die Wertveränderung aus dem Gebrauchswert der
Nare entspringt, das heißt aus ihrem Verbrauch. Um aus dem
"Srbrauch einer Ware Wert herauszuziehen, müßte unser Geld-’esitzer
 so glücklich sein, innerhalb der Zirkulationssphäre, auf dem
Markt, eine Ware zu entdecken, deren Gebrauchswert selbst die
"entümliche Beschaffenheit besäße, Quelle von Wert zu sein, deren
Virklicher Verbrauch also selbst Vergegenständlichung von Arbeit
VÄre, daher Wertschöpfung. Und der Geldbesitzer findet auf dem
Markt eine solche eigenartige Ware vor — das Arbeitsvermögen
)er die Arbeitskraft.
Unter Arbeitskraft oder Arbeitsvermögen verstehen wir den In-"griff
 der physischen und geistigen Fähigkeiten, die in der Leib-‚Ohkeit,
 der lebendigen Persönlichkeit eines Menschen existieren
Ad die er in Bewegung setzt, so oft er Gebrauchswerte irgendeiner
Art. produziert.
i Damit jedoch der Geldbesitzer die Arbeitskraft als Ware auf
nn Markt vorfinde, müssen verschiedene Bedingungen erfüllt sein.
„Warenaustausch schließt an und für sich keine andern Ab-„eigkeitsverhältnisse
 ein als die aus seiner eigenen Natur ent-Aringenden,
 Unter dieser Voraussetzung kann die Arbeitskraft als
ai ÄTe nur auf dem Markt erscheinen, sofern und weil sie von ihrem
‚SCnen Besitzer, der Person, deren Arbeitskraft sie ist, als Ware
arSeboten Oder verkauft wird. Damit ihr Besitzer sie als Ware
sei Aue, muß er über sie verfügen können, also freier Eigentümer
begin ATbeitsvermögens, seiner Person sein.“ Er und der Geld-Sina
 zet begegnen sich auf dem Markt und treten in Verhältnis ZzUdag
 oder als ebenbürtige Warenbesitzer, nur dadurch unterschieden,
lei der eine Käufer, der andere Verkäufer, beide also juristisch
h iche Personen sind. Die Fortdauer dieses Verhältnisses erht,
 daß der Eigentümer der Arbeitskraft sie stets nur für be-8
 David Ricardo: „Grundgesetze der Volkswirtschaft“, übersetzt von
“20 Baumstark, 2, Auflage. Leipzig 1877, S. 202.]
Unsinn ns Realenzyklopädien des klassischen Altertums kann man den
»aUßer Sen, daß in der antiken Weit das Kapital völlig entwickelt war,
Momm daß der freie Arbeiter und das Kreditwesen fehlten“. Auch Herr
las ande in Seiner „Römischen Geschichte“ begeht ein Quidproquo über

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        124

Zweiter Abschnifl

stimmte Zeit verkaufe, denn verkauft er sie in Bausch und Bogel:
ein für allemal, so verkauft er sich selbst, verwandelt sich au
einem Freien in einen Sklaven, aus einem Warenbesitzer in ein
Ware. Er als Person muß sich beständig zu seiner Arbeitskraft al
seinem Eigentum und daher seiner eigenen Ware verhalten, un‘
das kann er nur, soweit er sie dem Käufer stets nur vorübergehen(
für einen bestimmten Zeittermin, zur Verfügung stellt, zum Ver
brauch überläßt, also durch ihre Veräußerung nicht auf sein Eige”
lum an ihr verzichtet.*® .
Die zweite wesentliche Bedingung, damit der Geldbesitzer di
Arbeitskraft auf dem Markte als Ware vorfinde, ist die, da!
ihr Besitzer, statt Waren verkaufen zu können, worin sich sei
Arbeit vergegenständlicht hat, vielmehr‘ seine Arbeitskraft selb£
die nur in seiner lebendigen Leiblichkeit existiert, als Ware {el
bieten muß.
Damit jemand von seiner Arbeitskraft unterschiedene Ware
verkaufe, muß er natürlich Produktionsmittel besitzen, zum Beisp}“
Rohstoffe, Arbeitsinstrumente usw. Er kann keine Stiefel mach“
ohne Leder. Er bedarf außerdem Lebensmittel. Niemand, selbf
kein Zukunftsmusikant, kann von Produkten der Zukunft zehre
also auch nicht von Gebrauchswerten, deren Produktion noch
fertig, und wie am ersten Tage seiner Erscheinung auf der Erde?
bühne, muß der Mensch noch jeden Tag konsumieren, bevor u?
während er produziert. Werden die Produkte als Waren produzie!
So müssen sie verkauft werden, nachdem sie produziert sind ur
können die Bedürfnisse des Produzenten erst nach dem Verkal

40 Verschiedene Gesetzgebungen setzen daher ein Maximum für de
Arbeitskontrakt fest: Alle Gesetzbücher bei Völkern freier Arbeit rege!
Kündigungsbedingungen des Kontrakts. In verschiedenen Ländern, name”
lich in Mexiko (vor dem amerikanischen Bürgerkrieg auch in den von Mexil
losgerissenen Territorien, und der Sache nach bis zu Kusas Umwälzung
den Donauprovinzen), ist die Sklaverei unter der Form von Peonage [Schul
sklaverei der Tagelöhner, Peons — K.] versteckt. Durch Vorschüsse, die *
Arbeit abzutragen, und sich von Generation zu Generation fortwälzen,
nicht nur der einzelne Arbeiter, sondern seine Familie tatsächlich das Eis“
tum anderer Personen und ihrer Familien. Juarez hatte die Peonage %
geschafft. Der sogenannte Kaiser Maximilian führte sie wieder ein durch %
Dekret, das im Repräsentantenhaus zu Washington treffend als Dekret 7,
Wiedereinführung der Sklaverei in Mexiko gebrandmarkt ward. „Von mei?
besonderen körperlichen und geistigen Geschicklichkeiten und Möglichkeit,
der Tätigkeit kann ich . .. einen in der Zeit beschränkten Gebrauch f
einen andern veräußern, weil sie nach dieser Beschränkung ein äuße
liches Verhältnis zu meiner Totalität und Allgemeinheit erhalten. Day
die Veräußerung meiner ganzen durch die Arbeit konkreten Zeit und ©,
Totalität meiner Produktion würde ich das Substantielle derselben, mo,
allgemeine Tätigkeit und Wirklichkeit, meine Persönlichkeit zum Bed
tum eines andern machen,“ (Hegel: „Philosophie des Rechts. Berlin 18
S, 104, $S 67.)
        <pb n="170" />
        Viertes Kapitel,
befriedigen. Zur Produktionszeit kommt die für den Verkauf nötige
Zeit hinzu.
Zur Verwandlung von Geld in Kapital muß der Geldbesitzer
also den freien Arbeiter auf dem Warenmarkt vorfinden, frei in
dem Doppelsinn, daß er als freie Person über seine Arbeitskraft
Als seine Ware verfügt, daß er anderseits andere Waren nicht zu
’Srkaufen hat, los und ledig, frei ist von allen zur Verwirklichung
Seiner Arbeitskraft nötigen Sachen. .
Die Frage, warum dieser freie Arbeiter ihm in der Zirkulations-Dhäre
 gegenübertritt, interessiert den Geldbesitzer nicht, der den
Arbeitsmarkt als eine besondere Abteilung des Warenmarktes vor-Iüdet.
 Und einstweilen interessiert sie uns ebensowenig. Wir
dalten theoretisch an der Tatsache fest, wie der Geldbesitzer
Praktisch. Eines jedoch ist klar. Die Natur produziert nicht auf
der einen Seite Geld- oder Warenbesitzer und auf der andern bloße
Besitzer der eigenen Arbeitskräfte. Dieses Verhältnis ist kein
laturgeschichtliches und ebensowenig ein gesellschafiliches, das
allen Geschichtsperioden gemein wäre. Es ist offenbar selbst das
Resultat einer vorhergegangenen historischen Entwicklung, das Pro-Jukt
 vieler ökonomischen Umwälzungen, des Unterganges einer
Sahzen Reihe älterer Formationen der gesellschaftlichen Produktion.
Auch die ökonomischen Kategorien, die wir früher betrachtet,
Tagen ihre geschichtliche Spur. Bestimmte historische Bedingungen
Nüssen erfüllt sein, soll das Produkt Ware werden. Solange es zum
Beispiel produziert wird, um unmittelbar die Bedürfnisse des Pro-Auzenten
 zu befriedigen, wird es nicht zur Ware. Hätten wir weiter
Seforscht: Unter welchen Umständen nehmen alle oder nimmt auch
dur die Mehrzahl der Produkte die Form der Ware an, so hätte sich
Sefunden, daß dies nur auf Grundlage einer ganz besonderen, der
“apitalistischen Produktionsweise geschieht. Eine solche Unterchung
 lag jedoch der Analyse der Ware fern. Warenproduktion
ind Warenzirkulation können stattfinden, obgleich die weit über-Ylegende
 Produktenmasse, unmittelbar auf den Selbstbedarf ge-‚htet,
 sich nicht in Ware verwandelt, der gesellschaftliche Pro-Tktionsprozeß
 also noch lange nicht in seiner ganzen Breite und
fe vom Tauschwert beherrscht ist. * Die Darstellung des Produkts
we Ware bedingt eine so weit entwickelte Teilung der Arbeit inner-Alb
 der Gesellschaft, daß die Scheidung zwischen Gebrauchswert
ind Tauschwert, die im unmittelbaren Tauschhandel erst beginnt,
DCreits vollzogen ist. Eine solche Entwicklungsstufe ist aber den
SSSchichtlich verschiedensten ökonomischen Gesellschaftsformatio-1D
 gemein.
1 Öder betrachten wir das Geld, so setzt es eine gewisse Höhe
N Warenaustausches voraus. Die besonderen Geldformen, bloßes
Schar" äquivalent, oder Zirkulationsmittel, oder Zahlungsmittel,
an dr und Weltgeld, deuten, je nach dem verschiedenen Umfang
dem relativen Vorwiegen einer oder der andern Funktion, auf

125
        <pb n="171" />
        126

Zweiter Abschnitt

sehr verschiedene Stufen des gesellschaftlichen Produktions
prozesses. Dennoch genügt erfahrungsmäßig eine relativ schwach
entwickelte Warenzirkulation zur Bildung aller dieser Formen
Anders mit dem Kapital. Seine historischen Existenzbedingungen
sind durchaus nicht da mit der Waren- und Geldzirkulation. Es ent
steht nur, wo der Besitzer von Produktions- und Lebensmitteln den
freien Arbeiter als Verkäufer seiner Arbeitskraft auf dem Mark:
vorfindet, und diese eine historische Bedingung umschließt eine
Weltgeschichte. Das Kapital kündigt daher von vornherein ein‘
Epoche des gesellschaftlichen Produktionsprozesses an.“
Diese eigentümliche Ware, die Arbeitskraft, ist nun näher zU
betrachten. Gleich allen andern Waren besitzt sie einen Wert“
Wie wird er bestimmt?
Der Wert der Arbeitskraft, gleich dem jeder andern Ware, is
bestimmt durch die zur Produktion, also auch Reproduktion, dieses
besonderen Artikels notwendige Arbeitszeit. Soweit sie Wert, re
präsentiert die Arbeitskraft selbst nur ein bestimmtes Quantum ir
ihr vergegenständlichter gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit. Die
Arbeitskraft existiert nur als Anlage des lebendigen Individuums
Ihre Produktion setzt also seine Existenz voraus. Die Existenz de‘
Individuums gegeben, besteht die Produktion der Arbeitskraft ir
seiner eigenen Reproduktion oder Erhaltung. Zu seiner Erhalturf
bedarf das lebendige Individuum einer gewissen Summe vor
Lebensmitteln. Die zur Produktion der Arbeitskraft notwendig‘
Arbeitszeit löst sich also auf in die zur Produktion dieser Lebens
mittel notwendige Arbeitszeit, oder der Wert der Arbeitskraft is
der Wert der zur Erhaltung ihres Besitzers notwendigen Lebens
mittel. Die Arbeitskraft verwirklicht sich jedoch nur durch ihrt
Aeußerung, betätigt sich nur in der Arbeit. Durch ihre Betätigung
lie Arbeit, wird aber ein bestimmtes Quantum von menschlichen
Muskel, Nerv, Hirn usw. verausgabt, das wieder ersetzt werde!
muß. Diese vermehrte Ausgabe bedingt eine vermehrte Einnahme.‘
Wenn der Eigentümer der Arbeitskraft heute gearbeitet hat, muß €
denselben Prozeß morgen unter denselben Bedingungen von Kraf
and Gesundheit wiederholen können. Die Summe der Lebensmitte
+1 Was also die kapitalistische Epoche charakterisiert, ist, daß dit
Arbeitskraft für den Arbeiter selbst die Form einer ihm gehörigen Ware
seine Arbeit daher die Form der Lohnarbeit erhält, Anderseitg ver
allgemeinert sich erst von diesem Augenblick die Warenform der Arbeit“
produkte.
42 „Der Wert oder die Geltung eines Mannes ist, wie bei jedem ander?
Ding, sein Preis, das heißt so viel, wie für den Gebrauch seiner Kraft g“
geben wird,“ (Th. Hobbes: „Leviathan“ in „Works ed. Molesworth. Londo®
1839—44“, vol, 111, p. 76.)
43 Der altrömische Villieus, als Wirtschafter an der Spitze der Acker
bausklaven, empfing daher, „weil er leichtere Arbeit hat als die Knecht
En es Maß als diese.“ (Th. Mommsen: „Römische Geschiche, 1850“
„. 810.)
        <pb n="172" />
        Viertes Kapitel.

127

Muß also hinreichen, das arbeitende Individuum als arbeitendes
Individuum in seinem normalen Lebenszustand zu erhalten. Die
“atürlichen Bedürfnisse selbst, wie Nahrung, Kleidung, Heizung,
Wohnung usw., sind verschieden, je nach den klimatischen und
andern natürlichen Eigentümlichkeiten eines Landes. Anderseits ist
der Umfang sogenannter notwendiger Bedürfnisse, wie die Art ihrer
Befriedigung, selbst ein historisches Produkt und hängt daher
Sroßenteils von der Kulturstufe eines Landes, unter anderm auch
Wesentlich davon ab, unter welchen Bedingungen, und daher mit
Welchen Gewohnheiten und Lebensansprüchen die Klasse der freien
Arbeiter sich gebildet hat.** Im Gegensatz zu den andern Waren ent-%ält
 also die Wertbestimmung der Arbeitskraft ein historisches und
Moralisches Element, Für ein bestimmtes Land, zu einer bestimm-N.
 Periode jedoch, ist der Durchschnittsumkreis der notwendigen
Lebensmittel gegeben.

Die Eigentümer der Arbeitskraft sind sterblich. Soll man trotzdem
 solche Eigentümer immer wieder auf dem Markt vorfinden, wie
° durch die immer wieder erneute Verwandlung von Geld in
Kapital erheischt wird, so müssen die Verkäufer der Arbeitskraft sich
"erewigen, „wie jedes lebendige Individuum sich verewigt, durch
Fortpflanzung“. . Die durch Abnutzung und Tod dem Markt ent-“genen
 Arbeitskräfte müssen zum allermindesten durch eine gleiche
Zahl neuer Arbeitskräfte beständig ersetzt werden. Die Summe der
‘ur Produktion der Arbeitskraft notwendigen Lebensmittel schließt
Also die Lebensmittel der Ersatzmänner ein, das heißt der Kinder
der Arbeiter, so daß sich diese Rasse eigentümlicher Warenbesitzer
uf dem Warenmarkte verewigt.*®
G Um die allgemein menschliche Natur so zu gestalten, daß sie
“Schick und Fertigkeit in einem bestimmten Arbeitszweig erlangt,
Miwickelte und eigenartige Arbeitskraft wird, bedarf es einer be-Hmmten
 Bildung oder Erziehung, welche ihrerseits eine größere
der geringere Summe von Warenäquivalenten kostet. Je nach
4 Mehr oder minder vermittelten Charakter der Arbeitskraft
" ihre Bildungskosten verschieden. Diese Erlernungskosten, ver-N
 Windend klein für die gewöhnliche Arbeitskraft, gehen also ein
den Umkreis der zu ihrer Produktion verausgabten Werte.

&amp;gt;

0 * W. Th. Thornton gibt hierzu interessante Belege in seiner Schrift:
"-Verpopulation and its Remedy.“ London 1846.
% Petty.
Me * „Ihr (der Arbeit) natürlicher Preis... besteht in einer solchen
Lebe von Lebensmitteln und Genußmitteln, wie sie nach Klima und
halten gewohnheiten des Landes notwendig ‚sind, um den Arbeiter zu erver
 ©n und ihm die Aufziehung einer Familie zu ermöglichen, die ein un-An
 mdertes Angebot an Arbeit auf dem Markte gewährleistet.“ (R. Torrens:
steht 1 S2Y on the external Corn Trade. London 1815“, p. 62.) Das Wort Arbeit
hier fälschlich für Arbeitskraft.
        <pb n="173" />
        128

Zweiter Abschnitt

Der Wert der Arbeitskraft löst sich auf in den Wert einer bestimmten
 Summe von Lebensmitteln. Er wechselt daher auch mit
dem Wert dieser Lebensmittel, das heißt der Größe der zu ihrer
Produktion erheischten Arbeitszeit.
Ein Teil der Lebensmittel, zum Beispiel Nahrungsmittel, Heizungsmittel
 usw., werden täglich neu verzehrt und müssen täglich
neu ersetzt werden. Andere Lebensmittel, wie Kleider, Möbel usw.
verbrauchen sich in längeren Zeiträumen und sind daher nur ip
längeren Zeiträumen zu ersetzen. Waren einer Art müssen täglich.
andere wöchentlich, vierteljährlich usw. gekauft oder gezahlt werden.
Wie sich die Summe dieser Ausgaben aber immer während eines
Jahres zum Beispiel verteilen möge, sie muß gedeckt sein durch
die Durchschnittseinnahme tagein, tagaus. Wäre die Masse der
täglich zur Produktion der Arbeitskraft erheischten Waren — A;
die der wöchentlich erheischten == B, die der vierteljährlich erheischten
 — C usw., so wäre der tägliche Durchschnitt dieser Wares
365A + 52B + 4C + usw.
365° Um

zz

Gesetzt in dieser für den Durchschnittstag nötigen Warenmasse
steckten 6 Stunden gesellschaftlicher Arbeit, so vergegenständlicht
 sich in der Arbeitskraft täglich !/, Tag gesellschaftlicher
Durchschnittsarbeit, oder ?!/, Arbeitstag ist zur täglichen Produk
tion der Arbeitskraft erheischt. Dieses zu ihrer täglichen Produktion
 erheischte Arbeitsquantum bildet den Tageswert der Arbeits
kraft, oder den Wert der täglich reproduzierten Arbeitskraft
Wenn sich '/, Tag gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit ebenfalls
in einer Goldmasse von 3 Shilling oder 1 Taler darstellt, so is
1 Taler der dem Tageswert der Arbeitskraft entsprechende Prei®
Bietet der Besitzer der Arbeitskraft sie feil für 1 Taler täglich, S9
ist ihr Verkaufspreis gleich ihrem Wert und, nach unserer Voraus
setzung, zahlt der auf Verwandlung seiner Taler in Kapital erpichtt
Geldbesitzer diesen Wert.
Die letzte Grenze oder Minimalgrenze des Wertes der Arbeits
kraft wird gebildet durch den Wert einer Warenmasse, ohne dere!
tägliche Zufuhr der Träger der Arbeitskraft, der Mensch, seine?
Lebensprozeß nicht erneuern kann, also durch den Wert der physisch
unentbehrlichen Lebensmittel. Sinkt der Preis der Arbeitskraft auf
dieses Minimum, so sinkt er unter ihren Wert, denn sie kann sic
so nur in verkümmerter Form erhalten und entwickeln. Der Werl
jeder Ware ist aber bestimmt durch die Arbeitszeit, erfordert. u®
sie in normaler Güte zu liefern.
Es ist eine außerordentlich wohlfeile Sentimentalität, diese au®
der Natur der Sache fließende Wertbestimmung der Arbeitskraft
grob zu finden und etwa mit Rossi zu jammern: „Das Arbeitsver
mögen (puissance de travail) begreifen, während man von de?
Lebensmitteln der Arbeit während des Produktionsprozesses al”

Ak

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ka
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Am

2

Kr

A
189;
A
Eye
14
        <pb n="174" />
        Viertes Kapitel.

129

sieht, heißt ein Hirngespinst (&amp;amp;tre de raison) begreifen. Wer
Arbeit Sagt, wer Arbeitsvermögen sagt, sagt zugleich Arbeiter und
Lebensmittel, Arbeiter und Arbeitslohn.“*? Wer Arbeitsvermögen
Sagt, Sagt nicht Arbeit, so wenig als wer Verdauungsvermögen sagt,
Verdauen sagt. Zum letzteren Prozeß ist bekanntlich mehr erforderüch
 als ein guter Magen. Wer Arbeitsvermögen sagt, sieht nicht
© den zu seiner Erhaltung notwendigen Lebensmitteln ab. Ihr
Wert ist vielmehr ausgedrückt in seinem Wert. Wird es nicht ver-Kauft,
 So nützt es dem Arbeiter nichts, so empfindet er es vielmehr
als eine grausame Naturnotwendigkeit, daß sein Arbeitsvermögen
Sin bestimmtes Quantum Lebensmittel zu seiner Produktion erbeischt
 hat und stets wieder von neuem zu seiner Reproduktion,
Ciner Wiederherstellung, erheischt. Er entdeckt dann mit Sisan
 „das Arbeitsvermögen .. . ist nichts, wenn es nicht verkauft
Ird* a8

Die eigentümliche Natur dieser eigenartigen Ware, der Arbeits-Kraft,
 bringt es mit sich, daß mit der Abschließung des Vertrages
‚Wischen Käufer und Verkäufer ihr Gebrauchswert noch nicht wirklich
 in die Hand des Käufers übergegangen ist. Ihr Wert, gleich
lem jeder andern Ware, war bestimmt, bevor sie in die Zirkulation
"at, denn ein bestimmtes Quantum gesellschaftlicher Arbeit ward
tur Produktion der Arbeitskraft veraäusgabt, aber ihr Gebrauchswert
 besteht erst in der nachträglichen Kraftäußerung. Die Vererung
 der Kraft und ihre wirkliche Aeußerung, das heißt ihr
Dasein als Gebrauchswert, fallen daher der Zeit nach auseinander.
Den Solchen Waren aber, wo die formelle Veräußerung des Ge-"aUchswertes
 durch den Verkauf und seine wirkliche UVeberlassung
ze den Käufer der Zeit nach auseinander fallen, funktioniert das
Ö ld des Käufers meist als Zahlungsmittel.*° In allen Ländern
“Sbitalistischer Produktionsweise wird die Arbeitskraft erst gezahlt,
chdem sie bereits während des im Kaufkontrakt festgesetzten Ter-N
 ns Iunktioniert hat, zum Beispiel am Ende jeder Woche. Ueberall
Adießt daher der Arbeiter dem Kapitalisten den Gebrauchswert der
5x Sitskraft vor; er läßt sie vom Käufer konsumieren, bevor er ihren
za bezahlt erhält, überall kreditiert daher der Arbeiter dem
u Pitalisten, Daß dies Kreditieren kein leerer Wahn ist, zeigt nicht
"r der gelegentliche Verlust des kreditierten Lohnes beim Bankrott

fa

“ Ro i} . mie Politique. Bruxelles 1842“, PD. 870.
8 BMA CE Principes ı°Ecenomis Politique ; vol. L pP. 112,
N A »Jede Arbeit wird erst bezahlt, nachdem sie geleistet ist.“ („An
(aqtiry into those Principles respecting the Nature of Demand ete, London
8210 P. 104.) „Der kaufmännische Kredit mußte in dem Augenblick beten,
 als der Arbeiter, der erste Urheber der Produktion, vermöge seiner
14 Patnisse imstande war, auf die Entlohnung seiner. Arbeit eine ln
Tage, einen Monat, ein Vierteljahr lang zu warten. (Ch. Ganilk: =
"mes de V’Economie Politique. 2&amp;amp;me &amp;amp;d. Paris 1821“, vol. II, p. 150.
Das Kanital. t
        <pb n="175" />
        ‚50

Zweiter Abschnifl

des Kapitalisten,° sondern auch eine Reihe mehr nachhaltiger Wir
kungen.°! Indes ändert es an der Natur des Warenaustausches selb®

50 „Der Arbeiter kreditiert seinen Fleiß“, aber, setzt Storch schla'
hinzu: er „riskiert nichts“, außer „seinen Lohn zu verlieren. . .. D®
Arbeiter überträgt nichts Stoffliches.“ (Storch: „Cours d’Economie Politiqu®
Petersbourg 1815“, vol. II, p. 37.)
51 Ein Beispiel. In London existieren zweierlei Sorten von Bäckerb
die „full priced“, die das Brot zu seinem vollen Werte verkaufen, und d*
„undersellers‘“, die es unter diesem Werte verkaufen. Letztere Klaas?
bildet über drei Viertel der Gesamtzahl der Bäcker. (P.XXXII im „Report
des Regierungskommissars H, S. Tremenheere über die „Grievances co
plained of by the journeymen bakers etc. London 1862“.) Diese Underselle!
verkaufen, fast ausnahmslos, Brot, das verfälscht ist durch Beimischung v”
Alaun, Seife, Perlasche [kohlensaures Kali, K.], Kalk, Derbyshire Steinme
und ähnlichen angenehmen, nahrhaften und gesunden Ingredienzien. (Sieb
das oben zitierte Blaubuch, ebenso den Bericht des „Committee of 1855 of
the Adulteration of Bread‘“ und Dr. Hassalls: „Adulterations Detected“. 2nd ed
London 1862.) Sir John Gordon erklärte vor dem Komitee von 1855, daß „7
lolge dieser Fälschungen der Arme, der von zwei Pfund Brot täglich 1eb
jetzt nicht den vierten Teil des Nahrungsstoffes wirklich erhält, abgeseb®
von den schädlichen Wirkungen auf seine Gesundheit.“ Als "Grund, wars
„ein sehr großer Teil der Arbeiterklasse“, obgleich wohlunterrichtet übt
die Fälschungen, dennoch Alaun, Steinmehl usw. mit in den Kauf nimP
führt Tremenheere (in dem oben erwähnten Bericht, S. XLVIIH) an, daß ®
für sie „ein Ding der Notwendigkeit ist, von ihrem Bäcker oder dem Krall
laden das Brot zu nehmen, wie man es ihnen zu geben beliebt“. Da sie e
Ende der Arbeitswoche bezahlt werden, können sie auch „das während del
Woche von ihren Familien verzehrte Brot erst Ende der Woche zahle? |
und, fügt Tremenheere mit Anführung der Zeugenaussagen hinzu: „es E
allgemein bekannt, daß mit solchen Mixturen bereitetes Brot eigens für die
Art Kunden gemacht wird,“ „In vielen englischen Agrikulturdistrikten (ab
noch mehr in schottischen) wird der Arbeitslohn vierzehntägig und sel
monatlich gezahlt. Bei diesen langen Zahlungsfristen muß der Agrikult®
arbeiter seine Waren auf Kredit kaufen ... Er hat höhere Preise zu zahl
und ist tatsächlich an den Kramladen gebunden, der ihm pumpt. So cos!
ihm zum Beispiel zu Horningsham in Wilts, wo die Löhnung monatlich, da
selbe Mehl 2 Shilling 4 Pence per Stein [14 Pfund], das er sonstwo +
L Shilling 10 Pence zahlt.“ („Sixth Report“ on „Public Health“ by „vv
Medical Offücer of the Privy Council ete. 1864“, p. 264.) „Die Kalt?
Handdrucker von Paisley und Kilmarnock (Westschottland) erzwangen fe
durch einen Streik die Herabsetzung des Zahlungstermins von einem MO,
auf 14 Tage.“ („Reports of the Inspectors of Factories for 31st October 180
p. 34.) Als eine weitere artige Entwicklung des Kredits, den der Arb® gr
dem Kapitalisten gibt, kann man die Methode vieler englischer Kohli,
bergwerksbesitzer betrachten, wonach der Arbeiter erst Ende des Mol
bezahlt wird und in der Zwischenzeit Vorschüsse vom Kapitalisten erh,
oft iu Waren, die er über ihren Marktpreis zahlen muß [Trucksystem, Sy
der Bezahlung des Lohnes in Waren, statt in barem Geld — K.]. „Es ist gl
gemeiner Brauch bei den Meistern in den Kohlengruben, einmal im Mon
den Lohn auszuzahlen. In der Zwischenzeit gewähren sie Vorschüss® ge
Ende jeder Woche. Dieser Vorschuß wird im Laden gegeben (nämlich

de

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Stan
Inte
lim
Bäre
D.
        <pb n="176" />
        Viertes Kapitel.

131

Nichts, ob das Geld als Kaufmittel oder als Zahlungsmittel funktioliert,
 Der Preis der Arbeitskraft ist kontraktlich festgesetzt, obzleich
 er erst hinterher realisiert wird, wie der Mietpreis eines
Hauses, Die Arbeitskraft ist verkauft, obgleich sie erst hinterher
7°zahlt wird. Für die reine Auffassung des Verhältnisses ist es
iSdoch nützlich, einstweilen vorauszusetzen, daß der Besitzer der
Arbeitskraft mit ihrem Verkauf jedesmal auch sogleich den kontrakt-Ih
 ausgemachten Preis erhält.
Wir kennen nun die Art und Weise der Bestimmung des Wertes,
der dem Besitzer dieser eigentümlichen Ware, der Arbeitskraft,
"0m Geldbesitzer gezahlt wird. Der Gebrauchswert, den letzterer
*inerseits im Austausch erhält, zeigt sich erst im wirklichen Verauch,
 im Konsumtionsprozeß der Arbeitskraft. Alle zu diesem
"tozeß nötigen Dinge, wie Rohmaterial usw., kauft der Geldbesitzer
Wf dem Warenmarkt und zahlt sie zum vollen Preis. Der Kon-AMtionsprozeß
 der Arbeitskraft ist zugleich der Produktionsprozeß
'n Ware und von Mehrwert. Die Konsumtion der Arbeitskraft,
Sleich der Konsumtion jeder andern Ware, vollzieht sich außer-2alb
 des Marktes oder der Zirkulationssphäre. Diese geräusch-‚Olle,
 auf der Oberfläche hausende und aller Augen zugängliche
"Phäre Verlassen wir daher, zusammen mit dem Besitzer des Geldes
And dem Besitzer der Arbeitskraft, um beiden nachzufolgen in die
Dborgene Stätte der Produktion, an deren Schwelle zu lesen steht:
‚&amp;lt;T Eintritt ist nur den hier Beschäftigten gestattet. Hier wird sich
gen, Nicht nur wie das Kapital produziert, sondern auch wie man
1 Selbst produziert, das Kapital. Das Geheimnis der Plusmacherei
Mer Gewinnung von mehr Geld] muß sich endlich enthüllen.
Die Sphäre der Zirkulation oder des Warenaustausches, inner-1b
 deren sich Kauf und Verkauf der Arbeitskraft bewegt, war in
Wr ‚Tat ein wahres Paradies der angeborenen Menschenrechte. Was
nn hier herrscht, ist Freiheit, Gleichheit, Eigentum und Benpatt,51a
 Freiheit! Denn Käufer und Verkäufer einer Ware, zum
ya Piel der Arbeitskraft, sind nur durch ihren freien Willen beon
 mt, Sie schließen Verträge als freie, rechtlich ebenbürtige Perden,
 Der Kontrakt ist das Endresultat. worin sich ihre Willen

Otyagpon ); die Leut
üy-sho oder dem Meister selbst gehörigen Kramladen); die Leute
zen ihn auf der einen Seife in Empfang und geben ihn auf der andern
ale Sleich wieder aus. („Children’s Employment Commission. 3rd Report,
"don 1864“, p. 38, n. 192.) . di 1
Vü O8 Bentham (1748—1832), englischer Philosoph, lehrte ie sogenannt
he ichkeitsphilosophie (Utilitarismus). Das persönliche Interesse ist für
it die Triebkraft alles Handelns. Aber alle Interessen, wenn sie wohl veraden
 Werden, stehen in einer inneren Harmonie. Das wohlverstandene
tease des einzelnen ist auch das der Gesellschaft. Der englische Ahern
re Würde ebenso von dieser Lehre beherrscht, wie von der des „vuldas
 heißt für die Bedürfnisse des bürgerlichen Pöbels verflachten
Shandels, KK.
        <pb n="177" />
        Zweiter Abschnitt.
einen gemeinsamen Rechtsausdruck geben. Gleichheit! Denn sie
beziehen sich nur als Warenbesitzer aufeinander und tauschen
Aequivalent für Aequivalent. Eigentum! Denn jeder verfügt nur
über das Seine. Bentham! Denn jedem von den beiden ist es nur
am sich zu tun. Die einzige Macht, die sie zusammen und in ein
Verhältnis bringt, ist die ihres Eigennutzes, ihres Sondervorteils,
ihrer Privatinteressen. Und eben weil so jeder nur für sich und
keiner für den andern sorgt, vollbringen alle, infolge. einer prästabilierten
 [vorherbestimmten] Harmonie der Dinge, oder unter
der Leitung einer allpfiffigen Vorsehung, nur das Werk ihres
wechselseitigen Vorteils, des Gemeinnutzens, des Gesamtinteresses.
Beim Scheiden von dieser Sphäre der einfachen Zirkulation oder
des Warenaustausches, woraus der Freihändler vulgaris Anschauungen,
 Begriffe und Maßstab für sein Urteil über die Gesellschaft
des Kapitals und der Lohnarbeit entlehnt, verwandelt sich, so scheint
es, schon in etwas die Physiognomie der Figuren unseres Dramas.
Der ehemalige Geldbesitzer schreitet voran als Kapitalist, der Arbeitskraftbesitzer
 folgt ihm nach als sein Arbeiter; der eine bedeutungsvoll
 schmunzelnd und geschäftseifrig, der andere scheu,
widerstrebsam, wie jemand, der seine eigene Haut zu Markte geiragen
 und nun nichts anderes zu erwarten hat als die — Gerberei.
        <pb n="178" />
        Dritter Abschnitt.
Die Produktion des absoluten
Mehrwertes.

Fünfites Kapitel.
Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß.
i. Der Arbeitsprozeß oder die Produktion von Gebrauchswerten.
Der Gebrauch der Arbeitskraft ist die Arbeit selbst. Der Käufer
der Arbeitskraft konsumiert sie, indem er ihren Verkäufer arbeiten
äßt. Letzterer wird hierdurch actu [in Wirklichkeit] sich betätigende
Arbeitskraft, Arbeiter, was er früher nur potentia [der Möglichkeit
nach] war. Um seine Arbeit in Waren darzustellen, muß er sie vor
allem in Gebrauchswerten darstellen, Sachen, die zur Befriedigung
von Bedürfnissen irgendeiner Art dienen. Es ist also ein besonderer
Gebrauchswert, ein bestimmter Artikel, den der Kapitalist vom
Arbeiter anfertigen läßt. Die Produktion von Gebrauchswerten, oder
Gütern, ändert ihre allgemeine Natur nicht dadurch, daß sie für den
Kapitalisten und unter seiner Kontrolle vorgeht. Der Arbeitsprozeß
ist daher zunächst unabhängig von jeder bestimmten gesellschaftlichen
 Form zu betrachten.
Die Arbeit ist zunächst ein Prozeß zwischen Mensch und Natur,
ein Prozeß, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur
durch seine eigene Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. Er tritt
dem Naturstoff selbst als eine Naturmacht gegenüber. Die seiner
Leiblichkeit angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und
Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für
sein eigenes Leben brauchbaren Form anzueignen. Indem er durch
diese Bewegung auf die Natur außer ihm wirkt und sie verändert,
verändert er zugleich seine eigene Natur. Er entwickelt die in ihr
schlummernden Potenzen [Fähigkeiten] und unterwirft das Spiel
ihrer Kräfte seiner eigenen Botmäßigkeit. Wir haben es hier nicht
mit den ersten tierartig instinktmäßigen Formen der Arbeit zu
tun. Dem Zustand, worin der Arbeiter als Verkäufer seiner
eigenen Arbeitskraft auf dem Warenmarkt auftritt, ist in urzeitlichen
Hintergrund der Zustand entrückt, worin die menschliche Arbeit ihre
erste instinktartige Form noch nicht abgestreift hatte. Wir unterstellen
 die Arbeit in einer Form, worin sie dem Menschen ausschließlich
 angehört. Eine Spinne verrichtet Operationen, die denen des
        <pb n="179" />
        134

Dritter Abschnitt

Webers ähneln, und eine Biene beschämt durch den Bau ihrer Wachs
zellen manchen menschlichen Baumeister. Was aber von vornhereir
den schlechtesten Baumeister vor der besten Biene auszeichnet, ist
daß er die Zelle in seinem Kopf gebaut hat, bevor er sie in Wach‘
baut. Am Ende des Arbeitsprozesses kommt ein Resultat heraus, da‘
beim Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters, als‘
schon ideell vorhanden war. Nicht daß er nur eine Formverände
rung des Natürlichen bewirkt; er verwirklicht im Natürlichen zv
gleich seinen Zweck, den er weiß, der die Art und Weise seine“
Tuns als Gesetz bestimmt und dem er seinen Willen unterordne”
muß. Und diese Unterordnung ist kein vereinzelter Akt. Außer de”
Anstrengung der Organe, die arbeiten, ist der zweckgemäße Wille
der sich als Aufmerksamkeit äußert, für die ganze Dauer der Arbe?
erheischt, und um so mehr, je weniger sie durch den eigenen Inhal
und die Art und Weise ihrer Ausführung den Arbeiter mit sich for'
reißt, je weniger er sie daher als Spiel seiner eigenen körperlich®
und geistigen Kräfte genießt.
Die einfachen Momente des Arbeitsprozesses sind 1. die zwed
mäßige Tätigkeit oder die Arbeit selbst, 2. der Gegenstand, auf d®
sie wirkt, und 3. das Mittel, wodurch sie wirkt.?
Die Erde (worunter ökonomisch auch das Wasser einbegriffen)
wie sie den Menschen ursprünglich mit Proviant, fertigen Lebens
mitteln ausrüstet,!* findet sich ohne sein Zutun als der allgemeiß‘
Gegenstand der menschlichen Arbeit vor. Alle Dinge, welche di
Arbeit nur von ihrem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Erd
ganzen loslöst, sind von Natur vorgefundene Arbeitsgegenständ“
So der Fisch, der von seinem Lebenselement, dem Wasser, getrenz!
gefangen wird, das Holz, das im Urwald gefällt, das Erz, das 2
seiner Ader losgebrochen wird. Ist der Arbeitsgegenstand dageg®
selbst schon sozusagen durch frühere Arbeit filtriert, so nennen W*
ihn Rohmaterial. Zum Beispiel das losgebrochene Erz, das nu
ausgewaschen wird. Alles Rohmaterial ist Arbeitsgegenstand, ab?

1 In der französischen Ausgabe macht hier Marx folgende Bemerkut!
zu dem Wort „Arbeitsprozeß“: Das Wort „Prozeß“, das eine Entwicklu»
bezeichnet, die im Gesamtzusammenhang ihrer realen Bedingungen betracht®
wird, gehört schon seit langem in ganz Europa zur Sprache der wisse
schaft. In Frankreich hat man es zuerst schüchtern in seiner lateinisch“
Form eingeführt: processus. Später wurde es dieser pedantischen ver
kleidung entledigt und schlich sich in die chemischen, physiologischen
ähnliche Bücher sowie in einige metaphysische Werke ein. Es wird schlie®
lich völlig naturalisiert werden. In der gewöhnlichen Sprache gebraucht”
Deutsche wie Franzosen das Wort Prozeß in seinem juristischen Sinne. fg
1a „Die freiwilligen Hervorbringungen der Erde sind spärlich und %
den Menschen ganz unabhängig. Sie scheinen uns daher von der Natur ,
derselben Absicht gegeben zu sein, wie man einem jungen Menschen ne
kleine Summe gibt, um ihn in die Lage zu versetzen, für sich zu arbeit 4
und ein Vermögen zu erwerben.“ (James Steuart: „Prineiples of Politi(
Eeonomvy. Ed. Dublin 1770“. vol. l. p. 116.)
        <pb n="180" />
        Fünftes Kapitel.
Nicht jeder Arbeitsgegenstand ist Rohmaterial. Rohmaterial ist der
Arbeitsgegenstand nur, sobald er bereits eine durch Arbeit ver-Mittelte
 Veränderung erfahren hat.
Das Arbeitsmittel ist ein Ding oder ein Komplex [eine Zu-‘ammenfassung]
 von Dingen, die der Arbeiter zwischen sich und den
Arbeitsgegenstand schiebt und die ihm als Leiter seiner Tätigkeit auf
diesen Gegenstand dienen. Er benutzt die mechanischen, physikali-Schen,
 chemischen Eigenschaften der Dinge, um sie als Machtmitte]l
AUf andere Dinge, seinem Zweck gemäß, wirken zu lassen.? Der Gegen-Sand,
 dessen sich der Arbeiter unmittelbar bemächtigt — abgesehen
Von der Ergreifung fertiger Lebensmittel, der Früchte zum Beispiel,
YObei seine eigenen Leibesorgane allein als Arbeitsmittel dienen —,
Sl nicht der Arbeitsgegenstand, sondern das Arbeitsmittel. So ver-Vändelt
 er Dinge seiner Umwelt in Organe seiner Tätigkeit, Organe,
die er seinen eigenen Leibesorganen hinzufügt, seine natürliche ‚Ge-Salt
 Verlängernd, trotz der Bibel. Wie die Erde seine ursprüngliche
Proviantkammer, ist sie sein ursprüngliches Arsenal von Arbeits-Mitteln,
 Sie liefert ihm zum Beispiel den Stein, womit er wirft,
Teibt, drückt, schneidet usw. Die Erde selbst wird ein Arbeitsmittel,
Setzt jedoch zu ihrem Dienst als Arbeitsmittel in der Agrikultur
Wieder eine ganze Reihe anderer Arbeitsmittel und eine schon
Telativ hohe Entwicklung der Arbeitskraft voraus.* Sobald überaupt
 der Arbeitsprozeß nur einigermaßen entwickelt ist, bedarf
&amp;gt; bereits bearbeiteter Arbeitsmittel. In den ältesten Menschenhöhlen
 finden wir Steinwerkzeuge und Steinwaffen. Neben bear-Deitetem
 Stein, Holz, Knochen und Muscheln spielt im Anfang der
Menschengeschichte das gezähmte, also selbst schon durch Arbeit
eCTänderte, gezüchtete Tier die Hauptrolle als Arbeitsmittel.‘ Der
Gebrauch und die Schöpfung von Arbeitsmitteln, obgleich im Keim
schon gewissen Tierarten eigen, charakterisieren den spezifisch
v®hschlichen Arbeitsprozeß, und Franklin definiert daher den
Menschen als „a toolmaking animal“, ein Werkzeuge fabrizierendes
ter, Dieselbe Wichtigkeit, welche der Bau von Knochenreliauien

155

* »Die Vernunft ist ebenso listig als mächtig. Die List besteht über-Saupt
 in der vermittelnden Tätigkeit, welche, indem sie die Objekte ihrer
1x S Ren Natur gemäß aufeinander einwirken und sich aneinander abarbeiten
nn Ohne sich unmittelbar in diesen Prozeß einzumischen, gleichwohl nur
Di. © Zweck zur Ausführung bringt.“ (Hegel: „Enzyklopädie. Erster Teil.
'® Logik. Berlin 1840“, S. 882.) | , , N .
18 «In der sonst elenden Schrift: „Theorie de V’Economie Politique. Paris
A ‘, zählt Ganilh den Physiokraten gegenüber treffend die große Reihe von
bir itSprozessen auf, welche die Voraussetzung der eigentlichen Agrikultur
en

i istributi ichesses“
In d i la Formation et la Distribution des Ric
(766) , Oeuwree a0 Daire, vol. I [Uebersetzung von V, Dorn unter dem
Titel: „Betrachtungen über die Bildung und die Verteilung des Reichtums‘,
12a 19087, entwickelt Turgot gut die Wichtigkeit des gezähmten Tieres für
'e Anfänge der Kuhur.
        <pb n="181" />
        ‚36

Dritter Abschnitt

für die Erkenntnis der Organisation untergegangener Tiergeschlech
ter, haben Reliquien von Arbeitsmitteln für die Beurteilung unter“
gegangener ökonomischer Gesellschaftsiormationen. Nicht was ge“
macht wird, sondern wie, mit welchen Arbeitsmitteln gemacht wird
unterscheidet die ökonomischen Epochen.“ Die Arbeitsmittel sind
nicht nur Gradmesser der Entwicklung der menschlichen Arbeits
kraft, sondern auch Anzeiger der gesellschaftlichen Verhältnisse
worin gearbeitet wird. Unter den Arbeitsmitteln selbst bieten di‘
mechanischen Arbeitsmittel, deren Gesamtheit man das Knochel
und Muskelsystem der Produktion nennen kann, viel entscheidender
Charaktermerkmale einer gesellschaftlichen Produktionsepoche, al
solche Arbeitsmittel, die nur zu Behältern des Arbeitsgegenstande‘
dienen und deren Gesamtheit ganz allgemein als das Gefäßsyster
der Produktion bezeichnet werden kann, wie zum Beispiel Röhrel
Fässer, Körbe, ’Krüge usw. Erst in der chemischen Fabrikatit
spielen sie eine bedeutungsvolle Rolle.5*
Im weiteren Sinn zählt der Arbeitsprozeß unter seine Miti®
außer den Dingen, welche die Wirkung der Arbeit auf ihren Gege?
stand vermitteln, und daher in einer oder der andern Weise alt
Leiter der Tätigkeit dienen, alle gegenständlichen Bedingungen, di
überhaupt erheischt sind, damit der Prozeß stattiinde. Sie gehb®
nicht direkt in ihn ein, aber er kann ohne sie gar nicht oder n
unvollkommen vorgehen. Das allgemeine Arbeitsmittel dieser Ar
ist wieder die Erde selbst; denn sie gibt dem Arbeiter die Grund
lage, auf der er steht, und seinem Prozeß den Wirkungsraum (field
of employment). Durch die Arbeit schon vermittelte Arbeitsmitte'
dieser Art sind zum Beispiel Arbeitsgebäude, Kanäle, Straßen us“
Im Arbeitsprozeß bewirkt also die Tätigkeit des Mensch®
durch das Arbeitsmittel eine von vornherein bezweckte Veränderul®
des Arbeitsgegenstandes. Der Prozeß erlischt im Produkt. Se”
Produkt ist ein Gebrauchswert, ein durch Formveränderung mensch
lichen Bedürfnissen angeeigneter Naturstoff. Die Arbeit hat sich
mit ihrem Gegenstand verbunden. Sie ist vergegenständlicht u
der Gegenstand ist verarbeitet. Was auf seiten des Arbeiters p
der Form der Unruhe erschien, erscheint nun als ruhende Eige”
schaft, in der Form des Seins, auf seiten des Produkts. Er hat #”
sponnen und das Produkt ist ein Gespinst.
Betrachtet man den ganzen Prozeß vom Standpunkt seines R“
sultats. des Produkts. so erscheinen beide, Arbeitsmittel und Arbeit”

5 Von allen Waren sind eigentliche Luxuswaren die unbedeutendst”
für die technologische Vergleichung verschiedener Produktionsepochen. 1
5a Note zur 2,* Ausgabe. So wenig die bisherige Geschichtsschreib”
die Entwicklung der materiellen Produktion, also die Grundlage alles go n
schaftlichen Lebens und daher aller wirklichen Geschichte kennt, hat V
wenigstens die vorhistorische Zeit auf Grundlage naturwissenschaftlicht,
nicht sogenannter historischer Forschungen, nach dem Material der wer
zeuge und Walfen in Steinalter, Bronzealter und Eisenalter abgeteilt.
        <pb n="182" />
        Fünftes Kapitel.

137

Segenstand, als Produktionsmittel® und die Arbeit selbst als produktive
 Arbeit.”
Wenn ein Gebrauchswert als Produkt aus dem Arbeitsprozeß
herauskommt, gehen andere Gebrauchswerte, Produkte {früherer
Arbeitsprozesse, als Produktionsmittel in ihn ein. Derselbe Gebrauchswert,
 der das Produkt dieser, bildet das Produktionsmittel
jeher Arbeit. Produkte sind daher nicht nur Resultat, sondern zu-Bleich
 Bedingung des Arbeitsprozesses.
Mit Ausnahme der extraktiven [auf Gewinnung von in der Natur
Yorhandenen Stoffen gerichteten} Industrie, die ihren Arbeitsgegenstand
"on Natur vorfindet, wie Bergbau, Jagd, Fischfang usw. (der Ackerbau
BO Soweit er in erster Instanz die jungfräuliche Erde selbst auf-Roh),
 behandeln alle Industriezweige einen Gegenstand, der
Ohmaterial, daß heißt bereits durch die Arbeit filtrierter Arbeits-Segenstand,
 selbst schon Arbeitsprodukt ist. So zum Beispiel der
“alnen in der Agrikultur. Tiere und Pflanzen, die man als Natur-Aeodukte
 zu betrachten pflegt, sind nicht nur Produkte vielleicht
Sr Arbeit vom vorigen Jahre, sondern, in ihren jetzigen For-Ken
 Produkte einer durch viele Generationen, unter menschlicher
u atrolle, vermittels menschlicher Arbeit, fortgesetzten Umwand-He
 Was aber die Arbeitsmittel insbesondere betrifft, so zeigt
Te ungeheure Mehrzahl dem oberflächlichsten Blick die Spur ver-SAlgener
 Arbeit.
wi Das Rohmaterial kann die Hauptsubstanz eines Produkts bilden,
Y nur als Hilfsstoff in seine Bildung eingehen. Der Hilfsstoff
nn vom Arbeitsmittel konsumiert, wie Kohle von der Dampfns
 hine, Oel vom Rade, Heu vom Zugpferd, oder dem Rohmaterial
CESetzt, um darin eine stoffliche Veränderung zu bewirken, wie
W. Or zur ungebleichten Leinwand, Kohle zum Eisen, Farbe zur
me, oder er unterstützt die Verrichtung der Arbeit selbst, wie
an Beispiel zur Beleuchtung und Heizung des Arbeitslokals verte
 Stoffe. Der Unterschied zwischen Hauptstoff und Hilfsstoff
der wimmt in der eigentlich chemischen Fabrikation, weil keines
Wien angewandten Rohmaterialien als die Substanz des Produkts
98T erscheint.®
Schi Da jedes Ding vielerlei Eigenschaften besitzt und daher ver-_edener
 Nutzanwendung fähig ist, kann dasselbe Produkt das Roh-8

 ® Es scheint seltsam zum Beispiel, den Fisch, der noch nicht gefangen
bein Produktionsmittel für den Fischfang zu nennen. Bisher ist aber
‚ch nicht die Kunst erfunden, Fische in Gewässern zu fangen. in denen
"° Sich nicht vorfinden. N
ie : Diese Bestimmung produktiver Arbeit, wie sie sich vom Standpunkt
ars Sinfachen Arbeitsprozesses ergibt, reicht keineswegs hin für den
Pitalistischen Produktionsprozeß. a
| $ Storch unterscheidet das eigentliche Rohmaterial als „matiere“ von
Sy Hilfsstoften als „materiaux‘“; Cherbuliez bezeichnet die Hilfsstoffe als
"Matidreg instrumentales“.
        <pb n="183" />
        138

Dritter Abschnitt.

material sehr verschiedener Arbeitsprozesse bilden. Korn zum Bel
spiel ist Rohmaterial für Müller, Stärkefabrikant, Destillateur, Vieh
züchter usw. Es wird Rohmaterial seiner eigenen Produktion als
Samen. So geht die Kohle als Produkt aus der Minenindustrie
hervor und als Produktionsmittel in sie ein.

Dasselbe Produkt mag in demselben Arbeitsprozeß als Arbeits
mittel und Rohmaterial dienen. Bei der Viehmast zum Beispiel, wo
das Vieh, das bearbeitete Rohmaterial, zugleich Mittel der Dünger
bereitung ist.
Ein Produkt, das in einer für die Konsumtion fertigen Form
axistiert, kann von neuem zum Rohmaterial eines andern Produkts
werden, wie die Traube zum Rohmaterial des Weines. Oder die
Arbeit entläßt ihr Produkt in Formen, worin es nur wieder al
Rohmaterial brauchbar ist. Rohmaterial in diesem Zustand heiß
Halbfabrikat und hieße besser Stufenfabrikat, wie zum Beispiel
Baumwolle, Faden, Garn usw. Obgleich selbst schon Produkt, ma$
das ursprüngliche Rohmaterial eine ganze Staffel verschiedener Pro
zesse zu durchlaufen haben, worin es in stets veränderter Gestalf
sleis von neuem als Rohmaterial funktioniert bis zum letzten Arbeit?
prozeß, der es als fertiges Lebensmittel oder fertiges Arbeitsmittel
von sich abstößt.
Man sieht: ob ein Gebrauchswert als Rohmaterial, Arbeitsmittel
öder Produkt erscheint, hängt ganz und gar ab von seiner b®
stimmten Funktion im Arbeitsprozesse, von der Stelle, die er ®
ihm einnimmt, und mit dem Wechsel dieser Stelle wechseln ijen®
Bestimmungen.
Durch ihren Eintritt als Produktionsmittel in neue Arbeit
prozesse verlieren Produkte daher den Charakter des Produkts. Si
funktionieren nur noch als gegenständliche Faktoren der lebendige
Arbeit. Der Spinner behandelt die Spindel nur als Mittel, womit
den Flachs nur als Gegenstand, den er spinnt. Allerdings kann ma
nicht spinnen ohne Spinnmaterial und Spindel. Das Vorhandense®
dieser Produkte ist daher vorausgesetzt beim Beginn des Spinnen*
[n diesem Prozeß selbst aber ist es ebenso gleichgültig, daß Flach!
und Spindel Produkte vergangener Arbeit sind, wie es im Akt de
Ernährung gleichgültig ist, daß Brot das Produkt der vergangen®
Arbeiten von Bauer, Müller, Bäcker usw. Umgekehrt. Mache?
Produktionsmittel im Arbeitsprozeß ihren Charakter als Produkt
vergangener Arbeit geltend, so durch ihre Mängel. Ein Messer, d#
nicht schneidet, Garn, das beständig zerreißt usw., erinnern Jebhafl
an Messerschmied A und Garnwichser E. Im gelungenen Produk
ist die Vermittlung seiner Gebrauchseigenschaften durch vergange”®
Arbeit ausgelöscht.
Eine Maschine, die nicht im Arbeitsprozeß dient, ist nutzl®®
Außerdem verfällt sie der zerstörenden Gewalt des natürlich®
Stoffwechsels. Das Eisen verrostet, das Holz verfault. Garn. d#

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        <pb n="184" />
        Fünftes Kapitel.

139

Nicht verwebt oder verstrickt wird, ist verdorbene Baumwolle. Die
lebendige Arbeit muß diese Dinge ergreifen, sie von den Toten
wecken, sie aus nur möglichen in wirkliche und wirkende Gebrauchswerte
 verwandeln. Vom Feuer der Arbeit beleckt, als
Leiber derselben angeeignet, zu ihren begriffs- und berufsmäßigen
“Unktionen im‘ Prozeß begeistet, werden sie zwar auch verzehrt,
aber zweckvoll, als Bildungselemente neuer Gebrauchswerte, neuer
Produkte, die fähig sind, als Lebensmittel in die individuelle Kongepition
 oder als Produktionsmittel in neuen Arbeitsprozeß einzu-Zehen.


Wenn also vorhandene Produkte nicht nur Resultate, sondern
Auch Existenzbedingungen des Arbeitsprozesses sind, ist anderseits
Ihr Hineinwerfen in ihn, also ihr Kontakt [ihre Berührung] mit
lebendiger Arbeit, das einzige Mittel, um diese Produkte vergangener
Arbeit als Gebrauchswerte zu erhalten und zu verwirklichen.
Die Arbeit verbraucht ihre stofflichen Elemente, ihren Gegenand
 und ihr Mittel, verspeist dieselben, und ist also Konsumtions-Prozeß,
 Diese produktive Konsumtion unterscheidet sich dadurch
1°0 der individuellen Konsumtion, daß letztere die Produkte als
Lebensmittel des lebendigen Individuums, erstere sie als Lebens-Mitte]
 der Arbeit, seiner sich betätigenden Arbeitskraft, verzehrt.
Das Produkt der individuellen Konsumtion ist daher der Konsument
Selbst, das Resultat der produktiven Konsumtion ein vom Kon-Umenten
 unterschiedenes Produkt.
. Sofern ihr Mittel und ihr Gegenstand selbst schon Produkte
And, Verzehrt die Arbeit Produkte, um Produkte zu schaffen, oder
“Srnutzt Produkte als Produktionsmittel von Produkten. Wie der
Arbeitsprozeß aber ursprünglich nur zwischen dem Menschen und
der Ohne sein Zutun vorhandenen Erde vorgeht, dienen in ihm
Mmer Noch auch solche Produktionsmittel, die von Natur voranden,
 keine Verbindung von Naturstoff und menschlicher Arbeit
larstellen

Der Arbeitsprozeß, wie wir ihn in seinen einfachen und ab-Präkten
 Momenten dargestellt haben, ist zweckmäßige Tätigkeit zur
Herstellung von Gebrauchswerten, Aneignung des Natürlichen für
„nschliche Bedürfnisse, allgemeine Bedingung des Stoffwechsels
Fischen Mensch und Natur, ewige Naturbedingung ‚des menschlichen
 Lebens und daher unabhängig von jeder Form dieses Lebens,
‚Slmehr allen seinen Gesellschaftsformen gleich gemeinsam. Wir
‚atten daher nicht nötig, den Arbeiter im Verhältnis zu andern
Arbeitern darzustellen. Der Mensch und seine Arbeit auf der einen,
die Natur und ihre Stoffe auf der andern Seite, genügten. So wenig
Man dem Weizen anschmeckt, wer ihn gebaut hat, so wenig sieht
nn dem Arbeitsprozeß an, unter welchen Bedingungen er vorgeht,
5 Unter der brutalen Peitsche des Sklavenaufsehers oder unter dem
“Estlichen Auge des Kapitalisten, ob Cincinnatus ihn verrichtet
        <pb n="185" />
        Dritter Abschnitt,
in der Bestellung seiner paar Morgen Landes, oder der Wilde. der
mit einem Stein eine Bestie erlevt.?

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2. Der Verwertungsprozeß oder die Produktion des Mehrwerte®
Kehren wir zu unserm werdenden Kapitalisten zurück. Wir
verließen ihn, nachdem er auf dem Warenmarkt alle zu einem
Arbeitsprozeß notwendigen Faktoren gekauft hatte, die gegenständlichen
 Faktoren oder die Produktionsmittel, den persönliche?
Faktor oder die Arbeitskraft. Er hat mit schlauem Kennerblick die
für sein besonderes Geschäft, Spinnerei, Stiefelfabrikation usW»
passenden Produktionsmittel und Arbeitskräfte ausgewählt. Unse!
Kapitalist setzt sich also daran, die von ihm gekaufte Ware, die
Arbeitskraft, zu konsumieren, das heißt er läßt den Träger der
Arbeitskraft, den Arbeiter, die Produktionsmittel durch seine Arbeit
konsumieren. Die allgemeine Natur des Arbeitsprozesses ändert sich
natürlich nicht dadurch, daß der Arbeiter ihn für den Kapitalisteb:
statt für sich selbst verrichtet. Aber auch die bestimmte Art und
Weise, wie man Stiefel macht oder Garn spinnt, kann sich zunächs
nicht ändern durch die Dazwischenkunft des Kapitalisten, Er muß
die Arbeitskraft zunächst nehmen, wie er sie auf dem Markt vor
findet, also auch ihre Arbeit, wie sie in einer Periode enisprang, wo
es noch keine Kapitalisten gab. Die Verwandlung der Produktion“
weise selbst durch ihre Unterordnung der Arbeit unter das Kapits
kann sich erst später ereignen ımd ist daher erst später zu b®
trachten.
Der Arbeitsprozeß, wie er als Konsumtionsprozeß der Arbeil®*
kraft durch den Kapitalisten vorgeht, zeigt nun zwei eigentümlich®
Erscheinungen. j
Der Arbeiter arbeitet unter der Kontrolle des Kapitalisten, de?
seine Arbeit gehört. Der Kapitalist paßt auf, daß die Arbeit orden!
lich vonstatten geht und die Produktionsmittel zweckgemäß ver
wandt werden, also kein Rohmaterial vergeudet und das Arbeil”
instrument geschont, das heißt nur so weit zerstört wird, als se
Gebrauch in der Arbeit ernötigt.
Zweitens aber: das Produkt ist Eigentum des Kapitalisten, nich!
des unmittelbaren Produzenten, des Arbeiters. Der Kapitalist zahl!
zum Beispiel den Tageswert der Arbeitskraft. Ihr Gebrauch. w®

. ® Aus diesem höchst logischen Grund entdeckt wohl Oberst Torre
in dem Stein des Wilden — den Ursprung des Kapitals. „In dem erst
Stein, den der Wilde auf die Bestie wirft, die er verfolgt, in dem erste
Stock, den er ergreift, um die Frucht niederzuziehen, die er nicht mit de
Händen fassen kann, sehen wir die Aneignung eines Artikels zum zwei
der „Erwerbung eines andern und entdecken so — den Ursprung de
Kapitals.“ (R. Torrens: „An Essay on the Production of Wealth ete. E07
burgh 1836“, p. 70, 71.) Aus jenem ersten Stock ist wahrscheinlich auf
zu erklären. warum stock im Englischen gleichbedeutend mit Kapital ji

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        Fünftes Kapitel,

141

der jeder andern Ware, zum Beispiel eines Pferdes, das er für einen
Tag gemietet, gehört ihm also für den Tag. Dem Käufer der Ware
$°hört der Gebrauch der Ware, und der Besitzer der Arbeitskraft
Abt in der Tat nur den von ihm verkauften Gebrauchswert, indem
ST Seine Arbeit gibt. Von dem Augenblicke, wo er in die Werk-Sätte
 des Kapitalisten trat, gehörte der Gebrauchswert seiner
Arbeitskraft, also ihr Gebrauch, die Arbeit, dem Kapitalisten. Der
Kapitalist hat durch den Kauf der Arbeitskraft die Arbeit selbst
als lebendigen Gärungsstoff den toten, ihm gleichfalls gehörigen
3üdungselementen des Produkts einverleibt. Von seinem Stand-Punkt
 ist der Arbeitsprozeß nur die Konsumtion der von ihm ge-Sauften
 Ware Arbeitskraft, die er jedoch nur konsumieren kann,
Adem er ihr Produktionsmittel zusetzt. Der Arbeitsprozeß ist ein
"tozeß zwischen Dingen, die der Kapitalist gekauft hat, zwischen
hm gehörigen Dingen. Das Produkt dieses Prozesses gehört ihm
laher ganz, ebensosehr wie das Produkt des Gärungsprozesses in
‘einem Weinkeller.?®
Das Produkt — das Eigentum des Kapitalisten — ist ein Ge-"Tauchswert,
 Garn, Stiefel usw. Aber obgleich Stiefel zum Beispiel
5Wissermaßen die Basis des gesellschaftlichen Fortschritts bilden
ind Unser Kapitalist ein entschiedener Fortschrittsmann ist, fabrinn
 ST die Stiefel nicht ihrer selbst wegen. Der Gebrauchswert ist
‚es haupt nicht das Ding in der Warenproduktion, das man um
x (er selbst willen liebt. Gebrauchswerte werden hier überhaupt
nn Produziert, weil und sofern sie materielle Unterlage, Träger des
u eSchwertes sind. Und unserm Kapitalisten handelt es sich um
ine lei. Erstens will er einen Gebrauchswert produzieren, der
V X Tauschwert hat, einen zum Verkauf bestimmten Artikel, eine
he Und zweitens will er eine Ware produzieren, deren Wert
ST als die Werisumme der zu ihrer Produktion erheischten

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» „Di ind appropriiert [angeeignet], bevor sie in Kapital
wandelt werden yeimd approprüert entzieht sie nicht jener Appropriayo
 (Cherbuliez: „Riche ou Pauvre, ed. Paris 1841“, p. 538, 54.) „lem
Jer Proletarier seine Arbeit gegen ein bestimmtes Quantum Lebensmit ©
u PrOvisionnement) verkauft, verzichtet er vollständig auf jeden DE
in Produkt, Die Appropriation der Produkte bleibt dieselbe wie vorher;
de Ist. in keiner Weise durch das erwähnte Uebereinkommen m
ds Produkt gehört ausschließlich dem Kapitalisten, der die N und
N Lebensmittel geliefert hat. Es ist dies eine strenge Folge des ese zes
% ÄAPpropriation, dessen Grundprinzip das gerade Gegenteil war, nämlich
E Aüsschließliche Eigentumsrecht jedes Arbeiters an seinem Produkte.
R nda, Ss, 58.) „Wenn die Arbeiter für Arbeitslohn arbeiten, ist der
In Malist Eigentümer nicht nur des Kapitals (gemeint sind hier die Proobs
 üsmittel), sondern auch der Arbeit. Wenn man das, was für Arlsiest
 „.Sezahlt wird, wie dies gebräuchlich, in den Begriff Kapital einsch S ,
N es abgeschmackt, von der Arbeit getrennt vom Kapital zu sprechen. ES
Ja Kapital in diesem Sinne schließt beides ein, Kapital und Arbei N
“mes Mill: „Elements of Political Economy ete. London 1821“. p. 70. 71.
        <pb n="187" />
        (42

Dritter Abschni

Waren, der Produktionsmitte] und der Arbeitskraft, für die er s®
gutes Geld auf dem Warenmarkt vorschoß. Er will nicht nur ein®
Gebrauchswert produzieren, sondern eine Ware, nicht nur G*
brauchswert, sondern Wert, und nicht uur Wert, sondern au®
Mehrwert.
In der Tat, da es sich hier um Warenproduktion handelt, hab?
wir bisher offenbar nur eine Seite des Prozesses betrachtet. Wr
die Ware selbst Einheit von Gebrauchswert und Wert, muß %
Produktionsprozeß Einheit von Arbeitsprozeß und Wertbildung
prozeß sein.
Betrachten wir den Produktionsprozeß nun auch als weit
„bildungsprozeß.
— =, Wir wissen, daß der Wert jeder Ware bestimmt ist durch &amp;amp;
Quantum der in ihrem Gebrauchswert materialisierten Arbeit, dur®
die zu ihrer Produktion gesellschaftlich notwendige Arbeitsze
Dies gilt auch für das Produkt, das sich unserm Kapitalisten #
Resultat des Arbeitsprozesses ergab. Es ist also zunächst die *
diesem Produkt vergegenständlichte Arbeit zu berechnen.
Es sei zum Beispiel Garn. ,
Zur Herstellung des Garnes war zuerst sein Rohmaterial nö
zum Beispiel 10 Pfund Baumwolle. Was der Wert der Baumwol®
ist nicht erst zu untersuchen, denn der Kapitalist hat sie auf d#
Markt zu ihrem Wert, zum Beispiel zu 10 Shilling gekauft. In de
Preise der Baumwolle ist die zu ihrer Produktion erheischte Arb”
schon als allgemein gesellschaftliche Arbeit dargestellt. Wir woll®
ferner annehmen, daß die in der Verarbeitung der Baumwolle vo
zehrte Spindelmasse, die uns alle andern aufgewandten Arbeitsmit
repräsentiert, einen Wert von 2 Shilling besitzt. Ist eine Goldma#
von 12 Shilling das Produkt von 24 Arbeitsstunden oder zwei Arbeiß
tagen, so folgt zunächst, daß im Garn zwei Arbeitstage vergeg®
ständlicht sind. j
Der Umstand, daß die Baumwolle ihre Form verändert hat uw
die aufgezehrte Spindelmasse ganz verschwunden ist, darf nicht M
irren. Nach dem allgemeinen Wertgesetz sind zum Beispiel 10 pi
Garn ein Aequivalent für 10 Pfund Baumwolle und */, Spindel, wo
der Wert von 40 Pfund Garn gleich ist dem Wert von 40 pion
Baumwolle, vermehrt um den Wert einer ganzen Spindel, das h%
wenn dieselbe Arbeitszeit erforderlich ist, um beide Seiten dief
Gleichung zu produzieren. In diesem Fall stellt sich dieselbe ed
beitszeit, das eine Mal in dem Gebrauchswert Garn, das andere NN
in den Gebrauchswerten Baumwolle und ‚Spindel dar. Der Wr
ist also gleichgültig dagegen, ob er in Garn, Spindel oder BaumWiy
erscheint. Daß Spindel und Baumwolle, statt ruhig nebeneinal
zu liegen, im Spinnprozesse eine Verbindung eingehen, welche } g
Gebrauchsformen verändert, sie in Garn verwandelt, berührt ib
Wert ebensowenig, als wenn sie durch einfachen Austausch g%®
ein Aequivalent von Garn umgesetzt worden wären.

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Fünftes Kapitel,

143

Die zur Produktion der Baumwolle erheischte Arbeitszeit ist
Teil der zur Produktion des Garns, dessen Rohmaterial sie bildet,
Srheischten Arbeitszeit und deshalb im Garn enthalten. Ebenso
Verhält es sich mit der Arbeitszeit, die zur Produktion der Spindel-Masse
 erheischt ist, ohne deren Verschleiß oder Konsum die Baum-Wolle
 nicht versponnen werden kann.!!
Soweit also der Wert des Garnes, die zu seiner Herstellung
Srheischte Arbeitszeit, in Betrachtung kommt, können die verschiede-\eN
 besonderen, der Zeit und dem Raum nach getrennten | Arbeits-Prozesse,
 die durchlaufen werden müssen, um die Baumwolle selbst
“nd die vernutzte Spindelmasse zu produzieren, endlich aus Baum-Folle
 und Spindel Garn zu machen, als verschiedene aufeinanderlolgende
 Phasen eines und desselben Arbeitsprozesses betrachtet
Werden, Alle im Garn enthaltene Arbeit ist vergangene Arbeit.
Daß die zur Produktion seiner Bildungselemente erheischte Arbeits-‘Git
 früher vergangen ist, im Plusquamperfectum steht, dagegen die
tum Schlußprozeß, dem Spinnen, unmittelbar verwandte Arbeit dem
Präsens näher, im Perfectum steht, ist ein durchaus gleichgültiger
yeüstand. Ist eine bestimmte Masse Arbeit, zum Beispiel von
Arbeitstagen, zum Bau eines Hauses nötig, so ändert es nichts
Am Gesamtquantum der dem Hause einverleibten Arbeitszeit, daß
der dreißigste Arbeitstag 29 Tage später in die Produktion ein-Eng
 als der erste Arbeitstag. Und so kann die im Arbeitsmaterial
a Arbeitsmittel enthaltene Arbeitszeit ganz so betrachtet werden,
7 Wäre sie nur in einem früheren Stadium des Spinnprozesses
m usgabt worden, vor der zuletzt unter der Form des Spinnens
Sesetzten Arbeit.
Ir Die Werte der Produktionsmittel, der Baumwolle und der
. del, ausgedrückt in dem Preise von 12 Shilling, bilden also Be-Ändteile
 des Garnwertes oder des Wertes des Produkts.
w. Nur sind zwei Bedingungen zu erfüllen. Einmal müssen Baum-Ole
 und Spindel wirklich zur Produktion eines Gebrauchswertes
Sodient haben. Es muß in unserm Fall Garn aus ihnen geworden
Aber Welcher Gebrauchswert ihn trägt, ist dem Wert gleichgültig,
Bose Ein Gebrauchswert muß ihn tragen. Zweitens ist vorausdue
 daß nur die unter den gegebenen gesellschaftlichen Pro-Als
 Nonsbedingungen notwendige Arbeitszeit verwandt wurde. Wäre
© nur 1 Pfund Baumwolle nötig, um 1 Pfund Garn zu spinnen,
1 Den nur 1 Pfund Baumwolle verzehrt sein in der Bildung von
Kan: Od Garn. Ebenso verhält es sich mit der Spindel. Hat der
&amp;lt; Pitalist die Grille, goldene statt eiserner Spindeln anzuwenden.

i 4 Nich i nmittelbar verwendete Arbeit wirkt be-Minamer
 ee a Prem auch die auf die Geräte, Werkzeuge und
Sn äude, durch welche diese Arbeit unterstützt wird, verwendete Arbeit,‘
p. vardo; »The Principles of Political Economy. 3rd ed. London nz:
Yo 16.) [Val, David Ricardo: „Grundgesetze der Volkswirtschaft , übersetz
N Dr, Ed, Baumstark. 2. Auflage. Leipzig 1877. S. 12.]
        <pb n="189" />
        Dritter Abschnif

80 zählt im Garnwert dennoch nur die gesellschaftlich notwendif
Arbeit, das heißt die zur Produktion eiserner Spindeln notwendig‘
Arbeitszeit.
Wir wissen jetzt, welchen Teil des Garnwertes die Produktion?
mittel, Baumwolle und Spindel, bilden. Er ist gleich 12 Shilling, od*
die Materiatur von zwei Arbeitstagen. Es handelt sich also uU
um den Wertteil, welchen die Arbeit des Spinners selbst der Baur
wolle zusetzt.
Wir haben diese Arbeit jetzt von einem ganz andern Gesicht‘
punkte zu betrachten, als während des Arbeitsprozesses. DM
handelte es sich um die zweckmäßige Tätigkeit, Baumwolle in Ga
zu verwandeln. Je zweckmäßiger die Arbeit, desto besser das Gall
alle andern Umstände als gleichbleibend vorausgesetzt. Die Arbe
des Spinners war spezifisch verschieden von andern produktive
Arbeiten, und diese Verschiedenheit offenbarte sich subjektiv u”
objektiv, im besonderen Zweck des Spinnens, seiner besonder®
Operationsweise, der besonderen Natur seiner Produktionsmitl®
dem besonderen Gebrauchswert seines Produkts. Baumwolle u*
Spindel dienen als Lebensmittel der Spinnarbeit, aber man kall
mit ihnen keine gezogenen Kanonen machen. Sofern die Arbeit d#
Spinners dagegen wertbildend ist, das heißt Wertquelle, ist sie durd
aus nicht verschieden von der Arbeit des Kanonenbohrers, od?
was uns hier näher liegt, von den in den Produktionsmitteln d®
Garnes verwirklichten Arbeiten des Baumwollpflanzers und d
Spindelmachers. Nur wegen dieser Identität können Baumwo!
pflanzen, Spindelmachen und Spinnen bloß quantitativ verschiede?
Teile desselben Gesamtwertes, des Garnwertes, bilden. Es h#
delt sich hier nicht mehr um die Qualität, die Beschaffenheit u?
den Inhalt der Arbeit, sondern nur noch um ihre Quantität. Die®
ist einfach zu zählen. Wir nehmen an, daß die Spinnarbeit einfac!
Arbeit, gesellschaftliche Durchschnittsarbeit ist. Man wird späl®
sehen, daß die gegenteilige Annahme nichts an der Sache änder
Während des Arbeitsprozesses setzt sich die Arbeit beständ!
aus der Form der Unruhe in die des Seins, aus der Form der ?*
wegung in die der Gegenständlichkeit um. Am Ende einer Stunt
ist die Spinnbewegung in einem gewissen Quantum Garn dargestell
also ein bestimmtes Quantum Arbeit, eine Arbeitsstunde, in de
Baumwolle vergegenständlicht. Wir sagen Arbeitsstunde, das heiß
die Verausgabung der Arbeitskraft des Spinners während ein“
Stunde, denn die Spinnarbeit gilt hier nur, soweit sie Verausgabul!
von Arbeitskraft, nicht soweit sie die spezifische Arbeit des Sp”
uens ist.
Es ist nun entscheidend wichtig, daß während der Dauer de
Prozesses, das heißt der Verwandlung von Baumwolle in Garn, 2
die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit verzehrt wird. Müss?
unter normalen, das heißt durchschnittlichen gesellschaftlichen Pr
duktionsbedingungen, 1?/, Pfund Baumwolle während einer Arbeit
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6]

Fünftes Kapitel.

145

unde in 1%, Pfund Garn verwandelt sein,?* so gilt nur der Arbeitsag
 als Arbeitstag von 12 Stunden, der 12 X 1?/, Pfund Baumwolle in
12x 1?/, Pfund Garn verwandelt. Denn nur die gesellschaftlich not-Wendige
 Arbeitszeit zählt als wertbildend.
Wie die Arbeit selbst, so erscheint hier auch Rohmaterial und
Produkt in einem ganz andern Licht als vom Standpunkt des eigentüchen
 Arbeitsprozesses. Das Rohmaterial gilt hier nur als Auf-Sauger
 eines bestimmten Quantums Arbeit. Durch diese Aufsaugung
“Srwandelt es sich in der Tat in Garn, weil die Arbeitskraft in der
Form der Spinnerei verausgabt und ihm zugesetzt wurde. Aber das
Produkt, das Garn, ist jetzt nur noch Gradmesser der von der
Baumwolle eingesaugten Arbeit. Wird in einer Stunde 1*/, Pfund
Baumwolle versponnen oder in 1?/, Pfund Garn verwandelt, so zeigen
10 Pfund Garn 6 eingesaugte Arbeitsstunden an. Bestimmte und
SMfahrungsmäßig festgestellte Quanta Produkt stellen jetzt nichts dar
als bestimmte Quanta Arbeit, bestimmte Masse festgeronnener Arbeitszeit.
 Sie sind nur noch Materiatur von einer Stunde, zwei
Stunden, einem Tag gesellschaftlicher Arbeit.
„Daß die Arbeit gerade Spinnarbeit, ihr Material Baumwolle und
ihr Produkt Garn, wird hier ebenso gleichgültig, als daß der Arbeits-Sgenstand
 selbst schon Produkt, also Rohmaterial ist. Wäre der
Arbeiter, statt in der Spinnerei, in der Kohlengrube beschäftigt, so
Wäre der Arbeitsgegenstand, die Kohle, von Natur vorhanden.
Dennoch stellte ein bestimmtes Quantum aus dem Bett losgebroche-Ser
 Kohle, zum Beispiel ein Zentner, ein bestimmtes Quantum auf-St8augter
 Arbeit dar.
Beim Verkauf der Arbeitskraft ward unterstellt, daß ihr Tages-Wert
 gleich sei 3 Shilling, und in den letzteren 6 Arbeitsstunden ver-Körpert
 sind, dies Arbeitsquantum also erheischt ist, um die Durch-Schnittssumme
 der täglichen Lebensmittel des Arbeiters zu produleren,
 Verwandelt unser Spinner nun während einer Arbeitsstunde
eh Pfund Baumwolle in 1?/, Pfund Garn, so in 6 Stunden 10 Pfund
Aümwolle in 10 Pfund Gar. Während der Dauer des Spinn-PTozesses
 saugt die Baumwolle also 6 Arbeitsstunden ein. Dieselbe
A beitszeit stellt sich in einem Goldquantum von 8 Shilling dar. Der
3 mwolle wird also durch das Spinnen selbst ein Wert von
Shilling zugesetzt.
ß Sehen wir uns nun den Gesamtwert des Produkts, der 10 Pfund
Sn, an. In ihnen sind 2?/, Arbeitstage vergegenständlicht, 2 Tage
uhalten in Baumwolle und Spindelmasse, !/, Tag Arbeit/eingesaugt
ehrend des Spinnprozesses. Dieselbe Arbeitszeit stellt sich in
Qaer Goldmasse von 15 Shilling dar. Der dem Wert der 10 Pfund
pn entsprechende Preis beträgt also 15 Shilling, der Preis eines
nd Garn 1 Shilling 6 Pence.

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En

2: .
* Die Zahlen hier sind ganz willkürlich.
Das Kapital. I
        <pb n="191" />
        116

Dritter Abschmitt

Unser Kapitalist stutzt. Der Wert des Produkts ist gleich dem
Wert des vorgeschossenen Kapitals. Der vorgeschossene Wert hal
sich nicht verwertet, keinen Mehrwert erzeugt, Geld sich also nich!
in Kapital verwandelt. Der Preis der 10 Pfund Garn ist 15 Shilling
und 15 Shilling wurden verausgabt auf dem Warenmarkt für die
Bildungselemente des Produkts oder, was dasselbe, die Faktore?
des Arbeitsprozesses: 10 Shilling für Baumwolle, 2 Shilling für die
verzehrte Spindelmasse und 3 Shilling für Arbeitskraft. Der auf
geschwollene Wert des Garnes hilft nichts, denn sein Wert ist nur die
Summe der früher auf Baumwolle, Spindel und Arbeitskraft ver
teilten Werte, und aus einer solchen bloßen Addition vorhandene!
Werte kann nun und nimmermehr ein Mehrwert entspringen.’
Diese Werte sind jetzt alle auf ein Ding konzentriert, aber so waret
sie in der Geldsumme von 15 Shilling, bevor diese sich durch dr®‘
Warenkäufe zersplitterte.
An und für sich ist dieses Resultat nicht befremdlich. Der Werl
eines Pfund Garn ist 1 Shilling 6 Pence und für 10 Piund Gar
müßte unser Kapitalist daher auf dem Warenmarkt 15 Shillip£
zahlen. Ob er sein Privathaus fertig auf dem Markt kauft, oder €
selbst bauen läßt, keine dieser Operationen wird das im Erwert
des Hauses ausgelegte Geld vermehren.
Der Kapitalist, der in der Vulgärökonomie Bescheid weiß, sag
vielleicht, er habe sein Geld mit der Absicht vorgeschossen, mel
Geld daraus zu machen. Der Weg zur Hölle ist jedoch mit gute)
Absichten gepflastert, und er konnte ebensogut der Absicht seiß
Geld zu machen, ohne zu produzieren.!* Er droht. Man werde
ihn nicht wieder ertappen. Künftig werde er die Ware fertig auf
dem Markt kaufen, statt sie selbst zu fabrizieren. Wenn aber all
3eine Brüder Kapitalisten desgleichen tun, wo soll er Ware auf del
Markt finden? Und Geld kann er nicht essen. Er wird salbungsvol

18 Dies ist der Fundamentalsatz, worauf die Lehre der Physiokraten vo
der Unproduktivität aller nicht agrikolen [landwirtschaftlichen] Arbeit berub!
und er ist unumstößlich für den Oekonomen — von Fach. „Diese Method®*
einer Ware den Wert verschiedener anderer Waren zuzurechnen (zum B®”
spiel dem Lein die Lebensmittel, die der Weber verbraucht) oder sozusag®
verschiedene Werte Schicht für Schicht auf einen einzigen zu häufen, 188
diesen einen um den entsprechenden Betrag anschwellen ‚.. Der AU“
druck Addition gibt sehr treffend die Art wieder, wie sich der Preis d#
Arbeitsprodukte bildet; dieser Preis ist nur die Summe der verschieden?”
aufgebrauchten und zusammengezählten Werte; aber addieren ist nich
multiplizieren.“ (Mercier de la Riviere: „L’Ordre nature] et essentiel el*
Physiocrates, €d. Daire, IL Partie, p. 599.)
14 So zum Beispiel entzog er 1844 bis 1847 einen Teil seines Kapitals de?
produktiven Geschäft, um es in Eisenbahnaktien zu verspekulieren. &amp;gt;
zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges, schloß er die Fabrik und w#'
den -Fabrikarbeiter aufs Pflaster, um auf der Liverpooler Baumwollbör®®
zu spielen,
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        1]

1

Fünftes Kapitel.

147

Man soll seine Abstinenz bedenken. Er konnte seine 15 Shilling
Verprassen. Statt dessen hat er sie produktiv konsumiert und Garn
daraus gemacht. Aber dafür ist er ja im Besitz von Garn statt von
Gewissensbissen. Er muß beileibe nicht in die Rolle des Schatz-Yildners
 zurückfallen, der uns zeigte, was bei der Asketik herauskommt.
 Außerdem, wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren.
 Welches immer das Verdienst seiner Entsagung, es ist nichts
da, um sie extra zu zahlen, da der Wert des Produkts, der aus
dem Prozeß herauskommt, nur gleich der Summe der hineingeworlenen
 Warenwerte. Er beruhige sich also dabei, daß Tugend der
Tugend Lohn,/ Statt dessen wird er zudringlich. Das Garn ist ihm
Mnütz, Er hat es für den Verkauf produziert. So verkaufe er es, oder,
doch einfacher, produziere in Zukunft nur Dinge für seinen eigenen
Bedarf, ein Rezept, das ihm bereits sein Hausarzt. MacCulloch als
Probates Mittel gegen die Epidemie der Ueberproduktion verschrieben
hat, Er stellt sich trutzig auf die Hinterbeine. Sollte der Arbeiter mit
seinen eigenen Gliedmaßen in der blauen Luft Arbeitsgebilde schaffen,
Waren produzieren? Gab er ihm nicht den Stoff, womit und worin
ST allein seine Arbeit verleiblichen kann? Da nun der größte Teil
der Gesellschaft aus solchen Habenichtsen besteht, hat er nicht der
Gesellschaft durch seine Produktionsmittel, seine Baumwolle und
Seine Spindel, einen unermeßlichen Dienst erwiesen, nicht dem
Arbeiter selbst, den er obendrein noch mit Lebensmitteln versah?
Und soll er den Dienst nicht berechnen? Hat der Arbeiter ihm
aber Nicht den Gegendienst erwiesen, Baumwolle und Spindel in
Garn zu verwandeln? Außerdem handelt es sich hier nicht um
Dienste,2s Ein Dienst ist nichts als die nützliche Wirkung eines
Gebrauchswertes, sei es der Ware, fei es der Arbeit.!*® Hier aber
Us den Tauschwert. Er zahlte‘ dem Arbeiter den Wert von
Shilling. Der Arbeiter gab ihm ein genaues Aequivalent zurück

I

AL ümen, schmücken und putzen ... Wer aber mehr oder
besseres ch al er gibt), das ist Wucher, und heißt, nicht Dienst,
Sondern Schaden gethan seinem Nehesten, als mit stelen und rauben
Seschieht, Es ist nicht alles Dienst und wolgethan dem Nehesten, was
nl heißt, Dienst und wolgethan. Denn eine Ehebrecherin und Ehebrecher
Kun einander großen Dienst und wolgefallen. Ein Reuter thut einem Mord-Tenner
 großen reuterdienst, das er im hilfft auff der straßen rauben, Land
d. Leute bevehden. Die Papisten thun den unsern großen Dienst, das sie
dicht alle ertrenken, verbrennen, ermorden, im Gefengniß verfaulen lassen,
Sondern lassen doch etliche leben, und verjagen sie, oder nemen jnen was
nn haben. Der Teufiel thut selber seinen Dienern großen, unermeßlichen
(net, Summa, die Welt ist voll großer, trefflicher, teglicher Dienst
ne Wolthaten.“ (Martin Lulher: „An die Pfarherrn, wider den Wucher
Predigen usw. Wi 540.“ .
B % oh bemerken dern in Dr Kritik der Politischen Oekonomie.
Krim 1859“, 8, 14, unter anderm: „Man begreift, welchen „Dienst“ die
5 tegorie „Dienst“ (service) einer Sorte Oekonomen wie J. B. Say und
 Bastiat leisten muß.“
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        N
x

148

Dritter Abschnitt

in dem der Baumwolle zugesetzten Wert von 83 Shilling, Wert für
Wert. Unser Freund, eben noch so kapitalübermütig, nimmt plötz
lich die anspruchslose Haltung seines eigenen Arbeiters an. Hal
er nicht selbst gearbeitet? nicht die Arbeit der Ueberwachung, der
Oberaufsicht über den Spinner verrichtet? Bildet diese seine Arbeit
nicht auch Wert? Sein eigener Werkführer und sein Direktor zucker
die Achseln. Unterdes hat er aber bereits mit heiterem Lächeln
seine alte Physiognomie wieder angenommen. Er foppte uns mil
der ganzen Litanei, Er gibt keinen Deut darum. Er überläßt dies
und ähnliche faule Ausflüchte und hohle Flausen den dafür eigen!
bezahlten Professoren der politischen Oekonomie. Er selbst ist eil
praktischer Mann, der zwar nicht immer bedenkt, was er außerhalb
des Geschäfts sagt, aber stets weiß, was er im Geschäft tut.
Sehen wir näher zu. Der Tageswert der Arbeitskraft betrug
3 Shilling, weil in ihr selbst ein halber Arbeitstag vergegenständ
licht ist, das heißt weil die täglich zur Produktion der Arbeitskral'
nötigen Lebensmittel einen halben Arbeitstag kosten. Aber die ver
gangene Arbeit, die in der Arbeitskraft steckt, und die lebendig®
Arbeit, die sie leisten kann, ihre täglichen Erhaltungskosten und ihre
tägliche Verausgabung, sind zwei ganz verschiedene Größen. Die
erstere bestimmt ihren Tauschwert, die andere bildet ihren G“
brauchswert. Daß ein halber Arbeitstag, nötig, um ihn währen‘
24 Stunden am Leben zu erhalten, hindert/den Arbeiter keinesweg*
einen ganzen Tag zu arbeiten. Der Wert der Arbeitskraft und ihr‘
Verwertung im Arbeitsprozeß sind also zwei verschiedene Größer
Diese Wertdifferenz hatte der Kapitalist im Auge, als er die Arbeit®
kraft kaufte. Ihre nützliche Eigenschaft, Garn oder Stiefel #
machen, war nur eine unerläßliche Bedingung, weil Arbeit in nüf%
licher Form verausgabt werden muß, um Wert zu bilden. Was abe!
entschied, war der besondere Gebrauchswert dieser Ware, Quell‘
von Wert zu sein und von mehr Wert als sie selbst hat. Dies ist def
besondere Dienst, den der Kapitalist von ihr erwartet. Und &amp;amp;
verfährt dabei den ewigen Gesetzen des Warenaustausches gemäß
In der Tat, der Verkäufer der Arbeitskraft, wie der Verkäufer jed#
andern Ware, realisiert ihren Tauschwert und veräußert ihren G*
brauchswert. Er kann den einen nicht erhalten, ohne den ander!
wegzugeben. Der Gebrauchswert der Arbeitskraft, die Arbeit selb®
gehört ebensowenig ihrem Verkäufer, wie der Gebrauchswert d#
verkauften Oels dem Oelhändler. Der Geldbesitzer hat den Tage*
wert der Arbeitskraft gezahlt; ihm gehört daher ihr Gebraud
während des Tages, die tagelange Arbeit. Der Umstand, daß di
tägliche Erhaltung der Arbeitskraft nur einen halben Arbeitst#
kostet, obgleich die Arbeitskraft einen ganzen Tag wirken, arbeit®
kann, daß daher der Wert, den ihr Gebrauch während eines Tag®
schafft, doppelt so groß ist als ihr eigener Tageswert, ist ein b%
sonderes Glück für den Käufer, aber durchaus kein Unrecht geg®
den Verkäufer.
        <pb n="194" />
        Fünftes Kapitel.

149

Unser Kapitalist hat den Kasus, der ihn lachen macht, vorgesehen.
 Der Arbeiter findet daher in der Werkstätte die nötigen
Produktionsmittel nicht nur für einen sechsstündigen, sondern für
nen zwölfstündigen Arbeitsprozeß. Saugten 10 Pfund Baumwolle
5 Arbeitsstunden ein und verwandelten sich in 10 Pfund Garn, so
Werden 20 Pfund Baumwolle 12 Arbeitsstunden einsaugen und in
20 Pfund Garn verwandelt. Betrachten wir das Produkt des verlängerten
 Arbeitsprozesses. In den 20 Pfund Garn sind jetzt 5 Arbeitstage
 vergegenständlicht, 4 in der verzehrten Baumwoll- und
Spindelmasse, 1 von der Baumwolle eingesaugt während des Spinn-Prozesses.
 Der Goldausdruck von 5 Arbeitstagen ist aber 30 Shilling
°der 1 Pfd. Sterl. und 10 Shilling. Dies also der Preis der 20 Pfund
Garn, Das Pfund Garn kostet nach wie vor 1 Shilling 6 Pence. Aber
die Wertsumme der in den Prozeß geworfenen Waren betrug
27 Shilling. Der Wert des Garnes beträgt 30 Shilling. Der Wert des
Produkts ist um */, gewachsen über den zu seiner Produktion vor-Seschossenen
 Wert. So haben sich 27 Shilling in 30 Shilling ver-Wandelt.
 Sie haben einen Mehrwert von 3 Shilling gesetzt. Das
Kunststück ist endlich gelungen. Geld ist in Kapital verwandelt.
Alle Bedingungen des Problems sind gelöst und die Gesetze des
Warenaustausches in keiner Weise verletzt. Aequivalent wurde
Segen Aequivalent ausgetauscht. Der Kapitalist zahlte als Käufer
I°de Ware zu ihrem Wert, Baumwolle, Spindelmasse, Arbeitskraft.
Er tat dann, was jeder andere Käufer von Waren tut. Er konsumierte
ren Gebrauchswert. Der Konsumtionsprozeß der Arbeitskraft, der
ag reich Produktionsprozeß der Ware, ergab ein Produkt von
m. fund Garn mit einem Wert von 30 Shilling. Der Kapitalist kehrt
Ka zum Markt zurück und verkauft Ware, nachdem er Ware ge-Dat
 hat. Er verkauft das Pfund Garn zu 1 Shilling 6 Pence, keinen
Süt über oder unter seinem Wert. Und doch zieht er 3 Shilling
wehr aus der Zirkulation heraus als er ursprünglich in sie hinein-Kent
 Dieser ganze Verlauf, die Verwandlung seines Geldes in
vo ital, geht in der Zirkulationssphäre vor und geht nicht in ihr
K ©. Durch die Vermittlung der Zirkulation, weil bedingt durch den
od der Arbeitskraft auf dem Warenmarkt. Nicht in der Zirkulader”
 denn sie leitet nur den Verwertungsprozeß ein, der sich in
in P Toduktionssphäre zuträgt. Und so ist alles aufs beste bestellt
der besten aller möglichen Welten.
bile Indem der Kapitalist Geld in Waren verwandelt, die als Stoff-Dr
 Mer eines neuen Produkts oder als Faktoren des Arbeits-Arpises
 dienen, indem er ihrer toten Gegenständlichkeit lebendige
stän kraft einverleibt, verwandelt er Wert, vergangene, vergegensin
 Slichte, tote Arbeit in Kapital, sich selbst verwertenden Wert,
im Leit S Ungeheuer, das zu „arbeiten“ beginnt, als hätt’ es Lieb’
€,
wert gleichen wir nun den Wertbildungsprozeß mit dem Ver-Ungsprozeß,
 das heißt dem Prozeß der Bildung von Mehrwert,

7%
        <pb n="195" />
        150

Dritter Abschnitt

so ist der Verwertungsprozeß nichts als ein über einen gewisse!
Punkt hinaus verlängerter Wertbildungsprozeß. Dauert der letztere
nur bis zu dem Punkt, wo der vom Kapital gezahlie Wert de!
Arbeitskraft durch ein neues Aequivalent ersetzt ist, so ist er eif
facher Wertbildungsprozeß. Dauert der Wertbildungsprozeß übe
diesen Punkt hinaus, so wird er Verwertungsprozeß.
Vergleichen wir ferner den Wertbildungsprozeß mit dem A’
beitsprozeß, so besteht der letztere in der besonderen nützliche?
Arbeit, die Gebrauchswerte produziert. Die Bewegung wird hie
qualitativ betrachtet, in ihrer besonderen Art und Weise, nach Zwed
und Inhalt. Derselbe Arbeitsprozeß stellt sich im Wertbildung®
prozeß nur von seiner quantitativen Seite dar. Es handelt sich a
noch um die Zeit, welche die Arbeit zu ihrer Operation braucht, od?
um die Dauer, während deren die Arbeitskraft verausgabt wird
Die Produktionsmittel wirken hier als einfache Mittel der Aw
saugung von Arbeit und repräsentieren selbst nichts als die Meng‘
Arbeit, die in ihnen verkörpert ist. Sie zählen nur noch als b®
stimmte Quanta vergegenständlichter Arbeit. Ob in den Produktion®
mitteln enthalten oder durch die Arbeitskraft zugesetzt, die Arbe”
zählt nur noch nach ihrem Zeitmaß. Sie beträgt soviel Stunde?
Tage usw.
Sie zählt jedoch nur, soweit die zur Produktion des Gebrauch‘
wertes verbrauchte Zeit gesellschaftlich notwendig ist. Es umfaß
dies Verschiedenes. Die Arbeitskraft muß unter normalen Bedi?
gungen funktionieren. Ist die Spinnmaschine das gesellschaftli“
herrschende Arbeitsmittel für die Spinnerei, so darf dem Arbeit
nicht ein Spinnrad in die Hand gegeben werden. Statt Baumwol!
von normaler Güte muß er nicht Schund erhalten, der jeden Auge
blick reißt. In beiden Fällen würde er mehr als die gesellschaftli“
notwendige Arbeitszeit zur Produktion eines Pfund Garn v&amp;amp;
brauchen, diese überschüssige Zeit aber nicht Wert oder Ge
bilden. Der normale Charakter der gegenständlichen Arbeif
faktoren hängt jedoch nicht vom Arbeiter, sondern vom Kapitalist®”
ab. Fernere Bedingung ist der normale Charakter der Arbeitskr?
selbst. In dem Fach, worin sie verwandt wird, muß sie das he
schende Durchschnittsmaß von Geschick, Fertigkeit und Raschh®
besitzen. Aber unser Kapitalist kaufte auf dem Arbeitsmarkt A!
beitskraft von normaler Güte. Diese Kraft muß in dem gewöhl
lichen Durchschnittsmaß der Anstrengung, mit dem gesellschaft!“
üblichen Grad von Intensität verausgabt werden. Darüber wa®
der Kapitalist ebenso ängstlich, als daß keine Zeit ohne Arbeit ve
geudet wird. Er hat die Arbeitskraft für bestimmte Zeitfrist gekauf
Er hält darauf, das Seine zu haben. Er will nicht bestohlen se”
Endlich — und hierfür hat derselbe Herr ein eigenes Strafgeselz ”
darf kein zweckwidriger Konsum von Rohmaterial und Arbeiß
mitteln stattfinden, weil vergeudetes Material oder Arbeitsmitl”
überflüssig verausgabte Quanta vergegenständlichter Arbeit d#
        <pb n="196" />
        Fünftes Kapitel.

151

Stellen, also nicht zählen und nicht in das Produkt der Wertbildung
Singehen.!?
Man sieht: der früher aus der Analyse der. Ware gewonnene
Unterschied zwischen der Arbeit, soweit sie Gebrauchswert, und
derselben Arbeit, soweit sie Wert schafft, hat sich jetzt als Untergeseidung
 der verschiedenen Seiten des Produktionsprozesses dar-Stellt.


Als Einheit von Arbeitsprozeß und Wertbildungsprozeß ist der
Produktionsprozeß Produktionsprozeß von Waren; als Einheit von
Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß ist er kapitalistischer Proluktionsprozeß,
 kapitalistische Form der Warenproduktion.

„7 Dies ist einer der Umstände, die auf Sklaverei gegründete Produkon
 verteuern, Der Arbeiter soll sich hier, nach dem treffenden Ausdruck
der Alten, nur als Instrumentum vocale [sprachbegabtes Werkzeug] von
dem Tier als Instrumentum semivocale [stimmbegabtem Werkzeug] und dem
toten Arbeitszeug als Instrumentum mutum [stummem Werkzeug] unter-Scheiden,
 Er selbst aber läßt Tier und Arbeitszeug fühlen, daß er nicht
Kresgleichen, sondern ein Mensch ist. Er verschafit sich das Selbstgefühl
eines Unterschiedes von ihnen, indem er sie mißhandelt und mit wahrer
Wollust verwüstet. Es gilt daher als. ökonomisches Prinzip in dieser
Froduktionsweise, nur die rohesten, schwerfälligsten, aber gerade wegen
Ihrer unbehilflichen Plumpheit schwer zu ruinierenden Arbeitsinstrumente
zuwenden, Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges fand man daher in den
1 Meerbusen von Mexiko liegenden Sklavenstaaten Pflüge altchinesischer
Konstruktion, die den Boden aufwühlen wie ein Schwein oder Maulwurf,
eber ihn nicht spalten und wenden. Vgl. J. C. Cairns: „The Slave Power.
London 1862“, p. 46 sqq. In seinem „Sea Bord Slave States“ erzählt Olmsted
Uüter anderm: „Man hat mir hier Werkzeuge gezeigt, mit denen bei uns
kein Mensch mit gesunden Sinnen einen Arbeiter belasten würde, dem
© Lohn zahlen muß; ihr furchtbares Gewicht und ihre Klobigkeit müssen,
denke ich, die Arbeit mit ihnen um mindestens 10 pZt. schwerer machen
. Mit den bei uns gebräuchlichen. Man hat mir aber versichert, daß
üBesichte der fahrlässigen und klobigen Art, wie sie von den Sklaven
D. Twendet werden, diesen vernünftigerweise nichts Leichteres und weniger
‚°Tbes in die Hand gegeben werden kann. Solche Gerätschaften, wie wir
NS fortwährend und mit Vorteil unsern Arbeitern beistellen, würden ‚auf
en Kornfeldern von Virginia nicht einen Tag aushalten, obgleich diese
mnter Pflügbar und freier von Steinen sind als unsere, Ebenso wurde
der Auf die Frage, warum so allgemein auf den Farmen Maultiere statt
Pferde verwendet werden, als erster und offenbar entscheidender
je ind der angegeben, daß Pferde die Behandlung nicht aushalten würin
 ‚die ihnen fortgesetzt von den Negern zuteil wird. Pferde werden
tin. Ihnen stets bald überhetzt oder zu Krüppeln geschlagen; Maultiere
cp e°1 halten Prügel und unregelmäßige Fütterung aus, ohne wesent-Warn
 Schaden zu leiden, und sie erkälten sich nicht und erkranken nicht,
at Sie auch vernachlässigt und überanstrengt werden. Doch ich brauche
ie Zum Fenster des Zimmers zu gehen, in dem ich arbeite, um zu sehen,
in“ das Vieh in einer Weise behandelt wird, die so ziemlich jeden Farmer
da Norden veranlassen würde, den betreffenden Arbeiter auf der Stelle
VORzuijagen «
        <pb n="197" />
        152

Dritter Abschnitt.

Es wurde früher bemerkt, daß es für den Verwertungsprozeß
durchaus gleichgültig, ob die vom Kapitalisten angeeignete Arbeil
einfache, gesellschaftliche Durchschnittsarbeit, oder kompliziertere
Arbeit, Arbeit von höherem spezifischen Gewicht ist. Die Arbeit.
die als höhere, kompliziertere Arbeit gegenüber der gesellschaftlichen
 Durchschnittsarbeit gilt, ist die Aeußerung einer Arbeitskraft,
worin höhere Bildungskosten eingehen, deren Produktion mehr
Arbeitszeit kostet und die daher einen höheren Wert hat als die
einfache Arbeitskraft. Ist der Wert dieser Kraft höher, so äußert!
sie sich daher auch in höherer Arbeit und vergegenständlicht sich
in denselben Zeiträumen, in verhältnismäßig höheren Werten
Welches jedoch immer der Gradunterschied zwischen Spinnarbeil
und Juwelierarbeit, die Portion Arbeit, wodurch der Juwelenarbeiter
nur den Wert seiner eigenen Arbeitskraft ersetzt, unterscheidet sich
qualitativ in keiner Weise von der zusätzlichen Portion Arbeit, wo“
durch er Mehrwert schafft. Nach wie vor kommt der Mehrwert nur
heraus durch einen quantitativen Ueberschuß von Arbeit, durch die
verlängerte Dauer desselben Arbeitsprozesses, in dem einen Fal
Prozeß der Garnproduktion, in dem andern Fall Prozeß der Juwelerproduktion.!8


+8 Der Unterschied zwischen höherer und einfacher Arbeit, „skilled“
und „unskilled labour“, beruht zum Teil auf bloßen MNusionen, ode!
wenigstens Unterschieden, die längst aufgehört haben, reell zu sein, und
nur noch in traditioneller Konvention fortleben; zum Teil auf der hilflosereb
Lage gewisser Schichten der Arbeiterklasse, die ihnen minder als ander?
erlaubt, den Wert ihrer Arbeitskraft zu ertrotzen. Zufällige Umständ®
spielen dabei so große Rolle, daß dieselben Arbeitsarten den Plat
wechseln. Wo zum Beispiel die körperliche Kraft der Arbeiterklasse al
geschwächt und relativ erschöpft ist, wie in allen Ländern entwickelte!
kapitalistischer Produktion, verkehren sich im allgemeinen brutale Arbeiteb
die viel Muskelkraft erfordern, in höhere gegenüber viel feineren Arbeiteb
die auf die Stufe einfacher Arbeit *herabsinken, wie zum Beispiel di®
Arbeit eines Bricklayer (Maurers) in England eine viel höhere Stufe ei”
nimmt als die eines Damastwirkers, Auf der andern Seite figuriert di
Arbeit eines Fustian cutter (Baumwollsamtscherers), obgleich sie viel körp®l,
liche Anstrengung kostet und obendrein sehr ungesund ist, als „einfach®
Arbeit. Uebrigens muß man sich nicht einbilden, daß die sogenann!®
„Skilled labour“ ihrer Menge nach einen bedeutenden Umfang in del
Nationalarbeit einnimmt. Laing rechnet, daß in England (und Wales) di
Existenz von über 11 Millionen auf einfacher Arbeit beruht. Nach Abz®
giner Million von Aristokraten und anderthalb Millionen Paupers, Vag”
bunden, Verbrecher, Prostituierte usw. von den 18 Millionen der Bevölk“
rungszahl, zur Zeit seiner Schrift, bleiben 4650000 Mittelklasse m
Einschluß kleinerer Rentner, Beamten, Schriftsteller, Künstler, Schul‘
meister usw. Um diese 4% Millionen herauszubekommen, zählt er zu
arbeitenden Teil der Mittelklasse, außer Bankiers usw., alle besser bezahlt®
„Fabrikarbeiter“] Auch die Maurer fehlen nicht unter den „potenziert®
Arbeitern“, Bleiben ihm dann die besagten 11 Millionen. (S. Laind’
„National Distress etc. London 1844.“) „Die große Klasse, die für ihre?
        <pb n="198" />
        Sechstes Kapitel.

153

Anderseits muß in jedem Wertbildungsprozeß die höhere Arbeit
Stets auf gesellschaftliche Durchschnittsarbeit reduziert werden,
L Tag höherer Arbeit etwa zum Beispiel auf 2 Tage einfacher Arbeit.20
 Wenn Oekonomen von Ruf sich gegen diese „willkürliche
Behauptung“ empören, dann darf man wohl sagen, daß sie den
Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Das, was ihnen als theoretische
Künstelei erscheint, ist einfach ein Verfahren, das sich tagtäglich an
allen Enden der Welt wiederholt. Ueberall werden die Werte der
Verschiedensten Waren ohne Unterschied in Geld ausgedrückt, das
heißt in einer bestimmten Menge Gold oder Silber. Dadurch allein
Verden schon die verschiedenen Arten der Arbeit, die durch diese
Werte dargestellt sind, in verschiedenem Verhältnis auf bestimmte
Mengen einer und derselben Art gewöhnlicher Arbeit reduziert, der
Arbeit, die Gold oder Silber produziert. Man erspart eine überlüssige
 Operation und vereinfacht die Analyse durch die Annahme,
daß der vom Kapital verwandte Arbeiter einfache gesellschaftliche
Durchschnittsarbeit verrichtet.

Sechstes Kapitel.

Konstantes Kapital und variables Kapital.
Die verschiedenen Faktoren des Arbeitsprozesses nehmen ver-“hiedenen
 Anteil an der Bildung des Produktenwertes.
Der Arbeiter setzt dem Arbeitsgegenstand neuen Wert zu durch
Zusatz eines bestimmten Quantums von Arbeit, abgesehen vom be-Yimmten
 Inhalt, Zweck und technischen Charakter seiner Arbeit.
Änderseits finden wir die Werte der verzehrten Produktionsmittel
Wieder als Bestandteile des Produktenwertes, zum Beispiel die
Werte von Baumwolle und Spindel im Garnwert. Der Wert der Pro-Auktionsmittel
 wird also erhalten durch seine Uebertragung auf das
Produkt, Dieses Uebertragen geschieht während der Verwandlung
der Produktionsmittel in Produkt, im Arbeitsprozeß. Es ist ver-Mittelt
 durch die Arbeit. Aber wie? . .
Der Arbeiter arbeitet nicht doppelt in derselben Zeit, nicht ein-Mal
 um der Baumwolle durch seine Arbeit einen Wert zuzusetzen,
nd das andere Mal, um ihren alten Wert zu erhalten, oder, was
dasselbe, um den Wert der Baumwolle, die er verarbeitet, und der
SPindel, womit er arbeitet, auf das Produkt, das Garn, zu übertragen.
Lebensunterhalt nichts zu bieten hat als gewöhnliche Arbeit, bildet die
üoße Masse des Volkes.“ (James Mill in Art. „Colony“. Supplement to
© Encyclopedia Britannica, 1831.) | |
ot N „Wo man von Arbeit als Maßstab des Wertes spricht, meint man
die digerweise Arbeit einer bestimmten Art, «+. Das Verhältnis, in dem
( ondern Arten von Arbeit zu dieser stehen, ist dann leicht zu ermitteln.
»“üllines of Political Economy. London 1832“, p. 22, 23.)
        <pb n="199" />
        154

Dritter Abschnitt

Sondern durch bloßes Zusetzen von neuem Wert erhält er de!
alten Wert. Da aber der Zusatz von neuem Wert zum Arbeitsgege»
stand und die Erhaltung der alten Werte im Produkt zwei ganz ver
schiedene Resultate sind, die der Arbeiter in derselben Zeit hervor
bringt, obgleich er nur einmal in derselben Zeit arbeitet, kann dies
Doppelseitigkeit des Resultats offenbar nur aus der Doppelseitigke!
seiner Arbeit selbst erklärt werden. In demselben Zeitpunkt mu!
sie in einer Eigenschaft Wert schaffen und in einer andern Eige?
schaft Wert erhalten oder übertragen. ;
Wie setzt jeder Arbeiter Arbeitszeit und daher Wert zu
Immer nur in der Form seiner eigentümlich produktiven Arbeil®
weise, Der Spinner setzt nur Arbeitszeit zu, indem er spinnt, d®
Weber, indem er webt, der Schmied, indem er schmiedet. Durd
die zweckbestimmte Form aber, worin sie Arbeit überhaupt zusetze?
und daher Neuwert, durch das Spinnen, Weben, Schmieden werde!
die Produktionsmittel, Baumwolle und Spindel, Garn und Webstuhl
Eisen und Amboß, zu Bildungselementen eines Produkts, ein“
neuen Gebrauchswertes.?®® Die alte Form ihres Gebrauchswerte
vergeht, aber nur um in einer neuen Form von Gebrauchswert auf
zugehen. Bei Betrachtung des Wertbildungsprozesses ergab sic
aber, daß, soweit ein Gebrauchswert zweckgemäß vernutzt wird zw
Produktion eines neuen Gebrauchswertes, die zur Herstellung d®
vernutzten Gebrauchswertes notwendige Arbeitszeit einen Teil der
zur Herstellung des neuen Gebrauchswertes notwendigen Arbeitszel
bildet, also Arbeitszeit ist, die vom vernutzten Produktionsmittel af
das neue Produkt übertragen wird. Der Arbeiter erhält also dP
Werte der vernutzten Produktionsmittel oder überträgt sie als wert
bestandteile auf das Produkt, nicht durch sein Zusetzen von Arbel
überhaupt, sondern durch den besonderen nützlichen Charakter, dur
die spezifisch produktive Form dieser zusätzlichen Arbeit. Als solch®
zweckgemäße produktive Tätigkeit, Spinnen, Weben, Schmieden,
weckt die Arbeit durch ihren bloßen Kontakt die Produktionsmitt®
von den Toten, begeistet sie zu Faktoren des Arbeitsprozesses und
verbindet sich mit ihnen zu Produkten.
Wäre die spezifische produktive Arbeit des Arbeiters nic
Spinnen, so würde er die Baumwolle nicht in Garn verwandel®
also auch die Werte von Baumwolle und Spindel nicht auf das Gar
übertragen. Wechselt dagegen derselbe Arbeiter den Beruf
wird Tischler, so wird er nach wie vor durch einen Arbeitst#
seinem Material Wert zusetzen. Er setzt ihn also zu durch seit
Arbeit, nicht soweit sie Spinnarbeit oder Tischlerarbeit, sonde!?
soweit sie abstrakte, gesellschaftliche Arbeit überhaupt, und er se”
eine bestimmte Wertgröße zu, nicht weil seine Arbeit einen besond“
ren nützlichen Inhalt hat, sondern weil sie eine bestimmte Zd

20 „Arbeit setzt neu geschaffenes an Stelle des von ihr vernichteteP
(„An Essay on the Political Economy of Nations. London 1821“, p. 13.)
        <pb n="200" />
        Sechstes Kapitel.

155

dauert. In ihrer abstrakten allgemeinen Eigenschaft also, als Ver-Msgabung
 menschlicher Arbeitskraft, setzt die Arbeit des Spinners
den Werten von Baumwolle und Spindel Neuwert zu, und in ihrer
konkreten, besonderen, nützlichen Eigenschaft als Spinnprozeß überträgt
 sie den Wert dieser Produktionsmittel auf das Produkt und
Srhält so ihren Wert im Produkt. Daher die Doppelseitigkeit ihres
Resultats in demselben Zeitpunkt.
Durch das bloß quantitative Zusetzen von Arbeit wird neuer
Wert zugesetzt, durch die Qualität der zugesetzten Arbeit werden
die alten Werte der Produktionsmittel im Produkt erhalten. Diese
doppelseitige Wirkung derselben Arbeit infolge ihres doppelseitigen
Charakters zeigt sich handgreiflich an verschiedenen Erscheinungen.
Nimm an, irgendeine Erfindung befähige den Spinner, in
6 Stunden soviel Baumwolle zu verspinnen, wie früher in 36 Stunden.
 Als zweckmäßig nützliche, produktive Tätigkeit hat seine
Arbeit ihre Kraft versechsfacht. : Ihr Produkt ist ein sechsfaches,
36 Statt 6 Pfund Garn. Aber die 36 Pfund Baumwolle saugen jetzt
Nr soviel Arbeitszeit ein als früher 6 Pfund. Sechsmal weniger
Neue Arbeit wird jedem Pfund zugesetzt als mit der alten Methode,
laher nur noch 1, des früheren Wertes, Anderseits existiert
!zt der sechsfache Wert von Baumwolle im Produkt, den
pP fund Garn. In den 6 Spinnstunden wird ein sechsmal größerer
Wert von Rohmaterial erhalten und ‚auf das Produkt übertragen, obeich
 demselben Rohmaterial ein sechsmal kleinerer Neuwert zu-S°Setzt
 wird. Dies zeigt, wie die Eigenschaft, worin die Arbeit wäh-Tend
 desselben unteilbaren Prozesses Werte enthält, wesentlich
iterschieden ist von der Eigenschaft, worin sie Wert schafft. Je
Mehr Notwendige Arbeitszeit während der Spinnoperation auf dasnn
 Quantum Baumwolle geht, desto größer der Neuwert, der der
aUumwolle zugesetzt wird, aber je mehr Pfund Baumwolle in derven
 Arbeitszeit versponnen werden, desto größer der alte Wert,
°F im Produkt erhalten wird.
Nimm umgekehrt an, die Produktivität der Spinnarbeit bleibe
an’erändert, der Spinner brauche also nach wie vor gleichviel Zeit,
Sin Pfund Baumwolle in Garn zu verwandeln. Aber der Tausch-We
 der Baumwolle selbst wechsle, ein Pfund Baumwolle steige
d °T falle um das Sechsfache seines Preises. In beiden Fällen fährt
zn Spinner fort, demselben Quantum Baumwolle dieselbe Arbeitsdien
 ZUuzusetzen, also denselben Wert, und in beiden Fällen produer
 tt er in gleicher Zeit gleichviel Garn. Dennoch ist der Wert, den
8 Von der Baumwolle auf das Garn, das Produkt, überträgt, das
Sa Mal sechsmal kleiner, das andere Mal sechsmal größer als zuvor.
abhanso wenn die Arbeitsmittel sich verteuern oder verwohlfeilern,
°T stets denselben Dienst im Arbeitsprozeß leisten.
ind Bleiben die technischen Bedingungen des Spinnprozesses unveruk
 und geht gleichfalls kein Wertwechsel mit seinen Protionsmitteln
 vor. so verbraucht der Spinner nach wie vor in
        <pb n="201" />
        ‚56

Dritter Abschnitt

gleichen Arbeitszeiten gleiche Quanta Rohmaterial und Maschinerie
von gleichbleibenden Werten., Der Wert, den er im Produkt erhält
steht dann in direktem Verhältnis zu dem N euwert, den er zusetzt
In zwei Wochen setzt er zweimal mehr Arbeit zu als in einer Woche
also zweimal mehr Wert, und zugleich vernutzt er zweimal mel!
Material von zweimal mehr Wert, und verschleißt zweimal mehr
Maschinerie von zweimal mehr Wert, erhält also im Produkt von zwei
Wochen zweimal mehr Wert als im Produkt einer Woche. Unter ge
gebenen gleichbleibenden Produktionsbedingungen erhält der Arbeitel!
um so mehr Wert, je mehr Wert er zusetzt, aber er erhält nicht mel
Wert, weil er mehr Wert zusetzt, sondern weil er ihn unter gleich
bleibenden und von seiner eigenen Arbeit unabhängigen Bedingul“
gen zusetzt.
Allerdings kann in einem relativen Sinn gesagt werden, daß
der Arbeiter stets in derselben Proportion alte Werte erhält, wor
er Neuwert zusetzt. Ob die Baumwolle von 2 Shilling auf 3 Shillipf
steige oder auf 1 Shilling falle, er erhält in dem Produkt eine!
Stunde stets nur halb soviel Baumwollwert, wie der auch wechsle
als in dem Produkt von zwei Stunden. Wechselt ferner die Pt
duktivität seiner eigenen Arbeit, sie steige oder falle, so wird €!
zum Beispiel in einer Arbeitsstunde mehr oder weniger Baumwolle
verspinnen als früher, und dementsprechend mehr oder wenige!
Baumwollwert im Produkt einer Arbeitsstunde erhalten. Mit alle
dem wird er in zwei Arbeitsstunden zweimal mehr Wert erhalte”
als in einer Arbeitsstunde.
Wert, von seiner nur symbolischen Darstellung im Wertzeiche?
abgesehen, existiert nur in einem Gebrauchswert,. einem Dirf
(Der Mensch selbst, als bloßes Dasein von Arbeitskraft betrachte
ist ein Naturgegenstand, ein Ding, wenn auch lebendiges, selbst
bewußtes Ding, und die Arbeit selbst ist dingliche Aeußerung jene
Kraft.) Geht daher der Gebrauchswert verloren, so geht auch d&amp;amp;
Wert verloren. Die Produktionsmittel verlieren mit ihrem G*
brauchswert nicht zugleich ihren Wert, weil sie durch den Arbeit?
prozeß die ursprüngliche Gestalt ihres Gebrauchswertes in der T#
nur verlieren, um im Produkt die Gestalt eines andern Gebrauch“
wertes zu gewinnen. So wichtig es aber für den Wert ist, in irgend
sinem Gebrauchswert zu existieren, so gleichgültig ist es, in welche®
er existiert, wie die Metamorphose der Waren zeigt. Es folgt
hieraus, daß im Arbeitsprozeß Wert vom Produktionsmittel auf d#
Produkt nur übergeht, soweit das Produktionsmittel mit seine?
selbständigen Gebrauchswert auch seinen Tauschwert verliert. *
gibt nur den Wert an das Produkt ab, den es als Produktionsmit!®
verliert, Die gegenständlichen Faktoren des Arbeitsprozesses v9
halten sich aber in dieser Hinsicht verschieden.
Die Kohle, womit die Maschine geheizt wird, verschwindet sp”
los, ebenso das Oel, womit man die Achse des Rades schmiert us"
Farbe und andere Hilfsstoffe verchwinden, zeigen sich aber in d®
        <pb n="202" />
        Sechstes Kapitel
Eigenschaften des Produkts. Das Rohmaterial bildet die Substanz
des Produkts, hat aber seine Form verändert. Rohmaterial und
Hilfsstoffe verlieren also die selbständige Gestalt, womit sie in
den Arbeitsprozeß als Gebrauchswerte eintraten. Anders mit den
$gentlichen Arbeitsmitteln. Ein Instrument, eine Maschine, ein
Fabrikgebäude, ein Gefäß usw. dienen im Arbeitsprozeß nur, so-‘“Dge
 sie ihre ursprüngliche Gestalt bewahren und morgen wieder
0 eben derselben Form in den Arbeitsprozeß eingehen, wie gestern.
Wie sie während ihres Lebens, des Arbeitsprozesses, ihre selb-Ständige
 Gestalt dem Produkt gegenüber bewahren, so auch nach
Ihtem Tode. Die Leichen von Maschinen, Werkzeugen, Arbeits-Sebäuden
 usw. existieren immer noch getrennt von den Produkten,
die sie bilden halfen. Betrachten wir nun die ganze Periode, wäh-“end
 deren ein solches Arbeitsmittel dient, von dem Tage seines
Sintritts in die Werkstätte bis zum Tage seiner Verbannung in die
Rumpelkammer, so ist während dieser Periode sein Gebrauchswert
0n der Arbeit vollständig verzehrt worden und sein Tauschwert
daher Vollständig auf das Produkt übergegangen. Hat eine Spinn-Naschine
 zum Beispiel in 10 Jahren ausgelebt, so ist während des
Benjährigen Arbeitsprozesses ihr Gesamtwert auf das zehnjährige
"Odukt übergegangen. Die Lebensperiode eines Arbeitsmittels
mfängt also eine größere oder kleinere Anzahl stets von neuem
mit ihm wiederholter Arbeitsprozesse. Und es geht dem Arbeitsalte
 wie dem Menschen. Jeder Mensch stirbt täglich um 24 Stun-N
 ab. Man sieht aber keinem Menschen genau an, wieviel Tage
e bereits verstorben ist. Dies hindert Lebensversicherungsgesell-«Chaften
 jedoch nicht, aus dem Durchschnittsleben der Menschen
_ Sichere, und was noch viel mehr ist, sehr profitliche Schlüsse
fah Ziehen. So mit dem Arbeitsmittel. Man weiß ‚aus der Ervo
 Tüng, wie lange ein Arbeitsmittel, zum Beispiel eine Maschine
we ‚Sewisser Art, durchschnittlich vorhält. Gesetzt, sein Gebrauchs-Seh
 Arbeitsprozeß dauere nur 6 Tage. So verliert es im Durchy
 lt jeden Arbeitstag !/, seines Gebrauchswertes und gibt daher
de Seines Wertes an das tägliche Produkt ab. In dieser Art wird
N 1. Srschleiß aller Arbeitsmittel berechnet, also zum Beispiel ihr
Wr Cher Verlust an Gebrauchswert und ihre entsprechende tägliche
$rtabgabe an das Produkt.
We Es zeigt sich so schlagend, daß ein Produktionsmittel nie mehr
dicht an das Produkt abgibt, als es im Arbeitsprozeß durch Ver-We
 tung seines eigenen Gebrauchswertes verliert. Hätte es keinen
lichen Zu verlieren, das heißt wäre es nicht selbst Produkt mensch-Es
 Sr Arbeit, so würde es keinen Wert an das Produkt abgeben.
Tau iente als Bildner von Gebrauchswert, ohne als Bildner- von
mitgenn Wert zu dienen. Dies ist daher der Fall mit allen Produktionsmit
 Ve die von Natur, ohne menschliches Zutun, vorhanden sind,
Urm Tde, Wind, Wasser, dem Eisen in der Erzader, dem Holze des
Waldes usw.

157
        <pb n="203" />
        ‘58

Dritter Abschnitt

Ein anderes interessantes Phänomen tritt uns hier entgegen
Eine Maschine sei zum Beispiel 1000 Pfd. Sterl. wert und schleiß®
sich in 1000 Tagen ab. In diesem Falle geht täglich U,000 des Werte?
der Maschine von ihr selbst auf ihr tägliches Produkt über. Zt
gleich, wenn auch mit abnehmender Lebenskraft, wirkt stets die
Gesamtmaschine im Arbeitsprozeß. Es zeigt sich also, daß eir
Faktor des Arbeitsprozesses, ein Produktionsmittel, ganz in der
Arbeitsprozeß, aber nur zum Teil in den Wertbildungsprozeß ein
geht. Der Unterschied von Arbeitsprozeß und Wertbildungsproze!
reflektiert sich hier an ihren gegenständlichen Faktoren, indem das
selbe Produktionsmittel als Element des Arbeitsprozesses ganz unf
als Element der Wertbildung nur stückweise in demselben Pro
duktionsprozeß zählt.?!
Anderseits kann umgekehrt ein Produktionsmittel ganz in del
Wertbildungsprozeß eingehen, obgleich nur stückweise in den A!
beitsprozeß. Nimm an, beim Verspinnen der Baumwolle fielen täg
lich auf 115 Pfund 15 Pfund ab, die kein Garn, sondern nur Wol
staub bilden. Dennoch, wenn dieser Abfall von 15 pZt. normal, vor
der Durchschnittsverarbeitung der Baumwolle unzertrennlich is
geht der Wert der 15 Pfund Baumwolle, die kein Element des Garne®
ganz ebensosehr in den Garnwert ein, wie der Wert der 100 Pfund
die seine Substanz bilden. Der Gebrauchswert von 15 Pfund Bau

2 Es handelt sich hier nicht um Reparaturen der Arbeitsmittel
Maschinen, Baulichkeiten usw. Eine Maschine, die repariert wird, funktit
niert nicht als Arbeitsmittel, sondern als Arbeitsmaterial. Es wird nich
mit ihr gearbeitet, sondern sie selbst wird bearbeitet, um ihren Gebrauch!
wert zu flicken. Solche Reparaturarbeiten kann man für unsern Zwei
immer eingeschlossen denken in die zur Produktion des Arbeitsmitte*
erheischte Arbeit. Im Text handelt es sich um den Verschleiß, den ke?
Doktor kurieren kann und der allmählich den Tod herbeiführt, um „je?“
Art der Abnutzung, die nicht von Zeit zu Zeit gutgemacht werden ka
und die ‚zum Beispiel ein Messer zuletzt in einen Zustand versetd
daß der Messerschmied sagt, eine neue Klinge lohne sich nicht mehr
Man hat im Text gesehen, daß eine Maschine zum Beispiel ganz in jedef
einzelnen Arbeitsprozeß, aber nur stückweise in den gleichzeitigen Ver
wertungsprozeß eingeht. Danach zu beurteilen die folgende Begriff
verwechselung: „Ricardo spricht von der beim Bau einer Strumpfwirk
maschine verausgabten Menge Arbeit des Maschinenbauers“ als zum Be
spiel enthalten in dem Wert von ein paar Strümpfen, „Aber die ganz
Arbeit, die jedes einzelne Paar Strümpfe hergestellt hat ,.. begreift auch
die ganze Arbeit des Maschinenbauers in sich, nicht einen Teil; denn ein‘
Maschine erzeugt zwar viele Paare, kein einziges Paar aber hätte hergestel
werden können ohne die ganze Maschine.“ („Observations on certain ver’%
disputes in Political Economy, particularly relating to Value, and to Demar“
and Supply. London 1821“, p. 54.) Der Verfasser, ein ungemein gelb
gefälliger Pedant, hat mit seiner Konfusion und daher mit seiner Polen!
nur so weit recht, als weder Ricardo noch irgendein anderer Oekonom, “
oder nach ihm, die beiden Seiten der Arbeit genau geschieden, daher n0%
weniger ihre verschiedene Rolle in der Wertbildung analysiert hat.
        <pb n="204" />
        Sechstes Kapitel.

159

Wolle muß verstauben, um 100 Pfund Garn zu machen. Der Unter-Sang
 dieser Baumwolle ist also eine Produktionsbedingung des
Garnes. Eben deswegen gibt sie ihren Wert an das Garn ab. Dies gilt
/0n allen Exkrementen [Abfällen] des Arbeitsprozesses, in dem Grad
Wenigstens, worin diese Exkremente nicht wieder neue Produktions-Mittel
 und daher neue selbständige Gebrauchswerte bilden. So sieht
Yan in den großen Maschinenfabriken zu Manchester Berge von
Kisenabfällen, durch zyklopische Maschinen gleich Hobelspänen ab-Seschält,
 am Abend auf großen Wagen aus der Fabrik in die Eisen-Sleßerei
 wandern, um den andern Tag wieder als massives Eisen
48 der Eisengießerei in die Fabrik zurückzuwandern.
Nur soweit Produktionsmittel während des Arbeitsprozesses
Wert in der Gestalt ihrer alten Gebrauchswerte verlieren, über-Tagen
 sie Wert auf die neue Gestalt des Produkts. Das Maximum
des Wertverlustes, den sie im Arbeitsprozeß ‚erleiden können, ist
Henbar beschränkt durch die ursprüngliche Wertgröße, womit sie
N den Arbeitsprozeß eintreten, oder durch die zu ihrer eigenen
Produktion erheischte Arbeitszeit. Produktionsmittel können dem
"rodukt daher nie mehr Wert zusetzen, als sie unabhängig vom
Arbeitsprozeß, dem sie dienen, besitzen. Wie nützlich auch ein
Arbeitsmaterial, eine Maschine, ein Produktionsmittel: wenn es
150 Pfd. Sterl., sage 500 Arbeitstage, kostet, setzt es dem Gesamt-&amp;amp;rodukt,
 zu dessen Bildung es dient, nie mehr als 150 Pfd. Sterl. zu.
De Wert ist bestimmt nicht durch den Arbeitsprozeß, worin es als
"Oduktionsmittel eingeht, sondern durch den Arbeitsprozeß, woraus
als Produkt herauskommt. In dem Arbeitsprozeß dient es nur
a Gebrauchswert, als Ding mit nützlichen Eigenschaften, und gäbe
„her keinen Wert an das Produkt ab, hätte es nicht Wert besessen
°F seinem Eintritt in den Prozeß.??

% Man begreift daher die Abgeschmacktheit des faden J. B. Say, der
Kin Mehrwert (Zins, Profit, Rente) aus den „services productifs‘“ [„produktiven
“ensten“] ableiten will, welche die Produktionsmittel, Erde, Instrumente,
Leder üsw., durch ihre Gebrauchswerte im Arbeitsprozeß leisten. Herr Wilsim
 Roscher, der es nicht leicht 1äßt, artige apologetische Einfälle schwarz
va Weiß zu registrieren, ruft aus: „Sehr richtig bemerkt J. B. Say („Traite“,
ol. L, ch. 4): der durch eine Oelmühle nach Abzug aller Kosten hervor-SChrachte
 Wert sei doch etwas Neues, von der Arbeit, wodurch die Oelaühle
 Selbst geschaffen worden, wesentlich verschiedenes.“ („Die Grund-Derek
 der Nationalökonomie. 3. Auflage 1858“, S. 82, Note.) Sehr richtig!
S Von der Oelmühle hervorgebrachte „Oel“ ist etwas sehr Verschiedenes
An der Arbeit, welche der Bau der Mühle kostet. ‚Und unter „Wert
Yarteht Herr Roscher solches Zeug wie „Oel“, da „Oel“ Wert hat, „in der
yatur“ aber sich Steinöl vorfindet, wenn auch relativ nicht „sehr viel“,
Nor Auf Wohl seine andere Bemerkung abzielt: „Tauschwerte bringt sie (die
zatür !) fast gar nicht hervor.“ Es geht der Roscherschen Natur mit dem
ksSchwert, wie der törichten Jungfrau mit dem Kinde, das nur „ganz
a War“, Derselbe „Gelehrte“ (savant serieux) bemerkt noch bei oben er-Ahnter
 Gelegenheit: „Die Schule Ricardos pflegt auch das Kapita] unter den
        <pb n="205" />
        "50

Dritter Abschnitt

Indem die produktive Arbeit Produktionsmittel in Bildungs
elemente eines neuen Produkts verwandelt, geht mit deren Wer
eine Seelenwanderung vor. Er geht aus dem verzehrten Leib in der
neugestalteten Leib über. Aber diese Seelenwanderung ereigne
sich gleichsam hinter dem Rücken der wirklichen Arbeit. Der
Arbeiter kann neue Arbeit nicht zusetzen, also nicht neuen Wer
schaffen, ohne alte Werte zu erhalten, denn er muß die Arbeit imme‘
in bestimmter nützlicher Form zusetzen, und er kann sie nicht £
nützlicher Form zusetzen, ohne Produkte zu Produktionsmittel!
eines neuen Produkts zu machen und dadurch ihren Wert auf da
neue Produkt zu übertragen. Es ist also eine Naturgabe der sid
betätigenden Arbeitskraft, der lebendigen Arbeit, Wert zu erhalten
indem sie Wert zusetzt, eine Naturgabe, die dem Arbeiter nicht‘
kostet, aber dem Kapitalisten viel einbringt, die Erhaltung des vor
handenen Kapitalwertes.?2a Solange das Geschäft flott geht, ist de
Kapitalist zu sehr in die Plusmacherei vertieft, um diese Gratif
gabe der Arbeit zu sehen. Gewaltsame Unterbrechungen des Arbeit“
prozesses, Krisen, machen sie ihm empfindlich bemerksam.?®
Was überhaupt an den Produktionsmitteln verzehrt wird, ®
ihr Gebrauchswert, durch dessen Konsumtion die Arbeit Produkt
Begriff Arbeit zu subsumieren als „„aufgesparte Arbeit““, Dies ist unge
schickt (1), weil (1) ja (1) der Kapitalbesitzer (!) doch (!) mehr (!) getan h!
als die bloße (?!) Hervorbringung (?) und (??) Erhaltung desselben (we
selbigen?): eben (?!?) die Enthaltung vom eigenen Genusse, wofür er zu”
Beispiel (!!) Zinsen verlangt.“ (Ebenda.) Wie „geschickt“! diese „ab®*
tomisch-physiologische Methode“ der politischen Oekonomie, die aus bloße?
„Verlangen“ ja doch eben „Wert“ entwickelt.
222 „Von allen Arbeitsmitteln in der Landwirtschaft . . . ist die mensch
liche Arbeit dasjenige, auf das der Pächter am meisten angewiesen ist, u”
sein Kapital ersetzt zu erhalten. Die andern beiden — das Arbeitsvieh u
- +. die Karren, Pflüge, Spaten usw., sind nichts ohne eine bestimmte Meng
des ersteren.“ (Edmund Burke: „Thoughts and Details on Scareity, originell
presented to the Right Hon. W. Pitt in the Month of November 1795. ®
London 1800“, p. 10.)
2 In der „Times“ vom 26. November 1862 jammert ein Fabrikant
dessen Spinnerei 800 Arbeiter beschäftigt und wöchentlich im Durchschn?
150 Ballen ostindischer oder ungefähr 130 Ballen amerikanischer Bau
wolle verzehrt, dem Publikum die jährlichen Stillstandskosten seiner Fabr
vor, Er schlägt sie auf 6000 Pfd. Sterl. an. Unter diesen Unkosten befind®
sich viele Posten, die uns hier nichts angehen, wie Grundrente, Steuer?
Versicherungsprämien, Gehälter für jährlich engagierte Arbeiter, Direkt
Buchhalter, Ingenieur usw. Dann aber berechnet er für 150 Pfd. Stell
Kohlen, um die Fabrik von Zeit zu Zeit zu wärmen und die Dampfmaschl?
gelegentlich in Gang zu setzen, außerdem Löhne für Arbeiter, die dur“
gelegentliche Arbeit die Maschinerie „flüssig“ erhalten.“ Endlich 1200 Pl
Sterl. für Verschlechterung der Maschinerie, da „das Wetter und die nat”
lichen Faktoren des Verfalls ihre Wirkungen nicht deshalb einstellen, wo
die Dampfmaschine ihre Umdrehungen einstellt“. Er bemerkt ausdrückli%
diese Summe von 1200 Pfd. Sterl. sei so gering angeschlagen, weil sich di
Maschinerie bereits in sehr abgenutztem Zustande befinde.
        <pb n="206" />
        Sechstes Kapitel.
bildet. Ihr Wert wird in der Tat nicht konsumiert,** kann also auch
Nicht reproduziert werden. Er wird erhalten, aber nicht weil eine
Operation mit ihm selbst im Arbeitsprozeß vorgeht, sondern weil
der Gebrauchswert, worin er ursprünglich existiert, zwar ver-Schwindet,
 aber nur in einen andern Gebrauchswert verschwindet.
Der Wert der Produktionsmittel erscheint daher wieder im Wert des
Produkts, aber er wird, genau gesprochen, nicht reproduziert. Was
Produziert wird, ist der neue Gebrauchswert, worin der alte Tausch-Wert
 wieder erscheint.?
.. Anders mit dem persönlichen Faktor des Arbeitsprozesses, der
Sch betätigenden Arbeitskraft. Während die Arbeit durch ihre
*Weckmäßige Form den Wert der Produktionsmittel auf das Produkt
überträgt und erhält, bildet jedes Moment ihrer Bewegung zusätzlichen
 Wert, Neuwert. Gesetzt der Produktionsprozeß breche ab
beim Punkt, wo der Arbeiter ein Aequivalent für den Wert seiner
genen Arbeitskraft produziert, durch sechsstündige Arbeit zum
Beispiel einen Wert von 3 Shilling zugesetzt hat. Dieser Wert bildet
den Ueberschuß des Produktenwertes über seine dem Wert der
Produktionsmittel geschuldeten Bestandteile. Er ist der einzige
OÖriginalwert, der innerhalb dieses Prozesses entstand, der einzige
Wertteil des Produkts, der durch den Prozeß selbst produziert ist.
Allerdings ersetzt er nur das vom Kapitalisten beim Kauf der Arbeitskraft
 vorgeschossene, vom Arbeiter selbst in Lebensmitteln ver-—



Pi

* „Produktive Konsumtion: wo die Konsumtion einer Ware einen Teil
des Produktionsprozesses bildet. ... In diesen Fällen findet keine Kon-Aration
 von Wert statt.“ (S. P. Newman: „Elements of Political Economy.
“ndover and New York 1835“, p. 296.) a
i 23 In einem nordamerikanischen Lehrbuch, das vielleicht 20 Auf
Ken erlebt hat, liest man: „Es kommt nicht darauf an, in welcher Form
ji Pltal wieder erscheint.“ Nach einer redseligen Aufzählung aller mögpchen
 Produktionsbestandteile, deren Wert im Produkt wieder erscheint.
Klet €8 schließlich: „Die verschiedenen Arten von Nahrungsmitteln.
Mer dern und Wohnung, die für die Existenz und Bequemlichkeit des
werschen notwendig sind, erfahren gleichfalls eine Veränderung. Sie
ner den von Zeit zu Zeit verzehrt, und ihr Wert erscheint wieder in der
Keen Kraft, die sie Körper und Geist mitteilen, und erzeugt so neues
ital zur neuerlichen Anwendung im Produktionsprozeß.“ (F., Wayland:
MO Elements of Political Economy. Boston 1853“, p. 81, 82.) Von allen
de rn Wunderlichkeiten abgesehen, ist es zum Beispiel nicht der Preis
bild Brotes, der in der erneuten Kraft wieder erscheint, sondern seine blutsing
 2den Substanzen. Was dagegen als Wert der Kraft wieder erscheint,
a Nicht die Lebensmittel, sondern ihr Wert. Dieselben Lebensmittel.
Ko Sie nur die Hälfte kosten, produzieren ganz ebensoviel Muskel.
Dielen usw., kurz dieselbe Kraft, aber nicht Kraft vom selben Wert.
Beke Umsetzen von „Wert“ in „Kraft“ (obgleich es ganz richtig ist, um-Ban
 art von einem Umsetzen von „Kraft“ in „Wert“ zu sprechen) und. die
Vers Pharisäische Unbestimmtheit verstecken den allerdings vergeblichen
Per aus bloßem Wiedererscheinen vorgeschossener Werte einen Mehrherauszudrechseln.

Das Kapital 7
        <pb n="207" />
        [62

Dritter Abschnitl

ausgabte Geld. Mit Bezug auf die verausgabten 3 Shilling erschein
der Neuwert von 8 Shilling nur als Reproduktion. Aber er ist wirk
lich reproduziert, nicht nur scheinbar, wie der Wert der Produktions
mittel. Der Ersatz eines Wertes durch den andern ist hier ver
mittelt durch neue Wertschöpfung.
Wir wissen jedoch bereits, daß der Arbeitsprozeß über der
Punkt hinaus fortdauert, wo ein bloßes Aequivalent für den Wer
der Arbeitskraft reproduziert und dem Arbeitsgegenstand zugesetz
wäre. Statt der 6 Stunden, die hierzu genügen, währt der Prozef
zum Beispiel 12 Stunden. Durch die Betätigung der Arbeitskraf
wird also nicht nur ihr eigener Wert reproduziert, sondern ein über
schüssiger Wert produziert, Dieser Mehrwert bildet den Ueber
schuß des Produktenwertes über den Wert der verzehrten Produkt
bildner, das heißt der Produktionsmittel und der Arbeitskraft.
Indem wir die verschiedenen Rollen dargestellt, welche die ver‘
schiedenen Faktoren des Arbeitsprozesses in der Bildung des Pro
duktenwertes spielen, haben wir in der Tat die Funktionen der
verschiedenen Bestandteile des Kapitals in seinem eigenen Ver
wertungsprozeß charakterisiert. Der Ueberschuß des Gesamtwerte®
des Produkts über die Wertsumme seiner Bildungselemente ist de
Ueberschuß des verwerteten Kapitals über den ursprünglich vor
geschossenen Kapitalwert. Produktionsmittel auf der einen Seil®
Arbeitskraft auf der andern, sind nur die verschiedenen Existen/
formen, die der ursprüngliche Kapitalwert annahm bei Abstreifunf
seiner Geldform und seiner Verwandlung in die Faktoren de
Arbeitsprozesses. ;
Der Teil des Kapitals also, der sich in Produktionsmittel, da®
heißt in Rohmaterial, Hilfsstoffe und Arbeitsmittel umsetzt, ver
ändert seine Wertgröße nicht im Produktionsprozeß. Ich nenne il"
daher konstanten [unveränderlichen] Kapitalteil, oder kürzer: ko"
stantes Kapital.
Der in Arbeitskraft umgesetzte Teil des Kapitals verändert d#
gegen seinen Wert im Produktionsprozeß. Er reproduziert sei?
eigenes Aequivalent und einen Ueberschuß darüber, Mehrwert, d#
selbst wechseln, größer oder kleiner sein kann. Aus einer ko”
stanten Größe verwandelt sich dieser Teil des Kapitals fortwährer‘
in eine variable [veränderliche]. - Ich nenne ihn daher variable
Kapitalteil, oder kürzer: variables Kapital. Dieselben Kapitalbestand
teile, die sich vom Standpunkt des Arbeitsprozesses als objektivt
[sachliche] und subjektive [persönliche] Faktoren, als Produktion®
mittel und Arbeitskraft unterscheiden, unterscheiden sich vom Stand
nit " Verwertungsprozesses als konstantes Kapital und variabl®
apital.
Der Begriff des konstanten Kapitals schließt eine Wertrevoluti®
seiner Bestandteile in keiner Weise aus. Nimm an, das Pful
Baumwolle koste heute 1 Shilling und steige morgen, infolge ein®
Ausfalles der Baumwollernte, auf 2 Shilling. Die alte Baumwoll®
        <pb n="208" />
        Sechstes Kapitel.

163

die fortfährt, verarbeitet zu werden, ist zum Wert von 1 Shilling gekauft,
 fügt aber jetzt dem Produkt einen Wertteil von 2 Shilling
%. Und die bereits versponnene, vielleicht schon als Garn auf dem
Markt zirkulierende Baumwolle fügt dem Produkt ebenfalls das
Doppelte ihres ursprünglichen Wertes zu. Man sieht jedoch, daß
diese Wertwechsel unabhängig sind von der Verwertung der Baum-Wolle
 im Spinnprozeß selbst. Wäre die alte Baumwolle noch gar
Nicht in den Arbeitsprozeß eingegangen, So könnte sie jetzt zu
2 Shilling statt zu 1 Shilling wieder verkauft werden. Umgekehrt:
Je weniger Arbeitsprozesse sie noch durchlaufen hat, desto sicherer
St dieses Resultat. Es ist daher Gesetz der Spekulation bei solchen
Wertrevolutionen, auf das Rohmaterial in. seiner mindest verarbeiteten
 Form zu spekulieren, also eher auf Garn als auf Gewebe
Ind eher auf die Baumwolle selbst als auf das Garn. Die Wert-Anderung
 entspringt hier in dem Prozeß, der Baumwolle produziert,
Nicht in dem Prozeß, worin sie als Produktionsmittel und daher als
Konstantes Kapital funktioniert. Der Wert einer Ware ist zwar be-Simmt
 durch das Quantum der in ihr enthaltenen Arbeit, aber dieses
Quantum selbst ist gesellschaftlich bestimmt. Hat sich die gesell-Schaftlich
 zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit verändert —
und dasselbe Quantum Baumwolle zum Beispiel stellt in ungünstigen
Ernten größeres Quantum Arbeit dar als in günstigen —, so findet
‚Me Rückwirkung auf die alte Ware statt, die immer nur als einsclnes
 Exemplar ihrer Gattung gilt,?* deren Wert stets durch gesell-Chaftlich
 notwendige, also auch stets unter gegenwärtigen gesell-Schaftlichen
 Bedingungen notwendige Arbeit gemessen wird. .
pP Wie der Wert des Rohmaterials, mag der Wert. bereits im
we duktionsprozeß dienender Arbeitsmittel, der Maschinerie usw.,
Wr eseln, also auch der Wertteil, den sie dem Produkt abgeben,
s 7d zum Beispiel infolge einer neuen Erfindung Maschinerie dereben
 Art mit verminderter Ausgabe von Arbeit reproduziert, so
da wertet die alte Maschinerie mehr oder minder und überträgt
anher auch verhältnismäßig weniger Wert auf das Produkt. Aber
“ch hier entspringt der Wertwechsel außerhalb des Produktions-Ta
 20S0g, worin die Maschine als Produktionsmittel funktioniert.
von sesem Prozeß gibt sie nie mehr Wert ab, als sie unabhängig
diesem Prozeß besitzt. ”
win Vie ein Wechsel im Wert der Produktionsmittel, ob auch rück-Ch
 ©Nd nach ihrem bereits erfolgten Eintritt in den Prozeß, ihren
be Ärakter als konstantes Kapital nicht verändert, ebensowenig
Van it ein Wechsel in der Proportion zwischen konstantem und
ihr, "ablem Kapital ihren funktionellen Unterschied [den Unterschied
=" Betätigungsweisen im Prozeß der Wertbildung]. Die technischen
Masse »Alle Produkte einer bestimmten Art bilden eigentlich nur eine
die n N deren Preis im allgemeinen bestimmt wird und ohne Rücksicht auf
Physio Sren Umstände des Einzelfalles.“ (Le Trosne: „De l’Inter&amp;amp;t Soeial.
rates, ed. Daire, Paris 1846, p. 893.)
        <pb n="209" />
        164

Dritter Abschnitt

Bedingungen des Arbeitsprozesses mögen zum Beispiel so um
gestaltet werden, daß, wo früher 10 Arbeiter mit 10 Werkzeuge)
von geringem Wert eine verhältnismäßig kleine Masse von Rot
material verarbeiteten, jetzt 1 Arbeiter mit einer teuren Maschine
das hundertfache Rohmaterial verarbeitet. In diesem Fall wäre
das konstante Kapital, das heißt die Wertmasse der angewandte?
Produktionsmittel, sehr gewachsen und der variable Teil de‘
Kapitals, der in Arbeitskraft vorgeschossene, sehr gefallen. Diese!
Wechsel ändert jedoch nur das Größenverhältnis zwischen ko?
stantem und variablem Kapital, oder die Proportion, worin da
Gesamtkapital in konstante und variable Bestandteile zerfällt, be
rührt dagegen nicht den Unterschied von konstant und variabel.

Siebtes Kapitel

Die Rate des Mehrwertes.
1. Der Grad der Ausbeutung der Arbeitskraft.
Der Mehrwert, den das vorgeschossene Kapital, das wir C
nennen wollen, im Produktionsprozeß erzeugt hat, oder die Ver
wertung des vorgeschossenen Kapitalwertes C stellt sich zunäch“
dar als Ueberschuß des Wertes des Produkts über die Wertsumm“
seiner Produktionselemente. ,
Das Kapital C zerfällt in zwei Teile, eine Geldsumme c, die fü
Produktionsmittel, und eine andere Geldsumme V, die für Arbeit?
kraft verausgabt wird; c stellt den in konstantes, v den in variable®
Kapital verwandelten Wertteil vor. Ursprünglich ist also C—c +“
zum Beispiel betrage das vorgeschossene Kapital 500 Pfd. Sterlwovon
 410 Pfd. konstantes Kapital (c) und 90 Pfd. variables Kapit?
(v). Am Ende des Produktionsprozesses kommt Ware heraus, der?
Wert gleich ist (c + v) + m, wo m der Mehrwert, zum Beispiel
410 Pfd. (c) + 90 Pfd. (v) + 90 Pfd. (m). Das ursprünglicl®
Kapital C hat sich in C&amp;amp; verwandelt, aus 500 Pfd. Sterl. in 590 Pf
Sterl. Die Differenz zwischen beiden ist — m, einem Mehrwei!
von 90. Da der Wert der Produktionselemente gleich dem wert
des vorgeschossenen Kapitals, so ist es in der Tat eine Tautologi®
daß der Ueberschuß des Produktenwertes über den Wert seind
Produktionselemente gleich der Verwertung des vorgeschossen®
Kapitals oder gleich dem produzierten Mehrwert.
Indes erfordert diese Tautologie eine nähere Bestimmung. wer
mit dem Produktenwert verglichen wird, ist der Wert der in sein®
Bildung aufgezehrten Produktionselemente. Nun haben wir ab®
gesehen, daß der aus Arbeitsmitteln bestehende Teil des 2
gewandten konstanten Kapitals nur ein Stück seines Wertes an d#
Produkt abgibt, während ein anderes Stück in, seiner alten Existen”
form fortdauert. Da das letztere keine Rolle in der Wertbildul®$
spielt, ist hier davon abzusehen. Sein Hineinziehen in die Rechnu®

A
        <pb n="210" />
        Siebtes Kapitel,

165

Würde nichts ändern. Nimm an, das konstante Kapital ce im Betrage
von 410 Pfd. Sterl. bestehe aus Rohmaterial zu 312 Pfd., Hilfs-Stoffen
 zu 44 Pfd. und im Prozeß verschleißender Maschinerie von
4 Pfd., der Wert der wirklich angewandten Maschinerie betrage
aber 1054 Pfd. Als vorgeschossen zur Erzeugung des Produkten-Wertes
 berechnen wir nur den Wert von 54 Pfd., den die Maschinerie
durch ihre Funktion verliert und daher dem Produkt abgibt.
Rechneten wir die 1000 Pfd. Sterl. mit, die in ihrer alten Form fort-$Xistieren
 als Dampfmaschine usw., so müßten wir sie auf beiden
Seiten mitrechnen, auf Seite des vorgeschossenen Wertes und auf
Seite des Produktenwertes,?% und erhielten so respektive 1500 Pfd.
Ster]. und 1590 Pfd. Sterl. Die Differenz oder der Mehrwert wäre
lach wie vor 90 Pfd. Sterl. Unter dem zur Wertproduktion vor-86Schossenen
 konstanten Kapital verstehen wir daher, wo das Gegenteil
 Nicht aus dem Zusammenhang erhellt, stets nur den Wert der
N der Produktion verzehrten Produktionsmittel.
. Dies vorausgesetzt, kehren wir zurück zur Formel. C— c + v,
We sich in C’ = (c + v) + m und eben dadurch C in C’ verwandelt.
Man Weiß, daß der Wert des konstanten Kapitals im Produkt nur
Vieder erscheint. Das im Prozeß wirklich neu erzeugte Wert-Todukt
 ist also verschieden von dem aus dem Prozeß erhaltenen
Produktenwert, daher nicht, wie es auf den ersten Blick scheint,
(+) + m oder 410 c +90 v +90 m, sondern v -+ m oder 90 v +90 m.
a8 neu erzeugte Wertprodukt demnach nicht 590 Pfd. Sterl., sondern
180 p. fd. Sterl. Wäre c, das konstante Kapital, gleich Null, in andern
Worten, gäbe es Industriezweige, worin der Kapitalist keine pro-Auzierten
 Produktionsmittel, weder Rohmaterial, noch Hilfsstoffe,
voch Arbeitsinstrumente, sondern nur von Natur vorhandene Stoffe
ad Arbeitskraft anzuwenden hätte, so wäre kein konstanter Wert-Sl
 auf das Produkt zu übertragen. Dies Element des Produkten-Nörtes,
 in unserm Beispiel 410 Pfd. Sterl., fiele fort, aber das Wert-AeOdukt
 von 180 Pfad. Sterl., welches 90 Pfd. Sterl. Mehrwert entnn
 bliebe ganz ebenso groß, als ob c die größte Wertsumme dar-Sllte,
 Wir hätten C=—=0+v=v und €’, das verwertete Kapital,
SO y +m. Also wäre C’—C nach wie vor = m. Wäre um-Ketchrt
 m — 0, in andern Worten, hätte die Arbeitskraft, deren Wert
du Variablen Kapital vorgeschossen wird, nur ein Aequivalent pro-A
 Mert, so Ce +v und €’ (der Produktenwert) == (c + v) + 0,
SA C=C. Das vorgeschossene Kapital hätte sich nicht verel.

de Wir wissen in der Tat bereits, daß der Mehrwert bloß Folge
T Wertveränderung ist, die mit v, dem in Arbeitskraft umgesetzten
in

8 ‚Wenn wir den Wert des angewandten stehenden Kapitals zu den
 äpitalaustagen Technen, dann müssen wir den am Ende des Betriebsjahres
dr Verbleibenden Wert dieses Kapitals zu den Jahreseinnahmen rechnen.
Althus: „Prineiples of Political Economy. 2nd ed. London 1836“, p. 269.)
        <pb n="211" />
        166

Dritter Abschnitt

Kapitalteil vorgeht, daß also v +m —v-+4v ist, wobei Av eineD
Zuwachs von v darstellt. Aber die wirkliche Wertveränderung und
das Verhältnis, worin sich der Wert ändert, werden dadurch ver“
dunkelt, daß infolge des Wachstums seines variierenden Bestand
teiles auch das vorgeschossene Gesamtkapital wächst. Es war 500
und es wird 590. Die reine Analyse des Prozesses erheischt also
von dem Teil des Produktenwertes, worin nur konstanter Kapitalwert
 wieder erscheint, ganz abzusehen, also das konstante Kapita!
c gleich Null zu setzen und damit ein Gesetz der Mathematik anzt
wenden, wo sie mit variablen und konstanten Größen operiert und
die konstante Größe nur durch Addition oder Subtraktion mit der
variablen verbunden ist,
Eine andere Schwierigkeit entspringt aus der ursprüngliche?
Form des variablen Kapitals. So im obigen Beispiel ist C’ — 410 Pfd
Sterl. konstantes Kapital + 90 Pfd. Sterl. variables Kapital -+ 90 Pfd-Sterl.
 Mehrwert. 90 Pfd. Sterl. sind aber eine gegebene, also ko
stante Größe und es scheint daher ungereimt, sie als variable Größ®
zu behandeln. Aber 90 Pfd. Sterl. variables Kapital ist hier in de
Tat nur Symbol für den Prozeß, den dieser Wert durchläuft. Der
im Ankauf der Arbeitskraft vorgeschossene Kapitalteil ist ein b*
stimmtes Quantum vergegenständlichter Arbeit, also konstante Wert
größe, wie der Wert der gekauften Arbeitskraft. Im Produktion*
prozeß selbst aber tritt an die Stelle der vorgeschossenen 90 Pfd
Sterl. die sich betätigende Arbeitskraft, an die Stelle toter lebendig®
Arbeit, an die Stelle einer ruhenden eine fließende Größe, an di®
Stelle einer konstanten eine variable. Das Resultat ist die R“
produktion von v, vermehrt um einen Zuwachs. Vom Standpunk
der kapitalistischen Produktion ist dieser ganze Verlauf Selbst
bewegung des in Arbeitskraft umgesetzten, ursprünglich konstante?
Wertes. Ihm wird der Prozeß und sein Resultat zugute geschriebe
Erscheint die Formel 90 Pfd. Sterl. variables Kapital oder sich ver
wertender Wert daher widerspruchsvoll, so drückt sie nur einen d#
kapitalistischen Produktion immanenten Widerspruch aus.
Die Gleichsetzung des konstanten Kapitals mit Null befremd®
auf den ersten Blick. Indes vollzieht man sie beständig im Alltag”
leben. Will jemand zum Beispiel Englands Gewinn an der Bau
wollindustrie berechnen, so zieht er vor allem den an die Vereinigte
Staaten, Indien, Aegypten usw. gezahlten Baumwollpreis ab; da
heißt er setzt im Produktenwert nur wieder erscheinenden Kapital
wert gleich Null.
Allerdings hat das Verhältnis des Mehrwertes nicht nur zul
Kapitalteil, woraus er unmittelbar entspringt und dessen Wet
veränderung er darstellt, sondern auch zum vorgeschossenen Gesamt
kapital seine große ökonomische Bedeutung. Wir behandeln di
Verhältnis daher ausführlich im dritten Buch. Um einen Teil 6
Kapitals durch seinen Umsatz in Arbeitskraft zu verwerten, mv
ein anderer Teil des Kapitals in Produktionsmittel ve. wandelt wer“
        <pb n="212" />
        Siebtes Kapitel.

167

den. Damit das variable Kapital funktioniere, muß konstantes
Kapital in entsprechenden Proportionen, je nach dem bestimmten
technischen Charakter des Arbeitsprozesses, vorgeschossen werden.
Der Umstand jedoch, daß man zu einem chemischen Prozeß Retorten
Und andere Gefäße braucht, verhindert nicht, bei der Analyse von
der Retorte selbst abzusehen. Sofern Wertschöpfung und Wert-Veränderung
 für sich selbst, das heißt rein betrachtet werden, liefern
die Produktionsmittel, diese stofflichen. Gestalten des konstanten
Kapitals, nur den Stoff, worin sich die Aüssige, wertbildende Kraft
üxieren soll. Die Natur dieses Stoffes ist daher auch gleichgültig,
ob Baumwolle oder Eisen. Auch der Wert dieses Stoffes ist gleich-Sültig,
 Er muß nur in hinreichender Masse vorhanden sein, um das
Während des Produktionsprozesses zu verausgabende Arbeitsquantum
ÖÄnsaugen zu können. Diese Masse gegeben, mag ihr Wert steigen
Oder fallen, oder sie mag wertlos sein, wie Erde und. Meer, der
Prozeß der Wertschöpfung und Wertveränderung wird nicht davon
berührt.27
D Wir setzen also zunächst den konstanten Kapitalteil gleich Null.
a8 vorgeschossene Kapital reduziert sich daher von c + v auf v
nd der Produktenwert (6 + v) + m auf das Wertprodukt v + m.
Gegeben das Wertprodukt — 180 Pfd. Sterl., worin sich die während
der ganzen Dauer des Produktionsprozesses fließende Arbeit dar-Stellt,
 So haben wir den Wert des variablen Kapitals — 90 Pfd. Sterl.
ze zuziehen, um den Mehrwert — 90 Pfd. Sterl. zu erhalten. Die
„hl 90 Pfd. Sterl. — m drückt hier die absolute Größe des produyorten
 Mehrwertes aus. Seine proportionelle Größe aber, also das
pThältnis, worin das variable Kapital sich verwertet hat, ist offenbar
“Stimmt durch das Verhältnis des Mehrwertes zum variablen Kapital,
ist ausgedrückt in dem Bruch Te Im obigen Beispiel also i
% = 100 pZt. Diese verhältnismäßige Verwertung des variablen
(ADitals, oder die verhältnismäßige Größe des Mehrwertes, nenne
Rate des Mehrwertes.®® .
de Wir haben gesehen, daß der Arbeiter während eines Abschnittes
das Arbeitsprozesses nur den Wert seiner Arbeitskraft produziert,
ein, heißt den Wert seiner notwendigen Lebensmittel. Da er in
pr °M auf gesellschaftlicher Teilung der Arbeit beruhenden Zustand
Oduziert, produziert er seine Lebensmittel nicht direkt, sondern.

"7 Not , Ausgabe. Es versteht sich von selbst mit Lucretius „mil
SOSSE creari de. hl Aus nichts wird nichts. „Wertschöpfung“ ist Um-2
 von Arbeitskraft in Arbeit. Ihrerseits ist die Arbeitskraft vor allem
N Menschlichen Organismus umgesetzter Naturstoff. N
Prof: In derselben Weise, wie der Engländer „rate of profits“ [Rate des
0 üts], „rate of interest“ [Zinsfuß] usw. braucht. Man wird aus dem dritten
auch Sehen, daß die Profitrate leicht zu begreifen, sobald man die Gesetze
die Mehrwertes kennt. Auf dem umgekehrten Wege begreift man weder
°Se noch jene.
        <pb n="213" />
        168

Dritter Abschnift

in Form einer besonderen Ware, des Garnes zum Beispiel, eine
Wert gleich dem Werte seiner Lebensmittel, oder dem Geld, wom
er sie kauft. Der Teil seines Arbeitstages, den er hierzu verbraucht
ist größer oder kleiner, je nach dem Wert seiner durchschnittliche®
täglichen Lebensmittel, also je nach der zu ihrer Produktion €”
heischten durchschnittlichen täglichen Arbeitszeit. Wenn der Werl
seiner täglichen Lebensmittel im Durchschnitt 6 vergegenständlicht
Arbeitsstunden darstellt, so muß der Arbeiter im Durchschnitt täg
lich 6 Stunden arbeiten, um ihn zu produzieren. Arbeitete er nich
für den Kapitalisten, sondern für sich selbst, unabhängig, so müß!®
er, unter sonst gleichbleibenden Umständen, nach wie vor i®
Durchschnitt denselben aliquoten Teil des Tages arbeiten, um de
Wert seiner Arbeitskraft zu produzieren und dadurch die zu sein?
eigenen Erhaltung oder beständigen Reproduktion nötigen Leben“
mittel zu gewinnen. Da er aber in dem Teil des Arbeitstages, wor”
er den Tageswert der Arbeitskraft, sage 3 Shilling, produziert, nf
ein Aequivalent für ihren vom Kapitalisten bereits gezahlten”
Wert produziert, also durch den neu geschaffenen Wert nur d®
vorgeschossenen variablen Kapitalwert ersetzt, erscheint diese PI"
duktion von Wert als bloße Reproduktion. Den Teil des Arbeit”
tages also, worin diese Reproduktion vorgeht, nenne ich notwendif‘
Arbeitszeit, die während derselben verausgabte Arbeit notwendig“
Arbeit.? Notwendig für den Arbeiter, weil unabhängig von de
gesellschaftlichen Form seiner Arbeit. Notwendig für das Kapit#
und seine Welt, weil das beständige Dasein des Arbeiters ihre Bas?
Die zweite Periode des Arbeitsprozesses, die der Arbeiter üb“
die Grenzen der notwendigen Arbeit hinausschanzt, kostet ibP
zwar Arbeit, Verausgabung von Arbeitskraft, bildet aber keiv®
Wert für ihn. Sie bildet Mehrwert, der den Kapitalisten mit alle?
Reiz einer Schöpfung aus Nichts anlacht. Diesen Teil des Arbeits
tages nenne ich Surplusarbeitszeit [überschüssige Arbeitszeit] u?
die in ihr verausgabte Arbeit: Mehrarbeit (surplus labour). So est
scheidend es für die Erkenntnis des Wertes überhaupt, ihn als blo®®
Gerinnung von Arbeitszeit, als bloß vergegenständlichte Arbeit, ®
entscheidend ist es für die Erkenntnis des Mehrwertes, ihn als bloß

X;

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se
3.

1
An

fe
Äk

TO

an

y -

2a In der 3. Auflage bemerkt zu dieser Stelle Engels: „Der Verfasiß
gebraucht hier die landläufige ökonomische Sprache. Man erinnert sich, 4 ,
auf Seite 129 nachgewiesen, wie in Wirklichkeit nicht der Kapitalist dem AM
beiter, sondern der Arbeiter dem Kapitalisten vorschießt“ — [nämlich de
Gebrauchswert der Arbeitskraft. K.] u
2 Wir haben bisher in dieser Schrift das Wort „notwendige Arb&amp;amp;
zeit“ angewandt für die zur Produktion einer Ware überhaupt gesellschaft] r
notwendige Arbeitszeit. Wir brauchen es von jetzt ab auch für die zur ? er
duktion der spezifischen Ware Arbeitskraft notwendige Arbeitszeit. D fl
Gebrauch derselben termini technici [Fachausdrücke] in verschieden“,
Sinn ist mißlich, aber in keiner Wissenschaft ganz zu vermeiden. Man '
gleiche zum Beispiel die höheren und niederen Teile der Mathematik.
        <pb n="214" />
        Siebtes Kapitel.
Gerinnung von Surplusarbeitszeit, als bloß vergegenständlichte Mehrbeit
 zu begreifen. Nur die Form, worin diese Mehrarbeit dem
Aumittelbaren Produzenten, dem Arbeiter, abgepreßt wird, unter-Scheidet
 die ökonomischen Gesellschaftsfiormationen, zum Beispiel
le Gesellschaft der Sklaverei//von der der Lohnarbeit.®®
ih Da der Wert des variablen Kapitals gleich ist dem Wert der von
Mm gekauften Arbeitskraft, da der Wert dieser Arbeitskraft den
"iwendigen Teil des Arbeitstages bestimmt, der Mehrwert seiner-Seits
 aber bestimmt ist durch den überschüssigen Teil des Arbeits-„808,
 so folgt: Der Mehrwert verhält sich zum variablen Kapital,
a die Mehrarbeit zur notwendigen, oder die Rate des Mehrwertes
- Mehrarbeit n 5 Y
A „Notwendige Arbeit dige Arbeit‘ Beide Proportionen drücken dasselbe Ver
P Nils in verschiedener Form aus, das eine Mal in ‚der
Arbei, Tgegenständlichter, das andere Mal in der Form flüssiger
Arbeit,
ar Die Rate des Mehrwertes ist daher der exakte [genaue] Aus-7
 °k für den Grad der Ausbeutung der Arbeitskraft durch das
“pital oder des Arbeiters durch den Kapitalisten.?%®
Ste Nach unserer Annahme war der Wert des Produkts — 410 Pfd.
ER ?l. € + 90 Pfd. Sterl. v + 90 Pfd. Sterl. m, das vorgeschossene
genial = 500 Pfd. Sterl. Da der Mehrwert — 90 und das vorden
 Lossene Kapital — 500, würde man nach der gewöhnlichen Art
( die Berechnung herausbekommen, daß die Rate des Mehrwertes
aahl man mit der Profitrate verwechselt) = 18 pZt., eine Verhältnis-»
 deren Niedrigkeit Herrn Carey und andere Harmoniker rühren

169

© Mi chedscher Genialität entdeckt Herr Wilhelm Thu-Ydideg
 en a die Bildung von Mehrwert oder Mehrprodukt,
Ad die damit verbundene Akkumulation, heutigestags der „Sparsamkeit
les Kapitalisten geschuldet, der dafür „zum Beispiel Zins verlangt“, dagegen
pauf den niedrigsten Kulturstufen . . . . die Schwächeren von den ‚Stäran
 Zur Sparsamkeit gezwungen werden“. („Die Grundlagen der National-ONomie,“
 3. Auflage, 1858, S. 78.) Zur Ersparung von Arbeit? oder nich
‚händener überschüssiger Produkte? Neben wirklicher Unwissenheit ya
w “POlogetische Scheu vor gewissenhafter Analyse des Wertes und Me T-STies,
 und etwa verfänglich-polizeiwidrigem Resultat, die einen Rose er
Ind Konsorten zwingt, die mehr oder minder einleuchtenden Rechtfertin
 Eistünde des Kapitalisten für seine Aneignung vorhandener Mehrwerte
Steh ü s Mehrwertes zu verdrehen. N
Ana Nöte zur 2. Ausgabe. Obgleich exakter Ausdruck für den Grad der
4 Deutung der Arbeitskraft, ist die Rate des Mehrwertes kein Ausdruck für
An absolute Größe der Ausbeutung. Zum Beispiel wenn die notwendige
Do beit = 5 Stunden und die Mehrarbeit = 5 Stunden, ist der Grad der Aus-5
 tung = 100 pZt.. Die Größe der Ausbeutung ist hier gemessen durch
qnden, Ist dagegen die notwendige Arbeit = 6 Stunden und die Mehrin
 ES Stunden, so bleibt der Grad der Ausbeutung von 100 pZt. unver
SS Während die Größe der Ausbeutung um 20 pZt. wächst, von 5 au
nden.
        <pb n="215" />
        170

Dritter Abschnitt

a
möchte. In der Tat aber ist die Rate des Mehrwertes nicht = €
oder En sondern = —_ also nicht 500 sondern 39 = 100 pZt
mehr als das Fünffache des scheinbaren Grades der Auf
beutung. Obgleich wir nun im gegebenen Falle die absolute Größ
des Arbeitstages nicht kennen, auch nicht die Periode des Arbeit
Prozesses (Tag, Woche usw.), endlich nicht die Anzahl der Arbeite!
die das variable Kapital von 90 Pfd. Sterl. gleichzeitig in Bewegu!
setzt, zeigt uns die Rate des Mehrwertes * qurch die Möglichke
ih Vv al . Mehrarbeit v das Verhältnis d#®
rer Umwandlung in Notwendige Arbeit 8°Nau das Verhältnis
zwei Bestandteile des Arbeitstages zueinander. Es ist 100 p@
Also arbeitete der Arbeiter die eine Hälfte des Tages für sich und
die andere für den Kapitalisten.
Die Methode zur Berechnung der Rate des Mehrwertes ist al
kurz gefaßt diese: Wir nehmen den ganzen Produktenwert u
setzen den darin nur wiedererscheinenden konstanten Kapitalwe
gleich Null. Die übrigbleibende Wertsumme ist das einzige ®
Bildungsprozeß der Ware wirklich erzeugte Wertprodukt. Ist d”
Mehrwert gegeben, so ziehen wir ihn von diesem Wertprodukt &amp;amp;
um das variable Kapital zu finden. Umgekehrt, wenn letzteres g”
geben und wir den Mehrwert suchen. Sind beide gegeben, so it
nur noch die Schlußoperation zu verrichten, das Verhältnis d®
Mehrwertes zum variablen Kapital, &amp;gt; zu berechnen. ...
So einfach die Methode, scheint es doch passend, den Leser
die ihr zugrunde liegende und ihm ungewohnte Anschauungswei®
durch einige Beispiele einzuexerzieren.
Zunächst das Beispiel einer Spinnerei von 10000 Mulespindel”
die Garn Nr. 32 aus amerikanischer Baumwolle spinnt und 1 Pfu?
Garn wöchentlich pro Spindel produziert. Der Abfall ist 6 pZt. AWO
werden 10600 Pfund Baumwolle wöchentlich in 10000 Pfund Ga
und 600 Pfund Abfall verarbeitet. Im April 1871 kostet diese Bau
wolle 7%/, Pence pro Pfund, also für 10 600 Pfund rund 342 Pfd. ster!
Die 10000 Spindeln inklusive Vorspinnmaschinerie und Dampf
maschine kosten 1 Pfd. Sterl. pro Spindel, also 10000 Pfd. Sterl. 1
jährlicher Verschleiß beträgt 10 pZt. = 1000 Pfd. Sterl, oder wöch®”
lich 20 Pfd. Sterl. Die Miete des Fabrikgebäudes ist 300 Pfd. Sterl. ode
8 Pfd. Sterl pro Woche. Kohlen (4 Pfund pro Stunde und Pferd”
kraft, auf 100 Pferdekraft [Indikator], und 60 Stunden pro woch
inklusive Heizung des Gebäudes) 11 Tonnen pro Woche, zu 8 Shi
6 Pence die Tonne, kosten rund 4'/, Pfd. Sterl. pro Woche; Gr
1 Pfd. Sterl. pro Woche, Oel 4*/„ Pfd. Sterl. pro Woche, also al
Hilfsstoffe 10 Pfd. Sterl. pro Woche. Also ist der konstante Wertl®
378 Pfd. Sterl. pro Woche. Der Arbeitslohn beträgt 52 Pfd. Ster
pro Woche. Konstantes und variables Kapital zusammen. mach“
also 378 -+ 52 = 430 Pfd. Sterl. in der Woche aus.
        <pb n="216" />
        Siebtes Kapitel.

171

510 Der Garnpreis ist 12!/, Pence pro Pfund, also für 10000 Pfund
W. Pfd. Sterl. Um den Mehrwert zu finden, müssen wir von dem
n rt des Gesamtprodukts, 510 Pfd. Sterl. das verausgabte konstante
_ Variable Kapital, 430 Pfd. Sterl. abziehen. Wir erhalten dann
378 Mehrwert 80 Pfd. Sterl. Wir setzen den konstanten Wertteil von
ni Pfd. Sterl. gleich Null, da er in der wöchentlichen Wertbildung
on mitspielt. Er wird nicht neugeschaffen, sondern nur überor
 Bleibt das wöchentliche Wertprodukt von 132 — 52 Pfd.
erl. variables Kapital -+ 80 Pfd. Sterl. Mehrwert. Die Rate des
Mehrwertes also = Se =— 153*/,, pZt. Bei zehnstündigem durch-Serittlichen
 Arbeitstag ergibt dies: Notwendige Arbeit — 3%,
Unden und Mehrarbeit — 6?/,, Stunden.
vo Jacob gibt für das Jahr 1815, bei Annahme eines Weizenpreises
do 80 Shilling pro Quarter und eines Durchschnittsertrages von
Bushels pro Acre, so daß der Acre 11 Pfd. Sterl. einbringt, folie
 durch vorherige Kompensation verschiedener Posten sehr
ängelhafte, aber für unsern Zweck genügende Rechnung.
Sa Wertproduktion pro Acre.
Dünen (Weizen)...... 1 Pfd.St. 9Sh. | Zehnten, Steuern.... 1 Pfd.St, 15h.
Arbeiter erer 2 ® 10, Rente ....:.........1 % 8
Slislohn..........38 „ 10°, Pächters Profit u. Zins1 2,
Summa. .. 7 Pfd. St. 9Sh. Summa... 3 Pfd. St. 11 Sh.
Yeaıt Mehrwert, stets unter der Voraussetzung, daß der Preis des
Rub ukts gleich ist seinem Wert, wird hier unter die verschiedenen
uns Tiken, Profit, Zins, Zehnten usw., verteilt. Diese Rubriken sind
Meng Sichgültig, Wir addieren sie zusammen und erhalten einen
für gen von 8 Pfd. Sterl. 11 Shilling. Die 8 Pfd. Sterl. 19 Shilling
Nun amen und Dünger setzen wir als konstantes Kapitalteil gleich
10 Shi Bleibt vorgeschossenes variables Kapital von 3 Pfd. Sterl.
x a ling, an dessen Stelle ein Neuwert von 3 Pfä. Sterl. 10 Shilling
m De Siem, 11 Shilling produziert worden ist. Also beträgt
Ts .Sterl. 11 Shilling .
meh, 9 PÜd. Sterl. 10 Shüling d. Sterl. 10 Shüling’ mehr als 100 pZt. Der Arbeiter verwendet
Wert als die Hälfte seines Arbeitstages zur Produktion eines Mehrnt
 68, den verschiedene Personen auf verschiedene Vorwände hin
87 sich verteilen.21

in Not . abe. Das in der ersten Ausgabe gegebene Beispiel
ner Spinnerei für das Jahr 1860 enthielt einige faktische Irrtümer. Die
Ts Text gegebenen durchaus genauen Daten sind mir von einem Manchester
etikanten geliefert. — Es ist zu bemerken, daß in England die alte Pferdeact
 Nach dem Durchschnitt des Zylinders berechnet wurde, die neue nach
%T Wirklichen Kraft zählt, die der Indikator anzeigt. . .
nä Sa Die gegebenen Rechnungen gelten nur als Mlustration. Es wird
Arlich unterstellt, daß die Preise gleich sind den Werten. Man wird im
D (ten Buch sehen, daß diese Gleichsetzung, selbst für die Durchschuitts-"Si8e,
 sich nicht in dieser einfachen Weise macht.
        <pb n="217" />
        172 Dritter Abschnif
2. Darstellung des Produktenwertes in proportionellen Teiler
des Produkts.
Kehren wir nun zum Beispiel zurück, das uns zeigte, wie de
Kapitalist aus Geld Kapital macht. Die notwendige Arbeit sein“
Spinners betrug 6 Stunden, die Mehrarbeit desgleichen, der A
beutungsgrad der Arbeitskraft daher 100 pZt. .
Das Produkt des zwölfstündigen Arbeitstages sind 20 Pfun‘
Garn zum Werte von 80 Shilling. Nicht weniger als ®/,, dieses Ga?
wertes (24 Shilling) sind gebildet durch den nur wiedererscheine?
den Wert der verzehrten Produktionsmittel (20 Pfund Baumwoll“
zu 20 Shilling, Spindel usw. zu 4 Shilling) oder bestehen aus k®
stantem Kapital. Die übrigen ?/,, sind der während des Spiz
Prozesses entstandene Neuwert von 6 Shilling, wovon eine Hälff
den vorgeschossenen Tageswert der Arbeitskraft ersetzt oder d*
variable Kapital, und die andere Hälfte einen Mehrwert v®@
3 Shilling bildet. Der Gesamtwert der 20 Pfund Garn ist also fo}
gendermaßen zusammengesetzt: Garnwert von 30 Shilling — X
Shilling konstantes + 3 Shilling variables Kapital + 38 Shillir#
Mehrwert.
Da dieser Gesamtwert sich in dem Gesamtprodukt von 20 Pfund
Garn darstellt, müssen auch die verschiedenen Wertelemente !
proportionellen Teilen des Produkts darstellbar sein.
Existiert ein Garnwert von 30 Shilling in 20 Pfund Garn, 50
°/,- dieses Wertes, oder sein konstanter Teil von 24 Shilling, %
“/.o des Produkts oder in 16 Pfund Garn. Davon stellen 131/, PfuP
den Wert des Rohmaterials dar, der versponnenen Baumwolle
20 Shilling, und 2*%/, Pfund den Wert der verzehrten Hilfsstoffe
Arbeitsmittel, Spindel usw., zu 4 Shilling.
13°'/, Pfund Garn stellen also alle im Gesamtprodukt v%
20 Pfund Garn versponnene Baumwolle vor, das Rohmaterial d®
Gesamtprodukts, aber auch weiter nichts. In ihnen stecken zw&amp;amp;
nur 13*/, Pfund Baumwolle zum Wert von 13°'/, Shilling, aber ip
zusätzlicher Wert von 62/, Shilling bildet ein Aequivalent für die ®
den andern 6%, Pfund Garn versponnene Baumwolle. Es ist, als °
letzteren Pfund Garn die Wolle ausgerupft und alle Wolle des @*
samtprodukts in 13'/, Pfund Garn zusammengestopft wäre. Sie ent
halten dagegen jetzt kein Atom des Wertes der verbrauchten Hi
stoffe und Arbeitsmittel, noch des im Spinnprozeß geschaffenen N®
wertes.
Ebenso stellen weitere 2?/, Pfund Garn, worin der Rest des ko
stanten Kapitals (— 4 Shilling) steckt, nichts dar außer den wor
der im Gesamtprodukt von 20 Pfund Garn vernutzten Hilfsstoffe
Arbeitsmittel.
"0 des Produkts, oder 16 Pfund Garn, obgleich leiblich, gl
Gebrauchswert betrachtet, als Garn, ebensosehr Gebilde der Sp}
arbeit wie die restierenden Produktteile, enthalten daher in dies”
Zusammenhang keine Spinnarbeit, keine während des Sp?
        <pb n="218" />
        Siebtes Kapitel,
Prozesses selbst eingesaugte Arbeit. Es ist, als ob sie sich olme
Spinnen in Garn verwandelt hätten und als wäre ihre Garngestalt
teiner Lug und Trug. In der Tat, wenn der Kapitalist sie verkauft
 zu 24 Shilling und damit seine Produktionsmittel zurückkauft,
zeigt Sich, daß 16 Pfund Garn — nur verkleidete Baumwolle, Spindel,
Kohle usw. sind.

173

Umgekehrt stellen die übrigbleibenden ?%/,, des Produkts oder
1 Pfund Garn jetzt nichts dar außer den im zwölfstündigen Spinn-Prozeß
 produzierten Neuwert von 6 Shilling. Was vom Wert der
Vernutzten Rohmaterialien und Arbeitsmittel in ihnen steckte, ward
bereits ausgeweidet und den ersten 16 Pfund Garn einverleibt. Die
N 20 Pfund Garn verkörperte Spinnarbeit ist konzentriert auf ?/,,
des Produkts. Es ist, als ob der Spinner 4 Pfund Garn in der
Luft gewirkt oder in Baumwolle und mit Spindeln, die ohne Zutat
Menschlicher Arbeit, von Natur vorhanden, dem Produkt keinen
Wert zusetzen.

„Von den 4 Pfund Garn, worin so das ganze Wertprodukt des
Öglichen Spinnprozesses existiert, stellt die eine Hälfte nur den
Ersatzwert der vernutzten Arbeitskraft dar, also das variable Kapital
son 8 Shilling, die andern 2 Pfund Garn nur den Mehrwert von
$ Shilling.
„Da 12 Arbeitsstunden des Spinners sich in 6 Shilling vergegen-Sändlichen,
 sind im Garnwert von 830 Shilling 60 Arbeitsstunden
Le Segenständlicht. Sie existieren in 20 Pfund Garn, wovon 8/,, oder
S Pfund die Materiatur [Verkörperung] von 48 vor dem Spinnprozeß
"Stgangenen Arbeitsstunden sind, nämlich der in den Produktiensautteln
 des Garnes vergegenständlichten Arbeit, %/,, oder 4 Pfund
,0cgen die Materiatur der im Spinnprozeß selbst verausgabten
Arbeitsstunden.
Bei Früher sahen wir, daß der Garnwert gleich der Summe des in
Der Produktion erzeugten Neuwertes plus der bereits in seinen
“Oduktionsmitteln vorher bestehenden Werte ist. Jetzt hat sich
SCzeigt, wie die funktionell oder begrifflich verschiedenen Bestand-N
 des Produktenwertes in proportionellen Teilen des Produkts
bet darstellbar sind.
duk Diese Zerfällung des Produkts — des Resultates des Pro-Pr
 lonsprozesses — in ein Quantum Produkt, das nur die in den
ieig. &amp;amp;tionsmitteln enthaltene Arbeit oder den konstanten Kapital-Res
 Sin anderes Quantum, das nur die im Produktionsprozeß ZUletzte
 Notwendige Arbeit oder den variablen Kapitalteil, und ein
M %es Quantum Produkt, das nur die im selben Prozeß zugesetzte
w rarbeit oder den Mehrwert darstellt, ist ebenso einfach als
an tig, Wie ihre spätere Anwendung auf verwickelte und noch
S8löste Probleme zeigen wird.
des Wir betrachteten eben das Gesamtprodukt als fertiges Resultat
“wölfstündigen Arbeitstages. Wir können es aber auch in seinem
        <pb n="219" />
        174

Dritter Abschnitt

Entstehungsprozeß begleiten, und dennoch die Teilprodukte al
funktionell unterschiedene Produktenteile darstellen. ,
Der Spinner produziert in 12 Stunden 20 Pfund Garn, daher #
einer Stunde 1%/, und in 8 Stunden 18*/, Pfund, also ein Teilprodukt
dessen Wert gleich dem Wert der Baumwolle, die während des ganzeb
Arbeitstages versponnen wird. In derselben Art und Weise ist da
Teilprodukt der folgenden Stunde und 36 Minuten = 2?/, Pfund Gar
und stellt daher den Wert der während der 12 Arbeitsstunden ver
nutzten Arbeitsmittel dar. Ebenso produziert der Spinner in der
folgenden Stunde und 12 Minuten 2 Pfund Garn = 3 Shilling, e®
Produktenwert gleich dem ganzen Wertprodukt, das er in 6 Stunde
notwendiger Arbeit schafft. Endlich produziert er in den letzte
"/s Stunden ebenfalls 2 Pfund Garn, deren Wert gleich dem durd
seine halbtägige Mehrarbeit erzeugten Mehrwert. Diese Art Berecl
nung dient dem englischen Fabrikanten zum Hausgebrauch, und €
wird zum Beispiel sagen, daß er in den ersten 8 Stunden oder *:
des Arbeitstages seine Baumwolle herausschlägt usw. Man sieht
die Formel ist richtig, in der Tat nur die erste Formel, überset”
aus dem Raum, wo die Teile des Produkts fertig nebeneinand“
liegen, in die Zeit, wo sie aufeinander folgen. Die Formel kanf
aber auch von sehr barbarischen Vorstellungen begleitet sell
namentlich in Köpfen, die ebenso praktisch im Verwertungsproz#
interessiert sind, als sie ein Interesse haben, ihn theoretisch mi
zuverstehen. So kann sich eingebildet werden, daß unser Spinn®
zum Beispiel in den ersten 8 Stunden seines Arbeitstages den wer!
der Baumwolle, in der folgenden Stunde und 36 Minuten den Weit
der verzehrten Arbeitsmittel, in der folgenden Stunde und 12 Minute
den Wert des Arbeitslohnes produziert oder ersetzt, und nur die viel
berühmte „letzte Stunde“ dem Fabrikherrn, der Produktion v%
Mehrwert widmet. Dem Spinner wird so das doppelte Wunder auf‘
gebürdet, Baumwolle, Spindel, Dampfmaschine, Kohle, Oel usw. ”
demselben Augenblick zu produzieren, wo er mit ihnen spinnt, und
aus einem Arbeitstag von gegebenem Intensitätsgrad fünf solch
Tage zu machen, In unserm Fall nämlich erfordert die Produkti®
des Rohmaterials und der Arbeitsmittel 4 zwölfstündige Arbeitstag
und ihre Verwandlung in Garn einen andern zwölfstündigen AT
beitstag. [Vgl. S. 149.] Daß die Raubgier solche Wunder glaubt und
nie den doktrinären Sykophanten mißt, der sie beweist, zeige nu
ein Beispiel von historischer Berühmtheit.

3. Seniors „Letzte Stunde“,
An einem schönen Morgen des Jahres 1836 wurde der weg®
seiner ökonomischen Wissenschaft und seines schönen Stils berufet®
Nassau W. Senior, gewissermaßen der Clauren unter den englisch®
Oekonomen, von Oxford nach Manchester zitiert, um hier politisch“
Oekonomie zu lernen, statt sie in Oxford zu lehren. Die Fabrikanie
arkoren ihn zum Preisfechter gegen das neulich erlassene Fabrif
        <pb n="220" />
        Siebtes Kapitel.

175

Sesetz und die darüber noch hinausstrebende Zehnstundenagitation.
Mit gewohntem praktischen Scharfsinn hatten sie erkannt, daß der
Herr Professor „wanted a good deal of finishing“ [daß ihm der letzte
Schliff fehlte]. Sie verschrieben ihn daher nach Manchester. Der
Herr Professor seinerseits hat die zu Manchester von den Fabri-Kanten
 erhaltene Lektion stilisiert in dem Schriftchen: „Letters on
Ihe Factory Act, as it affects the cotton manufacture. London 1837.“
Hier kann man unter anderm folgendes Erbauliche lesen:
„Unter dem gegenwärtigen Gesetz kann keine Fabrik, die Per-Sonen
 unter 18 Jahren beschäftigt, länger als 11*/, Stunden täglich
arbeiten, das heißt 12 Stunden während der ersten 5 Tage und
9 Stunden am Sonnabend. Die folgende Analyse (!) zeigt nun, daß
% einer solchen Fabrik der ganze Reingewinn von der letzten Stunde
abgeleitet ist. Ein Fabrikant legt 100000 Pfd. Sterl. aus —
80.000 Pfd. Sterl. in Fabrikgebäude und Maschinen, 20 000 in Roh-Material
 und Arbeitslohn. Der jährliche Umsatz der Fabrik, vor-AUsSgesetzt,
 das Kapital schlage jährlich einmal um und der Brutto-Sewinn
 beirage 15 pZt., muß sich auf Waren zum Wert von
115.000 Pid. Sterl. belaufen. ... Von diesen 115000 Pfd. Sterl. pro-Wziert
 jede der 23 halben Stunden des Arbeitstages °/,,, oder !/,;.
Mn diesen %/,., die das Ganze der 115000 Pfd. Sterl. bilden (con-„oluting
 the whole £ 115000), ersetzen ?°/,., das heißt 100000
ion den 115000, nur das Kapital; !/,, oder 5000 Pfd. Sterl. von den
0 Bruttogewinn (!) ersetzen. die Abnutzung der Fabrik und
harschinerie. Die übrigbleibenden 2/,., das heißt die beiden letzten
den Stunden jedes Tages, produzieren den Reingewinn von 10 pZt.
at ON daher bei gleichbleibenden Preisen die Fabrik 13 Stunden
nn 11%/, arbeiten dürfte, so würde, mit einer Zulage von ungefähr
al 0 Pfd. Sterl. zum zirkulierenden Kapital, der Reingewinn ‚mehr
u Verdoppelt werden. Anderseits, wenn die Arbeitsstunden täglich
we 1 Stunde reduziert würden, würde der Reingewinn verschwinden,
2 um 1!/, Stunden, auch der Bruttogewinn.“ %

aan

di * Senior in der oben angeführten Schrift, S. 12, 13. Wir gehen auf
MG für unsern Zweck gleichgültigen Sonderbarkeiten nicht ein, zum Beispiel
Me Behauptung, daß die Fabrikanten den Ersatz der‘ verschlissenen
Nechinerie usw., also eines Kapitalbestandteils, zum Gewinn, Brutto oder
Do, Schmutzig oder rein, rechnen. Auch nicht auf die Richtigkeit oder
na schheit der Zahlenangaben. Daß sie nicht mehr wert sind als die SOge-Lernte
 „Analyse“, bewies Leonhard Horner in „A Letter to Mr. Senior ete,
Uredon 1837,“ Leonhard Horner, eines der Mitglieder der Kommission zur
Tas Tsuchung der Fabrikverhältnisse von 1833 und Fabrikinspektor, in der
be Fabrikzensor, bis 1859, hat unsterbliche Verdienste um die englische Arelerklasse
 gewonnen. Außer mit den erbitterten Fabrikanten führte er
wen lebenslangen Kampf mit den Ministern, für die es ungleich wichtiger
4) die „Stimmen“ der Fabrikherren im Unterhause als die Arbeits-“üden
 der „Hände“ in der Fabrik zu zählen.
der Zusatz zur Note 32. Seniors Darstellung ist konfus, ganz abgesehen von
Falschheit ihres Inhalts. Was er eigentlich sagen wollte, war dies: Deı
        <pb n="221" />
        ‚76

Dritter Abschnitt

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Und das nennt der Herr Professor eine „Analyse“! Glaubte er
den Fabrikantenjammer, daß die Arbeiter die beste Zeit des Tages
in der Produktion, daher der Reproduktion oder dem Ersatz des
Wertes von Baulichkeiten, Maschinen, Baumwolle, Kohle usw. ver
geuden, so war jede Analyse überflüssig. Er hatte einfach zu ant
worten: Meine Herren! Wenn Ihr 10 Stunden arbeiten laßt stafl
11'/,, wird, unter sonst gleichbleibenden Umständen, der täglich®
Verzehr von Baumwolle, Maschinerie usw. um 1'/, Stunden ab
nehmen. Ihr gewinnt also gerade soviel als Ihr verliert. Eure Ar
beiter werden in Zukunft 1!/, Stunden weniger für Reproduktion ode!
Ersatz des vorgeschossenen Kapitalwertes vergeuden. Glaubte er ihne)
hicht aufs Wort, sondern hielt als Sachverständiger eine Analyse für
nötig, so mußte er vor allem, in einer Frage, die sich ausschließlich
um das Verhältnis des Reingewinns zur Größe des Arbeitstage®
dreht, die Herren Fabrikanten ersuchen, Maschinerie und Fabrik
gebäude, Rohmaterial und Arbeit nicht kunterbunt durcheinande!
zu wirren, sondern gefälligst das in Fabrikgebäude, Maschinerl®
Rohmaterial usw. enthaltene konstante Kapital auf die eine, das ®
Arbeitslohn vorgeschossene Kapital auf die andere Seite zu stelle?
Ergab sich dann etwa, daß nach der Fabrikantenrechnung der A
beiter in 2%, Arbeitsstunden, oder in 1 Stunde, den Arbeitslob®
reproduziert oder ersetzt, so hatte der Analytiker fortzufahren:
Nach Eurer Angabe produziert der Arbeiter in der vorletzte?
Stunde seinen Arbeitslohn und in der letzten Euren Mehrwert ode!
den Reingewinn. Da er in gleichen Zeiträumen gleiche Werte pr"
duziert, hat das Produkt der vorletzten Stunde denselben Wert wie
das der letzten. Er produziert ferner nur Wert, soweit er Arbeit
verausgabt, und das Quantum seiner Arbeit ist gemessen durch seiP®
Arbeitszeit. Diese beträgt nach Eurer Angabe 11'/, Stunden p!*
Tag. Einen Teil dieser 11'/, Stunden verbraucht er zur Produktio®
oder zum Ersatz seines Arbeitslohnes, den andern zur Produktio?
Eures Reingewinnes. Weiter tut er nichts während des Arbeitstage®

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Fabrikant beschäftigt die Arbeiter täglich 11!/2 oder %/; Stunden. Wie de!
einzelne Arbeitstag, so besteht die Jahresarbeit aus 11!/2 oder ?%/, Stunde”
(multipliziert mit der Anzahl der Arbeitstage während des Jahres). Dies vor‘
ausgesetzt, produzieren die 2%, Arbeitsstunden das Jahresprodukt v®
115000 Pfd. Sterl.; 1/3 Arbeitsstunde produziert !/2s X 115000 Pfa. Sterl;
"/a Arbeitsstunden produzieren *%/24 X 115000 Pfd. Sterl. = 100000 P!*
Sterl., das heißt sie ersetzen nur das vorgeschossene Kapital. Bleibe
“a Arbeitsstunden, die %3 X 115000 Pfd. Sterl. — 15000 produzieren, 9?
heißt den Brutiogewinn. Von diesen % Arbeitsstunden produziert */a A}
beitsstunde */z X 115000 Pfd. Sterl. = 5000 Pfd. Sterl., das heißt sie prod
ziert nur den Ersatz für den Verschleiß der Fabrik und der Maschinerl®
Die letzten zwei halben Arbeitsstunden, das heißt die letzte Arbeitsstund“
produziert ”/23 X 115 000 Pfd. Sterl. = 10000 Pfd. Sterl., das heißt den Net”
profit, Im Text verwandelt Senior die letzten ?/23 des Produkts in Teile d®
Arbeitstages selbst.

En

I,
        <pb n="222" />
        Siebtes Kapitel.

177

Da aber, nach Angabe, sein Lohn und der von ihm gelieferte Mehr-Vert
 gleich große Werte sind, produziert er offenbar seinen Arbeitsohn
 in 5%/, Stunden und Euren Reingewinn in andern 5%/, Stunden.
Da ferner der Wert des zweistündigen Garnprodukts gleich der
Wertsumme seines Arbeitslohnes plus Eures Reingewinnes ist, muß
lieser Garnwert durch 11!/, Arbeitsstunden gemessen sein, das Produkt
 der vorletzten Stunde durch 5%/, Arbeitsstunden, das der letzten
ltto, Wir kommen jetzt zu einem häklichen Punkt. Also aufgepaßt!
Die Vorletzte Arbeitsstunde ist eine gewöhnliche Arbeitsstunde wie
lie erste. Nicht mehr und nicht weniger. Wie kann der Spinner
daher in 1 Arbeitsstunde einen Garnwert produzieren, der 5%, Arbeitsstunden
 darstellt? Er verrichtet in der Tat kein solches Wunder.
Was er in einer Arbeitsstunde an Gebrauchswert produziert,
St ein bestimmtes Quantum Garn. Der Wert dieses Garnes ist
Semessen durch 5%, Arbeitsstunden, wovon 4°, ohne sein Zutun
NR den stündlich verzehrten Produktionsmitteln stecken, in Baum-Wolle,
 Maschinerie uswW., */, oder 1 Stunde von ihm selbst zu-5CSe{zt
 ist. Da also sein Arbeitslohn in 5%, Stunden produziert wird
Ind das Garnprodukt einer Spinnstunde ebenfalls 5%/, Arbeitsstunden
Su lhält, ist es durchaus keine Hexerei, daß das Wertprodukt seiner
/ı Spinnstunden gleich dem Produktenwert von 1 Spinnstunde. ‚Ihr
Seid aber durchaus auf dem Holzwege, wenn Ihr meint, er verliere
Sin einziges Zeitatom seines Arbeitstages mit der Reproduktion
pie dem „Ersatz“ der Werte von Baumwolle, Maschinerie usw.
adurch, daß seine Arbeit aus Baumwolle und Spindel Garn macht,
Sadurch, daß er spinnt, geht der Wert von Baumwolle und Spindel
von Selbst auf das Garn über. Es ist dies der Qualität seiner Arbeit
S°Schuldet, nicht ihrer Quantität. Allerdings wird er in 1 Stunde
ehr Baumwollwert usw. auf Garn übertragen als in */, Stunde, aber
Dan, Weil er in 1 Stunde mehr Baumwolle verspinnt als in 1... Ihr
1. Steift also: Euer Ausdruck, der Arbeiter produziert in der vor-Rzten
 Stunde den Wert seines Arbeitslohnes und in der letzten den
&amp;gt; Ogewinn, heißt weiter nichts, als daß in dem Garnprodukt von
1 ünden seines Arbeitstages, ob sie vorn oder hinten stehen,
gel Arbeitsstunden verkörpert sind, gerade soviel Stunden, als
Sanzer Arbeitstag zählt. Und der Ausdruck, daß er in den
de ©n 5%, Stunden seinen Arbeitslohn und in den letzten 5%/, Stundie
 Euren Reingewinn produziert, heißt wieder nichts, als daß Ihr
(ch Srsten 5%/, Stunden zahlt und die letzten 5%/, Stunden nicht zahlt.
K Spreche von Zahlung der Arbeit, statt der Arbeitskraft, um Euer
ha STwelsch zu reden. Vergleicht Ihr Herren nun das „Veran
 der Arbeitszeit, die Ihr zahlt, zur Arbeitszeit, die Ihr nicht
als lt, so werdet Ihr finden, daß es halber Tag zu halbem Tag ‚ist,
au 100 PZt., was allerdings ein artiger Prozentsatz. Es unterliegt
ar Nicht dem geringsten Zweifel, daß, wenn Ihr Eure „Hände
Sin 114, Stunden 13 abschanzt und, was Euch so ähnlich sieht, wie
Ei dem andern, die überschüssigen. 1'/, Stunden zur bloßen
Das Kapital, 1 192
        <pb n="223" />
        178

Dritter Abschnit

Mehrarbeit schlagt, letztere von 5%, Stunden auf 71, Stunden. wad
sen wird, die Rate des Mehrwertes daher von 100 pZt. auf 126?/,, p
Dagegen seid Ihr gar zu tolle Sanguiniker, wenn Ihr hofft, sie wer&amp;amp;
durch den Zusatz von 1'/, Stunden von 100 auf 200 pZt. und gu
mehr als 200 pZt. steigen, das heißt sich „mehr als verdoppeln
Anderseits — des Menschen Herz ist ein wunderlich Ding, namen!
lich wenn der Mensch sein Herz im Beutel trägt — seid Ihr g*
zu verrückte Pessimisten, wenn Ihr fürchtet, mit der Reduktion de
Arbeitstages von 11*/, auf 10'/, Stunden werde Euer ganzer Reit
gewinn in die Brüche gehen. Beileibe nicht. Alle andern Umständ‘
als gleichbleibend vorausgesetzt, wird die Mehrarbeit von 5%, a
4*/, Stunden fallen, was immer noch eine ganz erkleckliche Rate d*
Mehrwertes gibt, nämlich 82!4/,, pZt. Die verhängnisvolle „Letzt
Stunde“ aber, von der Ihr mehr gefabelt habt als die Chiliasten vo
Weltuntergang, ist leeres Geschwätz. Ihr Verlust wird weder Eud
den „Reingewinn‘“ noch den von Euch verarbeiteten Kindern b#
derlei Geschlechts die „Seelenreinheit“ kosten.?2

2 Wenn Senior bewies, daß an „der letzten Arbeitsstunde“ der Reif‘
gewinn der Fabrikanten, die Existenz der englischen Baumwollindust!“
Englands Weltmarktgröße hängen, bewies dahinwiederum Dr. Andrew U”
obendrein, daß Fabrikkinder und junge Personen unter 18 Jahren, welch
man nicht volle 12 Stunden in die warme und reine Moralluft der Fabil”
stube bannt, sondern „eine Stunde“ früher in die gemütskalte und frivol
Außenwelt verstößt, von Müßiggang und Laster um ihr Seelenheil gepre
werden. Seit 1848 werden die Fabrikinspektoren nicht müde, in ihren halt’
jährlichen „Reports“ [Berichten] die Fabrikanten mit „der letzten“, der „vr
hängnisvollen Stunde“ zu necken. So sagt Herr Howell in seinem Fabill
bericht vom 31. Mai 1855: „Wäre die folgende scharfsinnige Berechnung (0
zitiert Senior) richtig, so hätte jede Baumwollfabrik im Vereinigten Königreit
3eit 1850 mit Verlust gearbeitet.“ („Reports of the Inspection of Faetories 1
Ihe half year ending 30th April 1855“, p. 19, 20.) Als im Jahre 1848 I
Zehnstundengesetz durchs Parlament ging, zwangen die Fabrikanten einig’
Arbeiter in den ländlichen, zwischen den Grafschaften Dorset und Some!“
zerstreut liegenden Flachsspinnereien zu einer Gegenpetition, worin es unt®
anderm heißt: „Eure Bittsteller, Eltern, glauben, daß eine zusätzliche Muß
stunde weiter keinen Erfolg haben kann, als die Demoralisation ie
Kinder, denn Müßiggang ist allen Lasters Anfang.“ Hierzu bemerkt 9%
Fabrikbericht vom 381. Oktober 1848: „Die Atmosphäre der Flach‘
spinnereien, worin die Kinder dieser tugendhaft-zärtlichen Eltern arbeit®®
ist geschwängert mit so unzähligen Staub- und Faserpartikelchen des R° g
materials, daß es außerordentlich unangenehm ist, auch nur 10 Minul®
in den Spinnstuben zuzubringen, denn ihr könnt das nicht ohne die po
Kchste Empfindung, indem Auge, Ohr, Nasenlöcher und Mund sich so
füllen mit Flachsstaubwolken, vor denen kein Entrinnen ist. Die Arbel
selbst erheischt, wegen der Fieberhast der Maschinerie, rastlosen AufWil,
von Geschick und Bewegung, unter der Kontrolle nie ermüdender Aufme 4
samkeit, und es scheint etwas hart, Eltern den Ausdruck „Faulenzerei” A
die eigenen Kinder anwenden zu lassen, die, nach Abzug der Essens?
10 volle Stunden an solche Beschäftigung, in einer solchen Atmosphär® 5
schmiedet sind. ... Diese Kinder arbeiten länger als die Ackerknecht®

A-16


a:
        <pb n="224" />
        Siebtes Kapitel.

179

Wenn einmal Euer „letztes Stündlein“ wirklich schlägt, denkt
4 den Professor von Oxford. Und nun: In einer besseren Welt
Yünsch’ ich mir mehr von Eurem werten Umgang. Addio!...% Das
10 val der von Senior 1836 entdeckten „letzten Stunde“ ward am
5. April 1848, polemisch gegen das Zehnstundengesetz, von James
n ilson, einem der ökonomischen Hauptmandarine, im „London
COnomist“ von neuem geblasen.

4. Das Mehrprodukt.
G Den Teil des Produkts (*/,, von 20 Pfund Garn oder 2 Pfund
nm in dem Beispiel sub 2), worin sich der Mehrwert darstellt,
R Ken wir Mehrprodukt (surplus produce, produit net). Wie die
äate des Mehrwertes durch sein Verhältnis nicht zur Gesamtsumme.

len Nachbardörfern. ... Solch liebloses Gekohl über „Müßiggang „und
Laster“ muß als die reinste Salbaderei und die schamloseste Heuchelei getandmarkt
 werden. ... Der Teil des Publikums, der vor ungefähr zwölf
Jahren auffuhr über die Zuversicht, womit man öffentlich und ganz ernsthaft
PTOklamierte, unter der Sanktion hoher Autorität, daß der ganze „Rein-Sewinn“
 des Fabrikanten aus „der letzten Stunde“ Arbeit fließt, und daher
die Reduktion des Arbeitstages um eine Stunde den Reingewinn ver-Kchtet;
 dieser Teil des Publikums, sagen wir, wird kaum seinen Augen
Taten, wenn er nun findet, daß die Originalentdeckung über die Tugenden
der »letzten Stunde“ seitdem so weit verbessert worden ist, „Moral“ und
„Profit“ gleichmäßig einzuschließen; so daß, wenn‘ die Dauer der Kinderbeit
 auf volle 10 Stunden reduziert wird, die Moral der Kinder zugleich
fe dem Nettogewinn ihrer Anwender flöten geht, beide abhängig von dieser
31 ten, dieser verhängnisvollen Stunde.“ („Reports:of Insp. of Fact. for
St October 1848“, p. 101.) Derselbe Fabrikbericht gibt dann Proben von der
PMoral“ und „Tugend“ dieser Herren Fabrikanten, von den Schlichen, Pfiffen,
weekungen, Drohmitteln, Fälschungen usw., die sie anwandten, um von
 nigen ganz verwahrlosten Arbeitern dergleichen Petitionen unterzeichnen
© Machen, um sie dann als Petitionen eines ganzen Industriezweiges, ganzer
es Uschaften dem Parlament aufzubinden. — Höchst charakteristisch bleibt
dag den heutigen Stand der sogenannten ökonomischen „Wissenschaft s
Be: Weder Senior selbst, der später zu seiner Ehre energisch für die Fabrikdie
 gebung auftrat, noch seine ursprünglichen und späteren Widersacher,
ap Trugschlüsse der „Originalentdeckung“ aufzulösen wußten. en
Myaererten an die tatsächliche Erfahrung. Das Warum und Wieso blieb
l1um.
Au “* Indes hatte der Herr Professor doch etwas bei seinem Manchester
zewdug Profßitiert! In den „Letters on the Factory Act“ hängt der ganze Rein-Arbeit
 „Profit“ und „Zins“ und sogar „etwas mehr“ an einer unbezahlten
Oxt Sisstunde des Arbeiters! Ein Jahr zuvor, in seinen zum Gemeinbesten
Re °Tder Studenten und gebildeter Philister verfaßten „Outlines of Political
Arge my““ hatte er noch gegenüber Ricardos Wertbestimmung durch die
der iSzeit „entdeckt“, daß der Profit aus der Arbeit des Kapitalisten und
Ya Zins aus seiner Asketik, seiner „Abstinenz“, herstamme. Die Flause selbst
dur, alt, aber das Wort „Abstinenz“ neu, Herr Roscher verdeutscht es richtig
Wo »Enthaltung“, Seine minder mit Latein beschlagenen Kompatrioten,
16, Schulzen und andere Michels, haben es in „Entsagung“ vermöncht.
        <pb n="225" />
        180

Dritter Abschnitt

sondern zum variablen Bestandteil des Kapitals bestimmt wird, ©
die Höhe des Mehrprodukts durch sein Verhältnis nicht zum Ref
des Gesamtprodukts, sondern zum Produktteil, worin sich die not
wendige Arbeit darstellt. Wie die Produktion von Mehrwert de!
bestimmende Zweck der kapitalistischen Produktion, so mißt nich!
die absolute Größe des Produkts, sondern die relative Größe de‘
Mehrprodukts den Höhegrad des Reichtums.?*
Die Summe der notwendigen Arbeit und der Mehrarbeit, de
Zeitabschnitte, worin der Arbeiter den Ersatzwert seiner Arbeit*
kraft und den Mehrwert produziert, bildet die absolute Größe sein®
Arbeitszeit — den Arbeitstag (working day).

Achtes Kapitel.
Der Arbeitstag.

li. Die Grenzen des Arbeitstages,
Wir gingen von der Voraussetzung aus, daß die Arbeitskraf
zu ihrem Werte gekauft und verkauft wird. Ihr Wert, wie der jed®
andern Ware, wird bestimmt durch die zu ihrer Produktion nötig
Arbeitszeit, Erheischt also die Produktion der durchschnittlich®
täglichen Lebensmittel des Arbeiters 6 Stunden, so muß er I?

*4 „Für ein Individuum mit einem Kapital von 20 000 Pfd. Sterl., dess®
Profite 2000 Pfd. Sterl. jährlich betragen, wäre es ein durchaus gleichgültl
Ding, ob sein Kapi:al 100 oder 1000 Arbeiter beschäftigt, ob die produziert®
Waren sich zu 10000 oder 20 000 P{d. Sterl. verkaufen, immer vorausgeset%
daß seine Profite in allen Fällen nicht unter 2000 Pfd, Sterl. fallen. Ist de
wirkliche Interesse einer Nation nicht dasselbe? Vorausgesetzt ihr wir!
liches Reineinkommen, ihre Renten und Profite bleiben dieselben, so ist N
3icht von der geringsten Wichtigkeit, ob die Nation aus 10 oder 12 Million®
Einwohnern besteht.“ (Ricardo: „The Principles of Political Economy, 3rd © i
London 1821“, p. 416.) [Vergl. David Ricardo: „Grundgesetze der Volkswir
schaft“, übersetzt von Dr. Ed. Baumstark. 2. Auflage. Leipzig 1877, S. 816
Lange vor Ricardo sagte der Fanatiker des Mehrprodukts, Arthur Young, © ,
Äbrigens schwatzschweifiger, kritikloser Schriftsteller, dessen Ruf in u
zekehrtem Verhältnis zu seinem Verdienst steht, unter anderm: „VO
welchem Nutzen würde in einem modernen Königreich eine ganze ProVn
sein, deren Boden in altrömischer Manier, von kleinen, unabhängigen Bau®
meinetwegen noch so gut bebaut würde? Von welchem Zwecke, außer _
einzigen, Menschen zu erzeugen („the mere purpose of breeding men“); To
an und für sich gar keinen Zweck hat“ („is a most useless purpos®
(Arthur Young: „Political Arithmetic etc. London 1774“, p. 47.) at
Zusatz zur Note 34. Hopkins macht die richtige Bemerkung: „Sonderb”
ist die starke Neigung, den Ueberschuß von Reichtum (net wealth) als U
;eilhaft für die Arbeiterklasse hinzustellen, weil er ihr erlaubt, zu arbeit a
Aber wenn er dies bewirkt, rührt dies offenbar nicht davon her, daß oD
einen Ueberschuß bildet.“ (Th. Hopkins: „On Rent of Land etc. Lond
1823“, p. 126.)
        <pb n="226" />
        it

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Achtes Kapitel,

181

Durchschnitt 6 Stunden pro Tag arbeiten, um seine Arbeitskraft
öglich zu produzieren oder den in ihrem Verkauf erhaltenen Wert
© Yeproduzieren. Der notwendige Teil seines Arbeitstages beträgt
an 6 Stunden, und ist daher, unter sonst gleichbleibenden
Mständen, eine gegebene Größe. Aber damit ist die Größe des
Artbeitstages selbst noch nicht gegeben.
Nehmen wir an, die Linie A stelle die Dauer
Mer Länge der notwendigen Arbeitszeit vor, sage 6 Stunden. Je
wc hdem die Arbeit über ab um 1, 3 oder 6 Stunden usw. ver-Ängert
 wird, erhalten wir die drei verschiedenen Linien:
Arbeitstag I Arbeitstag II
A be a b c
KUFEFEAFSKENENN KETTE ETEKANENN
Arbeitstag III
a b c
a SEAT
on drei verschiedene Arbeitstage von 7, 9 und 12 Stunden vorvor
 ©n. Die Verlängerungslinie bc stellt die Länge der Mehrarbeit
der Da der Arbeitstag — ab + b c oder ac ist, wechselt er mit
on Variablen Größe be. Da ab gegeben ist, kann das Verhältnis
ta be zu ab stets gemessen werden. Es beträgt in Arbeits-N
 I 1. in Arbeitstag II */, und in Arbeitstag III %, von ab.
a fe ; . Mehrarbeitszeit . n
wert Tner SS Froportion Notwendige Arbeitszeit die Rate des Mehr
Sie nn ‚bestimmt, ist letztere gegeben durch jenes Verhältnis.
50 eträgt in den drei verschiedenen Arbeitstagen respektive 16%,
an 100 pZt. Umgekehrt würde die Rate des Mehrwertes allein
lei Nicht die Größe des Arbeitstages geben. Wäre sie zum Beispiel
sbün 100 pZt, so könnte der Arbeitstag acht-, zehn-, zwölfdes
 1g usw. sein. Sie würde anzeigen, daß die zwei Bestandteile
sing Arbeitstages, notwendige Arbeit und Mehrarbeit, gleich groß
» aber nicht wie groß jeder dieser Teile.
SP Arbeitstag ist also keine konstante, sondern eine variable
tände, Einer seiner Teile ist zwar bestimmt durch die zur beaber
 ‘gen Reproduktion des Arbeiters selbst erheischte Arbeitszeit,
Meh Seine Gesamtgröße wechselt mit der Länge oder Dauer der
sich Tarbeit. Der Arbeitstag ist daher bestimmbar, aber an und für
unbestimmt.
ürag gleich nun der Arbeitstag keine feste, sondern eine fließende
Arien Ist, kann er anderseits nur innerhalb gewisser Schranken
bar. Asp sich ändern]. Seine Me ara ist U umbestmm
ings, setzen wir die Verlängerungslinie b c, oder die Mehr-Ka
 |
ein.« ” rbeitstag ist eine unbestimmte Bezeichnung, er kann lang oder kurz
Taxatı („An Essay on Trade and Commerce, containing Observations on
90 etc, London 1770“, p. 78.)
        <pb n="227" />
        89

Dritter Abschnitl

arbeit, gleich Null, so erhalten wir eine Minimalschranke, nämlich de!
Teil des Tages, den der Arbeiter notwendig zu seiner Selbsterhal
tung arbeiten muß. Auf Grundlage der kapitalistischen Produktions
weise kann die notwendige Arbeit aber immer nur einen Tel
seines Arbeitstages bilden, der Arbeitstag sich also nie auf die‘
Minimum verkürzen. Dagegen besitzt der Arbeitstag eine Maximal
schranke. Er ist über eine gewisse Grenze hinaus nicht verlänger‘
bar. Diese Maximalschranke ist doppelt bestimmt. Einmal durch
die physische Schranke der Arbeitskraft. Ein Mensch kann währen‘
des natürlichen Tages von 24 Stunden nur ein bestimmtes Quantuf
Lebenskraft verausgaben. So kann ein Pferd tagaus, tagein nu
8 Stunden arbeiten. Während eines Teiles des Tages muß die Kraf
ruhen, schlafen, während eines andern Teiles hat der Mensch ander®
physische Bedürfnisse zu befriedigen, sich zu nähren, reinige»
kleiden usw. Außer dieser rein physischen Schranke stößt die Ver
längerung des Arbeitstages auf moralische Schranken. Der Arbeiter
braucht Zeit zur Befriedigung geistiger und sozialer Bedürfniss®
deren Umfang und Zahl durch den allgemeinen. Kulturzustand b®
stimmt sind. Die Variation des Arbeitstages: bewegt sich dabel
innerhalb physischer und sozialer Schranken. Beide Schranken sind
aber sehr elastischer Natur und erlauben den größten Spielraum
So finden wir Arbeitstage von 8, 10, 12, 14, 16, 18 Stunden, also vo?
ler verschiedensten Länge.
Der Kapitalist hat die Arbeitskraft zu ihrem Tageswert gekauft
Ihm gehört ihr Gebrauchswert während eines Arbeitstages. Er ha!
also das Recht erlangt, den Arbeiter während eines Tages für sic
arbeiten zu lassen. Aber was ist ein Arbeitstag ?®® Jedenfalß
weniger als ein natürlicher Lebenstag. Um wieviel? Der Kapitalis
hat seine eigene Ansicht über dies ultima Thule [diese äußerst®
Grenze], die notwendige Schranke des Arbeitstages. Als Kapitalis
ist er nur personifiziertes Kapital. Seine Seele ist die Kapitalseel®
Das Kapital hat aber einen einzigen Lebenstrieb, den Trieb, sich 79
verwerten, Mehrwert zu schaffen, mit seinem konstanten Teil, de
Produktionsmitteln, die größtmögliche Masse Mehrarbeit einzt
saugen.” Das Kapital ist verstorbene Arbeit, die sich nur vampi”
mäßig belebt durch Einsaugung lebendiger Arbeit, und um so mel
lebt, je mehr sie davon einsaugt. Die Zeit, während deren d#
Arbeiter arbeitet, ist die Zeit, während deren der Kapitalist die vo

%6 Diese Frage ist unendlich wichtiger als die berühmte Frage Sn
Robert Peels an die Birminghamer Handelskammer: „Was ist ein Pful
(Sterling) ?“ eine Frage, die nur gestellt werden konnte, weil Peel über &amp;amp;
Natur des Geldes ebenso unklar war als die »„Jttle shilling men“ [kleine
Schillingleute] von Birmingham. al
37 „Ps ist die Aufgabe des Kapitalisten, mit dem verausgabten Kapit
die größtmöglichste Summe Arbeit herauszuschlagen.“ (J. G. Courcellt
Seneuil: „Traite th&amp;amp;orique et pratique des entreprises industrielles. 28me 6
Paris 1857“, p. 63.)
        <pb n="228" />
        Achtes Kapitel,

183

hm gekaufte Arbeitskraft konsumiert. Konsumiert der Arbeiter
cine disponible Zeit für sich selbst, so bestiehlt er den Kapi-'alisten
 29

Der Kapitalist beruft sich also auf das Gesetz des Waren-AWstausches.
 Er, wie jeder andere Käufer, sucht den größtmöglichen
Nutzen aus dem Gebrauchswert seiner Ware herauszuschlagen.
"lötzlich aber erhebt sich die Stimme des Arbeiters, die im Sturm
nd Drang des Produktionsprozesses verstummt war:
Die Ware, die ich dir verkauft habe, unterscheidet sich von
dem andern Warenpöbel dadurch, daß ihr Gebrauch Wert schafft
Md größeren Wert als sie selbst kostet. Dies war der Grund, warum
du sie kauftest. Was auf deiner Seite als Verwertung von Kapital
scheint, ist auf meiner Seite überschüssige Verausgabung von
Arbeitskraft. Du und ich kennen auf dem Marktplatz nur ein Gesetz,
las des Warenaustausches. Und der Konsum der Ware gehört nicht
lem Verkäufer, der sie veräußert, sondern dem Käufer, der sie er-Wirbt.
 Dir gehört daher der Gebrauch meiner täglichen Arbeits-\Taft,
 Aber vermittels ihres täglichen Verkaufspreises muß ich sie
glich reproduzieren und daher von neuem verkaufen können. Ab-Seschen
 von dem natürlichen Verschleiß durch Alter usw., muß ich
ähig Sein, morgen mit demselben Normalzustand von Kraft, Ge-Undheit
 und Frische zu arbeiten wie heute. Du predigst mir beändig
 das Evangelium der „Sparsamkeit“ und „Enthaltung“. Nun
ut! Ich will wie ein vernünftiger, sparsamer Wirt mein einziges
Vermögen, die Arbeitskraft, haushalten und mich jeder tollen Verhwendung
 derselben enthalten. Ich will täglich nur so viel von
dr flüssig machen, in Bewegung, in Arbeit umsetzen, als sich mit
her Normaldauer und gesunden Entwicklung verträgt. Durch maß-„S®
 Verlängerung des Arbeitstages kannst du in einem Tage ein
ößeres Quantum meiner Arbeitskraft flüssig machen, als ich in
lei Tagen ersetzen kann. Was du so an Arbeit gewinnst, verliere
N än Arbeitssubstanz. Die Benutzung meiner Arbeitskraft und
. Beraubung derselben sind ganz verschiedene Dinge. Wenn
%o Durchschnittsperiode, die ein Durchschnittsarbeiter bei ver-Tünftigem
 Arbeitsmaß leben kann, 30 Jahre beträgt, ist der Wert
Meiner Arbeitskraft, den du mir einen Tag in den andern zahlst,

—

Schag, „Der Verlust einer Arbeitsstunde täglich bedeutet einen ungeheuren
Lan d ©n für einen Handelsstaat,“ „Unter den arbeitenden Armen dieses
lem + herrscht ein sehr großer Konsum von Luxusartikeln, besonders unter
rerha abrikpöbel; dabei verbrauchen sie auch ihre Zeit, und das ist die
Con, ae uisvollste Verschwendung.“ („An Essay on Trade and Commerce.
U 1770“, p. 47, 158.)
Dchau »Wenn der freie Arbeiter sich nur einen Augenblick der Ruhe gönnt,
ol gt als die filzige Oekonomie, die ihn mit argwöhnischen Blicken ver-767%
 AS sei Diebstahl.“ (N. Linguet: „Theorie des Lois Civiles ete. London
&amp;gt; Vol. II, p. 466.)
        <pb n="229" />
        [84

Dritter Abschnitt

5 oder */, 9950 ihres Gesamtwertes. Konsumierst du sie abe!
in 10 Jahren, so zahlst du mir täglich "0050 Statt !og,, ihres
Gesamtwertes, also nur ?/, ihres Tageswertes, und stiehlst mir
daher täglich ?/, des Wertes meiner Ware. Du zablst mir eintägige
Arbeitskraft, wo du dreitägige verbrauchst. Das ist wider unserm
Vertrag und das Gesetz des Warenaustausches. Ich verlange als?
einen Arbeitstag von normaler Länge, und ich verlange ihn ohne
Appell an dein Herz; denn in Geldsachen hört die Gemütlichkeit auf
Du magst ein Musterbürger sein, vielleicht Mitglied des Vereins zur
Abschaffung der Tierquälerei und obendrein im Geruch der Heilig
keit stehen, aber dem Ding, das du mir gegenüber repräsentierst
schlägt kein Herz in seiner Brust. Was darin zu pochen scheint, is!
mein eigener Herzschlag. Ich verlange den Normalarbeitstag, weil
ich den Wert meiner Ware verlange, wie jeder andere Verkäufer.“
Man sieht: von ganz elastischen Schranken abgesehen, ergibt
sich aus der Natur des Warenaustausches selbst keine Grenze des
Arbeitstages, also keine Grenze der Mehrarbeit. Der Kapitalist behauptet
 sein Recht als Käufer, wenn er den Arbeitstag so lang wie
möglich und womöglich aus einem Arbeitstag zwei zu machen sucht
Anderseits schließt die spezifische Natur der verkauften Ware ein®
Schranke ihres Konsums durch den Käufer ein, und der Arbeiter
dehauptet sein Recht als Verkäufer, wenn er den Arbeitstag auf eip®
bestimmte Normalgröße beschränken will. Es findet hier also ein®
Antinomie [ein Widerstreit von Gesetzen] statt, Recht wider Recht
beide gleichmäßig durch das Gesetz des Warenaustausches besiegelt
Zwischen gleichen Rechten entscheidet die Gewalt. ‘ Und so stellt
sich in der Geschichte der kapitalistischen Produktion die Normie
rung des Arbeitstages als Kampf um die Schranken des Arbeitstag®®
dar — ein Kampf zwischen dem Gesamtkapitalisten, das heißt de!
Klasse der Kapitalisten, und dem Gesamtarbeiter, oder der Ar
beiterklasse,

2. Der Heißhunger nach Mehrarbeit, Fabrikant und Bojar-Das
 Kapital hat die Mehrarbeit nicht erfunden. Ueberall, W°
ein Teil der Gesellschaft das Monopol der Produktionsmittel b®
sitzt, muß der Arbeiter, frei oder unfrei, der zu seiner Selbst
erhaltung notwendigen Arbeitszeit überschüssige Arbeitszeit ur
setzen, um die Lebensmittel für den Eigner der Produktionsmitf®

40 Während des großen Streiks der Londoner Bauarbeiter, 1860/61, zu
Verkürzung des Arbeitstages auf 9 Stunden, veröffentlichte ihr Komitee ein“
Erklärung, die halb und halb auf das Plädoyer unseres Arbeiters hinau”
läuft. Die Erklärung spielt nicht ohne Ironie darauf an, daß der Proß ;
wütigste der Baumeister — ein gewisser Sir M. Peto — im „Geruch d%
Heiligkeit“ stehe. (Zusatz zur 2. Aufl. Derselbe Peto ward später berüh®
Jurch seinen riesenhaften Bankerott.)
        <pb n="230" />
        Achtes Kapitel. .

185

u Produzieren,“ sei dieser Eigentümer nun atheniensischer Kalos
© Agathos [Aristokrat], etruskischer Theokrat [herrschender Priester],
“Wis romanus [römischer Bürger], normännischer Baron, amerikascher
 Sklavenhalter, walachischer Bojar, moderner Landlord
(Grundbesitzer] oder Kapitalist.**? Indes ist klar, daß, wenn in
ner ökonomischen Gesellschaftsformation nicht der Tausch-Wert,
 sondern der Gebrauchswert des Produkts vorwiegt, die
Mehrarbeit durch einen engeren oder weiteren Kreis von Belürfnissen
 beschränkt ist, aber kein schrankenloses Bedürfnis nach
„Ohrarbeit aus dem Charakter der Produktion selbst entspringt.
a'setzlich zeigt sich daher im Altertum die Ueberarbeit, wo es gilt,
\ Tauschwert in seiner selbständigen Geldgestalt zu gewinnen, in
SE Produktion von Gold und Silber. Gewaltsames zu Tod arbeiten
Di hier die offizielle Form der Ueberarbeit. Man lese nur den
5 Odorus Siculus.** Doch sind dies Ausnahmen in der alten Welt.
pobald aber Völker, deren Produktion sich noch in den niedrigeren
„men der Sklavenarbeit, Fronarbeit usw. bewegt, hineingezogen
erden in einen durch die kapitalistische Produktionsweise beun
 Schten Weltmarkt, der den Verkauf ihrer Produkte ins Ausland
nn vorwiegenden Interesse entwickelt, wird den barbarischen
1 er ueln der Sklaverei, Leibeigenschaft usw. der zivilisierte Greuel
den Veberarbeit aufgepfropit. Daher bewahrte die Negerarbeit in
N südlichen Staaten der amerikanischen Union einen gemäßigt
uFiarchalischen Charakter, solange die Produktion hauptsächlich
ab den unmittelbaren Selbstbedarf gerichtet war. In dem Grade
- wie der Baumwollexport zum Lebensinteresse jener Staaten,
On die Ueberarbeitung des Negers, hier und da die Konsumtion
m ar Lebens in sieben Arbeitsjahren, Faktor eines berechneten
at rechnenden Systems. Es galt nicht mehr, eine gewisse Masse
Pro er Produkte aus ihm herauszuschlagen. Es galt nun der
um uktion des Mehrwertes selbst. Aehnlich mit der Fronarbeit,
N Beispiel in den Donaufürstentümern.

Zen “ »Diejenigen, die arbeiten, ernähren damit zugleich die Pensionäre,
N St die Reichen, und sich selbst.“ (Edmund Burke: „Thoughts and Details
Soreity, London 1800“, p. 2.)
kann Sehr ‚naiv bemerkt Niebuhr in seiner „Römischen Geschichte“: „Man
Trüm Sich nicht verhehlen, daß Werke, wie die etruskischen, die in ihren
öhzen rn erstaunen, in kleinen (!) Staaten Fronherrn und Knechte voraus-Lohn
 &amp;amp; Viel tiefer sagte Sismondi, daß „Brüsseler Spitzen“ Lohnherrn und
a ner voraussetzen.
Acay 1 an kann diese Unglücklichen (in den Goldbergwerken zwischen
alten, ©n, Aethiopien und Arabien), die nicht einmal ihren Körper reinlich
Schiel Noch ihre Blöße decken können, nicht ansehen, ohne ihr jammervolles
datt in zu beklagen. Denn da findet keine Nachsicht und keine Schonung
dit. N Kranke, für Gebrechliche, für Greise, für die weibliche Schwachhren
 Ne müssen, durch Schläge gezwungen, fortarbeiten, bis der Tod
üsche Qualen und ihrer Not ein Ende macht.“ (Diodorus Siculus: „Histo-Bibliothek“,
 Buch 3, Kap. 18.)
        <pb n="231" />
        186

Dritter Abschnif

Die Vergleichung des Heißhungers nach Mehrarbeit in de?
Donaufürstentümern mit demselben Heißhunger in englischen F#
briken bietet ein besonderes Interesse, weil die Mehrarbeit in de!
Fronarbeit eine selbständige, sinnlich wahrnehmbare Form besitzt
Gesetzt, der Arbeitstag zähle 6 Stunden notwendiger Arbeit un‘
6 Stunden Mehrarbeit. So liefert der freie Arbeiter dem Kapitalistel
wöchentlich 6 X 6 oder 36 Stunden Mehrarbeit. Es ist dasselbe, alt
arbeite er 3 Tage in der Woche für sich und 3 Tage in der Woche‘
umsonst für den Kapitalisten. Aber dies ist nicht sichtbar. Mehr
arbeit und notwendige Arbeit verschwimmen ineinander, Ich kam
daher dasselbe Verhältnis zum Beispiel auch so ausdrücken, daß de!
Arbeiter in jeder Minute 30 Sekunden für sich und 30 Sekunde
für den Kapitalisten arbeitet usw. Anders mit der Fronarbeit
Die notwendige Arbeit, die zum Beispiel der walachische Bau®
zu seiner Selbsterhaltung verrichtet, ist räumlich getrennt vo“
seiner Mehrarbeit für den Bojaren. Die eine verrichtet &amp;amp;
auf seinem eigenen Felde, die andere auf dem herrschaftlich®
Gut. Beide Teile der Arbeitszeit existieren daher selbständ!!
nebeneinander. In der Form der Fronarbeit ist die Mehr
arbeit genau abgeschieden von der notwendigen Arbeit. 4
dem quantitativen Verhältnis von Mehrarbeit und notwendiger A"
beit ändert diese verschiedene Erscheinungsform offenbar nicht
Drei Tage Mehrarbeit in der Woche bleiben drei Tage Arbeit, A
kein Aequivalent für den Arbeiter selbst bildet, ob sie Fronarbe?
heiße oder Lohnarbeit. Bei dem Kapitalisten jedoch erscheint d*
Heißhunger nach Mehrarbeit im Drange zu maßloser Verlängerurf
des Arbeitstages, bei dem Bojaren einfacher in unmittelbarer Jag‘
auf Frontage.*t ,
Die Fronarbeit war in den Donaufürstentümern verknüpft m
Naturalrenten und sonstigem Zubehör von Leibeigenschaft, bilde?
aber den entscheidenden Tribut an die herrschende Klasse. W'
dies der Fall, entsprang die Fronarbeit selten aus der Leibeige”
schaft, Leibeigenschaft vielmehr meist umgekehrt aus der Fr”
arbeit.*** So in den rumänischen Provinzen. Ihre ursprünglich
*4 Das Nachfolgende bezieht sich auf die Zustände der rumänischen PI”
vinzen, wie sie sich vor der Umwälzung seit dem Krimkrieg gestaltet hat!®
44a In der 3. Auflage finden wir hier folgende Note Engels’: Dies £
ebenfalls für Deutschland und speziell für das ostelbische Preußen. I
15. Jahrhundert war der deutsche Bauer fast überall ein gewissen Leistung“
in Produkt und Arbeit unterworfener, aber sonst wenigstens faktisch frei
Mann. Die deutschen Kolonisten in Brandenburg, Pommern, Schlesien Wi
Ostpreußen waren sogar rechtlich als Freie anerkannt. Der Sieg des Ad
im Bauernkrieg machte dem ein Ende. Nicht nur die besiegten süddeutscht,
Bauern wurden wieder leibeigen. Schon seit Mitte des 16. Jahrhunde?
werden die ostpreußischen, brandenburgischen, pommerschen und schl”
sischen, und bald darauf auch die schleswig-holsteinischen freien Bauern *
Leibeigenen erniedrigt, (Maurer: „Geschichte der Fronhöfe, der Bauel®
höfe und der Hofverfassung in Deutschland. Erlangen 1862/63“, Bd. IV-
        <pb n="232" />
        4

Ai]

Achtes Kapitel. 187
Produktionsweise war auf Gemeineigentum gegründet, aber nicht
auf Gemeineigentum in slawischer oder gar indischer Form. Ein
Teil der Ländereien wurde als freies Privateigentum von den‘ Mit-Zliedern
 der Gemeinde selbständig bewirtschaftet, ein anderer Teil
= der Ager publicus [Gemeinacker] — gemeinsam von ihnen bestellt.
Die Produkte dieser gemeinsamen Arbeit dienten teils als Reservelonds
 für Mißernten und andere Zufälle, teils als Staatsschatz zur
D Sckung der Kosten von Krieg, Religion und für andere Gemeinde-\sgaben.
 Im Laufe der Zeit rissen kriegerische und kirchliche
Würdenträger mit dem Gemeineigentum die Leistungen für dasselbe
°0 sich. Die Arbeit der freien Bauern auf ihrem Gemeindeland
"erwandelte sich in Fronarbeit für die Diebe des Gemeindelandes.
Damit entwickelten sich zugleich Leibeigenschaftsverhältnisse, jedoch
dur tatsächlich, nicht gesetzlich, bis das weltbefreiende Rußland
Mier dem Vorwand, die Leibeigenschaft abzuschaffen, sie zum Geetz
 erhob. Der Kodex der Fronarbeit, den der russische General
Kisseleft 1831 proklamierte, war natürlich von den Bojaren selbst
Yktiert. Rußland eroberte so mit einem Schlage die Magnaten der
Donaufürstentümer und den Beifallsklatsch der liberalen Kretins von
3anz Europa,
Nach dem „Reglement organique“, so heißt jener Kodex der
Fronarbeit, schuldet jeder walachische Bauer, außer einer Masse
detaillierter Naturalabgaben, dem sogenannten Grundeigentümer
Tstens 12 Arbeitstage überhaupt, zweitens 1 Tag Feldarbeit und
Arittens 1 Tag Holzfuhre. Summa Summarum 14 Tage im Jahre.
Mit tiefer Einsicht in die politische Oekonomie wird jedoch der
Arbeitstag nicht in seinem ordinären Sinn genommen, sondern der
At Herstellung eines täglichen Durchschnitisprodukts notwendige
Arbeitstag, aber das tägliche Durchschnittsprodukt ist pfiffigerweise
ı bestimmt, daß kein Zyklop in 24 Stunden damit fertig würde.
I den dürren Worten echt russischer Ironie erklärt daher das
»Röglement“ selbst, unter 12 Arbeitstagen sei das Produkt einer
; ÄNdarbeit von 36 Tagen zu verstehen, unter 1 Tag Feldarbeit
4 Tage, und unter 1 Tag Holzfuhre ebenfalls das Dreifache. Summa:
N Frontage, Es kommt aber hinzu die sogenannte Jobagie, Dienst-%
 ‘Stungen, die dem Grundherrn für außerordentliche Produktions-Sdürfnisse
 gebühren. Im Verhältnis zur Größe seiner Bevölke-Jan
 hat jedes Dorf jährlich ein bestimmtes Kontingent zur
x bagie zu stellen. Diese zusätzliche Fronarbeit wird für jeden
„Alachischen Bauer auf 14 Tage geschätzt. So beträgt die vor-—hriebene
 Fronarbeit 56 Arbeitstage jährlich. Das Acker-Keilgon
 »Der Boden und die landwirtschaftlichen Verhältnisse des preußi-‚Lei
 Staates nach dem Gebietsumfange von 1866. Berlin 1873,“ — Hansen:
nen Cigenschaft in Schleswig-Holstein.‘“) — Unter der letzterwähnten Schrift
die ie Engels wohl @. Hanssen: „Die Aufhebung der Leibeigenschaft und
len Umgestaltung der gutsherrlich bäuerlichen Verhältnisse überhaupt in
Srzogtümern Schleswig und Holstein. Petersburg 1861.“ K.,
        <pb n="233" />
        188

Dritter Abschnit!

baujahr zählt aber in der Walachei wegen des schlechten Klim#!
nur 210 Tage, wovon 40 für Sonn- und Feiertage, 30 durch
schnittlich für Unwetter, zusammen 70 Tage ausfallen. Bleiben
140 Arbeitstage. Das Verhältnis der Fronarbeit zur notwer
digen Arbeit, E oder 66?/, pZt., drückt eine viel kleinere Rale
des Mehrwertes aus als die, welche die Arbeit des englischel
Agrikultur- oder Fabrikarbeiters bestimmt. Dies ist jedoch nur die
gesetzlich vorgeschriebene Fronarbeit. Und in noch „liberalerem
Geist als die englische Fabrikgesetzgebung hat das „Reglemer
organique“ seine eigene Umgehung zu erleichtern gewußt. Nachder
es aus 12 Tagen 54 gemacht, wird das nominelle Tagewerk jede®
der 54 Frontage wieder so bestimmt, daß eine Zubuße auf die fol
genden Tage fallen muß. In 1 Tag zum Beispiel soll eine Land
strecke ausgejätet werden, die zu dieser Operation, namentlich auf
den Maispflanzungen, doppelt soviel Zeit erheischt. Das gesetzlich®
Tagewerk für einzelne Agrikulturarbeiten ist so auslegbar, daß de!
Tag im Monat Mai anfängt und im Monat Oktober aufhört. Für dit
Moldau sind die Bestimmungen noch härter. „Die 12 Frontage d®
Röglement organique“, rief ein siegtrunkener Bojar, „belaufen sich
auf 365 Tage im Jahr!“ ,
War das „Reglement organique“ der Donaufürstentümer ei®
positiver Ausdruck des Heißhungers nach Mehrarbeit, dem jed#
Paragraph gesetzliche Anerkennung gibt, so sind die englische?
Factory Acts [Fabrikgesetze] negative Ausdrücke desselben Heiß
bhungers. Diese Gesetze zügeln den Drang des Kapitals nach ma®
loser Aussaugung der Arbeitskraft durch gewaltsame Beschränkunf
des Arbeitstages von Staats wegen, und zwar von seiten eine
Staates, den Kapitalist und Landlord beherrschen. Von eine!
täglich bedrohlicher anschwellenden Arbeiterbewegung abgesehe®
war die Beschränkung der Fabrikarbeit diktiert durch dieselb®
Notwendigkeit, welche den Guano auf die englischen Felder auf
goß. Dieselbe blinde Raubgier, die in dem einen Fall die Erd“
erschöpft, hatte in dem andern die Lebenskraft der Nation an d#
Wurzel ergriffen. Periodische Epidemien sprachen hier eben“
deutlich wie das abnehmende Soldatenmaß in Deutschland und
Frankreich.*

&amp;lt;5 Weitere Details findet man in X. Regnault: „Histoire politique ol
sociale des Principautes Danubiennes, Paris 1855.“ |
146 „Im allgemeinen spricht innerhalb gewisser Grenzen für das GE
deihen organischer Wesen das Ueberschreiten des Mittelmaßes ihrer AT“
Für den Menschen verkleinert sich sein Körpermaß, wenn sein Gedeib®
beeinträchtigt ist, sei es durch physische oder soziale Verhältnisse. In alle?
europäischen Ländern, wo Konskription besteht, hat seit Einführung der
selben das mittlere Körpermaß der erwachsenen Männer und im Kanne
ihre Tauglichkeit zum Kriegsdienst abgenommen. Vor der Revolution (788
war das Minimum für den Infanteristen in Frankreich 165 Zentimeter, 18 .
(Gesetz vom 10, März) 157, nach dem Gesetz vom 21. März 1832 156 Zenf

Mr

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        <pb n="234" />
        t

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1

B

Achtes Kapitel,

189

Das jetzt [1867 und bis 1878] geltende Fabrikgesetz von 1850
Taubt für den durchschnittlichen Wochentag 10 Stunden, nämlich
für die ersten 5 Wochentage 12 Stunden, von 6 Uhr morgens bis
8 Uhr abends, wovon aber ?/, Stunde für Frühstück und 1 Stunde
für Mittagessen gesetzlich abgehen, also 10%, Arbeitsstunden bleien,
 und 8 Stunden für den Samstag, von 6 Uhr morgens bis 2 Uhr
lachmittags, wovon 1, Stunde für Frühstück abgeht. Bleiben 60
Arbeitsstunden, 10'/, für die ersten 5 Wochentage, 7'/, für den
Sizten Wochentag.” Es sind eigene Wächter des Gesetzes bestellt,
lie dem Ministerium des Innern direkt untergeordneten Fabrik-Aspektoren,
 deren Berichte halbjährig von Parlaments wegen ver-Yentlicht
 werden. Sie liefern also eine fortlaufende und offizielle
“atistik über den Kapitalistenheißhunger nach Mehrarbeit.
Hören wir einen Augenblick die Fabrikinspektoren 4
„Der betrügerische Fabrikant beginnt die Arbeit eine Viertel.
Hunde, manchmal früher, manchmal später, vor 6 Uhr morgens, ‚und
“hließt sie eine Viertelstunde, manchmal früher, manchmal später,
Tach 6 Uhr nachmittags. Er nimmt 5 Minuten weg vom Anfang und
Neter; durchschnittlich wird in Frankreich wegen mangelnder Größe und Ge-‚Techen
 über die Hälfte ausgemustert, Das Militärmaß war in Sachsen 1780
79 Zentimeter, jetzt 155. In Preußen ist es 157. Nach Angabe in der
Bayerischen Zeitung“ vom 9. Mai 1862 von Dr. Meyer stellt sich nach einem
„unjährigen Durchschnitt heraus, daß in Preußen von 1000 Konskribierten
Z8 üntauglich zum Militärdienst: 817 wegen Mindermaß und 399 wegen
‚brechen, ++. Berlin konnte 1858 sein Kontingent an Ersatzmannschaft
acht Stellen, es fehlten 156 Mann.“ (J. v. Liebig: „Die Chemie in ihrer
x wendung auf Agrikultur und Physiologie. 7. Auflage. 1862.“ Bd. I,
“447, 118, , ,
Kapite Die” Geschichte des Fabrikgesetzes von 1850 folgt im Verlauf dieses
eis,
|8 % Auf die Periode vom Beginn der großen Industrie in England bis
nn gehe ich nur hier und da ein, und verweise den Leser darüber auf:
c Ss ‚Lage der arbeitenden Klasse in England. Von Friedrich Engels.
qerPzig 1845.“ [Neu erschienen in Stuttgart „1892.] Wie tief Engels
Zen Geist der kapitalistischen Produktionsweise begriff, zeigen die
a ® der Fabrikinspektoren, Grubeninspektoren usw., die seit 1845
det. hienen sind, und wie bewunderungswürdig er die Zustände im
den Malte, zeigt der oberflächlichste Vergleich ‚seiner Schrift mit
zo 18 bis 20 Jahre später veröffentlichten offiziellen. Reporis der
Yo Mission zur Untersuchung der Kinderarbeit („Children’s Employment
vo Mission“, 1863-—67). Diese handeln nämlich von Industriezweigen,
eh die Fabrikgesetzgebung bis 1862 noch nicht eingeführt war, zum Teil
tän “icht eingeführt ist. Hier wurde also den von Engels geschilderten Zu-Mer
 Mehr oder minder große Aenderung nicht von außen aufgeherrscht.
Bag Beispiele entleane ich hauptsächlich der Freihandelsperiode nach
ich” J®her paradiesischen Zeit, wovon ebenso großmäulige als wissenschaft-He]
 Verwahrloste Freihandelshausierburschen den Deutschen so fabelhaft
R Vörfauchen, — Uebrigens figuriert England hier nur im Vordergrund,
6 ‚SS die kapitalistische Produktion klassisch repräsentiert und allein eine
Ziell fortlaufende Statistik der behandelten Gegrenstände besitzt.
        <pb n="235" />
        Dritter Abschnitt
Ende der nominell für das Frühstück anberaumten halben Stunde und
knappt 10 Minuten ab zu Anfang und Ende der für Mittagesse»
anberaumten Stunde. Samstag arbeitet er eine Viertelstunde, manch:
mal mehr, manchmal weniger, nach 2 Uhr nachmittags. So beträg!
sein Gewinn:
Vor 6 Uhr morgens .... 1" Minuten
Nach 6 Uhr nachmittags. .1 5 »
An der Frühstückszeit.. 1J »
An der Mittagszeit. ..... 20 »
60 Minuten
Summa in 5 Tagen 300 Minuten

Wöchentlicher Gesamtigewinn
840 Minuten

An Samstagen:
Vor 6 Uhr morgens .... 15 Minuten
An der Frühstückszeit.. 10 %
Nach 2 Uhr nachmittags. 15 »  J
Oder 5 Stunden 40 Minuten wöchentlich, was mit 50 Arbeit“
wochen multipliziert, nach Abzug von 2 Wochen für Feiertage ode!
gelegentliche Unterbrechungen, 27 Arbeitstage gibt.“
„Wird der Arbeitstag täglich 5 Minuten über die Normaldaue!
verlängert, so gibt das 2!/, Produktionstage im Jahr.“ „Eine zusätz
liche Stunde täglich, dadurch gewonnen, daß bald hier ein Stückche®
Zeit erhascht wird, bald dort ein anderes Stückchen, macht aus deB
12 Monaten des Jahres 13.“
Krisen, worin die Produktion unterbrochen und nur „kurz®
Zeit“, nur während einiger Tage in der Woche, gearbeitet wird
ändern natürlich nichts an dem Trieb nach Verlängerung des Ar
beitstages. Je weniger Geschäfte gemacht werden, desto größe!
soll der Gewinn auf das gemachte Geschäft sein. Je weniger Zeit
gearbeitet werden kann, desto mehr Surplusarbeitszeit soll gearbeitet
werden. So berichten die Fabrikinspektoren über die Periode de!
Krise von 1857/58.
„Man mag es für eine Inkonsequenz halten, daß irgendwelch®
Ueberarbeit zu einer Zeit stattfinde, wo der Handel so schlecht geht
aber sein schlechter Zustand spornt rücksichtslose Leute zu Ueber“
schreitungen; sie sichern sich so einen Extraprofit . . .“ „Zur selbeB
Zeit,“ sagt Leonhard Horner, „wo 122 Fabriken in meinem Distrikt
ganz aufgegeben sind, 143 stillstehen und alle andern kurze Zeit
arbeiten, wird die Ueberarbeit über die gesetzlich bestimmte Zeit
[ortgesetzt.“5* „Obgleich“, sagt Herr Howell, „in den meistel
Fabriken des schlechten Geschäftsstandes wegen nur halbe Zeit g®
arbeitet wird, erhalte ich nach wie vor dieselbe Anzahl von Klage®

+ „Suggestions etc. by Mr. L. Horner, Inspector of Factories“, im’
„Factories Regulation Act. Ordered by the House of Commons to be printed
9. August 1859“, p. 4, 5. %
*® „Reports of the Insp. of Fact. for the half year ending October 1856“, p. 3
1 „Reports ete. 30th April 1858“, p. 9.
Ebenda, S. 43.
        <pb n="236" />
        \chtes Kapitel.

191

laß !/, Stunde oder ?/, Stunden täglich den Arbeitern weggeschnappt
‚naiched) werden durch Eingriffe in die ihnen geseizlich gesicherten
“Msten für Mahlzeit und Erholung.“
_. Dieselbe Erscheinung wiederholt sich auf kleinerer Stufenleiter
Während der furchtbaren Baumwollkrise von 1861 bis 1865.
. „Es wird zuweilen vorgeschützt, wenn wir Arbeiter während der
peisestunden oder sonst zu ungesetzlicher Zeit am Werk ertappen,
daß sie die Fabrik durchaus nicht verlassen wollen, und daß es
les Zwanges bedarf, um sie zu veranlassen, ihre Arbeit (Reinigen
ler Maschinen usw.) zu unterbrechen, namentlich Samstag nach-Niltags,
 Aber wenn die „Hände“ nach Stillsetzung der Maschinerie
&amp;amp; der Fabrik bleiben, geschieht es nur, weil ihnen zwischen 6 Uhr
Morgens und 6 Uhr abends, in den gesetzlich bestimmten Arbeitstunden,
 keine Frist zur Verrichtung solcher Geschäfte gestattet
Vorden ist.“
„Der durch Ueberarbeit über die gesetzliche Zeit zu machende
Üxtraprofit scheint für viele Fabrikanten eine zu große Versuchung,

58 Ebenda, S. 25.
54 „Reports etc. for the half year ending 30th April 1861.“ Siehe
Appendix Nr. 2: „Reports ete. 31st October 1862“, p. 7, 52, 53. Die Ueberhreitungen
 werden wieder zahlreicher mit dem letzten Halbjahr 1863.
Vgl. „Reports etc. ending 31st October 1863“, p. 7.
55 „Reports ete. 31st October 1860“, p. 23. Mit welchem Fanatismus,
ch gerichtlichen Aussagen der Fabrikanten, ihre Fabrikhände sich jeder
üterbrechung der Fabrikarbeit widersetzen, zeige folgendes Kuriosum:
Anfang Juni 1886 gingen den Magistrates [Polizeirichtern] von Dewsbury
(Yorkshire) Anzeigen zu, wonach die Eigner von acht großen Fabriken in der
he von Batley den Fabrikakt verletzt hätten. Ein Teil dieser Herren war
pSeklagt, fünf Knaben zwischen 12 und 15 Jahren von 6 Uhr morgens des
a citags bis 4 Uhr nachmittags des folgenden Samstags abgearbeitet zu
\aben, ohne irgendeine Erholung zu gestatten, außer für Mahlzeiten und
nn Stunde Schlaf um Mitternacht. Und diese Kinder hatten die rastlose
Teißigstündige Arbeit zu verrichten in dem „shoddy-hole“, wie die Höhle
deißt, worin Wollenlumpen aufgerissen werden und wo ein Luftmeer von
Jaub, Abfällen usw. selbst den erwachsenen Arbeiter zwingt, den Mund
a ändig mit Schnupftüchern zu verbinden, zum Schutz seiner Lunge! Die
3erren Angeklagten versicherten an Eidesstatt — als Quäker waren sie zu
krupulös religiöse Männer, einen Eid zu leisten —, sie hätten in ihrer
sen Barmherzigkeit den elenden Kindern vier Stunden Schlaf erlaubt,
Diet die Starrköpfe von Kindern wollten durchaus nicht zu Bett gehen!
ie Herren Quäker wurden zu 20 Pfd. Sterl. Geldbuße verurteilt. Dryden
Ahnte diese Quäker:
„Fox full fraught in seeming sanctity,
That feared an oath, but like the devil would lie,
That look’d like Lent, and had the holy leer,
And durst not sin! before he said his prayer!“
[Ein Fuchs, bepackt mit Scheinheiligkeit,
Der einen Eid zu leisten heilige Scheu trägt, aber lügt wie der Teufel,
Der dreinschaut wie ein frommer Büßer, doch seitwärts scheele Blicke wirft,
Und nicht zu sündigen wagt — bevor er sein Gebet gesprochen!]
        <pb n="237" />
        ‚92

Dritter Abschnif

um ihr widerstehen zu können. Sie rechnen auf die Chance, nich
artappt zu werden und berechnen, daß selbst im Falle der Emt
deckung die Geringfügigkeit der Geldstrafen und Gerichtskoste!
ihnen immer noch eine Gewinnbilanz sichert.“5% „Wo die zusäls
liche Zeit durch Multiplikation kleiner Diebstähle („a multiplicatio
of small thefts“) im Laufe des Tages gewonnen wird, stehen de
Inspektoren fast unüberwindliche Schwierigkeiten der Beweisführux
im Wege.‘“7 Diese „kleinen Diebstähle“ des Kapitals an der Mal!
zeit und Erholungszeit der Arbeiter bezeichnen die Fabrikinspektor#
auch als „petty pilferings of minutes“, Mausereien von Minute,
„Snatching a few minutes“, Wegschnappen von Minuten,®® oder w!
die Arbeiter es technisch heißen, „nibbling and ecribbling at me
times“ [das Schinden und Schaben an den Essenszeiten].®
Man sieht, in dieser Atmosphäre ist die Bildung des Mehrwert“
durch die Mehrarbeit kein Geheimnis. „Wenn Sie mir erlauben
sagte mir ein sehr respektabler Fabrikherr, „täglich nur 10 Minute!
Ueberzeit arbeiten zu lassen, stecken Sie jährlich 1000 Pfad, Sterl
in meine Tasche.“% „Zeitatome sind die Elemente des Gewinnes-‘
Nichts ist in dieser Hinsicht charakteristischer als die Bezeic
nung der Arbeiter, die volle Zeit arbeiten, durch „full timers“ [vol
zeitler“] und die der Kinder unter 13 Jahren, die nur 6 Stunde
arbeiten dürfen, als „half timers“ [„Halbzeitler“].® Der Arbeiter is
bier nichts mehr als personifizierte Arbeitszeit. Alle individuelle!
Unterschiede lösen sich auf in die von „Vollzeitler“ und „Halbzeitler
3. Englische Industriezweige ohne gesetzliche Schranke
der Ausbeutung.
Den Trieb nach Verlängerung des Arbeitstages, den Werwolß
heißhunger für Mehrarbeit, beobachteten wir bisher auf einem Ge
biete, wo maßlose Ausschreitungen, nicht übergipfelt, so sagt eD
bürgerlicher englischer Oekonom, von den Grausamkeiten del
Spanier gegen die Rothäute Amerikas,** das Kapital endlich an &amp;amp;
Kette gesetzlicher Regulation gelegt haben. Werfen wir jetzt der
590 „Reports etc. for 81st October 1856“, p. 34,
57 Ebenda, S. 35,
58 Ebenda, S. 48,
59 Ebenda,
50 Ebenda.
31 Ebenda,
%2 „Moments are the elements of profit.“ („Reports of the Insp. et
30th April 1860“, p. 56.) %
6% Der Ausdruck hat offizielles Bürgerrecht, wie in der Fabrik, ®
den Fabrikberichten,
°% „Die Gier der Fabrikbesitzer, deren Grausamkeit in der Verfolgu®
ihres Gewinnes hinter der nicht zurücksteht, die von den Spaniern bei de
Eroberung Amerikas auf der Suche nach Gold an den Tag gelegt wurde,
(John Wade: „History of the Middle and Working Classes, 8rd ed. Lond®
1835“, D. 114.) Der theoretische Teil dieses Buches, eine Art Grund’
ler politischen Oekonomie, enthält für seine Zeit einiges Originelles, 2"
        <pb n="238" />
        4

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Achtes Kapitel.
3lick auf einige Produktionszweige, wo die Aussaugung der Arbeits-Walt
 entweder noch heute fesselfrei ist oder es gestern noch war.
„Herr Broughton, ein County Magistrate [Friedensrichter], ertärte
 als Präsident einer Versammlung, abgehalten in der Stadthalle
 von Nottingham, am 14. Januar 1860, daß in dem mit der
Pitzenfabrikation beschäftigten Teile der städtischen Bevölkerung
An der übrigen zivilisierten Welt unbekannter Grad von Leid
Ind Entbehrung vorherrscht ... Um 2, 3, 4 Uhr des Morgens
Verden Kinder von 9 bis 10 Jahren ihren schmutzigen Betten
irissen und gezwungen, für den nackten Lebensunterhalt bis
%, 11, 12 Uhr nachts zu arbeiten, während ihre Glieder weg-“hwinden,
 ihre Gestalt zusammenschrumpit, ihre Gesichtszüge abümpfen
 und ihr menschliches Wesen ganz und gar in stein-‘hnliche
 Erstarrung versinkt, deren bloßer Anblick schauderhaft
SL. Wir sind nicht überrascht, daß Herr Mallett und andere
“abrikanten auftraten, um Protest gegen jede Diskussion einzugen...
 Das System, wie der hochwürdige Herr Montagu Valpy
8 beschrieb, ist ein System unbeschränkter Sklaverei, Sklaverei in
VZialer, physischer, moralischer und intellektueller Beziehung. ...
Nas soll man denken von einer Stadt, die eine öffentliche Versammung
 abhält, um zu petitionieren, daß die Arbeitszeit für Männer
“lich auf 18 Stunden beschränkt werden solle! ... Wir de-Vamieren
 gegen die virginischen und karolinischen Pflanzer. Ist
doch ihr Negermarkt, mit allen Schrecken der Peitsche und dem
“Ohacher in Menschenfleisch, abscheulicher als diese langsame
Menschenabschlachtung, die vor sich geht, damit Schleier und Kragen
“mM Vorteil von Kapitalisten fabriziert werden?“
9 Die Töpferei (Pottery) von Staffordshire hat während der letzten
Jahre den Gegenstand dreier parlamentarischen Untersuchungen
bildet. Die Resultate sind niedergelegt im Bericht des Herrn
nr iven von 1841 an die „Children’s Employment Commissioners“,
® Bericht des Dr. Greenhow von 1860, veröffentlicht auf Befehl des
Aerüchen Beamten des Privy Council [des geheimen Rates] („Public
Loch“, 3rd Report, I, 102—118), endlich im Bericht des Herrn
088 von 1863, in „First Report of the Children’s Employment
Ber mission“ vom 13. Juni 1863. Für meine Aufgabe genügt es, den
ion. üten von 1860 und 1863 einige Zeugenaussagen der ausgebeutedie
 Kinder selbst zu entlehnen. Von den Kindern mag man auf
Wr Erwachsenen schließen, namentlich Mädchen und Frauen, und
der m einem Industriezweige, woneben Baumwollspinnerei und
heise als ein sehr angenehmes und gesundes Geschäft er-Pag:
 © Über Handelskrisen. Der historische Teil leidet an schamlosem
"Siarismus aus Sir M. Eden: „History of the Poor. London 1799,“
 2LOndon Daily Telegraph“ vom 17. Januar 1860.
[8gpc Vgl. Engels: „Lage der arbeitenden Klasse in England. Leipzig
; S. 249 bis 251, [Stuttgarter Ausgabe S. 208 bis 210.]
Das Kapital 1 12
        <pb n="239" />
        194

Dritter Abschnif

Wilhelm Wood, neunjährig, „war 7 Jahre 10 Monate alt, als €
zu arbeiten begann“. Er „ran moulds“ (trug die fertig geform!‘
Ware in die Trockenstube, um nachher die leere Form zurückzu
bringen) von Anfang an. Er kommt jeden Tag in der Woche un
6 Uhr morgens und hört auf ungefähr 9 Uhr abends. „Ich arbeit
bis 9 Uhr abends jeden Tag in der Woche. So zum Beispiel währen‘
der letzten 7 bis 8 Wochen.“ Also fünfzehnstündige Arbeit für el!
siebenjähriges Kind! J. Murray, ein zwölfjähriger Knabe, sagt aus
„I run moulds and turn jigger (ich trage Formen und drehe d#
Rad). Ich komme um 6 Uhr, manchmal um 4 Uhr morgens. Id
habe während der ganzen letzten Nacht bis diesen Morgen 8 UM
gearbeitet. Ich war nicht im Bett seit der vorletzten Nacht. Auß®
mir arbeiteten 8 oder 9 andere Knaben die letzte Nacht durch. Al
außer einem sind diesen Morgen wiedergekommen. Ich bekomm
wöchentlich 3 Shilling 6 Pence. Ich bekomme nicht mehr, wenn je
die ganze Nacht durcharbeite. Ich habe in der letzten Woche zw®
Nächte durchgearbeitet.“ Fernyhough, ein zehnjähriger Knab®
„Ich habe nicht immer eine ganze Stunde für das Mittagessen; oft nV
sine halbe Stunde; jeden Donnerstag, Freitag und Samstag.“#7
Dr. Greenhow erklärt die Lebenszeit in den Töpferdistrikten v®
Stoke-upon-Trent und Woolstanton für außerordentlich kurz. Obgleich
im Distrikt Stoke nur 30,6 PZt. und in Woolstanton nur 30,4 pZ
der männlichen Bevölkerung über 20 Jahre in den Töpfereien b*
schäftigt sind, fällt unter Männern dieser Kategorie im erste
Distrikt mehr als die Hälfte, im zweiten ungefähr zwei Fünftel d?
Todesfälle infolge von Brustkrankheiten auf die Töpfer. Dr. BoothroY
praktischer Arzt zu Hanley, sagt aus: „Jede folgende Generati®
der Töpfer ist zwerghafter und schwächer als die vorhergehend®
Ebenso ein anderer Arzt, Herr MecBean: „Seit ich vor 25 Jahre
meine Praxis unter den Töpfern begann, hat sich die auffallend‘
Entartung dieser Klasse fortschreitend in Abnahme von Gestalt un“
Gewicht gezeigt.“ Diese Aussagen sind dem Bericht des Dr. Gre®
how von 1860 entnommen.
Aus dem Bericht der Kommissäre von 1863 folgende ;
Dr. J. T. Arledge, Oberarzt des North Staffordshire Krankenhaus
sagt: „Als eine Klasse repräsentieren die Töpfer, Männer u
Frauen . . . eine entartete Bevölkerung physisch und moralisch. 5
sind in der Regel verzwergt, schlecht gebaut und oft an der Br
verwachsen. Sie altern vorzeitig und sind kurzlebig; phlegmati$®
und bhutlos, verraten sie die Schwäche ihrer Konstitution dur“
hartnäckige Anfälle von Dyspepsie, Leber- und Nierenstörung®
und Rheumatismus. Vor allem aber sind sie Brustkrankheit®
unterworfen, der Pneumonie, Phthisis, Bronchitis und dem Asthm”
Cine Form des letzteren ist ihnen eigentümlich und bekannt unt”
7 „Children’s Employment Commission, st Report etc, 18®
Appendix p. 16, 19, 18,
68 „Public Health, 8ra Report ete.‘“, p. 102, 104, 105,
        <pb n="240" />
        A

Achtes Kapitel,

195

lem Namen des Töpfer-Asthma ‚oder der Töpfer-Schwindsucht.
*rophulose, die Mandeln, Knochen oder andere Körperteile an-STeift,
 ist eine Krankheit von mehr als zwei Dritteln der Töpfer.
daß die Entartung (degenerescence) der Bevölkerung dieses
Vistrikts nicht noch viel größer ist, verdankt sie ausschließlich der
Rekrutierung aus den umliegenden Landdistrikten und den
“Wischenheiraten mit gesunderen Rassen.“ Herr Charles Parsons,
’0r kurzem noch House Surgeon [Hausarzt] derselben Kranken-Anstalt,
 schreibt in einem Briefe an den Kommissär Longe unter
Mderm: „Ich kann nur aus persönlicher Beobachtung, nicht statitisch
 Sprechen, aber ich stehe nicht an, zu versichern, daß meine
Ampörung wieder und wieder aufkochte bei dem Anblick dieser
men Kinder, deren Gesundheit geopfert wurde, um der Habgier
hrer Eltern und Arbeitgeber zu frönen.“ Er zählt die Ursachen der
Üöpferkrankheiten auf und schließt sie kulminierend [zur wichtigten
 fortschreitend] ab mit „Long Hours“ („langen Arbeitsstunden‘).
Der Kommissionsbericht hofft, daß „eine Manufaktur von so hervor-‘agender
 Stellung in den Augen der Welt nicht lange mehr den
Makel tragen wird, daß ihr großer Erfolg begleitet ist von physischer
atlartung, vielverzweigten körperlichen Leiden und frühem Tode
der Arbeiterbevölkerung, durch deren Arbeit und Geschick so große
Resultate erzielt worden sind.“® Was von den Töpfereien in Eng-“ld,
 gilt von denen in Schottland."
„Die Manufaktur von Zündhölzern datiert von 1833, von der Er-Andung,
 den Phosphor auf die Zündrute selbst anzubringen. Seit
545 hat sie sich rasch in England entwickelt und von den dichtws
 Völkerten Teilen Londons namentlich auch nach Manchester,
""Mingham, Liverpool, Bristol, Norwich, Newcastle, Glasgow ver-STeitet,
 mit ihr die Mundsperre, die ein Wiener Arzt schon 1845
ns Sigentümliche Krankheit der Zündholzmacher entdeckte. Die
Nältte der Arbeiter sind Kinder unter 13 und junge Personen unter
N Jahren. Die Manufaktur ist wegen ihrer Ungesundheit und
A.terwärtigkeit so verrufen, daß nur der verkommenste Teil der
zn ierklasse, halbverhungerte Witwen usw., Kinder für sie her-Ad
 »Zerlumpte, halb verhungerte, ganz verwahrloste „und unje
 sene Kinder“. Von den Zeugen, die Kommissär White (1863)
a örte, waren 270 unter 18 Jahren, 50 unter 10 Jahren, 10 nur 8
" 5 nur 6 Jahre alt. Wechsel des Arbeitstages von 12 auf 14 und
Aypsunden, Nachtarbeit, unregelmäßige Mahlzeiten, meist in den
Ri llsräumen selbst, die vom Phosphor verpestet sind. Dante
*d6 in dieser Manufaktur seine grausamsten Höllenphantasien
$*iroffen finden.
4 In der Tapetenfabrik werden die gröberen Sorten mit Maschinen,
© feineren mit der Hand (block printing) gedruckt. Die lebne
 »Children’s Employment Commission, 1863“, p. 24, 22, XL
1 Sbenda, S, XLVIL
Ebenda, 8. LIV.
        <pb n="241" />
        Dritter Abschnif
haftesten Geschäftsmonate fallen zwischen Anfang Oktober und End
April. Während dieser Periode dauert diese Arbeit häufig und fa“
ohne Unterbrechung von 6 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends u!
tiefer in die Nacht.
J. Leach sagt aus: „Letzten Winter (1862) blieben von 19 Möäd
chen 6 weg infolge durch Ueberarbeitung zugezogener Krankheitel
Um sie wach zu halten, muß ich sie anschreien.“ W. Duffy: „D'
Kinder konnten oft vor Müdigkeit die Augen nicht aufhalten, in d#
Tat, wir selbst können es oft kaum.“ 79. Lightbourne: „Ich bP
13 Jahre alt . .. Wir arbeiteten letzten Winter bis 9 Uhr abenf
und den Winter vorher bis 10 Uhr. Ich pflegte letzten Winter 18
jeden Abend vor Schmerz wegen wunder Füße zu weinen.“ G. Apsde)
„Diesen meinen Jungen pflegte ich, als er 7 Jahre alt war, au
meinem Rücken hin und her über den Schnee zu tragen, und ®
pflegte 16 Stunden zu arbeiten! . ,. Ich habe oft niedergekniet, u?
ihn zu füttern, während er an der Maschine stand, denn er durf
sie nicht verlassen oder stillsetzen.“ Smith, der geschäftsführen“
Associe einer Manschesterfabrik: „Wir (er meint seine „Hände
die für „uns‘“) arbeiten ohne Unterbrechung für Mahlzeiten, so da
die Tagesarbeit von 10'/, Stunden um 4'/, Uhr nachmittags fertig is
und alles Spätere ist Ueberzeit.?? (Ob dieser Herr Smith wohl keir®
Mahlzeit während 10°/, Stunden zu sich nimmt?) Wir (dersell®
Smith) hören selten auf vor 6 Uhr abends (er meint mit der Ko”
sumtion „unserer“ Arbeitskraftmaschinen), so daß wir (wieder?
Crispinus) in der Tat das ganze Jahr durch Ueberzeit arbeiten. -
Die Kinder und Erwachsenen (152 Kinder und junge Personen unit?
18 Jahren und 140 Erwachsene) haben gleichmäßig während 0
leizten 18 Monate im Durchschnitt allermindestens 7 Tage un
5 Stunden in der Woche gearbeitet, oder 78'/„ Stunden wöchentlich
Für die 6 Wochen, endend am 2. Mai dieses Jahres (1868), war der
Durchschnitt höher — 8 Tage oder 84 Stunden in der Woche!“ Do®
fügt derselbe Herr Smith, der dem pluralis majestatis so sehr ergeb®
ist [der gleich einer Majestät so gern von sich mit „Wi
spricht] schmunzelnd hinzu: „Maschinenarbeit ist leicht.“ U!
so sagen die Anwender des Handdruckes, Block Printing: „Hand
arbeit ist gesunder als Maschinenarbeit.“ Im ganzen erklären 8%
die Herren Fabrikanten mit Entrüstung gegen den Vorschlag, „8
Maschinen wenigstens während der Mahlzeiten stillzusetzen“, „BD
Gesetz,“ sagt Herr Otley, der Direktor einer Tapetenfabrik 3”
72 Dies ist nicht in unserm Sinne der Surplusarbeitszeit zu nehm®
Diese Herren betrachten die zehneinhalbstündige Arbeit als Normalarbeit”
lag, der also auch die normale Mehrarbeit einschließt, Dann beginnt „5
Ueberzeit‘“, die etwas besser bezahlt wird. Man wird bei einer später?
Gelegenheit sehen, daß die Verwendung der Arbeitskraft während de
sogenannten Normaltages unter dem Werte bezahlt wird, so daß die „Ueb#
zeit“ ein bloßer Kapitalistenpfiff ist, um mehr „Mehrarbeit“ auszupress®®
was es übrigens selbst dann bleibt, wenn die während des „Normaltag®
verwandte Arbeitskraft wirklich voll bezahlt wird,

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Achtes Kapitel.
%orough, 72m „das Arbeitsstunden von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr abends
Tlaubte, würde uns (!) sehr wohl zusagen, aber die Stunden des
“abrikgesetzes von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends passen uns (!)
Acht. .., Unsere Maschine wird während des Mittagessens (welche
"Toßmut) stillgesetzt. Das Stillsetzen verursacht keinen nennens-Verten
 Verlust an Papier und Farbe.“ „Aber,“ fügt er verständnis-7oll
 hinzu, „ich kann begreifen, daß der damit verbundene Verlust
Acht geliebt wird.“ Der Kommissionsbericht meint naiv, die Furcht
Äniger „leitenden Firmen“, Zeit, das heißt Aneignungszeit fremder
Arbeit, und dadurch „Profit zu verlieren“, sei kein „hinreichender
"Tund“, um Kinder unter 13 und junge Personen unter 18 Jahren
Yährend 12 bis 16 Stunden ihr Mittagsmahl „verlieren zu lassen“,
er es ihnen zuzusetzen, wie man der Dampfmaschine Kohle und
Vasser, der Wolle Seife, dem Rad Oel usw. zusetzt — während des
"toduktionsprozesses selbst, als bloßen Hilfsstoff des Arbeits-Mittels.
 78
Kein Industriezweig in England — wir sehen von dem erst
“Suerdings sich Bahn brechenden Maschinenbrot ab — hat so alterliche,
 ja, wie man aus den Dichtern der römischen Kaiserzeit
sehen kann, vorchristliche Produktionsweise bis heute beibehalten,
Me die Bäckerei. Aber das Kapital, wie früher bemerkt, ist ZU-SAchet
 gleichgültig gegen den technischen Charakter des Arbeitsa
 Ze8sE8, dessen es sich bemächtigt. Es nimmt ihn zunächst, wie
Ihn vorfindet.
r Die unglaubliche Brotverfälschung, namentlich in London, wurde
Ort enthüllt durch das Komitee des Unterhauses „über die Versuschung
 von Nahrungsmitteln“ (1855 bis 1856) und Dr. Hassalls
„ärift: „Adulterations detected“.’* Die Folge dieser Enthüllungen
Er das Gesetz vom 6. August 1860: „for preventing the adulteration
Yarzlicles of food and drink“ [zur Verhütung der Verfälschung von
aa Ungemitteln und Getränken], ein wirkungsloses Gesetz, da es
ach tich die zarteste Rücksicht gegen jeden Freihändler beob-N.
 let, der sich vornimmt, durch Kauf und Verkauf gefälschter
ern „to turn an honest penny“ [einen ehrlichen Pfennig zu ver-Sen]
 5 Das Komitee selbst formulierte mehr oder minder naiv
en Ein am rechten Themseufer gelegener Teil Londons, Southwark., 128
3, 1 ao Tldren’s Employment Commission, 1863“, Evidence p. 123, 124,
Hana Alaun, fein gerieben oder mit Salz gemischt, ‚ist ein normaler
Üaferjar are der den bezeichnenden Namen .„.baker’s stuff“ [Bäcker-Uhrt.

ind Ruß ef bekanntlich eine sehr energische Form des Kohlenstofis
Bach ga det ein Düngemittel, das kapitalistische Schornsteinfeger an englische
n ein “ Verkaufen, Es hatte nun 1862 der britische »Juryman [Geschworene]
0 nz Prozeß zu entscheiden, ob Ruß, welchem ‚Ohne Wissen des Käufers
a Staub und Sand beigemischt sind, „wirklicher“ Ruß im „kommer-I
 co Sinne Oder „gefälschter“ Ruß im „gesetzlichen ‚Sinne sel. Die „amis
Mierce“ [„Freunde des Handels“] entschieden, es sei „wirklicher
        <pb n="243" />
        198

Dritter Abschnitt

seine Ueberzeugung, daß Freihandel wesentlich den Handel #
gefälschten, oder wie der Engländer es witzig nennt, „sophistiziert@
Stoffen“ bedeute. In der Tat, diese Art „Sophistik“ versteht es bes®
als Protagoras, schwarz aus weiß und weiß aus schwarz zu mach“
nd besser als die Eleaten, den bloßen Schein alles Realen ad ocu*
[klar] zu demonstrieren.” ;
Jedenfalls hatte das Komitee die Augen des Publikums auf sel
„tägliches Brot“ und damit auf die Bäckerei gelenkt. Gleichzeil®
arscholl in öffentlichen Versammlungen und Petitionen an
Parlament der Schrei der Londoner Bäckergesellen über Ueb#
arbeitung usw. Der Schrei wurde so dringend, daß Herr H. S. Trem®
heere, auch Mitglied der mehrerwähnten Kommission von 1863, zu
königlichen Untersuchungskommissär bestallt wurde. Sein Bericht
3amt Zeugenaussagen regte das Publikum auf, nicht sein Her
sondern seinen Magen. Der bibelfeste Engländer wußte zwar, daß 7
Mensch, wenn nicht durch Gnadenwahl Kapitalist oder Landlord 088
Sinekurist [Inhaber einer Piründe], dazu berufen ist, sein Be
im Schweiße seines Angesichts zu essen, aber er wußte nicht, daß
in seinem Brote täglich ein gewisses Quantum Menschenschw*
essen muß, getränkt mit Eiterbeulenausleerung, Spinnweb®
Schabenleichnamen und fauler deutscher Hefe, abgesehen “
Alaun, Sandstein und sonstigen angenehmen mineralischen !
gredienzien. Ohne alle Rücksicht auf seine Heiligkeit, den „En
handel“, wurde daher die anhero „Ireie“ Bäckerei der Aufsicht Wh
Staatsinspektoren unterworfen (Ende der ‚Parlamentssitzung 180
und durch denselben Parlamentsakt die Arbeitszeit von 9 Wr
abends bis 5 Uhr morgens für Bäckergesellen unter 18 Jahren %
boten. Die letzte Klausel spricht Bände über die Ueberarbeitung
diesem uns so altväterisch anheimelnden Geschäftszweig. d
„Die Arbeit eines Londoner Bäckergesellen beginnt in der Ri
um 11 Uhr nachts. Zu dieser Stunde macht er den Teig, ein nn
mühsamer Prozeß, der */, bis %/, Stunden währt, je nach der Gy
des Gebäcks und seiner Feinheit. Er legt sich dann nieder auf Z
Knetbrett, das zugleich als Deckel des Troges dient, worin der T*

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kommerzieller Ruß, und wiesen den klagenden Pächter ab, der noch ob
ädrein die Prozeßkosten zu zahlen hatte. undl
76 Der französische Chemiker Chevallier, in einer Abhandlung üb“
die „sophistications“ (Verfälschungen) der Waren, zählt unter 600 vr
sinigen Artikeln, die er aufzählt, für viele derselben 10, 20, 80 verschied?,
Methoden der Fälschung auf. Er fügt hinzu, er kenne nicht alle Meth® Y
und erwähne nicht alle, die er kenne. Für den Zucker gibt er 6 Fälschwß,
arten, 9 für das Olivenöl, 10 für die Butter, 12 für das Salz, 19 für ir
Milch, 20 für das Brot, 23 für den Branntwein, 24 für Mehl, 28 n
Schokolade, 30 für Wein, 32 für Kaffee usw. Selbst der liebe Here,
entgeht diesem Schicksal nicht. Siehe Ronard de Card: „De 1a falsificat
des substances sacramentelles. Paris 1856.“ &amp;amp;
77 „Report etc. relating to the Grievances complained of by the Jo?“
men Bakers etc, London 1862“ und „2nd Report ete. London 1863“.

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Achtes Kapitel

199

"Macht wird, und schläft ein paar Stunden, mit einem Mehlsack
ier dem Kopf und einem andern Mehlsack auf dem Leib. Dann
)ginnt eine rasche und ununterbrochene Arbeit von 4 Stunden,
Verfen, Wägen, Formen, in den Ofen schieben, aus dem Ofen
len usw. des Teiges. Die Temperatur eines Backhauses beträgt
‚°2 75 bis 90 Grad [Fahrenheit, 24 bis 32 Grad Celsius] und in den
Veinen Backhäusern eher mehr als weniger... Wenn das Geschäft,
Irot, Wecken usw. zu machen, vollbracht ist, beginnt die Verteilung
les Brotes; und ein beträchtlicher Teil der Tagelöhner, nachdem
T die beschriebene harte Nachtarbeit vollbracht, trägt während
les Tages das Brot in Körben oder schiebt es in Karren von Haus
© Haus und arbeitet dazwischen auch manchmal im „Backhaus.
I Nach der Jahreszeit und dem Umfang des Geschäfts endet
le Arbeit zwischen 1 und 6 Uhr nachmittags, während ein
derer Teil der Gesellen bis spät nachmittags im „Backhaus
Sschäftigt ist.“ ‚Während der Londoner Saison beginnen die
“Sellen der Bäcker zu „Vollen“ Brotpreisen im Westend regel-"äßig
 um 11 Uhr nachts und sind mit dem Brotbacken, unter-‚öchen
 durch einen oder zwei oft sehr kurze Zwischenräume, bis
| Uhr des nächsten Morgens beschäftigt. Sie werden dann bis
55, 6, ja 7 Uhr zur Brotherumträgerei vernutzt oder manchmal mit
. Skuitbacken im Backhaus. Nach vollbrachtem Werk genießen sie
He Schlaf von 6, oft nur von 5 und 4 Stunden. Freitags beginnt
es Arbeit stets früher, sage abends 10 Uhr, und dauert ohne Unter-8
 Sei es bei der Zubereitung, sei es beim Austragen des Brotes,
xx zum folgenden Samstag abends 8 Uhr, aber meist ‚bis 4 oder
, Uhr Morgens am Sonntag. An Sonntagen müssen die Arbeiter
Wei Oder dreimal während des Tages für 1 oder 2 Stunden an-„Send
 sein, um vorbereitende Arbeiten für den nächsten Tag
ie Yerrichten. ... Die Bäckergesellen der „underselling masters
ii das Brot unter dem vollen Preise verkaufen), und „diese
tagen, wie früher bemerkt, über ®%, der Londoner Bäcker,
den Noch längere Arbeitsstunden, aber ihre Arbeit ist fast ganz
das Backhaus beschränkt, da ihre Meister, die Lieferung an
zone Kramladen ausgenommen, nur im eigenen Laden verkaufen.
HE Ende der Woche . .. das heißt am Donnerstag, beginnt hier
9 Arbeit um 10 Uhr in der Nacht und dauert mit nur geringer
erbrechung bis tief in den Samstag abend hinein.“7* .
3 Von den „underselling masters“ begreift selbst der bürgerliche
punkt: „die unbezahlte Arbeit der Gesellen (the unpaid labour
vche Men) bildet die Grundlage ihrer Konkurrenz“,® ‚Und der den
sollen Preis“ bezahlende Bäcker („full priced baker“) denunziert
Dar Unter dem vollen Preise verkaufenden Konkurrenten der
Mersuchungskommission als Diebe fremder Arbeit und Fälscher.
N ne 1st Report ete., p. VI.
©nda, S, LXXI.
% George” Read N Che History of Baking. London 1848“, p. 16.

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        200

Dritter Abschnft

An

„Sie behaupten sich nur durch den Betrug des Publikums und &amp;amp;
durch, daß sie 18 Stunden aus ihren Gesellen für einen Lohn v®
12 Stunden herausschlagen.“ 2 .
Die Brotfälschung und die Bildung einer Bäckerklasse, die we
Brot unter dem vollen Preise verkauft, entwickelten sich in Engla?
seit Anfang des 18. Jahrhunderts, sobald der Zunficharakter d®
Gewerbes verfiel und der Kapitalist in der Gestalt von Müller 0d*
Mehlagent hinter den nominellen Bäckermeister trat. Damit **
die Grundlage zur kapitalistischen Produktion, zur maßlosen V”
längerung des Arbeitstages und Nachtarbeit gelegt, obgleich letzte!‘
selbst in London erst 1824 ernsthaft Fuß faßte.®
Man wird nach dem vorhergehenden verstehen, daß der Ko?
missionsbericht die Bäckergesellen zu den kurzlebigen Arbeite”
zählt, die, nachdem sie der unter allen Teilen der Arbeiterkla*
normalen Kinderdezimation [Hinwegraffung] glücklich entwist
sind, selten das 42, Lebensjahr erreichen. Nichtsdestoweniger ist dt
Bäckergewerbe stets mit Kandidaten überfüllt. Die Zufuhrquell®
lieser „Arbeitskräfte“ für London sind Schottland, die westlich”
Agrikulturdistrikte Englands und — Deutschland.
In den Jahren 1858 bis 1860 organisierten die Bäckergesell®
in Irland auf ihre eigenen Kosten große Versammlungen X
Agitation gegen die Nacht- und Sonntagsarbeit. Das Publikum, zur
Beispiel auf dem Maimeeting zu Dublin, 1860, ergriff mit irisch
Wärme Partei für sie. Ausschließliche Tagarbeit wurde durch di
Bewegung if der Tat erfolgreich durchgesetzt zu Wexford, Kilkem?
Clonmel, Waterford usw. „Zu Limerick, wo die Qualen der LO
gesellen bekanntermaßen alles Maß überstiegen, scheiterte ©
Bewegung an der Opposition der Bäckermeister, namentlich dd
Bäcker-Müller. Das Beispiel Limericks führte zum Rückschritt ;
Ennis und Tipperary. Zu Cork, wo der öffentliche Unwille sich e
der lebhaftesten Form kundgab, vereitelten die Meister die Beweg!"
durch den Gebrauch ihrer Macht, die Gesellen an die Luft zu sel d
Zu Dublin leisteten die Meister den entschiedensten Widersl®,
ınd zwangen durch Verfolgung der Gesellen, die an der Spitze 0
81 First Report ete. Evidence. Aussage des „full priced nab®
Zheeseman, p. 108, je
82 George Read: „The History of Baking. London 1848.“ Ende be
17. und anfangs des 18. Jahrhunderts wurden die in alle möglichen CD
sich eindrängenden Faectors (Agenten) noch offiziell als Gemeinsch? gl
„Public Nuisances‘“, denunziert. So erließ zum Beispiel die Grand du
bei der vierteljährlichen Friedensrichtersitzung in der Grafschaft Some
eine Vorstellung, „presentment‘, an das Unterhaus, worin es unter and“
heißt: „that these factors of Blackwell Hall are a Publie Nuisance Wo
Prejudice to the Clothing Trade and ought to be put down as a Nuisa(
[„daß diese Agenten von Blackwell Hall ein Gemeinschaden und Nach “)
ür das Tuchgewerbe sind und als Schaden abgeschafft werden solle?
(„The Case of our English Wool ete. London 1685“, p. 6, 7.)
3 First Report ete,, p. VI

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Chtes Kapitel.

1a

201

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‘eitation standen, den Rest zum Nachgeben, zur Fügung in die
Acht- und Sonntagsarbeit.‘“% Die Kommission der in Irland bis
2 die Zähne gewaffneten englischen Regierung macht den unerbitt-‚Chen
 Bäckermeistern von Dublin, Limerick, Cork usw. leichenbitterhe
 Vorstellungen: „Das Komitee glaubt, daß die Arbeitsstunden
urch Naturgesetze beschränkt sind, die nicht ungestraft verletzt
‚°rden, Indem die Meister durch die Drohung, sie fortzujagen,
Are Arbeiter zur Verletzung ihrer religiösen Ueberzeugung, zum
!ügehorsam gegen das Landesgesetz und die Verachtung der öffent-‚hen
 Meinung zwingen (dies letztere‘ bezieht sich alles auf die
Antagsarbeit), setzen sie böses Blut zwischen Kapital und Arbeit
Ad geben ein Beispiel, gefährlich für Religion, Moralität und öffent-Che
 Ordnung. ... Das Komitee glaubt, daß die Verlängerung des
\'beitstages über 12 Stunden ein usurpatorischer Eingriff ‚in das
Aßliche und Privatleben des Arbeiters ist und zu unheilvollen
‚Otalischen Resultaten führt, durch Einmischung in die Häuslich-U
 eines Mannes und die Erfüllung seiner Familienpflichten als
v% Bruder, Gatte und Vater. Arbeit über 12 Stunden hat die
‚denz, die Gesundheit des Arbeiters zu untergraben, führt zu
eitiger Alterung und frühem Tod und daher zum Unglück der
‚beiterfamilien, die der Vorsorge und der Stütze des Familien-“Uptes
 gerade im notwendigsten Augenblick beraubt werden
„are deprived“).8,
Wir waren eben in Irland. Auf der andern Seite des Kanals,
N Schottland, weist der Ackerbauarbeiter, der Mann des Pfluges,
autor auf seine dreizehn- bis vierzehnstündige Arbeit hin, im
Kasten Klima, mit vierstündiger Zusatzarbeit für den Sonntag (in
arm Lande der Sabbat-Heiligen!),* während vor einer Londoner
“nd Juryse gleichzeitig drei Eisenbahnarbeiter stehen, ein Personen-©
 „Report of Committee on the Baking Trade in Ireland for 1861.“
enda,
"m © Oeffentliche Versammlung der Landarbeiter in Lasswade bei Glasgow
Die pr Januar 1866. (Siehe „Workman’s Advocate“ vom 13, Januar 1866.)
Una dung, seit Ende 1865, einer Trades Union unter den Landarbeitern,
rück in Schottland, ist ein historisches Ereignis, In einem der aber
(Ohr Ssten Agrikulturdistrikte Englands, in Buckinghamshire, machten dio
On 9 Deiter März 1867 einen großen Streik zur Erhöhung des Wochenlohnes
lag 4. Dis 10 Shilling auf 12 Shilling. — (Man sieht aus vorstehendem,
ine Bewegung des englischen Ackerbauproletariats, seit Unterdrückung
Uhr SCwaltsamen Demonstrationen nach 1830 und namentlich seit Einfahrer
 des neuen Armengesetzes ganz und gar gebrochen, in den sechziger
tn Wieder beginnt, bis sie endlich 1872 epochemachend wird, Ich
zaubı hierauf im zweiten Band zurück, ebenso auf die seit 1867 erschienenen
) Auflage über die Lage des englischen Landarbeiters, Zusatz zur
8,
u is »Große Jury“, ein Geschworenengericht von 24 Geschworenen, das
derjop Heiden hat, ob eine Anklage berechtigt ist und der Angeklagte vor
VB: (wie es weiter unten heißt: „die nächsten Assisen“) gestellt
Tden soll. K

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        202

Dritter Abscht!

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kondukteur, ein Lokomotivführer und ein Signalgeber. Ein groß
Eisenbahnunglück hat Hunderte von Passagieren in die andere W*
expediert. Die Nachlässigkeit der Eisenbahnarbeiter ist die Ursa®
des Unglücks. Sie erklären vor den Geschworenen einstimmig, *
10 bis 12 Jahren habe ihre Arbeit nur 8 Stunden täglich gedau
Während der letzten 5 bis 6 Jahre habe man sie auf 14, 18 w
20 Stunden hinaufgeschraubt und bei besonders jebhaftem Zudi#
der Reiselustigen, wie in den Perioden der Sonderzüge, währe
oft ununterbrochen 40 bis 50 Stunden. Sie seien gewöhnlit
Menschen und keine Zyklopen. Auf einem gegebenen Punkt vo
sage ihre Arbeitskraft. Lähmung ergreife sie. Ihr Hirn höre R
zu denken und ihr Auge zu sehen. Der ganz und gar „respect
British Juryman“ antwortet durch ein Verdikt, das sie wegen „Do
slaughter‘“ [Tötung] vor die nächsten Assisen schickt, und in ein
milden Anhang den fronmen Wunsch äußert, die Herren Kap ie
magnaten der Eisenbahn möchten doch in Zukunft verschwei%
rischer im Ankauf der nötigen Anzahl von „Arbeitskräften“ ®
„enthaltsamer“ oder „entsagender“ oder „sparsamer“ in der AB
3augung der bezahlten Arbeitskraft sein.®? »
Aus dem buntscheckigen Haufen der Arbeiter von allen Ye
fessionen, Altern, Geschlechtern, die eifriger auf uns andrängeD
die Seelen der Erschlagenen auf den Odysseus, und denen nn
ohne die Blaubücher unter ihren Armen, auf den ersten Blick )
Ueberarbeit ansieht, greifen wir noch zwei Figuren heraus, den
f{rappanter Kontrast beweist, daß vor dem Kapital alle Mens®
gleich sind — eine Putzmacherin und einen Grobschmied.
57 „Reynolds’ Newspaper“, 20. Januar 1866. Woche für Woche pa‘
dasselbe Wochenblatt gleich darauf, unter den „Aaufsehenerregenden Del
schriften“: „Gräßliche und mörderische Unglücksfälle“, „EntsetzP®.
Tragödien“ usw., eine ganze Liste neuer Eisenbahnkatastrophen. Dar
antwortet ein Arbeiter von der North Staffordlinie: „Jedermann kenl, ß
Folgen, wenn die Aufmerksamkeit von Lokomotivführer und Heizer Sr
Augenblick erlahmt. Und wie ist es anders möglich bei maßloser gl
längerung der Arbeit, im rauhesten Wetter, ohne Pause und Erhol/t%
Nehmt als ein Beispiel, wie es täglich vorkommt, folgenden Fall. Lena
Montag begann ein Heizer sehr früh morgens sein Tagewerk. Er € y
es nach 14 Stunden 50 Minuten. Bevor er auch nur die Zeit hatte, SO
Tee zu nehmen, rief man ihn von neuem an die Arbeit. . .. Sie da
diesmal 14 Stunden 25 Minuten; er hatte also 29 Stunden 15 Mind
ununterbrochen durchzuschanzen. Der Rest seines Wochenwerks en
sich in folgender Weise zusammen: Mittwoch 15 Stunden, Donne ig
15 Stunden 35 Minuten, Freitag 14*/3 Stunden, Sonnabend 14 SW
10 Minuten; zusammen für die Woche 88 Stunden 40 Minuten. Und je
denkt euch sein Erstaunen, als er nur Zahlung für 6 Arbeitstage CA
Der Mann war ein Neuling und fragte, was man unter einem Tage”
verstehe, Antwort: 13 Stunden, also 78 Stunden pro Woche, Aber os
mit der Zahlung für die überschüssigen 10 Stunden 40 Minuten? dl.
langem Hader erhielt er eine Vergütung von 10 Pence [80 Pfenm#
(„Reynolds’ Newspaper“ vom 4, Februar 1866.)

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\chtes Kapitel.

203

A In den letzten Wochen vom Juni 1863 brachten alle Londoner
esblätter eine Notiz mit dem „sensationellen“ Aushängehild;
 „Death from simple Overwork“ (Tod von einfacher Ueber-Ybeit),
 Es handelte sich um den Tod der Putzmacherin Mary
\ane Walkley, zwanzigjährig, beschäftigt in einer sehr respektablen
fputzmanufaktur, ausgebeutet von einer Dame mit dem gemüt-‘hen
 Namen Elise. Die alte, oft erzählte Geschichte ward nun neu
Aideckt,ss daß diese Mädchen durchschnittlich 16'/, Stunden, wäh-1üd
 der Saison aber oft 30 Stunden ununterbrochen arbeiten, indem
dre Versagende „Arbeitskraft“ durch gelegentliche Zufuhr von
her, Portwein oder Kaffee flüssig erhalten wird. Und es war
“r2de die Höhe der Saison. Es galt die Prachtkleider edler Ladies
N den Huldigungsball bei der frisch importierten Prinzessin von
60108 im Umsehen fertig zu zaubern. Mary Anne Walkley hatte
U) Stunden ohne Unterlaß gearbeitet zusammen mit 60 andern
Jädchen, je 30 in einem Zimmer, das kaum ein Drittel der nötigen
bikzolle Luft gewährte, während sie nachts zwei zu zwei ein
‚a teilten in einem der Sticklöcher, worin ein Schlafzimmer durch
ySchiedene Bretterwände abgepfercht ist.®® Und dies war eine
% besseren Putzmachereien Londons. Mary Anne Walklevy era

 Val. F, Engels: „Die Lage der arbeitenden Klasse in England.
“Pig 1845“ S, 959, 254° [Stutigarter Ausgabe S. 211 ff.] Gonterend
A ® Dr. Letheby, beim Board of Health [Gesundheitsamt] funktionieren er
ct Srklärte damals: „Das Minimum für die Erwachsenen sollte in C—
ee äfzimmer 300 Kubikfuß und in einem Wohnzimmer 500 Kubikfuß u
de Dr, Richardson, Oberarzt eines Londoner Hospitals: „Näherinnen
iQ Art, Putzmacherinnen, Kleidermacherinnen und gewöhnliche tan
qaLen an dreifachem Elend — UVeberarbeit, Lufimangel und Mange. Dan
weeng Oder Mangel an Verdauung. Im ganzen paßt diese Art Ar ei
lass, Allen Umständen besser für Weiber als für Männer. Aber es ist
6 Unheil des Geschäfts, daß es, namentlich in der Hauptstadt, von etwa
Zn Kapitalisten monopolisiert wird, die durch Machtmittel, welche Den
in (al entspringen (that spring from capital), Oekonomie aus der Arbei
ur Zwingen (force economy out of labour; er meint, Auslagen ersparen
les Verschwendung der Arbeitskraft). Ihre Macht wird. im Ne
a Sanzen. Klasse von Arbeiterinnen gefühlt. Kann eine Kleidermacherin
ch Kleinen Kreis von Kunden gewinnen, so zwingt die N ans
Jeb ZU Hause tot zu arbeiten, um ihn zu erhalten, und mit ‚derse a
Jesern Tbeit muß sie notwendig ihre Gehilfinnen heimsuchen, Mi ngt il t
x hätt Oder kann sie sich nicht selbständig etablieren, so wendet sie sic
St nn Etablissement, wo die Arbeit nicht geringer, aber die Zahlung sicher
lede So S6stellt, wird sie eine reine Sklavin, hin ‚und her geschleudert von
A Flutung der Gesellschaft; bald zu Hause in einem kleinen Zimmer
8 Segernd, Oder nahe so; dann wieder von 24 Stunden 15, 16, ja
lie (unden beschäftigt in kaum erträglicher Luft und mit einer Nahrung,
tan Abst wenn gut, wegen Abwesenheit reiner Luft nicht verdaut werden
Stanz, Yon diesen Opfern lebt die Schwindsucht, die nichts ist als eine
a AUheit infolge schlechter Luft.“ (Dr. Richardson: „Work and Overwor
"Social Science Review“, 18. Juli 1863.)
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        204

Dritter Abschn*

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krankte am Freitag und starb am Sonntag, ohne, zum Erstaunen
Frau Elise, auch nur vorher das letzte Putzstück fertig zu mach®
Der zu spät ans Sterbebett gerufene Arzt, Herr Keys, bezeugte ww
der „Coroners Jury“ [dem Totenbeschauschwurgericht] in dür®
Worten: „Mary Anne Walkley sei gestorben an langen Arbeit
stunden in einem überfüllten Arbeitszimmer und überengem, schle®
ventiliertem Schlafgemach.“ Um dem Arzt eine Lektion in gu
Lebensart zu geben, erklärte dagegen die „Coroners Jury“: „D
Hingeschiedene sei gestorben an einem Schlaganfall, aber es ©
Grund, zu fürchten, daß ihr Tod durch Ueberarbeit in einer üb“
füllten Werkstatt usw. beschleunigt worden sei.“ Unsere „weiß
Sklaven,“ rief der „Morning Star“, das Organ der Freihandelsherr
Cobden und Bright, „unsere weißen Sklaven werden in *
Grab hineingearbeitet und verderben und sterben ohne Sang ®
Klang.“ % |
„Zu Tode arbeiten ist die Tagesordnung, nicht nur in der wer
stätte der Putzmacherinnen, sondern in tausend Plätzen, ja an jed®”
Platz, wo das Geschäft im Zug ist. ... Laßt uns den Grobschm“
als Beispiel nehmen. Wenn man den Dichtern glauben darf, gibt ;
keinen so lebenskräftigen, lustigen Mann als den Grobschmied.
erhebt sich früh und schlägt Funken vor der Sonne; er ißt und til
und schläft wie kein anderer Mensch. Rein physisch betrachtet T
findet er sich, bei mäßiger Arbeit, in der Tat in einer der nes
menschlichen Stellungen. Aber wir folgen ihm in die Stadt u
sehen die Arbeitslast, die auf den starken Mann gewälzt wird, Ze
welchen Rang nimmt er ein in den Sterblichkeitslisten uns
Landes? In Marylebone (einem der größten Stadtviertel Lond®”

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%0 „Morning Star“, 23. Juni 1863. Die „Times“ benutzte den vo
zur Verteidigung der amerikanischen Sklavenhalter gegen Bright usw. Ef
viele von uns“, sagt sie, „meinen, daß, solange wir unsere eigenen jun%
Frauenzimmer zu Tode arbeiten, mit der Geißel des Hungers statt de
Knall der Peitsche, wir kaum das Recht haben, Feuer und Schwert %
Familien zu hetzen, die als Sklavenhalter geboren waren und ihre Si
mindestens gut nähren und mäßig arbeiten lassen.“ („Times“, 2, Juli 1 d
In derselben Weise kanzelte der „Standard“, ein Toryblatt, den Rev? Ci
Newman Hall ab: „Er exkommuniziere die Sklavenhalter, bete aber 7
den braven Leuten, die Kutscher und Omnibusführer von London us" %
16 Stunden täglich für einen Hundelohn arbeiten ließen.“ Endlich PT
das Orakel, Herr Thomas Carlyle, von dem ich schon 1850 drucken Ds
„Zum Teufel ist der Genius, der Kultus ist geblieben.“ In einer Kl
Parabel reduziert er das einzig großartige Ereignis der Zeitgeschicht®
amerikanischen Bürgerkrieg, darauf, daß der Peter vom Norden dem Pas
vom Süden mit aller Gewalt den Hirnschädel einschlagen will, weil w
Peter vom Norden seinen Arbeiter „täglich“ und der Paul vom Süde» W
für „Lebzeit mietet‘“, („„Macmillan’s Magazine.“ Ilias Americana in Di
Augustheft 1863.) So ist endlich die Schaumblase der Torysympatbl®
den städtischen — beileibe nicht den ländlichen! — Lohnarbeiter gep!
Der Kern heißt — Sklaverei!

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\chtes Kapitel.

205

7

terben Grobschmiede in dem Verhältnis von 31 pro 1000 jährlich,
der 11 über der Durchschnittssterblichkeit erwachsener Männer
% England. Die Beschäftigung, eine fast instinktive Kunst der
"enschheit, an und für sich tadellos, wird durch bloße Ueber-"Sibung
 der Arbeit der Zerstörer des Mannes. Er kann so viel
lammerschläge täglich schlagen, so viel Schritte gehen, so. viel
\emzüge holen, so viel Werk verrichten, und durchschnittlich sage
® Jahre leben. Man zwingt ihn, so viel mehr Schläge zu schlagen,
© viel mehr Schritte zu gehen, so viel öfter des Tages zu atmen,
Md alles zusammen seine Lebensaufgabe täglich um ein Viertel zu
‚mehren. Er macht den Versuch, und das Resultat ist, daß er
(eine beschränkte Periode ein Viertel mehr Arbeit verrichtet und
M 37, Jahre statt im 50. stirbt.“

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4. Tag- und Nachtarbeit. Das Ablösungssystem.
N konstante Kapital, die Produktionsmittel, sind, vom Standnit
 lt des Verwertungsprozesses betrachtet, nur da, um Arbeit und
nz dem Tropfen Arbeit ein proportionelles Quantum Mehrarbeit
ner Aügen. Soweit sie das nicht tun, bildet ihre bloße Existenz
- negativen Verlust für den Kapitalisten, denn sie repräsenrer
 Während der Zeit, wo sie brach liegen, nutzlosen Kapitalnee
 und dieser Verlust wird positiv, sobald die Unterbrechung
die Mleus Auslagen nötig macht für den Wiederbeginn des Werkes,
liche erlängerung des Arbeitstages über die Grenzen des natür-"iche
 Tages in die Nacht hinein wirkt nur als Palliativ [nicht aus-Arber,
 stillt nur annähernd den Vampirdurst nach lebendigem
ist qaSbluf, Arbeit während aller 24 Stunden des Tages anzueignen,
dies äher der immanente Trieb der kapitalistischen Produktion. Da
ind Ne physisch unmöglich, würden dieselben Arbeitskräfte Tag
des ".— fortwährend ausgesaugt, so bedarf es, zur Ueberwindung
and P\Ysischen Hindernisses, der Abwechslung zwischen den bei Tag
Schie gt verspeisten Arbeitskräften, einer Abwechslung, die verin
 ze Methoden zuläßt, zum Beispiel so geordnet sein kann, daß
lie x des Arbeiterpersonals eine Woche Tagdienst, Nachtdienst
stem TO Woche versieht usw. Man weiß, daß dies Ablösungsder
 en diese Wechselwirtschaft, in der vollblütigen Jugendperiode
der üglischen Baumwollindurtrie usw. vorherrschte, und unter
Mogkar Eegenwärtig in den Baumwollspinnereien des Gouvernements
Do dukt  üht. Als System existiert dieser vierundzwanzigstündige
Weige lionsprozeß heute noch in vielen bis jetzt „freien“ Industrie-Walz
 Großbritanniens, unter andern in den Hochöfen, Schmieden,
ud Sch pn und andern Metallmanufakturen von England, Wales
len d Ottland. Der Arbeitsprozeß umfaßt hier außer den 24 Stun-6
 Werkeltage großenteils auch die 24 Stunden des Sonntags.

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91
8, Juli ze Fichardson: „Work and Overwork“ in „Social Science Review“,
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        206

Dritter Abschnif

Die Arbeiter bestehen aus Männern und Weibern, Erwachsenen ul
Kindern beiderlei Geschlechtes. Das Alter der Kinder und jung®
Personen durchläuft alle Zwischenstufen vom 8. (in einigen Fäll®
vom 6.) bis zum 18. Jahr.** In einigen Branchen arbeiten auch d*
Mädchen und Weiber des Nachts zusammen mit dem männlich
Personal.® .
Von den allgemeinen schädlichen Wirkungen der Nachtarb“
abgesehen,** bietet die ununterbrochene, vierundzwanzigstündi#
Dauer des Produktionsprozesses höchst willkommene Gelegenhe!
die Grenze des nominellen Arbeitstages zu überschreiten. Zu
Beispiel in den vorhin erwähnten, sehr anstrengenden Industr”
®2 „Children’s Employment Commission. 3rd Report. London 1867
p. IV, V, VL
% „Sowohl in Staffordshire als auch in Süd-Wales werden ju®
Mädchen und Frauen in Kohlengruben und auf Koksplätzen nicht nur Wr
Tag, sondern auch bei Nacht beschäftigt. In den dem Parlament erstatie!
Berichten wurde wiederholt auf die großen und offenkundigen Mißstät®
hingewiesen, die dieses Verfahren mit sich bringt. Diese Frauen, *
gemeinsamer Arbeit mit den Männern von diesen in der Kleidung ka
unterschieden, besudelt mit Schmutz und Rauch, verlieren ihre Selb?
achtung und sinken infolgedessen in ihrem Charakter. Das ist die geradt
notwendige Folge ihrer unweiblichen Beschäftigung.“ (Ebenda 194, p. xX
Vgl. 4th Report [1865], 61, p. XIII.) Ebenso in Glasfabriken.
% „Es scheint natürlich,“ bemerkte ein Stahliabrikant, der Kinder %
Nachtarbeit verwendet, „daß die Jungen, die nachts arbeiten, bei Tag ni
schlafen und keine ordentliche Ruhe finden können, sondern rastlos 7
nächsten Tage herumlaufen.“ („Children’s Employment Commiss”,
14h Report“, 68, p. XIII) Ueber die Wichtigkeit des Sonnenlichts P
Erhaltung und Entwicklung des Körpers bemerkt ein Arzt unter andeil
„Licht wirkt auch direkt auf die Gewebe des Leibes, denen es Härte er
Elastizität gibt. Die Muskeln von Tieren, denen man das normale Qual,
Licht vorenthält, werden schwammig und unelastisch, die Nerven
lieren ihre Spannkraft durch Mangel an Reizungen, und die Ausarbeil®
ron allem, was im Wachstum begriffen ist, wird verkümmert ... Im E
von Kindern ist beständiger Zutritt von reichlichem Tageslicht und id
direkten Sonnenstrahlen während eines Teiles des Tages durchaus wesen
für die Gesundheit, Licht hilft die Speisen zu gutem, stoffbildendem FE
verarbeiten und härtet die Muskelfaser, nachdem sie gebildet ist. Es Wal
3benso als Reizmittel auf die Sehorgane und ruft hierdurch größere Tätige,
n verschiedenen Hirnfunktionen hervor.“ Herr W. Strange, Oberarzt 6
Worcester „General Hospital“, aus dessen Schrift über „Gesundheit“ er
diese Stelle entlehnt ist, schreibt in einem Brief an einen der Us
suchungskommissäre, Herrn White: „Ich habe früher in Lancashire Gele,
heit gehabt, die Wirkungen der Nachtarbeit auf Fabrikkinder zu beobadhı.
und im Widerspruch zu der beliebten Versicherung einiger Arbeilß?y
erkläre ich mit Entschiedenheit, daß die Gesundheit der Kinder Da
darunter litt.“ („Children’s Employment Commission. A4th Report“, er
p. 55.) Daß solche Dinge überhaupt den Gegenstand ernsthafter Kg
versen bilden, zeigt am besten, wie die kapitalistische Produktion auf M
„Gehirnfunktionen‘“ der Kapitalisten und ihrer retainers [Dienstmar”
wirkt.

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5f)

\chtes Kapitel,

207

‚weigen beträgt der offizielle Arbeitstag für jeden Arbeiter meist
@ Stunden, Nachtstunden oder Tagstunden. Aber die Ueberarbeit
ber diese Grenze hinaus ist in vielen Fällen, um die Worte des
glischen offiziellen Berichtes zu brauchen, „wirklich schauderhaft“
wiruly fearful“).?* „Kein menschliches Gemüt“, heißt es, „kann die
Arbeitsmasse, die nach den Zeugenaussagen durch Knaben von
) bis 12 Jahren verrichtet wird, überdenken, ohne unwiderstehlich
Um Schluß zu kommen, daß dieser Machtmißbrauch der Eltern und
\rbeitgeber nicht länger erlaubt werden darf.‘
„Die Methode, Knaben überhaupt abwechselnd Tag und Nacht
beiten zu lassen, führt, sowohl während des Geschäftsdranges als
Vährend des gewöhnlichen Verlaufes der Dinge, zu schmählicher
Verlängerung des Arbeitstages. Diese Verlängerung ist in vielen
Fällen Nicht nur grausam, sondern geradezu unglaublich. Es kann
\cht fehlen, daß aus einer oder der andern Ursache ein Ablösungsabe
 hier und da wegbleibt. Einer oder mehrere der anwesenden
Aüaben, die ihren Arbeitstag bereits vollbracht, müssen dann den
Dielall gutmachen. Dies System ist so allgemein bekannt, daß der
Tektor eines Walzwerkes auf meine Frage, wie die Stelle der
wesenden Ersatzknaben ausgefüllt würde, antwortete: Ich weiß
ch, daß Sie das ebensogut wissen wie ich, und er nahm keinen
“Astand, die Tatsache zu gestehen.“
»In einem Walzwerke, wo der nominelle Arbeitstag von 6 Uhr
tgens bis 5'/, Uhr abends dauerte, arbeitete ein Junge 4 Nächte
(6 Woche bis mindestens 8!/, Uhr abends des nächsten Tages...
% U dies während 6 Monaten.“ „Ein anderer arbeitete im Alter von
Jahren manchmal 3 zwölfstündige Arbeitsschichten nacheinander
im Alter von 10 Jahren 2 Tage und 2 Nächte nacheinander.“
% 2 Dritter, jetzt 10 Jahre, arbeitete von morgens 6 Uhr bis 12 Uhr
ne Nacht 8 Nächte durch und bis 9 Uhr abends während der
aacr 2 Nächte.“ „Ein Vierter, jetzt 13 Jahre, arbeitete von 6 Uhr
z Amittags bis den andern Tag 12 Uhr mittags während einer
n Zen Woche, und manchmal 3 Schichten nacheinander, zum Bei-3
 Yon Montag morgen bis Dienstag nacht.“ „Ein Fünfter, jetzt
Nor ähre, arbeitete in einer Eisengießerei zu Stavely von 6 Uhr
\ Köns bis 6 Uhr nachts während 14 Tagen, ist unfähig, es länger
Pro George Allinsworth, neunjährig: „Ich kam hierhin letzten
Ich DS Nächsten Tag hatten wir um 3 Uhr morgens anzufangen.
Schli lieb daher die ganze Nacht hier. Wohne 5 Meilen von hier.
dei "ef auf dem Fußboden mit einem Schurzfell unter mir und einer
Un Jacke über mir. Die 2 andern Tage war ich hier um
Ar, r Morgens. Ja! dies ist ein heißer Platz! Bevor ich herkam,
“Mete ich ebenfalls während eines ganzen Jahres in einem Hoch-95


mpenda 57, S. XL
enda (4ih R
7 Ebenga © eport, 1865) 58, S. XIL
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        208

Dritter Abschnit

ofen. Es war ein sehr großes Werk auf dem Lande. Begann au“
Samstags morgens um 3 Uhr, aber ich konnte wenigstens nach Hat“
schlafen gehen, weil es nah war. An andern Tagen fing ich 6 UM
morgens an und endete 6 oder 7 Uhr abends“ usw.®

% Ebenda, S. XIII. Die Bildungsstufe dieser „Arbeitskräfte“ muß nat
lich so sein, wie sie in folgenden Dialogen mit einem der Untersuchung”
kommissäre erscheint! Jeremias Haynes, 12 Jahre alt: » +. Viermal vier ®
acht, aber vier Vierer (4 fours) sind 16 ... Ein König ist der, dem alle
Geld und Gold gehört. Wir haben einen König, man sagt, er ist ein?
Königin, sie nennen sie Prinzessin Alexandra. Man sagt, sie heiratete det
Königin Sohn. Eine Prinzessin ist ein Mann.“ Wm, Turner, zwölfjährl®‘
„Lebe nicht in England. Denke, es gibt solch ein Land, wußte nichts dar“
zuvor.“ ‚John Morris, vierzehnjährig: „Habe sagen hören, daß Gott die wel
gemacht und daß alles Volk ersoff, außer einem; habe gehört, daß eiD®
3in kleiner Vogel war.“ William Smith, fünfzehnjährig: „Gott machte den Mall
der Mann machte das Weib.“ Edward Taylor, fünfzehnjährig: „Weiß nich”
von London.“ Henry Matthewman, siebzehnjährig: „Geh’ manchmal in &amp;amp;
Kirche . . . Ein Name, worüber sie predigen, war ein gewisser Jesus Chr
aber ich kann keine andern Namen nennen, und ich kann auch nichts .
ihn sagen. Er wurde nicht gemordet, sondern starb wie andere Leute- .
war nicht so, wie andere Leute in gewisser Art, weil er religiös war 0
gewisser Art, und andere ist es nicht.“ („He was not the same as ol
people in some ways, because he was religious in some ways, and 'others $
a’t.“) (Ebenda 74, S. XV.) „Der Teufel ist eine gute Person. Ich w*%
aicht, wo er lebt. Christus war ein schlechter Kerl.“ „Dies Mädchen (z%%
Jahre) buchstabierte God Dog und kannte den Namen der Königin nicht
(„Children’s Employment Commission, 5ih Report, 1866“, p. 55, nm. 2
Dasselbe System, wie in den erwähnten Metallmanufakturen, herrscht ie
den Glas- und Papierfabriken. In den Papierfabriken, wo das Pap,
mit Maschinen gemacht wird, ist Nachtarbeit die Regel für alle ProzeS
außer dem der Lumpensortierung. In einigen Fällen wird die Nachtarbt,
vermittels Ablösungen, unaufhörlich die ganze Woche durch fortges?
gewöhnlich von Sonntag Nacht bis 12 Uhr Nacht des folgenden Sams?
Die Mannschaft, die sich an der Tagesreihe befindet, arbeitet 5 Tage U
12 und einen von 18 Stunden, und die der Nachtreihe 5 Nächte von 12 Stunde,
und eine von 6 Stunden, in jeder Woche. In andern Fällen arbeitet
Reihe 24 Stunden, die eine nach der andern, an Wechseltagen. Eine Re ®
arbeitet 6 Stunden am Montag und 18 am Samstag, um 24 Stunden vol
machen. In andern Fällen ist ein Zwischensystem eingeführt, worin ne
an der Papiermacher-Maschinerie Angestellten jeden Tag in der Wo,
15 bis 16 Stunden arbeiten. Dies System, sagt Untersuchungskommissär De
Scheint alle Uebel der Zwölfstunden- und Vierundzwanzigstunden-Ablös @
zu vereinigen. Kinder unter 13 Jahren, junge Personen unter 18 Jah
und Weiber arbeiten unter diesem Nachtsystem. Manchmal, in dem ZW
stundensystem, mußten sie, wegen Ausbleibens der Ablöser, die doPPr
Reihe von 24 Stunden arbeiten. Zeugenaussagen beweisen, daß Km® #
und Mädchen sehr oft Ueberzeit arbeiten, die sich nicht selten zu Dh
36 Stumden ununterbrochener Arbeit ausdehnt. In dem „kontinuierli“ vo
und unveränderlichen“ Prozeß der Glasierräume findet man Mädchel not
12 Jahren, die den ganzen Monat durch täglich 14 Stunden arbeiten, a
irgendeine regelmäßige Erholung oder Unterbrechung außer 2, höch®

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Achtes Kapitel,

209

Laßt uns nun hören, wie das Kapital selbst dieses Vierund-Wänzigstunden-System
 auffaßt. Die Uebertreibungen des Systems,
Sinen Mißbrauch zur „grausamen und unglaublichen“ Verlängerung
les Arbeitstages, übergeht es natürlich mit Stillschweigen. Es spricht
Wr von dem System in seiner „normalen“ Form. . .
u »Die Herren Naylor und Vickers, Stahlfabrikanten, die zwischen
0 und 700 Personen anwenden, und darunter nur 10 pZt. unter
3 Jahren, und hiervon wieder nur 20 Knaben zum Nachtpersonal,
ern Sich wie folgt: „Die Knaben leiden durchaus nicht von der
Mitze, Die Temperatur ist wahrscheinlich 30 bis 32 Grad Celsius.
;* In den Schmiede- und Walzwerken arbeiten die Hände Tag und
Yacht ablösungsweise, aber dahingegen ist auch alles andere Werk
(a9werk, von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends. In der Schmiede
7ird von 12 Uhr bis 12 Uhr gearbeitet. Einige Hände arbeiten
während des Nachts, ohne Wechsel zwischen Tag- und Nachtbeit,
 ‚+. Wir finden nicht, daß Tag- oder Nachtarbeit irgendeinen
Mterschied in der Gesundheit (der Herren Naylor und Vickers?)
yocht, und wahrscheinlich schlafen Leute besser, wenn sie dieselbe
Übepause genießen, als wenn sie wechselt. ... Ungefähr 20 Knaben
wir 18 Jahren arbeiten mit der Nachtmannschaft, . . . Wir
Pünten’s Nicht recht tun (not well do), ohne die Nachtarbeit von
gen unter 18 Jahren. Unser Einwurf ist — die Vermehrung
En Produktionsunkosten. Geschickte Arbeiter und Werkführer
"nd Schwer zu haben, aber Jungens kriegt man, soviel man will.
X ) Natürlich, in Anbeiracht der geringen Proportion von Jungen,
% ‚Wir verwenden, wären Beschränkungen der Nachtarbeit von
Sig Wichtigkeit oder Interesse für uns.“ ®
I Herr J. Ellis, von der Firma der Herren John Brown &amp;amp; Co.,,
hl. und Eisenwerke, die 3000 Männer und Jungen anwenden,
ud zwar für Teil der schweren Stahl- und Eisenarbeit „Tag
I Nacht, in Ablösungen“, erklärt, daß in den schweren Siahl-Apcen
 1 oder 2 Jungen auf 2 Männer kommen. Ihr Geschäft
De 500 Jungen unter 18 Jahren und davon ungefähr ein Drittel, oder
ing ler 18 Jahren. Mit Bezug auf die vorgeschlagene Gesetzv
 “ung meint Herr Ellis: „Ich glaube nicht, daß es sehr tadelhaft
2 Objectionable) wäre, keine Personen unter 18 Jahren über
jag üden aus den 24 arbeiten zu lassen. Aber ich glaube ‚nicht,
Kür Man irgendeine Linie ziehen kann für die Entbehrlichkeit von
In 8Ch über 12 Jahren für die Nachtarbeit. Wir würden sogar eher
de Gesetz annehmen, überhaupt keine Jungen unter 13 Jahren
Selbst unter 15 Jahren zu verwenden, als ein Verbot, die
}
ta OStündigen Ausfällen für Mahlzeiten“. In einigen Fabriken, wo
it die 76guläre Nachtarbeit ganz aufgegeben, wird entsetzlich viel Ueber-One
 arbeitet und „dies häufig in den schmutzigsten, heißesten und mono-[Bene
 Prozessen“,  („Children’s Employment Commission. th Report,
: XXXVII and XXXIX.)
5 Fourth Report ete. (1865), 79, p. XVI.
4 Kapital. 1
        <pb n="255" />
        210

Dritter Abschol!

Jungen, die wir einmal haben, während der Nacht zu brauchen. D
Jungen, die in der Tagesreihe, müssen wechselweise auch in 7
Nachtreihe arbeiten, weil die Männer nicht unaufhörlich Nachtarb?
verrichten können; es würde ihre Gesundheit ruinieren. W
glauben jedoch, daß Nachtarbeit, wenn die Woche dafür wechsel
keinen Schaden tut. (Die Herren Naylor und Vickers glaubt
übereinstimmend mit dem Besten ihres Geschäfts, umgekehrt, ne
statt der fortwährenden, gerade die periodisch wechselnde Na
arbeit möglicherweise Schaden anrichtet.) Wir finden die Leu
die die wechselnde Nachtarbeit verrichten, gerade so gesund %
die, die nur am Tage arbeiten. ... Unsere Einwürfe gegen Ö
Nichtanwendung von Jungen unter 18 Jahren zur Nachtarbeit würd!
gemacht werden von wegen Vermehrung der Auslage, aber die”
ist auch der einzige Grund. (Wie zynisch naiv!) Wir glauben, %
liese Vermehrung größer wäre, als das Geschäft (the trade) 7
schuldiger Rücksicht auf seine erfolgreiche Ausführung billigerwe”
tiragen könnte. (As the trade with due regard to its being succ
fully carried out could fairly bear! Welche breimäulige Phraseolog!
Arbeit ist hier rar und könnte unzureichend werden unter ei?
solchen Regulation (das heißt Ellis, Brown &amp;amp; Co. könnten in S
fatale Verlegenheit kommen, den Wert der Arbeitskraft voll zahl‘
zu müssen).“100 j
Die „Zyklops Stahl- und Eisenwerke“ der Herren Camm®
&amp;amp; Co. werden auf derselben großen Stufenleiter ausgeführt, wie %
des besagten John Brown &amp;amp; Co. Der geschäftsführende Direkl
hatte dem Regierungskommissär White seine ‚Zeugenaussage sch"
lich eingehändigt, fand es aber später passend, das zur Revision A
wieder zurückgestellte Manuskript zu unterschlagen. Jedoch Ber
White hat ein nachhaltig Gedächtnis. Er erinnert sich ganz gen
daß für diese Herren Zyklopen das Verbot der Nachtarbeit Yo
Kindern und jungen Personen „ein Ding der Unmöglichkeit;
wäre dasselbe, als setzte man ihre Werke still“, und dennoch %
ihr Geschäft wenig mehr als 6 pZt. Jungen unter 18 und nur } ?
unter 13 Jahren110: g
Ueber denselben Gegenstand erklärt Herr E. F. Sanderson %
der Firma Sanderson, Bros. &amp;amp; Co., Stahlwalz- und Schmiedew®,
in Attercliffe: „Große Schwierigkeiten würden entspringen aus de
Verbot, Jungen unter 18 Jahren des Nachts arbeiten zu lasse; *.
Haupischwierigkeit aus der Vermehrung der Kosten, welch® %
Ersatz der Knabenarbeit durch Männerarbeit notwendig nach tr
zöge. Wieviel das betragen würde, kann ich nicht sagen, aber ** 8
scheinlich wäre es nicht so viel, daß der Fabrikant den Stablp,
erhöhen könnte, und folglich fiele der Verlust auf ihn, da ge
Männer (welch querköpfig Volk!) sich natürlich weigern würd“
ihn zu tragen.“ Herr Sanderson weiß nicht, wieviel er den Kind?
100 Ebenda 80, S, XYVI.
101 Ebenda 82, S. XVIL

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        Achtes Kapitel.

211

'ahlt, aber „vielleicht beträgt es 4 bis 5 Shilling pro Kopf die
Woche. . Die Knabenarbeit ist von einer Art, wofür im all-"Meinen
 („generally“, natürlich nicht immer „im besondern“) die
Xtaft der Jungen gerade ausreicht, und folglich würde kein Gewinn
WS der größeren Kraft der Männer fließen, um den Verlust auszu-Yeichen,
 oder. doch nur in den wenigen Fällen, wo das Metall sehr
xüwer ist. Die Männer würden es auch minder lieben, keine
&amp;lt;naben unter sich zu haben, da Männer minder gehorsam sind.
\Ußerdem müssen die Jungen jung anfangen, um das Geschäft zu
Men, Die Beschränkung der Jungen auf bloße Tagarbeit würde
Nesen Zweck nicht erfüllen.“ Und warum nicht? Warum können
gen ihr Handwerk nicht bei Tag lernen? Deinen Grund? „Weil
ladureh die Männer, die in Wechselwochen bald den Tag, bald die
Vacht arbeiten, von den Jungen ihrer Reihe während der halben Zeit
SOtrennt, die Hälfte des Profits verlieren würden, den sie aus ihnen
"tausschlagen. Die Anleitung, die sie den Jungen geben, wird
mich als Teil des Arbeitslohnes dieser Jungen berechnet und
"Cfühigt die Männer daher, die Jungenarbeit wohlfeiler zu be-“Mmen.
 Jeder Mann würde seinen halben Profit verlieren.“ (In
Adern Worten, die Herren Sanderson müßten einen Teil des
\beitsiohnes der erwachsenen Männer aus eigener Tasche statt
at der Nachtarbeit der Jungen zahlen. Der Profit der Herren
ederson würde bei dieser Gelegenheit etwas fallen, und dies ist
NE Sandersonsche gute Grund, warum Jungen ihr Handwerk nicht
u Tag lernen können.) !**? Außerdem würde dies reguläre Nacht-„beit
 auf die Männer werfen, die nun von den Jungen abgelöst
en, und sie würden das nicht aushalten. Kurz und gut, ‚die
lichen Tigkeiten wären so groß, daß sie wahrscheinlich zur gänz-Prog
 Unterdrückung der Nachtarbeit führen würden. „Was die
x düktion von Stahl selbst angeht,“ sagt E. F. Sanderson, „würde
Jar iCht den geringsten Unterschied machen, aber!“ Aber die Herren
ae derson haben mehr zu tun, als Stahl zu machen. Die Stahly
 herei ist bloßer Vorwand der Plusmacherei. Die Schmelzöfen,
Rap Werke usw., die Baulichkeiten, die Maschinerie, das Eisen, die
na usw, haben mehr zu tun, als sich in Stahl zu verwandeln. Sie
48 da, um Mehrwert einzusaugen, und saugen natürlich mehr in
Ve tunden als in 12. Sie geben in der Tat von Gottes und Rechts
MS Sen den Sandersons eine Anweisung auf die Arbeitszeit einer
en sen Anzahl von Händen für volle 24 Stunden des Tages und
© ‚Ten ihren Kapitalcharakter, sind daher für die Sandersons
I er Verlust, sobald ihre Funktion der Arbeitseinsaugung unterhen
 wird. „Aber dann wäre da der Verlust an so viel kost-102
 »% i i nd räsonierenden Zeit muß es einer
Sn Sicht wer ehr Eaneroiohen micht für alles, auch das Schlechteste
No} /*kehrteste: einen guten Grund anzugeben weiß. Alles, was in der
He Yerdorben worden ist, das ist aus guten Gründen verdorben worden.
gel: »Enzyklopädie, Erster Teil: Die Logik. Berlin 1840“, S. 249.)
        <pb n="257" />
        212

Dritter Abschnitt

spieliger Maschinerie, welche die halbe Zeit brachläge, und für
sine solche Produktenmasse, wie wir fähig sind, bei dem gegel
wärtigen System zu leisten, müßten wir Räumlichkeiten und
Maschinenwerke verdoppeln, was die Auslage verdoppeln würde
Aber warum beanspruchen gerade diese Sandersons ein Privilegiu»
vor den andern Kapitalisten, die nur bei Tag arbeiten lassen dürfe?
und deren Baulichkeiten, Maschinerie, Rohmaterial daher bei Nach!
„brach“liegen? „Es ist wahr,“ antwortet E. F. Sanderson im Name
aller Sandersons, „es ist wahr, daß dieser Verlust von brach”
liegender Maschinerie alle Manufakturen trifft, worin nur bei T#
gearbeitet wird. Aber der Gebrauch der Schmelzöfen würde m
unserm Fall einen Extraverlust verursachen. Hält man sie 9
Gang, so wird Brennmaterial verwüstet (statt daß jetzt das Lebens
material der Arbeiter verwüstet wird), und hält man sie nicht iP
Gang, so setzt das Zeitverlust im Wiederanlegen des Feuers und
zur Gewinnung des nötigen Hitzegrades (während der Verlust, gelb#
Achtjähriger, an Schlafzeit Gewinn von Arbeitszeit für die Sanderso?
sippe) und die Oefen selbst würden vom Temperaturwechsel leiden
(während doch dieselben Oefen nichts leiden vom Tag- und Nacht
wechsel der Arbeit).10%8
108 „Children’s Employment Commission. A4th Report etc., 1865”
p. 85. Auf ähnliches zartes Bedenken der Herren Glasfabrikanten, det
„regelmäßige Mahlzeiten“ der Kinder unmöglich sind, weil dadurch ein b”
stimmtes Quantum Hitze, das die Oefen ausstrahlen, „reiner Verlust“ wär®
der „verwüstet“ würde, antwortet Untersuchungskommissär White, durch
aus nicht gleich Ure, Senior usw. umd ihren schmalen -deutschen Nach
kläffern, wie Roscher usw., gerührt von der „Enthaltsamkeit‘“, „Entsagung
und „Sparsamkeit“ der Kapitalisten in Verausgabung ihres Geldes und ihr
Timur-Tamerlanschen „Verschwendung“ von Menschenleben: „Ein gewisse
Quantum Hitze mag über das jetzige Maß hinaus verschwendet werden, I
folge von Sicherung regulärer Mahlzeiten, aber selbst in Geldwert ist ®
nichts verglichen mit der Vergeudung von Lebenskraft („the waste of anim#)
power“), die jetzt dem Königreich daraus erwächst, daß in den Glashütte?
beschäftigte und im Wachstum begriffene Kinder nicht einmal die Muß®
änden, ihre Speisen bequem einzunehmen und zu verdauen.“ (Ebend#
3. XLV.) Und das im „Fortschrittsjahr“ 18651 Abgesehen von der Kraft
ausgabe im Heben und Tragen, marschiert ein solches Kind in den Hütte®
die Flaschen und Flintglas machen, während der kontinuierlichen von
richtung seiner Arbeit 15 bis 20 (englische) Meilen in 6 Stunden! UM
die Arbeit dauert oft 14 bis 15 Stunden! In vielen dieser Glashütte?
herrscht, wie in den Spinnereien von Moskau, das System sechsstündig®
Ablösungen. „Während der Arbeitszeit der Woche sind 6 Stunden %%
äußerste ununterbrochene Rastperiode, und davon geht ab die Zeit zur u
von der Fabrik zu gehen, Waschen, Kleiden, Speisen, was alles Zeit koste®
50 bleibt in der Tat nur die kürzeste Ruhezeit, Keine Zeit für Spiel U*
irische Luft, außer auf Kosten des Schlafes, so unentbehrlich für Kinder, &amp;amp;
in solch heißer Atmosphäre solch anstrengendes Werk verrichten. . - {
Selbst der kurze Schlaf wird leicht unterbrochen, da das Kind sich selb5
wecken muß bei Nacht, oder bei Tag vom Außenlärm geweckt wird.“ Herf
White gibt Fälle, wo ein Junge 36 Stunden nacheinander arbeitete: ander?
        <pb n="258" />
        Achtes Kapitel.

213

5. Der Kampf um den Normalarbeitstag.
Zwangsgesetze zur Verlängerung des Arbeitstages von der
Mitte des 14. bis zu Ende des 17. Jahrhunderts.
„Was ist ein Arbeitstag?“ Wie groß ist die Zeit, während
deren das Kapital die Arbeitskraft, deren Tageswert es zahlt, konumieren
 darf? Wie weit kann der Arbeitstag verlängert werden
über die zur Reproduktion der Arbeitskraft selbst notwendige
Arbeitszeit? Auf diese Fragen, man hat es gesehen, antwortet das
Kapital: der Arbeitstag zählt täglich volle 24 Stunden nach Abzug
der wenigen Ruhestunden, ohne welche die Arbeitskraft ihren erleuerten
 Dienst absolut versagt. Es versteht sich zunächst von
selbst, daß der Arbeiter seinen ganzen Lebenstag durch nichts ist
Außer Arbeitskraft, daß daher alle seine disponible Zeit von Natur
Ind Rechts wegen Arbeitszeit ist, also der Selbstverwertung des
Kapitals angehört. Zeit zu menschlicher Bildung, zu geistiger Ent-Wicklung,
 zur Erfüllung sozialer Funktionen, zu geselligem Verkehr,
sum freien Spiel der physischen und geistigen Kräfte, selbst die
Feierzeit des Sonntags — und wäre es im Lande der Sabbatleiligen
 194 — reiner Firlefanz! Aber in seinem maßlos blinden
Trieb, seinem Werwolfsheißhunger nach Mehrarbeit, überrennt das

wo Knaben von 12 Jahren bis 2 Uhr nachts schanzen und dann in der
Hütte schlafen bis 5 Uhr morgens (8 Stunden!), um das Tagwerk von
uem zu beginnen! „Die Masse Arbeit,“ sagen die Redakteure des allge-Neinen
 Berichts, Tremenheere und Tufnell, „die Knaben, Mädchen und
Weiber im Lauf ihres täglichen oder nächtlichen Arbeitsbannes („spell of
abour“) verrichten, ist fabelhaft.‘“ (Ebenda, S. XLIII und XLIV.) Unterles
 Wwankt vielleicht eines Abends spät das „entsagungsvolle‘“ Glaskapital,
"örtweinduselig, aus dem Klub nach Haus, idiotisch vor sich hersummend:
ABritons never, never, shall be slaves!“ [„Niemals, niemals werden Briten
Klaven sein 1“]
. 14 In England zum Beispiel wird immer noch hier und da auf dem
“ande ein Arbeiter zu Gefängnisstrafe verurteilt wegen Entheiligung des
Sabbats durch Arbeit auf dem Gärtehen vor seinem Hause. Derselbe Ardeiter
 wird wegen Kontraktbruches bestraft, bleibt er des Sonntags, sei es
Selbst aus religiösen Mucken, vom Metall-, Papier- oder Glaswerk weg. Das
hodoxe Parlament hat kein Ohr für Sabbatentheiligung, wenn sie im
»Verwertungsprozeß“ des Kapitals vorgeht. In einer Denkschrift (August
1863), worin die Londoner Tagelöhner in Fisch- und Geflügelläden Abhaffung
 der Sonntagsarbeit verlangen, heißt es, ihre Arbeit dauere während
der ersten 6 Wochentage durchschnittlich 15 Stunden täglich und am Sonntag
&amp;gt; bis 10 Stunden. Man entnimmt zugleich aus dieser Denkschrift, daß
Mamentlich die kitzlige Gourmandise der aristokratischen Mucker von
“Xeter Hall [Versammlungslokal von Muckern in London — K.] diese
Sonntagsarbeit“ ermutigt. Diese „Heiligen“, so eifrig „in cute curanda“
«In der Sorge für ihr körperliches Behagen], bewähren ihr Christentum
lurch die Ergebung, womit sie die Ueberarbeit, die Entbehrungen und den
Aunger dritter Personen ertragen. Obsequium ventris istis (den Arbeitern)
jericiosius est [die Schlemmerei ist für sie (die Arbeiter) viel verderber].
        <pb n="259" />
        214

Dritter Abschnitt

Kapital nicht nur die moralischen, sondern auch die rein physische
Maximalschranken des Arbeitstages. Es usurpiert die Zeit fl
Wachstum, Entwicklung und gesunde Erhaltung des Kärpers. BE
raubt die Zeit, erheischt zum Verzehr von freier Luft ud Sonner
licht. Es knickert ab an der Mahlzeit und einverleibt sie womöglich
dem Produktionsprozeß selbst, so daß dem Arbeiter als bloßem Pr"
duktionsmittel Speisen zugesetzt werden, wie dem Dampfkess®‘
Kohle und der Maschinerie Talg oder Oel. Den gesunden Schl#
zur Sammlung, Erneuerung und Erfrischung der Lebenskraft red‘
ziert es auf so viel Stunden Erstarrung, als die Wiederbelebung ein®
absolut erschöpften Organismus unentbehrlich macht. Statt daß d®
normale Erhaltung der Arbeitskraft hier die Schranke des Arbeit”
tages, bestimmt umgekehrt die größte täglich mögliche Veravt
gabung der Arbeitskraft, wie krankhaft gewaltsam und peinlich au
immer, die Schranke für die Rastzeit des Arbeiters. Das Kapit
[ragt nicht nach der Lebensdauer der Arbeitskraft. Was es inte”
essiert, ist einzig und allein das Maximum von Arbeitskraft, das
einem Arbeitstag flüssig gemacht werden kann. Es erreicht di*
Ziel durch Verkürzung der Dauer der Arbeitskraft, wie ein hb#”
gieriger Landwirt gesteigerten Bodenertrag durch Beraubung de
Bodenfruchtbarkeit erreicht.
Die kapitalistische Produktion, die wesentlich Produktion ®
Mehrwert, Einsaugung von Mehrarbeit ist, produziert also mit def
Verlängerung des Arbeitstages nicht nur die Verkümmerung ie
menschlichen Arbeitskraft, welche ihrer normalen moralischen u? t
physischen Entwicklungs- und Betätigungsbedingungen beraub
wird. Sie produziert die vorzeitige Erschöpfung und Abtötung ae
Arbeitskraft selbst.?®® Sie verlängert die Produktionszeit des A
beiters während eines gegebenen Termins durch Verkürzung sein“
Lebenszeit.
Der Wert der Arbeitskraft schließt aber den Wert der Wa!
ein, welche zur Reproduktion des Arbeiters oder zur Fortpflanzu®
der Arbeiterklasse erheischt sind. Wenn also die naturwidrige ver
längerung des Arbeitstages, die das Kapital in seinem maßl0%
Trieb nach Selbstverwertung notwendig anstrebt, die Lebensperl® af
der einzelnen Arbeiter und damit die Dauer ihrer Arbeitsk!
verkürzt, wird rascherer Ersatz der verschlissenen nötig, also R
Eingehen größerer Verschleißkosten in die Reproduktion zn
Arbeitskraft, ganz wie der täglich zu reproduzierende Wertteil wr“
Maschine um so größer ist, je rascher sie verschleißt. Das Kap,
scheint daher durch sein eigenes Interesse auf einen Normalarb®
tag hingewiesen.

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4-dr



105 Wir haben in unsern früheren Berichten die Angaben verschied®”
erfahrener Fabrikanten wiedergegeben, die bezeugen, daß Ueberstundel
sicherlich die Gefahr mit sich bringen, daß die Arbeitskraft der Arbeit
vorzeitig erschöpft wird.“ (Ebenda 64, 5. XIIL}
        <pb n="260" />
        Achtes Kapitel.

215

Der Sklavenhalter kauft seinen Arbeiter, wie er sein Pferd
kauft. Mit dem Sklaven verliert er ein Kapital, das durch neue Ausläge
 auf dem Sklavenmarkt ersetzt werden muß. Aber „die Reis-(elder
 von Georgien und die Sümpfe des Mississippi mögen aufs unbeilvollste
 zerstörend auf die menschliche Konstitution wirken;
dennoch ist diese Verwüstung von menschlichem Leben nicht so
S'0ß, daß sie nicht gut gemacht werden könnte aus den strotzenden
üchegen von Virginien und Kentucky. Oekonomische Rücksichten,
nn eine Art Sicherheit für die menschliche Behandlung des Sklaven
„rien könnten, sofern sie das Interesse des Herrn mit der Er-‚eltung
 des Sklaven identifizieren, verwandeln sich, nach Ein-7%
 rung des Sklavenhandels, umgekehrt in Gründe der extremsten
„ Stunderichtung des Sklaven, denn sobald sein Platz einmal durch
jur aus fremden Negergehegen ausgefüllt werden kann, „wird
&amp;amp;l Dauer seines Lebens minder wichtig als dessen Produktivität,
in älge es dauert. Es ist daher eine Maxime der Sklavenwirtschaft
da Ländern der Sklaveneinfuhr, daß die wirksamste Oekonomie
nn besteht, die größtmöglichste Masse Leistung in möglichst
G er Zeit dem Menschenvieh (human chattle) auszupressen.
Grid in tropischer Kultur, wo die jährlichen Profite oft dem
rück Kapital der Pflanzungen gleich sind, wird das Negerleben am
Jah Sichtslosesten geopfert. Es ist die Agrikultur Westindiens, seit
af "hunderten die Wiege fabelhaften Reichtums, die Millionen der
des tischen Rasse verschlungen hat. Es ist heutzutage in Kuba,
nd Revenuen nach Millionen zählen, und dessen Pflanzer Fürsten
Srschar wir bei der Sklavenklasse außer der gröbsten Nahrung, der
dur Öpfendsten und unablässigsten Plackerei einen großen Teil
ad die langsame Tortur von Ueberarbeit und Mangel an Schlaf
Erholung jährlich direkt zerstört sehen“10%
wirg (utate nomine de te fabula narratur! [Unter anderm Namen
Arb „hier deine Geschichte erzählt!] Lies statt Sklavenhandel
kuly markt, statt Kentucky und Virginien Irland und die Agri-Deug
 distrikte von England, Schottland und Wales, statt Afrika
in Lo land! Wir hörten, wie die Ueberarbeit mit den Bäckern
Stetg don aufräumt, und dennoch ist der Londoner Arbeitsmarkt
Böck überfüllt mit deutschen und andern Todeskandidaten für die
(A Die Töpferei, wie wir sahen, ist einer der kurzlebigsten
der “lezweige. Fehlt es deswegen an Töpfern? Josiah Wedgwood,
Arbean der der modernen Töpferei, von Haus selbst ein gewöhnlicher
Man a erklärte 1785 vor dem Hause der Gemeinen, daß die ganze
1867 peu 15000 bis 20000 Personen beschäftige.*”” Im Jahre
dust trug die Bevölkerung allein der städtischen Sitze dieser
% Jahn in Großbritannien 101302. „Die Baumwollindustrie zählt
—— u . In drei Generationen des englischen Volkes hat sie
106 JS. 0 ;, 6
107 ‚ Cairns: „The Slave Power. London 1862°, p. 110, 111.
Bag Ward: „History of the Borough of Stoke-upon-Trent. London
        <pb n="261" />
        216

Dritter Abschnifl

neun Generationen von Baumwollarbeitern verspeist.“10%8 Allerdings
in einzelnen Epochen fieberhaften Aufschwunges zeigte der Arbeil®
markt bedenkliche Lücken. So zum Beispiel 1834. Aber, die Herre?
Fabrikanten schlugen nun den Poor Law Commissiöhers [de
Armenbehörde] vor, die „Uebervölkerung“ der Ackerbaudistrikt®
nach dem Norden zu schicken, mit der Erklärung, daß
„die Fabrikanten sie absorbieren und konsumieren würden“.”
Dies waren ihre eigensten Worte. „Agenten wurden zu Manchest®
bestallt mit Einwilligung der Poor Law Commissioners. Agrikultur
arbeiterlisten wurden ausgefertigt und diesen Agenten übermacht
Die Fabrikanten liefen in die Bureaus, und nachdem sie, was ihve
paßte, ausgewählt, wurden die Familien vom Süden Englands ver‘
schickt. Diese Menschenpakete wurden geliefert mit Etiketten gleich
so viel Güterballen, auf Kanälen und Lastwagen — einige strolchte
zu Fuß nach, und viele irrten verloren und halb verhungert in ded
Manufakturdistrikten umher. Dies entwickelte sich zu einem wahr?
Handelszweig. Das Haus der Gemeinen wird es kaum glaube
Dieser regelmäßige Handel, dieser Schacher in Menschenfleis®
dauerte fort, und diese Leute wurden gekauft und verkauft von d*
Manchester Agenten an die Manchester Fabrikanten, ganz so rege)
mäßig wie Neger an die Baumwollpflanzer der südlichen Staaten. -‘
Das Jahr 1860 bezeichnet den Höhepunkt der Baumwollindustrie.
Es fehlte wieder an Händen. Die Fabrikanten wandten sich wied®
an die Fleischagenten, wie man sie nannte, und diese durchstöbert®
die Dünen von Dorset, die Hügel von Devon und die Ebenen v®
Wilts, aber die Uebervölkerung war bereits verspeist.“ Der „Bu
Guardian“ jammerte, daß 10000 zusätzliche Hände nach Abschl”
des englisch-französischen Handelsvertrages absorbiert werden köl? ,
ten und bald an 30 000 oder 40 000 mehr nötig sein würden. Nach ,
dem die Agenten und Subagenten des Fleischhandels die Agrikult”
distrikte 1860 ziemlich resultatlos durchgefegt, „wandte sich
Fabrikantendeputation an Herrn Villiers, Präsidenten des Poor 18°
Board [der obersten Behörde für das Armenwesen], mit dem Gesu® ;
lie Zufuhr der Armen- und Waisenkinder aus den Workhouses [der
Armenhäusern] wieder zu erlauben“ 110

W08 Ferrands Rede im Unterhaus vom 27. April 1863. ‘
„.. 1% „So lautete wörtlich der Ausspruch der Baumwollfabrikante®
(Ebenda.)
10 Ebenda. Villiers, trotz bestem Willen, war „gesetzlich“ in der LAG
das Fabrikantenanliegen abschlagen zu müssen. Die Herren erreicht”
jedoch ihre Zwecke dureh die Willfährigkeit der lokalen Armenverwaltung®®
Herr A. Redgrave, Fabrikinspektor, versichert, daß diesmal das Syst?”
wonach die Waisen und Kinder der Paupers [der Armen] „gesetzlich“ Z
Apprentices (Lehrlinge) gelten, „nicht begleitet war von den alten X
ständen‘“ — über diese „Mißstände“ vgl. Engels: „Die Lage der arbeiten
Klasse in England. Leipzig 1845“ [Stuttgarter Ausgabe S. 158] —, obgl%
allerdings in einem Fall „Mißbrauch mit dem System getrieben worden ee
in bezug auf Mädchen und junge Weiber, die von den Agrikulturdistril®
        <pb n="262" />
        Achtes Kapitel,

217

‚ Was die Erfahrung dem Kapitalisten im allgemeinen zeigt, ist
“ne beständige Uebervölkerung, das heißt Vebervölkerung im Verhältnis
 zum augenblicklichen Verwertungsbedürfnis des Kapitals,
gleich sie aus verkümmerten, schnell hinlebenden, sich rasch verlrängenden,
 sozusagen unreif gepflückten Menschengenerationen
hren Strom bildet! Allerdings zeigt die Erfahrung dem ver-C

 DEE
“hottlands nach Lancashire und Cheshire gebracht wurden“. In diesem
System“ schließt der Fabrikant einen Kontrakt mit den Behörden der
\tmenhäuser für bestimmte Perioden. Er nährt, kleidet und logiert
lie Kinder und gibt ihnen einen kleinen Zuschuß in Geld. Sonderar
 klingt folgende Bemerkung des Herrn Redgrave, namentlich wenn
dan bedenkt, daß selbst unter den Prosperitätsjahren der englischen
aumwollindustrie das Jahr 1860 einzig dasteht und die Arbeitslöhne
Werdem hoch standen, weil die außerordentliche Arbeitsnachirage
uf Entvölkerung in Irland stieß, auf beispiellose Auswanderung aus
e8lischen und schottischen Agrikulturdistrikten nach Australien und
Amerika, auf positive Abnahme der Bevölkerung in einigen englischen Agri-Ulturdistrikten
 infolge teils glücklich erzielten Zusammenbruches der Lebens-Yatt,
 teils des früheren Abschöpfens der noch verfügbaren Bevölkerung
"ch die Händler in Menschenfleisch. Und trotz alledem sagt Herr Redgrave:
Diese Art Arbeit (der Armenhauskinder) wird jedoch nur gesucht, wenm
‚cine andere gefunden werden kann, denn es ist teure Arbeit (high-priced
abour), Der gewöhnliche Arbeitslohn für einen Jungen von 13 Jahren
SL. ungefähr 4 Shilling wöchentlich; aber 50 oder 100 solcher Jungen
Seren, kleiden, nähren, mit ärztlicher Hilfeleistung und passender Oberst
 Sicht versehen, und ihnen obendrein eine kleine Zubuße in Geld geben,
ot stübar für 4 Shilling pro Kopf wöchentlich.“ („Reports of Insp. of Fact.
x April 1860“, p. 27.) Herr Redgrave vergißt zu sagen, wie der Arbeiter
v St dies alles seinen Jungen für ihre 4 Shilling Arbeitslohn leisten kanns
oh ©8 der Fabrikant nicht kann für 50 oder 100 Jungen, die gemeinsam
ton ert, beköstigt und beaufsichtigt werden. Zur Abwehr falscher Schluß-Bar
 tungen aus dem Text muß ich hier noch bemerken, daß die englische
mit ollindustrie, seit ihrer Unterwerfung unter das Fabrikgesetz von 1850
bet Seiner Regelung der Arbeitszeit usw., als die englische Musterindustrie
I "achtet werden muß. Der englische Baumwollarbeiter steht in jeder
Pa \cht höher als sein kontinentaler Schicksalsgenosse. „Der preußische
an Le arbeiter arbeitet mindestens 10 Stunden mehr pro Woche als sein
0 Scher Rival, und wenn er an seinem eigenen Webstuhl zu Hause be-We
 Afligt wird, fällt selbst diese Schranke seiner zusätzlichen Arbeitsstunden
(„Reports of Insp. of Fact. 31st October 1855“, p. 103.) Der oben-Las,
 ate Fabrikinspektor Redgrave reiste nach der Industrieausstellung von
ah dem Kontinent, speziell in Frankreich und Preußen, um die dortigen
‚Er \kzustände zu untersuchen. Er sagt von dem preußischen Fabrikarbeiter:
Wen Dält einen Lohn, ausreichend zur Verschaffung einfacher Kost und der
ap Sen Annehmlichkeiten, woran er gewöhnt und womit er zufrieden
(„Rer‘, Er lebt schlechter und arbeitet härter als der englische Arbeiter,‘
Yerts of Insp. of Fact. 81st October 1853“, p. 85.) ; ;
°lätz * „Die Veberarbeiteten sterben mit befremdlicher Raschheit; aber die
Weck, derer, die untergehen, sind sofort wieder ausgefüllt, und ein häufiger
(En Sel der Personen bringt keine Aenderung auf der Bühne hervor.
gland and America, London 18338“, vol. I, p.55.— Verfasser E. G. Wakefield.
        <pb n="263" />
        218

Dritter Abschnif

ständigen Beobachter auf der andern Seite, wie rasch und tief di
kapitalistische Produktion, die, geschichtlich gesprochen, kaum v®
gestern datiert, die Volkskraft an der Lebenswurzel ergriffen hal
wie die Degeneration [die Entartung] der industriellen Bevölkerunf
nur durch beständige Aufsaugung naturwüchsiger Lebenselement®
vom Lande verlangsamt wird, und wie selbst die ländlichen Ar
beiter, trotz freier Luft und des unter ihnen so allmächt®
waltenden Prinzips der natürlichen Zuchtwahl, das nur die ki
ligsten Individuen aufkommen läßt, schon abzuleben beginnen.
Das Kapital, das so „gute Gründe“ hat, die Leiden der es umgebe*“
den Arbeitergeneration zu leugnen, wird in seiner praktischen B®
wegung durch die Aussicht auf zukünftige Verfaulung der Mensc!
heit und schließlich doch unaufhaltsame Entvölkerung so wenig und
30 viel bestimmt als durch den möglichen Fall der Erde in d
Sonne. In jeder Aktienschwindelei weiß jeder, daß das Unwell®
einmal einschlagen muß, aber jeder hofft, daß es das Haupt sein®
Nächsten trifft, nachdem er selbst den Goldregen aufgefangen ul
in Sicherheit gebracht hat. Nach mir die Sintflut! ist der Wahl”
jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation. Das Kapital ®
daher rücksichtslos gegen Gesundheit und Lebensdauer des A!
beiters, wo es nicht durch die Gesellschaft zur Rücksicht gezwung®
wird. Der Klage über physische und geistige Verkümmerw
vorzeitigen Tod, Tortur der UVeberarbeit, antwortet es: Sollte die”
Qual uns quälen, da sie unsere Lust (den Profit) vermehrt? 9
großen und ganzen hängt dies aber auch nicht vom guten oder bös®

212 Siehe: „Public Health. 6th Report of the Medical Officer of %
Privy Council, 1863,“ Veröffentlicht London 1864. Dieser Bericht hand“
namentlich von den Agrikulturarbeitern. „Man hat die Grafschaft Sutht,
land als eine sehr verbesserte Grafschaft dargestellt, aber eine neuer!!?
Untersuchung hat entdeckt, daß hier in Distrikten, einst so berühmt web”
schöner Männer und tapferer Soldaten, die Einwohner degeneriert sind ‘
einer mageren und verkümmerten Rasse. In den gesundesten Lagen; er
Hügelabhängen im Angesicht des Meeres, sind die Gesichter ihrer Kind?
so blaß, wie sie nur in der faulen Atmosphäre einer Londoh,
Winkelgasse sein können.“ (Thornlon: „Overpopulation and its Rem®”
London 1846“, p. 74, 75.) Sie gleichen in der Tat den 30000 „gallant HiE
landers“ [ritterlichen Hochländern], die Glasgow in seinen wynds und el
[Gäßchen und Durchgängen] mit Prostituierten und Dieben zusam
beitet. 1
13, .Obgleich die Gesundheit der Bevölkerung ein so wichtiges Een
des nationalen Kapitals ist, fürchten wir gestehen zu müsen, daß die Kap,
listen durchaus nicht bei der Hand sind, diesen Schatz zu erhalten und Va
zuachten, ,., Die Rücksicht auf die Gesundheit der Arbeiter wurde ©,
Fabrikanten aufgezwungen.“ („Times“, 5. November 1861.) „Die Mä®
des West Riding wurden die Tuchmacher der Menschheit .... die Gesih
heit des Arbeitervolks wurde geopfert, und in ein paar Generationen vr
die Rasse degeneriert, aber eine Reaktion trat ein. Die Stunden der Kinde
arbeit wurden beschränkt usw,“ („Report of the Registrar General
Oetober 1861.“)
        <pb n="264" />
        A

Achtes Kapitel.
Willen des einzelnen Kapitalisten ab. Die freie Konkurrenz macht
lie immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion dem einlelnen
 Kapitalisten gegenüber als äußerliches Zwangsgesetz gelend.
 114
. Die Festsetzung eines normalen Arbeitstages ist das Resultat
Anes vielhundertjährigen Kampfes zwischen Kapitalist und Arbeiter.
Doch zeigt die Geschichte dieses Kampfes zwei entgegengesetzte
Hrömungen. Man vergleiche zum Beispiel die englische Fabrik-SSetzgebung
 unserer Zeit mit den englischen Arbeitergesetzen
[Statutes of Labourers] vom 14. bis tief in die Mitte des 18. Jahr-Anderts.125
 Während das moderne Fabrikgesetz den Arbeitstag ge-Yaltsam
 abkürzt, suchen ihn jene Statute gewaltsam zu verlängern.
Allerdings erscheinen die Ansprüche des Kapitals im Embryo-‚Ustand,
 wo es erst wird, also noch nicht durch bloße Gewalt der
Konomischen Verhältnisse, sondern auch durch Hilfe der Staats-Nacht
 Sein Einsaugungsrecht eines genügenden Quantums Mehrarbeit
Schert, ganz und gar bescheiden, vergleicht man sie mit den Kon-“S8ionen,
 die es in seinem Mannesalter knurrend und widerstrebig
Nachen muß. Es kostet Jahrhunderte, bis der „freie“ Arbeiter in-180
 entwickelter kapitalistischer Produktionsweise sich freiwillig
oz versteht, das heißt gesellschaftlich gezwungen ist, für den Preis
„ner gewohnheitsmäßigen Lebensmittel seine ganze aktive Lebens-De
 JA seine Arbeitsfähigkeit selbst, seine Erstgeburt für ein Gericht
sen zu verkaufen. Es ist daher natürlich, daß die Verlängerung

4 Wir finden, daher zum Beispiel, daß Anfang 1863 26 Firmen, welche
x Sedehnte Töpfereien in Staffordshire besitzen, darunter auch J. Wedgwood
% Söhne, in einer Denkschrift „um gewaltsame Einmischung des Staates
-Slitionieren. Die „Konkurrenz mit andern Kapitalisten““ erlaube ihnen
sine »Treiwillige“ Beschränkung der Arbeitszeit der Kinder USW. „So sehr
N ; daher die oben erwähnten Uebel beklagen, würde es ‚unmöglich sein,
„© durch irgendeine Art Uebereinkunft unter den Fabrikanten zu ver-Adern.
 «+, In Anbetracht aller dieser Punkte sind wir zur Ueberzeugung
langt, daß ein Zwangsgesetz nötig ist.“ („Children’s Employment Com-“"0n,
 1st Report 1863“, p. 322.) . oiel bot
Ki ‚Zusatz der 2. Auflage zu Note 114, Ein viel frappanteres Beispiel 1
Ach a üngste Vergangenheit, Die Höhe der Baumwollpreise, in einer Epoche
bu haften Geschäfts, hatte die Besitzer von Baumwollwebereien in Blackhr
 Veranlaßt, durch gemeinschaftliche Uebereinkunit die „Arbeitszeit in
Ten. Fabriken während eines bestimmten Termins abzukürzen. Dieser
rein lief ab ungefähr Ende November (1871). Unterdes benutzten die
jer teren Fabrikanten, welche Spinnerei mit Weberei verbinden, den ‚durch
De Uebereinkunft veranlaßten Ausfall der Produktion ‚dazu, ihr eigenes
Schäft auszudehnen und so auf Kosten der kleinen Meister große Profite
ar erachen, Letztere wandten sich nun in ihrer Not — an die Fabrikber
 Ten, Tiefen sie auf, die Neunstundenagitation ernsthaft zu betreiben und
“Mrachen Geldbeiträge zu diesem Behuf! N . .
Nieq 15 Diese Arbeitergesetze, die man gleichzeitig auch in Frankreich, den
hachı LAnden usw. findet, wurden in England erst 1813 formell aufgehoben,
dem Sie längst von den Produktionsverhältnissen beseitigt waren.
        <pb n="265" />
        220

Dritter Abschnitt

les Arbeitstages, die das Kapital von Mitte des 14. bis Ende des 17
Jahrhunderts staatsgewaltig den Volljährigen Arbeitern aufzudringe!
sucht, ungefähr mit der Schranke der Arbeitszeit zusammenfällt
die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Verwandlunf
von Kinderblut in Kapital hier und da von Staats wegen gezoge!
wird. Was heute, zum Beispiel im Staate Massachusetts, bis jüng!
dem freiesten Staate der nordamerikanischen Republik, als Staats
schranke der Arbeit von Kindern unter 12 Jahren proklamiert is
war in England noch Mitte des 17. Jahrhunderts der normale Arbeilt
ag vollblütiger Handwerker, robuster Ackerknechte und riese?
hafter Grobschmiede.118
Das erste „Statute of Labourers“, 23, Eduard .1II, (1349)116a fand
seinen unmittelbaren Vorwand (nicht seine Ursache, denn die Gesel?
gebung dieser Art dauert Jahrhunderte fort ohne den Vorwand) %
der großen Pest, welche die Bevölkerung dezimierte, so daß, wie &amp;amp;
Tory-Schriftsteller sagt, „die Schwierigkeit, Arbeiter zu raisonable®
[vernünftigen] Preisen (das heißt zu Preisen, die ihren Anwender?
ein raisonables Quantum Mehrarbeit ließen) an die Arbeit zu setze?
n der Tat unerträglich wurde“.*!” Raisonable Arbeitslöhne wurde
daher zwangsgesetzlich diktiert, ebenso wie die Grenze des Arbeiß
tages. Der leiztere Punkt, der uns hier allein interessiert. ist wieder

116 „Kein Kind in einem Alter unter 12 Jahren darf in irgendeine
Fabrikbetrieb länger als 10 Stunden im Tage beschäftigt werdel
(„General Statutes of Massachusetts.“ 68, ch. 12. — Die verschiedenen Gesel
wurden erlassen 1836—1858.) „Eine Arbeitszeit von 10 Stunden im Tage sol
in allen Betrieben der Baumwoll-, Woll-, Seiden-, Papier-, Glas- und Flach®
industrie sowie in der Eisen- und Metallindustrie als gesetzlicher Arbeitst?
angesehen werden. Es wird verfügt, daß fortan kein Jugendlicher, der N
irgendeiner Fabrikanlage beschäftigt wird, verhalten oder aufgeforde”
werden darf, länger als 10 Stunden an einem Tage oder 60 Stunden x
der Woche zu arbeiten ; kein Jugendlicher soll in einem Alter unter 10 Jahr“
in einer Fabrik innerhalb dieses Staates als Arbeiter eingestellt werde
dürfen.“ („State of New Jersey. An act to limit the hours of labour el.
61 and 62.“ — Gesetz vom 11. März 1855.) „Kein Jugendlicher im AN®
zwischen 12 und 15 Jahren darf in einem Fabrikbetrieb länger als 11 Stunde
an einem Tage oder vor 5 Uhr morgens oder nach 7'/z Uhr abends beschäftf
werden,“ („Revised Statutes of the State of Rhode Island ete. Ch. 39, 8%
Ist July 1857.“)
1164 Ein Statute oder Act heißt in England ein vom Parlament .
schlossenes Gesetz, Ein Gesetzentwurf ist eine Bill. Die Gesetze, die j
siner Session des Parlaments beschlossen wurden, werden mit fortlaufend?
Nummern, außerdem mit dem Namen des Regenten und seinem Regierupf”
jahr bezeichnet. 238, Eduard III. bedeutet also, daß das Gesetz im 23. ®
gierungsjahre Eduard III. erlassen wurde. K. pe
27 „Sophisms of Free Trade. 7th ed. London 1850“, p. 205. Ders
Tory gibt übrigens zu: „Parlamentsakte, die die Arbeitslöhne gegen ch
Arbeiter zugunsten der Arbeitsanwender regulierten, erhielten sich due
die lange Periode von 464 Jahren. Die Bevölkerung wuchs. Diese Ges®
wurden nun überflüssig und lästig,“ (Ebenda, S, 206.)
        <pb n="266" />
        Achtes Kapitel.
holt in dem Statut von 1496 (unter Henry VII). Der Arbeitstag für
alle Handwerker (artificers) und Ackerbauarbeiter vom März bis
September sollte damals, was jedoch nie durchgesetzt wurde, dauern
7on 5 Uhr morgens bis zwischen 7 und 8 Uhr abends, aber die
Stunden für Mahlzeiten betragen 1 Stunde für Frühstück, 1*/, Stunlen
 für Mittagessen und *!/, Stunde für Vieruhrbrot, also gerade
loppelt soviel als nach dem jetzt gültigen Fabrikakt.*® Im Winter
3llte gearbeitet werden von 5 Uhr morgens bis zum Dunkeln, mit
lenselben Unterbrechungen. Ein Statut der Elisabeth von 1562 für
ile Arbeiter, „gedungen für Lohn pro Tag oder Woche“, äßt die
Länge des Arbeitstages unberührt, sucht aber die Zwischenräume zu
“Schränken auf 2*/, Stunden für den Sommer und 2 für den Winter.
Das Mittagessen soll nur 1 Stunde dauern und „der Nachmittags-Schlaf
 von !/, Stunde“ nur zwischen Mitte Mai und Mitte August
Yaubt sein. Für jede Stunde Abwesenheit soll 1 Penny (etwa
&amp;gt; Pfennige) vom Lohn abgehen. In der Praxis jedoch war das Verltnis
 den Arbeitern viel günstiger als im Statutenbuch. Der Vater
ler Politischen Oekonomie und gewissermaßen der Erfinder ‚der
atistik, William Petty, sagt in einer Schrift, die er im letzten Drittel
les 17. Jahrhunderts veröffentlichte: „Arbeiter (labouring men,
n Sentlich damals Ackerbauarbeiter) arbeiten 10 Stunden täglich
Ad Nehmen wöchentlich 20 Mahlzeiten ein, nämlich an Arbeitstagen
„Sich 8 und an Sonntagen 2; woraus man klärlich sieht, daß,
Tan Sie an Freitag-Abenden fasten und in 1'/, Stunden zu Mittag
Peisen Wollten, während sie jetzt zu dieser Mahlzeit 2 Stunden
Tauchen, von 11 bis 1 Uhr morgens, wenn sie also */„„, mehr
\beiteten und !/,, weniger verzehrten, das Zehntel der oben ‚ergannten
 Steuer aufbringbar wäre.“19 Hatte Dr. Andrew Ure nicht
ies it die Zwölfstundenbill von 1833 als Rückgang in die Zeiten
2 T Finsternis zu verschreien? Allerdings gelten die in den Statuten
Te Von Petiy erwähnten Bestimmungen auch für „Aapprentices
x ürlinge). Wie es aber noch Ende des 17. Jahrhunderts mit der
Juderarbeit stand, ersieht man aus folgender Klage: „Unsere
nd, hier in England, treibt gar nichts bis zu der Zeit, wo sie
m.
08, Wi t mit Recht in bezug auf dies Statut: „Aus dem Statut
en 1406 Sch era die Ausgabe für Nahrung auf ein Drittel des Einku
 t ns eines Handwerkers und die Hälfte des Einkommens eines Fe
Jnapı cbeiters veranschlagt wurde, und dies zeigt einen höheren nad von
der ängigkeit unter den Arbeitern an, als jetzt vorherrscht, Ne HD rung
Are Tbeiter in Agrikultur und Manufaktur ein viel höheres erhältnis zu
ie % Löhnen bildet.“ (J. Wade: „History of the Middle and Working Classes,
Dit Sd. London 1885“, p. 24, 25, 577.) Die Meinung, als sei diese
md nz etwa der Differenz im Preisverhältnis zwischen Nahrungsmitteln
Räch idungsstücken, jetzt und damals, geschuldet, widerlegt der ber
‘St eg ste Blick auf: „Chronicon Pretiosum eic. By Bishop Fleetwood.
ie ‚Ondon 1707. nd ed. London 1745. rent. 1672
8, PC Delly: „Political Anatomy of Ireland, Verbum Sapienti, .
&amp;gt; BP. 10,

221
        <pb n="267" />
        222

Dritter Abschnif

Lehrlinge werden, und dann brauchen sie natürlich lange Zeit ”
7 Jahre —, um sich zu vollkommenen Handwerkern zu bilde»
Deutschland wird dagegen gerühmt, weil dort die Kinder von d#
Wiege auf wenigstens zu „ein bißchen Beschäftigung erzog®
werden“.120
Noch während des größten Teiles des 18. Jahrhunderts, bis 7
Epoche der großen Industrie, war es dem Kapital in England nich
zelungen, durch Zahlung des wöchentlichen Wertes der Arbeitskraf
sich der ganzen Woche des Arbeiters, Ausnahme bilden jedoch dt
Agrikulturarbeiter, zu bemächtigen. Der Umstand, daß sie ei
ganze Woche mit dem Lohne von 4 Tagen leben konnten, schi®
den Arbeitern kein hinreichender Grund, auch die andern 2 Ta
[ür den Kapitalisten zu arbeiten. Eine Seite der englischen Oe4”
nomen klagte im Dienste des Kapitals diesen Eigensinn auf de
wütendste an, eine andere Seite verteidigte die Arbeiter. Hört
wir zum Beispiel die Polemik zwischen Postlethwayt, dessen HI”
delsdiktionär damals denselben Ruf genoß wie heutzutage ähnlich‘

120 „A Discourse on the Necessity of Encouraging Mechaniec Indust?)
London 1689“, p. 13. Macaulay, der die englische Geschichte im Whig- un
Bourgeoisinteresse zurechtgefälscht hat, deklamiert wie folgt: „Die De
Kinder vorzeitig an die Arbeit zu setzen, herrschte im 17, Jahrhundert j
einem für den damaligen Zustand der Industrie fast unglaublichen Gr“
vor. Zu Norwich, dem Hauptsitz der Wollindustrie, wurde ein Kind Ya
5 Jahren für arbeitsfähig gehalten. Verschiedene Schriftsteller jener I
und darunter manche, die als außerordentlich wohlgesinnt betrachtet wurde
arwähnen mit „Exultation“ (Entzücken) die Tatsache, daß in dieser Sta g
allein Knaben und Mädchen einen Reichtum Schaffen, der über ihr
eigenen Unterhalt hinaus 12000 Pfa. Sterl. in einem Jahre betrug. hr
genauer wir die Geschichte der Vergangenheit untersuchen, desto Dar
Grund finden wir, die Ansicht derer zu verwerfen, die unser Zeitalter gie
;ruchtbar an neuen sozialen Vebeln halten. Das, was neu ist, ist at
Intelligenz, die die Uebel entdeckt, und die Humanität, die sie I
(„History of England“, vol. I, p. 419.) Macaulay hätte weiter berich de
zönnen, daß „außerordentlich wohlgesinnte‘“ Amis du commerce [Frei
des Handels] im 17. Jahrhundert mit „Exultation“ erzählen, wie in ei? d
Armenhause in Holland ein Kind von 4 Jahren beschäftigt wurde, kr
daß dies Beispiel der „vertu mise en pratique“ [praktisch angewäan jet
Tugend] in allen Schriften von Humanitären A la Macaulay als MuS @
passiert bis zur Zeit A. Smiths. Es ist richtig, daß mit dem AufkomP,
der Manufaktur, im Unterschied zum Handwerk, sich Spuren der Kinde,
ausbeutung zeigen, die von jeher bis zu einem gewissen Grade bel de
Bauern existiert und um so entwickelter, je härter das Joch, das auf gab
Landmann lastet. Die Tendenz des Kapitals ist unverkennbar, aber die 7,
sachen selbst stehen noch so vereinzelt da wie die Erscheinung zweiköpfen
Kinder. Sie wurden daher „mit Exultation“, als besonders merkwürdig und
bewundernswert, von ahnungsvollen „amis du commerce“ für Mit- ne
Nachwelt aufgezeichnet und zur Nachahmung empfohlen, Ders
schottische Sykophant und Schönredner Macaulay sagt: „Man höre b%74
nur von Rückschritt und sehe nur Fortschritt.“ Was für Augen
aamentlich was für Ohren!
        <pb n="268" />
        Ü,

1.

{er

eB

16

T}

Achtes Kapitel. 228
Schriften von MacCulloch und MacGregor, und dem früher zitierten
Verfasser des „Essay on Trade and Commerce“.+2 .
Postlethwayt sagt unter anderm: „Ich kann diese wenigen
Semerkungen nicht abschließen, ohne Notiz zu nehmen von der
\bgedroschenen Redensart in dem Munde zu vieler, daß, wenn
ler Arbeiter (industrious poor) in 5 Tagen genug erhalten
0, um zu leben, er nicht volle. 6 Tage arbeiten will.
Daher Schließen sie auf die Notwendigkeit, selbst die not-"Ohdigen
 Lebensmittel durch Steuern oder irgendwelche andere
Hüte] zu verteuern, um den Handwerker und Manufaktur-Wbeiter
 zu unausgesetzter sechstägiger Arbeit in der Woche
in Zwingen. Ich muß um die Erlaubnis bitten, anderer Mei-‚ng
 zu sein als diese großen Politiker, welche für die bestänlige
 Sklaverei der Arbeiterbevölkerung dieses Königreichs („the
PSrpetual slavery of the working people“) die Lanze einlegen; sie
/°Tgessen das Sprichwort „all work. and no play“ [makes Jack
© dull boy, nur Arbeit und kein Spiel macht Hans dumm]. Brüsten
N die Engländer nicht mit der Genialität und Gewandtbr
 ihrer Handwerker und Manufakturarbeiter, die bisher den
x üschen Waren allgemeinen Kredit und Ruf verschafft haben?
Velchem Umstand war dies geschuldet? Wahrscheinlich keinem
dern als der Art und Weise, wie unser Arbeitsvolk,
1e°nlaunig, sich zu zerstreuen weiß. Wären sie gezwungen,
nn ganze Jahr durchzuarbeiten, alle 6 Tage in der Woche,
ih Steter Wiederholung desselben Werkes, würde das nicht
x 76 Genialität abstumpfen und sie dumm-träge statt munter und
S°Wandt machen; und würden unsere Arbeiter infolge solcher
sen Sklaverei ihren Ruf nicht verlieren statt erhalten? ...
che Art Kunstgeschick könnten wir erwarten von solch hart
SPlackten Tieren (hard driven animals)? ... Viele von ihnen
Abeichten so viel Arbeit in 4 Tagen wie ein Franzose in 5 oder 6.
% wenn Engländer ewige Schanzarbeiter sein sollen, so steht zu
wechten, daß sie noch unter die Franzosen entarten (degenerate)
Stden. Wenn unser Volk wegen seiner Tapferkeit im Kriege be-„2

 Unter den Anklägern der Arbeiter ist der grimmigste der im Text
on Ahnte anonyme Verfasser von: „An Essay on Trade and En
eine ing ÖObservations on Taxation etc. London 1770 . Schon vor im
Art * Schrift: „Considerations on Taxes. London 1765“. Auc 4 olonius
Läni ur Young, der unsägliche statistische Schwätzer, folgt in derselben
int Unter den Verteidigern der Arbeiter stehen oben an: Jacob Vander-Fo:
 Ma; „Money answers all things. London 1784“, Reverend Nathaniel
Poster, D. D, in: „An Enquiry into the Causes of the Present Price of
0 Sion, London "767°, Dr. Price, und namentlich auch Postlethwayt,
Do Ohl in einem Supplement zu seinem „Universal Dictionary of Trade and
m Merce“ als in: „Great Britain’s Commercial Interest explained and
MY ed. And ed. London 1755“. Die Tatsachen selbst findet man bei
Josie andern gleichzeitigen Schriftstellern konstatiert, unter andern bei
Siah Tucker.
        <pb n="269" />
        224

Dritter Abschnitt

rühmt ist, sagen wir nicht, daß dies einerseits dem guten englisch®
Roastbeef und Pudding in seinem Leibe, anderseits nicht minde!
unserm konstitutionellen Geiste der Freiheit geschuldet ist? Un
warum Sollte die größere Genialität, Energie und Gewandtbef
unserer Handwerker und Manufakturarbeiter nicht der Freiheit £*
schuldet sein, womit sie sich in ihrer eigenen Art und Weise ze"
streuen? Ich hoffe, sie werden nie wieder diese Privilegien v%
tieren, noch das gute Leben, woraus ihre Arbeitstüchtigkeit und ib
Mut gleichmäßig herstammen !“122
Darauf antwortet der Verfasser des „Essay on Trade and Col
merce“:
„Wenn es für eine göttliche Einrichtung gilt, den siebten 8
der Woche zu feiern, so schließt dies ein, daß die andern Wocher
lage der Arbeit (er meint dem Kapital, wie man gleich sehen wird
angehören, und es kann nicht grausam gescholten werden, die
Gebot Gottes zu erzwingen. . . . Daß die Menschheit im allgemein“?
von Natur zur Bequemlichkeit und Trägheit neigt, davon mach®
wir die schlimme Erfahrung im Betragen unseres Manufakturpöbe®
der durchschnittlich nicht über 4 Tage die Woche arbeitet, außer %
Falle einer Teuerung der Lebensmittel. .. . Gesetzt, ein Buslt
Weizen repräsentiere alle Lebensmittel des Arbeiters, kost
5 Shilling, und der Arbeiter verdiene 1 Shilling täglich durch se”
Arbeit. Dann braucht er bloß 5 Tage in der Woche zu arbeiten; nf
4, wenn der Bushel 4 Shilling beträgt. ... Da aber der Arbeitsl®
in diesem Königreich viel höher steht, verglichen mit dem Pro
der Lebensmittel, so besitzt der Manufakturarbeiter, der 4 TeB
arbeitet, einen Geldüberschuß, womit er während des Restes rn
Woche müßig lebt. ... Ich hoffe, ich habe genug gesagt, um kr
zu machen, daß mäßige Arbeit während 6 Tagen in der Woche keit”
Sklaverei ist. Unsere Agrikulturarbeiter tun dies und, allem A
scheine nach, sind sie die Glücklichsten unter den Arbeit®”
(labouring poor),!% aber die Holländer tun es in den Manufaktur”
und scheinen ein sehr glückliches Volk. Die Franzosen tun €S vr
weit nicht die vielen Feiertage dazwischenkommen.!* ,.. Ab
unser Pöbel hat sich die fixe Idee in den Kopf gesetzt, daß ihm %
Engländer durch das Recht der Geburt das Privilegium zukomf
freier und unabhängiger zu sein als die Arbeiter in irgendein“,
andern Lande von Europa. Nun, diese Idee, soweit sie auf ii
Tapferkeit unserer Soldaten einwirkt, mag von einigem Nutzen 8®
a Postlethwayt Ebenda: „First Preliminary Discourse“, p. 14. as
223 „An Essay ete.“ Er selbst erzählt S. 96, worin schon 1770 gl
Glück“ der englischen Agrikulturarbeiter bestand. „Ihre Arbeitsk" fe
(„their working powers‘“) sind stets auf das äußerste angespannt („OP u
streich“) ; sie können nicht schlechter leben, als sie tun („they cannot
cheaper than they do“), noch härter arbeiten („nor work harder“).“ 88
14 Der Protestantismus spielt schon durch seine Verwandlung gr
aller traditionellen Feiertage in Werktage eine wichtige Rolle in der
stehung des Kapitals,

ü
        <pb n="270" />
        ft

all

Achtes Kapitel

225

ber je weniger die Manufakturarbeiter davon haben, desto besser
7 Sie selbst und den Staat. Arbeiter sollten sich nie für unabhängig
(9 ihren Vorgesetzten („independent of their superiors“) halten. ...
Es ist außerordentlich gefährlich, den Pöbel in einem kommerziellen
lat wie dem unsrigen zu ermutigen, wo vielleicht sieben Achtel
der Gesamtbevölkerung Leute mit wenig oder keinem Eigentum
Andıs Die Kur wird nicht vollständig sein, bis unsere
Adustriellen Armen sich bescheiden, 6 Tage für dieselbe Summe zu
beiten, die sie nun in 4 Tagen verdienen.“ Zu diesem Zwecke,
Me zur „Ausrottung der Faulenzerei, Ausschweifung und romanschen
 Freiheitsduselei“, ditto „zur Minderung der Armentaxe, Förlerung
 des Geistes der Industrie und Herabdrückung des Arbeits-"Teises
 in den Manufakturen“, schlägt unser treuer Eckart des Kapi-Als
 dag probate Mittel vor, solche Arbeiter, die der öffentlichen
Wohltätigkeit anheimfallen, in einem Wort, Paupers, einzusperren
5 Sin „ideales Arbeitshaus“ (an ideal Workhouse). „Ein solches
Haus muß zu einem Hause des Schreckens (House of Terror) gemacht
 Werden.!?? In diesem „Hause des Schreckens“, diesem „Ideal
Ne einem Workhouse, soll gearbeitet weren 14 Stunden täglich mit
19 vegrift jedoch ausreichender Pausen für Mahlzeiten, so daß volle
Arbeitsstunden übrigbleiben.‘128
Sch 12 Arbeitsstunden täglich im „Ideal-Workhouse“, im Hause des
m Teckens von 1770! 63 Jahre später, 1833, als das englische Parla-BT
 In vier Fabrikzweigen den Arbeitstag für Kinder von 13 bis
Ta ahren auf 12 volle Arbeitsstunden herabsetzte, schien der jüngste
dü der englischen Industrie angebrochen! 1852, als L. Bonaparte
beit rlich Fuß zu fassen suchte durch Rütteln am gesetzlichen Ar-„D
 lag, schrie das französische Arbeitervolk aus einem Munde:
in Gesetz, das den Arbeitstag auf 12 Stunden verkürzt, ist das
Zlge Gut, das uns von der Gesetzgebung der Republik blieb !‘“129

——

ee .“, p. 15, 41, 96, 97, 55, 57, 69.
hei He A Hacob Vanderlint erklärte schon 1734, das Geynrils
 der Kapitalistenklage über die Faulenzerei des Arbeitervolks sei
"ach, daß sie für denselben Lohn 6 statt 4 Arbeitstage beanspruchten.
‚X Mm Ebenda, S. 242: „Ein solches ideales Arbeitshaus muß zu dh
re des Schreckens“ gemacht werden und nicht zu einem Zufluc Son
a Armen, wo sie reichlich gefüttert, warm und hübsch gekleidet werden
T wenig arbeiten.“ .
allg ln is ideal workhouse the poor shall work 14 Bo a day
2 Ko Proper time for meals, in such manner that ‚there s Tan
übe Ours Of neat labour.“ (Ebenda.) „Die Franzosen“, sagt er, „lachen
" Unsere enthusiastischen Ideen von Freiheit.“ (Ebenda, S, 78.)
Än “* „Sie Sträubten sich hauptsächlich mit der Begründung dagegen,
it © als 12 Stunden zu arbeiten, weil das Gesetz, welches diese Arbeits-Ropur
 Stsetzte, das einzige Gute ist, das ihnen von der Gesetzgebung der
Das Dlik verbleibt.“ („Reports of Insp. of Fact. 81st October 1856“, p. 80.)
dr Tranzösische Zwölfstundengesetz vom 5. September 1850, eine ver-SSrlichte
 Ausgabe des Dekreis der provisorischen Regierung vom
Das Kapital, 1 5
        <pb n="271" />
        226

Dritter Abschni"

In Zürich wurde die Arbeit von Kindern über 10 Jahren auf 12 Stu
den beschränkt; im Aargau wurde 1862 die Arbeit von Kinder
zwischen 13 und 16 Jahren von 12*/, auf 12 Stunden reduziert, 9
Desterreich 1860 für Kinder zwischen 14 und 16 Jahren ditto a”
12 Stunden.!® Welch ein „Fortschritt seit 1770“, würde Macauls}
„mit Exultation“ aufjauchzen!
Das „Haus des Schreckens“ für Paupers, wovon die Kapitalsee”
1770 noch träumte, erhob sich wenige Jahre später als riesiges „A
beitshaus“ für die Manufakturarbeiter selbst. Es hieß Fabrik. U
diesmal erblaßte das Ideal vor der Wirklichkeit.

‚' 6. Der Kampf um den Normalarbeitstag. |
Zwangsgesetzliche Beschränkung der Arbeitszeit. Die englisch
Fabrikgesetzgebung von 1833 bis 1864. .
Nachdem das Kapital Jahrhunderte gebraucht, um den Arbeif®
tag bis zu seinen normalen Maximalgrenzen und dann über die®
hinaus bis zu den Grenzen des natürlichen Tages von 12 Stund“
zu verlängern,!% erfolgte nun, seit der Geburt der großen Indust
im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts, eine lawinenartig gews) j
same und maßlose Ueberstürzung. Jede Schranke von Sitte

2. März 1848, erstreckt sich auf alle Arbeitsstätten ohne Unterschied. N “
diesem Gesetz war der Arbeitstag in Frankreich unbeschränkt. Er wahl
in den Fabriken 14, 15 und mehr Stunden. Siehe „Des classes ouvriin
en France, pendant l’annee 1848. Par M. Blanqui.“ Herr Blanqul, gr
Cekonom, nicht der Revolutionär, war von Regierungs wegen mit der
quete [Untersuchung] über die Arbeiterzustände betraut. nn
180 Belgien bewährt sich auch mit Bezug auf die Regulation des Arbe
lages als bürgerlicher Musterstaat. Lord Howard de, Welden, englis“ a
Bevollmächtigter in Brüssel, berichtet dem Auswärtigen Amt in Londol 4
12. Mai 1862: „Der Minister Rogier erklärte mir, daß weder ein allgem® f
Gesetz noch Lokalregulationen die Kinderarbeit irgendwie beschränken; gen
die Regierung sich während der letzten drei Jahre in jeder Sitzung mit @
Gedanken trug, den Kammern ein Gesetz über den Gegenstand vorzuleß f
daß sie aber stets ein unüberwindliches Hindernis fand an der eifersücht'%,
Angst gegen irgendwelche Gesetzgebung im Widerspruch mit dem Pr
vollkommener Freiheit der Arbeit!“
181 „Es ist sicher sehr bedauerlich, daß irgendeine Klasse von Pers”
12 Stunden täglich sich abplacken muß. Rechnet man die MahlzeiteP #
und die Zeit, um zu und von der Werkstatt zu gehen, so beträgt Ben
der Tat 14 von den 24 Tagesstunden. ... Abgesehen von der Gesun“ pl
wird niemand, hoffe ich, anstehen, zuzugeben, daß vom moralischen GeS
punkt eine so gänzliche Beanspruchung der Zeit der arbeitenden Kl
ohne Unterlaß, vom frühen Alter von 13 Jahren, und in den „freien“ IndU” nd
zweigen selbst von viel früherem Alter an, außerordentlich schädlich fü
ein furchtbares Uebel ist. ,.. Im Interesse der öffentlichen MOrS it
die Aufziehung einer tüchtigen Bevölkerung, und um der großen ar
des Volkes einen vernünftigen Lebensgenuß zu verschaffen, muß Bl
gedrungen werden, daß in allen Geschäftszweigen ein Teil jedes AT „x
iages reserviert werde für Erholung und Muße.“ (Leonhard Hort“
‚Reports of Insp. of Fact. for 31st December 1841.“)
        <pb n="272" />
        Achtes Kapitel.

227

al

1)

Hl

Natur, Alter und Geschlecht, Tag und Nacht, wurde zertrümmert.
Selbst die Begriffe von Tag und Nacht, bäuerlich einfach in den alten
Matuten, verschwammen so sehr, daß ein englischer Richter noch
‘860 Wahrhaft talmudistischen Scharfsinn aufbieten mußte, um
pürteilskräftig“ zu erklären, was Tag und Nacht sei. Das Kapital
lierte seine Orgien.
. Sobald die vom Produktionslärm übertölpelte Arbeiterklasse
Meder einigermaßen zur Besinnung kam, begann ihr Widerstand,
nächst im Geburtsland der großen Industrie, in England. Während
lreier Jahrzehnte jedoch blieben die von ihr ertrotzten Konzessionen
"ein Nominell. Das Parlament erließ 5 Arbeitsakte von 1802 bis 1833,
Var aber so schlau, keinen Pfennig für ihre zwangsmäßige AUS-Ahrung,
 das nötige Beamtenpersonal usw. zu bewilligen.!*? Sie
lieben ein toter Buchstabe. „Es ist Tatsache, daß vor dem Akt von
1833 Kinder und junge Personen abgearbeitet wurden („were
ÜOtked“) die ganze Nacht, den ganzen Tag, oder beide ad libitum
(ach Willkür].2#
X Erst seit dem Fabrikakt von 1833 — umfassend Baumwoll-,
ae, Flachs- und Seidenfabriken — datiert für die moderne In-„Strie
 ein Normalarbeitstag. Nichts charakterisiert den Geist des
„Spitals besser als die Geschichte der englischen Fabrikgesetzbung
 von 1833 bis 18641
ol Das Gesetz von 1833 erklärt, der gewöhnliche Fabrikarbeitstag
an ‚Deginnen 5, Uhr morgens und enden 8!/, Uhr abends, und
nn SThalb dieser Schranken, einer Periode von 15 Stunden, solle es
EN sein, junge Personen (das heißt Personen zwischen 13 und
au Jahren) zu irgendeiner Zeit des Tages anzuwenden, immer vor-12
 SOSeizt, daß ein und dieselbe junge Person nicht mehr als
} Stunden innerhalb eines Tages arbeite, mit Ausnahme gewisser
Peziel Vorgesehener Fälle. Die 6. Sektion des Akts bestimmt, „daß

Song Siehe „Judgment of Mr. J. H. Otway, Belfast, Hilary Sessions,
Antri 0.“ x : 234 *
I © Schr (heseiterielisch ist es für das Regime Louis Philipps, des a
ze 8C0is L„Bürger-Königs“], daß das einzige unter ihm erlassen® brike
tn &amp;amp; Vom 22, März 1841 niemals durchgeführt worden ist. Und 108 SS
2 it nur Kinderarbeit. Es setzt 8 Stunden für Kinder zwischen Hm ; 3
Au Stunden für Kinder zwischen 12 und 16 Jahren usw. fest, mi Den en
ac Samen, Welche die Nachtarbeit selbst für Achtjährige orlaOn. € de
Mau te Und Erzwingung des Gesetzes blieben in einem Lan e, wo je Ss
üe ‚Polizeilich administriert wird, dem guten Willen der „amis N com
an n [der „Freunde des Handels‘“] überlassen. Erst seit 1853 gibt es in
a einzigen Departement, dem Departement du „Nord, einen bezahlten
tan er Ungsinspektor. Nicht minder charakteristisch für die Entwicklung der
Ur Tischen Gesellschaft überhaupt ist es, daß Louis Philipps Gesetz bi
ac Olütion von 1848 einzig dastand in der alles umspinnenden franz
Gesetzesfabrik 1 . N
A »Reports of Insp. of Faet. for 80th April 1860“, p. 51.
        <pb n="273" />
        298

Dritter Abschnitt

im Laufe jedes Tages jeder solchen Person von beschränkter AT
beitszeit mindestens 1!/, Stunden für Mahlzeiten eingeräumt werde”
sollen“. Die Anwendung von Kindern unter 9 Jahren, mit später ”
erwähnender Ausnahme, ward verboten, die Arbeit der Kinder v®
9 bis 13 Jahren auf 8 Stunden täglich beschränkt. Nachtarbeit, d#
heißt nach diesem Gesetz Arbeit zwischen 8'/, Uhr abends und
5'/„ Uhr morgens, ward verboten für alle Personen zwischen 9 u
18 Jahren.
Die Gesetzgeber waren so weit entfernt, die Freiheit des Kal!
tals in Aussaugung der erwachsenen Arbeitskraft oder, wie sie ®
nannten, „die Freiheit der Arbeit“ antasten zu wollen, daß sie ei
eigenes System ausheckten, um solcher haarsträubenden Konseque”
des Fabrikakts vorzubeugen.

„Das große Uebel des Fabriksystems, wie es gegenwärtig eiß
gerichtet ist,“ heißt es im ersten Bericht des Zentralrats der Ko
mission vom 25. Juni 1833, „besteht darin, daß es die Notwendigk#
schafit, die Kinderarbeit zur äußersten Länge des Arbeitstages de!
Erwachsenen auszudehnen. Das einzige Heilmittel für dies Ueb-!
ohne Beschränkung der Arbeit der Erwachsenen, woraus ein veb?
entspringen würde, größer als das, dem vorgebeugt werden sol
scheint der Plan, doppelte Reihen von Kindern zu verwenden.“ Unte
dem Namen Relaissystem („System of Relays“; Relay heißt im En’
lischen wie im Französischen: das Wechseln der Postpferde auf ven
schiedenen Stationen) wurde daher dieser „Plan“ ausgeführt, so di
zum Beispiel von 5'/, Uhr morgens bis 1'/, nachmittags eine Reif
von Kindern zwischen 9 und 13 Jahren, von 1’/, Uhr nachmittags gi
8'/, Uhr abends eine andere Reihe vorgespannt wird usw.
Zur Belohnung dafür, daß die Herren Fabrikanten alle währe
der letzten 22 Jahre erlassenen Gesetze über Kinderarbeit aß
frechste ignoriert hatten, ward ihnen jetzt aber auch die Pille ver
goldet. Das Parlament bestimmte, daß nach dem 1. März 1834 vol
Kind unter 11 Jahren, nach dem 1. März 1835 kein Kind unl®
12 Jahren und nach dem 1. März 1836 kein Kind unter 13 Jahren üD
8 Stunden in einer Fabrik arbeiten solle! Dieser für das „Kapil?,
so schonungsvolle „Liberalismus“ war um so anerkennenswertenh V
Dr. Farre, Sir A. Carlisle, Sir B. Brodie, Sir C. Bell, Mr. Guthrie us
kurz die bedeutendsten Aerzte Londons in ihren Zeugenaussage» Te
dem Unterhaus erklärt hatten, daß Gefahr im Verzug! Dr. F#
drückte sich noch etwas gröber dahin aus: „Gesetzgebung ist gl0l
notwendig für die Verhütung des Todes in allen Formen, wori®
vorzeitig angetan werden kann, und sicher muß dieser (der Fabiit,
modus) als eine der grausamsten Methoden ihn anzutun netradh,
werden.“ Dasselbe „reformierte“ Parlament, das aus ZartsinP ©
die Herren Fabrikanten Kinder unter 13 Jahren noch Jahre larf al
die Hölle zweiundsiebzigstündiger Fabrikarbeit pro Woche Ne
bannte, verbot dagegen in dem Emanzipationsakt, der auch die Fr

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        \chtes Kapitel.

229

leit tropfenweise eingab, von vornherein den Pflanzern, irgendeinen
Vegersklaven länger als 45 Stunden pro Woche abzuarbeiten!
„. Aber keineswegs versöhnt, eröffnete das Kapital jetzt eine mehrährige
 und geräuschvolle Agitation. Sie drehte sich hauptsächlich
"m das Alter der Kategorien, die unter dem Namen Kinder auf
‘histündige Arbeit beschränkt und einem gewissen Schulzwang
Merworfen worden waren. Nach der kapitalistischen Anthropologie
törte das Kindesalter im zehnten oder, wenn es hoch ging, im
ten Jahre auf, Je näher der Termin der vollen Ausführung des
Ve brikakts, das verhängnisvolle Jahr 1886 rückte, um so wilder raste
° Fabrikantenmob. Es gelang ihm in der Tat, die Regierung so
nt Sinzuschüchtern, daß sie 1835 den Termin des Kindesalters von
; auf 12 Jahre herabzusetzen vorschlug. Indes wuchs der Druck
he außen drohend an. Der Mut versagte dem Unterhause. Es
1. Serte Sich, Dreizehnjährige länger als 8 Stunden täglich unter
. 5 Juggernautrad!®® des Kapitals zu werfen, und der Akt von 1833
“in volle Wirkung. Er blieb unverändert bis Juni 1844.
ü Während des Jahrzehnts, worin er erst teilweise, dann ganz
ih Fabrikarbeit regulierte, strotzen die offiziellen Berichte der
üh Mkinspektoren von Klagen über die Unmöglichkeit seiner Aus-Kan
 e0g. Da das Gesetz von 1833 es nämlich ‚den Herren vom
norital freistellte, in der fünfzehnstündigen Periode von 5%, Uhr
x "Sens bis 8", Uhr abends jede „junge Person“ und jedes „Kind
ei Pond beliebiger Zeit die zwölf- respektive die achtstündige Ar-Schi
 beginnen, unterbrechen, enden zu lassen, und ebenso den verheise
 hen Personen verschiedene Stunden der Mahlzeiten anzulie
 Sen, fanden die Heren bald ein neues „Relaissystem“ aus, wonach
un Arbeitspferde nicht an bestimmten Stationen gewechselt, sondern
Nora, hselnden Stationen stets wieder von neuem vorgespannt
la ©. Wir verweilen nicht weiter bei der Schönheit dieses Systems,
den Später darauf zurückkommen müssen. So viel ist aber auf
dejer sten Blick klar, daß es den ganzen Fabrikakt nicht nur seinem
 ahrı Sondern auch seinem Buchstaben nach aufhob. Wie Sollten die
Yinzer Spektoren bei dieser komplizierten Buchführung über jedes
its ine Kind und jede junge Person die gesetzlich bestimmte Arn
 er Sit und die Gewährung der gesetzlichen Mahlzeiten erzwingen?
ala cm großen Teil der Fabriken blühte der alte brutale Unfug
Minier der ungestraft auf. In einer Zusammenkunft mit dem
Nöpl; 57 des Innern (1844) bewiesen die Fabrikinspektoren die Unsie
 hkeit jeder Kontrolle unter dem neuausgeheckten Relais-Die
 T ‘* Unterdes hatten sich aber die Umstände sehr geändert.
abrikarbeiter, namentlich seit 1838, hatten die Zehnstunden-En



in indi ö ild, das zeit-A
 i t, ein indisches Götzenbild, 7
1Siag aut EC Maut, al son Wagen armhergefahren wird, Ener Räder
a Tomme Hindus werfen, um sich zermalmen zu lassen, N
18e »Reports of Insp. of Fact. for 81st October 1849“, p. 6.
        <pb n="275" />
        230

Dritter Abschnit

bill zu ihrem ökonomischen, wie die Charter! zu ihrem politisch”
Wahlruf gemacht. Ein Teil der Fabrikanten selbst, der den Fabr”
betrieb dem Akt von 1833 gemäß geregelt hatte, überschüttete dr
Parlament mit Denkschriften über die unsittliche „Konkurrenz“ Rn
„falschen Brüder“, denen größere Frechheit oder glücklichere Lok?
umstände den Gesetzesbruch erlaubten. Zudem, wie sehr immer?
der einzelne Fabrikant der alten Raubgier den Zügel frei schieß®
lassen mochte, die Wortführer und politischen Leiter der Fall
kantenklasse geboten eine veränderte Haltung und veränd“
Sprache gegenüber den Arbeitern. Sie hatten den Feldzug zur }
schaffung der Korngesetze eröffnet und bedurften der Hilfe der A
beiter zum Siege! Sie versprachen daher nicht nur Verdoppelung t
Laibes Brot, sondern Annahme der Zehnstundenbill unter
tausendjährigen Reich des Freihandels.!®? Sie durften also um y
weniger eine Maßregel bekämpfen, die nur den Akt von 1833 * }
Wahrheit machen sollte. In ihrem heiligsten Interesse, der Gr
rente, bedroht, donnerten endlich die Tories entrüstet philantrop!
äber die „infamen Praktiken‘! ihrer Feinde. fi
So kam der zusätzliche Fabrikakt vom 7. Juni 1844 zustande f
trat am 10. September 1844 in Wirkung. Er gruppiert eine 2% #
Kategorie von Arbeitern unter die Beschützten, nämlich die Frl,
zimmer über 18 Jahre. Sie wurden in jeder Rücksicht den jung,
Personen gleichgesetzt, ihre Arbeitszeit auf 12 Stunden beschrät.
Nachtarbeit ihnen untersagt usw. Zum erstenmal sah sich die Ges
gebung also gezwungen, auch die Arbeit Volljähriger direkt D
»ffiziell zu kontrollieren. In dem Fabrikbericht von 1844 bis } R
heißt es ironisch: „Es ist kein einziger Fall zu unserer Kenntnis %
kommen, wo erwachsene Weiber sich über diesen Eingriff in u
Rechte beschwert hätten.!*® Die Arbeit von Kindern unter 18 Ja
wurde auf 6'/, und, unter gewissen Bedingungen, 7 Stunden tä$
reduziert.!*9 geh
Um die Mißbräuche des falschen „Relaissystems“ zu beseitlß”
traf das Gesetz unter anderm folgende wichtige Detailbestimmu®f gg
„Der Arbeitstag für Kinder und junge Personen ist von der zeit
zu zählen, wo irgend ein Kind oder eine junge Person des Mol
in der Fabrik zu arbeiten anfängt.“  Sodaß, wenn A zum Beispiel 1aß
8 Uhr morgens die Arbeit beginnt und B um 10 Uhr, der Arbeit,
1862 The peoples charter, sprich pipels tscharter, der Freibrief ss
Volkes, hieß das politische Programm der Chartistenbewegung, de
Hauptpunkt das allgemeine, geheime und gleiche Wahlrecht Warn ß
M. Beer: „Geschichte des Sozialismus in England. Stuttgart 1913“, S. 2”
‘7 „Reports of Insp. of Fact. for 81st October 1848“, p. 98. io
18 Uebrigens braucht Leonhard Horner den Ausdruck „nef2” 4)
practices“ offiziell. („Reports of Insp. of Fact. for 31st October 1859“ P
+39 „Reports etc, for 30th September 1844“, p. 15. ic
140 Der Akt erlaubt, Kinder 10 Stunden anzuwenden, wenn 8° u?
Tag nach Tag, sondern nur einen Tag über den andern arbeiten. Im 8
blieb diese Klausel wirkungslos.

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\Ohtes Kapitel.

‘ünoch für B zur selben Stunde enden muß wie für A. Der An-En
 des Arbeitstages soll angezeigt werden durch eine öffentliche
oe zum Beispiel die nächste Eisenbahnuhr, wonach die Fabrikis
 ‘ke zu richten. Der Fabrikant hat eine großgedruckte Notiz in
&amp;amp; Fabrik aufzuhängen, worin Anfang, Ende, Pausen des Arbeits-DT
 angegeben sind. Kinder, die ihre Arbeit des Vormittags vor
Yo hr beginnen, dürfen nicht wieder nach 1 Uhr mittags verwandt
nn Die Nachmittagsreihe muß also aus andern Kindern bell
 ©n als die Vormittagsreihe. Die 1!/, Stunden für Mahlzeit müssen
On beschützten Arbeitern zu denselben Tagesperioden eingeräumt
wen, 1 Stunde wenigstens vor 3 Uhr nachmittags. Kinder oder
A Personen dürfen nicht länger als 5 Stunden vor 1 Uhr mittags
M nt werden, ohne eine mindestens halbstündige Pause für
väh Zeit. Kinder, junge Personen oder Frauenzimmer dürfen
in Tehd keiner Mahlzeit in einer Fabrikstube bleiben, worin irgend-Arbeitsprozeß
 vorgeht usw.
pe an hat gesehen: Diese ins kleinste gehenden Bestimmungen,
Om S die Periode, Grenzen, Pausen der Arbeit so militärisch uni-%
 [gleichförmig] nach dem Glockenschlag regeln, waren keinesen
 Produkte parlamentarischer Hirnweberei. Sie entwickelten
der allmählich aus den Verhältnissen heraus, als Naturgesetze
ker dernen Produktionsweise. Ihre Formulierung, offizielle An-Klass
 UNE und staatliche Verkündigung waren Ergebnis Jangwieriger
dach a kämpfe, Eine ihrer nächsten Folgen war, daß die Praxis
den TR Arbeitstag der erwachsenen männlichen Fabrikarbeiter
Proz, ben Schranken unterwarf, da in den meisten Produktionsgen
 die Kooperation [das Zusammenwirken] der Kinder,
zötzer Personen und Frauenzimmer unentbehrlich. Im großen und
ündie galt daher während der Periode von 1844 bis 1847 der zwölf-3egep
 en Arbeitstag allgemein und uniform in allen der Fabrik-De
 cbung unterworfenen Industriezweigen.
Minen le Fabrikanten erlaubten diesen „Fortschritt“ jedoch nicht ohne
las 1 «ompensierenden „Rückschritt“. Auf ihren Antrieb reduzierte
9 Jah Nierhaus das Minimalalter der zu verarbeitenden Kinder von
Weg "in auf 8, zur Sicherung der dem Kapital von Gott und Rechts
Di Seschuldeten „zusätzlichen Fabrikkinderzufuhr“.141
GesehiS Jahre 1846 und 1847 machen Epoche in der ökonomischen
wR °hte Englands. Widerruf der Korngesetze, die Einfuhrzölle
ande] Wolle und andere Rohmaterialien abgeschafft, der Freiähn,
 Zum Leitstern der Gesetzgebung erklärt! Kurz, das tausendhar
 Reich brach an. Anderseits erreichten in denselben Jahren
lange CNbewegung und Zehnstundenagitation ihren Höhepunkt. Sie
u Bundessenossen in den racheschnaubenden Tories. Trotz des

231

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Aae ä i itszeit eine starke Nachfrage
»Da eine Beschränkung ihrer Arbeitszei |
Kindern) erzeugen wurde nahm man an, daß die MS aan 13.)
dern ZWischen 8 und 9 Jahren den Bedarf decken würde.“ (Ebenda, S. 13.
        <pb n="277" />
        232

Dritter Absehnit

lanatischen Widerstands des wortbrüchigen Freihandelsheeres, wl
Bright und Cobden an der Spitze, ging die so lang erstrebte Zel?
stundenbill durch das Parlament.
Der neue Fabrikakt vom 8. Juni 1847 setzte fest, daß am 1. I
1847 eine vorläufige Verkürzung des Arbeitstages der „jung“
Personen“ (von 13 bis zu 18 Jahren) und aller Arbeiterinnen al
11 Stunden, am 1. Mai 1848 aber die definitive Beschränkung ?*
10 Stunden eintreten solle. Im übrigen war der Akt nur ®
ergänzender Zusatz der Gesetze von 1833 und 1844. 1
Das Kapital unternahm einen vorläufigen Feldzug, um die ;
Ausführung des Akts am 1. Mai 1848 zu verhindern. Und zw
3ollten die Arbeiter selbst, angeblich durch die Erfahrung gewitz?
ihr eigenes Werk wieder zerstören helfen. Der Augenblick “
geschickt gewählt. „Man muß sich erinnern, daß infolge der fur?
baren Krise von 1846/47 großes Elend unter den Fabrikarbeit®®
vorherrschte, da viele Fabriken nur für kurze Zeit gearbeitet, ande?
ganz stillgestanden hatten. Eine beträchtliche Anzahl der Arbein
befand sich daher in drückendster Lage, viele in Schulden. MP
konnte daher mit ziemlicher Gewißheit annehmen, daß sie “
längere Arbeitszeit vorziehen würden, um die vergangenen Verl”
gutzumachen, vielleicht Schulden abzuzahlen, oder ihre Möbel n
dem Pfandhaus zu holen, oder verkaufte Habseligkeiten zu ersel?
oder neue Kleidungsstücke sich selbst und ihren Familien zu Ye
schaffen.“4? Die Herren Fabrikanten suchten die natürliche Wirkt
dieser Umstände zu steigern durch eine allgemeine Lohnhef?,
setzung von 10 pZt. Dies geschah sozusagen zur Einweihungs!®
der neuen Freihandelsära. Dann folgte weitere Herabsetzung "
3*/, PZt., sobald der Arbeitstag auf 11, und um das Doppelte, Zu
ar definitiv auf 10 Stunden verkürzt wurde. Wo es daher irgend%,
lie Verhältnisse zuließen, fand eine Lohnherabsetzung von w® a
stens 25 pZt. statt.*4® Unter so günstig vorbereiteten Chancen be ff
man die Agitation unter den Arbeitern für Widerruf des Akt®
1847. Kein Mittel des Betruges, der Verführung und der Drol a
wurde dabei verschmäht, aber alles umsonst. Mit Bezug auf
halbe Dutzend Petitionen, worin die Arbeiter klagen mußten an
„ihre Unterdrückung durch den Akt“, erklärten die Bittsteller s®) ot
bei mündlichem Verhör, ihre Unterschriften seien abgenötigt 4
den. „Sie seien unterdrückt, aber von jemand anders als gt
Fabrikakt“.14 Wenn es aber den Fabrikanten nicht gelang;

143 Reports of Insp. of Fact. for 31st October 1848‘, p. 16. Od
„4 „Ich fand, daß man Leuten, die 10 Shilling wöchentlich erhölg
hatten, 1 Shilling abzog auf Rechnung der allgemeinen Lohnherabse” x
von 10 pZt., und weitere 1 Shilling 6 Pence für die Zeitverkürzunf g
sammen 2 Shilling 6 Pence, und trotz alledem hielt die Mehrzahl fe*
der Zehnstundenbill.“ (Ebenda.) we
144 „Als ich die Petition unterzeichnete, erklärte ich zugleich, ich,
damit etwas Schlechtes, — Warum habt Ihr sie denn unterzeichnet!

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1

\chtes Kapitel.

\tbeiter in ihrem Sinne sprechen zu machen, schrien sie selbst nur
| 80 lauter in Presse und Parlament im Namen der Arbeiter. Sie
lnunzierten die Fabrikinspektoren als eine Art Konventskom-\ssäre,
 die ihrer Weltverbesserungsgrille den unglücklichen Ar-Siter
 unbarmherzig aufopferten. Auch dies Manöver schlug fehl.
äbrikinspektor Leonhard Horner stellte in eigener Person und durch
eine Unterinspektoren zahlreiche Zeugenverhöre in den Fabriken
Atashires an. Ungefähr 70 pZt. der verhörten Arbeiter erklärten
"Ch für 10 Stunden, eine viel geringere Prozentzahl für 11 und eine
sanz Unbedeutende Minorität für die alten 12 Stunden.!# _
„.. Ein anderes „gütliches“ Manöver war, die erwachsenen männ-‚chen
 Arbeiter 12 bis 15 Stunden arbeiten zu lassen und dann diese
“Alsache für den besten Ausdruck der proletarischen Herzens-"nsche
 zu erklären. Aber der „unbarmherzige“ Fabrikinspektor
Uhard Horner war wieder an Ort und Stelle. Die meisten
Üeberstündigen“ sagien aus, „sie würden es bei weitem vorziehen,
© Stunden für geringeren Arbeitslohn zu arbeiten, aber sie hätten
‚eine Wahl; so viele von ihnen seien arbeitslos, so viele Spinner
N  Wungen, als bloße piecers [Anknüpfer] zu arbeiten, daß, wenn
e die längere Arbeitszeit verweigerten, andere sofort ihre Stellen
achmen würden, so daß die Frage so für sie stehe: entweder die
“Were Zeit arbeiten oder auf dem Pflaster liegen“.14e
zu Der Vorläufige Feldzug des‘ Kapitals war mißglückt, und das
stundengesetz trat am 1. Mai 1848 in Kraft. Unterdes hatte jedoch
© Fiasko [der Mißerfolg] der Chartistenpartei, deren Führer einx
 STkert und deren Organisation zersprengt, bereits das Selbstvernn
 der englischen Arbeiterklasse erschüttert. Bald darauf verm
 '8le die Pariser Juniinsurrektion und ihre blutige Erstickung, wie
ch Kontinentalen Europa so in England, alle Fraktionen der herrng
 sen Klassen, Grundeigentümer und Kapitalisten, Börsenwölfe
tig Krämer, Protektionisten und Freihändler, Regierung und Oppolem
 Pfaffen und Freigeister, junge Huren und alte Nonnen, unter
der SCmeinschaftlichen Ruf zur Rettung des Eigentums, der Religion,
Familie, der Gesellschaft! Die Arbeiterklasse wurde überall

233

De
DE

% N Man mich im Weigerungsfalle auf das Pflaster geworfen Bälle. m
in Kiütsteller fühlte sich in der Tat „unterdrückt“, aber nicht g
Abrikakt.“ S. 102, .
Has Ebern rn En Horners Distrikt wurden 50 10. 270 er
Aus te männliche Arbeiter in 181 Fehlen kb al et Fa
ASon i brikinspektionsberic. ; , 6
N Sn 1848 Diese me nabrücinspel bieten auch in anderer Beziehung
Zba: ar
N 148 A I erwähnten Bericht siehe die von Leonhard ED
abet Stsammelten Aussagen Nr. 69, 70, 71, 72, 92, 93 und die von an
TabelOr A. gesammelten Nr. 51, 52, 58, 59, 62, 70 des Appendix Bin
Y i L i ® dal
Serie Schenkte selbst klaren Wein ein. Siehe Nr. 14 un
        <pb n="279" />
        234

Dritter Abschnit

verfemt, in den Bann getan, unter das „loi des suspects“ [das Geseb
gegen die Verdächtigen], gestellt. Die Herren Fabrikanten braucht”
sich also nicht länger zu genieren. Sie brachen in offene Revolf
aus, nicht nur wider das Zehnstundengesetz, sondern wider die gan?
Gesetzgebung, welche seit 1833 die „freie“ Aussaugung der Arbeif
kraft einigermaßen zu zügeln suchte. Es war eine Proslavery B*
bellion [Rebellion der Sklavenhalter] in Miniatur, während mehr #
zwei Jahren durchgeführt mit zynischer Rücksichtslosigkeit, W
terroristischer Energie, beide um so wohlfeiler, als der rebelliseh
Kapitalist nichts riskierte außer der Haut seiner Arbeiter.
Zum Verständnis des nachfolgenden muß man sich erinnel”
daß die Fabrikakte von 1833, 1844 und 1847 alle drei in Recht
kraft, soweit der eine nicht den andern abändert; daß keiner de
selben den Arbeitstag des männlichen Arbeiters über 18 Jah
beschränkt und daß seit 1883 die fünfzehnstündige Periode _
5°/, Uhr morgens bis 8*/, Uhr abends der gesetzliche „Tag“ blie
innerhalb dessen erst die zwölf-, später die zehnstündige Ar
der jungen Personen und Frauenzimmer unter den vorgeschrieben“
Bedingungen zu verrichten war.
Die Fabrikanten begannen hier und da mit Entlassung en
Teiles, manchmal der Hälfte, der von ihnen beschäftigten jung
Personen und Arbeiterinnen und stellten dagegen die fast %
schollene Nachtarbeit unter den erwachsenen männlichen Arbeit®
wieder her. Das Zehnstundengesetz. riefen sie, lasse ihnen ke
andere Wahl!1*7 nn
Der zweite Schritt bezog sich auf die gesetzlichen Pausen |
Mahlzeiten. Hören wir die Fabrikinspektoren. „Seit der Beschr‘”
kung der Arbeitsstunden auf 10 behaupten die Fabrikanten, %
gleich sie praktisch ihre Ansicht noch nicht bis zur letzten Ki
sequenz durchführen, daß, wenn zum Beispiel von 9 Uhr moIß%
bis 7 Uhr abends gearbeitet wird, sie den gesetzlichen Vorschrift _
genug tun, indem sie 1 Stunde für Mahlzeit vor 9 Uhr molßt
und */, Stunde nach 7 Uhr abends, also 1*/, Stunden für Mahblze! #
geben. In einigen Fällen erlauben sie jetzt eine halbe oder By
Stunde für Mittagessen, bestehen aber zugleich darauf, sie u”
durchaus nicht verpflichtet, irgendeinen Teil der 12/, Stunde 4
Laufe des zehnstündigen Arbeitstages einzuräumen.“ 14% Die He! g
Fabrikanten behaupteten also, die peinlich genauen Bestimmu’%,
des Akts von 1844 über Malilzeiten gäben den Arbeitern nur A
Erlaubnis, vor ihrem Eintritt in die Fabrik und nach ihrem Aus
aus der Fabrik, also bei sich zu Hause, zu essen und zu trinke,
Und warum sollten die Arbeiter auch nicht vor 9 Uhr morgen$ F
Mittagessen einnehmen? Die Kronjuristen entschieden jedoch n
die vorgeschriebenen Mahlzeiten „in Pausen während des

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147 „Reports ete. for 31st October 1848“, p. 1838, 184.
148 Reports ete. for 30th April 1848“, p. 47.
        <pb n="280" />
        10%

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\chtes Kapitel.

in Arbeitstages gegeben werden müssen, und daß es ungesetzin
 10 Stunden nacheinander von 9 Uhr morgens bis 7 Uhr abends
8 Unterbrechung arbeiten zu lassen“.14*
in Nach diesen gemütlichen Demonstrationen leitete das‘ Kapital
ie © Revolte ein durch einen Schritt, der dem Buchstaben des
S6lzes von 1844 entsprach, also legal war.
3 Das Gesetz von 1844 verbot allerdings, Kinder von 8 bis
ach arm, die vor 12 Uhr vormittags beschäftigt würden, wieder
Nei 1 Uhr miltags zu beschäftigen. Aber es regelte in keiner
eit 6 die sechseinhalbstündige Arbeit der Kinder, deren Arbeits-Mr
 12 Uhr vormittags oder später begann! Achtjährige Kinder
ann © daher, wenn sie die Arbeit um 12 Uhr vormittags beis
 "r von 12 bis 1 Uhr verwandt werden, 1 Stunde; von 2 Uhr
ber Uhr nachmittags, 2 Stunden, und von 5 Uhr bis 8'/, Uhr
der 3'/, Stunden; alles in allem die gesetzlichen 6*/, Stunden!
er besser. Um ihre Verwendung der Arbeit erwachsener
ne licher Arbeiter bis 8!/, Uhr abends anzupassen, brauchten
nd die Fabrikanten kein Werk zu geben vor 2 Uhr nachmittags,
Li onnten sie dann ununterbrochen in der Fabrik halten bis
u hr abends! „Und es wird jetzt ausdrücklich zugestanden, daß
ls 10 nes infolge der Fabrikantengier, ihre Maschinerie länger
eschl Stunden laufen zu lassen, sich die Praxis in England ein-Chle
 Ichen hat, acht- bis dreizehnjährige Kinder beiderlei Geder
 ps nach Entfernung aller jungen Personen und Weiber aus
be Di allein mit den erwachsenen Männern bis 8*/, abends
on a zu lassen.“150 Arbeiter und Fabrikinspektoren protestiertw,
 us hygienischen und moralischen Gründen. Aber das Kapital
Ortete [mit Shylock] :
»Meine Taten auf mein Haupt! Mein Recht verlang’ ich!
Die Buße und Verpfändung meines Scheins!“
O0 der Tat waren nach statistischer Vorlage an das Unterhaus
u 275 Juli 1850, trotz aller Proteste, am 15. Juli 1850 3742 Kinder
Jas L Fabriken dieser „Praxis“ unterworfen.!*! Noch nicht genug!
stün dis hsauge des Kapitals entdeckte, daß der Akt von 1844 fünf-0
 Min Arbeit des Vormittags nicht ohne Pause von wenigstens
Nüchmiu CR für Erfrischung erlaubt, aber nichts der Art für die
lan Geragsarbeit vorschreibt. Es verlangte und ertrotzte daher
N Uhr aß achtjährige Arbeiterkinder unausgesetzt von 2 Uhr bis
T abends nicht nur schanzen, sondern auch hungern zu lassen!
„Ja, die Brust,
—— So sagt der Schein.“ 152
9
150 „Reports ete, for 31st October 1848“, p. 130.
ib3 “benda, S. 142,
. 3d2 »Reports ete. for 31st October 1850“, p. 5, 6.
"8 in Die Natur des Kapitals bleibt dieselbe, in seinen unentwickelten
ler Sunen entwickelten Formen. In dem Gesetzbuch, das der Einfluß
Venhalter kurz vor Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges

235
        <pb n="281" />
        236

Dritter Abschnit

Dies Shylocksche Festklammern am Buchstaben des Gesetr
von 1844, soweit es die Kinderarbeit regelt, sollte jedoch nur di
&amp;gt;ffene Revolte gegen dasselbe Gesetz vermitteln, soweit es die
beit von „jungen Personen und Frauenzimmern“ regelt. Man ef
innert sich, daß die Abschaffung des „falschen Relaissystem®
Hauptzweck und Hauptinhalt jenes Gesetzes bildet. Die Fabl
kanten eröffneten ihre Revolte mit der einfachen Erklärung, a
Sektionen des Akts von 1844, welche beliebigen Nießbrauch de
jungen Personen und Frauenzimmer in beliebigen kürzeren Ar
schnitten des fünfzehnstündigen Fabriktages verbieten, seien „'
gleichungsweise harmlos (comparatively harmless) geblieben, g
lange die Arbeitszeit auf 12 Stunden eingeschränkt war. un
dem Zehnstundengesetz seien sie eine unerträgliche Unbill“ (hal
ship).!*® Sie zeigten daher den Inspektoren in der kühlsten wer
an, daß sie sich über den Buchstaben des Gesetzes hinwegset?,
und das alte System auf eigene Faust wieder einführen würdel- g
Es geschehe im Interesse der übelberatenen Arbeiter selbst,
ihnen höhere Löhne zahlen zu können“. „Es sei der einzig mi
liche Plan, um unter dem Zehnstundengesetz die industrielle Mal,
stellung Großbritanniens zu erhalten.“ 155 „Es möge etwas scht
sein, Unregelmäßigkeiten unter dem Relaissystem zu entdecken, RT
was heiße das? (what of that?) Soll das große Fabrikinteresse die j
Landes als ein untergeordnetes Ding behandelt werden, um de
Fabrikinspektoren und Subinspektoren ein bischen mehr Mühe (20
little trouble) zu sparen? 158 Te
Alle diese Flausen halfen natürlich nichts. Die Fabl”,
inspektoren schritten gerichtlich ein. Bald aber überschüttete Ze
solche Staubwolke von Fabrikantenpetitionen den Minister d
Innern, Sir George Grey, daß er in einem Zirkular vom 5. Aufl,
1848 die Inspektoren anwies, „im allgemeinen nicht einzuschreif
wegen Verletzung des Buchstabens des Akts, so oft das Rei
system nicht erwiesenermaßen mißbraucht werde, um junge P

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te . aan,
lem Territorium von New Mexico aufherrschte, heißt es: der Arbeits)
weit der Kapitalist seine Arbeitskraft gekauft hat, „Ist sein (des Kapil® A
Geld“. („The labourer is his [the capitalist’s] _ money.“) En En
schauung war gangbar bei den römischen Patriziern. Das Geld, sein?
dem plebejischen Schuldner vorgeschossen, hatte sich vermiltels pe?
Lebensmittel in Fleisch und Blut des Schuldners verwandelt. Dies » eb
und Blut“ war daher „ihr Geld“. Daher das Shylocksche Gesetz Se x
Tafeln! Linguets Hypothese, daß die patrizischen Gläubiger von % er
Zeit jenseits der Tiber Festschmäuse in gekochtem Schuldner FO
anstalteten, bleibe ebenso dahingestellt, wie Daumers Hypothese ü
christliche Abendmahl.
1% „Reports ete, for 80th April 1848“, p. 28. varig®
154 So unter andern Philanthrop Ashworth in einem quäkerhaft wi
Brief an Leonhard Horner. („Reports efe. April 1849“, p. 4.)
155 „Reports etc. for 30th April 1848“, p. 134,
156 Ebenda, S. 140.
        <pb n="282" />
        Alk

Achtes Kapitel.

237

nen und Frauenzimmer über 10 Stunden arbeiten zu lassen“.
Terauf erlaubte Fabrikinspektor J. Stuart das sogenannte Ab-Sungssystem
 während der fünfzehnstündigen Periode des Fabrik-%es
 in ganz Schottland, wo es bald wieder in alter Weise auf-Uühte,
 Die englischen Fabrikinspektoren dagegen erklärten, der
Ünister besitze keine diktatorische Gewalt, Gesetze außer Kraft zu
zen und fuhren mit gerichtlichem Einschreiten wider die Pro-Avery-Rebellen
 fort. .
„Wozu jedoch alle Ladung vors Gericht, sobald die Gerichte, die
-°Unty magistrates,!7 freisprachen? In diesen Gerichten saßen die
Jerren Fabrikanten über sich selbst zu Gericht. Ein Beispiel. Ein
(Wieser Eskrigge, Baumwollspinner von der Firma Kershaw,
Lese &amp;amp; Co., hatte dem Fabrikinspektor seines Distrikts das Schema
OS für seine Fabrik bestimmten Relaissytems vorgelegt. Ab-Werägig
 beschieden, verhielt er sich zunächst passiv. Wenige
3. nate später stand ein Individuum namens Robinson, ebenfalls
yemwollspinner, und wenn nicht der Freitag, so jedenfalls der
vor wandte des Eskrigge, vor den Friedensrichtern zu Stockport
een Einführung des gleichen, von Eskrigge ausgeheckten Relaisqnes,
 Es saßen 4 Richter, darunter 3 Baumwollspinner, an ihrer
ze derselbe unvermeidliche Eskrigge. Eskrigge sprach den
de son frei und erklärte nun, was dem Robinson recht, sei
BCE Eskrigge billig. Auf seine eigene rechtskräftige Entscheidung
Anezt führte er sofort das System in seiner eigenen Fabrik ein.
$rdings war schon die Zusammensetzung dieser Gerichte eine
Verletzung des Gesetzes.*? „Diese Art gerichtlicher Possen ;
Atw Inspektor Howell aus, „schreien nach einem Heilmittel ...
ve ©der paßt das Gesetz diesen Urteilssprüchen an, oder laßt es
ch alten durch ein minder fehlbares Tribunal, das ‚seine Entsehn
 gen dem Gesetz anpaßt . . . in allen solchen Fällen. Wie
t Man sich nach einem bezahlten Richter.“ 160
Yon Die Kronjuristen erklärten die Fabrikantenauslegung des Akts
acht 8 für abgeschmackt, aber die Gesellschaftsretter ließen sich
0v beirren. „Nachdem ich“, berichtet Leonhard Horner, „durch
Jas GQrlolgungen in 7 verschiedenen Gerichtsbezirken versucht habe,
_ "68etz zu erzwingen, und nur in einem Falle von den Magistraten

Ar Dies i “ di roßen Unbezahlten“, wie
e magistrates je „gg Ü C
% Cobbett sie Sa sind eine Art unbezahlter Friedensrichter, ‚aus den
non getioren der Grafschaften gebildet. Sie bilden in der Tat die Patri-‘e°tichte
 der herrschenden Klassen. a
dena »Reports ete. for 30th. April 1849“, p. 21, 22. Vgl. ähnliche Beispiele
a, S. 4, 5. |
hou 0 Durch 1 und 2 William IV. c. 24, s. 10, bekannt als Sir John Hobpi
 ses Fabrikgesetz wird verboten, daß irgendein Besitzer einer Baumwoll-&amp;amp;
 yutei Oder Weberei. oder Vater, Sohn und Bruder eines soichen Besitzers
Sen, die das Fabrikgesetz betreffen, als Friedensrichter funktionieren
»Reports ete. for 30th Anril 1849.“
        <pb n="283" />
        238

Dritter Abschuilf

unterstützt wurde . . . halte ich weitere Verfolgung wegen UM
gehung des Gesetzes für nutzlos. Der Teil des Akts, der ve”
[aßt wurde, um Uniformität in den Arbeitsstunden zu schaffen + ‘'
existiert nicht mehr in Lancashire. Auch besitze ich mit mein®
Unteragenten durchaus kein Mittel, uns zu versichern, daß Fabrik®®
wo das sogenannte Relaissystem herrscht, junge Personen
Frauenzimmer nicht über 10 Stunden beschäftigen. ... Ende App
1849 arbeiteten schon 114 Fabriken in meinem Distrikt nach die
Methode, und ihre Anzahl nimmt in der letzten Zeit reißend *
Im allgemeinen arbeiten sie jetzt 13'/, Stunden, von 6 Uhr morge
bis 7'/, Uhr abends; in einigen Fällen 15 Stunden, von 5*/, u
morgens bis 8'/, Uhr abends.“1%1 Schon Dezember 1848 besaß Le®
hard Horner eine Liste von 65 Fabrikanten und 29 Fabrikaufseh®®
die einstimmig erklärten, kein System der Oberaufsicht könne unt®
diesem Relaissystem die ungeheuerlichste UVeberarbeit verhindet®
Bald wurden dieselben Kinder und jungen Personen aus der Spar
stube in die Webestube usw., bald, während 15 Stunden, aus ein?
Fabrik in die andere geschoben (shifted).!®*s Wie ein System kol
irollieren, „welches das Wort Ablösung mißbraucht, um die Arbeit”
in endloser Mannigfaltigkeit wie Karten durcheinander zu misch“,
und die Stunden der Arbeit und der Rast für die verschiede?
Individuen täglich so zu verschieben, daß ein und dieselbe 0
ständige Reihe von Arbeitern niemals an demselben Platze *
selben Zeit zusammen wirkt“ 1164 %
Aber ganz abgesehen von wirklicher UVeberarbeitung, war “
sogenannte Relaissystem eine Ausgeburt der Kapitalphantasie, *
sie Fourier in seinen humoristischen Skizzen der „Courtes gan
[der kurzen Sitzungen] nie übertroffen hat, nur daß die Attraklıl,
{die Anziehung] der Arbeit verwandelt war in die Attraktion u
Kapitals. Man sehe sich jene Fabrikantenschemas an, welche die # 0
Presse pries als Muster von dem, „was ein vernünftiger Grad Vol
Sorgfalt und Methode ausrichten kann“ („what a reasonable degre® de
sare and method can accomplish‘“). Das Arbeiterpersonal Wh
manchmal in 12 bis 15 Kategorien verteilt, die selbst wieder ihre
standteile beständig wechselten. Während der fünfzehnstünd'&amp;amp;,,
Periode des Fabriktages zog das Kapital den Arbeiter jetzt für 30 0
nuten, jetzt für 1 Stunde an und stieß ihn dann wieder ab, um ib} ve
neuem in die Fabrik zu ziehen und aus der Fabrik zu stoßen, ihn To
und herhetzend in zerstreuten Zeitfetzen, ohne je die Gewalt über des
zu verlieren, bis die zehnstündige Arbeit vollgemacht. Wie auf @
Bühne hatten dieselben Personen abwechselnd in den verschied?,
Szenen der verschiedenen Akte aufzutreten. Aber wie ein Sch
Spieler während der ganzen Dauer des Dramas der Bühne gel

161 Ebenda, S. 5.
162 „Reports ete, for 31st October 1849“, p. 6.
168 „Reports ete. for 30th April 1849“, p. 21.
‘04 „Reports etc, for 1st December 1848“, p. 95.

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37

Achteg Kapitel.

© gehörten die Arbeiter jetzt während 15 Stunden der. Fabrik,
Ächt eingerechnet die Zeit, um von und zu ihr zu gehen. Die
tunden der Rast verwandelten sich so in Stunden erzwungenen
(üßigganges, welche den jungen Arbeiter in die Kneipe und die
ünge Arbeiterin in das Bordell trieben. Bei jedem neuen Einfall,
len der Kapitalist täglich ausheckte, um seine Maschinerie ohne
Stmehrung des Arbeiterpersonals 12 oder 15 Stunden im Gang zu
alten, hatte der Arbeiter bald in diesem Stück Zeitabfall, bald in
em Seine Mahlzeit einzuschlucken. Zur Zeit der Zehnstunden-Sitation
 schrien die Fabrikanten, das Arbeiterpack petitioniere, in
ke Erwartung, zwölfstündigen Arbeitslohn für zehnstündige Arbeit
‚halten, Sie hatten jetzt die Medaille umgekehrt. Sie zahlten
‚anstündigen Arbeitslohn für zwölf- und fünfzehnstündige Vera
 über die Arbeitskräfte! Dies war des Pudels Kern, dies
es Fabrikantenausgabe des Zehnstundengesetzes! Es waren dieyben
 Salbungsvolien, von Menschenliebe triefenden Freihändler, die
ön Arbeitern 10 volle Jahre, während der Agitation gegen die Kornne
 auf Heller und Pfennig vorgerechnet, daß bei freier Kornze
 lühr eine zehnstündige Arbeit, mit den Mitteln der englischen
"düstrie, vollständig genüge, um die Kapitalisten zu bereichern.!%
ie Die zweijährige Kapitalrevolte wurde endlich gekrönt durch
dos Urteilsspruch eines der vier höchsten Gerichtshöfe von England,
% Court of Exchequer [des Schatzkammergerichts], der in einem
Pah ihn gebrachten Fall am 8. Februar 1850 entschied, daß die
die "kanten zwar wider den Sinn des Akts von 1844 handelten,
daet Akt selbst aber gewisse Worte enthalte, die ihn sinnlos
zes den, »Mit dieser Entscheidung war das Zehnstundengesetz abyo
 it, 67 Eine Masse Fabrikanten, die bisher noch das Relaisnit
 Sn für junge Personen und Arbeiterinnen gescheut, griffen nun
beiden Händen zu.1%
fo Mit diesem scheinbar definitiven Sieg des Kapitals trat aber
* ein Umschlag ein. Die Arbeiter hatten bisher passiven, ob-239



' “ . itläufige
WS 849“, p. 6 und die weitläu
„Sieh is etc. for 30th April 1849“, p.
We tan ger NP des „Shifting system“ [des Vene bungesystems] durch
Bag rikinspekteren Howell und Saunders in „Reports ete. for Den
har Siehe auch die Petition der Geistlichkeit von Ashton „un
“% Frühling 1849, an die Königin, gegen das „shift system“. d the ten
Ion Ygl. zum Beispiel RE. H. Greg: „The Factory Question an
Bu /
" 167 F, Bngeieen englische Zehnstundenbill“ (in der von mir N
et Ston „Neuen Rheinischen Zeitung“. A he En
28504, iften von Karl Marx und Fr. N
Statt &amp;gt; S. 13.) [Gesammelte Schrifte: 1 ; px. Engels.
kart 19024 Derselbe „hohe“ Gerichtshof entde
s 0 . 384.] De 1 ;
als Während, des areEE1 Den Bürgerkrieges eine dene
4 . . &amp;amp;
"kohg POSetz gegen Ausrüstung von Piratenschiffen ins direkte Geg
Mi »Reports ete, for 30th April 1850.“
        <pb n="285" />
        240

Dritter Abschnit

zleich unbeugsamen und täglich erneuten Widerstand geleistet, Si
protestierten jetzt in laut drohenden Versammlungen in Lancashi"
und Yorkshire. Das angebliche Zehnstundengesetz sei also bloß?
Schwindel, parlamentarische Prellerei, und habe nie existiert! DI
Fabrikinspektoren warnten dringend die Regierung, der Klass®
gegensatz sei zu einer unglaublichen Höhe gespannt. Ein Teil de)
Fabrikanten selbst murrte: „Durch die widersprechenden En!
scheidungen der Magistrate herrsche ein ganz abnormer un“
anarchischer Zustand. Ein anderes Gesetz gelte in Yorkshire, ed
anderes in Lancashire, ein anderes Gesetz in einer Pfarrei vor
Lancashire, ein anderes in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. De)
Fabrikant in großen Städten könne das Gesetz umgehen, der x
Landflecken finde nicht das nötige’ Personal für das Relaissyst®”
und noch minder zur Verschiebung der Arbeiter aus einer Fabl
in die andere usw.“ Und gleiche Ausbeutung der Arbeitskraft
das erste Menschenrecht des Kapitals.
Unter diesen Umständen kam es zu einem Kompromiß zwisch®
Fabrikanten und Arbeitern, der in dem neuen zusätzlichen Fabil!
akt vom 5. August 1850 parlamentarisch besiegelt ist. Für „in
Personen und Frauenzimmer“ wurde der Arbeitstag in den erste
5 Wochentagen von 10 auf 10'/, Stunden erhöht, für den Sams!
auf 71, Stunden beschränkt. Die Arbeit muß in der Periode Se
8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends vorgehen,*® mit anderthalbstündiß”
Pausen für Mahlzeiten, die gleichzeitig und gemäß den Bestimmt”
gen von 1844 einzuräumen sind usw. Damit war dem Relaissys!®
ein für allemal ein Ende gemacht.!*®* Für die Kinderarbeit bl
das Gesetz von 1844 in Kraft.
Eine Fabrikantenkategorie sicherte sich diesmal, wie frühe
besondere Herrenrechte auf Proletarierkinder. Es waren dies %
Seidenfabrikanten. Im Jahre 1833 hatten sie drohend geh%
„wenn man ihnen die Freiheit raube, Kinder jedes Alters tägl
10 Stunden abzurackern, setze man ihre Fabriken still“ („if U
liberty of working children of any age for 10 hours a day Hr
taken away, it would stop their works“). Es sei ihnen unmögle
eine hinreichende Anzahl von Kindern über 13 Jahren zu kauft
Sie erpreßten das gewünschte Privilegium. Der Vorwand sion
sich bei späterer Untersuchung als bare Lüge heraus,!”! wa® te
jedoch nicht hinderte, während eines Jahrzehnts aus dem Bl

up
169 Im Winter kann die Periode zwischen 7 Uhr morgens und 7
abends an die Stelle treten. , og KOM
170 „Das gegenwärtige Gesetz (von 1850) ist das Ergebnis ar“ ver
promisses, bei dem die Arbeiter auf die Wohltat des Zehnstundentaß‘ eig”
zicht leisteten, um den Vorteil des gleichzeitigen Beginns und gleicht? al
Endes der Arbeit derer zu erlangen, deren Arbeit überhaupt einges®
worden war.“ („Reports ete. for 30th April 1852“, p. 14.)
71 „Reports etc. for 30th September 1844“, p. 13,
        <pb n="286" />
        Achtes Kapitel.
Yeiner Kinder, die zur Verrichtung ihrer Arbeit auf Stühle gestellt
Verden mußten, täglich 10 Stunden Seide zu spinnen.!'*® Der Akt
“On 1844 „beraubte‘“ sie zwar der „Freiheit“, Kinder unter 11 Jahren
SNger als 6'/, Stunden, sicherte ihnen dagegen das Privilegium,
Kinder zwischen 11 und 13 Jahren 10 Stunden täglich zu verarbeiten,
"nd kassierte den für andere Fabrikkinder vorgeschriebenen Schul-‘Wang,
 Diesmal der Vorwand: „Die Delikatesse des Gewebes erleische
 eine Fingerzartheit, die nur durch frühen Eintritt in die
„Abrik zu sichern.“ Der delikaten Finger wegen wurden die
Kinder ganz geschlachtet, wie Hornvieh in Südrußland wegen Haut
)nd Talg. Endlich, 1850, wurde das 1844 eingeräumte Privilegium
Wt die Betriebe der Seidenzwirnerei und Seidenhaspelei be-“hränkt,
 hier aber, zum Schadenersatz des seiner „Freiheit“ be-‘atbten
 Kapitals, die Arbeitszeit für Kinder von 11 bis 13 Jahren
;°2 10 auf 10°/, Stunden erhöht. Vorwand: „Die Arbeit sei leichter
x Seidenfabriken als in den andern Fabriken und in keiner Weise
“ Nachteilig für die Gesundheit.‘“17* Offizielle ärztliche Unterchung
 bewies hinterher, daß umgekehrt „die durchschnittliche
erblichkeitsrate in den Seidendistrikten ausnahmsweise hoch und
autor dem weiblichen Teil der Bevölkerung selbst höher ist als in
N Baumwolldistrikten von Lancashire“.!® "Trotz der halbjährlich

"2 Ebenda.
N Ebenda, S. 20, Ostober 1861“, p. 28
3 . for 31st October , p. 26. .
“6 EA Im allgemeinen hat sich die dem Fabrikgesetz unter-‚örene
 Arbeiterbevölkerung physisch sehr verbessert. Alle ärztlichen Zeug-‚088
 Stimmen. darin überein und eigene persönliche Anschauung zu vertedenen
 Perioden hat mich davon überzeugt. Dennoch, und abgesehen
ia der uUngeheuren Sterblichkeitsrate der Kinder in den ersten Lebens-N
 Ten, zeigen die offiziellen Berichte des Dr. Greenhow den ungünstigen
7 Undheitszustand der Fabrikdistrikte, verglichen mit „Agrikulturdistrikten
6 Normaler Gesundheit“, Zum Beweis unter anderm folgende Tabelle aus
Dem Bericht von 1861:

"me ges Distrikts

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Prozentsatz
der in der
ndustrie beschäftigten

arwachsenen|
Männer

A, yo
12,6
37,3
Au
33,5
149
36.3

Sterblichkeitsrate

an Lungenarkrankun-

 für
ie 100000
Männer

aß
702
47
311
591
588
721
726

305

Prozentsatz
der in der
ndustrie beschäftigten

erwachsenen!
Frauen

N)
3 3
2, 4
3-0
26.0
‘7,2
„AB

Sterblichkeitsrate

an Lungenarkrankun-

 für
je 100000
Frauen

64/.
734
564
603
804
705
665
727

340

Art
jer weiblichen
Beschäftigung

Baumwolle
Kammwolle

Seide
Töpferware

a
        <pb n="287" />
        242

Dritter Abschnitt

wiederholten Proteste der Fabrikinspektoren dauert der Unfug bi
zur Stunde [geschrieben 1866 — K.] fort.!7
Das Gesetz von 1850 verwandelte nur für „junge Personen um“
Frauenzimmer“ die fünfzehnstündige Periode von 5!/, Uhr morger‘
bis 8'/, Uhr abends in die zwölfstündige Periode von 6 Uhr morger‘
bis 6 Uhr abends. Also nicht für Kinder, die immer noch !/, Stund‘
vor Beginn und 2?/, Stunden nach Schluß dieser Periode verwertb#l
blieben, wenn auch die Gesamtdauer ihrer Arbeit 6'/, Stunden nich!
überschreiten durfte. Während der Diskussion des Gesetzes wurd
dem Parlament von den Fabrikinspektoren eine Statistik über d
infamen Mißbräuche jener Anomalie unterbreitet. Jedoch umson*
Im Hintergrund lauerte die Absicht, den Arbeitstag der erwachsen“
Arbeiter mit Beihilfe der Kinder in Prosperitätsjahren wieder au
15 Stunden zu schrauben. Die Erfahrung der folgenden 3 Jahr“
zeigte, daß solcher Versuch am Widerstand der erwachsenen män!
lichen Arbeiter scheitern müsse.!'” Der Akt von 1850 wurde dah®
1853 endlich ergänzt durch das Verbot, „Kinder des Morgens vol
und Abends nach den jungen Personen und Frauenzimmern zu ver
wenden“, Von nun an regelte, mit wenigen Ausnahmen, der Fabril‘
akt von 1850 in den ihm unterworfenen Industriezweigen d®
Arbeitstag aller Arbeiter.!?® Seit dem Erlaß des ersten FabrlF
akts war jetzt ein halbes Jahrhundert verflossen.!"® f
Ueber ihre ursprüngliche Sphäre griff die Gesetzgebung zue!$
hinaus durch den „Printworks’ Act“ (Gesetz über Kattundruck®

176 Man weiß, wie widerstrebend die englischen „Freihändler“ den
Schutzzoll für Seidenmanufaktur entsagten. Statt des Schutzes gegen {r8ß
zösische Einfuhr dient nun die Schutzlosigkeit englischer Fabrikkinder. [DS
Gesetz 37 und 38, Victoria c. 44, von 1874 hob die Ausnahmebestimmung®
für Seidenfabriken mit einer Uebergangszeit von zwei Jahren auf. K.]
177 „Reports ete. for 30th April 1853“, p. 81. gel
ı7rs Während der Glanzjahre der englischen Baumwollindustrie, Dr
und 1860, versuchten einige Fabrikanten durch die Lockangel hoher Arb# fr
löhne für Extrazeit, die erwachsenen männlichen Spinner usw. zur A
längerung des Arbeitstages zu bestimmen. Die Hand-Mulespinner Wr
Self-Actor Minders machten dem Experiment ein Ende durch eine Den,
schrift an ihre Anwender, worin es unter anderm heißt: „Gerade het
gesprochen, unser Leben ist uns zur Last, und solange wir fast zwei Tag
Woche (20 Stunden) länger an die Fabrik gekettet sind als die andern Anbei
fühlen wir uns gleich Heloten im Lande und werfen uns selbst vor ud
System zu verewigen, das uns selbst und unsere Nachkommen physisch
moralisch schädigt. ,.. Daher zeigen wir hiermit respektvoll an, daß ob
vom Neujahrstag an keine Minute mehr als 60 Stunden wöchentlich: gr
8 Uhr bis 6 Uhr, mit Abzug der gesetzlichen Pausen von 1% Stunde
beiten werden.“ („Reports etc. for 30th April 1860“, p. 80.) u
179 Ueber die Mittel, die die Fassung dieses Gesetzes für seinen B fl
gewährt, vgl. den Parlamentsbericht: „Factory Regulations Acts“ (6. AU
1859) und darin Leonhard Horner: „Suggestions for Amending the Fol
Acts to enable the Inspectors to prevent illegal working, now becom®
prevalent“.
        <pb n="288" />
        Achtes Kapitel.

243

U usw.) von 1845. Die Unlust, womit das Kapital diese neue
nr Avaganız“ zuließ, spricht aus jeder Zeile des Akts! Er bete
 Tänkt den Arbeitstag für Kinder von 8 bis 13 Jahren und für
he hzimmer auf 16 Stunden zwischen 6 Uhr morgens und 10 Uhr
au ohne irgendeine gesetzliche Pause für Mahlzeiten. Er ern
 t, männliche Arbeiter über 13 Jahre Tag und Nacht hindurch
lebig abzuarbeiten.!®® Er ist eine parlamentarische Fehlgeburt.1%
0ß Dennoch hatte das Prinzip gesiegt mit seinem Sieg in den
Dodur Industriezweigen, welche das eigenste Geschöpf der modernen
3 üktionsweise. Ihre wundervolle Entwicklung von 1853 bis 1860,
dor in Hand mit der physischen und moralischen Wiedergeburt
lb Fabrikarbeiter, schlug das blödeste Auge. Die Fabrikanten
dur TO denen die gesetzliche Schranke und Regel des Arbeitstages
Fies halbhundertjährigen Bürgerkrieg Schritt für Schritt abgetrotzt,
deuten pPrahlend auf den Kontrast mit den hoch „freien“ Ausok.
 PSgebieten hin.!? Die Pharisäer der „Politischen Oekonomie“
Zere ämierten nun die Einsicht in die Notwendigkeit eines gesetzlich
breiten Arbeitstages als charakteristische Neuerrungenschaft
lie p „Wissenschaft“.1 Man versteht leicht, daß, nachdem sich
2esöhn Lkmagnaten in das Unvermeidliche gefügt und mit ihm aus-Währ
 t, die Widerstandskraft des Kapitals allmählich abschwächte,
der Zn zugleich die Angriffskraft der Arbeiterklasse wuchs mit
ihrer Verbündeten in den nicht unmittelbar interessierten
Schri Schaftsschichten. Daher vergleichungsweise rascher Fort-It
 seit 1860.
ben Färbereien und Bleichereien!** wurden 1860, die Spitzen-—
 1% und Strumpfwirkereien 1861 dem Fabrikakt von 1850
Norge »Kinder von 8 Jahren und darüber sind in der Tat von 6 „Uhr
Hetrike bis 9 Uhr abends während des letzten Halbjahrs (1857) in meinem
a8 abgerackert worden.“ („Reports etc. for 81st October 1857“, p. 839.)
Stang „Das Gesetz über Kattundruckereien (Printworks’ Act) ist ein-U
 Sin Snermaßen ein Mißgriff, sowohl in seinen Erziehungs- als auch
182 2 Schutzmaßregeln.‘“ („Reports etc. for 31st October 1862“, p. 52.)
868 D zum Beispiel E, Potter in Brief an die „Times“ vom 24. März
nn ad erinnert ihn an die Fabrikantenrevolte gegen das Zehn-1;
 Zur
ber So unter andern Herr W. Newmarch, Mitarbeiter an und Herausler
 Site. Tookes „History of Prices“. Ist es wissenschaftlicher Fortschritt,
184 lichen Meinung feige Konzessionen zu machen?
Dtimma ST 1860 erlassene Akt [Gesetz] über Bleichereien und Färbereien
August daß der Arbeitstag am 1. August 1861 vorläufig auf 12, am
I für wr002 definitiv auf 10 Stunden, das heißt 10% für Werkeltage und
Wach Samstage herabgesetzt werde. Als nun das böse Jahr 1862 anergo
 /Sderholte sich das alte Spiel. Die Herren Fabrikanten petitio-Hündigg
 das Parlament, nur noch für ein einziges Jahr länger die zwöllf-Aldep’
 Beschäftigung von jungen Personen und Frauenzimmern zu
two + „Beim gegenwärtigen Zustand der Geschäfte (zur Zeit der
Aübte 2 0) sei es ein großer Vorteil für die Arbeiter, wenn man ihnen er-)
 Stunden täglich zu arbeiten und soviel Arbeitslohn als möglich
        <pb n="289" />
        244

Dritter Abschnif

unterworfen. Infolge des ersten Berichts der „Kommission üb
die Beschäftigung der Kinder“ (1863) teilten [durch den Akt vol
25. Juli 1864 zur Ausdehnung der Fabrikgesetze — K.] dasselb®
Schicksal die Erzeugung aller Tonwaren (nicht nur Töpfereien):
der Zündhölzer, Zündhütchen, Patronen, Tapetenfabrik, Baumwol!"
samt-Schererei (fustian cutting) und zahlreiche Prozesse, die unt®
dem Ausdruck „finishing‘“ (letzte Appretur) zusammengefaßt sind
Im Jahre 1863 wurden die „Bleicherei in freier Luft“1® und d%

herauszuschlagen. . . . Es war bereits gelungen, eine Bill [Gesetzesvorschlaß)
in diesem Sinn ins Unterhaus zu bringen. Sie fiel vor der Agitation def
Arbeiter in den Bleichereien Schottlands.“ („Reports ete. for 31st Octob®
1862“, p. 14, 15.) So geschlagen von den Arbeitern selbst, in deren Nam®
e8 zu sprechen vorgab, entdeckte das Kapital nun, mit Hilfe juristisch!
Brillen, daß der Akt von 1860, gleich allen Parlamentsakten zum „Schuß
der Arbeit“, in sinnverwirrten Wortschraubungen abgefaßt, einen Vorw#
gebe, die „calenderers“ [Zeugpresser] und „finishers“ [Appreteure] vo
seiner Wirkung auszuschließen. Die englische Rechtsprechung, stets g°
treuer Knecht des Kapitals, sanktionierte durch den Hof der „Comm
Pleas“ [Zivilgerichtshof] die Rabulisterei. „Es hat große Unzufriedenb®
unter den Arbeitern erregt und ist sehr bedauerlich, daß die klare Absi®
der Gesetzgebung unter dem Vorwand einer mangelhaften Wortdefinit®
vereitelt wird.“ (Ebenda, S. 18.) y
185 Die „Bleicher in freier Luft“ hatten sich dem Gesetz von 1860 üb
„Bleicherei“ durch die Lüge entzogen, daß sie keine Weiber des Nach
verarbeiteten. Die Lüge wurde von den Fabrikinspektoren aufgedeckt Be
gleich aber das Parlament durch Arbeiterpetitionen seiner wiesenduft®
kühlen Vorstellungen von „Bleicherei in freier Luft“ beraubt. In dies
Luftbleicherei werden Trockenzimmer von 90 bis 100 Grad Fahren“
[82 bis 38 Grad Celsius] angewandt, worin hauptsächlich Mädchen arbeite
„Cooling“ (Abkühlung) ist der technische Ausdruck für gelegentliches Pi
vinnen aus dem Trockenzimmer in die freie Luft. „Fünfzehn Mädche® in
lien Trockenzimmern, Hitze von 80 zu 90 Grad [27 bis 82 Grad C.] für Von
wand, von 100 Grad [38 Grad C.] und mehr für Batist. Zwölf Mädchen bg
und legen auf (die Batiste usw.) in einem kleinen Zimmer von unge eß
L0 Fuß im Quadrat, in der Mitte ein enggeschlossener Ofen. Die Mädeh®)
stehen rund um den Ofen herum, der eine schreckliche Glut ausstrahlt fe
Jie Batiste rasch für die Büglerinnen trocknet. Die Stundenzahl für dü
„Hände“ ist unbeschränkt, Wenn geschäftig, arbeiten sie bis 9 oder 1% gg
aachts viele Tage hintereinander.“ („Reports ete. for 831st October 1880
5. 56.) Ein Arzt erklärt: „Für die Abkühlung sind Keine besond®j,
Stunden erlaubt, aber wenn die Temperatur zu unerträglich wird, oder 4oh
Hände der Arbeiterinnen sich von Schweiß beschmutzen, ist ihnen gest
ein paar Minuten fortzugehen. . . . Meine Erfahrung in der Behand! ns
der Krankheiten dieser Arbeiterinnen zwingt mich, zu konstatieren, daß I
Gesundheitszustand tief unter dem der Baumwollspinnerinnen steht (und jet
Kapital hatte sie in seinen Bittschriften an das Parlament in der Mar
von Rubens übergesund gemalt!). Ihre auffallendsten Krankheiten Sr
Phihisis, Bronchitis, Uterinkrankheiten, Hysterie in der scheußlichsten Fer
und Rheumatisums, Alle diese entspringen, wie ich glaube, direkt 990
indirekt, aus der überhitzten Luft ihrer Arbeitszimmer und dem Med
genügender warmer Kleidung, um sie beim Nachhausegehen wäh?
        <pb n="290" />
        3

Achtes Kapitel,
Bäckerei unter eigene Akte gestellt, wovon der erste unter anderm
le Arbeit von Kindern, jungen Personen und Weibern zur Nachtit
 (von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens) und der zweite die
Anwendung von Bäckergesellen unter 18 Jahren zwischen 9 Uhr
‘bends und 5 Uhr morgens verbietet. Auf die späteren Vorschläge
ler erwähnten Kommission, welche, mit Ausnahme des Ackerbaues,
der Minen und des Transportwesens, alle wichtigen englischen
ndustriezweige der „Freiheit“ zu berauben drohen, kommen wir
Urück 1860

7. Der Kamp! um den Normalarbeitstag.
Rückwirkung der englischen Fabrikgesetzgebung auf
andere Länder.
di Der Leser erinnert sich, daß die Produktion von Mehrwert oder
Io Gewinnung von Mehrarbeit den spezifischen Inhalt und Zweck
dor kapitalistischen Produktion bildet, abgesehen von jedweder aus
0 Unterordnung der Arbeit unter das Kapital etwa entspringenden
Mgestaltung der Produktionsweise selbst. Er erinnert sich, daß

"x Wintermonate vor der kaltfeuchten Atmosphäre zu schützen.“ (Ebenda,
56, 57.) Die Fabrikinspektoren bemerken über das den jovialen
»Bleichern in freier Luft“ nachträglich abgetrotzte Gesetz von 1868: „Dieser
Akt hat nicht nur verfehlt, den Arbeitern den Schutz zu gewähren, den ‚er
A Sewähren scheint ... er ist so formuliert, daß der Schutz erst eintritt,
bald man Kinder und Frauenzimmer nach 8 Uhr abends an der Arbeit
Pt, und selbst dann ist die vorgeschriebene Beweismethode so verx
 USüliert, daß Bestrafung kaum erfolgen kann.“ (Ebenda, S. 52.) „Als
an Akt mit humanen und auf Erziehung gerichteten Zwecken ist er ganz
m Sar verfehlt. Man wird es doch kaum human nennen, Weibern und
14 em zu erlauben, oder, was auf dasselbe hinauskommt, sie zu zwingen,
vi Stunden täglich, mit oder ohne Mahlzeiten, wie es sich treffen mag, und
ateicht Noch längere Stunden zu arbeiten, ohne Schranke mit Bezug auf
Alter, ohne Unterschied des Geschlechts und ohne Rücksicht auf die
AS6llschaftlichen Gewohnheiten der Familien der Nachbarschait, in der die
“Ichwerke liegen.“ (Reports etc. for 30th April 18638“, p. 40.) .
Schr Note zur 2. Ausgabe. Seit 1866, wo ich das im Text Befindliche
Ind "eb, ist wieder eine Reaktion eingetreten. (Die Kapitalisten jener
dr Üstriezweige, denen die Unterwerfung unter die Fabrikgesetzgebung
tn haben ihren parlamentarischen Einfluß aufgeboten, ihr „Bürgerlan
 1“ auf unbeschränkte Ausbeutung der Arbeitskraft zu wahren. Natürlich
(De 0 sie in dem liberalen Ministerium Gladstone einen „willigen Diener.)
(875 Singeklammerten Sätze schrieb Marx in der französischen Ausgabe
ang Aber jene Reaktion war nur eine vorübergehende. ‚Schon ‚das Fabrik-Auß
 Werkstättengesetz von 1878 (41, Vietoria e. 16) „erfüllte die oben geder
 Dt Erwartung und „beraubte alle wichtigen englischen Industriezweige
D Freiheit“, wenigstens insoweit, als sie Frauen und Kinder beschäftigen.
nn Seschah allerdings nicht unter dem Ministerium Gladstone, sondern
rat, dem konservativen Ministerium Disraeli, das von 1874 bis 1880 im
das Var, Seitdem haben sich die Konservativen gründlich gewandelt. Ueber
Gesetz von 1878 gibt Engels weiter unten eine Note, S. 443, Note 322. K.]
        <pb n="291" />
        246

Dritter Abschnitl

auf dem bisher entwickelten Standpunkt nur der selbständige und
daher gesetzlich mündige Arbeiter als Warenverkäufer mit dem
Kapitalisten seine Abmachungen trifft. Wenn also in unserer histor!
schen Skizze einerseits die moderne Industrie eine Hauptrolle spielh
anderseits die Arbeit physisch und rechtlich Unmündiger, so galt
uns die eine nur als besondere Sphäre, die andere nur als besonder!
schlagendes Beispiel der Arbeitsaussaugung. Ohne jedoch der spät“
:en Entwicklung vorzugreifen, folgt aus dem bloßen Zusammenhanf
der geschichtlichen Tatsachen:
; In den durch Wasser, Dampf und Maschinerie zunäch®
revolutionierten Industrien, in diesen ersten Schöpfungen der
modernen Produktionsweise, den Baumwolle-, Wolle-, Flachs-, Seid“
spinnereien und -webereien wird der Trieb des Kapitals nach m#*
und rücksichtsloser Verlängerung des Arbeitstages zuerst befriedig!
Die veränderte materielle Produktionsweise und die ihr entsprechen‘
veränderten sozialen Verhältnisse der Produzenten! schaffen e!*
die maßlose Ausschreitung und rufen dann im Gegensatz die gesell
schaftliche Kontrolle hervor, welche den Arbeitstag mit sein“
Pausen gesetzlich beschränkt, reguliert und uniformiert. Dies
Kontrolle erscheint daher während der ersten Hälfte des 19. Jah"
hunderts bloß als Ausnahmegesetzgebung.!®* Sobald sie das U
gebiet der neuen Produktionsweise erobert hatte, fand sich, daß
unterdes nicht nur viele andere Produktionszweige in das eigen!
liche: Fabrikregime eingetreten, sondern daß Manufakturen
mehr oder minder verjährter Betriebsweise, wie Töpfereieh
Glasereien usw., daß altmodische Handwerke, wie die Bäcker*®
und endlich selbst die zerstreute sogenannte Hausarbeit, wie Nägel
macherei usw.,'% seit langem der kapitalistischen Ausbeutu®
sbensosehr verfallen waren wie die Fabrik. Die Gesetzgebubf
wurde daher gezwungen, ihren Ausnahmecharakter allmählich ab
zustreifen, oder, wo sie römisch kasuistisch [von Fall zu Fall] ver
fährt, wie in England, irgendein Haus, worin man arbeitet, nach P®
keben für eine Fabrik (factory) zu erklären.1®

166 „Das Verhalten jeder dieser beiden Klassen (Kapitalisten und Ar
beiter) ist das Ergebnis der Verhältnisse, in denen sich jede von ipp®
befindet.“ („Reporis etc. for 81st October 1848“, p. 113.)
7 „Die Beschäftigungen, auf die sich die Beschränkungen bez0ß%,
standen in Beziehung zur Herstellung von Textilwaren mit Hilfe von Dam?
and Wasserkraft. Damit die Fabrikinspektion auf ihn Anwendung ind?
mußte ein Arbeitszweig zwei Bedingungen entsprechen: die Verwendung vo
Dampf- oder Wasserkraft und die Verarbeitung bestimmter Faserstofl®
(„Reports ete, for 31st October 1864“, p. 8.) 4
3} Ueber den Zustand dieser sogenannten häuslichen Industrie äußern
reichhaltiges Material in den letzten Berichten der „Children’s Employ®®
Commission“, 0
159 „Die Gesetze der letzten Session (1864) ... umfassen verschied®,
Arbeitszweige, die in ihrem Verfahren weit voneinander abweichen. De
Verbrauch mechanischer Kraft zum Antrieb der Werkzeugmaschinen geb?)
        <pb n="292" />
        Achtes Kapitel.

247

2. Die Geschichte der Regelung des Arbeitstages in einigen
Produktionsweisen, in andern der noch fortdauernde Kampf
im diese Regelung, beweisen handgreiflich, daß der vereinzelte
Arbeiter, der Arbeiter als „freier“ Verkäufer seiner Arbeitskraft,
Af gewisser Reifestufe der kapitalistischen Produktion, wider-Kandslos
 unterliegt. Die Schöpfung eines Normalarbeitstages ist
aher das Produkt eines langwierigen, mehr oder minder ver-Acckten
 Bürgerkrieges zwischen der Kapitalistenklasse und der
Tbeiterklasse. Wie der Kampf eröffnet wird im Umkreise der
„°dernen Industrie, so spielt er zuerst in ihrem Heimatland, Eng-2%
 Die englischen Fabrikarbeiter waren die Preisfechter nicht
Ur der englischen, sondern der modernen Arbeiterklasse überhaupt,
En auch ihre Theoretiker der Theorie des Kapitals zuerst den
vl dehandschuh hinwarfen.!*! Der Fabrikphilosoph Ure brandakt
 es daher als unauslöschliche Schmach der englischen Arbeiterche
 daß sie „die Sklaverei der Fabrikakte“ auf ihre Fahne
m Yieb gegenüber dem Kapital, das männlich für „vollkommene
Siheit der Arbeit“ stritt.1°?
Feb Frankreich hinkt langsam hinter England her. Es bedarf der
Tuarrevolution zur Geburt des Zwölfstundengesetzes,1®% das viel
ii
io Mehr, wie früher, zu den notwendigen Voraussetzungen für die gesetz-160
 pr eiehnung eines Betriebes als Fabrik.“ („Reports ete. for 31st October
, . ®
kein 150 Belgien, das Paradies des kontinentalen Liberalismus, zeigt auch
Nine, Spur dieser Bewegung. Selbst in seinen Kohlengruben und Metall-Fllen,
 Werden Arbeiter beider Geschlechter und von jeder Altersstufe ‚mit
Aut OMmmener „Freiheit“ für jede Zeitdauer und Zeitperiode konsumiert,
135 za 1000 darin beschäftigte Personen kommen 738 Männer, 88 Weiber,
uf “Ungen und 44 Mädchen unter 16 Jahren; in den Hochöfen usw. kommen
Koma 1000 Männer 149 Weiber, 98 Jungen und 85 Mädchen unter 16 Jahren.
und Mt nun noch hinzu niedriger Arbeitslohn für enorme Ausbeutung reifer
Männer eifer Arbeitskräfte, im Tagesdurehschnitt 2 Shilling 8 Pence für
Dat Sr, 1 Shilling 8 Pence für Weiber, 1 Shilling 2*/2 Pence für Jungen.
Bine, hat Belgien aber auch 1863, verglichen mit 1850, Quantum und Wert
eo Ausfuhr von Kohlen, Eisen usw. ziemlich verdoppelt.
hunde Als Robert Owen kurz nach dem ersten Jahrzehnt dieses Jahroorenn
 die Notwendigkeit einer Beschränkung des Arbeitstages nicht nur
Ne ‘sch vertrat, sondern den Zehnstundentag wirklich in seine Fabrik
8 Wien Lanark einführte, ward das als kommunistische Utopie verlacht, ganz
Banz Seine „Verbindung von produktiver Arbeit mit Erziehung der Kinder“,
Ben a die von ihm ins Leben gerufenen genossenschaftlichen Unternehmun-Üürien
 Arbeiter. Heutzutage ist die erste Utopie Fabrikgesetz, die zweite
par a als offizielle Phrase in allen Fabrikgesetzen und die dritte dient
us hon zum Deckmantel reaktionärer Schwindeleien.
Paris 18 Ure (französische Uebersetzung): „Philosophie des Manufactures.
10036", vol IT, p. 39, 40, 67, 77 ete.
Paris 1 In dem Bericht des „Internationalen Statistischen Kongresses zu
der fü 855°, heißt es unter anderm: „Das französische Gesetz, das die Dauer
8lichen Arbeit in Fabriken und Werkstätten auf 12 Stunden beschränkt.

a
        <pb n="293" />
        248

Dritter Abschnitt

mangelhafter ist als sein englisches Original. Trotzdem macht di
[ranzösische revolutionäre Methode auch ihre eigentümlichen Vor
züge geltend. Mit einem Schlage diktiert sie allen Werkstätten und
Fabriken ohne Unterschied dieselbe Schranke des Arbeitstage$
während die englische Gesetzgebung bald an diesem Punkt, bald
an jenem, dem Druck der Verhältnisse widerwillig weicht und af
dem besten Wege ist, einen neuen juristischen Rattenkönig auf
zubrüten.!** Anderseits Proklamiert das französische Gesetz pri"
zipiell, was ‚in England nur im Namen von Kindern, Unmündige?
und Frauenzimmern erkämpft und erst neuerdings als allgemeine
Recht beansprucht wird.1%
In den Vereinigten Staaten von Nordamerika blieb jede sell
ständige Arbeiterbewegung gelähmt, solange die Sklaverei eine?
Teil der Republik verunstaltete. Die Arbeit in weißer Haut kan
sich nicht dort emanzipieren, wo sie in schwarzer Haut gebrandmark
wird. Aber aus dem Tode der Sklaverei entsproß sofort ein nol
verjüngtes Leben, Die erste Frucht des Bürgerkrieges war die
Achtstundenagitation, mit den Siebenmeilenstiefeln der Lokomotiv®
vom Atlantischen bis zum Stillen Ozean ausschreitend, von Ne"
england bis nach Kalifornien. Der allgemeine Arbeiterkongreß %
Baltimore (16. August 1866) erklärt: „Das erste und große EI

begrenzt diese Arbeit nicht innerhalb bestimmter fixer Stunden Cl
perioden), indem nur für die Kinderarbeit die Periode zwischen 5 Uhr a
mittags und 9 Uhr abends vorgeschrieben ist. Daher bedient sich ein ken
ler Fabrikanten des Rechts, welches ihnen dies verhängnisvolle Schweiß ge
zibt, um tagaus, tagein, vielleicht mit Ausnahme der Sonntage, ohne Unter
drechung arbeiten zu lassen. Sie wenden dazu zwei verschiedene Arbein
reihen an, von denen keine mehr als 12 Stunden in der Werkstätte zubrin®;
aber das Werk des Etablissements dauert Tag und Nacht. Das Gr,
ist befriedigt, aber ist es die Humanität ebenfalls?“ Außer dem nd
störenden Einfluß der Nachtarbeit auf den menschlichen Organismus“ tr
auch „der verderbliche Einfluß des nächtlichen Zusammenseins beider
Schlechter in denselben trüb erleuchteten Werkstätten“ betont. ofeD
194 „Zum Beispiel in meinem Distrikt, in denselben Fabrikbaulichke! und
ist derselbe Fabrikant Bleicher und Färber unter dem „Bleicherei- ter
Färbereiakt“, Drucker unter dem „Printworks’ Aet“ und Appreteur Pat
dem „Fabrikakt“ ,.,. (Report of Mr. Baker in „Reports ete, for 31st Oct0 vr
1861“, p. 20.) Nach Aufzählung der verschiedenen Bestimmungen 0
Akte und der daher folgenden Komplikation sagt Herr Baker: „Man % ge
wie schwer es sein muß, die Vollziehung dieser drei Parlamentsakte
sichern, wenn der Fabrikbesitzer das Gesetz zu umgehen beliebt.“
aber den Herren Juristen dadurch gesichert ist, sind Prozesse. 1088
15 So getrauen sich endlich die‘ Fabrikinspektoren zu sagen: „Den
Einwände (des Kapitals gegen gesetzliche Beschränkung der Arbeits? der
müssen zurücktreten gegenüber dem umfassenden Prinzip der Rechte ine
Arbeit. ... Es gibt eine Zeit, wann des Meisters Recht auf die Arbeit 5° em
Arbeiters aufhört und dieser selbst Herr über seine Zeit wird, auch Woes
völlige Erschöpfung nicht in Frage kommt.“ („Reports ete, for 31st Oct
1862“, p. 54.)
        <pb n="294" />
        4

HE

MP“
1d

4
5“
1-J)



‚g

Achtes Kapitel.

Seischnis der Gegenwart, um die Arbeit dieses Landes von der
tapitalistischen Sklaverei zu befreien, ist der Erlaß eines Gesetzes,
Yodurch 8 Stunden den Normalarbeitstag in allen Staaten der
Merikanischen Union bilden sollen. Wir sind entschlossen, alle
Msere Macht aufzubieten, bis dies glorreiche Resultat erreicht
sL“20 Gleichzeitig (Anfang September 1866) beschloß der Kongreß
ler „Internationalen Arbeiterassoziation“ zu Genf auf Vorschlag des
“ONdoner Generalrats: „Wir erklären die Beschränkung des Arbeitsges
 für eine vorläufige Bedingung, ohne welche alle andern Be-Mrebungen
 nach Emanzipation scheitern müssen. ... Wir schlagen
: Arbeitsstunden als gesetzliche Schranke des Arbeitstages vor.“
‚So besiegelt die auf beiden Seiten des Atlantischen Meeres inünktiv
 aus den Produktionsverhältnissen selbst erwachsene Ar-Döiterbewegung
 den Ausspruch des englischen Fabrikinspektors
R J. Saunders: „Weitere Schritte zur Reform der Gesellschaft sind
Yemals mit irgendeiner Aussicht auf Erfolg durchzuführen, wenn
g.cht Zuvor der Arbeitstag beschränkt und seine vorgeschriebene
“hranke streng erzwungen wird.“ 197
d Man muß gestehen, daß unser Arbeiter anders aus dem Protionsprozeß
 herauskommt, als er in ihn eintrat. Auf dem Markt
at er als Besitzer der Ware „Arbeitskraft“ andern Warenbesitzern
ASnüber, Warenbesitzer dem Warenbesitzer. Der Kontrakt, wo-3a
 "ch er dem Kapitalisten seine Arbeitskraft verkaufte, bewies SOozuen
 Schwarz auf weiß, daß er frei über sich selbst verfügt. Nach
® a lossenem Handel wird entdeckt, daß er „kein freier Agent
ka,2. daß die Zeit, wofür es ihm freisteht, seine Arbeitskraft zu ver-Sen,
 die Zeit ist. wofür er gezwungen ist, sie zu verkaufen,!®® daß
I8tzj 008 „Wir, die Arbeiter von Dunkirk, erklären, daß‘ die unter dem
beiten System erheischte Länge der Arbeitszeit zu groß ist und dem Ar-Sinen
 keine Zeit für Erholung und Entwicklung läßt, ihn vielmehr auf
Sklay Zustand der Knechtschaft herabdrückt, der wenig besser als die
dal K ist („a condition of servitude but little better than „slavery ). Deslich
 „‚Schlossen wir, daß 8 Stunden für einen Arbeitstag genügen und gesetzls
 nn genügend anerkannt werden müssen; daß wir zu unserm Beistand
Targa 580 anrufen, den gewaltigen Hebel ... und alle, die diesen Beistand
Besen? als Feinde der Arbeitsreform und Arbeiterrechte betrachten.
167 Se der Arbeiter zu Dunkirk, Staat New York, 1866.)
108 »Reports etc. for 31st October 1848“, pP. 112. nn |
1850) „Diese Vorgänge (die Manöver des Kapitals zum Beispiel 1848 bis
Orgeb aben Übrigens den unwiderleglichen Beweis erbracht, daß die so oft
ondep, ite Behauptung falsch ist, die Arbeiter brauchten keinen Schutz,
um be Sollten als völlig frei in der Verfügung über ‚das einzige Eigenden
 Sen rachtet werden, das sie besitzen, über die Arbeit ihrer Hände und
Arbeit Weiß ihrer Stirne.“ „Reports etc. for 30th April 1850“, p. 45.) „Freie
ion yenn man sie überhaupt so nennen kann, bedarf selbst in einem
30, 10 “de zu ihrem Schutz des starken Armes des Gesetzes, („Reports
edlen 31st October 1864“, p. 34.) „Zu erlauben, und das ist gleichbeiten
 € mit zwingen . .. 14 Stunden im Tag mit oder ohne Mahlzeiten zu
Usw.“ („Reports ete. for 30th April 1863“, p. 40.)

D49
        <pb n="295" />
        250

Dritter Abschnif

in der Tat sein Sauger nicht losläßt, „solange noch ein Muskel, eir“
Sehne, ein Tropfen Blut auszubeuten“.** Zum Schutz gegen di
„Schlange ihrer Qualen“ [Heinrich Heine] müssen die Arbeiter ihr
Köpfe zusammenrotten und als Klasse ein Staatsgesetz erzwingel
ein übermächtiges gesellschaftliches Hindernis, das sie selbst ver
hindert, durch freiwilligen Kontrakt mit dem Kapital sich und ihr Ge
schlecht in Tod und Sklaverei zu verkaufen. An die Stelle d®
prunkvollen Katalogs der „unveräußerlichen Menschenrechte“ tritl
die bescheidene Magna Charta [das Grundrecht] eines gesetzlich b%
schränkten Arbeitstages, die „endlich klar macht, wann die Zeit, di
der Arbeiter verkauft, endet, und wann die ihm selbst gehörige zeit
beginnt‘“.?°2 Quantum mutatus ab illo! [Welch gewaltiger Abstand]

Neuntes Kapitel

Rate und Masse des Mehrwertes.
Wie bisher, wird in diesem Kapitel der Wert der Arbeitskraf
also der zur Reproduktion oder Erhaltung der Arbeitskraft 1°
wendige Teil des Arbeitstages, als gegebene, konstante Größf
unterstellt. ‘
Dies also vorausgesetzt, ist mit der Rate zugleich die Maß
des Mehrwertes gegeben, die der einzelne Arbeiter dem Kapitalist®

199 Friedrich Engels: „Lage der arbeitenden Klasse in England. Leip#
1845.“ ,
20 Die Zehnstundenbill hat in den ihr unterworfenen Industriezweiß
„die Arbeiter vor gänzlicher Degeneration gerettet und ihren phySiS a
Zustand beschützt.“ („Reports ete. for 31st October 1859“, p. 47.) » {ed
Kapital (in den Fabriken) kann niemals die Maschinerie in Bewegung hal
über eine begrenzte Zeitperiode, ohne die beschäftigten Arbeiter an ib ge
Gesundheit und ihrer Moral zu schädigen; und sie sind nicht in der 18
sich selbst zu schützen.“ (Ebenda, S. 8.) get
201 „Eine noch größere Wohltat besteht darin, daß endlich eine ıpst
liche Grenze gezogen ist zwischen der Zeit des Arbeiters, die ihm 8° die
und der, die seinem Meister gehört. Der Arbeiter weiß nun, wann, t.
Zeit endet, die er verkauft, und wann die ihm selbst gehörige Zeit begin
und da er das genau vorher weiß, ist er imstande, über seine 88%)
Minuten für seine eigenen Zwecke im voraus zu verfügen.“ (Ebenda, See
„Dadurch, daß sie (die Fabrikgesetze) diese (die Arbeiter) zu Herren ver‘
eigenen Zeit gemacht haben, haben sie ihnen eine moralische Energl6. 04
liehen, die sie für die eventuelle Ausübung politischer Rechte vorber® ug
(Ebenda, S. 47.) Mit verhaltener Ironie und in sehr vorsichtigen det
drücken deuten die Fabrikinspektoren an, daß das jetzige Zehnstu® ug
gesetz auch den Kapitalisten einigermaßen von seiner naturwücht gr
Brutalität als bloßer Verkörperung des Kapitals befreit und ihm Z%%
einiger „Bildung“ gegeben habe. Vorher „hatten die Meister Dur
Mir Geldangelegenheiten, die Diener nur für Arbeit.“ (Ebenda, 5. 48.)
        <pb n="296" />
        Neuntes Kapitel.

251

X bestimmter Zeitperiode liefert. Beträgt zum Beispiel die not-Vendige
 Arbeit täglich 6 Stunden, ausgedrückt in einem Gold-Tantum
 von 8 Shilling = 1 Taler, so ist 1 Taler der Tageswert
ner Arbeitskraft, oder der im Ankauf einer Arbeitskraft vor-Seschossene
 Kapitalwert. Wieviel Mehrwert wird dem Kapitalisten
Kieser Taler bringen? Das hängt von der Rate des Mehrwertes ab.
Ist diese 50 pZt., so wird der Mehrwert 1, Taler ausmachen; ist die
Rate des Mehrwertes 100 pZt., so produziert dies variable Kapital
[On 1 Taler eine Masse Mehrwert von 1 Taler, oder der Arbeiter
‚&amp;lt;fert täglich eine Masse Mehrwert von 6 Stunden. Die Rate des
Mehrwertes bestimmt also die Summe oder Masse des Mehrwertes,
Ze der einzelne Arbeiter produziert, wenn seine Arbeitskraft geen
 ist.

Das variable Kapital ist aber der Geldausdruck für den Gesamt-Vert
 aller Arbeitskräfte, die der Kapitalist gleichzeitig verwendet.
Der Wert des vorgeschossenen variablen Kapitals ist also gleich
lem Durchschnittswert einer Arbeitskraft, multipliziert mit der An-(ah]
 der verwandten Arbeitskräfte. Bei gegebenem Wert der Ar
Veitskraf steht also die Größe des variablen Kapitals in direktem
Verhältnis zur Anzahl der gleichzeitig beschäftigten Arbeiter. Ist
ler Tageswert einer Arbeitskraft == 1 Taler, so ist also ein Kapital
"Zuschießen ‚von 100 Talern, um 100 Arbeitskräfte, von n Talern,
nn Arbeitskräfte täglich zu exploitieren [auszubeuten].
w Ebenso: Produziert ein variables Kapital von 1 Taler, der Tagesot
 einer Arbeitskraft, einen täglichen Mehrwert von 1 Taler, so
in Variables Kapital von 100 Talern einen täglichen Mehrwert von
A nd eins von n Talern einen täglichen Mehrwert von 1 Taler
% X. Die Masse des produzierten Mehrwertes ist also gleich dem
Shrwert, den der Arbeitstag des einzelnen Arbeiters liefert,
re tipliziert mit der Anzahl der angewandten Arbeiter, Da aber
heer die Masse Mehrwert, die der einzelne Arbeiter produziert,
% Segebenem Wert der Arbeitskraft, durch die Rate des Mehr-Are
 Mit andern Worten, von dem Verhältnis der Mehrarbeit des
rag ieTS zu seiner notwendigen Arbeit, bestimmt ist, so folgt dies
ie € Gesetz: Die Masse des von einem variablen Kapital produar.
 U Mehrwertes ist gleich der Größe dieses vorgeschossenen
sie ablen Kapitals multipliziert mit der Rate des Mehrwertes; oder
ran gleich dem Wert einer Arbeitskraft, multipliziert mit dem
dee ihrer Ausbeutung, multipliziert mit der Anzahl der gleichzeitig
“Wandten Arbeitskräfte.

Ns wird fortwährend unterstellt, nicht nur, daß der Wert einer
N RS Hea EN konstant ist, sondern daß die von einem
om Alisten angewandten Arbeiter auf Durchschnittsarbeiter reduieh
 Sind. Es gibt Ausnahmefälle, wo der produzierte Mehrwert
ben Yerhältnismäßig zur Anzahl der ausgebeuteten Arbeiter wächst,
" dann bleibt auch der Wert der Arbeitskraft nicht konstant.
        <pb n="297" />
        252

Dritter Abschnitt

Nennen wir also die Masse des Mehrwertes M, den vom eil
zelnen Arbeiter im Tagesdurchschnitt gelieferten Mehrwert m, d#$
im Ankauf der einzelnen Arbeitskraft täglich vorgeschossene variable
Kapital v, die Gesamtsumme des variablen Kapitals V, den
Wert einer Durchschnittsarbeitskraft k, ihren Exploitationsgrad
a’ Mehrarbeit . iter %
E ee) und die Anzahl der angewandten Arbeiter
so erhalten wir: (_m..y

M

[Zur Hlustrierung dieser Formeln diene folgendes: Nehmen w
an, der vom einzelnen Arbeiter im Tagesdurchschnitt geliefert
Mehrwert m betrage 2 Shilling, das zum Ankauf der einzelnen Ar
beitskraft täglich verausgabte variable Kapital, der Arbeitslohn %
mache 3 Shilling aus, die Gesamtsumme des variablen Kapital
im Tage bei 100 Arbeitern 300 Shilling, so nimmt die Forpm®
M = 5 x V die Form an: M =&amp;gt; &amp;gt;x 300. Die Masse des Mehr
wertes beträgt danach im Tage 200 Shilling. Nehmen wir anderseiß
an, k, der Wert def einzelnen Arbeitskraft, sei gleich 3 Shilling, ds
Mehrarbeit a’ (bei zehnstündiger Arbeitszeit) belaufe sich So
4 Stunden, die notwendige Arbeitszeit auf 6 Stunden; ferner mach”
n, die Zahl der angewandten Arbeiter, 100 aus, so gestaltet sich di
Formel M = kX T X n folgendermaßen:
M= 3X 5X 100 = 1200:6 = 200.
Auch hier beträgt die Masse des Mehrwertes im Tage 200 Shilling- Kg}
Die Zahlengröße eines Produkts wechselt nicht, wenn die geind
Faktoren gleichzeitig in umgekehrter Richtung wechselt.
In der Produktion einer bestimmten Masse Mehrwert kan
daher die Abnahme des einen Faktors durch Zunahme des ande?
ersetzt werden. Eine Verminderung der Rate des Mehrwertes be
ändert nicht dessen Masse, wenn gleichzeitig das variable KaP” g
oder die Zahl der angewandten Arbeiter wächst. Ein variabl®
Kapital von 100 Talern, das 100 Arbeiter mit einer Mehrwert®!0y
von 100 pZt. anwendet, produziert eine Mehrwertsmasse von dr
Talern. Man kann die Rate des Mehrwertes auf die Hälfte 1%,
zieren, und die Masse des Mehrwertes wird die gleiche bleibe
wenn gleichzeitig das variable Kapital und die Anzahl der hesc
ligten Arbeiter verdoppelt wird. Und umgekehrt. Wird das varlte
Kapital vermindert und gleichzeitig in demselben Verhältnis
Rate des Mehrwertes erhöht, so bleibt die Masse des produziei
Mehrwertes unverändert. Nehmen wir an, der Kapitalist muß 1007 tab
vorschießen, um 100 Arbeiter täglich auszubeuten, der Arbeits
        <pb n="298" />
        Neuntes Kapitel.
Nacht 9 Stunden aus, wovon 6 Stunden notwendige Arbeit und 3 Stunden
 Mehrarbeit, und die Rate des Mehrwertes beträgt 50 pZt., so wirft
dies variable Kapital von 100 Talern einen Mehrwert von 50 Talern
3b oder von 100 &amp;gt; 8 Arbeitsstunden. Vermindert der Kapitalist sein
Variables Kapital auf die Hälfte, von 100 auf 50 Taler, und beschäfägt
 er nur noch 50 Arbeiter, gelingt es ihm aber, gleichzeitig die
Rate des Mehrwertes zu verdoppeln oder, was dasselbe, die Zeit der
Mehrarbeit von 3 auf 6 Stunden, den Arbeitstag von 9 auf 12 Stunden
iSzudehnen, so wird er immer die gleiche Masse Mehrwert ge-“innen,
 denn 50 Taler X 1% == 100 Taler X {0% = 50 Taler.
Und 506 Arbeitsstunden liefern ebensoviel Mehrwert wie 100 X 3.
Verminderung des variablen Kapitals ist also ausgleichbar durch
MToOportionelle Erhöhung im Exploitationsgrad der Arbeitskraft, oder
lie Abnahme in der Anzahl der beschäftigten Arbeiter durch
PToportionelle Verlängerung des Arbeitstages. Innerhalb gewisser
Grenzen wird die vom Kapital erpreßbare Zufuhr der Arbeit also
abhängig von der Arbeiterzufuhr.??
Indes hat der Ersatz von Arbeiteranzahl oder Größe des
"ariablen Kapitals durch gesteigerte Rate des Mehrwertes oder
Verlängerung des Arbeitstages unüberspringbare Schranken.
en $lches immer der Wert der Arbeitskraft sei, ob daher die zur Erpettung
 des Arbeiters notwendige Arbeitszeit 2 oder 10 Stunden
Sirage, der Gesamtwert, den ein Arbeiter, tagaus, tagein, produren
 kann, ist immer kleiner als der Wert, worin sich 24 Arbeitswenden
 vergegenständlichen, kleiner als 12 Shilling oder 4 Taler,
yon der Arbeiter den Wert von !/, Taler in der Stunde produziert.
yon enger sind die Schranken des Mehrwertes gezogen. Wenn der
Sl des Tages, der notwendig ist, den täglichen Arbeitslohn zu re-We
 duzieren, 6 Stunden ausmacht, bleiben vom natürlichen Tag
3 Stunden. Einen Teil davon beanspruchen die biologischen Ge-Kize
 als Ruhezeit für die Wiederherstellung der Arbeitskraft, Setzen
aut 6 Stunden als Minimum dafür an, verlängern wir den Arbeitstag
19 &amp;lt;In Maximum von 18 Stunden, so kann die Mehrarbeit nicht
brog unden übersteigen, nicht einen höheren Wert als 2 Taler
Zieren.
stun Jater unserer früheren Annahme, wonach täglich 6 Arbeits.
den den erheischt, um die Arbeitskraft selbst zu reproduzieren oder
dazıen ihrem Ankauf vorgeschossenen Kapitalwert zu ersetzen, pro-Mohn
 ein variables Kapital von 500 Talern, das 500 Arbeiter zur
wen /ertsrate von 100 pZt. oder mit zwölfstündigem Arbeitstag verdet,
 täglich einen Mehrwert von 500 Talern oder 6 X 500 Arbeits-258



7° Dies rgesetz scheint den Herren von der Vulgärökonomie
ni ekannt, gie m onlargesel Archimedes, in der Bestimmung der Marktha
 tise der Arbeit durch Nachfrage und Zufuhr den Punkt gefunden zu
ben Zlauben, nicht um die Welt aus den Angeln zu heben, sondern um sie
“Uzusetzen, ,
        <pb n="299" />
        254

Dritter Abschnitt

stunden. Ein Kapital von 100 Talern, das 100 Arbeiter täglich ver
wendet zur Mehrwertsrate von 200 pZt. oder mit achtzehnstündige®
Arbeitstag, produziert nur eine Mehrwertsmasse von 200 Taler
oder 12 X 100 Arbeitsstunden. Und sein gesamtes Wertprodukt
Aequivalent des vorgeschossenen variablen Kapitals plus Mehr
wert kann tagaus, tagein niemals die Summe von 400 Talern ode!
24 X 100 Arbeitsstunden erreichen. Eine Verminderung de
variablen Kapitals kann also durch eine Steigerung der Rate de®
Mehrwertes, oder, was dasselbe besagt, eine Verminderung der zahl
der beschäftigten Arbeiter kann durch eine Vermehrung de®
Grades ihrer Ausbeutung nur wetigemacht werden innerhalb de
physiologischen Schranken des Arbeitstages, also auch der Mehr
arbeit, die er in sich schließt.
Dies handgreifliche zweite Gesetz ist wichtig zur Erklärußß
vieler komplizierter Erscheinungen. Wir wissen bereits, daß d#*
Kapital bestrebt ist, eine möglichst große Masse Mehrwert zu pI”
duzieren. Wir werden später sehen, daß es gleichzeitig strebt, seine?
variablen Teil oder die Zahl der Arbeiter, die es exploitiert, IP
Verhältnis zur Ausdehnung seines Unternehmens, so viel als imme
möglich zu reduzieren. Diese Tendenzen geraten in Widerspru®
zueinander, sobald die Verringerung des einen der beiden Faktore®
die die Masse des Mehrwertes bestimmen, nicht mehr durch Ye”
größerung des andern wettgemacht werden kann.
Ein drittes Gesetz ergibt sich aus der Bestimmung der Mas®
des produzierten Mehrwertes durch die zwei Faktoren, Rate d®
Mehrwertes und Größe des vorgeschossenen variablen Kapital®
Da der Wert nichts ist als realisierte Arbeit, so hängt offenbar die
Masse des Wertes, die ein Kapitalist produzieren lassen kann, 2“
schließlich von der Menge Arbeit ab, die er in Bewegung setzt. gr
kann mit der gleichen Zahl Arbeiter mehr oder weniger Arbeit in
Bewegung setzen, je nach der größeren oder geringeren Länge de?
Arbeitstages. Aber den Wert der Arbeitskraft und die Rate
Mehrwertes, mit andern Worten die Dauer des Arbeitstages Wrd
seine Teilung in notwendige Arbeit und Mehrarbeit gegeben, WiT
die Gesamtmasse des Wertes, eingeschlossen den Mehrwert, die ei
Kapitalist realisiert, ausschließlich durch die Zahl der Arbeiter be
stimmt, die er exploitiert, und diese Menge hängt wieder von de
Größe des variablen Kapitals ab, das er vorschießt. g
Bei gegebener Rate des Mehrwertes und gegebenem Werte der
Arbeitskraft verhalten sich also die Massen des produzierten Mehr"
wertes direkt wie die Größen der vorgeschossenen variablen Kap
tale. Nun weiß man aber, daß der Kapitalist sein Kapital in ZW
Teile teilt, Einen Teil legt er aus in Produktionsmitteln. Dies %
der konstante Teil seines Kapitals. Den andern Teil setzt er um }
lebendige Arbeitskraft. Dieser Teil bildet sein variables Kap
Auf Basis derselben Produktionsweise findet in verschiedenen Dr
duktionszweigen verschiedene Teilung des Kapitals in konstant®
        <pb n="300" />
        Neuntes Kapitel.

255

Id variablen Bestandteil statt. Innerhalb desselben Produktions-‘Weiges
 wechselt dies Verhältnis mit wechselnder technischer Grundage
 und gesellschaftlicher Kombination [Zusammensetzung] des
Produktionsprozesses. Wie aber ein gegebenes Kapital immer zerlalle
 in konstanten und variablen Bestandteil, ob der letztere
Ich zum ersteren verhalte wie 1 : 2, 1:10 oder 1 : x, das
°ben aufgestellte Gesetz wird nicht davon berührt, da früherer
Analyse gemäß der Wert des konstanten Kapitals im Produkten-Wert
 zwar wieder erscheint, aber nicht in das neu gebildete
Wertprodukt eingeht. Um 1000 Spinner zu verwenden, sind
latürlich mehr Rohmaterialien, Spindeln usw. erheischt, als um 100
% verwenden. Der Wert dieser zuzusetzenden Produktionsmittel aber
Mag steigen, fallen, unverändert bleiben, groß oder klein sein,
Sr bleibt ohne irgendeinen Einfluß auf den Verwertungsprozeß
der Sie bewegenden Arbeitskräfte. Das oben konstatierte Gesetz
mmt also die Form an: Die von verschiedenen Kapitalen pro-Atierten
 Massen von Wert und Mehrwert verhalten sich bei
(°gebenem Wert und gleich großem Exploitationsgrad der Ar-Karskraft
 direkt wie die Größen der variablen Bestandteile dieser
Se das heißt ihrer in lebendige Arbeitskraft umgesetzien Beeile.


Dies Gesetz widerspricht offenbar aller auf den Augenschein
Segründeten Erfahrung. . Jedermann weiß, daß ein Baumwollinner,
 der, die Prozentteile des angewandten Gesamtkapitals be-(Cchnet,
 relativ viel konstantes und wenig variables Kapital ank
 endet, deswegen keinen kleineren Gewinn oder Mehrwert er-Sutet
 als ein Bäcker, der relativ viel variables und wenig konstantes
N Apital in Bewegung setzt. Zur Lösung dieses scheinbaren Widerqrüches
 bedarf es noch vieler Mittelglieder, wie es vom Standpunkt
°T elementaren Algebra vieler Mittelglieder bedarf, um zu verchen,
 daß + eine wirkliche Größe darstellen kann. Obgleich sie
AS Gesetz nie formuliert hat, hängt die klassische Oekonomie in-Aktiv
 daran fest, weil es eine notwendige Konsequenz des Wert-SOSetzeg
 überhaupt ist. Sie sucht es durch gewaltsame Abstraktion
SDR den Widersprüchen der Erscheinung zu retten. Man wird
Ans “s gehen, wie die Ricardosche Schule an diesem Stein des
Rich SS gestolpert ist. Die Vulgärökonomie, die „wirklich auch
Ge ts gelernt hat“, pocht hier, wie überall, auf den Schein gegen das
win der Erscheinung. Sie glaubt im Gegensatz zu Spinoza, daß
"9 Unwissenheit ein hinreichender Grund ist“.
ta Die Arbeit, die vom Gesamtkapital einer Gesellschaft tagaus,
b Sein in Bewegung gesetzt wird, kann als ein einziger Arbeitstag
Tachtet werden. Ist zum Beispiel die Zahl der Arbeiter eine

208 Ns
Ma Nähere dar N +
Ixs, s darüber im vierten Buch. [Vgl. d i
chen „Theorien über den Mehrwert“, KT en dritten Band der
        <pb n="301" />
        Dritter Abschnitt
Million und beträgt der Durchschnittsarbeitstag eines Arbeiter!
10 Stunden, so besteht der gesellschaftliche Arbeitstag aus 10 Millionen
 Stunden. Bei gegebener Länge dieses Arbeitstages, seien sein®
Grenzen physisch oder sozial gezogen, kann die Masse des Mehrwertes
 nur vermehrt werden durch Vermehrung der Arbeiteranzahl
das heißt der Arbeiterbevölkerung. Das Wachstum der Bevölkerung
bildet hier die mathematische Grenze für Produktion des Mehrwertes
 durch das gesellschaftliche Gesamtkapital. Umgekehrt. Be
gegebener Größe der Bevölkerung wird diese Grenze gebildet durc}
die mögliche Verlängerung des Arbeitstages.?* Man wird im folgel
den Kapitel sehen, daß dies Gesetz nur für die bisher behandelte
Form des Mehrwertes gilt.
Aus der bisherigen Betrachtung der Produktion des Mehrwerte*
ergibt sich, daß nicht jede beliebige Geld- oder Wertsumme il
Kapital verwandelbar, zu dieser Verwandlung vielmehr ein be
stimmtes Minimum von Geld oder Tauschwert in der Hand des
einzelnen Geld- oder Warenbesitzers vorausgesetzt ist. Das Min!
mum von variablem Kapital ist der Kostenpreis einer einzelne»
Arbeitskraft, die das ganze Jahr durch, tagaus, tagein, zur Ge
winnung von Mehrwert vernutzt wird. Wäre dieser Arbeiter im
Besitze seiner eigenen Produktionsmittel und begnügte er sich, al‘
Arbeiter zu leben, so genügte ihm die zur Reproduktion seinel
Lebensmittel notwendige Arbeitszeit, sage von 8 Stunden täglich
Er brauchte also auch nur Produktionsmittel für 8 Arbeitsstunden
Der Kapitalist dagegen, der ihn außer diesen 8 Stunden sage
4 Stunden Mehrarbeit verrichten läßt, bedarf einer zusätzlichen Geld
summe zur Beschaffung der zusätzlichen Produktionsmittel. Unter
unserer Annahme jedoch müßte er schon zwei Arbeiter anwenden
um von dem täglich angeeigneten Mehrwert wie ein Arbeiter leben
das heißt seine notwendigen Bedürfnisse befriedigen zu können
In diesem Fall wäre bloßer Lebensunterhalt der Zweck seiner Pro
duktion, nicht Vermehrung des Reichtums, und das letztere ist unter
stellt bei der kapitalistischen Produktion. Damit er nur doppelt s0
gut lebe wie ein gewöhnlicher Arbeiter, und die Hälfte des produzierten
 Mehrwertes in Kapital zurückverwandle, müßte er zugleich mil
der Arbeiterzahl das Minimum des vorgeschossenen Kapitals um das
Achtfache steigern. Allerdings kann er selbst, gleich seinem Ar
beiter, unmittelbar Hand im Produktionsprozesse anlegen, aber is!
dann auch nur ein Mittelding zwischen Kapitalist und Arbeiter, eiP

256

204 „Die Arbeit, das heißt die‘ in der Wirtschaft vernutzte Zeit eine!
Gesellschaft ist eine bestimmte Größe, zum Beispiel 10 Stunden täglich
von 1 Million Arbeiter, das sind also 10 Millionen Arbeitsstunden. ... Da‘
Kapital hat seine Schranke der Vermehrung, Diese Schranke ist für jede
Periode mit dem tatsächlichen Ausmaß der in der Wirtschaft vernutzten Ar
beitszeit gegeben.“ („An Essay on the Political Economy of Nations. Londo?
1821“, p. 47, 49.)
        <pb n="302" />
        rg

De

18

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I

4

3]

‚y

N

Neuntes Kapitel,

257

»&amp;lt;leiner Meister“. Ein gewisser Höhegrad der kapitalistischen Proluktion
 bedingt, daß der Kapitalist die ganze Zeit, während deren
° als Kapitalist, das heißt als personifiziertes Kapital funktioniert,
zur Aneignung und daher Kontrolle fremder Arbeit und zum Verkauf
 der Produkte dieser Arbeit verwenden könne.?® Die Verwandlung
 des Handwerksmeisters in den Kapitalisten suchte das Zunft-Nesen
 des Mittelalters dadurch gewaltsam zu verhindern, daß es die
Arbeiteranzahl, die ein einzelner Meister beschäftigen durfte, auf
An sehr geringes Maximum beschränkte. ‘Der Geld- oder Warenbesitzer
 verwandelt sich erst wirklich in einen Kapitalisten, wo die
für die Produktion vorgeschossene Minimalsumme weit über dem
Mittelalterigen Maximum steht. Hier, wie in der Naturwissenschaft,
bewährt sich die Richtigkeit des von Hegel in seiner Logik entleckten
 Gesetzes, daß ‚bloß quantitative Veränderungen auf einem
Sewissen Punkt in qualitative Unterschiede umschlagen.?%»
Das Minimum der Wertsumme, worüber der einzelne Geldder
 Warenbesitzer verfügen muß, um sich in einen Kapitalisten

%05 „Der Pächter darf nicht seine eigene Arbeit ins Spiel bringen; tut
es doch, so wird er, möchte ich behaupten, dabei nur verlieren. Seine
Beschäftigung sollte in der allgemeinen Beaufsichtigung des ganzen Betriebes
Destehen: sein Drescher muß überwacht werden, soll sein Lohn nicht
aetzlog ausgegeben sein und Korn in der Garbe zurückbleiben; seine Mäher,
Ohnitter usw. müssen beaufsichtigt werden. Er muß fortwährend die
Sanze Betriebsfläche durchwandern, daß nichts verabsäumt wird; das würde
et geschehen, wenn er sich auf einen Punkt festlegte.“ („An Enquiry into
Br Connection between the Price of Provisions, and the Size of Farms etc.
er a Farmer. London 1773“, p. 12.) Diese Schrift ist sehr interessant. Man
De darin die Entstehung des „capitalist farmer“ [kapitalistischen Pächters]
der »Merchant farmer‘“ [kaufmännischen Pächters], wie er ausdrücklich
Sehannt wird, studieren und seiner Selbstverherrlichuug gegenüber dem
Pemal] farmer“ [kleinen Pächter], dem es wesentlich um den Lebensunter-Alt
 zu tun ist, zuhören. „Die Kapitalistenklasse wird zuerst teilweise und
ließlich ganz und gar entbunden von der Notwendigkeit der Handarbeit.“
(Richarg Jones: „Textbook of Lectures on the Political Economy of Nations.
$ttford 1852“, Lecture III, p. 39.)
%b5a Die in der modernen Chemie angewandte, von Laurent und Gerhard!
erst wissenschaftlich entwickelte Molekulartheorie beruht auf keinem
sem Gesetze. — In der 3. Auflage bemerkt Engels, diese Anmerkung sei
&amp;gt; den Nichtchemiker ziemlich dunkel, und erläutert sie durch einen Hinns
 darauf, „daß der Verfasser hier von den von C. Gerhardt 1843 zuersi
8 ‚benannten „homologen Reihen“ von Kohlenwasserstoffverbindungen
poricht, von denen jede eine eigene algebraische Zusammensetzungsformel
0 So die Reihe der Paraffine: Cn, Han +2; die der normalen Alkohole:
WR Han + 2, O; die der normalen fetten Säuren: Cn, Han, O2 und viele andere.
zu Obigen Beispielen wird durch einfachen quantitativen Zusatz von CH:
To Molekularform jedesmal ein qualitativ verschiedener Körper gebildet.
aber die, „von Marx überschätzte, Teilnahme Laurents ‚und Gerhardts an
ol Feststellung dieser wichtigen Tatsache“ weist Engels hin auf Kopp: „Ent-«Cklung
 der Chemie, München 1878“, S. 709 und 716, und Schorlemmer:
"Rise and Progress of Organic Chemistry, London 1879“, p. 54.
Das Kapital. I.
        <pb n="303" />
        258

Dritter Abschnitt

zu entpuppen, wechselt auf verschiedenen Entwicklungsstufen de
kapitalistischen Produktion und ist, bei gegebener Entwicklungsstuf®
verschieden in verschiedenen Produktionssphären, je nach ihre
besonderen technischen Bedingungen. Gewisse Produktionssphär®
erheischen schon in den Anfängen der kapitalistischen Produkti®
ein Minimum von Kapital, das sich noch nicht in der Hand einzeln“
Individuen vorfindet. Dies veranlaßt teils Staatsunterstützungen
solche Private, wie in Frankreich zur Zeit Colberts und wie %
manchen deutschen Staaten bis in unsere Epoche hinein, teils die Bil
dung von Gesellschaften mit gesetzlichem Monopol für den Betriel
zewisser Industrie- und Handelszweige?® — die Vorläufer d#
modernen Aktiengesellschaften.

Wir halten uns nicht beim Detail der Veränderungen auf, &amp;amp;
das Verhältnis von Kapitalist und Lohnarbeiter im Verlaufe d
Produktionsprozesses erfuhr, also auch nicht bei den weiteren For”
bestimmungen des Kapitals selbst. Nur wenige Hauptpunkte sei}
hier betont. vn
Innerhalb des Produktionsprozesses entwickelte sich das Kapilı
zum Kommando über die Arbeit, das heißt über die sich betätig®
Arbeitskraft oder den Arbeiter selbst. Das personifizierte Kap} 4
der Kapitalist, paßt auf, daß der Arbeiter sein Werk ordentlich
mit dem gehörigen Grad von Intensität verrichte. ;
Das Kapital entwickelte sich ferner zu einem Zwangsverbältt®
welches die Arbeiterklasse nötigt, mehr Arbeit zu verrichten, als f
ange Umkreis ihrer eigenen Lebensbedürfnisse vorschrieb. Und A
Produzent fremder Arbeitsamkeit, als Auspumper von Mehrarbe
und Ausbeuter von Arbeitskraft übergipfelt es an Energie, Ma il
losigkeit und Wirksamkeit alle früheren auf direkter Zwangsarb®
beruhenden Produktionssysteme. N
Das Kapital ordnet sich zunächst die Arbeit unter mit den 0
nischen Bedingungen, worin es sie historisch vorfindet. Es veränd®“
daher nicht unmittelbar die Produktionsweise. Die Produktion Pr
Mehrwert in der bisher betrachteten Form, durch einfache Vo
Jängerung des Arbeitstages, erschien: daher von jedem wech
der Produktionsweise: selbst unabhängig. Sie war in der un‘
modischen Bäckerei nicht minder wirksam als in der moder?
Baumwollspinnerei, ut
Beirachteten wir den Produktionsprozeß unter dem Gesichtsp 10”
des Arbeitsprozesses, so verhielt sich der Arbeiter zu den P d
duktionsmitteln nicht als Kapital, sondern als bloßem Mittel We
Material seiner zweckmäßigen produktiven Tätigkeit. In vn
Gerberei zum Beispiel behandelt er die Felle als seinen a“
Arbeitsgegenstand. Es ist nicht der Kapitalist, dem er das Ge
gerbt. Anders, sobald wir den Produktionsprozeß unter dem N
206 „Die Gesellschaft Monopolia“ nennt Martin Luther derartige Instill
        <pb n="304" />
        sl

Aa

Neuntes Kapitel.

259

üchtspunkt des Verwertungsprozesses betrachteten. Die Pro-Iuktionsmittel
 verwandelten sich sofort in Mittel zur Einsaugung
temder Arbeit. Es ist nicht mehr der Arbeiter, der die Produktions-Nittel
 anwendet, sondern es sind die Produktionsmittel, die den
Arbeiter anwenden. Statt von ihm als stoffliche Elemente seiner
oduktiven Tätigkeit verzehrt zu werden, verzehren sie ihn als
‚STment [als Antriebsmittel] ihres eigenen Lebensprozesses, und
ler Lebensprozeß des Kapitals besteht nur in seiner Bewegung
Us sich selbst verwertender Wert. Schmelzöfen | und Arbeitsbäude,
 die des Nachts ruhen und keine lebendige Arbeit einugen,
 sind „reiner Verlust“ („mere loss“) für den Kapitalisten.
Yarum bilden Schmelzöfen und Arbeitsgebäude einen „Anspruch
die Nachtarbeit“ der Arbeitskräfte. Die bloße Verwandlung
is Geldes in gegenständliche Faktoren des Produktionsprozesses,
N Produktionsmittel, verwandelt letztere in Rechistitel und Zwangs-Mel
 auf fremde Arbeit und Mehrarbeit. Wie diese der kapi-Slistischen
 Produktion eigentümliche und sie charakterisierende
/Srkehrung, ja Verrückung des Verhältnisses von toter und
bendiger Arbeit, von Wert und wertschöpferischer Kraft, sich
) Bewußtsein der Kapitalistenköpfe abspiegelt, zeige schließ-\ch
 Noch ein Beispiel. Während der englischen Fabrikantenrevolte
N 1848 bis 1850 schrieb „der Chef der Leinen- und Baumv°Uspinnerei
 zu Paisley, der Kompanie Carlisle, Söhne &amp;amp; Co.,
et der ältesten und respektabelsten Firmen von Westschottland,
nn Seit 1752 besteht und durch vier Generationen von derselben
ehilie geführt wird“ — dieser äußerst intelligente Gentleman also
Br ieb in die „Glasgow Daily Mail“ vom 25. April 1849 einen
EN unter dem Titel: „Das Relaissystem“, worin unter anderm
he nde grotesk naive Stelle unterläuft: „Laßt uns nun die Uebel
(0 achten, die aus einer Reduktion der Arbeitszeit von 12 auf
h Stunden fließen. ... Sie „belaufen“ sich auf die allerernstlteste
 Beschädigung der Aussichten und des Eigentums des Fabrimie
 Arbeitete er (das heißt seine „Hände‘“) 12 Stunden und
) :d er auf 10 beschränkt, dann schrumpfen je 12 Maschinen oder
19 deln seines Etablissements auf 10 zusammen („then every
yo Chines or spindles, in his establishment, shrink to 10“), und
chat $T seine Fabrik verkaufen, so würden sie nur als 10 gewert-Pad
 tzt Werden, so daß so ein sechster Teil vom Wert einer jeden
"ik im ganzen Lande abgezogen würde.‘“208

Da

nn 30th April 1849“, p. 59.
»R . of Fact. for .
„1 208 Ebendar E 0 Babrkibersetr Stuart, selbst Schotte, und Im Cegen-Siz
 ZU den englischen Fabrikinspektoren ganz in kapitalistise SE ze cart
gen, bemerkt ausdrücklich, dieser Brief, den re Se Serie Leim
i di ützli itteilung,
änte t „sei die allernützlichste Mit ar
m i enden, gemacht, und ganz
laygı.2', Welche das Relaissystem anw ‚ Sau u DO
Sitigen  Technet, die Vorurteile und Bedenken gegen jenes Sy
        <pb n="305" />
        260

Dritter Abschnif

Diesem erbangestammten Kapitalhirn von Westschottland ve
schwimmt der Wert der Produktionsmittel, Spindeln usw., so seh
mit ihrer Kapitaleigenschaft, sich selbst zu verwerten, oder täglic
ein bestimmtes Quantum fremder Gratisarbeit, unbezahlter Arbeit
einzuschlucken, daß der Chef des Hauses Carlisle &amp;amp; Co. in der T#
wähnt, beim Verkauf seiner Fabrik werde ihm nicht nur der We
der Spindeln gezahlt, sondern obendrein ihre Verwertung, nicht zul
die Arbeit, die in ihnen steckt und zur Produktion von Spindeln d®
selben Art nötig-ist, sondern auch die Mehrarbeit, die sie täglich auf
den braven Westschotten von Paisley auspumpen helfen, und ebe?
deshalb, meint er, schrumpfe mit der Verkürzung des Arbeitstag?
um zwei Stunden der Verkaufspreis von je 12 Spinnmaschinen 2
den von je 10 zusammen!

A A ka
        <pb n="306" />
        A

17

hf

if

(fg

Vierter Abschnitt.
Die Produktion des relativen
Mehrwertes.

Zehntes Kapitel
Begriff des relativen Mehrwertes.
% Der Teil des Arbeitstages, der bloß ein Aequivalent für den
Disk, Kapital gezahlten Wert der Arbeitskraft produziert, galt uns
Pro er als konstante Größe, was er in der Tat ist unter gegebenen
wien tionsbedingungen, auf einer vorhandenen ökonomischen Ent-Arb
 lungsstufe der Gesellschaft. Ueber diese seine notwendige
ar Citszeit hinaus konnte der Arbeiter 2, 3, 4, 6 usw. Stunden
Mohn tt Von der Größe dieser Verlängerung hingen Rate des
Arb 7wertes und Größe des Arbeitstages ab. War die notwendige
Unten zeit konstant, so dagegen der Gesamtarbeitstag variabel.
in Srstelle jetzt einen Arbeitstag, dessen Größe und dessen Teilung
Notwendige Arbeit und Mehrarbeit gegeben sind. Die Linie ac

a
TE SF
Selle zum Beispiel einen zwölfstündigen Arbeitstag vor, das Stück
© 10 Stunden notwendige Arbeit, das Stück bc 2 Stunden Mehrarbeit,
 Wie kann nun die Produktion von Mehrwert vergrößert,
das heißt die Mehrarbeit verlängert werden, ohne jede weitere
STlängerung oder unabhängig von jeder weiteren Verlängerung
“n ac?
„Trotz gegebener Grenzen des Arbeitstages ac scheint be verngerbar,
 Denn nicht durch Ausdehnung über seinen Endpunkt c,
x Zugleich der Endpunkt des Arbeitstages ac ist, so durch Ver-„hiebung
 seines Anfangspunktes b in entgegengesetzter Richtung
5Ch a hin. Nimm an, h‘ b in der Linie a c
/ ; ec
; —— A
nn gleich der Hälfte von be oder gleich einer Arbeitsstunde. Wird
x £ dem zwölfstündigen Arbeitstag a c der Punkt b nach v ver-Han,
 80 dehnt sich be aus zu b’c, die Mehrarbeit wächst um die
aulite, von 2 auf 3 Stunden, obgleich der Arbeitstag nach wie vor
a 122 Stunden zählt. Diese Ausdehnung der Mehrarbeit von be
be, von 2 auf 3 Stunden, ist aber offenbar unmöglich ohne
. Dr tzeitige Zusammenziehung der notwendigen Arbeit von ab auf
&amp;gt; Von 10 auf 9 Stunden. Der Verlängerung der Mehrarbeit ent-N



n
        <pb n="307" />
        262

Vierter Abschnit

spräche die Verkürzung der notwendigen Arbeit, oder ein Teil d®
Arbeitszeit, die der Arbeiter bisher in der Tat für sich selbst ver
braucht, verwandelt sich in Arbeitszeit für den Kapitalisten. Wei
verändert, wäre nicht die Länge des Arbeitstages, sondern seit
Teilung in notwendige Arbeit und Mehrarbeit.
Anderseits ist die Größe der Mehrarbeit offenbar selbst gegeb®
mit gegebener Größe des Arbeitstages und gegebenem Wert d®
Arbeitskraft, Der Wert der Arbeitskraft, das heißt die zu ihre
Produktion erheischte Arbeitszeit, bestimmt die zur Reprodukti®
ihres Wertes notwendige Arbeitszeit. Stellt sich eine Arbeitsstund®
in einem Goldquantum von *!/, Shilling oder 6 Pence dar, und he
trägt der Tageswert der Arbeitskraft 5 Shilling, so muß der Arbeite!
täglich 10 Stunden arbeiten, um den ihm vom Kapital gezahlt®
Tageswert seiner Arbeitskraft zu ersetzen oder ein Aequivalent
den Wert seiner notwendigen täglichen Lebensmittel zu produziere
Mit dem Wert dieser Lebensmittel ist der Wert seiner Arbeitskrafb
mit dem Wert seiner Arbeitskraft ist die Größe seiner notwendig“
Arbeitszeit gegeben. Die Größe der Mehrarbeit aber wird erhalt®
durch Subtraktion [Abrechnung] der notwendigen Arbeitszeit von
Gesamtarbeitstag. 10 Stunden subtrahiert von 12 lassen 2, und es il
nicht abzusehen, wie die Mehrarbeit unter den gegebenen Beding
gen über 2 Stunden hinaus verlängert werden kann. Allerdings m
der Kapitalist statt 5 Shilling dem Arbeiter nur 4 Shilling 6 Pence ode
noch weniger zahlen. Zur Reproduktion dieses Wertes von 4 Sbillix
6 Pence würden 9 Arbeitsstunden genügen, von dem zwölfstündig®
Arbeitstag daher 3 statt 2 Stunden der Mehrarbeit anheimfallen U
der Mehrwert selbst von 1 Shilling auf 1 Shilling 6 Pence steig®”
Dies Resultat wäre jedoch nur erzielt durch Herabdrückung de
Lohnes des Arbeiters unter den Wert seiner Arbeitskraft. Mit kb
4 Shilling 6 Pence, die er in 9 Stunden produziert. verfügt er üb®

} Der Wert des täglichen Durchschnittslohnes ist bestimmt durch 4%
was der Arbeiter braucht, „um zu leben, zu arbeiten und sich fortzupflanze®,
(William Petty: „Political Anatomy of Ireland“, 1672, p. 64.) „Der Pre
der Arbeit wird stets durch den Preis der Lebensmittel bestimmt.“ De
Arbeiter erhält nicht den entsprechenden Lohn, „sobald . . . sein Arbeiß
lohn nicht hinreicht, eine Familie, wie sie den Arbeitern oft beschieden jet
gemäß seinem niedrigen Stande aufzuziehen“. (J. Vanderlint: „Mond
answers all Things. London 1734“, p. 15.) „Dem einfachen Arbeiter; öl
nur seine Arme und seine Geschicklichkeit hat, bleibt nichts übrig a
seine Arbeit an andere zu verkaufen. ... Bei jeder Art Arbeit muß “
demnach dahin kommen und kommt es in der Tat dahin, daß der on
des Arbeiters sich auf das beschränkt, was zu seiner Erhaltung unbedi D
notwendig ist.“ (Turgot: „Reflexions sur la Formation et Ja Distribu® fe
des Richesses,“ Oeuvres, 6d. Daire, vol. I, p. 10.) [Vgl. „Betrachtungen üb
die Bildung und die Verteilung des Reichtums“ von Anne Robert Jacdl®
Turgot, übersetzt von V. Dorn, Jena 1903, S. 5, 6.] „Der Preis der Leben®
mittel macht tatsächlich die Produktionskosten der Arbeit aus“ (Mall*®
„Inquiry into ete, Rent. London 1815“, p. 48 n.)
        <pb n="308" />
        Zehntes Kapitel.

263

Io weniger Lebensmittel als vorher, und so findet nur eine verkümmerte
 Reproduktion seiner Arbeitskraft statt. Die Mehrarbeit
Vürde hier nur verlängert durch Ueberschreitung ihrer normalen
ürenzen, ihre Domäne nur ausgedehnt durch usurpatorischen Abruch
 von der Domäne der notwendigen Arbeitszeit. "Trotz der
Wehtigen Rolle, welche diese Methode in der wirklichen Bewegung
des Arbeitslohnes spielt, ist sie hier ausgeschlossen durch die Vor
WSsetzung, daß die Waren, also auch die Arbeitskraft, zu ihrem
"Ollen Wert gekauft und verkauft werden. Dies einmal unterstellt,
kann die zur Produktion der Arbeitskraft oder zur Reproduktion
Ihres Wertes notwendige Arbeitszeit nicht abnehmen, weil der Lohn
les Arbeiters unter den Wert seiner Arbeitskraft, sondern nur wenn
dieser Wert selbst sinkt. Bei gegebener Länge des Arbeitstages
Tuß die Verlängerung der Mehrarbeit aus der Verkürzung der not-Vehdigen
 Arbeitszeit entspringen, nicht umgekehrt die Verkürzung
der Notwendigen Arbeitszeit aus der Verlängerung der Mehrarbeit.
In Unserm Beispiel muß der Wert der Arbeitskraft wirklich um
' Sinken, damit die notwendige Arbeitszeit um *!/,, abnehme, von
D - 9 Stunden, und daher die Mehrarbeit sich von 2 auf 3 Stunden
längere.
. Eine solche Senkung des Wertes der Arbeitskraft um Mao belingt
 aber ihrerseits, daß dieselbe Masse Lebensmittel, die früher
N 10, jetzt in 9 Stunden produziert wird. Dies ist jedoch un-“glich
 ohne eine Erhöhung der Produktivkraft der Arbeit. Mit
SBebenen Mitteln kann ein Schuster zum Beispiel ein Paar Stiefel]
v Sinem Arbeitstage von 12 Stunden machen. Soll er in derselben
Zeit 2 Paar Stiefel machen, so muß sich die Produktivkraft seiner
Arbeit verdoppeln, und sie kann sich nicht verdoppeln ohne eine
Anderung in seinen Arbeitsmitteln oder seiner Arbeitsmethode
der beiden zugleich. Es muß daher eine Revolution in den Pro-Kiktionsbedingungen
 seiner Arbeit eintreten, das heißt in seiner
ho duktionsweise und daher im Arbeitsprozeß selbst. Unter Ereng
 der Produktivkraft der Arbeit verstehen wir hier überhaupt
SO Veränderung im Arbeitsprozeß, wodurch die zur Produktion
et Ware gesellschaftlich erheischte Arbeitszeit verkürzt wird, ein
hurneres Quantum Arbeit also die Kraft erwirbt, ein größeres Quantion
 Gebrauchswert zu produzieren.” Während also bei der Produk-Kon
 des Mehrwertes in der bisher betrachteten Form die Produk-ÜSWweise
 als gegeben unterstellt war, genügt es für die Produktion

„Wenn sich die Künste vervollkommnen, was nichts anderes heißt, als
ne Neye eh gefunden werden, die es ermöglichen, ein Produk!
her, "CNiger Arbeitskräften oder (was dasselbe bedeutet) in kürzerer Zeit
der Stellen.“ (Galiani: „Della Moneta“, vol. III von Custodis Sammlung
180 »Serittori Classici Italiani di Economia Politica“. Parte Moderna. Milano
ur“ D. 150.) „Die Ersparung an Produktionskosten kann nur hinauslaufen
(8; die Ersparung an der zur Produktion verwandten Arbeitsmenge.
Mondi: „Etudes ete.“, vol. I, p. 22.)
        <pb n="309" />
        264

Vierter Abschnitl

von Mehrwert durch Verwandlung notwendiger Arbeit in Mehr
arbeit keineswegs, daß das Kapital sich des Arbeitsprozesses u
seiner historisch überlieferten oder vorhandenen Gestalt bemächtis
und nur seine Dauer verlängert. Es muß die technischen und gesell
schaftlichen Bedingungen des Arbeitsprozesses, also die Produktion®
weise selbst umwälzen, um die Produktivkraft der Arbeit zu &amp;amp;
höhen, durch die Erhöhung der Produktivkraft der Arbeit den We
der Arbeitskraft zu senken und so den zur Reproduktion dies“
Wertes notwendigen Teil des Arbeitstages zu verkürzen.
Durch Verlängerung des Arbeitstages produzierten Mehrwe”
nenne ich absoluten Mehrwert; den Mehrwert dagegen, der aus Ve
kürzung der notwendigen Arbeitszeit und entsprechender Veränd®
rung im Größenverhältnis der beiden Bestandteile des Arbeitstag‘
entspringt — relativen Mehrwert.
Um den Wert der Arbeitskraft zu senken, muß die Steigeruf
der Produktivkraft Industriezweige ergreifen, deren Produkte d®
Wert der Arbeitskraft bestimmen, also entweder dem Umkreis del
gewohnheitsmäßigen Lebensmittel angehören oder sie ersetzen Kö
nen. Der Wert einer Ware ist aber nicht nur bestimmt durch d*
Quantum der Arbeit, welche ihr die letzte Form gibt, sondern eb
sowohl durch die in ihren Produktionsmitteln enthaltene Arbeit”
masse. Zum Beispiel der Wert eines Stiefels nicht nur durch ©
Schusterarbeit, sondern auch durch den Wert von Leder, pech
Draht usw. Steigerung der Produktivkraft und entsprechende ver
wohlfeilerung der Waren in den Industrien, welche die stofflich®”
Elemente des konstanten Kapitals, die Arbeitsmittel und das Arbeil*
material, zur Erzeugung der notwendigen Lebensmittel liefer?
senken also ebenfalls den Wert der Arbeitskraft. In Produktion”
zweigen dagegen, die weder notwendige Lebensmittel liefern non
Produktionsmittel zu ihrer Herstellung, 1äßt die erhöhte Produkt
kraft den Wert der Arbeitskraft unberührt. -
Die verwohlfeilerte Ware senkt natürlich den Wert der Arbeiß
kraft nur im Verhältnis, worin sie in die Reproduktion der Arbei 5
kraft eingeht. Hemden zum Beispiel sind ein notwendiges Lebe
mittel, aber nur eins von vielen. Ihre Verwohlfeilerung vermind®”
bloß die Ausgabe des Arbeiters für Hemden. Die Gesamtsum””,
der notwendigen Lebensmittel besteht jedoch nur aus verschiede”
Waren, lauter Produkten besonderer Industrien, und der Wert je
solchen Ware bildet stets einen aliquoten Teil vom Wert der Arbeit
kraft. Dieser Wert nimmt ab mit der zu seiner Reproduktion ” me
wendigen Arbeitszeit, deren Gesamtverkürzung gleich der Sum eß
ihrer Verkürzungen in allen jenen besonderen Produktionszweiß @
ist. Wir behandeln dies allgemeine Resultat hier so, als wär®
unmittelbares Resultat und unmittelbarer Zweck in jedem einzel,
Fall. Wenn ein einzelner Kapitalist durch Steigerung der ? eb!
duktivkraft der Arbeit zum Beispiel Hemden verwohlfeilert, sch.
ihm keineswegs notwendig der Zweck vor, den Wert der Arbel
        <pb n="310" />
        Zehntes Kapitel.

265

kraft und daher die notwendige Arbeitszeit entsprechend zu senken,
aber nur soweit er schließlich zu diesem Resultat beiträgt, trägt er
bei zur Erhöhung der allgemeinen Rate des Mehrwertes.* Die
Allgemeinen und notwendigen Tendenzen des Kapitals sind zu unter-“heiden
 von ihren Erscheinungsformen. .
_ Die Art und Weise, wie die immanenten Gesetze der kapitaüstischen
 Produktion in der äußeren Bewegung der Kapitale er-Sheinen,
 sich als Zwangsgesetze der Konkurrenz geltend machen
Und daher als treibende Motive dem individuellen Kapitalisten zum
Bewußtsein kommen, ist jetzt nicht zu betrachten, aber soviel erhellt
“n vornherein: wissenschaftliche Analyse der Konkurrenz ist nur
Aöglich, sobald die innere Natur des Kapitals begriffen ist, ganz wie
die Scheinbare Bewegung der Himmelskörper nur dem verständlich,
der ihre wirkliche, aber sinnlich nicht wahrnehmbare Bewegung
kennt. Dennoch ist zum Verständnis der Produktion des relativen
Mohrwertes und bloß auf Grundlage der bereits gewonnenen Re-‘Ultate
 folgendes zu bemerken.
Stellt sich eine Arbeitsstunde in einem Goldquantum von 6 Pence
Mer 4, Shilling dar, so wird in zwölfstündigem Arbeitstag ein Wert
‚nn 6 Shilling produziert. Gesetzt, mit der gegebenen Produktivkraft
 der Arbeit würden 12 Stück Waren in diesen 12 Arbeitsstunden
(SMertigt, Der Wert der in jedem Stück vernutzten Produktions-Kate,
 Rohmaterial usw., sei 6 Pence. Unter diesen Umständen
aesiet die einzelne Ware 1 Shilling, nämlich 6 Pence für den Wert
nn Produktionsmittel, 6 Pence für den in ihrer Verarbeitung neu
u eeSetzten Wert. Es gelinge nun einem Kapitalisten, die Produktivan
 der Arbeit zu verdoppeln und daher 24 statt 12 Stück dieser
ätenart in dem zwölfstündigen Arbeitstag zu produzieren. Bei
eVerändertem Wert der Produktionsmittel sinkt der Wert der ein-Den
 Ware jetzt auf 9 Pence, nämlich 6 Pence für den Wert der
“Oduktionsmittel, 3 Pence für den durch die letzte Arbeit neu zu-Anetzten
 Wert. Trotz der verdoppelten Produktivkraft schafit der
sion Stag nach wie vor nur einen Neuwert von 6 Shilling, welcher
an Jedoch jetzt auf doppelt soviel Produkte verteilt. Auf jedes
weine Produkt fällt daher nur noch */,, statt */,, dieses Gesamt-Kor
 3 Pence statt 6 Pence, oder, was dasselbe ist, den Produktec}
 mitteln wird bei ihrer Verwandlung in Produkt, jedes Stück beah
 jetzt nur noch eine halbe statt wie früher eine ganze Arbeitsihr
 de zugesetzt. Der individuelle Wert dieser Ware steht nun ‚unter
as Sesellschaftlichen Wert, das heißt sie kostet weniger Arbeitszeit
Sch der große Haufen derselben Artikel, produziert unter den geselläftlichen
 Durehschnittsbedingungen. Das Stück kostet im Durch-&amp;gt;

 „Wenz i rch Verbesserung der Maschinerie seine
Odukie ver Fabr san er (schließlich) bloß, sofern er dadurch
yohigt Wird, den Arbeiter wohlfeiler zu kleiden ... und so ein kleinerer
he des Gesamtertrages auf den Arbeiter fällt.“ (Ramsay: „An Essay on
© Distribution of Wealth. Edinbureh 1836“, D. 168. 169.)
        <pb n="311" />
        266

Vierter Abschnitt

schnitt 1 Shilling oder stellt 2 Stunden gesellschaftlicher Arbei
dar; mit der veränderten: Produktionsweise kostet es nur 9 Pent‘
oder enthält nur 1!/, Arbeitsstunden.
Der wirkliche Wert einer Ware ist aber nicht ihr individuelle!
sondern ihr gesellschaftlicher Wert, das heißt er wird nicht durd
die Arbeitszeit gemessen, die sie im einzelnen Fall dem Produzente!
tatsächlich kostet, sondern durch die gesellschaftlich zu ihrer PI0
duktion erheischte Arbeitszeit. Verkauft also der Kapitalist, der d
neue Methode anwendet, seine Ware zu ihrem gesellschaftlich“
Wert von 1 Shilling, so verkauft er sie 3 Pence über ihrem indit
duellen Wert und realisiert so einen Extramehrwert von 3 Pen?
Anderseits stellt sich aber der zwölfstündige Arbeitstag jetzt fU
ihn in 24 Stück Ware dar, statt früher in 12. Um also das Produ
eines Arbeitstages zu verkaufen, bedarf er doppelten Absatzes 0d®
eines zweifach größeren Marktes. Unter sonst gleichbleibenden UF
ständen erobern seine Waren nur größeren Marktraum durch Zu
sammenziehung ihrer Preise. Er wird sie daher über ihrem indi*
duellen, aber unter ihrem gesellschaftlichen Wert verkaufen, sage ?
10 Pence das Stück. So schlägt er an jedem einzelnen Stück imm“
noch einen Extramehrwert von 1 Penny heraus. Diese Steigerung de
Mehrwertes findet für ihn statt, ob oder ob nicht seine Ware de®
Umkreis der notwendigen Lebensmittel angehört und daher 1®
stimmend in den allgemeinen Wert der Arbeitskraft eingeht. voP
letzteren Umstand abgesehen, existiert also für jeden einzeln“
Kapitalisten das Motiv, die Ware durch erhöhte Produktivkraft d”
Arbeit zu verwohlfeilern.
Indes entspringt selbst in diesem Falle die gesteigerte PI"
duktion von Mehrwert aus der Verkürzung der notwendigen Arbeiß
zeit und entsprechender Verlängerung der Mehrarbeit.#* Die 90 fl
wendige Arbeitszeit habe 10 Stunden betragen oder der TagesWE
der Arbeitskraft 5 Shilling, die Mehrarbeit 2 Stunden, der tägl
produzierte Mehrwert daher 1 Shilling. Unser Kapitalist produzl®
aber jetzt 24 Stück, die er zu 10 Pence pro Stück oder zusammen *
20 Shilling verkauft. Da der Wert der Produktionsmittel glei”
12 Shilling, ersetzen 14?/, Stück Ware nur das vorgeschossene or
stante Kapital. Der zwölfstündige Arbeitstag stellt sich in or
übrigbleibenden 9*/, Stück dar. Da der Preis der Arbeitsk'%%
gleich 5 Shilling, stellt sich im Produkt von 6 Stück die notwendi#
Arbeitszeit dar und in 3%, Stück die Mehrarbeit. Das Verhält®

% „Der Profit hängt nicht von der Verfügungsgewalt ab, die jemas
über das Produkt der Arbeit anderer besitzt, sondern von seiner ver
fügungsgewalt über Arbeit selbst. Ist er imstande, seine Waren teure! a
verkaufen, während die Löhne seiner Arbeiter unverändert bleiben, SO Pn
er einen offensichtlichen Vorteil davon ... Ein kleinerer Teil des von Ms
Froduzierten genügt, um jene Arbeit in Bewegung zu setzen, ein größer
Hd EN Jaher ihm selbst.“ („Outlines of Political Economy. Lo? a
„ D. 49, DU.
        <pb n="312" />
        1.
af

[

Zehntes Kapitel.

der Notwendigen Arbeit zur Mehrarbeit, welches unter den gesellhaftlichen
 Durchschnittsbedingungen 5:1 betrug, beträgt jetzt nur
Och 5:8,
Dasselbe Resultat erhält man so: Der Produktenwert des zwölfündigen
 Arbeitstages ist 20 Shilling. Davon gehören 12 Shilling
lem nur wieder erscheinenden Wert der Produktionsmittel. Bleiben
also 8 Shilling als Geldausdruck des Wertes, worin sich der Arbeitstag
 darstellt. Dieser Geldausdruck ist höher als der Geldausdruck
der Sesellschaftlichen Durchschnittsarbeit von derselben Sorte, wovon
"ch 12 Stunden nur in 6 Shilling ausdrücken. Die Arbeit von ausnahms-Weiser
 Produktivkraft wirkt als potenzierte [gesteigerte] Arbeit oder
“Chafft in gleichen Zeiträumen höhere Werte als die gesellschaftliche
 Durechschnittsarbeit derselben Art. Aber unser Kapitalist zahlt
‚ch wie vor nur 5 Shilling für den Tageswert der Arbeitskraft. Der
Arbeiter bedarf daher, statt früher 10, jetzt nur noch 7!/, Stunden
Ar Reproduktion dieses Wertes. Seine Mehrarbeit wächst daher
om 2U, Stunden, der von ihm produzierte Mehrwert von 1 auf
&amp;gt; Shilling. Der Kapitalist, der die verbesserte Produktionsweise an-Fendet,
 eignet sich daher einen größeren Teil des Arbeitstages für
die Mehrarbeit an, als die übrigen Kapitalisten in demselben Ge-‚hätt,
 Er tut im einzelnen, was das Kapital bei der Produktion des
‚lätiven Mehrwertes im großen und ganzen tut. Anderseits aber
Stschwindet jener Extramehrwert, sobald die neue Produktionsrise
 Sich verallgemeinert und damit die Differenz zwischen dem
Üividuellen Wert der wohlfeiler produzierten Waren und ihrem
(Sellschaftlichen Wert verschwindet. Dasselbe Gesetz der Wert-Stimmung
 durch die Arbeitszeit, das dem Kapitalisten mit der
ven Methode in der Form fühlbar wird, daß er seine Ware unter
ham gesellschaftlichen Wert verkaufen muß, treibt „Seine Mit-Werber
 als Zwangsgesetz der Konkurrenz zur Einführung der
%. (en Produktionsweise.* Die allgemeine Rate des Mehrwertes wird
W © durch den ganzen Prozeß schließlich nur berührt, wenn die Eral
 kung der Produktivkraft der Arbeit Produktionszweige ergriffen,
Le Waren verwohlfeilert hat, die in den Kreis der notwendigen
Sg USmittel eingehen, daher Elemente des Wertes der Arbeitskraft
N.
P Der Wert der Waren steht in umgekehrtem Verhältnis zur
 duktivkraft der Arbeit. Ebenso. weil durch Warenwerte he.

267

———

in: »W i bar mit wenig Arbeit viel | leistet und daher
Mlig Verkaufen. Kahn acht ich bestrebt sein, ebenso billig wie er zu verueten,
 So zwingt jede Erfindung, jedes Verfahren und jede Maschine,
nr 88 STmöglicht, eine Arbeit mit weniger Händen und folglich billiger
sel ühren, die andern zum Wetteifer, entweder dieselbe Erfindung, jas-N
 Verfahren oder dieselbe Maschine anzuwenden oder etwas Aehnlic es
ei “Anden, damit alle auf demselben Niveau bleiben und keiner SD S
Tage nen Nachbar zu unterbieten.“ („The Advantages of the East-©
 to England. London 1720“, D. 67)
        <pb n="313" />
        268

Vierter Abschnif

stimmt, der Wert der Arbeitskraft. Dagegen steht der relati"
Mehrwert in direktem Verhältnis zur Produktivkraft der Arbeit. EI
steigt mit steigender und fällt mit fallender Produktivkraft.
gesellschaftlicher Durchschnittsarbeitstag von 12 Stunden, den Gel
wert als gleichbleibend vorausgesetzt, produziert stets dasselbe wert
produkt, zum Beispiel von 6 Shilling, wie diese Wertsumme sic
immer verteile zwischen Aequivalent für den Wert der Arbeitskr#f
und Mehrwert. Fällt aber infolge gesteigerter Produktivkraft d*
Wert der täglichen Lebensmittel und daher der Tageswert &amp;amp;*
Arbeitskraft von 5 Shilling auf 3 Shilling, so wächst der Mehrwel
von 1 Shilling auf 3 Shilling. Um den Wert der Arbeitskraft ”
reproduzieren, waren 10 und sind jetzt nur noch 6 Arbeitsstund®
nötig. 4 Arbeitsstunden sind frei geworden und können dem Gebit
der Mehrarbeit zugefügt werden. Es ist daher der immanen“
Trieb und die beständige Tendenz des Kapitals, die Produktivkr#
der Arbeit zu steigern, um die Ware und durch die Verwohlfeileru!
der Ware den Arbeiter selbst zu verwohlfeilern.® ,
Der absolute Wert der Ware ist dem Kapitalisten, der gt
produziert, an und für sich gleichgültig. Ihn interessiert nur der EB
ihr steckende und im Verkauf realisierbare Mehrwert. Realisierw*
von Mehrwert schließt von selbst Ersatz des vorgeschossenen Wert®
ein. Da nun der relative Mehrwert in direktem Verhältnis
Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit wächst, während del
Wert der Waren in umgekehrtem Verhältnis zur selben Entwicklu*
fällt, da also derselbe identische Prozeß die Waren verwohlfeil®
und den in ihnen enthaltenen Mehrwert steigert, löst sich das Rätse
daß der Kapitalist, dem es nur um die Produktion von Tausch
zu tun ist, den Tauschwert der Waren beständig zu senken streb“
ein Widerspruch, womit einer der Gründer der politischen 0b“
nomie, Quesnay, seine Gegner quälte und worauf sie ihm die u
wort schuldig blieben. „Ihr gebt zu,“ sagt Quesnay, „daß, je m® e
man, ohne Nachteil für die Produktion, Kosten oder kostspiel®
Arbeiten in der Fabrikation industrieller Produkte ersparen kan
desto vorteilhafter diese Ersparung, weil sie den Preia des Mac

| 5 „In welchem Verhältnis auch die Auslagen eines Arbeiters ver
mindert werden, in demselben Verhältnis wird sein Lohn vermindert, wen
die Beschränkungen der Industrie zugleich aufgehoben werden.“ („CO
siderations concerning taking off the Bounty on Corn exportied etc. Londd
1752“, p. 7.) „Das Interesse von Industrie und Handel erfordert, daß Ko
und alle Lebensmittel möglichst billig seien; denn was sie verteuert, ven
teuert auch die Löhne... In allen Ländern, wo die Industrie nich
beschränkt ist, muß der Preis der Lebensmittel den Preis der ADS,
beeinflussen. Dieser wird steis sinken, wenn die Lebensmittel pi”
werden.“ (Ebenda, S, 3.) „Die Löhne sinken in demselben Verhäl®%,
in dem die Produktivkräfte steigen. Die Maschine verbilligt allerding? %
Lebensmittel, sie verbilligt aber zugleich auch den Arbeiter.“ („A P %
EeSay on AS comparative merits of Competition and Cooperation. Lond9
        <pb n="314" />
        Elttes Kapitel.

269

Werks vermindert. Und trotzdem glaubt ihr, daß die Produktion des
Reichtums, der aus den Arbeiten der Industriellen herkommt, in der
Vermehrung des Tauschwertes ihres Machwerkes besteht.“ *®
Ersparung an Arbeit durch Entwicklung der Produktivkraft der
Arbeit? bezweckt in der kapitalistischen Produktion also durchaus
cht. Verkürzung des Arbeitstages. Sie bezweckt nur Verkürzung
der für Produktion eines bestimmten Warenquantums notwendigen
Arbeitszeit. Daß der Arbeiter bei gesteigerter Produktivkraft seiner
Arbeit in einer Stunde zum Beispiel zehnmal mehr Ware als früher
Produziert, also für jedes Stück Ware zehnmal weniger Arbeitszeit
braucht, verhindert durchaus nicht, ihn nach wie vor 12 Stunden
uceiten und in den 12 Stunden 1200 statt früher 120 Stück prozieren
 zu lassen. Ja, sein Arbeitstag mag gleichzeitig verlängert
Verden, so daß er jetzt in 14 Stunden 1400 Stück produziert usw.
Man kann daher bei Oekonomen vom Schlage eines MacCulloch,
Ure, Senior, und wie sie alle heißen mögen, auf einer Seite lesen,
laß der Arbeiter dem Kapital für die Entwicklung der Produktiväfte
 Dank schuldet, weil sie die notwendige Arbeitszeit verkürzt,
Ad auf der nächsten Seite, daß er diesen Dank beweisen muß,
pam er statt 10 künftig 15 Stunden arbeitet. Die Entwicklung der
be duktivkraft der Arbeit, innerhalb der kapitalistischen Produktion,
“Weckt, den Teil des Arbeitstages, den der Arbeiter für sich selbst
aDSiten muß, zu verkürzen, um gerade dadurch den andern Teil
nn Arbeitstages, den er für den Kapitalisten umsonst arbeiten kann,
&amp;amp; Verlängern. Wie weit dies Resultat auch ohne Verwohlfeilerung
u ‚Waren erreichbar, wird sich zeigen in den besonderen Prox
 tionsmethoden des relativen Mehrwertes, zu deren Betrachtung
jetzt übergehen.

Elftes Kapitel.
Kooveration.

T Die kapitalistische Produktion beginnt, wie wir sahen, Sn de
AN Stst, wo dasselbe individuelle Kapital eine größere TE
"beiter gleichzeitig beschäftigt, der Arbeitsprozeß also seinen Um-Arts
 Quesnay: „Dialogues sur le Som mOrce et sur les Travaux des
728, 6d. Daire. Paris 1846“, p. 188, 189. , dt
zeh] ? »Diese Spekulanten, die so sehr an Arbeit der An die Se pe
dar CR Müßten, zu sparen suchen.“ (J. N. Bidault: „Du Mn € 2 Ss Un n
der les arts industriels et le commerce. Paris 1828“, pP. N „Der Unter-Dner
 Wird stets sein möglichstes. tun, um Zeit und Arbeit zu SA aer
N 9ald Stewart: Works ed. by Sir W. Hamilton. Edinburgh 1855, vol. II,
Rohr res On Political Economy“, p. 818.) „Ihr (der. Kapitalisten) Interesse
nö, dahin, daß die Produktivkräfte der Arbeiter, ‚die sie beschäftigen
dartichet groß seien. Ihre ganze Aufmerksamkeit ist fast ausschließlie
da gut Serichtet, diese Kraft zu steigern.“ (R. Jones: „Textbook of Lectures
{he Political Economy of Nations. Hertford 1852“, Lecture II.)
        <pb n="315" />
        270

Vierter Abschnit

fang erweitert und Produkt auf größerer quantitativer Stufenleit®
liefert. Das Wirken einer größeren Arbeiteranzahl zur selben Zeil
in demselben Raum (oder, wenn man will, auf demselben Arbeit“
feld), zur Produktion derselben Warensorte, unter dem Kommand
desselben Kapitalisten, bildet historisch und begrifflich den AW
gangspunkt der kapitalistischen Produktion. Mit Bezug auf die
Produktionsweise selbst unterscheidet sich zum Beispiel die Mal“
faktur in ihren Anfängen kaum anders von der zünftigen Handwer®®
industrie als durch die größere Zahl der gleichzeitig von demselb®
Kapital beschäftigten Arbeiter. Die Werkstatt des Zunftmeisters ®
nur erweitert.
Der Unterschied ist also zunächst bloß quantitativ. Man sah
daß die Masse des Mehrwertes, welche ein gegebenes Kapital p!
duziert, gleich dem Mehrwert, den. der einzelne Arbeiter niefer!
multipliziert mit der Anzahl der gleichzeitig beschäftigten Arbeite!
Diese Anzahl ändert an und für sich nichts an der Rate des Mehl
wertes oder dem Grad der Ausbeutung der Arbeitskraft, und @
Bezug auf die Produktion von Warenwert überhaupt scheint je
qualitative Veränderung des Arbeitsprozesses gleichgültig. Es
dies aus der Natur des Wertes. Vergegenständlicht sich ein zwöl
stündiger Arbeitstag in 6 Shilling, so 1200 solcher Arbeitstag®
6 Shilling X 1200, in 7200 Shilling. In dem einen Fall haben si
12 X 1200, also 14400 Arbeitsstunden, in dem andern 12 Arbeif
stunden den Produkten einverleibt. In der Wertproduktion zähle
viele immer nur als viele einzelne. Für die Wertproduktion mat
es also keinen Unterschied, ob 1200 Arbeiter vereinzelt produzie!®
oder vereint unter dem Kommando desselben‘ Kapitals. u
Indes findet doch innerhalb gewisser Grenzen eine Modifikal
[eine Abänderung] statt. In Wert vergegenständlichte Arbeit ist A g
beit von gesellschaftlicher Durchschnittsqualität, also die Aeußert,
einer durchschnittlichen Arbeitskraft. Eine _Durchschnittsgr? el
existiert aber immer nur als Durchschnitt vieler verschied®.
Größenindividuen derselben Art. In jedem Industriezweig weicht r
individuelle Arbeiter, Peter oder Paul, mehr oder minder vom Dur
schnittsarbeiter ab. Diese individuellen Abweichungen, welche mat”
matisch „Fehler“ heißen, heben sich gegenseitig auf und verschwind?
sobald man eine größere Anzahl Arbeiter zusammennimmt. Der a
rühmte Sophist und Sykophant Edmund Burke will aus seinen P" f
tischen Erfahrungen als Pächter sogar wissen, daß schon „für ei, ed
geringes Häuflein“ wie 5 Ackerknechte aller individuelle Unterschl“,
der Arbeit verschwindet, also die ersten besten im Mannes2l,
befindlichen 5 englischen Ackerknechte zusammengenommen in er
selben Zeit gerade soviel Arbeit verrichten als beliebige and
5 englische Ackerknechte.®* Wie dem auch sei, es ist klar, daß P
* „Unzweifelhaft besteht ein großer Unterschied zwischen dem Wert Se
Arbeiten verschiedener Menschen. Sie unterscheiden sich an Kraft ge
schicklichkeit und Aufmerksamkeit. Meine eigenen genauen Beobachtu®

x
        <pb n="316" />
        Ülites Kapitel.

271

(esamtarbeitstag einer größeren Anzahl gleichzeitig beschäftigter
Arbeiter, dividiert durch die Anzahl der Arbeiter, an und für sich
A Tag gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit ist. Der Arbeitstag des
“Nzelnen sei zum Beispiel zwölfstündig. So bildet der Arbeitstag
"on 12 gleichzeitig beschäftigten Arbeitern einen Gesamtarbeitstag
"ON 144 Stunden, und obgleich die Arbeit eines jeden des Dutzend
Mehr Oder minder von der gesellschaftlichen Durchschnittsarbeit ab-Weichen,
 der einzelne daher etwas mehr oder weniger Zeit zu der-Iben
 Verrichtung brauchen mag, besitzt der Arbeitstag jedes ein-“nen
 als 1/., des Gesamtarbeitstages von 144 Stunden die gesell-“haftliche
 Durchschnittsqualität. Für den Kapitalisten aber, der
nn Dutzend beschäftigt, existiert der Arbeitstag als Gesamtarbeits-8
 des Dutzend. Der Arbeitstag jedes einzelnen existiert als
zduoter Teil des Gesamtarbeitstages, ganz unabhängig davon, ob die
dl einander in die Hand arbeiten oder ob der ganze Zusammenne
 ihrer Arbeiten nur darin besteht, daß sie für denselben Kapita-S
 len. arbeiten. Werden dagegen von den 12 Arbeitern je 2 von
zo kleinen Meister beschäftigt, so wird es zufällig, ob jeder ein-Sne
 Meister dieselbe Wertmasse produziert und daher die all-Arteine
 Rate des Mehrwertes realisiert. Es fänden individuelle
2 Veichungen statt. Verbrauchte ein Arbeiter bedeutend mehr
St in der Produktion einer Ware, als gesellschaftlich erheischt ist,
voche die für ihn individuell notwendige Arbeitszeit bedeutend ab
ti der gesellschaftlich notwendigen oder der Durchschnittsarbeitskr,
 2, 0 gälte seine Arbeit nicht als Durchschnittsarbeit, seine Arbeitsat
 Nicht als durchschnittliche Arbeitskraft, Sie verkaufte sich
Dr Ächt oder nur unter dem Durchschnittswert der Arbeitskraft.
ang stimmtes Minimum der Arbeitsfertigkeit ist also vorausgesetzt,
Mit Wir werden später sehen, daß die kapitalistische Produktion
da tel findet, dies Minimum zu messen. Nichtsdestoweniger weicht
der Minimum vom Durchschnitt ab, obgleich auf der andern Seite
den Durchschnittswert der Arbeitskraft gezahlt werden muß. Von
al 6 Kleinmeistern würde der eine daher mehr, der andere weniger
ee allgemeine Rate des Mehrwertes herausschlagen. Die Unabe
 Leiten würden sich für die Gesellschaft gegenseitig aufheben,
üb * Nicht für den einzelnen Meister. Das Gesetz der Verwertung
“haupt realisiert sich also für den einzelnen Produzenten erst
kapı — “ .
Siem Mich aber überzeugt, daß jede beliebige Gruppe von 5 Männern in
SOlch, bestimmten Alter ebensoviel Arbeit leistet wie irgendeine andere
gen Gruppe. Das bedeutet, daß unter solchen 5 Männern einer alle
Währ haften eines guten Arbeiters besitzen wird, einer die eines schlechten,
letz A die andern 8 in der Mitte stehen und sich dem ersten und dem
Yon £ Mehr oder weniger annähern. Schon in einem so kleinen Häuflein
(Bisf Arbeitern findet sich also der richtige Durchschnitt der Arbeits-Mn
 ge ‚Von beliebigen 5 Leuten.“ (E. Burke: „Thoughts and Details
Rdiyiqu London 1800“, p. 16.) Vgl. Quetelet über das Durchschnittsm
        <pb n="317" />
        272

Vierter Abschnf

vollständig, sobald er als Kapitalist produziert, viele Arbeiter glei®
zeitig anwendet, also von vornherein gesellschaftliche Durchschniff
arbeit in Bewegung setzt.? |
Auch bei gleichbleibender Arbeitsweise bewirkt die ‚gleichzeit?
Anwendung einer größeren Arbeiteranzahl eine Revolution in 4%
gegenständlichen Bedingungen des Arbeitsprozesses. Baulichkeit®
worin viele arbeiten, Lager für Rohmaterial usw., Gefäße, D
strumente, Apparate usw., die vielen gleichzeitig oder abwechsel!‘
dienen, kurz ein Teil der Produktionsmittel wird jetzt gemeins®
im Arbeitsprozeß konsumiert. Einerseits wird der Tauschwert vol
Waren, also auch von Produktionsmitteln, durchaus nicht erböl
durch irgendwelche erhöhte Ausbeutung ihres Gebrauchswert“
Anderseits wächst der Maßstab der gemeinsam gebrauchten PO
duktionsmittel. Ein Zimmer, worin 20 Weber mit ihren 20 web
stühlen arbeiten, muß weiter gestreckt sein als das Zimmer ein?
unabhängigen Webers mit 2 Gesellen. Aber die Produktion ein“
Werkstatt für 20 Personen kostet weniger Arbeit als die voß L
Werkstätten für je 2 Personen, und so wächst überhaupt der wer
massenweise konzentrierter und gemeinsamer Produktionsmil®
nicht verhältnismäßig mit ihrem Umfang und ihrem Nutzeifekt. “
meinsam vernutzte Produktionsmittel geben geringeren Wertbesta?
teil an das einzelne Produkt ab, teils weil der Gesamtwert, den &amp;gt;
abgeben, sich gleichzeitig auf eine größere Produktenmasse ver
teilt, teils weil sie, im Vergleich zu vereinzelten Produktionsmit!®%
zwar mit absolut größerem, aber, ihren Wirkungskreis betracht”
mit relativ kleinerem Wert in den Produktionsprozeß eintret””
Damit sinkt ein Wertbestandteil des konstanten Kapitals, also pr
portionell zu seiner Größe, auch der Gesamtwert der Ware. O
Wirkung ist dieselbe, als ob die Produktionsmittel der Ware W”
feiler produziert würden. Diese Oekonomie [Ersparung] in der S
wendung der Produktionsmittel entspringt nur aus ihrem gem”,
samen Konsum im Arbeitsprozeß vieler. Und sie erhalten die
Charakter als Bedingungen gesellschaftlicher Arbeit oder get
schaftliche Bedingungen der Arbeit im Unterschied von den Te
splitterten und relativ kostspieligen Produktionsmitteln vereinze! @
selbständiger Arbeiter oder Kleinmeister, selbst wenn die viel
nur räumlich zusammen, nicht miteinander arbeiten. Ein Teil ©
Arbeitsmittel erwirbt diesen gesellschaftlichen Charakter, bevor *
der Arbeilsprozeß selbst erwirbt. A
Die Oekonomie der Produktionsmittel ist überhaupt von dopP g
tem Gesichtspunkt zu betrachten. Das eine Mal, soweit sie W?”
i6
* Herr Professor Roscher will entdeckt haben, daß 1 Nänmamselb %
während 2 Tagen von der Frau Professorin beschäftigt wird, mehr Ang
liefert als 2 Nähmamsellen, welche die Frau Professorin am selben de
beschäftigt. Der Herr Professor stelle seine Beobachtungen über %nf
kapitalistischen Produktionsprozeß nicht in der Kinderstube an und x
unter Umständen, worin die Hauptperson fehlt, der Kapitalist.
        <pb n="318" />
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3

Blftes Kapitel.

273

‘6rwohlfeilert und dadurch den Wert der Arbeitskraft senkt. Das
andere Mal, soweit sie das Verhältnis des Mehrwertes zum vor-SeSchossenen
 Gesamtkapital, das heißt zur Wertsumme seiner kon-Sänten
 und variablen Bestandteile, verändert. Der letztere Punkt
Wird erst im ersten Abschnitt des dritten Buches dieses Werkes er-"tert,
 wohin wir des Zusammenhangs wegen auch manches schon
Nierher Gehörige verweisen. Der Gang der Analyse gebietet diese
Zerreißung des Gegenstandes, die zugleich dem Geist der kapitatischen
 Produktion entspricht. Da hier nämlich die Arbeits-"dingungen
 dem Arbeiter selbständig gegenübertreten, erscheint
"uch ihre Oekonomie als eine besondere Operation, die ihn nichts
"geht und daher getrennt ist von den Methoden, welche ‚seine
ersönliche Produktivität erhöhen.
Die Form der Arbeit vieler, die in demselben Produktionsprozeß
Mer in verschiedenen, aber zusammenhängenden Produktions-PT
 Ozessen, planmäßig neben- und miteinander arbeiten, heißt
Kooperation.
‚ Wie die Angriffskraft einer Kavallerieschwadron oder die
n \derstandskraft eines Infanterieregiments wesentlich verschieden
x Von der Summe der von jedem Kavalleristen und Infanteristen
“Teinzelt entwickelten Angriffis- und Widerstandsstärke, so die
je chanische Kraftsumme vereinzelter Arbeiter von der gesellschaft-Sn
 0 Krafipotenz, die sich entwickelt, wenn viele Hände gleich-DE
 in derselben ungeteilten Operation zusammenwirken, zum
as Piel wenn es gilt, eine Last zu heben, eine Kurbel zu drehen
dern einen Widerstand aus dem Wege zu räumen.!! Die Wirkung
kombinierten Arbeit könnte hier von der vereinzelten gar nicht
an Nur in viel längeren Zeiträumen oder nur auf einem Zwerg-Eslab
 hervorgebracht werden. Es handelt sich hier nicht nur um
0 Shung der individuellen Produktivkraft durch die Kooperation,
ya dem um die Schöpfung einer Produktivkraft, die an und für sich
“Senkraft sein muß.11
z Abgesehen von der neuen Kraftpotenz, die aus der Verschmel-"ng
 Vieler Kräfte in eine Gesamtkraft entspringt, erzeugt bei den

Din

Draoy »Concours de forces, Zusammenwirken ee DE Ey de
© »Traite la Volonte6 et de ses effets, Pari ; Pı 05 ,
in Un »Es gibt siel Verrichtungen so einfacher Art, daß sie keine Tohlung
Viel Aerabteilungen zulassen, die aber doch nur durch das ESSEN
ine Paare von Händen besorgt werden können. Zum Beispiel as Heben
Sn Sroßen Balkens auf einen Karren... kurz, jede Arbeit, die nicht aus-A
 führt Werden kann, ohne daß viele Paare von Händen sich gegenseitig bei
(2. SSlben unteilbaren Verrichtung und zur selben Zeit unterstützen.
6 Wakefield: A View of the Art of Colonization. London 1849“, p. 168.)
ste.  »Während 1 Mann überhaupt nicht imstande ist und 10 Maın sich
je engen Müssen, eine Tonnenlast zu heben, brauchen 100 Mann nur mi
01 em Finger ” zuzufassen.“ (John Bellers; „Proposals for raising a
“de of industry. London 1696“, p. 21.)
Das Kapital 7
        <pb n="319" />
        274

Vierter Abschnifl

meisten produktiven Arbeiten der bloße gesellschaftliche Kontak
einen Wetteifer und eine eigene Erregung der Lebensgeister (anim#
spirits), welche die individuelle Leistungsfähigkeit der einzeln“
erhöhen, so daß ein Dutzend Personen zusammen in einem gleich
zeitigen Arbeitstag von 144 Stunden ein viel größeres Gesamtprodu
liefern als 12 vereinzelte Arbeiter, von denen jeder 12 Stunde?
oder als 1 Arbeiter, der 12 Tage nacheinander arbeitet.!? Die
rührt daher, daß der Mensch von Natur, wenn nicht, wie Aristotele
meint, ein politisches,!® jedenfalls ein gesellschaftliches Tier ist,
Obgleich viele dasselbe oder gleichartiges gleichzeitig mit
einander verrichten, kann die individuelle Arbeit eines jeden d®
noch als Teil der Gesamtarbeit verschiedene Phasen des Arbeif
prozesses selbst darstellen, die der Arbeitsgegenstand, infolge del
Kooperätion, rascher durchläuft. Zum Beispiel, wenn Maurer ein‘
Reihe von Händen bilden, um Bausteine vom Fuß eines Gerüstes DE
zu seiner Spitze zu befördern, tut jeder von ihnen dasselbe, ab
dennoch bilden die einzelnen Verrichtungen kontinwierliche [obot
Unterbrechung zusammenhängende] Teile einer Gesamtverrichtu$
besondere Phasen, die jeder Baustein im Arbeitsprozeß durchlauf®
muß, und wodurch ihn etwa die 24 Hände des Gesamtarbeit®”
rascher fördern, als die zwei jedes einzelnen Arbeiters, der ds:
Gerüst auf- und abstiege.!* Der Arbeitsgegenstand durchläuft de

12 „Es liegt auch dabei (wenn dieselbe Arbeiterzahl von ein
Pächter auf 800, statt von 10 Pächtern auf je 30 Aeres angewandt wa
ein Vorteil in der Zahl der zusammenarbeitenden Knechte, der wohl N N
vom Praktiker gewürdigt werden kann. Es erscheint selbstverständl®
daß sich 1:4 so verhält wie 83:12, Das gilt aber nicht für die Praf
Denn bei der Ernte sowie bei vielen andern Verrichtungen, die Eile „öl
machen, wird die Arbeit dadurch besser und rascher ausgeführt, daß Mr
Arbeitskräfte zusammengebracht werden. So schaffen bei der Er,
2 Fuhrleute, 2 Auflader, 2 Zureicher, 2 Recher und die übrigen am schob”
oder in der Scheune zusammen doppelt soviel, als dieselbe Zahl von Arbe fr
kräften erledigen würde, wenn sie in verschiedene Arbeitsgruppen auf %
schiedenen Pachtungen verteilt wäre.“ („An Enquiry into the Connectio® A
tween ihe present price of provisions and the bize of farms. By a far®
London 1778“, p. 7, 8.)
18 Aristoteles’ Definition ist eigentlich die, daß der Mensch von Na
Stadtbürger. Sie ist für das klassische Altertum ebenso charakterist® f
wie Franklins Definition, daß der Mensch von Natır Instrumentenmat“
für das Yankeetum. dl
1M „Man muß auch bemerken, daß diese teilweise Arbeitsteilung A
dort eintreten kann, wo alle Arbeiter mit der gleichen Arbeit pesch# 2
sind, Maurer zum Beispiel, die Ziegel von Hand zu Hand zu einem höh Ce
Gerüst gehen lassen, verrichten alle die gleiche Arbeit, und doch gibt eb
unter ihnen eine Art Arbeitsteilung, die darin besteht, daß jeder von De
den Ziegel eine gewisse Strecke weit befördert und daß alle zusamme? or
viel schneller an sein Ziel gelangen lassen, als es geschähe, wenn jed®” up
ihnen seinen Ziegel für sich auf das höhere Gerüst hinauftrüge.“ (F. Skat
„Theorie des richesses sociales. 2&amp;amp;me 6d. Paris 1840“, vol. I. D. 97. 98.)
        <pb n="320" />
        t

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36

aß,

Elttes Kapitel,

275

5elben Raum in kürzerer Zeit. Anderseits findet Kombination der
Arbeit statt, wenn ein Bau zum Beispiel von verschiedenen Seiten
Sleichzeitig angegriffen wird, obgleich die Kooperierenden dasselbe
gleichartiges tun. Der kombinierte Arbeitstag von 144 Stunen
 der den Arbeitsgegenstand vielseitig im Raum angreift, weil
A kombinierte Arbeiter oder Gesamtarbeiter vorn und hinten
ed und Hände hat und in gewissem Grade Allgegenwart beia
 zt, fördert das Gesamtprodukt rascher als 12 zwölfstündige Arbeitsx
 mehr oder minder vereinzelter Arbeiter, die ihr Werk ein-Rger
 angreifen müssen. In derselben Zeit reifen verschiedene
äumteile des Produkts.
a Wir betonten, daß die vielen, die einander ergänzen, dasselbe
Arte „gleichartiges tun, weil diese einfachste Form gemeinsamer
et Sit auch in der ausgebildetsten Gestalt der Kooperation eine
den Rolle spielt. Ist der Arbeitsprozeß kompliziert, so erlaubt
0 bloße Masse der Zusammenarbeitenden, die verschiedenen
zei onen unter verschiedene Hände zu verteilen, daher gleich-Prod
 Zu verrichten und dadurch die zur Herstellung des Gesamtükts
 nötige Arbeitszeit zu verkürzen.!$
tar vielen Produktionszweigen gibt es kritische Momente, das
hoc durch die Natur des Arbeitsprozesses selbst bestimmte Zeitnü
 Chen, während deren bestimmte Arbeitsresultate erzielt werden
Mor R- Soll zum Beispiel eine Herde Schafe geschoren oder eine
Yu Cnanzahl Kornland gemäht und geherbstet werden, so hängt
nor tät und Qualität des Produkts davon ab, daß die Operation zu
Wir 4. gewissen Zeit begonnen und zu einer gewissen Zeit beendet
Yore., Der Zeitraum, den der Arbeitsprozeß einnehmen darf, ist hier
aus schrieben, wie etwa beim Heringsfang. Der einzelne kann
ag 2 Tag nur einen Arbeitstag herausschneiden, sage von 12
2WölL ©h, aber die Kooperation von 100 zum Beispiel erweitert einen
Rür Stündigen Tag zu einem Arbeitstag von 1200 Stunden. Die
beitse der Arbeitsfrist wird kompensiert durch die Größe der Arfeld
 Masse, die im entscheidenden Augenblick auf das Produktions--
 Seworfen wird.!® Die rechtzeitige Wirkung hängt hier ab von
dann „Handelt es sich um die Ausführung einer komplizierten Arbeit,
Ührt ae sen mehrere Verrichtungen zugleich gemacht werden. Der eine
ünd all © eine aus, während der andere eine andere gleichzeitig verrichtet,
zielen Zusammen tragen zu einem Ergebnis bei, das ein einzelner nicht zu
Soon imstande gewesen wäre. Der eine rudert, während ‚der andere ‚das
dd yo De und ein dritter das Netz auswirft oder den Fisch harpuniert,
Aümögı: at der Fischfang einen Erfolg, der ohne dieses Zusammenwirken
Sog eltern gewesen wäre.“ (Destult de Tracy: „Trait6 de la Volont6 et de
16 5 Paris 1826“, p. 78.)
ÖMick »Daß sie (die Arbeit in der Agrikultur) im entscheidenden Augen-Ihe
 C ‚Seschieht, ist von um so größerer Wichtigkeit.“. („An Enquiry into
Bibt es nection between the present price ete.“, p. 9.) „In der Agrikultur
"Ueber keinen wichtigeren Faktor, als! den Faktor der Zeit.“ . (Liebig:
Theorie und Praxis in der Landwirtschaft. 1856“, S. 23.) “
        <pb n="321" />
        276

Vierter Abschnitt

der gleichzeitigen Anwendung vieler kombinierten Arbeitstage, de!
Umfang des Nutzeffekts von der Arbeiteranzahl, die jedoch stet
kleiner bleibt als die Anzahl der Arbeiter, die vereinzelt in del
selben Zeitraum denselben Wirkungsraum ausfüllen würden. EZ
ist der Mangel dieser Kooperation, wodurch im Westen der Ver
einigten Staaten eine Masse Korn und in den Teilen Ostindiens, W
englische Herrschaft das alte Gemeinwesen zerstört hat, eine Mas®
Baumwolle jährlich verwüstet wird.!?
Auf der einen Seite erlaubt die Kooperation, die Raumsphäre da
Arbeit auszurecken und wird daher für gewisse Arbeitsprozes*
schon durch den räumlichen Zusammenhang des Arbeitsgege”
standes erheischt, wie bei Trockenlegung von Land, Eindämmul®
Bewässerung, Kanal-, Straßen-, Eisenbahnbauten usw. Anderseiß®
ermöglicht sie, verhältnismäßig zur Stufenleiter der Produktioh
räumliche Verengung des Produktionsgebiets. Diese Beschränku$
der Raumsphäre der Arbeit bei gleichzeitiger Ausdehnung ihre
Wirkungssphäre, wodurch eine Masse falscher Kosten (faux £raiß)
erspart werden, entspringt aus der Konglomeration [der Zusamme
drängung] der Arbeiter, dem Zusammenrücken verschiedener 4°
beitsprozesse und der Konzentration der Produktionsmittel.1s vs
Verglichen mit einer gleich großen Summe vereinzelter indit"
dueller Arbeitstage, produziert der kombinierte Arbeitstag größe!‘
Massen von Gebrauchswert und vermindert daher die zur P ro
duktion eines bestimmten Nutzeffekts nötige Arbeitszeit. Ob er AM
gegebenen Fall diese gesteigerte Produktivkraft erhält, weil er a
mechanische Kraftpotenz der Arbeit erhöht, oder ihre räu
liche Wirkungssphäre ausdehnt, oder das räumliche Produktionsf®.
im Verhältnis zur Stufenleiter der Produktion verengt, oder im }?
schen Moment viel Arbeit in wenig Zeit flüssig macht, oder de
ır „Ein weiterer Uebelstand, den kaum jemand in einem Lande
zutreffen erwarten wird, das mehr Arbeit exportiert als irgendein ande,
der Welt, mit Ausnahme vielleicht von China und England, ist die te
möglichkeit, eine genügende Menge von Arbeitskräften zur Baumwoller,
aufzubringen. Die Folge davon ist, daß große Massen der Früchte
gepflückt bleiben, während ein anderer Teil erst von der Erde aufgele®
wird, wenn die Frucht zu Boden gefallen ist und die Baumwolle natürle,
verfärbt und zum Teil verdorben ist, so daß deshalb, weil es zur richtiß”
Zeit an Arbeitern mangelt, der Pflanzer sich in den Verlust eines groß ;
Teiles der Ernte schicken muß, nach der England so besorgt ausblic®)
(Bengal Hurkarı. Bi-Monthly Overland Summary of News. 22nd July 1%,
‘8 „Beim Fortschritt der Bodenbebauung wird alles Kapital und ;chl
Arbeit, die früher über 500 Acres weit verstreut waren, und vielle p
noch mehr, nun zur gründlichen Beackerung von 100 Acres verwend”,
Obgleich „der Raum sich im Verhältnis zum angewandten Betrag® pr
Kapital und Arbeit verringert hat, bietet er doch eine erweiterte ur
duktionssphäre im Vergleich zu der, die früher von einem einzelne® A
abhängigen Produzenten besetzt und bearbeitet wurde.“ (R. Jones gaß“
Essay on the Distribution of Wealth. Part I. On Rent. London 1
p. 191, 199.)
        <pb n="322" />
        er
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U

A]

Elites Kapitel.

Wetteifer der einzelnen erregt und ihre Lebensgeister spannt, oder
den gleichartigen Verrichtungen vieler den Stempel der Kontinuität
Ind Vielseitigkeit aufdrückt, oder verschiedene Operationen gleich-‘eitig
 verrichtet, oder die Produktionsmittel durch ihren gemeinhaftlichen
 Gebrauch ökonomisiert, oder der individuellen Arbeit
len Charakter gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit verleiht, unter
Allen Umständen ist die spezifische Produktivkraft des kombinierten
Atbeitstages gesellschaftliche Produktivkraft der Arbeit oder Pro-Iuktivkraft
 gesellschaftlicher Arbeit. Sie entspringt aus der Ko-‚Peration
 selbst. Im planmäßigen Zusammenwirken mit andern
reift der Arbeiter seine individuellen Schranken ab und entwickelt
‘in Gattungsvermögen.!® .
„Wenn Arbeiter überhaupt nicht unmittelbar zusammenwirken
önnen, Ohne zusammen zu sein, ihre Zusammendrängung auf betumtem
 Raum daher Bedingung ihrer Kooperation ‘ist, können
K huarbeiter nicht kooperieren, ohne daß dasselbe Kapital, derselbe
„Pitalist sie gleichzeitig anwendet, also ihre Arbeitskräfte gleich-8
 kauft. Der Gesamtwert dieser Arbeitskräfte, oder die Lohname
 der Arbeiter für den Tag, die Woche USW., muß daher in
Tasche des Kapitalisten vereint sein, bevor die Arbeitskräfte
) Dst. im Produktionsprozeß vereint werden. Zahlung von 300 Arm
 auf einmal, auch nur für einen Tag, bedingt mehr Kapitalsje
 age als Zahlung weniger Arbeiter Woche für Woche während
di Sanzen Jahres. Die Anzahl der kooperierenden Arbeiter, oder
Stufenleiter der Kooperation, hängt also zunächst ab von der
An des Kapitals, das der einzelne Kapitalist im Ankauf von
Kar liskraft auslegen kann, das heißt von dem Umfang, worin je ein
“Pitalist über die Lebensmittel vieler Arbeiter verfügt.

577

1
eye »Die Kraft des einzelnen ist sehr gering, aber die Vereinigung
Sümam Seringen Kräfte bildet eine Gesamtkraft, die größer ist als die
lie Ze aller Teilkräfte. Daher kann schon die bloße Vereinigung der Kräfte
Wirkt « dauer vermindern und das Gebiet erweitern, worin ihre Arbeit
AMerst (GR. Carli, Note zu P.Verri: „Meditazioni sulla Economia Politica“
Süstogr Zedruckt 1773) in der Ausgabe der italienischen Oekonomen von
Sabe, Parte Moderna, vol. XV, p. 196.) — Zusatz zur französischen Aus-Anz?
 Pie gemeinschaftliche Arbeit erzielt Resultate, die die Arbeit des
Zahl z U nie ergeben könnte. In dem Maße, in dem die Menschheit an
Vieles ae amt, werden die Produkte des vereinigten Gewerbefleißes um
Türmen © Summe überschreiten, die durch bloßes Addieren auf Grund dieser
den Abaig gewonnen würde. . .. In den mechanischen Künsten wie in
Mehr leisı ten der Wissenschaft kann ein Mensch tatsächlich in einem Tage
der sn als ein vereinzeltes Individuum während seines ganzen Lebens.
Se, ist der Mathematiker, daß das Ganze gleich ist der Summe seiner
In bezug Cht mehr richtig, wenn man ihn auf unsern Gegenstand anwendet.
dit, k 8 auf die Arbeit, diesen großen Pfeiler des Bestehens der Mensch-Alles
 N) Man sagen, daß das Produkt vereinigter Anstrengungen bedeutend
"tYorbrin tigt, was die Anstrengungen vereinzelter Individuen jemals
‘ngen könnten.“ (Th. Sadler: „The Law of Population London 1850.“)
        <pb n="323" />
        278

Vierter Abschnif

Und wie mit dem variablen, verhält es sich mit dem konstant®
Kapital. Die Auslage für Rohmaterial zum Beispiel ist dreißigm*
größer für 1 Kapitalisten, der 300, als für jeden der 30 Kapitaliste?
die je 10 Arbeiter beschäftigen. Wertumfang und Stoffmasse del
gemeinsam benutzten Arbeitsmittel wachsen zwar nicht in de”
selben Grad wie die beschäftigte Arbeiteranzahl, aber sie wachs
beträchtlich. Konzentration größerer Massen von Produktionsmitie”
in der Hand einzelner Kapitalisten ist also materielle Bedingung MB
die Kooperation von Lohnarbeitern, und der Umfang der Koopt!*
tion, oder die Stufenleiter der Produktion, hängt ab vom Umfant
dieser Konzentration. ,
Ursprünglich erschien eine gewisse Minimalgröße des ind
viduellen Kapitals notwendig, damit die Anzahl der gleichzeitig auf
gebeuteten Arbeiter, daher die Masse des produzierten Mehrwert“
hinreiche, den Arbeitsanwender selbst von der Handarbeit zu eo!
binden, aus einem Kleinmeister einen Kapitalisten zu machen ur
so das Kapitalverhältnis formell herzustellen. Sie erscheint jet
als materielle Bedingung für die Verwandlung vieler zersplitterte
und voneinander unabhängiger individueller Arbeitsprozess® B
einen kombinierten gesellschaftlichen Arbeitsprozeß. PR
Ebenso ‚erschien ursprünglich das Kommando des Kapitals übe
die Arbeit nur als formelle Folge davon, daß der Arbeiter st
für sich, für den Kapitalisten und daher unter dem Kapitalist”
arbeitet. Mit der Kooperation vieler Lohnarbeiter entwickelt si
das Kommando des Kapitals zum Erheischnis für die Ausführu
des Arbeitsprozesses selbst, zu einer wirklichen Produktioh
bedingung. Der Befehl des Kapitalisten auf dem Produktionsf® N
wird jetzt so unentbehrlich wie der Befehl des Generals auf %°
Schlachtfeld. j
Alle unmittelbar gesellschaftliche oder gemeinschaftliche Ar“
auf größerem Maßstab bedarf mehr oder minder einer Direkt”.
welche die Harmonie der individuellen Tätigkeiten vermittelt
die allgemeinen Funktionen vol'lzieht, die aus der Bewegung ß
produktiven Gesamtkörpers im Unterschied von der Beweg%r
seiner selbständigen Organe entspringen. Ein einzelner Volt
spieler dirigiert sich selbst, ein Orchester bedarf des Musikdirekt0"
Diese Funktion der Leitung, Ueberwachung und Vermittlung vr“
zur Funktion des Kapitals, sobald die ihm untergeordnete ArDe
kooperativ wird. Als spezifische Funktion des Kapitals erhält
Funktion der Leitung spezifische Charaktermale, BR
Zunächst ist das treibende Motiv und der bestimmende Ze
des kapitalistischen Produktionsprozesses möglichst große Sol
verwertung des Kapitals,?® das heißt möglichst große Produktion gel
Mehrwert, also möglichst große Ausbeutung der Arbeitskraft dar
den Kapitalisten. Mit der Masse der gleichzeitig beschäftigte® gr
20 „Profitmachen , . . ist der einzige Zweck des Geschäfts.“ (van
lnt: „Money answers all Things. London 1734“. p. 11.)
        <pb n="324" />
        Elfies Kapitel.
Veiter wächst ihr Widerstand und damit notwendig der Druck des
üpitals zur Bewältigung dieses Widerstandes. Die Leitung des
‚apitalisten ist nicht nur eine aus der Natur des gesellschaftlichen
Rn beitsprozesses entspringende und ihm angehörige besondere
Unktion, sie ist zugleich Funktion der Ausbeutung eines gesell-“haftlichen
 Arbeitsprozesses und daher bedingt durch den unverweidlichen
 Gegensatz zwischen dem Ausbeuter und dem Rohmaterial
Kon 7 Ausbeutung, Ebenso wächst mit dem Umfang der Produk-"
 üSmittel, die dem Lohnarbeiter als fremdes Eigentum gegenüberyon,
 die Notwendigkeit der Kontrolle über deren sachgemäße
an endung.?*! Die Kooperation der Lohnarbeiter ist ferner bloße
say Kung des Kapitals, das sie gleichzeitig anwendet. Der Zu-Ge
 menhang ihrer Funktionen und ihre Einheit als produktiver
ber amitkörper liegen außer ihnen, im Kapital, das sie zusammenhet
 und zusammenhält. Der Zusammenhang ihrer Arbeiten tritt
gen. daher ideell als Plan, praktisch als Autorität des Kapitalisten
7 Cenüber, als Macht eines fremden Willens, der ihr Tun seinem
‘Weck unterwirft.
sen Venn daher die kapitalistische Leitung dem Inhalt nach zwiea
 an tig ist, wegen der Zwieschlächtigkeit des zu leitenden Probein
 LSprozesseS selbst, welcher einerseits gesellschaftlicher Ardro
 Sprozeß zur Herstellung eines Produkts, anderseits Verwertungs-Ent
 des Kapitals, so ist sie der Form nach despotisch. Mit der
diese Kung der Kooperation auf größerem Maßstab entwickelt
list er Despotismus seine eigentümlichen Formen. Wie der Kapitajene
 mächst entbunden wird von der Handarbeit, sobald sein Kapital
Pro d Minimalgröße erreicht hat, womit die eigentlich kapitalistische
Und getion erst beginnt, so tritt er jetzt die Funktion unmittelbarer
beite Ortwährender Beaufsichtigung der einzelnen Arbeiter und Ararbeue
 Uppen selbst wieder ab an eine besondere Sorte von Lohn-Komu
 Wie eine Armee militärischer, bedarf eine unter dem
dag And desselben Kapitals zusammenwirkende Arbeitermasse
(Ar Teller Oberoffiziere (Dirigenten, managers) und Unteroffiziere
des Asaufseher, foremen, overlookers, contremaitres), die während
&amp;gt; AYbeitsprozesses im Namen des Kapitals kommandieren. Die
tchter Ein englisches Philisterblatt, der „Spectator“ vom 8. Juni 1866, be-Kapital
 daß nach Einführung einer Art von Kompaniegeschäft zwischen
egstep St und Arbeitern in der Gesellschaft für Drahtfabrikation in Mandung.
 das erste Ergebnis war eine rasche Abnahme der Materialverschwenhen
 En die Arbeiter sahen nicht ein, warum sie ihr Eigentum mehr verche
 €N sollten als irgendwelche andere Unternehmer das ihrige; Material-Osten
 ang ist aber wohl nächst schlechten Außenständen die Quelle des
Manga erlustes in der Fabrikation.“ Dasselbe Blatt entdeckt als Grund-Arbeit
 der Rochdaler genossenschaftlichen Versuche: „Sie bewiesen, daß
der Ina, nossenschaften Kramläden, Fabriken und beinahe alle Formen
Tdentlieh a mit Erfolg handhaben können, und sie verbesserten außer- htbare
 die Lage der Leute selbst, aber!, aber dann ließen sie keinen
N Platz für Kapitalisten offen.“ Schrecklich!

279
        <pb n="325" />
        280

Vierter Abschnit

Arbeit der Oberaufsicht befestigt sich zu ihrer ausschließlich?
Funktion. Bei Vergleichung der Produktionsweise unabhängig*
Bauern oder selbständiger Handwerker mit der auf Sklaverei be
ruhenden Plantagenwirtschaft, zählt der politische Oekonom dies
Arbeit der Oberaufsicht zu den Faux frais de production [den U”
wirtschaftlichen Kosten der Produktion].?* Bei Betrachtung der
kapitalistischen Produktionsweise identifiziert er dagegen die Funk
tion der Leitung, so weit sie aus der Natur des gemeinschaftlich®
ÄArbeitsprozesses entspringt, mit derselben Funktion, soweit sie dur)
den kapitalistischen und daher antagonistischen [auf einem Gegen
satz beruhenden] Charakter dieses Prozesses bedingt wird.” Der
Kapitalist ist nicht Kapitalist, weil er industrieller Leiter ist, sonder?
er wird industrieller Befehlshaber, weil er Kapitalist ist. Der ober
befehl in der Industrie wird Attribut des Kapitals, wie zur Feudz!
zeit der Oberbefehl in Krieg und Gericht Attribut des Grundeig®
tums war.?2 |
Eigentümer seiner Arbeitskraft ist der Arbeiter, so lang® 8
als Verkäufer derselben mit dem Kapitalisten marktet, und er kat
nur verkaufen, was er besitzt, seine individuelle, vereinzelte Arbeiß
kraft. Dies Verhältnis wird in keiner Weise dadurch verändern
daß der Kapitalist 100 Arbeitskräfte statt einer kauft oder mit Te
voneinander unabhängigen Arbeitern Kontrakte schließt statt w
einem einzelnen. Er kann die 100 Arbeiter anwenden, ohne SE
kooperieren [zusammenwirken] zu lassen. Der Kapitalist zahlt dabl
den Wert der 100 selbständigen Arbeitskräfte, aber er zahlt ni
die kombinierte Arbeitskraft der Hundert. Als unabhängige per
sonen sind die Arbeiter Vereinzelte, die in ein Verhältnis zu del
selben Kapital, aber nicht zueinander treten. Ihre Kooperation be
ginnt erst im Arbeitsprozeß, aber im Arbeitsprozeß haben sie here”
aufgehört, sich selbst zu gehören., Mit dem Eintritt in denselb!
sind sie dem Kapital einverleibt. Als Kooperierende, als Glied?
eines werktätigen Organismus, sind sie selbst nur eine besond®
218 Nachdem Professor Cairnes die „superintendence of labour“, GE
Ueberwachung der Arbeit] als einen Hauptcharakter der Sklavenprodult,
in den südlichen Staaten von Nordamerika dargestellt hat, fährt er fo ef
„Dem bäuerlichen Eigentümer (des Nordens) fällt das ganze Produkt Ser
Bodens zu, er bedarf daher keines andern Ansporns zur Anstrengung. Ve ‚el.
wachung wird hier vollständig überflüssig.“ (Cairnes: „The Slave PoW
London 1862“, p. 48, 49.) @
22 Sir James Steuart, überhaupt ausgezeichnet durch offenes Aug® fi
die charakteristisch-gesellschaftlichen Unterschiede verschiedener P v0
tionsweisen, bemerkt: „Große Unternehmungen in der Manufaktur 8
nichten die Einzelbetriebe deshalb, weil sie sich der Einfachheit der Saar 1
wirtschaft nähern.“ („Principles of Political Economy. London 1767“, vo
p. 167, 168.) A
22a Auguste Comte und seine Schule hätten daher in derselbe? ge
die ewige Notwendigkeit von Feudalherren beweisen können, wie S$®
für die Kapitalherren getan.
        <pb n="326" />
        Elttes Kapitel. ;
Existenzweise des Kapitals. Die Produktivkraft, die der Arbeiter
als gesellschaftlicher Arbeiter entwickelt, ist daher Produktivkraft
des Kapitals. Die gesellschaftliche Produktivkraift der Arbeit entykelt
 sich unentgeltlich, sobald die Arbeiter unter bestimmte Beae
 ungen gestellt sind, und das Kapital stellt sie unter diese Begesungen.
 “Weil die gesellschaftliche Produktivkraft der Arbeit
m Kapital nichts kostet, weil sie anderseits nicht von dem Arbeiter
Miwickelt wird, bevor seine Arbeit selbst dem Kapital gehört, er-Scheint
 sie als Produktivkraft, die das Kapital von Natur besitzt, als
le immanente Produktivkrait.
4 Kolossal zeigt sich die Wirkung der einfachen Kooperation in
© Riesenwerken der alten Asiaten, Aegypter, Etrusker usw. „Es
pschah in vergangenen Zeiten, daß diese asiatischen Staaten nach
ya reitung ihrer Zivil- und Militärausgaben sich im Besitz eines
pererschusses von Lebensmitteln befanden, die sie für Werke der
pt und des Nutzens verausgaben konnten. Ihr Kommando
B Sr die Hände und Arme fast der ganzen nicht ackerbauenden
ass lkerung und die ausschließliche Verfügung des Monarchen und
MO Priesterschaft über jenen Ueberschuß boten ihnen die Mittel
ia Errichtung jener mächtigen Monumente, womit sie das Land
% üllten. ... In der Bewegung der kolossalen Statuen und der
ner men Massen, deren Transport Staunen erregt, wurde fast nur
Arbechliche Arbeit verschwenderisch angewandt. Die Zahl der
Wir ölter und die Konzentration ihrer Mühen genügte. So sehen
Sch mächtige Korallenriffe aus den Tiefen des Ozeans zu Inseln an-In
 Wellen und festes Land bilden, obgleich jeder individuelle Abare
 (depositary) winzig, schwach und verächtlich ist. Die nicht
ihr Srbauenden Arbeiter einer asiatischen Monarchie haben außer
drin. individuellen körperlichen Bemühungen wenig zum Werk zu
Über aber ihre Zahl ist ihre Kraft, und die Macht der Direktion
War. diese Massen gab jenen Riesenwerken den Ursprung. Es
ine die Konzentration der Revenüen, wovon die Arbeiter leben, in
nö Lorland oder wenigen Händen, welche solche Unternehmungen
der Ch machte.“? Diese Macht asiatischer und ägyptischer Könige
Schaf etruskischer Theokraten usw. ist in der modernen Gesellopti
 auf den Kapitalisten übergegangen, ob er nun als vereinzelter
ter Kst auftritt oder, wie bei Aktiengesellschaften, als kombinieräpitalist.

an Die Kooperation im Arbeitsprozeß, wie wir sie in den Kultur--
 hgen der Menschheit, bei Jägervölkern 2% oder etwa in der
Was R, Jones: „Textbook of Lectures etc. Hertford 1852“, p, 77, 78, Die
Mropar een, ägyptischen usw. Sammlungen in London und andern
Arbeiten Hauptstädten machen uns zu Augenzeugen jener kooperativen
ASprozesse,
recht Linguet in seiner „Th6orie des Lois eiviles“ hat vielleicht nicht
Mensen. wenn er die Jagd für die erste Form der Kooperation uud
enjagd (Krieg) für eine der ersten Formen der Jagd erklärt.

281
        <pb n="327" />
        282

Vierter Abschnitt

Agrikultur indischer Gemeinwesen vorherrschend finden, berub
einerseits auf dem Gemeineigentum an den Produktionsbedingunge”
anderseits darauf, daß das einzelne Individuum sich von der Nabel
schnur des Stammes oder des Gemeinwesens noch ebensowenig 16%
gerissen hat, wie das Bienenindividuum vom Bienenstock. Beide®
unterscheidet sie von der kapitalistischen Kooperation.‘ Die spor*
dische [vereinzelte] Anwendung der Kooperation auf großem Maß
stab in der antiken Welt, dem Mittelalter und den modernen Koloniel
beruht auf unmittelbaren Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnissel
zumeist auf der Sklaverei. Die kapitalistische Form setzt dageg®®
von vornherein den freien Lohnarbeiter voraus, der seine Arbeit
kraft dem Kapital verkauft. Historisch, jedoch entwickelt sie si®
im Gegensatz zur Bauernwirtschaft und zum unabhängigen Hanf
werksbetrieb, ob dieser zünftige Form besitze oder nicht.?* Ihne
gegenüber erscheint die kapitalistische Kooperation nicht als ein®
besondere historische Form der Kooperation, sondern die Koope!”
tion selbst als eine dem kapitalistischen Produktionsprozeß eige
tümliche und ihn spezifisch unterscheidende historische Form.
Wie die durch die Kooperation entwickelte gesellschaftlich‘
Produktivkraft der Arbeit als Produktivkraft des Kapitals erscheint
so die Kooperation selbst als eine spezifische Form des kapita}
stischen. Produktionsprozesses im Gegensatz zum _Produktio®®
prozeß vereinzelter unabhängiger Arbeiter oder auch Kleinmeist®%
Es ist die erste Aenderung, welche der wirkliche Arbeitsproz*
durch seine Subsumtion [seine Unterordnung] unter das Kapital *
fährt. Diese Aenderung geht naturwüchsig vor sich. Ihre Vorau“
setzung, gleichzeitige Beschäftigung einer größeren Anzahl von Lob
arbeitern in demselben Arbeitsprozeß, bildet den Ausgangspunkt 0
kapitalistischen Produktion. Dieser fällt mit dem Dasein ge
Kapitals selbst zusammen. Wenn sich die kapitalistische Pr
duktionsweise daher einerseits als historische Notwendigkeit für Be
Verwandlung des Arbeitsprozesses in einen gesellschaftlich”
Prozeß darstellt, so anderseits diese gesellschafiliche Form de
Arbeitsprozesses als eine vom Kapital angewandte Methode, um ib
durch Steigerung seiner Produktivkraft profitlicher auszubeutel- #
In ihrer bisher betrachteten einfachen Gestalt fällt die Koop®
tion zusammen mit der Produktion auf größerer Stufenleiter, bild”
aber keine feste, charakteristische Form einer besonderen Entwi‘ f
lungsepoche der kapitalistischen Produktionsweise. Höchstens Sl
scheint sie annähernd so in den noch handwerksmäßigen Anfäng®

‚4 Die kleine Bauernwirtschaft und der unabhängige Handwer!“
betrieb, die beide teils die Basis der feudalen Produktionsweise bild”
teils nach deren Auflösung neben dem kapitalistischen Betrieb erschein®
bilden zugleich die ökonomische Grundlage der klassischen Gemeinwe®? )
zu ihrer besten Zeit, nachdem sich das ursprünglich orientalische Gem
eigentum aufgelöst, und bevor sich die Sklaverei der Produktion ernsth
hbemächtigt hat.
        <pb n="328" />
        4

ht

I
al

5”
24

ar
3
2
Ds
A
3

(wölltes Kapitel.

583

ler Manufaktur® und in jener Art großer Agrikultur, welche der
lanufakturperiode entspricht und sich wesentlich nur durch die
lasse der gleichzeitig angewandten Arbeiter und den Umfang der
Onzentrierten Produktionsmittel von der Bauernwirtschaft unter-Cheidet.
 Die einfache Kooperation ist stets noch vorherrschende
"orm Solcher Produktionszweige, worin das Kapital auf großer
Mufenleiter operiert, ohne daß Teilung der Arbeit oder Maschinerie
“l8 bedeutende Rolle spielte.
Die Kooperation bleibt die Grundform der kapitalistischen Proluktionsweise,
 obgleich ihre einfache Gestalt selbst als besondere
‘Or neben ihren weiter entwickelten Formen erscheint.

hy

1
D
8

%

Zwölftes Kapitel.
Teilung der Arbeit und Manufaktur.
Li. Doppelter Ursprung der Manufaktur.
Ar Die auf Teilung der Arbeit beruhende Kooperation schafft sich
ha klassische [hervorragendste] Gestalt in der Manufaktur. Als
zen kteristische Form des kapitalistischen Produktionsprozesses
n Yscht sie vor während der eigentlichen Manufakturperiode, die
a vom Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum letzten Dritteil
- Währt.
Die Manufaktur entspringt auf doppelte Weise.
Han Antweder werden Arbeiter von verschiedenartigen, selbständigen
Reit Werken, durch deren Hände ein Produkt bis zu seiner letzten
Kapıt laufen muß, in eine Werkstatt unter dem Kommando desselben
dog m üsten vereinigt. Zum Beispiel eine Kutsche war das Gesamtve
 der Arbeiten einer großen Anzahl unabhängiger Handdre
 er, wie Stellmacher, Sattler, Schneider, Schlosser, Gürtler,
Die Ser, Posamentierer, Glaser, Maler, Lackierer, Vergolder usw.
we Utschenmanufaktur vereinigt alle diese verschiedenen Handbeit
 in ein Arbeitshaus, wo sie einander gleichzeitig in die Hand
Dem ten. Man kann eine Kutsche zwar nicht vergolden, bevor sie
kann et ist. Werden aber viele Kutschen gleichzeitig gemacht, so
ine be Teil beständig vergoldet werden, während ein anderer Teil
ehe Frühere Phase des Produktionsprozesses durchläuft. So weit
Mater wir noch auf dem Boden der einfachen Kooperation, die ihr
ne Al an Menschen und Dingen vorfindet. Indes tritt sehr bald
Sürtı Wesentliche Veränderung ein. Der Schneider, Schlosser,
“EP usw... der nur im Kutschenmachen beschäftigt ist, verliert

gi * . *
te Ob nicht die Vereinigung von Geschicklichkeit, Fleiß und Wettji
 Vieler an demselben Werk die Methode ist, um es vorwärts zu bringen?
nn Ob es in anderer Weise England möglich gewesen wäre, seine Wollon
 laktur zu solcher Vollendung zu bringen?“ (Berkeley: „The Querist.
don 1750“ m 56. S 321.)
        <pb n="329" />
        284

Vierter Abschnitl

nach und nach mit der Gewohnheit auch die Fähigkeit, sein alte
Handwerk in seiner ganzen Ausdehnung zu betreiben. Anderseil
erhält sein vereinseitigtes Tun jetzt die zweckmäßigste Form für di
verengite Wirkungssphäre. Ursprünglich erschien die Kutsche?
manufaktur als eine Kombination selbständiger Handwerke. 5
wird allmählich Teilung der Kutschenproduktion in ihre verschied®
nen Sonderoperationen, wovon jede einzelne zur ausschließliche
Funktion eines Arbeiters kristallisiert und deren Gesamtheit von
Verein dieser Teilarbeiter verrichtet wird. Ebenso entstand di
Tuchmanufaktur und eine ganze Reihe anderer Manufakturen a
der Kombination verschiedener Handwerke unter dem Komman—
desselben Kapitals.?
Die Manufaktur entspringt aber auch auf entgegengesetzte”
Wege. Es werden viele Handwerker, die dasselbe oder gleichartig®
hun, zum Beispiel Papier oder Lettern oder Nadeln machen, voh
demselben Kapital gleichzeitig in derselben Werkstatt beschäftig
Es ist dies Kooperation in der einfachsten Form. Jeder dieser Hat
werker (vielleicht mit einem oder zwei Gesellen) macht die ganz®
Ware und vollbringt also die verschiedenen, zu ihrer Herstellung &amp;amp;
heischten Operationen der Reihe nach. Er arbeitet in seiner alte?
handwerksmäßigen Weise fort. Indes veranlassen bald äußere Un
stände, die Konzentration der Arbeiter in demselben Raum und &amp;amp;*
Gleichzeitigkeit ihrer Arbeiten anders zu vernutzen. Es soll zu®
Beispiel ein größeres Quantum fertiger Ware in einer bestimmt®
Zeitfrist geliefert werden. Die Arbeit wird daher verteilt. Statt &amp;amp;
verschiedenen Operationen von demselben Handwerker in eine
zeitlichen Reihenfolge verrichten zu lassen, werden sie voneinand”
losgelöst, isoliert, räumlich nebeneinander gestellt, jede derselb®
einem andern Handwerker zugewiesen und alle zusammen von de?
Kooperierenden gleichzeitig ausgeführt. Diese‘ zufällige Verteilu®

: Um ein mehr modernes Beispiel dieser Bildungsart der Manufakt
anzuführen, folgendes Zitat. Die Seidenspinnerei und Weberei von Ly%
und Nimes „ist ganz patriarchalisch. Sie beschäftigt viele Frauen ur
Kinder, aber ohne sie zu übermüden oder ihre Gesundheit zu schädig®,
Sie beläßt sie in ihren schönen Tälern der Dröme, des Var, der Isere wo
von Vaucluse, um dort Seidenraupen zu züchten und die Kokons ab”
wickeln; niemals wird sie zum eigentlichen Fabrikbetrieb. Bei genaues®
Betrachtung ... zeigt hier das Prinzip der Arbeitsteilung eine besonde!‘
Eigenart. Es gibt viele Hasplerinnen, Seidenzwirner, Färber, Ketten
schlichter und auch Weber; aber sie sind nicht in derselben Werks
vereinigt und nicht von demselben Meister abhängig. Sie sind alle seh
ständig.“ (A. Blanqui: „Cours d’Economie industrielle. Recueilli ? 1
A. Blaise. Paris 1838/39“, p. 79.) Seit Blanqui dies schrieb, sind %
verschiedenen unabhängigen Arbeiter zum Teil in Fabriken vereinigt WR
den. [„Und seit Marx obiges schrieb,“ bemerkt Engels hierzu in der 45 a
lage, „hat der Kraftstuhl sich in diesen Fabriken eingebürgert und Wr
drängt rasch den Handwebstuhl. Die Crefelder Seidenindustrie wo
ebenfalls ein Lied davon zu singen.“]
        <pb n="330" />
        a6

®

ie

Zwölfies Kapitel.

285

Wiederholt sich, zeigt ihre eigentümlichen Vorteile und verknöchert
lach und nach zur systematischen Teilung der Arbeit. Aus dem
Wdividuellen Produkt eines selbständigen Handwerkers, der vielerlei
 lut, verwandelt sich die Ware in das gesellschaftliche Produkt
Mes Vereins von Handwerkern, von denen jeder fortwährend nur
N und dieselbe Teiloperation verrichtet. Dieselben Operationen,
die ineinander flossen als aufeinander folgende Verrichtungen des
deutschen zünftigen Papiermachers, verselbständigten sich in der
Solländischen Papiermanufaktur zu nebeneinander laufenden Teil-‘Perationen
 vieler kooperierender Arbeiter. Der zünftige Nadler
von Nürnberg bildet das Grundelement der englischen Nadel-Manufaktur.
 Während aber jener eine Nadier eine Reihe von vielleicht
 20 Operationen nacheinander durchlief, verrichteten hier
bald 20 Nadler nebeneinander jeder nur eine der 20 Operationen,
die infolge von Erfahrungen noch viel weiter gespaltet, isoliert
ünd Zu ausschließlichen Funktionen einzelner Arbeiter verselb-%ändigt
 wurden.
Die Ursprungsweise der Manufaktur, ihre Herausbildung aus
dem Handwerk ist also zwieschlächtig. Einerseits geht sie von
der Kombination verschiedenartiger, selbständiger Handwerke
8, die bis zu dem Punkt verunselbständigt und verein-Seitigt
 werden, wo sie nur noch einander ergänzende Teil-\Perationen
 im Produktionsprozeß ein und derselben Ware bilden.
Anderseits geht sie von der Kooperation gleichartiger Handwerker
De zersetzt dasselbe individuelle Handwerk in seine verschiedenen
„Sonderen Operationen und isoliert und verselbständigt diese bis
Mn dem Punkt, wo jede derselben zur ausschließlichen Funktion
.ne8 besonderen Arbeiters wird. Einerseits führt daher die Manu-Altar
 Teilung der Arbeit in einen Produktionsprozeß ein oder ent-Rekelt
 sie weiter, anderseits kombiniert sie früher geschiedene
hudwerke. Welches aber immer ihr besonderer Ausgangspunkt,
ae Schlußgestalt ist dieselbe — ein Produktionsmechanismus,
“sen Organe Menschen sind.
{ak Zum richtigen Verständnis der Teilung der Arbeit in der Manudi
 tür ist es wesentlich, folgende Punkte festzuhalten : Zunächst fällt
de Analyse [die Zerlegung] des Produktionsprozesses in seine besonh
 °CNn Phasen hier ganz und gar zusammen mit der Zersetzung einer
Zu Werksmäßigen Tätigkeit in ihre verschiedenen Teiloperationen,
ma ümengesetzt oder einfach, die Verrichtung bleibt handwerksdig
 und daher abhängig von Kraft, Geschick, Schnelle, Sicherheit
Ye Einzelarbeiters in Handhabung seines Instruments. Das Hand-Seh
 bleibt die Grundlage. Diese enge technische Grundlage
&amp;amp; ließt Wirklich wissenschaftliche Analyse des Produktionsprozesses
Rn da jeder Teilprozeß, den das Produkt durchmacht, als handwer
 Smäßige Teilarbeit ausführbar sein muß. Eben weil das handbl
 "ksmäßige Geschick so die Grundlage des Produktionsprozesses
bt, wird jeder Arbeiter ausschließlich einer Teilfunktion an-
        <pb n="331" />
        286

Vierter Abschnitt

geeignet und seine Arbeitskraft in das lebenslängliche Organ dies®
Teilfunktion verwandelt. Endlich ist diese Teilung der Arbeit
eine besondere Art der Kooperation, und manche ihrer Vorteile e2*
springen aus dem allgemeinen Wesen, nicht aus dieser besondere
Form der Kooperation.

2. Der Teilarbeiter und sein Werkzeug.
Gehen wir nun näher auf das einzelne ein, so ist zunächst kla”
daß ein Arbeiter, der lebenslang ein und dieselbe einfache Oper?
tion verrichtet, seinen ganzen Körper in ihr automatisch einseitig“
Organ verwandelt und daher weniger Zeit dazu verbraucht als d
Handwerker, der eine ganze Reihe von Operationen abwechsel‘
ausführt. Der kombinierte Gesamtarbeiter, der den lebendig®
Mechanismus der Manufaktur bildet, besteht aber aus lauter solch“
einseitigen Teilarbeitern. Im Vergleich zum selbständigen Hand
werk wird daher mehr in weniger Zeit produziert oder die P”
duktivkraft der Arbeit gesteigert.?” * Auch vervollkommnet sich die
Methode der Teilarbeit, nachdem sie zur ausschließlichen Funkti®
einer Person verselbständigt ist. Die stete Wiederholung desselb“
beschränkten Tuns und die Konzentration der Aufmerksamkeit ®
dieses Beschränkte lehren erfahrungsmäßig den bezweckten Nu”
effekt mit geringstem Kraftaufwand erreichen. Da aber imm®
verschiedene Arbeitergenerationen gleichzeitig zusammenleben
in denselben Manufakturen zusammenwirken, befestigen, häuf®
und übertragen sich bald die so gewonnenen technischen Kup®
griffe.2 ,
Die Manufaktur produziert in der Tat die Virtuosität [9
Meisterschaft] des Detailarbeiters, indem sie die naturwüchsi®
Sonderung der Gewerbe, die sie in der Gesellschaft vorfand,
Innern der Werkstatt reproduziert und systematisch zum Extrel
lreibt. Anderseits entspricht ihre Verwandlung der Teilarbi
in den Lebensberuf eines Menschen dem Trieb früherer Ges“
schaften, die Gewerbe erblich zu machen, sie in Kasten zu ver
steinern oder in Zünfte zu verknöchern, falls bestimmte historisch‘
Bedingungen dem Kastenwesen widersprechende Variabilität [Ve
änderlichkeit] des Individuums erzeugen. Kasten und Zünfte P
springen aus demselben Naturgesetz, welches die Sonderung Ye
Pflanzen und Tieren in Arten und Unterarten regelt, nur daß Te
einem gewissen Entwicklungsgrad die Erblichkeit der Kasten od

 trgit
27 „Je mehr in einem Manufakturzweig von großer Mannigfaltigl®,
die Arbeit geteilt und verschiedenen Teilarbeitern zugewiesen wird; ig
so mehr wird sie dadurch notwendigerweise verbessert und beschleuT%,
sie ist mit weniger Verlust an Zeit und Arbeit verbunden.“ (»
Advantages of the East-India Trade. London 1720“, p. 71.) ‚zieh
28 „Arbeit, die gut vonstatten geht, ist bloß übermittelte Geschick
keit.“ (Th. Hodgskin: „Popular Political Economy. London 1827“, p.
        <pb n="332" />
        Zwölftes Kapitel.
lie Ausschließlichkeit der Zünfte als gesellschaftliches Gesetz de-Kretiert
 wird.®
„Die Musseline von Dakka sind an Feinheit, die Kattune und
dere Zeuge von Koromandel an Pracht und Dauerhaftigkeit der
arben niemals übertroffen worden. Und dennoch werden sie produziert
 ohne Kapital, Maschinerie, Teilung der Arbeit oder irgendwe
 der andern Mittel, die der Fabrikation in Europa so viele
9rteile bieten. Der Weber ist ein vereinzeltes Individuum, der das
Gewebe auf Bestellung eines Kunden verfertigt und mit einem Web-Stuhl
 von der einfachsten Konstruktion, manchmal nur bestehend
Rus hölzernen, roh zusammengefügten Stangen. Er besitzt nicht ein-Mal
 einen Apparat zum Aufziehen der Kette, der Webstuhl muß
gaher in seiner ganzen Länge ausgestreckt bleiben und wird so un-Drnlich
 und weit, daß er keinen Raum findet in der Hütte des
y.duzenten, der seine Arbeit daher in freier Luft verrichten muß,
9 sie durch jede Wetteränderung unterbrochen wird.“ %
v Es ist nur das von Generation auf Generation gehäufte und vom
zer auf den Sohn vererbte Sondergeschick, das dem Hindu wie der
‚Pinne diese Virtuosität verleiht. Und dennoch verrichtet ein solcher
„scher Weber sehr komplizierte Arbeit, verglichen mit der Mehrahl
 der Manufakturarbeiter.
Pr Ein Handwerker, der die verschiedenen Teilprozesse in der
ps duktion eines Machwerkes nacheinander ausführt, muß bald den
01 bald die Instrumente wechseln. Der Uebergang von einer
geSration zur andern unterbricht den Fluß seiner Arbeit und bildet
do a sermaßen Poren [Zwischenräume] in seinem Arbeitstag. Diese
D Ten Verengern sich, sobald er den ganzen Tag ein und dieselbe
qerTation ohne Unterbrechung verrichtet, oder sie verschwinden in
Ben Maße, wie der Wechsel seiner Operation abnimmt. Die ge-Serte
 Produktivität ist hier entweder der zunehmenden Ausgabe

287

23 „Au je Künste sind ... in Aegypten zu dem gehörigen Grad
an Vollkommennet gediehen. Denn in diesem Lande allein dürfen die
dwerker durchaus nicht in die Geschäfte einer andern Bürgerklasse
8reifen, sondern bloß den nach dem Gesetz ihrem Stamme erblich zu- 8örigen
 Betruf treiben. ... Bei andern Völkern findet man, daß die
ae erbsleute ihre Aufmerksamkeit auf zu viele Gegenstände verteilen. =.
äld Versuchen sie es mit dem Landbau, bald lassen sie sich in Handels-Te
 chäfte ein, bald befassen sie sich mit zwei oder drei Künsten zugleich.
A Freistaaten laufen sie meist in die Volksversammlungen. .. , In
er Pen dagegen verfällt jeder Handwerker in schwere Strafen, wenn
do Sch in Staatsgeschäfte mischt oder mehrere Künste zugleich treibt.
Vo kann nichts ihren Berufsfleiß stören. ... Zudem, wie sie von ihren
v "ahren viele Regeln haben, sind sie eifrig darauf bedacht, noch neue
Kap de aufzufinden.‘“ (Diodorus Siculus: „Historische Bibliothek“, Bd. I,
+ 74.)
a0 % 7 ers 245 . by Hugh
»Historical and descriptive Account of British India ete. y Hug
Wetay, James Wilson ete. Edinburgh 1882“, vol. 1, P- 449. Der indische
Stuhl ist hochschäftie. das heißt die Kette ist vertikal aufgespannt.
        <pb n="333" />
        288 Vierter Abschnitt
von Arbeitskraft in einem gegebenen Zeitraum geschuldet, als
wachsender Intensität der Arbeit, oder einer Abnahme des unproduktiven
 Verzehrs von Arbeitskraft. Der Ueberschuß von Kraftaufwand
nämlich, den jeder Uebergang aus der Ruhe in die Bewegung €F
heischt, kompensiert sich bei längerer Fortdauer der einmal erreich
ten Normalgeschwindigkeit. Anderseits zerstört die ununterbrochen‘
Fortdauer gleichförmiger Arbeit die Spann- und Schwungkraft def
Lebensgeister, die im Wechsel der Tätigkeit selbst ihre Erholung und
ihren Reiz finden. .
Die Produktivität der Arbeit hängt nicht nur von der Virtuositä!
des Arbeiters ab, sondern auch von der Vollkommenheit seine’
Werkzeuge. Werkzeuge derselben Art, wie Schneide-, Bohr-, Stoß-Schlaginstrumente
 usw., werden in verschiedenen Arbeitsprozesse?
gebraucht, und in demselben Arbeitsprozeß dient dasselbe Inst!"
ment zu verschiedenen Verrichtungen. Sobald jedoch die ver
schiedenen Operationen eines Arbeitsprozesses voneinander 10%
gelöst sind und jede Teiloperation in der Hand des Teilarbeite”
eine möglichst entsprechende und daher ausschließliche Form g“
winnt, werden Veränderungen der vorher zu verschiedenen Zwecke
dienenden Werkzeuge notwendig. Die Richtung ihres Formwechsel
ergibt sich aus der Erfahrung der besonderen Schwierigkeite®
welche die unveränderte Form in den Weg legt. Die Differenzieru®
[Teilung in verschiedene Arten] der Arbeitsinstrumente, wodur®
Instrumente derselben Art besondere feste Formen für jede b“
sondere Nutzanwendung erhalten, und ihre Spezialisierung, wodurd
jedes solches Sonderinstrument nur in der Hand spezifischer Tel
arbeiter in seinem ganzen Umfang wirkt, charakterisieren die
Manufaktur. Zu Birmingham allein produziert man etwa 500 v®
schiedene Arten von Hämmern, wovon jeder nicht nur für eine?
besonderen Produktionsprozeß, sondern eine Anzahl Arten oft nur
für verschiedene Operationen in demselben Prozeß dient. Die Man”
lakturperiode vereinfacht, verbessert und vermannigfacht die AT
beitswerkzeuge durch deren Anpassung an die ausschließlich”
Sonderfunktionen der Teilarbeiter.*! Sie schafft damit zugleich ein:
der materiellen Bedingungen der Maschinerie, die aus einer Kom!
nation einfacher Instrumente besteht.

31 Darwin bemerkt in seinem epochemachenden Werk über »D"
Entstehung der Arten“ mit Bezug auf die natürlichen Organe der Pfanz®
und Tiere: „Solange ein und dasselbe Organ verschiedene Arbeiten, %
verrichten hat, läßt sich ein Grund für seine Veränderlichkeit vielleich
darin finden, daß natürliche Züchtung jede kleine Abweichung der For
weniger sorgfältig erhält oder unterdrückt, als wenn dasselbe Organ wo
zu einem besonderen Zwecke allein bestimmt wäre. So mögen Mess N
welche allerlei Dinge zu schneiden bestimmt sind, im ganzen so zieml%
von einerlei Form sein, während ein nur zu einerlei Gebrauch bestimm!%
Werkzeug für jeden andern Gebrauch auch eine andere Form haben muß:
        <pb n="334" />
        Zwölftes Kapitel.

289

5 Der Detailarbeiter und sein Instrument bilden die einfachen
‚mente der Manufaktur. Wenden wir uns jetzt zu ihrer Gesamtsestalt.


3. Die beiden Grundiormen der Manufaktur — heterogene
Manufaktur und organische Manufaktur.
x Die Gliederung der Manufaktur besitzt zwei Grundformen, die
A gelegentlicher Verschlingung zwei wesentlich verschiedene
ten bilden und namentlich auch bei der späteren Verwandlung
nt Manufaktur in die maschinenartig betriebene, große Industrie
“ne ganz verschiedene Rolle spielen. Dieser Doppelcharakter ent-EL
 aus der Natur des Machwerkes selbst. Es wird entweder
art durch bloß mechanische Zusammensetzung selbständiger
m. Produkte oder verdankt seine fertige Gestalt einer Reihenfolge
. Sammenhängender Prozesse und Manipulationen.
dan ine Lokomotive zum Beispiel besteht aus mehr als 5000 selbder
 digen Teilen. Sie kann jedoch nicht als Beispiel der ersten Art
Ing Sigentlichen Manufaktur gelten, weil sie ein Gebilde der großen
die izle ist. Wohl aber die Uhr, an welcher auch William Petty
dem Manufakturmäßige Teilung der Arbeit veranschaulicht. Aus
sich individuellen Werk eines Nürnberger Handwerkers verwandelte
Teil die Uhr in das gesellschaftliche Produkt einer Unzahl von
ach term, wie Rohwerkmacher, Uhrfedermacher, Zifferblatt-Zei
 er, Spiralfedermacher, Steinloch- und Rubinhebelmacher,
Keker Macher, Gehäusemacher, Schraubenmacher, Vergolder, mit
Moin Unterabteilungen, wie zum Beispiel Verfertiger der Räder
nn. und Stahlräder wieder geschieden), Triebmacher, Zeigerden,
 Macher, Acheveur de pignon (befestigt die Räder auf den Trie-(setz
 oliert die Rauten usw.), Zapfenmacher, Planteur de finissage
dar] Verschiedene Räder und Triebe in das Werk), Finisseur de
Weit et (läßt Zähne einschneiden, macht die Löcher zur richtigen
ling härtet Stellung und Gesperr), Hemmungmacher, bei der
Nach hemmung wieder Zylindermacher, Steigradmacher, Unruhe-Wir
 dr Raquettemacher (das Rückwerk, woran die Uhr reguliert
der pp? Planteur d’echappement (eigentliche Hemmungmacher) ; dann
Stahl “Passeur de barillet (macht Federhaus und Stellung ganz fertig),
ach lierer, Räderpolierer, Schraubenpolierer, Zahlenmaler, Blattacht
 (schmilzt das Email auf das Kupfer), Fabricant de pendanis
den A bloß die Bügel des Gehäuses), Finisseur de charniere (steckt
Wach, SSsingstift in die Mitte des Gehäuses usw.), Faiseur de secret
Ürayet die Federn im Gehäuse, die den Deckel aufspringen machen),
Malich” Ziseleur, Polisseur de boite [Gehäusepolierer] usw. usw.,
Sehen, a der Repasseur, der die ganze Uhr zusammensetzt und sie
Schieg abliefert. Nur wenige Teile der Uhr laufen durch ver-Hiegen®
 Hände, und alle diese Membra disjecta [zerstreuten
char Sammeln sich erst in der Hand, die sie schließlich in ein
Da Sches Ganzes verbindet.
S Kapital 1.
        <pb n="335" />
        290

Vierter Abschnitt

Dies äußerliche Verhältnis. des fertigen Produkts zu seine
verschiedenartigen Elementen läßt hier, wie bei ähnlichem Mach
werk, die Kombination der Teilnehmer in derselben Werkstatt zU
fällig. Die Teilarbeiten können selbst wieder als voneinander una”
hängige Handwerke betrieben werden, wie im Kanton Waadt und
Neufchätel, während in Genf zum Beispiel große Uhrenmanufaktur&amp;amp;
bestehen, das heißt unmittelbare Kooperation der Teilarbeite
unter dem Kommando eines Kapitals stattfindet. Auch im letzter®
Fall werden Zifferblatt, Feder und Gehäuse selten in der Manufakt@l
selbst verfertigt. Der kombinierte manufakturmäßige Betrieb il
hier nur unter ausnahmsweisen Verhältnissen profitlich, weil d*
Konkurrenz unter den Arbeitern, die zu Hause arbeiten wolle?
am größten ist, die Zersplitterung der Produktion in eine Mass“
heterogener [ungleichartiger] Prozesse wenig Verwendung gemei?
schaftlicher Arbeitsmittel erlaubt und der Kapitalist bei der zer
streuten Fabrikation die Auslage für Arbeitsgebäude usw. erspart
Indes ist auch die Stellung dieser Detailarbeiter, die zu Hause, ab
für einen Kapitalisten (Fabrikant, etablisseur) arbeiten, ganz
gar verschieden von der des selbständigen Handwerkers, welch?
für seine eigenen Kunden arbeitet.®® soil
Die zweite Art der Manufaktur, ihre vollendete Form, produn®,
Machwerke, die zusammenhängende Entwicklungsphasen, €
Reihenfolge von Stufenprozessen durchlaufen, wie zum Beispiel ®
Draht in der Nähnadelmanufaktur die Hände von 72 und selbst 9
spezifischen Teilarbeitern durchläuft. v
Soweit solche Manufaktur ursprünglich zerstreute Handwer®
kombiniert, vermindert sie die räumliche Trennung zwischen de

32 Genf hat im Jahre 1854 80000 Uhren produziert, noch nicht en
Fünfteil der Uhrenproduktion des Kantons Neufchätel. Chaux-de-Fonds ei
man als eine einzige Uhrenmanufaktur betrachten kann, liefert Ma
jährlich doppelt soviel als Genf. Von 1850 bis 1861 lieferte ei
750000 Uhren. Siehe „Report from Geneva on the Watch Trade 3
„Reports by H. M.s Secretaries of Embassy and Legation on the Manufact se
Commerce etc. Nr. 6, 1863.“ Wenn die Zusammenhanglosigkeit der Posi
worin die Produktion nur zusammengesetzter Machwerke zerfällt, an jeb
für sich die Verwandlung solcher Manufakturen in den Maschinenbel,,
der großen Industrie sehr erschwert, kommen bei der Uhr noch zwei al ib!
Hindernisse hinzu, die Kleinheit und Zartheit ihrer Elemente, und deß
Luxuscharakter, daher ihre Verschiedenartigkeit, so daß zum Beispiel U prel
besten Londoner Häusern das ganze Jahr hindurch kaum ein Dutzend U &amp;amp;
gemacht werden, die sich ähnlich sehen. Die Uhrenfabrik von VacheT0®
Constantin, die mit Erfolg Maschinerie anwendet, liefert auch höch®
drei bis vier nach Größe und Form verschiedene Arten. ne
% In der Uhrmacherei, diesem klassischen Beispiel der heter0ßr m
Manufaktur, kann man sehr genau die oben erwähnte, aus der Zers® ig
der handwerksmäßigen Tätigkeit entspringende Differenzierung [das runß
aus der Arbeitsteilung hervorgehende Unterscheidung] und Spezialisi®
der Arbeitsinstrumente studieren.
        <pb n="336" />
        if}

1

]“

a

/wölttes Kapitel,

9291

'sonderen Produktionsphasen des Machwerks. Die Zeit seines
Jebergangs aus einem Stadium in das andere wird verkürzt, ebenso
lie Arbeit, welche diese Uebergänge vermittelt.** Im Vergleich
um Handwerk wird so Produktivkraft gewonnen, und zwar ent-Pringt
 dieser Gewinn aus dem allgemeinen kooperativen Charakter
ler Manufaktur. Anderseits bedingt ihr eigentümliches Prinzip der
‘eilung der Arbeit eine Isolierung der verschiedenen Produktions-‘hasen,
 die als ebenso viele handwerksmäßige Teilarbeiten gegen-Anander
 verselbständigt sind. Die Herstellung und Erhaltung des
‘USammenhangs zwischen den isolierten Funktionen ernötigt bestänlügen
 Transport des Machwerks aus einer Hand in die andere und
ws einem Prozeß in den andern. Vom Standpunkt der großen Induirie
 tritt dies als eine charakteristische, kostspielige und dem
Minzip der Manufaktur immanente Beschränktheit hervor.” .
_ Betrachtet man ein bestimmtes Quantum Rohmaterial, zum Bei-Die]
 von Lumpen in der Papiermanufaktur oder von Draht in der
\adelmanufaktur, so durchläuft es in den Händen der verschiedenen
Teilarbeiter eine zeitliche Stufenfolge von Produktionsphasen bis zu
Oiner Schlußgestalt. Betrachtet man dagegen die Werkstatt als einen
*Samtmechanismus, so befindet sich das Rohmaterial gleichzeitig
2 allen seinen Produktionsphasen auf einmal. Mit einem Teil seiner
elen instrumentbewaffneten Hände zieht der aus den Detailbeitern
 kombinierte Gesamtarbeiter den Draht, während er
Heichzeitig mit andern Händen und Werkzeugen ihn streckt,
N ändern schneidet, spitzt usw. Aus einem zeitlichen Nachyeander
 sind die verschiedenen. Stufenprozesse in ein räumliches
Wr beneinander verwandelt. Daher Lieferung von mehr fertiger
ha in demselben Zeitraum. Jene Gileichzeitigkeit entspringl
“in aus der allgemeinen kooperativen Form des Gesamtprozesses,
ST die Manufaktur findet nicht nur die Bedingungen der Koopera-%

 i nahe beisammen sind, muß die Arbeit des Trans-7
 A dt (The Advantages of the East-India Trade. London
&amp;gt;» PB. 106. .
du 5 „Die N ennung der verschiedenen vom Produkt in der ia,
ap dläufenen Produktionsstufen, die sich aus der VERA ORT
nis. ergibt, erhöht die Produktionskosten außerordentlich. = Dust
we ringt hauptsächlich aus der bloßen Entfernung ‚der U On En
Pazt 1USProzesse voneinander.“ („The Industry of Nations. London ,
bh BD. 200.) N ine Ersparung an. Zeit
N „Sie (di beitsteilung) verursacht auch eine KErsp g ,
En N sie ne roh in aehie dene Verrichtungen zerlegt, die alle zu
er Zeit ausgeführt werden können. ..- Dadurch, daß. alle die vernie
 denen Arbeitsprozesse, die ein einzelner nacheinander hätte ausführen
nöpte ü, zur gleichen Zeit vorgenommen werden, wird es zum Beispiel erin
 encht, eine große Menge von Nadeln in derselben Zeit fertigzustellen,
ner Sonst eine einzelne Nadel bloß entweder abgeschnitten oder zugeannen
 wurde,“ (Dugald Stewart: Works, edited by Sir W. Hamilion,
burgh 1855, vol. IL „Lectures on Political Economy“, p. 319.)
        <pb n="337" />
        292

Vierter Abschnif

tion vor, sondern schafft sie teilweise erst durch die Zerlegung der
handwerksmäßigen Tätigkeit. Anderseits erreicht sie diese gesel:
schaftliche Organisation des Arbeitsprozesses nur durch Fe
schmieden desselben Arbeiters an dasselbe Detail.
Da das Teilprodukt jedes Teilarbeiters zugleich nur eine besol’
dere Entwicklungsstufe desselben Machwerks ist, liefert ein Arbeiter
dem andern oder eine Arbeitergruppe der andern ihr Rohmateri#
Das Arbeitsresultat des einen bildet den Ausgangspunkt für de
Arbeit des andern. Der eine Arbeiter beschäftigt daher unmittelb?
den andern. Die notwendige Arbeitszeit zur Erreichung des ve
zweckten Nutzeffekts in jedem Teilprozeß wird erfahrungsmäßig de
gestellt und der Gesamtmechanismus der Manufaktur beruht ? i
der Voraussetzung, daß in gegebener Arbeitszeit ein gegeben”
Resultat erzielt wird. Nur unter dieser Voraussetzung können dt
verschiedenen, einander ergänzenden Arbeitsprozesse ununt®
brochen, gleichzeitig und räumlich nebeneinander fortgehen. ES SE
klar, daß diese unmittelbare Abhängigkeit der Arbeiten und dab®
der Arbeiter voneinander jeden einzelnen zwingt, nur die ME
wendige Zeit zu seiner Funktion zu verwenden, und so eine 8%
andere Kontinuität, Gleichförmigkeit, Regelmäßigkeit, Ordnunß,
and namentlich auch Intensität der Arbeit erzeugt wird &amp;amp;
im unabhängigen Handwerk oder selbst der einfachen KooP
ration. Daß auf eine Ware nur die zu ihrer Herstellung gef
schaftlich notwendige Arbeitszeit verwandt wird, erscheint bei 0
Warenproduktion überhaupt als äußerer Zwang der Konkurr®t;
weil, oberflächlich ausgedrückt, jeder einzelne Produzent die Win
zu ihrem Marktpreis verkaufen muß. Lieferung von gegebelı,
Produktenquantum in gegebener Arbeitszeit wird dagegen in 5
Manufaktur technisches Gesetz des Produktionsprozesses selbst %
Verschiedene Operationen bedürfen jedoch umgleicher De
längen und liefern daher in gleichen Zeiträumen ungleiche Qui
von Teilprodukten. Soll also derselbe Arbeiter tagaus, tagein $ ge
nur dieselbe Operation verrichten, so müssen {für verschied”
Operationen verschiedene Verhältniszahlen von Arbeitern verw* jD
werden, zum Beispiel 4 Gießer und 2 Abbrecher auf 1 Schleife gt
einer Letternmanufaktur, wo der Gießer stündlich 2000 Lettern ge
ler Abbrecher 4000 abbricht und der Schleifer 8000 blank 1®

nel
"7 „Je größer die Verschiedenartigkeit der Arbeiter, die in ei
Manufaktur verwendet werden . .. um so größer ist die Ordnung und Be
mäßigkeit jeder Arbeit; diese wird notwendigerweise in kürzere! get
getan werden, die Arbeit muß abnehmen.“ („The Advantages of ibe
India Trade. London 1720“, p. 68.) je
28 Indes erreicht der manufakturmäßige Betrieb dies Resultat in Yan
Zweigen nur unvollkommen, weil er die allgemeinen chemischen und Pag
kalischen Bedingungen des Produktionsprozesses nicht mit Sicherheit z
trollieren weiß.
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        itl:

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3

Wölftes Kapitel.

293

ler kehrt das Prinzip der Kooperation in seiner einfachsten Form
Vrück, gleichzeitige Beschäftigung vieler, die gleichartiges tun, aber
Sizt als Ausdruck eines organischen Verhältnisses. Die manufaktur-Wißige
 Teilung der Arbeit vereinfacht und vermannigfacht also nicht
Wr die qualitativ unterschiedenen Organe des gesellschaftlichen Ge-Amtarbeiters,
 sondern schafft auch ein mathematisch festes Vernis
 für den quantitativen Umfang dieser Organe, das heißt für
© relative Arbeiterzahl oder relative Größe der Arbeitergruppen
N jeder Sonderfunktion. Sie entwickelt mit der qualitativen Gliedeie
 die quantitative Regel und Proportionalität des gesellschaft-©ü
 Arbeitsprozesses.
Ist die passendste Verhältniszahl der verschiedenen Gruppen
hut Teilarbeitern erfahrungsmäßig festgesetzt für eine bestimmte
ieh enleiter der Produktion, so kann man diese Stufenleiter nur aus-%
 Nen, indem man ein Vielfaches jeder besonderen Arbeitergruppe
ap endet. Es kommt hinzu, daß dasselbe Individuum gewisse
dei Slten ebensogut auf größerer als kleinerer Staffel ausführt, zum
tg Die die Arbeit der Oberaufsicht, den Transport der Teilprodukte
ran Siner Produktionsphase in die andere usw. Die Verselbständikirg
 dieser Funktionen, oder ihre Zuweisung an besondere Arbeiter,
eit also erst vorteilhaft mit Vergrößerung der beschäftigten Arro.
 Stzahl, aber diese Vergrößerung muß sofort alle Gruppen
Vortionell ergreifen.
tee einzelne Gruppe, eine Anzahl von Arbeitern, die dieselbe
lg Unktion verrichten, besteht aus gleichartigen Elementen und
chic ein besonderes Organ des Gesamtmechanismus. In verges
 nen Manufakturen jedoch ist die Gruppe selbst ein ge-Wie
 Meter Arbeitskörper, während der Gesamtmechanismus durch die
tea erholung oder Vervielfältigung dieser produktiven Elementar-In
 Nismen gebildet wird. Nehmen wir zum Beispiel die Manufaktur
has asflaschen. Sie zerfällt in drei wesentlich unterschiedene
tzesn Erstens die vorbereitende Phase, wie Bereitung des Glasnen.”
 Mengung von Sand, Kalk usw. und Schmelzung dieses Ge-HESS
 Zu einer flüssigen Glasmasse.*° In dieser ersten Phase sind
Chiedene Teilarbeiter beschäftigt, ebenso in der Schlußphase,

l;

der i j deren Natur der Produkte
‚Wenn Erfahrung, je nach der beson € r der F te
at Manufaktur. sowohl die vorteilhafieste Art, die Eden in Teil
Sy htum € lten, als auch die für sie nötige ; L
Gechrt hat Herder alle Etablissements, die nicht gerade ein Vielfaches
y Ser Zahl anwenden, mit mehr Kosten fabrizieren. ... Dies ist eine der
op Chen der kolossalen Ausdehnung industrieller Etablissements.
rt ebbage: „On the Economy of Machinery. London 1832“, ch. XXI
\ 5 178.)
MS i Glasofen, an dem das
In Engl Schmelzofen getrennt vom ; ;
N Verarbeitet wird. Se zum Beispiel dient derselbe Ofen zu beiden
©8san
        <pb n="339" />
        Vierter Abschnitt
der Entfernung der Flaschen aus den Trockenöfen, ihrer Sortierung
Verpackung usw. Zwischen beiden Phasen steht in der Mitte die
sigentliche Glasmacherei oder Verarbeitung der flüssigen Glasmass®
An demselben Munde eines Glasofens arbeitet eine Gruppe, die 9
England das „hole“ (Loch) heißt und 1. aus einem Bottle make!
[Flaschenmacher] oder Finisher [Zurichter], 2. einem Blowe!
[Bläser], 3. einem Gatherer [Sammler], 4. einem Putter up [Aufhäufer]
 oder Whetter off [Abschleifer] und 5. einem Taker in [Eit
nehmer] zusammengesetzt ist. Diese fünf Teilarbeiter bilde?
ebenso viele Sonderorgane eines einzigen Arbeitskörpers, de
our als Einheit, also nur durch unmittelbare Kooperation de
Fünf wirken kann. Fehlt ein Glied des fünfteiligen Körpel®
so ist er gelähmt. Derselbe Glasofen hat aber verschieden®
Oeffinungen, in England zum Beispiel 4 bis 6, deren jede eine®
irdenen Schmelztiegel mit flüssigem Glas birgt, und wovon jed®
eine eigene Arbeitergruppe von derselben fünfgliedrigen Forß®
beschäftigt. Die Gliederung jeder einzelnen Gruppe beruht hie
unmittelbar auf der Teilung der Arbeit, während das Band zwische?
den verschiedenen gleichartigen Gruppen einfache Kooperation ish
die eins der Produktionsmittel, hier den Glasofen, durch gemell”
samen Konsum ökonomischer verbraucht. Ein solcher Glasofen mit
seinen 4 bis 6 Gruppen bildet eine Glashütte, und eine Glasman
faktur umfaßt eine Mehrzahl solcher Hütten, zugleich mit den Vo"
richtungen und Arbeitern für die einleitenden und abschließende?
Produktionsphasen. ,
Endlich kann die Manufaktur, wie sie teilweise aus der Komb}
nation verschiedener Handwerke entspringt, sich zu einer Komb
nation verschiedener Manufakturen entwickeln. Die größere?
englischen Glashütten zum Beispiel fabrizieren ihre irdenen Schmel“
tiegel selbst, weil von deren Güte das Gelingen oder Mißlingen des
Produkts wesentlich abhängt. Die Manufaktur eines Produktion“
mittels wird hier mit der Manufaktur des Produkts verbunden. UM
gekehrt kann die Manufaktur des Produkts verbunden werden mit
Manufakturen, worin es selbst wieder als Rohmaterial dient, ode
mit deren Produkten es später zusammengesetzt wird. So finde!
man zum Beispiel die Manufaktur von Flintglas kombiniert mit de
Glasschleiferei und der Gelbgießerei, letztere für die metallisch®
Einfassung mannigfacher Glasartikel. Die verschiedenen kombinier
ten Manufakturen bilden dann mehr oder minder räumlich getrennt®
Abteilungen einer Gesamtmanufaktur, zugleich voneinander U”
abhängige Produktionsprozesse, jeder mit eigener Teilung der Ar
beit. Trotz mancher Vorteile, welche die kombinierte Manufakt”
bietet, gewinnt sie, auf eigener Grundlage, keine wirklich technisch®
Einheit. Diese entsteht erst bei ihrer Verwandlung in den maschine?
mäßigen Betrieb.
Die Manufakturperiode, welche Verminderung der zur Ware?‘
produktion notwendigen Arbeitszeit bald als bewußtes Prinz?

294
        <pb n="340" />
        Zwölftes Kapitel.

295

Wsspricht,* entwickelt sporadisch auch den Gebrauch von Maschinen,
lamentlich für gewisse einfache erste Prozesse, die massenhaft und
lt großem Kraftaufwand auszuführen sind. So wird zum Beispiel
’ald in der Papiermanufaktur das Zermalmen der Lumpen durch
‚äpiermühlen und in der Verhüttung von Metallen das Zerstoßen
der Erze durch sogenannte Pochmühlen verrichtet.*? Die ursprüng-\hste
 Form aller Maschinerie hatte das römische Kaiserreich über-Yefert
 in der Wassermühle.** Die Handwerksperiode vermachte
lie großen Erfindungen des Kompasses, des Pulvers, der Buchdruckerei
 und der automatischen [durch ein Getriebe bewegten] Uhr.
Im großen und ganzen jedoch spielt die Maschinerie jene Neben-Olle,
 die Adam Smith ihr neben der Teilung der Arbeit anweist.**
Schr Wichtig wurde die sporadische Anwendung der Maschinerie im
7, Jahrhundert, weil sie den großen Mathematikern jener Zeit praklsche
 Anhaltspunkte und Reizmittel zur Schöpfung der modernen
Mechanik darbot.
Die besondere Maschinerie der Manufakturperiode bleibt der
zus vielen Teilarbeitern kombinierte Gesamtarbeiter selbst.
Die Verschiedenen Operationen, die der Produzent einer Ware ab-Vechselnd
 verrichtet und die sich im Ganzen seines Arbeitsprozesses
"Srschlingen, nehmen ihn verschiedenartig in Anspruch. In der
Anen muß er mehr Kraft entwickeln, in der andern mehr Gewandteit,
 in der dritten mehr geistige Aufmerksamkeit usw., und dasbe
 Individuum besitzt diese Eigenschaften nicht in gleichem Grad.
Nach der Trennung, Verselbständigung und Isolierung der ver-“hiedenen
 Operationen werden die Arbeiter ihren vorwiegenden

An ‘1 Man kann dies unter andern ersehen aus W. Petty, John Bellers,
arew Yarranton, „The Advantages of the East-India Trade“ und J. Vander-Mz..‘°

 Noch gegen Ende des 16. Jahrhunderts bedient sich Frankreich der
Ötser und Siebe zum Pochen und Waschen der Erze.
fol % Die ganze Entwicklungsgeschichte der Maschinerie läßt sich veren
 an der Geschichte der Getreidemühlen. Die Fabrik heißt im Engion
 immer noch Mill [Mühle]. In deutschen technologischen Schriften
Ar den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts findet man noch den Ausne
 Mühle nicht nur für alle mit Naturkräften getriebene Maschinerie,
ven selbst für alle Manufakturen, die maschinenartige Apparate an-N.

A +4 Wie man aus dem vierten Buch dieser Schrift näher sehen wird, hat
NW. Smith keinen einzigen neuen Satz über die Teilung der Arbeit aufgestellt.
Yo ihn aber als den zusammenfassenden politischen Oekonomen der Manu-AL
 arPeriode charakterisiert, ist der Nachdruck, den er auf die Teilung der
m eit legt. Die.untergeordnete Rolle, die er der Maschinerie anweist, rief
&amp;amp; Beginn der großen Industrie Lauderdales, in einer weiter entwickelten
‚woche Ures Polemik hervor. A. Smith verwechselt auch die Differenzierung
o Instrumente, wobei die Teilarbeiter der Manufaktur selbst sehr tätig
jr, mit der ‚Maschinenerfindung. Es sind nicht Manufakturarbeiter, son-Oz
 Gelehrte, Handwerker, selbst Bauern (Brindley) usw., die bei der
T*ündung der Maschine eine Rolle spielen.
        <pb n="341" />
        296

Vierter Abschnit

Eigenschaften gemäß geteilt, klassifiziert und gruppiert. Bilden ihre
Naturbesonderheiten die Grundlage, worauf sich die Teilung der
Arbeit pfropft, so entwickelt die Manufaktur, einmal eingeführt
Arbeitskräfte, die von Natur nur zu einseitiger Sonderfunkti®
taugen. Der Gesamtarbeiter besitzt jetzt alle produktiven Eige”
schaften in gleich hohem Grad der Virtuosität und verausgabt it
zugleich aufs ökonomischste, indem er alle seine Organe, individua®
siert in besonderen Arbeitern oder Arbeitergruppen, ausschließlie
zu ihren spezifischen Funktionen verwendet.“ Die Einseitigkeit und
selbst die Unvollkommenheit des Teilarbeiters werden zu sein“
Vollkommenheit als Glied des Gesamtarbeiters.*® Die Gewohnhel
einer einseitigen Funktion verwandelt ihn in ihr naturgemäß sich?
wirkendes Organ, während der Zusammenhang des Gesamtmechan®
mus ihn zwingt, mit der Regelmäßigkeit eines Maschinenteils m
wirken.*? |
Da die verschiedenen Funktionen des Gesamtarbeiters einfach“
oder zusammengesetzter, niedriger oder höher, erheischen sei“
Organe, die individuellen Arbeitskräfte, sehr verschiedene Gradt
der Ausbildung und besitzen daher sehr verschiedene Werte. Dr
Manufaktur entwickelt also eine Hierarchie [eine Rangordnung] her
Arbeitskräfte, der eine Stufenleiter der Arbeitslöhne entspriel‘
Wird einerseits der individuelle Arbeiter einer einseitigen Funkti®
angeeignet und lebenslang einverleibt, so werden ebensosehr a
verschiedenen Arbeitsverrichtungen jener Hierarchie der nat
lichen und erworbenen Geschicklichkeiten angepaßt.*® Jeder Pr

45 ‚Indem man das Machwerk in mehrere verschiedene Operation®
teilt, deren jede verschiedene Grade von Gewandtheit und Kraft erheisdh
kann der Manufakturherr sich genau das jeder Operation entsprecheP”,
Juantum von Kraft und Gewandtheit verschaffen. Wäre dagegen das er.
Werk von einem Arbeiter zu verrichten, so müßte dasselbe Individul,
genug Gewandtheit für die feinsten und genug Kraft für die mühseligs! f
Verrichtungen besitzen.“ (Ch. Babbage: „On the Economy of Maschin®”
London 18832“, ch. XIX.) u
6 Zum Beispiel einseitige Muskelentwicklung, Knochenverko®”
mung USW. ang
47 Sehr richtig antwortet Herr Wm. Marshall, der oberste Leiter ei
Glasmanufaktur, auf die Frage des Untersuchungskommissärs, wie de‘
Arbeitsamkeit unter den beschäftigten Jungen aufrecht erhalten wer
„Sie können ihre Arbeit nicht gut vernachlässigen; sobald sie einmal il
yinnen, müssen sie auch fortfahren; sie sind nichts anderes mehr als Tor
Simon Maschine.“ („Children’s Employment Commission. 4th Report 18
p. 247.) je
4 Dr. Ure in seiner Verherrlichung der großen Industrie fühl! Rn
eigentümlichen Merkmale der Manufaktur schärfer heraus als früher® Oige
nomen, die nicht sein polemisches Interesse hatten, und selbst als Bine
Zeitgenossen, zum Beispiel Babbage, der ihm zwar überlegen ist als Mar
matiker und Mechaniker, aber dennoch die große Industrie eigentlich det
vom Standpunkt der Manufaktur auffaßt. Ure bemerkt: „Die Aneignung ge
Arbeiter an jede Sonderverrichtung bildet das Wesen der ArbeitstellW”
        <pb n="342" />
        “wölftes Kapitel.

997

uktionsprozeß bedingt indes gewisse einfache Hantierungen, deren
der Mensch, wie er geht und steht, fähig ist. Auch sie werden
eizt von ihrem flüssigen Zusammenhang mit den inhaltvolleren
omenten der Tätigkeit losgelöst und zu ausschließlichen Funktionen
'tknöchert.
Die Manufaktur erzeugt daher in jedem Handwerk, das sie erweift,
 eine Klasse sogenannter ungeschickter [oder ungelernter] Ar-%iler
 [unskilled, solche, die keine besondere Geschicklichkeit er-Torben
 haben], die der Handwerksbetrieb streng ausschloß. Wenn
4 die durchaus vereinseitigte Spezialität auf Kosten des ganzen
\tbeitsvermögens zur Virtuosität entwickelt, beginnt sie auch schon
len Mangel aller Entwicklung zu einer Spezialität zu machen. Neben
die hierarchische Abstufung tritt die einfache Scheidung der Arbeiter
N geschickte und ungeschickte. : Für letztere fallen die Erlernungs-Kosten
 ganz weg, für erstere sinken sie, im Vergleich zum Hand-Ver,
 infolge vereinfachter Funktion. In beiden Fällen sinkt der
Vert der Arbeitskraft.# Ausnahme findet statt, soweit die Zerlung
 des Arbeitsprozesses neue zusammenfassende Funktionen
zeugt, die im Handwerksbetrieb gar nicht oder nicht in dem-‘Üben
 Umfange vorkamen. Die relative Entwertung der Arbeits-Cal,
 die aus dem Wegfall oder der Verminderung der Erlernungs-&amp;amp;
 Sten entspringt, schließt unmittelbar höhere Verwertung des
äPitals ein, denn alles, was die zur Reproduktion der Arbeitskrafi
Viwendige Zeit verkürzt, erweitert das Gebiet.der Mehrarbeit.

&amp;amp; Teilung der Arbeit innerhalb der Manufaktur und Teilung
der Arbeit innerhalb der Gesellschaft.
ii betrachteten erst den Ursprung der Manufaktur, dann ihre
hren sen Elemente, den Teilarbeiter und sein Werkzeug, endlich
isch s Samtmechanismus, Wir berühren jetzt kurz das Verhältnis
chaftlin der manufakturmäßigen Teilung der Arbeit und der gesell-Iller
 ichen Teilung der Arbeit, welche die allgemeine Grundlage
Warenproduktion bildet.
ang lt man nur die Arbeit selbst im Auge, so kann man die Tren-Wie
 An gesellschaftlichen Produktion in ihre großen Gattungen,
die Serikultur, Industrie usw., als Teilung der Arbeit im allgemeinen,
Atem Onderung dieser Produktionsgattungen in Arten und Unterals
 Teilung der Arbeit im besondern, und die Teilung der

r

—
derseits bezeichnet er diese Teilung als „Anpassung der Arbeiten an die
an iedenen individuellen Fähigkeiten“ und charakterisiert endlich das
Aber Manufaktursystem als „ein System der Teilung oder ‚Abstufung der
ac &amp;gt; Nach dem Rang der Geschicklichkeit“, als „eine Teilung der Arbeit
of Mann verschiedenen Graden des Geschicks“ usw. (Ure: „Philosophy
Wacture“, p. 19—23, passim.) .
- Ö »Da je, ter Hoc N ebor ... instand gesetzt wurde, sich here
Arbes ST Speziellen Verrichtung zu vervollkommnen, wurde er ein billig
Her.“ (Ure: „Philosophy of Manufacture“, p. 19.)
        <pb n="343" />
        Vierter Abschnitt
Arbeit innerhalb einer Werkstatt als Teilung der Arbeit im einzelp®
bezeichnen.®°
Die Teilung der Arbeit innerhalb der Gesellschaft und die en
sprechende Beschränkung der Individuen auf besondere Berul*
sphären entwickelt sich, wie die Teilung der Arbeit innerhalb d#
Manufaktur, von entgegengesetizten Ausgangspunkten. Innerhalt
einer Familie,°°* weiter entwickelt eines Stammes, entspringt ein‘
naturwüchsige Teilung der Arbeit aus den Geschlechts- und Alter*
verschiedenheiten, also auf rein physiologischer Grundlage, die mil
der Ausdehnung des Gemeinwesens, der Zunahme der Bevölkeru
und namentlich dem Konflikt zwischen verschiedenen Stämmen un
der Unterjochung eines Stammes durch den andern ihr Material
ausweitet. Anderseits, wie ich früher bemerkt, entspringt der
Produktenaustausch an den Punkten, wo verschiedene Familieh
Stämme, Gemeinwesen in Berührung miteinander kommen, den?
nicht Privatpersonen, sondern Familien, Stämme usw. treten sich “
den Anfängen der Kultur selbständig gegenüber. Verschiedene Ge
meinwesen finden verschiedene Produktionsmittel und verschiede?‘
Lebensmittel in ihrer Naturumgebung vor. Ihre Produktionswe®
Lebensweise und Produkte sind daher verschieden. Es ist dies
naturwüchsige Verschiedenheit, die bei der gegenseitigen Berühr!
der Gemeinwesen den Austausch ihrer Produkte und daher die ®

298

. 50 „Die Teilung der Arbeit geht von der Trennung der verschiede”
artigsten Professionen fort bis zu jener Teilung, wo mehrere Arbeiter ai
in die Anfertigung ein und desselben Produkts teilen, wie in der Ma N
[aktur.‘“ (Storch: „Cours d’Economie Politique.“ Pariser Ausgabe, Bd.
S. 178.) „Wir finden bei den Völkern, die einen gewissen Grad der ziel.
sation erreicht haben, drei Arten der Arbeitsteilung; die erste, die “
Teilung der Arbeit im allgemeinen nennen, führt zur Einteilung der P od
zenten in Landwirte, Industrielle und Kaufleute; sie bezieht sich auf 7
drei Hauptzweige der nationalen Arbeit; die zweite Art, die man gei10
der Arbeit im besondern nennen könnte, ist die Zerlegung jeder prodi
Honsgattung in Arten. ... Die dritte Art, die als Teilung der Verricht
oder Arbeitsteilung im engeren Sinne zu bezeichnen wäre, ist dieje”“ g
welche innerhalb der einzelnen Handwerke und Professionen eintritt UM
die in den meisten Manufakturen und Werkstätten Platz greift.“ (Skarb®”
„Theorie des richesses sociales. 2eme 6d. Paris 1840“, vol. I, p. 84 85.) on
50a In einer Note zur 8. Auflage weist hier Engels auf die später
sehr gründlichen Studien der menschlichen Urzustände hin, die Marx u
nahm und die ihm, wie Engels an anderer Stelle, in der Vorrede zu sei
„Ursprung der Familie“ ausführt, den Wunsch nahelegten, die Ergebnis oh
Morganschen Forschungen zur Darstellung zu bringen. Es sind wesehltn
diese Forschungen, die, wie Engels in jener, Note weiter bemerkt, ZU * 5
Ergebnis führten, „daß ursprünglich nicht die Familie sich zum Stam” Sig
gebildet, sondern umgekehrt, der Stamm die ursprüngliche naturwüch’),
Form der auf Blutsverwandtschaft beruhenden menschlichen Verg® de
schaftung War, so daß aus der beginnenden Auflösung der Stammesb*
erst später die vielfach verschiedenen Formen der Familie sich
wickelten“. K.
        <pb n="344" />
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wölftes Kapitel.

299

lähliche Verwandlung dieser Produkte in Waren hervorruft. Der
\ustausch schafft nicht den Unterschied der Produktionssphären,
Ndern setzt die unterschiedenen in Beziehung und verwandelt sie
© in mehr oder minder voneinander abhängige Zweige einer geellschaftlichen
 Gesamtproduktion. Hier entsteht die gesellschaft-Ihe
 Teilung der Arbeit durch den Austausch ursprünglich ver-“hiedener,
 aber voneinander unabhängiger Produktionssphären.
Dort, Wo die physiologische Teilung der Arbeit den Ausgangspunkt
Nldet, Jösen sich die besonderen Organe eines unmittelbar zu-Ahmengehörigen
 Ganzen voneinander ab, zersetzen sich, zu welchem
‚&amp;amp;Setzungsprozeß der Warenaustausch mit fremden Gemeinwesen
len Hauptanstoß gibt, und verselbständigen sich bis zu dem Punkt,
70 der Zusammenhang der verschiedenen Arbeiten durch den Aus-Asch
 der Produkte als Waren vermittelt wird. Es ist in dem einen
Au Verunselbständigung der früher Selbständigen, in dem andern
"®selbständigung der früher Unselbständigen.
„Die Grundlage aller entwickelten und durch Warenaustausch
"mittelten Teilung der Arbeit ist die Scheidung von Stadt und
And,5 Man kann sagen, daß die ganze ökonomische Geschichte
Ir Gesellschaft sich in der Bewegung dieses Gegensatzes zusammenat,
 auf den wir jedoch hier nicht weiter eingehen. .
„Wie für die Teilung der Arbeit innerhalb der Manufaktur eine
7 misse Anzahl gleichzeitig angewandter Arbeiter die materielle
‚Taussetzung bildet, so für die Teilung der Arbeit innerhalb der
„Sellschaft die Größe der Bevölkerung und ihre Dichtigkeit, die
N 7 an die Stelle der Zusammendrängung in derselben Werkstatt
mitte Indes ist diese Dichtigkeit etwas Relatives. „Ein relativ
ASrlich bevölkertes Land mit entwickelten Verkehrsmitteln besitzt
ve dichtere Bevölkerung als ein mehr bevölkertes Land mit unx
 Vickelten Verkehrsmitteln, und in dieser Art sind zum Beispiel
% Nördlichen Staaten der amerikanischen Union dichter bevölkert
“ Indien.ss

ein Sir hat diesen Punkt am besten behandelt. Wie wenig
Werk, sd ra Tahre vor Adam Smiths „Wealth of Nations“ erschien,
joe ZUlage bekannt ist, sieht man unter anderm daraus, daß die Bewunderer
Sehr LAlthus nicht einmal wissen, daß dieser in der ersten Ausgabe Some
ab, it über das „Bevölkerungsgesetz“, vom rein el lamnlorschen ei
been Chen, neben den Pfaffen Wallace und Townsend fast nur den Steuart
Teibt, |
ir »Eine bestimmte Dichtigkeit der Bevölkerung ist erforderlich sowohl
© den gesellschattlichen Verkehr als auch für jene „Vereinigung von
Kin durch welche die Produktivität der Arbeit erhöht wird. James
Wach, »Elements of Political Economy. London 1821 ‘, pP. 50.) „Mit dem An-My
 der Zahl der Arbeiter steigt die Produktivkraft der Gesellschaft
’eil Verhältnis dieses Wachstums, multipliziert mit dem Erfolg der Arbeits-NEL
 (Th. Hodgskin: „Popular Political Economy“, p. 120.)
net 8 Infolge der großen Baumwollnachfrage seit 1861 wurde in einigen
Zahlreich bevölkerten Distrikten Ostindiens die Baumwollproduktion
        <pb n="345" />
        300

Vierter Abschnitt

Da Warenproduktion und Warenzirkulation die allgemein®
Voraussetzung der kapitalistischen Produktionsweise, erheisch!
manufakturmäßige Teilung der Arbeit eine schon bis zu gewisse”
Entwicklungsgrad gereifte Teilung der Arbeit im Innern der Gesell
schaft. Umgekehrt entwickelt und vervielfältigt die manufaktW”
mäßige Teilung der Arbeit rückwirkend jene gesellschaftliche T%
lung der Arbeit. Mit der Differenzierung der Arbeitsinstrument®
differenzieren sich mehr und mehr die Gewerbe, welche diese x
sirumente produzieren.°* Ergreift der manufakturmäßige Betri®
ein Gewerbe, das bisher als Haupt- oder Nebengewerbe mit ande?
zusammenhing und von demselben Produzenten ausgeführt wurde
so findet sofort Scheidung und gegenseitige Verselbständigung stal
Ergreift er eine besondere Produktionsstufe einer Ware, so ver
wandeln sich ihre verschiedenen Produktionsstufen in verschiede?”
unabhängige Gewerbe. Es ward bereits angedeutet, daß, wo ve
Machwerk ein bloß mechanisch zusammengesetztes Ganzes von T® 4
produkten, die Teilarbeiten sich selbst wieder zu eigenen Han
werken verselbständigen können. Um die Teilung der Arbeit vol 2
kommener innerhalb einer Manufaktur auszuführen, wird derselb r
Produktionszweig, je nach der Verschiedenheit seiner Rohstoffe odP
der verschiedenen Formen, die derselbe Rohstoff erhalten kant
verschiedene zum Teil ganz neue Manufakturen gespaltet. So A
den bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Frankre
allein über 100 verschiedenartige Seidenzeuge gewebt, und ‚oh
Avignon zum Beispiel war es Gesetz, daß „jeder Lehrling Si
immer nur einer Fabrikationsart widmen und nicht die Verfertigi®
mehrerer Zeugarten zugleich erlernen durfte“, Die Teilung tn
Arbeit nach Landstrichen, welche besondere Produktionszweig® ch
besondere Bezirke eines Landes bannt, erhält neuen Anstoß du 8
den manufakturmäßigen Betrieb, der alle Besonderheiten Tor
beutet.° Reiches Material zur Teilung der Arbeit innerhalb de
Gesellschaft liefert der Manufakturperiode die Erweiterung &amp;amp;
Weltmarktes und das Kolonialsystem, die zum Umkreis ihrer ale
meinen Existenzbedingungen gehören. Es ist hier nicht der 1e
weiter nachzuweisen, wie sie neben der ökonomischen jede ande

‚ale
auf Kosten der Reisproduktion ausgedehnt. Es entstand daher an Ve
Orten Hungersnot, weil wegen mangelnder Verkehrsmittel und istril
mangelnden physischen Zusammenhangs der Reisausfall in einem D!
nicht durch Zufuhr aus andern Distrikten ausgeglichen werden konnte. de
54 So bildete die Fabrikation der Weberschiffchen schon währen
17. Jahrhunderts einen besonderen Industriezweig in Holland. „12 ode
55 „Ist nicht die Wollmanufaktur Englands in verschiedene Teile o #8
Zweige gesondert, die an besondere Oertlichkeiten gebunden sind, Sahir®
allein oder hauptsächlich produziert werden; feine Tuche in Somers® alle?
grobe in Yorkshire, doppelbreite in Exeter, Krepps in Norwich, HalbW os
zeuge in Kendal, Decken in Whitney usw.?“ (Berkeley: „The Querist,
SS 520.)
        <pb n="346" />
        R

HM

N

Wölltes Kapitel.
Whäre der Gesellschaft ergreift und überall die Grundlage zu jener
Ausbildung des Fachwesens, der Spezialitäten, und einer Zerstückelung
 des Menschen legt, die schon A. Ferguson, den Lehrer A. Smiths,
ü den Ausruf ausbrechen ließ: „Wir bilden eine Nation von Heloten,
des gibt keine freien Bürger mehr unter uns.‘
Trotz der zahlreichen Analogien [Uebereinstimmungen] jedoch
A der Zusammenhänge zwischen der Teilung der Arbeit im Innern
der Gesellschaft und der Teilung innerhalb einer Werkstatt, sind
"ide hicht nur graduell, sondern wesentlich unterschieden. Am
Wi Nagendsten scheint die Analogie unstreitig, wo ein inneres Band
ne Schiedene Geschäftszweige verschlingt. Der Viehzüchter zum
Seispiel produziert Häute, der Gerber verwandelt die Häute in
(oder, der Schuster das Leder in Stiefel. Jeder produziert hier ein
enprodukt, und die letzte fertige Gestalt ist das kombinierte
1 9dukt ihrer Sonderarbeiten. Es kommen hinzu die mannig-)
 hen Arbeitszweige, die dem Viehzüchter, Gerber, Schuster Proa
 Honsmittel liefern. Man kann sich nun mit A. Smith einbilden,
"Se Eesellschaftliche Teilung der Arbeit unterscheide sich von der
A fakturmäßigen nur subjektiv, nämlich für den Beobachter, der
u die mannigfachen Teilarbeiten auf einen Blick räumlich ZU-AMmensieht,
 während dort ihre Zerstreuung über große Flächen
zn die große Zahl der in jedem Sonderzweig Beschäftigten den
ke ammenhang verdunkeln.”” Was aber stellt den Zusammenhang
0 %Wischen den unabhängigen Arbeiten von Viehzüchter, Gerber,
5} Uster? Das Dasein ihrer respektiven Produkte als Waren. Was
; dTakterisiert dagegen die manufakturmäßige Teilung der Arbeit?

ie % 4. Ferguson: „History of Civil Society. Edinburgh 1767“, Part IV,
% U, p. 285. heint die Teilung der
X igentli t er, schein
In hen Manufakturen, sagt er, £ 4 ıng
ei eben be in den verschiedenen Arbeilspweigen Beschäftigten
in d 7 S it beisammen sein und sämtlich von eine -
Dachea.  Selben Werksta En In jenen großen
ter mit ei ick übersehen werden können. j
Man mit einem Blick ü } A rin der großen
Wakturen 1) dagegen, welche die wesentlichen Bedür nisse On
A © des Volkes x befriedigen haben, beschäftigt jeder einzelne Anno
in Sine so große Zahl von Arbeitern, daß es unmöglich u a: ver
ir Clden Arbeitsgebäude zusammenzubringen. . . Die Te ehr 43 [Vel
U Ant so augenfällig.“ (A. Smith: „Wealth of Nations“, b. I, €! En 1 andes“
ders chung über das Wesen und die Ar HT De N Derühreie
SSet ö lin 1905, S. 6 £f.
Pag Zt von F. Stöpel. 2. Auflage. Ber. ; SD
bis in oma sen Kapitel, der mit den Worten nl En
edle die Habseligkeiten des gewöhnlichsten Handwerkers o St ag ;
tz zen einem zivilisierten und blühenden Lande ee ‚ St
8 8, 15 iter ausmalt, wie zahllos mannig
laden de eltern eines gewöhnlichen Arbeiters zusammennen,
 ist Ziemlich wörtlich kopiert aus B. de Mandevilles CET
Ads ler „Fable of the Bees, or Private Vices, Publick Benefits.“ (Ers
abe ohne Bemerkungen 1706, mit den Bemerkungen 1714.)
        <pb n="347" />
        302

Vierter Abschnitt

Daß der Teilarbeiter keine Ware produziert.” Erst das gemeinsan®
Produkt der Teilarbeiter verwandelt sich in Ware. Die Teil
der Arbeit im Innern der Gesellschaft ist vermittelt durch den Kat
und Verkauf der Produkte verschiedener Arbeitszweige, der Zu
sammenhang der Teilarbeiten in der Manufaktur,durch den Verkall
verschiedener Arbeitskräfte an denselben Kapitalisten, der sie ab
kombinierte Arbeitskraft verwendet. Die manufakturmäßige Teil
der Arbeit unterstellt Konzentration [Zusammenfassung] der PC
duktionsmittel in der Hand eines Kapitalisten, die gesellsche! ;
liche Teilung der Arbeit Zersplitterung der Produktionsmittel ut?
viele voneinander unabhängige Warenproduzenten. Während in der
Manufaktur das eherne Gesetz der Verhältniszahl oder Proport”
nalität bestimmte Arbeitermassen bestimmten Funktionen unter
wirft, treiben Zufall und Willkür ihr buntes Spiel in der Verteilu®
der Warenproduzenten und ihrer Produktionsmittel ünter die ver
schiedenen gesellschaftlichen Arbeitszweige. Zwar suchen sich ae
verschiedenen Produktionssphären beständig ins Gleichgewicht P
setzen, indem einerseits jeder Warenproduzent einen Gebraucht
wert produzieren, also ein besonderes gesellschaftliches Bedürft?
befriedigen muß, der Umfang dieser Bedürfnisse aber auantita?

58 „So gibt es denn nichts mehr, was wir als den natürlichen Lohn Wr
die Arbeit eines einzelnen bezeichnen könnten. Jeder Arbeiter produz®
nur einen Teil eines Ganzen; und da jeder Teil für sich allein ohne Wert Ye
ohne Nutzen ist, so existiert nichts, dessen sich der Arbeiter zu bemächti? )
vermöchte und von dem er sagen könnte: Dies ist das Erzeugnis mein
Arbeit, dies will ich für mich behalten. („Labour defended against v
claims of Capital. London 1825“, p. 25.) Der Verfasser dieser vorii
lichen Schrift ist der früher zitierte Th. Hodgskin. [Vgl. Thomas Hodgsl
„Verteidigung der Arbeit gegen die Ansprüche des Kapitals“, übers ik
von Dr. Friedr. Raffel. Hauptwerke des Sozialismus und der Sozialp0H®
10. Heft. Leipzig 1909, S. 61 ff.] „he
58a Note zur 2. Ausgabe. Dieser Unterschied zwischen gesellschaftif®,
und manufakturmäßiger Teilung der Arbeit wurde den Yankees pr
illustriert. Eine der während des Bürgerkrieges zu Washington nel 19
geheckten Steuern war die Auflage von 6 pZt. auf „alle industrie
Produkte“, Frage: Was ist ein industrielles Produkt? Antwort des Ge
gebers: Ein Ding ist produziert, „wenn es gemacht ist“ (when it iS Du
und es ist gemacht, wenn für den Verkauf fertig. Nun ein Beispi® Ct
vielen. Manufakturen zu New York und Philadelphia hatten früher R Ci
schirme mit allem Zubehör „gemacht“. Da ein Regenschirm aber Be
Mixtum Compositum [eine Zusammensetzung] ganz verschiedenartig® gi
standteile, wurden letztere nach und nach zu Machwerken unabbi Tre
voneinander und an verschiedenen Orten betriebener Geschäftszweiß®: „jr
Teilprodukte gingen nun als selbständige Waren ein in die RegenS oe
manufaktur, Welche sie nur noch in ein Ganzes zusammensetzt. Die Yan uf
haben derartige Artikel „assembled articles“ (versammelte Artikel) gr
was sie namentlich verdienten als Sammelplätze von Steuern. SO de
sammelte“ der Regenschirm erstens 6 pZt. Auflage auf den Preis Pi
seiner Elemente und hinwiederum 6 pZt. auf seinen eigenen GesamP '
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Zwölttes Kapitel.

303

"schieden ist und ein inneres Band die verschiedenen Bedürfnis-Massen
 zu einem naturwüchsigen System verkettet; indem ander-‘its
 das Wertgesetz der Waren bestimmt, wieviel die Gesellschaft
"N ihrer ganzen verfügbaren Arbeitszeit auf die Produktion jeder
Sönderen Warenart verausgaben kann. Aber diese beständige
Tendenz der verschiedenen Produktionssphären, sich ins Gleich-SWicht
 zu setzen, betätigt sich nur als Reaktion gegen die be-Vändige
 Aufhebung des Gleichgewichts. Die bei der Teilung der
Atbeit im Innern der Werkstatt von vornherein und planmäßig be-Olgte
 Regel wirkt bei der Teilung der Arbeit im Innern der Gesell-“haft
 nur hintennach als innere, stumme, im Barometerwechsel der
arktpreise wahrnehmbare, die regellose Willkür der Waren-"Toduzenten
 überwältigende Naturnotwendigkeit. Die manufaktur-„ige
 Teilung der Arbeit unterstellt die unbedingte Autorität des
Sapitalisten über Menschen, die bloße Glieder eines ihm gehörigen
„amtmechanismus bilden; die gesellschaftliche Teilung der Arbeit
Sell Unabhängige Warenproduzenten einander gegenüber, die keine
uedere Autorität anerkennen als die der Konkurrenz, den Zwang,
ee der Druck ihrer wechselseitigen Interessen auf sie ausübt, wie
ycch im Tierreich der Kampf aller gegen alle die Existenzdingungen
 aller Arten mehr oder minder erhält. Dasselbe
a Serliche Bewußtsein, das die manufakturmäßige Teilung der
‚heit, die lebenslängliche Fesselung des Arbeiters ‚an. eine Detailde
 ichtung und die unbedingte Unterordnung der Teilarbeiter unter
de Kapital als eine Organisation der Arbeit feiert, welche ihre
zes düktivkraft steigere, brandmarkt daher ebenso laut jede bewußte
3 Lchaftliche Kontrolle und Regelung des gesellschaftlichen Prou
 OnSprozesses als einen Eingriff in die unverletzlichen Kigen-4es
 Techte, in die Freiheit und sich selbst bestimmende „Genialität
do dividuellen Kapitalisten. Es ist sehr charakteristisch, daß die
je eisterten Apologeten des Fabriksystems nichts Aergeres gegen
vis allgemeine Organisation der gesellschaftlichen Arbeit zu sagen
ra als daß sie die ganze Gesellschaft in eine Fabrik verwandeln
aan Zen die Anarchie der gesellschaftlichen und die Despotie der
kan Akturmäßigen Arbeitsteilung einander in der Gesellschaft der
Ges Tistischen Produktionsweise bedingen, bieten dagegen frühere
Rat, Ischaftsformen, worin die Besonderung der Gewerbe sich
beta Yüchsig entwickelt, dann kristallisiert und endlich gesetzlich
Org Sligt hat, einerseits das Bild einer plan- und autoritätsmäßigen
de miSation der gesellschaftlichen Arbeit, während sie anderseits
dep lung der Arbeit innerhalb der Werkstatt ganz ausschließen,
hype einem Zwergmaßstab, oder nur sporadisch und zufällig
ein 59

De

N i : Je weniger . die
2 M ine Regel aufstellen:
"orig der Fu" innerhalb der Gesellschaft vorsteht. desto
        <pb n="349" />
        304

Vierter Abschnit

Jene uraltertümlichen, kleinen indischen Gemeinwesen zu
Beispiel, die zum Teil noch fortexistieren, beruhen auf gemeinschaft
lichem Besitz des Grund und Bodens, auf unmittelbarer Verbindu®
von Agrikultur und Handwerk und auf einer festen Teilung der Arbeit
die bei Anlage neuer Gemeinwesen als gegebener Plan und Grund
riß dient. Sie bilden sich selbst genügende Produktionsganze, der
Produktionsgebiet von 100 bis auf einige 1000 Acres wechselt. Dr
Hauptmasse der Produkte wird für den unmittelbaren Selbstbedz!
der Gemeinde produziert, nicht als Ware, und die Produktion gelb?
ist daher unabhängig von der durch Warenaustausch vermittelt?”
Teilung der Arbeit im großen und ganzen der indischen Gesellschtt
Nur der Ueberschuß der Produkte verwandelt sich in Ware, zu
Teil selbst wieder erst in der Hand des Staates, dem ein hestimmt®
Quantum seit undenklichen Zeiten als Naturalrente zufließt. ver
schiedene Teile Indiens besitzen verschiedene Formen des Gem
wesens. In der einfachsten Form bebaut die Gemeinde das La
gemeinschaftlich und verteilt seine Produkte unter ihre Glied?
während jede Familie Spinnen, Weben usw. als häusliches Nebe
gewerbe treibt. Neben dieser gleichartig beschäftigten Masse find?
wir den „Haupteinwohner“, Richter, Polizei und Steuereinnehme A
einer Person; den Buchhalter, der die Rechnung über den Ackerb”
führt und alles darauf Bezügliche katastriert und registriert; ein?
dritten Beamten, der Verbrecher verfolgt und fremde Reisend® w
schützt und von einem Dorf zum andern geleitet; den GrenzmaP
der die Grenzen der Gemeinde gegen die Nachbargemeinden A
wacht; den. Wasseraufseher, der das Wasser aus den gemeine
lichen Wasserbehältern zu Ackerbauzwecken verteilt; den Br
manen, der die Funktionen des religiösen Kultus verrichtet; %
Schulmeister, der die Gemeindekinder im Sand schreiben und Mn
iehrt; den Kalenderbrahmanen, der als Astrolog die Zeiten für Son
Ernte und die guten und bösen Stunden für alle besonderen A
bauarbeiten angibt; einen Schmied und einen Zimmermann, well,
alle Ackerbauwerkzeuge verfertigen und ausbessern; den TOP
der alle Gefäße für das Dorf macht; den Barbier, den Wäsche“ ed
die Reinigung der Kleider, den Silberschmied, hier und da tn
Poeten, der in einigen Gemeinden den Silberschmied, in ande!? T%
Schulmeister ersetzt. Dies Dutzend Personen wird auf Koste? ige
ganzen Gemeinde erhalten. Wächst die Bevölkerung, so wird A
neue Gemeinde nach dem Muster der alten auf unbebautem BO u
angesiedelt. Der Gemeindemechanismus zeigt planmäßige Teil
mehr entwickelt sich die Arbeitsteilung im Innern der Werkstatt, und %
50 mehr ist sie der Autorität eines einzelnen unterworfen. Demnach + de
die Autorität in der Werkstatt und die in der Gesellschaft in bezuß af er
Arbeitsteilung im umgekehrten Verhältnis zueinander.“ (Karl Weed
an PElo sub le one Paris 1847“, p. 130, 181.) [Vgl. „DIS Ad?
euts: i
Stuttgart 1892, Ss; 120.1] ch von E, Bernstein und K, Kautsky, %

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Wölftes Kapitel.

305

ler Arbeit, aber ihre manufakturmäßige Teilung ist unmöglich,
dem der Markt für Schmied, Zimmermann usw. unverändert bleibt
Ad höchstens, je nach dem Größenunterschied der Dörfer, statt
Mes Schmiedes, Töpfers usw. ihrer zwei oder drei vorkommen.“
Das Gesetz, das die Teilung der Gemeindearbeit regelt, wirkt hier
Wt der unverbrüchliehen Autorität eines Naturgesetzes, während
der besondere Handwerker, wie Schmied usw., nach überlieferter
\rt, aber selbständig und ohne Anerkennung irgendeiner Autorität
U Seiner Werkstatt, alle zu seinem Fach gehörigen Operationen verlchtet.
 Der einfache produktive Organismus dieser selbstgenügen-(en
 Gemeinwesen, die sich beständig in derselben Form reprodu-"ren
 und, wenn zufällig zerstört, an demselben Ort, mit demselben
amen, wieder aufbauen,* liefert den Schlüssel zum Geheimnis der
) WWeränderlichkeit asiatischer Gesellschaften, zu der einen so auf-Allenden
 Gegensatz bildet die beständige Auflösung und Neubildung
Slatischer Staaten und rastloser Dynastienwechsel. Die Struktur der
Konomischen Grundelemente der Gesellschaft bleibt von den Stürden
 der politischen Wolkenregion unberührt.
„Die Zunftgesetze, wie schon früher bemerkt, verhinderten plan-AAßig,
 durch äußerste Beschränkung der Gesellenzahl, die ein
ANzelner Zunftmeister beschäftigen durfte, seine Verwandlung in
cn Kapitalisten. Ebenso konnte er Gesellen nur beschäftigen in
„m ausschließlichen Handwerk, worin er selbst Meister war. ‚Die
Wehrte eifersüchtig jeden Uebergriff des Kaufmannskapitals
de der einzig freien Form des Kapitals, die ihr gegenüberstand.
vn Kaufmann konnte alle Waren kaufen, nur nicht die Arbeit als
ZT8, Er war geduldet als Verleger der Handwerksprodukte.
len äußere Umstände eine fortschreitende Teilung der Arbeit
N "Vor, so zerspalteten sich bestehende Zünfte in Unterarten oder
‚Sorten sich neue Zünfte neben die alten hin, jedoch ohne Zua
 Menfassung verschiedener Handwerke in einer Werkstatt. Die
ya Organisation, so sehr ihre Besonderung, Isolierung und Aus-(dung
 der Gewerbe zu den materiellen Existenzbedingungen der

. % Lieut, ilks: „Historical Sketches of the South of India.
don 1006 Col, E De 118—20, Eine gute Zusammenstellung der
an Riedenen Formen des indischen Gemeinwesens findet man in George
"Mpbell: „Modern India. London 1852“. a.
je; “In diesen einfachen Formen ... haben die Einwohner des Eden
% Wnvordenklichen Zeiten gelebt. Die Grenzen „der Dorfgebiete sin
Kr Selten geändert worden; und obwohl die Dörfer wiederholt durch
SE, Hungersnot und Seuchen geschädigt und selbst vernichtet wurden,
Den Sich der Name, die Grenzen, die Interessen und selbst die Familien
nich Viele Generationen erhalten. Die Einwohner bekümmern sich nicht
de den Zusammenbruch und die Teilung von Königreichen; solange das
“u Ungeteilt bleibt, ist es ihnen gleichgültig, an welche Macht es abac
 n Wird oder welchem Herrscher es zufällt. Die Wirtschaft im
Toy "2 des Dorfes bleibt unverändert.“ (Th. Stamford Raffles, late Lieut,
‘ % Java: „The History of Java. London 1817“, vol. II, p. 285.)
Das Kapital. I. 20
        <pb n="351" />
        306

Vierter Abschnitt

Manufakturperiode gehören, schloß daher die manufakturmäßige
Teilung der Arbeit aus. Im großen und ganzen blieben der Arbeite!
und seine Produktionsmittel miteinander verbunden, wie die
Schnecke mit dem Schneckenhaus, und so fehlte die erste Grund
lage der Manufaktur, die Verselbständigung der Produktionsmitte!
als Kapital gegenüber dem Arbeiter.
Während die Teilung der Arbeit im Ganzen einer Gesellschaft
ob vermittelt oder unvermittelt durch den Warenaustausch, den ver
schiedenartigsten ökonomischen Gesellschaftsformationen angehörb
ist die manufakturmäßige Teilung der Arbeit eine ganz spezifisch
Schöpfung der kapitalistischen Produktionsweise.

5. Der kapitalistische Charakter der Manufaktur.
Eine größere Arbeiteranzahl unter dem Kommando desselbe”
Kapitals bildet den naturwüchsigen Ausgangspunkt, wie der Ko
operation überhaupt, so der Manufaktur. Umgekehrt entwickelt di
manufakturmäßige Teilung der Arbeit das Wachstum der %P
zgewandten Arbeiterzahl zur technischen Notwendigkeit. pa
Arbeiterminimum, das ein einzelner Kapitalist anwenden muß, B
ihm jetzt durch die vorhandene Teilung der Arbeit vorgeschrieb®
Anderseits sind die Vorteile weiterer Teilung bedingt durch weiter“
Vermehrung der Arbeiteranzahl, die nur noch in der Weise auf
führbar, daß mit einem Schlage die Vermehrung in bestimmten P er
portionen bei allen den verschiedenen Gruppen des Betriebes nn
genommen wird. Mit dem variablen muß aber auch der konstal ,
Bestandteil des Kapitals wachsen, neben dem Umfang der gemel?
samen Produktionsbedingungen, wie Baulichkeiten, Oefen u
namentlich auch und viel rascher als die Arbeiteranzahl, das en
material. Seine Masse, verzehrt in gegebener Zeit durch gegebe
Arbeitsquantum, nimmt in demselben Verhältnis zu wie die FR
üuktivkraft der Arbeit infolge ihrer Teilung. Wachsender Mine
umfang von Kapital in der Hand der einzelnen Kapitalisten, © nd
wachsende Verwandlung der gesellschaftlichen Lebensmittel DER
Produktionsmittel in Kapital ist also ein aus dem technisch
Charakter der Manufaktur entspringendes Gesetz. 62

%z „Es genügt nicht, daß das zur Unterabteilun eo nötig?
Kapital (sollte heißen, die dazu nötigen ebene un Den Eonsmitt®)
sich in der Gesellschaft vorhanden vorfinde; es ist außerdem nötig, daß ©
in den Händen der Unternehmer in hinreichend beträchtlichen Mass“
akkumuliert sei, um sie zur Arbeit auf großer Stufenleiter zu befähige® ; ot
Je mehr die Teilung zunimmt, erheischt die beständige Beschäftigung ein
selben Zahl von Arbeitern immer beträchtlicheres Kapital in Werkzeußt
Rohstoffen usw.“ (Storch: „Cours d’Economie Politique.“ Pariser Ausg®a%
Bd. I, S. 250, 251.) „Die Konzentration der Produktionsmittel und ‚0
Arbeitsteilung sind ebenso untrennbar voneinander, wie auf dem Gebl®,
der Politik die Zentralisation der öffentlichen Gewalten und die Teil?
        <pb n="352" />
        Zölites K apitel.

307

Wie in der einfachen Kooperation ist in der Manufaktur der
unktionierende Arbeitskörper eine Existenzform des Kapitals. Der
WS vielen individuellen Teilarbeitern zusammengesetzte gesell-“haftliche
 Produktionsmechanismus gehört dem Kapitalisten. Die
WS der Kombination der Arbeiten entspringende Produktivkraft
Scheint daher als Produktivkraft des Kapitals. Die eigentliche
Manufaktur unterwirft nicht nur den früher selbständigen Arbeiter
lem Kommando und der Disziplin des Kapitals, sondern schafft
berdem eine hierarchische Gliederung unter den Arbeitern selbst.
Während die einfache Kooperation die Arbeitsweise der einzelnen
© großen und ganzen unverändert läßt, revolutioniert die Manuaktur
 sie von Grund aus und ergreift die individuelle Arbeitskraft
© ihrer Wurzel. Sie verkrüppelt den Arbeiter in eine Abnormität,
dem sie sein Detailgeschick treibhausmäßig fördert durch Unterückung
 einer Welt von produktiven Trieben und Anlagen, wie
Can in den La-Plata-Staaten ein ganzes Tier abschlachtet, um sein
Fell Oder seinen Talg zu erbeuten. Die besonderen Teilarbeiten
Verden nicht nur unter verschiedene Individuen verteilt, sondern
las Individuum selbst wird geteilt, in das automatische Triebwerk
ws Teilarbeit verwandelt®* und die abgeschmackte Fabel des
yenius Agrippa verwirklicht, die einen Menschen als bloßes
ae schen seines eigenen Körpers [Arbeiter als Glieder, Ausbeuter
x Magen] darstellt.‘ Wenn der Arbeiter ursprünglich seine
1. Sitskraft an das Kapital verkauft, weil ihm die materiellen
rn zur Produktion einer Ware iehlen, versagt jetzt seine
da Widuelle Arbeitskraft selbst ihren Dienst, sobald sie nicht an
Zu Kapital verkauft wird. Sie funktioniert nur noch in einem
W SAmmenhang, der erst nach ihrem Verkauf existiert, in der
past Kstatt des Kapitalisten. Seiner natürlichen Beschaffenheit
vn Verunfähigt, etwas Selbständiges zu machen, entwickelt der
Werfakturarbeiter produktive Tätigkeit nur noch als Zubehör zur
Ökstatt des Kapitalisten.® Wie dem auserwählten Volk auf der

der Pri Ai Ja Philosophie. Paris 1847“,
‚WVatinteressen.“ (Karl Marx: „Misere de la Philosophie. ;
R 19 [Vgl. „Das and der Philosophie“, CC E. Bernstein und
eullsky, "2. Auflage. Stuttgart 1892, S. 128, 124.
[si 3 Dukala Siena nennt die Manufakturarbeiter „lebende A
Da Seibst bewegende Maschinen ohne eigenen Willen] .. ii or Binburan
(Rs @bteilungen der Arbeit.“ (Works, ed. by Sir &amp;lt; ya on, g
91, 11. „Leetures on Political Economy“, p. 18.
fü ‚+ Bei den Korallen bildet jedes Individuum in der Tat den Magen
ne Sanze Gruppe. Es führt ihr aber Nahrungsstoff zu, statt wie der
“che Patrizier ihn wegzuführen. .
be) N „Derjenige Arbeiter, dessen Fertigkeit einen ganzen „Gewerbszweig
Anetrscht kann überallhin gehen, um sein Handwerk auszuüben und sein
Zur Omen zu finden; der andere (der Manufakturarbeiter) ist nur ein
ba Chör und besitzt losgetrennt von seinen Arbeitsbrüdern, keine Brauch-"keit
 Und keine Unabhängigkeit mehr, er ist daher gezwungen, sich in
        <pb n="353" />
        308
Stirn geschrieben stand, daß es das Eigentum Jehovahs, so drück!
die Teilung der Arbeit,dem Manufakturarbeiter einen Stempel auf,
der ihn zum Eigentum des Kapitals brandmarkt.
Die Kenntnisse, die Einsicht und der Wille, die der selbständig®
Bauer oder Handwerker, wenn auch auf kleinem Maßstab, ent’
wickelt, wie der Wilde alle Kunst des Krieges als persönliche List
ausübt, sind jetzt nur noch für das Ganze der Werkstatt erheischt
Die geistigen Potenzen [Triebkräfte] der Produktion erweitern ihr“
Maßstab auf der einen Seite, weil sie auf vielen Seiten verschwinde®
Was die Teilarbeiter verlieren, konzentriert sich ihnen gegenüb?
im Kapital.%® Es ist ein Produkt der manufakturmäßigen Teilunß
der Arbeit, ihnen die geistigen Potenzen des materiellen Pr
duktionsprozesses als fremdes Eigentum und sie beherrschend®
Macht gegenüberzustellen. Dieser Scheidungsprozeß beginnt in de
einfachen Kooperation, wo der Kapitalist den einzelnen Arbeite®
gegenüber die Einheit und den Willen des gesellschaftlichen Arbeil®
körpers vertritt. Er entwickelt sich in der Manufaktur, die de)
Arbeiter zum Teilarbeiter verstümmelt. Er vollendet sich in der
großen Industrie, welche die Wissenschaft als selbständige P!%
duktionspotenz von der Arbeit trennt und in den Dienst des Kapital
preßt.®7

Vierter Abschnitt

In der Manufaktur ist die Bereicherung des Gesamtarbeit®”
und daher des Kapitals an gesellschaftlicher Produktivkraift hedirß
durch die Verarmung des Arbeiters an individuellen Produkti”
kräften. „Die Unwissenheit ist die Mutter der Industrie wie de
Aberglaubens. Nachdenken und Einbildungskraft sind dem Inst
unterworfen; aber die Gewohnheit, den Fuß oder die Hand zu be
wegen, hängt weder von dem einen, noch von der ander®
Manufakturen gedeihen also da am meisten, wo man am meist
sich des Geistes entschlägt, in der Art, daß die Werkstatt als ei
Maschine beirachtet werden kann, deren Teile Menschen sind- .
In der Tat wandten einige Manufakturen in der Mitte des 18- Jah

das Gesetz zu fügen, das man ihm vorzuschreiben für gut findet.“ (store)
„Cours d’Economie Politique. Ed. Petersbourg 1815“, vol. I, p. 204.) t 1Y
86 A. Ferguson: „History of Civil Society. Edinburgh 1767“, Pal ge
sect. I, p. 281: „Der erstere [der Meister in der Fabrik, der 10 ge
Staatsmann, der General] mag gewonnen haben, was der ander®
Arbeiter, der untere Beamte, der Soldat] verloren hat.“ 4 vol
67 ‚Der Mann des Wissens und der produktive Arbeiter sind weit itel$
einander getrennt, und die Wissenschaft, statt in der Hand des Arb® gast
seine eigenen Produktivkrälte für ihn selbst zu vermehren, hat sich yo
überall ihm gegenübergestellt. ... Kenntnis wird ein Instrument, Fähl®
der Arbeit getrennt und ihr entgegengesetzt zu werden.“ (W.T Komp“
„An Inquiry into the Principles of the Distribution of Wealth. London
p. 274.) art gY
68 A. Ferguson: „History of Civil Society. Edinburgh 1767“. P
sect. I. np. 280.
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Zwölftes Kapitel.

309

Ynderts für gewisse einfache Operationen, welche aber Fabrik-3eheimnisse
 bildeten, mit Vorliebe halbe Idioten an.%®
„Der Geist der großen Mehrzahl der Menschen“, sagt A. Smith,
htwickelt sich notwendig aus und an ihren Alltagsverrichtungen.
Sin Mensch, der sein ganzes Leben in der Verrichtung weniger einacher
 Operationen verausgabt . . . hat keine Gelegenheit, seinen
Verstand zu üben, ... Er wird im allgemeinen so stupid und un-Wissend,
 wie es für eine menschliche Kreatur möglich ist.“ Nachvom
 Smith den Stumpfsinn des Teilarbeiters geschildert, fährt er
Ort: „Die Einförmigkeit seines Lebens, das jeder Abwechslung er-Mangelt,
 verdirbt natürlich auch den Mut seines Geistes. . .. Sie zer-Kt
 Selbst die Energie seines Körpers und verunfähigt ihn, seine
Oo Schwunghaft und ausdauernd anzuwenden außer in der Detail-‚chäftigung,
 wozu er herangezogen ist. Sein Geschick in seinem benerren
 Gewerke scheint so erworben auf Kosten seiner intellektu-©D,
 sozialen und kriegerischen Tugenden. Aber in jeder industriellen
nn _Zivilisierten Gesellschaft ist dies der Zustand, worin der
d Sitende Arme (the labouring poor), das heißt die große Masse
de Volkes, notwendig verfallen muß.“ Um die aus der Teilung
nn Arbeit entspringende völlige Verkümmerung der Volksmasse
% Verhindern, empfiehlt A. Smith Volksunterricht von Staats wegen,
°Dn auch in vorsichtig homöopathischen Dosen. Konsequent
kmmisiert dagegen sein französischer Uebersetzer und Kommentadat
 G. Garnier, der sich unter dem ersten französischen Kaisertum
die „e°mäß zum Senator entpuppte. Volksunterricht verstoße wider
da Ersten Gesetze der Teilung der Arbeit und mit demselben „ächte
long Unser ganzes Gesellschaftssystem“. „Wie alle andern Tei-Y
 Sen der Arbeit“, sagt er, „wird die zwischen Handarbeit und
Ststandesarbeit?? ausgesprochener und entschiedener im Maße wie

La % J, D. Tuckett: „A History of the Past and Present State of the
bouring Population. London 1846“, vol. I, p. 149.
üb © A. Smith: „Wealth of Nations“, b. V, ch. I, art. IL [Untersuchungen
d °T das Wesen und die Ursachen des Volkswohlstandes‘“, Buch V, 1. Kap,
Te schnitt.] Als Schüler A. Fergusons, der die nachteiligen Folgen der
aus ig der Arbeit entwickelt hatte, war A. Smith über diesen Punkt durchdes
 Slar, Im Eingang seines Werkes, wo die Teilung der Arbeit dem Plan
a Werkes entsprechend. gefeiert wird, deutet er sie nur vorübergehend
üb Quelle der gesellschaftlichen Ungleichheiten an. Erst im fünften Buch
dr das Staatseinkommen reproduziert er Ferguson. Ich habe in „Misere
AS Philosophie“ das Nötige über das historische Verhältnis von Ferguson,
bag mith, Lemontey und Say in ihrer Kritik der Teilung der Arbeit gegeben
Fo dort auch zuerst die manufakturmäßige Teilung der Arbeit als spezifische
Be der kapitalistischen Produktionsweise dargestellt. (S. 122 ff.) [Vgl
zart Lea Philosophie‘, deutsch von E. Bernstein und K, Kautsky. Stutt-;S.
 112 ff.
D. 981. Ferguson x bereits in „History of Civil Society“, part IV, sect. 1,
zu al »Und das Denken selbst kann in diesem Zeitalter der Arbeitsteilung
em eigenen Beruf werden.“
        <pb n="355" />
        310

Vierter Abschnitt

die Gesellschaft (er wendet richtig diesen Ausdruck an für das
Kapital, das Grundeigentum und ihren Staat) reicher wird. Gleich
jeder andern ist diese Teilung der Arbeit eine Wirkung vergangen“
und eine Ursache künftiger Fortschritte. ... Darf die Regierung
denn dieser Teilung der Arbeit entgegenwirken und sie in ihre®
naturgemäßen Gang aufhalten? Darf sie ‚einen Teil der Staal®
einnahme zum Versuch verwenden, zwei Klassen von Arbeit, die
ihre Teilung und Trennung erstreben, miteinander zu vermengen und
zu vermischen?“ 72

Eine gewisse geistige und körperliche Verkrüppelung ist unze"
trennlich selbst von der Teilung der Arbeit im ganzen und groß®
der Gesellschaft. Da aber die Manufakturperiode diese gesellschaft
liche Zerspaltung der Arbeitszweige viel weiter führt, anderseiß
erst mit der ihr eigentümlichen Teilung das Individuum an seine!
Lebenswurzel ergreift, liefert sie auch zuerst das Material und d®
Anstoß zur industriellen Pathologie [der Lehre von den Krankheit
der Industriearbeiter].’?
„Einen Menschen unterabteilen, heißt ihn hinrichten, wen! er
das Todesurteil verdient; ihn meuchelmorden, wenn er es nicht v°F
Bent. Die Unterabteilung der Arbeit ist der Meuchelmord ein®
Olkay ‘74

Die auf Teilung der Arbeit beruhende Kooperation oder die
Manufaktur ist in ihren Anfängen ein naturwüchsiges Gebild. So
bald sie einige Festigkeit und Breite des Daseins gewonnen, wird
sie zur bewußten, planmäßigen und systematischen Form der
kapitalistischen Produktionsweise. Die Geschichte der eigentlich“
Manufaktur zeigt, wie die ihr eigentümliche Teilung der Arbeit
zunächst erfahrungsmäßig, gleichsam hinter dem Rücken der b#”

73 G. Garnier, Bd. V seiner Uebersetzung, S. 2—5. „sro
78 Ramazzini, Professor der praktischen Medizin zu Padua, veröffet
lichte 1713 sein Werk: „De morbis artificum“, 1781 ins Französische UM,
setzt, wieder abgedruckt 1841 in der „Encyclopedie des Sciences M6diCA u
7eme Discours: Auteurs Classiques“. Die Periode der großen Industrie ter
seinen Katalog der Arbeiterkrankheiten natürlich sehr vermehrt. Siehe e
anderm „Hygiene physique et morale de Pouvrier dans les grandes villes rel
general, et dans la ville de Lyon en particulier. Par le Dr. A. L. Fonlee
Paris 1858“ und „Die Krankheiten, welche verschiedenen Ständen, An
und Geschlechtern eigentümlich sind. 6 Bände. Ulm 1860“, Im JA
1854 ernannte die Society of Arts eine Untersuchungskommission üb ap
dustrielle Pathologie. Die Liste der, von dieser Kommission gesamm®
Dokumente findet man im Katalog des „Twickenham Economic Muse, „d
Sehr wichtig die offiziellen „Reports on Public Health“. Siehe auch Ed
Eeich, M. D.: „Ueber die Entartung des Menschen, Erlangen 1868“. natl®
"4 D. Urguhart: „Familiar Words. London 1855“, p. 119. Hegel dete
sehr ketzerische Ansichten über die Teilung der Arbeit. „Unter gebil em
Menschen kann man zunächst solche verstehen, die alles machen kön
was andere tun“, sagt er in seiner Rechtsphilosophie.
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        Ss

A

f

fi}

Örölites Kapitel.

‚elnden Personen, die sachgemäßen Formen gewinnt, dann aber,
on dem zünftigen Handwerke, die einmal gefundene Form tradi-%
 Yell festzuhalten strebt und in einzelnen Fällen jahrhundertelang
rält, Aendert sich diese Form, so außer in Nebendingen immer
Ma, Infolge einer Revolution der Arbeitsinstrumente. Die moderne
he taktur — ich spreche hier nicht von der auf Maschinerie be-Kl
 ©nden großen Industrie — findet entweder, wie zum Beispiel die
G ermanufaktur, in den großen Städten, wo sie entsteht, ihre
"2 bereits fertig, wenn auch zerstreut, vor und hat sie nur aus
Tach, Zerstreuung zu sammeln, oder das Prinzip der Teilung liegt auf
hands Hand, indem einfach die verschiedenen Verrichtungen der
ade ksmäßigen Produktion (zum Beispiel beim Buchbinden) behr
 Arbeitern ausschließlich angeeignet werden. Es kostet
zwi keine Woche Erfahrung, in solchen Fällen die Verhältniszahl
‘Schen den für jede Funktion nötigen Händen zu finden.”
der Die manufakturmäßige Teilung der Arbeit schafft durch Analyse
Inst handwerksmäßigen Tätigkeit, Spezifizierung der Arbeits-Dinar
 Onte, Bildung der Teilarbeiter, ihre Gruppierung und Komud
 10n in einem Gesamtmechanismus, die qualitative Gliederung
droz Quantitative Proportionalität gesellschaftlicher Produktionsand
 SSse, also eine bestimmte Organisation gesellschaftlicher Arbeit
der “iwickelt damit zugleich neue, gesellschaftliche Produktivkraft
hehe Deit. Als spezifisch kapitalistische Form des gesellschaftlagen
 Produktionsprozesses — und auf den vorgefundenen Grund-Bw
 konnte sie sich nicht anders als in der kapitalistischen Form
We x keln — ist sie nur eine besondere Methode, relativen Mehr-Man
 ZU erzeugen oder die Selbstverwertung des Kapitals — was
sa Sesellschaftlichen Reichtum, „Wealth of Nations“ usw., nennt
Schaft Kosten der Arbeiter zu erhöhen. Sie entwickelt die gesell-Matt;
 Iche Produktivkraft der Arbeit nicht nur für den Kapitalisten,
del den Arbeiter, sondern durch die Verkrüppelung des indi-Schar
 Arbeiters. Sie produziert neue Bedingungen der Herr-Als
 des Kapitals über die Arbeit. Wepn sie daher einerseits
im om Tischer Fortschritt und notwendiges Entwicklungsmoment
ange... "Romischen Bildungsprozeß der Gesellschaft erscheint, so
"seits als ein Mittel zivilisierter und raffinierter Ausbeutung,
der Cm Politische Oekonomie, die als eigene Wissenschaft erst in
Teilung Wakturperiode aufkommt, betrachtet die gesellschaftliche
&amp;amp; der Arbeit überhaupt nur vom Standpunkt der manufaktur.

311

75 . 3
„Der ütli an das Erfindungsgenie, das der einzelne
eilig in der Tedong der aD von vornherein ausübe, findet sich nur
Kan: bei deutschen Professoren, wie Herrn Roscher zum Beispiel, der dem
De listen, aus dessen Jupiterhaupt die Teilung der Arbeit fertig hervorln
 Be, (um Dank „diverse Arbeitslöhne“ widmet. Die größere oder geab
 Süre Anwendung der Teilung der Arbeit hängt von der Länge der Börse
) Wicht Von der Größe des Genies.
        <pb n="357" />
        312

Vierter Abschnitt

mäßigen Teilung der Arbeit,’® als Mittel, mit demselben Quantul
Arbeit mehr Ware zu produzieren, daher die Waren zu verwohl
feilern und die Akkumulation des Kapitals zu beschleunigen. I®
strengsten Gegensatz zu dieser Betonung der Quantität und des
Tauschwertes halten sich die Schriftsteller des. klassischen Alte”
tums ausschließlich an Qualität und Gebrauchswert.'”? Infolge d#
Scheidung der gesellschaftlichen Produktionszweige werden die
Waren besser gemacht, die verschiedenen Triebe und Talente der
Menschen wählen sich entsprechende Wirkungssphären’® und ohne
Beschränkung ist nirgendwo Bedeutendes zu leisten.”* Also Produkt
und Produzent werden verbessert durch die Teilung der Arbeit
Wird gelegentlich auch das Wachstum der Produktenmasse erwähnb
so nur mit Bezug auf die größere Fülle des Gebrauchswertes. ES
wird mit keiner Silbe des Tauschwertes, der Verwohlfeilerung d®

76 Mehr als Smith durchschauen ältere Schriftsteller wie Petty, wie del
anonyme Verfasser der „Advantages of the East-India Trade“ usw. de
kapitalistischen Charakter der manufakturmäßigen Teilung der Arbeit.
77 Ausnahme unter den Modernen bilden einige Schriftsteller vn
18. Jahrhunderts, die in bezug auf Teilung der Arbeit fast nur den Aue)
nachsprechen, wie Beccaria und James Harris. So Beccaria: „Die eig”
Erfahrung zeigt jedem, daß derjenige, der seine Geschicklichkeit und gein®
Verstand immer derselben Art von Arbeiten und Produkten zuwendet, dab
leichteren, reichlicheren und besseren Erfolg erzielt, als wenn jeder SE
sich all das erzeugen müßte, was er benötigt, , .. Auf diese Weise teile
sich die Menschen zum Nutzen der Gesamtheit sowie des einzelnen in ven
schiedene Klassen und Berufe,“ (Cesare Beccaria: „Elementi di Eecon0X®,
Publica“, ed. Custodi, Parte Moderna, vol. XI, p. 28.) James Harris, spät
Earl of Malmesbury, berühmt durch die „Diaries“ [Tagebücher] über sol
Gesandtschatt in Petersburg, sagt selbst in einer Note zu seinem „Dialoß®,
concerning Happiness. London 1741“, später wieder abgedruckt in ee
Treatises ete. 3rd ed. London 1772“: „Die ganze (von der „Teilunß
Berufe“ ausgehende) Beweisführung dafür, daß die Gesellschaft ei
Natürliches ist, ist dem zweiten Teil von Platos „Staat“ entnommen.“ , eß
78 So in der Odyssee, vierzehnter Gesang, Vers 228: „Denn dem Sr
zefällt dies Werk, dem arfdern jenes“, und Archilochus beim Sextus B
piricus: „Jeder erfreut sein Herz an einem andern Werk.“ gt
79 „Viele Werke verstand er, doch schlecht verstand er sie alle“ (De
es von dem komischen Tölpel Margites in einem Homer zugeschrieben? ..
licht].— Der Athenienser fühlte sich als Warenproduzent dem Spartaner “ el’
legen, weil dieser im Krieg wohl über Menschen, nicht aber über Geld Yo
fügen könne, wie Thucydides den Perikles sagen läßt in der Rede, woriP Tag
Athenienser zum Peloponnesischen Krieg aufstachelt: „Die für den eigene?
brauch produzierenden («ötovpyol) sind bereitwilliger, den Krieg mit ihren neß
dern als mit Geld zu führen.“ (Thucydides: „Geschichte des Peloponne8i$ ans
Krieges“, Buch I, Abschnitt 141.) Dennoch blieb ihr Ideal, auch !® 141
materiellen Produktion, die aürtxpxsi@ [der sich selbst genügende, für er
eigenen Konsum produzierende Betrieb], die der Teilung der Arbeit La
ibersteht, „denn durch diese wird der Wohlstand, durch jene aber auch
Selbständigkeit verbürgt“, Man muß dabei erwägen, daß es noch ZU" gab
jes Sturzes der 30 Tyrannen keine 5000 Athener ohne Grundeigentum
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wölltes Kapitel.

8313

Waren gedacht. Dieser Standpunkt des Gebrauchswertes herrscht
wohl bei Plato,®® der die Teilung der Arbeit als Grundlage der
esellschaftlichen Scheidung der Stände behandelt, wie bei Xeno-’hon,#1
 der mit seinem charakteristisch bürgerlichem Instinkt schon
— % Plato entwickelt die Teilung der Arbeit innerhalb des Gemein-Ve8ens
 aus der Vielseitigkeit der Bedürfnisse und der Einseitigkeit der Anagen
 der Individuen. Hauptgesichtspunkt bei ihm, daß der Arbeiter sich
‘ach dem Werk richten müsse, nicht das Werk nach dem Arbeiter, Was
Wvermeidlich, wenn er verschiedene Künste zugleich, also eine oder die
dere als Nebenwerk treibe. „Das, was zu verrichten ist, pflegt nicht auf
lie Muße dessen zu warten, der es zu tun hat, vielmehr muß dieser not-"ehdigerweise
 dem, was er zu verrichten hat, mit Fleiß nachgehen und nicht
ur 80 nebenbei.“ — „Sicherlich.“ — „Es wird also alles reichlicher
zeugt werden und schöner und müheloser, wenn jeder nur eines verhtet,
 seinen Anlagen entsprechend und zur rechten Zeit, ungestört durch
üdere Arbeiten.“ („Respublica“, lib. IX, e. 12.) Aehnlich bei Thucydides:
Geschichte des Peloponnesischen Krieges“, Buch I, Abschnitt 142: „Das
"Sewesen ist eine Kunst so sehr wie irgend etwas anderes und kann
Vcht bei etwa vorkommenden Fällen als Nebenwerk betrieben werden,
(dern vielmehr nichts anderes neben ihm als Nebenwerk.“ Muß
las Werk, sagt Plato, auf den Arbeiter warten, so wird oft der
itische Zeitpunkt der Produktion verpaßt und das Machwerk verlorben,
 „die richtige Zeit für die Arbeit wird versäumt“. Dieselbe
Nlätonische Idee findet man wieder im Protest der englischen Bleicherei-SSitzer
 gegen die Klausel des Fabrikakts, die eine bestimmte Eßstunde für
lo Arbeiter festsetzt. Ihr Geschäft könne sich nicht nach den Arbeitern
dnten, denn „von den verschiedenen Verrichtungen des Absengens,
„ Schens, Bleichens, Mangelns, Pressens und Färbens kann keine ohne
„“lahr der Schädigung in einem bestimmten Augenblick unterbrochen
Nörden, «.. Die Erzwingung derselben Eßstunde für alle Arbeiter kann
Klegentlich wertvolle Stücke der Gefahr aussetzen, durch unvollständige
“arbeitung Schaden zu leiden.“ Wo wird der Platonismus noch hin geraten?
d Xenophon erzählt, es sei nicht nur ehrenvoll, Speisen von der Tafel
zr Perserkönigs zu erhalten, sondern diese Speisen seien auch viel
vr ackhafter als andere. „Und dies ist nichts Wunderbares, denn wie
nn übrigen Künste in den großen Städten besonders vervollkommnet sind,
10280 Werden die königlichen Speisen ganz eigens zubereitet. Denn in
- kleinen Städten macht derselbe Bettstelle, Türe, Pflug, Tisch; oft baut
sei Obendrein noch Häuser und ist zufrieden, wenn er selbst so eine für
ha Unterhalt ausreichende Kundschaft findet. Es ist rein unmöglich,
Itäg Sin Mensch, der so vielerlei treibt, alles gut mache. In den großen
We ten aber, wo jeder einzelne viele Käufer findet, genügt auch ein Handz
 1, um seinen Mann zu nähren. Ja, oft gehört dazu nicht einmal ein
Ve Handwerk, sondern der eine macht Mannsschuhe, der andere Weiberande,
 Hier und da lebt einer bloß vom Nähen, der andere vom Zu-“
 Heiden der Schuhe; der eine schneidet bloß Kleider zu, der andere
denn die Stücke nur zusammen. Notwendig ist es nun, daß der Verrichter
nit nfachsten Arbeit sie unbedingt auch am besten macht, Ebenso steht’s
öl der Kochkunst.“ (Xenophon: „Cyropaedie“, lib. VIIL c. 2.) Die zu
get Slende Güte des Gebrauchswertes wird hier ausschließlich ‚ins Auge
Ute Obgleich schon Xenophon die Stufenleiter der Arbeitsteilung vom
ng des Marktes abhängig weiß.
        <pb n="359" />
        314

Vierter Abschnitt

der Teilung der Arbeit innerhalb einer Werkstatt näherrückt. Plato®
Republik, soweit in ihr die Teilung der Arbeit als das gestaltend®
Prinzip des Staates entwickelt wird, ist nur atheniensische Jdeali
sierung des ägyptischen Kastenwesens, wie Aegypten als ind
strielles Musterland auch andern seiner Zeitgenossen gilt, zum B#
spiel dem Isokrates,®* und diese Bedeutung selbst noch für die
Griechen der römischen Kaiserzeit behielt.*
Während der eigentlichen Manufakturperiode, das heißt der
Periode, worin die Manufaktur die herrschende Form der kapit@
listischen Produktionsweise, stößt die volle Ausführung ihrer eigen?
Tendenzen auf vielseitige Hindernisse. Obgleich sie, wie wir sahe%
neben der hierarchischen Gliederung der Arbeiter eine einfach
Scheidung zwischen geschickten und ungeschickten Arbeitern schaff
bleibt die Zahl der letzteren durch den überwiegenden Einfluß der
ersteren sehr beschränkt. Obgleich sie die Sonderoperationen de
verschiedenen Grad von Reife, Kraft und Entwicklung ihrer leb®”
digen Arbeitsorgane anpaßt und daher zu produktiver Ausbeuturß
von Weibern und Kindern drängt, scheitert diese Tendenz im groß®
und ganzen an den Gewohnheiten und dem Widerstand der män
lichen Arbeiter. Obgleich die Zersetzung der handwerksmäßig”
Tätigkeit die Bildungskosten und daher den Wert der Arbeit”
senkt, bleibt für schwierigere Detailarbeit eine längere Erlernung“
zeit nötig und wird auch da, wo sie vom Ueberfluß, eifersüchtig A
den Arbeitern aufrecht erhalten. Wir finden zum Beispiel in Ef
land die Laws of apprenticeship [Gesetze über das Lehrlingswese®)
mit ihrer siebenjährigen Lernzeit bis zum Ende der Manufakt!®
periode in Vollkraft und erst von der großen Industrie über K
Haufen geworfen. Da das Handwerksgeschick die Grundlage d u
Manufaktur bleibt und der in ihr funktionierende Gesamtmechanist gt
kein von den Arbeitern selbst unabhängiges objektives Knocheng®",
besitzt, ringt das Kapital beständig mit der Unbotmäßigkeit der Ur
beiter, „Die Schwäche der menschlichen Natur“, ruft Freund | w
aus, „ist so groß, daß der Arbeiter, je geschickter, desto eigenwillif t
und schwieriger zu behandeln wird, und folglich dem Gesan
mechanismus durch seine rappelköpfigen Launen schweren Schad

82 „Er (Busiris) teilte alle in besondere Kasten ... befahl, FM
immer die Nämlichen die gleichen Geschäfte treiben sollten, weil er wu af
daß die, welche mit ihren Beschäftigungen wechseln, in keinem Gesch“
gründlich werden; die aber, welche beständig bei denselben Beschäftigu”! Be
bleiben, jedes aufs Vollendetste zustande bringen. Wirklich werde?
auch finden, daß sie in Beziehung auf Künste und Gewerbe ihre Ri’,
mehr übertroffen haben als sonst der Meister den Stümper und 19 ig®
ziehung auf die Einrichtung, wodurch sie die Königsherrschaft und ne
Staatsverfassung erhalten, so vortrefflich sind, daß die berühmtesten Ph und
sophen, welche darüber zu sprechen unternehmen, die Staatsverfa®®
Aegyptens vor andern lobten.“ (Isocrates „Busiris‘, ce. 8.)
88 Vgl. Diodorus Siculus.
        <pb n="360" />
        Dreizehntes Kapitel.

315

ufügt,“* Durch die ganze Manufakturperiode läuft daher die
Klage über den Disziplinmangel der Arbeiter.® Und hätten wir
licht die Zeugnisse gleichzeitiger Schriftsteller, die einfachen Tat-Sachen,
 daß es vom 16. Jahrhundert bis zur Epoche der großen
Industrie dem Kapital mißlingt, sich der ganzen verfügbaren Arbeitszeit
 der Manufakturarbeiter zu bemächtigen, daß die Manufakturen
kurzlebig sind und mit der Ein- oder Auswanderung der Arbeiter
Ihren Sitz in dem einen Land verlassen und in dem andern auf-Schlagen,
 würden Bibliotheken sprechen. „Ordnung muß auf die
ine oder die andere Weise gestiftet werden“, ruft 1770 der wiederholt
 zitierte Verfasser des „Essay on Trade and Commerce“, Ord-Ang,
 hallt es 66 Jahre später zurück aus dem Munde des Dr. Andrew
Ure, „Ordnung“ fehlte in der auf „dem scholastischen Dogma der
Teilung der Arbeit“ beruhenden Manufaktur, und „Arkwright schuf
die Ordnung“.
. Zugleich konnte die Manufaktur die gesellschaftliche Produkton
 weder in ihrem ganzen Umfang ergreifen noch in ihrer Tiefe
UMwälzen. Sie gipfelte als ökonomisches Kunstwerk auf der breiten
Basis des städtischen Handwerks und der ländlich-häuslichen
Industrie. Ihre eigene enge technische Grundlage trat auf einem
Re wissen Entwicklungsgrad mit den von ihr selbst geschaffenen
"öduktionsbedürfnissen in Widerspruch.
Ki Eins ihrer vollendetsten Gebilde war die Werkstatt zur Produk-(N
 der Arbeitsinstrumente selbst, und namentlich auch der bereits
weS wandten komplizierteren mechanischen Apparate. „Eine solche
Srkstatt“, sagt Ure, „bot dem Auge die Teilung der Arbeit in ihren
ähnigfachen Abstufungen. Bohrer, Meißel, Drechselbank hatten
de ihre eigenen Arbeiter, hierarchisch gegliedert nach dem Grad
nn Geschicklichkeit.“ Dies Produkt der manufakturmäßigen
du ung der Arbeit produzierte seinerseits — Maschinen. Sie heben
Sch handwerksmäßige Tätigkeit als das regelnde Prinzip der gesell-4
 altlichen Produktion auf. So wird einerseits der technische Grund
T lebenslangen Fesselung des Arbeiters an eine Teilfunktion wegder
 dumt, Anderseits fallen die Schranken, welche dasselbe Prinzip
* Herrschaft des Kapitals noch auferlegte.

Maschinerie und große Industrie.
1 1. Entwicklung der Maschinerie.
Ami Stuart Mill sagt in seinen „Prinzipien der politischen Oeko-Er
 " : „Es ist fraglich, ob alle bisher gemachten mechanischen
Zngen die Tagesmühe irgendeines menschlichen Wesens er--
 .
8 Pre: „Philosophy of Manufacture“, p. 20.
id meh as im Text Gesagte gilt viel mehr für England als für Frankreich
Tr für Frankreich als Holland.
        <pb n="361" />
        Vierter Abschnitt
jeichtert haben.“ Solches ist jedoch auch keineswegs der Zweck
der kapitalistisch verwandten Maschinerie. Gleich jeder ander
Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit soll sie Waren ver“
wohlfeilern und den Teil} des Arbeitstages, den der Arbeiter für sich
selbst braucht, verkürzen, um den andern 'Feil seines Arbeitstage®%
den er dem Kapitalisten umsonst gibt, zu verlängern. Sie ist Mittel
zur Produktion von Mehrwert.
Die Umwälzung der Produktionsweise nimmt in der Manufaktur
die Arbeitskraft zum Ausgangspunkt, in der großen Industrie da
Arbeitsmittel. Es ist also zunächst zu untersuchen, wodurch daß
Arbeitsmittel aus einem Werkzeug in eine Maschine verwandelt
wird, oder wodurch sich die Maschine vom Handwerksinstrument
unterscheidet. Es handelt sich hier nur um große, allgemein?
Charakterzüge; denn abstrakt strenge Grenzlinien scheiden ebens?
wenig die Epochen der Gesellschafts- wie die der Erdgeschichte-Mathematiker
 und Mechaniker — und man findet dies hier und
da von englischen Oekonomen wiederholt — erklären das „Werk
zeug für eine einfache Maschine und die Maschine für ein zusamme?
geseiztes Werkzeug. Sie sehen hier keinen wesentlichen Unter“
achied und nennen sogar die einfachen mechanischen Potenzen, wie
Hebel, schiefe Ebene, Schraube, Keil usw., Maschinen.®*” In der
Tat besteht jede Maschine aus jenen einfachen Potenzen, wie imme
verkleidet und kombiniert. Vom ökonomischen Standpunkt jedoch
taugt die Erklärung nichts, denn ihr fehlt das historische Element
Anderseits sucht man den Unterschied zwischen Werkzeug un
Maschine darin, daß beim Werkzeug der Mensch die Bewegung“
kraft, bei der Maschine eine von der menschlichen verschiede
Naturkraft, wie Tier, Wasser, Wind usw.® Danach wäre ein a
Ochsen bespannter Pflug, der den verschiedensten Produktion”
epochen angehört, eine Maschine, Claussens Circular Loom [9%
Rundwebstuhl], der, von der Hand eines einzigen Arbeiters bew*?
96 000 Maschen in einer Minute verfertigt, ein bloßes Werkzeug- N
derselbe Webstuhl wäre Werkzeug, wenn mit der Hand, De
Maschine, wenn mit Dampf bewegt. Da die Anwendung von TP.
kraft eine der ältesten Erfindungen der Menschheit, ginge iP de

216

soht
86 Mill hätte sagen sollen „irgendeines menschlichen Wesens, das x
von der Arbeit anderer lebt“, denn die Maschinerie hat unstreitig die
der vornehmen Müßiggänger sehr vermehrt. .
87 Siehe zum Beispiel Hutton: „Course of Mathematics.“ arf®
88 „Von diesem Gesichtspunkte aus läßt sich denn auch eine A“
Grenze zwischen Werkzeug und Maschine ziehen: Spaten, Ham en?
Meißel usw., Hebel- und Schraubenwerke, für welche, mögen sie üb es
noch so künstlich sein, der Mensch die bewegende Kraft ist ..- dieß "9
fällt unter den Begriff des Werkzeugs; während der Pflug mit dene
bewegenden Tierkraft, Wind- usw. Mühlen zu den Maschinen ZU 7048“.
sind.“ (Wilhelm Schulz: „Die Bewegung der Produktion. Zürich 1
S. 88.) Eine in mancher Hinsicht lobenswerte Schrift.
        <pb n="362" />
        Dreizehntes Kapitel,

317

lat die Maschinenproduktion der Handwerksproduktion voraus. Als
lohn Wyatt 1735 seine Spinnmaschine und mit ihr die industrielle
Revolution des 18. Jahrhunderts ankündigte, erwähnte er mit keinem
Wort, daß statt! des Menschen ein Esel die Maschine treibe, und
dennoch fiel diese Rolle dem Esel zu. Eine Maschine, „um ohne
finger zu spinnen“, lautete sein Programm.**
Alle entwickelte Maschinerie besteht aus drei wesentlich verhiedenen
 Teilen, der Bewegungsmaschine, dem Transmissions-[Uebertragungs-]
 mechanismus, endlich der Werkzeugmaschine oder
\rbeitsmaschine. Die Bewegungsmaschine wirkt als Triebkraft des
Sähzen Mechanismus. Sie erzeugt ihre eigene Bewegungskraft, wie
die Dampfmaschine, Heißluftmaschine, elektro-magnetische Ma-Schine
 usw., oder sie empfängt den Anstoß von einer schon fertigen
Naturkraft außer ihr, wie das Wasserrad vom Wassergefäll, der
Vindfülügel vom Wind usw. Der Transmissionsmechanismus, zu-1ämmengesetzt
 aus Schwungrädern, Treibwellen, Zahnrädern,
Kreiselrädern, Schäften, Schnüren, Riemen, Zwischengeschirr und
Orgelege der verschiedensten Art, regelt die Bewegung, verwandelt,
 Wo es nötig, ihre Form, zum Beispiel aus einer senkrechten ix
ne kreisförmige, verteilt und überträgt sie auf die Werkzeug-Naschinerie.
 Beide Teile des Mechanismus sind nur vorhanden,
an der Werkzeugmaschine die Bewegung mitzuteilen, wodurch sie
7 Arbeitsgegenstand anpackt und zweckgemäß verändert. Dieser
‘eil der Maschinerie. die Werkzeugmaschine, ist es. wovon die

89
m voron vor ihm wurden, wenn auch sehr unvollkommene, Maschinen
ieh a ME wahrscheinlich zuerst in Italien. Eine kritische
ine Erfin, der Technologie würde überhaupt nachweisen, wie wenig irgend-Sicher
 ndung des 18, Jahrhunderts einem einzelnen Individuum gehört.
schichte ert kein solches Werk. Darwin hat das Interesse auf die Geder
 Pfla der natürlichen Technologie gelenkt, das heißt auf die Bildung
Manzen Ct und Tierorgane als Produktionsinstrumente für das Leben der
des Ges be Tiere. Verdient die Bildungsgeschichte der produktiven Organe
Schaftgor, Ischaftsmenschen, der materiellen Basis jeder besonderen Gesell-Bichter
 ganisation, nicht gleiche Aufmerksamkeit? Und wäre sie nicht
%R der N liefern, da, wie Vico sagt, die Menschengeschichte sich dadurch
Ahderg Naturgeschichte unterscheidet, daß wir die eine gemacht und die
halten dem gemacht haben? Die Technologie enthüllt das aktive Ver-Lebens
 e Menschen zur Natur, den unmittelbaren Produktionsprozeß seines
nen ot amit auch seiner gesellschaftlichen Lebensverhältnisse und der
de von AU Menden geistigen Vorstellungen. Selbst alle Religionsgeschichte,
net Tat a materiellen Grundlage absieht, ist — unkritisch. Es ist in
UÜdun. fon el leichter, durch Analyse den irdischen Kern der religiösen Nebel-"rhältnis
 zu finden, als umgekehrt aus den jedesmaligen wirklichen Lebensde
 einzi. Sen ihre verhimmelten Formen zu entwickeln. Die letztere ist
DS abstrae rlalistische und daher wissenschaftliche Methode. Die Mängel
0206 An t naturwissenschaftlichen Materialismus, der den geschichtlichen
Torsten Sb ersieht man schon aus den abstrakten und ideologischen
USwagen PCM seiner Wortführer, sobald sie sich über ihre Spezialität hin-
        <pb n="363" />
        318

Vierter Abschnitt

industrielle Revolution im 18. Jahrhundert ausgeht. Sie bildet nodl
jeden Tag von neuem den Ausgangspunkt, so oft Handwerksbetriel
oder Manufakturbeirieb in Maschinenbetrieb übergeht.
Sehen wir uns nun die Werkzeugmaschine oder eigentliche Ar
beitsmaschine näher an, so erscheinen im großen und ganzen, wen?
auch oft in sehr modifizierter Form, die Apparate und Werkzeuge
wieder, womit der Handwerker oder Manufakturarbeiter arbeite
aber statt als Werkzeuge des Menschen jetzt als Werkzeuge eine®
Mechanismus oder als mechanische Werkzeuge. Entweder ist die
ganze Maschine nur eine mehr oder minder veränderte mechanisch‘
Ausgabe des alten Handwerksinstruments, wie bei dem mechanisch“
Webstuhl,*° oder die am Gerüst der Arbeitsmaschine angebracht“
tätigen Organe sind alte Bekannte, wie Spindeln bei der SpiPF
maschine, Nadeln beim Strumpfwirkerstuhl, Sägeblätter bei der
Sägemaschine, Messer bei der Zerhackmaschine usw. Der Unter“
schied dieser Werkzeuge von dem eigentlichen Körper der Arbeit“
maschine erstreckt sich bis auf ihre Geburt. Sie werden nämlic
immer noch großenteils handwerksmäßig oder manufakturmäß®
produziert und später erst an den maschinenmäßig produziert”
Körper der Arbeitsmaschine befestigt.?*! Die Werkzeugmaschine BP
also ein Mechanismus, der nach Mitteilung der entsprechenden U
wegung mit seinen Werkzeugen dieselben Operationen verricht®
welche früher der Arbeiter mit ähnlichen Werkzeugen verrichtet”
Ob die Triebkraft nun vom Menschen ausgeht oder selbst wied®
von einer Maschine, ändert am Wesen der Sache nichts. Non
Üebertragung des eigentlichen Werkzeuges vom Menschen auf n
Mechanismus tritt eine Maschine an die Stelle eines! bloßen Wer
zeuges. Der Unterschied springt sofort ins Auge, auch wenn 0
Mensch selbst noch der erste Motor [die erste Triebkraft] bleibt. DI
Anzahl von Arbeitsinstrumenten, womit er gleichzeitig wirken kan
ist durch die Anzahl seiner natürlichen Produktionsinstrumente, se
eigenen körperlichen Organe, beschränkt. Man versuchte in Deutf,
land erst einen Spinner zwei Spinnräder treten, ihn also gleichz®"
mit zwei Händen und zwei Füßen arbeiten zu lassen. Dies war in
anstrengend. Später erfand man ein Tretspinnrad mit zwei #
deln, aber die Spinnvirtuosen, die zwei Fäden gleichzeitig spil®
konnten, waren fast so selten wie zweiköpfige Menschen. Die Jen
spinnt dagegen von vornherein mit 12 bis 18 Spindeln, der StrumP

% Namentlich in der ursprünglichen Form des mechanischen webstubP
erkennt man den alten Webstuhl auf den ersten Blick wieder. wWesentlif
verändert erscheint er in seiner modernen Form. 2
% Erst seit ungefähr 1850 wird ein stets wachsender Teil der Werkz0U6
der Arbeitsmaschinen maschinenmäßig in England fabriziert obgleich nic
von denselben Fabrikanten, welche die Maschinen selbst machen. Maschi’,
zur Fabrikation Solcher mechanischen Werkzeuge sind zum Beispiel &amp;amp; j
Automatic bobbin making engine, Card-setting engine, Maschinen zum Macht
ler Weberlitzen, Maschinen zum Schmieden von Mule- und Throstlespind®
        <pb n="364" />
        Dreizehntes Kapitel.

319

Virkerstuhl strickt mit vielen tausend Nadeln auf einmal usw. Die
Anzahl der Werkzeuge, womit dieselbe Werkzeugmaschine gleich-©itig
 spielt, ist von vornherein befreit von der organischen Schranke,
jurch das Handwerkszeug eines Arbeiters beengt wird.
An vielem Handwerkszeug besitzt der Unterschied zwischen dem
Menschen als bloßer Triebkraft und als Arbeiter, der die eigentliche
Handarbeit ausführt, eine sinnlich besonderie Existenz. Zum Beispiel
deim Spinnrad wirkt der Fuß nur als Triebkraft, während die Hand,
lie an der Spindel arbeitet, zupft und dreht, die eigentliche Spinn-”Peration.
 verrichtet. Gerade diesen letzten Teil des Handwerks-Nstruments
 ergreift die industrielle Revolution zuerst und überläßt
dem Menschen, neben der neuen Arbeit die Maschine mit seinem
Auge zu überwachen und ihre Irrtümer mit seiner Hand zu ver-Jessern,
 zunächst noch die rein mechanische Rolle der Triebkraft.
Werkzeuge dagegen, auf die der Mensch von vornherein nur als
Unfache Triebkraft wirkt, wie zum Beispiel beim Drehen der Kurbel
ner Mühle,*? bei Pumpen, beim Auf- und Abbewegen der Arme
nes Blasebalgs, beim Stoßen eines Mörsers usw., rufen zwar zuerst
die Anwendung von Tieren, Wasser, Wind® als Bewegungskräften
%rvor, Sie recken sich, teilweise innerhalb, vereinzelt schon lange
'0r der Manufakturperiode zu Maschinen, aber sie revolutionieren
lie Produktionsweise nicht. Daß sie selbst in ihrer handwerks-Näßigen
 Form bereits Maschinen sind, zeigt sich in der Periode der
sen Industrie. Die Pumpen zum Beispiel, womit die Holländer
' 36/87 den See von Harlem auspumpten, waren nach dem Prinzip
SSWöhnlicher Pumpen konstruiert, nur daß riesenhafte Dampf-Naschinen
 statt der Menschenhände ihre Kolben trieben. Der ge-"öhnliche
 und sehr unvollkommene Blasebalg des Grobschmieds
"rd noch zuweilen in England durch bloße Verbindung seines Armes
Wit einer Dampfmaschine in eine mechanische Luftpumpe verwanlet.
 Die Dampfmaschine selbst, wie sie Ende des 17. Jahrhunderts
Yährend der Manufakturperiode erfunden ward und bis zum Anfang

® Moses von Aegypten sagt: „Du sollst dem Ochsen, der drischt, nicht
as Maul verbinde ’ Die sürletiich germanischen Philanthropen legten
„S®gen dem Leibeigenen, den sie als Triebkrait zum Mahlen verwandten,
a große hölzerne Scheibe um den Hals, damit er kein Mehl mit der
“d zum Mund bringen könne. . .
So .* Teils Mangel an lebendigem Wassergefäll, teils Kampf gegen
Qu tigen Wasserüberfluß zwangen die Holländer zur Anwendung des Windes
di Triebkraft. Die Windmühle selbst erhielten sie aus Deutschland, wo
in Erfindung einen artigen Kampf zwischen Adel, Pfafifen und Kaiser
ai rief, wem denn von den drei der Wind „gehöre“. | Luft macht eigen;
hen ©8 in Deutschland, während der Wind Holland frei machte. Was er
für Sigen machte, war nicht der Holländer, sondern der Grund und Boden
kr den Holländer. Noch 1836 wurden 12 000 Windmühlen von 6000 Pferdekt
 In Holland verwandt, um zwei Dritteile des Landes vor Rückverwand-&amp;amp;
 in Morast zu schützen.
        <pb n="365" />
        320

Vierter Abschnitt

der achtziger Jahre des 18. Jahrhunderts fortexistierte,** rief kein“
industrielle Revolution hervor. Es war vielmehr umgekehrt die
Schöpfung der Werkzeugmaschinen, welche die revolutionierte Dampf
maschine. notwendig machte. Sobald der Mensch, statt mit dem
Werkzeug auf den Arbeitsgegenstand, nur noch als Triebkraft auf
eine Werkzeugmaschine wirkt, wird die Verkleidung der Triebkralt
in menschliche Muskel zufällig, und kann Wind, Wasser, Dampf us"
an die Stelle treten. Dies schließt natürlich nicht aus, daß solche!
Wechsel oft große technische Aenderungen des ursprünglich fr
menschliche Triebkraft allein konstruierten Mechanismus bedingt
Heutzutage werden alle Maschinen, die sich erst Bahn brech®
müssen, wie Nähmaschinen, Brotbereitungsmaschinen usw., wem
sie den kleinen Maßstab nicht von vornherein durch ihre Bestim“
mung ausschließen, für menschliche und rein mechanische Triebkraf
zugleich konstruiert.
Die Maschine, wovon die industrielle Revolution ausgeht, ersetz!
den Arbeiter, der ein einzelnes Werkzeug handhabt, durch ein®
Mechanismus, der mit einer Masse derselben oder gleichartig?
Werkzeuge auf einmal operiert und von einer einzigen Triebkrafb
welches immer ihre Form, bewegt wird.® Hier haben wir d®
Maschine, aber erst als einfaches Element der maschinenmäßige®
Produktion.
Die Erweiterung des Umfangs der Arbeitsmaschine und d®
Zahl ihrer gleichzeitig operierenden Werkzeuge bedingt eine®
massenhafteren Bewegungsmechanismus, und dieser Mechanism“®
zur Ueberwältigung seines eigenen Widerstandes eine mächtiger®
Triebkraft als die menschliche, abgesehen davon, daß der Mens®®
ein sehr unvollkommenes Produktionsmittel gleichförmiger We $
ununterbrochener Bewegung ist. Vorausgesetzt, daß er nur noch % 8
einfache Triebkraft wirkt, also an die Stelle seines Werkzeugs
Werkzeugmaschine getreten ist, können Naturkräfte ihn jetzt au
als Triebkraft ersetzen. Von allen aus der Manufakturperiode über”
lieferten großen Bewegungskräften war die Pferdekraft die schledl”
teste, teils weil ein Pferd seinen eigenen Kopf hat, teils wegen sein
Kostspieligkeit und des beschränkten Umfangs, worin es in F. abrik®
allein anwendbar ist.® Dennoch wurde das Pferd häufig währe?

0
% Sie wurde zwar schon sehr verbessert durch Watts erste, gogenanpt
einfach wirkende Dampfmaschine, blieb aber in dieser Form bloße H®
maschine für Wasser und Salzsole. ineß
% „Die Vereinigung aller dieser einfachen Instrumente, durch PB 0
einzigen Motor in Bewegung gesetzt, bildet eine Maschine.“ (Babbage‘ "
Ihe Economy of Machinery, London 1832.“ ineD
% John C. Morton verlas Januar 1861 in der Society of Arts Gar
Aufsatz über „Die in der Agrikultur angewandten Kräfte“. Es heißt den
unter anderm: „Jede Verbesserung, welche die Gleichförmigkeit des Berzaft
fördert, macht die Dampfmaschine zur Erzeugung rein mechanischer und
anwendbarer. ... Pferdekraft wird erheischt, wo krumme Hecken
        <pb n="366" />
        Dreizehntes Kapitel,

821

ler Kinderzeit der großen Industrie angewandt, wie außer dem
Jammer gleichzeitiger Schriftsteller über den Ackerbau schon der
dis heute überlieferte Ausdruck der mechanischen Kraft in Pferdekraft
 bezeugt. Der Wind war zu unstet und unkontrollierbar,
Ind die Anwendung der Wasserkraft überwog außerdem in England,
 dem Geburtsort der großen Industrie, schon während der Manukturperiode.
 Man hatte bereits im 17. Jahrhundert versucht, 2 Läuler
 [bewegte Mühlsteine] und also auch 2 Mahigänge mit 1 Wasserlad
 in Bewegung zu setzen. Der angeschwollene Umfang des Trans-Miesionsmechanismus
 geriet aber jetzt in Konflikt mit der nun un-Wreichenden
 Wasserkraft, und dies ist einer der Umstände, der zur
Schaueren Untersuchung der Reibungsgesetze trieb. Ebenso führte
das Ungleichförmige Wirken der Bewegungskraft bei Mühlen, die
durch Stoßen und Ziehen mit Schwengeln in Bewegung gesetzt wurden,
 auf die Theorie und Anwendung des Schwungrades,* das später
ne so wichtige Rolle in der großen Industrie spielt. In dieser Art
etwickelte die Manufakturperiode die ersten wissenschaftlichen und
“Ohnischen Elemente der großen Industrie. Arkwrights Throstle-Pinnerei
 wurde von vornherein mit Wasser getrieben. Indes war
sch der Gebrauch der Wasserkraft als herrschender Triebkraft mit
a chwerenden Umständen verbunden. Sie konnte nicht beliebig
WLöht und ihrem Mangel nicht abgeholfen werden, sie versagte zuen
 und war vor allem rein lokaler Natur.®® Erst mit Waits
8 Siter, sogenannter doppelt wirkender Dampfmaschine war ein
det Motor gefunden, der seine Bewegungskraft selbst erzeugt aus
SE Verspeisung von Kohlen und Wasser, und dessen Kraftleistung
nn
te Hindernisse gleichförmige Aktion verhindern. Diese Hindernisse
ad 'nden täglich mehr. In Operationen, die mehr Ausübung des Willens
Geige Sniger wirkliche Kraft erfordern, ist die durch den menschlichen
at, von Minute zu Minute gelenkte Kraft, also Menschenkraft, allein
Me ©üdbar,“ Herr Morton reduziert dann Dampfkraft, Pferdekraft und
lich Chenkraft auf die bei Dampfmaschinen gewöhnliche Maßeinheit, nämee
 Kraft, 33 000 Pfund in der Minute um einen Fuß zu heben, und beap
 et die Kosten einer Dampfpferdekraft bei der Dampfmaschine auf
fer S ‚und beim Pferde auf 5*/2 Pence pro Stunde. Ferner kann das
Wandt bei voller Erhaltung seiner Gesundheit nur 8 Stunden täglich ange-Auf
 Werden. Durch Dampfkraft können mindestens 3 von je 7 Pferden
Kost, äutem Lande während des ganzen Jahres erspart werden, zu einem
Soden reis, nicht größer als dem der entlassenen Pferde während. der
Berapı Monate, wo sie allein wirklich vernutzt werden. In den Agrikultur-Südlich
 et worin die Dampfkraft angewandt werden kann, verbessert sie
dag We Verglichen mit der Pferdekraft, die Qualität des Machwerks. Um
Stung Ik der Dampfmaschine zu verrichten, müßten 66 Arbeiter, die pro
Nichte zusammen 15 Shilling erhalten, ‚und um das der Pferde zu ver-Werder
 32 Mann, die zusammen 8 Shilling pro Stunde kosten, angewandt
x Faulhaber 1625, De Caus 1618. .
Soutung moderne Erfindung der Turbinen befreit die industrielle Ausder
 Wasserkraft von vielen früheren Schranken,
Das Kauital, |
        <pb n="367" />
        322

Vierter Abschnit

ganz unter menschlicher Kontrolle steht. Mobil und ein Mittel de
Fortbewegung, städtisch und nicht gleich dem Wasserrad Jändlich
erlaubt er die Konzentration der Produktion in Städten, statt sie wie
das Wasserrad über das Land zu zersireuen.?*® Endlich ist sei“
technologische Anwendung allgemein möglich und seine Aufstellun®
verhältnismäßig wenig durch lokale Umstände bedingt. Das groß
Genie Watts zeigt sich in der Erläuterung des Patents, das er AP”
1784 nahm, und worin seine Dampfmaschine nicht als eine Erfindu®
zu besonderen Zwecken, sondern als allgemein wirkende Kraft di
großen Industrie geschildert wird. Er deutet hier Anwendungen aD
wovon manche, wie zum Beispiel der Dampfhammer, mehr als e
halbes Jahrhundert später erst eingeführt wurden. Jedoch A
zweifelte er die Anwendbarkeit der Dampfmaschine auf Seescht
fahrt. Seine Nachfolger, Boulton und Watt, stellten 1851 di
kolossalste Dampfmaschine für Ozeandampfer auf der Londor®
Industrieausstellung aus.
Nachdem erst die Werkzeuge aus Werkzeugen des menschlich?
Organismus in Werkzeuge eines mechanischen Apparates, der Wer 8
zeugmaschine, verwandelt, erhielt nun auch die Bewegungsmasch
eine selbständige, von den Schranken menschlicher Kraft vi
emanzipierte Form. Damit sinkt die einzelne Werkzeugmaschi?"
die wir bisher betrachtet, zu einem bloßen Element der maschip®
mäßigen Produktion herab. Eine Bewegungsmaschine konnte en
viele Arbeitsmaschinen gleichzeitig treiben. Mit der Anzahl 0
gleichzeitig bewegten Arbeitsmaschinen wächst die Bewegung,
maschine und dehnt sich der Transmissionsmechanismus zu ein®
weitläufigen Apparat aus. u
Es ist nun zweierlei zu unterscheiden, Kooperation vieler glei
artiger Maschinen und Maschinensystem. 9
In dem einen Fall wird das ganze Machwerk von derselb®
Arbeitsmaschine verrichtet. Sie führt alle die verschiedenen Open
‘jonen aus, welche ein Handwerker mit seinem Werkzeug, zum B &amp;amp;
spiel der Weber mit seinem Webstuhl, verrichtete, oder welche Han
werker mit verschiedenen Werkzeugen, sei es selbständig oder

„ob
% „In der Frühzeit der Textilmanufaktur war die Lage der Betr
stätte vom Vorhandensein eines Wasserlaufs abhängig, dessen Gefälle yo
Antrieb eines Wasserrades genügte. Obgleich nun die Einführung stri®
Wassermühlen den Anfang der Auflösung des Systems der HausindT el’
bedeutete, bildeten die Mühlen, die notwendigerweise an Wasserläuf are):
tichtet werden mußten und oft ziemlich weit voneinander entfernt * di
eher einen Teil eines ländlichen als eines städtischen Systems. Er gun
Ersetzung der Wasserkraft durch Dampikraft bewirkte die Zusammendr/® Br
der Fabriken in den Städten und an Orten, wo Kohle und Wasser, die ? vol”
zeugung des Dampfes erforderlich sind, sich in genügender Meng® get
fanden. Die Dampfmaschine ist die Mutter der Industriestädte.“ (4
grave in „Reports of Insp. of Fact. for 30th April 1866“, p. 36.)
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323
Hieder einer Manufaktur, der Reihe nach ausführten.!*® Zum
Seispiel in der modernen Manufaktur von Briefkuverts faltete ein
\tbeiter das Papier mit dem Falzbein, ein anderer legte den Gummi
W, ein dritter schlug die Klappe um, auf welche das Monogramm
Wigedrückt wird, ein vierter preßte das Monogramm usw., und bei
der dieser Teiloperationen mußte jedes einzelne Briefkuvert die
Tände wechseln. Eine einzige Kuvertmaschine verrichtet alle diese
YDerationen auf einen Schlag und macht 3000 und mehr Briefkuverts
X einer Stunde. Eine auf der Londoner Industrieausstellung von
862 ausgestellte amerikanische Maschine zur Bereitung von Papier-Üten
 schneidet das Papier, kleistert, faltet und vollendet 300 Stück
°0 Minute. Der innerhalb der Manufaktur geteilte und in einer
Reihenfolge ausgeführte Gesamtprozeß wird hier von einer Arbeits-Vaschine
 vollbracht, die durch Kombination verschiedener Werk-Uge
 wirkt.
„In der Fabrik, das heißt in der auf Maschinenbetrieb gegründe-N
 Werkstatt, erscheint jedesmal die einfache Kooperation wieder.
Jnd Zwar, wenn wir hier vom Arbeiter absehen, erscheint die Ko-Peration
 zunächst als räumliche Zusammendrängung gleichartiger
Ad gleichzeitig zusammenwirkender Arbeitsmaschinen. Das ist
re ausschließliche Form dort, wo das Produkt fertig aus jeder
\tbeitsmaschine hervorgeht, möge diese nur mechanische Wieder-3cburt
 eines komplizierten Handwerkszeuges sein oder Kombinavn
 Verschiedenartiger einfacher Instrumente, von denen jedes seine
© SöOndere Funktion hat. So wird eine Webfabrik durch das Nebenander
 vieler mechanischen Webstühle und eine Nähfabrik durch
1 Nebeneinander vieler Nähmaschinen in demselben Arbeits-SCbäude
 gebildet. Aber es existiert hier eine technische Einheit,
em die vielen gleichartigen Arbeitsmaschinen gleichzeitig und
a hmäßig ihren Antrieb empfangen vom Herzschlag des gemein-Men
 ersten Motors, auf sie übertragen durch den Transmissionsx
 kanismus, der ihnen auch teilweise gemeinsam ist, indem sich
ü besondere Ausläufer davon für jede einzelne Werkzeug-Ar
 hline verästeln. Ganz wie viele Werkzeuge die Organe einer
zl „eitsmaschine, bilden viele Arbeitsmaschinen jetzt nur noch
“chartige Organe desselben Bewegungsmechanismus. .
der Ein eigentliches Maschinensystem tritt aber erst an die Stelle
- Snzelnen selbständigen Maschine, wo der Arbeitsgegenstand
Ann 9 Vom Standpunkt der manufakturmäßigen Teilung war Weben keine
0 ie Sondern vielmehr eine komplizierte handwerksmäßige Arbeit, und
Noht der mechanische Webstuhl eine Maschine, die sehr Mannigfaltiges ver-Mage
 Es ist überhaupt eine falsche Vorstellung, daß die moderne
Ranger ie sich ursprünglich solcher Operationen bemächtigt, welche die
Wehe akturmäßige Teilung der Arbeit vereinfacht hatte. Spinnen und
ind u, irden während der Manufakturperiode in neue Arten gesondert
\lbgp .° Werkzeuge verbessert und abgeändert, aber der Arbeitsprozeß
Arte? IM keiner Weise geteilt, blieb handwerksmäßig. Es ist nicht die
St, sondern das Arbeitsmittel, wovon die Maschine ausgeht.

Dreizehntes Kapitel.
        <pb n="369" />
        324

Vierter Abschnitt

eine zusammenhängende Reihe verschiedener Stufenprozesse durch
läuft, die von einer Kette verschiedenartiger, aber einander N
gänzender Werkzeugmaschinen ausgeführt werden. Hier erschei
die der Manufaktur eigentümliche Kooperation durch Teilung de
Arbeit wieder, aber jetzt als Kombination von Teilarbeitsmaschinel-Die
 spezifischen Werkzeuge der verschiedenen Teilarbeiter, in de!
Wollmanufaktur zum Beispiel der Wollschläger, Wollkämmer, Woll
scherer, Wollspinner usw., verwandeln sich jetzt in die Werkzeug®
spezifizierter Arbeitsmaschinen, von denen jede ein besonder®
Organ für eine besondere Funktion im System des kombinierteP
Werkzeugmechanismus bildet. Die Manufaktur selbst liefert dem
Maschinensystem in den Zweigen, worin es zuerst eingeführt wirds
im großen und ganzen die naturwüchsige Grundlage der Teilurß
und daher der Organisation des Produktionsprozesses.!* Indes
sofort ein wesentlicher Unterschied ein. In der Manufaktur müsse
Arbeiter, vereinzelt oder in Gruppen, jeden besonderen Teilproze
mit ihrem Handwerkszeug ausführen. Wird der Arbeiter dem
Prozeß angeeignet, so ist aber auch vorher der Prozeß dem Arbeiter
angepaßt. Dies subjektive Prinzip der Teilung fällt weg für die
maschinenartige Produktion. Der Gesamtprozeß wird hier objekti“
an und für sich betrachtet, in die ihn bildenden Phasen zerlegt
und das Problem, jeden Teilprozeß auszuführen und die verschied®
nen Teilprozesse zu verbinden, durch technische Anwendung der
Mechanik, Chemie usw. gelöst,!*? wobei natürlich nach wie vor di®
11 Vor der Epoche der großen Industrie war die Wollmanufaktur die
herrschende Manufaktur Englands. In ihr wurden daher während de!
ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts die meisten Experimente gemacht. Der
Baumwolle, deren mechanische Verarbeitung minder mühevolle Vor
bereitungen erfordert, kamen die an der Schafwolle gemachten Erfahrung“
zugute, wie später umgekehrt die mechanische Wollindustrie sich auf Gruß
lage der mechanischen Baumwollspinnerei und -weberei entwickelt. Einzelp®
Elemente der Wollmanufaktur sind erst seit den letzten Jahrzehnten deP
Fabriksystem einverleibt worden, zum Beispiel das Wollkämmen. „Die Ar
wendung mechanischer Kraft auf den Vorgang des Wollkämmens ... 0
seit der Einführung der „Kämmaschine“, besonders der Listerschen, 9
weitem Umfang geschieht . . . hatte unzweifelhaft die Arbeitslosigkeit eine
großen Zahl von Arbeitern zur Folge. Wolle wurde früher im Handbetrieb
gekämmt, meist in der Hütte des Wollkämmers. Sie wird Run ganz allgemein
in der Fabrik gekämmt, und Handarbeit ist aun überflüssig gewordeß
nit Ausnahme einiger besonderer Verfahrensarten, bei denen handgekämmt®
Wolle noch vorgezogen wird. Viele von den Handkämmern fanden in de
Fabriken Arbeit; aber das Produkt des Handkämmers ist im Vergleich zu
dem der Maschine so gering, daß eine sehr große Zahl von Kämmern ar-DO
 geblieben ist.“ („Reports of Insp. of Fact. for 31st October 1859“
) 102 „Das Prinzip des Fabriksystems besteht darin, daß die Verteilung
oder Abstufung der Arbeit unter die einzelnen Handwerker ersetzt wir
durch die Zergliederung des Arbeitsprozesses in seine wesentlichen B*
standteile. (Ure: „Philosophy of Manufacture‘, p. 20.)
        <pb n="370" />
        Dreizehntes Kapitel.

325

heoretische Lösung durch gehäufte praktische Erfahrung auf großer
Mufenleiter vervollkommnet werden muß. Jede Teilmaschine liefert
ler Zunächst folgenden ihr Rohmaterial, und da sie alle gleichzeitig
Wirken, befindet sich das Produkt ebenso fortwährend auf den ver-“hiedenen
 Stufen seines Bildungsprozesses, wie im Uebergang aus
Mer Produktionsphase in die andere. Wie in der Manufaktur die
mittelbare Kooperation der Teilarbeiter bestimmte Verhältnis-‘ahlen
 zwischen den besonderen Arbeitergruppen schafft, so in dem
5gliederten Maschinensystem die beständige Beschäftigung der
Teilmasehinen. durcheinander ein bestimmtes Verhältnis zwischen
hrer Anzahl, ihrem Umfang und ihrer Geschwindigkeit. Die komnierte
 Arbeitsmaschine, jetzt ein gegliedertes System von ver-“hiedenartigen
 einzelnen Arbeitsmaschinen und von Gruppen derselben,
 ist um so vollkommener, je kontinuierlicher ihr Gesamt-"0zeß,
 das heißt mit je weniger Unterbrechung das Rohmaterial
"On seiner ersten Phase zu seiner letzten übergeht, je mehr also
att der Menschenhand der Mechanismus selbst es von einer Pro-Äüktionsphase
 in die andere fördert. Wenn in der Manufaktur die
Solierung der Sonderprozesse ein durch die Teilung der Arbeit
lbst gegebenes Prinzip ist, so herrscht dagegen in der entwickelten
‚Abrik die Kontinuität [der ununterbrochene Zusammenhang] der
üderprozesse.
Ein System der Maschinerie, beruhe es nun auf bloßer Ko-Veration
 gleichartiger Arbeitsmaschinen, wie in der Weberei, oder
Auf einer Kombination verschiedenartiger, wie in der Spinnerei,
dldet an und für sich einen großen Automaten, sobald es von
nem sich selbst bewegenden ersten Motor getrieben wird. Indes
sann das Gesamtsystem zum Beispiel von der Dampfmaschine ge-"eben
 werden, obgleich entweder einzelne Werkzeugmaschinen für
SeWisse Bedingungen noch den Arbeiter brauchen, wie die zum
Anfahren der Mule [Spinnmaschine] nötige Bewegung vor der Ein-Ührung
 der selfacting Mule und immer noch bei Feinspinnerei, oder
ber bestimmte Teile der Maschine zur Verrichtung ihres Werkes
Bleich einem Werkzeug vom Arbeiter gelenkt werden müssen, wie
Dim Maschinenbau vor der Verwandlung des Slide-rest (ein Drehparat)
 in einen selbsttätigen Automaten. Sobald die Arbeits-Näschine
 alle zur Bearbeitung des Rohstoffes nötigen Bewegungen
ne menschliche Beihilfe verrichtet und nur noch menschlicher
Nachhilfe bedarf, haben wir ein automatisches System der Maschilrie,
 das indes beständiger Ausarbeitung im Detail fähig ist. So
And zum Beispiel der Apparat, der die Spinnmaschine von selbst
illsetzt, sobald ein einzelner Faden reißt, und der selfacting Stop,
ler den verbesserten Dampfwebstuhl stillsetzt, sobald der Spule des
Weberschiffes der Einschlagsfaden ausgeht, ganz moderne Erindungen.
 Als ein Beispiel sowohl der Kontinuität der Produktion
Wie der Durchführung des automatischen Prinzips kann die moderne
Papierfabrik gelten. An der Papierproduktion kann überhaupt der
        <pb n="371" />
        326

Vierter Abschniß

Unterschied verschiedener Produktionsweisen, auf Grundlage v®
schiedener Produktionsmitiel, wie der Zusammenhang der gesell
schaftlichen Produktionsverhältnisse mit diesen Produktionsweis®
im einzelnen vorteilhaft studiert werden, da uns die ältere deutsch
Papiermacherei Muster der handwerksmäßigen Produktion, Hollas
im 17. und Frankreich im 18. Jahrhundert Muster der eigentlich”
Manufaktur und das moderne England Muster der automatisch”
Fabrikation in diesem Zweig liefern, außerdem. in China und Indie?
noch zwei verschiedene altasiatische Formen derselben Indus!
existieren.
Als gegliedertes System von Arbeitsmaschinen, die ihre Be
wegung nur vermittels der Transmissionsmaschinerie von eine”
zentralen Automaten empfangen, besitzt der Maschinenbetrieb sein‘
entwickeltste Gestalt. An die Stelle der‘ einzelnen Maschine ti
hier ein mechanisches Ungeheuer, dessen Leib ganze Fabrikgebät®
füllt, und dessen dämonische Kraft, erst versteckt durch die ME
feierlich gemessene Bewegung seiner Riesenglieder, im feberb#!
Lem Wirbeltanz seiner zahllosen eigentlichen Arbeitsorgane av
richt.
Es gab Mules, Dampfmaschinen usw., bevor es Arbeiter gab
deren ausschließliches Geschäft es war, Dampfmaschinen, Mules usr
zu machen, ganz wie der Mensch Kleider trug, bevor es Schneid®
gab. Die Erfindungen von Vaucanson, Arkwright, Watt us“
waren jedoch nur ausführbar, weil jene Erfinder ein vorn der
Manufakturperiode fertig geliefertes und beträchtliches Quantä”
geschickter mechanischer Arbeiter vorfanden. Ein Teil dieser Ar
beiter bestand aus selbständigen Handwerkern verschiedener Pr MW
f[ession, ein anderer Teil war in Manufakturen vereinigt, worin, We
lIrüher erwähnt, die Teilung der Arbeit mit besonderer Strenß
waltete. Mit der Zunahme der Erfindungen und der wachsen?
Nachfrage nach den neu erfundenen Maschinen entwickelte
mehr und mehr einerseits die Sonderung der Maschinenfabrikat®
in mannigfaltige selbständige Zweige, anderseits die Teilung
Arbeit im Innern der maschinenbauenden Manufakturen. Wir © 2
blicken hier also in der Manufaktur die unmittelbare technisch
Grundlage der großen Industrie. Jene produzierte die Maschin®®
womit diese in den Produktionssphären, die sie zunächst ergriff 4
handwerks- und manufakturmäßigen Betrieb aufhob. Der Maschin®
betrieb erhob sich also naturwüchsig auf einer ihm unangemess®%
materiellen Grundlage. Auf einem gewissen Entwicklungs@"”
mußte er diese erst fertig vorgefundene und dann in ihrer alten por 8
weiter ausgearbeitete Grundlage selbst umwälzen und sich Sn
seiner eigenen Produktionsweise entsprechende neu® B Pe
schaffen. Wie die einzelne Maschine zwergmäßig bleibt, solang® 5
AUr durch Menschen bewegt wird, wie das Maschinensystem FB
nicht frei entwickeln konnte, bevor an die Stelle der vorgefundet,
Triebkräfte — Tier, Wind und selbst Wasser — die Dampfmasch"
        <pb n="372" />
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Dreizehntes Kapitel.

827

Tat, ebenso war die große Industrie in ihrer ganzen Entwicklung
Meähmt, solange ihr charakteristisches Produktionsmittel, die
‚„‚eSchine selbst, persönlicher Kraft und persönlichem Geschick
Dr Existenz verdankte, also abhing von der Muskelentwicklung,
Ten Schärfe des Blickes und der Virtuosität der Hand, womit der
‚parbeiter in der Manufaktur und der Handwerker außerhalb derie
 ben ihr Zwerginstrument führten. Abgesehen von der Verya
 zung der Maschinen infolge dieser Ursprungsweise — ein Umod,
 welcher das Kapital als bewußtes Motiv beherrscht — blieb
du die Ausdehnung der bereits maschinenmäßig betriebenen Inib
 und das Eindringen der Maschinerie in neue Produktionsdie
 2° rein bedingt durch das Wachstum einer Arbeiterkategorie,
na Wegen der halbkünstlerischen Natur ihres Geschäftes nur allaech
 und nicht sprungweise vermehrt werden konnte. Aber auf
Kchni gewissen Entwicklungsstufe geriet die große Industrie auch
va isch in Widerstreit mit ihrer handwerks- und manufakturta
 gen Unterlage. Ausreckung des Umfanges der Bewegungsmas
 tlinen, des Transmissionsmechanismus und der Werkzeug-Res
 hinen, größere Komplikation, Mannigfaltigkeit und strengere
na mäßigkeit ihrer Bestandteile, im Maße wie die Werkzeugus
 Chine ‚sich von dem handwerksmäßigen Muster, das ihren Bau
ech glich beherrscht, losriß und eine freie, nur durch ihre
auto änische Aufgabe bestimmte Gestalt erhielt, Ausbildung des
Schwan ischen Systems und stets unvermeidlichere Anwendung von
Wer zu bewältigendem Material, zum Beispiel Eisen statt Holz1°s
En Lösung aller dieser naturwüchsig entspringenden Aufgaben
Man Überall auf die persönlichen Schranken, die auch das in der
Wer Aktur kombinierte Arbeiterpersonal nur dem Grad, nicht dem
Dryen nach durchbricht. Maschinen zum Beispiel wie die moderne
Karq TPresse, der moderne Dampfwebstuhl und die moderne
lermaschine konnten nicht von der Manufaktur geliefert werden
hans Umwälzung der Produktionsweise in einer Sphäre der
ee bedingt ihre Umwälzung in der andern, Es gilt dies zu-Schapı
 Tür solche Industriezweige, welche zwar durch die gesell-‘Niche
 Teilung der Arbeit isoliert sind, so daß ieder derselben
ohlien, Der mechanische Webstuhl in seiner ersten Form besteht hauptang
 di aus Holz, der verbesserte, moderne, aus Eisen. Wie sehr im Anüntep
 Alte Form des Produktionsmittels seine neue Form beherrscht, zeigt
huhls anderm die oberflächlichste Vergleichung des modernen Dampfwebdep
 Mit dem alten, der modernen Gebläse in Eisengießereien mit
Magep en unbehilflichen mechanischen Wiedergeburt des gewöhnlichen
Ang alas, und vielleicht schlagender als alles andere eine vor der Erfin-Püß
 Cr jetzigen Lokomotiven versuchte Lokomotive, die in der Tat zwei
Ange Hatte ; je ein Pferd aufhob, Erst nach wei
ütwick] , Welche sie abwechselnd wie ein Pferd a ob. Erst nac weiterer
Form „ung der Mechanik und gehäufter praktischer Erfahrung wird die
Manz Szlich durch das mechanische Prinzip bestimmt und daher gänzlich
Maschi von der überlieferten Körperform des Werkzeugs, das sich zur
© entpuppt.
        <pb n="373" />
        3928

Vierter Abschnitt

eine selbständige Ware produziert, sich aber dennoch als Phase!
eines Gesamtprozesses verschlingen. So machte die Maschine»
spinnerei Maschinenweberei nötig und beide zusammen die
mechanisch-chemische Revolution in der Bleicherei, Druckerei und
Färberei. So rief anderseits die Revolution in der Baumwoll
spinnerei die Erfindung des Gin, der Maschine zur Trennung der
Baumwollfaser vom Samen, hervor, womit erst die Bauwollproduktio®
auf dem nun erheischten großen Maßstab möglich ward.!* DIE
Revolution in der Produktionsweise der Industrie und Agrikultw
ernötigte namentlich aber auch eine Revolution in den allgemein®
Bedingungen des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, das heiß
den Kommunikations- und Transportmitteln. Die Kommunikation“
und Transportmittel einer Gesellschaft, deren Pivot, um. mich eind
Ausdruckes Fouriers zu bedienen,!** die kleine Agrikultur wi
ihrer häuslichen Nebenindustrie und das städtische Handwe*
waren, konnten durchaus nicht mehr den Produktionsbedürfnis®®
der Manufakturperiode mit ihrer erweiterten Teilung der gesel
schaftlichen Arbeit, ihrer Konzentration von Arbeitsmitteln un
Arbeitern und ihren Kolonialmärkten genügen, so daß sie auch B
der Tat umgewälzt wurden. So verwandelten sich die von der
Manufakturperiode überlieferten Transport- und Kommunikatio®
mittel bald in unerträgliche Hemmschuhe für die große Industr!”
mit ihrer fieberhaften Geschwindigkeit der Produktion, ihrer masse”
haften Stufenleiter, ihrem beständigen Werfen von Kapital- u
Arbeitermassen aus einer Produktionssphäre in die andere® i
ihren neugeschaffenen weltmarktlichen Zusammenhängen. A
gesehen von ganz umgewälztem Segelschifibau, wurde das Kon
munikations- und "Transportwesen daher allmählich durch en
System von Flußdampfschiffen, Eisenbahnen, ozeanischen DamP,
schiffen und Telegraphen der Produktionsweise der großen Indust”®
angepaßt. Die furchtbaren Eisenmassen aber, die jetzt zu schmied®”)
zu schweißen, zu schneiden, zu bohren und zu formen ware; de
forderten ihrerseits riesenhafte Maschinen, deren Schöpfung
manufakturmäßige Maschinenbau versagte. g
Die große Industrie mußte sich also ihres charakteristisch“,
Produktionsmittels, der Maschine selbst, bemächtigen und Maschi"
durch Maschinen produzieren. So erst schuf sie ihre adäquate ven
nische Unterlage und stellte sich auf ihre eigenen Füße. Mit de

104 Des Yankees Eli Whitney Cottongin [Maschine zur Entfernung 0
Samens aus der Baumwolle] war bis zur neuesten Zeit im wesentlich
weniger verändert worden als irgendeine andere Maschine des 18. Jab
hunderts, Erst in den fünfziger Jahren hat ein anderer Amerikaner, per
Emery von Albany, New York, Whitneys Maschine durch eine ebens? ei
fache als wirksame Verbesserung überholt. ge
1048 Fourier nannte das wesentliche Merkmal einer jeden Periode 1ef
Menschheitsgeschichte ihren Pivot, den Angelpunkt, um den sich al
        <pb n="374" />
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Dreizehntes Kapitel.

329

Vachsenden Maschinenbetrieb in den ersten Jahrzehnten des
(9. Jahrhunderts bemächtigte sich die Maschinerie in der Tat all-Yöhlich
 der Fabrikation der Werkzeugmaschinen. Jedoch erst wähnd
 der leiztverflossenen Jahrzehnte [vor 1867] riefen ungeheurer
Äsenbahnbau und ozeanische Dampfschiffahrt die zur Konstruktion
on ersten Motoren angewandten zyklopischen Triesenhaften] Mahinen
 ins Leben.
Die wesentlichste Produktionsbedingung für die Fabrikation von
Maschinen durch Maschinen war eine jeder Kraftleistung fähige und
Joch zugleich ganz kontrollierbare Bewegungsmaschine. Sie exi-Herte
 bereits in der Dampfmaschine. Aber es galt zugleich die für
lie einzelnen Maschinenteile nötigen streng geometrischen Formen,
Ye Linie, Ebene, Kreis, Zylinder, Kegel und Kugel, maschinenmäßig
M produzieren. Dies Problem löste Henry Maudsley im ersten Jahr-Dint
 des 19. Jahrhunderts durch die Erfindung des Slide-rest [des
“Tehbankschlittens], der bald automatisch gemacht und in modifizier-©
 Form von der Drechselbank, wofür er zuerst bestimmt war, auf
dere Konstruktionsmaschinen übertragen wurde. Diese mechalsche
 Vorrichtung ersetzt nicht irgendein besonderes Werkzeug,
ndern die menschliche Hand selbst, die eine bestimmte Form
‚tvorbringt durch Vorhalten, Anpassen und Richtung der Schärfe
A Schneideinstrumenten usw. gegen oder über das Arbeitsmaterial,
sm Beispiel Eisen. So gelang es, die geometrischen Formen der
Anzelnen Maschinenteile „mit einem Grad von Leichtigkeit, Ge-AAuigkeit
 und Raschheit zu produzieren, den keine gehäufte Erährung
 der Hand des geschicktesten Arbeiters verleihen konnte‘.1%
M Betrachten wir nun den Teil der zum Maschinenbau angewandten
sa inerie, der die eigentliche Werkzeugmaschine bildet, so erh
 eint das handwerksmäßige Instrument wieder, aber in riesen-‚item
 Umfange. Der wirkende Teil der Bohrmaschine zum Bei-EN
 ist ein ungeheurer Bohrer, der durch eine Dampfmaschine ge-Den
 wird, und ohne den umgekehrt die Zylinder großer Dampfrhinen
 und hydraulischer Pressen nicht produziert werden
ehem. Die mechanische Drechselbank ist die zyklopische Wiederaeelt
 der gewöhnlichen Fußdrechselbank, die Hobelmaschine ein
ner Zimmermann, der mit denselben Werkzeugen in Eisen
% eitet, womit der Zimmermann in Holz; das Werkzeug, welches
en Londoner Schiffswerften das Furnierwerk schneidet, ist ein
Senartiges Rasiermesser, das Werkzeug der Schermaschine, welche

be 5 AT of Nations. London 1855“, part II, p. 289. Es heißt
den daselbst: „Dieses Zubehör der Drehbank mag einfach und äußerlich
AWwichtig erscheinen; man behauptet aber, glauben wir, nicht zu viel, wenn
an Sagt, daß sein Einfluß auf die Verbesserung und Verbreitung des Gewe
 uchs der Maschine ebenso groß war wie der der Verbesserungen, die
Alt an der Dampfmaschine selbst vorgenommen hat. Seine Einführung be-Firkte
 sofort eine Vervollkommnung und Verbilligung aller Maschinen
ind Tegte weitere Erfindungen und Verbesserungen an.“
        <pb n="375" />
        Vierter Abschnitt
Eisen schneidet, wie die Schneiderschere Tuch, eine Monstrescher®
und der Dampfhammer operiert mit einem gewöhnlichen Hammer
kopf, aber von solchem Gewicht, daß Thor selbst ihn nicht schwinge?
könnte.!*® Einer dieser Dampfhämmer zum Beispiel, die eine Er
Endung von Nasmyth sind, wiegt über 6 Tonnen und stürzt mit eine”
senkrechten Fall von 7 Fuß auf einen Amboß von 36 Tonnen G®
wicht. Er pulverisiert spielend einen Granitblock und ist nich!
minder fähig, einen Nagel in weiches Holz mit einer Aufeinander
[olge leiser Schläge einzutreiben.!? SL
Als Maschinerie erhält das Arbeitsmittel eine materielle EX"
stenzweise, welche Ersetzung der Menschenkraft durch Naturkräfl®
und erfahrungsmäßiger Routine durch bewußte Anwendung d®
Naturwissenschaft bedingt. In der Manufaktur ist die Gliederunß
des gesellschaftlichen Arbeitsprozesses rein subjektiv [persönlich)
Kombination von Teilarbeitern; im Maschinensystem besitzt die groß®
Industrie einen ganz objektiven [sachlichen] Produktionsorganismu®*
den der Arbeiter als fertige materielle Produktionsbedingung v0F
findet. In der einfachen und selbst in der durch Teilung der Arbeil
spezifizierten Kooperation erscheint die Verdrängung des vereinze!
en Arbeiters durch den vergesellschafteten immer noch mehr 0d#
minder zufällig. Die Maschinerie, mit einigen später zu erwähne”
den Ausnahmen, funktioniert nur in der Hand unmittelbar vergesell
schafteter oder gemeinsamer Arbeit. Der kooperative Charakter deß
Arbeitsprozesses wird jetzt also durch die Natur des Arbeitsmittel‘
selbst diktierte technische Notwendigkeit.

330

2, Wertabgabe der Maschinerie an das Produkt.
Man sah, daß die aus Kooperation und Teilung der Arbeit nr
springenden Produktivkräfte dem Kapital nichts kosten. Sie Sr
Naturkräfte der gesellschaftlichen Arbeit. Naturkräfte, wie DamP”
Wasser usw., die zu produktiven Prozessen angeeignet werdeh
kosten ebenfalls nichts. Wie aber der Mensch eine Lunge un
Atmen braucht, braucht er ein „Gebild von Menschenhand“, 4
Naturkräfte produktiv zu konsumieren. Ein Wasserrad ist nötig, nn
die Bewegungskraft des Wassers, eine Dampfmaschine, um di
Elastizität des Dampfes auszubeuten. Wie mit den Naturkräfte?
verhält es sich mit der Wissenschaft. Einmal entdeckt, kostet
Gesetz über die Abweichung der Magnetnadel im Wirkungskre!”
eines elektrischen Stromes oder über Erzeugung von Magnetismu

106 Eine dieser Maschinen in London zum Schmieden von Wellen N
Schaufelräder führt den Namen „Thor“ [Thor war eine altgermanis”
Gottheit, der Gott des Gewitters, mit einem furchtbaren DonnerhammerT , cht
wehrt. K.] Die Maschine schmiedet eine Welle von 16/2 Tonnen Gew!
mit derselben Leichtigkeit, wie der Schmied ein Hufeisen. tab
107 Die in Holz arbeitenden Maschinen, die auch auf kleinem Maßs
angewandt werden können, sind meist amerikanische Erfindung.
        <pb n="376" />
        Dreizehntes Kapitel.
© Eisen, um das ein elektrischer Strom kreist, keinen Deut.!® Aber
vr Ausbeutung dieser Gesetze für Telegraphie usw. bedarf es eines
Sehr kostspieligen und weitläufigen Apparates. Durch die Maschine
id, wie wir sahen, das Werkzeug nicht verdrängt. Aus einem
Lwergwerkzeug des menschlichen Organismus reckt es sich in
Umfang und Anzahl zum Werkzeug eines vom Menschen geschaffeln
 Mechanismus. Statt mit dem Handwerkszeug, läßt das Kapital
den Arbeiter jetzt mit einer Maschine arbeiten, die ihre Werkzeuge
Selbst führt. Wenn es daher auf den ersten Blick klar ist, daß die
S0ße Industrie durch Einverleibung ungeheurer Naturkräfte und
der Naturwissenschaft in den Produktionsprozeß die Produktivität
der Arbeit außerordentlich steigern muß, ist es keineswegs ebenso
Klar, daß diese gesteigerte Produktivkraft nicht durch vermehrte
Arbeitsausgabe auf der andern Seite erkauft wird. Gleich jedem
(dern Bestandteil des konstanten Kapitals, schafft die Maschinerie
keinen Wert, gibt aber ihren eigenen Wert an das Produkt ab, zu
dessen Erzeugung sie dient. Soweit sie Wert hat und daher Werl
“das Produkt überträgt, bildet sie einen Wertbestandteil dessClben.
 Statt es zu verwohlfeilern, verteuert sie es im Verhältnis
© ihrem eigenen Wert. Und es ist handgreiflich, daß Maschine und
Stematisch entwickelte Maschinerie, das charakteristische Arbeits-Nittel
 der großen Industrie, unverhältnismäßig an Wert schwillt,
berglichen mit den Arbeitsmitteln des Handwerks- und Manufaktur-Tebes,

Es ist nun zunächst zu bemerken, daß die Maschinerie stets
Sahz im den Arbeitsprozeß und immer nur teilweise in den. Verpttungsprozeß
 eingeht. Sie setzt nie mehr Wert zu, als sie im
ns Chschnitt durch ihre Abnutzung verliert. Es findet also große
(erenz statt zwischen dem Wert der Maschine und dem periodisch
Yon ihr auf das Produkt übertragenen Wertteil. Es findet eine
Soße Differenz statt zwischen der Maschine als wertbildendem und
% Produktbildendem Element. Je größer die Periode, während
"elcher dieselbe Maschinerie wiederholt in demselben Arbeits-Tozeß
 dient, desto größer‘ jene Differenz. Allerdings haben wir
“Sehen, dhß jedes eigentliche Arbeitsmittel oder Produktions-AStrument
 immer ganz in den Arbeitsprozeß und stets nur stück-Lie,
 im Verhältnis zu seinem täglichen Durehschnittsverschleiß, in
® Verwertungsprozeß eingeht. Diese Differenz jedoch zwischen

331

hr Die Wissenschaft kostet dem Kapitalisten überhaupt „nichts“, was
iS durchaus nicht hindert, sie auszubeuten. Die „fremde Wissenschaft
Ad dem Kapital einverleibt, wie die fremde Arbeit. „Kapitalistische
Aeignung und „persönliche“ Aneignung, sei es von Wissenschaft, sei es
n Materiellem Reichtum, sind aber ganz und gar verschiedene Dinge, die
te teinunder nichts zu tun haben. Dr. Ure selbst bejammerte die grobe
1er kanntschaft seiner lieben, Maschinen ausbeutenden Fabrikanten mit
% Mechanik. und Liebig weiß von der haarsträubenden Unwissenheit der
“Slischen chemischen Fabrikanten in der Chemie zu erzählen.
        <pb n="377" />
        332

Vierter Abschnif

Benutzung und Abnutzung ist viel größer bei der Maschinerie #*
bei dem Werkzeug, weil sie, aus dauerhafterem Material gebauf
länger lebt, weil ihre Anwendung, durch streng wissenschaftlich‘
Gesetze geregelt, größere Sparsamkeit in der Verausgabung ihr#
Bestandteile und ihrer Konsumtionsmittel ermöglicht, und endlich
weil ihr Produktionsfeld unverhältnismäßig größer ist als das d®
Werkzeuges. Ziehen wir von beiden, von Maschinerie und werk
zeug, ihre täglichen Durchschnittskosten ab, oder den Wertbestanf
teil, den sie durch täglichen Durchschnittsverschleiß und den Konsu”
von Hilfsstoffen, wie Oel, Kohlen usw., dem Produkt zusetzen, ®
wirken sie umsonst, ganz wie ohne Zutun menschlicher Arbeit v9
handene Naturkräfte. Um so viel größer der produktive Wirkunf”
umfang der Maschinerie als der des Werkzeuges, um so viel größ”
ist der Umfang ihres unentgeltlichen Dienstes verglichen mit del
des Werkzeuges. Erst in der großen Industrie lernt der Mensch dat
Produkt seiner vergangenen, bereits vergegenständlichten Arbeil
auf großem Maßstabe gleich einer Naturkraft umsonst wirken ”
lassen.10?

Es ergab sich bei Betrachtung der Kooperation und Manufakt#
daß gewisse allgemeine Produktionsbedingungen, wie Baulichkeit®
usw., im Vergleich mit den zersplitterten Produktionsbedingung“
vereinzelter Arbeiter, durch den gemeinsamen Konsum ökonomisi®
werden, daher das Produkt weniger verteuern. Bei der Maschine
wird nicht nur der Körper einer Arbeitsmaschine von ihren viele”
Werkzeugen, sondern dieselbe Bewegungsmaschine nebst einem Te
des Transmissionsmechanismus von vielen Arbeitsmaschinen %°
meinsam verbraucht. ;
Gegeben die Differenz zwischen dem Wert der Maschinerie bo
dem auf ihr Tagesprodukt übertragenen Wertteil, hängt der Gr#"
worin dieser Wertteil das Produkt verteuert, zunächst vom Umfarf
des Produkts ab, gleichsam von seiner Oberfläche. Herr Bayı
aus Blackburn schätzt in einer 1858 veröffentlichten Vorlesung: d

109 Ricardo faßt diese, übrigens von ihm ebensowenig‘ wie der ar
gemeine Unterschied zwischen Arbeitsprozeß und Wertbildungsprozeß
wickelte Wirkung der Maschinen manchmal so vorzugsweise ins Auge: de
er gelegentlich den Wertbestandteil vergißt, den Maschinen an das Prod‘
abgeben, und sie ganz und gar mit den Naturkräften zusammenwirft. x,
zum Beispiel: „Adam Smith unterschätzt nirgends die Dienste, die uns %
Kräfte der Natur und Maschinen leisten, aber er unterscheidet ganz rich®®
die Natur des Wertes, den sie den Gütern zufügen. ... Da sie ihr Wen
unentgeltlich verrichten, setzt der Beistand, den sie uns gewährel, den
Tauschwert nichts zu.“ (Ricardo: „Principles of Political Economy. 8rd
London 1821“, p. 8386, 837.) [Vgl. „Grundgesetze der Volkswirtscht,
übersetzt von Dr. Ed. Baumstark. 2. Auflage, Leipzig 1877, $:
Ricardos Bemerkung ist natürlich richtig gegen J. B. Say, der sich A
Jaselt, die Maschinen leisteten den „Dienst“, Wert zu schaffen, der 7
des „Proütis‘“ bilde,
        <pb n="378" />
        +

8
I
16

)reizehntes Kapitel,

333

Jede reale mechanische Pferdekraft!®% 450 selfacting Mulespindeln
lebst Vorgeschirr treibt oder 200 Throstlespindeln oder 15 Web-Hühle
 für 40 inch cloth [vierzigzölliges Gewebe] nebst den Vor-Ichtungen
 zum Aufziehen der Kette, Schlichten usw.“ Es ist im
sten Fall das Tagesprodukt von 450 Mulespindeln, im zweiten von
00 Throstlespindeln, im dritten von 15 mechanischen Webstühlen,
Vorüber sich die täglichen Kosten einer Dampfpferdekraft und der
Verschleiß der von ihr in Bewegung geselzten Maschinerie verteilen,
© daß hierdurch auf eine Unze Garn oder eine Elle Gewebe nur
Un Winziger Wertteil übertragen wird. Ebenso im obigen Beispiel
Wit dem Dampfhammer. Da sich sein täglicher Verschleiß, Kohlen-Konsum
 usw. verteilen auf die furchtbaren Eisenmassen, die er täg-\ch
 hämmert, hängt sich jedem Zentner Eisen nur ein geringer
Wertteil an, der sehr groß wäre, sollte das zyklopische Instrument
Heine Nägel eintreiben.
Den Wirkungskreis der Arbeitsmaschine, also die Anzahl ihrer
Werkzeuge, oder, wo es sich um Kraft handelt, deren Umfang ge-3cben,
 wird die Produktenmasse von der Geschwindigkeit abhängen,
Womit sie operiert, also zum Beispiel von der Geschwindigkeit,

, ‚1% Zu dem Worte „reale Pferdekraft“ gibt Engels in einer Note zur
} Auflage folgende Erläuterung: „Eine „Pferdekraft“ ist gleich der Kraft
"on 33.000 Fußpfund in der Minute, das heißt der Kraft, die 338 000 Pfund
a der Minute um 1 Fuß (englisch) hebt oder 1 Pfund um 33 000 Fuß.
Kies ist die oben gemeinte Pierdekraft. In der gewöhnlichen Geschäfts-Drache,
 uhd auch hier und da in Zitaten dieses Buches, wird aber unter-Sieden
 zwischen „nominellen“ und „kommerziellen“ oder „indizierten
“erdekrätten derselben Maschine, Die alte oder nominelle Pferdekraft
Wird berechnet ausschließlich aus Kolbenhub und Zylinderdurchmesser,
ind läßt Dampfdruck und Kolbengeschwindigkeit ganz außer Berück-A
 chtigung, Das heißt faktisch sagt sie aus: diese Dampfmaschine hat
AM Beispiel 50 Pferdekraft, wenn sie mit demselben schwachen Dampf£-iu
 ck und derselben geringen Kolbengeschwindigkeit getrieben wird wie
x Zeit von Boulton und Watt. Letztere beiden Faktoren sind aber seitdem
nm gewachsen. Um die von einer Maschine heute wirklich gelieferte
D-Chanische Kraft zu messen, wurde der Indikator erfunden, der den
SA Mpfdruck anzeigt. Die Kolbengeschwindigkeit läßt sich leicht feststellen.
ist das Maß der „indizierten“ oder „kommerziellen“ Pferdekraft einer
väschine eine mathematische Formel, welche Zylinderdurchmesser, Höhe
en Kolbenhubs, Kolbengeschwindigkeit und Dampfdruck gleichzeitig
39 Cksichtigt und damit anzeigt, wievielmal die Maschine in der Minute
in 000 Fußpfund wirklich leistet. Eine nominelle Pferdekraft kann daher
‚Wirklichkeit 8, 4, selbst 5 indizierte oder wirkliche Pferdekräfte
‚oSten, Dies zur Erklärung verschiedener späterer Zitate. — Engels
braucht hier die englische Berechnungsweise. In den Ländern des Meter-L
 nes 8ilt als Pferdestärke eine Kraft, die in der Sekunde 75 Kilogramm
N Meter hoch hebt. Die indizierte Pferdekraft wird unterschieden nicht
be Von der nominellen, sondern auch von der wirklichen, effektiven. Die
wnzierte ist die, wie Engels angibt, berechnete Kraftleistung der Ma-;
 Me, die effektive dagegen die von der Maschine nach Ueberwindung
"Werer Reibungen und anderer Hindernisse tatsächlich geleistete. K.
        <pb n="379" />
        334

Vierter Abschnif

womit sich die Spindel dreht, oder der Anzahl Schläge, die d%
Hammer in einer Minute austeilt. Manche jener kolossalen Hämm®
geben 70 Schläge, Ryders Schmiedepatentmaschine, die Damp}
hämmer in kleineren Dimensionen zum Schmieden von Spindel
anwendet, 700 Schläge in einer Minute.
Die Proportion gegeben, worin die Maschinerie Wert auf das
Produkt überträgt, hängt die Größe dieses Wertteils von ihr#
eigenen Wertgröße ab.!!° Je weniger Arbeit sie selbst enthält, dest
weniger Wert setzt sie dem Produkt zu. Je weniger Wert abgebend
desto produktiver ist sie und desto mehr nähert sich ihr Dienst der
der Naturkräfte. Die Produktion der Maschinerie durch Maschine“
verringert aber ihren Wert, verhältnismäßig zu ihrer Ausdehnulf
und Wirkung.
Eine vergleichende Untersuchung der Preise handwerks- ode!
manufakturmäßig produzierter Waren und der Preise derselbe
Waren als Maschinenprodukt ergibt im allgemeinen das Resulta!
daß beim Maschinenprodukt der dem Arbeitsmittel geschulde!‘
Wertbestandteil relativ wächst, aber absolut abnimmt. Das heißt
seine absolute Größe nimmt ab, aber seine Größe im Verhältnis zuß
Gesamtwert des Produkts, zum Beispiel eines Pfund Gar®
nimmt zu.421

* 1220 Der in kapitalistischen Vorstellungen befangene Leser vermißt hie
natürlich den „Zins“, den die Maschine, im Verhältnis ihres Kapitalwert®
dem Produkt zusetzt. Es ist jedoch leicht einzusehen, daß die Maschin®:
da sie so wenig als irgendein anderer Bestandteil des konstanten Kapital
Neuwert erzeugt, keinen solchen unter dem Namen „Zins‘‘ zusetzen kan?
Es ist ferner klar, daß hier, wo es sich um die Produktion des Mehrwerle
handelt, kein Teil desselben unter dem Namen „Zins“. von vornher®®
vorausgesetzt werden kann. Die kapitalistische Rechnungsweise, die g
den ersten Bliek abgeschmackt und den Gesetzen der Wertbildung wide?
sprechend scheint, findet im dritten Buch dieser Schrift ihre Erklärung: 4
21 Dieser von der Maschine zugesetizte Wertbestandteil fällt absoll
und relativ, wo sie Pferde verdrängt, überhaupt Arbeitstiere, die DUF al
Bewegungskraft, nicht als Stoffwechselmaschinen benutzt werden. Nebenb®
bemerkt, Descartes mit seiner Definition der Tiere als bloßer Maschin®
sieht mit den Augen der Manufakturperiode im Unterschied zum Mitte!
alter, dem das Tier als Gehilfe des Menschen galt, wie später wieder de
Herrn v. Haller in seiner „Restauration der Staatswissenschaften“. De
Descartes ebenso wie Baco eine veränderte Gestalt der Produktion W
praktische Beherrschung der Natur durch den Menschen als Resultat ie
veränderten Denkmethode betrachtete, zeigt sein „Discours de la Methode
wo es unter anderm heißt: „Es ist möglich (durch die von ihm in ds
Philosophie eingeführte Methode), zu Kenntnissen zu gelangen, die für 0
Leben sehr nützlich sind, und im Gegensatz zu jener spekulativen Phil?
sophie, die man an den Schulen lehrt, erlaubt sie, aus ihnen praktisch
Vorteile zu ziehen: wenn wir die Kräfte und die Wirksamkeit des Four
des Wassers, der Luft, der Gestirne und aller andern Objekte unser
Umgebung so genau kennen lernten, wie wir die Beschäftigungen unse
Handwerker kennen, vermöchten wir jene Forschungsergebnisse zu all
        <pb n="380" />
        Xi

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Dreizehntes Kapitel.

335

N Es ist klar, daß bloßer Platzwechsel der Arbeit stattfindet, also
is Gesamtsumme der zur Produktion einer Ware erheischten Arbeit
HS vermindert oder die Produktivkraft der Arbeit nicht vermehrt
wenn die Produktion einer Maschine soviel Arbeit kostet, als
in Anwendung erspart. Die Differenz jedoch zwischen der Arbeit,
Dr Sie kostet, und der Arbeit, die sie erspart, oder der Grad ihrer
A uktivität hängt offenbar nicht ab von der Differenz zwischen
‚em eigenen Wert und dem Wert des von ihr ersetzten Werk-He
 SSS. Die Differenz dauert so lange, als die Arbeitskosten der
ge hine und daher der von ihr dem Produkt zugeseizte Wertleil
dent bleiben als der Wert, den der Arbeiter mit seinem Werkzeug
Yan Arbeitsgegenstand zusetzen würde. Die Produktivität der
Ay tine mißt sich daher an dem Grad, worin sie menschliche
w eitskraft ersetzt. Nach Herrn Baynes kommen auf 450 Mule-Henn
 nebst Vormaschinerie, die von einer Dampfpferdekraft ge-Yu
 ©n werden, 2*/, Arbeiter“ und werden mit jeder selfacting
ich ®spindel bei zehnstündigem Arbeitstag 13 Unzen Garn (Durchheiter
 nummer), also wöchentlich 365°/, Pfund Garn von 2'/„ Arm
 IM gesponnen. Bei ihrer Verwandlung in Garn absorbieren
jo rähr 366 Pfund Baumwolle (wir sehen der Vereinfachung halber
Ar Abfall ab) also nur 150 Arbeitsstunden oder 15 zehnstündige
3 U lage, während mit dem Spinnrad, wenn der Handspinner
00 ven Garn in 60 Stunden liefert, dasselbe Quantum Baumwolle
Du Arbeitstage von 10 Stunden oder 27 000 Arbeitsstunden in Andern
 nehmen würde.*3 Wo die alte Methode des Blockprinting
Auen, Handkattundruckerei durch Maschinendruck verdrängt ist,
&amp;gt; Leine einzige Maschine mit dem Beistand eines Mannes oder
3er ehdungen zu benützen, deren sie fähig sind, und uns zu Herren und
Hohe mM der Natur zu machen“ und so „zur Vervollkommnung des menschürse,
 Lebens beizutragen,“ In der Vorrede zu Sir Dudley North: „Dis-Olten
 ten Trade“ (1691) heißt es, die Methode des Descartes, auf die
Uäyhis e Oekonomie angewandt, habe sie von alten Märchen und aber-In
 Dhen Vorstellungen über Geld, Handel usw. zu befreien angefangen.
Ahern BSchnitt schließen sich jedoch die‘ englischen Oekonomen der
Dütey Zeit an Baco und ‚Hobbes als ihre Philosophen an, während Locke
ante lechthin „der Philosoph“ der politischen Oekonomie für England,
in ich und Italien wurde.
(60) Nach einem Jahresbericht der Handelskammer zu Essen (Oktober
dün Produzierte 1862 die Kruppsche Gußstahlfabrik mittels 161 Schmelz-,
Beläh PM Zementöfen, 82 Dampfmaschinen (im Jahre 1800 war das unng
 14 Da Gesamtzahl der in Manchester angewandten Dampfmaschinen)
Y Sch )ampfhämmern, welche zusammen 1286 Pferdekraft repräsentieren,
3 Mine deessen, 203 Werkzeugmaschinen und zirka 2400 Arbeitern —
us nen Pfund Gußstahl. Hier noch nicht 2 Arbeiter auf 1 Pferdekraft.
Ar dur pabbage ‚berechnet, daß in Java 117 pZt. dem Baumwollwert fast
a Engla die Spinnarbeit zugesetzt werden. Zur selben Zeit (1832) betrug
dei der na Gesamtwert, den Maschinerie und Arbeit der Baumwolle
Merials einspinnerei zusetzten, ungefähr 33 pZt, auf den Wert des Roh-«
 („On the Economy of Machinery. London 1832“, p. 214.)
        <pb n="381" />
        336

Vierter Abschnitt

Jungen soviel vierfarbigen Kattun in 1 Stunde, wie früher 20
Männer.!* Bevor Eli Whitney 1793 den Cottongin erfand, kostel‘
die Trennung eines Pfund Baumwolle vom Samen einen Durch
schnittsarbeitstag. Infolge seiner Erfindung konnten täglich 100 Pfund
Baumwolle von einer Negerin gewonnen werden und die Wirksa®
keit des Gin ward seitdem noch bedeutend erhöht. Ein Pfund Baw®
wollfaser, früher zu 50 Cents produziert, wird später mit größere»
Profit, das heißt mit Einschluß von mehr unbezahlter Arbeit,
10 Cents verkauft. In Indien wendet man zur Trennung der Fas®
vom Samen ein halbmaschinenartiges Instrument an, die Churk%
womit 1 Mann und. 1 Frau täglich 28 Pfund reinigen. Mit det
von Dr. Forbes vor einigen Jahren erfundenen Churka produzier®
1 Mann und 1 Junge täglich 250 Pfund; wo Ochsen, Dampf 0d*
Wasser als Triebkräfte gebraucht werden, sind nur wenige Jung®
und Mädchen als Feeders (Handlanger des Materials für die
Maschine) erheischt. 16 dieser Maschinen, mit Ochsen getrieb®
verrichten täglich das frühere Durchschnittstagewerk vor
750 Leuten. 116

Wie bereits erwähnt, verrichtet die Dampfmaschine bei
Dampfpflug in einer Stunde zu 3 Pence oder *!/, Shilling goVl®
Werk wie 66 Menschen zu 15 Shilling pro Stunde. Ich komme a
dieses Beispiel zurück gegen eine falsche Vorstellung. Die 15 ShilliP$
sind nämlich keineswegs der Ausdruck der während einer Stud‘
von den 66 Menschen zugefügten Arbeit. War das Verhältnis vi
Mehrarbeit zu notwendiger Arbeit 100 pZt., so produzierten dies‘
56 Arbeiter pro Stunde einen Wert von 30 Shilling, obgleich sich vo
ihren 66 Arbeitsstunden nur 33 in einem Aequivalent für sie selbt
das heißt im Arbeitslohn von 15 Shilling darstellen. Gesetzt also, ei‘
Maschine koste ebensoviel wie der Jahreslohn von 150 durch sie ver
drängten Arbeitern, sage 3000 Pfd.Sterl,, so sind 3000 Pfd. Sterl. kein®
wegs der Geldausdruck der von 150 Arbeitern gelieferten und der
Arbeitsgegenstand zugesetzten Arbeit, sondern nur des Teiles ibr?
Jahresarbeit, der sich für sie selbst in Arbeitslohn -darstellt. Ti
gegen drückt der Geldwert der Maschine von 3000 Pfd. Sterl. al
während ihrer Produktion verausgabte Arbeit aus, in welchem vo
hältnis immer diese Arbeit Arbeitslohn für den Arbeiter und Mel
wert für den Kapitalisten bilde. Kostet die Maschine also ebenso‘
wie die von ihr ersetzte Arbeitskraft, so ist die in ihr selbst
gegenständlichte Arbeit stets viel kleiner als die von ihr erse
lebendige Arbeit.116

114 Beim Maschinendruck außerdem Farbe erspart. {9
265 Vgl. Paper read by Dr. Watson, Reporter on Products to
Government of India; before the Society of Arts, 17. April 1860. g gr
116 „Diese stummen Arbeitskräfte (die Maschinen) sind stets ya
zeugnis von viel weniger Arbeit als diejenige ist, welche sie ersetzem yitic8
wenn sie von demselben Geldwert sind.“ (Ricardo: „Principles of P®
        <pb n="382" />
        aitt.

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Dreizehntes Kapitel.

337

Ausschließlich als Mittel zur Verwohlieilerung des Produkts
betrachtet, ist die Grenze für den Gebrauch der Maschinerie darin
zegeben, daß ihre eigene Produktion weniger Arbeit kostet, als
ihre Anwendung Arbeit ersetzt. Für das Kapital jedoch drückt
äch diese Grenze enger aus. Da es nicht die angewandte Arbeit
ahlt, sondern den Wert der angewandten ‚Arbeitskraft, wird ihm
der Maschinengebrauch begrenzt durch die Difierenz zwischen dem
Vaschinenwert und dem Wert der von ihr erseizten Arbeitskraft,
Da die Teilung des Arbeitstages in notwendige Arbeit und Mehrarbeit
 in verschiedenen Ländern verschieden ist, ebenso in. demselben
 Lande zu verschiedenen Perioden oder während derselben
Periode in verschiedenen Geschäftszweigen; da ferner der wirkliche
Lohn des Arbeiters bald unter den Wert seiner Arbeitskraft sinkt,
9ald über ihn steigt, kann die Differenz zwischen dem Preise der
Maschinerie und.dem Preise der von ihr zu ersetzenden Arbeitskraft
sehr wechseln, wenn auch die Differenz zwischen dem zur Produktion
 der Maschine nötigen Arbeitsquantum und dem Gesamt-Tantum
 der von ihr ersetzten Arbeit dieselbe bleibt.!1 Es ist
Wr nur die erstere Differenz, welche die Produktionsunkosten der
ze für den Kapitalisten selbst bestimmt und ihn durch die
Wangsgesetze der Konkurrenz beeinflußt. Es werden daher heute
Maschinen in England erfunden, die nur in Nordamerika angewandt
erden, wie Deutschland im 16. und 17. Jahrhundert Maschinen er-Kend,
 die nur Holland anwandte, und wie manche französische Er-Me
 lung des 18, Jahrhunderts nur in England ausgebeutet ward. Die
‚Aschine selbst produziert in älter entwickelten Ländern durch ihre
Anwendung auf einige Geschäftszweige in andern Zweigen solchen
5 Deitsüberfluß (redundanecy of labour, sagt Ricardo), daß hier der
en des Arbeitslohnes unter den Wert der Arbeitskraft den Ge-Kuch
 der Maschinerie verhindert und ihn vom Standpunkt des
apitals, dessen Gewinn ohnehin aus der Verminderung nicht der
De Swandten, sondern der bezahlten Arbeit entspringt, überflüssig,
m Unmöglich macht. In einigen Zweigen der englischen Wollmi
 Waktur ist während der letzten Jahre die Kinderarbeit sehr verzesdert,
 hier und da fast verdrängt worden. Warum? Das Fabrikden
 ernötigte eine doppelte Kinderreihe, von denen je eine 6, die
Wollte 4 Stunden, oder jede nur 5 Stunden arbeitet. Die Eltern
al ten aber die Half-timers (Halbzeitler) nicht wohlfeiler verkaufen
lim früher die Full-timers- (Vollzeitler).: Daher Ersetzung der Half-EIS
 durch Maschinerie.1? Vor dem Verbot der Arbeit von

Da |
Sconomy, 8rd ed. London 1821“, p. 40.) [Vgl. „Grundgesetze der Volkswirt-"haft“,
 übersetzt von Dr. Ed.Baumstark. 2. Auflage. Leipzig 1877, S, 29, 30.]
“68 Note zur 2. Ausgabe. In einer kommunistischen Gesellschaft hätte
(her die Maschinerie einen ganz andern Spielraum als in der bürgerlichen
“Sellschaft
1 „Die hmer wollten nicht unnötigerweise zwei Schichten von
indem a nlor 49 Tab beibehalten. ‚+. Tatsächlich beschäftigen manche
Das Kapital. 1.

&amp;gt;92
        <pb n="383" />
        338

Vierter Abschnitt.

Weibern und Kindern (unter 10 Jahren) in Minen fand das Kapital
die‘ Methode, nackte Weiber und Mädchen, oft mit Männern ZU
sammengebunden, in Kohlen- und andern Minen zu vernutzen, ®
übereinstimmend mit seinem Moralkodex und namentlich auch
seinem Hauptbuch, daß es erst nach dem Verbot zur Maschineri®
griff. Die Yankees haben Maschinen zum Steineklopfen erfundel
Die Engländer wenden sie nicht an, weil der „Elende“ („wretch“ ist
Kunstausdruck der englischen politischen Oekonomie für den Land
arbeiter), der diese Arbeit verrichtet, einen so geringen Teil seine
Arbeit bezahlt erhält, daß Maschinerie die Produktion für del
Kapitalisten verteuern würde.!!® In England werden gelegentlich
statt der Pferde immer noch Weiber zum Ziehen usw. bei den Kanal
booten verwandt,!!? weil die zur Produktion von Pferden umd
Maschinen erheischte Arbeit ein mathematisch gegebenes Quantiu®
ist, die zur Erhaltung von Weibern der Ueberbevölkerung not
wendige dagegen unter aller Berechnung steht. Man findet daher
nirgendwo schamlosere Verschwendung von Menschenkraft für
Lumpereien, als gerade in England. dem Land der Maschinen.

3. Nächste Wirkungen des maschinenmäßigen Betriebes
auf den Arbeiter.
Den Ausgangspunkt der großen Industrie bildet, wie gezeigh
die Revolution des Arbeitsmittels, und das umgewälzte Arbeitsmittel
erhält seine meist entwickelte Gestalt im gegliederten Maschinel“
system der Fabrik. Bevor wir zusehen, wie diesem objektive?
Organismus Menschenmaterial einverleibt wird, betrachten W*
einige allgemeine Rückwirkungen jener Revolution auf den Ar
beiter selbst.

Fabrikanten, die Spinner von Wollengarn, heute selten Kinder unter
18 Jahren, das heißt Halbzeitler. Sie haben verschiedenartige verbessert®
und neue Maschinen eingeführt, wodurch die Verwendung von Kinde?
(das heißt unter 13 Jahren) überflüssig gemacht wird. Zur ustratiol
für die Verminderung der Zahl der Kinder will ich einen Arbeitsproze®
anführen, bei dem ein Apparat, genannt Anknüpfmaschine, den bestehend®
Maschinen angefügt wird, wodurch, je nach der Beschaffenheit der P”
Ireffenden Maschine, die Arbeit von 6 oder 4 Halbzeitlern von einem Jugend
lichen (über 13 Jahre) geleistet werden kann. ‚.. Das „Halbzeit-Syste®,
war die unmittelbare Veranlassung zur Erfindung der Anknüpfmaschin®
(„Reports of Insp. of Fact. for 81st October 1858.“) ; ,
118 „Maschinen . .. können häufig erst angewendet werden, wenn &amp;amp;
Arbeit (er meint: der Lohn) steigt.“ (Ricardo: „Principles of Politi®
Economy, 3rd ed. London 1821“, p. 579.) [Vgl „Grundgesetze der VolkswWO
schaft“, übersetzt von Dr. Ed. Baumstark. 2. Auflage. Leipzig 1877, S- 865-7
1968 9 Siehe „Report of the Social Science Congress at Edinburgh. OctoP®
        <pb n="384" />
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Dreizehntes Kapitel.
a) Aneignung zuschüssiger Arbeitskräfte durch
das Kapital. Weiber-und Kinderarbeit.
Sofern die Maschinerie Muskelkraft entbehrlich macht, wird sie
um Mittel, Arbeiter ohne Muskelkraft oder von unreifer Körper-Miwicklung
 aber größerer Geschmeidigkeit der Glieder anzuwenden.
Weiber- und Kinderarbeit war daher das erste Wort der kapitaüstischen
 Anwendung der Maschinerie! Dies gewaltige Ersatzmittel
70h Arbeit und Arbeitern verwandelte sich damit sofort in ein
Mittel, die Zahl der Lohnarbeiter zu vermehren durch Einreihung
aller Mitglieder der Arbeiterfamilie, ohne Unterschied von Geülecht
 und Alter, unter die unmittelbare Botmäßigkeit des Kapials.
 Die Zwangsarbeit für den Kapitalisten drängte sich nicht nur
- die Stelle des Kinderspiels, sondern auch an die der freien Arbeit
sen uslichen Kreise, innerhalb sittlicher Schranke, für die Familie
SL.120

Der Wert der Arbeitskraft war bestimmf‘’ nicht nur durch die
ur Erhaltung des individuellen erwachsenen Arbeiters, sondern
Surch die zur Erhaltung der Arbeiterfamilie nötige Arbeitszeit.
Indem die Maschinerie alle Glieder der Arbeiterfamilie auf den
Arbeitsmarkt wirft, verteilt sie den Wert der Arbeitskraft des
Mannes über seine ganze Familie. Sie entwertet daher seine Arwu
 Skraft, Der Ankauf der in 4 Arbeitskräfte zum Beispiel zertückelten
 Familie kostet vielleicht mehr als früher der Ankauf der
Arbeitskraft des Familienhauptes, aber dafür treten 4 Arbeitstage
d die Stelle von 1, und ihr Preis fällt im Verhältnis zum Ueberschuß
%* Mehrarbeit der 4 über die Mehrarbeit des 1. 4 müssen num
Vcht nur Arbeit, sondern Mehrarbeit für das Kapital liefern, damit
Familie lebe. So erweitert die Maschinerie von vornherein mit
io Menschlichen Ausbeutungsmaterial, dem eigensten Ausbeutungsd
 des Kapitals? zugleich den Grad der Ausbeutung.

A
5
EI

‚0 Dr. Edward Smith wurde während der den amerikanischen Bürger-Nieg
 begleitenden Baumwollkrise von der englischen Regierung nach
"Acashire, Cheshire usw. geschickt, zur Berichterstattung - über den
SS undheitszustand der Baumwollarbeiter. Er berichtet unter anderm:
m Sienisch habe die Krise, abgesehen von der Verbannung der Arbeiter
1, der Fabrikatmosphäre, vielerlei andere Vorteile. Die Arbeiterfrauen
den jetzt die nötige Muße, ihren Kindern die Brust zu reichen, statt
„c mit Godfreys Cordial (einem Opiat) zu vergiften. Sie hätten die Zeit
Wonnen, kochen zu lernen. Unglücklicherweise fiel diese Kochkunst in
ucen Augenblick, wo sie nichts zu essen hatten. Aber man sieht, wie
ss Kapital die für die Konsumtion nötige Familienarbeit usurpiert hat
Sn Seiner Selbstverwertung. Ebenso wurde die Krise benutzt, um in eigenen
A tulen die Töchter der Arbeiter nähen zu lehren. Eine amerikanische
in Cution und eine Weltkrise erheischt, damit die Arbeitermädchen, die
" die ganze Welt spinnen, nähen lernen! . nn
tor “1 Die Zahl der Arbeiter ist stark gewachsen, indem in immer
1. S°dem Maße die Arbeit der Männer durch die der Frauen und vor
°M die Arbeit Erwachsener durch die von Kindern verdrängt wurde.
        <pb n="385" />
        340

Vierter Abschnitt

. Sie. revolutioniert ebenso von .Grund aus die formelle Vermitt
lung des . Kapitalverhältnisses, den Kontrakt zwischen Arbeiter
und Kapitalist. Auf Grundlage des. Warenaustausches war S
erste“ Voraussetzung, daß sich Kapitalist und Arbeiter als frei®
Personen, als unabhängige Warenbesitzer, der eine Besitzer vo
Geld und Produktionsmitteln, der andere Besitzer von Arbeitskrafb
gegenübertraten. Aber jetzt kauft das Kapital Unmündige oder
Halbmündige. Der Arbeiter verkaufte früher seine eigene Arbeits:
kraft, worüber er als formell freie Person verfügte. Er verkauft
jetzt Weib und Kind. Er wird’ Sklavenhändler.!?? Die Nachfrag®
nach Kinderarbeit gleicht oft auch in der Form der Nachfrage nach
Negersklaven, wie man sie in amerikanischen Zeitungsinseraten zw
lesen gewohnt war. „Meine Aufmerksamkeit“, sagt zum Beispiel 6%
englischer Fabrikinspektor, „wurde gelenkt auf eine Annonce w
dem Lokalblatt einer der bedeutendsten Manufakturstädte mein®
Distrikts mit folgendem Wortlaut: Gebraucht 12 bis 20 Junge®

3 Mädchen von. 13 Jahren mit Wochenlöhnen von 6 bis 8 Shilling
ersetzen‘ 1. Mann in ‘reifem Alter mit‘ einem Wochenlohn zwisch®
18 und 45 Shilling.“ (Th.:de Quincey: „The Logic of Politic®
Economy. London 1845“,  p. 147 n.). Da gewisse Funktionen der
Familie, zum Beispiel Warten und Säugen der Kinder usw., nicht gast
unterdrückt werden können, müssen die vom Kapital konfiszierten Familie!
mütter mehr oder minder Stellvertreter dingen. Die Arbeiten, welche nr
Familienkonsum erheischt, wie Nähen, Flicken usw., müssen durch Kal
lertiger Waren ersetzt werden. Der verminderten Ausgabe von häusliche”
Arbeit entspricht also vermehrte Geldausgabe. Die Produktionskosten des
Arbeiterfamilie wachsen daher und gleichen die Mehreinnahme aus.
kommt hinzu, daß Oekonomie und Zweckmäßigkeit in Vernutzung up
Bereitung der Lebensmittel unmöglich werden. Ueber diese von der
offiziellen politischen Oekonomie verheimlichten Tatsachen findet ma
reichliches Material in den „Reports“ der Fabrikinspektoren, der „Children*
ment Commission“ und namentlich auch den „Reports on Publ6
ealth“,
122 Im Gegensatz zur großen. Tatsache, daß die Beschränkung der
Weiber- und Kinderarbeit in den englischen Fabriken von den erwachsen?
männlichen Arbeitern dem Kapital aberobert wurde, findet man noch %
den jüngsten Berichten der „Children’s Employment Commission“ wahrbaf
empörende und durchaus sklavenhändlerische Züge der Arbeitereltern =
Bezug auf den Kinderschacher. Der kapitalistische Pharisäer aber, wir
man aus denselben Berichten sehen kann, klagt über diese von ihm gelb?
geschaffene, verewigte und exploitierte Bestialität, die er sonst „Freibe
der Arbeit“ tauft. „Arbeit von Kindern wurde zur Hilfe herangezogen » %,
sie mußten nun für ihr eigenes tägliches Brot arbeiten. Ohne die Kraf
eine so wenig angemessene Anstrengung auszuhalten, ohne Unterweisunf
wie sie ihr Leben in Hinkunft führen sollten, wurden sie der physisch“
und moralischen Verwahrlosung überantwortet, Der jüdische Historik®
der über die Zerstörung Jerusalems durch Titus berichtet, sagt, es gel Ben
Wunder gewesen, daß es zu dieser furchtbaren Vernichtung kam, Wan
eine entmenschte Mutter ihren eigenen Sprößling opferte, um ihren nage? 6)
Hunger zu stillen.“ („Public Economy Concentrated, Carlisle 18833“, P-
        <pb n="386" />
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Dreizehntes Kapitel.

341
ücht jünger als was für‘13 Jahre gelten kann. Lohn 4 Shilling pro
Woche. Anzufragen usw.!? Die Phrase „was für 13 Jahre gelten
kann“ bezieht sich darauf, daß nach dem Fabrikgesetz Kinder unter
8 Jahren nur 6 Stunden arbeiten dürfen. Ein amtlich qualifizierter
Arzt (certifying surgeon) muß das Alter bescheinigen. Der Fabrikant
 verlangt also. Jungen, die so aussehen, als ob sie schon drei-"hnjährig.
 Die manchmal sprungweise Abnahme in der Anzahl
der von Fabrikanten beschäftigten Kinder unter 13 Jahren, über-'aschend
 in der englischen Statistik der letzten 20 Jahre, war nach
Aussage der Fabrikinspektoren selbst großenteils das Werk von
Vertifying Surgeons, welche das Kindesalter der Ausbeutungslust der
Xapitalisten und dem. Schacherbedürfnis der Eltern gemäß verhoben.
 In dem berüchtigten Londoner Distrikt von Beihnal Green
Wird. jeden Montag und Dienstag morgen offener. Markt gehalten,
Worin Kinder beiderlei Geschlechts vom 9. Jahre an sich selbst an
die Londoner Seidenmanufakturen vermieten. „Die gewöhnlichen
Bedingungen sind 1 Shilling 8 Pence die Woche (die den Eltern geüören)
 und 2 Pence für mich selbst nebst Tee.“ Die Kontrakte
Selten nur für die Woche. Die Szenen und die Sprache während
der Dauer dieses Marktes sind wahrhaft empörend.!** Es kommt
Mmer noch in England. vor, daß Weiber „Jungen vom .Workhouse
(Armenhaus] nehmen und sie jedem beliebigen Käufer für 2 Shilling
) Pence wöchentlich vermieten‘“.1 . Trotz der Gesetzgebung werden
yumer noch mindestens 2000 Jungen in Großbritannien als lebendige
Chornsteinfegermaschinen (obgleich Maschinen zu ihrem Ersatz
Xistieren) von ihren eigenen Eltern verkauft.!®® Die von der
gaschinerie bewirkte Revolution im KRechtsverhältnis zwischen
sfer und Verkäufer der Arbeitskraft, so daß die ganze Transaktion
abet den Schein eines Kontrakts zwischen freien Personen vervon,
 bot dem englischen Parlament später den juristischen Entve
 uldigungsgrund für Staatseinmischung in das Fabrikwesen. So
nn das Fabrikgesetz die Kinderarbeit in bisher unangefochtenen
pdustriezweigen auf 6 Stunden beschränkt, ertönt stets neu der
aePrikantenjammer: ein Teil der Eltern entziehe die Kinder nun
nn gemaßregelten Industrie, um sie in solche zu verkaufen, wo
en „Freiheit der Arbeit“ herrscht, das heißt, wo Kinder unter
R Jahren gezwungen werden, wie Erwachsene zu arbeiten, also
üch teurer loszuschlagen sind. Da aber das Kapital von Natur ein

858“
tober 1
31st Oc
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vis ot Map. of Pas Report. London dustrie
a in „Repo
“3 A, Redgrave in , mmission. itteilt, ist die 864“,
D 40 ur Employment ® Auflage m rt. London 1
“4 41, x 7 . er 4. ; Repo - &amp;amp;
124 hildren’s Is in der 4 htet.] 8rd
D. 81 en [Wie wen fast set Commission. |
‘% Beihnal Green Employmen 187. m
z s n.
325 „Children XXL,
D.
58, 15. 5th Report,
46 Ebenda,
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        342 Vierter Abschnitt
Leveller ist, das heißt in allen Produktionssphären Gleichheil
der Ausbeutungsbedingungen der Arbeit als sein angeborenes Mer
schenrecht verlangt, wird die gesetzliche Beschränkung der Kinder
arbeit in einem Industriezweig Ursache ihrer Beschränkung in de”
andern.
Bereits früher wurde der physische Verderb der Kinder und
jungen Personen angedeutet, wie der Arbeiterweiber, welche d
Maschinerie erst direkt in den auf ihrer Grundlage aufschießend®
Fabriken und dann indirekt in allen übrigen Industriezweigen d
Ausbeutung des Kapitals unterwirft. Hier verweilen wir dahe
nur bei einem Punkt, der ungeheuren Sterblichkeit von Arbeiter
kindern in ihren ersten Lebensjahren. In England gibt es 16 R*
gistrationsdistrikte, wo im jährlichen Durchschnitt auf 100000 lebend
Kinder unter 1 Jahr nur 9000 Todesfälle (in 1 Distrikt nur 7047)
kommen, in 24 Distrikten über 10000, aber unter 11 000, in 39 D*
strikten über 11 000, aber unter 12 000, in 48 Distrikten über 12 00:
aber unter 13 000, in 22 Distrikten über 20 000, in 25 Distrikten über
21 000, in 17 über 22 000, in 11 über 23 000, in Hoo, Wolverhampt0®
Ashton-under-Lyne und Preston über 24000, in Nottingham, Stock
port und Bradford über 25000, in Wisbeach 26000 und in Ma
chester 26125.!?” Wie eine offizielle ärztliche Untersuchung }”
Jahre 1861 nachwies, ist, von Lokalumständen abgesehen, dat
hohe Maß der Sterblichkeit vorzugsweise der außerhäuslichen B*
schäftigung der Mütter geschuldet und der daher entspringend®
Vernachlässigung und Mißhandlung der Kinder, unter anderm
passender Nahrung, Mangel an Nahrung, Fütterung mit Opiaten us"
dazu die unnatürliche Entfremdung der Mütter gegen ihre Kind®
im Gefolge davon absichtliche Aushungerung und Vergiftung.!® n
solchen Agrikulturdistrikten, „wo ein Minimum weiblicher Beschäft
gung existiert, ist dagegen der Grad der Sterblichkeit am niedI?
sten‘ 12?

Die Untersuchungskommission von 1861 ergab jedoch das ur
erwartete Resultat, daß in einigen an der Nordsee gelegenen rel
ackerbauenden Distrikten die Sterblichkeitsrate von Kindern un!“
1 Jahr fast die der verrufensten Fabrikdistrikte erreicht. Dr. Juli?
Hunter wurde daher beauftragt, diese Erscheinung an Ort und stell
zu erforschen. Sein Bericht ist dem „Sixth Report on Publie Health

127 „Sixth Report on Public Health. London 1864“, p. 34. 1
128 „Sie (die Untersuchung von 1861) ... zeigte übrigens, daß unf®
den beschriebenen Verhältnissen einerseits die Kinder infolge der van
nachlässigung und ungeeigneten Behandlung umkommen, welche die Fahrt,
arbeit ihrer Mütter mit sich bringt, und daß anderseits die Mütter in %
schreckendem Maße ihrer natürlichen Gefühle gegen ihre Sprößli 8
verlustig gehen. Gewöhnlich bekümmert sie nicht viel deren Tod; vn
manchmal ... ergreifen sie selbst direkte Maßregeln, um ihn herb
zuführen.‘“ (Ebenda.)
129 Ebenda, S. 454.
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        31

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Dreizehntes Kapitel,

343

Unverleibt.1° Man hatte bisher vermutet, Malaria und andere,
Niedrig gelegenen und sumpfigen Landstrichen eigentümliche Krankbeiten
 rafften die Kinder hinweg. Die Untersuchung ergab das
Serade Gegenteil, nämlich, „daß dieselbe Ursache, welche die
Malaria vertrieb, nämlich die Verwandlung des Bodens aus Morast
‘ü Winter und dürftiger Weide im Sommer in fruchtbares Kornland,
lie außerordentlich hohe Sterblichkeit der Säuglinge schuf“. Die
% ärztlichen Praktiker, die Dr. Hunter in jenen Distrikten verhörte,
Yaren „wunderbar einstimmig“ über diesen Punkt. Mit der Revolu-Mon
 der Bodenkultur wurde nämlich das industrielle System ein-SCführt.
 „Verheiratete Weiber, die in Banden mit Mädchen und
ungen zusammenarbeiten, werden dem Pächter von einem Manne,
Yelcher der „Gangmeister“ heißt und die Banden im ganzen mietet,
ür eine bestimmte Summe zur Verfügung gestellt. Diese Banden
Wandern oft viele Meilen von ihren Dörfern weg, man trifit sie
Noörgens und abends auf den Landstraßen, die Weiber bekleidet mit
‘UZen Unterröcken und entsprechenden Röcken und Stiefeln und
Manchmal Hosen, sehr kräftig und gesund von Aussehen, aber verlorben
 durch gewohnheitsmäßige Liederlichkeit und. rücksichtslos
en die unheilvollen Folgen, welche ihre Vorliebe für diese tätige
dd Unabhängige Lebensart auf ihre Sprößlinge wälzt, die zu Hause
ke tkümmern.“22 . Alle Erscheinungen der Fabrikdistrikte wiederylen
 Sich hier, in noch höherem Grade versteckter Kindermord und
4 caudlung der Kinder mit Opiaten.!** „Meine Kenntnis der von
fs STzeugten Uebel“, sagt Dr. Simon, der ärztliche Beamte des engpechen
 Privy Couneil [Geheimen Rats] und -Hauptredakteur der
Ans üte über „Public Health“ [Volksgesundheit], „muß den tiefen
; Scheu entschuldigen, womit ich jede umfassende industrielle Be-Päftigung
 erwachsener Weiber betrachte.“** „Es wird“, ruft
‚Sbrikinspektor R. Baker in einem offiziellen Bericht aus, „es wird
N der Tat ein Glück für die Manufakturdistrikte Englands sein,
m, jeder verheirateten Frau, die Familie hat, verboten wird, in
Sehdeiner Fabrik zu arbeiten.“125

a8 .
Ihe ."° Ebenda, S. 454 bis 463. „Reports by Dr. Henry Julian Hunter on
© °XCessive mortality of infants in some rural districets of England.
N Ebenda, S. 35, 455, 456.
b , 456. . |
A „8 Wie in den englischen Fabrikdistrikten, so dehnt sich auch in den
ee kulturdistrikten der Opiumkonsum unter den erwachsenen Arbeitern
in Arbeiterinnen täglich aus. „Den Absatz von Opiaten zu fördern...
ä das Ziel einiger unternehmender Grossisten. Die Drogisten betrachten
an AS den gangbarsten Artikel“ (Ebenda, S. 459.) Säuglinge, die Opiate
n Dingen, „verschrumpelten in. kleine alte Männchen oder verschrumpften
yo einen Affen“. (Ebenda, S. 460.) Man sieht, wie Indien und China
in England rächen. . 0
end: . 87. ; z
Pah N 8 Sterne Ob Tan of Faet. for 31st October 1862“, p. 59. Dieser
"kinspektor war früher Arzt.
        <pb n="389" />
        344

Vierter Abschnif

. Die aus der kapitalistischen Ausbeutung der Weiber- un6
Kinderarbeit entspringende moralische Verkümmerung ist vol
F. Engels in seiner „Lage der arbeitenden Klasse Englands“ und vol
andern Schriftstellern so erschöpfend dargestellt worden, daß ich
hier nur daran erinnere. Die intellektuelle Verödung aber, künstli@
produziert durch die Verwandlung unreifer Menschen in bloße Ma
schinen zur Fabrikation von Mehrwert, und sehr zu unterscheid?
von jener naturwüchsigen Unwissenheit, welche den Geist in Bracht
legt ohne Verderb seiner Entwicklungsfähigkeit, seiner natürlich”
Fruchtbarkeit selbst, zwang endlich sogar das englische Parlament!
in allen dem Fabrikgesetz unterworfenen Industrien den Elemente"
unterricht zur gesetzlichen Bedingung für den „produktiven“ vor
brauch von Kindern unter 14 Jahren zu machen. Der Geist der
kapitalistischen Produktion leuchtete hell aus der liederlichen Re
daktion der sogenannten Erziehungsklauseln der Fabrikgesetze, au
dem Mangel behördlicher Ueberwachung, wodurch dieser Zwang
unterricht großenteils wieder bloßer Schein wird, aus der Fabrikante”
opposition selbst gegen dies Unterrichtsgesetz und aus ihren pr
tischen Kniffen und Schlichen zu seiner Umgehung. „Die Gesel
gebung allein ist zu tadeln, weil sie ein Truggesetz (delusive 1a)
erlassen hat, das unter dem Schein, für die Erziehung der Kind“
zu sorgen, keine einzige Bestimmung enthält, wodurch dieser vol
geschützte Zweck gesichert werden kann. Es bestimmt nicht
außer daß die Kinder für eine bestimmte Stundenzahl (3 Stund®
pro Tag innerhalb der vier Wände eines Platzes, Schule benam®
eingeschlossen werden sollen, und daß der Anwender des Kindt
hierüber wöchentlich ein Zertifikat [eine Bescheinigung] von eiDt
Person erhalten muß, die sich als Schullehrer oder Schullehre,
mit ihrem Namen unterzeichnet.“!* Vor dem Erlaß des amendiert®
Fabrikgesetzes von 1844 waren Schulbesuchszertifikate nicht seli®®
die von Schulmeister oder Schulmeisterin mit einem Kreuz unte
zeichnet wurden, da letztere selbst nicht schreiben konnten. „De
Besuch, den ich einer solchen, Zertifikate ausstellenden Schule Se
stattete, war ich so betroffen von der Unwissenheit des Schulmeiste”
daß ich zu ihm sagte: „Bitte, mein Herr, können Sie lesen?“ Sol
Antwort war: „Ih jeh, Ebbes (summat).“ Zu seiner Rechtfertigt”
fügte er hinzu: „Jedenfalls überwache ich meine Schüler.“ Währ®,
der Vorbereitung des Gesetzes von 1844 brandmarkten die Fab gt
inspektoren den schmählichen Zustand der Plätze, Schulen benal
deren Zertifikate sie als dem Gesetz nach vollgültig zulassen mußte
Alles, was sie durchsetzten, war, daß seit 1844 „die Zahlen im Sch
zertifikat in der Handschrift des Schulmeisters ausgefüllt, aitio %
Vor- und Zuname von ihm selbst unterschrieben sein müssen“. .
m. Leonhard Horner in „Reports of Insp. of Fact. for 30th June 1807
P- . fr
; a Derselbe in „Reports of Insp. of Fact. for 31st October 18
nn. 18. 19.
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Sir

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Dreizehntes Kapitel.

345

!ohn Kincaid, Fabrikinspektor für Schottland, erzählt von ähnlichen
Mitlichen Erfahrungen. „Die erste Schule, die wir besuchten, wurde
“On einer Mrs. Ann Killin gehalten. Auf meine Aufforderung, ihren
Samen zu buchstabieren, machte sie gleich einen Schnitzer, indem
äe mit dem Buchstaben C begann, aber sich sofort korrigierend
sagte, ihr Name fange mit K an.. Bei Ansicht ihrer Unterschrift in
den Schulzertifikatbüchern bemerkte ich jedoch, daß sie ihn ver-“hiedenartig
 buchstabierte, während die Handschrift keinen Zweifel
‚ber ihre Lehrunfähigkeit ließ. Auch gab sie selbst zu, sie könne
las Register nicht führen. ... In einer zweiten Schule fand ich
las Schulzimmer 15 Fuß lang und 10 Fuß breit und zählte in diesem
Yaum 75 Kinder, die etwas Unverständliches herquiekten.‘“1 | „Es
And jedoch nicht nur solche Jammerhöhlen, worin die Kinder
hulzertifikate, aber keinen Unterricht erhalten; denn in vielen
°hulen, wo der Lehrer ausreichend gebildet ist, scheitern seine
Semühungen fast ganz an dem sinnverwirrenden Knäuel von Kindern
 aller Alter, aufwärts von Dreijährigen. Sein Auskommen,
%end im besten Fall, hängt ganz von der Zahl der Pence ab,
Mpfangen von der größten Anzahl Kinder, die es möglich ist in ein
ümmer zu stopfen. Dazu kommt spärliche Schulmöblierung, Mangel
Rn Büchern und anderm Lehrmaterial, und die niederschlagende
Wirkung einer stickigen (close) und ekelhaften Luft auf die armen
Kinder selbst. Ich war in vielen solchen Schulen, wo ich ganze
Reihen Kinder sah, die absolut nichts taten; und dies wird als
Schulbesuch bescheinigt, und solche Kinder figurieren in der offi-“ellen
 Statistik als erzogen (educated).‘“#* In Schottland suchen
de Fabrikanten dem Schulbesuch unterworfene Kinder möglichst
zuschließen. „Dies genügt, um die große Mißgunst der Fabrianten
 gegen die Erziehungsklauseln zu beweisen.“14° Grotesk-ent-Sotzlich
 erscheint dies in den Kattun- usw. Druckereien, die durch
eigenes Fabrikgesetz geregelt sind. Nach den Bestimmungen
be Gesetzes „muß jedes Kind, bevor es in einer solchen Druckerei
ni Chäftigt wird, Schule besucht haben für mindestens 30 Tage und
it weniger als 150 Stunden während der 6 Monate, die dem
atom Tag seiner Beschäftigung unmittelbar vorhergehen. Während
De Fortdauer seiner Beschäftigung in der Druckerei muß es Schule
yeuchen ebenfalls für eine Periode von 30 Tagen und 150 Stunden
u trend jeder Wechselperiode von 6 Monaten. . . . Der Schulbesuch
nt zwischen 8 Uhr morgens und 6 Uhr nachmittags stattfinden.
den Besuch von weniger als 2*/, oder mehr als 5 Stunden an
Unselben Tage soll als Teil der 150 Stunden gezählt werden.
vater gewöhnlichen Umständen besuchen die Kinder die Schule
Mittags und nachmittags für 30 Tage, 5 Stunden pro Tag, und
D.3 Ca Sir John Kincaid in „Reports of Insp. of Fact. for 31st October 1858“,
81, 32.
19 Leonhard Horner in „Reports etc. for 81st October 1857“, p. 17, 18.
1 Sir J. Kincaid in „Reports etc. for 31st October 1856“, p. 66.
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        346

Vierter Abschnitt

nach Ablauf der 30 Tage, wenn die gesetzmäßige Gesamtsumm“®
von 150 Stunden erreicht ist, wenn sie, in ihrer eigenen Sprache
zu reden, ihr Buch abgemacht haben, kehren sie zur Drucker“
zurück, wo sie wieder 6 Monate bleiben, bis ein anderer Abschlag“
termin des Schulbesuchs fällig wird, und dann bleiben sie wied®
in ‚der Schule, bis das Buch wieder abgemacht ist. ... Sehr viele
Jungen, welche die Schule während der vorschriftsmäßigen 150
Stunden besuchen, sind bei ihrer Rückkehr aus dem sechsmonatig®
Aufenthalt in der Druckerei geradeso weit wie im Anfang. ...
haben natürlich alles wieder verloren, was sie durch den früher®
Schulbesuch gewonnen hatten. In andern Kattundruckereien wird
der Schulbesuch ganz und gar abhängig gemacht von den Geschäftf
bedürfnissen der Fabrik. Die erforderliche Stundenzahl wird voll
gemacht während jeder sechsmonatigen Periode durch Abschlag*
zahlungen von 3 bis 5 Stunden auf einmal, die vielleicht üb®
6 Monate zerstreut sind. Zum Beispiel an einem Tage wird die
Schule besucht von 8 bis 11 Uhr morgens, an einem andern Tage op
1 bis 4 Uhr nachmittags, und nachdem das Kind dann wieder fü
eine Reihe Tage weggeblieben, kommt es plötzlich wieder yoh
3 bis 6 Uhr nachmittags; dann erscheint es vielleicht für 3 ode!
4 Tage hintereinander, oder für 1 Woche, verschwindet dann wied?
für 3 Wochen oder einen ganzen Monat und kehrt zurück an einig®
Abfallstagen für einige Sparstunden, wenn seine Anwender sein?
zufällig nicht bedürfen; und so wird das Kind sozusagen hin und bh”
gepufft (buffeted) von der Schule in die Fabrik, von der Fabrik m
die Schule, bis die Summe der 150 Stunden abgezählt ist.“14 Dur)
den überwiegenden Zusatz von Kindern und Weibern zum komb}
nierten Arbeitspersonal bricht die Maschinerie endlich den Wider
stand, den der männliche Arbeiter in der Manufaktur der Despotl‘
des Kapitals noch entgegensetzte.14?

141 4, Redgrave in „Reports of Insp. of Fact. for 31st October 1857
p. 41, 42. In den englischen Industriezweigen, wo der eigentliche Fabrik#®
(nicht der zuletzt im Text angeführte Printworks’ Act) seit längerer Ze
herrscht, sind die Hindernisse gegen die Erziehungsklauseln in den Jetz1®
Jahren einigermaßen überwältigt worden. In den nicht dem Fabrikge®”
unterworfenen Industrien herrschen noch sehr die Ansichten des ale
Iabrikanten J. Geddes, der den Untersuchungskommissär White dahin be
lehrt: „So viel ich sehen kann, ist das größere Quantum Erziehung, welch”
ein Teil der Arbeiterklasse seit den letzten Jahren genoß, vom Uebel. ES
gefährlich, indem es sie zu unabhängig macht.“ („Children’s Employm®
Commission. 4th Report. London 1865“, p. 253.) ‚ob
. 142 „Herr E., ein Fabrikant, unterrichtete mich, daß er ausschließl”
Weiber bei seinen mechanischen Webstühlen beschäftigt; er geb® vn
heirateten Weibern den Vorzug, besonders solchen mit Familie zu Hau“,
die von ihnen für den Unterhalt abhänge; sie sind viel aufmerksamer U
gelehriger als unverheiratete und zur äußersten Anstrengung ihrer Kin
gezwungen, um die notwendigen Lebensmittel. beizuschaffen. So wer Pe
die Tugenden, die eigentümlichen Tugenden des weiblichen Charakter%
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Dreizehntes ‚Kapitel.

347

b) Verlängerung des Arbeitstages.
_ Wenn die Maschinerie das gewaltigste Mittel ist, die Produktivilät
 der Arbeit zu steigern, das heißt die zur Produktion einer Ware
Wötige Arbeitszeit zu verkürzen, wird sie als Träger des Kapitals
nächst in den unmittelbar von ihr ergriffenen Industrien zum ge-Waltigsten
 Mittel, den Arbeitstag über jede naturgemäße Schranke
hinaus zu verlängern. Sie schafft einerseits neue Bedingungen,
Welche das Kapital befähigen, dieser seiner beständigen Tendenz
ws Zügel frei schießen zu lassen, anderseits neue Motive zur
Vetzung seines Heißhungers nach fremder Arbeit.
Zunächst verselbständigt sich in der Maschine die Bewegung
nd Werktätigkeit des Arbeitsmittels gegenüber dem Arbeiter, Es
re an und für sich ein industrielles Perpetuum mobile [ein sich
eis bewegendes Ding], das ununterbrochen fortproduzieren würde,
$ieße es nicht auf gewisse Naturschranken in seinen menschlichen
Gehilfen ihre Körperschwäche und ihren Eigenwillen. Als Kapital,
nn als solches besitzt der Automat im Kapitalisten Bewußtsein und
en, ist es daher mit dem Trieb begeistet, die widerstrebende,
er elastische menschliche Naturschranke auf den Minimalwiderstand
ba Zuzwängen.** Dieser ist ohnehin vermindert durch die scheinni
 Leichtigkeit der Arbeit an der Maschine und das füg- und biegämere
 Weiber- und Kinderelement.!**

gap .
%inem Schaden verkehrt, so wird alles Sittliche und Zarte ihrer Natur
‘Um Mittel ihrer Sklaverei und ihres Leidens gemacht.“ („Ten Hours
Factory Bill. The Speech of Lord Ashley, 15th March. London 1844 , P- 20.)
‚13 Seit der allgemeinen Einführung kostspieliger Maschinen: wurde
die Menschliche Kraft weit über ihre durchschnittliche Leistungsfähigkeit
ne Anspruch genommen.“ (Robert Owen: „Observations on the effects of
de Manufacturing system. 2nd ed.‘ London 1817.“) |
144 Die Engländer, die gern die erste Erscheinungsform einer Sache
ls ihren Grund betrachten, geben oft den großen herodischen Kinder-‘üb,
 den das Kapital in den Anfängen des Fabriksystems an den Armenvd
 Waisenhäusern verübte und wodurch es sich ein ganz willenloses
Menschenmaterial einverleibte, als Grund der langen Arbeitszeit in den
Abriken an. So zum Beispiel Fielden, selbst ein englischer Fabrikant:
»Zweifellos wurde die Verlängerung der Arbeitszeit dadurch herbeigeführt,
En hilflose Kinder aus den verschiedensten Teilen des Landes den Unterqetmern
 in einem Ausmaß zur Verfügung gestellt wurden, das diese von
an Arbeitern unabhängig machte. Und nachdem sie. einmal mit Hilfe
an elenden Materials, das sie sich auf diese Weise verschaftt, die lange
u. Sitszeit gewohnheitsmäßig eingeführt hatten, konnten sie diese auch
her Nachbarn um so leichter aufzwingen.“ (J. Fielden: „The Curse of
as Factory System. London 1836“, p. 11.) Mit Bezug auf Weiberarbeit
ve Fabrikinspektor Saunders im Fabrikbericht von 1844: „Unter den
Aeiterinnen gibt es Frauen, die hintereinander für viele Wochen, mil
wetall hur weniger Tage, von 6 Uhr morgens bis 12 Uhr nachts beschäftig!
in den, mit weniger als 2 Stunden für Mahlzeiten, so daß ihnen für 5 Tage
Ba der Woche von den 24 Tagesstunden nur 6 bleiben, um von und nach
US zu gehen und im Bett auszuruhen.“
        <pb n="393" />
        348

Vierter Abschnitt

Die Produktivität der Maschinerie steht, wie wir sahen, in un
gekehrtem Verhältnis zur Größe des von ihr auf das Machwerk
übertragenen Wertbestandteils. Je länger die Periode, worin 5
funktioniert, desto größer die Produktenmasse, worüber sich der v®
ihr zugesetzie Wert verteilt, und desto kleiner der Wertteil, den gie
der einzelnen Ware zufügt. Die aktive Lebensperiode der Maschiner*
ist aber offenbar bestimmt durch die Länge des Arbeitstages ode!
die Dauer des täglichen Arbeitsprozesses, multipliziert mit der A”
zahl Tage, worin er sich wiederholt.
Der Maschinenverschleiß entspricht keineswegs mathematisch
genau ihrer Benutzungszeit.!** Und selbst dies vorausgesetzt, U”
faßt eine Maschine, die während 7'/, Jahren täglich 16 Stund®
dient, eine ebenso große Produktionsperiode und setzt dem Gesamt
produkt nicht mehr Wert zu als dieselbe Maschine, die währen
15 Jahren nur 8 Stunden täglich dient. Im ersteren Fall aber wär“
der Maschinenwert doppelt so rasch reproduziert als im Jetztere”
und der Kapitalist hätte vermittels derselben in 7!/, Jahren so v*
Mehrwert eingeschluckt wie sonst in 15. . |
Der materielle Verschleiß der Maschine ist doppelt. Der ein
entspringt aus ihrem Gebrauch, wie Geldstücke durch Zirkulati®®
verschleißen, der andere aus ihrem Nichtgebrauch, wie ein untätl
Schwert in der Scheide verrostet. Es ist dies ihr Verzehr durch die
Elemente. Der Verschleiß ersterer Art steht mehr oder minder ®
direktem Verhältnis, der letztere zu gewissem Grad in umgekehrte”
Verhältnis zu ihrem Gebrauch.!t
Neben dem materiellen unterliegt die Maschine aber auch einel
sozusagen moralischen Verschleiß. Sie verliert Tauschwert im Maße
worin entweder Maschinen derselben Konstruktion wohlfeiler rn
produziert werden können oder bessere Maschinen konkurrier®
neben sie treten.!** In beiden Fällen ist ihr Wert, so jung je
lebenskräftig sie sonst noch sein mag, nicht mehr bestimmt dur“
142 In dem Marxschen Handexemplar der 1. Auflage steht hier folgend
Randbemerkung: Dies gilt auch von andern mit der Maschinerie We
bundenen Ausgaben. Zum Beispiel: „Jeder Fabrikant weiß, daß, rt
die Dampfmaschine anzuheizen hat, es ihn ebensoviel kostet, Dampf Dr
3 wie für 4 Stunden zu erzeugen. ... Daraus ergibt sich (für Bist,
bahnen) eine kleine Ersparnis an Brennmaterial, wenn große Entfernung Ü
zurückgelegt werden.“ („Royal Commission on Railways. London 1867
Evidence, n. 175.) K. de
145 „Untätigkeit verursacht Schädigung der empfindlichen Teile e“.
4" der metallenen Maschinerie.“ (Ure: „Philosophy of Manufactu”
P- A) dt
16 Der schon früher erwähnte „Manchester Spinner“ („TinS,
26. November 1862) zählt unter den Kosten der Maschinerie auf: %.
(nämlich die Abschreibung für Abnutzung der Maschinerie) soll auch vo
Verlust decken, der fortwährend daraus entsteht, daß Maschinen, noch be @
sie tatsächlich verbraucht sind, von neuen und besseren Konstruktio®
verdrängt werden.“
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Dreizehntes Kapitel.

349

die tatsächlich in ihr selbst vergegenständlichte, sondern durch die
zu ihrer eigenen Reproduktion oder zur Reproduktion der besseren
Maschine notwendige Arbeitszeit. Sie ist daher mehr oder minder
ntwertet. Je kürzer die Periode, worin ihr Gesamtwert reproduziert
Wird, desto geringer die Gefahr des moralischen Verschleißes, und
Je länger der Arbeitstag, um so kürzer jene Periode. Bei der ersten
Sinführung der Maschinerie in irgendeinen Produktionszweig folgen
Schlag auf Schlag neue Methoden zu ihrer wohlfeileren Reproduklon,147
 und Verbesserungen, die nicht nur einzelne Teile oder
Apparate, sondern ihre ganze Konstruktion ergreifen. In ihrer
ersten Lebensperiode wirkt daher dies besondere Motiv zur Verlängerung
 des Arbeitstages am heftigsten.'*?
Unter sonst gleichbleibenden Umständen und bei gegebenem
Arbeitstag erheischt Ausbeutung verdoppelter Arbeiteranzahl eben-Sowohl
 Verdoppelung des in Maschinerie und Baulichkeiten aus-Selegten
 Teils des konstanten Kapitals als des in Rohmaterial,
Hilfsstoffen usw. ausgelegten. Mit verlängertem Arbeitstag dehnt
Sich die Stufenleiter der Produktion, während der in Maschinerie
“nd Baulichkeiten ausgelegte Kapitalteil unverändert bleibt.?*? Nicht
Aur der Mehrwert wächst daher, sondern die zur Ausbeutung des-Selben
 notwendigen Auslagen nehmen ab. Zwar findet dies auch
Sonst mehr oder minder bei aller Verlängerung des Arbeitstages statt,
es fällt aber hier entscheidender ins Gewicht, weil der in Arbeits-Dittel
 verwandelte: Kapitalteil überhaupt mehr ins Gewicht fällt.*®®
le Entwicklung des Maschinenbetriebes bindet nämlich einen stets
Wachsenden Bestandteil des Kapitals in eine Form, worin es einer-‚

 17 Man schätzt im großen, daß die Erbauung des ersten Exemplares
ner neu erfundenen Maschine ungefähr fünfmal soviel kostet, wie die Er-(ung
 des zweiten. (Babbage: „On the Economy of Machinery. London
2“
UP „Seit einigen Jahren sind so bedeutende und zahlreiche Ver-Desserungen
 in der Tüllfabrikation gemacht worden, daß eine gut erhaltene
Maschine zum ursprünglichen Kostenpreis von 1200 Pfd. Sterl. einige Jahre
Päter zu 60 Pfd. Sterl. verkauft wurde. ... Die Verbesserungen folgten
Ch mit solcher Geschwindigkeit, daß Maschinen unvollendet in der Hand
rer Erbauer blieben, weil sie durch glücklichere Erfindungen bereits verältet
 waren.“ In dieser Sturm- und Drangperiode dehnten daher die Tüllbrikanten
 bald die ursprüngliche Arbeitszeit von 8 Stunden mit doppelter
Mannschaft auf 24 Stunden aus. (Ebenda, S. 233.) .
„. 149 Es ist selbstverständlich, daß im Auf und Nieder der Marktverältnisse’
 und während die Nachfrage sich ausdehnt und zusammenzieht,
Sch fortwährend Gelegenheiten bieten, in denen der Fabrikant zusätzliches
%rkulierendes Kapital anwenden kann, ohne zusätzliches fixes Kapital ver-Vehden
 zu müssen .. . wenn zusätzliche Mengen von Rohmaterial ohne zu-Atzliche
 Auslagen für Baulichkeiten und Maschinenanlagen verarbeitet werlen
 können.“ (R. Torrens: „On Wages and Combination, London 1834“, p. 68.)
150 Der im Text erwähnte Umstand ist nur der Vollständigkeit wegen
Sr Wähnt, da ich erst im dritten Buch die Profitrate, das heißt das Verhältnis
8 Mehrwertes zum vorgeschossenen Gesamtkapital, behandle.
        <pb n="395" />
        350

Vierter Abschnitt.

seits fortwährend verwertbar ist, anderseits Gebrauchswert und
Tauschwert verliert, sobald sein Kontakt mit der lebendigen Arbeit
unterbrochen. wird. „Wenn“, belehrte Herr Ashworth, ein englische!
Baumwollmagnat, den Professor Nassau W. Senior, „wenn ein
Ackersmann seinen Spaten niederlegt, macht er für diese Periode
ein Kapital von 18 Pence nutzlos. Wenn einer von unsern Leute»
(das heißt den Fabrikarbeitern) die Fabrik verläßt, macht er ei
Kapital nutzlos, das 100 000 Pfd. Sterl. gekostet hat.‘“!1 Man denke
nur! Ein Kapital, das 100 000 Pfd. Sterl. gekostet hat, auch nur für
einen Augenblick „nutzlos“ zu machen! Es ist in der Tat himmelschreiend,
 daß einer unserer Leute überhaupt jemals die Fabrik
verläßt! Der wachsende Umfang der Maschinerie macht, wie der
von Ashworth belehrte Senior einsieht, eine stets wachsende Ver“
längerung des Arbeitstages „wünschenswert‘“.1t?
Die Maschine produziert relativen Mehrwert, nicht nur, indem
sie die Arbeitskraft direkt entwertet und dieselbe indirekt durch
Verwohlfeilerung der in ihre Reproduktion eingehenden Waren ver“
wohlfeilert, sondern auch, indem sie bei ihrer ersten sporadische®
Einführung die vom Maschinenbesitzer verwandte Arbeit in potenzierte
 Arbeit [Arbeit höheren Grades] verwandelt, den gesellschaft
lichen Wert des Maschinenprodukts über seinen individuellen Wert
erhöht und den Kapitalisten so befähigt, mit geringerem Wertteil
des Tagesprodukts den Tageswert der Arbeitskraft zu ersetzel
Während dieser Uebergangsperiode, worin der Maschinenbetrieb
eine Art Monopol bleibt, sind daher die Gewinne außerordentlich
und der Kapitalist sucht diese „erste Zeit der jungen Liebe“ gründlichst
 auszubeuten durch möglichste Verlängerung des Arbeitstage®
Die Größe des Gewinns wetzt den Heißhunger nach mehr Gewint
Mit der Verallgemeinerung der Maschinerie im selben Produk
lionszweig sinkt der gesellschaftliche Wert des Maschinenprodukt®
auf seinen individuellen Wert und macht sich das Gesetz geltend,
daß der Mehrwert nicht aus,den Arbeitskräften entspringt, welch®
der Kapitalist durch die Maschine ersetzt hat, sondern umgekehrt
aus den Arbeitskräften, welche er an ihr beschäftigt. Der Mehr“
wert entspringt nur aus dem variablen Teil des Kapitals, und
151 Senior: „Letters on the Factory Act. London 1837“, p. 13, 14.
152 „Das Ueberwiegen des fixen gegenüber dem zirkulierende®
Kapital ... macht lange Arbeitszeit wünschenswert.“ Mit dem wachsende?
Umfang der Maschinerie usw. „wird der Anlaß zur Verlängerung der AI“
beitszeit als dem einzigen Mittel, die große Masse des fixen Kapitals gewin?”
bringend zu machen, dringender“. (Ebenda, S. 11 bis 18.) „Es gibt ver
schiedene Auslagen bei einer Fabrik, welche konstant bleiben, ob die Fabrik
mehr oder weniger Zeit arbeite, zum Beispiel Mietzins für die Baulichkeite®:
lokale und allgemeine Steuern, Feuerversicherung, Arbeitslohn für v°r
schiedene ständige Arbeiter, Verschlechterung der Maschinerie nebst v°”
schiedenen andern Lasten, deren Proportion zum Profit im selben Ver
hältnis wächst, wie der Umfang der Produktion abnimmt.“ („Reports of
Insp. of Fact. for 31st October 1862“, p. 19.)
        <pb n="396" />
        !

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Dreizehntes Kapitel.

351

wir sahen, daß die Masse des Mehrwertes durch zwei Faktoren
bestimmt ist, die Rate des Mehrwertes und die Anzahl der gleichzeitig
 beschäftigten Arbeiter, Bei gegebener Länge des Arbeitstages
wird die Rate des Mehrwertes bestimmt durch das Verhältnis, worin
der Arbeitstag in notwendige Arbeit und Mehrarbeit zerfällt. Die
Anzahl der gleichzeitig beschäftigten Arbeiter hängt ihrerseits ab
von dem Verhältnis des variablen Kapitalteils zum konstanten. Es
Ist nun klar, daß der Maschinenbetrieb, wie er immer durch Steige-Tung
 der Produktivkraft der Arbeit die Mehrarbeit auf Kosten der
Notwendigen Arbeit ausdehne, dies Resultat nur hervorbringt, indem
er die Anzahl der von einem gegebenen Kapital beschäftigten Arbeiter
 vermindert. Er verwandelt einen Teil des Kapitals, der früher
Variabel war, das heißt sich in lebendige Arbeitskraft umsetzte, in
Maschinerie, also in konstantes Kapital, das keinen Mehrwert produ-Zert.
 Es ist unmöglich, zum Beispiel aus 2 Arbeitern so viel Mehr-Wert
 auszupressen wie aus 24. Wenn jeder der 24 Arbeiter auf
12 Stunden nur 1 Stunde Mehrarbeit liefert, liefern sie zusammen
4% Stunden Mehrarbeit, während die Gesamtarbeit der 2 Arbeiter
Mr 24 Stunden beträgt. Es liegt also in der Anwendung der
Maschinerie zur Produktion von Mehrwert ein immanenter Wider-$Pruch,
 indem sie von den beiden Faktoren des Mehrwertes, den ein
Kapital von gegebener Größe liefert, den einen Faktor, die Rate des
Mehrwertes, nur dadurch vergrößert, daß sie den andern Faktor,
N Arbeiterzahl, verkleinert. Dieser immanente Widerspruch tritt
or, sobald mit der Verallgemeinerung der Maschinerie in einem
üdustriezweige der Wert der maschinenmäßig produzierten Ware
tum regelnden gesellschaftlichen Wert aller Waren derselben Art
Dr und es ist dieser Widerspruch, der wiederum das Kapital, ohne
iS es sich dessen bewußt wäre,!*® zur gewaltsamsten Verlängerung
8 Arbeitstages treibt, um die Abnahme in der verhältnismäßigen
Anzahl der ausgebeuteten Arbeiter durch Zunahme nicht nur der
®lativen, sondern auch der absoluten Mehrarbeit zu kompensieren.
set Wenn also die kapitalistische Anwendung der Maschinerie einer-"
 neue mächtige Motive zur maßlosen Verlängerung des Arbeitsäges
 schafft und die Arbeitsweise selbst wie den Charakter des
Wellschaftlichen Arbeitskörpers in einer Art umwälzt, die den
je: derstand gegen diese Tendenz bricht, produziert sie anderseits,
DS durch Einstellung dem Kapital früher unzugänglicher Schichten
vn Arbeiterklasse, teils durch Freisetzung der von der Maschine
rdrängten Arbeiter, eine überflüssige Arbeiterhevölkerung,*®* die

%3 Warum dieser immanente Widerspruch dem einzelnen Kapitalisten
nd daher auch der in seinen Anschauungen befangenen politischen Oekoae
 Nicht zum Bewußtsein kommt, wird man aus den ersten Abschnitten
8 dritten Buches ersehen. . | .
M. 154 Es ist eins der großen Verdienste Ricardos und Sismondis, die
ASchinerie nicht nur als Produktionsmittel von Waren, sondern auch von
"Tedundant population‘ [überschüssiger Bevölkerung] begriffen zu haben.
        <pb n="397" />
        352

Vierter Abschnitt

sich das Gesetz vom Kapital diktieren lassen muß. Daher die merkwürdige
 Erscheinung in der Geschichte der modernen Industrie, daß
die Maschine alle sittlichen und natürlichen Schranken des Arbeits
tages über den Haufen wirft. Daher das ökonomische Paradoxon [die
Ungereimtheit], daß das gewaltigste Mittel zur Verkürzung der Arbeitszeit
 in das unfehlbarste Mittel umschlägt, alle Lebenszeit des Arbeiters
und seiner Familie in verfügbare Arbeitszeit für die Verwertung des
Kapitals zu verwandeln. „Wenn“, träumte Aristoteles, der größte
Denker des Altertums, „wenn jedes Werkzeug auf Geheiß, oder auch
vorausahnend, das ihm zukommende Werk verrichten könnte, wie
des Dädalus Kunstwerke sich von selbst bewegten, oder die Drei
füße des Hephästos aus eigenem Antriebe an die heilige Arbeit
gingen, wenn so die Weberschiffe von selbst webten, so bedürfte €
weder für den Werkmeister der Gehilfen, noch für die Herren der
Sklaven.‘ Und Antipatros, ein griechischer Dichter aus der Zeit
des Cicero, begrüßte die Erfindung der Wassermühle zum Mahlen
des Getreides, diese Elementarform aller produktiven Maschiner1®
als Befreierin-der Sklavinnen und Herstellerin des goldenen Zeit
alters! „Die Heiden, ja die Heiden!“ Sie begriffen, wie der g®
scheite Bastiat entdeckt hat und schon vor ihm der noch klügere
MacCulloch, nichts von politischer Oekonomie und Christentum. Sie
begriffen unter anderm nicht, daß die Maschine das probateste [be
währteste] Mittel zur Verlängerung des Arbeitstages ist. Sie ent
schuldigten etwa die Sklaverei des einen als Mittel zur vollen menschlichen
 Entwicklung des andern. Aber Sklaverei der Massen pre“
digen, um einige rohe oder halbgebildete Emporkömmlinge zu „em
nent spinners“ [hervorragenden Spinnern], „extensive sausag®
makers‘“ [Wurstfabrikanten großen Stils] und „influential shoe black
lealers“ [einflußreichen Schuhwichshändlern] zu machen, dazu
iehlte ihnen das spezifisch christliche Organ.

155 F, Biese: „Die Philosophie des Aristoteles. Berlin 1842“, Bd. Il,
SS. 408.

'56 Ich gebe hier die Stolbergsche Uebersetzung des Gedichts, weil ®
ganz so wie die früheren Zitate über Teilung der Arbeit den Gegensatz de”
antiken Anschauung zur modernen charakterisiert:
„Schonet der mahlenden Hand, o Müllerinnen, und schlafet
Sanft! es verkünde der Hahn euch den Morgen umsonst!
Däo hat die Arbeit der Mädchen den Nymphen befohlen,
Und itzt hüpfen sie leicht über die Räder dahin,
Daß die erschütterten Achsen mit ihren Speichen sich wälzen,
Und im Kreise die Last drehen des wälzenden Steins.
Laßt uns leben das Leben der Väter, und laßt uns der Gaben
Arbeitslos uns freun, welche die Göttin uns schenkt.“
{„Gedichte aus dem Griechischen übersetzt von Christian Grat zu Stol
berg. Hamburg 1782.“)
        <pb n="398" />
        teizehntes Kapitel.

308

ce) Intensifikation der Arbeit.
Die maßlose Verlängerung des Arbeitstages, welche die Ma-*hinerie
 in der Hand des Kapitals produziert, führt, wie wir sahen,
Päter eine Reaktion der in ihrer Lebenswurzel bedrohten Gesellhaft
 herbei und damit einen gesetzlich beschränkten Normal-Wbeitstag,
 Auf Grundlage des letzteren entwickelt sich eine Erheinung,
 die uns schon früher begegnete, zu entscheidender Wich-(keit
 — nämlich die Intensifikation der Arbeit. Bei der Analyse
les absoluten Mehrwertes handelte es sich zunächst um die exten-Äve
 Größe [das heißt die Ausdehnung] der Arbeit, während der
°Tad ihrer Intensität [ihrer Kraftanspannung] als gegeben voraus-Setzt
 war. Wir haben jetzt den Umschlag der extensiven Größe
U intensive oder Gradgröße zu betrachten.
£s ist selbstverständlich, daß mit dem Fortschritt des Maschinen-Vesens
 und der gehäuften Erfahrung einer eigenen Klasse von
Vaschinenarbeitern die Geschwindigkeit und damit die Intensität
ler Arbeit naturwüchsig zunehmen. So geht in England während
“Mes halben Jahrhunderts die Verlängerung des Arbeitstages Hand
X Hand mit der wachsenden Intensität der Fabrikarbeit. Indes be-Steitt
 man, daß bei einer Arbeit, wo es sich nicht um vorübergehende
Anfälle fieberhafter Tätigkeit handelt, sondern um tagaus, tagein
Mederholte, regelmäßige Gleichförmigkeit, ein Knotenpunkt ein-‚len
 muß, wo Ausdehnung des Arbeitstages und Intensität der
A Tbeit einander ausschließen, so daß die Verlängerung des Arbeits-"es
 nur mit schwächerem Intensitätsgrad der Arbeit und um-Sekehrt
 ein erhöhter Intensitätsgrad nur mit Verkürzung des Arbeits-A868
 verträglich bleibt. Sobald die allmählich anschwellende Emrung
 der Arbeiterklasse den Staat zwang, die Arbeitszeit gewaltvn
 zu verkürzen und zunächst der eigentlichen Fabrik einen
“Malarbeitstag zu diktieren, von diesem Augenblick also, wo
(Steigerte Produktion von Mehrwert durch Verlängerung des Ar-„uStages
 ein für allemal abgeschnitten war, warf sich das Kapital
% aller Macht und vollem Bewußtsein auf die Produktion von
; ativem Mehrwert durch beschleunigte Entwicklung des Maschinenitems,
 Gleichzeitig tritt eine Aenderung in dem „Charakter des
u aliven Mehrwertes ein. Im allgemeinen besteht die Produktionsqede
 des relativen Mehrwertes darin, durch gesteigerte Produkx
 Tait der Arbeit den Arbeiter zu befähigen, mit derselben Arbeitsee
 Abe in derselben Zeit mehr zu produzieren. Dieselbe Arbeitsie
 Setzt nach wie vor dem Gesamtprodukt denselben Wert zu,
Sleich dieser unveränderte Tauschwert sich jetzt in mehr Ge-1500

 ösi Ausgabe macht Marx hier die Bemerkung:
Unter dem at  Talenstfkation er Arbeit verstehe ich die Verfahren,
‘° eine erhöhte Anspannung der Arbeitskraft bewirken.“ K.
Das Kapital 7
        <pb n="399" />
        354

Vierter Abschnift

brauchswerten darstellt und daher der Wert der einzelnen War
sinkt. Anders jedoch, sobald die gewaltsame Verkürzung des Ar
beitstages mit dem ungeheuren Anstoß, den sie der Entwicklunt
der Produktivkraft und der Oekonomisierung der Produktion*
bedingungen gibt, zugleich vergrößerte Arbeitsausgabe in derselb®
Zeit, erhöhte Anspannung der Arbeitskraft, dichtere Ausfüllung d&amp;amp;
Poren [der Zwischenräume] der Arbeitszeit, das heißt Kondensati®®
[Verdichtung] der Arbeit, dem Arbeiter zu einem Grade aufzwingk
der nur innerhalb des verkürzten Arbeitstages erreichbar ist. Die“
Zusammenpressung einer größeren Masse Arbeit in eine gegeben‘
Zeitperiode zählt jetzt als was sie ist, als größeres Arbeitsquaniu”
Neben das Maß der Arbeitszeit als „ausgedehnter Größe“ tritt jet
das Maß ihres Verdichtungsgrades.!®”* Die intensivere Stunde d*
zehnstündigen Arbeitstages enthält jetzt so.viel oder mehr Arbeib
das heißt verausgabte Arbeitskraft, als die porösere Stunde 9“
zwölfstündigen Arbeitstages. Ihr Produkt hat daher so viel 0d“
mehr Wert als das der poröseren 1!/, Stunden. Abgesehen von def
Erhöhung des relativen Mehrwertes durch die gesteigerte Produktir
kraft der Arbeit, liefern jetzt zum Beispiel 3'/, Stunden Mehrarbe!
auf 6%/, Stunden notwendiger Arbeit dem Kapitalisten dieselbe weit
masso wie vorher 4 Stunden Mehrarbeit auf 8 Stunden notwendig“
rbeit.

Es fragt sich nun, wie wird die Arbeit intensifiziert?

Die erste Wirkung des verkürzten Arbeitstages beruht auf del
selbstverständlichen Gesetz, daß die Wirkungsfähigkeit der Arbeif
kraft im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Wirkungszeit steht. Bi
wird daher, innerhalb gewisser Grenzen, am Grad der Kraftäußeru®
gewonnen, was an ihrer Dauer verloren geht. Daß der Arbeite
aber auch wirklich mehr Arbeitskraft flüssig macht, dafür sorgt da
Kapital durch die Methode der Zahlung.!*® In Manufakturen, de‘
Töpferei zum Beispiel, wo die Maschinerie keine oder unbedeuten”
Rolle spielt, hat die Einführung des Fabrikgesetzes schlagend be
wiesen, daß bloße Verkürzung des Arbeitstages die Regelmäßigke
Gleichförmigkeit, Ordnung, Stetigkeit und Energie der Arbeit wund®”
voll erhöht.‘°®* Diese Wirkung schien jedoch zweifelhaft in def

157 Es finden natürlich überhaupt Unterschiede in d itä AP
; : er Intensität der
beiten verschiedener Produktionszweige statt, Diese gleichen sich, wi
schon A. Smith gezeigt hat, zum Teil durch jeder Arbeitsart eigene Nebe
Amstände aus. Einwirkung auf die Arbeitszeit als Wertmaß findet aber aut
er nur statt, soweit intensive und extensive Größe sich als entgegengese!%
ste en ander ausschließende Ausdrücke desselben Arbeitsquantums dar
158 Namentlich durch den Stücklohn, ei ie i Ab
schnitt entwickelt wird. ückluhn, eine Form, die im sechste
159 Siehe „Reports of Insp. of Fact. for 31st October 1865.“
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Vreizehntes Kapitel.

359

’%igentlichen Fabrik, weil die Abhängigkeit des Arbeiters von der
Hetigen und gleichförmigen Bewegung der Maschine hier längst die
irengste Disziplin geschaffen hatte. Als daher 1844 die Herabetzung
 des Arbeitstages unter 12 Stunden verhandelt ward, erklärten
le Fabrikanten fast einstimmig, „ihre Auffseher paßten in den
"erschiedenen Arbeitsräumen auf, daß die Hände keine Zeit verren“,
 „der Grad der Wachsamkeit und Aufmerksamkeit auf seiten
ler Arbeiter („the extent of vigilance and attention on the part of
he workmen“) sei kaum steigerungsfähig‘“, und alle andern Umände,
 wie Gang der Maschinerie usw., als gleichbleibend voraus-3esetzt,
 „sei es daher Unsinn, in wohlgeführten Fabriken von der
3esteigerten Aufmerksamkeit usw. der Arbeiter irgendein erklecküches
 Resultat zu erwarten“. Diese Behauptung ward . durch
Üxperimente widerlegt. Herr R. Gardner ließ in seinen zwei großen
Fabriken zu Preston vom 20. April 1844 an statt 12 nur noch 11
Yunden pro Tag arbeiten. Nach ungefähr Jahresfrist ergab sich
las Resultat, daß „dasselbe Quantum Produkt zu denselben Kosten
"Yhalten ward, und sämtliche Arbeiter in 11 Stunden ebensoviel
Arbeitslohn verdienten, wie früher in 12“.*% Ich übergehe hier die
Experimente in den Spinn- und Kardierräumen, weil sie mit Zunahme
X der Geschwindigkeit der Maschinerie (um 2 pZt.) verbunden
Yaren. In der Webeabteilung dagegen, wo zudem sehr verschiedene
Torten leichter, figurenhaltiger Phantasieartikel gewebt wurden, fand
lürchaus keine Aenderung in den objektiven Produktionsbedingungen
Matt, Das Resultat war: „Vom 6. Januar bis 20. April 1844, mit
"Wölfstündigem Arbeitstag, wöchentlicher Durchschnittslohn jedes
Ärbeiters 10 Shilling 1'/, Pence, vom 20. April bis 29. Juni 1844, mit
x tündigem Arbeitstag, wöchentlicher Durchschnittlohn 10 Shilling
1 Pence.“162 . Es wurde hier in 11 Stunden mehr produziert als
üher in 12, ausschließlich infolge größerer gleichmäßiger Ausdauer
© Arbeiter und Oekonomie ihrer Zeit. Während sie denselben
john empfingen und 1 Stunde freie Zeit gewannen, erhielt der
goPitalist dieselbe Produktenmasse und sparte Verausgabung von
Ohle, Gas usw. für 1 Stunde. Aehnliche Experimente wurden
nt gleichem Erfolg in den Fabriken der Herren Horrocks und Jacson
Usgeführt 162

a5 „Reports of Insp. of Fact. for 1844 and the quarter ending 30th April
» PB. 20, 21. . .
N, 78 Ebenda, S. 19. Da der Stücklohn derselbe blieb, hing die Höhe des
°chenlohnes vom Quantum des Produkts ab.
‘2 Ebenda, S. 22.
. 68 Ebenda, S. 21. Das moralische Element spielte bedeutende Rolle
g den oben erwähnten Experimenten. „Wir“, erklärten die Arbeiter dem
ortikinspektor, „wir arbeiten mit mehr Eifer, wir haben stets die Be-;
 nung vor Augen, daß wir abends früher weggehen können, und die ganze
        <pb n="401" />
        306

Vierter Abschnifl

Sobald die Verkürzung des Arbeitstages zwangsgesetzlich wird
welche zunächst die subjektive Bedingung der Kondensation der A"
beit schafft, nämlich die Fähigkeit des Arbeiters, mehr Kraft in g*
gebener Zeit flüssig zu machen, wird die Maschine in der Hand
des Kapitals zum objektiven und systematisch angewandten Mitte)
mehr Arbeit in derselben Zeit zu erpressen. Es geschieht dies 2
doppelter Weise: durch erhöhte Geschwindigkeit der Maschine
und erweiterten Umfang der von demselben Arbeiter zu über
wachenden Maschinerie oder seines Arbeitsfeldes. Verbesserte Ko"
struktion der Maschinerie ist teils notwendig zur Ausübung d®
größeren Druckes auf den Arbeiter, teils begleitet sie von selbs!
die Intensifikation der Arbeit, weil die Schranke des Arbeitstag®
den Kapitalisten zu strengstem Haushalt der Produktionskoste?
zwingt. Die Verbesserung der Dampfmaschine erhöht die Anzahl
ihrer Kolbenschläge in einer Minute und erlaubt zugleich, durd
größere Kraftersparung einen umfangreicheren Mechanismus TS
demselben Motor zu treiben, bei gleichbleibendem oder selb®
fallendem Kohlenverzehr. Die Verbesserung des Transmission”
mechanismus vermindert die Reibung und, was die moder®®
Maschinerie so augenfällig vor der älteren auszeichnet, reduzi®
Durchmesser und Gewicht der großen und kleinen Wellenbäume a
ein stets fallendes Minimum. Die Verbesserungen der Arbeit
maschinerie endlich vermindern bei erhöhter Geschwindigkeit vr
ausgedehnterer Wirkung ihren Umfang, wie beim modernen DamP”
webstuhl, oder vergrößern mit dem Rumpf Umfang und Zahl der
von ihr geführten Werkzeuge, wie bei der Spinnmaschine, ode!
vermehren die Beweglichkeit dieser Werkzeuge durch unschel?
bare Detailveränderungen, wie derartig bei der Selfacting Mule P
der Mitte der fünfziger Jahre die Geschwindigkeit der Spinde”
um ?/, gesteigert wurde.
Die Verkürzung des Arbeitstages auf 12 Stunden datiert in Br.
land von 1833. Schon 1886 erklärte ein englischer Fabrika®”
„Verglichen mit früher ist die Arbeit, die in den Fabriken %
verrichten, sehr gewachsen, infolge der größeren Aufmerksamk”
und Tätigkeit, welche die bedeutend vermehrte Geschwindigkeit de
Maschinerie vom Arbeiter erheischt.‘“!** Im Jahre 1844 mach”
Lord Ashley, jetzt Graf Shaftesbury, folgende dokumentarisch ?
legte Aufstellungen im Hause der Gemeinen: t
„Die Arbeit der in den Fabrikprozessen Beschäftigten ist je
dreimal so groß wie zur Zeit der Einführung solcher Operation®

Fabrik wird von einem allgemeinen Geist der Tatkraft und Arbeitsfreif
durchweht, von dem jüngsten Andreher bis zum ältesten Arbeiter, und
sind imstande, einander tüchtiger in die Hand zu arbeiten.“ (Ebend#),
go John Fielden: „The Curse of the Factory System. London 189
p. 32.
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06
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Vreizehntes Kapitel.

357

Die Maschinerie hat zweifelsohne ein Werk verrichtet, welches die
Sehnen und Muskeln von Millionen Menschen ersetzt, aber sie hat
ch erstaunlich (prodigiously) die Arbeit der durch ihre furchtbare
 Bewegung beherrschten Menschen vermehrt. .. . Die Arbeit,
nem Paar Mules während 12 Stunden auf und ab zu folgen, zum
pinnen von Garn Nr. 40, schloß im Jahre 1815 das Durchlaufen
ar Distanz von 8 Meilen ein. Im Jahre 18832 betrug die im Ge-0lge
 eines Mulepaares, zum Spinnen derselben Nummer, während
12 Stunden zu durchlaufende Distanz 20 Meilen und oft mehr.
Im Jahre 1815 hatte der Spinner während 12 Stunden 820 Auszüge
nn jeder Mule zu machen, was eine Gesamtsumme von 1640 für
2 Stunden ergab. Im Jahre 1832 hatte der Spinner während seines
’Wölfstündigen Arbeitstages an jeder Mule 2200 Auszüge zu machen,
sammen 4400, im Jahre 1844 an jeder Mule 2400, zusammen 4800,
Id in einigen Fällen ist die erheischte Arbeitsmasse (amount of
Abour) noch größer. .. . Ich habe hier ein anderes Dokument
kn 1842 in der Hand, worin nachgewiesen wird, daß die Arbeit
aumer mehr zunimmt, nicht nur, weil eine größere Entfernung zu
Urchlaufen ist, sondern weil die Quantität der produzierten Waren
ch vermehrt, während die Zahl der Arbeiter im Verhältnis ab-Ummt;
 und ferner, weil nun oft schlechtere Baumwolle gesponnen
Wird, die mehr Arbeit erfordert. ... Im Kardierraum hat auch
rw Zunahme der Arbeit stattgefunden. Eine Person tut jetzt die
no beit, die früher zwischen zwei verteilt war. ... In der Weberei,
Krim eine große Anzahl Personen, meist weiblichen Geschlechts,
10 häftigt ist, ist die Arbeit während der letzten Jahre um volle
M PZt. gewachsen, infolge der vermehrten Geschwindigkeit der
ter hinerie. Im Jahre 1838 war die Zahl der Strähne, die wöchentnn
 Zesponnen wurde, 18 000, im Jahre 1843 belief sie sich auf 21 000.
nn Jahre 1819 war die Zahl der Schützenschläge (picks) beim Dampf-Sbstuhl
 60 pro Minute, im Jahre 1842 betrug sie 140, was einen
Soßen Zuwachs von Arbeit anzeigt.“ 165

Angesichts dieser merkwürdigen Intensität, welche die Arbeit
ter der Herrschaft des Zwölfstundengesetzes bereits 1844 erreicht
hätte, schien damals die Erklärung der englischen Fabrikanten be-“Schtigt,
 jeder weitere Fortschritt in dieser Richtung sei unmöglich,
Taher jede weitere Abnahme der Arbeitszeit gleichbedeutend mit
N bnahme der Produktion. Die scheinbare Richtigkeit ihrer Begrün-WS
 wird am besten bewiesen durch folgende gleichzeitige Aeuße-"ung
 ihres rastlosen Zensors, des Fabrikinspektors Leonhard Horner:
. »Da die produzierte Quantität hauptsächlich geregelt wird durch
die Geschwindigkeit der Maschinerie, muß es das Interesse des

Ma. ° Lord Ashley: „The Ten Hours’
Arch... London 1844“, p. 6—9 passim.

Factory Bill. Speech of the 15th
        <pb n="403" />
        358

Vierter Abschnitt

Fabrikanten sein, sie. mit dem äußersten Geschwindigkeitsgrad ZU
treiben, der mit folgenden Bedingungen vereinbar ist: Bewahrung
der Maschinerie vor zu raschem Verderb, Erhaltung der Qualität de®
[abrizierten Artikels und Fähigkeit des Arbeiters, der Bewegung 2
folgen ohne größere Anstrengung, als er ständig leisten kann. E®
ereignet sich oft, daß der Fabrikant in seiner Hast die Bewegulf
zu sehr beschleunigt. Brüche und schlechtes Machwerk wiegen dan
die Geschwindigkeit mehr als auf, und er ist gezwungen, den Ga
der Maschinerie zu mäßigen. Da ein emsiger und einsichtsvolle”
Fabrikant das erreichbare Maximum herausfindet, schloß ich, daß ®
unmöglich ist, in 11 Stunden so viel zu produzieren wie in 12. Ich
nahm außerdem an, daß der pro Stücklohn bezahlte Arbeite!
sich aufs äußerste anstrengt, soweit er denselben Arbeitsgrad
ständig aushalten kann.“ Horner schloß daher, trotz der EF*
perimente von Gardner usw., daß eine weitere Herabsetzung d®
Arbeitstages unter 12 Stunden die Quantität des Produkts verminder?
müsse.!* Er selbst zitiert 10 Jahre später sein Bedenken von 18
zum Beweise, wie wenig er damals noch die Elastizität der Masch'
nerie und der menschlichen Arbeitskraft begriff, die beide gleich
mäßig durch die zwangsweise Verkürzung des Arbeitstages aufß
höchste gespannt werden.

Kommen wir nun zur Periode nach 1847, seit Einführung deß
Zehnstundengesetzes in die englischen Baumwoll-, Woll-, Seidel
und Flachsfabriken.

„Die Geschwindigkeit der Spindeln ist auf Throstles um 5%
auf Mules um 1000 Drehungen in einer Minute gewachsen, das heiß
die Geschwindigkeit der Throstlespindel, die 1839 4500 Drehung®
in einer Minute zählte, beträgt nun (1862) 5000, und die der Mule
spindel, die 5000 zählte, beträgt jetzt 6000 in der Minute; die 0°
schwindigkeit ist im ersten Falle um *!/,, und im zweiten um */, v®
mehrt.“168 James Nasmyth, der berühmte Zivilingenieur von Palrl
ecroft bei Manchester, setzte 1852 in einem Briefe an Leonhar
Horner die von 1848 bis 1852 gemachten Verbesserungen in der
Dampfmaschine auseinander. Nachdem er bemerkt, daß die Dampf
pferdekraft, in der offiziellen Fabrikstatistik fortwährend geschäl
nach ihrer Wirkung im Jahre 1828,1! nur noch nominell ist und nu

166 „Reports of Insp. of Fact. for quarter ending 30th September 18%
and from 1st October 1844 to 30th April 1845“, pP. 20.
‘67 Ebenda, S. 22.
'68 „Reports of Iusp. of Fact. for 31st October 1862“, p. 62. 9
16* Dies hat sich geändert mit dem „Parliamentary Return“ von 18 eß
Hier tritt die wirkliche Dampfpferdekraft der modernen Dampimasch'Vy
und Wasserräder an die Stelle der nominellen [siehe Note 109a, S. 333- nt
Auch sind die Dublierspindeln nicht mehr zusammengeworfen mit den eig?
        <pb n="404" />
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Dreizehntes Kapitel.

359

Als Index [als Andeutung] der wirklichen Kraft dienen kann, sagt er
Mier anderm: „Es unterliegt keinem Zweifel, daß Dampfmaschinerie
’/0n demselben Gewicht (oft ganz dieselben Maschinen, an denen nur
lie modernen Verbesserungen angebracht sind) im Durchschnitt
% pZt. mehr Werk als früher verrichten, und daß in vielen Fällen
3anz dieselben Dampifmaschinen, die in den Tagen der beschränk-©0
 Geschwindigkeit von 220 Fuß pro Minute 50 Pferdekraft
leferten, heute mit vermindertem Kohlenkonsum über 100
lefern. . . . Die moderne Dampfmaschine von derselben
lOöminellen Pferdekraft wird mit größerer Gewalt als früher ge-Tieben,
 infolge der Verbesserungen in ihrer Konstruktion, ver-Nindertem
 Umfang und Bau der Dampfkessel usw. . . .
Übgleich daher dieselbe Händezahl wie früher im Verhältnis zur
minellen Pferdekraft beschäftigt wird, werden weniger Hände
’erwandt im Verhältnis zur Arbeitsmaschinerie.“ 17° Im Jahre 1850
‘erwandten die Fabriken des vereinigten Königreiches 134 217 nomilelle
 Pferdekraft zur Bewegung von 25 638 716 Spindeln und 301 495
Webstühlen. Im Jahre 1856 beitrug die Zahl der Spindein und Web-Mühle
 respektive 33503580 und 369205. Wäre die erheischte
Pferdekraft dieselbe geblieben wie 1850, so waren 1856 175000
Pferdekraft nötig. Sie betrug aber nach dem offiziellen Ausweis
ar 161 435, also über 10000 Pferdekraft weniger, als wenn man
lach der Basis von 1850 rechnet.!!! „Die durch den letzten Bericht
"On 1856 (offizielle Statistik) festgestellten Tatsachen sind, daß das
Fabriksystem reißend rasch um sich greift, die Zahl der Hände im
Verhältnis zur Maschinerie abgenommen hat, die Dampfmaschine
durch Ersparung der Kraft und andere Methoden ein größeres
Maschinengewicht treibt, und ein vermehrtes Quantum Machwerk
Zielt wird infolge verbesserter Arbeitsmaschinen, veränderter
Methoden der Fabrikation, erhöhter Geschwindigkeit der Maschi-"erie
 und vieler anderer Ursachen.“ 17? „Die großen in Maschinen
(der Art eingeführten Verbesserungen haben deren Produktiv-Taft
 sehr gesteigert. Ohne allen Zweifel gab die Verkürzung
ss Arbeitstages . . . den Stachel zu diesen Verbesserungen.
yiztere und die intensivere Anstrengung des Arbeiters bewirkten,
aß wenigstens ebensoviel Machwerk in dem (um 2 Stunden

ich innsoi je 1 ns“ von 1889, 1850 und 1856) ; ferner
Sl für die Wellfebriken die Zahl der „gigs“ [Raubmaschinen] hinzugefügt,
‚heidung eingeführt zwischen Jute- und Hanffabriken einerseits, Flachsäbriken
 anderseits, endlich zum erstenmal die Strumpfwirkerei in den
Bericht aufgenommen.
‘70 Reports of Insp. of Fact. for 31st October 1856“, p. 11,
"71 Ebenda, S. 14, 15.
"2 Ebenda, S. 20.
        <pb n="405" />
        Vierter Abschnitt.
oder 3/,) verkürzten Arbeitstag als früher während des längeren
geliefert wird.“ 17%
Wie die Bereicherung der Fabrikanten mit der intensivere
Ausbeutung der Arbeitskraft zunahm, beweist schon der eine Um
stand, daß das durchschnittliche proportionelle Wachstum der eMßlischen
 Baumwollen- usw. Fabriken von 1838 bis 1850 82 pZt., voB
1850 bis 1856 dagegen 86 pZt. betrug.!7%
So groß in den 8 Jahren 1848 bis 1856, unter der Herrschaft
des zehnstündigen Arbeitstages, der Fortschritt der englische
Industrie, wurde er wieder weit überflügelt in der folgenden sech*
jährigen Periode von 1856 bis 1862. In den Seidenfabriken zum Bel
spiel Spindeln: 1856 1093799, 1862 1388544; Webstühle: 1856
3260 und 1862 10709. Dagegen Arbeiteranzahl: 1856 56131 und
1862 52 429. Dies ergibt Zunahme der Spindelzahl um 26,9 pZt. und
der Webstühle um 15,6 pZt. mit gleichzeitiger Abnahme der Arbeiter“
anzahl um 7 pZt. Im Jahre 1850 wurden in den Worsted- [Kam
wolle-] Fabriken angewandt 875830 Spindeln, 1856 1324549 (Zunahm®
51,2 pZt.) und 1862 1 289172 (Abnahme 2,7 pZt.). Zählt man aber di®
Dublierspindeln ab, die in der Aufzählung für das Jahr 1856, abe
nicht für 1862 figurieren, so blieb die Anzahl der Spindeln seit 1859
ziemlich gleich. Dagegen ward seit 1850 in vielen Fällen die G®
schwindigkeit der Spindeln und Webstühle verdoppelt. Die zahl
der Dampfwebstühle in den Worstedfabriken: 1850 32617, 1856
38 956 und 1862 43048. Es waren dabei beschäftigt Personen: 1850
79737, 1856 87794 und 1862 86063, aber davon Kinder unte
14 Jahren: 1850 9956, 1856 11228 und 1862 13178. Trotz sehr
vermehrter Anzahl der Webstühle, 1862 verglichen mit 1856, nab®®
also die Gesamtzahl der beschäftigten Arbeiter ab, die der au”
gebeuteten Kinder zu.!7*
Am 27. April 1863 erklärte das Parlamentsmitglied Ferrand
im Unterhause: „Arbeiterdelegierte von 16 Distrikten von Lancashir®
und Cheshire, in deren Auftrag ich spreche, haben mir mitgeteilt

118 „Reports etc. for 31st October 1858“, p. 9, 10. . Vgl. „Reports etc. for
30th April 1860“, p. 30 sqq. j
ı788 Die hier gegebenen Prozentzahlen sind entschieden falsch un 8
von vornherein unmöglich. Es muß ein Druckfehler vorliegen. P
absolute Anzahl der in Betracht kommenden Textilfabriken betrug 12%
dem Inspektorenbericht von 1862:

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Zaumwolle

Volle

Kammgarn ı

Leinen

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ide
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an

(889. ..........4 1911 1399 456 403 985 | 4454
[850.000 ] 1932 1497 501 393 277 | 4600
[856...........| 2210 | 1505 525 417 460 | 507,
Die Zunahme machte also von 1839 bis 1850 3,2 pZt., von 1850 w
1856 11,2 pZt. aus. K.
174 „Reports of Insp. of Fact. for 31st October 1862“, p. 100, 130.
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Dreizehntes Kapitel.

361

laß die Arbeit in den Fabriken infolge der Verbesserung der
Maschinerie beständig wachse. Statt daß früher eine Person mit
Gehilfen 2 Webstühle bediente, bedient sie jelzt. 3 ohne Gehilfen
 und es ist gar nichts Ungewöhnliches, daß eine Person ihrer
{ bedient usw. 12 Stunden Arbeit, wie aus den mitgeteilten Tat-Sachen
 hervorgeht, werden jetzt in weniger als 10 Arbeitsstunden
zepreßt. Es ist daher selbstverständlich, in welchem ungeheuren
Umfang die Mühen der Fabrikarbeiter sich seit den letzten Jahren
“ermehrt haben.“ 2175

Obgleich daher die Fabrikinspektoren die günstigen Resultate
ler Fabrikgesetze von 1844 und 1850 unermüdlich und mit vollem
Recht lobpreisen, gestehen sie doch, daß die Verkürzung des
Arbeitstages bereits eine die Gesundheit der Arbeiter, also die
Arbeitskraft selbst zerstörende Intensität der Arbeit hervorgerufen
babe. „In den meisten Baumwoll-, Worsted- und Seidenfabriken
3heint der erschöpfende Zustand von Aufregung, nötig für die
Arbeit an der Maschinerie, deren Bewegung in den letzten Jahren
50 außerordentlich beschleunigt worden ist, eine der Ursachen des
UÜebermaßes der Sterblichkeit an Lungenkrankheiten, das Dr. Greenw
 in seinem jüngsten bewundernswerten Bericht nachgewiesen
178

Es unterliegt nicht dem geringsten Zweifel, daß die Tendenz des
Kapitals, sobald ihm Verlängerung des Arbeitstages ein für allemal
lurch das Gesetz abgeschnitten ist, sich durch systematische Steige-Ang
 des Intensitätsgrades der Arbeit gütlich zu tun und jede Verer
 Serung der Maschinerie in ein Mittel zu größerer Aussaugung
el Arbeitskraft zu verkehren, bald wieder zu einem Wendepunkt
Teiben muß, wo abermalige Abnahme der Arbeitsstunden unver-Meidlich
 wird.!? Anderseits überflügelt der Sturmmarsch der englischen
 Industrie von 1848 bis zur Gegenwart (1866), das heißt

50 175 Mit dem modernen Dampfwebstuhl fabriziert ein Weber jetzt in
u Stunden pro Woche auf 2 Stühlen 26 Stück einer gewissen Art von bey
 eimter Länge und Breite, wovon er auf dem alten Dampfwebstuhl nur
fabrizieren konnte. Die Webkosten eines solchen Stückes waren schon
Anfang der 1850er Jahre von 2 Shilling 9 Pence auf 51/a Pence gefallen,
B Zusatz zur 2. Ausgabe: „Vor 30 Jahren (1841) verlangte man von einem
mie a wollgarnspinner mit 3 Gehilfen nur die Ueberwachung eines Mulepaares
äh, 800 bis 324 Spindeln. Mit 5 Gehilfen hat er jetzt (Ende 1871) Mules zu
3 Erwachen, deren Spindelzahl 2200 beträgt, und produziert mindestens
ybenmal mehr Garn als 1841.“ (Alexander Redgrave, Fabrikinspektor, in
»xOlrnal of Arts“, 5. Januar 1872.)
176 „Reports of Insp. of Fact. for 31st October 1861“, p. 25, 26.
9a 27 Die Achtstundenagitation hat jetzt (1867) in Lancashire unter den
Mkarbeitern begonnen.
        <pb n="407" />
        362

Vierter Abschnitt

während der Periode des zehnstündigen Arbeitstages, noch weil
mehr die Zeit von 1838 bis 1847, das heißt die Periode des zwölf
stündigen Arbeitstages, als letztere das halbe Jahrhundert seit Eit
führung des Fabriksystems, das heißt die Periode des unbeschränk‘
ten Arbeitstages.178

178 Folgende wenige Zahlen zeigen den Fortschritt der eigentliche»
„Fabriken“ in Großbritannien und Irland seit 1848:

Baumwollfabrik.
3aumwollgamn ......
NÄähgaml e....0.0.000000
Baumwollgewebe ...
Flachs-u.Hanffabrik.

Ares
S8WODE ve
Seidenfabrik.
Der
GeWEDB er seeeernenn
Wollfabrik.
Wollen-undWorsted:
Eee €
4eW8b8......... ..

1848

Quantität des Exportes
1851

1860

1865

185831162 Pfund| 143966106 Pfund| 197343655 Pfund| 103751455 Pfund
37289090 4392176 6297554 4648611 nu,
596751823 Yards!1543 161789 Yards| 2776218427 Yards! 2016237851 Ya

11722182 Zn]
39002431 Yards

18841326 Pfund|
129106753 Yards

31210612 Pfund,
143 996 773 Yards

36777 834 Pfund
247012529 Yardı

194815 Pfund
411147

462513 Pfund!
1181455 „ |

897 402 Pfund|
1060466

812589 Pfund
28869837 Yardı

8429152 Pfund!
34791846 Yards

14670880 Pfund
141120973 Yard!

27533968 Pfund! 31669267 Pfund
190381537 Yards! 278837438 Yard

Wert des Exportes _
1848 ; 1851 1860 | 1865
Pfd. Sterl. Pfd. Sterl. Pfd. Sterl. Pfd. SterL_

Baumwollfabrik.
Baumwollgarn ......
Baumwollgewebe ...
Flachs-u.Hanffabrik.

Öle rereee
Gewebe .............
Seidenfabrik.
BA rar
deWEDO.r00rerre een
Wollfabrik. |
Wollen-undWorsted-BI
 ik KR 776975 | 14841544 5424017
Gewebe.... . ...... 5733828 8377183 20102259
(Siehe die Blaubücher: „Statistical Abstract for the United Kingdom“
Nr. 8 und Nr. 138. London 1861 und 1866.)
In Lancashire vermehrten sich die Fabriken zwischen 18839 und 1850 nW
um 4 PZt., zwischen 1850 und 1856 um 19 pZt., zwischen 1856 und 1862 jo
33 pZt., während in beiden elfjährigen Perioden die Zahl der beschäftigt”
Personen absolut zunahm, relativ fiel. Vgl. „Reports of Iusp. of Fact. I
31st October 1862“, p. 63. In Lancashire herrscht die Baumwollfabrik v9 4
Welchen proportionellen Raum sie aber in der Fabrikation von Garn Wi
Gewebe überhaupt einnimmt, sieht man daraus, daß auf sie allein v9
        <pb n="408" />
        Dreizehntes Kapitel.

363

4. Die Fabrik.
Wir betrachteten im Beginn dieses Kapitels den Leib der Fabrik,
lie Gliederung des Maschinensystems. Wir sahen dann, wie die
Maschinerie das menschliche Ausbeutungsmaterial des Kapitals
’ermehrt durch Aneignung der Weiber- und Kinderarbeit, wie sie
lie ganze Lebenszeit des Arbeiters konfisziert durch maßlose Ausdehnung
 des Arbeitstages, und wie ihr Fortschritt, der ein ungeheuer
Wachsendes Produkt in stets kürzerer Zeit zu liefern erlaubt, endich
 als systematisches Mittel dient, in jedem Zeitmoment mehr
Arbeit flüssig zu machen oder die Arbeitskraft stets intensiver aus-Mbeuten.
 Wir wenden uns nun zum Fabrikganzen, und zwar in
Seiner ausgebildetsten Gestalt.
_ Dr. Ure, der Pindar der automatischen Fabrik, beschreibt sie
Änerseits als „Kooperation verschiedener Klassen von Arbeitern,
"Wwachsenen und nicht erwachsenen, die mit Gewandtheit und Fleiß
%n System produktiver Maschinerie überwachen, das ununterbrochen
durch eine Zentralkraft (den ersten Motor) in Tätigkeit gesetzt
Wird“, anderseits als „einen ungeheuren Automaten, zusammen-Sesetzt
 aus zahllosen mechanischen und selbstbewußten Organen,
le im Einverständnis und ohne Unterbrechung wirken, um ein
ind denselben Gegenstand zu produzieren, so daß alle diese Organe
ner Bewegungskraft untergeordnet sind, die sich von selbst be-Wegt‘“‘,
 Diese beiden Ausdrücke sind keineswegs gleichbedeutend.
in dem einen erscheint der kombinierte Gesamtarbeiter oder gesell-“haftliche
 Arbeitskörper als übergreifendes Subjekt und der mechaauch
 Automat als Objekt; in dem andern ist der Automat selbst
ii Subjekt und die Arbeiter sind nur als bewußte Organe seinen
a. Yußtlosen Organen beigeordnet und mit denselben der zentralen
SW. egungskraft untergeordnet. Der erstere Ausdruck gilt von jeder
Slchen Anwendung der Maschinerie im großen, der andere
“Därakterisiert ihre kapitalistische Anwendung und daher das
aederne Fabriksystem. Ure liebt es daher auch, die Zentralso
 schine, von der die Bewegung ausgeht, nicht nur als Automat,
üdern als Autokrat [Selbstherrscher] darzustellen. „In diesen
Koßen Werkstätten versammelt die wohltätige Macht des Dampfes
Te vielen Tausende von Untertanen um sich.“
Pe Mit dem Arbeitswerkzeug geht auch die Virtuosität in seiner
‚rung vom Arbeiter auf die Maschine über. Die Leistungsfähignr
 des Werkzeuges ist emanzipiert von den persönlichen Schranken
üschlicher Arbeitskraft. Damit ist die technische Grundlage auf-Sehoben,
 worauf die Teilung der Arbeit in der Manufaktur beruht.

len derart iken i 4, Wales, Schottland und Irland 45,2 pZt.
allen, OR A dem 208. ar in allen Dampfwebstühlen 81,4 pZt.,
/on aller sie bewegenden Dampifpferdekraft 72,6 pZt. und von der Gesamt-“hl
 der beschäftigten Personen 58,2 pZt. (Ebenda, S, 62, 63.)
1 Ure: „Philosophy of Manufacture“, p. 18,
        <pb n="409" />
        364:

Vierter Abschnitt

An die Stelle der sie charakterisierenden Hierarchie der speziali
sierten Arbeiter tritt daher in der automatischen Fabrik die Tenden!
der Gleichmachung oder Nivellierung der Arbeiten; welche die G€
hilfen der Maschinerie zu verrichten haben,‘® an die Stelle de!
künstlich erzeugten Unterschiede der Teilarbeiter treten vorwiegen‘
die natürlichen Unterschiede des Alters und Geschlechtes. ,
Soweit in der automatischen Fabrik die Teilung der Arbeil
wiedererscheint, ist sie zunächst Verteilung von Arbeitern unter di®
spezialisierten Maschinen; und von Arbeitermassen, die jedoch kein“
gegliederten Gruppen bilden, unter die verschiedenen Abteilunge®
der Fabrik, wo sie an nebeneinander gereihten gleichartigen Werk
zeugmaschinen arbeiten, also nur einfache Kooperation unter ihne?
stattfindet. Die gegliederte Gruppe der Manufaktur ist ersetzt durch
den Zusammenhang des Hauptarbeiters mit wenigen Gehilfen. Die
wesentliche Scheidung ist die von Arbeitern, die wirklich an de»
Werkzeugmaschinen beschäftigt sind (es kommen hierzu einige AT
beiter zur Bewachung respektive Speisung der Bewegungsmaschin®)
und von bloßen Handlangern (fast ausschließlich Kinder) dies@
Maschinenarbeiter. Zu den Handlangern zählen mehr oder mind®
alle „Feeders“ (die den Maschinen bloß Arbeitsstoff darreiche»)
Neben diese Hauptklassen tritt ein numerisch unbedeutende
Personal, das mit der Kontrolle der gesamten Maschinerie und ihre
beständigen Reparatur beschäftigt ist, wie Ingenieure, Mechanike"
Schreiner usw. Es ist eine höhere, teils wissenschaftlich gebildel®
teils handwerksmäßige Arbeiterklasse, außerhalb des Kreises de!
Fabrikarbeiter, und ihnen nur beigesellt.!*! Diese Teilung der
Arbeit ist rein technisch.
Alle Arbeit an der Maschine erfordert frühzeitige Anlernu"®
des Arbeiters. Als Kind lernt er es am leichtesten, seine eigeD®
Bewegung der gleichförmig kontinuierlichen Bewegung eines Aut"
maten anzupassen. Soweit die Gesamtmaschinerie selbst ein Syste”
mannigfacher, gleichzeitig wirkender und kombinierter Maschine
bildet, erfordert auch die auf ihr beruhende Kooperation eine Ver
teilung verschiedenartiger Arbeitergruppen unter die verschiede”
artigen Maschinen. Aber der Maschinenbetrieb hebt die Notwendif
keit auf, diese Verteilung manufakturmäßig zu befestigen durcß

180 Ebenda, S. 31. Vgl. Karl Marx: „Misere de la Philosophie. Par
1847“, p. 140, 141. [Vgl. „Das Elend der Philosophie“, deutsch von E. Be!®
stein und K. Kautsky. 2. Auflage. Stuttgart 1892, S. 127, 128.] ie
181 Es ist charakteristisch für die Absicht des statistischen Betrugs, T
auch sonst noch im Detail nachweisbar wäre, wenn die englische Fabil )
gesetzgebung die zuletzt im Text erwähnten Arbeiter ausdrücklich als Nich 9
fabrikarbeiter von ihrem Wirkungskreis ausschließt, anderseits die 79
Parlament veröffentlichten Berichte ebenso ausdrücklich nicht nur ze
genieure, Mechaniker usw., sondern auch Fabrikleiter, Kommis, AU
läufer, Lageraufseher, Verpacker usw., kurz alle Leute, mit Ausschluß „
Fabrikeigentümers selbst, in die Kategorie der Fabrikarbeiter einschließ®
        <pb n="410" />
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28

Dreizehntes Kapitel.

265

Ortwährende Aneignung derselben Arbeiter an dieselbe Funktion.1®?
Da die Gesamtbewegung der Fabrik nicht vom Arbeiter ausgeht,
Sndern von der Maschine, kann fortwährender Personenwechsel
attfinden ohne Unterbrechung des Arbeitsprozesses. Den schlagenden
 Beweis hierzu liefert das während der englischen Fabrikanten-'evolte
 von 1848 bis 1850 ins Werk gesetzte Relaissystem. Die Ge-Schwindigkeit
 endlich, womit die Arbeit an der Maschine im jugendlichen
 Alter erlernt wird, beseitigt ebenso die Notwendigkeit, eine
Sesondere Klasse Arbeiter ausschließlich zu Maschinenarbeitern
beranzuziehen. 18? Die Dienste der bloßen Handlanger aber sind in
der Fabrik teils durch Maschinen ersetzbar.1®*t teils erlauben sie

„132 Ure gibt dies zu. Er sagt, daß die Arbeiter „im Notfall‘ nach dem
Willen des Leiters von einer Maschine zur andern versetzt werden könden,
 und ruft triumphierend aus: „Dergleichen Wechsel steht im offenen
Widerspruch mit der alten Routine [dem alten herkömmlichen Verfahren],
die die Arbeit teilt und dem einen Abeiter die Aufgabe zuweist, den Kopf
AAner Stecknadel zu fassonieren, dem andern ihre Spitze zu schleifen.“ Er
dätte Sich vielmehr fragen sollen, warum diese „alte Routine“ in der auto-Matischen
 Fabrik nur im „Notfall“ verlassen wird?
„183 Wenn Not an Mann ist, wie zum Beispiel während des amerikanischen
Sürgerkrieges, wird der Fabrikarbeiter ausnahmsweise vom Bourgeois zu
den gröbsten Arbeiten, wie Straßenbau usSW., verwandt. Die englischen
"Nationalwerkstätten“ des Jahres 1862 und später für die beschäftigungssen
 Baumwollarbeiter unterschieden sich dadurch von den französischen von
(048, daß in diesen der Arbeiter auf Kosten des Staates unproduktive Ar-Siten,
 in jenen zum Vorteil des Bourgeois produktive städtische Arbeiten
ne Verrichten hatte, und zwar wohlfeiler als die regelmäßigen Arbeiter, mit
Lenen er so in Konkurrenz geworfen ward. „Das körperliche Aussehen
der Baumwollarbeiter hat sich unzweifelhaft gebessert. Dies schreibe ich...
Ko weit die Männer in Frage kommen, der Beschäftigung an öffentlichen Arpuren
 im Freien zu.“ — Es handelt sich hier um die Fabrikarbeiter von
or ton, die am „Preston Moor“ beschäftigt wurden. („Reports of Insp.
Fact, for October 1865“, p. 59.)
vi 184 Beispiel: Die verschiedenen mechanischen Apparate, die zum Ersatz
On Kinderarbeit seit dem Gesetz von 1844 in der Wollfabrik eingeführt
aurden, Sobald die Kinder der Herren Fabrikanten selbst „ihre Schule
Handlanger der Fabrik durchzumachen haben, wird dies fast noch unweechaute
 Gebiet der Mechanik bald einen merkwürdigen Aufschwung
yaen, „Die Selfacting Mules sind vielleicht eine so gefährliche
ke hinerie wie irgendeine andere. Die meisten Unglücksfälle begegnen
Be nen Kindern, und zwar infolge ihres Kriechens unter die Mules, um den
den zu fegen, während die Mules in Bewegung sind. Verschiedene
Heinders“ (Arbeiter an der Mule) wurden (von den Fabrikinspektoren) gea
 ütlich verfolgt und zu Geldstrafen verurteilt wegen dieses Vergehens, aber
Kine irgendwelchen allgemeinen Vorteil. Wenn Maschinenmacher nur einen
nn stioger erfinden wollten, durch dessen Gebrauch die Notwendigkeit
= diese kleinen Kinder, unter die Maschinerie zu kriechen, wegfiele, so
an das ein glücklicher Beitrag zu unsern Schutzmaßregeln.“ („Reports of
SP. of Fact. for 31st October 1866“, p. 63.)
        <pb n="411" />
        366

Vierter Abschnitt

wegen ihrer völligen Einfachheit raschen und beständigen Wechs®
der mit dieser Plackerei belasteten Personen.
Obgleich nun die Maschinerie das alte System der Teilung d®
Arbeit technisch über den Haufen wirft, schleppt es sich zunächs!
als Tradition der Manufaktur gewohnheitsmäßig in der Fabrik fort
um dann systematisch vom Kapital als Ausbeutungsmittel del
Arbeitskraft in noch ekelhafterer Form reproduziert und befestigt
zu werden. Aus der lebenslangen Spezialität, ein Teilwerkzeut
zu führen, wird die lebenslange Spezialität, einer Teilmaschine
dienen. Die Maschinerie wird mißbraucht, um den Arbeiter selb#
von Kindesbeinen in den Teil einer Teilmaschine zu verwandeln.
Nicht nur werden so die zu seiner eigenen Reproduktion nötige?
Kosten bedeutend vermindert, sondern zugleich seine hilflose Ab
hängigkeit vom Fabrikganzen, also vom Kapitalisten, vollendet. Hie
wie überall muß man unterscheiden zwischen der größeren PI“
duktivität, die der Entwicklung des gesellschaftlichen Produktiop*
prozesses, und der größeren Produktivität, die seiner kapitalistische®
Ausbeutung geschuldet ist. .
In Manufaktur und Handwerk bedient sich der Arbeiter d“
Werkzeuges, in der Fabrik dient er der Maschine. Dort geht v"
ihm die Bewegung des Arbeitsmittels aus, dessen Bewegung er hi
zu folgen hat. In der Manufaktur bilden die Arbeiter Glieder ein“
lebendigen Mechanismus. In der Fabrik existiert ein toter Mechanl®
mus unabhängig von ihnen, und sie werden ihm als lebendige AP
hängsel einverleibt. „Der trübselige Schlendrian einer endlos®
Arbeitsqual, worin derselbe mechanische Prozeß immer wiede
durchgemacht wird, gleicht der Arbeit des Sisyphus; die Last de}
Arbeit, gleich dem Felsen, fällt immer wieder auf den abgemattet®
Arbeiter zurück.“1*® Während die Maschinenarbeit das Nerve?
system aufs äußerste angreift, unterdrückt sie das vielseitige Spi®
der Muskeln und konfisziert alle freie körperliche und geistig‘
Tätigkeit." Selbst die Erleichterung der Arbeit wird zum Mit”
165 Man würdige daher den fabelhaften Einfall Proudhons, der die
Maschinerie nicht als Synthese [Zusammenfassung] von Arbeitsmitteln, sol
dern als Synthese von Teilarbeiten für die Arbeiter selbst — „konstruielt,
Außerdem macht er die ebenso historische wie wunderbare Entdeckung, daß
„die Periode der Maschinen sich durch ein besonderes Kennzeichen unter
scheidet, nämlich die Lohnarbeit.“ 4
186 FF. Engels: „Lage der arbeitenden Klasse in England. Leipzig 184°
S. 217. [Ausgabe Stuttgart S. 180.] Selbst ein ganz ordinärer, optimistisch?
Freihändler, Herr Molinari, bemerkt: „Ein Mann reibt sich schneller % ;
wenn er durch 15 Stunden im Tage die gleichförmige Bewegung ern
Maschine überwacht, als wenn er in derselben Zeit seine physische K” e
anstrengt. Dieser Ueberwachungsdienst, der vielleicht als nützlie®
Gymnastik des Geistes dienen könnte, wenn er nicht zu lange auf
gedehnt wird, ruiniert durch sein Uebermaß Geist und Körp®"
G). de Molinari: „Etudes Economiques. Paris 1846.“)
187 F, Engels „Lage“ usw. S. 216. [Ausg. Stuttgart S. 179.]
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Dreizehntes Kapitel.

367

der Tortur, indem die Maschine nicht den Arbeiter von der Arbeit
%freit, sondern seine Arbeit vom Inhalt. Aller kapitalistischen
"roduktion, soweit sie nicht nur Arbeitsprozeß, sondern zugleich
Verwertungsprozeß des Kapitals, ist es gemeinsam, daß nicht der
Arbeiter die Arbeitsbedingung, sondern umgekehrt die Arbeits-'edingung
 den Arbeiter anwendet, aber erst mit der Maschinerie
hält diese Verkehrung technisch handgreifliche Wirklichkeit.
Yurch seine Verwandlung in einen Automaten tritt das Arbeits-Nittel
 während des Arbeitsprozesses selbst dem Arbeiter als Kapital
Segenüber, als tote Arbeit, welche die lebendige Arbeitskraft belerrscht
 und aussaugt. .
Die Scheidung der geistigen Potenzen des Produktionsprozesses
"On der Handarbeit und die Verwandlung derselben in Mächte des
Kapitals über die Arbeit vollendet sich, wie bereits früher an-Sedeutet,
 in der auf Grundlage der Maschinerie aufgebauten großen
Iudustrie, Das Detailgeschick des individuellen, entleerten Maschinen-Wbeiters
 verschwindet als ein winzig Nebending vor der Wissenhaft,
 den ungeheuren Naturkräften und der gesellschaftlichen
Mässenarbeit, die im Maschinensystem verkörpert sind und mit ihm
die Macht des „Meisters“ (master) bilden. Dieser Meister, in dessen
im die Maschinerie und sein Monopol an derselben unzertrennlich
‚Wachsen sind, ruft daher in Kollisionsfällen den „Händen“ verchtlich
 zu: „Die Fabrikarbeiter sollten in heilsamer Erinnerung
talten, daß ihre Arbeit in der Tat eine sehr niedrige Sorte geschickter
Arbeit ist; daß keine leichter aneigenbar und in Anbetracht ihrer
Qualität besser belohnt ist, daß keine durch kurze Unterweisung des
Mindest Erfahrenen in so kurzer Zeit und in solchem Ueberfluß
Veeführt werden kann. Des Meisters Maschinerie spielt in der Tat
We viel wichtigere Rolle in dem Geschäfte der Produktion als die
Arbeit und das Geschick des Arbeiters, die eine Erziehung von
Monaten lehren und jeder Bauernknecht lernen kann.“ 1% .
f Die technische Unterordnung des Arbeiters unter den gleichtmigen
 Gang des Arbeitsmittels und die eigentümliche Zusammenvetzung
 des Arbeitskörpers aus Individuen beider Geschlechter und
a sSchiedenster Altersstufen schaffen eine kasernenmäßige Disziplin,
I Sich zum vollständigen Fabrikregime ausbildet und die schon
ner erwähnte Arbeit der Oberaufsicht, also zugleich die Teilung
Ins Arbeiter in Handarbeiter und Arbeitsaufseher, in gemeine
u striesoldaten und Industrieunteroffiziere, völlig entwickelt. „Die
auPtschwierigkeit in der automatischen Fabrik bestand in der
w Wendigen Disziplin, um die Menschen auf ihre unregelmäßigen
s Vohnheiten in der Arbeit verzichten zu machen und sie in Ueberstimmung
 mit der unveränderlichen Regelmäßigkeit des großen
185 The i &amp;gt; and Manufacturers’ Defence Fund. Report
% Ihe TR 1804%, p. 17, Man wird später sehen, daß
„len? Master“ aus einem andern Loch pfeift, sobald er mit Verlust seiner
6 ©ldigen“ Automaten bedroht ist.
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        368

Vierter Abschnitt

Automaten zu bringen. Aber einen den Bedürfnissen und der Ge
schwindigkeit des automatischen Systems entsprechenden Disziplin®”
kodex zu erfinden und mit Erfolg auszuführen, war ein Unternehm®
des Herkules würdig, das ist das edle Werk Arkwrights! Selb#
heutzutage, wo das System in seiner ganzen Vollendung organisie”
ist, ist es fast unmöglich, unter den Arbeitern, die das Alter der
Mannbarkeit zurückgelegt haben, nützliche Gehilfen für das auf?
matische System zu finden.‘“1® Der Fabrikkodex, worin das Kapit@
seine Autokratie über seine Arbeiter, ohne die sonst vom Bürg#
tum so beliebte Teilung der Gewalten und das noch beliebter‘
Repräsentativsystem, privatgesetzlich und eigenherrlich formuliert
ist nur die kapitalistische Karikatur der gesellschaftlichen Regelult
des Arbeitsprozesses, welche nötig wird mit der Kooperation %
großer Stufenleiter und der Anwendung gemeinsamer Arbeitsmiti®
namentlich der Maschinerie. An die Stelle der Peitsche des Sklave
treibers tritt das Strafbuch des Aufsehers. Alle Strafen lösen %
natürlich auf in Geldstrafen und Lohnabzüge, und der gesell
geberische Scharfsinn der Fabrik-Lykurge macht ihnen die V®
letzung ihrer Gesetze womöglich noch einbringlicher als deren Be
folgung.1%

189 Ure: „Philosophy of Manufacture“, p. 15. Wer Arkwrights Lebe
geschichte kennt, wird das Wort „edel“ diesem genialen Barbier nie an d
Kopf werfen. Von allen großen Erfindern des 18, Jahrhunderts war €r u
streitig der größte Dieb fremder Erfindungen und der gemeinste Kerl. all
‘0 „Die Sklaverei, in der die Bourgeoisie das Proletariat ‚gefesselt ben
kommt nirgends deutlicher ans Tageslicht als im Fabriksystem. Hier ke
alle Freiheit rechtlich und faktisch auf. Der Arbeiter muß morgens el
51/2 in der Fabrik sein; kommt er ein paar Minuten zu spät, so wird f
gestraft, kommt er 10 Minuten zu spät, so wird er gar nicht hereingelast%
bis das Frühstück vorüber ist, und verliert einen Vierteltag am Lohn. yo
muß auf Kommando essen, trinken und schlafen . .. Die despotische God
ruft ihn vom Bette, ruft ihn vom Frühstück und Mittagstisch. Und wie 8%,
88 nun gar erst in der Fabrik? Hier ist der Fabrikant absoluter Gesetzgeb",
Er erläßt Fabrikregulationen, wie er Lust hat; er ändert und macht Zu
zu seinem Kodex, wie es ihm beliebt; und wenn er das tollste Zeug hin? w
setzt, so sagen doch die Gerichte zum Arbeiter: Da ihr unter diesen KoF
trakt euch freiwillig begeben habt, jetzt müßt ihr ihn auch befolgen. - de
Diese Arbeiter sind dazu verdammt, vom neunten Jahr bis zu ihrem Ti
unter der geistigen und körperlichen Fuchtel zu leben.“ (F. Engels: » ve
Lage der arbeitenden Klasse in England. Leipzig 1845“, S. 217 ff. [AUSB
Stuttgart S. 180 ff.] Was „die Gerichte sagen“, will ich an zwel 4
spielen erläutern. Der eine Fall spielt in Sheffield, Ende 1866. ve
hatte sich ein Arbeiter für 2 Jahre in eine Metallfabrik verdingt er
folge eines Zwistes mit dem Fabrikanten verließ er die Fabrik und de
klärte, unter keinen Umständen mehr für ihn arbeiten zu wollen. wur il
wegen Kontraktbruches verklagt, zu 2 Monaten Gefängnis verurtü®
(Bricht der Fabrikant den Kontrakt, so kann er nur vor den Zivilgericht;
verklagt werden und riskiert nur eine Geldbuße.) Nach Absitze» gl
2 Monate stellt derselbe Fabrikant ihm Ladung zu, dem alten Kopf
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‘reizehntes Kapitel.

369

| Wir deuten nur hin auf die materiellen Bedingungen, unter
nen die Fabrikarbeit verrichtet wird. Alle Sinnesorgane werden

©mäß in die Fabrik zurückzukehren. Arbeiter erklärt, nein. Den Kontrakt-Tüch
 habe er bereits abgebüßt. Fabrikant verklagt von neuem, Gericht
rurteilt von neuem, obgleich einer der Richter, Mr. Shee, dies öffentlich
Ss juristische Ungeheuerlichkeit denunziert, wonach ein Mann sein ganzes
ben durch periodisch für ein und dasselbe Vergehen respektive Verbrechen
“eder und wieder bestraft werden könne. Dieses Urteil wurde gefällt
\cht von den „Great Unpaid“ [großen Unbezahlten, den Friedensrichtern
W dem Lande — K.], provinzialen Dogberries, sondern zu London, von
nem der höchsten Gerichtshöfe. [Dies ist, wie Engels bemerkt, jetzt abschafft,
 Einige wenige Fälle ausgenommen — zum Beispiel bei öffenthen
 Gaswerken — ist jetzt in England der Arbeiter beim Kontraktbruch
lem Beschäftiger gleichgestellt und kann nur zivilrechtlich belangt
Verden, K.] — Der zweite Fall spielt in Wiltshire, Ende November 1863,
Ingefähr 830 Dampfstuhlweberinnen, in der Beschäftigung eines gewissen
1 ätrupp, Tuchfabrikant von Leower’s Mill, Westbury Leigh, machten einen
ATeik, weil dieser selbe Harrupp die angenehme Gewohnheit hatte, ihnen
fr Verspätung am Morgen Lohnabzug zu machen, und zwar 6 Pence für
5 inuten, 1 Shilling für 3 Minuten und 1 Shilling 6 Pence für 10 Minuten.
iS macht bei 9 Shilling pro Stunde 4 Pfd. Sterl. 10 Shilling pro Tag,
“ährend ihr Durchschnittslohn im Jahr nie über 10 bis 12 Shilling wöchentne
 steigt. Harrupp hat ebenfalls einen Jungen bestellt, um die Fabrikie
 zu blasen, was er selber manchmal vor 6 Uhr morgens tut; und wenn
© Hände nicht gerade da sind, sobald er aufhört, werden die Tore ge-ShMlossen
 und die draußen in Geldbuße genommen; und da keine Uhr im
TC bäude, sind die unglücklichen „Hände“ in der Gewalt des von Harrupp
p.Pirierten jugendlichen Zeitwächters. Die im „Streik“ begriffenen Hände,
vewilienmütter und Mädchen, erklärten, sie wollten wieder ans Werk gehen,
a der Zeitwächter durch eine Uhr ersetzt und ein vernünftigerer Straf-Me
 eingeführt würde. Harrupp zitierte 19 Weiber und, Mädchen vor die
Ye eistrate wegen Kontraktbruches. Sie wurden verurteilt zu je 6 Pence
ante und 2 Shilling 6 Pence Kosten, unter lauter Entrüstung des Audinn
 am, Harrupp wurde vom Gericht weg von einer zischenden Volksdei5O
 begleitet. — Eine Lieblingsoperation der Fabrikanten ist, die Arzit
 durch Lohnabzüge für die Fehler des ihnen gelieferten Materials
D Züchtigen, Diese Methode rief 1866 allgemeinen Streik in den englischen
ai rerdistrikten hervor. Die Berichte der „Children’s Employment Comart
 (1863 bis 1866) geben Fälle, wo der Arbeiter, statt Lohn zu erhalten,
Sn seine Arbeit, und vermittels des Strafreglements, noch obendrein
onen seines erlauchten „Master“ wird. KErbauliche Züge über den
ol abzugs-Scharfsinn der Fabrikautokraten lieferte auch die jüngste Baum:
zer Tise, „Ich hatte selbst“, sagt Fabrikinspektor R. Baker, „Vor kurzem
a "Ohtliche Verfolgung wider einen Baumwollfabrikanten einzuleiten, weil
dern diesen schweren und qualvollen Zeitläuften 10 Pence von einigen
do ihm beschäftigten „jungen“ (mehr als dreizehnjährigen) Arbeiter
Nofıc für das ärztliche Alterszertifikat, das ihm nur 6 Pence kostet, ‚und
Mar das Gesetz nur einen Abzug von 3 Pence, das Herkommen gar keinen
Konnet -.. Ein anderer Fabrikant belastet, um denselben Zweck, ohne
ab Üikt mit dem Gesetz zu erreichen, jedes der armen Kinder, die für ihn
Siten, mit 1 Shilling als Sportel für Erlernung der Kunst und des
Das Kanital. 1 4
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        370 ;

Vierter Abschnitt

gleichmäßig verletzt durch die künstlich gesteigerte Temperatur, die
mit Abfällen des Rohmaterials geschwängerte Atmosphäre, den be
täubenden Lärm usw., abgesehen von der Lebensgefahr unter dich!
gehäufter Maschinerie, die mit der Regelmäßigkeit der Jahreszeite
ihre industriellen Schlachtbulletins produziert.!** Die Oekonom!
sierung der gesellschaftlichen Produktionsmittel, erst im Fabriksyste?
treibhausmäßig gereift, wird in der Hand des Kapitals zugleich zu
systematischen Raub an den Lebensbedingungen des Arbeiters wäh
rend der Arbeit, an Raum, Luft, Licht, und an persönlichen Schul
mitteln wider lebensgefährliche oder gesundheitswidrige Umständ‘
des Produktionsprozesses, von Vorrichtungen zur Bequemlichkeit de

Mysteriums, zu spinnen, sobald das ärztliche Zeugnis sie reif für diese BE
schäftigung erklärt. Es existieren also Unterströmungen, die man kenn®
muß, um so außerordentliche Erscheinungen, wie Streiks zu Zeiten wie
gegenwärtige (es handelt sich um einen Streik in der Fabrik zu Darwel
Juni 1868, unter den Maschinenwebern) zu begreifen.“ („Reports of Inf
of Fact. for 30th April 1863“, p. 50, 51. — Die Fabrikberichte gehen imm®
weiter als ihr offizielles Datum.) |
1902 Die Gesetze zum Schutz gegen gefährliche Maschinerie haben woß
'ätig gewirkt. „Aber... es existieren jetzt neue Quellen von Unglück
fällen, die vor 20 Jahren nicht existiert haben, namentlich die vermebr
Geschwindigkeit der Maschinerie. Räder, Walzen, Spindeln und wer
stühle werden jetzt mit vermehrter und steis noch wachsender Gewalt £ N
trieben; die Finger müssen rascher und sicherer den zerrissenen Fad R
anpacken, denn wenn mit Zaudern oder Unvorsicht angelegt, sind sie We
5pfert.... Eine große Anzahl Unglücksfälle wird verursacht durch den E M
der Arbeiter, ihr Werk rasch auszuführen. Man muß sich erinnerB, dr
es für die Fabrikanten von der höchsten Wichtigkeit ist, ihre Maschin®”,
ununterbrochen in Bewegung zu halten, das heißt Garn und Geweb®
produzieren. Jeder Stillstand von einer Minute ist nicht nur ein Verlust N
Triebkraft, sondern an Produktion. Die Arbeiter werden daher du
Arbeitsaufseher, interessiert in der Quantität des Machwerks, dazu geht
die Maschinerie in Bewegung zu halten; und es ist dies nicht minder wich &amp;amp;
lür Arbeiter, die nach Gewicht oder Stück gezahlt werden. Obgleich {
daher in den meisten Fabriken formell verboten ist, Maschinerie währ®
ihrer Bewegung zu reinigen, ist diese Praxis allgemein. Diese Ursa%
allein hat während der letzten 6 Monate 906 Unglücksfälle produziert.
Obgleich das Reinigungsgeschäft tagaus, tagein vorgeht, ist der Son
abend jedoch meist für gründliches Reinigen der Maschinerie Festges“”
und das geschieht großenteils während der Bewegung der Maschineri® *
Es ist eine unbezahlte Operation, und die Arbeiter suchen daher SO sr
als möglich damit fertig zu werden. Daher ist die Anzahl der Ungli ff
fälle Freitags und ganz besonders Samstags viel größer als an den übrig,
Wochentagen. Freitags beträgt der Ueberschuß über die Durchscht”,
zahl der ersten 4 Wochentage ungefähr 12 pZt., Sonnabends der Ueygt
schuß von Unglücksfällen über den Durchschnitt der vorhergehenden 5 go
25 pZt.; zieht man aber in Rechnung, daß der Fabriktag Samstag® ve
71/2 Stunden, an den übrigen Wochentagen 10!/2 Stunden zählt — SO $ fo
der Ueberschuß um mehr als 65 pZt.“ („Reports of Insp. of Fact
31st October 1866. London 1867“, p. 9, 15, 16, 17.)
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‘reizehntes Kapitel.

371
\beiters gar nicht zu sprechen.**! Nennt Fourier mit Unrecht die
abriken „gemilderte Bagnos‘“ [Zuchthäuser] ?*°?

5, Kampf zwischen Arbeiter und Maschine.
Der Kampf zwischen Kapitalist und Lohnarbeiter beginnt mit
(em Kapitalverhältnis selbst. Er tobt fort während der ganzen
Janufakturperiode.!® Aber erst seit der Einführung der Maschinerie
“kämpft der Arbeiter das Arbeitsmittel selbst, die materielle Exizweise
 des Kapitals. Er revoltiert gegen diese bestimmte Form
© Produktionsmittels als die materielle Grundlage der kapitalisti-“hen
 Produktionsweise.
&amp;amp; Ziemlich ganz Europa erlebte während des 17. Jahrhunderts
„Weiterrevolten gegen die sogenannte Bandmühle (auch Schnurzule
 oder Mühlenstuhl genannt), eine Maschine zum Weben von
ändern und Borten. Die Bandmühle ward in Deutschland erfunden.

. 11 Im ersten Abschnitt des dritten Buches werde ich berichten über
(Men jüngster Zeit angehörigen Feldzug der englischen Fabrikanten gegen
le Klauseln des Fabrikakts zum Schutz der Gliedmaßen der „Hände‘ vor
Densgefährlicher Maschinerie. Hier genüge ein Zitat aus einem offiziellen
richt des Fabrikinspektors Leonhard Horner: „Ich habe Fabrikanten mit
Uentschuldbarer Frivolität von einigen der Unglücksfälle sprechen hören,
um Beispiel der Verlust eines Fingers sei eine Kleinigkeit. Das Leben
‚d. die Aussichten eines Arbeiters hängen so sehr von seinen Fingern ab,
laß ein solcher Verlust ein äußerst ernstes Ereignis für ihn ist. Wenn ich
Sich gedankenloses Geschwätz höre, stelle ich die Frage: „Unterstellt, Sie
Tauchen einen zusätzlichen Arbeiter, und ihrer zwei meldeten sich, beide
z jeder andern Hinsicht gleich tüchtig, aber der eine ohne Daumen oder
Agefinger welchen würden sie wählen? Sie zögerten nle 61nen Augen-Nick,
 für den Vollfngerigen zu entscheiden. . . . Diese Herren Fabrikanten
‚ben falsche Vorurteile gegen das, was sie pseudo-philanthropische Gesetzbung
 nennen.“ („Reports of Insp. of Fact, for 31st October 1855. ) Diese
Jrren Fabrikanten sind „gescheite Leut’“ und schwärmten nicht umsonst
© die Sklavenhalter-Rebellion! . En
b 12 In den Fabriken,.die am längsten dem Fabrikakt mit seiner Zwangs-“Schränkung
 der Arbeitszeit und seinen sonstigen Regulationen unteruorfen,
 sind manche frühere Mißstände verschwunden. Die Verbesserung
nr Maschinerie selbst erheischt auf einem gewissen „Punkt eine A
Vai Konstruktion der Fabrikgebäude“, die 0) Arbeitern zugute kommt.
‘84 „Reports ete. for 81st October 1863“, p. 109.
198 Siehe Suter andern John Houghton: „Husbandry and Trade
FProved. London 1727.“ „The Advantages of the East India Trade, 1720.“
an? Bellers: „Proposals for raising a Colledge of Indusiry. London 1696.
ie Meister und die Arbeiter sind unglücklicherweise In einem steten Krieg
„ Sinander, Das unveränderliche Ziel der ersteren ist es, die Arbeit so billig
Dur irgend möglich getan zu erhalten; und sie wenden jede List zu
Wem Zweck an, während die letzteren mit gleichem Eifer jede Gelegen-St
 wahrnehmen. ihre Meister zur Bewilligung ihrer höheren Forderungen
X drängen,“ („An Inquiry into the causes of the Present High Prices of
zur aSions, 1767“, p. 61, 62. — Verfasser Reverend Nathaniel Forster, ganz
Seite der Arbeiter.)
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        372
Der italienische Abb6 Lancellotti in einer Schrift, die 1686 zu Vened
erschien, erzählt: „Anton Müller aus Danzig habe vor ungefäl
50 Jahren (L. schrieb 1579) eine sehr künstliche Maschine in Dan?!
gesehen, die 4 bis 6 Gewebe auf einmal verfertigte; weil der Stadt
rat aber besorgt habe, diese Erfindung möchte eine Masse Arbeitd
zu Bettlern machen, so habe er die Erfindung unterdrückt und de
Erfinder heimlich ersticken oder ersäufen lassen.“ In Leyden wurd
dieselbe Maschine zuerst 1629 angewandt. Die Emeuten der Bort®
wirker zwangen den Magistrat erst zu ihrem Verbot; durch ver
schiedene Verordnungen von 1623, 1639 usw. von seiten der Gener#
staaten sollte ihr Gebrauch beschränkt werden; endlich erlaubt uf
gewissen Bedingungen durch Verordnung vom 15. Dezember 168
„In jener Stadt“, sagt Boxhorn von der Einführung der Ball“
mühle in Leyden, „erfanden einige Leute vor ungefähr 20 Jabrf
ein Webegerät, mit dem ein einziger Arbeiter mehr Gewel
und mit größerer Leichtigkeit herzustellen vermochte, als go
mehrere in gleicher Zeit. Daher entstanden Unruhen und Be
schwerden der Weber, bis schließlich der Gebrauch dieses &amp;amp;
rätes durch die Obrigkeit verboten wurde.‘“1* Dieselbe Masch”
ward 1676 in Köln verboten, während ihre Einführung
England gleichzeitige Arbeiterunruhen hervorrief, Durch kais®
liches Edikt vom 19. Februar 1685 wurde ihr Gebrauch in 8
Deutschland untersagt. In Hamburg wurde sie öffentlich auf Bef@
des Magistrats verbrannt. Karl VI. erneuerte 9. Februar 1719 4
Edikt von 1685 und Kursachsen erlaubte ihren öffentlichen Gebrat”
erst 1765. Diese Maschine, die so viel Lärm in der Welt gem2®
hat, war in der Tat Vorläufer der Spinn- und Webmaschinen, a
der industriellen Revolution des 18. Jahrhunderts. Sie befählf”
einen in der Weberei ganz unerfahrenen Jungen, durch bloßes X
und Zustoßen einer Treibstange den ganzen Stuhl mit allen sein“
Schützen in Bewegung zu setzen, und lieferte in ihrer verbessert
Form 40 bis 50 Stück auf einmal. „nd
Ende des ersten Dritteils des 17. Jahrhunderts erlag eine WI
sägemühle, von einem Holländer in der Nähe Londons angelegt
Pöbelexzessen. Noch Anfang des 18. Jahrhunderts überwand®
durch Wasser getriebene Sägemaschinen in England nur mühsam %
parlamentarisch unterstützten Volkswiderstand. Als Everet 1 Y
die erste vom Wasser getriebene Maschine zum Wollscheren eb
hatte, wurde sie von 100000 außer Arbeit gesetzten MenscheP v
Brand gesteckt. Gegen die Scribbling Mills [Krempelmühlen] Ti
Kardiermaschinen Arkwrights petitionierten 50 000 Arbeiter, die b

Vierter Absehnit

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1% „In hac urbe ante hos viginti cireiter annos instrumentum quiß
invenerunt textorium, quo solus quis plus panni et facilius conficere pol
quam plures aequali tempore. Hinc turbae ortae et querulae text0r
tandemque usus hujus instrumenti a magistratu prohibitus est.“ (Box
„Institutiones politicae. Leyden 1663.)
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Dreizehntes Kapitel.

373

der vom Wollkratzen gelebt, beim Parlament. Die massenhafte Zer-Wörung
 von Maschinen in den englischen Mantıfakturdistrikten wähend
 der ersten 15 Jahre des 19. Jahrhunderts, namentlich infolge
der Ausbeutung des Dampfwebstuhles, bot, unter dem Namen der
Wüdditenbewegung, der Antijakobiner-Regierung eines Sidmouth.
gs tereagh usw. den Vorwand zu reaktionärsten Gewaltschritten.
ve bedarf Zeit und Erfahrung, bevor der Arbeiter die Maschinerie
© ihrer kapitalistischen Anwendung unterscheiden und daher
Seine Angriffe vom materiellen Produktionsmittel selbst auf dessen
Se8ellschaftliche Ausbeutungsform übertragen lernt.!®
Die Kämpfe um den Arbeitslohn innerhalb der Manufaktur
zen die Manufaktur voraus und sind keineswegs gegen ihre
Xistenz gerichtet. Soweit die Bildung der Manufakturen bekämpft
Wird, geschieht es von den Zunftmeistern und privilegierten Städten,
Sicht von den Lohnarbeitern. Bei Schriftstellern der ManufaktureSriode
 wird die Teilung der Arbeit daher vorherrschend als Mittel
u Sefaßt, das die Möglichkeit gibt, [mangelnde] Arbeiter virtuell
in ihrer Wirkung] zu ersetzen, aber nicht wirklich Arbeiter zu ver-„ngen.
 Dieser Unterschied ist selbstverständlich. Sagt man
ee Beispiel, es würden 100 Millionen Menschen in England
mn eischt sein, um mit dem alten Spinnrad die Baumwolle
; Verspinnen, die jetzt von 500000 mit der Maschine verqnnen
 wird, so heißt das natürlich nicht, daß die Maschine
Platz dieser Millionen, die nie existiert haben, einnahm.
8 ‚heißt nur, daß viele Millionen Arbeiter erheischt wären, um die
ver maschinerie zu ersetzen. Sagt man dagegen, daß der Dampfx
 Stuhl in England 800 000 Weber auf das Pflaster warf, so spricht
Art, Nicht von existierender Maschinerie, die durch eine bestimmte
de eiteranzahl ersetzt werden müßte, sondern von einer existierende
 Arbeiterzahl, die faktisch durch Maschinerie ersetzt oder ver-N
 et worden ist. Während der Manufakturperiode blieb der handae
 ksmäßige Betrieb, wenn auch zerlegt, die Grundlage. Die
"iin Kolonialmärkte konnten durch die relativ schwache Anzahl
lie vom Mittelalter überlieferten städtischen Arbeiter nicht benodiet
 werden, und die eigentlichen Manufakturen öffneten zuja
 ". dem mit Auflösung der Feudalität von Grund und Boden verden
 Landvolke neue Produktionsgebiete. Damals trat also an
Beh Teilung der Arbeit und der Kooperation im den Werkstätten
dukte. die positive Seite hervor, daß sie beschäftigte Arbeiter prover
 machen.!?® Kooperation und Kombination der Arbeits-‚185

 In altmodischen Manufakturen wiederholt sich noch heute zuweilen
N Tohe Form der Arbeiterempörung gegen die Maschinerie. So zum
“Spiel im Feilenschleifen zu Sheffield 1865.
1% Sir James Steuart faßt auch die Wirkung der Maschinerie noch
ianz in diesem Sinne. „Ich betrachte also die Maschinen als Mittel, gleichhe
 die Zahl der tätigen Leute zu erhöhen, die nicht ernährt zu werden
Auchen, . .. Worin unterscheidet sich die Wirksamkeit einer Maschine
        <pb n="419" />
        374

Vierter Abschnitt

mittel in den Händen weniger rufen, auf die Agrikultur angewand
zwar große, plötzliche und gewaltsame Revolutionen der Pro
duktionsweise und daher der Lebensbedingungen und Beschäftigung
mittel der Landbevölkerung hervor, in vielen Ländern lange vor del
Periode der großen Industrie. Aber dieser Kampf spielt ursprünß
lich mehr zwischen großen und kleinen Landeigentümerp al
zwischen Kapital und Lohnarbeit; anderseits, soweit Arbeiter durd
Arbeitsmittel, Schafe, Pferde usw., verdrängt werden, bilden uw
mittelbare Gewaltakte hier in erster Instanz die Voraussetzung de
industriellen Revolution. Erst werden die Arbeiter vom Grund u
Boden verjagt, und dann kommen die Schafe. Der Landdiebst#
auf großer Stufenleiter, wie in England, schafit der großen Ag
kultur erst ihr Anwendungsfeld.!*** In ihren Anfängen hat die?
Umwälzung der Agrikultur daher mehr den Schein einer politisch“
Revolution.
Als Maschine wird das Arbeitsmittel sofort zum Konkurrent”
des Arbeiters selbst.!?” Die Selbstverwertung des Kapitals dus
die Maschine steht im direkten Verhältnis zur Arbeiterzahl, der®
Existenzbedingungen sie vernichtet. Das ganze System der kapitel
stischen Produktion beruht darauf, daß der Arbeiter seine Arbeiß
kraft als Ware verkauft. Die Teilung der Arbeit vereinseitigt dies‘
Arbeitskraft zum ganz partikularisierten Geschick, ein Teilwerkze“
zu führen. Sobald die Führung des Werkzeuges der Maschine anhei®
fällt, erlischt mit dem Gebrauchswert der Tauschwert der Arbeiß
kraft. Der Arbeiter wird unverkäuflich, wie außer Kurs gesetzt
Papiergeld. Der Teil der Arbeiterklasse, den die Maschinerie ® Ü
überflüssige, das heißt nicht länger zur Selbstverwertung de
von der neuer Einwohner?“ („Principles of Political Economy“, fra
zösische Uebersetzung, Bd. I, Buch 1, Kap. 19.) Viel naiver Petty, de
sagt, daß sie die „Polygamie“ ersetze. Dieser Gesichtspunkt paßt höchste”
für einige Teile der Vereinigten Staaten. Dagegen: „Maschinen Könp®
selten mit Erfolg dazu verwendet werden, die Arbeit eines einzelnen %
verringern; zu ihrer Herstellung wäre mehr Arbeit erforderlich, als dur
ihre Verwendung erspart werden könnte. Mit wirklichem Nutzen sind N
nur dort verwendbar, wo sie auf große Massen wirken, wo eine einzel”
Maschine die Arbeit von Tausenden unterstützt. Sie finden sich dahe t
reichlichsten in den dichtest bevölkerten Ländern, wo es die meist
arbeitslosen Menschen gibt. Sie werden nicht angewendet, weil Arbe
kräfte selten sind, sondern gerade wegen der Leichtigkeit, mit der die
in Massen zur Arbeit herangezogen werden können.“ (Piercy Ravensto®
„Thoughts on the Funding System and its Effects, London 1824“, p- 15.)
19a Zur 4. Auflage bemerkt hier Engels: „Dies gilt auch für Deut,
land. Wo bei uns große Agrikultur besteht, also namentlich im Oste”, N
sie erst möglich geworden durch das seit dem 16. Jahrhundert, nament”
aber seit 1648, eingerissene „Bauernlegen“.“ dt
w7 „Maschinen und Arbeit sind in ständigem Wettbewerb.“ (Bit,
„Principles of Political Economy. 3rd ed... London 1821“, p. 479.) [ gl
„Grundgesetze der Volkswirtschaft“, übersetzt von Dr. Ed. Baum®“
Leipzig 1877, S. 365,1
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Dreizehntes Kapitel.

375

Kapitals unmittelbar notwendige Bevölkerung verwandelt, geht
“nMerseits unter in dem ungleichen Kampf des alten handwerks-Näßigen
 und manufakturmäßigen Betriebes wider den maschinen-Väßigen,
 überflutet anderseits alle leichter zugänglichen Industrie-‘Weige,
 überfüllt den Arbeitsmarkt und senkt daher den Preis der
\rbeitskraft unter ihren Wert. Ein großer Trost für die pauperi-Perten
 [zu Bettiern herabgedrückten] Arbeiter soll sein, daß ihre
+eiden teils nur „zeitlich“ („a temporary inconvenience“), teils
laß die Maschinerie sich nur allmählich eines ganzen Produklonsfeldes
 bemächtigt, wodurch Umfang und Intensität ihrer
’ernichtenden Wirkung gebrochen werde. Der eine Trost schlägt
den andern. Wo die Maschine allmählich ein Produktionsfeld
greift, produziert sie chronisches Elend in der mit ihr kon-\ürrierenden
 Arbeiterschicht. Wo der Uebergang rasch, wirkt
36 massenhaft und akut. Die Weltgeschichte bietet kein entsetzlichereg
 Schauspiel als den allmählichen, über Jahrzehnte ver-“hleppten,
 endlich 1838 besiegelten Untergang der englischen
Handbaumwollweber. Viele von ihnen starben am Hungertod, viele
"egetierten lange mit ihren Familien bei 2*/, Pence täglich.!*® Akut
lagegen wirkte die englische Baumwollmaschinerie auf Ostindien,
Tessen Generalgouverneur 1834 bis 1835 konstatierte: „Das Elend
Ändet kaum eine Parallele in der Geschichte des Handels. Die
Knochen der Baumwollweber bleichen die Ebenen von Indien.“
Allerdings, sofern diese Weber das Zeitliche segneten, bereitete
tnen die Maschine nur „zeitliche Mißstände“. Uebrigens ist die
Zeitliche“ Wirkung der Maschinerie dauernd, indem sie beständig

8 Di onkurrenz zwischen Handgewebe und Maschinengewebe
Türde gan vor der Einführung des Armengesetzes von 1833 dadurch
tlängert, daß man die tief unter das Minimum gefallenen Löhne durch
 Narrunterstützung ergänzte... „Hochwürden Turner war im Jahre 1827
rer in Wilmslow in Cheshire, einem Fabrikbezirk. Die Frage, des
A ersuchungskomitees über Auswanderung und Turners Antworten zeigen,
) Welcher Weise sich Handarbeit im Wettbewerb mit Maschinenarbeit
quält, Frage: „Hat nicht die Verwendung der Webmaschine die des
“ähdstuhls verdrängt?“ Antwort: „Unzweifelhaft; sie hätte jene noch viel
ehr verdrängt, wenn die Handweber nicht instand gesetzt worden
a2, sich in eine Herabsetzung ihrer Löhne zu fügen.“ Frage: „Hat
d °T nicht der Handweber, indem er sich fügte, einen Lohnsatz akzeptiert,
=. ZU seinem Unterhalt ungenügend ist, und ist er nicht zur Ergänzung
wies Lebensunterhalts auf die Armenunterstützung angewiesen?“ Ant-St:
 „Ja, und in der Tat wird die Konkurrenzfähigkeit des Handwebers
N ®enüber dem Maschinenweber nur durch die Armenunterstützung erae
 Slicht.“ So besteht der Vorteil, den die Erwerbstätigen der Einführung
ka Maschinenwesens zu danken haben, in entwürdigendem Bettlertum
rn im Verlust der Heimat; er besteht darin, daß sie aus geachteten und
X 8ewissem Maße unabhängigen Handwerkern zu kriecherischen armen
noteln Werden, die das entwürdigende Brot der Mildtätigkeit essen, Das
nat man einen zeitlichen Uebelstand.“ („A Prize Essay on the comparative
Tits of Competition and. Cooperation. London 1834“, p. 29.)
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        376

Vierter Abschnitt

neue Produktionsgebiete ergreift. Die verselbständigte und ent
fremdete Gestalt, welche die kapitalistische Produktionsweise über
haupt den Arbeitsbedingungen und dem Arbeitsprodukt gegenüb#
dem Arbeiter gibt, entwickelt sich also mit der Maschinerie zuP
vollständigen Gegensatz.!*® Daher mit ihr zum erstenmal di
brutale Revolte des Arbeiters gegen das Arbeitsmittel.
Das Arbeitsmittel erschlägt den Arbeiter. Dieser direkte GegeP
satz erscheint allerdings am handgreiflichsten, so oft neu eingeführt‘
Maschinerie konkurriert mit überliefertem Handwerks- ode!
Manufakturbetrieb. Aber innerhalb der großen Industrie selbs!
wirkt fortwährende Verbesserung der Maschinerie und Entwicklunf
des automatischen Systems in gleicher Weise. „Der beständige Zweck
verbesserter Maschinerie ist, die Handarbeit zu vermindern oder de?
Produktionsprozeß in der Fabrik dadurch zu vervollkommnen, daß
eiserne Apparate an Stelle der menschlichen gesetzt werden.“?° „DIE
Anwendung von Dampf- und Wasserkraft auf Maschinerie, die bishe
mit der Hand bewegt wurde, ist das Ereignis jedes Tages. +‘
Die kleineren Verbesserungen in der Maschinerie, welche Oekonom®
der Bewegungskraft, Verbesserung des Machwerkes, vermehrte Pr“
duktion in derselben Zeit oder Verdrängung eines Kindes, eine
Frauenzimmers oder eines Mannes bezwecken, sind beständig, und
obgleich scheinbar nicht von großem Gewicht, haben sie denno®
wichtige Resultate.“2? „Ueberall, wo eine Operation viel Geschi®
und eine sichere Hand verlangt, entzieht man sie so schnell als
möglich den Armen des zu geschickten und oft zu Unregelmäßt
keiten aller Art geneigten Arbeiters, um einen besonderen Mech?
nismus damit zu betrauen, der so gut geregelt ist, daß ein Kind ibP
überwachen kann.“2%? „Im automatischen System wird die 8%
199 „Dieselbe Ursache, die das reine Einkommen des Landes erhöh®
mag (das heißt, wie Ricardo an derselben Stelle erläutert, das BD
kommen der Grundbesitzer und Kapitalisten, deren Reichtum, ökonomist
betrachtet, überhaupt gleich ist dem Reichtum der Nation), kann gleich
zeitig eine überschüssige Bevölkerung erzeugen und die Lage des Arbeite?
verschlechtern.“ (Ricardo: „Principles of Political Economy. 3rd ed. Lond®
1821“, p. 469.) [Vgl. „Grundgesetze der Volkswirtschaft“, überseizt ww
Dr. Ed. Baumstark. Leipzig 1877, S. 358.] „Der beständige Zweck und 9”
Tendenz jeder Vervollkommnung des Mechanismus ist in der Tat, sich de
Arbeit des Menschen ganz zu entschlagen oder ihren Preis zu verminde”
durch Ersetzung der erwachsenen männlichen Arbeiter durch Weiber- up
Kinderarbeit oder geschickter Arbeiter durch rohe.“ (Ure: „Philosopl
of Manufacture‘, p. 25.)
200 „Reports of Insp. of Fact. for 31st October 1858“, p. 43.
201 „Reports ete. for 31st October 1856“, p. 15. ;g
202 Ure:. „Philosophy of Manufacture“, p. 19. „Der große Vorteil der ;
Ziegelbacken angewandten Maschinerie besteht darin, den Anwender gan
und gar von geschickten Arbeitern unabhängig zu machen.“ („ChildreP
Employment Commission. 5th Report. London 1866“, p. 180, n. 46.) „el
Zusatz zur 2. Ausgabe: Herr A. Sturrock, Superintendent des Maschin® fl
departementis der „Great Northern Railway“ sagt aus mit Bezug #
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Dreizehntes Kapitel.

377

hickte Arbeit immer mehr verdrängt.“22 „Die Verbesserung .der
Maschinerie erlaubt nicht nur Verminderung in der Anzahl der
beschäftigten erwachsenen Arbeiter zur Erzielung eines bestimmten
Resultates, sondern sie setzt an Stelle einer Klasse menschlicher
Arbeit eine andere Klasse, an Stelle geschickterer minder geschickte,
Kinder an Stelle Erwachsener, Frauen an Stelle von Männern. Alle
liese Aenderungen verursachen beständige Schwankungen in der
Höhe des Arbeitslohnes.‘“2* „Die Maschinerie wirft unaufhörlich
Stwachsene aus der Fabrik heraus.“?°5
Die außerordentliche Elastizität des Maschinenwesens infolge
ehäufter praktischer Erfahrung, des schon vorhandenen Umfanges
Mechanischer Mittel und des beständigen Fortschrittes der Technik
teigte uns sein Sturmmarsch unter dem Druck eines verkürzten
Arbeitstages. Aber wer hätte 1860, im Zenitjahr der englischen
Baumwollindustrie, die galoppierenden Verbesserungen der Maschiderie
 und die entsprechende Verdrängung von Handarbeit geahnt,
Welche die drei folgenden Jahre unter dem Stachel des amerika-Wschen
 Bürgerkrieges hervorriefen? Von den offiziellen Anführun-Sen
 der englischen Fabrikinspektoren über diesen Punkt genügen
er ein paar Beispiele. Ein Manchester Fabrikant erklärt: „Statt
% Kardiermaschinen brauchen wir jetzt nur 12, welche dieselbe
Quantität von ebenso guter, wenn nicht besserer Qualität liefern. ...
Die Ersparung an Arbeitslohn beträgt 10 Pfd. Sterl. wöchentlich, die
3 Baumwollabfall 10 pZt.“ In einer Manchester Feinspinnerei
Wurde „vermittels beschleunigter Bewegung und Einführung ver-Schiedener
 selbsttätiger Prozesse in einer Abteilung ein Viertel, in
ner über die Hälfte des Arbeiterpersonals beseitigt, während die
Kämmaschine an der Stelle der zweiten Kardiermaschine die Zahl
der früher im Kardierraum beschäftigten Hände sehr vermindert
bat“, Eine andere Spinnfabrik schätzt ihre allgemeine Ersparung
"on „Händen“ auf 10 pZt. Die Herren Gilmore, Spinner zu Man-“bester,
 erklären: „Wir schätzen die infolge neuer Maschinerie in
N Abteilung für Reinigung der Baumwolle gemachte Ersparung an
voden und Arbeitslohn auf ein volles Drittel.“ In zwei anderen
OTbereitenden Prozessen „haben wir ungefähr ein Drittel weniger
Maschinenban i : „Kostspielige (expensive) englische Arbeite
 enbau (Lokomotiven usw.): „Kostspielige (exp A rd .
n T werden jeden Tag weniger gebraucht. Die Produktion wird ver
Et durch die Anwendung verbesserter Instrumente, und diese Instrudas
 werden ihrerseits bedient von einer niedrigen Sorte Arbeit (a low
ale Of labour). ... Früher produzierte geschickte Arbeit notwendigerweise
dur Teile der Dampfmaschine. Dieselben Teile werden jetzt produziert
in Arbeit mit weniger Geschick, aber guten Instrumenten. , , . Unter
( Ro menten verstehe ich die beim Maschinenbau angewandten Maschinen.“
DR aM Commission on Railways. Minutes of Evidence, n, 17862 and
63. London 1867.)
ze Ure: „Philosophy of Manufacture“, p. 20.
zo Ebenda, S. 321.
Ebenda, S. 23.
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        378 .

Vierter Abschnitt

in Auslage und Händen, im Spinnraum ungefähr ein Drittel wenig“
in Auslage. Aber das ist nicht alles; wenn unser Garn jetzt zum
Weber geht, ist es so sehr verbessert durch die Anwendung del
neuen Maschinerie, daß sie mehr und besseres Gewebe als mit dem
alten Maschinengarn produzieren.‘“?® Fabrikinspektor A. Redgra’“
bemerkt hierzu: „Die Verminderung der Arbeiter bei gesteigerte
Produktion schreitet rasch vorwärts; in den Wollfabriken begal!
kürzlich eine neue Verminderung der Hände, und sie dauert fort;
vor wenigen Tagen sagte mir ein Schulmeister, der bei Rochdale
wohnt, die große Abnahme in den Mädchenschulen sei nicht nu
dem Druck der Krise geschuldet, sondern auch den Aenderungen BD
der Maschinerie der Wollfabrik, infolge deren eine Durchschnitt
verminderung von 70 Halbzeitlern statigefunden.“ 207
Das Gesamtresultat der dem amerikanischen Bürgerkrieg 8°
schuldeten mechanischen Verbesserungen in der englischen BauP
wollindustrie zeigt folgende Tabelle:
Anzahl der Fabriken.
1858 1861 1868
England und Wales......... 2 046 2715 2405
Schottland ............0.000004 152 163 - 131
er TA 12 9 13
Vereinigtes Königreich... 2210 2887 2549
Anzahl der Dampfwebstühle.
1858 1861 1868
England und Wales......... 275590 368 125 344 719
Schottland .................. 21 624 30 110 31 864
1 1633 1757 2746
Vereinigtes Königreich... 298847 399 992 379329
Anzahl der Spindeln.
1858 1861 1868
England und Wales......... 25818576 28352152 30478 228
Schottland ........ ....... 2041129 1915898 .1897 546
Irland.... ; DS 150 512 119 944 124 240
Vereinigtes Königreich... 28010217 30387494 32000 014

206 „Reports of Insp. of Fact. for 31st October 1863“, p. 108 ff. x
207 Ebenda, S. 109. Die rasche Verbesserung der Maschinerie währe
der Baumwollkrise erlaubte den englischen Fabrikanten gleich nach Be0n
gung des amerikanischen Bürgerkrieges im Umsehen den Weltmarkt wie te
zu überfüllen. Die Gewebe wurden schon während der letzten 6 Mont
von 1866 fast unverkäuflich. Damit fing die Versendung der Waren vr 6
China und Indien an, was den „glut“ [die Ueberfüllung des Markt" @
natürlich noch intensiver machte, Anfang 1867 nahmen die Fabrika®,
zu ihrem gewöhnlichen Ausfluchtsmittel Zuflucht, Herabsetzung des Arb&amp;amp; A
lohnes um 5 pZt. Die Arbeiter widersetzten sich und erklärten, theoret
ganz richtig, das einzige Heilmittel sei, kurze Zeit, 4 Tage pro Woch®&amp;amp; gl
arbeiten. Nach längerem Sträuben mußten die Herren, die sich selbst j
Industriekapitänen ernannt, sich hierzu entschließen, an einigen Stellen m
an andern ohne Lohnherabseizung um 5 pZt.
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Dreizehntes Kapitel.

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Anzahl der beschäftigten Personen.
1858 1861 1868
England und Wales.......... 841170 407 598 357 052
Schottland ........00.0.00.0000004 34.698 412837 39 809
1 3 345 2734 4.203
Vereinigtes Königreich... 379218 451 569 401 064
Von 1861 bis 1868 verschwanden also 338 Baumwollfabriken;
las heißt produktivere und ausgedehntere Maschinerie konzentrierte
nn in den Händen einer verminderten Zahl von Kapitalisten. Die
KR der Dampfwebstühle nahm ab um 20663; aber ihr Produkt
latte sich gleichzeitig vermehrt, so daß ein verbesserter Webstuhl
ne mehr leistete als einer der alten Dampfwebstühle. Endlich
SL Spindelzahl wuchs um 1612541, während die Zahl der be-Shäftigten
 Arbeiter um 50505 abnahm. Das „zeitweilige“ Elend,
Mi die Baumwollkrise die Arbeiter erdrückte, wurde also geae
 Bert und länger andauernd gemacht durch raschen und anhalten-©
 Fortschritt der Maschinerie.
E Die Maschinerie wirkt jedoch nicht nur als übermächtiger Konmrent,
 stets auf dem Sprunge, den Lohnarbeiter „überflüssig“ zu
je hen. Als ihm feindliche Macht wird sie laut und mit bestimmtn
 Absicht vom Kapital proklamiert und gehandhabt. Sie wird das
aschtvollste Kriegsmittel zur Niederschlagung der periodischen
x. eiteraufstände, Streiks usw. wider die Autokratie des Kapitals.?*®
Gaskell war die Dampfmaschine von Beginn an ein Gegner
nn „Menschenkraft‘“, der den Kapitalisten befähigte, die steigenden
p. Sprüche der Arbeiter niederzuschmettern, die das beginnende
abriksystem zur Krise zu treiben drohten.?*®* Man könnte eine
Kaze Geschichte der Erfindungen seit 1830 schreiben, die bloß als
vw ESmittel des Kapitals wider Arbeiteremeuten ins Leben traten.
Br erinnern vor allem an die Selfacting Mule, weil sie eine neue
Püche des automatischen Systems eröffnet.?*"
u In seiner Aussage vor der Kommission, die mit der Unter-Rue
 ang der Trades-Unions beauftragt war, berichtet Nasmyth, der
de der des Dampihammers, über die Verbesserungen der Maschi-DE
 die er infolge des großen und langen Streiks der Maschineneiter
 1851 einführte: „Der bezeichnende Zug unserer modernen

20 „Das Verhältnis zwischen Meistern und Händen in den Flintad
 Flaschenglasbläsereien ist ein chronischer Streik.“ Daher der „Auf-Swung
 der Fabrikation des gepreßten Glases, wo die Hauptoperationen
‚ 2Ch Maschinerie ausgeführt werden. Eine Firma bei Newcastle, die
über jährlich 350000 Pfund geblasenes Fliniglas produzierte, produziert
Nik Statt dessen 3 000 500 Pfund gepreßtes Glas. („Children’s Employment
“Mmission. 4th Report 1865“, p. 262, 263.) .
D. 3 % Gaskell: „The Manufacturing Population of England. London 1833“,
, .
x 219 Einige sehr bedeutende Anwendungen von Maschinen zum
eis hinenbau erfand Herr Fairbairn infolge von Streiks in seiner
Benen Maschinenfabrik.
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        Vierter Abschnitt
mechanischen Verbesserungen ist die Einführung selbsttätiger Werk
zeugmaschinen. Alles, was jetzt ein mechanischer Arbeiter zu {U
hat, und was jeder Junge tun kann, besteht nicht darin, daß er selbs!
arbeitet, sondern daß er die schöne Arbeit der Maschine überwacht
Die ganze Klasse jener Arbeiter, die ausschließlich von ihre!
Geschicklichkeit abhängen, ist jeizt beseitigt. Früher beschäftigt
ich 4 Jungen auf 1 Mechaniker. Dank diesen neuen mechanische?
Hilfsmitteln habe ich die Zahl der erwachsenen Männer von 1500
auf 750 reduziert. Die Folge war ein bedeutendes Wachstum meine
Profits.“
Ure sagt von einer Maschine zum Farbendruck in den Kattur
druckereien: „Endlich suchten sich die Kapitalisten von dieser ur
erträglichen Sklaverei (nämlich den ihnen lästigen Kontrakt
bedingungen der Arbeiter) zu befreien, indem sie die Hilfsquelle?
der Wissenschaft anriefen, und bald waren sie in ihre Jegitimel
Rechte wieder eingesetzt, die des Kopfes über die andern Körper
teile.“ Er sagt von einer Erfindung zum Kettenschlichten, der®@®
unmittelbarer Anlaß ein Streik: „Die Horde der Unzufriedenen, dit
sich hinter den alten Linien der Teilung der Arbeit unbesiegb#
verschanzt wähnte, sah sich so in die Flanke genommen und ihre
Verteidigungsmittel vernichtet durch die moderne mechanisch‘
Taktik. Sie mußten sich auf Gnade und Ungnade ergeben.“ BE
sagt von der Erfindung der Selfacting Mule: „Sie war berufen, die
Ordnung unter den industriellen Klassen wieder herzustellen. - *
Diese Erfindung bestätigt die von uns bereits entwickelte Doktril
daß das Kapital, indem es die Wissenschaft in seinen Diens
preßt, stets die rebellische Hand der Arbeit zur Fügsamkell
zwingt.“ 211 ,
Obgleich Ures Schrift 1835 erschien, also zur Zeit eines relatl"
noch schwach entwickelten Fabriksystems, bleibt sie der klassisch‘
Ausdruck des Fabrikgeistes, nicht nur wegen ihres offenherzig®
Zynismus, sondern auch wegen der Naivität, womit er die gedankeF
losen Widersprüche des Kapitalhirnes ausplaudert. Nachdem &amp;amp;
zum Beispiel die „Doktrin“ entwickelt, daß das Kapital mit zilfe
der von ihm in Sold genommenen Wissenschaft „stets die rebellisch‘
Hand der Arbeit zur Lenksamkeit zwingt“, entrüstet er sich darüb®
„daß man von gewisser Seite die mechanisch-physische Wissel
schaft anklagt, sich dem Despotismus reicher Kapitaliste
als Mittel zur Unterdrückung der armen Klassen herzugebeP
Nachdem er weit und breit gepredigt, wie vorteilhaft rasche Ent
wicklung der Maschinerie den Arbeitern, warnt er sie, daß gie
durch ihre Widersetzlichkeit, Streiks usw., die Entwicklung der
Maschinerie beschleunigen. „Derartige gewaltsame Revolten“, sag!
er, „zeigen die menschliche Kurzsichtigkeit in ihrem verächtlichst®”
Charakter, dem Charakter eines Menschen, der sich zu seinem eig“

380

2 Ure: „Philosophy of Manufacture‘“, p. 368—70.
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Dreizehntes Kapitel.

381

%n Henker macht.“ Wenige Seiten vorher heißt es umgekehrt:
Ohne die heftigen Zusammenstöße und Unterbrechungen, ver-Wsacht
 durch die irrigen Ansichten der Arbeiter, hätte sich das
“abriksystem noch viel rascher entwickelt und viel nützlicher für
Wle interessierten Parteien.“ Dann ruft er wieder aus: „Zum Glück
5 die Bevölkerung der Baumwollbezirke Großbritanniens finden
ws Verbesserungen in der Mechanik nur allmählich statt. Man klagt
wi (die Verbesserung der Maschinerie) an, daß sie den Arbeits--
 der Erwachsenen vermindere, indem sie einen Teil derselben
; Tdränge, wodurch ihre Anzahl das Bedürfnis nach Arbeit über-8
 Aber sie vermehrt die Nachfrage nach Kinderarbeit und
*höht damit deren Lohnsatz.“
Ki Derselbe Trostspender verteidigt anderseits die Niedrigkeit der
m derlöhne damit, daß „sie die Eltern abhalten, ihre Kinder zu
bi In die Fabriken zu schicken“. Sein ganzes Buch ist eine Verib
 sichung des unbeschränkten Arbeitstages, und es erinnert seine
erale Seele an die dunkelsten Zeiten des Mittelalters, wenn die
Iesetzgebung verbietet, Kinder von 18 Jahren mehr als 12 Stunden
En Tag abzurackern. Dies hält ihn nicht ab, die Fabrikarbeiter
&amp;amp; einem Dankgebet an die Vorsehung aufzufordern, die ihnen durch
tt Maschinerie „die Muße verschafft habe, über ihre unsterblichen
Sressen nachzudenken“.?*
$. Die Kompensationstheorie bezüglich der durch Maschinerie
”  verdrängten Arbeiter.
M Eine ganze Reihe bürgerlicher Oekonomen, wie James Mill,
w. Culloch, Torrens, Senior, J. St. Mill usw., behauptet, daß alle
„Aschinerie, die Arbeiter verdrängt, stets gleichzeitig und notwendig
nr entsprechendes Kapital zur Beschäftigung ganz derselben Ar-Slter
 freisetzt.21
fa Man unterstelle, ein Kapitalist verwende, etwa in einer Tapeten-Roh?
 ein Kapital von 6000 Pfd. Sterl., davon werde die Hälfte für
hie Material verausgabt. Von Baulichkeiten, Kohlen usw. sehen wir
äh ab. Er wende 100 Arbeiter an, den Mann zu 30 Pfd. Sterl.
also ch. Das von ihm jährlich ausgelegte variable Kapital beträgt
0000 Pfd. Sterl. Er entlasse 50 Arbeiter und beschäftige die
koster Leibenden 50 mit einer Maschinerie, die ihm 1500 Pfd. Sterl.
kosten Man nimmt ferner an, das jährlich verzehrte Rohmaterial
"6 nach wie vor 3000 Pfd. Ster1.214
Er Ure: „Philosophy of Manufacture“, p. 368, 7, 370, 280, 321, 281, 475.
SDiter Ricardo teilte ursprünglich diese Ansicht, widerrief sie aber
angenp ars Srücklich mit seiner charakteristischen wissenschaftlichen Unbe-&amp;amp;ono
 eit und Wahrheitsliebe, Siebe David Ricardo: „Principles of Political
Ion. Dy , 31. Kapitel. [Vgl. „Grundgesetze der Volkswirtschaft“, übersetzt
Wesen] Baumstark. Leipzig 1877, 31. Hauptstück: „Ueber Maschinen-Benannt
 Notabene, ich gebe die Illustration ganz in der Weise der obenen
 Oekonomen.
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        389

Vierter Abschnifl

Ist durch diese Umwandlung irgendein Kapital „freigesetzt“
In der alten Betriebsweise bestand die ausgelegte. Gesamtsumm“
von 6000 Pfd. Sterl. halb aus konstantem und halb aus variable”
Kapital. Sie besteht jetzt aus 4500 Pfd. Sterl. (3000 Pfd. Sterl. fü
Rohmaterial und 1500 Pfd. Sterl. für Maschinerie) konstantem und
1500 Pfd. Sterl. variablem Kapital. Statt der Hälfte bildet der
variable oder in lebendige Arbeitskraft umgesetzte Kapitalteil nu
noch ein Viertel des Gesamtkapitals. Statt der Freisetzung findet hie!
Bindung von Kapital in einer Form statt, worin es aufhört, sich
gegen Arbeitskraft auszutauschen, das heißt Verwandlung voh
variablem in konstantes Kapital. Das Kapital von 6000 Pfd. Stell
kann, unter sonst gleichbleibenden Umständen, jetzt niemals meh!
als 50 Arbeiter beschäftigen. Mit jeder Verbesserung der Maschiner*
beschäftigt es weniger.
Um den Theoretikern der Kompensation entgegenzukomme*
wollen wir annehmen, die neu eingeführte Maschinerie koste wenig“
als die Summe der von ihr verdrängten Arbeitskraft und Arbeiß
werkzeuge, also zum Beispiel statt 1500 nur 1000 Pfd. Sterl.
Unter dieser Bedingung würde ein variables Kapital vo
1000 Pfd. Sterl. in konstantes verwandelt oder gebunden, währe“
ein Kapital von 500 Pfd. Sterl. freigesetzt würde. Es würde üb
Jüssig für die Tapetenfabrik und könnte als neues Kapital fungier®%
Letzteres, denselben Jahreslohn unterstellt, bildet einen Beschäft
yungsfonds für ungefähr 16 Arbeiter, während 50 entlassen sind
ja für viel weniger als 16 Arbeiter, da die 500 Pfd. Sterl. zu ihre
Verwandlung in Kapital wieder zum Teil in konstantes Kapital ver
wandelt werden müssen, also auch nur zum Teil in Arbeitskraft un
gesetzt werden können. ,
Allerdings wird die Anfertigung der neuen Maschinerie ein®
zrößere Anzahl Mechaniker beschäftigen; soll darin der Ersatz ;
ünden sein für die aufs Pflaster geworfenen Tapetenmacher? AU
jeden Fall beschäftigt ihre Anfertigung weniger Arbeiter, als ir
Anwendung verdrängt. Die Summe von 1500 Pfd. Sterl., die für f
entlassenen Tapetenarbeiter nur den Arbeitslohn darstellte, stell
jetzt, in der Gestalt von Maschinerie, dar: 1. den Wert, der zu ihre
Herstellung erforderlichen Produktionsmittel, 2. den Arbeitslol”
der sie anfertigenden Mechaniker, 3. den ihrem „Meister“ zn
fallenden Mehrwert. Ferner: einmal fertig, braucht die Maschi?
nicht erneuert zu werden bis nach ihrem Tod. Um also die zusät”
liche Anzahl Mechaniker dauernd zu beschäftigen, muß ein Tapete?
f[abrikant nach dem andern Arbeiter durch Maschinen verdräng®
In der Tat meinen jene Verteidiger des Kapitals auch nicht die
Art Freisetzung von Kapital. Sie meinen die Lebensmittel der fr@
gesetzten Arbeiter. Es kann nicht geleugnet werden, daß im obig®
Fall zum Beispiel die Maschinerie nicht nur 50 Arbeiter freisel”
und dadurch „verfügbar“ macht, sondern zugleich ihren Zusamm®
hang mit Lebensmitteln zum Wert von 1500 Pfad. Sterl. aufhebt ww
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reizehntes Kapitel.

383

© diese Lebensmittel „freisetzt“. Die einfache und keineswegs
ue Tatsache, daß die Maschinerie den Arbeiter von Lebens-Niteln
 freisetzt, lautet also ökonomisch, daß die Maschinerie Lebens-Nittel
 für den Arbeiter freisetzt oder in Kapital zu seiner Anwendung
erwandelt. Man sieht, es kommt alles auf die Ausdrucksweise an.
‘minibus mollire licet mala. [Man darf das Unheil durch bethönigende
 Worte milder erscheinen lassen.]
Nach dieser Theorie waren die Lebensmittel zum Wert von
500 Pfd. Sterl. ein durch die Arbeit der 50 entlassenen Tapetenybeiter
 verwertetes Kapital. Dies Kapital verliert folglich seine
eschäftigung, sobald die 50 arbeitslos werden, und hat nicht Ruhe
‚och Rast, bis es eine neue „Anlage“ gefunden, worin besagte 50
® wieder produktiv konsumieren können. Früher oder später
use also Kapital und Arbeit sich wieder zusammenfinden, und
ann wird die Kompensation da sein. Die Leiden der durch die
Vaschinerie verdrängten Arbeiter sind also ebenso vergänglich wie
6 Güter dieser Welt.
„Die Lebensmittel zum Betrage von 1500 Pfd. Sterl. standen den
u assenen Arbeitern niemals als Kapital gegenüber. Was ihnen
vv. Kapital gegenüberstand, waren die jetzt in Maschinerie ver-Vandelten
 1500 Pfd. Sterl. Näher betrachtet repräsentierten diese
eo Pfd. Sterl. nur einen Teil der vermittels der entlassenen
X Arbeiter jährlich produzierten Tapeten, die sie in Geldform statt
yar scura [in Produkten] von ihrem Anwender zum Lohn erhielten.
x den in 1500 Pfd. Sterl. verwandelten Tapeten kauften sie Lebenszu
 demselben Betrag. Diese existierten für sie daher nicht
X Kapital, sondern als Waren, und sie selbst existierten für diese
dan nicht als Lohnarbeiter, sondern als Käufer. Der Umstand,
x die Maschinerie sie von Kaufmitteln „freigesetzt“ hat, verdelt
 sie aus Käufern in Nichtkäufer. Daher verminderte Nachage
 für jene Waren. Das ist alles.
Na Wird diese verminderte Nachfrage nicht durch vermehrte
Yantrage von anderer Seite wetitgemacht, so sinkt der
3 *ktpreis der weniger begehrien Waren. Ist das vielleicht ein
Kane das in der Produktion jener Lebensmittel. angewandte
an zu veranlassen, daß es die arbeitslos gewordenen Tapetenpeter
 beschäftigt? Im Gegenteil, dauert das Sinken jener Preise
nl Zeit, so wird man dazu übergehen, die Löhne der Arbeiter
y zusetzen, die in der Produktion jener Waren beschäftigt sind.
dan der Ausfall im Absatz der notwendigen Lebensmittel ein
Ka Srnder, dann wird ein Teil des ihrer Produktion gewidmeten
in sich zurückziehen und anderswo €ine Anlage suchen.
Ka rend des Fallens der Marktpreise und des Platzwechsels von
ie werden auch die in der Produktion der notwendigen Lebensim
 beschäftigten Arbeiter von einem Teil ihres Lohnes „frei-Betz
 zt‘‘. Statt also zu beweisen, daß die Maschinerie durch die Freiung
 der Arbeiter von Lebensmitteln letztere gleichzeitig in
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        384

Vierter Abschnif

Kapital zur Anwendung der ersteren verwandelt, beweist der He
Apologet [der Herr Verteidiger des Kapitals] mit dem nie versagel
den Gesetz von Nachfrage und Zufuhr umgekehrt, daß die Masch}
nerie nicht nur in dem Produktionszweig, worin sie eingeführt, 50!
dern auch in den Produktionszweigen, worin sie nicht eingeführ
wird, Arbeiter aufs Pflaster wirft.
Die wirklichen, vom ökonomischen Optimismus verdrehten Tal
sachen sind diese: Die von der Maschinerie verdrängten Arbeit?
werden aus der Werkstatt hinaus auf den Arbeitsmarkt geworfe
und vermehren dort die Zahl der schon für kapitalistische Aus
beutung bereitstehenden Arbeitskräfte. Im siebten Abschnitt wir‘
sich zeigen, daß diese Wirkung der Maschinerie, die uns hier al
eine Kompensation für die Arbeiterklasse dargestellt wird, del
Arbeiter im Gegenteil als furchtbarste Geißel trifft. Hier nur dieß
Die aus einem Industriezweig hinausgeworfenen Arbeiter könn®
allerdings in irgendeinem andern Beschäftigung suchen. Finden N
solche, und knüpft sich damit das Band zwischen ihnen und den m
ihnen freigesetzten Lebensmitteln wieder, so geschieht dies durd
ein neues, zuschüssiges Kapital, das nach Anlage drängt, keineswe
aber durch das schon früher funktionierende und jetzt in Maschine!“
verwandelte Kapital.
Und selbst dann, wie geringe Aussicht haben sie! Verkrüpp®
durch die Teilung der Arbeit sind diese armen Teufel außerhal
ihres alten Arbeitskreises so wenig wert, daß sie nur in wenig?
niedrigen und wegen ihrer Einfachheit beständig überfüllten un
unterbezahlten Arbeitszweigen Zugang finden.?!$
Ferner zieht jeder Industriezweig, wie zum Beispiel die Tapet®
fabrikation, jährlich einen neuen Menschenstrom an sich, der ib}
sein Kontingent zum regelmäßigen Ersatz und Wachstum liefer
Sobald die Maschinerie einen Teil der bisher in einem bestimmt
Industriezweige beschäftigten Arbeiter freisetzt, wird auch die Ersal
mannschaft von dem Industriezweige, für den sie bestimmt war; ab
gelenkt und allmählich in andern Arbeitszweigen aufgenomm®
während die ursprünglichen Opfer in der Uebergangszeit großentel
verkommen und verkümmern. |
Es ist allerdings eine unzweifelhafte Tatsache, daß die Mi}
schinerie an sich nicht verantwortlich ist für die Leiden, die sie m

215 Ein Ricardianer bemerkt hierüber gegen die Abgeschmacktheil”
J. B. Says: „Bei entwickelter Teilung der Arbeit ist das Geschick des :)
beiters nur in dem besonderen Zweig anwendbar, in dem jenes Gesch! e
erworben wurde; sie selbst sind eine Art von Maschinen. Es hilft d
absolut nichts, papageimäßig zu plappern, daß die Dinge eine Tend ul
haben, ihre Ausgleichung zu finden. Wir müssen um uns schauen as
sehen, daß sie für lange Zeit ihre Ausgleichung nicht finden können; pr
wenn sie sie finden, das Niveau niedriger steht als beim Anfang des
zesses.“ („An Inquiry into those Principles respecting the Natur®
Demand ete. London 1821“, p. 72.)
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Dreizehntes Kapitel.

385

ach bringt. Es ist nicht ihre Schuld, wenn sie unter den heutigen
Verhältnissen den Arbeiter „freisetzt“ und von seinen Lebens-Mitteln
 trennt. Sie verwohlfeilert und vermehrt das Produkt in
dem Zweig, den sie ergreift, und läßt die in andern Industriezweigen
Produzierte Lebensmittelmasse zunächst unverändert, Nach wie vor
Ihrer Einführung besitzt die Gesellschaft also gleichviel oder mehr
Lebensmittel für die freigesetzten Arbeiter, ganz abgesehen von dem
ormen Teil des jährlichen Produkts, der von Nichtarbeitern ver-Zeudet
 wird. In der Auslegung dieser Tatsache glänzt am hellsten
der schönfärbende Geist der Oekonomen. Die von der kapitaüstischen
 Anwendung der Maschinerie untrennbaren Widersprüche
nd Gegensätze existieren nicht, weil sie nicht aus der Maschinerie
Selbst erwachsen, sondern aus ihrer kapitalistischen Anwendung!
Da also die Maschinerie an sich betrachtet die Arbeitszeit verkürzt,
Während sie kapitalistisch angewandt den Arbeitstag verlängert; an
Sich die Arbeit erleichtert, kapitalistisch angewandt ihre Intensität
Meigert; an sich ein Sieg des Menschen über die Naturkraft ist.
Capitalistisch angewandt den Menschen durch die Naturkraft unterlocht;
 an sich den Reichtum des Produzenten vermehrt, kapitalistisch
Wgewandt ihn verpaupert usw., erklärt der bürgerliche Oekonom
IUnfach, das Ansichbetrachten der Maschinerie beweise haarscharf,
daß alle jene handgreiflichen Widersprüche bloßer Schein der ge-Meinen
 Wirklichkeit, aber an sich, also auch in der Theorie gar
licht vorhanden sind. Er spart sich so alles weitere Kopfzerbrechen
nd bürdet seinem Gegner obendrein die Dummheit auf, nicht die
Capitalistische Anwendung der Maschinerie zu bekämpfen, sondern
ie Maschinerie selbst.
_ Keineswegs leugnet der bürgerliche Oekonom, daß dabei auch
itweilige Unannehmlichkeiten herauskommen; aber wo gäbe es
Sine Medaille ohne Kehrseite! Und eine andere als die kapitalistische
Ausnutzung der Maschinerie ist für ihn unmöglich. Ausbeutung des
Arbeiters durch die Maschine ist ihm gleichbedeutend mit Ausdeutung
 der Maschine durch den Arbeiter. Wer also enthüllt, wie
nn um die kapitalistische Anwendung der Maschinerie in Wirkükeit
 bestellt ist, der will ihre Anwendung überhaupt nicht, der
T ein Gegner des sozialen Fortschritts jıs Ganz das Räsonnement
u berühmten Gurgelschneiders Bill Sykes: „Meine Herren Ge-“hworenen.
 diesem Handlungsreisenden ist allerdings die Gurgel

216 Ein Virtuose in diesem anmaßlichen Kretinismus ist unter andern
MacCulloch, „Wenn es vorteilhaft ist,“ sagt er zum Beispiel mit der
süektierten Naivität eines Kindes von 8 Jahren, „das Geschick des Ar-Siters
 mehr und mehr zu entwickeln, so daß er fähig wird, ein stets
Vächsendes Warenquantum mit demselben oder geringerem Arbeils-Wantum
 zu produzieren, so muß es auch vorteilhaft sein, daß er sich
wicher Maschinerie zu seinem Beistande bediene, die ihn am wirkposten
 in der Erreichung dieses Resultats unterstützt.“ (MacCulloch:
*“Yneiples of Political Economy. London 1830“, p. 166.)
Das Kanital. 1.

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        386

Vierter Abschnitt

abgeschnitten worden. Diese Tatsache aber ist nicht meine Schuld:
sie ist die Schuld des Messers. Sollen wir wegen solcher zeit
weiligen Unannehmlichkeiten den Gebrauch des Messers abschaffen?
Bedenken Sie ja! Wo wäre Ackerbau und Handwerk ohne Messer?
Ist es nicht ebenso heilbringend in der Chirurgie wie gelehrt
der Anatomie? Dazu williger Gehilfe bei fröhlichem Mahl?
Schaffen Sie das Messer ab — Sie schleudern uns zurück in die
tiefste Barbarei.‘“ 216
Obwohl die Maschinerie notwendig Arbeiter verdrängt in de
Arbeitszweigen, wo sie eingeführt wird, so kann sie dennoch ein®
Zunahme von Beschäftigung in andern Arbeitszweigen hervorrufel
Diese Wirkung hat aber nichts gemein mit der sogenannten Kom
pensationstheorie.
Da jedes Maschinenprodukt, zum Beispiel eine Elle Maschine?
gewebe, wohlfeiler ist als das von ihm verdrängte gleichartig‘
Handprodukt, folgt offenbar als absolutes Gesetz: Bleibt d#
Gesamtquantum des maschinenmäßig produzierten Artikels gleich
dem Gesamtquantum des von ihm ersetzten handwerks- ode!
manufakturmäßig produzierten Artikels, so vermindert sich dit
Gesamtsumme der angewandten Arbeit. Die etwa zur Produktio?
der Arbeitsmittel selbst, der Maschinerie, Kohle usw., erheischt®
Arbeitszunahme muß kleiner sein als die durch Anwendung de
Maschinerie bewirkte Arbeitsabnahme. Das Maschinenprodukt wär“
sonst ebenso teuer oder teurer als das Handprodukt. Statt ab®
gleichzubleiben, wächst tatsächlich die Gesamtmasse des von eine!
verminderten Arbeiteranzahl produzierten Maschinenartikels weil
über die Gesamtmasse des verdrängten Handwerksartikels. Gesetz!
400.000 Ellen Maschinengewebe würden von weniger Arbeiter?
produziert als 100000 Ellen Handgewebe. In dem vervierfacht®
Produkt steckt viermal mehr Rohmaterial, etwa Wolle. Die Pr"
duktion des Rohmaterials muß also vervierfacht werden. W#*
aber die verzehrten Arbeitsmittel, wie Baulichkeiten, Kohle?
Maschinen usw., betrifit, so ändert sich die Grenze, innerhalb dere
die zu ihrer Produktion erheischte zusätzliche Arbeit wachsen kan®
mit der Differenz zwischen der Masse des Maschinenprodukts und
der Masse des von derselben Arbeiterzahl herstellbaren Hand
produkts.

Mit der Ausdehnung des Maschinenbetriebes in einem Industrie
zweig steigert sich also zunächst die Produktion in den ander!
Zweigen, die ihm seine Produktionsmittel liefern. Wie weit d#
durch die beschäftigte Arbeitermasse wächst, hängt, Länge d*
Arbeitstages und Intensität der Arbeit gegeben, von der Zusamme?

2162 „Der Erfinder der Spinnmaschine hat Indien ruiniert, was u
indes wenig rührt.“ (A. Thiers: „De la Propriete, Paris 1848.“) Der 8
Staatsmann verwechselt hier die Spinnmaschine mit dem mechanischen we
stuhl, „was uns indes wenig rührt“.
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Dreizehntes Kapitel.

387

setzung der verwandten Kapitale ab, das heißt vom Verhältnis ihrer
konstanten und variablen Bestandteile. Dies Verhältnis seinerseits
Wechselt sehr mit dem Umfang, worin die Maschinerie jene Gewerbe
selbst schon ergriffen hat oder ergreift. Die Anzahl zu Kohlenr
Md Metallbergwerken verurteilter Menschen schwoll ungeheuer mit
dem Fortschritt des englischen Maschinenwesens, obgleich ihr An-Wachs
 in den letzten Jahrzehnten durch Gebrauch neuer Maschinerie
für den Bergbau verlangsamt wird.”” Eine neue Arbeiterart springt
Mit der Maschine ins Leben, ihr Produzent. Wir wissen bereits,
laß der Maschinenbetrieb sich dieses Produktionszweiges selbst auf
lets massenhafterer Stufenleiter bemächtigt.?® Was ferner das
Rohmaterial betrifft,?* so unterliegt es zum Beispiel keinem
Zweifel, daß der Sturmmarsch der Baumwollspinnerei den Baum-Wollbau
 der Vereinigten Staaten und mit ihm nicht nur den
Mrikanischen Sklavenhandel treibhausmäßig förderte, sondern zu-Sleich
 die Negerzucht zum Haupigeschäft der sogenannten Grenz-Sklavenstaaten
 machte. Als 1790 der erste Sklavenzensus in den
V ereinigten Staaten aufgenommen ward, betrug ihre Zahl 697 000,
lagegen 1861 ungefähr 4 Millionen. Anderseits ist es nicht minder
Sewiß, daß das Aufblühen der mechanischen Wollfabrik mit der
Örtschreitenden Verwandlung von Ackerland in Schafweide die
Massenhafte Verjagung und „Ueberzähligmachung“ der Landarbeiter
ervorrief. Irland macht noch in diesem Augenblick den Prozeß
Turch, seine seit 1845 beinahe um die Hälfte verminderte Bevölke-"üng
 noch weiter auf das dem Bedürfnis seiner Landlords und der
glischen Herren Wollfabrikanten exakt entsprechende Maß herab-‘drücken.

Ergreift die Maschinerie Vor- oder Zwischenstufen, welche ein
Arbeitsgegenstand bis zu seiner letzten Form zu durchlaufen hat,
% vermehrt sich mit dem Arbeitsmaterial die Arbeitsnachfrage in
den noch handwerks- oder manufakturmäßig betriebenen Gewerken,
Worin das Maschinenfabrikat eingeht. Die Maschinenspinnerei zum

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217 Nach dem Zensus von 1861 (London 1863, Bd. 11) betrug die Zahl
i in den Kohlenbergwerken von England und Wales beschäftigten Ara
 ler 246 618, wovon 73546 unter und 173067 über 20 Jahre. Zur ersten
ja ik gehören 835 fünf- bis zehnjährige, 830701 zehn- bis fünfzehnjährige,
N 910 fünfzehn- bis neunzehnjährige. Die Zahl der in Eisen-, Kupfer-.
1, Zinn- und allen andern Metallminen Beschäftigten 319 222. a
28 In England und Wales 1861 in der Produktion von Maschinerie be-"häftigt
 60807 Personen, eingezählt die Fabrikanten samt ihren
Sommis usw., ditto alle Agenten und Handelsleute in diesem Fach. Aus-SeSchlossen
 dagegen die Produzenten kleinerer Maschinen, wie Nähmaschinen
 usw... ebenso die Produzenten der Werkzeuge für die Arbeits-"aschinen,
 wie Spindeln usw. Zahl sämtlicher Zivilingenieure betrug 3329.
1 219 Da Eisen einer der wichtigsten Rohstoffe, so sei hier bemerkt, daß
el in England und Wales 125 771 Eisengießer, wovon 123 430 männlich,
41 weiblich. Von den ersteren 30810 unter und 92 620 über. 20 Jahre..
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        Vierter Abschnitt
Beispiel lieferte das Garn so wohlfeil und so reichlich, daß die Handweber
 zunächst, ohne vermehrte Auslage, volle Zeit arbeiten konnte?
So stieg ihr Einkommen.?® Daher Menschenzufluß in die Baul”
wollweberei, bis schließlich die von Jenny, Throstle und Mule 2
England zum Beispiel ins Leben gerufenen 800 000 Baumwollwebe
wieder vom Dampfwebstuhl erschlagen wurden. So wächst mit del
UVeberfluß der maschinenmäßig produzierten Kleidungsstoffe die
Zahl der Schneider, Kleidermacherinnen, Näherinnen usw., bis die
Nähmaschine erscheint.

383

Entsprechend der steigenden Masse von Rohstoffen, Halbfabrikaten,
 Arbeitsinstrumenten usw., die der Maschinenbetrieb mil
relativ geringer Arbeiterzahl liefert, sondern sich die Bearbeitung
dieser Rohstoffe und Halbfabrikate in zahllose Unterarten, wächs!
also die Mannigfaltigkeit der gesellschaftlichen Produktionszweig®
Der Maschinenbetrieb treibt die gesellschaftliche Teilung d®
Arbeit ungleich weiter als die Manufaktur, weil er die Produkti"
kraft der von ihm ergriffenen Gewerbe in ungleich höherem Grad
vermehrt.

Das nächste Resultat der Maschinerie ist, den Mehrwert und
zugleich die Produktenmasse, worin er sich darstellt, also mit d®
Substanz, wovon die Kapitalistenklasse samt Anhang zehrt, dies®
Gesellschaftsschichten selbst zu vergrößern. Ihr wachsender Reich
tum und die relativ beständig fallende Anzahl der zur Produktie®
der ersten Lebensmittel erheischten Arbeiter erzeugen mit neue”
Luxusbedürfnis zugleich neue Mittel seiner Befriedigung. Ei
größerer Teil des gesellschaftlichen Produkts verwandelt sich m
Surplusprodukt [in überschüssiges Produkt] und ein größerer Teil
des Surplusprodukts wird in verfeinerten und vermannigfachte”
Formen reproduziert und verzehrt. In andern Worten: Die Luxu®
produktion wächst.?1 Die Verfeinerung und Vermannigfachung d*
Produkte entspringt ebenso aus den neuen weltmarktlichen Be
ziehungen, welche die große Industrie schafft. Es werden nich
nur mehr ausländische Genußmittel gegen das heimische Produk
ausgetauscht, sondern es geht auch eine größere Masse fremd?
Rohstoffe, Ingredienzien, Halbfabrikate usw. als Produktionsmitf®

220 ‚Eine Familie von 4 erwachsenen Personen (Baumwollwebern)
2 Kindern als Winders [Haspler] gewann Ende des letzten und Antang d el
gegenwärtigen Jahrhunderts 4 Pfd. Sterl. pro Woche bei zehnstündig
Tagesarbeit; war die Arbeit sehr dringend, so konnten sie mehr verdienen- %
Früher halten sie immer gelitten unter mangelnder Garnzufuhr.“ (Gaske ;
„The Manufacturing Population of England. London 1833“, p. 25—27.)
221 F. Engels in „Lage der arbeitenden Klasse in England“ weist re
jämmerlichen Zustand eines großen Teiles gerade dieser Luxusarbeiter naC
Massenhafte neue Belege hierzu in den Berichten der „Children’s Empl7
ment Commission“.
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3 die heimische Industrie ein. Mit diesen weltmarktlichen Belehungen
 steigt die Arbeitsnachfrage in der Transportindustrie und
Paltet sich letztere in zahlreiche neue Unterarten.??*
Die Vermehrung von Produktions- und Lebensmitteln bei relativ
ibnehmender Arbeiterzahl treibt zur Ausdehnung der Arbeit in
Industriezweigen, deren Produkte, wie Kanäle, Warendocks, Tunnels,
Brücken usw., nur in ferner Zukunft Früchte tragen. Es bilden sich,
weder direkt auf der Grundlage der Maschinerie, oder doch der
Ir entsprechenden allgemeinen industriellen Umwälzung, ganz
leue Produktionszweige und daher neue Arbeitsfelder. Ihr Raum-Wieil
 an der Gesamtproduktion ist jedoch selbst in den meist entp.ckelten
 Ländern keineswegs bedeutend. Die Anzahl der von ihnen
Sschäftigten Arbeiter steigt im direkten Verhältnis, worin die Not-Vendigkeit
 rohester Handarbeit reproduziert wird. Als Hauptpeustrien
 dieser Art kann man gegenwärtig Gaswerke, Telegraphie,
7 otographie, Dampfschiffahrt und Eisenbahnwesen betrachten. Der
©hsus von 1861 (für England und Wales) ergibt in der Gasindustrie
(Gaswerke, Produktion der mechanischen Apparate, Agenten der
Yäskompanien usw.) 15211 Personen, Telegraphie 2399, Photo-Saphie
 2366, Dampfschiffsdienst 3570 und Eisenbahnen 70 599,
Vorunter ungefähr 28000 mehr oder minder dauernd beschäftigte
Angeschickte“ Erdarbeiter nebst dem ganzen administrativen und
emerziellen Personal. Also Gesamtzahl der Individuen in diesen
N neuen Industrien 94145. ;
N Endlich erlaubt die außerordentlich erhöhte Produktivkraft in
N Sphären der großen Industrie, begleitet, wie sie ist, von intensiv
übe extensiv gesteigerter Ausbeutung der Arbeitskraft in allen
X Tigen Produktionssphären, einen stets größeren Teil der Arbeiterun
 unproduktiv zu verwenden und so namentlich die alten Haus-Mas
 ven unter dem Namen der „dienenden Klasse“, wie Bediente,
3,.&amp;amp;de, Lakaien usw., stets massenhafter zu reproduzieren. Nach
7 Zensus von 1861 zählte die Gesamtbevölkerung von England
08 Wales 20066224 Personen, wovon 9776259 männlich und
zu 289 965 weiblich. Zieht man hiervon ab, was zu alt oder zu jung
Ki Arbeit, alle „unproduktiven“ Weiber, jungen Personen und
der, dann die „ideologischen“ Stände, wie Regierung, Pfaffen.
den sten, Militär usw., ferner alle, deren ausschließliches Geschäft
tod Verzehr {remder Arbeit in der Form von Grundrente, Zins usw.,
N lich Paupers, Vagabunden, Verbrecher uswW., 80 bleiben ungefähr
uf Wlionen beiderlei Geschlechts und der verschiedensten Alters-E
 ®n, mit Einschluß sämtlicher irgendwie in der Produktion, dem
g del, der Finanz usw. funktionierenden Kapitalisten, Von diesen
Millionen kommen auf:

Seelen 1861 in England und Wales 94 665 in der Handelsmarine beschäftigte
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        <pb n="435" />
        390

Vierter Abschnitt

Ackerbauarbeiter (mit Einschluß der Hirten und bei
Pächtern wohnenden Ackerknechte und Mägde).....
Alle in Baumwoll-, Woll-, Worsted-, Flachs-, Hanf-, Seide-,
Jutefabriken und in der mechanischen Strumpfwirkerei
und Spitzenfabrikation Beschäftigten............ -..
Alle in Kohlen- und Metallbergwerken Beschäftigten...
In sämtlichen Metallwerken (Hochöfen, Walzwerke usw.)
und Metallmanufakturen aller Art Beschäftigten..... 396908? „
Dienende Klasse.......... 2..00044 12086482®
Rechnen wir die in allen Textilfabriken Beschäftigten zusammeb
mit dem Personal der Kohlen- und Metallbergwerke, so erhalte?
wir 1208442; rechnen wir sie zusammen mit dem Personal aller
Metallwerke und Metallmanufakturen, so die Gesamtzahl 1 039 60,
beidemal kleiner als die Zahl der modernen Haussklaven. Welch
erhebendes Resultat der kapitalistisch angewandten Maschinerie!
7. Abstoßung und Anziehung von Arbeitern mit Entwicklung des
Maschinenbetriebes. Krisen der Baumwollindustrie.
Alle zurechnungsfähigen Repräsentanten der politischen Oek9
nomie geben zu, daß neue Einführung der Maschinerie pestart!£
228 Davon nur 177 596 männlichen Geschlechts über 13 Jahre.
224 Davon weiblichen Geschlechts 30 501.
225 Davon männlichen Geschlechts 137447. Ausgeschlossen von de?
1208 648 alles Personal, das nicht in Privathäusern dient.
Zusatz zur 2. Ausgabe. Von 1861 bis 1870 hat sich die Zahl männlich?
Diener beinahe verdoppelt. Sie war angewachsen auf 267 671. Im Jahr
1847 gab es 2694 Wildhüter (für die aristokratischen Wildgehege), 186
dagegen 4921. — Die jungen, beim Londoner kleinen Spießbürger dienend®
Mädchen heißen in der Volkssprache „little slaveys‘“, kleine Sklaven. [P
Marx” Handexemplar der 1. Auflage findet sich folgendes Zitat aus de?
„Evening Star“ vom 11. September 1868 eingetragen: „Die Art, wie ganz jung‘
Dienstmädchen überarbeitet werden, ist eine Schande für ihre Herrinn®&amp;amp;
Zufällig kenne ich viele dieser „Sklavinnen‘“, wie manche Leute sie nenne
und ich bemitleide sie von ganzem Herzen. Sie müssen zeitlich ‚aufsteb®
und bis in die Nacht hinein aufbleiben. Sie schlafen in Kellerräumen ®
Ungeziefer oder in kalten Dachkammern mit den Ratten zusammen. Sie
jeben von Abfällen. Sie werden gescholten und beschimpft, von rohe
Haussöhnen verfolgt und von 4 oder 5 Kindern gequält; sie werden 9
Regen nach Bier geschickt, manchmal von ihrer erzürnten Herrin ge
schlagen; wochenlang wird ihnen nicht erlaubt, die Kirche zu besuche?”
zie werden elend bezahlt, und werden sie krank, so schickt man sie ZU de
Ihrigen, wenn sie welche haben, sonst nach dem Spital oder ins Arme
haus. Kein Wunder, daß sie vor anständiger Arbeit geradezu Ekel U” {
Abscheu bekommen und sich entschließen, „zum Teufel zu gehen“, und rn
sie, diese armen kleinen Sklavinnen, das auch mit Vorliebe tun. Wie hal
ich sie weinen gesehen, wenn sie mir von ihren Leiden, den Schlägen, de j
Hunger, der Kälte erzählten, wie sie aus ihrem „Platz“ gejagt wurde?
sobald sie krank wurden, wie sie dann vom Verkauf ihrer Kleider Jebt®%
und wie sie schließlich, wenn alles dahin war, in den Schmutz sanken be
seither immer tiefer sinken. Und leider gibt es nur wenige, die Mitle
mit ihnen haben.“ K.]

1 098 261 Persone
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Dreizehutes Kapitel].

391

Wirkt auf die Arbeiter in den überlieferten Handwerken und Manulakturen,
 womit sie zunächst konkurriert. Fast alle beächzen die
Sklaverei des Fabrikarbeiters. Und was ist der große Trumpf, den
Ale ausspielen? Daß die Maschinerie, nach den Schrecken ihrer
Mnführungs- und Entwicklungsperiode, die Arbeitssklaven in letzter
Iustanz vermehrt, statt sie schließlich zu vermindern! Ja, die poli-Ische
 Oekonomie jubelt sich aus in dem abscheulichen Theorem,
%scheulich für jeden „Philanthropen‘“, der an die ewige Naturiwendigkeit
 der kapitalistischen Produktionsweise glaubt, daß
Selbst die bereits auf Maschinenbetrieb begründete Fabrik, nach
bestimmter Periode des Wachstums, nach kürzerer oder längerer
„Uebergangszeit“ mehr Arbeiter abplackt, als sie ursprünglich aufs
"üaster warf.
Ganilh macht eine Ausnahme. Er betrachtet als Schlußresultat
des Maschinenbetriebes absolut verminderte Anzahl der Arbeitslaven,
 auf deren Kosten dann eine vermehrte Anzahl der „gens
nGtes‘“ [der „anständigen Leute‘“] zehrt und ihre bekannte „perjr
 übilite perfectible“ [„vervollkommnungsfähige Vervollkommnungs-Ahigkeit‘]
 entwickelt, die Fourier so beißend verhöhnte. So wenig
qeRülh die Bewegung der Produktion versteht, fühlt er wenigstens,
I die Maschinerie eine sehr verhängnisvolle Einrichtung, wenn
we Einführung beschäftigte Arbeiter in Paupers verwandelt, wähhd
 ihre Entwicklung mehr Arbeitssklaven ins Leben ruft, als sie
m. Magen hat. Den Kretinismus seines eigenen Standpunktes kann
dar nur in seinen eigenen Worten ausdrücken: „Die Klassen, die
8 ZU verurteilt sind, zu produzieren und zu konsumieren, vermindern
ch, und die Klassen, welche die Arbeit leiten, welche‘ der
Setzen Bevölkerung helfen, sie trösten und aufklären, vervielfältigen
On ... und machen sich alle Vorteile zu eigen, die von der Verae
 derung der Arbeitskosten, von der Fülle der Warenvorräte und
Rn billigen Preis der Konsumartikel herrühren. Im Verfolg dieser
Seh ung erhebt sich das Menschengeschlecht zu den höchsten
4 Öpfungen des Genies, es dringt ein in die geheimnisvollen Tiefen
Mo, Religion, es bringt zur Geltung die heilsamen Grundsätze der
au (die darin besteht, „sich alle Vorteile zu eigen zu machen
Kin ), die Gesetze zum Schutze der Freiheit (der Freiheit für die
G Ssen, die verurteilt sind, zu produzieren?) und der Macht, des
KL tOTSamS und der Gerechtigkeit, der Pflicht und der Menschlich-.

 Zwar zeigte sich schon an einigen Beispielen, zum Beispiel den
a eüschen Worsted- und Seidenfabriken, daß auf einem gewissen
Alwicklungsgrad außerordentliche Ausdehnung von Fabrikzweigen
Mit nicht nur relativer, sondern absoluter Abnahme der angewandten

nn
‚226 Dies Kauderwelsch in M. Ch. Ganilh: „Des Systömes d’Economie
POlitique ete. 9&amp;amp;me 6d. Paris 1821“. vol. IL, p. 224. Vgl. ebenda, S. 212.
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        592
Arbeiteranzahl verbunden sein kann. Im Jahre 1860, als ein Spezis}
zensus aller Fabriken des Vereinigten Königreiches auf Befehl d®
Parlaments aufgenommen ward, zählte die dem Fabrikinspekt®
R. Baker zugewiesene Abteilung der Fabrikdistrikte von Lancashir®
Cheshire und Yorkshire 652 Fabriken; von diesen enthielten 570
Dampfwebstühle 85622, Spindeln (mit Ausschluß der Dublier
spindeln) 6819146, Pferdekräfte in Dampfmaschinen 27 439, m
Wasserrädern 1390, beschäftigte Personen 94119. Im Jahre 1860
dagegen enthielten dieselben Fabriken: Webstühle 95 168, Spindel?
7025 081, Pferdekräfte in Dampfmaschinen 28 925, in Wasserräde
1445, beschäftigte Personen 88 913. Von 1860 bis 1865 betrug als®
die Zunahme dieser Fabriken an Dampfwebstühlen 11 pZt., aD
Spindeln 3 pZt., an Dampfpferdekräften 5 pZt., während gleichzeit®
die Zahl der beschäftigten Personen um 5,5 pZt. abnahm.??? Zwische?
1852 und 1862 fand beträchtliches Wachstum der englischen wol
fabrikation statt, während die Zahl der angewandten Arbeiter b®
nahe stationär blieb. „Dies zeigt, in wie großem Maße neu €?
geführte Maschinerie die Arbeit vorhergehender Perioden verdräng!
hatte.‘ In manchen Fällen ist die Zunahme der beschäftigt”
Fabrikarbeiter oft nur scheinbar, das heißt nicht der Ausdehnulf
der bereits auf Maschinenbetrieb beruhenden Fabrik geschuld®
sondern der allmählichen Angliederung von Nebenzweigen. Zu
Beispiel „die Zunahme der mechanischen Webstühle und der dur)
sie beschäftigten Fabrikarbeiter von 1838 bis 1858 war in de)
(britischen) Baumwollfabrikation einfach der Ausdehnung dieses Ge
schäftszweiges geschuldet; in den andern Fabriken dagegen de!
Neuanwendung von Dampfkraft auf den Teppich-, Band-, Leine?
webstuhl usw., die vorher durch menschliche Muskelkraft getriebe
wurden“.?® Die Zunahme dieser Fabrikarbeiter war also nur de
Ausdruck einer Abnahme in der Gesamtzahl der beschäftigten Ar
beiter. Es wird hier endlich ganz davon abgesehen, daß überall

Vierter Abschuif!

227 „Reports of Insp. of Fact. for 831st October 1865“, p. 58 ff. Gleich
zeitig war aber auch schon die materielle Grundlage für Beschäftigung ein {
wachsenden Arbeiterzahl gegeben in 110 neuen Fabriken mit 11 625 DamP %
webstühlen, 628756 Spindeln, 2695 Dampf- und Wasser-Pferdekräft®
(Ebenda.)
228 „Reports etc. for 31st October 1862“, p. 79. {ol
Zusatz zur 2, Ausgabe. Ende Dezember 1871 sagte Fabrikinspek vr
A. Redgrave in einem Vortrag, gehalten zu Bradford, in der „New Mechar? }
Institution‘: „Was mir seit einiger Zeit aufgefallen ist, das war das Te
änderte Aussehen der Wollfabriken. Früher waren sie mit Weibern vr
Kindern gefüllt, jetzt scheint die Maschinerie alle Arbeit zu tun. Auf %
frage gab mir ein Fabrikant folgenden Aufschluß: Unter dem alten Syn
beschäftigte ich 63 Personen; nach Einführung verbesserter Masching),
reduzierte ich meine Hände auf 833, und jüngst, infolge neuer großer
änderungen, war ich imstande, sie von 33 auf 13 zu reduzieren.“
229 „Reports ete. for 31st October 1856“, p. 16.
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Dreizehntes Kapitel.

393

lit Ausnahme der Metallfabriken, jugendliche Arbeiter ‚(unter
8 Jahren), Weiber und Kinder das weit vorwiegende Element des
“abrikpersonals bilden.
Man begreift jedoch, trotz der vom Maschinenbetrieb tatsächlich
’erdrängten und virtuell [in ihrer Wirkung] ersetzten Arbeitermasse,
Vie mit seinem eigenen Wachstum, ausgedrückt in vermehrter An-'ahl
 von Fabriken derselben Art oder den erweiterten Dimensionen
‘Orhandener Fabriken, die Fabrikarbeiter schließlich zahlreicher sein
können als die von ihnen verdrängten Manufakturarbeiter oder
Handwerker. Das wöchentlich angewandte Kapital von 500 Pfd.
Sterl. bestehe zum Beispiel in der alten Betriebsweise aus */, konantem
 und %/, variablem Bestandteil, das heißt 200 Pfd. Sterl. seien
V Produktionsmitteln ausgelegt, 300 Pfd. Sterl. in Arbeitskraft, sage
Pfad, Sterl. pro Arbeiter. Mit dem Maschinenbetrieb verwandelt
pen die Zusammensetzung des Gesamtkapitals. Es zerfällt jetzt zum
Spiel in */, konstanten und ı/. variablen Bestandteil, oder es werin
 nur noch 100 Pfad. Sterl..in Arbeitskraft ausgelegt. %/, der früher
pchäftigten Arbeiter werden also entlassen. Dehnt sich dieser
we Drikbetrieb aus und wächst bei sonst gleichbleibenden Produk-Onsbedingungen
 das angewandte Gesamtkapital von 500 Pfd. Sterl.
auf 1500 Pfa. Sterl., so werden jetzt 300 Arbeiter beschäftigt, soviel
Me vor der industriellen Revolution. Wächst das angewandte Kapital
Weiter auf 2000 Pfd. Sterl., so werden 400 Arbeiter beschäftigt, also
h Mehr als mit der alten Betriebsweise. Absolut ist die angewandte
„„oeiterzahl um 100 gestiegen, relativ, das heißt im Verhältnis zum
ga eschossenen Gesamtkapital, ist sie um 800 gefallen, denn das
ya Pital von 2000 Pfd. Sterl. hätte in der alten Betriebsweise 1200
A 400 Arbeiter beschäftigt. Relative Abnahme der beschäftigten
A'beiterzahl verträgt sich also mit ihrer absoluten Zunahme,
® Es wurde oben angenommen, daß mit dem Wachstum des Gedie
 Kapitals seine Zusammensetzung die gleiche bleibt, weil sich
daß Produktionsbedingungen nicht ändern. Man weiß aber bereits,
M mit jedem Fortschritt des Maschinenwesens der konstante, aus
rer chinerie, Rohmaterial usw. bestehende Kapitalteil wächst, wäh-Or
 ‚der variable, in Arbeitskraft ausgelegte, fällt, und man weiß
mich, daß in keiner andern Betriebsweise die Verbesserungen so
Gesnterbrochen vor sich gehen, daher die Zusammensetzung des
ab. mtkapitals so veränderlich ist. Dieser beständige Wechsel ist
Qu ebenso beständig unterbrochen durch Ruhepunkte und bloß
nit lative Ausdehnung auf gegebener technischer Grundlage. Da-An
 Wächst die Anzahl der beschäftigten Arbeiter. So betrug die
Se der Arbeiter in den Baumwoll-, Woll-, Worsted-, Flachs- und
ten, enfabriken des Vereinigten Königreichs 1885 nur 354 684, wähnn
 el 1861 allein die Zahl der Dampifweber (beiderlei Geschlechts
bet der verschiedensten Altersstufen vom 8, Jahre an) 230 654
dw Allerdings erscheint dies Wachstum minder groß, wenn man
ägt, daß die britischen Handbaumwollweber mit den von ihnen
        <pb n="439" />
        394

Vierter Abschnitt

selbst beschäftigten Familien 1838 noch 800 000 zählten,*° ganz abgesehen
 von den in Asien und auf dem europäischen Kontinent ver
drängten.
In den wenigen Bemerkungen, die über diesen Punkt noch
machen, berühren wir zum Teil rein tatsächlich Verhältnisse, wozl
unsere theoretische Darstellung selbst noch nicht geführt hat.
Solange sich der Maschinenbetrieb in einem Industriezweig auf
Kosten des überlieferten Handwerks oder der Manufaktur ausdehnt
sind seine Erfolge so sicher, wie etwa der Erfolg einer mit del
Zündnadelgewehr bewaffneten Armee gegen eine Armee von Boge”
schützen wäre. Diese erste Periode, worin die Maschine erst ihre?
Wirkungskreis erobert, ist entscheidend wichtig wegen der außer
ordentlichen Profite, die sie produzieren hilft. Diese bilden nich!
nur an und für sich eine Quelle beschleunigter Akkumulation [Ar
häufung von Kapital], sondern ziehen großen Teil des beständi#
neu gebildeten und nach neuer Anlage drängenden gesellschaft
lichen Zusatzkapitals in die begünstigte Produktionssphäre. Die b®
sonderen Vorteile der ersten Sturm- und Drangperiode wiederhole
sich beständig in den Produktionszweigen, worin die Maschinen!‘
neu eingeführt wird. Sobald aber das Fabrikwesen eine gewiss
Breite des Daseins und bestimmten Reifegrad gewonnen hat, sobal‘
namentlich seine eigene technische Grundlage, die Maschiner!®
selbst wieder durch Maschinen produziert wird, sobald Kohlen- un
Eisengewinnung, wie die Verarbeitung der‘ Metalle und das Tranß
portwesen revolutioniert, überhaupt die der großen Industrie ent
sprechenden allgemeinen Produktionsbedingungen hergestellt sind
erwirbt diese Betriebsweise eine Elastizität, eine plötzliche, sprun$
weise Ausdehnungsfähigkeit, die nur an dem Rohmaterial und des
Absatzmarkt Schranken findet. Die Maschinerie bewirkt einerseil
direkte Vermehrung des Rohmaterials, wie zum Beispiel der CottoP
gin die Baumwollproduktion vermehrte.*! Anderseits sind wohl
feilheit des Maschinenprodukts und das umgewälzte Transport- up
Kommunikationswesen Waffen zur Eroberung fremder Märkt®
Durch den Ruin ihres handwerksmäßigen Produkts verwandelt de)
Maschinenbetrieb sie zwangsweise in Produktionsfelder seines Rob
materials. So wurde Ostindien zur Produktion von Baumwoll®

220 „Die Leiden der Handweber (von Baumwolle und mit Baumwoll‘
gemischten Stoffen) waren Gegenstand der Untersuchung durch eine König
liche Kommission, aber obgleich ihr Elend anerkannt und bejammert wurd®
überließ man die Verbesserung (!) ihrer Lage dem Zufall und dem wecht
der Zeit, und man darf hoffen, daß diese Leiden jetzt (20 Jahre späte
beinahe (nearly) erloschen sind, wozu die jetzige große Ausdehnung gli
Dampfwebstühle aller Wahrscheinlichkeit nach beigetragen hat.“ („ReP?
of Insp. of Fact, for 831st October 1856“, p. 15.) so
231. Andere Methoden, wodurch die Maschinerie auf die Produkt"
des Rohmaterials einwirkt, werden im dritten Buch erwähnt.
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Dreizehntes Kapitel.

395

Wolle, Hanf, Jute, Indigo usw. für Großbritannien gezwungen.”
Die beständige „Ueberzähligmachung“ der Arbeiter in den Ländern
ler großen Industrie befördert treibhausmäßige Auswanderung und
Kolonisation fremder Länder, die sich in Pflanzstätten für das Roh-Material
 des Mutterlandes verwandeln, wie Australien zum Beispiel
ü eine Pflanzstätte von Wolle.** Es wird eine neue, den Haupt-Ntzen
 des Maschinenbetriebes entsprechende internationale Teilung
ler Arbeit geschaffen, die einen Teil des Erdballs in vorzugsweise
Arikoles Produktionsfeld, den andern in vorzugsweise industrielles
Produktionsfeld umwandelt. Diese Revolution hängt zusammen mit
Umwälzungen in der Agrikultur, die hier noch nicht weiter zu ertern
 sind.?#*
Auf Antrieb des Herrn Gladstone verordnete. das Haus der Ge-Meinen
 am 17. Februar 1867 eine Statistik über sämtliche von 1831
bis 1866 in das Vereinigte Königreich eingeführte und ausgeführte
382 Baumwollausfuhr von Ostindien nach Großbritannien:
1846 34540143 Pfund 1860 204141168 Pfund 1865 445 947 600 Pfund
Wollausfuhr von Ostindien nach Großbritannien:
1846 4570581 Pfund 1860 202141738 Pfund 1865 20679 111 Pfund
Wollausfuhr vom Kap der guten Hoffnung nach Großbritannien:
1846 2958457 Pfund 1860 16574345 Pfund 1865 29920628 Pfund
Wollausfuhr von Australien nach Großbritannien:
1846 21789346 Pfund ‘ 1860 59166616 Pfund 1865 109 734 261 Pfund
Pr 24 Die ökonomische Entwicklung der Vereinigten Staaten ist selbst ein
bt der europäischen, besonders der englischen großen Industrie, In
Büro, jetzigen Gestalt (1867) müssen sie steis noch als Kolonialland von
Sie pa betrachtet werden. [Zur 4. Auflage bemerkt Engels: „Seitdem haben
Kolonien zum zweiten Industrieland der Welt entwickelt, ohne darum ihren
wiege, (charakter ganz eingebüßt zu haben. — Auch diese Note ist ‚schon
der er überholt. Die Vereinigten Staaten sind das erste Industrieland
lore Welt geworden und ihren Kolonialcharakter haben sie so sehr ver-N,
 daß sie selbst koloniale Expansionspolitik treiben. K.]
Baumwollausfuhr der Vereinigten Staaten nach Großbritannien:
1846 401 949 393 Pfund 1859 961 707 264 Pfund
1852 765630544 1860 1115890608
Ausfuhr von Korn usw. aus den Vereinigten Staaten nach Großbritannien
(1850 und 1862) in englischen Zentnern:

1850 1862
Weizen. . 16202312 410833 503
Gerste ..... 3 669 658 6 624 800
Hafer .......... 83174801 4426994
Roggen.......00..000000001 0 388749 7108
Weizenmehl ....... 3819 440 7207 113
Buchweizen . 1054 19 571
Mais ,..... Veen CEnKEEREEN 5473161 11694818
Bere oder Bigg (besondere Gerstenart). 20839 7675
Erbsen .........0.0.0.00004 811620 1094722
Bohnen ... ee 444041 1822972 20837187
Gesamteinfuhr... 34365801 74083 351
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        396

Vierter Abschnitt

Kornfrucht, Getreide und Mehl aller Art. Ich gebe nachstehenü das
zusammenfassende Resultat. Das Mehl ist auf Quarters Korn redt
ziert. (Siehe Tabelle auf Seite 397.)
Die ungeheure, stoßweise Ausdehnbarkeit des Fabrikweser
und seine Abhängigkeit vom Weltmarkt erzeugen notwendig fieber
hafte Produktion und darauffolgende Ueberfüllung der Märkte, mit
deren Kontraktion [Zusammenziehung] Lähmung eintritt. Das Lebe
der Industrie verwandelt sich in eine Reihenfolge von Periode”
mittlerer Lebendigkeit, Prosperität [Gedeihen, Aufschwung], Ueber
produktion, Krise und Stagnation [Geschäftsstille, Stockung]. D"
Unsicherheit und Unstetigkeit, denen der Maschinenbetrieb die Be
schäftigung und damit die Lebenslage des Arbeiters unterwirft
werden normal mit diesem Periodenwechsel des industriellen Zy
klus [Kreislaufs]. Die Zeiten der Prosperität abgerechnet, rast zw
schen den Kapitalisten heftigster Kampf um ihren individuelle
Raumanteil am Markt. Dieser Anteil steht in direktem Verhältp“
zur Wohlfeilheit des Produkts. Außer der hierdurch erzeugt“
Rivalität im Gebrauch verbesserter, Arbeitskraft ersetzender Ma
schinerie und neuer Produktionsmethoden tritt jedesmal ein Punk
ein, wo Verwohlfeilerung der Ware durch gewaltsamen Druck de‘
Arbeitslohnes unter den Wert der Arbeitskraft erstrebt wird.?”

2385 In einem Aufruf der von den Schuhfabrikanten zu Leicester dur
eine Aussperrung aufs Pflaster geworfenen Arbeiter an die „Trade-Societl®
of England“, Juli 1866, heißt es unter anderm: „Seit etwa 20 Jahren wurd
die Schuhmacherei in Leicester umgewälzt durch Einführung des NieteP!
statt des Nähens. Gute Löhne konnten damals verdient werden. Bald
dehnte sich dies neue Geschäft sehr aus. Große Konkurrenz zeigte sich
unter den verschiedenen Firmen, welche den geschmackvollsten Artike
liefern könne. Kurz nachher jedoch entsprang eine schlechte Art Kor
kurrenz, nämlich die, einander im Markt zu unterbieten (undersell). Die
schädlichen Folgen offenbarten sich bald in Lohnherabsetzung, und v
reißend schnell war der Fall im Preise der Arbeit, daß viele Firmen jet
nur noch die Hälfte des ursprünglichen Lohnes zahlen, Und dennoch, ob
gleich die Löhne tiefer und tiefer sinken, scheinen die Profite mit jede
Aenderung des Arbeitstarifs zu wachsen.“ — Selbst ungünstige Period®
der Industrie werden von den Fabrikanten benutzt, um durch übertriebe‘
Lohnherabsetzung, das heißt direkten Diebstahl an den notwendigst®
Lebensmitteln des Arbeiters, außerordentliche Profite zu machen. Ein Ber
spiel. Es handelt sich um die Krise in der Seidenweberei zu CoventI)
„Aus Nachweisen, die ich sowohl von Fabrikanten wie Arbeitern erhiel
folgt zweifelsohne, daß die Löhne in einem größeren Umfang verkür?
wurden, als die Konkurrenz ausländischer Produzenten oder andere Um
stände ernötigten. Die Mehrheit der Weber arbeitet zu Löhnen, die un
30 bis 40 pZt. herabgesetzt sind. Ein Stück Band, wofür der Weber 5 Jahr
früher 6 oder 7 Shilling erhielt, bringt ihm jetzt nur 3 Shilling 3 Pence 0do
8 Shilling 6 Pence ein; andere Arbeit, früher zu 4 Shilling und 4 Snilliod
3 Pence bezahlt, erhält jetzt nur 2 Shilling oder 2 Shilling 3 Pence. De
Lohnherabsetzung ist größer, als zur Anregung der Nachfrage erheischt 18
In der Tat, bei vielen Arten von Band war die Lohnherabsetzung nicht ei
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Fünfjährige Perioden und Jahr 1866.

18381-—18535 | 1886—1840 | 1841— 1845 | 1846-—1850

1851—1855

]
1836—1860 | 1861—1865

1868

3

a
\
x
A
nz
&amp;gt;
+.

Jährlicher Durchschnitt.

[mport......... (Quarters)

1 096 373

2 389 729

92 843 865

8776 552

8 345 237

10912 612

15 9009 871

16 457 340

Jährlicher Durchschnitt.


Export......... (Quarters)

295 363

0531 770

139 056

155 461

207 491

341 150

309 754

9216 318

Ueberschuß von Import
über Export der Durchzchnittsiahre.
 . (Quarters)

871 010

2 137 959

2 704 809

8 621 091

8 037 746

10 572 462

14 707 117

16 241 022

Bevölkerung.
Jährliche Durchschnittszahl
in jeder Periode .......

34 6921 107

25 929 507

27 262 569

27 797 598

27 5792 923

2Q 301 544

9G 381 460

29 985 404

Durchschnittsquantum von
Korn usw. in Quarters,
jährlich verzehrt pro Individuum,
 bei gleicher
Teilung unter die Bevölkerung,
 im VUeberachuß
 über die heimische
Produktion...

3.086 |

0,082 |

4.099

510

9,291 |

0,372

0,548

0,543

As
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Pe
        <pb n="443" />
        Vierter Abschnif
Wachstum in der Anzahl der Fabrikarbeiter ist also bedingt
durch. proportionell viel rascheres Wachstum des in den Fabrike
angelegten Gesamtkapitals. Dieser Prozeß vollzieht sich aber nur
innerhalb der Ebb- und Flutperioden des industriellen Zyklus. Es
wird zudem stets unterbrochen durch den technischen Fortschrit
äer Arbeiter bald virtuell ersetzt, bald faktisch verdrängt. Diese
qualitative Wechsel im Maschinenbetrieb entfernt beständig Arbeite
aus der Fabrik oder verschließt ihr Tor dem neuen Rekrutenstro®
während die bloße quantitative Ausdehnung der Fabriken neben de
Herausgeworfenen frische Kontingente verschlingt. Die Arbeite
werden so fortwährend abgestoßen und angezogen, hin- und her
geschleudert, und dies bei beständigem Wechsel in Geschlecht, Alter
und Geschick der Angeworbenen.
Die Schicksale des Fabrikarbeiters werden am besten verä”
schaulicht durch einen raschen Ueberblick über die Schicksale def
englischen Baumwollindustrie.
Von 1770 bis 1815 Baumwollindustrie gedrückt oder stagnal
5 Jahre. Währed dieser ersten fünfundvierzigjährigen Periode Mi
saßen die englischen Fabrikanten das Monopol der Maschinerie
des Weltmarktes. 1815 bis 1821 gedrückt. 1822 und 1823 prosp®
rierend. 1824 Aufhebung der Koalitionsgesetze, allgemeine groß?
Ausdehnung der Fabriken. 1825 Krise. 1826 großes Elend und Au
stände unter den Baumwollarbeitern. 1827 leise Besserung. 182
großer Anwachs von Dampfwebstühlen und Ausfuhr. 1829 über
gipfelt die Ausfuhr, besonders nach Indien, alle früheren Jab!®
1830 überfüllte Märkte, großer Notstand. 1831 bis 1833 fortdauernd“
Druck; der Handel nach Ostasien (Indien und China) wird de
Monopol der Ostindischen Kompanie entzogen. 1834 großes Wach“
tum von Fabriken und Maschinerie, Mangel an Händen; das ner
Armengesetz befördert die Wanderung der Landarbeiter in a
Fabrikdistrikte; aus den ländlichen Grafschaften werden mass®
haft Kinder der Industrie .zugetrieben; weißer Sklavenhand“
1835 große Prosperität; gleichzeitige Tothungerung der Baumwol
bandweber. 1836 große Prosperität. 1837 und 1838 gedrückter ZU
stand‘ und Krise. 1839 Wiederaufleben. 1840 große Depressi®
Aufstände, Einschreiten des Militärs, 1841 und 1842 furchtbar”
Leiden der Fabrikarbeiter. 1842 sperren die Fabrikanten die A %
beiter von den Fabriken aus, um den Widerruf der Korngesetz® f
erzwingen; die Arbeiter strömen zu vielen Tausenden nach Yor
shire, vom Militär zurückgetrieben; ihre Führer vor Gericht %
Lancaster gestellt. 1843 großes Elend. 1844 Wiederaufleben. Ve
große Prosperität. 1846 erst fortdauernder Aufschwung, da e)
Symptome der Reaktion; Widerruf der Korngesetze. 1847 Krl8®

. i X
mal begleitet von irgendeiner Herabsetzung im Preise des Artikels.“ (Bere
des Kommissärs F. D. Longe in „Children’s Employment Commission. 5t
port 1866“, p. 114, n. 1.)
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        18

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2

reizehntes Kapitel.

399

gemeine Herabsetzung der Löhne um 10 und mehr Prozent zur
‘eier des „big loaf“ [des ‚großen Brotlaibs“, den die Freihändler
len Arbeitern als notwendige Folge der Aufhebung der Getreideölle
 in Aussicht gestellt hatten. K.] 1848 fortdauernder Druck;
Manchester unter militärischem Schutz. 1849 Wiederaufleben. 1850
"rosperität. 1851 fallende Warenpreise, niedrige Löhne, häufige
üreiks, 1852 beginnende Verbesserung, Fortdauer der Streiks;
“abrikanten drohen mit Import fremder Arbeiter. 1853 steigende
\usfuhr; achtmonatiger Streik und großes Elend zu Preston. 1854
rosperität, UVeberfüllung der Märkte. 1855 Berichte von Bankerotten
%römen ein aus den Vereinigten Staaten, Kanada, ostasiatischen
Märkten. 1856 große Prosperität. 1857 Krise. 1858 Verbesserung.
1859 große Prosperität, Zunahme der Fabriken. 1860 Gipfelpunkt
ler englischen Baumwollindustrie; indische, australische und andere
Märkte so überführt, daß sie noch 1863 kaum den ganzen Quark
\bsorbiert haben; französischer Handelsvertrag; enormes Wachsum
 von Fabriken und Maschinerie. 1861 Aufschwung dauert Zeitang
 fort, Reaktion, amerikanischer Bürgerkrieg, Baumwollnot. 1862
18 1863 vollständiger Zusammenbruch.
_ Die Geschichte der Baumwollnot ist zu charakteristisch, um
Ucht einen Augenblick dabei zu verweilen. Aus den Andeutungen
ber die Zustände des Weltmarktes 1860 bis 1861 ersieht man, daß
Xe Baumwollnot den Fabrikanten gelegen kam und zum Teil vorteillaft
 war, eine Tatsache, anerkannt in Berichten der Manchester
Handelskammer, im Parlament verkündet von Palmerston und
Derby, durch die Regierung bestätigt.2* Allerdings gab es 1861
ter den 2887 Baumwollfabriken des Vereinigten Königreichs viele
eine, Nach dem Bericht des Fabrikinspektors A. Redgrave, dessen
"erwaltungsbezirk von jenen 2887 Fabriken 2109 einschließt, wenloten
 von letzteren 392 oder 19 pZt. nur weniger als 10 Dampf{-Merdekräfte
 an, 345 oder 16 pZt. von 10 bis 20, 1372 dagegen 20 und
Mehr Pferdekräfte.?” Die Mehrzahl der kleinen Fabriken waren
Vebereien, während der Prosperitätsperiode seit 1858 errichtet,
Meist durch Spekulanten, wovon der eine das Garn, der andere die
Maschinerie, der dritte die Baulichkeit lieferte, unter dem Betrieb
hemaliger Werkführer oder anderer unbemittelter Leute. Diese
einen Fabrikanten gingen meist unter. Dasselbe Schicksal hätte
Onen die durch das Baumwollpech verhinderte Handelskrise be-Eitet,
 Obgleich sie ein Drittel der Fabrikantenzahl bildeten, nahmen
Are Fabriken einen ungleich geringeren Teil des in der Baumwolla
 dustrie angelegten Kapitals auf. Was den Umfang der Lähmung
Ct, so standen nach den aüthentischen Schätzungen im Oktober
„02 60,3 pZt. der Spindeln und 58 pZt. der Webstühle still. Dies
“Zieht sich auf den ganzen Industriezweig und war natürlich

 ——

% Vgl. „Reports:of Insp. of Fact. for 31st October 1862“, p. 30.
37 Ebenda, S. 19.
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        “WG

Vierter Abschnitt

sehr modifiziert in den einzelnen Distrikten. Nur sehr wenig
Fabriken arbeiteten volle Zeit (60 Stunden pro Woche), die übrige
mit Unterbrechungen. Selbst für die wenigen Arbeiter, die volle
Zeit und zu dem gewohnten Stücklohn beschäftigt, schmälerte sich
notwendig der Wochenlohn infolge der Ersetzung besserer Bau
wolle durch schlechtere, der Sea Island durch ägyptische (in FelP
spinnereien), amerikanischer und ägyptischer durch Surat (ost
indisch) und reiner Baumwolle durch Mischungen von Baumwoll
abfall mit Surat. Die kürzere Faser der Suratbaumwolle, ihr
schmutzige Beschaffenheit, die größere Brüchigkeit der Fäden, del
Ersatz des Mehles durch alle Art schwerer Ingredienzien bei®
Schlichten des Kettengarnes usw. verminderten die Geschwindigk®
der Maschinerie oder die Zahl der Webstühle, die ein Weber übe”
wachen konnte, vermehrten die Arbeit mit den Irrtümern d#
Maschine und beschränkten mit der Produktenmasse den Stücklolh®
Beim Gebrauch von Surat und mit voller Beschäftigung belief sich
üer Verlust des Arbeiters auf 20, 30 und mehr Prozent. Die Mehl
zahl der Fabrikanten setzte aber auch den Stücklohn um 5, 7*/,
LO pZt. herab. Man begreift daher die Lage der nur 3, 8'/,, 4 Tag®
wöchentlich oder nur 6 Stunden pro Tag Beschäftigten. Nachde®
schon 1863 eine relative Verbesserung eingetreten war für Weber
Spinner usw., gab es noch Wochenlöhne von 8 Shilling 4 Pen
3 Shilling 10 Pence, 4 Shilling 6 Pence, 5 Shilling 1 Penny usw.
Selbst unter diesen qualvollen Zuständen stand der Erfindungsge”
des Fabrikanten in Lohnabzügen nicht still. Diese wurden zum 1#
verhängt als Strafe für die seiner schlechten Baumwolle, unpassend®
Maschinerie usw. geschuldeten Fehler des Machwerkes. Wo del
Fabrikant aber Eigentümer der Häuschen der Arbeiter war, zahlte e
sich selbst die Hausmiete durch Abzüge vom nominellen Arbeitslob®
Fabrikinspektor Redgrave erzählt von Selfacting Minders (sie übe”
wachen ein Paar Selfacting Mules), die „am Ende vierzehntägig“
voller Arbeit 8 Shilling 11 Pence verdienten, und von dieser Sum
wurde die Hausmiete abgezogen, wovon der Fabrikant jedoch di
Hälfte als Geschenk zurückgab, so daß die Minders volle 6 Shillipf
11 Pence nach Hause trugen. An vielen Orten schwankte der Woche
john der Selfacting Minders zwischen 5 bis 9 Shilling pro Woch®
und der Wochenlohn der Weber betrug von 2 Shilling 6 pen“
aufwärts während der letzten Monate des Jahres 1862.“289 Selb®
dann wurde die Hausmiete von den Löhnen häufig abgez08%
wenn die Hände nur kurze Zeit arbeiteten.?*e Kein Wunder, daß “
einigen Teilen Lancashires eine Art Hungerpest ausbrach! m
rakteristischer als alles dies aber war es, wie die Revolutionier Br
des Produktionsprozesses auf Kosten des Arbeiters vor sich ging: x
waren förmliche Experimenta in corpore vili [an wertlosen Körp®
288 „Reports etc. for 31st October 1865“, p. 41—45,
282 „Reports etc. for 81st October 1863“, p. 41, 42.
240 Ebenda, S. 51.
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o

Üreizehntes Kapitel.

401

gestellte Versuche], wie die der Anatomen an Fröschen. „Obgleich
ch“, sagt Fabrikinspektor Redgrave, „die wirklichen Einnahmen der
\rbeiter in vielen Fabriken gegeben habe, muß man nicht schließen,
laß sie denselben Betrag Woche für Woche beziehen. Die Arbeiter
And den größten Schwankungen ausgesetzt wegen des beständigen
AXperimentierens („experimentalizing“) der Fabrikanten . . . ihr
Verdienst steigt und fällt. mit der Qualität des Baumwollgemisches;
)ald nähert er sich um 15 pZt. ihren früheren Einnahmen, und die
lächste oder zweitfolgende Woche fällt er um 50 bis 60 pZt.“*1
Diese Experimente wurden nicht nur auf Kosten der Lebensmittel]
Nr Arbeiter gemacht. Mit allen ihren fünf Sinnen hatten sie zu
en.

„Die Leute, die beschäftigt sind, Suratbaumwolle zu verarbeiten,
yueben viele Beschwerden. Sie teilen mir mit, beim Oeffnen der
aumwollballen verbreite sich ein unerträglicher Gestank, so daß
Inen übel wird. ... Den in den Misch-, Krempel- und Kardier-‚
 umen Angewandten reizt der freigesetzte Staub und Schmutz die
Ketwege, erregt Husten und Atembeschwerden. ... Wegen der
ürze der Faser wird dem Garn beim Schlichten viel Kleister zu-Setzt,
 und zwar allerlei Ersatzmittel, sowohl tierische wie vegetayüsche,
 gtatt des früher gebrauchten Mehles. Daher Uebelkeit und
„Tdauungsbeschwerden der Weber. Kehlkopfkatarrh herrscht vor
gen des Staubes, ebenso Halsentzündung, ferner eine Hautkrankch
 rOlge der Reizung der Haut durch den im Surat enthaltenen
utz.“

ß Anderseits waren die Ersatzmittel des Mehles ein Fortunatus-“ckel
 für die Herren Fabrikanten durch Vermehrung des Garnse
 wichtes, Dank ihnen wiegen 15 Pfund Rohmaterial, wenn verwebt,
“ Pfund.“ 242
% In dem Bericht der Fabrikinspektoren vom 30. April 1864 liest
an: „Die Industrie verwertet diese Hilfsquelle jetzt in wahrhaft
Le üständigem Maße. Ich weiß von guter Autorität, daß achton
 diges Gewebe von 5*/, Pfund Baumwolle und 2*/, Pfund Schlichte
Macht wird. Ein anderes fünfeinviertelpfündiges Gewebe enthielt
a tünd Schlichte. Dies waren ordinäre Shirtings für den Export.
lag udern Arten wurden manchmal 50 pZt. Schlichte zugesetzt, so
laß F abrikanten sich rühmen können und sich auch wirklich rühmen,
del Sle reich werden durch den Verkauf von Geweben für weniger
nn als das nominell in ihnen enthaltene Garn kostet.“?* Die
’ anna aber hatten nicht nur unter den Experimenten der Fabriann
 in den Fabriken und der Munizipalitäten außerhalb der
Ma Tiken, nicht nur von Lohnherabsetzung und Arbeitslosigkeit, von
MBel und Almosen, von den Lobreden der Lords und Unterhäusler

A

“1 Ebenda, S. 50, üb
42 S. 62, 68. 1868 D. 27.
45 kn ete. for 80th April 1864
Das Kapital 7
        <pb n="447" />
        402 )

Vierter Abschnit!

zu leiden. „Unglückliche Frauenzimmer verloren infolge der Bau
wollnot zu ihrem Beginn ihre Beschäftigung und wurden dadurch
Auswürflinge der Gesellschaft. Jetzt ist das Geschäftsleben wiede!
erwacht und Arbeit in Fülle vorhanden, sie aber bleiben Mitgliede!
dieser unglücklichen Klasse und werden wahrscheinlich weiter dab®
verharren, Es gibt denn auch in der Stadt jetzt mehr jugendlich®
Prostituierte als seit den letzten 25 Jahren.“?
Man findet also in den ersten 45 Jahren der britischen Bau
wollindustrie, von 1770 bis 1815, nur 5 Jahre der Krise und Staß
nation, aber dies war die Periode ihres Weltmonopols. Die zweit®
achtundvierzigjährige Periode von 1815 bis 1863 zählt nur 20 Jahr®
des Wiederauflebens und der Prosperität auf 28 Jahre des Druck®
und der Stagnation. Von 1815 bis 1830 beginnt die Konkurrenz mit
dem kontinentalen Europa und den Vereinigten Staaten. Seit 18”
wird Ausdehnung der asiatischen Märkte erzwungen durch „Ze
störung des Menschengeschlechts“ [die massenhafte Ausrottung de
indischen Handweber]. Seit Widerruf der Korngesetze, von 18%
bis 1863, auf 8 Jahre mittlerer Lebendigkeit und Prosperi
9 Jahre Druck und Stagnation. Die Lage der erwachsenen män”
lichen Baumwollarbeiter, selbst während der Prosperitätszeit, zu 9“
urteilen aus der beigefügten Note.?45

244 Aus Brief des Chief Constable Harris von Bolton in „Reports ol
Insp. of Fact, for 31st October 1865“, p. 61, 62.
25 In einem Aufruf der Baumwollarbeiter, Frühling 1863, zur Bildup®
einer Auswanderungsgesellschaft heißt es unter anderm: „Daß eine groß
Auswanderung von Fabrikarbeitern jetzt absolut notwendig ist, werden a
wenige leugnen. Daß aber ein beständiger Auswanderungsstrom zu alle
Zeiten erheischt und es ohne denselben unmöglich ist, unsere Stellunf
unter gewöhnlichen Umständen zu behaupten, zeigen folgende Tatsach@
Im Jahre 1814 betrug der. offizielle Wert (der nur ein Index der Quantil?)
der exportierten Baumwollgüter 17 665 378 Pfd. Sterl., ihr wirklicher Mark
wert 20070824 Pfd. Sterl. Im Jahre 1858 betrug der offizielle Wert “
exportierten Baumwollgüter 182 221 681 Pfd. Sterl., ihr wirklicher Marl
wert nur 43001322 Pfd. Sterl., so daß die Verzehnfachung der Quant
wenig mehr als Verdoppelung des Preises bewirkte. Dies für das Lan
überhaupt und die Fabrikarbeiter im besondern so unheilvolle Result?
ward durch verschiedene zusammenwirkende Ursachen hervorgebradh
Eine der hervorstechendsten ist der beständige Ueberfluß von Arber
unentbehrlich für diesen Geschäftszweig, der, soll er nicht zugruß
gehen, beständiger Ausdehnung des Marktes bedarf. Unsere Baum We,
labriken können stillgelegt werden durch die periodische Stagnation or
Handels, welche, unter gegenwärtiger Einrichtung, so unvermeidlich ist, ' pt
der Tod selbst. Aber deswegen steht der menschliche Erfindungsgeist Der
still. Obgleich, niedrig angeschlagen, 6 Millionen dies Land während gt
letzten 25 Jahre verlassen haben, befindet sich dennoch infolge We
währender Verdrängung der Arbeit, um das Produkt zu verwohlfeiler®; ve
großer Prozentsatz der erwachsenen: Männer selbst in den Zeiten höch® he
Prosperität außerstande, Beschäftigung irgendeiner Art auf irgendwelt,
Bedingungen in den Fabriken zu finden.“ („Reports of Insp. of Fact
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Üreizehntes Kapitel.

403

8 Revolutionierung von Manufaktur, Handwerk und Hausarbeit
durch die große Industrie.
a) Aufhebung der auf Handwerk und Teilung der
Arbeit beruhenden Kooperation.
Man hat gesehen, wie die Maschinerie die auf dem Handwerk
beruhende Kooperation und die auf Teilung der handwerksmäßigen
Arbeit beruhende Manufaktur aufhebt. . Ein Beispiel der ersten Art
st die Mähmaschine, sie ersetzt die Kooperation von Mähern. Ein
Schlagendes Beispiel der zweiten Art ist die Maschine zur Fabrikaton
 von Nähnadeln. Nach Adam Smith verfertigten zu seiner
Zeit 10 Männer durch Teilung der Arbeit täglich über 48 000 Näh-1adeln.
 Eine einzige Maschine liefert dagegen 145000 in einem
Arbeitstag von 11 Stunden. Eine Frau oder ein Mädchen überwacht
N Durchschnitt 4 solche Maschinen und produziert daher mit der
Maschinerie täglich an 600 000, in der Woche über 3000000 Nähladeln.2
 Sofern eine einzelne Arbeitsmaschine an die Stelle der
Kooperation oder der Manufaktur tritt, kann sie selbst wieder zur
Mundlage handwerksmäßigen Betriebes werden. Indes bildet diese
fl Maschinerie beruhende Reproduktion des Handwerksbetriebes
Wr den Uebergang zum Fabrikbetrieb, der in der Regel jedesmal
Eeitt, sobald mechanische Triebkraft, Dampf oder Wasser, die
a Schlichen Muskeln in der Bewegung der Maschine ersetzt. Hin
en wieder und ebenfalls nur vorübergehend kann kleiner Betrieb
Dt verbinden mit mechanischer Triebkraft durch Miete des
br Pfes, wie in einigen Manufakturen Birminghams, durch Geder
 ch kleiner kalorischer Maschinen, wie in gewissen Zweigen
in Weberei usw.?7 In der Seidenweberei zu Coventry entwickelte
nn Naturwüchsig das Experiment der „Cottagefabriken“ [Fabriken
ww /ohnhäuschen, englisch cottages — K]. In der Mitte von Cottagece
 quadratmäßig gebaut, wurde ein sogenanntes Engine House
Schar inenhaus] errichtet für die Dampfmaschine und diese durch
Si mit den Webstühlen in den Cottages verbunden. In allen
W ©n war der Dampf gemietet, zum Beispiel zu 2'/, Shilling pro
ne Stuhl, Diese Dampfrente war wöchentlich zahlbar, die Webstühle
Ochten laufen oder nicht. Jede Cottage enthielt 2 bis 6 Webstühle,

Stk Apri ird in ei ä Kapitel sehen, wie
je ‚April 1868“, p. 51, 52.) Man wird in einem späteren Kap t ,
lie Herren Fabrikanten während der Baumwollkatastrophe die Auswandeu
 der Fabrikarbeiter auf alle Art, selbst von Staais wegen, zu verhindern
CLten,
4 46 _Children’s Employment Commission. th Report 1864“, p. 108,
„447

247 In den Vereinigten Staaten ist derartige Reproduktion des Hand-Perke
 auf Grundlage der Maschinerie häufig. Die Konzentration bei dem
v.Srmeidlichen Uebergang in den Fabrikbetrieb wird eben deswegen, im
na Sleich zu Europa und selbst zu England, dort mit Siebenmeilenstiefeln
TSchieren.
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        +06

Vierter Abschnitt

c) Die moderne Manufaktur.
Ich will nun an einigen Beispielen die oben aufgestellten Sätze
erläutern. Der Leser kennt in der Tat schon massenhafte Beleg“
aus dem Abschnitt über den Arbeitstag. Die Metallmanufaktur“”
in Birmingham und Umgegend wenden großenteils für sehr schwer“
Arbeit 30 000 Kinder und junge Personen nebst 10 000 Weibern ‚3
Man findet sie hier in den gesundheitswidrigen Gelbgießerei®”
Knopffabriken, Glasur-, Galvanisierungs- und Lackierarbeiten |
Das Uebermaß von Arbeit für Erwachsene und Unerwachsene h#
verschiedenen Londoner Zeitungs- und Buchdruckereien den rühl”
lichen Namen „Das Schlachthaus‘“ gesichert.?1 Dasselbe Ueb®
maß, dessen Schlachtopfer hier namentlich Weiber, Mädchen
Kinder, finden wir in der Buchbinderei. Schwere Arbeit für U”
erwachsene in den Seilereien, Nachtarbeit in Salzwerken, Lichte”
und andern chemischen Manufakturen; mörderischer Verbrauch vop
Jungen in Seidenwebereien, die nicht mechanisch betrieben werd®
zum Drehen der Webstühle.?®? Eine der infamsten, schmutzigst®
und schlechtest bezahlten Arbeiten, wozu mit Vorliebe junge Mädchen
 und Weiber verwandt werden, ist das Sortieren der Lump®
Man weiß, daß Großbritannien, abgesehen von seinen eigenen ur
zähligen Lumpen, den Stapelplatz für den Lumpenhandel der ganze)
Welt bildet. Sie strömen dahin von Japan, den entferntesten Staate?
Südamerikas und den kanarischen Inseln. Ihre Hauptzufuhrquell®®
aber sind Deutschland, Frankreich, Rußland, Italien, Aegyptel
Türkei, Belgien und Holland. Sie dienen zur Düngung, Fabrikati®
von Flocken (für Rettzeug), Shoddy (Kunstwolle), und als Robmaterial
 des Papiers. Die weiblichen Lumpensortierer dienen alt
Vermittler, um Pocken und andere ansteckende Seuchen, deren ers
Opfer sie selbst sind, weiterzuverbreiten.?® Als klassisches Beispl®
für Ueberarbeit, schwere und unpassende Arbeit, und daher folgend
Brutalisierung der von Kindesbeinen an konsumierten Arbeiter kant
neben der Minen- und Kohlenproduktion, die Ziegel- oder Backstel
macherei gelten, wozu in England die neuerfundene Maschine nur
noch vereinzelt angewandt wird (1867). Zwischen Mai und SeP
tember dauert die Arbeit von 5 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, und
wo Trocknung in freier Luft stattfindet, oft von 4 Uhr morgens br
9 Uhr abends. Der Arbeitstag von 5 Uhr morgens bis 7 Uhr abend
gilt für „reduziert“, „mäßig“. Kinder beiderlei Geschlechts werde?

251 Und nun gar Kinder im Feilenschleifen zu Sheffield! 7
2514 „Children’s Employment Commission, 5th Report 1866“, p. 3, 2-pP.
 6, n. 55, 56, p. 7, n. 59, 60. aß
252 Ebenda, S. 114, 115, N. 6, 7. Der Kommissär bemerkt richtig, We
wenn sonst die Maschine den Menschen, hier der Junge buchstäblich
Maschine ersetzt, je
258 Siehe Bericht über den Lumpenhandel und zahlreiche Belege: „Pub
Health. 8th Report. London 1866“, Appendix, p. 196—208.
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1ie

Dreizehntes Kapitel.

407

"mM 6. und selbst vom 4. Jahr an verwandt. Sie arbeiten
dieselbe Stundenzahl, oft mehr als die Erwachsenen. Die Arbeit ist
dar, und die Sommerhitze steigert noch die Erschöpfung. In einer
Ziegelei zu Mosley zum Beispiel machte ein vierundzwanzigjähriges
Mädchen 2000 Ziegel täglich, unterstützt von 2 unerwachsenen Mäd-‘hen
 als Gehilfen, welche den Lehm trugen und die Ziegelsteine
lhäuften. Diese Mädchen schleppten täglich 10 Tonnen die
“hlüpfrigen Seiten der Ziegelgrube von einer Tiefe von 30 Fuß
herauf und über eine Entfernung von 210 Fuß. „Es ist unmöglich
für ein Kind, durch das Fegefeuer einer Ziegelei zu passieren ohne
Broße moralische Degradation. . .. Die nichtswürdige Sprache, die
48 vom zartesten Alter an zu hören bekommen, die unflätigen, unständigen
 und schamlosen Gewohnheiten, unter denen :sie un-Plesend
 und verwildert aufwachsen, machen sie für die spätere
Lebenszeit gesetzlos, verworfen, liederlich. ... Eine furchtbare
uelle der Demoralisation ist die Art zu wohnen. Jeder Moulder
(Former — der eigentlich geschickte Arbeiter und Chef einer Arbeiter-Suppe)
 liefert seiner Bande von 7 Personen Logis und Tisch in
Seiner Hütte oder Cottage. Ob zu seiner Familie gehörig oder nicht,
"änner, Jungen, Mädchen schlafen in der Hütte. Diese besteht
Sewöhnlich aus 2, nur ausnahmsweise aus 3 Zimmern, alle auf dem
Ürdgeschoß, mit wenig Ventilation. Die Körper sind so erschöpft
durch die harte Arbeit während des Tages, daß weder Gesundheits-(8eln,
 Reinlichkeit noch Anstand irgendwie beobachtet werden.
Viele dieser Hütten sind wahre Muster von Unordnung, Schmutz und
Staub, ... Das größte Uebel des Systems, welches junge Mädchen
u dieser Arbeit verwendet, besteht darin, daß es sie in der Regel
1m Kindheit an für ihr ganzes späteres Leben an das verworfenste
Öesindel festkettet. Sie werden rohe, bösmäulige Buben („rough,
ul-mouthed boys“), bevor die Natur sie gelehrt hat, daß sie Weiber
Mnd. Gekleidet in wenige schmutzige Lumpen, die Beine weit über
las Knie entblößt, Haar und Gesicht mit Dreck beschmiert, lernen
Ne alle Gefühle der Sittsamkeit und der Scham mit Verachtung be-“andeln.
 Während der Essenszeit liegen sie auf den Feldern aus-Sestreckt
 oder gucken den Jungen zu, die in einem benachbarten
Kanal baden. Ist ihr schweres Tagewerk endlich vollbracht, so
Achen sie bessere Kleider an und begleiten die Männer in Biereipen.“
 Daß die größte Versoffenheit von Kindesbeinen an in
dieser ganzen Klasse herrscht, ist nur naturgemäß. „Das Schlimmste
iS, daß die Ziegelmacher an sich selbst verzweifeln. Sie könnten,
Sagte einer der Besseren zum Kaplan von Southallfield, ebensowohl
"Srsuchen, den Teufel zu erheben und zu bessern als einen Ziegler,
Nein Herr!“ („You might as well try to raise and improve the devil
Wa brickie, Sir!“)2*
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&amp;amp; an * „Children’s Employment Commission. 5th Report 1866“, p. XVI,
. 9, 97, p. 130, n. 39, 61. Vgl. auch ebenda, 3rd Report 1864, p. 48, 56.
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        ‘96

Vierter Abschn!

ce) Die moderne Manufaktur.
Ich will nun an einigen Beispielen die oben aufgestellten Si
erläutern. Der Leser kennt in der Tat schon massenhafte Belef
aus dem Abschnitt über den Arbeitstag. Die Metallmanufaktur®
in Birmingham und Umgegend wenden großenteils für sehr schwe
Arbeit 30000 Kinder und junge Personen nebst 10 000 Weibern #
Man findet sie hier in den gesundheitswidrigen Gelbgießerei®
Knopffabriken, Glasur-, Galvanisierungs- und Lackierarbeiter
Das Uebermaß von Arbeit für Erwachsene und Unerwachsene
verschiedenen Londoner Zeitungs- und Buchdruckereien den rühl
lichen Namen „Das Schlachthaus“ gesichert.?1* Dasselbe Uebe
maß, dessen Schlachtopfer hier namentlich Weiber, Mädchen un
Kinder, finden wir in der Buchbinderei. Schwere Arbeit für U
erwachsene in den Seilereien, Nachtarbeit in Salzwerken, Lichte”
und andern chemischen Manufakturen; mörderischer Verbrauch
Jungen in Seidenwebereien, die nicht mechanisch betrieben werd®
zum Drehen der Webstühle.?? Eine der infamsten, schmutzige!”
und schlechtest bezahlten Arbeiten, wozu mit Vorliebe junge MÖC
chen und Weiber verwandt werden, ist das Sortieren der Lump® |
Man weiß, daß Großbritannien, abgesehen von seinen eigenen u
zähligen Lumpen, den Stapelplatz für den Lumpenhandel der ganz
Welt bildet. Sie strömen dahin von Japan, den entferntesten Staal®
Südamerikas und den kanarischen Inseln. Ihre Hauptzufuhrquell“
aber sind Deutschland, Frankreich, Rußland, Italien, Aegypt® .
Türkei, Belgien und Holland. Sie dienen zur Düngung, Fabrikati®
von Flocken (für Rettzeug), Shoddy (Kunstwolle), und als Ron
material des Papiers. Die weiblichen Lumpensortierer dienen *% |
Vermittler, um Pocken und andere ansteckende Seuchen, deren ers!
Opfer sie selbst sind, weiterzuverbreiten.?®: Als klassisches Beisph
für Ueberarbeit, schwere und unpassende Arbeit, und daher folge?
Brutalisierung der von Kindesbeinen an konsumierten Arbeiter kan? ;
neben der Minen- und Kohlenproduktion, die Ziegel- oder Backste®
macherei gelten, wozu in England die neuerfundene Maschine * ,
aoch vereinzelt angewandt wird (1867). Zwischen Mai und Seh
tember dauert die Arbeit von 5 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, WE
wo Trocknung in freier Luft stattfindet, oft von 4 Uhr morgens A
) Uhr abends. Der Arbeitstag von 5 Uhr morgens bis 7 Uhr aber
gilt für „reduziert“, „mäßig“. Kinder beiderlei Geschlechts werd?

21 Und nun gar Kinder im Feilenschleifen zu Sheffield! %
“1 „Children’s Employment Commission. 5th Report 1866“, p. 3 ®
p. 6, n. 55, 56, p. 7, n. 59, 60. ‚ge
*2 Ebenda, S. 114, 115, N. 6, 7. Der Kommissär bemerkt richtig» "4
wenn sonst. die Maschine den Menschen, hier der Junge buchstäblich
Maschine ersetzt. pl
258 Siehe Bericht über den Lumpenhandel und zahlreiche Belege: „PU
Health. 8th Report. London 1866“, Appendix, p. 196—208.
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reizehntes Kapitel.

407

m 6. und selbst vom 4. Jahr an verwandt. Sie arbeiten
leselbe Stundenzahl, oft mehr als die Erwachsenen. Die Arbeit ist
Art, und die Sommerhitze steigert noch die Erschöpfung. In einer
“4egelei zu Mosley zum Beispiel machte ein vierundzwanzigjähriges
Nädchen. 2000 Ziegel täglich, unterstützt von 2 unerwachsenen Mädhen
 als Gehilfen, welche den Lehm trugen und die Ziegelsteine
Whäuften. Diese Mädchen schleppten täglich 10 Tonnen die
“hlüpfrigen Seiten. der Ziegelgrube von einer Tiefe von 30 Fuß
rauf und über eine Entfernung von 210 Fuß. „Es ist unmöglich
Ür ein Kind, durch das Fegefeuer einer Ziegelei zu passieren ohne
"0ße moralische Degradation. ... Die nichtswürdige Sprache, die
18 vom zartesten Alter an zu hören bekommen, die unflätigen, unständigen
 und schamlosen Gewohnheiten, unter denen sie un-Mssend
 und verwildert aufwachsen, machen sie für die spätere
“benszeit gesetzlos, verworfen, liederlich. ... Eine furchtbare
elle der Demoralisation ist die Art zu wohnen. Jeder Moulder
Pormer — der eigentlich geschickte Arbeiter und Chef einer Arbeiter-Yüppe)
 liefert seiner Bande von 7 Personen Logis und Tisch in
‘Siner Hütte oder Cottage. Ob zu seiner Familie gehörig oder nicht,
% üner, Jungen, Mädchen schlafen in der Hütte. Diese besteht
5 Wöhnlich aus 2, nur ausnahmsweise aus 3 Zimmern, alle auf dem
1 Seschoß, mit wenig Ventilation. Die Körper sind so erschöpft
Arch die harte Arbeit während des Tages, daß weder Gesundheitszehn,
 Reinlichkeit noch Anstand irgendwie beobachtet werden.
% &amp;lt;le dieser Hütten sind wahre Muster von Unordnung, Schmutz und
„üb, ‚.. Das größte Uebel des Systems, welches junge Mädchen
N dieser Arbeit verwendet, besteht darin, daß es sie in der Regel
„7 Kindheit an für ihr ganzes späteres Leben an das verworfenste
in sindel festkettet. Sie werden rohe, bösmäulige Buben („rough,
ylmouthed boys“), bevor die Natur sie gelehrt hat, daß sie Weiber
en Gekleidet in wenige schmutzige Lumpen, die Beine weit über
$ 5 Knie entblößt, Haar und Gesicht mit Dreck beschmiert, lernen
% alle Gefühle der Sittsamkeit und der Scham mit Verachtung be-„deln,
 Während der Essenszeit liegen sie auf den Feldern aus-©
 Streckt oder gucken den Jungen zu, die in einem benachbarten
er baden. Ist ihr schweres Tagewerk endlich vollbracht, so
men Sie bessere Kleider an und begleiten die Männer in Bierje
 Pen.“ Daß die größte Versoffenheit von Kindesbeinen an in
st. 7 ganzen Klasse herrscht, ist nur naturgemäß. „Das Schlimmste
jan daß die Ziegelmacher an sich selbst verzweifeln. Sie könnten,
einer der Besseren zum Kaplan von Southallfield, ebensowohl
Rs chen, den Teufel zu erheben und zu bessern als einen Ziegler,
8 A Herri“ („You might as well try to raise and improve the devil
a brickie, Sir !“)204
Dan
\ 08 »Children’s Employment Commission. 5th Report 1866“, p. XVI,
797, p. 130, n. 39, 61. Vgl. auch ebenda, rd Report 1864, p. 48, 56.
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        108

Vierter Abschuil

Ueber die kapitalistische Oekonomisierung der Arbeitsbedit
gungen in der modernen Manufaktur (worunter hier alle Werkstätte
auf großer Stufenleiter, außer eigentlichen Fabriken, zu verstehen)
findet man offizielles und reichlichstes Material in dem vierten (1861)
und sechsten (1864) „Public Health Report“. Die Beschreibung d#
Workshops (Arbeitslokale), namentlich der Londoner Drucker und
Schneider, überbietet die ekelhaftesten Phantasien unserer Romal
schreiber. Die Wirkung auf den Gesundheitszustand der Arbeit“
ist selbstverständlich. Dr. Simon, der oberste ärztliche Beamte d®
Privy Council und offizielle Herausgeber der „Public Health R“
ports“, sagt unter anderm: „In meinem vierten Bericht (1863) zeigt
ich, wie es für die Arbeiter praktisch unmöglich ist, darauf zu b®
stehen, was ihr erstes Gesundheitsrecht ist, das Recht, daß, zu w*'
chem Werk immer ihr Anwender sie versammelt, die Arbeit, soweit
es von ihm abhängt, von allen vermeidbaren gesundheitswidrig®
Umständen befreit sein soll. Ich wies nach, daß, während die A"
beiter praktisch unfähig sind, sich selbst diese Gesundheitsjustiz %
verschaffen, sie keinen wirksamen Beistand von den bestallte®
Administratoren der Gesundheitspolizei erlangen können. ... DA
Leben von Zehntausenden von Arbeitern und Arbeiterinnen wird
jetzt nutzlos gefoltert und verkürzt durch das endlose physisch
Leiden, welches ihre bloße Beschäftigung erzeugt.“2%5 Zur a
stration des Einflusses der Arbeitslokale auf den Gesundheitszusta®
gibt Dr. Simon folgende Sterblichkeitsliste : 258

Industrien,
verglichen in bezug
auf Gesundhait,

Agrikultur in England und
Wales ....

Londoner Schneider. ...
Londoner Drucker ..

Personenzahl
aller Altersstufen,
in den respektiven
Berufen angewandt


958 265
22 301 Männer
12379 Weiber
13802

Sterblichkeitsrate auf 100000 Männ®
in den respektiven Berufen zu de
angegebenen Altersstufen
km „=?
45 Dein
55 Jahl®

748 805
‚958 | 1262
894 1747 |

1145
2093
2367

d) Die moderne Hausarbeit. „
Ich wende mich jetzt zur sogenannten Hausarbeit. Um sich Ce
Vorstellung von dieser auf dem Hintergrund der großen Indust
255 „Public Health. 6th Report. London 1864“, p. 31. Lo
256 Ebenda, S. 30. Dr. Simon bemerkt, daß die Sterblichkeit der ‚Bel
doner Schneider und Drucker vom 25. bis 85. Jahre in der Tat viel grö un
ist, weil ihre Londoner Anwender eine große Zahl junger Leute bis 7 B
80. Jahr hinauf vom Land als „Lehrlinge“ und „Improvers“ (die sich
ihrem Handwerk ausbilden wollen) erhalten. Diese figurieren im A
als Londoner, sie schwellen die Kopfzahl, auf welche die Londoner Star
lichkeitsrate berechnet wird, ohne verhältnismäßig zur Zahl der London,
Todesfälle beizutragen. Großer Teil von ihnen kehrt nämlich und £
besonders in schweren Krankheitsfällen, zum Land zurück. (Ebenda.)
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Dreizehntes Kapitel,

409

‚gebauten Ausbeutungssphäre des Kapitals und ihren Ungeheuerhkeiten
 zu machen, betrachte man zum Beispiel die scheinbar ganz
y/llische, in einigen abgelegenen Dörfern Englands betriebene
ägelmacherei.®? Hier genügen einige Beispiele aus den noch gar
‚icht maschinenmäßig betriebenen oder mit Maschinen- und Manu-‚sturbetrieb
 konkurrierenden Zweigen der Spitzenfabrik und Stroh-Schterei.

6 Von den 150 000 Personen, die in der englischen Spitzenproduk-N
 beschäftigt, fallen ungefähr 10000 unter die Botmäßigkeit des
LeUtikakts von 1861. Die ungeheure Mehrzahl der übrigbleibenden
„2000 sind Weiber, junge Personen und Kinder beiderlei Geir
 lechts, obgleich das männliche Geschlecht nur schwach vertreten
: Der Gesundheitszustand dieses „wohlfeilen“ Ausbeutungsterials
 ergibt sich aus folgender Aufstellung des Dr. Trueman,
pt beim General Dispensary?”’®* von Nottingham. Von je 686
„ienten, Spitzenmacherinnen, meist zwischen dem 17. und 24. Jahr,
ären schwindsüchtig : 28
1852 1 auf 45 1856 1 auf 15 1859 1 auf 9
1853 1 „ 28 1857 1 „ 13 1860 1 „ 8
1854 1 17 1858 1 „ 15 1861 1 8
1855 1 „ 18
de Dieser Fortschritt in der Ausdehnung der Schwindsucht muß
Ye Optimistischsten Fortschrittler und lügenfauchendsten deutschen
“handelshausierburschen genügen.
a... Der Fabrikakt von 1861 regelt das eigentliche Machen der
Keczen, soweit es durch Maschinerie geschieht, und dies ist die
a in England. Die Zweige, die wir hier kurz berücksichtigen,
an Zwar nicht, soweit die Arbeiter in Manufakturen, Warenpen
 usw. konzentriert, sondern nur sofern sie sogenannte Haus-%
 Siter sind, zerfallen erstens in das Lace Finishing (letztes Zurechtae
 Den der maschinenmäßig fabrizierten Spitzen, eine Kategorie,
pp zahlreiche Unterabteilungen einschließt), zweitens Spitzeneln,

0 Das Lace Finishing wird als Hausarbeit betrieben entweder in
vos mannten „Mistresses Houses“ [Häusern von Meisterinnen] oder
Zen Weibern, einzeln oder mit ihren Kindern, in ihren Privatwohnun-An
 Die Weiber, welche die „Mistresses Houses‘“ halten, sind selbst
aha Das Arbeitslokal bildet einen Teil ihrer Privatwohnung. „Sie
is ylten Aufträge von Fabrikanten, Besitzern von Warenmagazinen
Und wenden Weiber. Mädchen und junge Kinder an, ie nach

nn a. : x
den "7 Es handelt sich hier um gehämmerte Nägel im Unterschied vom
Dn Maschinenmäßig fabrizierten geschnittenen Nägeln. Siehe „Children’s
D Ployment Commission. 3rd Report“, p. XI, XIX, n. 125—1380, p. 53, n, 11,
14, n. 487, p. 137, n. 674. . . .
a Eine Poliklinik, die Armen ärztlichen Beistand und Arzneien um-Zuteil
 werden läßt. K.
*8 _Children’s Employment Commission, 2nd Report“, p. XXI n. 166.
        <pb n="455" />
        410

Vierter Abschnl

dem Umfang ihrer Zimmer und der schwankenden Nachfrage de
Geschäfts. Die Zahl der beschäftigten Arbeiterinnen wechselt yo
20 zu 40 in einigen, von 10 zu 20 in andern dieser Lokale. Das durd
schnittliche Minimalalter, worin Kinder beginnen, ist 6 Jahre, mandh®
jedoch unter 5 Jahren. Die gewöhnliche Arbeitszeit währt von 8 UM
morgens bis 8 Uhr abends, mit 1'/, Stunden für Mahlzeiten, di
unregelmäßig und oft in den stinkigen Arbeitslöchern selbst g“
nommen werden. Bei gutem Geschäft währt die Arbeit oft vo
8 Uhr (manchmal 6 Uhr) morgens bis 10, 11 oder 12 Uhr nachts.
In englischen Kasernen beträgt der vorschriftsmäßige Raum fr
jeden Soldaten 500 bis 600 Kubikfuß, in den Militärlazaretten 1200
In jenen Arbeitslöchern kommen 67 bis 100 Kubikfuß auf je
Person. Gleichzeitig verzehrt Gaslicht den Sauerstoff der Luft. u
die Spitzen rein zu halten, müssen die Kinder oft die Schuhe auf
ziehen, auch im Winter, obgleich der Estrich aus Steinplatten od
Ziegeln besteht. „Es ist nichts Ungewöhnliches in Nottingham, 1
bis 20 Kinder in einem kleinen Zimmer von ‚vielleicht nicht mel
als 12 Fuß im Quadrat zusammengepökelt zu finden, währet‘
15 Stunden aus 24 beschäftigt an einer Arbeit, an sich selbst er
schöpfend durch Ueberdruß und Einförmigkeit, zudem unter allen a
möglichen gesundheitszerstörenden Umständen ausgeübt. ... Selb?
die jüngsten Kinder arbeiten mit einer gespannten Aufmerksamk®
und Geschwindigkeit, die erstaunlich sind, fast niemals ihre
Fingern Ruhe oder langsamere Bewegung gönnend. Richtet mal
Fragen an sie, so erheben sie das Auge nicht von der Arbeit, al
Furcht, einen Moment zu verlieren.“ Der „lange Stock“ dient de
„Mistresses‘“ als Anregungsmittel im Verhältnis, worin die Arbeit®
zeit verlängert wird. „Die Kinder ermüden allmählich und werde?
so unruhig wie Vögel gegen das Ende ihrer langen Gebundenheit “
eine Beschäftigung, eintönig, für die Augen angreifend, erschöpfe?”
durch die Einförmigkeit der Körperhaltung. Es ist wahres Sklave
werk.“ („Their work is like slavery.“)2%?* Wo Frauen mit ihre
zigenen Kindern zu Hause, das heißt im modernen Sinn, in ein®?
gemieteten Zimmer, häufig in einer Dachstube, arbeiten, sind %
Zustände womöglich noch schlimmer. Diese Art Arbeit wird 8
Meilen im Umkreise von Nottingham ausgegeben. Wenn das in 8
Warenhäusern beschäftigte Kind sie 9 oder 10 Uhr abends verlöß®
zibt man ihm oft noch ein Bündel mit auf den Weg, um es zu Half
fertig zu machen. Der kapitalistische Pharisäer, vertreten dur
einen seiner Lohnknechte, tut das natürlich mit der salbungsvoll®
Phrase: „das sei für die Mutter“, weiß aber sehr wohl, daß dr
arme Kind aufsitzen und helfen muß.2%0

259 „Children’s Employment Commission. “ P xp
xx, — ploy 2nd Report 1864“, P
260 Ebenda, S. XXI XXYI,
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reizehntes Kapitel.

411

Die Industrie des Spitzenklöppelns wird hauptsächlich in zwei
Melischen Agrikulturdistrikten betrieben, dem Honiton-Spitzenüstrikt,
 20 bis 30 Meilen längs der Südküste von Devonshire, mit
änschluß weniger Plätze von Nord-Devon, und einem andern Ditrikt,
 der großen Teil der Grafschaften von Buckingham, Bedford,
"orthampton und die benachbarten Teile von Oxfordshire und
(untingdonshire umfaßt. Die Cottages der Ackerbautagelöhner bil-2
 durchschnittlich die Arbeitslokale. Manche Manufakturherren
“enden über 3000 dieser Hausarbeiter an, hauptsächlich Kinder und
Inge Personen, ausschließlich weiblichen Geschlechts. Die beim
Ace Finishing beschriebenen Zustände wiederholen sich. Nur treten
® die Stelle der „Mistresses Houses‘“ die sogenannten „Lace schools“
Spitzenschulen), gehalten von armen Weibern in ihren Hütten.
den 5. Jahre an, manchmal jünger, bis zum 12. oder 15. arbeiten
ds Kinder in diesen Schulen, während des ersten Jahres die Jüngde
 4 bis 8 Stunden, später von 6 Uhr morgens bis 8 und 10 Uhr
Hl ©hds, „Die Zimmer sind im allgemeinen gewöhnliche Wohnstuben
ner Cottages, der Kamin zugestopft zur Abwehr von Zugluft, die
ya Sen manchmal auch im Winter nur durch ihre eigene animalische
Jane warm gehalten. In andern Fällen sind diese sogenannten
N Ulzimmer kleinen Vorratskammern ähnliche Räume, ohne Feuerwe
 ... Die Ueberfüllung dieser Löcher und die dadurch berte
 Luftverpestung sind oft außerordentlich groß. Dazu kommt
% schädliche Wirkung von Gerinnen, Abtritten, verwesenden
offen und anderm Unrat, gewöhnlich in den Zugängen zu kleineren
yelages.“ Mit Bezug auf den Raum: ‚In einer Spitzenschule 18 Mäd-WO
 und eine Meisterin, 35 Kubikfuß für jede Person; in einer
ic wo unerträglicher Gestank, 18 Personen, pro Kopf 24,
bikfuß. Man findet in dieser Industrie Kinder von 2 und 2!/, Jahren
Wwangt.“261
ß Wo das Spitzenklöppeln in den ländlichen Grafschaften von
„ingham und Bedford aufhört, beginnt die Strohflechterei. Sie
as Cht sich über großen Teil von Hertfordshire und die westim
 en und nördlichen Teile von Essex. Es waren 1861 beschäftigt
a Strohflechten und Strohhutmachen 40 043 Personen, 3815 davon
5 Anlichen Geschlechts aller Altersstufen, die andern weiblichen
SSchlechts, und zwar 14 913 unter 20 Jahren, davon an 7000 Kinder.
Ih An die Stelle der Spitzenschulen treten hier die „straw plait
Ace (Strohflechtschulen). Die Kinder beginnen hier den Unteren
 im Strohflechten gewöhnlich vom 4, manchmal zwischen
Di 3. und 4. Jahr. Erziehung erhalten sie natürlich keine.
% Kinder selbst nennen die Elementarschulen „natural schools“
serliche Schulen), im Unterschied zu diesen Blutaussaugungslas
 alten, worin sie einfach an der Arbeit gehalten werden, um
Von ihren halbverhungerten Mütiern vorgeschriebene Machwerk,
nn
%1 Ebhenda, S. XXIX, XXX.
        <pb n="457" />
        412

Vierter Abschnifl

meist 30 Yards pro Tag, zu verfertigen. Diese Mütter lassen a
dann oft noch zu Hause bis 10, 11, 12 Uhr nachts arbeiten. D#
Stroh schneidet ihnen Finger und Mund, durch den sie es beständE
anfeuchten. Nach der von Dr. Ballard zusammengefaßten Gesamt
ansicht der medizinischen Beamten Londons bilden 300 Kubikfo
den Minimalraum für jede Person in einem Schlaf- oder Arbeif®
zimmer. In den Strohflechtschulen ist der Raum aber noch SP
licher zugemessen als in den Spitzenschulen, 12%, 17, 18'/, u
unter 22 Kubikfuß für jede Person. „Die kleineren dieser ZahleB:
sagt Kommissär White, „repräsentieren weniger Raum als die Halfte
von dem, den ein Kind einnehmen würde, wenn verpackt in ein?
Schachtel von 3 Fuß nach allen Dimensionen.“ Dies der Leber®
zgenuß der Kinder bis zum 12. oder 14. Jahr. Die elend®
verkommenen Eltern sinnen nur darauf, aus den Kindern soviel al
möglich herauszuschlagen. Aufgewachsen fragen die Kinder natür
lich keinen Deut nach den Eltern und verlassen sie. „Es ist kei
Wunder, daß Unwissenheit und Laster überströmen in einer x
aufgezüchteten Bevölkerung. ... Ihre Moral steht auf der nied!$
sten Stufe. ... Eine große Anzahl der Weiber hat illegitime Kind“
und manche in so unreifem Alter, daß selbst die Vertrauten del
Kriminalstatistik darüber erstarren.“2? Und das Heimatla
dieser Musterfamilien ist, so sagt der sicher im Christentum ko”
petente Graf Montalembert, Europas christliches Musterland!
Der Arbeitslohn, in den eben behandelten Industriezweig”
überhaupt jämmerlich (der ausnahmsweise Maximallohn der Kind!
in den Strohflechtschulen 3 Shilling), wird noch tief unter sein“
Nominalbetrag herabgedrückt durch das namentlich in den Spitze
listrikten allgemein vorherrschende Trucksystem [das System, di
Arbeiter in Waren statt in barem Gelde zu entlohnen. ] 2%

8) Uebergangder modernen Manufaktur und Haut
arbeit zur großen Industrie. Beschleunigu"
dieser Revolution durch Anwendung der Fabr)
gesetze auf jene Betriebsweisen.
Die Verwohlfeilerung der Arbeitskraft durch bloßen Mi
brauch weiblicher und unreifer Arbeitskräfte, bloßen Raub al j
normalen Arbeits- und Lebensbedingungen, und bloße Brutali gl
der Ueber- und Nachtarbeit, stößt zuletzt auf gewisse nicht weil
überschreitbare Naturschranken, und mit ihr auch die auf dien
Grundlagen beruhende Verwohlfeilerung der Waren und kapl «
listische Exploitation überhaupt. Sobald dieser Punkt endlich un
reicht ist, und es dauert lange, schlägt die Stunde für Einführ er
der Maschinerie und die nun rasche Verwändlung der zersplitt
ten Hausarbeit (oder auch Manufaktur) in Fabrikbetrieb.

262 Ebenda, S, XL, XLI. . 185.
28 „Children’s Employment Commission. 1st Report 1863“, p.
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Jreizehntes Kapitel.

413

Das kolossalste Beispiel dieser Bewegung liefert die Proluktion
 von „Wearing Apparel“ (zum Anzug gehörige Artikel). Nach
ler Klassifikation der „Children’s Employment Commission“ umfaßt
lese Industrie Strohhut- und Damenhutmacher, Kappenmacher,
Schneider, Milliners und Dressmakers,*** Hemdenmacher und Näheinnen,
 Korsett-, Handschuh-, Schuhmacher, nebst vielen kleineren
Zweigen, wie Fabrikation von Krawatten, Halskragen usw. Das in
England und Wales in diesen Industrien beschäftigte weibliche
Personal betrug 1861 586298, wovon mindestens 115242 unter 20,
6 650 unter 15 Jahren. Zahl dieser Arbeiterinnen im Vereinigten
Königreich (1861) 750334. Die Zahl der gleichzeitig in Hut-, Schuh-,
Handschuhmacherei und Schneiderei beschäftigten männlichen Ardeiter
 in England und Wales 437 969, wovon 14 964 unter 15 Jahren,
30285 fünfzehn- bis zwanzigjährig, 388117 über 20 Jahre. Es
(ehlen in dieser Angabe viele hierher gehörige kleinere Zweige.
Nehmen wir aber die Zahlen, wie sie stehen, so ergibt sich für England
 und Wales allein, nachdem Zensus von 1861, eine Summe von
L024 277 Personen, also ungefähr soviel wie Ackerbau und Vieh-%ucht
 absorbieren. Man fängt an zu verstehen, wozu die Maschinerie
3 ungeheure Produktenmassen hervorzaubern und so ungeheure
Arheitermassen „freisetzen“ hilft.
Die Produktion des „Wearing Apparel“ wird betrieben durch
Manufakturen, welche in ihrem Innern nur die Teilung der Arbeit
'eproduzierten, deren Membra disjecta [zerstreute Glieder] sie fertig
‚landen; durch kleinere Handwerksmeister, die aber nicht wie
Tüher für individuelle Konsumenten, sondern für Manufakturen und
Warenmagazine arbeiten, so daß oft ganze Städte und Landstriche
‘olche Zweige, wie Schusterei usw., als Spezialität ausüben; endlich
M größten Umfang durch sogenannte Hausarbeiter, welche die ausyartige
 Abteilung der Manufakturen, Warenmagazine und selbst
*T kleineren Meister bilden.?®
Ü Die Massen des Arbeitsstoffes, Rohstoffes, der Halbfabrikate usw.
efert die große Industrie, die Masse des wohlfeilen Menschen-Materials
 (taillable a merci et misericorde, auf Gnade und Ungnade
eisgegeben) besteht aus den durch die große Industrie und Agri-Sültur
 „Freigesetzten“. Die Manufakturen dieser Sphäre verdankii
 ihren Ursprung hauptsächlich dem Bedürfnis der Kapitalisten,
AS jeder Bewegung der Nachfrage entsprechende, schlagfertige
Imee unter der Hand zu haben.?® Diese Manufakturen ließen

D 2%4 Millinery bezieht sich eigentlich nur auf den Kopfputz, doch auch
"amenmäntel und Mantillen, während Dressmakers mit unsern Putzmache-“Rnen
 identisch sind. . sa
5 %5 Die englische Millinery und das Dressmaking werden meist in den
lichkeiten der Anwender, teils durch dort wohnhafte und engagierte
Arbeiterinnen teils durch auswärts wohnende Tagelöhnerinnen betrieben.
\ 266 Kommissär White besuchte eine Manufaktur für Militärkleider, die
90 bis 1200 Personen, fast alle weiblichen Geschlechts, beschäftigte, eine
        <pb n="459" />
        Vierter Abschnitt
jedoch neben sich den zerstreuten handwerksmäßigen und Haus
betrieb als breite Grundlage fortbestehen.
Die große Produktion von Mehrwert in diesen Arbeitszweigel
zugleich mit der fortschreitenden Verwohlfeilerung ihrer Artikel
war und ist hauptsächlich geschuldet dem Minimum des zu kümme”
lichem Vegetieren nötigen Arbeitslohnes, verbunden mit dem Max’
mum menschenmöglicher Arbeitszeit. Es war eben die Wohlfeilbeil
des in Ware verwandelten Menschenschweißes und Menschenblute®
welche den Absatzmarkt beständig erweiterte und täglich erweiterh
für England namentlich auch den Kolonialmarkt, wo überdem €1£
lische Gewohnheit und Geschmack vorherrschen. Endlich trat ei?
Knotenpunkt ein. Die Grundlage der alten Methode, bloß brutal®
Ausbeutung des Arbeitermaterials, mehr oder minder begleitet vo
systematisch entwickelter Arbeitsteilung, genügte dem wachsende
Markt und der noch rascher wachsenden Konkurrenz der Kapit?
listen nicht länger. Die Stunde der Maschinerie schlug. Die ent
scheidend revolutionäre Maschine, welche die sämtlichen zahllose}
Zweige dieser Produktionssphäre, wie Putzmacherei, Schneidere
Schusterei, Näherei, Hutmacherei usw., gleichmäßig ergreift, ist 7
lie Nähmaschine. ,
Ihre unmittelbare Wirkung auf die Arbeiter ist ungefähr dit
aller Maschinerie, welche in der Periode der großen Industrie neV®
Geschäftszweige erobert. Kinder im unreifsten Alter werden ent
fernt. Der Lohn der Maschinenarbeiter steigt verhältnismäßig %
dem der Hausarbeiter, wovon viele zu „den Aermsten der Armel
(„the poorest of the poor“) gehören. Der Lohn der besser gestellte?
Handwerker, mit denen die Maschine konkurriert, sinkt. Die neue?
Maschinenarbeiter sind ausschließlich Mädchen und junge FraueP
Mit Hilfe der mechanischen Kraft vernichten sie das Monopol der
männlichen Arbeit in schwererem Werk und verjagen aus leichtere”
Massen alter Weiber und unreifer Kinder. Die übermächtige Ko?
kurrenz erschlägt die schwächsten Handarbeiter. Das gräulich®
Wachstum des Hungertodes (death from starvation) in London wäh
rend des letzten Jahrzehnts läuft parallel mit der Ausdehnung der
Maschinennäherei.®?7 Die neuen Arbeiterinnen an der Nähmaschin®
welche von ihnen mit Hand und Fuß oder mit der Hand allel®
sitzend und stehend, je nach Schwere, Größe und Spezialität d®
Maschine, bewegt wird, verausgaben große Arbeitskraft. Ihre B®
schäftigung wird gesundheitswidrig durch die Dauer des Prozess®
obgleich er meist kürzer als im alten System. Ueberall, wo die Näb
Schuhmanufaktur mit 1300 Personen, wovon beinahe die Hälfte Kinder und
junge Personen usw. („Children’s Employment Commission. 2nd Report‘
p. XVII, n. 819.) b
267 Ein Beispiel. Am 26, Februar 1864 enthält der wöchentliche Stern
lichkeitsbericht des Registrar General 5 Fälle von Hungertod, Am sel
Tage berichtet die „Times“ einen neuen Fall von Hungertod. 6 Opfer
Hungeriodes in einer Woche!

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Üreizehntes Kapitel.

415

Maschine, wie beim Schuh-, Korsett-, Hutmachen usw., ohnehin enge
ind überfüllte Werkstätten heimsucht, vermehrt sie die gesundheits-Mdrigen
 Einflüsse. „Die Wirkung“, sagt Kommissär Lord, „beim
%ntritt in niedrige Arbeitslokale, wo 30 bis 40 Maschinenarbeiter
Usammenwirken, ist unerträglich. .. . Die Hitze, teilweise den
Jasöfen zur Wärmung der Bügeleisen geschuldet, ist schrecklich.
«. Selbst wenn in solchen Lokalen sogenannte mäßige Arbeitsstunden,
 das heißt von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, vorterrschen,
 fallen dennoch jeden Tag 3 oder 4 Personen regelmäßig
% Ohnmacht.“ 268
Die Umwälzung der gesellschaftlichen Betriebsweise, dies not-Wendige
 Produkt der Umwandlung des Produktionsmitiels, vollzieht
Sich in einem bunten Wirrwarr von Uebergangsformen. Sie wech-;eln
 mit dem Umfang, worin, und der Zeitlänge, während welcher
die Nähmaschine den einen oder andern Industriezweig bereits er-Sifflen
 hat; mit der vorgefundenen Lage der Arbeiter, dem Ueber-5ewicht
 des Manufaktur-, Handwerks- oder Hausbetriebes, dem
Mietpreis der Arbeitslokale usw.?* In der Putzmacherei zum Beipiel,
 wo die Arbeit meist schon organisiert war, hauptsächlich durch
Änfache Kooperation, bildet die Nähmaschine zunächst nur einen
deuen Faktor des Manufakturbetriebes. In der Schneiderei, Hemden-Yacherei,
 Schusterei usw. durchkreuzen sich alle Formen. Hier
Igentlicher Fabrikbetrieb. Dort erhalten Zwischenanwender das
Xohmaterial vom Oberkapitalisten und gruppieren in „Kammern“
er „Dachstuben“ 10 bis 50 und mehr Lohnarbeiter um Näh-Maschinen.
 Endlich, wie bei aller Maschinerie, die kein geglieder-©8
 System bildet und im Zwergformat anwendbar ist, benutzen
Handwerker oder Hausarbeiter, mit eigener Familie oder Zuziehung
Weniger fremder Arbeiter, auch ihnen selbst gehörige Näh-Naschinen.?°
 Tatsächlich überwiegt jetzt in England das System,
daß der Kapitalist eine größere Maschinenanzahl in seinen Baulich-SSiten
 konzentriert und dann das Maschinenprodukt zur weiteren
Srarbeitung unter die Armee der Hausarbeiter verteilt.”
7 Die Buntheit der Uebergangsformen versteckt jedoch nicht die
zadenz zur Verwandlung in eigentlichen Fabrikbetrieb. Diese
©üdenz wird genährt durch den Charakter der Nähmaschine selbst,
N dog Ohildreu’s Employment Commission. ü op ne P SAVE
D. 76 , p. 84, n. 124, p. LXXIIT, n. 441, p. 66, n. 6, p. 84, n. 120, p. (6, N. 09,
Sn 69, p. LXXIL, n. 483. . . .
N Jet „Der Mietpreis der Arbeitslokale scheint das Element zu sein, das
lahe Zter Linie die Grenze bestimmt. Gerade in der Hauptstadt wurde
am N das System, Arbeit an kleine Unternehmer und Familien auszugeben,
(Eben eSten beibehalten, und dort kehrte man am ehesten dazu zurück.“
Schanda, S. 83, N. 123.) Der Schlußsatz bezieht sich ausschließlich auf
Sterei.
der de In der Handschuhmacherei usw., wo die Lage der Arbeiter von
iz Paupers kaum unterscheidbar, kommt dies nicht vor.
„Children’s Employment Commission. 2nd Report 1864“, p. 2, n. 122.
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        Vierter Abschnitt
deren mannigfaltige Anwendbarkeit zur Vereinigung früher g®
Irennter Geschäftszweige in derselben Baulichkeit und unter der
Kommando desselben Kapitals drängt; durch den Umstand, daß
vorläufiges Nadelwerk und einige andere Operationen am geeignet
sten am Sitz der Maschine verrichtet werden; endlich durch die u”
vermeidliche Expropriation [Enteignung] der Handwerker und Hau“
arbeiter, die mit eigenen Maschinen produzieren. Dies Schickse
hat sie zum Teil schon jetzt erreicht. Die stets wachsende Mas“
des in Nähmaschinen angelegten Kapitals??? spornt die Produktio®
und erzeugt Markistockungen, welche das Signal zum Verkauf de!
Nähmaschinen durch die Hausarbeiter läuten. Die Ueberprodukti®®
von solchen Maschinen selbst zwingt ihre absatzbedürftigen Pro
duzenten, sie auf wöchentliche Miete zu verleihen und schafft dam!
eine für die kleinen Maschineneigner tödliche Konkurrenz.??® Stel
noch fortdauernde Konstruktionswechsel und Verwohlfeilerung d#
Maschinen entwerten ebenso beständig ihre alten Exemplare und
lassen sie nur noch massenhaft, zu Spottpreisen gekauft, in der Hand
großer Kapitalisten, profitlich aawenden.
Endlich gibt die Ersetzung des Menschen durch die Dampfmaschin®
hier wie in allen ähnlichen Umwälzungsprozessen den Ausschlag?
Die Anwendung der Dampfkraft stößt im Anfang auf rein technisch®
Hindernisse, wie Schütteln der Maschinen, Schwierigkeit in der B&amp;amp;
herrschung ihrer Geschwindigkeit, raschen Verderb der leichtere?
Maschinen usw., lauter Hindernisse, welche die Erfahrung bald über“
winden lehrt.?* Wenn einerseits die Konzentration vieler Arbeit
maschinen in größeren Manufakturen zur Anwendung der Damp}
kraft treibt, beschleunigt anderseits die Konkurrenz des Dampf
mit Menschenmuskeln Konzentration von Arbeitern und Arbeif®
maschinen in großen Fabriken. So erlebt England gegenwärtig
der kolossalen Produktionssphäre des „Wearing Apparel“ [der B®
kleidungsindustrie], wie in den meisten übrigen Gewerken, die UM
wälzung der Manufaktur, des Handwerks und der Hausarbeit
Fabrikbetrieb, nachdem alle jene Formen, unter dem Einfluß
der großen Industrie gänzlich verändert, zersetzt, entstellt, hereil®
längst alle Ungeheuerlichkeiten des Fabriksystems ohne seil®
positiven Entwicklungsmomente reproduziert und selbst übertriebe
hatten.?75

110

272 In der für den Großverkauf produzierenden Stiefel- und Schu
macherei von Leicester allein waren 1864 bereits 800 Nähmaschinen im
brauch. 4
%78 „Children’s Employment Commission. 2nd Report 1864“, p. 84, D. 1 n
?74 So im Armee-Kleidungsdepot zu Pimlico, London, in der Hemdet
fabrik von Tillie und Henderson zu Londonderry, in der Kleiderfabrik
Firma Tait zu Limerick, die an 1200 „Hände“ vernutzt. ze
275 „Die Tendenz zum Fabrikbetriebe.“ (Ebenda,S. LXVIIL.) „Der g#* e
Gewerbszweig ist heute in einem Zustand des Uebergangs und erfährt ds
selbe Veränderung wie die, welche in der Spitzenindustrie, der Weberei u
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reizehntes Kapitel.

417

_ Diese naturwüchsig vorgehende industrielle Revolution wird
Wnstlich beschleunigt durch die Ausdehnung der Fabrikgesetze auf
le Industriezweige, worin Weiber, junge Personen und Kinder
beiten. Die zwangsmäßige Regulation des Arbeitstages nach
länge, Pausen, Anfangs- und Endpunkt, das System der Ablösung
ür Kinder, der Ausschluß aller Kinder unter einem gewissen
Älter usw. ernötigen einerseits vermehrte Maschinerie*’® und Ersatz
Nr Muskeln durch Dampf als Triebkraft.?? Anderseits, um im
nn zu gewinnen, was in der Zeit verloren geht, findet Streckung
d gemeinschaftlich vernutzten Produktionsmittel statt, der Oefen,
‚&amp;lt;ulichkeiten usw., also in einem Wort größere Konzentration der
‚u duktionsmittel und entsprechende größere Zusammendrängung von
‚beitern. Der leidenschaftlich wiederholte Haupteinwand jeder mit
„m Fabrikgesetz bedrohten Manufaktur ist in der Tat der, daß
ue Kapitalauslagen nötig würden, solle das Geschäft in seinem
über Umfange unter dem Fabrikgesetz fortgeführt werden. Was
Me die Zwischenformen zwischen Manufaktur und Hausarbeit und
tere selbst betrifft, so versinkt ihr Boden mit der Schranke des
„beitstages und der Kinderarbeit. Schrankenlose Ausbeutung
‚hlfeiler Arbeitskräfte bildet die einzige Grundlage ihrer Kon-Wrenzfähigkeit.

. Wesentliche Bedingung des Fabrikbetriebes, namentlich sobald
de der Regulation des Arbeitstages unterliegt, ist normale Sicherheit
Wo Resultats, das heißt Produktion eines bestimmten Quantums
dien oder eines bezweckten Nutzeffekts in gegebenem Zeitraum.
fen gesetzlichen Pausen des regulierten Arbeitstages unterstellen
St plötzlichen und periodischen Stillstand der Arbeit ohne
Sek für das im Produktionsprozeß befindliche Machwerk. Diese
ng seit des Resultats und Unterbrechungsfähigkeit der Arbeit
Natürlich in rein mechanischen Gewerken leichter erzielbar

Ot Sich ist.“ (Ebenda, N. 405.) „Eine vollständige Umwälzung.“
benda, SALVL N) Zur Zeit der „Children’s Employment Commission“
mn 1840 war die Strumpfwirkerei noch Handarbeit. Seit 1846 wurde ver-‚tiedenartige
 Maschinerie eingeführt, die jetzt durch Dampf getrieben wird.
N Gesamtzahl der in der englischen Strumpfwirkerei beschäftigten Personen
A derlei Geschlechts und aller Altersstufen vom 8. Jahre an betrug 1862
T Sefähr 129000 Personen. Davon, nach Parliamentary Return vom
. Februar, 1862 doch nur 40638 unter der Botmäßigkeit des Fabrikakis,
, 278 Sg zum Beispiel in der Töpferei berichtet die Firma Cochrane von
% © „Britain Pottery“, Glasgow: „Um unsere Leistungsfähigkeit Zu erhalten,
nd Wir dazu übergegangen, in reichem Maße Maschinen anzuwenden, die
nn Ungelernten Arbeitern bedient werden, und jeder Tag lehrt uns, daß wir
N größeres Quantum herstellen können als nach dem alten Verfahren.
de Sports of Insp. of Fact. for 31st October 1865“, p. 18.) „Die Wirkung
ben Aörikakts ist, zu weiterer Einführung von Maschinerie zu treiben.
da, 8,
de “7 So ach rung des Fabrikakts in die Töpferei große Zunahme
* Drekscheiben mit Maschinenbetrieb statt solcher mit Handbetrieb.
Das Kapital 1

A E —————
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        418

Vierter Abschn!

als dort, wo chemische und physikalische Prozesse eine Rolle spiel®
wie zum Beispiel in Töpferei, Bleicherei, Färberei, Bäckerei, 9
meisten Metallmanufakturen. Mit dem Schlendrian des ®
beschränkten Arbeitstages, der Nachtarbeit und freier Mensch®
verwüstung gilt jedes naturwüchsige Hindernis bald für eine ewig!
„Naturschranke“ der Produktion. Kein Gift vertilgt Ungezief®
sicherer als .das Fabrikgesetz solche „Naturschranken“. Niems
schrie lauter über „Unmöglichkeiten“ als die Herren von de
Töpferei. 1864 wurde ihnen das Fabrikgesetz auferlegt und all
Unmöglichkeiten waren schon 16 Monate später verschwunden.
Die durch das Fabrikgesetz hervorgerufene „verbesserte Me
ihode, Töpferbrei (slip) durch Druck statt durch Verdunstung *
machen, die neue Konstruktion der Oefen zum Trocknen der vw
gebrannten Ware usw. sind Ereignisse von großer Wichtigkeit d
der Kunst der Töpferei und bezeichnen einen Fortschritt derselb®
wie ihn das letzte Jahrhundert nicht aufweisen kann, ... Die 1er
peratur der Oefen ist beträchtlich vermindert, bei beträchtlicher X
nahme im Kohlenkonsum und rascherer Wirkung auf die Ware
Trotz aller Prophezeiung stieg nicht der Kostenpreis der Töpfe
waren, wohl aber die Produktenmasse, so daß die Ausfuhr ve
12 Monate von Dezember 1864 bis Dezember 1865 einen W
überschuß von 188628 Pfd. Sterl. über den Durchschnitt der d”
vorigen Jahre ergab. ;
In der Fabrikation von Zündhölzern galt es als Naturges®®
daß Jungen selbst während der Herunterwürgung ihres Mitt#$ ;
mahles die Hölzer in eine warme Phosphormischung tunkten, dert
giftiger Dampf ihnen in das Gesicht stieg. Mit der Notwendigk?,
Zeit zu ersparen, erzwang der Fabrikakt (1864) eine „dipP
machine“ (Eintauchungsmaschine), deren Dämpfe den Arbeiter
erreichen können.??? ;
So wird jetzt in den noch nicht dem Fabrikgesetz unterworfen”
Zweigen der Spitzenmanufaktur behauptet, die Mahlzeiten könne,
nicht regelmäßig sein wegen der verschiedenen Zeitlängen, di
verschiedene Spitzenmaterialien zur Trocknung brauchen, und t
von drei Minuten bis zu einer Stunde und mehr wechseln. Hierauf 80
worteten die Kommissäre der „Children’s Employment Commissio® €
„Die Umstände sind dieselben wie in der Tapetendruckerei. Einf
der Hauptfabrikanten in diesem Zweige machten lebhaft geltend, ge
Natur der verwandten Materialien und die Verschiedenartigkeit int
Prozesse, die sie durchlaufen, erlaubten ohne großen Verlust B® ff
plötzliche Stillsetzung der Arbeit für Mahlzeiten. ... Durch A
sechste Klausel der sechsten Sektion des Factory Act’s Extension
75 „Reports of Insp. of Fact. for 31st October 1865“, p. 96, 127. ot
279 Die Einführung dieser und anderer Maschinerie in der zündtr,
[abrikation hat in einem einzigen Zweig derselben 230 junge Personen d we
32 Jungen und Mädchen von 14 bis 17 Jahren ersetzt. Diese Ersparunf
Arbeitern wurde 1865 weitergeführt durch Anwendung der Dampfkraft
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teizehntes Kapitel.

419

1864) ward ihnen eine achtzehnmonatige Frist vom Erlassungsatum
 des Akts an eingeräumt, nach deren Ablauf sie sich den
ürch den Fabrikakt festgesetzten Erfrischungspausen fügen
Wißten.“280 Kaum hatte das Gesetz parlamentarische Sanktion eralten,
 als die Herren Fabrikanten auch entdeckten: „Die Mißlände,
 die wir von der Einführung des Fabrikgesetzes erwarteten,
Ind nicht eingetreten. Wir finden nicht, daß die Produktion irgend-"le
 gelähmt ist. In der Tat, wir produzieren mehr in derselben
leit. “201 Man sieht, das englische Parlament, dem sicher niemand
"ehialität vorwerfen wird, ist durch Erfahrung zur Einsicht gelangt,
aß ein Zwangsgeseiz alle sogenannten Naturhindernisse der Profktion
 gegen Beschränkung und Regelung des Arbeitstages einfach
Vegdiktieren kann. Bei Einführung des Fabrikakts in einem
Adustriezweig wird daher ein Termin von 6 bis 18 Monaten gestellt,
Äerhalb dessen es Sache ‚der Fabrikanten ist, die technischen
Ündernisse wegzuräumen. Mirabeaus: „Impossible? Ne me dites
A mais ce bete de mot!“ [„Unmöglich? Kommt mir niemals mit
„sem albernen Wort!“] gilt namentlich für die moderne Techno-“Sie,
 Wenn aber das Fabrikgesetz so die zur Verwandlung des
"anufakturbetriebes in Fabrikbetrieb notwendigen materiellen Ele-Nente
 treibhausmäßig reift, beschleunigt es zugleich durch die Not-"öhdigkeit
 vergrößerter Kapitalauslage den Untergang der kleine-%
 Meister und die Konzentration des Kapitals.?#2 ,
. Abgesehen von den rein technischen und technisch beseitbaren
Ündernissen stößt die Regulation des Arbeitstages auf unregel-„äßige
 Gewohnheiten der Arbeiter selbst, namentlich wo Stücklohn
a errscht und Verbummelung der Zeit in einem Tages- oder
Schenabschnitt durch nachträgliche Ueberarbeit oder Nachtarbeit
Vemacht werden kann, eine Methode, die den erwachsenen Ar-Siter
 Verroht. seine unreifen und weiblichen Genossen ruiniert.?®

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*0 „Children’s Employment Commission. 2nd Report 1864“, p. IX, n. 50.
‘81 Reports of Insp. of Fact. for 31st October 1865“, p. 22.
] *2 Man muß bedenken, daß jene Verbesserungen, obwohl in manchen
ernehmungen vollständig durchgeführt, doch keineswegs allgemein sind
% din Vielen alten Betrieben nicht eingeführt werden können ohne Kapitallagen,
 die über die Mittel vieler ihrer jetzigen Besitzer hinausgehen.
tl.‘ Bine vorübergehende Desorganisation begleitet notwendig die Ein-"üng
 des Fabrikgesetzes. Der Umfang dieser Desorganisation steht in
seem Verhältnis zur Größe der zu heilenden Mißstände.‘“ (Ebenda,
) , 97.) |
8 In öfen zum Beispiel „wird die Arbeit gegen Ende der
Voche Sir Pag edehn infolge der Gewohnheit der Arbeiter, den Montag
| eg Selegentlich auch den Dienstag teilweise oder ganz blau zu machen ö
HeAlldrems Employment Commission. 3rd Report“, p. VI.) „Die kleinen
ie Ster halten gewöhnlich sehr unregelmäßige Arbeitszeit ein, Sie vernt
 2 oder 3 Tage, und dann arbeiten sie die Nächte durch, um das herjap
 Uringen, ... Sie verwenden stets ihre eigenen Kinder, wenn sie welche
°n.“ (Ebenda, S. VII) „Die Unregelmäßigkeit im Antritt der Arbeit,
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        420 )

Vierter Abschn!

Obgleich diese Regellosigkeit in Verausgabung der Arbeitskraft €
naturwüchsige rohe Reaktion gegen die Langeweile monotoner
beitsplackerei ist, entspringt sie jedoch in ungleich höherem Grö®
aus der Anarchie der Produktion selbst, die ihrerseits wieder
gezügelte Ausbeutung der Arbeitskraft durch das Kapital von
setzt. Neben die allgemeinen periodischen Wechselfälle des in ev
striellen Zyklus und die besonderen Marktschwankungen in jed®
Produktionszweig treten namentlich die sogenannte Saison, ber
sie nım auf Periodizität der Schiffahrt günstiger Jahreszeiten 9 w
auf der Mode, und die Plötzlichkeit großer und in kürzester PO
auszuführender Aufträge. Die Gewohnheit der letzteren dehnt 5%
mit Eisenbahnen und Telegraphie aus. „Die Ausdehnung des Eis
bahnsystems“, sagt zum Beispiel ein Londoner Fabrikant, „0
das ganze Land hat die Gewohnheit kurzer Aufträge sehr geförd®”
Käufer kommen jetzt von Glasgow, Manchester und Edinburg %
gefähr einmal in 14 Tagen zu den großen Citywarenhäusern, de? A
wir die Waren liefern. Sie geben Aufträge, die unmittel?”
ausgeführt werden müssen, statt vom Lager zu kaufen, wie es gl
wohnheit war. In früheren Jahren waren wir stets fähig, währ® w
der schlaffen Zeit für die Nachfrage der nächsten Saison vor
zuarbeiten, aber jetzt kann niemand vorhersagen, was dann in Nat
frage sein wird.“ 2% u
In den noch nicht dem Fabrikgesetz unterworfenen F abrife
und Manufakturen herrscht periodisch die furchtbarste Ueberar?
während der sogenannten Saison, stoßweise infolge plötzlicher er
träge. Im auswärtigen Gebiet der Fabrik, der Manufaktur und w
Warenmagazins, in der Sphäre der Hausarbeit, ohnehin dur0he
unregelmäßig, für ihr Rohmaterial und ihre Aufträge ganz abhäP?
von den Launen des Kapitalisten, den hier keine Rücksicht 58
Verwertung von Baulichkeiten, Maschinen usw. bindet und der Ye
nichts riskiert als die Haut der Arbeiter selbst, wird so systemat® «
eine stets verfügbare industrielle Reservearmee großgezüchteb 6
lichtet während eines Teiles, des Jahres durch unmenschlich®,
Arbeitszwang, während des andern Teiles verlumpt durch Arb® g'
mangel. „Die Anwender“, sagt die „Children’s Employment Us
mission“, „beuten die gewohnheitsmäßige Unregelmäßigkeit 4%
Hausarbeit aus, um sie in Zeiten, wo Extrawerk nötig, bis 11 all
2 Uhr nachts, in der Tat, wie die stehende Phrase lautet. auf »

4 her
gefördert durch die Möglichkeit und Gewohnheit, dies durch Ueberzeit T
einzubringen.“ (Ebenda, S. XVIIL) „Ein ungeheurer Zeitverlust in Bir ic
ham ... indem sie einen Teil der Zeit müßig gehen und den Rest übe
abplacken wie die Galeerensklaven.“ (Ebenda, 8, XI.) xl
284 „Children’s Employment Commission. A4th Report“, p- X de
XXXIIL „Die Ausdehnung des Eisenbahnsystems soll diese Gewohnb® u
Erteilung kurzfristiger Aufträge sehr gefördert haben, sowie die sich zzel
ergebende Ueberhastung, Vernachlässigung der Essenszeiten und Ueb®
arbeit.“ (Ebenda, S. XXX.)
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Dreizehntes Kapitel.

421

Stunden“ hinaufzuschrauben, und dies in Lokalen, „wo der Gestank
hinreicht, euch niederzuschmettern (the stench is enough to knock
You down). Ihr geht vielleicht bis an die Tür und öffnet sie,
aber schaudert zurück vor weiterem Vorgehen.“25 „Es sind
komische Käuze, unsere Anwender,“ sagt einer der verhörten
Zeugen, ein Schuster, „sie glauben, es tue einem Jungen keinen
Schaden, daß er während eines halben Jahres totgerackert wird,
venn er während der andern Hälfte fast vollständig müßig bleibt.‘““2%
Wie die technischen Hindernisse, so wurden und werden diese
“genannten „Geschäftsgewohnheiten“ („usages which have grown
With the growth of trade“) von interessierten Kapitalisten als „Natur-Schranken“
 der Produktion behauptet, ein Lieblingsschrei dies der
Saumwoll-Lords zur Zeit, als das Fabrikgesetz sie zuerst bedrohte.
Obgleich ihre Industrie mehr als jede andere auf dem Weltmarkt
And daher der Schiffahrt beruht, strafte die Erfahrung sie Lügen.
Seitdem wird jedes angebliche „Geschäftshindernis“ von den eng-Üschen
 Fabrikinspektoren als hohle Flause behandelt.?? Die
S’ündlich gewissenhaften Untersuchungen der „Children’s Employu
 Commission‘ beweisen in der Tat, daß in einigen Industrien
„&amp;gt; bereits angewandte Arbeitsmasse nur gleichmäßiger über das
Ve Jahr verteilt würde durch die Regulation des Arbeitstages,2?%
‚aß letztere der erste rationelle Zügel für die menschenmörderischen,
haltlosen und an sich dem System der großen Industrie unange-Messenen
 Flatterlaunen der Mode,2® daß die Entwicklung der oze-%5
 Ebenda, S. XXXV, N. 285, 287.
%6 Ebenda, S. 127, N. 56.
&amp;amp; ‚27 Wenn von dem Verlust gesprochen wird, der dem Handel daraus
kon Schst, daß Aufträge zur Verschiffung nicht rechtzeitig eingehalten werden
in en, erinnere ich mich, daß dies das Lieblingsargument der Fabrikherren
age Jahren 1832 und 1833 war. Nichts, was heute über diesen Gegen-Da
 d vorgebracht wird, hat so viel Gewicht, wie es damals hatte, als der
int noch nicht alle Entfernungen halbiert und ganz neue Verkehrstische
 ungen eingeführt hatte. Dies Argument erwies sich damals bei prakw
 er Erprobung als völlig hinfällig, und sicherlich wird es sich wieder so
br ax sobald es auf die Probe gestellt wird.“ („Reports of Insp. of Fact,
Ist October 1862“, p. 54, 55.)
28 _Children’s Employment Commission. 4th Report“, p. XVIII, n. 118,
Ver %9 John Bellers bemerkt schon 1699: „Die Unsicherheit der Moden
Heben mit Notwendigkeit die Zahl der Armen, Sie bringt zwei große
Man Stände mit sich: 1. Die Arbeiter sind im Winter elend ‚daran aus
Wa gel ‚an Arbeit, da die Schnittwarenhändler und Webermeister nicht
Pr ihr Kapital zur Einstellung von Arbeitern auszulegen, bevor das
Prater kommt und sie wissen, was dann Mode sein ‚wird; 2. reichen im
Lehren die Arbeiter nicht aus, die Webermeister müssen vielmehr viele
Köni Inge heranziehen, um in einem Viertel- oder Halbjahr den Bedarf des
Ontziep OS zu decken. Dadurch berauben sie ‚den Ackerbau der Hände,
lassen en dem Lande die Arbeitskräfte, füllen die Städte mit Beitlern und
about den im Winter verhungern, die sich zu betteln schämen.“ (Essays
oor, Manufactures ete.“, p. 9.)
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        122

Vierter Abschnifl

anischen Schiffahrt und der Kommunikationsmittel überhaupt d&amp;amp;
eigentlich technischen Grund der Saisonarbeit aufgehoben hat,*® daß
alle andern angeblich unkontrollierbaren Umstände weggeräumt wer
den durch weitere Baulichkeiten, zusätzliche Maschinerie, vermehrt
Anzahl der gleichzeitig beschäftigten Arbeiter”! und von selbe!
folgenden Rückschlag auf das System des Großhandels.?? Jedo®
versteht sich das Kapital, wie es wiederholt durch den Mund sein“
Repräsentanten erklärt, zu solcher Umwälzung „nur unter deP
Druck eines allgemeinen Parlamentsakts“,?® der den Arbeitst%
zwangsgesetzlich reguliert.

9. Fabrikgesetzgebung. (Gesundheits- und Erziehungsklauselt)
Ihre Verallgemeinerung in England.
Die Fabrikgesetzgebung, diese erste bewußte und planmäßig?
Rückwirkung der Gesellschaft auf die naturwüchsige Gestalt ihre®
Produktionsprozesses, ist, wie man gesehen, ebensosehr ein not
wendiges Produkt der großen Industrie, wie Baumwollgarn, self
actors und der elektrische Telegraph. Bevor wir zu ihrer \
allgemeinerung in England übergehen, sind noch einige nicht #
die Stundenzahl des Arbeitstages bezügliche Klauseln des englisch®
Fabrikakts kurz zu erwähnen.
Abgesehen von ihrer Redaktion, welche dem Kapitalisten ihr
Umgehung erleichtert, sind die Gesundheitsklauseln äußerst mag®
in der Tat beschränkt auf Vorschriften für Weißen der Wänd
und einige sonstige Reinlichkeitsmaßregeln, Ventilation und Schul
gegen gefährliche Maschinerie. Wir kommen im dritten Buch auf

290 „Children’s Employment Commission, 5th Report“, p. 171, n. 31. ;
201 So heißt es zum Beispiel in den Zeugenaussagen von Bradford®
Exporthändlern: „Unter diesen Umständen ist es klar, daß Jungen nich
länger als von 8 Uhr morgens bis 7 oder 71 Uhr abends in den Ware
aäusern beschäftigt zu werden brauchen. Es ist nur eine Frage von Ext
auslage und Extrahänden. Die Jungen brauchten nicht so spät in die N2®
binein zu arbeiten, wären einige Anwender nicht so profithungrig; ein
Extramaschine kostet nur 16 oder 18 Pfd. Sterl. Zum großen Teil entsprisf
die Ueberzeitarbeit aus ungenügenden Vorrichtungen und Raummange*
(Ebenda, S. 171, N. 31, 36, 38.) u
292 Ebenda. Ein Londoner Fabrikant, der übrigens die zwangswelt”
Regulation des Arbeitstages als Schutzmittel der Arbeiter gegen die Fa
kanten und der Fabrikanten selbst gegen den Großhandel betrachtet, Sn
aus: „Der Druck in unserm Geschäft ist verursacht durch die Verschiff
die zum Beispiel Ware mit einem Segelschiff verschicken wollen, um pt
eine bestimmte Saison an Ort und Stelle zu sein und zugleich die Fra oß
differenz zwischen Segelschiff und Dampfschiff einzustecken, oder Ya
zwei Dampfschiffen das frühere wählen, um vor ihren Konkurrenten *
dem auswärtigen Markt zu erscheinen.“ eiß
298 „Dem könnte begegnet werden“, sagt ein Fabrikant, „um den Pr ed
einer Erweiterung der Werksanlagen unter dem. Druck eines allgeme?
Parlamentsakts.‘“ (Ebenda, S. X, N. 88.)
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Dreizehntes Kapitel.

428

len fanatischen Kampf der Fabrikanten gegen die Klausel zurück,
lie ihnen eine geringe Ausgabe zum Schutze der Gliedmaßen ihrer
‚Hände“ aufoktroyiert. Hier bewährt sich wieder glänzend das
} Teihandelsdogma, daß in einer Gesellschaft gegensätzlicher Inter-"sen
 jeder das Gemeinwohl durch Verfolgung seines Eigennutzes
Ördert. Ein Beispiel genügt. Man weiß, ‚daß sich seit der Mitte
ler vierziger Jahre die Flachsindustrie und mit ihr die Scutching
Mills (Fabriken zum Schlagen und Brechen des Flachses) in
Yang sehr vermehrt haben. Es gab dort 1864 an 1800 dieser
Mills. Periodisch im Herbst und Winter werden hauptsächlich
'Unge Personen und Weiber, die Söhne, Töchter und Frauen der
benachbarten kleinen Pächter, lauter mit Maschinerie ganz unbekannte
 Leute, von der Feldarbeit weggeholt, um die Walzwerke
der Seutching Mills mit Flachs zu füttern. Die Unfälle sind nach
Umfang und Intensität gänzlich beispiellos in der Geschichte der
Maschinerie. Eine einzige Seutching Mill zu Kildinan (bei Cork)
'ählte von 1852 bis 1856 6 Todesfälle und 60 schwere Verstümmeungen,
 welchen allen durch die einfachsten Anstalten, zum Preis
"on wenigen Shilling, vorgebeugt werden konnte. Dr. W. White,
der Certifying Surgeon [zur Erteilung von Zeugnissen bestellte Arzt]
ler Fabriken zu Downpatrick, erklärt in einem offiziellen Bericht
"om 15. Dezember 1865: „Die Unfälle in Scutching Mills sind
Urchtbarster Art. In vielen Fällen wird ein Vierteil des Körpers
70m Rumpfe gerissen. Tod oder eine Zukunft elenden Unvermögens
Id Leidens sind gewöhnliche Folgen der Wunden. Die Zunahme
der Fabriken in diesem Lande wird natürlich diese schauderhaften
Resultate ausdehnen. Ich bin überzeugt, daß durch geeignete Staats-Derwachung
 der Scutching Mills große Opfer von Leib und Leben
U vermeiden sind.“?* Was könnte die kapitalistische ProduktionsySise
 besser charakterisieren als die Notwendigkeit, ihr durch
“Wangsgesetz von Staats wegen die einfachsten Reinlichkeits- und
\qSundheitsvorrichtungen aufzuherrschen? „Der Fabrikakt von
864 hat in den Töpfereien über 200 Werkstätten geweißt und
SSreinigt, nach zwanzigjähriger oder gänzlicher Enthaltung von jeder
[ Ichen Operation (dies ist die „Abstinenz“ des Kapitals!), in
x lätzen, wo 27800 Arbeiter beschäftigt sind, die bisher, während
Dermäßiger Tages-, oft Nachtarbeit, eine verpestete Atmosphäre
natmeten, welche eine sonst vergleichungsweise harmlose Beschäfjung
 mit Krankheit und Tod schwängerte. Der Akt hat die Ventila-“ORsmittel
 sehr vermehrt.“?®
&amp;amp; Zugleich zeigt dieser Zweig des Fabrikakts schlagend, wie die
„.Pitalistische Produktionsweise ihrem Wesen nach über einen ge-"sen
 Punkt hinaus jede rationelle Verbesserung ausschließt. Es
Vard wiederholt bemerkt, daß die englischen Aerzte aus einem

nn
%4 Ebenda, S. XV, N. 72 ff.
295 „Reports of Insp. of Fact. for 81st October 1865“, p. 127.
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        124

Vierter Abschnitt

Munde 500 Kubikfuß Luftraum pro Person für kaum genügendes
Minimum bei fortgesetzter Arbeit erklären. Nun wohl! Wenn de!
Fabrikakt indirekt durch alle seine Zwangsmaßregelin die Verwand
lung kleinerer Werkstätten in Fabriken beschleunigt, daher indirekt
in das Eigentumsrecht der kleineren Kapitalisten eingreift und del
großen das Monopol sichert, so würde die gesetzliche Aufherrschunßg
des nötigen Luftraumes für jeden Arbeiter in der Werkstätte Tat
sende von kleinen Kapitalisten mit einem Schlage direkt e%
propriieren! Sie würde die Wurzel der kapitalistischen Produktion®
weise angreifen, das heißt die Selbstverwertung des Kapitals, ob
groß oder klein, durch „freien“ Ankauf und Konsum der Arbeit®
kraft. Vor diesen 500 Kubikfuß Luft geht daher der Fabrikgeset!“
gebung der Atem aus. Die Gesundheitsbehörden, die industrielle?
Untersuchungskommissionen, die Fabrikinspektoren wiederholel
wieder und wieder die Notwendigkeit der 500 Kubikfuß und di®
Unmöglichkeit, sie dem Kapital aufzuzwingen. Sie erklären so ®
der Tat Schwindsucht und andere Lungenkrankheiten der Arbeit
tür eine Lebensbedingung des Kapitals.?®
Armselig wie die Erziehungsklauseln des Fabrikakts im gal
zen erscheinen, proklamierten sie den Elementarunterricht al®
Zwangsbedingung der Arbeit?” Ihr Erfolg bewies zuerst die Möf
lichkeit der Verbindung von Unterricht und Gymnastik? mit Hand
arbeit, also auch von Handarbeit mit Unterricht und Gymnastik
Die Fabrikinspektoren entdeckten bald aus den Zeugenverhören der
Schulmeister, daß die Fabrikkinder, obgleich sie nur halb govie
Unterricht genießen als die regelmäßigen Tagesschüler, ebensoviel
29% Man hat erfahrungsmäßig gefunden, daß ungefähr 25 Kubikzol
Luft bei jeder Atmung mittlerer Intensität von einem gesunden Durch“
schnittsindividuum konsumiert werden und ungefähr 20 Atmungen pro
Minute vorgehen. Der Luftkonsum eines Individuums in 24 Stunden ergäb®
danach ungefähr 720 000 Kubikzoll oder 416 Kubikfuß. Man weiß aber, daß
die einmal eingeatmete Luft nicht mehr zu demselben Prozeß dienen kan:
bevor sie in der großen Werkstätte der Natur gereinigt wird. Nach de
Experimenten von Valentin und Brunner scheint ein gesunder Mann UP“
gefähr 1300 Kubikzoll Kohlensäure pro Stunde auszuatmen; dies ergäbe ul
gefähr 8 Unzen fester Kohle, von der Lunge in 24 Stunden abgeworfel
„Jeder Mann sollte wenigstens 800 Kubikfuß haben.“ (Hurley.)
297 Nach dem englischen Fabrikakt können die Eltern Kinder unter
14 Jahren nicht in die „kontrollierten“ Fabriken schicken, ohne ihnen zr
gleich Elementarunterricht erteilen zu lassen. Der Fabrikant ist verantwort
lich für die Befolgung des Gesetzes. „Fabriksunterricht ist obligatorisch
and eine Bedingung der Arbeit.“ („Reports of Insp. of Fact. for 31st Octob®
1868“, p. 111.)
*%8 Ueber die vorteilhaften Erfolge der Verbindung von Gymnastik (für
Jungen auch militärischer Uebungen) mit Zwangsunterricht der Fabriß”
kinder und Armenschüler siehe die Rede von N. W. Senior im 7. jährliebe®
Kongreß der „National Association for the Promotion of Social Seience“ E
„Report of Proceedings etc. London 1863“, S. 63, 64, ebenso den Bericht d°®
Fabrikinspektoren für 31. Oktober 1865, S. 118, 119, 120, 126 ft.
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Dreizehntes Kapitel.

425

ind oft mehr lernen. „Die Sache ist einfach. Diejenigen, die sich
Wr einen halben Tag in der Schule aufhalten, sind stets frisch und
ast immer fähig und willig, Unterricht zu empfangen. Das System
lalber Arbeit und halber Schule macht jede der beiden Beschäftisungen
 zur Ausruhung und Erholung von der andern und folglich
el angemessener für das Kind als die ununterbrochene Fortdauer
üner von beiden. Ein Junge, der von morgens früh in der Schule
Wizt, und nun gar bei heißem Wetter, kann unmöglich mit einem
indern wetteifern, der munter und aufgeweckt von seiner Arbeit
kommt.“ 299 Weitere Belege findet man in Seniors Rede auf dem
%ziologischen Kongreß zu Edinburg 1863. Er weist hier auch
Inter anderm nach, wie der einseitige, unproduktive und verlängerte
Schultag der Kinder der höheren und mittleren Klassen die Arbeit
ler Lehrer nutzlos vermehrt, „während er Zeit, Gesundheit und
Snerpie der Kinder nicht nur fruchtlos, sondern absolut schädlich
yrwüstet“,200 Aus dem Fabriksystem, wie man im Detail bei Robert
wen verfolgen kann, entsproß der Keim der Erziehung der Zu-Xunft,
 welche für alle Kinder über einem gewissen Alter produktive
Arbeit mit Unterricht und Gymnastik verbinden wird, nicht nur
ls eine Methode zur Steigerung der gesellschaftlichen Produktion,
ndern als die einzige Methode zur Produktion vollseitig ent-Vickelter
 Menschen.
Des Man hat gesehen, daß die große Industrie die manufakturmäßige
‚lung der Arbeit mit ihrer lebenslänglichen Fesselung eines
Snzen Menschen an eine Detailoperation technisch aufhebt, während
Ugleich die kapitalistische Form der großen Industrie jene Arbeits-...

 29 ‚Reports of Insp. of Fact. for 81st October 1865“, p. 118. Ein naiver
°Cidenfabrikant erklärt den Untersuchungskommissären der „Children’s
 nployment Commission“: „Ich bin durchaus überzeugt, daß das wahre
“Cheimnis der Produktion tüchtiger Arbeiter gefunden ist in der Vereinigung
der Arbeit mit Unterricht von der Periode der Kindheit an, Natürlich muß
lie Arbeit weder zu anstrengend, noch widerlich und ungesund sein. Ich
"ünschte, meine eigenen Kinder hätten Arbeit und Spiel zur Abwechselung
A der Schule.“ („Children’s Employment Commission. 5th Report“, p. 82,
x 6.)
50 Senior im „Report of Proceedings“ des 7. jährlichen Kongresses der
‚National Association for the Promotion of Social Science“, S. 66. Wie die
Soße Industrie auf einem gewissen Höhegrad durch die Umwälzung der
Täteriellen Produktionsweise und der gesellschaftlichen Produktionsverhält-Usge
 auch die Köpfe umwälzt, zeigt schlagend ein Vergleich zwischen der
Rede des N. W. Senior von 1863 und seiner Philippika gegen das Fabriksetz
 von 1838, oder ein Vergleich der Ansichten des erwähnten Kongresses
pt der Tatsache, daß es in gewissen ländlichen Teilen Englands armen
Ütern immer noch bei Strafe des Hungertodes verboten ist, ihre Kinder zu
Ziehen, So zum Beispiel berichtet Herr Snell als gewöhnliche Praxis in
‚Mersetshire, daß, wenn eine arme Person Pfarreihilfe anspricht, sie ge-Arngen
 wird, ihre Kinder aus der Schule zu nehmen, So erzählt Herr
5. Maston, Pfarrer zu Feltham, von Fällen, wo alle Unterstützung gewissen
“Amilien versagt wurde, „weil sie ihre Jungen zur Schule schickten“!
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        126

Vierter Abschnitt

teilung noch ungeheuerlicher reproduziert, in der eigentlichen Fabrib
durch Verwandlung des Arbeiters in das selbstbewußte Zubehöl
einer Teilmaschine, überall sonst teils durch sporadischen Gebrau®
der Maschinen und der Maschinenarbeit,?! teils durch Einführum$
von Weiber-, Kinder- und ungeschickter Arbeit als neuer Grum“
lage der Arbeitsteilung. Der Widerspruch zwischen der man“
fakturmäßigen Teilung der Arbeit und dem Wesen der große
Industrie macht sich gewaltsam geltend. Er erscheint unter ander?
in der furchtbaren Tatsache, daß ein großer Teil der in d®
modernen Fabriken und Manufakturen beschäftigten Kinder, vo”
zartesten Alter festgeschmiedet an die einfachsten Handgriffe, jahr“
lang ausgebeutet wird, ohne Erlernung irgendeiner Arbeit, die 5%
später auch nur in derselben Manufaktur oder Fabrik brauchb#
machte.
In den englischen Buchdruckereien zum Beispiel fand frühe
ein dem System der alten Manufaktur und des Handwerkes et!
sprechender Uebergang der Lehrlinge von leichteren zu inhall®
volleren Arbeiten statt. Sie machten einen Lerngang durch, bis %®*
fertige Drucker waren. Lesen und schreiben zu können war für all
ein Handwerkserfordernis. Alles das änderte sich mit der Druc“
maschine. Sie verwendet zwei Sorten von Arbeitern, einen
wachsenen Arbeiter, den Maschinenaufseher, und Maschinenjung®
meist von 11 bis 17 Jahren, deren Geschäft ausschließlich darin b®
steht, einen Bogen Papier der Maschine zu unterbreiten oder iM
den gedruckten Bogen zu entziehen. Sie verrichten, in Lond®
uamentlich, diese Plackerei 14, 15, 16 Stunden ununterbrochen wäh
rend einiger Tage in der Woche und oft 36 Stunden nacheinand®
mit nur 2 Stunden Rast für Mahlzeit und Schlaf!?®* Ein groß!
Teil von ihnen kann nicht lesen, und sie sind in der Regel ga
verwilderte, abnorme Geschöpfe. „Um sie zu ihrem Werk zu b®
fähigen, ist keine intellektuelle Ausbildung irgendeiner Art nötlf!
sie haben wenig Gelegenheit für Geschick und noch weniger {U
301 Wo handwerksmäßige Maschinen, durch Menschenkraft getriebe
direkt oder indirekt mit entwickelter und daher mechanische Triebkraf!
voraussetzender Maschinerie konkurrieren, geht eine große Umwandlurß
vor mit Bezug auf den Arbeiter, der die Maschine treibt. Ursprünge
ersetzte die Dampfmaschine diesen Arbeiter,. jetzt soll er die Damp.
maschine ersetzen. Die Spannung und Verausgabung seiner Arbeitskr2l
wird daher ungeheuerlich, und nun gar für Unerwachsene, die zu dies®
Tortur verurteilt sind! So fand der Kommissär Longe in Coventry und Ve
gebung Jungen von 10 bis 15 Jahren zum Drehen der Bandstühle verwa” "
abgesehen von jüngeren Kindern, die Stühle von kleinerer Dimension %
ärehen hatten. „Es ist außerordentlich mühsame Arbeit. Der Junge ist Ca
bloßer Ersatz für Dampfkraft,“ („Children’s Employment Commissi0h
th Report 1866“, p. 114, n. 6.) Ueber die mörderischen Folgen „dies“
Systems der Sklaverei“, wie der offizielle Bericht es nennt, ebenda ur
folgende Seiten,
302 Ebenda, S. 3, N. 24.
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reizehntes Kapitel.

427

Srteil; ihr Lohn, obgleich gewissermaßen hoch für Jungen, wächst
licht verhältnismäßig, wie sie selbst heranwachsen, und die große
Mehrzahl hat keine Aussicht auf den einträglicheren und verant-Mortlicheren
 Posten des Maschinenaufsehers, weil auf jede Maschine
wur 1 Aufseher und oft 4 Jungen kommen.‘“*° Sobald sie zu alt für
hre kindische Arbeit werden, also spätestens im 17. Jahr, entäßt
 man sie aus der Druckerei. Sie werden Rekruten des Ver-Yechens.
 Einige Versuche, ihnen anderswo Beschäftigung zu verhaffen,
 scheiterten an ihrer Unwissenheit, Roheit, körperlichen
nd geistigen Verkommenheit.
Was von der manufakturmäßigen Teilung der Arbeit im Innern
der Werkstatt, gilt von der Teilung der Arbeit im Innern der Gesellhaft.
 Solange Handwerk und Manufaktur die allgemeine Grund-Age
 der gesellschaftlichen Produktion bilden, ist die Unterstellung
les Produzenten unter einen ausschließlichen Produktionszweig, die
“Srreißung der ursprünglichen Mannigfaltigkeit seiner Beschäfti-(ungen,
 304 ein notwendiges Entwicklungsmoment. Auf jener Grunda
 findet jeder besondere Produktionszweig empirisch [durch Er-Ahrung]
 die ihm entsprechende technische Gestalt, vervollkommnet
Ne langsam und kristallisiert sie rasch, sobald ein gewisser Reife-3Tad
 erlangt ist. Was hier und da Wechsel hervorruft, ist außer
leuem Arbeitsstoff, den der Handel liefert, die allmähliche Aende-N
 des Arbeitsinstrumentes. Die erfahrungsmäßig entsprechende
„rm einmal gewonnen, verknöchert auch es, wie sein oft jahr-Atsendlanger
 Uebergang aus der Hand einer Generation in die der
dern beweist.
be Es ist charakteristisch, daß bis ins 18. Jahrhundert hinein die
dern deren Gewerke Mysterien (mysteres, Geheimnisse) hießen, in
"Pin Dunkel’nur der empirisch und professionell Eingeweihte ein-Riesen
 konnte.*®® In dem berühmten „Livre des möetiers‘“ des
her ne Boileau wird unter anderm vorgeschrieben, daß ein Geselle
do Seiner Aufnahme unter die Meister einen Eid leiste, „seine
GT brüderlich zu lieben, sie zu stützen, jeder in seinem Metier
/6werbe], nicht freiwillig die Gewerksgeheimnisse zu verraten“.
‘0 Ebenda, S. 7, N. 60.
Arten“ „In einigen Teilen von Hochschottland ... erschienen „viele Schaftcht
 ed Cotters [Häusler] mit Frau und Kind, nach dem statistischen Be-Kleid
 mn Schuhen, die sie selbst gemacht aus Leder, das sie selbst gegerbt, in
Ylbat die keine Hand außer ihrer eigenen angetastet, deren Material sie
Utten von den Schafen geschoren oder wofür sie den Flachs selbst gebaut
Antik In die Zubereitung der Kleider ging kaum irgendein gekaufter
Teilen ein, mit Ausnahme von Pfriem, Nadel, Fingerhut und sehr wenigen
den w des im Weben angewandten Eisenwerks. Die Farben wurden von
(Du eibern selbst von Bäumen, Gesträuchen und Kräutern gewonnen usw.‘
9nlM Stewart in „Works, ed. Hamilton“, vol. VII, p. 327—28.)
dicht Er mußte sogar schwören, er werde im Interesse der Gesamtheit
Machwen Empfehlung seiner eigenen Ware den Käufer auf die Fehler des
erks von andern aufmerksam machen.
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        428

Vierter Abschnitl

Die große Industrie zerriß den Schleier, der den Menschen ihre”
eigenen gesellschaftlichen Produkltionsprozeß versteckte und di
verschiedenen naturwüchsig besonderten Produktionszweige gegel
einander und sogar dem in jedem Zweige Eingeweihten zu Rätsel
machte. Ihr Prinzip, jeden Produktionsprozeß, an und für sich und
zunächst ohne alle Rücksicht auf die menschliche Hand, in seir‘
konstituierenden Elemente aufzulösen, schuf die ganz modern“
Wissenschaft der Technologie. Die buntscheckigen, scheinbar zT
sammenhangslosen und verknöcherten Gestalten des gesellschaft
lichen Produktionsprozesses lösten sich auf in bewußt planmäßig‘
und je nach dem bezweckten Nutzeffekt systematisch besondert‘
Anwendungen der Naturwissenschaft,
Die Technologie entdeckte ebenso die wenigen großen Grund
formen der Bewegung, worin alles produktive Tun des menschlich®
Körpers, trotz aller Mannigfaltigkeit der angewandten Instrument
notwendig vorgeht, ganz so wie die Mechanik durch die größte Ko"
plikation der Maschinerie sich über die beständige Wiederholum®
der einfachen mechanischen Potenzen nicht täuschen läßt.
Die moderne Industrie betrachtet und behandelt die vorhandeP®
Form eines Produktionsprozesses nie als endgültig. Ihre technisch‘
Basis ist daher revolutionär, während die aller früheren Produktiov®
weisen wesentlich konservativ war.*® Durch Maschinerie, chemisch“
Prozesse und andere Methoden wälzt sie beständig mit der tech
nischen Grundlage der Produktion die Funktionen der Arbeiter und
die gesellschaftlichen Kombinationen des Arbeitsprozesses um. Sie
revolutioniert damit ebenso beständig die Teilung der Arbeit i®
Innern der Gesellschaft und schleudert unaufhörlich Kapitalmass®
und Arbeitermassen aus einem Produktionszweig in den andern.
Die Natur der großen Industrie bedingt daher Wechsel d
Arbeit, Fluß der Funktion, allseitige Beweglichkeit des Arbeiter®
Anderseits reproduziert sie in ihrer kapitalistischen Form die all
Teilung der Arbeit mit ihren verknöcherten Besonderheiten. Ma?
hat gesehen, wie dieser absolute Widerspruch alle Ruhe, Festigkeit
506 „Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinst!*
mente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche gesellschaftlich?
Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren. Unveränderte Beibehalturf
der alten Produktionsweise war dagegen die erste Existenzbedingung alle!
früheren industriellen Klassen, Die fortwährende Umwälzung der Produk
tion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zuständ®
die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnen die Bourgeoisepoche vr
allen früheren aus. Alle festen, eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gr
folge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgel0®
alle neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können. Alles Ständig
und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Mensch&amp;amp;
sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellungen, ihre gegenseitigen Be
ziehungen mit nüchternen Augen anzusehen.“ (F. Engels und Karl Mar:
„Manifest der Kommunistischen Partei. London 1848“, S, 5.) [Ausgabe de
„Vorwärts“, 7. Auflage, S. 25 ff.7
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Dreizehntes Kapitel.

429

ABerheit der Lebenslage des Arbeiters aufhebt, ihm mit dem
beitsmittel beständig das Lebensmittel aus der Hand zu schlagen *°7
Et mit seiner Teilfunktion ihn selbst überflüssig zu machen droht;
in dieser Widerspruch die Ungeheuerlichkeit einer industriellen
4 1vearmee erstehen läßt, die im Elend erhalten wird, damit sie
© die kapitalistische Nachfrage verfügbar bleibe; wie er sich in
Alodischen Massenschlachtungen der Arbeiterklasse, maßlosester
je udung der Arbeitskräfte und den Verheerungen gesellschaft-„er
 Anarchie austobt, die aus jedem ökonomischen Fortschritt
en öffentlichen Notstand macht. Dies ist die negative Seite.
y Wenn aber der Wechsel der Arbeit sich jetzt nur als über-"Altigendes
 Naturgesetz und mit der blind zerstörenden Wirkung
ESS Naturgesetzes durchsetzt, das überall auf Hindernisse stößt,*°®
acht die große Industrie durch ihre Katastrophen selbst es zur
on von Leben oder Tod, den Wechsel der Arbeiten und daher
je hste Vielseitigkeit der Arbeiter als allgemeines gesellschaftok
 Produktionsgesetz anzuerkennen und seiner normalen Ver-Pr
 lichung die Verhältnisse anzupassen. Sie macht es zu einer
für 8e von Leben oder Tod, die Ungeheuerlichkeit einer elenden,
dh das wechselnde Ausbeutungsbedürfnis des Kapitals in Reserve
de renen, verwendbaren Arbeiterbevölkerung zu ersetzen durch
one Solute Verwendbarkeit des Menschen für wechselnde Arbeitsha
 Tmisse; das Teilindividuum, den bloßen Träger einer gesell-In
 tlichen Detailfunktion, durch das allseitig entwickelte Indivin
 den für welches verschiedene gesellschaftliche Funktionen ein-St
 ablösende Betätigungsweisen sind.
leg Ein auf Grundlage der großen Industrie naturwüchsig entwickelkaq
 ment dieses Umwälzungsprozesses sind polytechnische und
Öl d Wirtschaftliche Schulen, ein anderes sind die gewerblichen Fort-X
 aesssschulen, worin die Kinder der Arbeiter einigen Unterricht
od Technologie und praktischen Handhabung der verschiedenen
die tionsinstrumente erhalten. Wenn die Fabrikgesetzgebung als
°, dem Kapital notdürftig abgerungene Konzession nur Elementar-„Ihr
 nehmt mein Leben,
Wenn ihr die Mittel nehmt, wodurch ich lebe.“
(Shakespeare: „Der Kaufmann von Venedig“, IV. 1.
d8 n. Uebersetzung von A. W. Schlegel.)
ran n französischer Arbeiter schreibt bei seiner Rückkehr von San
rw „Ich hätte nie geglaubt, daß ich fähig wäre, alle die‘ Gewerbe
lag ‚Den, die ich in Kalifornien betrieben habe. Ich war fest überzeugt,
Mitte außer zur Buchdruckerei zu nichts gut sei. ... Einmal in der
N ihr eser Welt von Abenteurern, welche ihr Handwerk leichter wechseln
Minen Hemden, meiner Treu! ich tat wie die andern. Da das Geschäft der
die Stan Cit sich nicht einträglich genug auswies, verließ ich es und zog in
Würde dt, wo ich der Reihe nach Buchdrucker, Dachdecker, Bleigießer usw.
Ich mi Infolge dieser Erfahrung, zu allen Arbeiten tauglich zu sein, fühle
"Ansei ch weniger als Molluske und mehr als Mensch.“ (A. Corbon: „De
Kuement professionnel. 2eme 6d.“, p. 50.)

a
307
        <pb n="475" />
        430

Vierter Abschnit

unterricht mit fabrikmäßiger Arbeit verbindet, unterliegt es keine?
Zweifel, daß die unvermeidliche Eroberung der politischen Gews)
durch die Arbeiterklasse auch dem technologischen Unterricht
theoretisch und praktisch, seinen Platz in den Arbeiterschuleb f
obern wird. Es unterliegt ebensowenig einem Zweifel, daß di
kapitalistische Form der Produktion und die ihr entsprechend?
ökonomischen Arbeiterverhältnisse im vollsten Widerspruch steht
mit solchen umwälzenden Gärungsstoffen und ihrem Ziel, der AU
hebung der alten Teilung der Arbeit. Die Entwicklung der wide
sprüche einer geschichtlichen Produktionsform ist jedoch der ein®
geschichtliche Weg ihrer Auflösung und Neugestaltung. „Ne sul
3upra crepidam!“ [„Schuster bleib’ bei Deinem Leisten!‘“] Dies?!
Höhepunkt handwerksmäßiger Weisheit wurde zur furchtbal
Narrheit von dem Moment, wo der Uhrmacher Watt die Daml”
maschine, der Barbier Arkwright den Kettenstuhl, der Juwelie
arbeiter Fulton das Dampfschiff erfunden hatte.**
Soweit die Fabrikgesetzgebung die Arbeit in Fabriken, Mai
fakturen usw. reguliert, erscheint dies zunächst nur als Einmischw
in die Ausbeutungsrechte des Kapitals. Jede Regulation der 8
genannten Hausarbeit? stellt sich dagegen sofort als direkter En
griff in die patria potestas [die väterliche Gewalt] dar, das nel
modern ausgelegt, in die elterliche Autorität, ein Schritt, wovor 4
zartfühlende englische Parlament lange zurückzubeben „heuche!
Die Gewalt der Tatsachen zwang jedoch, endlich anzuerkennen, 0
die große Industrie mit der ökonomischen Grundlage des al
Familienwesens und der ihr entsprechenden Familienarbeit a%
die alten Familienverhältnisse selbst auflöst. Das Recht der Kind
mußte proklamiert werden.

809 John Bellers, ein wahres Wunder in der Geschichte der politisch?
Jekonomie, begriff schon Ende des 17. Jahrhunderts mit vollster Klarheit V
notwendige Aufhebung der jetzigen Erziehung und Arbeitsteilung, weile
{{ypertrophie [krankhaftes übermäßiges Anwachsen] und Atrophie [Schwul gi
auf beiden Extremen der Gesellschaft, wenn auch in entgegengeselt
Richtung, erzeugen. Er sagt unter anderm schön: „Ein müßiges Lerneh %
wenig besser als das Lernen von Müßiggang. ... Körperliche Arbeit a
eine ursprüngliche Einrichtung Gottes. ... Arbeit ist so förderlich für ieh
Gesundheit des Körpers wie Essen für seine Erhaltung; denn was mal ti
durch Müßiggang an Schmerz erspart, das wird man durch Krankheit her”
bringen. . . . Arbeit gießt Oel auf die Lampe des Lebens, Denken entzü
88. ... Eine kindisch dumme Beschäftigung (dies ahnungsvoll gegel 3
Basedows und ihre modernen Nachstümper) läßt den kindlichen Gen
dumm.“ („Proposals for raising a Colledge of Industry of all useful Tr8
and Husbandry. London 1696“, p. 12, 14, 18.) ol.
_ 40 Diese geht übrigens großenteils auch in kleineren Werkstätten Ye
wie wir gesehen bei der Spitzenmanufaktur und Strohflechterei, und A
namentlich auch an den Metallmanufakturen in Sheffield, Birmingham we
ausführlicher gezeigt werden könnte.
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reizehntes Kapiiel.

431

__ „Unglücklicherweise“, heißt es im Schlußbericht der „Children’s
‘Mployment Commission“ von 1866, „leuchtet aus der Gesamtheit
er Zeugenaussagen hervor, daß die Kinder beiderlei Geschlechts
gen niemand so sehr des Schutzes bedürfen als gegen ihre Eltern.“
as System der maßlosen Ausbeutung der Kinderarbeit überhaupt
Id der Hausarbeit im besondern wird dadurch „erhalten, daß die
tern über ihre jungen und zarten Sprößlinge eine willkürliche und
illose Gewalt ohne Zügel oder Kontrolle ausüben. . .. Eltern
fürfen nicht die absolute Macht besitzen, ihre Kinder zu reinen
"aschinen zu machen, um soundso viel wöchentlichen Lohn herausuchlagen.
 ... Kinder und junge Personen haben ein Recht auf
%n Schutz der Gesetzgebung wider den Mißbrauch der elterlichen
“walt, der ihre körperliche Kraft vorzeitig bricht und sie auf der
Yafte] moralischer und intellektueller Wesen herabdrückt.‘“#*
N Es ist jedoch nicht der Mißbrauch der elterlichen Gewalt, der
u direkte oder indirekte Ausbeutung unreifer Arbeitskräfte durch
nn Kapital schuf, sondern es ist umgekehrt die kapitalistische Ausan
 ungsweise, welche die elterliche Gewalt, durch Aufhebung der
vr entsprechenden ökonomischen Grundlage, zu einem Mißbrauch
“Macht hat.
v So furchtbar und ekelhaft nun die Auflösung des alten Familienins
 innerhalb des kapitalistischen Systems erscheint, so schafft
je sdestoweniger die große Industrie mit der entscheidenden Rolle,
w Sie den Weibern, jungen Personen und Kindern beiderlei Ge-8
 lechts in gesellschaftlich organisierten Produktionsprozessen ]en-"
 der Sphäre des Hauswesens zuweist, die neue ökonomische
u adlage für eine höhere Form der Familie und des Verhältnisses
an Geschlechter. Es ist natürlich ebenso albern, die christlich
3 manische Form der Familie für absolut zu halten als die altsche
 Form, oder die altgriechische, oder die orientalische, die
.dens untereinander eine geschichtliche Entwicklungsreihe bilden.
nn leuchtet ein, daß die Zusammensetzung des kombinierten
hi Spersonals aus Individuen beiderlei Geschlechts und der verza
 "Sdensten Altersstufen, obgleich in ihrer naturwüchsig brutalen,
dohr Stischen Form, wo der Arbeiter für den Produktionsprozeß,
Tor der Produktionsprozeß für den Arbeiter da ist, Pestquelle des
im derbes und der Sklaverei, unter entsprechenden Verhältnissen
Sekehrt zur Quelle humaner Entwicklung umschlagen muß.*1?
% Die Notwendigkeit, das Fabrikgesetz aus einem Ausnahmegesetz
det Pinnereien und Webereien, diese ersten Gebilde des Maschinen-Tebes,
 in ein Gesetz aller gesellschaftlichen Produktion zu verrn



na 6} „Children’s Employment Commission. 5th Report“, p. XXV, n. 162
and Report, p. XXXVIII, n. 285, 289, p. XXXV, n. 191. ee häuslich
Ab *2 „Fabrikarbeit könnte ebenso rein und vorzüglich sein wie —— e
Mate vielleicht in noch höherem Grade.“ („Reports of Insp. of Fact. for
Öctober 1865“, p. 127.)
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        zo

Vierter Abschnlf

allgemeinern, entspringt, wie man sah, aus dem geschichtlich”
Entwicklungsgang der großen Industrie, auf deren Hintergrund a
überlieferte Gestalt von Manufaktur, Handwerk und Hausarbe
gänzlich umgewälzt wird, die Manufaktur beständig in die Fahr
das Handwerk beständig in die Manufaktur umschlägt, und endiid
die Sphären des Handwerks und der Hausarbeit sich in rela®
wunderbar kurzer Zeit zu Jammerhöhlen gestalten, wo die tollst®
Ungeheuerlichkeiten der kapitalistischen Ausbeutung ihr irei®
Spiel treiben. Es sind zwei Umstände, welche zuletzt den Ausschl#
geben, erstens die stets neu wiederholte Erfahrung, daß das Kapit
sobald es der Staatskontrolle nur auf einzelnen Punkten des ges
schaftlichen Umkreises anheimfällt, sich um so maßloser auf de
andern Punkten entschädigt,®* zweitens der Schrei der Kapitalist®
selbst nach Gleichheit der Konkurrenzbedingungen, das nei
gleichen Schranken der Arbeitsausbeutung.‘1*
Hören wir hierüber zwei Herzensstöße. Die Herren W., Cooksl#
(Nagel-, Keiten- usw. Fabrikanten zu Bristol) führten die pabıll
regulation freiwillig in ihrem Geschäft ein. „Da das alte, unreg*
mäßige System in den benachbarten Werken fortdauert, sind sie 6
Unbill ausgesetzt, ihre Arbeitsjungen zur Fortsetzung der Arb#
anderswo nach 6 Uhr abends verlockt (enticed) zu sehen. Die
sagen sie natürlich, ist eine Ungerechtigkeit gegen uns und o
Verlust, da es einen Teil der Kraft der Jungen erschöpft, der®
voller Vorteil uns gebührt.“3 Herr J. Simpson (Fabrikant vw
Papiersäcken und Papierschachteln, London) erklärt den Kor
missären der „Children’s Employment Commission‘: „Er wolle je
Petition für Einführung der Fabrikakte unterzeichnen. Wie e5 se
fühle er sich stets beunruhigt am Abend („he always felt resil6%
at night“), nach Schluß seiner Werkstatt, bei dem Gedanken, 8
andere länger arbeiten ließen und ihm Aufträge vor der Nase web
schnappten.“%% „Es wäre ein Unrecht gegen die größeren Arbei”
anwender“, sagt die „Children’s Employment Commission“ 7
sammenfassend, „ihre Fabriken der Regulation zu unterwerf®
während in ihrem eigenen Geschäftszweig der Kleinbetrieb kein
gesetzlichen Beschränkung der Arbeitszeit unterliegt. Zur vw
gerechtigkeit ungleicher Konkurrenzbedingungen in bezug auf f
Arbeitszeit, die einträten, wenn die kleineren Werkstätten at
genommen blieben, käme noch der andere Nachteil für die größer“?
Fabrikanten hinzu, daß ihre Zufuhr von jugendlicher und weit
licher Arbeit abgelenkt würde nach den vom Gesetz verschont”
Werkstätten. Endlich gäbe dies. Anstoß zur Vermehrung der Kleine
ren Werkstätten, die fast ausnahmslos die mindest oünstigen ?

313 Ebenda, S. 27, 82. #
#14 Massenhafte Belege dazu in den „Reports of Insp. of Fact. 85
315 „Children’s Employment Commission. 5th Report“, p. X, nn. ®
8 Ebenda, S. IX, N. 28.
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Für

Dreizehntes Kapitel.

433

desundheit, Wohlbefinden, Erziehung und allgemeine Verbesserung
les Volkes sind.“ 317

In ihrem Schlußbericht von 1866 schlägt die „Children’s Emloyment
 Commission“ [die 1862 eingesetzte Kommission zur Unterchung
 der Kinderarbeit] vor, über 1400000 Kinder, junge Pernen
 und Weiber, wovon ungefähr die Hälfte vom Kleinbetrieb und
ler Hausarbeit ausgebeutet wird, dem Fabrikakt zu unterwerfen.“
Sollte“, sagt sie, „das Parlament unsern Vorschlag in seinem ganzen
Jmfang annehmen, so ist es zweifellos, daß solche Gesetzgebung den
Yohltätigsten Einfluß ausüben würde, nicht nur auf die Jungen und
Xhwachen, mit denen sie sich zunächst beschäftigt, sondern auf die
loch größere Masse von erwachsenen Arbeitern, die direkt (Weiber)
Md indirekt (Männer) unter ihren Wirkungskreis fallen. Sie würde
hnen regelmäßige und ermäßigte Arbeitsstunden aufzwingen; sie
Türde den Vorrat physischer Kraft, wovon ihr eigenes Wohlergehen
nd das des Landes so sehr abhängt, haushalten und häufen; sie
Yürde die aufsprossende Generation vor der Ueberanstrengung in
Tühem Alter schützen, welche ihre Konstitution untergräbt und zu
rzeitigem Verfall führt; sie würde schließlich, wenigstens bis zum
T Jahr, die Gelegenheit des Elementarunterrichtes bieten und
Amit der unglaublichen Unwissenheit ein Ende machen, die so
eu in den Kommissionsberichten geschildert ist und nur mit
Valvollster Empfindung und dem tiefen Gefühl nationaler Er-"drigung
 betrachtet werden kann.“ 22
m Bereits im Jahre 1840 war eine parlamentarische Kommission
in Untersuchung über Kinderarbeit ernannt worden. Ihr Bericht
Rn u 1842 entrollte nach den Worten N. W. Seniors „das furchtbarste
Asp lde von Habsucht, Selbstsucht und Grausamkeit der Kapita-%
 nn und Eltern, von Elend, Degradation und Zerstörung der Kinder
d jungen Personen, das jemals das Auge der Welt schlug. ...

“7 E _XXV, N. 165 bis 167. Vgl. über die Vorzüge des Großliches,
 alten mit dem Zwergbetrieb, „Children’s Employment Com-"sion,
 38rd Report“, p. 13, n. 144, p. 25, n. 121, p. 26, n. 125, pP. 27, n. 140 usw.
u 48 Die zu maßregelnden Industriezweige sind: Spitzenmanufaktur,
ı Tumpfwirkerei Strohflechten, Manufaktur von Bekleidungsartikeln mit
k Ten zahlreichen Arten, künstliche Blumenmacherei, Schuh-, Hut- und Handuuühmacherei,
 Schneiderei, alle Metallfabriken, von den Hochöfen bis zu
A Nadelfabriken usw., Papierfabrik, Glasmanufaktur, _Tabakmanufaktur,
india Rubber-[Kautschuk-] Werke, .Litzenfabrikation (für die‘ Weberei),
ndieppichweberei Regen- und Sonnenschirmmanufaktur, Fabrikation von
‚Binden und Spulen, Buchdruckerei, Buchbinderei, Schreibmaterialienhande}
N lationery dazu gehörig Verfertigung von Papierschachteln, Karten, Papierschen
 usw.) Seilerei, Erzeugung von Gagatschmuck, Ziegeleien, Hand-7
 denmanutaktur Coventry-Weberei, Salz-, Talglicht- und Zementierwerke,
„A Ckerraffinerie, Zwiebackmachen, verschiedene Holz- und andere ver-Möchte
 Arbeiten.
‘9 Ebenda, S. XXV, N. 169.
Das Kapital. I.
        <pb n="479" />
        434

Vierter Abschnif

Man wähnt vielleicht, der Bericht beschreibe die Greuel eines ver
gangenen Zeitalters. Leider aber liegen Berichte vor, daß dies
Greuel fortdauern, so intensiv wie je. Eine vor zwei Jahren v®
Hardwicke veröffentlichte Broschüre erklärt, die 1842 gerügl®
Mißbräuche stehen heutzutage (1863) in voller Blüte. . .. Dies®
Bericht (von 1842) blieb 20 Jahre lang unbeachtet, während der®
man jenen Kindern, die herangewachsen waren ohne die geringst
Ahnung weder von dem, was wir Moral nennen, noch von Schu!
bildung, Religion oder natürlicher Familienliebe — jenen Kinde”
erlaubte man, die Eltern der jetzigen Generation zu werden.“ #*
Inzwischen hatte die gesellschaftliche Lage sich geändert. Def
Parlament wagte nicht, die Forderungen der Kommission von 186
ebenso zurückzuweisen wie seinerzeit die von 1842. Daher wurd®
schon 1864, als die Kommission erst einen Teil ihrer Berichte v”
öffentlicht hatte, die Industrie irdener Waren (einschließlich d#
Töpferei), die Fabrikation von Tapeten, Zündhölzern, Patronen u
Zündhütchen, sowie das Samtscheren unter die für Textilindust!
gültigen Gesetze gestellt. In der Thronrede vom 5. Februar 1%
kündigte das damalige Torykabinett weitere Bills [Gesetzesvo*
Schläge] an, gegründet auf die Schlußvorschläge der Kommission, dit
inzwischen 1866 ihr Werk vollendet hatte.
Am 15. August 1867 erhielt der Factory Acts Extension A
und am 21. August der Workshops’ Regulation Act die königlich‘
Bestätigung; der erstere Akt regelt die großen, der letztere di
kleinen Geschäftszweige.
Der Factory Acts Extension Act reguliert die Hochöfen, Eis®
und Kupferwerke, Gießereien, Maschinenfabriken, Metallwerf
stätten, Fabriken für Guttapercha, Papier, Glas, Tabak, fern?
Druckereien und Buchbindereien und überhaupt alle industriell®
Werkstätten dieser Art, worin 50 oder mehr Personen gleichzeit
während mindestens 100 Tagen im Jahr beschäftigt werden.??®
Um eine Vorstellung zu geben von der Ausdehnung des we
diesem Gesetz umfaßten. Gebietes, folgen hier einige der darin fe”
gestellten Definitionen:
„Handwerk (handieraft) soll (in diesem Gesetz) bedeute”
irgendwelche Handarbeit geschäftsmäßig oder zum Erwerb be
trieben bei, oder gelegentlich, der Verfertigung, Veränderung, ver
zierung, Reparatur oder Fertigstellung zum Verkauf irgendeil“
Artikels oder eines Teiles davon. „oh
„Werkstatt soll bedeuten: irgendwelche Stube oder Oertli“”,
keit, eingedeckt oder unter freiem Himmel, worin ein „Handwer,
betrieben wird von irgendeinem Kind, jugendlichen Arbeiter 008
Frauenzimmer, und worüber derjenige, der solches Kind, juge”

820 Senior: „Social Science Congress“, p. 55, 56. gm
8208 Ich komme auf diese Gesetze, auf den neuen Mining A
{872 usw. im zweiten Band zurück.
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Dreizehntes Kapitel.

435

ichen Arbeiter oder Frauenzimmer beschäftigt, das Recht des Zu-Titis
 und der Kontrolle hat.
„Beschäftigt soll bedeuten: tätig in einem „Handwerk“, ob gegen
Lohn oder nicht, unter einem Meister oder einem der Eltern, wie
ten näher bestimmt.
„Eltern (parent) soll bedeuten: Vater, Mutter, Vormund, oder
andere Personen, die die Vormundschaft oder Obhut über irgend-%n
 ,, . Kind oder einen jugendlichen Arbeiter hat.“
Klausel 7, die Strafklausel für Beschäftigung von Kindern,
Wgendlichen Arbeitern und Frauenzimmern entgegen den Be-Simmungen
 dieses Gesetzes, setzt Geldstrafen fest, nicht nur für den
Inhaber der Werkstatt, ob einer der Eltern oder nicht, sondern auch
für „die Eltern oder andere Personen, die das Kind, den jugendlichen
 Arbeiter oder das Frauenzimmer unter Obhut haben, oder
Vrekten Vorteil aus dessen Arbeit ziehen“.
_ Der Factory Acts Extension Act, der die großen Betriebe
Tiflt, steht zurück gegen den Fabrikakt durch eine Menge elender
je aahmebestimmungen und feiger Kompromisse mit den Kapita-„Sten,

&amp;amp; Der Workshops’ Regulation Act, erbärmlich in allen seinen
inzelheiten, blieb ein toter Buchstabe in der Hand der mit seiner
Köstührung beauftragten städtischen und Lokalbehörden. Als das
“arlament ihnen 1871 diese Vollmacht entzog, um sie den FabrikzuPektoren
 zu übertragen, deren Aufsichtsbezirk es so mit einem
‚‘hlage um mehr als 100000 Werkstätten und allein 300 Ziegeleien
‚*rgrößerte, wurde ihr Personal sorgsamlichst um nur 8 Assistenten
“mehrt, wo es doch schon bisher viel zu schwach besetzt war.??
ist Was also in dieser englischen Gesetzgebung von 1867 auffällt,
einerseits die dem Parlament der herrschenden Klassen auf-Wrwungene
 Notwendigkeit, so außerordentliche und ausgedehnte
in regeln gegen die Uebergriffe der kapitalistischen Ausbeutung
Prinzip anzunehmen; anderseits die Halbheit, der Widerwille
nie Unehrlichkeit, womit es diese Maßregeln dann wirklich ins
N rief,
ne Die Untersuchungskommission von 1862 schlug ebenfalls eine
se Regulierung der Bergwerksindustrie vor, einer Industrie, die
8 von allen andern dadurch unterscheidet, daß bei ihr die Interf
 ©n von Grundbesitzern und industriellen Kapitalisten Hand in
Pape gehen. Der Gegensatz dieser beiden Interessen hatte die
ei Tikgesetzgebung begünstigt; die Abwesenheit dieses Gegensatzes
% ht hin, die Verschleppung und Schikanen bei der Bergwerks-“Setzgebung
 zu erklären.
Da
2 rar Das Personal der Fabrikinspektion bestand aus 2 Inspektoren,
1871 Sinspektoren und 41 Subinspektoren. 8 fernere Subinspektoren wurden
Engl „ernannt, Die Gesamtkosten der Durchführung der Fabrikgesetze in
Ster] d, Schottland und Irland beliefen sich 1871/72 auf nur 25347 PId.
„ einschließlich der Gerichtskosten bei Prozessen gegen Uebertretungen,
        <pb n="481" />
        136

Vierter Abschnitt

Die Untersuchungskommission von 1840 hatte so schauderhafl®
und empörende Enthüllungen gemacht und einen solchen Skandal
vor ganz Kuropa hervorgerufen, daß das Parlament sein Gewissel
salvieren mußte durch den Mining Act von 1842, worin es sich
darauf beschränkte, die Arbeit unter Tag von Weibern und v®
Kindern unter 10 Jahren zu verbieten.
Dann kam 1860 der Mines’ Inspeetion Aet, wonach Bergwerk®
von speziell dazu ernannten öffentlichen Beamten inspiziert werde
und Knaben zwischen 10 und 12 Jahren nicht beschäftigt werd®
sollen, außer wenn sie im Besitze eines Schulzeugnisses sind od”
eine gewisse Anzahl Stunden die Schule besuchen. Dieser AK
blieb durchaus ein toter Buchstabe infolge der lächerlich gering®
Anzahl der ernannten Inspektoren, der Winzigkeit ihrer Befugnis®
und anderer Ursachen, die sich im Verlaufe näher ergeben werde
Eines der neuesten Blaubücher über Bergwerke ist der „Repot
lrom the Select Committee on Mines, together with. ... Eviden&amp;amp;®
28. July 1866“. Er ist das Werk eines Ausschusses von Unterhau“
mitgliedern, bevollmächtigt Zeugen vorzuladen und zu verhören; &amp;amp;
dicker Folioband, worin der „Report“ [Bericht] selbst nur 5 Zeil®
amfaßt, des Inhalts: daß der Ausschuß nichts zu sagen weiß, un
daß noch mehr Zeugen verhört werden müssen! Der Rest beste
aus Zeugenvernehmungen.
Die Art dieser Zeugenvernehmungen erinnert an die Kreu
verhöre vor den englischen Gerichten, wo der Advokat durch unve”
schämte, sinnverwirrende Kreuz- und Querfragen den Zeugen aus del
Fassung zu bringen und ihm die Worte im Munde zu verdreh®
sucht. Die Advokaten hier sind die parlamentarischen Examip“
toren selbst, darunter Mineneigner und -ausbeuter; die Zeuß%
Minenarbeiter, meist in Kohlenbergwerken. Die ganze Komödie ®
zu charakteristisch für den Geist des Kapitals, um hier nicht einig®
Auszüge zu geben. Zur leichteren Uebersicht gebe ich die Resultat
der Untersuchung usw. in Rubriken. Ich erinnere, daß Frage kr
obligate Antwort in den englischen Blaubüchern numeriert SI?
und daß die Zeugen, deren Aussagen hier zitiert werden, Arbeite
in Kohlenbergwerken.
1. Beschäftigung der Jungen vom 10. Jahr an in den Mine”
Die Arbeit nebst obligatem Gang von und zu den Bergwerk®
dauert in der Regel 14 bis 15 Stunden, ausnahmsweise länger, vo“
3, 4, 5 Uhr morgens bis 4 und 5 Uhr abends. (n. 6, 452, 83.) Die "
wachsenen Arbeiter arbeiten in 2 Schichten von je 8 Stunden, ab®
gein solcher Wechsel für die Jungen, um die Kosten zu spar®®
{n. 80, 208, 204.) Die jüngeren Knaben werden hauptsächlich verwan.)
zum Oeffnen und Schließen der Zugtüren in den verschiedenen A ,
teilungen des Bergwerkes, die älteren zu schwerer Arbeit, Kohle”
transport usw. (n. 122, 739, 1747.) Die langen Arbeitsstunden unit?
der Erde dauern bis zum 18. oder 22. Jahr, wann der Uebergalt
zur eigentlichen Minenarbeit stattündet. (n. 161.) Die Kinder up
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        nit

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‚der
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)ieizehntes Kapitel.

437

ungen Personen werden heutzutage härter abgeplackt als zu irgendüner
 früheren Periode. (n. 1663—1667.) Die Minenarbeiter verangen
 fast einstimmig einen Parlamentisakt zum Verbot der Minenwrbeit
 bis zum 14. Jahr. Und nun fragt Hussey Vivian (selbst Minenwsbeuter)
 : „Hängt dies Verlangen nicht von der größeren oder geingeren
 Armut der Eltern ab?“ — Und Mr. Bruce: „Wäre es nicht
dart, wenn der Vater tot oder verstümmelt usw., der Familie diese
ännahmequelle zu entziehen? ... Und es muß doch eine allgemeine
tegel herrschen. ... Wollt Ihr in allen Fällen die Beschäftigung der
Kinder bis zum 14. Jahr unter der Erde verbieten?“ Antwort: „In
Allen Fällen.“ (n. 107—110.) Vivian: „Wenn die Arbeit vor 14 Jahren
u den Minen verboten wäre, würden die Eltern die Kinder nicht
2 Fabriken usw. schicken? — In der Regel, nein.“ (n. 174.) Ardeiter:
 „Das Auf- und Zuschließen der Türen sieht leicht aus. Es
St ein sehr qualvolles Geschäft. Vom beständigen Zug abgesehen,
st der Junge gefangen gesetzt, ganz so gut wie in einer dunklen
Kerkerzelle.“ Bourgeois Vivian: „Kann der Junge nicht lesen wähnd
 der Türwacht, wenn er ein Licht hat? — Erstens müßte er
Äch die Kerzen kaufen. Aber außerdem würde es ihm nicht erlaubt
Terden. Er ist da, um auf sein Geschäft aufzupassen, er hat eine
"flicht zu erfüllen. Ich habe nie einen Jungen in der Grube lesen
hen.“ (n. 141—160.)
2. Erziehung. Die Minenarbeiter verlangen Gesetz für Zwangs-Mterricht
 der Kinder, wie in den Fabriken. Sie erklären die
Nlausel des Akts von 1860, wonach Erziehungzertifikat zur Ver-Wendung
 der Jungen von 10 bis 12 Jahren erfordert, für ganz
Yirkungslos. Das „peinliche“ Verhörverfahren der kapitalistischen
Astruktionsriehter wird hier wahrhaftig drollig. (n. 115.) „Ist der
Akt mehr nötig gegen Anwender oder Eltern? — Gegen beide.“
A. 116.) „Mehr gegen den einen als den andern? — Wie soll ich
las beantworten?“ (n. 187.) „Zeigen die Anwender irgendein Ver-ANgen,
 die Arbeitsstunden dem Schulunterricht anzupassen? —
ein; die Arbeitszeit wird nie zu diesem Zwecke verkürzt.“ (n. 211.)
»Verbessern die Minenarbeiter hinterher ihre Erziehung? — Sie
„rschlechtern sich im allgemeinen; sie nehmen böse Gewohnheiten
ve sie verlegen sich auf Trunk und Spiel und dergleichen und
zur den ganz und gar schiffbrüchig.“ (n. 109.) „Warum nicht die
der in Abendschulen schicken? — In den meisten Kohlenrikten
 existieren keine. Wo es welche gibt, mögen einige Jungen
qechen, aber von der langen Ueberarbeit sind sie so erschöpft,
N ihnen die Augen vor Müdigkeit zufallen.“ „Also“, schließt der
1 800is, „Ihr seid gegen Erziehung? — Beileibe nicht, aber usw.“
(86 443.) „Sind die Minenbesitzer usw. nicht durch den Akt von
u gezwungen, Schulzertifikate zu verlangen, wenn sie Kinder
abe hen 10 und 12 Jahren anwenden? — Durch das Gesetz, ja,
iq die Anwender tun es nicht.“ (n. 444.) „Nach Eurer Ansicht
lese Gesetzklausel nicht allgemein ausgeführt? — Sie wird gar
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        138

Vierter Abschnilt

nicht ausgeführt.“ (n. 717.) „Interessieren sich die Minenarbeiter sehr
für diese Frage (die Erziehung)? — Die große Mehrzahl.“ (n. 718.)
„Sind sie eifrig besorgt für Durchführung des Gesetzes? — Die große
Mehrzahl.“ (n. 720.) „Warum erzwingen sie dann seine Durchführung
 nicht? — Mancher Arbeiter würde sich gern weigern, eine”
Jungen ohne Schulzertifikat zu beschäftigen, aber er wird ein g°
zeichneter Mann (a marked man).“ (n. 721.) „Gezeichnet durch wen?
— Durch seinen Anwender.“ (n. 722.) „Ihr glaubt doch nicht etw%
daß die Anwender einen Mann wegen Gehorsams gegen das Gesel
verfolgen würden? -— Ich glaube, sie würden es tun.“ (n. 728.)
„Haben Sie jemals davon gehört, daß sich ein Arbeiter weigerl®
einen Jungen zwischen 10 und 12 Jahren zu beschäftigen, der nicht
lesen und schreiben konnte? — Es ist nicht der Wahl der Arbeite!
überlassen.“ (n. 1634.) „Ihr verlangt das Eingreifen des Parlaments?
 — Wenn irgend etwas Wirksames für die Erziehung der
Kinder der Grubenarbeiter geschehen soll, so muß sie durch Parl#
mentsakt zwangsmäßig gemacht werden.“ (n. 1636.) „Soll das fü
Kinder aller Arbeiter von Großbritannien gelten oder nur fül
Grubenarbeiter? — Ich bin hier, um im Namen der Grubenarbeite!
zu sprechen.“ (n. 1638.) „Warum Grubenkinder von andern unter‘
scheiden? — Weil sie eine Ausnahme von der Regel bilden:
(n. 1639.) „In welcher Hinsicht? — In physischer.“ (n. 1640.)
„Warum sollte Erziehung für sie wertvoller sein, als für Knabe
von andern Klassen? — Ich sage nicht, daß sie wertvoller für sie ist
aber wegen ihrer Ueberarbeitung in den Minen haben sie wenig«
Aussicht, Unterricht in Tages- und Sonntagsschulen zu erhalte®-(n.
 1644.) „Nicht wahr, es ist unmöglich, Fragen dieser Art absolv!
zu behandeln?“ (n. 1646.) „Sind genug Schulen in den Distrikten‘
— Nein.“ (n. 1647.) „Wenn der Staat verlangte, daß jedes Kin“
zur Schule geschickt, wo sollen denn die Schulen für alle die Kind
herkommen? — Ich glaube, sobald es die Umstände gebieten, wer
den die Schulen schon eingerichtet werden. Die große Mehrzal
nicht nur der Kinder, sondern der erwachsenen Minenarbeiter kan?
weder schreiben noch lesen.“ (n. 705, 726.)
3. Weiberarbeit. Arbeiterinnen werden zwar seit 1842 nich!
mehr unter, wohl aber über der Erde zum Aufladen der Kohlen usw
Schleppen der Kufen zu den Kanälen und Eisenbahnwagen, So
tieren der Kohlen usw. verbraucht. Ihre Anwendung hat sehr X
genommen in den letzten 3 bis 4 Jahren. (n. 1727.) Es sind me
Weiber, Töchter und Witwen von Grubenarbeitern, vom 12. bis zu
50. und 60. Jahre. (n. 645, 1779, 648.) „Was denken die Mine?
arbeiter von Beschäftigung von Weibern bei Bergwerken? — 5
verdammen sie allgemein.“ „Warum? — Sie betrachten es ernie
rigend für das Geschlecht.“ (n. 649.) „Haben sie eine eigentümlich
Tracht?“ — „Ja ... sie tragen eine Art von Mannskleidern. In vieler
Fällen wird dadurch alles Schamgefühl unterdrückt. Manche Weib®
rauchen. Die Arbeit ist so schmutzig, wie die in den Gruben 8elP*
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Dreizehntes Kapitel.

439

Darunter sind viele Frauen mit Kindern, die ihre mütterlichen
Pflichten nicht erfüllen können.“ (n. 651 ff, 709.) „Können die
Witwen ein so einträgliches Geschäft (8 bis 10 Shilling wöchentlich)
anderswo finden? — Ich kann darüber nichts sagen.“ (n. 709.) „Und
dennoch (Herz von Stein!) seid Ihr entschlossen, ihnen diesen
Lebensunterhalt abzuschneiden? — Sicher.“ (n. 710.) „Woher diese
Stimmung? — Allgemein ist die Empfindung, daß diese Arbeit die
Frauen degradiert, und wir Minenarbeiter haben zuviel Respekt für
das schöne Geschlecht, als daß wir es zur Kohlengrube verdammt
Sehen wollten. ... Diese Arbeit ist großenteils sehr schwer. Viele
lieser Mädchen heben 10 Tonnen pro Tag.“ (n. 1715, 1717.) „Glaubt
Ihr, daß die in den Bergwerken beschäftigten Arbeiterinnen un-Moralischer
 sind als die in den Fabriken beschäftigten? — Der
Prozentsatz der Schlechten ist größer als unter den Fabrikmädchen.“
(n. 1731.) „Aber Ihr seid auch mit dem Stand der Moralität in den
Fabriken nicht zufrieden? — Nein.“ (n. 1788.) „Wollt Ihr denn
Auch die Weiberarbeit in den Fabriken verbieten? — Nein, ich will
® nicht.“ (n. 1734.) „Warum nicht? — Sie ist für das weibliche
Geschlecht anständiger und passender.“ (n. 1735.) „Dennoch ist
Se schädlich für ihre Moralität, meint Ihr? — Nein, lange nicht so
Sehr als die Arbeit an der Grube. Ich spreche übrigens nicht nur
aus moralischen, sondern auch aus physischen und sozialen Gründen.
Die soziale Degradation der Mädchen ist höchst jammervoll. Wenn
diese 400 bis 500 Mädchen Frauen der Minenarbeiter werden, leiden
die Männer tief unter dieser Degradation, und es treibt sie fort von
Haus und zum Soff.“ (n. 1736.) „Aber gälte nicht dasselbe für die
dei Eisenwerken beschäftigten Weiber? — Ich kann nicht für andere
Geschäftszweige sprechen.“ (n. 1787.) „Aber welcher Unterschied
St denn zwischen den bei Eisenwerken und Bergwerken beschäftiglen
 Weibern? — Ich habe mich nicht mit dieser Frage beschäftigt.“
(n, 1740.) „Könnt Ihr einen Unterschied zwischen der einen oder
der andern Klasse entdecken? — Ich habe nichts darüber ermittelt,
Xehne aber durch Besuch von Haus zu Haus den schmählichen Zu-Stand
 der Dinge in unserm Distrikt.“ (n. 1741.) „Hättet Ihr nicht
Stoße Lust, Weiberbeschäftigung überall abzuschaffen, wo sie
degradierend ist? — Ja... die besten Gefühle gewinnt der Engländer
durch die Unterweisung der Mutter.“ (n. 1750.) „Aber das paßt ja
ich auf lJandwirtschaftliche Beschäftigung der Weiber? — Die
dauert nur 2 Jahreszeiten, bei uns arbeiten sie alle 4 Jahreszeiten
dureh, (n. 1751.) Sie arbeiten manchmal Tag und Nacht, naß bis
if die Haut, ihre Konstitution geschwächt, ihre Gesundheit gedrochen.“
 „Ihr habt die Frage (nämlich der Weiberbeschäftigung)
Kcht allgemein studiert? — Ich habe um mich her geschaut und
ann so viel sagen, daß ich nirgendwo etwas gefunden habe, das
Sich mit den Wirkungen der weiblichen Beschäftigung an den Kohlen-Yaben
 vergleichen ließe. Es ist Mannsarbeit und Arbeit für starke
länner, (n. 1753, 1793, 1794.) Die bessere Klasse der Minenarbeiter,
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        140

Vierter Abschnitt

die sich zu heben und zu sittigen sucht, statt irgend Stütze an ihren
Weibern zu finden, wird durch sie heruntergezerrt.“ (n. 1808.)
Nachdem die Bourgeois noch weiter in die Kreuz und Quere®
gefragt, kommt endlich das Geheimnis ihres „Mitleidens“ für Wit
wen, arme Familien usw. heraus: „Der Kohleneigentümer ernennt
gewisse Herren zur Oberaufsicht und deren Politik ist es, um
Beifall zu ernten, alles auf den möglichst ökonomischen Fuß zu
setzen, und die beschäftigten Mädchen erhalten 1 Shilling bis 1 Shilling
6 Pence täglich, wo ein Mann 2 Shilling 6 Pence erhalten müßte.
(n. 1816.)
4. Totenschau-Schwurgerichte. „Mit Bezug auf die Unter“
suchungen der Totenbeschauer in Euren Distrikten, sind die Ar
beiter zufrieden mit dem Gerichtsverfahren, wenn Unfälle vor“
kommen? — Nein, sie sind es nicht.“ (n. 360.) „Warum nicht? —
Namentlich, weil man Leute zu Geschworenen macht, die absolut
nichts von Minen wissen. Arbeiter werden nie zugezogen, außer al
Zeugen. Im ganzen nimmt man Krämer aus der Nachbarschaft
welche unter dem Einfluß der Minenbesitzer, ihrer Kunden, stehe?
und nicht einmal die technischen Ausdrücke der Zeugen verstehe”
Wir verlangen, daß Minenarbeiter einen Teil der Geschworene?
bilden. Im Durchschnitt steht der Urteilsspruch im Widerspruch z*
den Zeugenaussagen.“ (n. 361, 364, 366, 368, 371, 375.) „Sollen Ge
schworene nicht unparteiisch sein? — Ja.“ „Würden die Arbeite”
es sein? — Ich sehe keinen Grund, warum sie nicht unparteiisch
sein sollten. Sie haben sicher mehr Sachkenntnis.“ „Aber würde?
sie nicht die Neigung haben, im Interesse der Arbeiter ungerecht
harte Urteile zu fällen? — Nein, ich glaube nicht.“ (n. 378, 379, 380.)
5. Falsches Maß und Gewicht usw. Die Arbeiter verlangeB
wöchentliche statt vierzehntägige Zahlung, Maß nach Gewicht statt
nach Kubikraum der Kufen, Schutz gegen die Anwendung falsche?
Gewichts usw. „Wenn die Kufen betrügerisch vergrößert wer
den, so kann ein Mann ja die Mine verlassen nach vierzehntägig®!
Kündigung? — Aber, wenn er zu einem andern Platz geht, findet er
dasselbe.“ (n. 1071.) „Aber er kann den Platz doch verlassen, W*
das Unrecht verübt wird? — Es ist allgemein herrschend.“ {(n. 1072.)
„Aber der Mann kann seinen jedesmaligen Platz nach vierzehl‘
lägiger Kündigung verlassen? — Ja.“ (n. 1078.) Streusand drauf!
6. Mineninspektion. Unfälle durch explodierende Gase sind
nicht der einzige Uebelstand, unter dem die Arbeiter leiden. „Wir
haben uns ebensosehr zu beklagen über die schlechte Ventilatio®
der Kohlengruben, so daß die Leute kaum darin atmen können; 5°
werden dadurch zu jeder Art Beschäftigung unfähig. So hat zum Be
spiel gerade jetzt in dem Teil der Mine, wo ich arbeite, die Pestluf
viele Leute für Wochen aufs Krankenbett geworfen. Die Hauptgäng®
sind meist luftig genug, aber gerade nicht die Plätze, worin WW}
arbeiten.“ „Warum wendet Ihr Euch nicht an den Inspektor? — viel
Männer sind leider in diesem Punkt sehr furchtsam. Es kam vor, d*
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Dreizehntes Kapitel,

441

°in Bergmann geopfert wurde und seine Beschäftigung verlor, weil er
ich an einen Inspektor gewendet hatte.“ „Wie? Ist er deshalb ein
zezeichneter Mann? — Ja.“ „Und er findet schwerlich anderswo
Beschäftigung? — Ja“ „Glauben Sie, daß die Gruben in Ihrer
Gegend genügend inspiziert werden, so daß die Durchführung der
Gesetzesbestimmungen gesichert ist? — Nein. Sie werden überhaupt
licht inspiziert. . .. Seit 7 Jahren ist der Inspektor gerade einmal
In der Grube gewesen. In dem Distrikt, zu dem ich gehöre, genügt
licht die Zahl der Inspektoren. Ein alter Mann von mehr als
70 Jahren soll mehr als 180 Kohlenbergwerke überwachen. Neben
Mehr Inspektoren brauchen wir Subinspektoren.“ (n. 234, 241, 251,
254, 274, 275, 276, 293.) „Soll dann die Regierung solch eine Armee
Von Inspektoren halten, daß sie alles, was Ihr verlangt, ohne Information
 durch die Arbeiter selbst tun können? — Das ist un-Nöglich,
 aber sie sollen öfter kommen und sich die Information in
den Minen selbst holen.“ (n. 277, 280.) „Glaubt Ihr nicht, daß die
Wirkung sein würde, die Verantwortlichkeit (!) für die Ventila-1on
 usw. von dem Minenbesitzer auf die Regierungsbeamten zu
Wälzen? — Keineswegs; es muß ihr Geschäft sein, die Befolgung
der bereits bestehenden Gesetze zu erzwingen.“ (n. 285.) „Wenn
Ihr von Subinspektoren sprecht, meint Ihr Leute mit weniger Gealt
 und von niedrigerer Art als die gegenwärtigen Inspekloren?
 — Ich wünsche sie keineswegs niedriger, wenn Ihr sie besser
haben könnt.“ (n. 294.) „Wollt Ihr mehr Inspektoren oder eine
Medrigere Klasse von Leuten als die Inspektoren? — Wir brauchen
Leute, die sich in den Minen selbst umtummeln, Leute, die keine
Angst für ihre eigene Haut haben.“ (n. 295.) „Wenn man Euren
Vunsch nach Inspektoren von einer schlechteren Sorte erfüllte,
Vürde ihr Mangel an Geschick nicht Gefahren erzeugen usw.? —
ie es ist Sache der Regierung, passende Leute anzustellen.“
‚4, 297.)

7 Diese Art Examination wird endlich selbst dem Präsidenien des
Ntersuchungskomitees zu toll. „Ihr wollt“, fährt er dazwischen,
Praktische Leute, die sich in den Minen selbst umsehen und an den
Aspektor berichten, der dann seine höhere Wissenschaft verwenden
“ (n. 298, 299.) „Würde die Ventilation aller dieser alten Werke
a viele Kosten verursachen? — Ja, Unkosten möchten erwachsen,
Abe Menschenleben würden beschützt.“ (n. 531.) Ein Kohlenv5
 Siter protestiert gegen die 17. Sektion des Akts von 1860: „Gegen-Dr
 üg, wenn der Mineninspektor irgendeinen Teil der Mine in nicht
m Deitstähigem Zustand findet, muß er es an den Minenbesitzer
Ka den Minister des Innern berichten. Danach hat der Minenyoizer
 20 Tage Bedenkzeit; am Ende der 20 Tage kann er jede
des nderung verweigern. Tut er das aber, so hat er an den Minister
ch Innern zu schreiben und ihm 5° Bergwerksingenieure VOrZU-Wi
 agen, worunter der Minister die Schiedsrichter erwählen muß.
T behaupten, daß in diesem Fall der Minenbesitzer tatsächlich
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        442

Vierter Abschnitl

seine eigenen Richter ernennt.“ (n. 581.) Der Bourgeoisexaminator
selbst Minenbesitzer: „Dies ist ein rein spekulativer Einwand.
(n. 586.) „Ihr habt also sehr geringe Meinung von der Redlichkei
der Bergwerksingenieure? — Ich sage, es ist sehr unbillig und ur
gerecht.“ (n. 588.) „Besitzen Bergwerksingenieure nicht eine Arl
von öffentlichem Charakter, der ihre Entscheidungen über die vo”
Euch befürchtete Parteilichkeit erhebt? — Ich verweigere, Frage?
über den persönlichen‘ Charakter dieser Leute zu beantworten. Ich
bin überzeugt, daß sie in vielen Fällen sehr parteiisch handeln und
daß diese Macht ihnen genommen werden sollte, wo Menschenlebe?
auf dem Spiel stehen.“ (n. 589.)
Derselbe Bourgeois hat die Unverschämtheit, zu fragen: „Glaub!
Ihr nicht, daß auch die Minenbesitzer Verluste bei den Explosione?
haben?“ — Endlich (n. 1042): „Könnt Ihr Arbeiter Eure eigene
Interessen nicht selbst wahrnehmen, ohne die Hilfe der Regierunf
anzurufen? — Nein.“
Im Jahre 1865 gab es 3217 Kohlenbergwerke in Großbritannie”
und — 12 Inspektoren. Ein Minenbesitzer von Yorkshire („Times
26. Januar 1867) berechnet selbst, daß, abgesehen von ihren rel”
bureaukratischen Geschäften, die ihre ganze Zeit beanspruche®
jede Mine nur einmal in 10 Jahren besichtigt werden könnte. Kel®
Wunder, daß die Katastrophen in den letzten Jahren (namentlich
auch 1866 und 1867) ständig in Anzahl und Umfang (manchm8)
mit einem Opfer von 200 bis 8300 Arbeitern) zugenommen habel
Dies sind die Schönheiten der „freien“ kapitalistischen Produktion
Jedenfalls ist der Akt von 1872, so mangelhaft er ist, der erst“
der die Arbeitsstunden der in Bergwerken beschäftigten Kinde!
regelt und die Ausbeuter und Grubenbesitzer in gewissem Maß
für sogenannte Unfälle verantwortlich macht.
Eine königliche Kommission von 1867 zur Untersuchung‘ der
Beschäftigung von Kindern, jugendlichen Personen und Weiber?
in der Agrikultur hat einige sehr wichtige Berichte veröffentlicht
Es sind verschiedene Versuche gemacht worden, die Prinzipien der
Fabrikgesetzgebung, wenn auch in modifizierter Form, auf die Ag!“
kultur anzuwenden, aber bis jetzt blieben sie alle erfolglos. wWorau
ich hier aber aufmerksam zu machen habe, ist das Bestehen ein?
unwiderstehlichen Tendenz zur allgemeinen Anwendung diese
Prinzipien.
Wenn die Verallgemeinerung der Fabrikgesetzgebung al
physisches und geistiges Schutzmittel der Arbeiterklasse unvermeid
lich geworden ist, verallgemeinert und beschleunigt sie andersei®®
wie bereits angedeutet, die Verwandlung zerstreuter Arbeitsprozes
auf Zwergmaßstab in kombinierte Arbeitsprozesse auf großer, gesel e
schaftlicher Stufenleiter, also die Konzentration des Kapitals und £
Alleinherrschaft des Fabrikregimes. Sie zerstört alle altertümlich®
und Uebergangsformen, wohinter sich die Herrschaft des Kapit? ,
noch teilweise versteckt, und ersetzt sie durch seine direkte, up
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Dreizehntes Kapitel.

443

/erhüllte Herrschaft. Sie verallgemeinert damit auch den direkten
Kampf gegen diese Herrschaft. Während sie in den individuellen
Werkstätten Gleichförmigkeit, Regelmäßigkeit, Ordnung und Oeko-2omie
 erzwingt, vermehrt sie durch den ungeheuren Sporn, den
Schranke und Regel des Arbeitstages der Technik aufdrücken, die
Anarchie und Katastrophen der kapitalistischen Produktion im
Sroßen. und ganzen, die Intensität der Arbeit und die Konkurrenz
ler Maschinerie mit dem Arbeiter. Mit den Sphären des Klein-Jetriebes
 und der Hausarbeit vernichtet sie die letzten Zufluchts-Hätten
 der „Ueberzähligen“ und damit das bisherige Sicherheits-7entil
 des ganzen Gesellschaftsmechanismus. Mit den materiellen
Bedingungen und der gesellschaftlichen Kombination‘ des Pro-Juktionsprozesses
 reift sie die Widersprüche und Gegensätze seiner
fapitalistischen Form, daher gleichzeitig die Bildungselemente einer
leuen und die Umwälzungsmomente der alten Gesellschaft.???

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822 Robert Owen, der Vater der Genossenschaftsfabriken und -läden,
ler jedoch, wie früher bemerkt, die Illusionen seiner Nachtreter über
lie Tragweite dieser isolierten Umwandlungselemente keineswegs teilte,
ng nicht nur tatsächlich in seinen Versuchen vom Fabriksystem aus,
Ohndern erklärte es auch theoretisch für den Ausgangspunkt der
zialen Revolution. Herr Vissering, Professor der politischen Oekonomie
N der Universität zu Leiden, scheint so etwas zu ahnen, wenn er
X seinem „Handboek van Praktische Staatshuishoudkunde, Amsterdam
860—62“, welches die Plattheiten der Vulgärökonomie in entsprechend-%er
 Form vorträgt, für Handwerksbetrieb gegen große Industrie eifert.
— [Zur 4, Auflage bemerkt Engels: „Der „neue juristische Ratten-König“
 (S, 248), den die englische Gesetzgebung vermittels der einander
Vidersprechenden Factory Acts, Factory Extension Act und Workshops’ Act
1 Leben gerufen, wurde endlich unerträglich, und so kam im Factory and
Workshop Act, 1878, eine Kodifikation der ganzen betreffenden Gesetzgebung
Stande, Eine ausführliche Kritik dieses jetzt gültigen Industriekodex Engds
 kann hier natürlich nicht gegeben werden. Daher mögen folgende
Notizen genügen: Der Akt umfaßt 1. Textilfabriken. Hier bleibt so ziemlich
uoS beim alten: erlaubte Arbeitszeit für Kinder über 10 Jahre 51/2 Stuncn
 täglich, oder aber 6 Stunden, und dann den Samstag frei; junge Personen
Frauen 10 Stunden an 5 Tagen, höchstens 6'/2» am Samstag. — 2. Nichtar
 Hlfabriken. Hier sind die Bestimmungen denen von Nr. 1 mehr angeühert
 als früher, aber noch immer bestehen manche, den Kapitalisten
yistige Ausnahmen, die in manchen Fällen durch Spezialerlaubnis des
je aisters des Innern noch ausdehnbar sind. — 3. Workshops [Werkstätten],
eniert ungefähr wie im früheren Akt; soweit Kinder, jugendliche Arbeiter
Dn Frauen darin beschäftigt, sind. Workshops den nicht-textilen Fabriken
4 Ziemlich gleichgestellt, doch wieder mit Erleichterungen im einzelnen, —
D Workshops, in denen keine Kinder oder jugendliche Arbeiter, sondern nur
zrsonen beiderlei Geschlechts über 18 Jahre beschäftigt werden; für diese
is Borie gelten noch weitere Erleichterungen. — 5. Domestic Workshops
che rnarbeitsstätten], wo nur Familienglieder in der Familienwohnung behet
 werden; noch elastischere Bestimmungen und zugleich die Beliche
 Kung, daß der Inspektor ohne besondere ministerielle oder richter-©
 Erlaubnis nur solche Räume betreten darf, die nicht zugleich als
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        Vierter Abschnitt
10. Große Industrie und Agrikultur,
Die Revolution, welche die große Industrie im Ackerbau und
den sozialen Verhältnissen seiner Produktionsagenten hervorrult,
kann erst später dargestellt werden. Hier genügt kurze Andeutunf
einiger vorweggenommenen Resultate. Wenn der Gebrauch de!
Maschinerie im Ackerbau großenteils frei ist von den physische»
Nachteilen, die sie dem Fabrikarbeiter zufügt,2? wirkt sie hier noch
intensiver und ohne Gegenstoß auf die „Ueberzähligmachung“ der
Arbeiter, wie man später im Detail sehen wird. In den Graf
schaften Cambridge und Suffolk zum Beispiel hat sich der Umfang
des bebauten Landes seit den letzten 20 Jahren sehr ausgedehnt
während die Landbevölkerung in derselben Periode nicht nw
relativ, sondern absolut abnahm. In den Vereinigten Staaten vol
Nordamerika ersetzen Agrikulturmaschinen einstweilen nur virtuell
Arbeiter, das heißt sie erlauben dem Produzenten Bebauung eine!
größeren Fläche, verjagen aber nicht wirklich beschäftigte Arbeiter
In England und Wales betrug 1861 die Zahl der in der Fabrikatio?
von Ackerbaumaschinen beteiligten Personen 1034, während die
Zahl der an Dampf- und Arbeitsmaschinen beschäftigten Agrikultur
arbeiter nur 1205 betrug.
In der Sphäre der Agrikultur wirkt die große Industrie insofer?
am revolutionärsten, als sie das Bollwerk der alten Gesellschafl
vernichtet, den „Bauer“, und ihm den Lohnarbeiter unterschiebt
Die sozialen Umwälzungsbedürfnisse und Gegensätze des Lande‘

14

Wohnräume benutzt werden, und endlich die unbedingte Freigebung v°
Strohflechterei, Spitzenklöppelei und Handschuhmacherei innerhalb der
Familie. Bei allen Mängeln ist der Akt immer noch, neben dem schweiz“
rischen Bundesfabrikgesetz vom 23. März 1877, weitaus das beste Gese*
über den Gegenstand. Eine Vergleichung desselben mit dem erwähnte?
schweizerischen Bundesgesetz ist von besonderem Interesse, weil sie die
Vorzüge wie die Nachteile der beiden gesetzgeberischen Methoden — der
englischen, „historischen“, von Fall zu Fall eingreifenden, und der kontiner
lalen, auf den Traditionen der französischen Revolution aufgebauten, meh!
generalisierenden Methode — sehr anschaulich macht. Leider ist der nf
lische Kodex in seiner Anwendung auf Workshops großenteils noch imm®
toter Buchstabe — wegen unzureichendem Inspektionspersonal.“ — Seitde”
Engels dies geschrieben, ist eine Reihe weiterer Gesetze zum Schutz der
Arbeiter in England erlassen worden, darunter das wichtigste der Akt vo {
(901, der für Fabriken und Werkstätten die Beschäftigung von Kindern unt®
12 Jahren verbietet und die Arbeitszeit in Textilfabriken am Sonnabend * CB
L Stunde verkürzt, so daß die wöchentliche Gesamtarbeitszeit 551/2 Stund
ausmacht. K.] ten
*25 Ausführliche Darstellung der im englischen Ackerbau angewand!®,
Maschinerie findet man in Dr. W. Hamm: „Die landwirtschaftlichen nr
und Maschinen Englands, 2. Auflage 1856.“ In seiner Skizze über. 108
Entwicklungsgang der englischen Agrikultur folgt Herr Hamm zu kritik ie
dem Herrn Leonce de Lavergne. [Daß diese Bemerkung veraltet ist, ”
Engels schon 1890 bemerkte, versteht sich heute von selbst. K.]
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Dreizehntes Kapitel,

445

Werden so mit denen der Stadt ausgeglichen. An die Stelle des
Zewohnheitsfaulsten und irrationellsten, unzweckmäßigsten Betriebes
Tiütt bewußte, technologische Anwendung der Wissenschaft. Die Zer-"eißung
 des ursprünglichen Familienbandes von Agrikultur und
ndustrie, welches die kindlich unentwickelte Gestalt beider umschlang,
 wird durch die kapitalistische Produktionsweise vollendet.
Sie schafft aber zugleich die materiellen Voraussetzungen einer
leuen, höheren Synthese, des Vereins von Agrikultur und Induirie,
 auf Grundlage ihrer gegensätzlich ausgearbeiteten Gestalten,
Mit dem stets wachsenden Uebergewicht der städtischen Bevölke-"Ung,
 die sie in großen Zentren zusammenhäuft, häuft die kapita-Istische
 Produktion einerseits die geschichtliche Bewegungskraft der
Gesellschaft, stört sie anderseits den Stoffwechsel zwischen Mensch
ind Erde, das heißt die Rückkehr der vom Menschen in der Form
7on Nahrungs- und Kleidungsmitteln vernutzten Bodenbestandteile
um Boden, also die ewige Naturbedingung dauernder Boden-Tüchtbarkeit.
 Sie zerstört damit zugleich die physische Gesundheit
der Stadtarbeiter und das geistige Leben der Landarbeiter.?** Aber
Me zwingt zugleich durch die Zerstörung der bloß naturwüchsig ent-Handenen
 Umstände jenes Stoffwechsels ihn systematisch als regelnles
 Gesetz der gesellschaftlichen Produktion und in einer der vollen
Lenschlichen Entwicklung angemessenen Form herzustellen. In der
Agrikultur wie in der Industrie erscheint die kapitalistische Umwandvg
 des Produktionsprozesses zugleich als Martyrologie [als Leiüsgeschichte]
 der Produzenten, das Arbeitsmittel als Unterjochungs-Nittel,
 Ausbeutungsmittel und Verarmungsmittel des Arbeiters, die
S8ellschaftliche Kombination der Arbeitsprozesse als organisierte
Itterdrückung seiner individuellen Lebendigkeit, Freiheit und Selb-"ändigkeit.
 Die Zerstreuung der Landarbeiter über größere Flächen
STicht zugleich ihre Widerstandskraft, während Konzentration die
der städtischen Arbeiter steigert. Wie in der städtischen Industrie
Yird in der modernen Agrikultur die gesteigerte Produktivkraft und
obere Flüssigmachung der Arbeit erkauft durch Verwüstung und
„Tsiechung der Arbeitskraft selbst. Und jeder Fortschritt der
Pitalistischen Agrikultur ist nicht nur ein Fortschritt in der Kunst,
©n Arbeiter, sondern zugleich in der Kunst, den Boden zu berauben,
Sder Fortschritt in Steigerung seiner Fruchtbarkeit für eine gebene
 Zeitfrist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden

3 %4 Ihr teilt das Volk in zwei feindliche Lager, eins von tölpelhaften
ern und eins von entnervten Krüppeln. Guter Gott! Eine Nation, die
© landwirtschaftliche und kaufmännische Interessen getrennt ist, nennt sich
'elbst gesund, ja, sie stellt sich als aufgeklärt und zivilisiert hin, nicht nur
KOtz, sondern geradezu wegen dieser ungeheuerlichen und unnatürlichen
(ilung.« (David Urguhart: „Familiar Words. London 1855“, p. 119.)
Rise Stelle zeigt zugleich die Stärke und die Schwäche einer Art von
Titik, welche die Gegenwart zu be- und verurteilen, aber nicht zu be-Seiten
 weiß.
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        146

Vierter Abschnitt

Quellen dieser Fruchtbarkeit. Je mehr ein Land, wie die Ver
einigten Staaten von Nordamerika zum Beispiel, von der großel
Industrie als dem Hintergrund seiner Entwicklung ausgeht, dest
rascher dieser Zerstörungsprozeß.*?“ Die kapitalistische Produktio®
antwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaft
lichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquelle?
alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.
325 Vgl. Liebig: „Die Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur un
Physiologie. 7. Auflage 1862“, namentlich auch im ersten Band die „Einleitung
in die Naturgesetze des Feldbaues“. Die Entwicklung der negativen Seilf
der modernen Agrikultur, vom naturwissenschaftlichen Standpunkt, ist ei‘
der unsterblichen Verdienste Liebigs. Auch seine historischen Bemerkung®
über die Geschichte der Agrikultur, obgleich nicht ohne grobe Irrtümer, ent
halten Lichtblicke. Zu bedauern bleibt, daß er aufs Geratewohl Aeuß?
rungen wagt, wie folgende: „Durch eine weiter getriebene Pulverisieru®
und häufigeres Pflügen wird der Luftwechsel im Innern poröser Erdteil®
befördert und die Oberfläche der Erdteile, auf welche die Luft einwirk®
30ll, vergrößert und erneuert, aber es ist leicht verständlich, daß die Meb"
erträge des Feldes nicht proportionell der auf das Feld verwandten Arbeit
sein können, sondern daß sie in einem weit kleineren Verhältnis steige?
Dieses Gesetz“, fügt Liebig hinzu, „ist von J. St. Mill zuerst in seinen „Prif
ciples of Political Economy“, Bd. I, S. 17, in folgender Weise ausgesproche?
„Daß die Zunahme der Produktenmasse des Bodens bei sonst gleichen Ve
3ältnissen in geringerem Maße erfolgt als die Zunahme der angewandt®
Arbeiter (Herr Mill wiederholt sogar das Ricardosche Schulgesetz
falscher Formel, denn da „the. decrease of the labourers employed“, die Abname
 der angewandten Arbeiter, in England beständig Schritt hielt mit de?
Forischritt der Agrikultur, fände das für und in England erfundene Ges®
wenigstens in England keine Anwendung), ist das allgemeine Gesetz der
Landwirtschaft“, merkwürdig genug, da ihm dessen Grund unbekannt war.
(Liebig in dem zitierten Werke, Bd. I, S. 143 u. Note.) Abgesehen von irrig®
Deutung des Wortes „Arbeit“, worunter Liebig etwas anderes versteht on
die politische Oekonomie, ist es jedenfalls „merkwürdig genug“, daß w
Herr J. St. Mill zum ersten Verkünder einer Theorie macht, die Jam®
Anderson zur Zeit A. Smiths zuerst veröffentlichte und in verschieden“?
Schriften bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts hinein wiederholte, 5
sich 1815 Malthus aneignete, überhaupt ein Meister des Plagiats [de
literarischen Diebstahls] (seine ganze Bevölkerungstheorie ist ein schöf”
loses Plagiat), die West zur selben Zeit und unabhängig von Anders
entwickelte, die Ricardo 1817 in Zusammenhang mit der allgemein?
Werttheorie brachte und die von da an unter dem Namen Ricardos I
Runde der Welt gemacht hat, die 1820 von James Mill (dem Vale
J. St. Mills) vulgarisiert, und endlich unter andern auch von Herfi
J. St. Mill als bereits Gemeinplatz gewordenes Schuldogma wiederb®,
wird. Es ist unleugbar, daß J. St. Mill seine jedenfalls „merkwürdig
Autorität fast nur ähnlichen Irrtümern verdankt.

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Fünfter Abschnitt.
Die Produktion des absoluten und
relativen Mehrwertes.

Vierzehntes Kapitel
Absoluter und relativer Mehrwert.
Der Arbeitsprozeß wurde (siehe fünftes Kapitel) zunächst abtrakt
 betrachtet, unabhängig von seinen geschichtlichen Formen, als
zeß zwischen Mensch und Natur. Es hieß dort: „Betrachtet man
x ganzen Arbeitsprozeß vom Standpunkt seines Resultats, des Proats,
 so erscheinen beide, Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand, als
‚Söduktionsmittel, und die Arbeit selbst als produktive Arbeit.“
- 136.) Und in Note 7 wurde ergänzt: „Diese Bestimmung produk-WR
 Arbeit, wie sie sich vom Standpunkt des einfachen Arbeits-1.
 Zesses ergibt, reicht keineswegs hin für den kapitalistischen Pro-Uktionsprozeß.“
 Dies ist hier weiter zu entwickeln.
Soweit der Arbeitsprozeß ein rein individueller, vereinigt der-‘be
 Arbeiter alle Funktionen, die sich später trennen. In der
Adividuellen Aneignung von Naturgegenständen zu seinen Lebens-Wecken
 kontrolliert er sich selbst. Später wird er kontrolliert. Der
zelne Mensch kann nicht auf die Natur wirken ohne Betätigung
Siner eigenen Muskeln unter Kontrolle seines eigenen Hirns. Wie
© Natursystem Kopf und Hand zusammengehören, vereint der
„wWeitsprozeß Kopfarbeit und Handarbeit. Später scheiden sie sich
N zum feindlichen Gegensatz. Das Produkt verwandelt sich überat
 aus dem unmittelbaren Produkt des individuellen Produzenten
an gesellschaftliches, in das gemeinsame Produkt eines Gesamtli
 eiters, das heißt eines kombinierten Arbeitspersonals, dessen
a der Handhabung des Arbeitsgegenstandes näher oder ferner
Mit dem kooperativen Charakter des Arbeitsprozesses selbst
Bar sich daher notwendig der Begriff der produkliven Arbeit
arb ihres Trägers, des produktiven Arbeiters. Um produktiv zu
zen en, ist es num nicht mehr nötig, selbst Hand anzulegen; es
nk Organ des Gesamtarbeiters zu sein, irgendeine seiner Unterbrog
 Chen zu vollziehen. Die obige ursprüngliche Bestimmung der
Abg iktiven Arbeit, aus der Natur der materiellen Produktion selbst
ei K bleibt immer wahr für den Gesamtarbeiter, als Gesamtin
 eirachtet. Aber sie gilt nicht mehr für jedes seiner Glieder,
Zein genommen.
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        148

Fünfter Abschnif

Anderseits aber verengt sich der Begriff der produktiven Arbeit
Die kapitalistische Produktion ist nicht nur Produktion von War®
sie ist wesentlich Produktion von Mehrwert. Der Arbeiter pr“
duziert nicht für sich, sondern für das Kapital. Es genügt dab#
nicht länger, daß er überhaupt produziert. Er muß Mehrweil
produzieren. Nur der Arbeiter ist produktiv, der Mehrwert für d®
Kapitalisten produziert oder zur Selbstverwertung des Kapital
dient. Steht es frei, ein Beispiel außerhalb der Sphäre der mal“
riellen Produktion zu wählen, so ist ein Schulmeister produktive
Arbeiter, wenn er nicht nur Kinderköpfe bearbeitet, sondern sich
selbst abarbeitet zur Bereicherung des Unternehmers. Daß letztere
sein Kapital in einer Lehrfabrik angelegt hat, statt in einer Wurf
fabrik, ändert nichts an dem Verhältnis. Der Begriff des pI
duktiven Arbeiters schließt daher keineswegs ‘bloß ein Verhälip!
zwischen Tätigkeit und Nutzeffekt, zwischen Arbeiter und Arbeit®
produkt ein, sondern auch ein spezifisch gesellschaftliches, geschich‘
lich entstandenes Produktionsverhältnis, welches den Arbeiter zu?
unmittelbaren Verwertungsmittel des Kapitals stempelt. Produktive
Arbeiter zu sein, ist daher kein Glück, sondern ein Pech. Im viert®
Buch dieser Schrift, welches die Geschichte der Theorie behandel*
wird man näher sehen, daß die klassische politische Oekonomie vr
jeher, bald instinktiv, bald bewußt, die Produktion von Mehrwe
zum entscheidenden Charakter des produktiven Arbeiters macht*
Mit ihrer Auffassung von der Natur des Mehrwertes wechselt dah#
ihre Definition des produktiven Arbeiters. So erklären die Physi”
kraten, nur die Ackerbauarbeit sei produktiv, weil sie allein ein®
Mehrwert liefere. Für die Physiokraten existiert Mehrwert ab?
ausschließlich in der Form der Grundrente.
Die Verlängerung des Arbeitstages über den Punkt hinaus, “
der Arbeiter nur ein Aequivalent für den Wert seiner Arbeitskrä
produziert hätte, und die Aneignung dieser Mehrarbeit durch d®
Kapital — das ist die Produktion des absoluten Mehrwertes. Dies?
Prozeß kann vorgehen und geht vor auf Grundlage von Betrieb“
weisen, die ohne Zutun des Kapitals historisch überliefert sind. BB
findet dann nur eine formelle Metamorphose statt oder die kapi!?;
listische Ausbeutungsweise unterscheidet sich von den früheren, Wa
Sklavensystem usw., nur dadurch, daß die Mehrarbeit hier dul® ;
direkten Zwang abgerungen, dort durch „freiwilligen“ Verkauf de“
Arbeitskraft vermittelt wird. Die Produktion des absoluten Mebl
wertes unterstellt also nur formelle Unterordnung der Arbeit un!®
das Kapital. „
Die Produktion des absoluten Mehrwertes bildet die allgeme?
Grundlage des kapitalistischen Systems und den Ausgangspunkt U
Produktion des relativen Mehrwertes. Bei dieser ist der Arbeitst®
von vornherein in zwei Stücke geteilt: notwendige Arbeit und Mehl
arbeit. Um die Mehrarbeit zu verlängern, wird die notwend’£,
Arbeit verkürzt dureb Methoden, vermittels deren das Aequival®
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Vierzehntes Kapitel.

4.4.0

les Arbeitslohnes in weniger Zeit produziert wird. Die Produktion
les absoluten Mehrwertes dreht sich nur um die Länge des Arbeitsages;
 die Produktion des relativen Mehrwertes revolutioniert durch
Ind durch die technischen Prozesse der Arbeit und die gesellschaftlichen
 Gruppierungen.
Die Produktion des relativen Mehrwertes unterstellt also eine
Pezifisch kapitalistische Produktionsweise, die mit ihren Methoden,
Mitteln und Bedingungen selbst erst auf Grundlage der formellen
Unterordnung der Arbeit unter das Kapital naturwüchsig entsteht
Und ausgebildet wird. An die Stelle der formellen tritt die reelle
Jnterordnung der Arbeit unter das Kapital.
Es genügt bloßer Hinweis auf Zwilterformen, worin die Mehrbeit
 weder durch direkten Zwang dem Produzenten ausgepumpt
Wird, noch auch dessen formelle Unterordnung unter das Kapital
Ühgetreten ist. Das Kapital hat sich hier noch nicht unmittelbar
des Arbeitsprozesses bemächtigt. Neben die selbständigen Pro-Auzenten,
 die in überlieferter, urväterlicher Betriebsweise hand-Werkern
 oder ackerbauen, tritt der Wucherer oder Kaulmann, das
Wucherkapital oder das Handelskapital, das sie parasitenmäßig aus-Saugt,
 Vorherrschaft dieser Ausbeutungsform in einer Gesellschaft
Schließt die kapitalistische Produktionsweise aus, zu der sie anderdie,
 wie im späteren Mittelalter, den Uebergang bilden kann. End-‘ch,
 wie das Beispiel der modernen Hausarbeit zeigt, werden
Sewisse Zwitterformen auf dem Hintergrunde der großen Indusirie
Tellenweise reproduziert, wenn auch mit gänzlich verändertem
Aussehen.

m Wenn zur Produktion des absoluten Mehrwertes die bloß for-„le
 Unterordnung der Arbeit unter das Kapital genügt, zum Beinn
 daß Handwerker, die früher für sich selbst oder auch als
die den eines Zunfimeisters arbeiteten, nun als Lohnarbeiter unter
vi direkte Kontrolle des Kapitalisten treten, zeigte sich anderseits,
Mat die Methoden zur Produktion des relativen Mehrwertes zugleich
mag den zur Produktion des absoluten Mehrwertes sind. Ja, die
Pro lose Verlängerung des Arbeitstages stelite sich als eigenstes
ka dukt der großen Industrie dar. Ueberhaupt hört die spezifisch
des (alistische Produktionsweise auf, bloßes Mittel zur Produktion
d ut sativen Mehrwertes zu sein, sobald sie sich eines ganzen Proden
 lonszweiges und noch mehr, sobald sie sich aller entscheiden-Qese].
 rOduktionszweige bemächtigt hat. Sie wird jetzt allgemeine,
bes ischaftlich herrschende Form des Produktionsprozesses, Als
Sie Ondere Methode zur Produktion des relativen Mehrwertes wirkt
Ta) noch, erstens soweit sie dem Kapital bisher nur formell
breit 7 dnete Industrien ergreift, also in ihrer zunehmenden Ver-Öortware
 Zweitens, soweit ihr bereits anheimgefallene Industrien
n boden d revolutioniert werden durch Wechsel der Produktions-Das
 Kapital. 1.
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        „MW

Fünfter Abschnitl

Von gewissem Gesichtspunkt scheint der Unterschied zwische!
absolutem und relativem Mehrwert überhaupt trügerisch. De
relative Mehrwert ist absolut, denn er bedingt absolute Verläng®
rung des Arbeitstages über die zur Existenz des Arbeiters selb#
notwendige Arbeitszeit. Der absolute Mehrwert ist relativ, denn
bedingt eine Entwicklung der Arbeitsproduktivität, welche erlaubt
die notwendige Arbeitszeit auf einen Teil des Arbeitstages zu b®
schränken. Faßt man aber die Bewegung des Mehrwertes ins Aug®
so verschwindet dieser Schein der Einerleiheit. Sobald die kapit?
listische Produktionsweise einmal hergestellt und allgemeine Pr“
duktionsweise geworden, macht sich der Unterschied zwisch®
absolutem und relativem Mehrwert fühlbar, sobald es gült, die Ral®
des Mehrwertes überhaupt zu steigern. Vorausgesetzt, die Arbeit®
kraft werde zu ihrem Wert bezahlt, stehen wir dann vor diese
Alternative: die Produktivkraft der Arbeit und ihren Normalgr#%
von Intensität gegeben, ist die Rate des Mehrwertes nur erhöhb#
durch absolute Verlängerung des Arbeitstages; anderseits, bei g”
gebener Grenze des Arbeitstages, ist die Rate des Mehrwertes 2
erhöhbar durch relativen Größenwechsel seiner Bestandteile, d*
notwendigen Arbeit und der Mehrarbeit, was seinerseits, soll de
Lohn nicht unter den Wert der Arbeitskraft sinken, Wechsel in d#
Produktivität oder Intensität der Arbeit voraussetzt.
Braucht der Arbeiter alle seine Zeit, um die zur Erhaltung sein®
selbst und seiner Familie nötigen Lebensmittel zu produzieren, 8
bleibt ihm keine Zeit, um. unentgeltlich für dritte Personen A
arbeiten. Ohne einen gewissen Produktivitätsgrad der Arbeit kein‘
solche verfügbare Zeit für den Arbeiter, ohne solche überschüssif‘
Zeit keine Mehrarbeit und daher keine Kapitalisten, aber aud
keine Sklavenhalter, keine Feudalbarone, in einem Wort keine Groß
besitzerklasse.? ,
So kann von einer Naturbasis des Mehrwertes gesprochen w#
den, aber nur in dem ganz allgemeinen Sinn, daß kein absolut”
Naturhindernis den einen abhält, die zu seiner eigenen Existe®
nötige Arbeit von sich selbst ab- und einem andern aufzuwälze*
zum Beispiel ebensowenig wie absolute Naturhindernisse die eine
abhalten, das Fleisch der andern als Nahrung zu verwenden.! 6
Es sind durchaus nicht, wie es hier und da geschehen, mystisch‘
Vorstellungen mit dieser naturwüchsigen Produktivität der Arbeit fr
verbinden. Erst sobald die Menschen sich aus ihren ersten Tie”
* „Schon das bloße Vorhandensein der kapitalistischen Unternehmer
einer besonderen Klasse ist abhängig von der Produktivität der Arbfi
(Kamsay: „An Essay on the Distribution of Wealth. Edinburgh 1836“, p20 ;
„Wenn jedermanns Arbeit nur genügen würde, seinen eigenen Lebensunf®,
halt zu produzieren, könnte es kein Eigentum geben.“ (Ravenstone: „Thoug
on the Funding System. London 1824“, p. 14, 15.) pe
1 Nach einer kürzlich gemachten Berechnung leben allein in deß
reits erforschten Erdgegenden mindestens noch 4 Millionen Kannibalerp-
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451

üständen herausgearbeitet haben, ihre Arbeit selbst also schon in
;ewissem Grade vergesellschaftet ist, treten Verhältnisse ein, worin
le Mehrarbeit des einen zur Existenzbedingung des andern wird.
n den Kulturanfängen sind die erworbenen Produktivkräfte der
Arbeit gering, aber so sind die Bedürfnisse, die sich mit und an
len Mitteln ihrer Befriedigung entwickeln. Ferner ist in jenen Anängen
 die Proportion der Gesellschafisteile, die von fremder Ar-)eit
 leben, verschwindend klein gegen die Masse der unmittelbaren
’roduzenten. Mit dem Fortschritt der gesellschaftlichen Produktivalt
 der Arbeit wächst diese Proportion absolut und relativ.? Das
\apitalverhältnis entspringt übrigens auf einem ökonomischen
Soden, der das Produkt eines langen Entwicklungsprozesses ist. Die
"thandene Produktivität der Arbeit, wovon es als Grundlage aus-3eht,
 ist nicht Gabe der Natur, sondern der Geschichte, einer gehichtlichen
 Entwicklung, deren Perioden nicht Jahrhunderte. sonlern
 Tausende von Jahrhunderten umfassen.
Von der mehr oder minder entwickelten Gestalt der gesell-‘“haftlichen
 Produktion abgesehen, bleibt die Produktivität der
Arbeit an Naturbedingungen gebunden. Sie sind alle rückführbar
uf die Natur des Menschen selbst, wie Rasse usw., und die ihn um-Sbende
 Natur. Die äußeren Naturbedingungen zerfallen ökonoisch
 in zwei große Klassen, natürlichen Reichtum an Lebens-Mitteln,
 also Bodenfruchtbarkeit, fischreiche Gewässer usw., und
"atürlichen Reichtum an Arbeitsmitteln, wie lebendige Wasserfälle,
 schiffbare Flüsse, Holz, Metalle, Kohle usw. In den Kultur-«ängen
 gibt die erstere, auf höherer Entwicklungsstufe die zweite
a des natürlichen Reichtums den Ausschlag. Man vergleiche zum
zu Spiel England mit Indien oder, in der antiken Welt, Athen und
°Tinth mit den Uferländern des schwarzen Meeres.
ai Je geringer die Zahl der absolut zu befriedigenden Naturbedürf-1.
 S und je größer die natürliche Bodenfruchtbarkeit und Gunst
x Klimas, desto geringer die zur Erhaltung und Reproduktion des
yeduzenten notwendige Arbeitszeit. Desto größer kann also der
pP sSchuß seiner Arbeit für andere über seine Arbeit für sich
ist St sein. So bemerkt schon Diodor über die alten Aegypter: „Es
ihr ganz unglaublich, wie wenig Mühe und Kosten die Erziehung
inte Kinder ihnen verursacht. Sie kochen ihnen die nächste beste
mt ache Speise; auch geben sie ihnen von der Papierstaude den
jo ven Teil zu essen, soweit man ihn im Feuer rösten kann, und
ng urzel und Stengel der Sumpfgewächse, teils roh, teils gesotten
dek gebraten. Die meisten Kinder gehen ohne Schuhe und unleidet,
 da die Luft so mild ist. Daher kostet ein Kind seinen

9 * „Bei den wilden Indianern Amerikas gehört fast alles dem Arbeiter,
an Idertteile des Produkts sind der Arbeit zuzuschreiben. In England
hs dem Arbeiter vielleicht nicht zwei Drittel zu. („The Advantages of
Kast-India Trade ete. London 1720“, p. 78.)
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        t52

Fünfter Abschnif

Eltern, bis es erwachsen ist, im ganzen nicht über 20 Drachm®
[keine 20 Mark — K.]. Hieraus ist es hauptsächlich zu erklären, daß
in Aegypten die Bevölkerung so zahlreich ist und darum so viel
große Werke angelegt werden konnten.“* Indes sind die großen Bat
werke des alten Aegyptens dem Umfang seiner Bevölkerung wenig#
geschuldet als der großen Proportion, worin sie disponibel [verfüß
bar] war. Wie der individuelle Arbeiter um so mehr Mehrarbei
liefern kann, je geringer seine notwendige Arbeitszeit, so, je gering®
der zur Produktion der notwendigen Lebensmittel erheischte Teil d*
Arbeiterbevölkerung, desto größer ihr für anderes Werk disponibl#
Teil.
Die kapitalistische Produktion einmal vorausgesetzt, wird, unte!
sonst gleichbleibenden Umständen und bei gegebener Länge de
Arbeitstages, die Größe der Mehrarbeit mit den Naturbedingung“
der Arbeit, namentlich auch der Bodenfruchtbarkeit, wechseln. Bi
folgt aber keineswegs umgekehrt, daß der fruchtbarste Boden de
geeignetste zum Wachstum der kapitalistischen Produktionswel®
Sie unterstellt Herrschaft des Menschen über die Natur. Eine %
verschwenderische Natur „hält ihn an ihrer Hand wie ein Kit
am Gängelband“. Sie macht seine eigene Entwicklung nicht x
einer Naturnotwendigkeit.*‘ Nicht das tropische Klima mit sein“
überwuchernden Vegetation, sondern die gemäßigte Zone ist 0
Mutterland des Kapitals. Es ist nicht die absolute Fruchtbark®
des Bodens, sondern seine Differenzierung, die Mannigfaltigk®
seiner natürlichen Produkte, welche die Naturgrundlage der geseh
schaftlichen Teilung der Arbeit bildet und den Menschen durch ‚d*
Wechsel der Naturumstände, innerhalb deren er haust, zur ver
mannigfachung seiner eigenen Bedürfnisse, Fähigkeiten, Arbeiß
mittel und Arbeitsweisen spornt. Die Notwendigkeit, eine Nat
kraft gesellschaftlich zu kontrollieren, damit hauszuhalten, sie dur“
Werke von Menschenhand auf großem Maßstab erst anzueig!‘
oder zu zähmen, spielt die entscheidendste Rolle in der Geschich
3 Diodorus Siculus: „Bibliotheca historica“, lib. I, e. 80. f
‘ „So sehr der erstere (der natürliche Reichtum) vorzüglich und Win
teilhaft ist, macht er doch die Bevölkerung sorglos, stolz und zu allen AU
schweifungen geneigt; hingegen zwingt der letztere zu Wachsamkeit, Studi
Kunstfertigkeit und kluger Politik.“ („England’s Treasure by Foreign Tr# 8
Or the Balance of our Foreign Trade is the Rule of our Treasure. Write
5y Thomas Mun, of London, Merchant, and now published for the com
good by his son John Mun. London 1669“, p. 181, 182.) „Ich kann 20%
nichts finden, was für ein Volk ein ärgerer Fluch wäre, als auf einen FO
Landes versetzt zu sein, wo die Erzeugung von Lebensmitteln größten!”
von selbst geschieht und das Klima nur wenig Sorgfalt für Kleidung Si
Witterungsschutz erfordert oder zuläßt. ... Es kann allerdings auch ei
Extrem nach der andern Seite geben. Ein Boden, dem die Arbeit Sn
Produkt zu entlocken vermag, ist ebenso schlecht wie ein Boden, der 9%
Arbeit reiche Früchte trägt.“ (An Inquiry into the Present High Pric®
Provisions, London .1767“, p. 10.)
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Mierzehntes Kapitel. \

453

ler Industrie. So zum Beispiel die Wasserregelung in Aegypten,‘
(er Lombardei, Holland usw. Oder in Indien, Persien usw., wo die
Veberrieselung durch künstliche Kanäle dem Boden nicht nur das
Mentbehrliche Wasser, sondern mit dessen Geschlämme zugleich
len Mineraldünger von den Bergen zuführt. Das Geheimnis der
Adustrieblüte von Spanien und Sizilien unter arabischer Herrschaft
"ar die Kanalisation.*
_ Die Gunst der Naturbedingungen liefert immer nur die Möglichit,
 niemals die Wirklichkeit der Mehrarbeit, also des Mehrwertes
Wer des Mehrprodukts. Die verschiedenen Naturbedingungen der
(beit bewirken, daß dieselbe Quantität Arbeit in verschiedenen
Andern verschiedene Bedürfnismassen befriedigt,” daß also, unter
nn analogen Umständen, die notwendige Arbeitszeit verden
 ist. Auf die Mehrarbeit wirken sie nur als Natur-%
 Tanke, das heißt durch die Bestimmung des Punktes, wo die Arbeit
yo andere beginnen kann. In demselben Maße, worin die Industrie
x Mritt, weicht diese Naturschranke zurück. Mitten in der westopäischen
 Gesellschaft, wo der Arbeiter die Erlaubnis, für seine
“Sene Existenz zu arbeiten, nur durch Mehrarbeit erkauft, wird

die 5 Die Notwendigkeit, die Perioden der Nilbewegung zu berechnen, schuf
Lei 4gyptische Astronomie und mit ihr die Herrschaft der Priesterkaste als
yo Sri der Agrikultur. „Die Sonnenwende ist der Zeitpunkt des Jahres,
AueST Nil zu schwellen beginnt, und den daher die Aegypter mit der größten
has ksamkeit beobachten mußten. .... Es war für sie wichtig, diese
an Periode festzustellen, um sich in ihren landwirtschaftlichen Maßkenn
 danach richten zu können. Sie mußten daher am Himmel ein
% liches Zeichen seiner Wiederkehr suchen.“ (Cuvier: „Discours sur les
%lutions du globe. Ed. Hoefer. Paris 1863“, p. 141.)
tan * Eine der materiellen Grundlagen der Staatsmacht über die zusammen-N
 losen kleinen Produktionsorganismen Indiens war Regelung der
we serzufuhr. Die mohammedanischen Herrscher Indiens verstanden dies
SA als ihre englischen Nachfolger. Wir erinnern nur an die Hungersnot
ach 1866, die mehr als einer Million Hindus in dem Distrikt Orissa, Präsidentäit
 Bengalen, das Leben kostete.
u ” „Es gibt keine zwei Länder, die eine gleiche Zahl von Lebensmitteln
ao Reicher Menge liefern und mit dem gleichen Aufgebot von Arbeit. Die
Mile isse der Menschen nehmen zu oder ab, je nach der Strenge oder
dig“ des Klimas, in dem sie leben. Es kann daher das Ausmaß an Gewerbht
 das die Einwohner verschiedener Länder genötigt sind zu betätigen,
dw dasselbe sein, und es geht nicht an, die Größe der Verschiedenheit dieses
Kae: PDeißes näher zu bestimmen als durch die Grade der Hitze oder der
Abe man kann daher den allgemeinen "Schluß ziehen, daß die Menge
Kim” die für eine bestimmte Bevölkerungszahl erforderlich ist, in kaltem
Mayo am größten, in warmem am geringsten ist. Denn in ersterem
uch Gen die Menschen nicht nur mehr Kleider, sondern der Boden auch
Ca Bebauungsarbeit als in letzterem.“ („An Essay on the Governing Causes
bog Natural Rate of Interest. London 1750“, p. 60.) Der Verfasser dieser
Änsthegr nenden anonymen Schrift ist J. Massey. Hume nahm daraus seine
ie.
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        154

Fünfter Abschnl

sich leicht eingebildet, es sei eine der menschlichen Arbeit &amp;amp;
geborene Qualität, ein Mehrprodukt zu liefern.® Man nehme ab®
zum Beispiel den Einwohner der östlichen Inseln des asiatisch?
Archipelagus, wo der Sago wild im Walde wächst. „Wenn Ö
Einwohner, indem sie ein Loch in den Baum bohren, %“
davon überzeugt haben, daß das Mark reif ist, so wird 7
Stamm umgeschlagen und in mehrere Stücke geteilt, das M#
wird herausgekratzt, mit Wasser gemischt und geseiht, es ist dar
vollkommen brauchbares Sagomehl. Ein Baum gibt gemeinigl“
300 Pfund und kann 500 bis 600 Pfund geben. Man geht dor
also in den Wald und schneidet sich sein Brot, wie man bei w
sein Brennholz schlägt.“ Gesetzt, ein solcher ostasiatischer BI
schneider brauche 12 Arbeitsstunden in der Woche zur Befriedigw*
aller seiner Bedürfnisse. Was ihm die Gunst der Natur unmittell?
gibt, ist viel Mußezeit. Damit er diese produktiv für sich selbst “
wende, ist eine ganze Reihe geschichtlicher Umstände, damit er *
in Mehrarbeit für fremde Personen verausgabe, ist äußerer zwei
erheischt. Würde kapitalistische Produktion eingeführt, so müßt
der Brave vielleicht 6 Tage in der Woche arbeiten, um sich sol
das Produkt eines Arbeitstages anzueignen. Die Gunst der N# i
erklärt nicht, warum er jetzt 6 Tage in der Woche arbeitet od
warum er 5 Tage Mehrarbeit, also ein enormes Mehrprodukt, 1ief
Sie erklärt nur, warum seine notwendige Arbeitszeit auf einen %
in. der Woche beschränkt ist. In keinem Fall aber entspränge BE
Mehrprodukt aus einer der menschlichen Arbeit eingeborel”
okkulten Qualität [geheimen Eigenschaft]. ;
Wie die geschichtlich entwickelten, gesellschaftlichen, so z
scheinen die naturbedingten Produktivkräfte der Arbeit als Produk
kräfte des Kapitals, dem sie einverleibt wird. — s
Ricardo kümmert sich nie um den Ursprung des Mehrwert”
Er behandelt ihn als ein Ding, das der kapitalistischen Produktio),
weise eigen ist, der in seinen Augen natürlichen Form der gef
schaftlichen Produktion. Wo er von der Produktivität der Arbe
spricht, da sucht er in ihr nicht die Ursache des Daseins Y
Mehrwert, sondern nur die Ursache, die seine Größe bestimf?
Dagegen hat seine Schule die Produktivkraft der Arbeit laut Pe
klamiert als die Entstehungsursache des Profits (lies: Mehrwert®,
Jedenfalls ein Fortschritt gegenüber den Merkantilisten, die ib u
seits den Ueberschuß des Preises der Produkte über ihre Prod
lionskosten aus dem Austausch herleiten, aus ihrem Verkauf ke
ihren Wert. Trotzdem hatte auch Ricardos Schule das Problem De
umgangen, nicht gelöst. In der Tat hatten diese bürgerlichen 06 ge
nomen den richtigen Instinkt, es sei sehr gefährlich, die brenne? .
* „Jede Arbeit muß (scheint auch zu den Rechten und PflichteP %
Bürgers zu gehören) einen Ueberschuß geben.“ (Proudhon.) ng
9 F. Shouw: „Die Erde, die Pflanze und der Mensch. 2, Auflage. Lei?
1854‘, Seite 148.
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Merzehntes Kapitel.

455

Tage nach dem Ursprung des Mehrwertes zu tief zu ergründen.
Tas aber sagen, wenn ein halbes Jahrhundert nach Ricardo Herr
Ohn Stuart Mill würdevoll seine Ueberlegenheit über die Merkan-Listen
 konstatiert, indem er die faulen Ausflüchte der ersten Verächer
 Ricardos schlecht wiederholt?
Mill sagt: „Die Ursache des Profits ist die, daß die Arbeit mehr
"oduziert, als für ihren Unterhalt erforderlich ist.“ Soweit nichts
I die alte Leier; aber Mill will auch Eigenes hinzutun: „Oder
ders ausgedrückt: der Grund, weshalb das Kapital einen Profit
‘fert, ist der, daß Nahrung, Kleider, Rohstoffe und Arbeitsmittel
Angere Zeit dauern, als zu ihrer Produktion erforderlich ist.“ Mill
sTWechselt hier die Dauer der Arbeitszeit mit der Dauer ihrer
dukte, Nach dieser Ansicht würde ein Bäcker, dessen Produkte
Wr 1 Tag dauern, aus seinen Lohnarbeitern nie denselben Profit
"chen können wie ein Maschinenbauer, dessen Produkte 20 Jahre
nt länger dauern. Allerdings, wenn die Vogelnester nicht längere
jr Vorhielten, als zu ihrem Bau erforderlich, so würden die Vögel
© ohne Nester behelfen müssen.
&amp;amp; Diese Grundwahrheit einmal festgestellt, stellt Mill seine Ueberde
 übeit über die Merkantilisten fest: „Wir sehen also, daß der
nt entsteht, nicht aus dem Zwischenfall des Austausches, sondern
4 der Produktivkraft der Arbeit; der Gesamtprofit eines Landes
ob Imer bestimmt durch die Produktivkraft der Arbeit, gleichviel,
x Ygendein Austausch stattfindet oder nicht. Bestände keine Teins
 der Beschäftigungen, so gäbe es weder Kauf noch Verkauf, aber
w noch Profit.“ Hier sind also Austausch, Kauf und Verkauf,
dran gemeinen Bedingungen der kapitalistischen Produktion, ein
IS Zwischenfall, und es gibt immer noch Profit ohne Kauf und
“kauf der Arbeitskraft!
% Weiter: „Produziert die Gesamtheit der Arbeiter eines Landes
yaf Zt. über ihre Lohnsumme, so werden die Profite 20 pZt. sein,
Sn. äuch immer der Stand der Warenpreise.“ — Dies ist einerseits
Ver äußerst gelungene Tautologie, denn wenn Arbeiter einen Mehrdie
 von 20 pZt. für ihre Kapitalisten produzieren, so werden sich
An ar Tofite zum Gesamtlohn der Arbeiter verhalten wie 20: 100.
den« seits ist es absolut falsch, daß die Profite „20 pZt. sein wer-Auf
 gı Sie müssen immer kleiner sein, weil Profite berechnet werden
hab die Gesamtsumme des vorgeschossenen Kapitals. Der Kapitalist
Ser zum Beispiel 500 Pfd. Sterl. vorgeschossen, davon 400 Pfd.
Rate’ in Produktionsmitteln, 100 :Pfd. Sterl. in Arbeitslohn. Die
Prog des Mehrwertes sei, wie angenommen, 20 pZt., so wird die
lrate sein wie 20 :500, das heißt 4 pZt. und nicht 20 pZt.
Din Mill fährt fort: „Ich setze überall den gegenwärtigen Stand der
Wo Voraus, der bis auf wenige Ausnahmen überall herrscht,
daß äpitalisten und Arbeiter verschiedene Klassen bilden, das heißt
beine AST Kapitalist alle Vorschüsse macht, die Bezahlung des Ar-IS
 einbegriffen.“ Mill nimmt wohl an, „es ist nicht absolut
        <pb n="501" />
        156

Fünfter Abschnf

notwendig, daß dem so sei,“ selbst dort nicht, „wo Kapitalisten ul
Arbeiter verschiedene Klassen bilden“. Im Gegenteil. „Der Arbeit
könnte, bis die Arbeit vollständig fertig ist, mit der Zahl“
jenes Teiles seines Lohnes warten, der das zur Deckung der
entbehrlichsten Lebensbedürfnisse Erheischte übersteigt; ja so
mit seinem ganzen Lohnbetrag, wenn er die zu seiner Erhaltung ”
der Zwischenzeit nötigen Mittel hätte. Aber in diesem letzter”
Falle wäre er in gewissem Grade ein Kapitalist, der Kapital pr
Geschäft legte und einen Teil der zu seiner Fortführung nötig”
Fonds lieferte.“ Ebensogut könnte Mill sagen, der Arbeiter, de
sich selbst nicht nur die Lebensmittel, sondern auch die Arbeit
mittel vorschießt, sei in Wirklichkeit sein eigener Lohnarbeiter. 0
der amerikanische Bauer sei sein eigener Sklave, der nur für ®®
selbst statt für einen fremden Herrn frondet. N
Nachdem uns Mill derart klärlich erwiesen, daß die kapl
listische Produktion, selbst wenn sie nicht existierte, dennoch im” N
existieren würde, ist er nun konsequent genug, zu beweisen, .
sie selbst dann nicht existiert, wenn sie existiert: „Und selbst %
vorigen Fall (wenn der Kapitalist dem Lohnarbeiter seine sr
lichen Lebensmittel vorschießt) kann der Arbeiter unter demsell)
Gesichtspunkt betrachtet werden (das heißt als ein Kapital®
Denn indem er seine Arbeit unter dem Marktpreise (I) hergibt, ka
er angesehen werden, als schösse er die Differenz (?) seinem Un
nehmer vor und erhielte sie mit Zins zurück.“* In der tatsäl®
lichen Wirklichkeit schießt der Arbeiter dem Kapitalisten sein®
beit während einer Woche usw. umsonst vor, um am Ende %
Woche usw. ihren Marktpreis zu erhalten; das macht ihn, nach WE
zum Kapitalisten! In der platten Ebene erscheinen auch Erdhauf”
als Hügel; man messe die Plattheit unserer heutigen Bourge®
am Kaliber ihrer „großen Geister“.

Fünfzehntes Kapitel.
Größenwechsel von Preis der Arbeitskraft
und Mehrwert.

Wir haben gesehen, daß der Wert der Arbeitskraft bestimmt k
durch den Wert der gewohnheitsmäßig notwendigen Lebensmitl
des Durchschnittsarbeiters. Die Masse dieser Lebensmittel. obgleid
ihre Form wechseln mag, ist in einer bestimmten Epoche 'einer “
stimmten Gesellschaft gegeben und daher als konstante &amp;amp; vn
zu behandeln. Was wechselt, ist der Wert dieser Masse. zw
andere Faktoren gehen in die Wertbestimmung der Arbeitskraft SP

&amp;gt;
% J, St. Mill: „Principles of Political Economy. London 1868“, P- 252
passim. [Deutsch von Soetbeer, Buch IL Kap. 15, 88 5 und 6.]
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Nnlzehntes Kapitel,

457

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nerseits ihre Entwicklungskosten, die sich mit der Produktions-"eise
 ändern, anderseits ihre Naturdifferenz, ob sie männlich oder
"Siblich, reif oder unreif. Der Verbrauch dieser verschiedenen
\rbeitskräfte, wieder bedingt durch die Produktionsweise, macht
Xoßen Unterschied in den Reproduktionskosten der Arbeiterfamilie
Wd dem Wert des erwachsenen männlichen Arbeiters. Beide Fak-‘en
 bleiben jedoch bei der folgenden Untersuchung ausgeschlossen.
_ Wir unterstellen, 1. daß die Waren zu ihrem Wert verkauft
den, 2. daß der Preis der Arbeitskraft wohl gelegentlich über
ten Wert steigt, aber nie unter ihn sinkt.
Dies einmal unterstellt, fand sich, daß die relativen Größen
„u Preis der Arbeitskraft und von Mehrwert durch drei Umstände
Adingt sind: 1. die Länge des Arbeitstages oder die extensive
be der Arbeit; 2. die normale Intensität der Arbeit, oder ihre
KR °Dsive Größe, so daß ein bestimmtes Arbeitsquantum in bestimm-©
 Zeit verausgabt wird; 3. endlich die Produktivkraft der Arbeit,
An daß je nach dem Entwicklungsgrad der Produktionsbedingungen
‚es be Quantum Arbeit in derselben Zeit ein größeres oder kleinenn
 Quantum Produkt liefert. Sehr verschiedene Kombinationen
„ offenbar möglichg je nachdem einer der drei Faktoren konstant
nn Zwei variabel, oder zwei Faktoren konstant und einer variabel,
0 endlich alle drei gleichzeitig variabel sind. Diese Kombinaurl
 werden noch dadurch vermannigfacht, daß bei gleichzeitiger
action verschiedener Faktoren die Größe und Richtung der
Ja tion verschieden sein können. Im folgenden sind nur die
Upfkombinationen dargestellt.

L Größe des Arbeitstages und Intensität der Arbeit konstant,
Produktivkraft der Arbeit variabel.
Ne Unter dieser Voraussetzung sind Wert der Arbeitskraft und
TWwert durch drei Gesetze bestimmt.
tel 2 Der Arbeitstag von gegebener Größe stellt sich stets in dem-Ip
 d Wertprodukt dar, wie auch die Produktivität der Arbeit, mit
echat Produktenmasse und daher der Preis der einzelnen Ware
Y, uenn 1 Arbeitsstunde normaler Intensität den Wert von
Norte, ling produziert, so wird 1 Arbeitstag von 12 Stunden stets ein
der Wr odukt von 6 Shilling liefern. Wir nehmen immer an, daß
rat ae des Geldes unverändert bleibt. Nimmt die Produktiv-Veni
 er Arbeit zu oder ab, so wird derselbe Arbeitstag mehr oder
Iso en Artikel produzieren, so daß der Wert von 6 Shilling sich
9 er mehr oder weniger Waren verteilt.
ter Ri Wert der Arbeitskraft und Mehrwert wechseln in umgekehr-Do
 tung zueinander. Wechsel in der Produktivkraft der Arbeit,
den wenchme oder Abnahme, wirkt in umgekehrter Richtung auf
erl der Arbeitskraft und in direkter auf den Mehrwert.
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        EIS

Fünfter Abschnf

Das Wertprodukt des zwölfstündigen Arbeitstages ist eine k%
stante Größe, zum Beispiel 6 Shilling. Diese konstante Größe f
gleich der Summe des Mehrwertes plus dem Wert der Arbeitskraf
den der Arbeiter durch ein Aequivalent ersetzt. Es ist selbst
verständlich, daß von zwei Teilen einer konstanten Größe keiner
nehmen kann, ohne daß der andere abnimmt. Der Wert &amp;amp;
Arbeitskraft kann nicht von 3 Shilling auf 4 steigen, ohne daß de
Mehrwert von 3 Shilling auf 2 fällt, und der Mehrwert kann ni®
von 3 auf 4 Shilling steigen, ohne daß der Wert der Arbeitekt#
von 3 Shilling auf 2 fällt. Unter diesen Umständen also ist k@
Wechsel in der absoluten Größe, sei es des Wertes der Arbeitskra®
sei es des Mehrwertes, möglich ohne gleichzeitigen Wechsel il“
relativen oder verhältnismäßigen Größen. Es ist unmöglich, daß gs
gleichzeitig fallen oder steigen.
Der Wert der Arbeitskraft kann ferner nicht fallen, also de
Mehrwert nicht steigen, ohne daß die Produktivkraft der Ar®%
steigt, zum Beispiel im obigen Falle kann der Wert der Arbeitskt#
nicht von 8 auf 2 Shilling sinken, ohne daß erhöhte Produktivkr
der Arbeit erlaubt, in 4 Stunden dieselbe Masse Lebensmittel 7
produzieren, die vorher 6 Stunden zu ihrer Produktion erheischt )
Ungekehrt kann der Wert der Arbeitskraft nicht von 3 auf 4 Shi
steigen, ohne daß die Produktivkraft der Arbeit fällt, also 8 Stund“
zur Produktion derselben Masse von Lebensmitteln erheischt sl
wozu früher 6 Stunden genügten. Es folgt hieraus, daß die Zunab”
in der Produktivität der Arbeit den Wert der Arbeitskraft ses)
und damit den Mehrwert steigert, während umgekehrt die Abnabl'
der Produktivität den Wert der Arbeitskraft steigert und den Mel
wert senkt.
Bei Formulierung dieses Gesetzes übersah Ricardo einen vr
stand: Obgleich der Wechsel in der Größe des Mehrwertes od
der Mehrarbeit einen umgekehrten Wechsel in der Größe %
Wertes der Arbeitskraft oder der notwendigen Arbeit bedingt, sol
keineswegs, daß sie in derselben Proportion wechseln. Sie nehn
zu oder ab um dieselbe Größe. Das Verhältnis aber, worin jed
Teil des Wertprodukts oder des Arbeitstages zu- oder abnim}
hängt von der ursprünglichen Teilung ab, die vor dem Wechsel
der Produktivkraft der Arbeit stattfand. War der Wert der Arbü
kraft 4 Shilling oder die notwendige Arbeitszeit 8 Stunden ig
Mehrwert 2 Shilling oder die Mehrarbeit 4 Stunden, und fällt, 445
folge erhöhter Produktivkraft der Arbeit, der Wert der Arb®l
kraft auf 3 Shilling oder die notwendige Arbeit auf 6 Stunde» he
steigt der Mehrwert auf 3 Shilling oder die Mehrarbeit auf 6 Sof
den. Es ist dieselbe Größe von 2 Stunden oder 1 Shilling, die ©
zugefügt, hier weggenommen wird. Aber der proportionelle Grön
wechsel ist auf beiden Seiten verschieden. Während der ink
der Arbeitskraft von 4 Shilling auf 3, also um 1/. oder 25 pZt.® A
steigt der Mehrwert von 2 Shilling auf 3, also um 1/_ oder 50 P
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‘Unfzehntes Kapitel.

459

% folgt daher, daß die proportionelle Zu- oder Abnahme des Mehr-/Srtes,
 infolge eines gegebenen Wechsels in der Produktivkraft
Sr Arbeit, um so größer, je kleiner, und um so kleiner, je größer
ma lich der Teil des Arbeitstages war, der sich in Mehrwert
Tstellt.
„ 3 Zu- oder Abnahme des Mehrwertes ist stets Folge und nie
"und der entsprechenden Ab- und Zunahme des Wertes der
Wbeitskraft.2®
Da der Arbeitstag von konstanter Größe ist, sich in einer konüanten
 Wertgröße darstellt, jedem Größenwechsel des Mehrwertes
X umgekehrter Größenwechsel im Werte der Arbeitskraft entpricht
 und der Wert der Arbeitskraft nur wechseln kann mit einem
&amp;lt;chsel in der Produktivkraft der Arbeit, folgt unter diesen Bedin-Ungen
 offenbar, daß jeder Größenwechsel des Mehrwertes aus
em umgekehrten Größenwechsel im Werte der Arbeitskraft ent-©
 Mngt. Wenn man daher gesehen, daß kein absoluter Größenanesel
 im Werte der Arbeitskraft und des Mehrwertes möglich ist
V © einen Wechsel ihrer relativen Größen, so folgt jetzt, daß kein
„ chsel ihrer relativen Wertgrößen möglich ist ohne einen Wechsel
der absoluten Wertgröße der Arbeitskraft.
X Nach dem dritten Gesetz unterstellt der Größenwechsel des
twertes eine durch Wechsel in der Produktivkraft der Arbeit
y.tsachte Wertbewegung der Arbeitskraft. Die Grenze jenes
x hsels ist durch die neue Wertigrenze der Arbeitskraft gegeben.
N können aber, auch wenn die Umstände dem Gesetz zu wirken
üben, Zwischenbewegungen stattfinden, die der Anpassung des
jo se8 der Arbeitskraft an ihren Wert entgegenwirken. Fällt zum
tel infolge erhöhter Produktivkraft der Arbeit der Wert der
% Sliskraft von 4 Shilling auf 3, oder die notwendige Arbeitszeit
u Stunden auf 6, so wäre es doch möglich, daß der Preis der
) Pe iskraft nur auf 3 Shilling 8 Pence, 3 Shilling 6 Pence, 3 Shilling
ice usw. fällt, der Mehrwert daher nur auf 3 Shilling 4 Pence,
ling 6 Pence, 3 Shilling 10 Pence usw. steigt. Der Grad des
SS, dessen Minimalgrenze 3 Shilling, hängt von dem relativen
Wicht ab, das der Druck des Kapitals von der einen Seite, der

ro. * Zu diesem dritten Gesetz hat MacCulloch unter anderm den abrc
 hmackten Zusatz gemacht, daß der Mehrwert ohne Fall im Wert der
eitskraft steigen kann durch Abschaffung von Steuern, die der Kapitalist
jner Zu zahlen hatte. Die Abschaffung solcher Steuern ändert absolut
yes an dem Quantum Mehrwert, das der industrielle Kapitalist in erster
Pe dem Arbeiter auspumpt. Sie ändert nur die Proportion, worin er
Sürwert in seine eigene Tasche steckt oder mit dritten Personen teilen
N 3, Sie ändert also nichts an dem Verhältnis zwischen Wert der Arbeitscat
 und Mehrwert, Die Ausnahme von MacCulloch beweist also nur
, Mißverständnis der Regel, ein Malheur, das ihm in der Vulgari-\
 Te Ricardos ebensooft passiert wie dem J. B. Say in der Vulgarisation
Miths.
        <pb n="505" />
        Fünfter Abschnit
Widerstand der Arbeiter von der andern Seite in die Wagschalt
wirft.
Der Wert der Arbeitskraft ist bestimmt durch den Wert ein“
bestimmten Quantums von Lebensmitteln. Was mit der Produkt"
kraft der Arbeit wechselt, ist der Wert dieser Lebensmittel, nich
ibre Masse. Die Masse selbst kann, bei steigender Produktivkraf
der Arbeit, für Arbeiter und Kapitalist gleichzeitig und in del
selben Verhältnis wachsen ohne irgendeinen Größenwechsel zwisch“
Preis der Arbeitskraft und Mehrwert. Ist der ursprüngliche wer
der Arbeitskraft 3 Shilling und beträgt die notwendige Arbeitsz#
6 Stunden, ist der Mehrwert ebenfalls 3 Shilling oder beträgt Ö
Mehrarbeit auch 6 Stunden, so würde eine Verdoppelung in de
Produktivkraft der Arbeit, bei gleichbleibender Teilung des Arbeiß
tages, Preis der Arbeitskraft und Mehrwert unverändert lasse
Nur stellte sich jeder derselben in doppelt so vielen, aber verhälts®
mäßig verwohlfeilerten Gebrauchswerten dar. Obgleich der Pr
der Arbeitskraft unverändert, wäre er über ihren Wert gestieg®
Fiele der Preis der Arbeitskraft, aber nicht bis zu der durch ihr%
neuen Wert gegebenen Minimalgrenze von 1'/, Shilling, sondel
auf 2 Shilling 10 Pence, 2 Shilling 6: Pence usw., so repräsentie!
dieser fallende Preis immer noch eine wachsende Masse von Lebe
mitteln. Der Preis der Arbeitskraft könnte so bei steigender Pr
duktivkraft der Arbeit beständig fallen mit gleichzeitigem, for
währendem Wachstum der Lebensmittelmasse des Arbeiters. Reld?”
aber, das heißt verglichen mit dem Mehrwert, sänke der Wert 4
Arbeitskraft beständig, und erweiterte sich also die Kluft zwisch“
den Lebenslagen von Arbeiter und Kapitalist.1
Ricardo hat die oben aufgestellten drei Gesetze zuerst strel
formuliert. Die Mängel seiner Darstellung sind, 1. daß er die pr
sonderen Bedingungen, innerhalb deren jene Gesetze gelten, für a
sich von selbst verstehenden, allgemeinen und ausschließlichen Be
dingungen der kapitalistischen Produktion ansieht. Er kennt kein?
Wechsel, weder in der Länge des Arbeitstages noch in der n
iensität der Arbeit, so daß bei ihm die Produktivität der ArD®
von selbst zum einzigen variablen Faktor wird. — 2, aber, und 9%
verfälscht seine Analyse in viel höherem Grade, hat er ebensoweP*
wie die andern Oekonomen jemals den Mehrwert als solchen unit?
zucht, das heißt unabhängig von seinen besonderen Formen, “
Profit, Grundrente usw. Er wirft daher die Gesetze über die Fl
des Mehrwertes unmittelbar zusammen mit den Gesetzen der Pr?

160

u „Wenn in der Produktivität der Industrie eine Aenderung eint!
and nun durch eine bestimmte Menge von Arbeit und Kapital mehr od
weniger produziert wird als früher, kann der Anteil des Arbeitslohnes “
offenbar ändern, während die Produktenmasse, die jener Anteil darsl®,
dieselbe bleibt, oder es kann sich auch die Produktenmasse ändern, währ®
der Anteil der gleiche bleibt,“ („Outlines of Political Economy. London 183
p. 67.
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ünfzehntes Kapitel,

461

'ate, Wie schon gesagt, ist die Profitrate das Verhältnis des Mehr-Wertes
 zum vorgeschossenen Gesamtkapital, während die Mehr-Yertsrate
 das Verhältnis ist des Mehrwertes zum bloß variablen
Teil dieses Kapitals. Nimm an, ein Kapital von 500 Pfd. Sterl. (C)
'eile sich in Rohstoffe, Arbeitsmittel usw. für zusammen 400 Pfd.
Sterl. (c) und in 100 Pfd. Sterl. Arbeitslöhne (v); daß ferner der
Mehrwert gleich sei 100 Pfd. Sterl. (m). Dann ist die Mehrwertsraite
m 100 Pfd. Sterl.
v * 100 Pid, Sterl. — 100 PZt.
Aber die Profitrate &amp;amp; = Een = 20 pZt. Es leuchtet außerlem
 ein, daß die Profitrate abhängen kann von Umständen, die
‘eineswegs auf die Mehrwertsrate einwirken. Ich werde später
M dritten Buch dieser Schrift beweisen, daß dieselbe Rate des
Mehrwertes sich in den verschiedensten Profitraten, und ver-Xhiedene
 Raten des Mehrwertes, unter bestimmten Umständen. sich
N derselhen Profitrate ausdrücken können.

m Konstanter Arbeitstag, konstante Produktivkrait der Arbeit,
Intensität der Arbeit variabel.
' Wachsende Intensität der Arbeit unterstellt vermehrte Ausgabe
ni Arbeit in demselben Zeitraum. Der intensivere Arbeitstag verrpert
 sich daher in mehr Produkten als der minder intensive
in gleicher Stundenzahl. Mit erhöhter Produktivkraft liefert zwar
Si °h derselbe Arbeitstag mehr Produkte. Aber im letzteren Fall
" der Wert des einzelnen Produkts, weil es weniger Arbeit
Pr Vorher kostet, im ersteren Fall bleibt er unverändert, weil das
dr dukt nach wie vor gleich viel Arbeit kostet. Die Anzahl der
ws dukte steigt hier ohne Fall ihres Preises. Mit ihrer Anzahl
au st die Preissumme, während dort dieselbe Wertsumme sich
St In vergrößerter Produktenmasse darstellt. Bei gleichbleibender
kön Lenzahl verkörpert sich also der intensivere Arbeitstag in
n rem Wertprodukt, also, bei gleichbleibendem Wert des Geldes,
ar Geld. Sein Wertprodukt wechselt mit den Abweichungen
Arber Intensität von dem gesellschaftlichen Normalgrad. Derselbe
Son qerstag stellt sich also ‚nicht wie vorher in einem konstanten,
sün In in einem variablen Wertprodukt dar, der intensivere, zwölfin
 wige Arbeitstag zum Beispiel in 7 Shilling, 8 Shilling usw. statt
Iate Shilling wie der zwölfstündige Arbeitstag von gewöhnlicher
a usität, Es ist klar: Wechselt das Wertprodukt des Arbeitstages,
Drei, von 6 auf 8 Shilling, so können beide Teile dieses Wertprodukts,
in ; der Arbeitskraft und Mehrwert, gleichzeitig wachsen, sei es
Meß chem oder ungleichem Grade. Preis der Arbeitskraft und
we li können beide zur selben Zeit von 3 Shilling auf 4 wachsen,
der das Wertprodukt von 6 auf 8 Shilling steigt. Preiserhöhung
Arbeitskraft schließt hier nicht notwendig Steigerung ihres
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        462

Fünfter Abschnit

Preises über ihren Wert ein. Sie kann umgekehrt von einem Fal
ihres Wertes begleitet sein. Dies findet stets statt, wenn die Prei®
erhöhung der Arbeitskraft ihren beschleunigten Verschleiß nich
ausgleicht.
Man weiß, daß mit vorübergehenden Ausnahmen ein Wechs®
in der Produktivität der Arbeit nur dann einen Wechsel in d#“
Werigröße der Arbeitskraft und daher in der Größe des Mehr
wertes bewirkt, wenn die Produkte der betroffenen Industriezwei#
in den gewohnheitsmäßigen Konsum des Arbeiters eingehen. Dies
Schranke fällt hier fort. Ob die Größe der Arbeit extensiv ode!
intensiv wechsle, ihrem Größenwechsel entspricht ein Wechsel %
der Größe ihres Wertprodukts, unabhängig von der Natur des A"
tikels, worin sich dieser Wert darstellt.
Steigerte sich die Intensität der Arbeit in allen Industriezweig“”
gleichzeitig und gleichmäßig, so würde der neue höhere Intensitäß
grad zum gewöhnlichen gesellschaftlichen Normalgrad und hör
damit auf, als extensive Größe zu zählen. Indes blieben selbst da
die durchschnittlichen Intensitätsgrade der Arbeit bei verschieden“
Nationen verschieden und modifizierten daher die Anwendung de
Wertgesetzes auf unterschiedene Nationalarbeitstage. Der int®
sivere Arbeitstag der einen Nation stellt sich in höherem Ge”
ausdruck dar als der minder intensive der andern?

MI. Produktivkrait und Intensität der Arbeit konstant,
Arbeitstag variabel.
Der Arbeitstag kann nach zwei Richtungen variieren. Er kl
verkürzt oder verlängert werden. Wir erlangen unter den ne®
Bedingungen folgende Gesetze: .
+. Der Arbeitstag verkörpert sich in einem Wert, dessen Größ
in demselben Sinne wechselt wie der Arbeitstag, mit diesem wäch‘
und abnimmt, also variabel ist, nicht konstant. f
2. Jede Veränderung im Größenverhältnis zwischen Mehrw”
und Wert der Arbeitskraft rührt von einer Veränderung in d
absoluten Größe der Mehrarbeit und daher des Mehrwertes her gi
3. Der absolute Wert der Arbeitskraft kann sich nur durch &amp;amp;
Rückwirkung ändern, die die Verlängerung der Mehrarbeit auf zn
Verschleiß dieser Kraft übt. Jede Aenderung ihres absolt

gi ]
1 „Unter sonst gleichen Bedingungen kann der englische Fabrik®
eine wesentlich größere Produktenmasse in einer gegebenen Zeit her
als ein ausländischer Fabrikant, so daß sich auf diese Weise der Unters“ de
im Arbeitstag zwischen 60 Stunden wöchentlich hier und 72 oder 80 Stllgg
im Auslande ausgleicht.“ („Reports of Insp. of Fact. for 31st October Te
p. 65.) Größere gesetzliche Verkürzung des Arbeitstages in den kontinel ren
Fabriken wäre das unfehlbarste Mittel zur Verminderung dieser Diffe
zwischen der kontinentalen und der englischen Arbeitsstunde,
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463
Wertes ist also Wirkung, niemals Ursache einer Aenderung in der
“röße des Mehrwertes.
Wir setzen in diesem Kapitel, wie später, stets voraus, daß der
Arbeitstag ursprünglich 12 Stunden ausmacht, 6 Stunden notwendige
Arbeit und 6 Stunden Mehrarbeit; das Produkt macht 6 Shilling aus,
Mon die eine Hälfte dem Arbeiter zufällt, die andere dem Kapita-Sten.

Betrachten wir zunächst die Verkürzung des Arbeitstages, etwa
"on 12 auf 10 Stunden. Er liefert nur noch einen Wert von 5 Shilling.
Die Mehrarbeit ist von 6 Stunden auf 4 herabgesetzt, der Mehrwert
fällt von 3 Shilling auf 2. Diese Verminderung seiner absofüten
 Größe zieht eine seiner relativen Größe nach sich.‘ Er verhielt
ch zum Werte der Arbeitskraft wie 8 :3, jetzt nur noch wie 2:3.
Dafür gewinnt der Wert der Arbeitskraft, obwohl er absolut gleich
Meibt, an relativer Größe. Er wächst von 3:3 auf 3:2.
Verkürzung des Arbeitstages unler den gegebenen Bedingungen,
jas heißt gleichbleibender Produktivkraft und Intensität der Arbeit,
äßt also den Wert der Arbeitskraft und daher die notwendige
Arbeitszeit unverändert. Sie verkürzt die Mehrarbeit und den Mehr-Nert,
 Mit der absoluten Größe des letzteren fällt auch seine relative
Wröße, das heißt seine Größe im Verhältnis zur gleichbleibenden
Srigröße der Arbeitskraft. Nur durch Herabdrückung ihres Preises
ter ihren Wert könnte der Kapitalist sich schadlos halten.
bes Alle hergebrachten Redensarten wider die Verkürzung des Ar-„lstages
 unterstellen, daß das Phänomen sich unter den hier
ar ausgesetzten Umständen ereignet, während in der Wirklichkeit
m Sckehrt Wechsel in der Produktivität und Intensität der Arbeit
x tweder der Verkürzung des Arbeitstages vorhergehen oder ihr
ÜMittelbar nachfolgen.?®
wR Bei Verlängerung des Arbeitstages, etwa von 12 auf 14 Stunden,
ae ast der Mehrwert von 3 Shilling auf 4, wenn die 2 Stun-Yo
 Zusätzlicher Arbeit Mehrarbeit für den Kapitalisten bilden. Der
Antzwert wächst absolut und relativ, während die Wertgröße der
auf Eitskraft absolut unverändert bleibt, aber relativ fällt, von 3:3
wöge © Unter den Bedingungen von I konnte die relative Wert-Bhs
 6 der Arbeitskraft nicht wechseln ohne einen Wechsel ihrer
im Oluten Größe. Hier, im Gegenteil, ist der relative Größenwechsel
wann Vert der Arbeitskraft das Resultat eines absoluten Größen-'“hsels
 des Mehrwertes.
Sein Da das Wertprodukt, worin sich der Arbeitstag darstellt, mit
un Eigenen Verlängerung wächst, können Preis der Arbeitskraft
les Mehrwert gleichzeitig wachsen, sei es um gleichen oder unhen
 Zuwachs. Dies gleichzeitige Wachstum ist also in zwei

Fünfzehntes Kapitel.

Sn „Es gibt ausgleichende Umstände . . . die die Wirksamkeit des Zehnmu
 RBOsetzes zutage gebracht hat.“ („Reporis of Insp. of Fact. for 1st Deber
 1848“, p. 7.)
        <pb n="509" />
        164
Fällen möglich, bei absoluter Verlängerung des Arbeitstages un
bei wachsender Intensität der Arbeit ohne solche Verlängerung.
Mit verlängertem Arbeitstag kann der Preis der Arbeitskra/l
unter ihren Wert fallen, obgleich er nominell unverändert bleib!
oder selbst steigt. Der Tageswert der Arbeitskraft ist nämlich
wie man sich erinnern wird, geschätzt auf ihre normale Durch
schnitisdauer oder die normale Lebensperiode des Arbeiters, und
auf entsprechenden, normalen, der Menschennatur angemessene
Umsatz von Lebenssubstanz in Bewegung.!* Bis zu einem gewisse?
Punkt kann der von Verlängerung des Arbeitstages untrennbar®
größere Verschleiß der Arbeitskraft durch größeren Ersatz au*
geglichen werden. Ueber diesen Punkt hinaus wächst der Ver
schleiß in geometrischer Progression und werden zugleich alle
normalen Reproduktions- und Betätigungsbedingungen der Arbei®
kraft zerstört. Der Preis der Arbeitskraft und ihr Ausbeutungsg!*
hören auf, miteinander kommensurable Größen zu sein.
IV. Gleichzeitige Variationen in Dauer, Produktivkrait
und Intensität der Arbeit,
Es ist hier offenbar eine große Anzahl Kombinationen möglich
Je zwei Faktoren können variieren und einer konstant bleiben, 0d*
alle drei können gleichzeitig variieren. Sie können in gleichem 008!
ungleichem Grade variieren, in derselben oder entgegengesetzl“
Richtung, ihre Variationen sich daher teilweise oder ganz aufheb®
Indes ist die Analyse aller möglichen Fälle nach den unter XL b
und III gegebenen Aufschlüssen leicht. Man findet das Result?
jeder möglichen Kombination, indem man der Reihe nach je eind
Faktor als variabel und die andern zunächst als konstant behandel
Wir nehmen hier daher nur noch kurze Notiz von zwei wichtig
Fällen.
. 1. Abnehmende Produktivkraft der Arbeit mit gleichzeitig“
Verlängerung des Arbeitstages. 4
Wenn wir hier von abnehmender Produktivkraft der Arb®
sprechen, so handelt es sich um Arbeitszweige, deren Produkte %
Wert der Arbeitskraft bestimmen, also zum Beispiel um abnehmen”
Produktivkraft der Arbeit infolge zunehmender Unfruchtbarkeit
Bodens und entsprechender Verteuerung der Bodenprodukte. Te
Arbeitstag sei zwölfstündig, sein Wertprodukt 6 Shilling, wovon d r
Hälfte den Wert der Arbeitskraft ersetze, die andere Hälfte Mob”
wert bilde. Der Arbeitstag zerfällt also in 6 Stunden notwendig?

Fünfter Abschnitt

1 „Die Menge Arbeit, die jemand im Laufe von 24 Stunden geleis!”
hat, kann annäherungsweise durch eine Untersuchung der chemischen ve
änderungen ermittelt werden, die in seinem Körper statigefunden hab®
Denn Formveränderungen der Materie sind ein Maßstab für das vorb®
gehende Wirken bewegender Kräfte.“ (Grove: „On the Correlatio®
Physical Forces. London 1864.)
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fünfzehntes Kapitel.

465

\rbeit und 6 Stunden Mehrarbeit. Infolge der Verteuerung der
%denprodukte steige der Wert der Arbeitskraft von 3 auf 4 Shilling,
Iso die notwendige Arbeitszeit von 6 auf 8 Stunden. Bleibt der
\tbeitstag unverändert, so fällt die Mehrarbeit von 6 auf 4 Stunden,
ler Mehrwert von 3 auf 2 Shilling. Wird der Arbeitstag um 2 Stunlen
 verlängert, also von 12 auf 14 Stunden, so bleibt die Mehrarbeit
) Stunden, der Mehrwert 8 Shilling, aber seine Größe fällt im Vereich
 zum Wert der Arbeitskraft, gemessen durch die notwendige
Arbeit, Wird der Arbeitstag um 4 Stunden verlängert, von 12 auf
6 Stunden, so bleiben die proportionellen Größen von Mehrwert
nd Wert der Arbeitskraft, Mehrarbeit und notwendiger Arbeit un-‚ändert,
 aber die absolute Größe des Mehrwertes wächst von
auf 4 Shilling, die der Mehrarbeit von 6 auf 8 Arbeitsstunden, also
M 4 oder 83!/, pZt. Bei abnehmender Produktivkraft der Arbeit
Ad gleichzeitiger Verlängerung des Arbeitstages kann also die
bsolute Größe des Mehrwertes unverändert bleiben, während seine
portionelle Größe fällt; seine proportionelle Größe kann unver-Ndert
 bleiben, während seine absolute Größe wächst, und, je nach
m Grad der Verlängerung, können beide wachsen.
A Dies Ergebnis wird noch rascher erreicht, wenn gleichzeitig mit
en Länge auch die Intensität der Arbeit wächst.
a Im Zeitraume von 1799 bis 1815 führten die steigenden Preise
in Lebensmittel in England eine nominelle Lohnsteigerung herbei,
6 Wohl die wirklichen, in Lebensmitteln ausgedrückten, Arbeits-„ne
 fielen. Hieraus schlossen West und Ricardo, daß die Verya
 derung der Produktivität der Ackerbauarbeit ein Fallen der
a rwertsrate verursacht hätte, und machten diese nur in ihrer
% Atasie gültige Annahme zum Ausgangspunkt wichtiger Unternungen
 über das relative Größenverhältnis von Arbeitslohn, Profit
nr Grundrente. Aber in Wirklichkeit war der Mehrwert damals
aydlut und relativ gewachsen, dank der gesteigerten Intensität der
deit und der erzwungenen Verlängerung der Arbeitszeit, womit
je Weunigtes Wachstum des Kapitals und Verpauperung der Aret
 Hand in Hand ging.!® Es war dies die Periode, worin die
vanlose Verlängerung des Arbeitstages sich das Bürgerrecht er-Ri

 % Eine Hauptursache des Wachstums des Kapitals während des
N "eges entsprang den größeren Anstrengungen und vielleicht auch en größevr
 Entbehrungen der arbeitenden Klassen, der zahlreichsten in jeder Gesell-8
 alt, Mehr Weiber und Kinder wurden durch die Gewalt der Umstände
A ungen, sich als Arbeitskräfte zu verdingen; und jene, die schon früher
te Deiter gewesen, sahen sich aus denselben Ursachen genötigt, einen größein
 Teil ihrer Zeit zur Vermehrung der Produktion zu verwenden.“ („Essays
Dr Political Economy in which are illustrated the Principal Causes of the
“sent National Distress. London 1830“, p. 248.) .
8 % Korn und Arbeit gehen (in ihrem Preis) selten parallel. Es gibt aber
rn Ofenbare Grenze, über die hinaus sie nicht getrennt werden können.
Zeiten der Teuerung, welche den in den Aussagen (nämlich vor den
Das Kapital | 20
        <pb n="511" />
        Fünfter Abschnitt

2. Zunehmende Intensität und Produktivkraft der Arbeit mil
gleichzeitiger Verkürzung des Arbeitstages,
Gesteigerte Produktivkraft der Arbeit und ihre wachsend®
Intensität wirken nach der gleichen Seite hin gleichförmig. Beid®
vermehren die in jedem Zeitabschnitt erzielte Produktenmass®
Beide verkürzen also den Teil des Arbeitstages, den der Arbeite!
zur Produktion seiner Lebensmittel oder ihres Aequivalents braucht
Die absolute Minimalgrenze des Arbeitstages wird überhaupt 8”
bildet durch diesen seinen notwendigen, aber verkürzbaren Bestand
teil. Schrumpfte darauf der ganze Arbeitstag zusammen, so ver
schwände die Mehrarbeit, was unter dem Regime des Kapitals
möglich. Die Beseitigung der kapitalistischen Produktionsform €"
laubt, den Arbeitstag auf die notwendige Arbeit zu beschränke”
Jedoch würde die letztere, unter sonst gleichbleibenden Umständel
Ihren Raum ausdehnen. Einerseits, weil die Lebensbedingungen det
Arbeiters reicher und seine Lebensansprüche größer würden. Ande
seits würde ein Teil der jetzigen Mehrarbeit zur notwendigen Arbei
zählen, nämlich die Arbeit, die nötig wäre zur Erzielung eines gesell
schaftlichen Reserve- und Akkumulationsfonds [eines Vorrats voh
Produktions- und Lebensmitteln, der gestattet, die Produktion X
arweitern und etwaige Schäden und Unglücksfälle auszugleichen]:
Je mehr die Produktivkraft der Arbeit wächst, um so mehr kam)
der Arbeitstag verkürzt werden, und je mehr der Arbeitstag ver
kürzt wird, desto mehr kann die Intensität der Arbeit wachsen. CC“
sellschaftlich betrachtet, wächst die Produktivität der Arbeit au®
parlamentarischen ‚Untersuchungsausschüssen 1814/15) hervorgehoben”
Rückgang der Löhne bewirkten, werden von der Arbeiterklasse außer
zewöhnliche Anstrengungen gemacht, die für die betreffenden Individv®
sehr verdienstlich sind und sicherlich das Wachstum des Kapitals törde?
Aber kein Menschenfreund wird wünschen, sie fortwährend und une?
geschränkt geübt zu sehen. Sie sind höchst bewunderungswürdig als Ze
weiliges Auskunftismittel; wenn sie aber fortwährend geübt würde»; ge
würden ähnliche Folgen eintreten, wie wenn die Bevölkerung eines La
bis zu den äußersten Grenzen ihres Nahrungsspielraumes angewacht,
wäre.“ (Malthus: „Inquiry into the Nature and Progress of Rent. LonE%,
1815“, p. 48 n.) Es macht Malthus alle Ehre, daß er den Ton legt auf aß
auch an anderer Stelle in seiner Schrift direkt besprochene Verlänger”%
des Arbeitstages, während Ricardo und andere, im Angesicht der schreie?,
sten Tatsachen, die konstante Größe des Arbeitstages allen ihren Une,
suchungen ‚zugrunde legten. Aber die konservativen Interessen, dern
Knecht Malthus war, hinderten ihn, zu sehen, daß die maßlose Verlänger®
des Arbeitstages, zugleich mit außerordentlicher Entwicklung der MaschiP®
und der Ausbeutung der Weiber- und Kinderarbeit, einen großen Teil gi
Arbeiterklasse „überzählig“ machen mußte, namentlich sobald die Kr
Nachfrage und das englische Monopol des Weltmarktes aufhörten. E® die
natürlich weit bequemer und den Interessen der herrschenden KlasseD op
Maltbus echt pfäffisch verhimmelt, viel entsprechender, diese „U%1u
rölkerung“ aus den ewigen Gesetzen der Natur, als aus den nur historl®
Naturgesetzen der kapitalistischen Produktion zu erklären.
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Sechzehntes Kapitel.

467

üt ihrer Oekonomie [ihrer sparsameren und wirtschaftlicheren An-"endung].
 Diese schließt nicht nur die Oekonomisierung der Proluktionsmittel
 ein, sondern die Vermeidung aller nutzlosen Arbeit.
V ährend die kapitalistische Produktionsweise in jedem individuellen
Teschäft Oekonomie erzwingt, erzeugt ihr anarchisches System der
Sonkurrenz die maßloseste Verschwendung der gesellschaftlichen
Toduktionsmittel und Arbeitskräfte, neben einer Unzahl jetzt un-Ibehrlicher,
 aber an und für sich überflüssiger Funktionen.
Intensität und Produktivkraft der Arbeit gegeben, ist der zur
Nateriellen Produktion notwendige Teil des geseilschaftlichen Aritstages
 um so kürzer, der für freie, geistige und gesellschaftliche
letätigung der Individuen eroberte Zeitteil also um so größer, je
leichmäßiger die Arbeit unter alle werkfähigen Glieder der Gesellhaft
 verteilt ist, je weniger eine Gesellschaftsschicht die Natur-Oiwendigkeit
 der Arbeit von sich selbst ab- und einer andern
“hicht zuwälzen kann. Die absolute Grenze für die Verkürzung
les Arbeitstages ist nach dieser Seite hin die Allgemeinheit der
\rbeit. In der kapitalistischen Gesellschaft wird freie Zeit für eine
Uasse produziert durch Verwandlung aller Lebenszeit der Massen
N Arbeitszeit.

Sechzehntes Kapitel
Verschiedene Formeln für die Rate
des Mehrwertes. -
| Man hat gesehen, daß die Rate des Mehrwertes sich darstellt in
© Formeln: I
Mehrwert m) N Mehrwert _____ Mehrarbeit
di Variables Kapital &amp;gt; Wert der Arbeitskraft Notwendige Arbeit
Yo Zwei ersten Formeln stellen als Verhältnis von Werten dar,
ie die dritte als Verhältnis der Zeiten, worin diese Werte produde
 Werden. Diese einander ersetzenden Formeln sind begrifflich
je Man findet sie daher wohl der Sache nach, aber nicht
Te ußt ausgearbeitet in der klassischen politischen Oekonomie.
T begegnen wir dagegen den folgenden abgeleiteten Formeln:

11.162
(ea) __ Mehrwert __ _Mehrprodukt
Ei Arbeitstag/  Produktenwert  Gesamtprodukt
ler Por und dieselbe Proportion ist hier abwechselnd ausgedrückt in
Orm der Arbeitszeiten, der Werte, worin sie sich verkörpern.

1a 1 in Klammern, weil der Begriff der
\ * Wir setzen die erste Formel in Klamm 9 | if
ich arbeit sich nicht deutlich ausgesprochen in der bürgerlichen politischer
°lomie findet. [Note zur französischen Ausgabe.]
        <pb n="513" />
        468
der Produkte, worin diese Werte existieren. Es wird natürlich
unterstellt, daß unter Wert des Produkts nur das Wertprodukt d®
Arbeitstages zu verstehen, der konstante Teil des Produktenwerte®
aber ausgeschlossen ist.
In allen diesen Formeln [unter 11] ist der wirkliche Ausbeutung”
grad der Arbeit oder die Rate des Mehrwertes falsch ausgedrückt
Der Arbeitstag sei 12 Stunden. Mit den andern Annahmen unser®
früheren Beispiels stellt sich. in diesem Fall der wirkliche Av
beutungsgrad der Arbeit dar in den Proportionen:
6 Stunden Mehrarbeit __ Mehrwert von 8 Shilling —_ 100 pZt
6 Stunden notwendige Arbeit Variables Kapital von 8 Shilling
Nach den Formeln II erhalten wir dagegen:
6 Stunden Mehrarbeit __ Mehrwert von 8 Shilling = 50 pZt
Arbeitstag von 12 Stunden  Wertprodukt von 6 Shilling DE ,
Diese abgeleiteten Formeln drücken in der Tat die Proporli®
aus, worin der Arbeitstag oder sein Wertprodukt sich zwisch”
Kapitalist und Arbeiter teilt. Gelten sie daher als unmittelba" ,
Ausdrücke des Selbstverwertungsgrades des Kapitals, so gilt %
falsche Gesetz: die Mehrarbeit oder der Mehrwert kann nie 100 Ps
erreichen.” Da die Mehrarbeit stets nur einen Teil des Arber,
tages oder der Mehrwert stets nur einen Teil des Wertprodul,
bilden kann, ist die Mehrarbeit notwendigerweise stets kleiner
17 So zum Beispiel in „Dritter Brief an v. Kirchmann von Rodberl,
Widerlegung der Ricardoschen Theorie von der Grundrente und Begründt
einer neuen Rententheorie. Berlin 1854“. Ich komme später auf des
Schrift zurück, die trotz ihrer falschen Theorie von der Grundrente ww
Wesen der kapitalistischen Produktion durchschaut. — [In einer Note it
3. Auflage bemerkt Engels: „Man sieht hier, wie wohlwollend Marx 59 8
Vorgänger beurteilte, sobald er bei ihnen einen wirklichen Fortschritt, a
richtigen neuen Gedanken fand. Inzwischen hat die Veröffentlichung in
Rodbertusschen Briefe an Rud. Meyer obige Anerkennung einigermaßen Si
geschränkt. Da heißt es: „Man muß das Kapital nicht bloß vor der Ar
sondern auch vor sich selbst retten, und das geschieht in der Tat am be
wenn man die Tätigkeit des Unternehmerkapitalisten als volks- und Sg
wirtschaftliche Funktionen auffaßt, die ihm durch das Kapitaleige? in
delegiert sind, und seinen Gewinn als eine Gehaltsform, weil wir noch Ki
andere soziale Organisation kennen. Gehälter dürfen aber geregelt WET
und auch ermäßigt, wenn sie dem Lohn zu viel nehmen. So ist auch ge
Einbruch von Marx in die Gesellschaft — so möchte ich sein Buch oa
— abzuwehren. ... Ueberhaupt ist das Marxsche Buch nicht sowohl ital
Untersuchung über das Kapital als eine Polemik gegen die heutige KAP
form, die er mit dem Kapitalbegriff selbst verwechselt, woraus eben auf
[Irrtümer entstehen.“ („Briefe usw. von Dr. Rodbertus-Jagetzow, be z0
gegeben von Dr. Rud. Meyer. Berlin 1881“, Bd, I, S, 111, 48. Bri@ ag
Rodbertus.) — In solchen ideologischen Gemeinplätzen versanden die zug
Tat kühnen Anläufe der Rodbertusschen „sozialen Briefe“.“ — Seitdem te?
dies schrieb, sind die Ausführungen über die Rodbertussche Grund!” ge
theorie erschienen, auf die Marx oben hinwies. Vgl. K. Marz: „Th
über den Mehrwert“, Ba. II], Kap. 1, S. 176, 208 ff. K.]

Fünfter Abschnifl
        <pb n="514" />
        hnitl:

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Sechzehntes Kapitel.

469

ler Arbeitstag oder der Mehrwert stets kleiner als das Wertprodukt.
Jm sich zu verhalten wie I müßten sie aber gleich sein. Damit
lie Mehrarbeit den ganzen Arbeitstag umfasse (es handelt sich hier
m den Durchschnittstag der Arbeitswoche, des Arbeitsjahres usw.),
Lüßte die notwendige Arbeit auf Null sinken. Verschwindet aber die
lotwendige Arbeit, so verschwindet auch die Mehrarbeit, da letztere
Wr eine Funktion der ersteren [eine von jener abhängige und mit
hr nor . N N ; „.... Mehrarbeit
wendig zusammenhängende Größe]. Die Proportion Arbeilst
Mehrwert ; . 100 . a5
Wertprodukt kann also niemals die Grenze 166 erreichen und
; Pro 100+x ,. .
loch weniger auf 60 Steigen. Wohl aber die Rate des Mehr-Yertes
 oder der wirkliche Ausbeutungsgrad der Arbeit. Nimm zum
2Cispiel die Schätzung des Herrn L. de Lavergne, wonach der engsche
 Ackerbauarbeiter nur 1. der Kapitalist (Pächter) dagegen
A des Produkts!® oder seines Wertes erhält, wie die Beute sich
Mmer zwischen Kapitalist und Grundeigentümer usw. nachträglich
Yeiter verteile. Die Mehrarbeit des englischen Landarbeiters ver-‘alt
 sich danach zu seiner notwendigen Arbeit — 3 : 1, ein Prozentalz
 der Ausbeutung von 300 pZt.
Die Schulmethode, den Arbeitstag als konstante Größe zu beländeln,
 wurde durch Anwendung der Formeln II befestigt, weil
Yan hier die Mehrarbeit stets mit einem Arbeitstag von gegebener
%öße vergleicht. Ebenso, wenn die Teilung des Wertprodukts aus-“hließlich
 ins Auge gefaßt wird. Der Arbeitstag, der sich bereits
N sinem Wertprodukt vergegenständlicht hat, ist stets ein Arbeitstag
"N gegebenen Grenzen.
Die Darstellung von Mehrwert und Wert der Arbeitskraft
Is Bruchteilen des Wertprodukts — eine Darstellungsweise, die
Drigens aus der kapitalistischen Produktionsweise selbst erwächst
üd deren Bedeutung sich später erschließen wird — versteckt den
Dezifischen Charakter des Kapitalverhältnisses, nämlich den Aussch
 des variablen Kapitals mit der lebendigen Arbeitskraft und
len entsprechenden Ausschluß des Arbeiters vom Produkt. An die
elle tritt der falsche Schein eines Assoziations- [eines Genossen-]
 hafts-] verhältnisses, worin Arbeiter und Kapitalist das Produkt nach
m Verhältnis seiner verschiedenen Bildungsfaktoren teilen.!*

'® Der Teil des Produkts, der nur das ausgelegte konstante Kapital
etz, ist bei dieser Rechnung selbstverständlich abgezogen. — Herr
N de Lavergne, blinder Bewunderer Englands, gibt eher zu niedriges als zu
“bes Verhältnis an. .
'** Da alle entwickelten Formen des kapitalistischen Produktions-PTOZeSseg
 Formen der Kooperation sind, ist natürlich nichts leichter, als von
Kom eigentümlichen gegensätzlichen Charakter abzusehen und sie so in
Teie Assoziationsformen umzufabeln, wie in des Grafen A. de Laborde:
»De VEsprit de l’Association dans tous les interä&amp;amp;ts de la Communaute.
        <pb n="515" />
        470

Fünfter Abschnitl

Uebrigens sind die Formeln II stets in die Formeln I rück
x ;on;a) Mehrarbeit von 6 Stunden 49
verwandelbar. Haben wir zum Beispiel Arbeitstag von 12 Stunden” 9
ist die notwendige Arbeitszeit gleich dem Arbeitstag von 12 Stur
den, vermindert um die Mehrarbeit von 6 Stunden, und so ergibt sich
Mehrarbeit von 6 Stunden 100
Notwendige Arbeit von 6 Stunden 100
Eine dritte Formel, die ich gelegentlich schon vorweggenomm®
habe, ist: 1
Mehrwert N Mehrarbeit _ Unbezahlte Arbeit
Wert der Arbeitskraft Notwendige Arbeit Bezahlte Arbeit
5 m » 3 . Unbezahlte Arbeit ,
Das Mißverständnis, wozu die Formel Bezahlte Arbeit” vor
leiten könnte, als zahle der Kapitalist die Arbeit und nicht di
Arbeitskraft, fällt nach der früher gegebenen Entwicklung fort
Unbezahlte Arbeit , - n Mehrarbeit__,
"Bezahlte Arbeit 1St nur populärer Ausdruck für Notwendige Arbel
Der Kapitalist zahlt den Wert, respektive davon abweichenden prel?
der Arbeitskraft, und erhält im Austausch die Verfügung über die
lebendige Arbeitskraft selbst. Seine Nutznießung dieser Arbeil®
kraft zerfällt in zwei Perioden. Während der einen Periode pr
duziert der Arbeiter nur einen Wert, der gleich ist dem Wert sein?
Arbeitskraft, also nur ein Aequivalent. Für den vorgeschossen®
Preis der Arbeitskraft erhält so der Kapitalist ein Produkt vol
selben Preis. Es ist, als ob er das Produkt fertig auf dem Markt
gekauft hätte. In der Periode der Mehrarbeit dagegen bildet d®
Nutznießung der Arbeitskraft Wert für den Kapitalisten, ohne ib
einen Wertersatz zu kosten.®® Er hat diese Flüssigmachung der
Arbeitskraft umsonst. In diesem Sinne kann die Mehrarbeit
bezahlte Arbeit heißen. , ;
Das Kapital ist also nicht nur Kommando über Arbeit, vw
A, Smith sagt. Es ist wesentlich Kommando über unbezahlte Arber
Aller Mehrwert, in welcher besonderen Gestalt von Profit, zich
Rente usw. er sich später kristallisiere, ist seiner Substanz nach ver
körperung unbezahlter Arbeitszeit. Das Geheimnis von der Selb®
verwertung des Kapitals löst sich auf in seine Verfügung über ®”
bestimmtes Quantum unbezahlter fremder Arbeit.

Paris 1818.“ Der Yankee H. Carey bringt dies Kunststück mit demselb®
Erfolg gelegentlich selbst für die Verhältnisse des Sklavensystems fertig hr
% Obgleich die Physiokraten das Geheimnis des Mehrwertes nicht dur g
schauten, war ihnen doch so viel klar, daß er „ein selbständiger und verf gl
barer Reichtum ist, den er (der Besitzer) nicht gekauft hat und de? de
verkauft“, (Turgot: „Reflexions sur la Formation et la Distribution 4
Richesses“, p. 11.) [Vgl. „Betrachtungen über die Bildung und die Verteilt
des Reichtums“, übersetzt von V. Dorn. Jena 1903, S. 6.]

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Sechster Abschnitt.
Der Arbeitslohn.

Siebzehntes Kapitel
Verwandlung von Wert respektive Preis der
Arbeitskrait in Arbeitslohn.

Auf der Oberfläche der bürgerlichen Gesellschaft erscheint der
Ohn des Arbeiters als Preis der Arbeit, ein bestimmtes Quantum
"ld, das für ein bestimmtes Quantum Arbeit gezahlt wird. Man
Pricht hier vom Wert der Arbeit und nennt seinen Geldausdruck
Aren notwendigen oder natürlichen Preis. Man spricht anderseits
AA Marktpreisen der Arbeit, das heißt über oder unter ihrem notüdigen
 Preis sich bewegenden Preisen.
x „Aber was ist der Wert einer Ware? Gegenständliche Form der
Yo ihrer Produktion verausgabten gesellschaftlichen Arbeit. Und
n durch messen wir die Größe ihres Wertes? Durch die Größe der
„Ihr enthaltenen Arbeit. Wodurch wäre also der Wert zum Beinn
 eines zwölfstündigen Arbeitstages bestimmt? Durch die in
; Mm Arbeitstag von 12 Stunden enthaltenen 12 Arbeitsstunden, was
16 abgeschmackte Tautologie ist.?
Ab Um als Ware auf dem Markt verkauft zu werden, müßte die
Git jedenfalls existieren, bevor sie verkauft wird. Könnte der

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ter »Ricardo vermeidet recht geschickt eine Schwierigkeit, die auf den
Ver Blick seiner Theorie sich in den Weg zu stellen scheint, daß der
Yen abhängt von der in der Produktion aufgewendeten Arbeitsmenge.
Ver dieses Prinzip mit voller Strenge gelten soll, folgt daraus, daß der
Abe? Arbeit abhängig ist von der auf ihre Herstellung verwendeten
äßt a menge, was offenbar unsinnig ist. Mit einer geschickten „Wendung
Ar per Ricardo den Wert der Arbeit von der Arbeitsmenge abhängen, die
vejgn duktion des Lohnes erforderlich ist, oder, um seine eigene Ausdrucks-Atbei
 Zu gebrauchen, er behauptet, daß der Wert der Arbeit nach der
St. ar menge zu bemessen ist, die zur Produktion des Lohnes erforderlich
Mer Amit meint er die Arbeitsmenge, erfordert zur Produktion des Geldes
Volle Ware, die dem Arbeiter gegeben werden. Das ist ebenso, als
ler A Man sagen, daß der Wert des Tuches zu beurteilen ist nicht nach
ler Aeitsmenge, die auf seine Produktion verwendet wurde, sondern nach
deln itsmenge, die zur Herstellung des Silbers aufgewendet wurde, gegen
Yatypo ‚das Tuch ausgetauscht wird.“ („A Critical Dissertation on the
© eic, of Value“, p. 50, 51.)
        <pb n="517" />
        Sechster Abschnilt
Arbeiter ihr aber eine selbständige Existenz geben, so würde &amp;amp;
Ware verkaufen und nicht Arbeit.??
Von diesen Widersprüchen abgesehen, würde ein direkter Auf
tausch von Geld, das heißt vergegenständlichter Arbeit, mit leber
diger Arbeit entweder das Wertgesetz aufheben, welches sich gerad®
erst auf Grundlage der kapitalistischen Produktion frei entwickelt
oder die kapitalistische Produktion selbst aufheben, welche gerade
auf der Lohnarbeit beruht. Der Arbeitstag von 12 Stunden stell
sich zum Beispiel in einem Geldwert von 6 Shilling dar. Entweder
werden Aequivalente ausgetauscht, und dann erhält der Arbeiter {
zwölfstündige Arbeit 6 Shilling. Der Preis seiner Arbeit wäre gleich
dem Preise seines Produkts. In diesem Falle produzierte er kein®
Mehrwert für den Käufer seiner Arbeit, die 6 Shilling verwandelte?
sich nicht in Kapital, die Grundlage der kapitalistischen Produkti®®
verschwände, aber gerade auf dieser Grundlage verkauft er seil®
Arbeit und ist seine Arbeit Lohnarbeit. Oder er erhält für 12 Stu
den Arbeit weniger als 6 Shilling, das heißt weniger als 12 Stund®
Arbeit. 12 Stunden Arbeit tauschen sich aus gegen 10, 6 us
Stunden Arbeit. Diese Gleichsetzung ungleicher Größen hebt ni®
nur die Wertbestimmung auf. Ein solcher sich selbst aufhebend”
Widerspruch kann überhaupt nicht als Gesetz auch nur 2
gesprochen. oder formuliert werden.? 4
Es nützt nichts, den Austausch von mehr gegen weniger Arb®
aus dem Formunterschied herzuleiten, daß sie das eine Mal ver
gegenständlicht, das andere Mal lebendig ist.?** Dies ist um so ah
geschmackter, als der Wert einer Ware nicht durch das Quantu?
wirklich in ihr vergegenständlichter, sondern durch das Quant?
der zu ihrer Produktion notwendigen lebendigen Arbeit bestim”
22 „Wenn man Arbeit eine Ware nennt, so gleicht sie doch nicht #
Ware, die zuerst zum Zweck des Tausches produziert und dann auf 7
Markt gebracht wird, wo sie gegen andere gerade auf dem Markt Ya
handene Waren in bestimmten Mengen ausgetauscht werden muß. Art
wird in dem Augenblick geschaffen, wo sie auf den Markt gebracht We
oder vielmehr, sie wird auf den Markt gebracht, ehe sie noch vorhanden 1
(„Observations on some verbal disputes ete.“, p. 75, 76.) it
28 „Betrachtet man Arbeit als Ware und Kapital, das Produkt von Arbe
ebenfalls, dann müßte sich, wenn die Werte dieser beiden Waren d”
gleiche Arbeitsmengen bestimmt würden, eine bestimmte Arbeitsmeng® net
gegen eine Kapitalsmenge eintauschen, die mit derselben Arbeitsmeng® ag
gestellt wurde; vergangene Arbeit würde sich ... gegen denselben Ben
eintauschen wie gegenwärtige Arbeit. Aber der Wert der Arbeit im pe!
hältnis zu andern Waren ... wird nicht durch gleiche Mengen von APP“
bestimmt.“ (EX. @. Wakefield in seiner Ausgabe von A. Smiths „Wealth
Nations. London 1836“, Bd. I, S. 231, Note.) zal’
4 „Man müßte vereinbaren (auch eine Ausgabe des „contrat SOC ei
[des „Gesellschaftsvertrages“]), daß in jedem Falle, wenn vergangene AT en
zu tauschen ist gegen künftige Arbeit, der leiztere (der Kapitalist) Shi
größeren Wert zu beziehen hätte als der erstere (der Arbeiter).“ (Sim
de Sismondi: „De la Richesse Commereiale. Gen&amp;amp;ve 18038“, vol. 1 p- 3"

472
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Nebzehntes Kapitel.

473

Mrd. Eine Ware stelle 6 Arbeitsstunden dar. Werden Erfindungen
‚macht, wodurch sie in 3 Stunden produziert werden kann, so
inkt der Wert auch der bereits produzierten Ware um die Hälfte.
46 stellt jetzt 3 statt früher 6 Stunden notwendige gesellschaftliche
\rbeit dar. Es ist also das zu ihrer Produktion erheischte Quantum
\tbeit, nicht deren gegenständliche Form, wodurch ihre Wertgröße
stimmt wird.
. Was dem Geldbesitzer auf dem Warenmarkt direkt gegenüber-Titt,
 ist in der Tat nicht die Arbeit, sondern der Arbeiter. Was
*lzterer verkauft, ist seine Arbeitskraft. Sobald seine Arbeit wirkich
 beginnt, hat sie bereits aufgehört, ihm zu gehören, kann also
Ucht mehr von ihm verkauft werden. Die Arbeit ist die Substanz
nn das immanente Maß der Werte, aber sie selbst hat keinen
ert.25
„Im Ausdruck „Wert der Arbeit“ ist der Wertbegriff nicht nur
Öllig ausgelöscht, sondern in sein Gegenteil verkehrt. Es ist ein
Maginärer Ausdruck [einer, der der Wirklichkeit nicht entspricht],
Ye etwa Wert der Erde. Diese imaginären Ausdrücke ent-Pringen
 jedoch aus den Produktionsverhältnissen selbst. Sie sind
ategorien für Erscheinungsformen wesentlicher Verhältnisse. Daß
U der Erscheinung die Dinge sich oft verkehrt darstellen, ist ziemlich
U allen Wissenschaften bekannt. außer in der politischen OQekonomie.26

u % „Arbeit, der ausschließliche Maßstab des Wertes .. . die Schöpferin
nn Reichtums, ist keine Ware.“ (Th. Hodgskin: „Popular Political Eco-My“,
 p. 186.)
ww % Solche Ausdrücke dagegen für bloße licentia poetica [poetische Freizu
 erklären, zeigt nur die Ohnmacht der Analyse. Gegen Proudhons
„tage: „Man sagt von der Arbeit, daß sie einen Wert hat („valoir“) nicht
hr Cal als eigentliche Ware, als im Hinblick auf die Werte, welche man in
\u Potenziell enthalten annimmt. Der Wert der Arbeit ist ein figürlicher
\ druck usw.“, bemerke ich daher: „Er sieht in der Ware Arbeit, die eine
x Albare Realität ist, nur eine grammatische Ellipse. Demgemäß ist die
mn heutige, auf den Warencharakter der Arbeit begründete Gesellschaft
Y Jetzt an eine poetische Lizenz, auf einen figürlichen Ausdruck begründet.
N 1 die Gesellschaft alle „Unzuträglichkeiten ausmerzen“, unter denen sie
ie leiden hat, nun, so merze sie die anstößigen Ausdrücke aus, so ändere
u die Sprache; und sie braucht sich zu diesem Zwecke nur an die Akademie
‘x enden, um von ihr eine neue Ausgabe ihres Wörterbuches zu verlangen.“
a larw: „Misere de la Philosophie“, p. 34, 35.) [Vgl. „Das Elend der
zart Sophie“, deutsch von E. Bernstein und K, Kautsky. 2. Auflage, Stuttdich
 1892, S, 30, 81.] Noch bequemer ist es natürlich, sich unter Wert gar
ine Zu denken. Man kann dann ohne Umstände alles unter diese Kategorie
yay CM So zum Beispiel B. Say: Was ist „valeur“ [Wert]? Antwort: „Das,
Sache ne Sache wert ist.“ Und was ist „Preis“? Antwort: „Der Wert einer
‚© ausgedrückt in Geld.“ Und warum hat „die Arbeit der Erde
X’ u nen Wert? Weil man ihr einen Preis beimißt.“ Also Wert ist, was
delq ‚8 Wert ist, und die Erde hat einen „Wert“, weil man ihren Wert „in
las wesdrückt“, Dies ist jedenfalls eine sehr einfache Methode, sich über
arum und Wieso der Dinge zu verständigen.
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        {7A

Sechster Abschnitt

Die klassische politische Oekonomie entlehnte dem Alltagslebe?
ohne weitere Kritik die Kategorie „Preis der Arbeit“, um sich dan
hinterher zu fragen, wie wird dieser Preis bestimmt? Sie erkannt®
bald, daß der Wechsel im Verhältnis von Nachfrage und Angebo!
für den Preis der Arbeit, wie für den jeder andern Ware, nicht
erklärt außer seinen Wechsel, das heißt die Schwankung der Markt
preise unter oder über eine gewisse Größe. Decken sich Nachfrag®
und Angebot, so hört, unter sonst gleichbleibenden Umständen, di
Preisschwankung auf. Aber dann hören auch Nachfrage und A’
gebot auf, irgend etwas zu erklären. Der Preis der Arbeit, wem
Nachfrage und Angebot sich decken, ist ihr vom Verhältnis d#
Nachfrage und des Angebots unabhängig bestimmter, ihr natürlich“
Preis, der so als der eigentliche Gegenstand der Untersuchung 8“
funden ward. Oder man nahm eine längere Periode der Schw2”
kungen des Marktpreises, zum Beispiel ein Jahr, und fand dann, dab
sich ihr Auf und Ab ausgleicht zu einer mittleren Durchschnil
zröße, einer konstanten Größe. Sie mußte natürlich anders bestim”
werden als die sich ausgleichenden Abweichungen von ihr selbst
Dieser über die zufälligen Marktpreise der Arbeit übergreifen?
ind sie regulierende Preis, der „notwendige Preis“ (Physiokraten)
der „natürliche Preis“ der Arbeit (Adam Smith), kann, wie be
andern Waren, nur ihr in Geld ausgedrückter Wert sein. ,
In dieser Art glaubte die politische Oekonomie durch die vl
fälligen Preise der Arbeit zu ihrem Wert vorzudringen. Wie br
den andern Waren wurde dieser Wert dann weiter durch die P"
duktionskosten bestimmt. Aber was sind die Produktionskosten 7
des Arbeiters, das heißt die Kosten, um den Arbeiter selbst * ;
produzieren oder zu reproduzieren? Diese Frage schob sich %
politischen Oekonomie bewußtlos für die ursprüngliche unter, 20
sie mit den Produktionskosten der Arbeit als solcher sich im Kre
drehte und nicht vom Fleck kam. Was sie also Wert der Arbe
{value of labour) nennt, ist in der Tat der Wert der Arbeitskraft, dt
in der Persönlichkeit des Arbeiters existiert, und von ihrer Funk
tion, der Arbeit, ebenso verschieden ist, wie eine Maschine Wr
ihren Operationen. Beschäftigt mit dem Unterschied zwischen Te
Marktpreisen der Arbeit und ihrem sogenannten Wert, mit d®%
Verhältnis dieses Wertes zur Profitrate, zu den vermittels der Arbr
produzierten Warenwerten usw., entdeckte man niemals, daß %
Gang der Analyse nicht nur von den Marktpreisen der Arbeit N
ihrem vermeintlichen Wert, sondern dahin geführt hatte, dies“
Wert der Arbeit selbst wieder aufzulösen in den Wert der Arb&amp;amp;
kraft. Die Bewußtlosigkeit über dieses Resultat ihrer eig
Analyse, die kritiklose Annahme der Kategorien „Wert der Arbe
„natürlicher Preis der Arbeit“ usw. als letzter adäquater Ausdrüt
des behandelten Wertverhältnisses, verwickelte, wie man 5P* zo
sehen wird, die klassische politische Oekonomie in unauflösb%,
Wirren und Widersprüche, während sie der Vulgärökonomie ®
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‘iebzehntes Kapitel.

175

ächere Operationsbasis für ihre prinzipiell nur dem Schein huldi-;ende
 Flachheit bot.
. Sehen wir nun zunächst, wie Wert und Preis der Arbeitskraft
%ch in ihrer verwandelten Form als Arbeitslohn darstellen.
Man weiß, daß der Tageswert der Arbeitskraft berechnet ist
\f eine gewisse Lebensdauer des Arbeiters, welcher eine gewisse
Änge des Arbeitstages entspricht. Nimm an, der gewohnheits-"äßige
 Arbeitstag betrage 12 Stunden und der Tageswert der
Arbeitskraft 3 Shilling, der Geldausdruck eines Wertes, worin sich
* Arbeitsstunden darstellen. Erhält der Arbeiter 3 Shilling, so erlt
 er den Wert seiner während 12 Stunden funktionierenden Ar-’eitskraft.
 Wird num dieser Tageswert der Arbeitskraft als Wert
ler Tagesarbeit ausgedrückt, so ergibt sich die Formel: Die zwölfündige
 Arbeit hat einen Wert von 3 Shilling. Der Wert der Ar-’Sitskraft
 bestimmt so den Wert der Arbeit oder, in Geld aus-“drückt,
 ihren notwendigen Preis. Weicht dagegen der Preis der
\rtbeitskraft von ihrem Wert ab, so ebenfalls der Preis der Arbeit
% ihrem sogenannten Wert.
Da der Wert der Arbeit nur ein irrationeller [wider-Pruchsvoller]
 Ausdruck für den Wert der Arbeitskraft, er-$bt
 Sich von selbst, daß der Wert der Arbeit stets kleiner
Dr muß als ihr Wertprodukt, denn der Kapitalist läßt die
„Deitskraft stets länger funktionieren, als zur Reproduktion
eigenen Wertes nötig ist. Im obigen Beispiel ist der
or der während 12 Stunden funktionierenden Arbeitsnt
 3 Shilling, ein Wert, zu dessen Reproduktion sie 6 Stunden
„Sucht, Ihr Wertprodukt ist dagegen 6 Shilling, weil sie in der
in Während 12 Stunden funktioniert, und ihr Wertprodukt nicht
br arem eigenen Werte, sondern von der Zeitdauer ihrer Funktion
z hängt. Man erhält so das auf den ersten Blick abgeschmackte
z Ultat, daß Arbeit, die einen Wert von 6 Shilling schafft, einen
**t von 8 Shilling besitzt.?”
ahl Man sieht ferner: der Wert von 3 Shilling, worin sich der be-%
 le Teil des Arbeitstages, das heißt sechsstündige Arbeit darstellt,
je seint als Wert oder Preis des Gesamtarbeitstages von 12 Stun-Ohr.
 Welcher 6 unbezahlte Stunden enthält. Die Form des Arbeitske
 °S löscht also jede Spur der Teilung des Arbeitstages in notns
 ige Arbeit und Mehrarbeit, in bezahlte und unbezahlte Arbeit
tt. Alle Arbeit erscheint als bezahlte Arbeit. Bei der Fronarbeit
\rpa scheiden sich räumlich und zeitlich, handgreiflich sinnlich, die
rar des Fröners für sich selbst und seine Zwangsarbeit für den
Sdhermn, Bei der Sklavenarbeit erscheint selbst der Teil des
Statt, Vgl. „Zur Kritik der Politischen Oekonomie, Berlin 1859“, S, 40
(apitai et Ausgabe S. 45], wo ich ankündige, daß bei Betrachtung des
leg du das Problem gelöst werden soll: „Wie führt Produktion auf Basis
"use, Ch bloße Arbeitszeit bestimmten Tauschwertes zum Resultat, daß der
Wert der Arbeit kleiner ist als der Tauschwert ihres Produkts?“
        <pb n="521" />
        476

Sechster Abschnitt

Arbeitstages, worin der Sklave nur den Wert seiner eigenen Lebens
mittel ersetzt, den er in der Tat also für sich selbst arbeitet, als
Arbeit für seinen Meister. Alle seine Arbeit erscheint als unbezahlt®
Arbeit.? Bei der Lohnarbeit erscheint umgekehrt selbst die Mehr
arbeit oder unbezahlte Arbeit als bezahlt. Dort verbirgt das Eigel‘
tumsverhältnis das Fürsichselbstarbeiten des Sklaven, hier das Geldverhältnis
 das Umsonstarbeiten des Lohnarbeiters.
Man begreift daher die entscheidende Wichtigkeit der Verwandt
{ung von Wert und Preis der Arbeitskraft in die Form des Arbeit
(ohnes oder in Wert und Preis der Arbeit selbst. Auf dieser 2"
scheinungsform, die das wirkliche Verhältnis unsichtbar macht und
gerade sein Gegenteil zeigt, beruhen alle Rechtsvorstellungen des
Arbeiters wie des Kapitalisten, alle Mystifikationen [Täuschunges)
der kapitalistischen Produktionsweise, alle ihre Freiheitsillusione”
alle apologetischen Flausen der Vulgärökonomie. ,
Braucht die Weltgeschichte viele Zeit, um hinter das GeheinP”
des Arbeitslohnes zu kommen, so ist dagegen nichts leichter zu v®
stehen als die Notwendigkeit, die raisons d’etre [die Gründe des Be
stehens] dieser Erscheinungsform.
Der Austausch zwischen Kapital und Arbeit stellt sich n
Wahrnehmung zunächst ganz in derselben Art dar wie der Kal
und Verkauf aller andern Waren. Der Käufer gibt eine gewist
Geldsumme, der Verkäufer einen von Geld verschiedenen Artik“
Das Rechtsbewußtsein erkennt hier höchstens einen stofflich®
Unterschied, der sich ausdrückt in den rechtlich gleichwertigen For
meln: „Ich gebe, damit du gibst; ich gebe, damit du tust; ich m
damit du gibst; ich tue, damit du tust.“ [Die vier Grundformen de
römischen Obligationsrechts. K.] ad
Ferner: da Tauschwert und Gebrauchswert an und für #
inkommensurable Größen sind, so scheint der Ausdruck „Wert pe
Arbeit“, „Preis der Arbeit“, nicht irrationeller als der Ausdr“
„Wert der Baumwolle“, „Preis der Baumwolle“. Es kommt hin
daß der Arbeiter gezahlt wird, nachdem er seine Arbeit gelief®
hat. In seiner Funktion als Zahlungsmittel realisiert das Geld u”
nachträglich den Wert oder Preis des gelieferten Artikels, also A
zegebenen Fall den Wert oder Preis der gelieferten Arbeit. Endin
ist der „Gebrauchswert‘“, den der Arbeiter dem Kapitalisten lief® 8
in der Tat nicht seine Arbeitskraft, sondern ihre Funktion, ein”
bestimmte nützliche Arbeit, Schneiderarbeit, Schusterarbeit, Spin
arbeit usw. Daß dieselbe Arbeit nach einer andern Seite hin #4

28 Der „Morning Star“, ein bis zur, Albernheit naives Londoner F
handelsorgan, beteuerte während des amerikanischen Bürgerkrieges wie di
und wieder mit aller menschenmöglichen moralischen Entrüstung, daß 408
Neger in den „Confederate States“ [den Südstaaten] ganz umsonst arbeit%g
Es hätte gefälligst die Tageskosten eines solchen Negers mit denen des fr@
Arbeiters im East End von London zum Beispiel vergleichen sollen.
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Yiebzehntes Kapitel.

477

Beines wertbildendes Element ist, eine Eigenschaft, wodurch sie sich
'0n allen andern Waren unterscheidet, fällt außerhalb des Bereiches
les gewöhnlichen Bewußtseins.
_ Stellen wir uns auf den Standpunkt des Arbeiters, der für zwölfündige
 Arbeit zum Beispiel das Wertprodukt sechsstündiger Arbeit
hält, sage 3 Shilling, so ist für ihn in der Tat seine zwölfstündige
Arbeit das Kaufmittel der 3 Shilling. Der Wert seiner Arbeitskraft
Mag variieren mit dem Wert seiner gewohnheitsmäßigen Lebens-Nitel
 von 3 auf 4 Shilling oder von 3 auf 2 Shilling, oder bei gleich-Yeibendem
 Wert seiner Arbeitskraft mag ihr Preis, infolge wechselnln
 Verhältnisses von Nachfrage und Angebot, auf 4 Shilling steigen
Mer auf 2 Shilling fallen, er gibt stets 12 Arbeitsstunden. Jeder
Wechsel in der Größe des Aequivalenis, das er erhält, erscheint
dm daher notwendig als Wechsel im Wert oder Preis seiner 12 Aritsstunden.
 Dieser Umstand verleitete umgekehrt Adam Smith,
ler gen Arbeitstag als eine konstante Größe behandelt,?* zur Beauptung,
 der Wert der Arbeit sei konstant, obgleich der Wert der
&amp;lt;bensmittel wechsle und derselbe Arbeitstag sich daher in mehr
der weniger Geld für den Arbeiter darstelle. Er sagt:
_.. „Der Preis (in Arbeit), den der Arbeiter zahlt, muß immer derbe
 sein, wie sehr auch die Menge der Güter wechseln mag, die
© dafür erhält. Jener Preis mag einmal von diesen eine größere
d ein andermal eine geringere Menge kaufen können; aber dann
vr ihr Wert, der wechselt, und nicht der der Arbeit, die sie
‘29a

‚. Nehmen wir anderseits den Kapitalisten, so will er zwar mögichst
 viel Arbeit für möglichst wenig Geld erhalten. Praktisch
Ueressiert ihn daher nur die Differenz zwischen dem Preis der
Arbeitskraft und dem Wert, den ihre Funktion schafft. Aber er
Ucht alle Ware möglichst wohlfeil zu kaufen und erklärt sich überall
Sinen Profit aus der einfachen Prellerei, dem Kauf unter und dem
Verkauf über dem Wert. Er kommt daher nicht zur Einsicht, daß,
Yenn so ein Ding, wie Wert der Arbeit, wirklich existierte und er
Hosen Wert wirklich zahlte, kein Kapital existieren, sein Geld sich
"cht in Kapital verwandeln würde. ”
Zudem zeigt die wirkliche Bewegung des Arbeitslohnes Phä-‚tene,
 die zu beweisen scheinen, daß nicht der Wert der Arbeits-„aft
 bezahlt wird, sondern der Wert ihrer Funktion, der Arbeit
Kebst, Diese Phänomene können wir auf zwei große Klassen zurück-‚aren,
 1. Wechsel des Arbeitslohnes mit wechselnder Länge des
x Tbeitstages, Man könnte ebensowohl schließen, daß nicht der Wert
Sr Maschine, sondern der ihrer Operation bezahlt wird, weil es
ehr kostet, eine Maschine für eine Woche als für einen Tag zu

—

“% A, Smith spielt nur zufällig auf die Veränderungen des Arbeitstages
© bei Gelegenheit des Stücklohnes. .
*%s 4, Smith: „Wealth of Nations“, b; I ch. 5.
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        478

Sechster Abschnif

dingen. 2. Der individuelle Unterschied in den Arbeitslöhnen ve!
schiedener Arbeiter, welche dieselbe Funktion verrichten. Diese
individuellen Unterschied findet man, aber ohne Anlaß zu Illusionel
auch im System der Sklaverei, wo frank und frei, ohne Schnörke
die Arbeitskraft selbst verkauft wird. Nur fällt der Vorteil ein
Arbeitskraft, die über dem Durchschnitt, oder der Nachteil eine
Arbeitskraft, die unter dem Durchschnitt steht, im Sklavensyste®
dem Sklaveneigner zu, im System der Lohnarbeit dem Arbeit#
selbst, weil seine Arbeitskraft in dem einen Fall von ihm selbst, 9
dem andern von einer dritten Person verkauft wird.
Uebrigens gilt von der Erscheinungsform, „Wert und Preis d#
Arbeit“ oder „Arbeitslohn“, im Unterschied zum wesentlichen Ve
hältnis, welches erscheint, dem Wert und Preis der Arbeitskraß
dasselbe, was von allen Erscheinungsformen und ihrem verborgen?
Hintergrund. Die ersteren reproduzieren sich unmittelbar spont#
[von selbst] als gang und gäbe Denkformen, der andere muß dur”
die Wissenschaft erst entdeckt werden. Die klassische politisch?
Oekonomie stößt annähernd auf den wahren Sachverhalt, ohne im
jedoch bewußt zu formulieren. Sie kann das nicht, solange sie w
ihrer bürgerlichen Haut steckt.

Achtzehntes Kapitel.
Der Zeitlohn.
Der Arbeitslohn nimmt selbst wieder sehr mannigfaltige Form®
an, ein Umstand, nicht erkennbar aus den ökonomischen Le
büchern, die in ihrer brutalen Interessiertheit für den Stoff jede”
Formunterschied vernachlässigen. Eine Darstellung aller dies
Formen gehört jedoch in die spezielle Lehre von der Lohnarb#”
also nicht in dieses Werk. Dagegen sind die zwei herrschend®
Grundformen hier kurz zu entwickeln. %
Der Verkauf der Arbeitskraft findet, wie man sich erinne
stets für bestimmte Zeitperioden statt. Die verwandelte For
worin der Tageswert, Wochenwert usw. der Arbeitskraft sich ef
mittelbar darstellt, ist daher die des „Zeitlohnes“, also Tag®
lohn usw. el
Es ist nun zunächst zu bemerken, daß die im fünfzehnten Kapi
dargestellten Gesetze über den Größenwechsel von Preis der Arbie
kraft und Mehrwert sich durch einfache Formveränderung in Fr
setze des Arbeitslohnes verwandeln, Ebenso erscheint der Une
schied zwischen dem Tauschwert der Arbeitskraft und der Mas,
der Lebensmittel, worin sich dieser Wert umsetzt, jetzt als U
schied von nominellem und reellem Arbeitslohn. Es wäre nutZ
in der Erscheinungsform zu wiederholen, was in der wesentlich @
Form bereits entwickelt. Wir beschränken uns daher auf wenl$
den Zeitlohn charakterisierende Punkte.
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‚nde?

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‚eilt?
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Jass®
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‚he?
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Achtzehntes Kapitel.

479

Die Geldsumme,* die der Arbeiter für seine Tagesarbeit,
Wochenarbeit usw. erhält, bildet den Betrag seines nominellen oder
lem Wert nach geschätzten Arbeitslohnes. Es ist aber klar, daß
16 nach der Länge des Arbeitstages, also je nach der täglich
on ihm gelieferten Quantität Arbeit, derselbe Tageslohn, Wochen-Ohn
 usw. einen sehr verschiedenen Preis der Arbeit, das heißt sehr
’erschiedene Geldsummen für dasselbe Quantum Arbeit darstellen
tann.sı Man muß also bei dem Zeitlohn wieder unterscheiden
Wischen Gesamtbetrag des Arbeitslohnes, Tageslohnes, Wochenlhnes
 usw. und Preis der Arbeit. Wie nun diesen Preis finden,
las heißt den Geldwert eines gegebenen Quantums Arbeit? Der
Turchschnittliche Preis der Arbeit ergibt sich, indem man den durch-“hnittlichen
 Tageswert der Arbeitskraft durch die Stundenzahl des
Aurchschnittlichen Arbeitstages dividiert. Ist zum Beispiel der Tages-Wert
 der Arbeitskraft 3 Shilling, das Wertprodukt von 6 Arbeits-Stunden,
 und ist der Arbeitstag zwölifstündig, so ist der Preis einer
Arbeitsstunde — 3 Shilling Spa — 3 Pence. Der so gefundene Preis der
Arbeitsstunde dient als Einheitsmaß für den Preis der Arbeit.
Es folgt daher, daß der Tageslohn, Wochenlohn usw. derselbe
Meiben kann, obgleich der Preis der Arbeit fortwährend sinkt. War
um Beispiel der gewohnheitsmäßige Arbeitstag 10 Stunden und der
Tageswert der Arbeitskraft 3 Shilling, so betrug der Preis der
Atbeitsstunde 8%/, Pence; er sinkt auf 3 Pence, sobald der Arbeitstag
12 Stunden, und auf 2?/, Pence, sobald der Arbeitstag zu 15 Stunin
 steigt. Tages- oder Wochenlohn bleiben trotzdem unverändert.
jesSekehrt kann der Tageslohn oder Wochenlohn steigen, obgleich
3 Preis der Arbeit konstant bleibt oder selbst sinkt. War zum
Au Piel der Arbeitstag zehnstündig und ist der Tageswert der
ADeitskraft 3 Shilling, so der Preis einer Arbeitsstunde 3*%/, Pence.
Tbeitet der Arbeiter infolge zunehmender Beschäftigung und bei
Peichbleibendem Preise der Arbeit 12 Stunden, so steigt sein Tages-AU
 nun auf 3 Shilling 7!/, Pence ohne Variation im Preise der
„beit, Dasselbe Resultat könnte herauskommen, wenn statt der
Xtensiven Größe der Arbeit ihre intensive Größe zunähme.?? Steigen

© Der Geldwert selbst wird hier immer als konstant vorausgesetzt.
% Der Preis der Arbeit ist die Summe, die für eine bestimmte Arbeitsinge
 gezahlt wird.“ (Sir Edward West: „Price of Corn and Wages of
abour, London 1826“, p. 67.) West ist der Verfasser der in der Geschichte
is Politischen Oekonomie epochemachenden anonymen Schrift: „Essay on
t Application of Capital to Land. By a Fellow of the University College
Oxford, London 1815.“ - . weit
der „., »Der Arbeitslohn hängt ab von dem Preis der A und der enge
ni Seleisteten Arbeit. . . .‘ Eine Erhöhung des Arbeits 0 nes be eutet nOoC
acht mit Notwendigkeit eine Steigerung des Preises der Arbeit. Bei längerer
T*beitszeit und größerer Anstrengung kann der Arbeitslohn beträchtlich
"steigert werden, während der Preis der Arbeit dach derselbe bleibt.“
        <pb n="525" />
        2)

Sechster Abschnitt

des nominellen Tages- oder Wochenlohnes mag daher begleitet seil
von gleichbleibendem oder sinkendem Preis der Arbeit. Dasselbe
gilt von der Einnahme der Arbeiterfamilie, sobald das vom Familie?
haupt gelieferte Arbeitsquantum durch die Arbeit der Familie
glieder vermehrt wird. Es gibt also von der Schmälerung d#
nominellen Tages- oder Wochenlohnes unabhängige Methoden ZU
Herabsetzung des Preises der Arbeit.%®
Als allgemeines Gesetz aber folgt: Ist die Quantität der Tage
Wochenarbeit usw. gegeben, so hängt der Tages- oder Wochenlol®
vom Preise der Arbeit ab, der selbst varliert, entweder mit de®
Werte der Arbeitskraft oder den Abweichungen ihres Preises v®
ihrem Werte. Ist dagegen der Preis der Arbeit gegeben, so häng!
der Tages- oder Wochenlohn von der Quantität der Tages- ode
Wochenarbeit ab.
Die Maßeinheit des Zeitlohnes, der Preis der Arbeitsstunde
gibt sich, wenn man den Tageswert der Arbeitskraft dividiert dur®
die Stundenzahl des gewohnheitsmäßigen Arbeitstages. Gesetzt, 16”
'erer beirage 12 Stunden, der Tageswert der Arbeitskraft 3 Shillif
das Wertprodukt von 6 Arbeitsstunden. Der Preis der Arbeitsstunf
ist unter diesen Umständen 83 Pence, ihr Wertprodukt 6 Pen“
Wird der Arbeiter nun weniger als 12 Stunden täglich (oder wenig?
als 6 Tage in der Woche) beschäftigt, zum Beispiel nur 6 oder 8 Str
den, so erhält er, bei diesem Preise der Arbeit, nur 2 oder 1! Sb
ling Tagelohn. Da er nach der Voraussetzung im Durchschr”
5 Stunden täglich arbeiten muß, um nur einen dem Werte sein?
Arbeitskraft entsprechenden Tagelohn zu produzieren, da er no
derselben Voraussetzung von jeder Stunde nur.die Hälfte für gi
selbst, die andere Hälfte aber für den Kapitalisten arbeitet, so ist ©
klar, daß er das Wertprodukt von 6 Stunden nicht herausschlag”
kann, wenn er weniger als 12 Stunden beschäftigt wird. Sah P®

(West: „Price of Corn and Wages of Labour. London 1826“, p. 67, 68, u
Die Hauptfrage: Wie wird der „Preis der Arbeit“ bestimmt? fertigt W
übrigens mit banalen Redensarten ab. 1
% Dies fühlt der fanatischste Vertreter der industriellen Bourge0®,
Jes 18, Jahrhunderts, der oft von uns zitierte Verfasser des „Essay on Tr
and Commerce“ richtig heraus, obgleich er die Sache konfus darstellt: Ze
ist die Menge der Arbeit und nicht ihr Preis (er versteht darunter &amp;amp;
aominellen Tages- oder auch Wochenlohn), die durch den Preis der Leb®
mittel bestimmt wird. Wird der Preis der Lebensmittel stark herabges“
30 natürlich auch im Verhältnis die Menge der Arbeit. ... Die Fabrik
wissen, daß es verschiedene Methoden gibt, den Preis der Arbeit zu b® de
öder zu senken, außer dem, seinen nominellen Betrag zu ändern.“ (In Fi
arwähnten Schrift, S. 48, 61.) In seinen „Three Lectures on the RatO
Wages. London 1830“, worin N. W. Senior Wests Schrift benutzt, obu® ie
anzuführen, sagt er unter anderm: „Der Arbeiter ist hauptsächlich 42 pt
Höhe des Arbeitslohnes interessiert.“ . (S. 14.) Also der Arbeiter ist h# FC
sächlich interessiert an dem, was er erhält, dem nominellen Betrag
Lohnes, nicht an dem, was er gibt, der Quantität der Arbeit!
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Achtzehntes Kapitel.

481

Tüher die zerstörenden Folgen der Ueberarbeit, so entdeckt man
ler die Quellen der Leiden, die für den Arbeiter aus seiner Unter-)eschäftigung
 entspringen.**
__ Wird der Stundenlohn in der Weise festgesetzt, daß der Kapitalist
ch nicht zur Zahlung eines Tages- oder Wochenlohnes verpflichtet,
Ondern nur zur Zahlung der Arbeitsstunden, während deren es ihm
’eliebt, den Arbeiter zu beschäftigen, so kann er ihn unter der Zeit
veschäftigen, die der Schätzung des Stundenlohnes oder der Maß-Anheit
 für den Preis der Arbeit ursprünglich zugrunde liegt. Da
lese Maßeinheit bestimmt ist durch die Proportion
Tageswert der Arbeitskraft
Arbeitstag von gegebener Stundenzahl
“erliert sie natürlich allen Sinn, sobald der Arbeitstag aufhört,
ne bestimmte Stundenzahl zu zählen. Der Zusammenhang
Wischen der bezahlten und unbezahlien Arbeit wird aufgehoben.
Der Kapitalist kann jetzt ein bestimmtes Quantum Mehrarbeit aus
lem Arbeiter herausschlagen, ohne .ihm die zu seiner Selbsterhaltung
Viwendige Arbeitszeit einzuräumen. Er kann jede Regelmäßigkeit
 der Beschäftigung vernichten und ganz nach Bequemlichkeit,
Willkür und augenblicklichem Interesse die ungeheuerste Ueber-Sbeit
 mit relativer oder gänzlicher Arbeitslosigkeit abwechseln
assen. Er kann, unter dem Vorwand, den „normalen Preis der
Arbeit“ zu zahlen, den Arbeitstag ohne irgend entsprechende Kom-Pensation
 für den Arbeiter, anormal verlängern. Daher der durch-N
 vernünftige Aufstand (1860) der im Baufach beschäftigten Lonner
 Arbeiter gegen den Versuch der Kapitalisten, diesen Stundenhm
 aufzuherrschen. Die gesetzliche Beschränkung des Arbeitsäges
 macht solchem Unfug ein Ende, obgleich natürlich nicht der
Ws Konkurrenz der Maschinerie, Wechsel in der Qualität der an-SSWandten
 Arbeiter, partiellen und allgemeinen Krisen entspringen-©h
 Unterbeschäftigung.
A Bei wachsendem Tage- oder Wochenlohn kann der Preis der
weit nominell konstant bleiben und dennoch unter sein normales
p, Sau sinken. Dies findet jedesmal statt, sobald mit konstantem
vis der Arbeit, respektive der Arbeitsstunde, der Arbeitstag über
Sine gewohnheitsmäßige Dauer verlängert wird. Wenn in dem
Bruch a der Nenner wächst, wächst der
Zähler noch rascher. Der Wert der Arbeitskraft, weil ihr Verschleiß,

=

* Die Wirkung solcher anormalen Unterbeschäftigung ist durchaus vertieden
 von der einer allgemeinen zwangsgesetzlichen Verkürzung des Ar-SlStapges,
 Erstere hat mit der absoluten Länge des Arbeitstages nichts zu
xtaffen und kann ebensowohl bei fünfzehnstündigem als bei sechsstündigem
Arbeitstag eintreten. Der normale Preis der Arbeit ist im ersten Fall darauf
“Technet, daß der Arbeiter 15 Stunden, im zweiten darauf, daß er 6 Stunden
WO Tag durchschnittlich arbeitet. Die Wirkung bleibt daher dieselbe, wenn
"Tin dem einen Fall nur 71/2, in dem andern nur 3 Stunden beschäftigt wird.
Das Kapital. I. 31
        <pb n="527" />
        Sechster Abschnitt.
wächst mit der Dauer ihrer Funktion, und in rascherer Proportion
als die Zunahme ihrer Funktionsdauer. In vielen Industriezweigelh
wo Zeitlohn vorherrscht, ohne gesetzliche Schranken der Arbeits
zeit, hat sich daher naturwüchsig die Gewohnheit herausgebildet
daß der Arbeitstag nur bis zu einem gewissen Punkt, zum Beispiel
bis zum Ablauf der zehnten Stunde, als normal gilt („normal wor
king day“, „the day’s work“, „the regular hours of work“). Jenseilß
dieser Grenze bildet die Arbeitszeit Ueberzeit (overtime) und wird
die Stunde als Maßeinheit genommen, besser bezahlt (extra pay)
obgleich oft in lächerlich kleiner Proportion.® Der normale. AT
beitstag existiert hier als Bruchteil des wirklichen Arbeitstage
und der letztere währt oft während des ganzen Jahres länger a
der erstere.*® Das Wachstum im Preise der Arbeit mit der Ver‘
längerung des Arbeitstages über eine gewisse Normalgrenze g“
staltet sich in verschiedenen britischen Industriezweigen so, daß
der niedrige Preis der Arbeit während der sogenannten Normalzeit
dem Arbeiter die besser bezahlte Ueberzeit aufzwingt, will &amp;amp;
überhaupt einen genügenden Arbeitslohn herausschlagen.?? Gesell“

1R9

%5 „Die Rate der Zahlung für Ueberzeit (in der Spitzenmanufaktur) it
so klein, */2 Penny usw. pro Stunde, daß sie in peinlichem Kontrast steht 2
massenhaften Unbill, die sie der Gesundheit und Lebenskraft der Arbeite!
antut. ... Der so gewonnene kleine Ueberschuß muß außerdem oft in Ext.
Erfrischungsmitteln wieder verausgabt werden.“ („Children’s Employme”
Commission. 2nd Report“, p. XVI, n. 117.)
36 Zum Beispiel in der Tapetendruckerei vor der neulichen Einführupf
des Fabrikakts. „Wir arbeiteten ohne Pausen für Mahlzeiten, so daß das Tag?”
werk von 10*/2 Stunden um 4/2 Uhr nachmittags beendet ist, und alles später!
ist Ueberzeit, die selten vor 8 Uhr abends aufhört, so daß wir in der TR
das ganze Jahr durch Ueberzeit arbeiten.“ (Mr. Smitbh’s Evidence ®
„Children’s Employment Commission. 1st Report“, p. 125.) ,
37 Zum Beispiel in den schottischen Bleichereien. „In einigen Teile?
Schottlands wurde diese Industrie (vor Einführung des Fabrikgesetzes 186
aach dem System der Ueberzeit betrieben, das heißt 10 Stunden galten Te
normaler Arbeitstag. Dafür erhielt der Mann 1 Shilling 2 Pence. Hier?”
kam aber täglich eine Ueberzeit von 3 oder 4 Stunden, wofür 3 Pence
Stunde gezahlt wurde. Folge dieses Systems: Ein Mann, der nur die Norm.
zeit arbeitete, konnte nur 8 Shilling Wochenlohn verdienen. Ohne Ueberz#
reichte der Lohn nicht aus.“ („Reports of Insp. of Faet. for 30th April 1868
p. 10.) Die „Extrazahlung für Ueberzeit ist eine Versuchung, der die A
beiter nicht widerstehen können“. („Reports of Insp. of Fact, for 30th AD
1848“, p. 5.) Die Buchbinderei in der City von London verwendet sehr vi?“
junge Mädchen vom 14. bis 15. Jahr an, und zwar unter dem Lehrlinf,
koöntrakt, der bestimmte Arbeitsstunden vorschreibt. Nichtsdestoweni8",
arbeiten sie in der Schlußwoche jedes Monats bis 10, 11, 12 Gr
! Uhr nachts, zusammen mit den älteren Arbeitern, in sehr gemischter gür
sellschaft. „Die Meister verlocken (tempt) sie durch Extralohn und Geld @-ein
 gutes Nachtessen“, das sie in benachbarten Kneipen zu sich neht
Die große Liederlichkeit, so unter diesen „young immortals“ [nie Ton
sterbenden jungen Leuten] produziert („Children’s Employment Commiss!
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        anitt.

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Achtzehntes Kapitel.

432

“ Beschränkung des Arbeitstages macht diesem Vergnügen ein
Nde,38
Es ist allgemein bekannte Tatsache, daß, je länger der Arbeitslag
 in einem Industriezweig, um so niedriger der Arbeitslohn.®®
Fabrikinspektor A. Redgrave illustriert dies durch eine vergleichende
Uebersicht der zwanzigjährigen Periode von 1839 bis 1859, wonach
der Arbeitslohn in den dem Zehnstundengesetz unterworfenen
Fabriken stieg, während er fiel in den Fabriken, wo 14 bis 15 Stunden
 täglich gearbeitet wird.*®
Wir haben oben das Gesetz formuliert: Bei gegebenem Preis
der Arbeit hängt der Tages- oder Wochenlohn von der Quantität der
Zelieferten Arbeit ab. Aus diesem Gesetz folgt zunächst, daß, je
Medriger der Preis der Arbeit, desto größer das Arbeitsquantum
sein muß oder desto länger der Arbeitstag, damit der Arbeiter auch
Nr einen kümmerlichen Durchschnittslohn sichere. Die Niedrigteit
 des Arbeitspreises wirkt hier als Sporn zur Verlängerung der
Arbeitszeit.*
Umgekehrt aber produziert ihrerseits die Verlängerung der
Arbeitszeit einen Fall im Arbeitspreise und damit im Tages- oder
Wochenlohn.
Die Bestimmung des Arbeitspreises durch den Bruch
Tageswert der Arbeitskraft
Arbeitstag von gegebener Stundenzahl
Srgibt, daß bloße Verlängerung des Arbeitstages den Arbeitspreis
On ku
bh Report“, p. 44, n. 191), wird dadurch wieder aufgewogen, daß von ihnen
Mier anderm auch viele Bibeln und Erbauungsbücher gebunden werden.
® . Siehe „Reports of Insp. of Faet. for 30th April 1863“, p. 5. Mit ganz
yo htiger Kritik des Sachverhältnisses erklärten die im Baufach beschäftigten
jgmdoner Arbeiter während des großen Streiks und der Aussperrung von
150, den Stundenlohn nur annehmen zu wollen unter zwei Bedingungen:
y daß mit dem Preis der Arbeitsstunde ein Normalarbeitstag von respektive
ad 10 Stunden festgesetzt werde und der Preis für die Stunde des zehnje
 gen Arbeitstages größer sei als für die des neunstündigen; 2. daß
y 6 Stunde über den Normaltag hinaus als Ueberzeit verhältnismäßig höher
“ahlt werde.
Ren." »Es ist eine bekannte Tatsache, daß dort, wo lange Arbeitszeit die
% | bildet, geringe Löhne ebenso regelmäßig zu finden sind.‘ („Reports
lich Sp. of Faet. for 31st October 1863“, p. 9.) „Die Arbeit, welche die kärg-He.
 Ste Nahrung gewährt, wird meist übermäßig ausgedehnt.“ („Public
Salth. 6th Report 1864“, p. 15.)
% „Reports of Insp. of Fact. for 30ih April 1860“, p. 31, 32.
die “ Die Hand-Nägelmacher in England haben zum Beispiel wegen des
je rigen Arbeitspreises 15 Stunden täglich zu arbeiten, um den kümmer-Ta
 sten Wochenlohn herauszuschlagen. „Es sind viele, viele Stunden des
ı Sen und während aller der Zeit muß er hart schanzen, um 11 Pence oder
Schl illing herauszuschlagen, und davon gehen 2*/» bis 3 Pence ab für Vernn
 der Werkzeuge, Feuerung, Eisenabfall.“ („Children’s Employment
selben sion, 8rd Report“, p. 186, n. 671.) Die Weiber verdienen bei der-©N
 Arbeitszeit nur einen Wochenlohn von 5 Shilling. (Ebenda, S..137 N.674.,)
        <pb n="529" />
        Sechster Abschnitt.
senkt, wenn keine Kompensation eintritt. Aber dieselben Umstände,
welche den Kapitalisten befähigen, den Arbeitstag auf die Dauer
zu verlängern, befähigen ihn erst und zwingen ihn schließlich, del
Arbeitspreis auch nominell zu senken, bis der Gesamtpreis der ver“
mehrten Stundenzahl sinkt, also der Tages- oder Wochenlohn. Hinweis
 auf zwei Umstände genügt hier. Verrichtet 1 Mann das Werk
von 1'/, oder 2 Männern, so wächst die Zufuhr der Arbeit, wen»
auch die Zufuhr der auf dem Markt befindlichen Arbeitskräfte kon“
stant bleibt. Die so unter den Arbeitern erzeugte Konkurrenz b®
fähigt den Kapitalisten, den Preis der Arbeit herabzudrücken, wäh
rend der fallende Preis der Arbeit ihn umgekehrt befähigt, die
Arbeitszeit noch weiter heraufzuschrauben.‘*? Bald jedoch wird
diese Verfügung über anormale, das heißt das gesellschaftlich®
Durchschnittsniveau überfließende Quanta unbezahlter Arbeit zu®
Konkurrenzmittel unter den Kapitalisten selbst. Ein Teil des Warel:
preises besteht aus dem Preis der Arbeit. Der nicht gezahlte Teil
des Arbeitspreises braucht nicht im Warenpreis zu rechnen. Er kan?
dem Warenkäufer geschenkt werden. Dies ist der erste Schritt, wol
die Konkurrenz treibt. Der zweite Schritt, wozu sie zwingt, ish
wenigstens einen Teil des durch die Verlängerung des Arbeitstage
erzeugten anormalen Mehrwertes ebenfalls aus dem Verkaufspreß
der Ware auszuschließen. In dieser Weise bildet sich erst sporadisch
und fixiert sich nach und nach ein anormal niedriger Ver
kaufspreis der Ware, der von nun an zur konstanten Grundlag®
kümmerlichen Arbeitslohnes bei übermäßiger Arbeitszeit wird, w®
er ursprünglich das Produkt dieser Umstände war. Wir deule!
diese Bewegung bloß an, da die Analyse der Konkurrenz nich
hierhin gehört. Doch mag für einen Augenblick der Kapitalist selb®
sprechen.
„In Birmingham ist die Konkurrenz unter den Meistern so groß,
daß mancher von uns gezwungen ist, als Arbeitsanwender zu ar
was er sich schämen würde sonst zu tun; und dennoch wird nich
mehr Geld gemacht (and yet no more money is made), sondern das
Publikum allein hat den Vorteil davon.“ % ,
Man erinnert sich der zwei Sorten Londoner Bäcker, wovon &amp;amp;
eine Brot zum vollen Preise (the „fullpriced“ bakers), die andere ©
unter seinem normalen Preise ‚verkauft („the underprieced“, „ih

484

42 Wenn ein Fabrikarbeiter zum Beispiel sich weigerte, die hergebracht?
lange Stundenzahl zu arbeiten, „würde er in kürzester Zeit durch jemand:
der bereit ist, beliebig lange zu arbeiten, ersetzt und so aufs Pflaster £”
worfen werden“. („Reports of Insp. of Fact. for 31st October 1848.“ Eviden®®
pP. 39, n. 58.) „Wenn ein Mann die Arbeit von zweien leistet... wird
Rate des Profits im allgemeinen steigen ... weil dieses zusätzliche Angel®
von. Arbeit ihren Preis herabgesetzt hat.“ (Senior: „Three Lectures 02 a
Rate of Wages. London 1830“, p. 14.)
90 „Children’s Employment Commission. rd Report.“ Evidence, P- ®
n. 22.
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Achtzehntes Kapitel.

485
indersellers“). Die „fullpriced“ klagen ihre Konkurrenten vor der
J)arlamentarischen Untersuchungskommission an: „Sie existieren
ur, indem sie erstens das Publikum betrügen (durch Fälschung der
Ware) und zweitens 18 Arbeitsstunden aus ihren Leuten für den
Lohn zwölfstündiger Arbeit herausschinden. . . . Die unbezahlte
Arbeit (the unpaid labour) der Arbeiter ist das Mittel, wodurch der
Konkurrenzkampf geführt wird. .. . Die Konkurrenz unter den
3äckermeistern ist die Ursache der Schwierigkeit in Beseitigung
ler Nachtarbeit. Ein Unterverkäufer, der sein Brot unter dem mit
lem Mehlpreis wechselnden Kostenpreis verkauft, hält sich schadlos,
üdem er mehr Arbeit aus seinen Leuten herausschlägt. Wenn ich
Wr 12 Stunden Arbeit aus meinen Leuten herausschlage, mein Nachdar
 dagegen 18 oder 20, muß er mich im Verkaufspreis schlagen.
Könnten die Arbeiter auf Zahlung für Ueberzeit bestehen, so wäre
® mit diesem Manöver bald zu Ende. ... Eine große Anzahl der
'0n den Unterverkäufern Beschäftigten sind Fremde, Jungen und
ändere, die fast mit jedem Arbeitslohn, den sie kriegen können, voreb
 zu nehmen gezwungen sind.“ +
‚ Diese Jeremiade ist auch deswegen interessant, weil sie zeigt,
Wie nur der Schein der Produktionsverhältnisse sich im Kapitalistenlim
 widerspiegelt. Der Kapitalist weiß nicht, daß auch der nor-Yale
 Preis der Arbeit ein bestimmtes Quantum unbezahlier Arbeit
Änschließt und eben diese unbezahlte Arbeit die normale Quelle
%ines Gewinnes ist. Die Kategorie der Mehrarbeitszeit existiert
Überhaupt nicht für ihn, denn sie ist eingeschlossen im normalen
(Tbeitstag, den er im Tagelohn zu zahlen glaubt. Wohl aber existiert
ür ihn die Ueberzeit, die Verlängerung des Arbeitstages über die
dem gewohnten Preise der Arbeit entsprechende Schranke. Seinem
ierverkaufenden Konkurrenten gegenüber besteht er sogar auf
Uxtrazahlung (extra pay) für diese Ueberzeit. Er weiß wieder nicht,
daß diese Extrazahlung ebensowohl unbezahlte Arbeit einschließt,
ne der Preis der gewöhnlichen Arbeitsstunde. Zum Beispiel der
Teis einer Stunde des zwölfstündigen Arbeitstages ist 3 Pence, das
Vertprodukt von ?/, Arbeitsstunde, während der Preis der überyuisen
 Arbeitsstunde 4 Pence, das Wertprodukt von %2/, Arbeits-„enden.
 Im ersten Fall eignet sich der Kapitalist von einer Ar-“Sitsstunde
 ?!/., im andern !/, ohne Zahlung an.

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** „Report ete. relative to the Grievances complained of by the journeyden
 bakers. London 1862“, p. LII und ebenda, Evidence, n. 479, 8359, 27.
des lassen auch die Fullpriced, wie früher erwähnt, und wie ihr Wort-Ahrer
 Bennett selbst zugesteht, ihre Leute die „Arbeit beginnen um 11 Uhr
(Ends oder früher und verlängern sie oft bis 7 Uhr des folgenden Abends“.
benda, S, 22)
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        186

Sechster Abschnitt.

Neunzehntes Kapitel
Der Stücklohn.

Der Stücklohn ist nichts als verwandelte Form des Zeitlohnes®:
wie der Zeitlohn die verwandelte Form des Wertes oder Preises der
Arbeitskraft.

Beim Stücklohn sieht es auf den ersten Blick aus, als ob de!
vom Arbeiter verkaufte Gebrauchswert nicht die Funktion seine!
Arbeitskraft sei, lebendige Arbeit, sondern bereits im Produkt ver“
gegenständlichte Arbeit, und als ob der Preis dieser Arbeit nich!
wie beim Zeitlohn durch die Bruchzahl
Tageswert der Arbeitskraft
Arbeitstag von gegebener Stundenzahl
sondern durch die Leistungsfähigkeit des Produzenten bestimm!
werde.* ;
Zunächst müßte die Zuversicht, die an diesen Schein glaubt
bereits stark erschüttert werden durch die Tatsache, daß beid®
Formen des Arbeitslohnes zur selben Zeit in denselben Geschäft®
zweigen nebeneinander bestehen. Zum Beispiel: „Die Setzer v®
London arbeiten in der Regel nach Stücklohn, während Zeitlohn b®
ihnen die Ausnahme bildet. Umgekehrt bei den Setzern in den Pr”
vinzen, wo der Zeitlohn die Regel und der Stücklohn die Ausnahm®
Die Schiffszimmerleute im Hafen von London werden nach Stück‘
lohn bezahlt, in allen andern englischen Häfen nach Zeitlohn.“
In denselben Londoner Sattlerwerkstätten wird oft für dieselbe AT
beit den Franzosen Stücklohn und den Engländern Zeitlohn gezahlt
In den eigentlichen Fabriken, wo Stücklohn allgemein vorherrscht
entziehen sich einzelne Arbeitsfunktionen aus technischen Gründe
dieser Messung und werden daher nach Zeitlohn gezahlt.” An ul

45 „Das System der Stückarbeit bezeichnet eine bestimmte Epoch® in
der Geschichte des Arbeiters; es bildet ein Mittelglied zwischen der Stellunf
des bloßen Tagelöhners, der vom Willen des Kapitalisten abhängt, und den
genossenschaftlichen Arbeiter, der in einer nicht mehr entfernten Zuku ji
in seiner eigenen Person den Arbeiter und den Kapitalisten zu vereinig®.
verspricht. Akkordarbeiter sind in der Tat ihre eigenen Meister, gelb?
wenn sie mit dem Kapital des Unternehmers arbeiten.“ (John wollt
„Trade-Societies and Strikes, Machinery and Cooperative Societies. Me
chester 1865“, p. 52, 53.) Ich zitiere dies Schriftchen, weil es eine wah gr
Gosse aller längst verfaulten, apologetischen Gemeinplätze. Derselbe
Watts machte früher in Owenismus und publizierte 1842 ein anderes Schr gl
chen: „Facts and Fictions of Political Economy“, worin er unter ander
Eigentum für Raub erklärt. Es ist schon lange her.
+6 T.J. Dunning: „Trades-Unions and Strikes. London 1860“, p- 2 ,
47 Wie das gleichzeitige Nebeneinander dieser zwei Formen des %
beitslohnes Fabrikantenprellereien begünstigt: „Eine Fabrik beschäftigt
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        tt.

108:
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ft
rl

Neunzehntes Kapitel.

487
für sich ist es jedoch klar, daß die Formverschiedenheit in der
Auszahlung des Arbeitslohnes an seinem Wesen nichts ändert, ob-%leich
 die eine Form der Entwicklung der kapitalistischen Proluktion
 günstiger sein mag als die andere.
Der gewöhnliche Arbeitstag betrage 12 Stunden, wovon 6 be-‘ahlt,
 6 unbezahlt. Sein Wertprodukt sei 6 Shilling, das einer
Arbeitsstunde daher 6 Pence. Es stelle sich erfahrungsmäßig heraus,
laß ein Arbeiter, der mit dem Durchschnittsgrad von Intensität und
Geschick arbeitet, in der Tat also nur die gesellschaftlich notwendige
Arbeitszeit zur Produktion eines Artikels verwendet, 24 Stücke, ob
nzelne besondere Stücke oder meßbare Teile eines zusammenhängenden
 Machwerkes, in 12 Stunden liefert. So ist der Wert
leser 24 Stücke, nach Abzug des in ihnen enthaltenen konstanten
Kapitalteils, 6 Shilling und der Wert des einzelnen Stückes 3 Pence.
Der Arbeiter erhält pro Stück 1*/, Pence und verdient so in 12 Stunden
 3 Shilling. Wie es beim Zeitlohn gleichgültig ist, ob man an-Ummt,
 daß der Arbeiter 6 Stunden für sich und 6 für den Kapitalisten,
 oder von jeder Stunde die eine Hälfte für sich und die andere
für den Kapitalisten arbeitet, so auch hier, ob man sagt, jedes ein-'elne
 Stück sei halb bezahlt und halb unbezahlt, oder der Preis von
2 Stücken ersetze nur den Wert. der Arbeitskraft, während in den
2 andern sich der Mehrwert verkörpere.
Die Form des Stücklohnes ist ebenso irrationell wie die des Zeit-Ohnes,
 Während zum Beispiel zwei Stück Ware, nach Abzug des
Wertes der in ihnen aufgezehrten Produktionsmittel, als Produkt
Auer Arbeitsstunde 6 Pence wert sind, erhält der Arbeiter für sie
Tan Preis von 3 Pence. Der Stücklohn drückt unmittelbar in der
at kein Wertverhältnis aus. Es handelt sich nicht darum, den Wert
des Stückes durch die in ihm verkörperte Arbeitszeit zu messen,
A ndern umgekehrt die vom Arbeiter verausgabte Arbeit durch die
" der von ihm produzierten Stücke. Beim Zeitlohn mißt sich
6 Arbeit an ihrer unmittelbaren Zeitdauer, beim Stücklohn am
Töduktenauantum, worin Arbeit während bestimmter Zeitdauer

Mann, von denen die Hälfte in Stücklohn steht und daher ein direktes
(eresse m hat, Ueberzeit zu machen. Die andern 200 stehen in Tage-Ohn,
 arbeiten ebenso lange wie die andern und erhalten für die Ueberzeit
Seine Bezahlung. ... Die Arbeit dieser 200 Mann während */2 Stunde
Sleich der Arbeit einer Person während 50 Stunden „oder 5/8 der
"öchentlichen Arbeitsleistung eines Mannes und bedeutet für den Untervhmer
 einen erheblichen Gewinn.“ („Reports of Insp. of ‚Fact. for 3ist Ocber
 1860“ pP. 9.) „Ueberzeitarbeit herrscht in beträchtlicher Ausdehnung
Doch immer; und in den meisten Fällen mit der Sicherheit gegen Entdeckung
Mad Bestrafung die das Gesetz selbst bietet. Ich habe in vielen früheren Be-Nchten
 „ , das Unrecht aufgezeigt, das an allen Arbeitern begangen wird,
ie Nicht in Akkordliohn stehen, sondern in Wochenlohn.“ (Leonhard Horner
a »Reports of Insp. of Fact. for 80th April 1859“, p. 8, 9.)
        <pb n="533" />
        Sechster Abschnitt
verdichtet.*® Der Preis der Arbeitszeit selbst ist schließlich bestimmt
 durch die Gleichung: Wert der Tagesarbeit — Tageswert del
Arbeitskraft. Der Stücklohn ist also nur eine modifizierte [um
gewandelte] Form des Zeitlohnes.
Betrachten wir nun etwas näher die charakteristischen Eiger
schaften des Stücklohnes,
Die Qualität der Arbeit ist hier durch das Werk selbst ko:
trolliert, das die durchschnittliche Güte besitzen muß, soll der Stück
preis voll bezahlt werden. Der Stücklohn wird nach dieser Seite
hin zu fruchtbarster Quelle von Lohnabzügen und kapitalistische!
Prellerei.
Er bietet den Kapitalisten ein ganz bestimmtes Maß für die
Intensität der Arbeit. Nur Arbeitszeit, die sich in einem vorher
bestimmten und erfahrungsmäßig festgesetzten Warenquantum ver“
körpert, gilt als gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit und wird als
solche bezahlt. In den größeren Schneiderwerkstätten Londons heiß
daher ein gewisses Stück Arbeit, zum Beispiel eine Weste usw»
Stunde, halbe Stunde usw., die Stunde zu 6 Pence. Aus der Prax®
ist bekannt, wieviel das Durchschnittsprodukt einer Stunde. B®
neuen Moden, Reparaturen usw. entsteht Streit zwischen Anwende!
und Arbeiter, ob ein bestimmtes Arbeitsstück gleich ist ein®
Stunde usw., bis auch hier die Erfahrung entscheidet. Aehnlich
in den Londoner Möbelschreinereien usw. Besitzt der Arbeiter nicht
die durchschnittliche Leistungsfähigkeit, kann er daher ein bestim'
tes Minimum vom Tagwerk nicht liefern, so entläßt man ihn.“
Da Qualität und Intensität der Arbeit hier durch die Form d®
Arbeitslohnes selbst kontrolliert werden, macht sie großen Teil de
Arbeitsaufsicht überflüssig. Sie bildet daher sowohl die Grundlaßg®
der früher geschilderten modernen Hausarbeit wie eines hierarchise®
gegliederten Systems der Ausbeutung und Unterdrückung. Das
letztere besitzt zwei Grundformen. Der Stücklohn erleichtert eine
seits das Zwischenschieben von Parasiten zwischen Kapitalist U?
Lohnarbeiter, Unterverpachtung der Arbeit (subletting of labour)

83

48 „Der Lohn läßt sich nach zwei Arten bemessen: entweder an de
Dauer der Arbeit oder an ihrem Produkt.“ („Abrege 6le&amp;amp;mentaire des pr
tipes de l’Economie Politique. Paris 1796“, p. 32.) Verfasser dieser a
onymen. Schrift: G. Garnier. )
49 „Ein bestimmtes Gewicht von Baumwolle wird ihm (dem Spinn®®
übergeben, und er hat nach einer gewissen Zeit an dessen Stelle eiß 4
stimmtes Gewicht an Twist oder Garn von einem gewissen Feinheitsgr,
abzuliefern und er erhält soundso viel für das Pfund des abgelieferten @
spinstes. Ist das Produkt in der Qualität fehlerhaft, trifit ihn Strafe; 1% 4
in der Quantität geringer als das für eine bestimmte Arbeitszeit festge50 “
Minimum, so wird er entlassen und ein geschickterer Arbeiter eingestel””
(Ure: „Philosophy of Manufacture“, p. 317.)
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Neunzehntes Kapitel.

489

Der Gewinn der Zwischenpersonen fließt ausschließlich aus der
Differenz zwischen dem Arbeitspreis, den der Kapitalist zahlt, und
dem Teil dieses Preises, den sie dem Arbeiter wirklich zukommen
lassen.0 Dies System heißt in England charakteristisch das „Sweaüng
 System“ (Ausschweißungssystem). Anderseits erlaubt der Stücklohn
 dem Kapitalisten mit dem Hauptarbeiter — in der Manufaktur
it dem Chef einer Gruppe, in den Minen mit dem Ausbrecher der
Kohle usw., in der Fabrik mit dem eigentlichen Maschinenarbeiter
= einen Kontrakt für so viel pro Stück zu schließen, zu einem Preis,
Wofür der Hauptarbeiter selbst die Anwerbung und Zahlung seiner
Hilfsarbeiter übernimmt. Die Ausbeutung der Arbeiter durch das
Kapital verwirklicht sich hier vermittels der Ausbeutung des Arbeiters
 durch den Arbeiter.
Den Stücklohn gegeben, ist es natürlich das persönliche Interse
 des Arbeiters, seine Arbeitskraft möglichst intensiv anzu-Pannen,
 was dem Kapitalisten eine Erhöhung des Normalgrades
der Intensität erleichtert.*!** Es ist ebenso das persönliche Interesse
des Arbeiters, den Arbeitstag zu verlängern, weil damit sein Tageser
 Wochenlohn steigt.?2 Es tritt damit die beim Zeitlohn bereits

. 5 „Wenn das Arbeitsstück viele Hände durchläuft, die alle am Gewinn
iühaben wollen, während nur die letzte die Arbeit wirklich leistet, dann
Meht die Bezahlung, welche die Arbeiterin wirklich erhält, in einem kläglichen
 Mißverhältnis.“ („Children’s Employment Commission. 2nd Report“,
9, LXX, n. 424.)
51 Selbst der apologetische Watts bemerkt: „Es wäre eine große Ver-Yesserung
 des Akkordsystems, wenn alle an einem Werk beschäftigten Ar-Slter
 auch im Verhältnis ihrer Fähigkeiten direkte Teilhaber am Vertrag
Yären, anstatt daß ein Mann daran interessiert ist, seine Kameraden für
‚Sinen eigenen Vorteil übermäßig anzustrengen.“ Ueber die Gemeinheiten
Hieses Systems vgl. „Children’s Employment Commission. 8rd Report“, p. 66,
422, p. 11, n. 124 p. XI, m. 18, 58, 59 ete.
51a Diesem naturwüchsigen Resultat wird oft künstlich unter die Arme
(seriffen, Zum Beispiel im Maschinenbau von London gilt es als her-Ömmlicher
 Kniff, „daß der Kapitalist einen Mann von überlegener
hysischer Kraft und Fertigkeit zum Chef einer Arbeiteranzahl auswählt. Er
ut ihm vierteljährlich oder in andern Terminen einen Zuschußlohn unter
ac UVebereinkunft, alles mögliche aufzubieten, um seine Mitarbeiter, die
© T den gewöhnlichen Lohn erhalten, zur äußersten Nacheiferung anzunein,
 ... Ohne weiteren Kommentar erklärt dies die Kapitalistenklage
bet „Lähmung der Tätigkeit oder überlegener Geschicklichkeit und Araus
 Skraft („stinting the action, superior skill and working power“) durch
ie Trades-Unions.“ (Dunning: „Trades-Unions and Strikes, London 1860“,
522, 28.) Da der Verfasser selbst Arbeiter und Sekretär einer Tradedie
 könnte dies für Uebertreibung gelten. Aber man sehe zum Beispiel
Yo »highly respectable“ [„hochachtbare‘“] landwirtschaftliche Enzyklopädie
re J. Ch. Morton, Art. „Labourer“, wo diese Methode den Pächtern als
Obat empfohlen wird. ,
Schr ° „Alle, die im Akkordlohn stehen ... profitieren bei der Ueber-Situng
 der gesetzlichen Grenzen des Arbeitstages, Diese Beobachtung über
        <pb n="535" />
        490

Sechster Abschnitt

geschilderte Reaktion ein, abgesehen davon, daß die Verlängerung
des Arbeitstages, selbst bei konstant bleibendem Stücklohn, an und
für sich eine Senkung im Preise der Arbeit einschließt.
Beim Zeitlohn herrscht mit wenigen Ausnahmen gleicher A
beitslohn für dieselben Funktionen, während beim Stücklohn der
Preis der Arbeitszeit zwar durch ein bestimmtes ProduktenquantuP
gemessen ist, der Tages- oder Wochenlohn dagegen wechselt mit de!
individuellen Verschiedenheit der Arbeiter, wovon der eine nur d#
Minimum des Produkts in einer gegebenen Zeit liefert, der andere
den Durchschnitt, der dritte mehr als den Durchschnitt. In bezuß
auf die wirkliche Einnahme treten hier also große Differenzen eil
je nach dem verschiedenen Geschick, Kraft, Energie, Ausdauer us"
der individuellen Arbeiter.®® Dies ändert natürlich nichts an de”
allgemeinen Verhältnis zwischen Kapital und Lohnarbeit. Erste»
gleichen sich die individuellen Unterschiede für die Gesamtwerkstaft
aus, so daß sie in einer bestimmten Arbeitszeit das Durchschnitt“
produkt liefert und der gezahlte Gesamtlohn der Durchschnittsloh®
des Geschäftszweiges sein wird. Zweitens bleibt die Proportio?
zwischen Arbeitslohn und Mehrwert unverändert, da dem indiv"
duellen Lohn des einzelnen Arbeiters die von ihm individuell ge
lieferte Masse von Mehrwert entspricht. Aber der größere Spiel
raum, den der Stücklohn der Individualität bietet, strebt einerseiß
dahin, die Individualität und damit Freiheitsgefühl, Selbständigkeit
und Selbstkontrolle der Arbeiter zu entwickeln, anderseits ibr®
Konkurrenz unter- und gegeneinander. Er hat daher eine TendeP*
mit der Erhebung individueller Arbeitslöhne über das Durchschnitt”
niveau dies Niveau selbst zu senken. Wo aber bestimmter Stüc“
john sich seit lange traditionell befestigt hatte und seine Heral'
setzung daher besondere Schwierigkeiten bot, flüchteten die Meist?
ausnahmsweise auch zu einer gewaltsamen Verwandlung in Zeit
lohn. Hiergegen zum Beispiel 1860 großer Streik unter den Band’

die Bereitwilligkeit zu Ueberarbeit trifft besonders auf die Frauen zu, He
als Weberinnen und Hasplerinnen beschäftigt werden.“ („Reports of Ins
of Fact. for 30th April 1858“, p. 9.) „Dies Stücklohnsystem, so vorteilhaft TE
den Kapitalisten . .. strebt direkt, den jungen Töpfer zu großer Ueberarb“
zu ermuntern, während der 4 oder 5 Jahre, worin er pro Stück, aber %
niedrigem Preis, bezahlt wird. Es ist dies eine der großen Ursachen, den®
die physische Degeneration der Töpfer zuzuschreiben ist.“ („Childre#
Employment Commission. ist Report“, p. XIIL) al
% „Wo die Arbeit in irgendeinem Gewerbe nach dem Stück be?
wird ... können die Löhne im Betrag sehr stark voneinander abweich?”
. . + Aber bei Tageslohn herrscht im allgemeinen eine einheitliche Höhe * %
die sowohl vom Unternehmer als auch vom Arbeiter als Norm des Da
für die durchschnittliche Leistungsfähigkeit der Arbeiter des betreffen
Gewerbes ep Seschen wird.“ (Dunning: „Trades-Unions and Strikes. 102
1860“, D. 17.
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408

Neunzehntes Kapitel.

491
Webern zu Coventry.°* Der Stücklohn ist endlich eine Hauptstütze
les früher geschilderten Stundensystems.®
_ Aus der bisherigen Darstellung ergibt sich, daß der Stücklohn
lie der kapitalistischen Produktionsweise entsprechendste Form des
Arbeitslohnes ist. Obgleich keineswegs neu — er figuriert neben
lem Zeitlohn offiziell unter anderm in den französischen und eng-ISchen
 Arbeitergesetzen des 14. Jahrhunderts —, gewinnt er doch
st größeren Spielraum während der eigentlichen Manufakturberiode.
 In ‘der Sturm- und Drangperiode der großen Industrie,
lamentlich von 1797 bis 1815, dient er als Hebel zur Verlängerung
der Arbeitszeit und Herabsetzung des Zeitlohnes. Sehr wichtiges
Vaterial für die Bewegung des Arbeitslohnes während jener Periode
Indet man in den Blaubüchern: „Report and Evidence from the
Select Committee on Petitions respecting the Corn Laws“ (Parla-Nentssession
 1818/14) und: „Reports from the Lords’ Commitee,
M the state of the Growth, Commerce, and Consumption of Grain,
Ad all Laws relating thereto“. (Session 1814/15.) Man findet
hier den dokumentarischen Nachweis für die fortwährende Senkung
54 „Die Arbeit der Handwerksgesellen regelt sich nach dem Tag oder
lach dem Stück (&amp;amp; la journee ou ä&amp;amp; la piece). ... Die Meister wissen unefähr,
 wieviel Werk die Arbeiter täglich in jedem Gewerbe verrichten
Atmen, und zahlen sie daher oft im Verhältnis zum Werk, das sie verten;
 so arbeiten diese Gesellen, soviel sie können, in ihrem eigenen
u Tesse, ohne weitere Beaufsichtigung.“ (Cantillon: „Essai sur la Nature
m Commerce en General, ed. Amsterdam 1756“, p. 185, 202, Die erste
A Babe erschien 1755.) Cantillon, aus dem Quesnay, Sir James Steuart und
N Smith reichlich geschöpft haben, stellt hier also schon den Stücklohn
x bloß modifizierte Form des Zeitlohnes dar. Die französische Ausgabe
“Antillons kündigt sich auf dem Titel als Uebersetzung aus dem Englischen
N aber die englische Ausgabe: „The Analysis of Trade, Commerce etc
N Philipp Cantillon, late of the City of London, Merchant“, ist nicht nur
Päteren Datums (von 1759), sondern erweist sich durch ihren Inhalt als
NS Spätere Bearbeitung. So zum Beispiel findet sich in der französischen
eskäbe Hume noch nicht erwähnt, während umgekehrt in der englischen
kaum mehr figuriert. Die englische Ausgabe ist theoretisch unn
 Cütender, enthält aber allerlei spezifisch auf englischen Handel, Edelin
 Allhandel usw. Bezügliches, was im französischen Text fehlt. Die Worte
M Titel der englischen Ausgabe, wonach die Schrift „taken chiefly from the
wu Script of. a very ingenious Gentleman deceased, and adapted etc.“ [„ent-Mor
 Men hauptsächlich dem Manuskript eines sehr geistvollen, nun ver-In
 benen Edelmannes und angepaßt usw.“1. scheinen daher mehr als bloße.
"als sehr übliche, Erdichtung. .
Arbeit „Wie oft haben wir gesehen, daß in manchen Werkstätten viel mehr
in Er ©r angestellt wurden, als die Arbeit tatsächlich erforderte, Oft werden
über Artung eines Auftrages, der noch ganz im ungewissen ist, manchmal
sie "haupt nur in der Einbildung existiert, Arbeiter angenommen: da man
alle Akkord bezahlt, sagt man sich, daß man gar keine Gefahr läuft, weil
(8 gY/erluste an Zeit von den Unbeschäftigten getragen werden müssen.“
A" egoir: „Les Typographes devant le Tribunal Correctionnel de Bruxelles.
ÜXelles 1865“, D. 9.)
        <pb n="537" />
        Sechster Abschnitt
des Arbeitspreises seit dem Beginn des Antijakobinerkrieges. I
der Weberei zum Beispiel war der Stücklohn so gefallen, daß trol
des sehr verlängerten Arbeitstages der Tagelohn jetzt niedrig“
stand als vorher.
„Die reale Einnahme des Webers ist sehr viel geringer al:
früher; seine Ueberlegenheit über den gewöhnlichen Arbeiter, di
erst sehr groß war, ist fast ganz verschwunden. In der Tat, d®
Unterschied zwischen den Löhnen geschickter und denen gewöhl
licher Arbeit ist jetzt viel unbedeutender als während irgendein®!
früheren Periode.‘“5*
Wie wenig die mit dem Stücklohn gesteigerte Intensität un’
Ausdehnung der Arbeit dem ländlichen Proletariat fruchteten, zeiß‘
folgende einer Parteischrift für Landlords und Pächter entlehnt“
Stelle:
„Bei weitem der größere Teil der Agrikulturoperationen wird
durch Leute verrichtet, die für den Tag oder auf Stückwerk 8°
dungen sind. Ihr Wochenlohn beträgt ungefähr 12 Shilling; und ob‘
gleich man voraussetzen mag, daß ein Mann bei Stücklohn, unte!
dem größeren Arbeitssporn, 1 Shilling oder vielleicht 2 Shillirt
mehr verdient als beim Wochenlohn, so findet man dennoch, b®
Schätzung seiner Gesamteinnahme, daß sein Verlust an Beschäfl
gung im Laufe des Jahres diesen Zuschuß aufwiegt. ... Man wir‘
ferner im allgemeinen finden, daß die Löhne dieser Männer ein 8%
wisses Verhältnis zum Preise der notwendigen Lebensmittel habe
so daß ein Mann mit zwei Kindern fähig ist, seine Familie ob
Zuflucht zur Pfarreiunterstützung zu erhalten.‘“57 Hatte der Mail
drei Kinder, war er also schon auf die öffentliche Wohltätigk®
angewiesen. ,
Malthus bemerkte damals mit Bezug auf die vom Parlament ver
öffentlichten Tatsachen: „Ich gestehe, ich sehe mit Mißvergnüg“
die große Ausdehnung der Praxis des Stücklohnes. Wirklich b#!%
Arbeit während 12 oder 14 Stunden des Tages, für irgend länge”
Zeitperioden, ist zu viel für ein menschliches Wesen.“ 5 ir
In den dem Fabrikgesetz unterworfenen Werkstätten wird Stück
lohn allgemeine Regel, weil das Kapital dort den Arbeitstag no
noch intensiv ausweiten kann.** e
Mit der wechselnden Produktivität der Arbeit stellt dassell'
Produktenquantum wechselnde Arbeitszeit dar. Also wechselt au
der Stücklohn, da er Preisausdruck einer bestimmten Arbeitsz*“
56 „Remarks on the Commercial Policy of Great Britain. London 1888
p. 48.
57 „A Defence of the Landowners and Farmers of Great Britain. 1000
1814“, p. 4, 5. “
58 Malthus: „Inquiry into the Nature etc, of Rent. London 1815. 4)
59 „Die Arbeiter auf Stücklohn bilden wahrscheinlich vier Fünfe
He A in den Fabriken.“ („Reports of Insp. of Fact. for 80th AP
1858“, p. 9.

492
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Neunzehntes Kapitel.

493

in unserm obigen Beispiel wurden in 12 Stunden 24 Stück produziert,
Während das Wertprodukt der 12 Stunden 6 Shilling war, der Tages-Wert
 der Arbeitskraft 3 Shilling, der Preis der Arbeitsstunde 3 Pence
ind der Lohn für ein Stück 1'/, Pence. In einem Stück war !/, Ardeitsstunde
 eingesaugt. Liefert derselbe Arbeitstag nun etwa inlolge
 verdoppelter Produktivität der Arbeit 48 Stück statt 24, und
leiben alle andern Umstände unverändert, so sinkt der Stücklohn
on 1*/, Pence auf %/, Pence, da jedes Stück jetzt nur noch */, statt
|, Arbeitsstunde darstellt. 24 X 1!/, Pence — 3 Shilling und ebenso
18 &amp;gt; ®/, Pence == 8 Shilling. In andern Worten: Der Stücklohn wird
&amp;amp; demselben Verhältnis heruntergesetzt, worin die Zahl der während
derselben Zeit produzierten Stücke wächst,® also die auf dasselbe
Stück verwandte Arbeitszeit abnimmt. Dieser Wechsel des Stücklohnes,
 soweit rein nominell, ruft beständige Kämpfe zwischen
Kapitalist und Arbeiter hervor. Entweder, weil der Kapitalist den
Vorwand benutzt, um wirklich den Preis der Arbeit herabzusetzen,
er weil die gesteigerte Produktivkraft der Arbeit von gesteigerter
Intensität derselben begleitet ist. Oder weil der Arbeiter den
Schein des Stücklohnes, als ob ihm sein Produkt gezahlt werde und
ücht seine Arbeitskraft, ernst nimmt und sich daher gegen eine
Lohnherabsetzung sträubt, welcher die Herabsetzung im Verkaufs-Preise
 der Ware nicht entspricht. „Die Arbeiter überwachen sorgältig
 den Preis des Rohmaterials und den Preis der fabrizierten
Güter und sind so fähig, die Profite ihrer Meister genau zu ver-Mschlagen.‘“%!
 Solchen Anspruch fertigt das Kapital mit Recht als
oben Irrtum über die Natur der Lohnarbeit ab.® °Es zetert über

‚ % „Die Produktivkraft seiner Spinnmaschine wird genau bemessen und
lie Rate der Bezahlung für die mit ihrer Hilfe geleistete Arbeit nimmt mit
lem Wachstum ihrer Produktivkraft ab, wenn auch nicht im selben Verbältnis.“
 (Ure: „Philosophy of Manufacture“, p. 317.) Letztere beschöni-Eeüde
 Wendung hebt Ure selbst wieder auf. Er gibt zu, daß bei einer Ver-Angerung
 der Mule zum Beispiel eine zusätzliche Arbeit aus der Verlängeng
 entspringt. Die Arbeit nimmt also nicht in dem Maße ab, worin ihre
"Oduktivität wächst. Ferner: „Durch diese Vermehrung wird die Produktivkraft
 der Maschine um 1!/s erhöht. Wenn dies eintritt, wird der Spinner nich!
year in demselben Verhältnis für die geleistete Arbeit bezahlt wie vorher.
&amp;amp; aber sein Lohn nicht im selben Verhältnis von !/s herabgesetzt wird,
A üöht die Verbesserung (der Maschinerie) seine Geldeinnahme für jede
tunde seiner Arbeit“ — aber, aber — „diese Darstellung bedarf einer
S Wissen Berichtigung. ... Der Spinner hat nun aus seinem zusätzlichen
5 Shilling etwas mehr für jugendliche Hilfskräfte zu bezahlen und zugleich
yarden Erwachsene verdrängt“ (ebenda, S. 821), was keineswegs eine
“Ldenz zur Steigerung des Arbeitslohnes verrät. N
br “ H. Fawceeit: „The Economic Position of the British Labourer. Cam-"dge
 and London 1865“, p. 178.
tie “2 Im Londoner „Standard“ vom 26. Oktober 1861 findet man einen Bens
 Über einen Prozeß der Firma John Bright &amp;amp; Co. vor den Rochw
 ©" Magistrates „gegen die Vertreter der Teppichwebergewerkschaft
%gen Einschüchterung. Die Gesellschafter Brights hatten neue Masehinen ein-
        <pb n="539" />
        194

Sechster Abschnitt.

diese Anmaßung, Steuern auf den Fortschritt der Industrie zu legel
und erklärt rundweg, daß die Produktivität der Arbeiter den Arbeiter
überhaupt nichts angeht.®

Zwanzigstes Kapitel

Nationale Verschiedenheit der Arbeitslöhne-Im

 fünfzehnten Kapitel beschäftigten uns die mannigfache?
Kombinationen, welche ein Wechsel in der absoluten oder rel#
tiven (das heißt mit dem Mehrwert verglichenen) Wertgröße der
Arbeitskraft hervorbringen kann, während anderseits wieder d#
Quantum von Lebensmitteln, worin der Preis der Arbeitskraft real
siert wird, von dem Wechsel dieses Preises unabhängige** oder ver
schiedene Bewegungen durchlaufen konnte. Wie bereits bemerkt
verwandeln sich durch einfache Uebersetzung des Wertes, beziehung“
weise Preises der Arbeitskraft in die exoterische [die an der Ober
fläche zutage tretende] Form des Arbeitslohnes alle jene Gesetze 3
Gesetze der Bewegung des Arbeitslohnes. Was innerhalb dies®
Bewegung als wechselnde Kombination, kann für verschiedeP®
Länder als gleichzeitige Verschiedenheit nationaler Arbeitslöhne *”
scheinen. Beim Vergleich nationaler Arbeitslöhne sind also alle
den Wechsel in der Wertgröße der Arbeitskraft bestimmend®
Momente zu erwägen, Preis und Umfang der natürlichen u?
historisch entwickelten ersten Lebensbedürfnisse, Erziehungskoste
les Arbeiters, Rolle der Weiber- und Kinderarbeit, Produktivität der
Arbeit, ihre extensive und intensive Größe. Selbst die oberflächlich“
Vergleichung erheischt, zunächst den Durchschnittstagelohn für die“

zeführt, die 200 Yards Teppich in der Zeit und mit der Arbeit (1) herstell®
sollten, die früher zur Produktion von 160 Yards nötig waren. Die Arbeit?
hatten keinerlei Anspruch darauf, an dem Profit teilzunehmen, der du!”
lie Verwendung‘ des Kapitals ihrer Anwender für maschinelle Net
anschaffungen erzielt wurde. Die Herren Bright schlugen daher vor,
Lohnrate von 1‘/2 Pence pro Yard auf 1 Penny herabzusetzen, wobei ® %
also die Einnahmen der Arbeiter für die geleistete Arbeit genau gl
ließen wie vorher. Das war aber eine nominelle Lohnherabsetzung, vox dt
lie Arbeiter, wie behauptet wird, vorher nicht entsprechend benachricht!
worden waren.“ ß
$8 „Trades-Unions in ihrer Sucht, den Arbeitslohn aufrecht zu hall®
suchen an dem Profit verbesserter Maschinerie teilzunehmen! (Schaud®
naft!) ... sie verlangen höheren Lohn, weil die Arbeit verkürzt ist - * “
andern Worten, sie streben, eine Steuer auf industrielle Verbesserung®
legen.“ („On Combination of Trades. New Ed. London 1884“, p. 42.) u
% „Es ist ungenau zu sagen, daß der Lohn (es handelt sich bier eb
seinen Ausdruck in Geld) gestiegen ist, weil er mehr von einem billig® Yd
Artikel kaufte.“ (David Buchanan in seiner Ausgabe von A, Smitbs „wer
of Nations“, 1814, Bd. I, S. 417, Note.)
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Zwanzigstes Kapitel.

495

selben Gewerbe in verschiedenen Ländern auf gleich große Arbeitsage
 zu reduzieren. Nach solcher Ausgleichung der Tagelöhne muß
der Zeitlohn wieder in Stücklohn übersetzt werden, da nur der
letztere ein Gradmesser sowohl für die Produktivität wie die intenve
 Größe der Arbeit. .
In jedem Lande gilt eine gewisse mittlere Intensität der Arbeit.
Ist die bei Produktion einer Ware aufgewendete Arbeit minder
intensiv, dann verbraucht sie mehr als die gesellschaftlich notwendige
 Zeit und zählt daher nicht als Arbeit von normaler Qualität.
Nur ein über den nationalen Durchschnitt sich erhebender Inlensitätsgrad
 ändert, in einem gegebenen Lande, das Maß des Wertes
durch die bloße Dauer der Arbeitszeit. Anders auf dem Weltmarkt,
lem das einzelne Land als wesentlicher Teil des Ganzen gegenüber-Steht.
 Die mittlere Intensität der Arbeit wechselt von Land zu Land;
Me ist hier größer, dort kleiner. Diese nationalen Durchschnitte
dilden also eine Stufenleiter, deren Maßeinheit die Durchschnitts-Änheit
 der universellen Arbeit ist. Verglichen mit der weniger
ütensiven, produziert also die intensivere nationale Arbeit in
Seicher Zeit mehr Wert, der sich in mehr Geld ausdrückt.
In seiner internationalen Anwendung wird das Werigesetz
ch mehr dadurch modifiziert, daß auf dem Weltmarkt die pro-Quktivere
 nationale Arbeit ebenfalls als intensivere zählt, so oft die
Produktivere Nation nicht durch die Konkurrenz gezwungen wird.
den Verkaufspreis ihrer Ware auf ihren Wert zu senken.
In dem Maße, wie in einem Lande die kapitalistische Produktion
ühwickelt ist, im selben Maße erheben sich dort auch die durch-Aenittliche
 Intensität und Produktivität der nationalen Arbeit über
‚8 internationale Niveau.*** Die verschiedenen Warenquanta der-"Slben
 Art, die in verschiedenen Ländern in gleicher Arbeitszeit
"toduziert werden, haben also ungleiche internationale Werte, die
in in verschiedenen Preisen ausdrücken, das heißt in je nach den
w mnationalen Werten verschiedenen Geldsummen. Der relative
I St des Geldes wird also kleiner sein bei der Nation mit entwickelyr
 kapitalistischer Produktionsweise als bei der mit wenig entje
 kelter, Folgt also, daß der nominelle Arbeitslohn, das Aequivaber.
 der Arbeitskraft ausgedrückt in Geld, ebenfalls höher sein wird
aß der ersten Nation als bei der zweiten; was keineswegs besagt,
Art dies auch für den wirklichen Lohn gilt, das heißt für die dem
°lter zur Verfügung gestellten Lebensmittel.
Gel Aber auch abgesehen von dieser relativen Verschiedenheit des
der sYertes in verschiedenen Ländern, wird man häufig finden, daß
Tages-, Wochen- usw. Lohn bei der ersteren Nation mit höher

Bezi a An anderer Stelle werden wir untersuchen, welche Umstände, in
og rung auf die Produktivität, dies Gesetz für einzelne Produktionszweige
Mizieren können.
        <pb n="541" />
        Sechster Abschnitt
entwickelter kapitalistischer Produktionsweise höher ist als bei de!
zweiten, während der relative Arbeitspreis, das heißt der Arbeits
preis im Verhältnis sowohl zum Mehrwert wie zum Wert des Pro
dukts, bei der zweiten Nation höher steht als bei der ersteren.“
J. W. Cowell, Mitglied der Fabrikkommisssion von 1883, kam
nach sorgfältiger Untersuchung der Spinnerei zum Ergebnis, daß „2
England die Löhne tatsächlich niedriger für den Fabrikanten sin
als auf dem Kontinent, obwohl sie für den Arbeiter höher se
mögen“. (Ure: „Philosophy of Manufacture“, p. 314.) Der en
lische Fabrikinspektor. Alexander Redgrave weist im Fabrikberich!
vom 81. Oktober 1866 durch eine vergleichende Statistik mit de®
Kontinentalstaaten nach, daß trotz niedrigerem Lohn und viel läng“
rer Arbeitszeit die kontinentale Arbeit, im Verhältnis zum Produkt
teurer ist als die englische. Ein englischer Direktor in einer Bau”
wollfabrik in Oldenburg erklärt, daß dort die Arbeitszeit 14!/, St
den im Tage währt, von 5,80 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, Sam“
tags eingeschlossen, und daß die dortigen Arbeiter, wenn unter elf
lischen Arbeitsaufsehern, während dieser Zeit nicht ganz so viel
Produkt liefern als Engländer in 10 Stunden, unter deutschen A”
beitsaufsehern aber noch viel weniger. Der Lohn stehe viel tiefe!
als in England, in vielen Fällen um 50 pZt., aber die Zahl der Hände
im Verhältnis zur Maschinerie sei viel größer, in verschiedenen Ab
teilungen im Verhältnis von 5:3.
Herr Redgrave gibt sehr genaue Details über die russische
Baumwollfabriken. Die Angaben wurden ihm geliefert durch ein
dort noch kürzlich beschäftigten englischen Direktor. Auf diese?
russischen Boden, an allen Infamien so fruchtbar, stehen auch die
alten Greuel aus der Kindheitsperiode der englischen Fabriken B

496

65 James Anderson bemerkt in Polemik gegen A. Smith: „Es verdie
ebenso bemerkt zu werden, daß zwar der scheinbare Preis der Arbeit g“
wöhnlich in armen Ländern niedriger ist, wo die Bodenprodukte und de
Getreide insbesondere billiger sind, daß er jedoch dort in Wirklichkeit me
tatsächlich höher ist als in andern Ländern. Denn nicht der Lohn, der den
Arbeiter für den Tag gegeben wird, bildet den wahren Preis der Arbe
wenn er auch ihr scheinbarer Preis ist; der wahre Preis besteht in den
was ein bestimmtes Quantum fertiggestellten Produkts tatsächlich den Une
nehmer kostet, und in diesem Lichte betrachtet, ist Arbeit in fast alt
Fällen in reichen Ländern billiger als in ärmeren, obgleich der Preis
Getreides und anderer Lebensmittel in der Regel in den letzteren hedeu!”
niedriger steht als in den ersteren. . . . Arbeit, bemessen nach dem T#8'.
viel billiger in Schottland als in England. ... Arbeit nach dem Stück ieh
allgemeinen billiger in England.“ (James Anderson: „Observations oB 950
means of exeiting a spirit of National Industry ete. Edinburgh 1777“, Po
851.) — Umgekehrt produziert.ihrerseits die Niedrigkeit des Arbeitslobl,
Verteuerung der Arbeit, „Arbeit ist teurer in Irland als in England: U
dem Oder vielmehr gerade weil die Löhne um so viel niedriger P
(N. 2079 in „Royal Commission on Railways, Minutes. 1867“.)
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Äwanzigstes Kapitel.

497

"ollster Blüte. Die Leiter sind natürlich Engländer, da der ein-3eborene
 russische Kapitalist nicht für das Fabrikgeschäft taugt.
Trotz aller Veberarbeit, fortlaufender Tag- und Nachtarbeit und
chmählichster Unterzahlung der Arbeiter vegetiert das russische
"abrikat nur durch Verhinderung der ausländischen Konkurrenz.
Ich gebe schließlich noch eine vergleichende Uebersicht des
Herrn Redgrave über die Durchschnitts-Spindelzahl pro Fabrik und
to Spinner in verschiedenen Ländern Europas. Herr Redgrave beüerkt
 selbst, daß er diese Zahlen einige Jahre vor 1866 gesammelt
\at, und daß seit der Zeit die Größe der Fabriken und die Spindelhl
 der Arbeiter in England gewachsen seien. Er setzt aber einen
’erhältnismäßig gleich großen Fortschritt in den aufgezählten Koninentalländern
 voraus, so daß die Zahlenangaben ihren Wert für
lie Vergleichung behalten hätten.

In England. ....
» der Schweiz...
» Oesterreich... .
» Sachsen .........
» Belgien ...........
» Frankreich..... ....
» Preußen.

Durchschnittszahl der Spindeln pro Fabrik.
12600 Spindeln auf 1 Fabrik
8000 ;
7000 M
4500 ” ”
1000 » »
L500 „ 4
1500 „1

Durchschnittszahl der Spindeln pro Arbeiter im Betrieb.
In Frankreich....... Spindeln auf 1
» Rußland ..... 2
» Preußen ......
» Bayern......
Vesterreich......
Belgien .....
Sachsen ....0...0 nr se
den kleineren deutschen Staaten .....
der Schweiz....
Großbritannien

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1%

»Diese Vergleichung“, s Herr Redgrave, „ist, „außer andern
Sründen, besonders auch deheuen für Großbritannien ungünstig,
veil dort eine sehr große Zahl Fabriken existiert, „worin die
Näschinenweberei mit der Spinnerei verbunden ist (während die
idelle die Weber nicht abzieht). Die auswärtigen Fabriken sind
wegen meist bloß Spinnereien. Könnten wir genau Gleiches mit
Sichem vergleichen, so könnte ich viele Baumwollspinnereien in
Sinem Distrikt aufzählen, worin Mules mit 2200 Spindeln von
nem einzigen Mann (minder) und zwei Handlangerinnen überwacht
‚Cd täglich 220 Pfund Garn, 400 (englische) Meilen in Länge, fabriv.
 Werden.“ („Reports of Insp. of Fact. for 31st October 1866,
“31—37 passim.)
Das Kapital, 1

nt
        <pb n="543" />
        „09

Sechster Abschnitt

Man weiß, daß in Osteuropa sowohl wie in Asien englische
Gesellschaften Eisenbahnen in Bau übernommen haben und dabei
neben einheimischen auch eine gewisse Zahl englischer Arbeiter
verwenden. Durch praktische Notwendigkeit gezwungen, so del
nationalen Unterschieden in der Intensität der Arbeit Rechnung %
ragen, hat ihnen das keinen Schaden gebracht. Ihre Erfahrung
iehrt, daß, wenn auch die Höhe des Lohnes mehr oder weniger de
mittleren Arbeitsintensität entspricht, der relative Arbeitspreis (1
Verhältnis zum Produkt) sich im allgemeinen im entgegengesetzie”
Sinn bewegt.
Im „Versuch über die Rate des Arbeitslohnes“,® einer seine
[rühesten ökonomischen Schriften, sucht H. Carey nachzuweise®
daß die verschiedenen nationalen Arbeitslöhne sich direkt verhalte®
wie die Produktivitätsgrade der nationalen Arbeitstage, um 2
diesem internationalen Verhältnis den Schluß zu ziehen, daß der
Arbeitslohn überhaupt steigt und fällt wie die Produktivität d*
Arbeit. Unsere ganze Analyse der Produktion des Mehrwertes b*
weist die Abgeschmacktheit dieser Schlußfolgerung, hätte Care
selbst seine Prämisse [seinen Ausgangspunkt] bewiesen, statt sein
Gewohnheit gemäß unkritisch und oberflächlich zusammengerafit®
statistisches Material kunterbunt durcheinander zu würfeln. Das best
ist, daß er nicht behauptet, die Sache verhalte sich wirklich so,
sie sich der Theorie nach verhalten sollte. Die Staatseinmischu®$
hat nämlich das naturgemäße ökonomische Verhältnis verfälscht
Man muß daher die nationalen Arbeitslöhne so berechnen, als X
der Teil derselben, der dem Staat in der Form von Steuern zufälk
dem Arbeiter selbst zufiele. Sollte Herr Carey nicht weiter darüb?
nachdenken, ob diese „Staatskosten“ nicht auch „naturgemäß
Früchte“ der kapitalistischen Entwicklung sind? Das Räsonnem®
ist ganz des Mannes würdig, der die kapitalistischen Produktio®
verhältnisse erst für ewige Natur- und Vernunftsgesetze erklärl®
deren frei harmonisches Spiel nur durch die Staatseinmischung gr
stört werde, um hinterher zu entdecken, daß Englands teuflisch
Einfluß auf den Weltmarkt, ein Einfluß, der, wie es scheint, nic,
den Naturgesetzen der kapitalistischen Produktion entspringt, %
Staatseinmischung nötig macht, nämlich den Schutz jener Natur- U
Vernunftsgesetze durch den Staat, mit andern Worten das Prol®®
tions- [das Schutzzoll-]system, Er entdeckte ferner, daß die Theorel
Ricardos usw., worin existierende gesellschaftliche Gegensätze U
Widersprüche formuliert sind, nicht das ideale Produkt der WO
lichen ökonomischen Bewegung, sondern daß umgekehrt die WI
lichen Gegensätze der kapitalistischen Produktion in England uw

seh
% „Essay on the Rate of Wages: with an Examination of the Can
»f the Differences in the Conditions of the Labouring Population throuf
he World. Philadelphia 1835.“
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“wanzigstes Kapitel.

499

Wderswo das Resultat der Ricardoschen usw. Theorie sind! Er entleckte
 schließlich, daß es in letzter Instanz der Handel ist, der die
ingeborenen Schönheiten und Harmonien der kapitalistischen Proluktionsweise
 vernichtet. Noch einen Schritt weiter, und er entdeckt
Telleicht, daß der einzige Mißstand an der kapitalistischen Produk-%n
 das Kapital selbst ist. Nur ein Mann von so entsetzlicher Kritik-Osigkeit
 und solcher falschen Gelehrsamkeit verdiente, trotz seiner
Notektionistischen Ketzerei, die Geheimquelle der harmonischen
Weisheit eines Bastiat und aller andern freihändlerischen Optimisten
ler Gegenwart zu werden.‘

„7 Ich werde im vierten Buche die Seichtigkeit seiner Wissenschaft
Öher nachweisen.

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        Siebter Abschnitt.
Der Akkumulationsprozeß
des Kapitals,

Einleitung.
Die Verwandlung einer Geldsumme in Produktionsmittel und
Arbeitskraft ist die erste Bewegung, die das Wertquantum durch
macht, das als Kapital fungieren soll. Sie geht vor auf dem Markt
in der Sphäre der Zirkulation.
Die zweite Phase der Bewegung, der Produktionsprozeß, ist al’
geschlossen, sobald die Produktionsmittel verwandelt sind in War“
deren Wert den Wert ihrer Bestandteile übertrifft, also den Wert det
ursprünglich vorgeschossenen Kapitals, vermehrt um einen Mehr
wert, enthält. ,
Diese Waren müssen alsdann wiederum in die Sphäre der te
kulation geworfen werden. Es gilt, sie zu verkaufen, ihren we
in Geld zu realisieren, dies Geld aufs neue in Kapital zu verwandel!
und so stets von neuem. Dieser immer dieselben aufeinander eo
genden Phasen durchmachende Kreislauf bildet die Zirkulation 9?
Kapitals. ,
Die erste Bedingung der Akkumulation [der Anhäufung oder AD ,
sammlung von neuem Kapital] ist, daß der Kapitalist es fertig g?
bracht hat, seine Waren zu verkaufen und den größten Teil des SO en
haltenen Geldes in Kapital rückzuverwandeln. Im folgenden WR
vorausgesetzt, daß das Kapital seinen Zirkulationsprozeß in e
maler Weise durchläuft. Die nähere Betrachtung dieses Prozes
bleibt dem zweiten Buch vorbehalten. Die realen Bedingung®,
der Reproduktion [der Erneuerung der Produktion], das heißt ib! et
ununterbrochenen Fortganges, erscheinen teils erst innerhalb m
Zirkulation, teils können sie erst nach Untersuchung des Zirk“
lionsprozesses behandelt werden. et
Das ist jedoch nicht alles. Der Kapitalist, der den Mehr"),
produziert, das heißt unbezahlte Arbeit unmittelbar aus den eh
beitern auspumpt und in Waren fixiert, ist zwar der erste Aneig gt
aber keineswegs der letzte Eigentümer dieses Mehrwertes. ET im
ihn hinterher zu teilen mit Kapitalisten, die andere Funktione® mit
großen und ganzen der gesellschaftlichen Produktion vollziehel® jD
dem Grundeigentümer usw. Der Mehrwert spaltet sich dabeT

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Anundzwanzigstes Kapitel.

501

"schiedene Teile. Seine Bruchstücke fallen verschiedenen Katerien
 von Personen zu und erhalten verschiedene, gegeneinander
bständige Formen, wie Profit, Zins, Handelsgewinn, Grundie
 usw. Diese verwandelten Formen des Mehrwertes können
"st im dritten Buch behandelt werden.
Wir unterstellen hier also einerseits, daß der Kapitalist, der die
Vare produziert, sie zu ihrem Wert verkauft, und verweilen nicht
"öiter bei seiner Rückkehr zum Warenmarkt, weder bei den neuen
‚tmen, die dem Kapital anschießen in der Zirkulationssphäre, noch
ln darin eingehüllten konkreten Bedingungen der Reproduktion.
\uderseits gilt uns der kapitalistische Produzent als Eigentümer
8 ganzen Mehrwertes oder, wenn man will, als Repräsentant aller
ner Teilnehmer an der Beute. Wir betrachten also zunächst die
\kumulation abstrakt, das heißt als bloßes Moment [als Durchpspunkt]
 des unmittelbaren. Produktionsprozesses.
; Soweit übrigens Akkumulation stattfindet, gelingt dem Kapita-‚ten
 der Verkauf der produzierten Ware und die Rückverwandlung
N aus ihr gelösten Geldes in Kapital. Ferner: Der Bruch des
‚Shrwertes in verschiedene Stücke ändert nichts an seiner Natur,
°h an den notwendigen Bedingungen, worin er zum Element der
Akumulation wird. Welche Proportion des Mehrwertes der kapitakische
 Produzent immer für sich selbst festhalte oder an andere
‚tete, er eignet ihn stets in erster Hand an. Was also bei unserer
ir Stellung der Akkumulation unterstellt wird, ist bei ihrem wirk-Sen
 Vorgang unterstellt. Anderseits verdunkeln die Zerspaltung
„&amp;gt; Mehrwertes und die vermittelnde Bewegung der Zirkulation die
Wache Grundform des Akkumulationsprozesses. Seine reine
‚alyse erheischt daher vorläufiges Wegsehen von allen Erscheinun-%
 Welche das innere Spiel seines Mechanismus verstecken.

Einundzwanzigstes Kapitel.
Einiache Reproduktion.

an Welches immer die gesellschaftliche Form des. Produktions-1
 esses, er muß kontinuierlich [ununterbrochen] sein oder peri-‚ch
 Stets von neuem dieselben Stadien durchlaufen. So wenig
% Gesellschaft aufhören kann zu konsumieren, so wenig kann sie
tören Zu produzieren. In seinem stetigen Zusammenhang und
in beständigen Fluß seiner Erneuerung betrachtet, ist jeder gesellaftliche
 Produktionsprozeß daher zugleich Reproduktionsprozeß.
le Die Bedingungen der Produktion sind zugleich die Bedingungen
I Reproduktion. Keine Gesellschaft kann fortwährend produzieren,
heißt reproduzieren, ohne fortwährend einen Teil ihrer Produkte
w Produktionsmittel oder Elemente der Neuproduktion rückzuver-“deln,
 Unter sonst gleichbleibenden Umständen kann sie ihren
        <pb n="547" />
        502

Siebter Abschnitt

Reichtum nur auf derselben Stufenleiter reproduzieren oder €
halten, indem sie die, während des Jahres zum Beispiel, verbrauch
ten Produktionsmittel, das heißt Arbeitsmittel, Rohmaterialien und
Hilfsstoffe, durch ein gleiches Quantum neuer Exemplare der gleiche”
Art erseizt, welches von der jährlichen Produktenmasse abgeschl”
den und von neuem dem Produktionsprozeß einverleibt wird. zw
bestimmtes Quantum des jährlichen Produkts gehört also der PI”
duktion. Von Haus aus für die produktive Konsumtion bestimmt
existiert es großenteils in Naturalformen, die von selbst die ind
viduelle Konsumtion ausschließen. ,
Hat die Produktion kapitalistische Form, so die Reproduktio®
Wie in der kapitalistischen Produktionsweise der Arbeitsprozeß auf
als ein Mittel für den Verwertungsprozeß erscheint, so die Reproduf
tion nur als ein Mittel, den vorgeschossenen Wert als Kapital w
reproduzieren, das heißt als sich verwertenden Wert. Die Ö%”
nomische Charaktermaske des Kapitalisten hängt nur dadurch ®
einem Menschen fest, daß sein Geld fortwährend als Kapital funkt
niert. Hat zum Beispiel die vorgeschossene Geldsumme von 100 m
Sterl. sich dieses Jahr in Kapital verwandelt und einen Mehrw®
von 20 Pfd. Sterl. produziert, so muß sie das nächste Jahr usf. Sn
selbe Operation wiederholen. Als periodischer Zuwachs des Kap
wertes, oder periodische Frucht des prozessierenden Kapitals, erh“
der Mehrwert die Form einer aus dem Kapital entspringend“
Revenue [Einkommen].* &amp;amp;
Dient diese Revenue dem Kapitalisten nur als Konsumtionsf07
oder wird sie ebenso periodisch verzehrt wie gewonnen, so find“
unter sonst gleichbleibenden Umständen, einfache Reprodukt”
statt. Obgleich letztere nun bloße Wiederholung des Produktio®
prozesses auf derselben Stufenleiter, drückt diese bloße Wied“
holung oder Kontinuität dem Prozesse gewisse neue Charaktere Ta
oder löst vielmehr die Scheincharaktere seines nur vereinzelt
Vorganges auf.

» „Die Reichen, welche die Produkte der Arbeit anderer verzebr%
erhalten sie nur durch Austauschakte (Warenkäufe). Wenn sie indessen in
erworbenen und akkumulierten Reichtum zurückgeben, um damit neu® Fe
dukte zu erwerben, die ihre Laune wünscht, scheint es, als müßten sie 8
Reservefonds bald erschöpfen. Wir haben gesagt, daß sie nicht arbeit
und sie können auch gar nicht arbeiten; man sollte daher glauben, daß n
früherer Reichtum mit jedem Tag abnähme, und daß, da ihnen nichts übr
bliebe, den Arbeitern, die ausschließlich für sie arbeiten, nichts im “
tausch geboten würde. ... Aber in der gesellschaftlichen Ordnung hat fl
Reichtum die Kraft erhalten, sich durch fremde Arbeit zu reproduzi@%%
ohne daß sein Besitzer dabei mitwirkt. Der Reichtum, wie die Arbeit Ye
durch die Arbeit, liefert eine jährliche Frucht, welche jedes Jahr verniche,
werden kann, Ohne daß der Reiche ärmer wird. Diese Frucht ist. 8
Revenue, die aus dem Kapital entspringt.“ (Sismondi: „Nouveaux PrineP
d’Economie Politique“, vol. I, p. 81, 82.)
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ünundzwanzigstes Kapitel.

503

| Betrachten wir zunächst jenen Teil des Kapitals, der in der Form
Arbeitslohn vorgeschossen ist, das variable Kapital.
_ Der Produktionsprozeß wird eingeleitet mit dem Kauf der Ar-Sitskraft
 für eine bestimmte Zeit, und diese Einleitung erneuert
‚ch beständig, sobald der Verkaufstermin der Arbeit fällig und
äAmit eine bestimmte Produktionsperiode, Woche, Monat usw., ab-Claufen
 ist. Gezahlt wird der Arbeiter aber erst, nachdem seine
\'beitskraft gewirkt und sowohl ihren eigenen Wert wie den Mehr-"rt
 in Waren realisiert hat. Er hat also wie den Mehrwert, den
“Ür einstweilen nur als Konsumtionsfonds des Kapitalisten betrach-%
 [als Wertvorrat, der bloß den Konsumtionsbedürfnissen des Kapi-Nisten
 dient], so den Fonds seiner eigenen Zahlung, das variable
‚Abital, produziert, bevor es ihm in der Form des Arbeitslohnes zukfließt,
 und er wird nur so lange beschäftigt, als er ihn beständig
Produziert. Daher die im sechzehnten Kapitel unter „II“ erwähnte
„tmel der Oekonomen, die den Arbeitslohn als Anteil am Produkt
Sbst darstellt.? Es ist ein Teil des vom Arbeiter selbst beständig
“Produzierten Produkts, das ihm in der Form des Arbeitslohnes
qndig zurückfließt. Der Kapitalist zahlt ihm den Warenwert
„Srdings in Geld. Dies Geld ist aber nur die verwandelte Form
” Arbeitsprodukts, oder vielmehr eines Teiles des Arbeitsprodukts.
„Ahrend der Arbeiter einen Teil der Produktionsmittel in neues
odukt verwandelt, zirkuliert das Produkt seiner früheren Arbeit
dem Markt, wo es sich in Geld zurückverwandelt. Es ist seine
be von voriger Woche oder vom letzten halben Jahre, womit seine
N Sit von heute oder vom nächsten halben Jahre gezahlt wird. Die
a0, welche die Geldform erzeugt, verschwindet sofort, sobald
"ie des einzelnen Kapitalisten und des einzelnen Arbeiters Kapita-Iaklasse
 und Arbeiterklasse betrachtet werden. Die Kapitalistenm
 gibt der Arbeiterklasse beständig in Geldform Anweisungen
It Einen Teil des von der letzteren produzierten und von der
ein angeeigneten Produkts. Diese Anweisungen gibt der Arbr
 Sr der Kapitalistenklasse ebenso beständig zurück und entzieht
ie Tamit den ihm selbst zufallenden Teil seines eigenen Produkts.
MM Warenform des Produkts und die Geldform der Ware verden
 den Vorgang.
Das variable Kapital ist also nur eine besondere historische Erlab.
 ungsform des Fonds von Lebensmitteln oder des Arbeitsfonds
iger fund), wie die Engländer sagen, die darunter natürlich nicht
Ah Vorrat von Arbeit verstehen, sondern einen Vorrat für die
dr es ist der Vorrat, den der Arbeiter zu seiner Selbsterhaltung
Reproduktion bedarf, und den er in allen Systemen der gesell-Ta

 i i rofit als ein Teil des fertigen Produkts
use I ame © ebay on ihe Distribution of Wealth. Edineh
 1836“ p. 142.) , Der Anteil an dem Produkt, der dem Arbeiter unter
Wi Form des Arbeitslohnes zukommt.“ (James Mill: „Elements of Political
Momy.« Französische Ueberseizung von Parissot, Paris 1823. S. 34.)
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        504

Siebter. Abschnit!

schaftlichen Produktion stets selbst produzieren und reproduzier&amp;amp;
muß.?* Der Arbeitsfonds fließt ihm nur beständig in Form v®
Zahlungsmitteln seiner Arbeit zu, weil sein eigenes Produkt sic
beständig in der Form des Kapitals von ihm entfernt. Aber die®
Erscheinungsform des Arbeitsfonds ändert nichts daran, daß del
Arbeiter seine eigene vergegenständlichte Arbeit vom Kapitalist®
vorgeschossen wird.?
Nehmen wir einen Fronbauer. Er arbeitet mit seinen eigen®
Produktionsmitteln auf seinem eigenen Acker zum Beispiel 8 Teg!
in der Woche. Die 3 andern Wochentage verrichtet er Fronarb®
auf dem herrschaftlichen Gut. Er reproduziert seinen eigenen Ar
beitsfonds beständig, und dieser erhält ihm gegenüber nie die For
von einem Dritten für seine Arbeit vorgeschossener Zahlungsmitl®
Im Ersatz erhält auch niemals seine unbezahlte Zwangsarbeit “
Form freiwilliger und bezahlter Arbeit. Wenn morgen der Gutsb®
den Acker, das Zugvieh, die Samen, kurz die Produktionsmittel pe
Fronbauern sich selbst aneignet, so hat dieser von nun an se
Arbeitskraft an den Fronherrn- zu verkaufen. Unter sonst gie,
bleibenden Umständen wird er nach wie vor 6 Tage in der W0
arbeiten, 3 Tage für sich selbst, 3 für den Exfronherrn, der 1°”
in einen Lohnherrn verwandelt ist. Er wird nach wie vor die Pe
duktionsmittel als Produktionsmittel vernutzen und ihren Wert 7
das Produkt übertragen. Nach wie vor wird ein bestimmter T «
des Produkts in die Reproduktion eingehen. Wie aber die FI
arbeit die Form der Lohnarbeit, nimmt der vom Fronbauer Di
wie vor produzierte und reproduzierte Arbeitsfonds die Form Sy
ihm vom Exfronherrn vorgeschossenen Kapitals an. Der bürger!“,
Oekonom, dessen beschränktes Hirn die Erscheinungsform von We
was darin erscheint, nicht trennen kann, schließt die Augen vor $
Tatsache, daß selbst noch heutzutage der Arbeitsfonds nur ausnabl
weise auf dem Erdenrund in der Form von Kapital auftritt.“ fm
Allerdings verliert das variable Kapital nur den Sinn eine? T
dem eigenen Fonds des Kapmpitalisten vorgeschossenen Wertes.

— — g
2a Das variable Kapital wird hier nur als Fonds zur Bezahlung be
Lohnarbeiter betrachtet. Man weiß, daß es in Wirklichkeit erst in pn
Augenblick variabel wird, wo die Arbeitskraft, die es gekauft hat, iM
duktionsprozeß funktioniert. (Note zur französischen Ausgabe.) Pi
8 „Wenn Kapital dazu verwendet wird, dem Arbeiter seinen Loh? gu
zuschießen, fügt es nichts zu dem Fonds für die Erhaltung der Arbeit hin j
(Cazenove in einer Note zu seiner Ausgabe von Malthus’ „DefinitioP®
Political Economy. London 1853“, p. 22.) ine
4 „Die Lebensmittel der Arbeiter werden noch nicht auf Sat
Viertel der Erde den Arbeitern durch Kapitalisten vorgeschossen.“ (Bietord
Jones: „Textbook of Lectures on the Political Economy of Nations. Her
1852“, p. 16.) ol
&amp;lt;a „Obgleich der Industriearbeiter seinen Arbeitslohn vom Meister de
geschossen erhält, verursacht er ihm doch tatsächlich keine Kosten, wert‘
Betrag dieses Lohnes samt einem Gewinn gewöhnlich in dem erhöhten
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        schnift
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ünundzwanzigstes Kapitel.

505

ald wir den kapitalistischen Produktionsprozeß im beständigen Fluß
ner Erneuerung betrachten. Aber er muß doch irgendwo und
"'sendwann anfangen. Muß man nicht von unserm bisherigen Stand-Unkt
 aus annehmen, daß der Kapitalist irgendeinmal durch irgend-Re,
 von unbezahlter fremder Arbeit unabhängige, ursprüngliche
\kkumulation von Geld, etwa durch Ersparungen aus den Ergebsen
 seiner eigenen Arbeit, Geldbesitzer ward, und daher den
(arkt als Käufer von Arbeitskraft beschreiten konnte? Vorläufig
"llen wir diese Lösung des Problems annehmen, das wir näher
‚irachten werden in dem Kapitel über die ursprüngliche Akkumula-|

 Indes bewirkt die bloße Kontinuität des kapitalistischen Produk-„üSprozesses,
 oder die einfache Reproduktion, noch andere sondernn
 Wechsel, die nicht nur den variablen Kapitalteil ergreifen, sonn
 das Gesamtkapital.
„_ Beträgt der mit einem Kapital von 1000 Pfd. Sterl. periodisch,
A Beispiel jährlich, erzeugte Mehrwert 200 Pfd. Sterl. und wird
nt Mehrwert jährlich verzehrt, so ist es klar, daß nach fünfah
 Wiederholung desselben Prozesses die Summe des ver
" ten Mehrwertes — 5 X 200 ist oder gleich dem ursprünglich
ja Schossenen Kapitalwert von 1000 Pfd. Sterl. Würde der jähr-%
 © Mehrwert nur teilweise verzehrt, zum Beispiel nur zur Hälfte,
leg 28äbe sich dasselbe Resultat nach zehnjähriger Wiederholung
%) Produktionsprozesses, denn 10 X 100 — 1000. Allgemein: Der
1 Chossene Kapitalwert, dividiert durch den jährlich verzehrten
ex ort, ergibt die Jahresanzahl oder die Anzahl von Reproduktionsam
 den, nach deren Ablauf das ursprünglich vorgeschossene Kapital
Kapitalisten aufgezehrt und daher verschwunden ist.
fen Die Vorstellung des Kapitalisten, daß er das Produkt der frem-Ach
 Unbezahlten Arbeit, den Mehrwert, verzehrt und den ursprüngin
 " Kapitalwert erhält, kann absolut nichts an der Tatsache
en Nach Abfluß einer gewissen Jahreszahl ist der von ihm
acte Kapitalwert gleich der Summe des während derselben
hm ©8zahl ohne Aequivalent angeeigneten Mehrwertes, und die von
Verzehrte Wertsumme gleich dem ursprünglichen Kapitalwert.
tens Werdings behält er in der Hand ein Kapital, dessen Größe sich
Big Verändert hat, wovon ein Teil, Gebäude, Maschinen usw., befer
 po rhanden war, als er sein Geschäft in Gang brachte. Aber
Nato andelt es sich um den Wert des Kapitals und nicht um seine
Iüre nllen Bestandteile. Wenn jemand sein ganzes Besitztum da-Az
 aufzehrt, daß er Schulden aufnimmt, die dem Wert dieses Beir
 “a gleichkommen, so repräsentiert eben das ganze Besitztum
I 26 Gesamtsumme seiner Schulden. Und ebenso, wenn der
yo etertigten Gegenstandes zurückerstattet wird.“ (A. Smith: „Wealth of
Iran &amp;gt;» b. IL, ch. 3.) [Vgl. „Untersuchung über das Wesen und die
der) ©n des Volkswohlstandes“, übersetzt von F. Stöpel, 2. Auflage.
" 1906, Ba. IL, S. 77.1]
        <pb n="551" />
        506
Kapitalist das Aequivalent seines vorgeschossenen Kapitals auf
gezehrt hat, repräsentiert der Wert dieses Kapitals nur noch d”
Gesamtsumme des von ihm unentgeltlich angeeigneten Mehrwerl®
Kein Wertteilchen seines alten Kapitals existiert fort. ,
Ganz abgesehen von aller Akkumulation verwandelt also d
bloße Kontinuität des Produktionsprozesses, oder die einfache R*
produktion, nach kürzerer oder längerer Periode, jedes Kapil?
notwendig in akkumuliertes Kapital oder kapitalisierten Mehrweil
War es selbst bei seinem ‚Eintritt in den Produktionsprozeß persöl
lich erarbeitetes Eigentum seines Anwenders, früher oder späte
wird es ohne Aequivalent angeeigneter Wert oder Verkörperu%
ob in Geldform oder anders, unbezahlter fremder Arbeit.
Beim Beginn unserer Untersuchung, im vierten Kapitel, sah®
wir: Um Geld in Kapital zu verwandeln, genügte nicht %
Vorhandensein von Warenproduktion und Warenzirkulation. W
mußte erst der Besitzer von Geld auf dem Markte andere Le"
Önden, die frei waren, aber gezwungen, ihre Arbeitskraft zu ver
kaufen, weil sie nichts anderes zu verkaufen hatten. Die Scheidu?
zwischen dem Arbeitsprodukt und der Arbeit selbst; zwischen ein®
Kategorie von Personen, die über alles verfügen, was erforderlich “
damit sich die Arbeit realisiere, und einer andern Kategorie N
Personen, deren ganze Habe sich auf ihre eigene Arbeitskraft %
schränkt, das war also die tatsächlich gegebene Grundlage, d
Ausgangspunkt des kapitalistischen Produktionsprozesses. ws
Was aber anfangs nur Ausgangspunkt war, wird später, d gl
der einfachen Reproduktion ein Resultat, das sich immer wie
selbst erneuert. Einerseits verwandelt der Produktionsprozeß SC
während den stofflichen Reichtum in Kapital und in Genußmit Y
für den Kapitalisten. Anderseits kommt der Arbeiter beständig gt
dem Prozeß heraus, wie er in ihn eintrat — persönliche Quelle 4
Reichtums, aber entblößt von allen Mitteln, diesen Reichtum für # gl
zu verwirklichen. Da vor seinem Eintritt in den Prozeß seine eig“
Arbeit ihm selbst entfremdet, dem Kapitalisten angeeignet und Ce
Kapital einverleibt ist, vergegenständlicht sie sich während. gi
Prozesses beständig in fremdem Produkt. Da der Produkt'%,
prozeß zugleich der Konsumtionsprozeß der Arbeitskraft durch w
Kapitalisten, verwandelt sich das Produkt des Arbeiters nicht Di
fortwährend in Ware, sondern in Kapital, Wert, der die u
schöpfende Kraft aussaugt, Lebensmittel, die Personen ka,
Produktionsmittel, die den Produzenten anwenden.” Der Arb®
selbst produziert daher beständig den obiektiven Reichtum

Siebter Abschnif

5 „Das ist eine besonders merkwürdige Eigens oduk aM
Konsumtion, Was produktiv konsumiert wird, ist Kapital und os Prird KoPl
tal durch die Konsumtion.“ (James Mill: „Elements d’Economie politigP®,
Französische Uebersetzung von Parissot, Paris 1823, S, 242.) James Mil ;
N „besonders merkwürdigen Eigenschaft“ nicht auf die a
        <pb n="552" />
        schnitt

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Kap,
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zo

nundzwanzigstes Kapitel.

507

Yapital, ihm fremde, ihn beherrschende und ausbeutende Macht,
nd der Kapitalist produziert ebenso beständig die Arbeitskraft als
"bjektive, von ihren eigener Vergegenständlichungs- und Verwirkhungsmitteln
 getrennte, abstrakte, in der bloßen Leiblichkeit des
\tbeiters existierende Reichtumsquelle, kurz den Arbeiter als Lohn-Tbeiter.®
 Diese bestäudige Reproduktion oder Verewigung des Ar-Citers
 ist das sine qua non [die Lebensbedingung] der kapitalisti-"hen
 Produktion.
, Die Konsumtion des Arbeiters ist doppelter Art. Während des
Toduzierens konsumiert er durch seine Arbeit Produktionsmittel
d verwandelt sie in Produkte, die von höherem Wert sind als
ä8 vorgeschossene Kapital. Dies ist seine produktive Konsumtion.
1 ist gleichzeitig Konsumtion seiner Arbeitskraft durch den Kapita-Sten,
 der sie gekauft hat. Anderseits verausgabt der Arbeiter das
A den Kauf der Arbeitskraft gezahlte Geld in Lebensmitteln, durch
le er sich erhält und reproduziert. Es ist dies seine individuelle,
«Tsönliche Konsumtion. Die produktive und die individuelle
‚üsumtion des Arbeiters sind also total verschieden. In der
‚en handelt er als bewegende Kraft des Kapitals und gehört
m Kapitalisten; in der andern gehört er sich selbst und verrichtet
eeividuelle Lebensakte außerhalb des Produktionsprozesses. Das
‚Sultat der einen ist das Leben des Kapitalisten, das der andern ist
% Leben des Arbeiters selbst.
4 Bei Betrachtung des Arbeitstages [im achten Kapitel] und der
in Cinerie und großen Industrie [im dreizehnten Kapitel] zeigte
allerdings in zahlreichen Beispielen, daß der Arbeiter oft gehe
 Sen ist, seine individuelle Konsumtion zu einem bloßen gelegent-Pal
 Zwischenfall 'des Produktionsprozesses zu machen. In diesem
\ alte Setzt er sich Lebensmittel zu, um seine Arbeitskraft im Gang zu
„©, wie der Dampfmaschine Kohle und Wasser, dem Rad Oel
„SSsetzt wird. Seine Konsumtionsmittel sind dann bloß Konu
 onsmittel eines Produktionsmittels, seine individuelle Konan
 on direkt produktive Konsumtion. Dies erscheint jedoch als
van CM kapitalistischen Produktionsprozeß unwesentlicher Miß-|

 Anders sieht die Sache aus, sobald wir nicht den einzelnen
+ Ditalisten und den einzelnen Arbeiter betrachten, sondern die
4Pitalistenklasse und die Arbeiterklasse, nicht vereinzelte Pro-Ar.

 »Es ist in der Tat wahr, daß eine neu eingeführte Manufaktur viele
de beschäftigt; aber sie hören nicht auf, es zu sein, und die Fortdauer
Ye Manufaktur schafft viele neue.“ („Reasons for a limited Exportation of
pl London 1677“, p. 19.) „Der Pächter behauptet nun ‚ganz unsinniger-WS
 daß er die Armen erhält. In der Tat werden sie im Elend erje“
 („Reasons for the late Increase of the Poor Rates: Or a comparative
W of the prices of labour and provisions, London 1777“, p. 37.) N
x. Rossi würde nicht so nachdrücklich diesen Punkt verdeklamieren, wäre
Wirklich in das Geheimnis der „produktiven Konsumtion‘“ eingedrungen
        <pb n="553" />
        Siebter Abschnifl
duktionsprozesse, sondern den kapitalistischen Produktionsprozeß I
seinem Fluß und in seinem gesellschaftlichen Umfang.
Wenn der Kapitalist einen Teil seines Kapitals in Arbeitskraf
umsetzt, verwertet er damit sein Gesamtkapital. Aber nicht genut
damit. Er schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Er profitiert nich!
hur von dem, was er vom Arbeiter empfängt, sondern auch von del
was er ihm gibt. ,
Das im Austausch gegen Arbeitskraft veräußerte Kapital wird
von der Arbeiterklasse für Lebensmittel ausgetauscht, deren Kol
sumtion dazu dient, Muskel, Nerven, Knochen, Hirn usw. von Ar
beitern zu reproduzieren und neue Arbeiter zu zeugen. Innerball
der Grenzen des absolut Notwendigen ist daher die individuell
Konsumtion der Arbeiterklasse Rückverwandlung der vom Kapil?
gegen Arbeitskraft veräußerten Lebensmittel in vom Kapital n#
ausbeutbare Arbeitskraft. Sie ist Produktion und Reproduktion de
dem Kapitalisten unentbehrlichsten Produktionsmittels, des Arbeiter
selbst. Die individuelle Konsumtion des Arbeiters bleibt also ®@
Moment der Produktion und Reproduktion des Kapitals im große
und ganzen, ob sie innerhalb oder außerhalb der Arbeitsstelle, inne
halb oder außerhalb des Arbeitsprozesses vorgeht, ganz wie Ö
Reinigung der Maschine, ob sie während des Arbeitsprozesses 00
bestimmter Pausen desselben geschieht. N
Es tut nichts zur Sache, daß der Arbeiter seine individue) |
Konsumtion sich selbst und nicht dem Kapitalisten zuliebe vollziel‘
So bleibt der Konsum des Lastviehes nicht minder ein notwendi#“
Moment des Produktionsprozesses, weil das Vieh selbst genießt, WE
es frißt. Die beständige Erhaltung und Reproduktion der Arbeite
klasse bleibt beständige Bedingung für die Reproduktion &amp;amp;
Kapitals. Der Kapitalist kann ihre Erfüllung getrost dem Selbe
erhaltungs- und Fortpflanzungstrieb der Arbeiter überlassen. t
sorgt nur dafür, ihre individuelle Konsumtion möglichst auf das N
wendige einzuschränken, und ist himmelweit entfernt von jener A
amerikanischen Roheit, die den Arbeiter zwingt, kräftigere 5
weniger kräftiger Nahrungsmittel einzunehmen.? fi
Daher betrachtet auch der Kapitalist und sein Ideolog, der P €
tische Oekonom, nur den Teil der individuellen Konsumtion f
Arbeiters als produktiv, der zur Verewigung der Arbeiterklasse ®

508

5 „Die Arbeiter in den Bergwerken Südamerikas ägliches Ge
schäft (das schwerste vielleicht in der Welt) darin en a El EIZ jP
Gewicht von 180 bis 200 Pfund, aus einer Tiefe von 450 Fuß auf ibr“
Schultern zutage zu fördern, leben nur von Brot und Bohnen: sie würd®
das Brot allein zur Nahrung vorziehen, allein ihre Herren. welche gefunde
baben, daß sie mit Brot nicht so stark arbeiten können, behandeln sie %
Pferde und zwingen sie, die Bohnen zu essen; die Bohnen sind aber -
EEE an Kneckenerde weit reicher als das Brot.“ (Liebig: Br
rer wendun; i ; +48 u
1862, 1. Teil, S. 194, Note.) g auf Agrikultur und Physiologie“, 7. A
        <pb n="554" />
        schnitt.

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G&amp;amp;
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1ag0

nundzwanzigstes Kapitel.

509

leischt ist, also in der Tat verzehrt werden muß, damit das Kapital
le Arbeitskraft verzehre; was der Arbeiter außerdem zu seinem
Vergnügen verzehren mag, ist unproduktive Konsumtion.* Würde
lie Akkumulation des Kapitals eine Erhöhung des Arbeitslohnes und
laher Vermehrung der Konsumtionsmittel des Arbeiters verursachen
ne Konsum von mehr Arbeitskraft durch das Kapital, so wäre das
Uschüssige Kapital unproduktiv konsumiert.!® In der Tat: die inüviduelle
 Konsumtion des Arbeiters ist für ihn selbst unproduktiv,
lenn sie reproduziert nur das bedürftige Individuum; sie ist proluktiv
 für den Kapitalisten und den Staat, denn sie ist Produktion
ler den fremden Reichtum produzierenden Kraft.
Vom gesellschaftlichen Standpunkt ist also die Arbeiterklasse,
\üch außerhalb des unmittelbaren Arbeitsprozesses, ebensosehr
/ubehör des Kapitals als das tote Arbeitsinstrument. Selbst ihre
Adividuelle Konsumtion ist innerhalb gewisser Grenzen nur ein
Moment des Reproduktionsprozesses des Kapitals. Der Prozeß aber
\Orgt dafür, daß diese selbstbewußten Produktionsinstrumente nicht
Veglaufen, indem er ihr Produkt beständig. von ihrem Pol zum
6genpol des Kapitals entfernt. Die individuelle Konsumtion sorgt
Anerseits für ihre eigene Erhaltung und Reproduktion, anderseits
lurch Vernichtung der Lebensmittel für ihr beständiges Wieder-"scheinen
 auf dem Arbeitsmarkt. Der römische Sklave war durch
Ketten, der Lohnarbeiter ist durch unsichtbare Fäden an seinen
“gentümer gebunden, Nur ist dieser Eigentümer nicht der Einzeläpitalist,
 sondern. die Kapitalistenklasse.
Früher machte das Kapital, wo es ihm nötig schien, sein Eigen.
UMsrecht auf den freien Arbeiter durch Zwangsgesetz geltend. So
Mar zum Beispiel die Auswanderung der Maschinenarbeiter in Eng-%d
 bis 1815 bei schwerer Strafe verboten.
y Die Reproduktion der Arbeiterklasse schließt zugleich die
„Sberlieferung und Häufung des Geschickes von einer Generation
ur andern ein.!**? Wie sehr der Kapitalist das Dasein einer solchen

812 * James Mill: „Elements d’Economie Politique.“ Französische Ueber-Ung
 von Parissot, Paris 1823, S. 238 ff.
Ra A „Stiege der Preis der Arbeit so hoch, daß trotz des Zuwachses von
ja al nicht mehr Arbeit angewandt werden könnte, so würde ich sagen,
‚Pri Solcher Zuwachs von Kapital unproduktiv konsumiert wird.“ (Ricardo:
‚GC yPles of Political Economy. 83rd ed. London 1821“, p. 163 mn. [Vgl.
LA dgesetze der Volkswirtschaft“, übersetzt von Dr. Ed. Baumstark.
Ulage, Leipzig 1877, S. 123, Note.]
umti „Die einzig produktive Konsumtion im eigentlichen Sinne ist die Konlern
 Oder Zerstörung von Reichtum (er meint den Verbrauch der Pro-Apbasen
 Mittel) durch Kapitalisten zum Zwecke der Reproduktion. ... Der
ind Ur » +. ist ein produktiver Konsument für die Person, die ihn anwendet,
‚Degun den Staat, aber, genau gesprochen, nicht für sich selbst.“ (Malthus:
Tütions in Political Economy. London 1853“, p. 80.)
nd „Das einzige Ding, wovon man sagen kann, daß es aufgespeichert
Vorher produziert ist, ist das Geschick des Arbeiters. . .. Die Akkumu-
        <pb n="555" />
        510

Siebter Abschnift

geschickten Arbeiterklasse unter die ihm zugehörigen Produktions
bedingungen zählt, sie in der Tat als die reale Existenz seine®
variablen Kapitals ‚betrachtet, zeigt sich, sobald eine Krise dere?
Verlust bedroht. Infolge des amerikanischen Bürgerkrieges und de!
ihn begleitenden Baumwollnot wurde bekanntlich die Mehrzahl de!
Baumwollarbeiter in Lancashire usw. aufs Pflaster geworfen. Aw
dem Schoß der Arbeiterklasse selbst, wie anderer Gesellschaft®
schichten, erhob sich der Ruf nach Staatsunterstützung oder fre*
williger Nationalkollekte, um die Auswanderung der „Ueber
Aüssigen“ in englische Kolonien oder die Vereinigten Staaten zu €!
möglichen. Damals veröffentlichte die „Times“ (24. März 1863)
einen Brief von Edmund Potter, früher Präsident der Mancheste!
Handelskammer. Sein Brief ward mit Recht im Unterhause als „da“
Manifest der Fabrikanten‘“ bezeichnet.!* Wir geben hier einig‘
charakteristische Stellen, worin der Eigentumstitel des Kapitals at
die Arbeitskraft unverblümt ausgesprochen wird.
„Den Arbeitslosen mag gesagt werden, daß die Zufuhr von Bau
wollarbeitern zu groß ist... sie müßte vielleicht um ein Drittel
reduziert werden, und dann würde eine gesunde Nachfrage für d
übrigen zwei Dritteile eintreten. ... Die öffentliche Meinung drinß
auf Auswanderung. ... Der Meister (das heißt der Baumwol
fabrikant) kann nicht willig seine Zufuhr von Arbeitern entfer?
sehen; er mag denken, daß das ebenso ungerecht als unrichtig ist. +*
Wenn die Auswanderung aus öffentlichen Fonds unterstützt wird
hat er ein Recht, Gehör zu verlangen und vielleicht zu protestierel
Selbiger Potter setzt.dann weiter auseinander, wie nützlich die Bau!
wollindustrie, wie „sie unzweifelhaft die Bevölkerung aus Irland un6
den englischen Agrikulturdistrikten weggezogen hat“, wie ungeheu®
ihr Umfang, wie sie im Jahre 1860 /,, des ganzen englischen Exp
handels lieferte, wie sie nach wenigen Jahren sich wieder ausdehp%
werde durch Erweiterung des Marktes, besonders Indiens, und dur”
Erzwingung hinreichender „Baumwollzufuhr, zu 6 Pence das Pfund,
Er fährt dann fort: „Zeit — 1, 2, 3 Jahre vielleicht — wird die nötig
Quantität produzieren. ... Ich möchte dann die Frage stellen, en
diese Industrie wert, sie festzuhalten, ist es der Mühe werb di
Maschinerie (nämlich die lebendigen Arbeitsmaschinen) in Ordnulß
zu halten, und ist es nicht die größte Narrheit, daran zu denken, %
aufzugeben! Ich glaube das. Ich will zugeben, daß die Arbeite
nicht Eigentum sind („I allow that the workers are not a properlY )

lation und Aufspeicherung geschickter Arbeit, diese wichtigste Operati
wird, was die große Masse der Arbeiter betrifft, ohne irgendwelches Kap,
vollbracht.“ (Hodgskin: „Labour Defended etc.“, p. 13.) [Vgl. „Verteidigw”
der Arbeit“, übersetzt von Dr. Friedrich Raffel. Leipzig 1909, S. 39, 40.1,
» „Dieser Brief kann als’ das Manifest der Fabrikanten bezeicht
werden.“ (Ferrand: Antrag über die Baumwollnot. Sitzung des Unterh#““
vom 27. April 1863.)
        <pb n="556" />
        ‚hnitt.

1008
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“inundzwanzigstes Kapitel. |

511

licht das Eigentum Lancashires und der Meister; aber sie sind die
Stärke beider; sie sind die geistige und geschulte Kraft, die in einer
seneration nicht ersetzt werden kann; die andere Maschinerie da-Segen,
 woran sie arbeiten („the mere machinery which they work“),
önnte zum großen Teil mit Vorteil ersetzt und verbessert werden
u 12 Monaten.** Ermuntert oder erlaubt (!) die Auswanderung der
Arbeitskraft, und was wird aus dem Kapitalisten? („Encourage or
llow the working power to emigrate, and what of the capitalist?“
dieser Herzensstoß erinnert an Hofmarschall Kalb.) .. . Nehmt
lie Elite der Arbeiter weg, und das fixe Kapital wird in hohem
ärade entwertet und das zirkulierende Kapital wird sich nicht dem
Xampfe mit schmaler Zufuhr einer niedrigeren Sorte von Arbeit
Wssetzen. ... Man sagt uns, die Arbeiter selbst wünschen die Aus-Vanderung.
 Es ist sehr natürlich, daß sie das tun. ... Reduziert,
&amp;lt;Omprimiert das Baumwollgeschäft durch Wegnahme seiner Arbeits-(räfte
 (by taking away its working power), durch Verminderung
rer Lohnverausgabung sage um ein Fünftel oder 5 Millionen, und
Vas wird dann aus der nächsten Klasse über ihnen, den Kleinkrämern?
Vas aus den Grundrenten, was aus der Miete der Wohnhäuser? ...
vas aus dem kleinen Pächter, dem besseren Hausbesitzer und dem
Irundeigentümer? Und sagt nun, ob irgendein Plan für alle Klassen
les Landes selbstmörderischer sein kann als dieser, die Nation zu
schwächen durch den Export ihrer besten Fabrikarbeiter und die
%ütwertung eines Teiles ihres produktivsten Kapitals und Reichums?
 , ,. Ich rate zu einer Anleihe von 5 bis 6 Millionen, über 2
er 8 Jahre verteilt, verwaltet durch Spezialkommissäre, beigeord-%t
 den Armenverwaltungen in den Baumwolldistrikten, unter
Deziellen gesetzlichen Regulationen, mit gewisser Zwangsarbeit, um
lie moralische Kraft der Almosenempfänger aufrechtzuerhalten. ...
Xann es irgend etwas Schlimmeres geben für Grundeigentümer oder
Meister („can anything be worse for landowners or masters“) als
Ihre besten Arbeiter aufzugeben und die übrigbleibenden zu de-Noralisieren
 und zu verstimmen durch eine ausgedehnte entleerende

*4 Man erinnert sich, daß dasselbe Kapital aus einem andern Loche
eilt unter gewöhnlichen Umständen, wenn es gilt, den Arbeitslohn herab-“Setzen.
 Dann erklären „die Meister“ aus einem Munde (siehe vierten Ab-"°hnitt,
 Note 188, S. 367): „Fabrikarbeiter sollten in heilsamer Erinnerung
Alten, daß ihre Arbeit in der Tat eine sehr niedrige Sorte geschickter
Arbeit ist; daß keine leichter aneigenbar und in Anbetracht ihrer Qualität
besser belohnt ist, daß keine durch kurze Unterweisung des mindest Erfahre-\°D
 in so kurzer Zeit und in solchem Ueberfluß zugeführt werden kann. Des
Meisters Maschinerie (die, wie wir jetzt hören, in 12 Monaten mit Vorteil
Ind verbessert ersetzt werden kann) spielt in der Tat eine viel wichtigere
Rolle in dem Geschäft der Produktion als die Arbeit und das Geschick des
Atbeiters (die jetzt in 80 Jahren nicht ersetzbar sind), die eine Erziehung
°n 6 Monaten lehren und jeder Bauernknecht lernen kann.“
        <pb n="557" />
        Siebter Abschnitt
Auswanderung und Entleerung von Wert und Kapital in einer ganzeB
Provinz?“ 14
Potter, das auserwählte Organ der Baumwollfahrikanten, unterscheidet
 doppelte „Maschinerie“, deren jede dem Kapitalisten ge
hört, und wovon die eine in seiner Fabrik steht, die andere des
Nachts und Sonntags auswärtig in Cottages haust. Die eine ist tob
die andere lebendig. Die tote Maschinerie verschlechtert und entwertet
 sich nicht nur jeden Tag, sondern von ihrer existierenden
Masse veraltet ein großer Teil durch den steten technischen Fort
schritt beständig so sehr, daß sie vorteilhaft und in wenigen Monate»
durch neuere Maschinerie ersetzbar. Die lebendige Maschinerl®
verbessert sich umgekehrt, je länger sie währt, je mehr sie das Ge
schick von Generationen in sich aufhäuft. Die „Times“ antwortete
dem Fabrikmagnaten unter anderm:
„Herr E. Potter ist so erfüllt von der außerordentlichen und
absoluten Wichtigkeit der Baumwollfabrikanten, daß er, um dies®
Klasse zu erhalten und ihren Beruf zu verewigen, eine halbe Millio®
der Arbeiterklasse wider ihren Willen in ein großes moralisch®
Armenhaus einsperren will. Ist diese Industrie wert, sie fest
zuhalten? fragt Herr Potter, Sicher, durch alle ehrbaren Mitteh
antworten wir. Ist es der Mühe wert, die Maschinerie in Ordnung
zu halten? fragt wieder Herr Potter, Hier stutzen wir. Unter der
Maschinerie versteht Herr Potter die menschliche Maschinerie, den?
er beteuert, daß er sie nicht als absolutes Eigentum zu behandel?
vorhat. Wir müssen gestehen, wir halten es nicht „der Mühe wert ı
oder selbst für möglich, die menschliche Maschinerie in Ordnunß
zu halten, das heißt sie einzusperren und einzuölen, bis man ihre
bedarf. Menschliche Maschinerie hat die Eigenschaft, während der
Untätigkeit zu verrosten, ihr mögt noch soviel daran ölen oder reibe*
Zudem ist menschliche Maschinerie, wie der Augenschein uns eb®
lehrt, imstande, von eigenen Stücken den Dampf anzulassen und %
platzen oder einen Veitstanz in unsern großen Städten zu tolle”
Es mag, wie Herr Potter sagt, längere Zeit zur Reproduktion r
Arbeiter erheischt sein, aber mit Maschinisten und Geld zur Harp
werden wir stets betriebsame, ausdauernde, fleißige Männer finde®
um daraus mehr Fabrikanten zu fabrizieren, als wir je verbrauch®
können. . . . Herr Potter plaudert von einer Wiederbelebung der In
dustrie in 1, 2, 3 Jahren und verlangt von uns, die Auswanderunß
der Arbeitskraft nicht zu ermuntern oder nicht zu erlauben! Er
Sagt, es sei natürlich, daß die Arbeiter auszuwandern wünsche®
aber er meint, daß die Nation diese halbe Million Arbeiter mit en
700 000 Angehörigen ihrem Verlangen zum Trotz in die Baum Ws
distrikte einsperren und, eine notwendige Konsequenz, ihr ME
1a In gewöhnlichen Zeiten behauptet der Kapitalist im Gegenteil, 0
Arbeiter brauchten keine demoralisierten und mißvergnügten Hungerl6%
zu sein, wenn sie weise genug wären, ihre Kopfzahl zu verringern, um
Preis der Arbeit zu steigern. (Note zur französischen Ausgabe.)

512
        <pb n="558" />
        anitt.

1zen

Ma terge-


tot,
ent-‚den

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und
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1er
aß

Sinundzwanzigstes Kapitel.

513

vergnügen durch Gewalt niederschlagen und sie selbst durch
Almosen erhalten muß, alles das auf die Möglichkeit hin, daß die
Saumwollfabrikanten ihrer an einem beliebigen Tag wieder bedürfen
Nögen. ... Die Zeit ist gekommen, wo die große öffentliche Mei-Jung
 dieser Eilande etwas tun muß, um „diese Arbeitskraft“ vor
lenen zu retten, die sie behandeln wollen, wie sie Kohle, Eisen und
3aumwolle behandeln (to save this „working power“ from those
"ho would deal with it as they deal wilh iron, coal and cotton).‘“2$
Der „Times“-Artikel war nur ein jeu d’esprit [geistreiches Wort-Seklingel].
 Die „große öffentliche Meinung“ war in der Tat der Meing
 des Herrn Potter, daß die Fabrikarbeiter bewegliches Zubehör
der Fabriken. Ihre Auswanderung wurde verhindert.!® Man sperrte
de in das „moralische Armenhaus“ der Baumwolldistrikte, und sie
den nach wie vor „die Stärke (the strength) der Baumwollfabri-‘anten
 von Lancashire“.
Der kapitalistische Produktionsprozeß reproduziert also durch
Seinen eigenen Vorgang die Scheidung zwischen Arbeitskraft und
Arbeitsbedingungen. Er reproduziert und verewigt damit die Ausbeutungsbedingungen
 des’ Arbeiters. Er zwingt beständig den Ar-%iter
 zum Verkauf seiner Arbeitskraft, um zu leben, und befähigt
deständig den Kapitalisten zu ihrem Kauf, um sich zu bereichern.!?
8 ist nicht mehr der Zufall, welcher Kapitalist und Arbeiter als
Käufer und Verkäufer einander auf dem Warenmarkt gegenüber
ellt. Es ist die Zwickmühle‘ des Prozesses selbst, die den einen
lets als Verkäufer seiner Arbeitskraft auf den Warenmarkt zurückhleudert
 und sein eigenes Produkt stets in das Kaufmittel des
‚dern verwandelt. In der Tat gehört der Arbeiter dem Kapital,
Svor er sich dem Kapitalisten verkauft. Seine ökonomische Hörigteite
 ist zugleich vermittelt und zugleich versteckt durch die

„Times“, 24. März 1863.
de ‘6 Das Parlament bewilligte keinen Pfennig für die Auswanderung, son-Lebe
 Nur Gesetze, welche die Gemeinden befähigten, die Arbeiter zwischen
No ©n und Sterben zu halten oder sie auszubeuten, ohne Zahlung von
Quer llöhnen, Als dagegen drei Jahre später die Rinderseuche ausbrach,
be: Chbrach das Parlament wild sogar die parlamentarische Etikette und
Lan lligte im Umsehen Millionen zur Schadloshaltung der Millionäre von
Sch dlords, deren Pächter sich ohnehin durch Steigerung der Fleischpreise
des dlos hielten. Das bestiale Gebrüll der Grundeigentümer bei Eröffnung
die Parlaments von 1866 bewies, daß man nicht Hindu zu sein braucht, um
a Sabala anzubeten, noch Jupiter, um sich in einen Ochsen zu vervor]
 “" „Der Arbeiter verlangte Lebensmittel, um leben, der Unternehmer
na Ste Arbeit, um Profit machen zu können. (Sismondi: „Nouveaux Prin-N
 d’Economie Politique“, vol. I, p. 91.) nn |
Schaft. Eine bäuerlich plumpe Form dieser Hörigkeit existiert in der Graflt
 Durham, Es ist dies eine der wenigen Grafschaften, worin die Ver-Agejer®
 dem Pächter nicht unbestrittenen Eigentumstitel auf die Ackerbau-Öhner
 sichern. Die Bergwerkindustrie erlaubt letzteren eine Wahl,
Das Kayital. I. 23
        <pb n="559" />
        Siebter Abschnitt
periodische Erneuerung seines Selbstverkaufs, d inel
individuell ) , den Wechsel seine
Arbeit en Lohnherren und die Schwankungen im Marktpreis de!

Der kapitalistische Produktionsprozeß, im Zusammenhang be
trachtet, oder als Reproduktionsprozeß, produziert also nicht nu!
Ware, nicht nur *Mehrwert, er produziert und reproduziert da®
Kapitalverhältnis selbst, auf der einen Seite den Kapitalisten, auf
der andern den Lohnarbeiter.2°

Zweiundzwanzigstes Kapitel.

Verwandlung von Mehrwert in Kapital.

1, Kapitalistischer Produktionsprozeß auf erweiterter Stufenleiter
Umschlag der Eigentumsgesetze der Warenproduktion in Geset”®
der kapitalistischen Aneignung.
Früher hatten wir zu betrachten, wie der Mehrwert aus de
Kapital, jetzt wie das Kapital aus dem Mehrwert entspringt. We»
der Mehrwert von seinem Eigentümer nicht für seine: persönliche

Der Pächter, im Gegensatz zur Regel, übernimmt hier daher nur Pacht je
Ländereien, worauf sich Cottages für die Arbeiter befinden. Der Mietpr%
der Cottage bildet Teil des Arbeitslohnes. Diese Cottages heißen „ind“
houses‘ [Knechishäuser]. Sie werden den Arbeitern unter gewissen F Sn
verpflichtungen vermietet, unter einem Vertrag, der „bondage“ (Hörigke
heißt und den Arbeiter.zum Beispiel bindet, für die Zeit, während der®
er anderswo beschäftigt ist, seine Tochter usw. zu stellen. Der Arbeit”
selbst heißt Bondsman, Höriger. Dies Verhältnis zeigt auch die individuell 8
Konsumtion des Arbeiters als Konsumtion für das Kapital oder produkt”
Konsumtion — von einer ganz neuen Seite: „Es ist merkwürdig zu A
Dbachten, wie selbst der Kot dieses Bondsman zu den Sporteln an sein
kalkulierenden Gebieter zählt. , .. Der Pächter erlaubt in der ganz
Nachbarschaft keinen Abtritt außer seinem eigenen und duldet in die
Beziehung keinen Abschlag von seinen Herrenrechten.“ („Publie Healt
7th Report 1864“, p. 188.) 4
19 Man erinnert sich, daß bei der Arbeit der Kinder usw. selbst
Formalität des Selbstverkaufes verschwindet. 4a
20 „Das Kapital setzt die Lohnarbeit, die Lohnarbeit setzt das Kap“
voraus. Sie bedingen sich wechselseitig, sie bringen sich wechselset
hervor, Ein Arbeiter in einer Baumwollfabrik, produziert er nur Ban
wollstoffe? Nein, er produziert Kapital. Er produziert Werte, die 1
neuem dazu dienen, seine Arbeit zu kommandieren, und vermittels dersel u
neue Werte zu schaffen.“ (Karl Marx: „Lohnarbeit und Kapital“ in „Nie
Rheinische Zeitung“, Nr, 266, 7. April 1849.) Die unter diesem Titel in def
„Neuen Rheinischen Zeitung“ veröffentlichten Artikel sind Bruchstücke eiß
Vorlesungen, die ich über jenes Thema 1847 im deutschen Arbeiterv% cn
zu Brüssel hielt und deren Druck durch die Februarrevolution unterbr0%
wurde. [Vgl. Karl Marx: „Lohnarbeit und Kapital.“ Neu herausgegebeP
K. Kautsky. Berlin 1907, S. 27, 28.1
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Zweiundzwanzigstes Kapitel,

515

Bedürfnisse verbraucht, sondern als Kapital angewandt wird, so
Wird ein neues Kapital gebildet und dem alten hinzugefügt, akkumuliert.
 Anwendung von Mehrwert als Kapital oder Rückverwandlung
von Mehrwert in Kapital heißt Akkumulation des Kapitals.?!
Betrachten wir diesen Vorgang zunächst vom Standpunkt des
Sinzelnen Kapitalisten. Ein Spinner zum Beispiel habe ein Kapital
“on 10000 Pfd. Sterl. vorgeschossen, wovon *, in Baumwolle,
Maschinen usw. ‘und 1, in Arbeitslohn. Er produziere jährlich
240.000 Pfund Garn zum Werte von 12000 Pfd. Sterl. Bei einer
Rate des Mehrwertes von 100 pZt. steckt der Mehrwert im Mehr-Produkt
 oder Nettoprodukt von 40000 Pfund Garn, 1. des Brutto-Produkts,
 des Gesamtprodukts. Dieses Mehrprodukt hat einen Wert
Yon 2000 Pfd. Sterl., den der Verkauf realisieren wird. Werden diese
2000 Pfd. Sterl. wieder als Kapital vorgeschossen, so wächst das ur-SPrüngliche
 Kapital von 10000 auf 12000 Pfd. Sterl., oder es hat
*kkumuliert.
„„. Eine Wertsumme von 2000 Pfd. Sterl. ist eine Wertsumme von
%00 Pfd. Sterl. Man riecht und sieht diesem Gelde nicht an, daß es
Mehrwert ist. Der Charakter eines Wertes als Mehrwert zeigt, wie er
% seinem Eigner kam, ändert aber nichts an der Natur des Wertes
‘der des Geldes,
Um die neu hinzugekommene Summe von 2000 Pfd. Sterl. in
der Spinnerei in Kapital zu verwandeln, hat der Spinner, alle andern
Umstände gleichbleibend, */, davon vorzuschießen im Ankauf von
yımwolle usw. und !/, im Ankauf neuer Spinnarbeiter, die auf dem
larkte die Lebensmittel finden werden, deren Wert er ihnen vor-Seschossen
 hat. Dann fungiert das neue Kapital von 2000 Pfd. Sterl.
der Spinnerei und bringt seinerseits einen Mehrwert von 400 Pfd.
‚ ein.
a Der Kapitalwert war ursprünglich vorgeschossen in Geldform;
ei Mehrwert dagegen existiert zunächst als Wert eines bestimmten
„Mes des Bruttoprodukts. Wird dieses verkauft, in Geld verwandelt,
4 Sewinnt der Kapitalwert seine ursprüngliche Form wieder, aber
" Mehrwert verwandelt seine ursprüngliche Daseinsweise. Von
em Augenblick an sind jedoch Kapitalwert und Mehrwert beides
aut Summen, und ihre Wiederverwandlung in Kapital vollzieht sich
ganz dieselbe Weise. Die eine wie die andere legt der Kapitalist
S Im Ankauf der Waren, die ihn instand setzen, die Verfertigung
yes Artikels von neuem zu beginnen, und zwar diesmal auf erug
 ter Stufenleiter. Um aber diese Waren zu kaufen, muß er sie
dem Markte vorfinden.
auf Seine eigenen Garne zirkulieren nur, weil er sein Jahresprodukt
den Markt bringt, wie das alle andern Kapitalisten mit ihren

Rev. * „Akkumulation von Kapital: Die Verwendung eines Teiles der
‚U nu als Kapital.“ (Malthus: „Definitions etc., ed. Cazenove“, p. 11.)
fc Yandlung von Revenue in Kapital.“ (Malihus: „Principles of Political
°nomy. 2nd ed. London 1836“, p. 319.)
        <pb n="561" />
        Siebter Abschnitt.
Waren ebenfalls tun. Aber ehe sie auf den Markt kamen, mußten
sie sich schon im jährlichen Produktionsfonds befinden, das heißt ID
der Gesamtmasse der Gegenstände aller Art, worin die Gesamtsumme
 der Einzelkapitale oder das gesellschaftliche Gesamtkapita!
im Laufe des Jahres sich verwandelt, und wovon jeder Einzel
kapitalist nur einen Teil in Händen hat. Die Vorgänge auf dem
Markt bewerkstelligen nur den Umsatz der einzelnen Bestandteile
ler Jahresproduktion, schicken sie von einer Hand in die ander®
aber sie können weder die Gesamt-Jahresproduktion vergrößern noch
die Natur der produzierten Gegenstände ändern. Welcher Gebrauch
also von dem jährlichen Gesamtprodukt gemacht werden kann, da®
hängt ab von seiner eigenen Zusammensetzung, keineswegs aber voß
der Zirkulation.
Zunächst muß die Jahresproduktion alle die Gegenstände (Ge
brauchswerte) liefern, aus denen die im Laufe des Jahres ver”
brauchten sachlichen Bestandteile des Kapitals zu ersetzen sind-Nach
 Abzug dieser bleibt das Netto- oder Mehrprodukt, worin der
Mehrwert steckt. Und woraus besteht dies Mehrprodukt? Zweifel
los sind darunter Dinge, bestimmt zur Befriedigung der Bedürfniss®
und Gelüste der Kapitalistenklasse, die also in ihren Konsumtion®
fonds eingehen. Wäre das jedoch alles, so würde der Mehrwert vollständig
 verjubelt, und es fände bloß einfache Reproduktion statt.
Um zu akkumulieren, muß man einen Teil des Mehrprodukt®
in Kapital verwandeln. Aber, ohne Wunder zu tun, kann mal
nur solche Dinge in Kapital verwandeln, die im Arbeitsprozeß
verwendbar sind, das heißt Produktionsmittel, und des fernere®
Dinge, von denen der Arbeiter sich erhalten kann, das heißt Lebens
mittel. Folglich muß ein Teil der jährlichen Mehrarbeit verwand!
worden sein zur Herstellung zusätzlicher Produktions- und Leben*
mittel, im Ueberschuß über das Quantum, das zum Ersatz des vor“
geschossenen Kapitals erforderlich war. Mit einem Wort: der Mehr"
wert ist nur deshalb in Kapital verwandelbar, weil das Mehrprodukk
dessen Wert er ist, bereits die sachlichen Bestandteile eines neueß
Kapitals enthält.?1a
Um nun diese Bestandteile tatsächlich als Kapital fungieren ZU
lassen, bedarf die Kapitalistenklasse eines Zuschusses von Arbeit
Soll nicht die Ausbeutung der schon beschäftigten Arbeiter extensl”
oder intensiv wachsen, so müssen zusätzliche Arbeitskräfte elP‘
gestellt werden. Dafür hat der Mechanismus der kapitalistischeP
Produktion ebenfalls schon gesorgt. indem er die Arbeiterklas®®

516

21a Es wird hier abgesehen vom internationalen Handel, der inländisch®
durch ausländische Warensorten ersetzt und durch den eine Nation. Luxuf
artikel in Produktions- oder Lebensmittel umsetzen kann und umgekehrt
Um den Gegenstand der Untersuchung in seiner Reinheit, frei von störenden
Nebenumständen aufzufassen, müssen wir hier die gesamte Handelsw®e)
als eine Nation ansehen und voraussetzen, daß die kapitalistische Produktio®
sich überall festgesetzt und sich aller Produktionszweige bemächtigt hat.
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Zweiundzwanzigstes Kapitel.

517

"eproduziert als vom Arbeitslohn abhängige Klasse, deren .gewöhnicher
 Lohn hinreicht, nicht nur ihre Erhaltung zu sichern, sondern
auch ihre Vermehrung. Diese ihm durch die Arbeiterklasse auf
’erschiedenen Altersstufen jährlich gelieferten, zuschüssigen Arbeitsträfte
 braucht das Kapital nur noch den in der Jahresproduktion
schon enthaltenen zuschüssigen Produktionsmitteln einzuverleiben,
ind die Verwandlung des Mehrwertes in Kapital ist fertig. Konkret
Jetrachtet, löst sich die Akkumulation auf in Reproduktion des
Kapitals auf fortschreitend sich ausdehnender Stufenleiter. Der
Sreislauf der einfachen Reproduktion dehnt sich aus und verwandelt
ch, nach Sismondis Ausdruck, in eine Spirale.
Kehren wir jetzt zu unserm Beispiel zurück. Es ist die alte
jeschichte: Abraham zeugte Isaak, Isaak zeugte Jakob usw. Das
Irsprüngliche Kapital von 10000 Pfd. Sterl. bringt einen Mehrwert
on 2000 Pfd. Sterl., der kapitalisiert wird. Das neue Kapital, das
ir Zuschußkapital I nennen, von 2000 Pfd. Sterl. bringt einen Mehr-Wert
 von 400 Pfd. Sterl., wenn seine Teilung in konstanten und
’ariablen Kapitalteil und die Rate des Mehrwertes dieselbe bleibt
vie beim ursprünglichen Kapital; dieser Mehrwert wiederum kapialisiert,
 also in ein zweites zusätzliches Kapital, Zuschußkapital II,
’erwandelt, bringt einen neuen Mehrwert von 80 Pfd. Sterl., usw.
Wir sehen hier ab von dem vom Kapitalisten verzehrten Teil
les Mehrwertes. Ebensowenig interessiert es uns für den Augendlick,
 ob die Zusatzkapitale zum ursprünglichen Kapital geschlagen
der von ihm zu selbständiger Verwertung getrennt werden; ob
derselbe Kapitalist sie ausnutzt, der sie akkumuliert hat, oder ob er
äe andern überträgt. Nur dürfen wir nicht vergessen, daß neben
den neugebildeten Kapitalen das ursprüngliche Kapital fortfährt sich
m reproduzieren und Mehrwert zu produzieren, und daß dasselbe
3lt von jedem akkumulierten Kapital in Beziehung auf das von ihm
zeugte Zusatzkapital.
Das ursprüngliche Kapital bildete sich durch den Vorschuß von
.0000 Pfd. Sterl. Woher hat sie ihr Besitzer? Durch seine eigene
Arbeit und die seiner Vorfahren! antworten uns einstimmig die
Wortführer der politischen Oekonomie?* und ihre Annahme scheint
N der Tat die einzige, die zu den Gesetzen der Warenproduktion
;timmt, wonach sich im Durchschnitt Aequivalente austauschen und
'eder nur mit Ware Ware kauft.
Ganz anders verhält es sich mit dem Zusatzkapital von 2000 Pfd.
Sterl. Seinen Entstehungsprozeß kennen wir ganz genau. Es ist
tapitalisierter Mehrwert. Vom Ursprung an enthält er nicht ein

2ıb Sismondis Analyse der Akkumulation hat den großen Fehler, daß
ar sich zu sehr mit der Phrase: „Verwandlung von Revenue in Kapital“
Degnügt, ohne die materiellen Bedingungen dieser Operation zu ergründen.
210 „Die ursprüngliche Arbeit, der sein Kapital seine Entstehung ver-Jankt,“
 (Sismondi: „Nouveaux Principes d’Economie Politique, 6d. Paris“,
7l. I, p. 109.)
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        Siebter Abschnitt.
einziges Wertteilchen, das nicht aus unbezahlter fremder Arbeit herstammt.
 Die Produktionsmittel, denen die zuschüssige Arbeitskraft
einverleibt wird, wie die Lebensmittel, von denen diese sich erhält,
sind nichts als die Bestandteile des Mehrprodukts, des der Arbeiterklasse
 jährlich durch die Kapitalistenklasse entrissenen Tributs-Wenn
 diese mit einem Teil des Tributs von jener zusätzliche Arbeits
kraft kauft, selbst zum vollen Preise, so daß Aequivalent sich aus
tauscht gegen Aequivalent — es bleibt immer das alte Verfahren
des Eroberers, der den Besiegten Waren abkauft mit ihrem eigene»
geraubten Geld.
Wenn das Zusatzkapital denselben Arbeiter beschäftigt, der €
produziert hat, so muß dieser nicht nur fortfahren, das ursprünglich®
Kapital zu verwerten, sondern auch die Ergebnisse seiner früherel
unbezahlten Arbeit von neuem mit mehr zusätzlicher Arbeit kaufen
als sie gekostet haben. Betrachtet man den Vorgang als Travs
aktion, als Geschäft zwischen der ganzen Kapitalistenklasse und
der ganzen Arbeiterklasse, dann ändert es nichts an der Sache
wenn mit der unbezahlten Arbeit der bisher beschäftigten Arbeiter
zuschüssige Arbeiter beschäftigt werden. Der Kapitalist kann auch
das Zusatzkapital dazu verwenden, eine Maschine zu kaufen, die de?
Produzenten des Zusatzkapitals aufs Pflaster wirft und durch ei
paar Kinder ersetzt. In allen Fällen hat die Arbeiterklasse durel
ihre diesjährige Mehrarbeit das Kapital geschaffen, das im nächste?
Jahre zuschüssige Arbeit beschäftigen wird.?? Das ist es, was ma?
nennt: Kapital durch Kapital erzeugen.
Die Voraussetzung der Akkumulation des ersten Zusatzkapital$
von 2000 Pfd. Sterl. war eine vom Kapitalisten vorgeschossene, ih®
kraft seiner „ursprünglichen Arbeit“ gehörige Wertsumme vol
10000 Pfd. Sterl. Die Voraussetzung des zweiten Zusatzkapitals voP
400 Pid. Sterl dagegen ist nichts anderes als die vorhergegangen“
Akkumulation des ersten, der 2000 Pfd. Sterl., dessen kapitalisierte”
Mehrwert es ist. Eigentum an vergangener unbezahlter Arbeit €!”
scheint jetzt als die einzige Bedingung für gegenwärtige Aneignung
lebendiger unbezahlter Arbeit in stets wachsendem Umfange. Je
mehr der Kapitalist akkumuliert hat, desto mehr kann er akkt
mulieren.
Insofern der Mehrwert, woraus Zusatzkapital Nr. I besteht, da
Resultat des Ankaufs der Arbeitskraft durch einen Teil des Original
kapitals war, eines Kaufes, der den Gesetzen des Warenaustausch®®
entsprach, und der, juristisch betrachtet, nichts voraussetzt als irei®
Verfügung auf seiten des Arbeiters über seine eigenen Fähigkeite®
auf seiten des Geld- oder Warenbesitzers über ihm gehörige wert®]
sofern Zusatzkapital Nr. II usw. bloß Resultat von Zusatzkapit

18

22 „Di ;
nendet @ Ce ka Kapital, bevor das Kapital die Arbeit 2"
wendet. eld: „England and America. London 1833“, vol Il
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I

Zweiundzwanzigstes Kapitel.

519

Nr, I, also Konsequenz jenes ersten Verhältnisses; sofern jede einzelne
 Transaktion fortwährend dem Gesetz des Warenaustausches
entspricht, der Kapitalist stets die Arbeitskraft kauft, der Arbeiter
sie stets verkauft, und wir wollen annehmen selbst zu ihrem wirklichen
 Wert, schlägt offenbar das auf Warenproduktion und Waren«
Zirkulation beruhende Gesetz der Aneignung oder Gesetz des Privateigentums
 durch seine eigene, innere, unvermeidliche Dialektik in
sein direktes Gegenteil um. Der Austausch von Aequivalenten, der
als die ursprüngliche Operation erschien, hat sich so gedreht, daß
dur zum Schein ausgetauscht wird, indem erstens der gegen Arbeitskraft
 ausgetauschte Kapitalteil selbst nur ein Teil des ohne Aequivalent
 angeeigneten fremden Arbeitsprodukts ist, und zweitens von
Seinem Produzenten, dem Arbeiter, nicht nur ersetzt, sondern mit
leuem Mehrprodukt ersetzt werden muß. Das Verhältnis des Aus-:ausches
 zwischen Kapitalist und Arbeiter wird also nur ein dem
Zirkulationsprozeß angehöriger Schein, bloße Form, die dem Inhalt
zelbst fremd ist und ihn nur mystifiziert. Der beständige Kauf und
Verkauf der Arbeitskraft ist die Form. Der Inhalt ist, daß der
Kapitalist einen Teil der bereits vergegenständlichten fremden Ardeit,
 die er sich unaufhörlich ohne Aequivalent aneignet, stets wieder
Segen größeres Quantum lebendiger fremder Arbeit umsetzt. Ur-$prünglich
 erschien uns das Eigentumsrecht gegründet auf eigene
Arbeit. Wenigstens mußte diese Annahme gelten, da sich nur gleichderechtigte
 Warenbesitzer gegenüberstehen, das Mittel zur Aneigdung
 fremder Ware aber nur die Veräußerung der eigenen Ware,
Md letztere nur durch Arbeit herstellbar ist. Eigentum erscheint
'etzt, auf Seite des Kapitalisten, als das Recht, fremde unbezahlte
Arbeit oder ihr Produkt, auf Seite des Arbeiters, als Unmöglichkeit,
Sch sein eigenes Produkt anzueignen. . Die Scheidung zwischen
Sigentum und Arbeit wird zur notwendigen Konsequenz eines Ge-Setzes,
 das scheinbar von ihrer Identität ausging.??
Die kapitalistische Methode der Bereicherung scheint also den
Asprünglichen Gesetzen der Warenproduktion direkt ins Gesicht
%U schlagen, trotzdem entspringt sie keineswegs aus der Verletzung,
 sondern im Gegenteil aus der Anwendung dieser Gesetze.
Um sich darüber klar zu werden, genügt es, einen Rückblick auf die
“ander folgenden Phasen der Bewegung zu werfen, die zur
Akkumulation des Kapitals führt:
_ Zuerst haben wir gesehen, daß die ursprüngliche Verwandlung
ner Wertsumme in Kapital sich durchaus gemäß den Gesetzen des

2% Das Eigentum des Kapitalisten an dem fremden Arbeitsprodukt „ist
renge Konsequenz des Gesetzes der Aneignung, dessen Fundamentalrinzip
 umgekehrt der ausschließliche Eigentumstitel jedes Arbeiters am
Produkt seiner eigenen Arbeit war“. (Cherbuliez: „Riche ou Pauvre. Paris
(8414, pP. 58, wo jedoch dieser dialektische Umschlag nicht richtig ent-Wickelt
 wird.)
        <pb n="565" />
        Siebter Abschnitt.
Austausches vollzog. Der eine der Austauschenden verkauft seine
Arbeitskraft, der andere kauft sie. Der erstere empfängt den Wert
seiner Ware, deren Gebrauchswert — die Arbeit — damit an den
zweiten veräußert ist. Dieser verwandelt nunmehr, ihm bereits
gehörende, Produktionsmittel mit Hilfe von ihm ebenfalls gehörender
Arbeit in ein neues Produkt, das ihm ebenfalls von Rechts wegen
gehört.
Der Wert dieses Produkts schließt ein: erstens den Wert der verbrauchten
 Produktionsmittel. Die nützliche Arbeit kann diese Produktionsmittel
 nicht verbrauchen, ohne ihren Wert auf das neue
Produkt zu übertragen; um aber verkäuflich zu sein, muß die
Arbeitskraft imstande sein, in dem Industriezweig, wo sie verwandt
werden soll, nützliche Arbeit zu liefern. |
Der Wert des neuen Produkts schließt ferner ein: das Aequl
valent des Wertes der Arbeitskraft und einen Mehrwert. Und zwar
deshalb, weil die für einen bestimmten Zeitraum, Tag, Woche usw»
verkaufte Arbeitskraft weniger Wert besitzt als ihr Gebrauch
während dieser Zeit schafit. Der Arbeiter aber hat den Tauschwert
seiner Arbeitskraft bezahlt erhalten und hat damit ihren Gebrauchswert
 veräußert — wie das bei jedem Kauf und Verkauf
der Fall.
Daß diese besondere Ware Arbeitskraft den eigentümliche?
Gebrauchswert hat, Arbeit zu liefern, also Wert zu schaffen, da®
ändert nicht das geringste an dem allgemeinen Gesetz der Warelproduktion.
 Wenn also die in Arbeitslohn vorgeschossene Wert
summe sich im Produkt nicht bloß einfach wieder vorfindet, sonder?
um einen Mehrwert vermehrt vorfindet, so rührt dies nicht her au?
einer Uebervorteilung des Verkäufers, der ja den Wert seine!
Ware erhalten, sondern nur aus dem Verbrauch dieser Ware durch
den Käufer. ,
Das Gesetz des Austausches bedingt Gleichheit nur für di®
Fauschwerte der gegeneinander weggegebenen Waren. Es bedingt
sogar von vornherein Verschiedenheit ihrer Gebrauchswerte und
hat absolut nichts zu schaffen mit ihrem Verbrauch, der erst nach
geschlossenem und vollzogenem Handel beginnt.
Die ursprüngliche Verwandlung des Geldes in Kapital vollziebt
sich also im genauesten Einklang mit den ökonomischen Gesetze?
der Warenproduktion und mit dem daraus sich ableitenden Eigel
tumsrecht. Trotzdem aber hat sie zum Ergebnis:
1. daß das Produkt dem Kapitalisten gehört und nicht de”
Arbeiter;
2. daß der Wert dieses Produkts, außer dem Wert des vor“
geschossenen Kapitals, einen Mehrwert einschließt, der dem Ar
beiter Arbeit, dem Kapitalisten aber nichts gekostet hat, und d®
dennoch das rechtmäßige Eigentum des Kapitalisten wird; ;o
3. daß der Arbeiter seine Arbeitskraft forterhalten hat und ®
aufs neue verkaufen kann, wenn er einen Käufer findet.

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Zweiundzwanzigstes Kapitel.

521

Die einfache Reproduktion ist nur die periodische Wiederholung
dieser ersten Operation; jedesmal wird, stets von neuem, Geld in
Kapital verwandelt. Das Gesetz wird also nicht gebrochen, im
Gegenteil, es erhält nur Gelegenheit, sich dauernd zu betätigen.
„Wenn mehrere Austauschakte aufeinanderfolgen, so wird damit
üur der letzte zum Repräsentanten des ersten.“?24
Und dennoch haben wir gesehen, daß die einfache Reproduktion
hinreicht, um den Charakter von Grund aus zu verändern, den diese
°rste Operation — die Verwandlung von Geld in Kapital — besaß,
Solange wir sie als vereinzelten Vorgang betrachteten. „Unter
denen, die sich in das nationale Einkommen teilen, erwerben
die einen (die Arbeiter) jedes Jahr ein neues Anrecht daran
durch neue Arbeit; die andern (die Kapitalisten) haben schon
Yorher ein dauerndes Anrecht daran erworben durch ursprüngliche
Arbeit.‘“24 Indes ist das Gebiet der Arbeit nicht das einzige, wo
lie Erstgeburt Wunder tut.
Es verschlägt auch nichts, wenn die einfache Reproduktion er-Setzt
 wird durch die Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter,
durch die Akkumulation. Bei jener vermöbelt der Kapitalist den
3esamten Mehrwert, bei dieser beweist er seine Bürgertugend durch
Yerzehrung nur eines Teiles und Verwandlung des Restes in Kapital.
Der Mehrwert ist sein Eigentum, er hat nie einem andern gehört.
Schießt er ihn zur Produktion vor, so macht er, ganz wie am Tage,
W0 er zuerst den Markt beschritt, Vorschüsse aus seinem eigenen
Besitz. Daß dieser Besitz diesmal aus der unbezahlten Arbeit seiner
Arbeiter stammt, tut absolut nichts zur Sache. Wird der Arbeiter B
beschäftigt mit dem Mehrwert, den Arbeiter A produziert hat, so hat
Srstens A diesen Mehrwert geliefert, ohne daß man ihm den geechten
 Preis seiner Ware um einen Heller verkürzt hat, und
‘Weitens geht dies Geschäft den B überhaupt nichts an. Das einzige,
Was B verlangt und das Recht hat zu verlangen, ist, daß der Kapitalist
Ihm den Wert seiner Arbeitskrafi zahle. „Beide gewannen noch: der
Arbeiter, weil man ihm die Früchte seiner Arbeit (soll heißen: der
bezahlten Arbeit anderer Arbeiter) vorschoß, bevor sie vollbracht
Var (soll heißen: bevor die seinige Früchte getragen hat); der
Meister, weil die Arbeit dieses Arbeiters mehr wert war als sein
Lohn (soll heißen: mehr Wert produzierte als den seines Lohnes).“ 24
Allerdings sieht die Sache ganz anders aus, wenn wir die
%apitalistische Produktion im ununterbrochenen Fluß ihrer Erneue-‘ung
 betrachten und statt des einzelnen Kapitalisten und des ein-%lnen
 Arbeiters die Gesamtheit, die Kapitalistenklasse‘ und ihr
Segenüber die Arbeiterklasse ins Auge fassen. Damit aber würden
Wir einen Maßstab anlegen, der der Warenproduktion ganz fremd ist.
0 In der Warenproduktion stehen sich nur, voneinander unab-Ngig,
 Verkäufer und Käufer gegenüber. Ihre gegenseitigen
— 2
2 Sismondi: „Nouveaux Prineipes d’Economie Politique“, vol. I, p. 70.
Ma Ebenda, S. 111. 2% Ebenda, S. 135.
        <pb n="567" />
        522
Beziehungen sind zu Ende mit dem Ablauf des zwischen ihnen
abgeschlossenen Vertrages. Wiederholt sich das Geschäft, dann
geschieht es infolge eines neuen Vertrages, der mit dem vorhergehenden
 nichts zu tun hat und bei dem nur ein Zufall denselben
Käufer mit demselben Verkäufer wieder zusammenbringt.
Soll also die Warenproduktion oder ein ihr angehöriger Vorgang
nach ihren eigenen ökonomischen Gesetzen beurteilt werden, S0
müssen wir jeden Austauschakt für sich betrachten, außerhalb alles
Zusammenhanges mit dem Austauschakt, der ihm vorherging, wie
mit dem, der ihm nachfolgt. Und da Käufe und Verkäufe nur
zwischen einzelnen Individuen abgeschlossen werden, so ist es um
zulässig, Beziehungen zwischen ganzen Gesellschaftsklassen darin zu
suchen.
Wie lang auch die Reihenfolge der periodischen Reproduktionen
und vorhergegangenen Akkumulationen, die das heute funktionierende
 Kapital durchgemacht hat, es bewahrt immer seine ursprüng‘
liche Jungfräulichkeit. Solange bei jedem Austauschakt — einzel?
genommen -— die Gesetze des Austausches eingehalten werden, kan?
die Aneignungsweise eine totale Umwälzung erfahren ohne das, de!
Warenproduktion gemäße, Eigentumsrecht irgendwie zu berühre»?
Dieses selbe Recht steht in Kraft, wie am Anfang, wo das Produk!
dem Produzenten gehört, und wo dieser, Aequivalent gegen Aequiv#
lent austauschend, sich nur durch eigene Arbeit bereichern kann, ®°
auch in der kapitalistischen Periode, wo der gesellschaftliche Reich
tum in stets steigendem Maße das Eigentum derer wird, die ??
der Lage sind, sich stets aufs neue die unbezahlte Arbeit andere!
anzueignen. .
Dies Resultat wird unvermeidlich, sobald die Arbeitskraft. durch
den Arbeiter selbst als Ware frei verkauft wird. Aber auch erst
von da an verallgemeinert sich die Warenproduktion und wird 8°
typische Produktionsform; erst von da an wird jedes Produkt vo?
vornherein für den Verkauf produziert und geht aller produziert®
Reichtum durch die Zirkulation hindurch. Erst da, wo die Lob
arbeit ihre Basis, zwingt die Warenproduktion sich der gesamte”
Gesellschaft auf; aber auch erst da entfaltet sie all ihre verborgene”
Kräfte. Sagen, daß die Dazwischenkunft der Lohnarbeit die Ware?”
produktion fälscht, heißt sagen, daß die Warenproduktion sich nicht
entwickeln darf, damit sie unverfälscht bleibe. Im selben Maß, WI®
sie nach ihren eigenen Gesetzen sich zur kapitalistischen Produktio®
fortbildet, in demselben Maße schlagen die Eigentumsgesetze der
Warenproduktion um in Gesetze der kapitalistischen Aneignung:
Man bewundere daher die Pfiffigkeit Proudhons, der das kapit&amp;amp;-listische
 Eigentum abschaffen will, indem er ihm gegenüber — 4!®
ewigen Eigentumsgesetze der Warenproduktion geltend macht!
Man sah, daß selbst. bei einfacher Reproduktion alles v9
geschossene Kapital, wie immer ursprünglich erworben, sich %
akkumuliertes Kapital oder kapitalisierten Mehrwert verwandel

Siebter Abschnitt.
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Zweiundzwanzigstes Kapitel.

523

Aber im Strom der Produktion wird überhaupt alles ursprünglich
/orgeschossene Kapital eine verschwindende Größe (magnitudo
vanescens im mathematischen Sinn) verglichen mit dem direkt
Akkumulierten Kapital, das heißt dem in Kapital rückverwandelten
Mehrwert oder Mehrprodukt, ob nun funktionierend in der Hand,
lie akkumuliert hat, oder in fremder Hand. Die politische Oekoaomie:
 stellt das Kapital daher überhaupt‘ dar als „akkumulierten
Reichtum“ (verwandeliten Mehrwert oder „Revenue), „der von neuem
zur Produktion von Mehrwert verwandt wird“,*® oder auch den
Kapitalisten als „Besitzer des Mehrprodukts“.? Dieselbe Anschauungsweise
 besitzt nur andere Form in dem Ausdruck, daß alles
vorhandene Kapital akkumulierter oder kapitalistischer Zins sei,
denn der Zins ist ein bloßes Bruchstück des Mehrwertes.*?

% Irrige Auffassung der Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter
seitens der politischen Oekonomie.
Bevor wir nun auf einige nähere Bestimmungen der Akkumution
 oder der Rückverwandlung von Mehrwert in Kapital eingehen,
ist eine von der klassischen Oekonomie ausgeheckte Zweideutigkeit
W beseitigen.
So wenig die Waren, die der Kapitalist ‚mit einem Teile des
Mehrwertes für seine eigene Konsumtion kauft, ihm als Produktionsmd
 Verwertungsmittel dienen, so wenig ist die Arbeit, die er zur
Befriedigung seiner natürlichen und sozialen Bedürfnisse kauft,
Produktive Arbeit. Statt durch den Kauf jener Waren und Arbeit
den Mehrwert in Kapital zu verwandeln, verzehrt oder verausgabt
r ihn umgekehrt als Revenue. Gegenüber der altadeligen Gesinnung,
lie, wie Hegel sagt, „im Verzehren des Vorhandenen besteht“ und
lamentlich auch im Luxus persönlicher Dienste sich breit macht,
War es für die bürgerliche Oekonomie entscheidend wichtig, die
Akkumulation des Kapitals als erste Bürgerpflicht zu verkünden

25 „Kapital, das ist akkumulierter Reichtum, angewandt mit der Absicht
uf Profit.“ (Malthus: „Principles of Political Economy“, p. 262.) „Kapital beeht
 aus Reichtum, der von der Revenue gespart und mit der Absicht auf Profit
"twendet wird.“ (R. Jones: „An Introduetory Lecture on Political Economy.
“Ondon 18388“, p. 16.) .
„28 „Die Besitzer von überschüssigem Produkt oder Kapital.“ („The
Source and Remedy of the National Diffieulties. A Letter to Lord John
Russell. London 1821.“)
f *7 „Das Kapital mit dem Zinseszins für jeden Teil des gesparten
Kapitals wächst so ungeheuerlich an, daß der gesamte Reichtum der Welt,
ler Einkommen abwirft, seit langem nichts anderes mehr ist, als ehemaliger
Xapitalzins.“ („London Economist“, 19. Juli 1859.) Der „Economist“ ist wirklich
© bescheiden. Den Spuren des Dr. Price folgend, könnte er durch genaue
Rechnungen beweisen, daß man noch andere Planeten zu unserm Erdball
zer afügen muß, will man dem Kapital alles zukommen lassen, was ihm
Sehührt.
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        Siebter Abschnitt.
und unermüdlich zu predigen: man kann nicht akkumulieren, wenn
man seine ganze Revenue aufißt, statt einen guten Teil davon zu verausgaben
 in Werbung zuschüssiger produktiver Arbeiter, die mehr
einbringen, als sie kosten. Anderseits hatle sie gegen das Volksvorurteil
 zu polemisieren, welches die kapitalistische Produktion
mit der Schatzbildung verwechselt? und daher wähnt, akkumulierter
Reichtum sei Reichtum, welcher der Zerstörung in seiner vorhandenen
 Naturalform, also dem Verbrauch entzogen oder auch vor der
Zirkulation gerettet werde. Verschluß des Geldes gegen die Zirkulation
 wäre gerade das Gegenteil seiner Verwertung als Kapital
und Warenakkumulation im schatzbildnerischen Sinn reine Narrheit.*
 Akkumulation von Waren in großen Massen ist Resultat
einer Zirkulationsstockung oder der Ueberproduktion.?® Allerdings
läuft in der Volksvorstellung einerseits das Bild der im Konsumtions-{onds
 der Reichen gehäuften, langsam sich verzehrenden Güter unter
anderseits die Vorratbildung, ein Phänomen, das allen Produktions
weisen angehört und wobei wir einen Augenblick in der Analyse des
Zirkulationsprozesses verweilen werden.
Soweit also ist die klassische Oekonomie im Recht, wenn sie
den Verzehr von Mehrprodukt durch produktive Arbeiter statt durch
unproduktive als charakteristisches Moment des Akkumulation
prozesses betont. Aber hier beginnt auch ihr Irrtum. A. Smith hat
es zur Mode gemacht, die Akkumulation bloß als Konsumtion des
Mehrprodukts durch produktive Arbeiter oder die Kapitalisierung
des Mehrwertes als dessen bloßen Umsatz in Arbeitskraft darzU“
stellen.
Hören wir zum Beispiel Ricardo: „Man muß verstehen, daß alle
Produkte eines Landes konsumiert werden; aber es macht den
größten Unterschied, den man denken kann, ob sie konsumiert
werden durch solche, die einen andern Wert reproduzieren, ode!
durch solche, die ihn nicht reproduzieren. Wenn wir sagen, daß
Revenue erspart und zum Kapital geschlagen wird, so meinen Wil
daß der Teil der Revenue, von dem es heißt, er sei zum Kapital 8“
schlagen, durch produktive statt durch unproduktive Arbeiter ver“

524

28 „Kein Nationalökonom unserer Tage kann unter Sparen bloßes Auf
schatzen verstehen. Sieht man aber von diesem beschränkten und unzuläpg‘
lichen Verfahren ab, so kann der Ausdruck im Hinblick auf den national®®
Reichtum nur in einem Sinne angewendet werden, und dieser bezieht si
auf die verschiedene Verwendung des Ersparten, indem zwischen den v°
schiedenen Arten Arbeit unterschieden wird, die davon erhalten werde»
(Malthus: „Principles of Political Economy“, p. 38, 39.) ‚ob
28a So ist bei Balzac, der alle Schattierungen des Geizes so gründlic
studiert hatte, der alte Wucherer Gobseck schon verkindischt, als er anfängt ’
sich einen Schatz aus aufgehäuften Waren zu bilden. x
29 „Akkumulierung von Kapital . .. Stocken des Austausches ..- een
produktion.“ (Th. Corbet: „An Inquiry into the Causes and Modes of
Wealth of Individuals, London 1841“, p. 14.)
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:‚weiundzwanzigstes Kapitel.

525

ehrt wird. Es gibt keinen größeren Irrtum, als zu unterstellen, daß
Zapital durch Nichtkonsum vermehrt wird.“ %
Es gibt keinen größeren Irrtum als den dem A. Smith von
dücardo und allen späteren nachgeplauderten, daß „der Teil der
kevenue, von dem es heißt, er sei zum Kapital geschlagen, von proluktiven
 Arbeitern verzehrt wird“. Nach dieser Vorstellung würde
ler Mehrwert, der in Kapital verwandelt wird, zu variablem
Kapital. Er teilt sich vielmehr, wie der ursprünglich vorgeschossene
Wert, in konstantes Kapital und variables Kapital, in Produktions-Wittel
 und Arbeitskraft. Arbeitskraft ist die Form, worin das variable
Xapital innerhalb des Produktionsprozesses existiert. In diesem
Tozeß wird sie selbst vom Kapitalisten verzehrt. Sie verzehrt durch
hre Funktion — die Arbeit — Produktionsmittel. Zugleich ver-Vandelt
 sich das im Ankauf der Arbeitskraft gezahlte Geld in
£bensmittel, die nicht von der „produktiven Arbeit“, sondern vom
Produktiven Arbeiter“ verzehrt werden. A. Smith gelangt durch
‘ne grundverkehrte Analyse zu dem abgeschmackten Resultat, daß,
venn auch jedes individuelle Kapital sich in konstanten und
'arlablen Bestandteil teilt, das gesellschaftliche Kapital sich nur
N variables Kapital auflöst oder nur in Zahlung von Arbeitslohn
'erausgabt wird. Zum Beispiel ein Tuchfabrikant verwandle
000 Pfd. Sterl. in Kapital. Er legt einen Teil des Geldes in Ankauf von
Nebern aus, den andern Teil in Wollengarn, Wollenmaschinerie usw.
Aber die Leute, von denen er das Garn und die Maschinerie kauft,
ahlen wieder mit einem Teil davon Arbeit usw., bis die ganzen
00 Pfd. Sterl. in Zahlung von Arbeitslohn verausgabt sind, oder
las ganze durch die 2000 Pfd. Sterl. repräsentierte Produkt durch
YModuktive Arbeiter verzehrt ist. Man sieht: die ganze Wucht dieses
Argumenis liegt in dem Wort „und so weiter“, das uns von Pontius
% Pilatus schickt. In der Tat, A. Smith bricht die Untersuchung
3rade da ab, wo ihre Schwierigkeit beginnt.
‚. Solange man nur die Summe der Jahresproduktion ins Auge
U ist der Prozeß der jährlichen Reproduktion leicht verständlich.
ber alle Bestandteile der Jahresproduktion müssen auf den Warenyarkt
 gebracht werden, und da beginnt die Schwierigkeit. Die
‚Swegungen der Einzelkapitale und persönlichen Revenuen kreuzen,
Stmengen, verlieren sich in einem allgemeinen Stellenwechsel —

% Ri ; inciples of Political Economy. 8rd ed. London 1821“,
\ 163 N aarsrcn6 der Volkswirtschaft“, übersetzt von
). Ed. Baumstark. Leipzig 1877, S. 128, Note]
4 Trotz seiner „Logik“ kommt Herr J. St. Mill nirgendwo auch nur
lcher fehlerhaften Analyse seiner Vorgänger auf die Sprünge, welche
‘elbst innerhalb des bürgerlichen Horizonts, vom reinen Fachstandpunkt aus,
ach Berichtigung schreit. Ueberall registriert er mit schülermäßigem
Ypmatismus die Gedankenwirren seiner Meister. Auch hier: „Das Kapital
(Slbat Jöst sich schließlich vollständig in Löhne auf, und wenn es durch den
Verkauf der Produkte ersetzt wird, verwandelt es sich wieder in Löhne.“
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        526

Siebter Abschnitt

der Zirkulation des gesellschaftlichen Reichtums —, der den Blick
verwirrt und der Untersuchung sehr verwickelte Aufgaben zu löse”
gibt. Im dritten Abschnitt des zweiten Buches werde ich die Analys“
des wirklichen Zusammenhanges geben. Es wird sich dort zeige»:
daß A. Smiths auf alle seine Nachfolger vererbtes Dogma die pol
tische Oekonomie verhindert hat, auch nur den Elementarmechanis
mus des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses zu begreifen.
Es ist das große Verdienst der Physiokraten, in ihrem „Tableat
6conomique‘“ zum erstenmal den Versuch gemacht zu haben, ei
Bild der Jahresproduktion zu geben in der Gestalt, in welcher si®
aus der Zirkulation hervorgeht.®? ,
Es versteht sich übrigens von selbst, daß die politische Oekonomi®
nicht verfehlt hat, im Interesse der Kapitalistenklasse A. Smiths Sat
auszubeuten: daß der ganze in Kapital verwandelte Teil des Nett
produkts von der Arbeiterklasse verzehrt wird.

3. Teilung des Mehrwertes in Kapital und Revenue.
Die Abstinenztheorie,
Im vorigen Kapitel betrachteten wir den Mehrwert, respektiv“
das Mehrprodukt, nur als individuellen Konsumtionsfonds des Kap”
talisten, in diesem Kapitel bisher nur als einen Akkumulation“
fonds. Er ist aber weder nur das eine noch das andere, sonder”
beides zugleich. Ein Teil des Mehrwertes wird vom Kapitaliste?
als Revenue verzehrt,® ein anderer Teil als Kapital angewandt ode!
akkumuliert. .
Die Masse des Mehrwertes gegeben, hängt die Größe de}
Akkumulation offenbar ab von der Teilung des Mehrwertes m

32 A, Smith hat in der Darstellung des Reproduktionsprozesses, dahe
auch der Akkumulation, nach mancher Seite hin nicht nur keine Fortschrifl®
sondern entschiedene Rückschritte gemacht im Vergleich zu seinen vo f
gängern, namentlich den Physiokraten. Mit seiner im Text erwähnt!”
Mlusion hängt die ebenfalls von ihm der politischen Oekonomie vererbi
wahrhaft fabelhafte Lehre zusammen, daß der Preis der Waren aus Arbei rl
lohn, Profit (Zins) und Grundrente, also bloß aus Arbeitslohn und MebhrWe,
zusammengesetzt ist. Von dieser Basis ausgehend, gesteht wenigst® g
Storch naiv: „Es ist unmöglich, den notwendigen Preis in seine einfachst®
Elemente aufzulösen.“ (Storch: „Cours d’Economie Politiqgue. Ed. De
bourg 1815“, vol. I, p. 140 n.) Eine schöne ökonomische Wissenschaft, +0
es für unmöglich erklärt, den Preis der Waren in seine einfachsten Blemeh
aufzulösen! Das Nähere hierüber wird man erörtert finden im dritten uch
schnitte des zweiten und siebten Abschnitte des dritten Buches. [Vgl. %
„Theorien über den Mehrwert“, Bd. I, S. 164 ff.] chf
38 Der Leser wird bemerken, daß das Wort Revenue doppelt gobTän a0
wird, 1. um den Mehrwert als periodisch aus dem Kapital entspring®
Frucht, 2. um den Teil dieser Frucht zu bezeichnen, der vom Kap
listen periodisch verzehrt oder zu seinem Konsumtionsfonds geschlagen Wer
Ich behalte diesen Doppelsinn bei, weil er mit dem Sprachgebrauch
englischen und französischen Oekonomen harmoniert.
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‘weiundzwanzigstes Kapitel.

527

Akkumulationsfonds und Konsumtionsfonds, in Kapital und Revenue,
le größer der eine Teil, desto kleiner der andere. Die Masse des
Mehrwertes oder des Mehrprodukts, daher des verfügbaren Reichums
 eines Landes, die in Kapital verwandelt werden kann, ist
laher stets größer als der wirklich in Kapital verwandelte Teil des
Mehrwertes. Je entwickelter die kapitalistische Produktion in einem
Lande, je rascher. und massenhafter die Akkumulation, je reicher
las Land, je kolossaler daher Luxus und Verschwendung, desto
3rößer diese Differenz zwischen der Gesamtmasse des Mehrwertes
ind jenem Teil davon, der in Kapital verwandelt wird.
Vom jährlichen Zuwachs des Reichtums abgesehen, besitzt der
M Konsumtionsfonds der Kapitalisten befindliche, nur allmählich
lrstörbare Reichtum zum Teil Naturalformen, worin er unmittelbar
äls Kapital funktionieren könnte. Zu den vorhandenen Elementen
log Reichtums, die im Produktionsprozeß funktionieren könnten,
'ählen alle Arbeitskräfte, die gar nicht oder zu rein konventionell
dersönlichen, oft infamen Dienstleistungen verbraucht werden.
Das Verhältnis, worin der Mehrwert in Kapital und Revenue
;eteilt wird, wechselt unaufhörlich und ist durch Umstände belerrscht,
 die hier nicht weiter zu entwickeln sind. Das in einem
ande angewandte Kapital ist daher keine fixe, sondern eine
Vechselnde Größe, ein stets variabler und elastischer Bruchteil des
"rhandenen Reichtums, der als Kapital funktionieren kann.
Auf jeden Fall ist derjenige, der die Teilung des Mehrwertes
X Kapital und Revenue vornimmt, der Kapitalist. Sie ist also sein
Villensakt. Von dem Teil des von ihm erhobenen Tributs, den er
"kumuliert, sagt mah, er spare ihn, weil er ihn nicht aufißt, das
St weil er seine Funktion als Kapitalist ausübt, nämlich die
Unktion, sich zu bereichern.
„.. Nur soweit der Kapitalist menschgewordenes Kapital ist, hat er
en historischen Wert und jenes historische Existenzrecht, das, wie
Ü geistreiche Lichnowsky sagt, keinen Datum nicht hat. Nur soweit
nt seine eigene vorübergehende Notwendigkeit in der vorüber-‚henden
 Notwendigkeit der kapitalistischen Produktionsweise. Aber
„ei sind auch nicht Gebrauchswert und Genuß, sondern Tauschjet
 und dessen Vermehrung sein treibendes Motiv. Als Fanatiker
ar Verwertung des Wertes zwingt er rücksichtslos die Menschheit
in Produktion um der Produktion willen, daher zu einer Entwickx
 8 der gesellschaftlichen Produktivkräfte und zur Schöpfung von
ns riellen Produktionsbedingungen, welche allein die reale Basis
dien höheren Gesellschaftsform bilden können, deren Grundprinzip
Mens olle und freie Entwicklung jedes Individuums ist. Nur als
le erdung des Kapitals ist der Kapitalist respektabel. Als
ieh teilt er mit dem Schatzbildner den absoluten Bereicherungsbeim
 Was aber bei diesem als individueller Wahn erscheint, ist
Kapitalisten Wirkung des gesellschaftlichen Mechanismus,
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        328

Siebter Abschnitt

worin er nur ein Triebrad ist. Die Entwicklung der kapita
listischen Produktion macht eine fortwährende Steigerung des ir
einem industriellen Unternehmen angelegten Kapitals zur Nof
wendigkeit, und die Konkurrenz herrscht jedem individuellen Kapita
listen die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktionsweist
als äußere Zwangsgesetze auf. Sie erlaubt ihm nicht, daß er seil
Kapital erhält, ohne es fortwährend auszudehnen, und ausdehne*
kann er es nur durch fortgesetzte Akkumulation.
Soweit daher sein Tun und Lassen nur Funktion des in ihm
mit Willen und Bewußtsein begabten Kapitals, gilt ihm sein eigene}
Privatkonsum als ein Raub an der Akkumulation seines Kapitals
wie in der italienischen Buchhaltung Privatausgaben auf der Debet
seite des Kapitalisten gegen das Kapital figurieren. Die Akkumul?
tion ist Eroberung der Welt des gesellschaftlichen Reichtums. Sit
dehnt mit der Masse des ausgebeuteten Menschenmaterials zugleich
die direkte und indirekte Herrschaft des Kapitalisten aus.?4

54 In der altmodischen, wenn auch stets erneuten, Form des Kapit#
listen, im Wucherer, veranschaulicht Luther sehr gut die Herrschsucht a*
Element des Bereicherungstriebes. „Die Heiden haben können aus der Ver
aunfft rechnen, dass ein Wucherer, sey ein vierfaltiger Dieb und Mörder
Wir Christen aber halten sie in solchen ehren, das wir sie schier anbete
umb ihres Geldes willen. ... Wer einem andern seine Narung aussauge
raubet und stilet, der thut eben so grossen Mord (so viel an jm ligt) als del
einen Hungers sterbet und zu Grunde verterbet. Solches thut aber €
Wucherer, und sitzet die weil auf seinem Stuel sicher, so er billicher .hang*
solt am Galgen, und von soviel Raben gefressen werden, als er gülden ge
stolen hatte, wo anders so viel fleisches an im were, das so viel Raben sic
drein stücken und teilen kündten. Dieweil hanget man die kleinen Dieb®
- ++ Kleine Diebe ligen in Stöcken gefangen, große Diebe gehn in gold und
seiden prangen. ... Also ist auch kein grösser Menschenfeind auff Erd®
(nach dem Teuffel) denn ein Geitshals und Wucherer, denn er will üb“
alle menschen Gott sein. Türcken, Krieger, Tyrannen sind auch böse Mer
schen, doch müssen sie lassen die Leute leben und bekennen, dass sie BÖSE
und Feinde sind. Und können, ja müssen wol zu weilen sich über etlich‘
erbarmen. Aber ein Wucherer und Geitswanst, der wilt das alle Welt *
müsste in Hunger und Durst, Trauer und Not verderben, so viel an jm “
auff das ers alles allein möcht haben, und jedermann von im, als
einem Gott empfahen und ewiglich sein Leibeigener sein. . .. Schaub®®
güldne Kette, Ringe tragen, das maul wischen, sich für einen theuren, fron
men Mann lassen ansehen und rhümen. .., Wucher ist ein gros und un
geheur monstrum, wie ein Beerwolff, der alles wüstet, mehr den in
Cacus, Gerion oder Antäus, Und schmückt sich doch und wil fromm FE
das man nicht sehen sol, wo die Ochsen, die er rücklings in sein Loch nn
hinkommen. Aber Hercules sol der Ochsen und der Gefangenen Gescht
hören und den Cacum suchen auch in Klippen und Felsen, die Ochsen W! er
lösen, von dem Bösewicht. Denn Cacus heißt ein Bösewicht, der ein roman
Wucherer ist, stilet, raubet, frisst alles. Und wils doch nicht getan habe
und sol ja niemand finden, weil die Ochsen rücklings in sein Loch go20bn
schein und fusstapffen geben, als seien sie herausgelassen. Also wil
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        schnitt.

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Zweiundzwanzigstes Kapitel.

529

_ ‚Aber die Erbsünde wirkt überall. Mit der Entwicklung der
tapitalistischen Produktionsweise, der Akkumulation, und des Reichums
 hört der Kapitalist auf, bloße Menschwerdung des Kapitals zu
ein. Er fühlt ein „menschliches Rühren“ für seinen eigenen Adam
ind wird so gebildet, die Schwärmerei für Kasteiung als Vorurteil
les altmodischen Schatzbildners zu belächeln. Während der klassihe
 Kapitalist den individuellen Konsum als Sünde gegen seine
“unktion und „Enthaltung‘“ von der Akkumulation brandmarkt, ist
ler modernisierte Kapitalist imstande, die Akkumulation als „Entagung‘“
 seines Genußtriebes aufzufassen. „Zwei Seelen wohnen,
ch! in seiner Brust, die eine will sich von der andern trennen!“
In den historischen Anfängen der kapitalistischen Produktions-Weise
 — und jeder kapitalistische Emporkömmling macht dies
Ustorische Stadium individuell durch — herrschen Bereicherungs-Tieb
 und Geiz als absolute Leidenschaften vor. Aber der Fort-“hritt
 der kapitalistischen Produktion schafft nicht nur eine Welt
/on Genüssen. Er öffnet mit der Spekulation und dem Kreditwesen
äusend Quellen plötzlicher Bereicherung. Auf einer gewissen Ent-Vicklungshöhe
 wird ein konventioneller Grad von Verschwendung,
lie zugleich Schaustellung des Reichtums und daher Kreditmittel
St, sogar zu einer Geschäftsnotwendigkeit des „unglücklichen“
apitalisten. Der Luxus geht in die Repräsentationskosten des
Kapitals ein. Ohnehin bereichert sich der Kapitalist nicht, gleich
lem Schatzbildner, im Verhältnis seiner persönlichen Arbeit und
Clnes persönlichen Nichtkonsums, sondern im Maß, worin er fremde
\beitskraft aussaugt und dem Arbeiter Entsagung aller Lebensnüsse
 aufzwingt. Obgleich daher die Verschwendung des Kapitaqen
 nie den offenherzigen Charakter der Verschwendung des
‚allen Feudalherrn besitzt, in ihrem Hintergrunde vielmehr stets
vhmutzigster Geiz und ängstlichste Berechnung lauern, wächst denoch
 seine Verschwendung mit seiner Akkumulation, ohne daß die
“We die andere zu beabbruchen braucht. Damit entwickelt sich
Seichzeitig in der Hochbrust des Kapitalindividuums ein faustischer
“Onflikt zwischen Akkumulations- und Genußtrieb.
D „Die Industrie von Manchester“, heißt es in einer Schrift, die
N Aikin 1795 veröffentlichte, „kann in vier Perioden geteilt werden.
Let ersten waren die Fabrikanten gezwungen, hart für ihren
In ©Nsunterhalt zu arbeiten.“ Sie bereicherten sich ‚besonders
in Bestehlung der Eltern, die ihnen Jungen als Apprentices (Lehr-LE
 zuwiesen und dafür schwer blechen ‚mußten, während die
Ange rden. erseits waren die Durcha
 69 ausgehungert wu
ie quörer auch die Welt effen, als nütze er und gebe der welt ochsen, so er
Nörden zu sich allein reisst und frisst. ... Und so man die Straßenräuber,
chen und Befehder, redert und ‚köpffet, wie viel mehr solt man alle
her redern und edern ... verjagen, verfluchen und köpffen.“ (Martin
540.4) „An die Pfarrherrn, wider den Wucher zu predigen. Wittenberg
Das Kanital 1
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        330

Siebter Abschnitt.

schnittsprofite niedrig und die Akkumulation verlangte große Sparsamkeit.
 Sie lebten wie Schatzbildner und verzehrten bei weitem
nicht einmal die Zinsen ihres Kapitals. „In der zweiten Periode
hatten sie begonnen, kleine Vermögen zu erwerben, arbeiteten aber
ebenso hart wie zuvor“, denn die unmittelbare Ausbeutung der
Arbeit kostet Arbeit, wie jeder Sklaventreiber weiß, „und lebten
nach wie vor in demselben frugalen Stil. . .. In der dritten Periode
begann der Luxus, und das Geschäft wurde ausgedehnt durch Aus
sendung von Reitern (berittenen Handlungsreisenden) für Aufträg®
in jeder Marktstadt des Königreichs. Es ist wahrscheinlich, daß
wenige oder keine Kapitale von 3000 bis 4000 Pfd. Sterl., in de!
Industrie erworben, vor 1690 existierten. Um diese Zeit jedoch
oder etwas später hatten die Industriellen schon Geld akkumulier!
und begannen, steinerne Häuser statt der von Holz und Mörtel auf
zuführen. ... Noch in den ersten Dezennien des 18. Jahrhundert
setzte sich ein Manchester Fabrikant, der eine Kanne fremden Wein?
seinen Gästen vorsetzte, den Glossen und dem Kopfschütteln alle”
seiner Nachbarn aus.“ Vor dem Aufkommen der Maschinerie betruß
der abendliche Konsum der Fabrikanten in den Kneipen, wo 5%
zusammenkamen, nie mehr als 6 Pence für ein Glas Punsch und
1 Penny für eine Rolle Tabak. Erst 1758, und dies macht Epoch®
sah man „eine am Geschäft wirklich beteiligte Person mit eigene?
Equipage“! „Die vierte Periode“, das letzte Dritteil des 18. Jab"
hunderts, „ist die von großem Luxus und Verschwendung, unte”
stützt durch die Ausdehnung des Geschäfts.“® Was würde der gu®
Dr. Aikin sagen, wenn er heutzutage in Manchester auferstände! |
Akkumuliert, Akkumuliert! Das ist Moses und die Prophete?
„Sparsamkeit und nicht Arbeitsamkeit (industry) ist die unmittelbar
Ursache der Akkumulation von Kapital. Die Arbeit liefert allerding®
das Material, welches die Sparsamkeit akkumuliert.“* Also sparb
spart, das heißt rückverwandelt möglichst großen Teil des Mehl,
wertes oder Mehrprodukts in Kapital! Akkumulation um den
Akkumulation, Produktion um der Produktion willen, in dies“
Formel sprach die klassische Oekonomie den historischen Beruf de
Bourgeoisperiode aus. Sie täuschte sich keinen Augenblick über R
Geburtswehen des Reichtums,?* aber was nützt der Jammer üb®
historische Notwendigkeit?

85 Dr. Aikin: „Description of the Country from 30 to 40 miles round
Manchester, London 1795“, p. 182 sag. ter”
36 4. Smith: „Wealth of Nations“, b. II, ch. IIL [Vgl U
suchung über das Wesen und die Ursachen des Volkswohlstandes.‘
dem Englischen übertragen von F. Stöpel, Buch II, Kap. 3.] auf
*7 Selbst J. B. Say sagt: „Die Ersparungen der Reichen gescheh6® 195
Kosten der Armen.“ „Der römische Proletarier lebte fast ganz auf Kong
der Gesellschaft. ,., Man könnte fast sagen, daß die moderne Gesells® der
auf Kosten der Proletarier lebt, von dem Teil, den sie ihnen vom Ertrag
Arbeit entzieht.“ (Sismondi: „Etudes ete.“, vol. I, p. 24.)
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        „hnitt.

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531
Wenn der klassischen Oekonomie der Proletarier nur als Maschine
 zur Produktion von Mehrwert, gilt ihr aber auch der Kapitalist
vo als Maschine zur Verwandlung dieses Mehrwertes in Mehrapital.

Sie nimmt seine historische Funktion in bitterem Ernst. Um
seinen Busen vor dem unheilvollen Konflikt zwischen Genußtrieb
Id Bereicherungstrieb zu feien, verteidigte Malthus, im Anfang der
wanziger Jahre dieses Jahrhunderts, eine Teilung der Arbeit, welche
dem wirklich in der Produktion begriffenen Kapitalisten das Ge-Schäft
 der Akkumulation, den andern Teilnehmern am Mehrwert,
der Landaristokratie, Staats-, Kirchenpfründnern usw., das Geschäft
der Verschwendung zuweist. Es ist von der höchsten Wichtigkeit,
;agt er, „die Leidenschaft für Ausgabe und die Leidenschaft für
Akkumulation (the passion for expenditure and the passion for
acumulation) getrennt zu halten“.* Die Herren Kapitalisten, seit
lange in Lebe- und Weltmänner verwandelt, schrien auf. Was, rief
ner ihrer Wortführer, ein Ricardianer, Herr Malthus predigt hohe
Grundrenten, hohe Steuern usw., um dem Industriellen einen fort-Währenden
 Stachel durch unproduktive Konsumenten aufzudrücken!
Allerdings Produktion, Produktion auf stets erweiterter Stufenleiter,
lautet die Losung, aber „Produktion wird durch einen solchen
Prozeß weit mehr gehemmt als gefördert. Auch ist es nicht ganz
illig (nor is it quite fair), eine Anzahl Personen so im Müßiggang
Sn erhalten, nur um andere zu kneipen, aus deren Charakter man
neießen darf („who are likely, from their characters“), daß, wenn
en Sie zu funktionieren zwingen könnt, sie mit Erfolg funktionieren“.
6 Wnbillig er es findet, den industriellen Kapitalisten zur Akkumulau
 zu stacheln, indem man ihm das Fett von der Suppe wegschöpft,
w Notwendig dünkt ihm, den Arbeiter möglichst auf den Minimalkn
 zu beschränken, „um ihn arbeitsam zu erhalten“. Auch verae
 mlicht er keinen Augenblick, daß Aneignung unbezahlter Arbeit
nn Geheimnis der Plusmacherei [der Gewinnung von Mehrwert] ist.
STmehrte Nachfrage von seiten der Arbeiter bedeutet durchaus
ts als ihre Geneigtheit, weniger von ihrem eigenen Produkt für
* h selbst zu nehmen und einen größeren Teil davon ihren Annn
 dern zu überlassen; und wenn man sagt, daß dies, durch Verip
 derung der Konsumtion (auf seiten der Arbeiter) Glut (Marktdan
 sullung, Veberproduktion) erzeugt, so kann ich nur antworten,
Glut gleichbedeutend mit hohem Profit ist.“ *
för Der gelehrte Zank, wie die dem Arbeiter ausgepumpte Beute
an für die Akkumulation zu verteilen sei zwischen induem
 Kapitalist und müßigem Grundeigentümer usw., verstummte

Lweiundzwanzigstes Kapitel.

DZ

; ti “, p. 319, 820.
: inci f Political Economy , D- A a
n Eee a principles respecting the Nature of Deman
“ »
Me nn 7.
% Ebenda, S. 50.
        <pb n="577" />
        532

Siebter Abschnitt

vor der Julirevolution (1830). Kurz nachher läutete das städtische
Proletariat die Sturmglocke zu Lyon und ließ das Landproletariat den
roten Hahn in England fliegen. Diesseits des Kanals grassierte del
Owenismus, jenseits St. Simonismus und Fourierismus. Die Stunde
der Vulgärökonomie hatte geschlagen. Gerade ein Jahr, bevor
Nassau W. Senior zu Manchester entdeckte, daß der Profit (inklusive
Zins) des Kapitals das Produkt der unbezahlten „letzten zwölften
Arbeitsstunde‘“ ist, hatte er der Welt eine andere Entdeckung al
gekündigt. „Ich“, sagte er feierlich, „ich ersetze das Wort Kapital
als Produktionsinstrument betrachtet, durch das Wort Abstinen?
(Enthaltung).“4 Ein unübertroffenes Muster dies von den „Ent
deckungen“ der Vulgärökonomie! Sie ersetzt eine ökonomische
Kategorie durch eine sykophantische Phrase. Das ist alles.
„Wenn der Wilde‘, doziert Senior, „Bogen fabriziert, so übt €
eine Industrie aus, aber er praktiziert nicht die Abstinenz.“ Dies
erklärt uns, wie und warum in früheren Gesellschaftszustände?
„ohne die Abstinenz“ des Kapitalisten Arbeitsmittel fabriziert wur“
den. „Je mehr die Gesellschaft fortschreitet, um so mehr Abstinen?
erfordert sie‘“,*? nämlich von denen, welche die Industrie ausübeh
sich die fremde Industrie und ihr Produkt anzueignen. Alle B®
dingungen des Arbeitsprozesses verwandeln sich von nun in ebens
viele Abstinenzpraktiken des Kapitalisten. Daß Korn nicht of
gegessen, sondern auch gesät wird, Abstinenz des Kapitalisten! Dal
der Wein die Zeit erhält. auszugären. Abstinenz des Kapitalisten!

«1 Senior: „Prineipes fondamentaux de Il’Economie Politique. ; rad
Arrivabene, Paris 1836“, p. 308, Dies war den Anhängern der alten klas®
schen Schule doch etwas zu toll. „Herr Senior schiebt dem Ausdruck Arbe
und Kapital den Ausdruck Arbeit und Abstinenz unter. ,.. Abstinenz #
eine bloße Negation. Es ist nicht die Abstinenz, sondern der Gebrauch de
produktiv verwandten Kapitals, welcher die Quelle des Profits bildet.“ (Joh
Cazenove in seiner Ausgabe von Malthus’ „Definitions in Political EconoM%
London 1853“, S. 130, Note.) Herr John St. Mill wiederholt dagegen 7
der einen Seite Ricardos Profittheorie und eignet sich auf der ande?
Seniors „Entiohnung für Abstinenz“ an. So fremd ihm der Hegelsch”
„Widerspruch“, die Springquelle aller Dialektik, so heimisch ist er in platt?
Widersprüchen.
Zusatz zur 2. Ausgabe. Der Vulgärökonom hat nie die einfache ueber”
legung angestellt, daß jede menschliche Handlung als „Enthaltung“ Fi
ihrem Gegenteil aufgefaßt werden kann. Essen ist Enthaltung von Paste
Gehen Enthaltung von Stehen, Arbeiten Enthaltung von Faulenzen, FaulenZ,
Enhaltung von Arbeiten usw. Die Herren täten wohl, einmal nachzuden*“ 1
über Spinozas: Determinatio est negatio [Bestimmen besteht im Vernein®®
*2 Senior: Ebenda, S. 342. ib}
43 ‚Niemand ... wird zum Beispiel seinen Weizen aussäen und en
12 Monate lang in der Erde oder seinen Wein jahrelang im Keller Wera
lassen, stait diese Dinge selbst oder ihr Aequivalent sogleich zu verzeht
— — Wenn er nicht erwartet, vermehrten Wert dadurch zu erwerben un
(Scrope: „Political Economy. Ed. A. Potter. New York 1841“, p. 138. 18%)
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Zweiundzwanzigstes Kapitel.

533
Der Kapitalist beraubt seinen eigenen Adam, wenn er die „Produkionsinstrumente
 dem Arbeiter leiht“ (!), mit andern Worten, sie
lurch Einverleibung der Arbeitskraft als Kapital verwertet, statt
Dampfmaschinen, Baumwolle, Eisenbahnen, Dünger, Zugpferde usw.
wfzuessen oder, wie der Vulgärökonom sich das kindlich vorstellt,
Jhren Wert“ in Luxus und andern Konsumtionsmitteln zu ver-Yrassen.**
 Wie die Kapitalistenklasse das anstellen soll, ist ein von
ler Vulgärökonomie bisher hartnäckig bewahrtes Geheimnis. Genug,
lie Welt lebt nur noch von der Selbstkasteiung des Kapitalisten,
lieses modernen Büßers des [indischen Gottes] Wischnu. Nicht nur
lie Akkumulation, die einfache „Erhaltung eines Kapitals erheischt
'eständige Kraftanstrengung, um der Versuchung zu widerstehen, es
Afzuessen“.4® Die einfache Humanität gebeut also offenbar, den
Kapitalisten von Martyrtum und Versuchung zu erlösen, in derselben
Weise, wie der georgische Sklavenhalter jüngst durch Abschaffung
ler Sklaverei von der schmerzlichen Qual der Wahl erlöst ward, ob
las dem Negersklaven ausgepeitschte Mehrprodukt ganz in Chamagner
 zu verjubeln oder auch teilweise in mehr Neger und mehr
and rückzuverwandeln.
In den verschiedensten ökonomischen Gesellschaftsformationen
Ändet nicht nur einfache Reproduktion statt, sondern, obgleich auf
Verschiedenem Maßstab, Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter.
Es wird fortschreitend mehr produziert und mehr konsumiert, also
Auch mehr Produkt in Produktionsmittel verwandelt. Dieser Prozeß
scheint aber nicht als Akkumulation von Kapital und daher auch
peht als Funktion des Kapitalisten, solange dem Arbeiter seine
Toduktionsmittel, daher auch sein Produkt und seine Lebensmittel,
loch nicht in der Form von Kapital gegenüberstehen.‘ Der vor
Ünigen Jahren [1855] verstorbene Richard Jones, Nachfolger von

*4 „Die Entbehrung, die sich der Kapitalist auferlegt, indem er seine
 roduktionsmittel dem Arbeiter leiht (diese beschönigende Redensart wird
braucht, um nach probater vulgärökonomischer Manier den vom indu-$riellen
 Kapitalisten ausgebeuteten Lohnarbeiter dem industriellen Kapitalisten
 selbst gleichzustellen, welcher vom Geld verleihenden Kapitalisten
Pumpt1), statt ihren Wert dem eigenen Konsum zuzuführen, indem er sie
x Gebrauchs- oder Luxusgegenstände verwandelt.“ (@. de Molinari: „Etudes
““Ohomiques. Paris 1846“, p. 49.) . .
„5 Courcelle Seneuil: „Traite th6orique et pratique des entreprises
"düstrielles. 28me 6d. Paris 1857“, p. 57. I
p % ‚Die besonderen Arten des Einkommens, die am reichlichsten zum
Qu schritt des nationalen Kapitals beitragen, wechseln in den verschiedenen
Stadien ihres Fortschritts und sind daher in Nationen, die verschiedene
“fen in diesem Fortschritt einnehmen, vollständig verschieden. , ., Profit
1. ; auf den früheren Stufen der Gesellschaft eine im Verhältnis zu Lohn
vd Rente unwichtige Quelle der Akkumulation. ... Sobald die Kräfte der
wonalen Arbeit einigermaßen angewachsen sind, steigt die vergleichs-158
 Wichtigkeit des Profits als einer Quelle der Akkumulation.“ (Richard
"68; „Textbook ete.“, p. 16, 21.)
        <pb n="579" />
        334

Siebter Abschnitl

Malthus auf dem Lehrstuhl der politischen Oekonomie am ostindischeP
College zu Haileybury, erörtert dies gut an zwei großen Tatsache»
Da der zahlreichste Teil des indischen Volkes selbstwirtschaftend®
Bauern, existiert ihr Produkt, ihre Arbeits- und Lebensmittel, auch
nie „in der Form („in the shape“) eines Fonds, der aus fremder
Revenue erspart wird („saved from Revenue“) und daher eine)
vorhergehenden Prozeß der Akkumulation („a previous process of
accumulation‘“) durchlaufen hat“. Anderseits werden die nicht
agrikolen Arbeiter in den Provinzen, wo die englische Herrschaft
das alte System am wenigsten aufgelöst hat, direkt von den GroßeB
beschäftigt, denen ein Teil des ländlichen Mehrprodukts als Tribut
oder Grundrente zufließt. Ein Teil dieses Produkts wird in Natura}
form von den Großen verzehrt, ein anderer Teil für sie von d®
Arbeitern in Luxus- und sonstige Konsumtionsmittel verwandelt
während der Rest den Lohn der Arbeiter bildet, die Eigentüme
ihrer Arbeitsinstrumente sind. Produktion und Reproduktion auf
erweiterter Stufenleiter gehen hier ihren Gang ohne alle Dazwische”
kunft jenes wunderlichen Heiligen, jenes Ritters von der traurig“
Gestalt, des „entsagenden“ Kapitalisten.

4, Umstände, welche unabhängig von der proportionellen Te
des Mehrwertes in Kapital und Revenue den Umfang der Akkt
mulation bestimmen: Ausbeutungsgrad der Arbeitskrait. 7
Produktivkrait der Arbeit, — Wachsende Differenz zwisch®”
angewandtem und konsumiertem Kapital. — Größe des vor
geschossenen Kapitals.
Wir betrachteten bisher die Größe des Mehrwertes als gegeben
Größe. In diesem Falle bestimmt seine Teilung in Revenue We,
Zuschußkapital den Umfang der Akkumulation. Aber letzt0?
wechselt unabhängig von jener Teilung mit dem Wechsel in ”
Größe des Mehrwertes selbst. Angenommen, 80 pZt. würde
kapitalisiert und 20 pZt. aufgegessen, so wird das akkumulie”,
Kapital 2400 Pfd. Sterl. oder 1200 Pfd. Sterl. betragen, je nachd?”
der Gesamt-Mehrwert sich auf 3000 oder auf 1500 Pfd. Sterl %%
laufen hat. Demnach wirken bei Bestimmung der Größe I
Akkumulation alle die Umstände mit, die die Masse des Mehrwer
bestimmen. Diese Umstände sind in den Kapiteln über die prod ed
tion des Mehrwertes ausführlich entwickelt worden. Wir Koh
hier nur so weit zu ihnen zurück, als sie mit Bezug auf die Akkum
tion neue Gesichtspunkte bieten. - x
Man erinnert sich, daß die Rate des Mehrwertes in erster Inste
abhängt vom Ausbeutungsgrad der Arbeitskraft, Die politi®n,
Oekonomie würdigt diese Rolle so sehr, daß sie gelegentlich die

4 Ebenda, S. 36 ff. — [In der Vorrede zur 4, Auflage bemerkt Eng%
daß dies Zitat aus Jones weder an der angeführten Stelle noch sonstwo *
zufinden war.]
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lweiundzwanzigstes Kapitel,

5
53

‘hleunigung der Akkumulation durch erhöhte Produktivkraift der
Arbeit gleichsetzt ihrer Beschleunigung durch erhöhte Ausbeutung
les Arbeiters.4® In den Abschnitten über die Produktion des Mehr-Vertes
 ward beständig unterstellt, daß der Arbeitslohn wenigstens
Neich dem Werte der Arbeitskraft ist. Die gewaltsame Herab-'etzung
 des Arbeitslohnes unter diesen Wert spielt jedoch in der
)raktischen Bewegung eine zu wichtige Rolle, um uns nicht einen
Augenblick dabei aufzuhalten. Sie verwandelt faktisch, innerhalb
jewisser Grenzen, den notwendigen Konsumtionsfonds des Arbeiters
X einen Akkumulationsfonds von Kapital.
_ „Arbeitslöhne“, sagt J. St. Mill, „haben keine Produktivkraft;
äe sind der Preis einer Produktivkraft; Arbeitslöhne tragen nicht,
leben der Arbeit selbst, zur Warenproduktion bei, sowenig wie der
Preis der Maschinerie selbst. Könnte Arbeit ohne Kauf gehabt
Verden, so wären Arbeitslöhne überflüssig.“#® Wenn aber die
Arbeiter von der Luft leben könnten, so wären sie auch um keinen
Preis zu kaufen. Ihr Nichtkosten ist also eine Grenze im mathemachen
 Sinn, stets unerreichbar, obgleich stets annäherbar. Es ist
lie beständige Tendenz des Kapitals, sie auf diesen nihilistischen
“andpunkt herabzudrücken.
_ Ein oft von mir zitierter Schriftsteller des 18. Jahrhunderts, der
Verfasser des „Essay on Trade and Commerce“, verrät nur das
Merste Seelengeheimnis des englischen Kapitals, wenn er es für
lie historische Lebensaufgabe Englands erklärt, den englischen Ar-'Sitslohn
 auf das französische und holländische Niveau herabzu-Tücken.
 Er sagt unter anderm naiv: „Wenn aber unsere Armen
Kunstausdruck für Arbeiter) luxuriös leben wollen ... muß ihre
% „Ricardo sagt: „In verschiedenen Stadien der Gesellschaft ist die
\kkumulation des Kapitals oder der Mittel Arbeit anzuwenden (das heißt,
n auszubeuten) mehr oder weniger rasch und muß in allen Fällen von
©n Produktivkräften der Arbeit abhängen. Die Produktivkräfte der Arbeit
‚nd im allgemeinen am größten dort, wo Ueberfluß von fruchtbarem Boden
Sistiert,“ Bedeuten in diesem Satz die Produktivkräfte der Arbeit die
einheit jenes Teiles jedes Produkts, der denen zufällt, deren Handarbeit
„Produziert, so ist der Satz tautologisch, weil der übrigbleibende Teil der
ads ist, woraus, wenn es seinem Eigner beliebt („if the owner pleases“),
‚ital akkumuliert werden kann. Aber dies ist meistens nicht dort der
= Wo das Land am fruchtbarsten ist.“ („Observations on certain verbal
SPütes ete.“, p. 74, 75.)
kn * J, St. Mill: „Essays on some unsettled Questions of Political Economy.
don 1844“, p. 90.
ba 5 „An Essay on Trade and Commerce. London 1770“, p. 44. Aehnlich
x °hte die „Times“ vom Dezember 1866 und Januar 1867 Herzenswi
 Bungen englischer Minenbesitzer, worin der glückliche Zustand der
dep ten Minenarbeiter geschildert ward, die nicht mehr verlangten und
% jener erhielten, als gerade nötig, um für ihre „masters (Unternehmer)
do nn Die belgischen Arbeiter dulden viel, aber als Musterarbeiter in
ng Ti zu figurieren! Anfang Februar 1867 antwortete der mit Pulver
ei unterdrückte Streik der belgischen Minenarbeiter (bei Marchienne).
        <pb n="581" />
        536

Siebter Abschnitt

Arbeit natürlich teurer sein. ... Man betrachte nur die haar
sträubende Masse von Ueberflüssigkeiten („heap of superfluities‘)
die unsere Manufakturarbeiter verzehren, als da sind Branntweiß
Gin [Wacholderschnaps], Tee, Zucker, fremde Früchte, starke
Bier, gedruckte Leinwand, Schnupf- und Rauchtabak usw.“
Er zitiert die Schrift eines Fabrikanten von Northamptonshire®
der mit himmelwärts schielendem Blick jammert: „Arbeit ist eil
ganzes Dritteil wohlfeiler in Frankreich als in England: denn die
Französischen Armen arbeiten hart und leben dürftig an Nahrunf
und Kleidung, und ihr Hauptkonsum sind Brot, Früchte, Kräuter
Wurzeln und getrockneter Fisch; denn sie essen sehr selten Fleisch
und wenn der Weizen teuer ist, sehr wenig Brot.“ ®* „Wozu“, gähr
der Essayist fort, „wozu noch kommt, daß ihr Getränk aus Wass“
besteht oder ähnlichen schwachen Flüssigkeiten, so daß sie 2
der Tat erstaunlich wenig Geld ausgeben. . .. Ein derartiger Zu
stand der Dinge ist sicherlich schwer herbeizuführen, aber er is
nicht unerreichbar, wie seine Existenz sowohl in Frankreich al
Holland schlagend beweist.“ ®
Heute [1873] sind wir erheblich weiter, dank der internationale
Konkurrenz, der durch die Entwicklung der kapitalistischen Pre
duktionsweise die Arbeiter des ganzen Erdballs unterworfen wur
den. Heute handelt es sich nicht mehr darum, die englisch®
Löhne auf das Niveau der Löhne des europäischen Festland®
herabzudrücken, sondern darum, das europäische Niveau in ein
näheren oder ferneren Zukunft auf das chinesische Niveau heral”
steigen zu lassen. Dies die Perspektive, die Herr Stapleton, Mit
glied des englischen Parlaments, vor seinen Wählern in eind
Rede über den Preis der Arbeit in der Zukunft entwickel®
„Wenn China“, sagte er, „ein großes Industrieland wird, seh
ich nicht ein, wie die industrielle Bevölkerung Europas del
Kampf aushalten könnte, ohne auf das Niveau ihrer Konkurrent?
herabzusteigen.“ („Times“, 3. September 1873.) )
Zwei Jahrzehnte nach dem oben zitierten Essay von 1770 ver
folgte ein amerikanischer Humbug, der baronisierte Yankee Ben
jamin Thomson (alias Graf Rumford), dieselbe menschenfreu?
liche Richtung mit großem Wohlgefallen vor Gott und den Mensch“
Seine „Essays“ sind ein Kochbuch mit Rezepten aller Ark, r
Surrogate an die Stelle der teuren Normalspeisen des Arbeit”,
zu setzen. Ein besonders gelungenes Rezept dieses wunderlicht
„Philosophen“ ist folgendes: „5 Pfund Gerste, 5 Pfund Mais. f

51 Ebenda, S. 44, 46. ran
52 Der Fabrikant von Northamptonshire begeht einen im Herzensdrt 4
entschuldbaren frommen Betrug. Er vergleicht angeblich das Leb®3 „40
lischer und französischer Manufakturarbeiter, schildert aber, wie er m
in seiner Verdadderung selbst gesteht, mit den eben zitierten Worten
zösische Agrikulturarbeiter!
53 Fhenda, S. 70. 71.
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‘weiundzwanzigstes Kapitel.

587

} Pence Heringe, 1 Penny Salz, 1 Penny Essig, 2 Pence Pfeffer
nd Kräuter — Summa von 20%, Pence gibt eine Suppe für
4 Menschen, ja mit den Durchschnittspreisen von Korn können die
{osten auf !/, Pence pro Kopf (noch nicht 3 Pfennig) herabgedrückt
Verden.‘“%* Mit dem Fortschritt der kapitalistischen Produktion hat
lie Warenfälschung Thomsons Ideale überflüssig gemacht.”
Ende des 18. und während der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrunderts
 erzwangen die englischen Pächter und Landlords den ab-Oluten
 Minimallohn, indem sie den Ackerbautagelöhnern weniger
Us das Minimum in der Form des Arbeitslohnes, den Rest aber in
ler Form von Pfarreiunterstützung auszahlten. In jener schönen
'eit besaßen. die englischen Krautjunker noch das Recht, „gesetzche“
 Lohntarife für die Entlohnung der Landarbeit festzusetzen.
In Beispiel der Possenreißerei, womit sie dabei verfuhren: „Als die
uires [die Landjunker] die Arbeitslöhne für Speenhamland 1795
stsetzten, hatten sie zu Mittag gespeist, dachten aber offenbar, daß
le Arbeiter nicht desgleichen nötig hätten. . . . Sie entschieden,
ler Wochenlohn solle 3 Shilling pro Mann sein, wenn der Laib Brot
n 8 Pfund 11 Unzen auf 1 Shilling stünde, und er solle regelmäßig
Yachsen, bis der Laib 1 Shilling 5 Pence koste. Sobald er über
lesen Preis stiege, sollte der Lohn proportionell abnehmen, bis
ler Preis des Laibes 2 Shilling erreicht hätte; und dann sollte die
ahrung des Mannes !/, weniger als vorher sein.“ ®

5* Benjamin Thomson: „Essays, political, economical and philosophial
 ete, 8 volumes. London 1796—1802“, vol I, p. 288. In seinem „The State
t Ihe Poor, or an History of the Labouring Classes in England etc.“ empfiehlt
 F, M. Eden die Rumfordsche Bettelsuppe bestens den Vorstehern von
Vorkhouses und mahnt die englischen Arbeiter vorwurfsvoll, daß „es bei
©0 Schotten viele Familien gibt, die, statt von Weizen, Roggen und Fleisch,
natelang von Hafergrütze und Gerstenmehl, nur mit Salz und Wasser
mischt, leben und das obendrein noch sehr behaglich“ („and that very
Omfortably too“). (a. a. O., Book II, ch. 2, p. 503.) Aehnliche „Finger-Sige“
 jm 19. Jahrhundert. „Die englischen Ackerbauarbeiter“, heißt
© Zum Beispiel, „wollen keine Mischungen niederer Kornarten essen. In
hottland, wo die Erziehung besser ist, ist dies Vorurteil wahrscheinlich
Aekannt.“ (Charles H. Parry, M. D.: „The Question of the Necessity of
X Sxisting Cornlaws considered. London 1816“, p. 69.) Derselbe Parry
ae jedoch, daß der englische Arbeiter jetzt (1815) sehr heruntergekommen
* Verglichen mit Edens Zeit (1797).
% Aus den Berichten der letzten parlamentarischen Untersuchungs-Mission
 über Fälschung von Lebensmitteln sieht man, daß selbst die
Chung der Arzneistoffe in England nicht Ausnahme, sondern Regel bildet,
ie Beispiel die Untersuchung von 34 Proben von Opium, gekauft in ebenso-Mohr
 eSchiedenen Londoner Apotheken, ergab, daß 31 verfälscht waren mit
tej Nkapsel, Weizenmehl, Gummischleim. Ton, Sand usw. Viele enthielten
" Atom Morphin.
def % @. B. Newnham (barrister at law): „A Review of the Evidence
one the Committees of the two Houses of Parliament on the Cornlaws.
don 1815“, p. 28 n.
        <pb n="583" />
        588

Siebter Abschnitt.

Vor dem Untersuchungskomitee des Hauses der Lords, 1814
wird ein gewisser A. Bennett, großer Pächter, Friedensrichter.
Armenhausverwalter und Lohnregulator, gefragt: „Wird irgendein
Verhältnis zwischen dem Wert der Tagesarbeit und der Pfarrei
unterstützung der Arbeiter eingehalten?“ Antwort: „da. Das
wöchentliche Einkommen jeder Familie wird über ihren Nominal-John
 hinaus ergänzt bis zum Gallonlaib Brot (8 Pfund 11 Unzen) und
3 Pence pro Kopf. ... Wir erachten den Gallonlaib für hinreichend
zur Erhaltung jeder Person in der Familie während der Woche:
und die 3 Pence sind für Kleider; und wenn es der Pfarrei beliebh
die Kleider selbst zu stellen; werden die 3 Pence abgezogen. Diese
Praxis herrscht nicht nur im ganzen Westen von Wiltshire, sonderb
wie ich glaube, im ganzen Land.“ %7 „So“, ruft ein Bourgeoisschrift
steller jener Zeit, „haben die Pächter jahrelang eine achtbar®
Klasse ihrer Landsleute degradiert, indem sie dieselben zwange»®
zum Workhouse ihre Zuflucht zu nehmen. ... Der Pächter hat sein®
eigenen Gewinne vermehrt, indem er selbst die Akkumulation de®
uanentbehrlichsten Konsumfonds auf seiten der Arbeiter ver
hinderte. 5
Welche Rolle heutzutage der direkte Raub am notwendige
Konsumtionsfönds des Arbeiters in der Bildung des Mehrwertes und
daher des Akkumulationsfonds des Kapitals spielt, hat beispielswei®
die sogenannte Hausarbeit (siehe dreizehntes Kapitel, Nr. 8 d) g*
zeigt. Weitere Tatsachen im Verlaufe dieses Abschnittes.
Obschon in allen Industriezweigen der aus Arbeitsmittel
(Maschinen, Werkzeugen, Apparaten, Transportmitteln, Baulich
keiten usw.) bestehende Teil des konstanten Kapitals genügen muß
für eine gewisse, durch die Größe der Anlage bestimmte Anzahl AT
beiter, so braucht er doch keineswegs immer in demselben Verhältm®
zu wachsen, wie die beschäftigte Arbeitsmenge. In einer Fabrikanlag®
mögen 100 Arbeiter bei achtstündiger Arbeit 800 Arbeitsstund®
liefern. Will der Kapitalist diese Summe um die Hälfte steiger*
so kann er 50 neue Arbeiter anstellen; dann muß er aber auch ei
neues Kapital vorschießen, nicht nur für Löhne, sondern auch jr
Arbeitsmittel. Er kann aber auch die alten 100 Arbeiter 12 Stund®
arbeiten lassen, statt 8, und dann genügen die schon vorhanden“
Arbeitsmittel, die sich dann bloß rascher verschleißen. So kan
durch höhere Anspannung der Arbeitskraft erzeugte zusätzlich“
Arbeit das Mehrprodukt und den Mehrwert, die Substanz der Ak}

57 Ebenda, S. 19, 20. }
5 Ch. H. Parry: „The Question of the Necessity of the existing Con
laws considered. London 1816“, p. 77, 69. Die Herren Landlords ihrers®
hielten sich nicht nur schadlos für den Antijakobinerkrieg, den sie u
Namen Englands führten, sondern bereicherten sich enorm. „Ihre Rent
verdoppelten, verdreifachten, vervierfachten und, in Ausnahmefällen, ve
sechsfachten sich in 18 Jahren.“ (Ebenda, S. 100, 101.)
        <pb n="584" />
        schnitt.

„1814,
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‚rseiß®
i8 im
ante
ver‘

‘weiundzwanzigstes Kapitel.

539

Yulation, steigern ohne vorherige und verhältnismäßige Steigerung
les konstanten Kapitalteiles.
In der extraktiven [auf Gewinnung von Rohstoffen gerichteten]
ndustrie, den Bergwerken zum Beispiel, bilden die Rohstoffe keinen
jestandteil des Kapitalvorschusses. Der Arbeitsgegenstand ist hier
ücht Produkt vorhergegangener Arbeit, sondern von der Natur
atis geschenkt. So Metallerz, Steinkohlen, Steine usw. Hier beteht
 das konstante Kapital fast ausschließlich in Arbeitsmitteln, die
in vermehrtes Arbeitsquantum sehr gut vertragen können (Tag- und
Nachtschicht von Arbeitern zum Beispiel). Alle andern Umstände
leichgesetzt, wird aber Masse und Wert des Produkts steigen in
lirektem Verhältnis der angewandten Arbeit. Wie am ersten Tage
ler Produktion gehen hier die ursprünglichen Produktbildner, daher
ch die Bildner der stofflichen Elemente des Kapitals, Mensch und
Yatur, zusammen. Dank der Elastizität der Arbeitskraft, hat sich
las Gebiet der Akkumulation erweitert ohne vorherige Vergrößeung
 des konstanten Kapitals.
In der Agrikultur spielen zwar Samen und Dünger dieselbe
Rolle, wie das Rohmaterial in der Industrie, und man kann nicht
lchr Land besäen, ohne vorher mehr Samen zu haben. Aber dies
Rohmaterial und die Arbeitsmittel gegeben, ist bekannt, welche
"undertätige Wirkung selbst die rein mechanische Bearbeitung des
lodens auf die Massenhaftigkeit des Produkts ausübt. Eine größere
\rbeitsmenge, geleistet von der bisherigen Anzahl Arbeiter, steigert
© die Fruchtbarkeit, ohne neuen Vorschuß an Arbeitsmitteln zu erdern.
 Es ist auch hier wieder direkte Wirkung des Menschen auf
lo Natur, welche zur unmittelbaren Quelle gesteigerter Akkumu-%tion
 wird ohne Dazwischenkunft eines neuen Kapitals.
Endlich in der eigentlichen Industrie setzt jede zusätzliche Ausabe
 an Arbeit eine entsprechende Zusatzausgabe an Rohstoffen
"raus, aber nicht notwendig auch an Arbeitsmitteln. Und da die
traktive Industrie und Agrikultur der fabrizierenden Industrie
NS eigenen Rohstoffe und die ihrer Arbeitsmittel liefern, kommt
ROT auch der Produktenzuschuß zugute, den jene ohne zusätzlichen
ADitalzuschuß erzeugt haben.
si Daraus ergibt sich als allgemeines Resultat: Indem das Kapital
" die beiden Urbildner des Reichtums, Arbeitskraft und Erde,
Re Tleibt, erwirbt es eine Spannkraft, die ihm erlaubt, die
auente seiner Akkumulation auszudehnen jenseits der scheinbar
yon seine eigene Größe gesteckten Grenzen, gesteckt durch den
ae und die Masse der bereits produzierten Produktionsmittel, in
ven es sein Dasein hat.
ist Ein anderer wichtiger Faktor in der Akkumulation des Kapitals
der Produktivitätsgrad der gesellschaftlichen Arbeit.
in ‚Mit der Produktivkraft der Arbeit wächst die Produktenmasse,
ren Sich ein bestimmter Wert, also auch Mehrwert von gegebener
© darstellt. Je mehr die Produktivkraft der Arbeit zunimmt.
        <pb n="585" />
        340

Siebter Abschnitt.

um so mehr Mittel des Genießens und Akkumulierens umfaßi
der Mehrwert. Bei gleichbleibender und selbst bei fallender Rate
des Mehrwertes, sofern sie nur langsamer fällt, als die Produktivkraft
 der Arbeit steigt, wächst die Masse des Mehrprodukts. Bei
gleichbleibender Teilung desselben in Revenue und Zusatzkapital
kann daher die Konsumtion des Kapitalisten wachsen ohne Abnahme
des Akkumulationsfonds. Die proportionelle Größe des Akkumtlationsfonds
 kann selbst auf Kosten des Konsumtionsfonds wachsen
während die Verwohlfeilerung der Waren dem Kapitalisten ebens?
viele oder mehr Genußmittel als vorher zur Verfügung stellt. Aber
mit der wachsenden Produktivität der Arbeit geht, wie man gesehen,
die Verwohlfeilerung des Arbeiters, also wachsende Rate des Mehrwertes,
 Hand in Hand, selbst wenn der reelle Arbeitslohn steigt. Er
steigt nie verhältnismäßig mit der Produktivität der Arbeit. Der
selbe variable Kapitalwert setzt also mehr Arbeitskraft und daher
mehr Arbeit in Bewegung. Derselbe konstante Kapitalwert stellt
sich in mehr Produktionsmitteln, das heißt mehr Arbeitsmittel
Arbeitsmaterial und Hilfsstoffen dar, liefert also mehr Produkt
vildner als Wertbildner, oder Arbeitseinsauger. Bei gleichbleiber
dem und selbst abnehmendem Wert des Zusatzkapitals findet dahe!
beschleunigte Akkumulation statt. Nicht nur erweitert sich die
Stufenleiter der Reproduktion stofflich, sondern die Produktion de®
Mehrwertes wächst schneller als der Wert des Zusatzkapitals.
Die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit wirkt auch auf
das Originalkapital oder das bereits im Produktionsprozeß befind
liche Kapital zurück. Ein Teil des funktionierenden konstante?
Kapitals besteht aus Arbeitsmitteln, wie Maschinerie usw., die nur
‚ängeren Perioden konsumiert und daher reproduziert oder dur
aeue Exemplare derselben Art ersetzt werden. Aber jedes Jahr
stirbt ein Teil dieser Arbeitsmittel ab oder erreicht das Endziel seine!
produktiven Funktion. Er befindet sich daher jedes Jahr im Stadiu”
seiner periodischen Reproduktion oder seines Ersatzes durch neu?
Exemplare derselben Art. Hat die Produktivkraft der Arbeit sich
in der Geburtsstätte dieser Arbeitsmittel erweitert, und sie entwickel
sich fortwährend mit dem ununterbrochenen Fluß der Wissenschafl
und der Technik, so tritt wirkungsvollere und, ihren Leistung“
umfang betrachtet, wohlfeilere Maschine, Werkzeug, Apparat us“
an die Stelle der alten. Das alte Kapital wird in einer produktiver®
Form reproduziert, abgesehen von der fortwährenden Detailveränd®
tung an den vorhandenen Arbeitsmitteln. te
Der andere Teil des konstanten Kapitals, Rohmaterial und Hl
stoffe, wird fortwährend innerhalb des Jahres, der der Agrikuli®
entstammende meist jährlich reproduziert. Jede Einführung bes
rer Methoden usw. wirkt hier also fast gleichzeitig auf Zuschu%
kapital und bereits in Funktion begriffenes Kapital. Jeder FO"
schritt der Chemie vermannigfacht nicht nur die Zahl der nützlich“
Stoffe und die Nutzanwendungen der schon bekannten. und del
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        ‚schnitt.

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nuSS
Fort‘
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‚nt |

Zweiundzwanzigstes Kapitel.

541

daher mit dem Wachstum des Kapitals seine Anlagesphären aus.
Er lehrt zugleich die Exkremente [Abfälle] des Produktions- und
Konsumtionsprozesses in den Kreislauf des Reproduktionsprozesses
Murückschleudern, schafft also ohne vorherige Kapitalauslage neuen
Kapitalstoff. Gleich vermehrter Ausbeutung des Naturreichtums
durch bloß höhere Spannung der Arbeitskraft bilden Wissenschaft
und Technik eine von der gegebenen Größe des funktionierenden
Kapitals unabhängige Potenz seiner Ausdehnung. Sie wirkt
3ugleich auf den in sein Erneuerungsstadium eingetretenen Teil des
Originalkapitals zurück. In seine neue Form einverleibt es gratis
den hinter dem Rücken seiner alten Form vollzogenen gesellschaftichen
 Fortschritt. Allerdings ist diese Entwicklung der Produktiv-&amp;lt;raft
 zugleich begleitet von teilweiser Entwertung funktionierender
Kapitale. Das Kapital, das zum Beispiel in eine Maschine gesteckt
Ist, verliert seinen Wert, wenn bessere Maschinen derselben Art aufkommen.
 Soweit diese Entwertung sich durch die Konkurrenz scharf
fühlbar macht, fällt die Hauptwucht auf den Arbeiter, in dessen ge-Seigerter
 Ausbeutung der Kapitalist Schadenersatz sucht.
Die Arbeit überträgt auf das Produkt den Wert der von ihr
konsumierten Produktionsmittel. Anderseits wächst Wert und Masse
der durch gegebene Arbeitsmenge in Bewegung gesetzten Proüuktionsmittel
 im Verhältnis, wie die Arbeit produktiver wird. Setzt
also auch dieselbe Arbeitsmenge ihren Produkten immer nur die-Selbe
 Summe Neuwert zu, so wächst doch der alte Kapitalwert, den
Me ihnen gleichzeitig überträgt, mit steigender Produktivität der Arbeit.
. Ein englischer und ein indischer Spinner zum Beispiel mögen
lieselbe Stundenzahl mit derselben Intensität arbeiten, so werden
beide in einer Woche gleiche Werte erzeugen. "Trotz dieser Gleichbeit
 besteht ein ungeheurer Unterschied zwischen dem Wert des
Wochenprodukts des Engländers, der mit einem gewaltigen Auto-Naten
 arbeitet, und des Inders, der nur ein Spinnrad hat. Der
‘glische Spinner verwandelt in einem Tage viel hundertmal größere
Massen von Baumwolle, Spinninstrumenten usw. in Garn. Er erhält
Also auch vielhundertmal größeren Kapitalwert in seinem Produkt.
Wäre selbst das Wertprodukt seiner Tagesarbeit, das heißt der durch
Hieselbe den Produktionsmitteln neu zugesetzte Wert, nur gleich
dem des Inders, dennoch stellt sich seine Tagesarbeit nicht nur in
Doßerem Produktenquantum dar, sondern in unendlich größerem
TOduktenwert, altem Wert, den er auf das neue Produkt überträgt,
“d der von neuem als Kapital funktionieren kann.
, „1782“, belehrt uns F. Engels, „lag die ganze Wollernte der
nrhergehenden drei Jahre (in England) aus Mangel an Arbeitern
a unverarbeitet da und hätte liegen bleiben müssen, wenn nicht
ve neu erfundene Maschinerie zu Hilfe gekommen wäre und sie
Srsponnen hätte.“5* Die in der Form von Maschinerie vergegen-8
 9” F. Engels: „Lage der arbeitenden Klasse in England, Leipzig 1845“.
: 20. [Ausgabe Stuttgart 1892, S. 9.]
        <pb n="587" />
        Siebter Abschnitt.
ständlichte Arbeit stampfte natürlich unmittelbar keinen Menschen
aus dem Boden, aber sie erlaubte einer geringeren Arbeiteranzahl
durch Zusatz von relativ wenig lebendiger Arbeit nicht nur die
Wolle produktiv zu konsumieren und ihr Neuwert zuzusetzen, sondern
 in der Form von Garn usw. ihren alten Wert zu erhalten. Sie
jeferte damit zugleich Mittel und Sporn zur erweiterten Reproduktion
 von Wolle. Es ist die Naturgabe der lebendigen Arbeit, alten
Wert zu erhalten, während sie Neuwert schafft. Mit dem Wachstum
von Wirksamkeit, Umfang und Wert ihrer Produktionsmittel, also
mit der die Entwicklung ihrer Produktionskraft begleitenden
Akkumulation erhält und verewigt die Arbeit daher in stets neuer
Form einen stets schwellenden Kapitalwert.® Unter dem System

342

% Die klassische Oekonomie hat wegen mangelhafter Analyse des
Arbeits- und Verwertungsprozesses dies wichtige Moment der Reproduktion
nie ordentlich begriffen, wie man zum Beispiel bei Ricardo sehen kann. Er
sagt zum Beispiel: Welches immer der Wechsel der Produktivkraft, „eine
Million Menschen produziert in den Fabriken stets denselben Wert“. Dies
richtig, wenn Ausdehnung und Intensivgrad ihrer Arbeit gegeben. Es ver”
hindert aber nicht, und Ricardo übersieht dies in gewissen Schlußfolgerungen,
 daß eine Million Menschen sehr verschiedene Massen von Produk-‘ijonsmitteln,
 bei verschiedener Produktivkraft ihrer Arbeit, in Produkt verwandelt,
 daher sehr verschiedene Wertmassen in ihrem Produkt erhält, die
von ihr gelieferten Produktenwerte also sehr verschieden sind. Ricardo hat
nebenbei bemerkt, an jenem Beispiel umsonst versucht, dem J. B. Say den
Unterschied zwischen Gebrauchswert (den er hier Wealth nennt, stofflichen
Reichtum) und Tauschwert klar zu machen. Say antwortet: „Was die
Schwierigkeit betrifft, auf die Ricardo hinweist, indem er sagt, daß bei AD
wendung von vollkommeneren Verfahrensarten eine Million Menschen zwei
der dreimal so viel Reichtümer erzeugen können, ohne mehr Wert zu €!“
zeugen, so besteht diese Schwierigkeit nicht mehr, sobald man, wie ma»
muß, die Produktion als einen Tausch betrachtet, in dem man die produktiven
 Dienste seiner Arbeit, seines Bodens und seiner Kapitalien hingibt, U”
Produkte zu erhalten. Diese produktiven Dienste sind es, durch deren Ver“
mittlung wir alle Produkte erhalten, die es auf der Welt gibt. Nun +"
sind wir um so reicher, unsere produktiven Dienste haben einen um ®
größeren Wert, je größer die Menge nützlicher Dinge, die sie in dem Pr?
Juktion genannten Tausch erzielen.“ (J. B. Say: „Lettres a M. Malthu®
Paris 1820“, p. 168, 169.) Die „Schwierigkeit“ — sie existiert für ihn, nich
(ür Ricardo —, die Say erklären soll, ist die: Warum vermehrt sich nicht de
Wert der Gebrauchswerte, die von einer bestimmten Menge Arbeit erzeugt
werden, wenn ihre Quantität infolge gesteigerter Produktivkraft d%
Arbeit wächst? Antwort: Die Schwierigkeit wird dadurch gelöst, d?
man den Gebrauchswert gefälligst Tauschwert nennt. Tauschwert ist 8
Ding, das irgendwie mit Austausch zusammenhängt, Man nenne also di
Produktion einen „Austausch“ von Arbeit und Produktionsmitteln geg“%
das Produkt, und es ist klar wie Wasser, daß man um so mehr Tauschw®
erhält, je mehr Gebrauchswert einem die Produktion liefert. In ander
Worten: Je mehr Gebrauchswerte, zum Beispiel Strümpfe, ein Arbeitstoß
dem Strumpffabrikanten liefert, desto reicher ist er an Strümpfen. Plötzlic
(ällt Say jedoch ein, daß „mit der größeren Quantität“ der Strümpfe ib!
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Zweiundzwanzigstes Kapitel.

543

der Lohnarbeit erscheint aber diese Naturkraft der Arbeit als
Selbsterhaltungskraft des Kapitals, dem sie einverleibt ist, ganz wie
ihre gesellschaftlichen Produktivkräfte als seine Eigenschaften, und
wie die beständige Aneignung der Mehrarbeit durch den Kapitalisten
 als beständige Selbstverwertung des Kapitals. Alle Kräfte der
Arbeit stellen sich dar als Kräfte des Kapitals, wie alle Wertiormen
der Ware als Formen des Geldes,
Jener Teil des konstanten Kapitals, den A. Smith den fixen
hennt, die Arbeitsmittel, wie Baulichkeiten, Maschinen und der-Sleichen,
 funktioniert immer vollständig im Produktionsprozeß, ver-Schleißt
 aber nur allmählich und überträgt nur nach und nach seinen
Wert auf die Waren, die er nach und nach herstellen hilft. Er bildet
Sinen wahrhaften Gradmesser des Fortschritts der Produktivkräfte,
Mit seinem Wachstum wächst auch der Größenunterschied zwischen
der Gesamtheit des angewandten Kapitals und jenem Bruchteil davon,
 der in jedem Moment konsumiert wird. Mit andern Worten:
Es wächst die Wert- und Stoffmasse der Arbeitsmittel, wie Baulichkeiten,
 Maschinerie, Dränierungsröhren, Arbeitsvieh, Apparate jeder
Art, die während längerer oder kürzerer Periode, in beständig
Wiederholten Produktionsprozessen, ihrem ganzen Umfange nach
funktionieren oder zur Erzielung bestimmter Nutzeffekte dienen,
Während sie nur allmählich verschleißen, daher ihren Wert nur
ückweise verlieren, also auch nur stückweise auf das Produkt über-Tagen.
 Im Verhältnis, worin diese Arbeitsmittel als Produktbildner
dienen, ohne dem Produkt Wert zuzusetzen, also ganz angewandt,

„Preis“ (der natürlich nichts mit dem Tauschwert zu tun hat) fällt, „weil
lie Konkurrenz sie (die Produzenten) zwingt, die Produkte für soviel hinzuteben,
 wie sie sie kosten“. Aber wo kommt denn der Profit her, wenn der
Kapitalist die Waren zu dem Preise verkauft, den sie ihn kosten? Doch
lassen wir das. Say erklärt, daß infolge der gesteigerten Produktivität jeder
&amp;amp; Ersatz für dasselbe Aequivalent jetzt zwei statt früher ein Paar Strümpfe
üw, erhält. Das Resultat, wobei er anlangt, ist gerade der Satz Ricardos,
den er widerlegen wollte. Nach dieser gewaltigen Denkanstrengung apostro-Phiert
 er Malthus triumphierend mit den Worten: „Das ist, mein Herr, die
SOhlgefügte Lehre, ohne die es, erkläre ich, unmöglich ist, die größten
Kewierigkeiten der politischen Oekonomie und besonders die Frage aufzu-We
 wieso eine Nation reicher werden kann, während ihre Produkte an
S rt abnehmen, obwohl doch der Reichtum aus Werten besteht.“ (Ebenda,
Si 170.) Ein englischer Oekonom bemerkt über ähnliche Kunststücke in
WS „Lettres‘“: „Diese affektierten Manieren zu schwatzen („those affected
WB of talking“) bilden im ganzen das, was Herr Say seine Doktrin zu
nen beliebt und die er dem Malthus ans Herz legt zu Hertford zu lehren,
He das schon „in verschiedenen Teilen Europas“ geschehe. Er sagt: „Wenn
Ds an all diesen Sätzen etwas Paradoxes finden, so befirachten Sie die
a deren Ausdruck sie sind, und ich darf erwarten, daß sie Ihnen
u T einfach und sehr vernünftig erscheinen werden.“ Zweifelsohne, und
CE eich werden sie infolge desselben Prozesses alles andere, nur nicht
in £inal oder wichtig erscheinen.“ („An Inquiry into those Principles respect-8
 Ihe Nature of Demand etc.“, p. 116, 110.)
        <pb n="589" />
        544

Siebter Abschnitt.

aber nur teilweise konsumiert werden, leisten sie, wie früher erwähnt,
 denselben Gratisdienst wie Naturkräfte, Wasser, Dampf, Lult,
Elektrizität usw. Dieser Gratisdienst der vergangenen Arbeit, wenn
ergriffen und beseelt von der lebendigen Arbeit, akkumuliert mit
der wachsenden Stufenleiter der Akkumulation.
Da die vergangene Arbeit sich stets in Kapital verkleidet, das
heißt das Passivum der Arbeit von A, B, C usw. in das Aktivum
des Nichtarbeiters X, sind Bürger und politische Oekonomen voll
des Lobes für die Verdienste der vergangenen Arbeit, welche nach
dem schottischen Genie MacCulloch sogar einen eigenen Sold
(Zins, Profit usw. genannt) beziehen muß.‘! Das stets wachsende
Gewicht der im lebendigen Arbeitsprozeß unter der Form von Produktionsmitteln
 mitwirkenden vergangenen Arbeit wird also ihrer
dem Arbeiter selbst, dessen vergangene und unbezahlte Arbeit sie ist,
entfremdeten Gestalt zugeschrieben, ihrer Kapitalgestalt. Die praktischen
 Agenten der kapitalistischen Produktion und ihre ideologischen
 Zungendrescher sind ebenso unfähig, das Produktions
mittel von der antagonistischen [auf Gegensätzen beruhenden] gesellschaftlichen
 Charaktermaske, die ihm heutzutage anklebt, getrennt
zu denken, wie ein Sklavenhalter den Arbeiter selbst von seinem
Charakter als Sklave.
Unter den Umständen, die unabhängig von der Teilung de®
Mehrwertes in Revenue und Kapital die Ausdehnung der Akkumul?-tion
 in hohem Maße beeinflussen, ist endlich noch zu nennen die
Größe des vorgeschossenen Kapitals.
Bei gegebenem Ausbeutungsgrad der Arbeitskraft ist die Mass®
des Mehrwertes bestimmt durch die Anzahl der gleichzeitig aus
gebeuteten Arbeiter, und diese entspricht, obgleich in wechselnde®
Verhältnis, der Größe des Kapitals. Mit dem Gesamtkapital wächst
auch sein variabler Bestandteil, wenn auch nicht in demselbe®
Maße. Auf je größerer Stufenleiter der einzelne Kapitalist prod“
ziert, desto größer die Arbeiteranzahl, die er gleichzeitig ausbeuteb
oder die Masse der unbezahlten Arbeit, die er aneignet.® Je mehr
also das Kapital vermittels aufeinanderfolgender Akkumulatione?
wächst, desto mehr wächst auch die Wertsumme, die sich in Ko"
sumtionsfonds und Akkumulationsfonds spaltet. Der Kapitalist kan®
flotter leben und zugleich mehr „entsagen‘“. Und schließlich spiele?
alle Springfedern, der Produktion um so energischer, je mehr ihr®
Stufenleiter sich erweitert mit der Masse des vorgeschossene?
Kapitals.

% MacCulloch löste das Patent auf „Lohn vergangener Arbeit“, 1ang®
bevor Senior das Patent auf den „Lohn für Abstinenz“. git-%2
 Man wird im dritten Buche sehen, daß die durchschnittliche er
rate verschiedener Produktionssphären nicht berührt wird von der es
derselben eigentümlichen Teilung des Kapitals in konstantes und varla die
Element, und zugleich, daß dieses Phänomen nur scheinbar den über ht.
Natur und Produktion des Mehrwertes entwickelten Gesetzen widerspric
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Zweiundzwanzigstes Kapitel.

545

5. Der sogenannte Arbeitsfonds.,
Die Kapitalisten sowie die andern Teilnehmer am Mehrwert, wie
kum Beispiel Grundbesitzer, ihre Anhängsel und ihre Regierungen,
‘erschwenden in jedem Jahr einen ansehnlichen Teil des jährlichen
Mehrprodukts. Veberdies halten sie in ihrem Konsumtionsfonds
ine Menge Dinge zurück, die langsam aufgebraucht werden, die
Seeignet sind, zur Reproduktion angewandt zu werden, und sie verbrauchen
 eine Menge von Arbeitskräften in ihren persönlichen
Diensten und machen sie dadurch unfruchtbar für die Produktion.
Der Teil des Reichtugs, der kapitalisiert wird, ist daher nie so
3roß, wie er sein könnte. Seine Größe im Verhältnis zur Gesamtbeit
 des gesellschaftlichen Reichtums wechselt mit jedem Wechsel
N der Teilung des Mehrwertes in persönliche Revenue und in Zusatz-Kapital,
 und das Verhältnis, in dem diese Teilung stattfindet, ändert
Ich unaufhörlich unter dem Einfluß von Situationen, auf die wir
ler nicht weiter eingehen. Es genügt, hier zu konstatieren, daß das
Kapital keine fixe Größe ist, sondern ein elastischer und mit der
Teilung des Mehrwertes in Revenue und Zusatzkapital beständig
nuwankender und wechselnder Teil des gesellschaftlichen Reich-Ums.

‚ Man sah ferner, daß selbst bei gegebener Größe des funktio-Nerenden
 Kapitals die ihm einverleibte Arbeitskraft, Wissenschaft
Id Erde (worunter ökonomisch alle ohne Zutat des Menschen von
Natur vorhandenen Arbeitsgegenstände zu verstehen sind) elastische
Potenzen desselben bilden, die ihm innerhalb gewisser Grenzen
nen von seiner eigenen Größe unabhängigen Spielraum gestatten,
s wurde dabei von allen Verhältnissen des Zirkulationsprozesses
Ibgesehen, die sehr verschiedene Wirkungsgrade derselben Kapital-Nässe
 verursachen. Es wurde, da wir die Schranken der kapita-Üstischen
 Produktion voraussetzen, also eine rein naturwüchsige Gealt
 des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, abgesehen von
leder mit den vorhandenen Produktionsmitteln und Arbeitskräften
UNmittelbar und planmäßig bewirkbaren rationelleren Kombination.
Die klassische Oekonomie liebte es von jeher, das gesellschaftliche
Kapital als eine fixe Größe von fixem Wirkungsgrad aufzufassen.
(ber das Vorurteil ward erst zum Dogma befestigt durch den
Philister Jeremias Bentham, dies nüchtern pedantische, schwatz-N
 derne Orakel des gemeinen Bürgerverstandes des 19. Jahr-Underts,%
 Bentham ist unter den Philosophen, was Martin Tupper
ter den Dichtern. Beide waren nur in England fabrizierbar.®*4

® Vgl. unter anderm J. Bentham: „Theorie des Peines et des Recom-Penses,
 trad. Et, Dumont. 3eme &amp;amp;d. Paris 1826“, vol. II, liv. 4, ch. 2.
% Jeremias Bentham ist ein rein englisches Phänomen. Selbst unsern
"hilosophen Christian Wolf nicht ausgenommen, hat zu keiner Zeit und in
Seinem Lande der hausbackenste Gemeinplatz sich jemals so selbstgefällig
Teit Eemacht. Das Nützlichkeitsprinzip war keine Erfindung Benthams. Er
"Produzierte nur geistlos, was Helvetius und andere Franzosen des 18. Jahr-Das
 Kapital. I. 35
        <pb n="591" />
        46

Siebter Abschnitt.

Mit dem Dogma, das gesellschaftliche Kapital sel in jedem gegebenen
 Zeitpunkt eine fixe Größe, werden die gewöhnlichsten Erscheinungen
 des Produktionsprozesses, wie zum Beispiel dessen
plötzlichen Ausdehnungen und Zusammenziehungen, ja sogar die
Akkumulation, völlig unbegreifbar.®%® Das Dogma wurde sowohl von
Bentham selbst wie von Malthus, James Mill, MacCulloch usw. zu
apologetischen Zwecken vernutzt, namentlich um einen Teil des
Kapitals, das variable oder in Arbeitskraft umsetzbare Kapital als
eine fixe Größe darzustellen. Die stoffliche Existenz des variablen
Kapitals, das heißt die Masse der Lebensmittel, die es für den Arbeiter
 repräsentiert, oder der sogenannte Arbeitsfonds, wurde
sinen durch Naturketten abgegrenzten und unüberschreitbaren Son”
Jderteil des gesellschaftlichen Reichtums verfabelt.
Um den Teil des gesellschaftlichen Reichtums, der als konstantes
Kapital oder, stofflich ausgedrückt, als Produktionsmittel funktionieren
 soll, in Bewegung zu setzen, ist eine bestimmte Mass®
lebendiger Arbeit erheischt. Diese ist technologisch gegeben. Aber
weder ist die Anzahl der Arbeiter gegeben, erheischt um diese Ar
beitsmasse flüssig zu machen, denn das wechselt mit dem Aus

hunderts geistreich gesagt hatten. Wenn man zum Beispiel wissen will, w#
ist einem Hunde nützlich?, so muß man die Hundenatur ergründen. Dies
Natur selbst ist nicht aus dem „Nützlichkeitsprinzip‘“ zu konstruieren. AM
den Menschen angewandt, wenn man alle menschlichen Taten, Bewegungel
Verhältnisse usw. nach dem Nützlichkeitsprinzip beurteilen will, handelt ®
sich erst um die menschliche Natur im allgemeinen und dann um die in jede
Epoche historisch modifizierte Menschennatur. Bentham macht kein Feder”
lesens. Mit der naivsten Trockenheit unterstellt er den modernen Spie®
bürger, speziell den englischen Spießbürger, als den Normalmenschen. we
liesem Kauz von Normalmensch und seiner Welt nützlich, ist an und für
3ich nützlich. An diesem Maßstab beurteilt er dann Vergangenheit, Gegot
wart und Zukunft. Zum Beispiel die christliche Religion ist „nützlich“, wel
sie dieselben Missetaten religiös verpönt, die der Strafkodex juristisch vn
dammt. Kunstkritik ist „schädlich“, weil sie ehrbare Leute in ihrem Gen“
an Martin Tupper stört usw. Mit solchem Schund hat der brave Man
dessen Devise: „nulla dies sine linea“ [kein Tag ohne einen Strich], B&amp;amp;#
von Büchern gefüllt. Wenn ich die Courage meines Freundes H. Heine hätt%
würde ich Herrn Jeremias ein Genie in der bürgerlichen Dummheit nenn?
%5 „Politische Oekonomen sind zu geneigt, eine bestimmte Quantität vo R
Kapital und eine bestimmte Anzahl Arbeiter als Produktionsinstrumente x
gleichförmiger Kraft und als mit einer gewissen gleichförmigen Intensität w} ä
kend zu behandeln.... Diejenigen, die behaupten, daß Waren die einzig®
wirkenden Mittel (agents) der Produktion sind, beweisen, daß die Produkte,
iberhaupt nicht erweitert werden kann, denn zu einer solchen Erweiterw
müßten Lebensmittel, Rohmaterialien und Werkzeuge vorher vermehrt Va
den, was in der Tat darauf hinaus kommt, daß kein Wachstum der Prod
tion ohne ihr vorheriges Wachstum stattfinden kann, oder, in andern Wor a‘
daß jedes Wachstum unmöglich ist.“ (S. Bailey: „Money and its Vieissitud@
p. 26, 70.) Bailey kritisiert das Dogma hauptsächlich vom Standpunkt
Zirkulationsprozesses,
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        nitt.

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Zweiundzwanzigstes Kapitel.

547

beutungsgrad der individuellen Arbeitskraft, noch der Preis dieser
Arbeitskraft, sondern nur seine zudem sehr elastische Minimal-Schranke.
 Die Tatsachen, die dem Dogma zugrunde liegen, sind
die: Einerseits hat der Arbeiter nicht mitzusprechen bei der Teilung
des gesellschaftlichen Reichtums in Genußmittel der Nichtarbeiter
ünd in Produktionsmittel. Anderseits kann er nur in günstigen
Ausnahmefällen den sogenannten „Arbeitsfonds‘“ auf Kosten der
„Revenue“ des Reichen erweitern. „Der Wille des Reichen“, sagt
Sismondi, „wird bestimmend für den Armen ... Denn er selbst
“ollzieht die Teilung des Jahresprodukts. Alles, was er Revenue
lennt, behält er, um es selbst zu konsumieren. Was er Kapital
lennt, gibt er dem Armen ab, damit dieser damit seine Revenue
zeuge (vielmehr, damit dieser ihm damit eine zusätzliche Re-7enue
 erzeuge).“ %
„. Zu welch abgeschmackter Tautologie es führt, die kapitalistische
Schranke des Arbeitsfonds in seine gesellschaftliche Naturschranke
Unzudichten, zeige unter anderm Professor Fawcett. „Das zirkulerende
 Kapital®? eines Landes“, sagt er, „ist sein Arbeitsfonds. Um
laher den durchschnittlichen ‚Geldlohn, den jeder Arbeiter erhält,
% berechnen, haben wir nur einfach dies Kapital durch die Anzahl
der Arbeiterbevölkerung zu dividieren.“® Das heißt also, erst
'echnen wir die wirklich gezahlten individuellen Arbeitslöhne in
ne Summe zusammen, dann behaupten wir, daß diese Addition die
Wertsumme des von Gott und Natur festgesetzten „Arbeitsfonds“
bildet. Endlich dividieren wir die so erhaltene Summe durch die

(0 % Sismondi: „Nouveaux Principes d’Economie Politique“, vol. I, p. 107,
S 8. — J. St. Mill sagt in seinen „Principles of Political Economy“, b. II, ch. 1,
%e „Das Produkt der Arbeit wird heutzutage verteilt fast im umgekehrten
ns rhältnis zur Arbeit — der größte Teil an jene, die niemals arbeiten, der
4 ustgrößte an die, deren Arbeit fast nur nominell ist, und so, auf abau
 gender Skala, schrumpft die Belohnung zusammen, im Maße wie die
„beit härter und unangenehmer wird, bis die ermüdendste und er-1
 cöpfendste körperliche Arbeit nicht mit Sicherheit auch nur auf Gewinnung
je Notwendigsten Lebensbedarfs rechnen kann.“ [Vgl. die deutsche Ueberbe
 Züng von Soetbeer, Bd. I, S. 218.] Zur Vermeidung von Mißverständnissen
hracrke ich, daß, wenn Männer wie J. St. Mill usw. wegen des Widerspruchs
ng. altökonomischen Dogmen und ihrer modernen Tendenzen zu rügen
A 4, es durchaus unrecht wäre, sie mit dem Troß der vulgärökonomischen
“POlogeten zusammenzuwerfen.
n % Ich erinnere hier den Leser, daß die Kategorien variables und kon-Re
 Kapital von mir zuerst gebraucht werden. Die politische Oekonomie
Net Smith wirft die darin enthaltenen Bestimmungen mit den aus dem
ler ülationsprozeß entspringenden Formunterschieden von fixem und zirku-Sn
 ss Kapital kunterbunt zusammen. Das Nähere darüber im zweiten
über” zweiter Abschnitt. [„Kapital‘“, Bd. II, S. 168 #, Vgl. auch „Theorien
°T den Mehrwert“, Bd, 111.]
Posi % H, Fawcett, Prof. of Political Economy at Cambridge: „The Economic
ltion of the British Labourer. London 1865“, p. 120,
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        548
Kopfzahl der Arbeiter, um hinwiederum zu entdecken, wieviel
jedem Arbeiter individuell im Durchschnitt zufallen kann. Eine
ungemein pfiffige Prozedur dies. Sie verhindert Herrn Fawcett nicht,
im selben Atemzuge zu sagen: „Der in England jährlich akkumulierte
Gesamtreichtum wird in zwei Teile geteilt. Ein Teil wird in England
zur Erhaltung unserer eigenen Industrie verwandt. Ein anderer Teil
wird in andere Länder exportiert. . .. Der in unserer Industrie angewandte
 Teil bildet keinen bedeutenden Teil des jährlich in diesem
Lande akkumulierten Reichtums.“% Der größere Teil des jährlich
zuwachsenden- Mehrprodukts, dem englischen Arbeiter ohne Aequivalent
 entwandt, wird also nicht in England, sondern in fremden
Ländern verkapitalisiert. Aber mit dem so exportierten Zusalzkapital
 wird ja auch ein Teil des von Gott und Bentham erfundenen
„Arbeitsfonds“ exportiert.?®

Siebter Abschniti.

Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Das allgemeine Gesetz der kapitalistischen
Akkumulation.

i. Wachsende Nachfrage nach Arbeitskraft mit der Akkumulatio»
bei gleichbleibender Zusammensetzung des Kapitals.
Wir behandeln in diesem Kapitel den Einfluß, den das Wach*
tum des Kapitals auf das Geschick der Arbeiterklasse ausübt. Die
wichtigsten Faktoren bei dieser Untersuchung sind die Zusammer“
setzung des Kapitals und die Veränderungen, die sie im Verlauf des
Akkumulationsprozesses ‘durchmacht.
Die Zusammensetzung des Kapitals ist in zweifachem Sinn %
fassen. Nach der Seite des Wertes bestimmt sie sich durch d#
Verhältnis, worin es sich teilt in konstantes Kapital oder Wert. de!
Produktionsmittel und variables Kapital oder Wert der Arbeitskraft
Gesamtsumme der Arbeitslöhne. Nach der Seite des Stoffes, wie
er im Produktionsprozeß fungiert, teilt sich jedes Kapital in Produk“
tionsmittel und lebendige Arbeitskraft; diese Zusammensetzung b*
stimmt sich durch das Verhältnis zwischen der Masse der ang”
wandten Produktionsmittel einerseits und der zu ihrer Anwendup$
erforderlichen Arbeitsmenge anderseits. Ich nenne die erstere di®

%% Ebenda, S. 123, 122, n
70 Man könnte sagen, daß nicht nur Kapital, sondern auch Arbeiter tz
Form der Auswanderung, jährlich aus England exportiert werden. Im Tor
ist jedoch gar nicht die Rede vom mitgenommenen Vermögen der AUF
wanderer, die zum großen Teil keine Arbeiter sind. Die Pächterssöhr”
liefern. großen Teil davon. Das jährlich zur Verzinsung ins Ausland Vas
sandte englische Zusatzkapital steht in ungleich größerem Verhältnis Zu
jährlichen Akkumulation als die jährliche Auswanderung zum jährliche?
wachs der Bevölkerung.
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

549

Wertzusammensetzung, die zweite die technische Zusammensetzung
des Kapitals. Zwischen beiden besteht enge Wechselbeziehung. Um
diese auszudrücken, nenne ich die Wertzusammensetzung des Kapilals,
 insofern sie durch seine technische Zusammensetzung bestimmt
wird und deren Aenderungen widerspiegelt: die organische Zulammenseizung
 des Kapitals. Wo von der Zusammensetzung des
Kapitals kurzweg die Rede, ist stets seine organische Zusammen-Seizung
 zu verstehen.
Die zahlreichen Einzelkapitale, die in einem bestimmten Proluktionszweig
 angelegt sind und in den Händen zahlreicher von-Sinander
 unabhängiger Kapitalisten funktionieren, unterscheiden
sich mehr oder weniger in ihrer Zusammensetzung. Der Durch-Schnitt
 ihrer Einzelzusammensetzungen ergibt uns die Zusammen-Setzung
 des Gesamtkapitals dieses Produktionszweiges. Endlich er-&amp;amp;ibt
 uns der Gesamtdurchschnitt der Durchschnittszusammensetzun«
gen sämtlicher Produktionszweige die Zusammensetzung des gesellschaftlichen
 Kapitals eines Landes, und von dieser allein in letzter
Instanz ist im folgenden die Rede.
Wenden wir uns nun, nach diesen einleitenden Bemerkungen,
Wieder zur Akkumulation des Kapitals.
Wachstum des Kapitals schließt Wachstum seines variablen
er in Arbeitskraft umgesetzten Bestandteils ein. Ein Teil des in
Zusatzkapital verwandelten Mehrwertes muß stets rückverwandelt
Werden in variables Kapital oder zuschüssigen Arbeitsfionds. Unter-Stellen
 wir, daß, nebst sonst gleichbleibenden Umständen, die Zu-Sammensetzung
 des Kapitals unverändert bleibt, das heißt eine
estimmte Masse Produktionsmittel oder konstantes Kapital stets
dieselbe Masse Arbeitskraft erheischt, um in Bewegung gesetzt zu
Werden, so wächst olfenbar die Nachfrage nach Arbeit und der
Lebensmittelfonds der Arbeiter verhältnismäßig mit dem Kapital
und um so rascher, je rascher das Kapital wächst. Da das Kapital
Jährlich einen Mehrwert produziert, wovon ein Teil jährlich zum
Originalkapital geschlagen wird, da dieser Zuwachs selbst jährlich
Wächst mit dem zunehmenden Umfang des bereits in Funktion be-Sriffenen
 Kapitals, und da endlich, unter besonderem Sporn des
Bereicherungstriebes, wie zum Beispiel Oeffnung neuer Märkte,
deuer Sphären der Kapitalanlage infolge neu entwickelter gesell-Schaftlicher
 Bedürfnisse usw., die Stufenleiter der Akkumulation
Plötzlich ausdehnbar ist durch bloß veränderte Teilung des Mehr-Wertes
 oder Mehrprodukts in Kapital und Revenue, können die
Akkumulationsbedürfnisse des Kapitals das Wachstum der Arbeitskraft
 oder der Arbeiteranzahl, die Nachfrage nach Arbeitern ihre
Zufuhr überflügeln und daher die Arbeitslöhne steigen,
r Dies muß sogar schließlich der Fall sein bei unveränderter
portdauer obiger Voraussetzung. Da in jedem Jahr mehr Arbeiter
ass häftigt werden als im vorhergehenden, so muß früher oder später
Sr Punkt eintreten, wo die Bedürfnisse der Akkumulation anfangen
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        550

Siebter Abschnitt.

über die gewöhnliche Zufuhr von Arbeit hinauszuwachsen, wo also
Lohnsteigerung eintritt. Klage hierüber ertönt in England während
des ganzen 15. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die
mehr oder minder günstigen Umstände, worin sich die Lohnarbeiter
erhalten und vermehren, ändern jedoch nichts am Grundcharakter
der kapitalistischen Produktion. Wie die einfache Reproduktion
fortwährend das Kapitalverhältnis selbst reproduziert, Kapitalisten
auf der einen Seite, Lohnarbeiter auf der andern, so reproduziert
die Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter oder die Akkumulation
das Kapitalverhältnis auf erweiterter Stufenleiter, mehr Kapitalisten
oder größere Kapitalisten auf diesem Pol, mehr Lohnarbeiter auf
jenem. Man sah früher bereits: Die Reproduktion der Arbeitskraft,
die sich dem Kapital unaufhörlich als Verwertungsmittel einverleiben
muß, nicht von ihm loskommen kann, und deren Hörigkeit zum
Kapital nur versteckt wird durch den Wechsel der individuelle”
Kapitalisten, woran sie sich verkauft, bildet in der Tat ein Moment
der Reproduktion des Kapitals selbst. Akkumulation des Kapitals
ist also Vermehrung des Proletariats.?!
Die klassische Oekonomie begriff diesen Satz so wohl, daß
A. Smith, Ricardo usw., wie früher erwähnt, die Akkumulation sogar
Fälschlich gleichsetzen mit Konsum des ganzen kapitalisierten Teiles
des Mehrprodukts durch produktive Arbeiter, oder mit seiner Ver
wandlung in zuschüssige Lohnarbeiter.
Schon 1696 sagt John Bellers: „Wenn jemand 100 000 Acres hätt®
und ebenso viele Pfunde Geld und ebenso viel Vieh, was wäre der
reiche Mann ohne den Arbeiter außer selbst ein Arbeiter? Und
wie die Arbeiter Leute reich machen, so desto mehr Arbeiter, dest0
mehr Reiche. . . . Die Arbeit des Armen ist die Mine des Reichen.“

1 Karl Marz: „Lohnarbeit und Kapital“ [Ausgabe Berlin 19%
S. 28.] — „Bei Gleichheit der Bedrückung der Massen ist ein Land U”
so reicher, je mehr Proletarier es besitzt.“ (Colins: „L’Economie Politiqu®
Source des Revolutions et des Utopies pretendues Socialistes. Par®
1857“, vol. III, p. 381.) Unter „Proletarier‘“ ist ökonomisch nichts zu ver
stehen als der Lohnarbeiter, der „Kapital“ produziert und verwertet und
aufs Pflaster geworfen wird, sobald er für die Verwertungsbedürfnisse des
„Monsieur Capital“, wie Pecqueur diese Person nennt, überflüssig ist. „Der
kränkliche Proletarier des Urwalds“ ist ein artiges Roschersches Hi!
zespinst. Der Urwäldler ist Eigentümer des Urwaldes und behandelt 4er
Urwald, ganz so ungeniert wie der Orang-Utan, als sein Eigentum. Er ta
also nicht Proletarier. Dies wäre nur der Fall, wenn der Urwald ihn, staß
er den Urwald ausbeutete. Was seinen Gesundheitszustand betrifft, steh
solcher wohl den Vergleich aus nicht nur mit dem des modernen Proletarier®
sondern auch dem der syphilitischen und skrophulösen „Ehrbarkeit“. DD
versteht Herr Wilhelm Roscher unter Urwald wahrscheinlich die stam”
verwandte Lüneburger Heide.
1696: 72 Te Bellers: „Proposals for raising a Colledge of Industry. Londo®
* p. 2.
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

551

So Bernard de Mandeville im Anfang des 18. Jahrhunderts:
„Wo das Eigentum hinreichend geschützt ist, wäre es leichter, ohne
Geld zu leben als ohne arme Leute, denn wer würde die Arbeit
tun? ... Wie die Arbeiter vor Aushungerung zu bewahren sind, so
Sollten sie nichts erhalten, was der Ersparung wert ist. Wenn hier
und da einer aus der untersten Klasse durch ungewöhnlichen Fleiß
und. Bauchkneipen sich über die Lage erhebt, worin er aufgewachsen
War, so muß ihn keiner daran hindern: ja, es ist unleugbar der
weiseste Plan für jede Privatperson, für jede Privatfamilie in der
Gesellschaft, haushälterisch zu sein; aber es ist das Interesse aller
reichen Nationen, daß der größte Teil der Armen nie untätig sei und
Sie dennoch stets verausgaben, was sie einnehmen. ... Diejenigen,
die ihr Leben durch ihre tägliche Arbeit gewinnen, haben nichts,
Was sie anstachelt, dienstlich zu sein außer ihren Bedürfnissen,
Welche es Klugheit ist zu lindern, aber Narrheit wäre zu kurieren.
Das einzige Ding, das den arbeitenden Mann fleißig machen kann,
Ist ein mäßiger Arbeitslohn. Ein zu geringer macht ihn je nach
Seinem Temperament kleinmütig oder verzweifelt, ein zu großer
frech und faul. . . . Aus dem bisher Entwickelten folgt, daß in einer
freien Nation, wo Sklaven nicht erlaubt sind, der sicherste Reichtum
aus einer Menge arbeitsamer Armen besteht. Außerdem, daß sie
die nie versagende Zufuhrquelle für Flotte und Armee, gäbe es
Ohne sie keinen Genuß und wäre das Produkt keines Landes ver-Wertbar.
 Um die Gesellschaft (die natürlich aus den Nichtarbeitern
besteht) glücklich und das Volk selbst in kümmerlichen Zuständen
Afrieden zu machen, ist es nötig, daß die große Majorität sowohl
Inwissend wie arm bleibt. Kenntnis erweitert und vervielfacht
ünsere Wünsche, und je weniger ein Mann wünscht, desto leichter
können seine Bedürfnisse befriedigt werden.“?3
Was Mandeville, ein ehrlicher Mann und heller Kopf, noch nicht
begreift, ist, daß der Mechanismus des Akkumulationsprozesses
Selbst mit dem Kapital die Masse der „arbeitsamen Armen“ ver-Mehrt,
 das heißt der Lohnarbeiter, die ihre Arbeitskraft in wachsende
Verwertungskraft des wachsenden Kapitals verwandeln und eben
dadurch ihr Abhängigkeitsverhältnis von ihrem eigenen, im Kapitalisten
 personifizierten Produkt verewigen müssen. Mit Bezug auf
dies Abhängigkeitsverhältnis bemerkt Sir F. M. Eden in seiner
»Lage der Armen, oder Geschichte der arbeitenden Klasse Englands“;
 „Das natürliche Produkt unseres Bodens reicht sicher nicht
Aus, uns völlig zu erhalten: wir könnten weder mit Kleidung und

AA

% B, de Mandeville: „The Fable of the Bees. 5th ed, London 1728“, Re-Marks,
 p. 212, 213, 828, „Mäßiges Leben und beständige Arbeit sind für
den Armen der Weg zum materiellen Glück (worunter er möglichst langen
Arbeitstag und möglichst wenig Lebensmittel versteht) und zum Reichtum
für den Staat (nämlich Grundeigentümer, Kapitalisten und ihre politischen
Lürdenträger und Agenten).‘“ („An Essay on Trade and Commerce. London
“© pD. 54.)
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        552
Wohnung noch: mit Nahrung versehen werden ohne einige vorhergegangene
 Arbeit. Und deshalb muß wenigstens ein Teil der Gesellschaft
 unermüdet arbeiten. ... Andere, die nicht „säen und
nicht spinnen“, haben dennoch die Produkte des Fleißes zu ihrer
Verfügung. Diese Befreiung von der Arbeit verdanken sie aber
nur der Zivilisation und Ordnung; sie sind reine Geschöpfe der
bürgerlichen Einrichtungen.’* Denn diese haben es anerkannt; daß
man die Früchte der Arbeit auch anders als durch Arbeit sich aneignen
 kann. Die Leute von unabhängigem Vermögen verdanken
iar Vermögen fast ganz der Arbeit anderer, nicht ihrer eigene
Fähigkeit, die durchaus nicht besser ist als die der andern; es is!
nicht, der Besitz von Land und Geld, sondern das Kommando über
Arbeit („the command of labour“), das die Reichen von dem arbeitenden
 Teil des Gemeinwesens unterscheidet. .... Dieser [von Eden
zutgeheißene] Plan würde den Besitzenden genügend viel, aber
keineswegs zuviel Einfluß und Macht über jene verleihen . . . die
für sie arbeiten, und er würde solche Arbeiter nicht in eine elend®
oder knechtische Lage versetzen, sondern in einen Zustand behaglicher
 und loser Abhängigkeit. ... Ein solches Abhängigkeitsverhältnis
 ist, wie jeder Kenner der menschlichen Natur und ihrer
Geschichte weiß, notwendig für das Wohlbefinden der Arbeiter
selbst.“® Sir F. M. Eden, beiläufig bemerkt, ist der einzige Schüle!
Adam Smiths, der während des 18. Jahrhunderts etwas Bedeutende®
geleistet hat.7*

7% Eden hätte fragen sollen, wessen Geschöpfe sind denn „die bürger
lichen Einrichtungen“? Vom Standpunkt der juristischen Illusion betrachte!
er nicht das Gesetz als Produkt der materiellen Produktionsverhältniss®:
sondern umgekehrt die Produktionsverhältnisse als Produkt des Geseize®
Linguet warf Montesquieus auf Hirngespinsten aufgebauten „Esprit des
Lois“ [Geist der Gesetze] mit dem einen Wort über den Haufen: „Der Geis!
äder Gesetze ist das Eigentum.“ .
15 Eden: „The State of the Poor, or an History of the Labouring Classe®
in England“, vol. I, b. 1, ch. 1, p. 1, 2, XX. ö
76 Sollte der Leser an Malthus erinnern, dessen „Essay on Population
1798 erschien, so erinnere ich, daß diese Schrift in ihrer ersten Form nichts
ist als ein schülerhaft oberflächliches und pfäffisch vordeklamiertes Plagiah
[Diebstahl] aus De Foe, Sir James Steuart, Townsend, Franklin, Wallace usw
und nicht einen einzigen selbstgedachten Satz enthält. Das große Aufsehbe®
das diese Schrift erregte, entsprang lediglich Parteiinteressen. Die fra”
zösische Revolution hatte im britischen Königreich leidenschaftliche ven
teidiger gefunden; das „Bevölkerungsprinzip“, langsam im 18. Jahrhund®
herausgearbeitet, dann mitten in einer großen sozialen Krisis mit Pauk®
und Trompeten verkündet als das unfehlbare Gegengift gegen die Lehre
von Condorcet und andern, wurde jubelnd begrüßt von der englisch rt
Oligarchie als der große Austilger aller Gelüste nach menschlicher F°
entwicklung. Malthus, über seinen Erfolg hocherstaunt, gab sich danz darö
oberflächlich zusammengetragenes Material in den alten Rahmen zu stopf®®
und neues, aber nicht von Malthus entdecktes, sondern nur angeeignetes,  bzufügen.
 — Nebenbei bemerkt. Obgleich Malthus Pfaffe der englischen Hoc
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 Kapitel.

553

Unter den bisher unterstellten, den Arbeitern günstigsten Akkunulationsbedingungen
 kleidet sich ihr Abhängigkeitsverhältnis vom
Kapital in erträgliche oder, wie Eden sagt, „behagliche und lose“

kirche, hatte er das Mönchsgelübde des Zölibates abgelegt. Dies ist nämlich
eine der Bedingungen der Fellowship [Mitgliedschaft] der protestantischen
Universität zu Cambridge. „Wir gestatten nicht, daß Verheiratete Mitglieder
der Kollegien sind. Wer heiratet, soll vielmehr sofort aufhören, Mitglied
zu sein.“ („Reports of Cambridge University Commission“, p. 172.) Dieser
Umstand unterscheidet Malthus vorteilhaft von den andern protestantischen
Pfaffen, die das katholische Gebot des Priesterzölibates von sich selbst abgeschüttelt
 und das „Seid fruchtbar und mehret euch“ in solchem Maße als
ihre spezifisch biblische Mission in Anspruch genommen haben, daß sie über-All
 in wahrhaft unanständigem Grade zur Vermehrung der Bevölkerung beilragen,
 während sie gleichzeitig den Arbeitern das „Bevölkerungsprinzip“
Predigen. Es ist charakteristisch, daß der ökonomisch verkleidete Sündenfall,
 der Adamsapfel, das „dringende Gelüst“, die „Hindernisse, die Kupidos
Pfeil abzustumpfen streben“, wie Pfaff Townsend munter sagt, daß dieser
kitzlige Punkt von den Herren von der protestantischen Theologie oder viel-Mehr
 Kirche monopolisiert ward und wird. Mit Ausnahme des venetianischen
 Mönches Ortes, eines originellen und geistreichen Schriftstellers, sind
lie meisten Bevölkerungslehrer protestantische Pfaffen. So Bruckner:
„Theorie du Systöme animal, Leyde 1767“, worin die ganze moderne Be-Völkerungstheorie
 erschöpft ist und wozu der vorübergehende Zank zwischen
Juesnay und seinem Schüler Mirabeau dem älteren [Vater des Revolutions-Mannes]
 über dasselbe Thema Ideen lieferte, dann Pfaffe Wallace, Pfatfe
Townsend, Pfaffe Malthus und sein Schüler, der Erzpfaff Th. Chalmers, von
tleineren pfäffischen Skribenten auf diesem Gebiete gar nicht zu reden.
_ Ursprünglich ward die politische Oekonomie betrieben von Philosophen,
Wie Hobbes, Locke, Hume, Geschäfts- und Staatsleuten, wie Thomas Morus,
Temple, Sully, de Witt, North, Law, Vanderlint, Cantillon, Franklin, und
heoretisch namentlich und mit dem größten Erfolg, von Medizinern, wie
Betty, Barbon, Mandeville, Quesnay., Noch Mitte des 18. Jahrhunderts ent-Schuldigt
 sich der Geistliche Josiah Tucker, ein bedeutender Oekonom für
Seine Zeit, daß er sich mit dem Mammon beschäftigte. Später, und zwar
dit dem „Bevölkerungsprinzip“, schlug die Stunde der protestantischen
Pfaffen. Als ob er diese Geschäftsverpfuschung geahnt, sagt Petty, der die
Bevölkerung als Basis des Reichtums behandelt, und, gleich Adam Smith,
Abgesagter Pfaffenfeind: „Die Religion blüht am besten, wenn die Priester
Am meisten kasteit werden,. wie das Recht am besten, wo die Advokaten vertungen.“
 Er rät daher den protestantischen Pfaffen, wenn sie einmal dem
Apostel Paulus nicht folgen und sich nicht durch das Zölibat „abtöten“
Wollen, „doch ja nicht mehr Pfaffen zu hecken („not to breed more Church-Keen‘),
 als die vorhandenen Pfründen (benefices) absorbieren können; das
Sißt, wenn es nur 12000 Pfründen in England und Wales gibt, ist es un-Me,
 24.000 Pfaffen zu hecken („it will not be safe to breed 24.000 ministers‘‘),
MI die 12000 Unversorgten werden stets einen Lebensunterhalt zu gegaren
 suchen, und wie könnten sie das leichter tun, als indem sie unter
de Volk gehen und es überreden, die 12000 Pfründner vergifteten die
ten, und hungerten selbige Seelen aus, und zeigten ihnen den Holzweg
1600 immel?“ (Pettly: „A Treatise on Taxes and Contributions. London
7“, p. 57.) Adam Smiths Stellung zum protestantischen Pfaffentum seiner
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        304

Siebter Abschnitt.

Formen. Statt intensiver zu werden mit dem Wachstum des Kapi
tals, wird es nur extensiver, das heißt die Ausbeutungs- und Herrschaftssphäre
 des Kapitals dehnt sich nur aus mit seiner eigenen
Größe und der Anzahl seiner Lohnarbeiter. Von ihrem eigenen
anschwellenden und schwellend in Zusatzkapital verwandelten Mehrprodukt
 strömt ihnen ein größerer Teil in der Form von Zahlung*
mitteln zurück, so daß sie den Kreis ihrer Genüsse erweitern, ihren
Konsumtionsfionds von Kleidern, Möbeln usw. besser ausstatten und
kleine Reservefonds von Geld bilden können. Sowenig aber bessere
Kleidung, Nahrung, Behandlung und ein größeres Peculium’%® das
Abhängigkeitsverhältnis und die Ausbeutung des Sklaven aufhebe»
3zowenig die des Lohnarbeiters. Steigender Preis der Arbeit infolg®

Zeit ist durch folgendes charakterisiert. In „A Letter to A; Smith, LL. D.
On the Life, Death and Philosophy of his Friend David Hume, By One of
the People called Christians. 4th ed. Oxford 1784“, kanzelt Dr. Horne, hoch
kirchlicher Bischof von Norwich, den A. Smith ab, weil er in einem öffent
lichen Sendschreiben an Herrn Strahan, seinen „Freund David (das heißt
HAume) einbalsamiere“, weil er dem Publikum erzähle, wie „Hume auf
zeinem Sterbebett sich mit Lucian und Whist amüsierte‘“, und sogar die
Frechheit hatte, zu schreiben: „Ich habe Hume stets, sowohl während seiv®
Lebens wie nach seinem Tode so nahe dem Ideal eines vollkommen weis®
ınd tugendhaften Mannes betrachtet, als die Schwäche der menschliche
Natur erlaubt.“ Der Bischof ruft entrüstet: „Ist es recht von Ihnen, mel
Herr, uns als vollkommen weise und tugendhaft den Charakter und Leben“
wandel eines Menschen zu schildern, der von einer unheilbaren Abneigunf
besessen war wider alles, was Religion heißt, und der jeden Nerv anspannt®
um, so viel an ihm, selbst ihren Namen aus dem Gedächtnis der Mer”
schen zu löschen?“ (Ebenda, S. 8.) „Aber laßt euch nicht entmutigen, Lion
haber der Wahrheit, der Atheismus ist kurzlebig.‘“ (Ebenda, 8.17.) Adam Sm!
„hat die gräßliche Ruchlosigkeit („the atrocious wickedness‘“), den Atheismn’
durch das Land zu propagandieren (nämlich durch seine „Theory of mo7 {
sentiments‘“). ... Wir kennen Eure Schliche, Herr Doktor! Ihr meint’s gub
rechnet aber diesmal ohne den Wirt. Ihr wollt uns durch das Beispiel von
David Hume, Esqg., weismachen, daß Atheismus der einzige Schnaf
(„cordial“) für ein niedergeschlagenes Gemüt und das einzige Gegenß)
wider Todesfurcht ist. ... Lacht nur über Babylon in Ruinen und begin
wünscht nur den verhärteten Bösewicht Pharao!“ (Ebenda, S. 21, 22.) E ß
orthodoxer Kopf unter A. Smiths Kollegienbesuchern schreibt nach dess®
Tod: „Smiths Freundschaft für Hume verhinderte ihn, ein Christ zu sein- 1
Er glaubte Hume alles aufs Wort, Wenn Hume ihm gesagt, der Mond %
ein grüner Käse, er hätt’s geglaubt. Er glaubte ihm daher auch, daß ‚on
keinen Gott und keine Wunder gebe. ... In seinen politischen PrinziP* 48
streifte er an Republikanismus.‘“ („The Bee.“ By James Anderson. nal
volumes. Edinburgh 1791—93, vol. III, p. 164, 165.) Pfaff Th. Chalmers un
A. Smith in Verdacht, daß er aus reiner Bosheit die Kategorie der »” ol
produktiven Arbeiter“ eigens für die protestantischen Pfaffen erfand. r
ihrer gesegneten Arbeit im Weinberge des Herrn. das
76a Unter Peculium verstand das römische Recht das Sondergub peß
unselbständigen Personen, namentlich Sklaven, die Eigentum nicht erWOr
konnten, vom Hausvater zu selbständiger Verfügung überlassen wurde. *“
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

555

ler Akkumulation des Kapitals besagt in der Tat nur, daß der Umfang
ind die Wucht der goldenen Kette, die der Lohnarbeiter sich selbst
bereits geschmiedet hat, ihre losere Spannung erlauben. In den Kontoversen
 über diesen Gegenstand hat man meist die Hauptsache übersehen,
 nämlich die Differentia specifica [das kennzeichnende Merk-Mal]
 der kapitalistischen Produktion. Arbeitskraft wird hier gekauft,
licht um durch ihren Dienst oder ihr Produkt die persönlichen Belürfnisse
 des Käufers zu befriedigen. Sein Zweck ist Verwertung
seines Kapitals, Produktion von Waren, die mehr Arbeit enthalten
als er zahlt, also einen Wertteil enthalten, der ihm nichts kostet und
lennoch durch den Warenverkauf realisiert wird. Produktion von
Mehrwert oder Plusmacherei ist das absolute Gesetz dieser Produklonsweise.
 Nur soweit sie die Produktionsmittel als Kapital erhält,
Ihren eigenen Wert als Kapital reproduziert und in unbezahlter Arwit.
 eine Quelle von Zuschußkapital liefert, ist die Arbeitskraft veräufbar.

_ Die Bedingungen ihres Verkaufs, ob mehr oder minder günstig
für den Arbeiter, schließen also die Notwendigkeit ihres steten
Wiederverkaufs und die stets erweiterte Reproduktion des Reichtums
Is Kapital ein. Der Arbeitslohn, wie man gesehen, bedingt seiner
Natur nach stets Lieferung eines bestimmten Quantums unbezahlter
Arbeit auf seiten des Arbeiters. Ganz abgesehen vom Steigen des
Arbeitslohnes mit sinkendem Preis der Arbeit usw., besagt seine Zulahme
 im besten Falle nur quantitative Abnahme der unbezahlten
Arbeit, die der Arbeiter leisten muß. Diese Abnahme kann nie bis
Um Punkt fortgehen, wo sie das kapitalistische System selbst be-Irohen
 würde, das heißt den kapitalistischen Charakter des Pro-Iuktionsprozesses
 und die Reproduktion. seiner eigenen Bedingun-3°,
 auf der einen Seite der Produktions- und Lebensmittel als
Xapital, auf der andern der Arbeitskraft als Ware, auf dem einen
Pol des Kapitalisten, auf dem andern des Lohnarbeiters. Abgesehen
"On gewaltsamen Konflikten über die Rate des Arbeitslohnes, und
Adam Smith hat bereits gezeigt, daß im großen und ganzen in solchem
Konflikt der Meister stets Meister bleibt, unterstellt ein aus Akkumu-Alion
 des Kapitals entspringendes Steigen des Arbeitspreises fol-°hde
 Alternative.
8 Entweder fährt der Preis der Arbeit fort zu steigen, weil seine
eöhung den Fortschritt der Akkumulation nicht stört; es liegt darin
ats Wunderbares, denn, sagt A. Smith, „selbst bei gesunkenem
s ost kann das Kapital nicht nur fortfahren, zu wachsen, sondern
year viel rascher anwachsen. ... Ein großes Kapital wächst selbst
öe Kkleinerem Profit im allgemeinen rascher als ein kleines Kapital
Dal großem Profit.“ („Wealth of Nations“, IL, p. 189.) In diesem
Age. Bt es augenscheinlich, daß eine Verminderung der unbezahlten
N eit die Ausdehnung der Kapitalherrschaft keineswegs beein-AL
 Diese Bewegung gewöhnt vielmehr den Arbeiter daran,
ganzes Heil in der Bereicherung seines Herrn zu sehen.
        <pb n="601" />
        56

Siebter Abschnitt

Oder, und das ist die andere Seite der Alternative, die Akkı
mulation erschlafit infolge des steigenden Arbeitspreises, weil de!
Stachel des Gewinnes abstumpft. Die Akkumulation nimmt ab. Abe!
mit ihrer Abnahme verschwindet die Ursache ihrer Abnahme, näm
lich das Mißverhältnis zwischen Kapital und ausbeutbarer Arbeits
kraft, das Uebermaß von Kapital gegenüber dem Angebot von Ar
beitskraft. Der Mechanismus des kapitalistischen Produktions
prozesses beseitigt also selbst die Hindernisse, die er vorübergehen‘
schafft. Der Arbeitspreis fällt wieder auf ein den Verwertung®
bedürfnissen des Kapitals entsprechendes Niveau, ob dieses nuß
unter, über oder gleich mit dem Niveau, welches vor Eintritt de®
Lohnzuwachses als normal galt.
Man sieht: Im ersten Fall ist es nicht die Abnahme im absolute?
oder proportionellen Wachstum der Arbeitskraft oder Arbeiter
bevölkerung, welche das Kapital überschüssig, sondern umgekehr
die Zunahme des Kapitals, welche die ausbeutbare Arbeitskraft ur
zureichend macht. Im zweiten Fall ist es nicht die Zunahme iP
absoluten oder proportionellen Wachstum der Arbeitskraft oder de!
Arbeiterbevölkerung, welche das Kapital unzureichend, sondern ur”
gekehrt die Abnahme des Kapitals, welche die ausbeutbare Arbeit®
kraft überschüssig macht und ihren Preis herabdrückt. Es sind die“
absoluten Bewegungen in der Akkumulation des Kapitals, welch‘
sich als relative Bewegungen in der Masse der ausbeutbaren Arbeit
kraft widerspiegeln und daher der eigenen Bewegung der letzteren g*
schuldet scheinen. Um einen mathematischen Ausdruck anzuwende®‘
die Größe der Akkumulation ist die unabhängige Variable, die Lohl"
größe die abhängige, nicht umgekehrt. So drückt sich in der Krise»
phase des industriellen Zyklus der allgemeine Fall der Warenprei®
als Steigen des relativen Geldwertes, und in der Prosperitätspha®®
das allgemeine Steigen der Warenpreise als Fall des relativen Geld
wertes aus. Die sogenannte Currencyschule schließt daraus, daß be
hohen Preisen zu viel, bei niedrigen zu wenig Geld zirkuliert. Ihr
ignoranz und völlige Verkennung der Tatsachen” finden würdig®
Parallele in den Oekonomen, welche jene Phänomene der Akkun®
lation dahin deuten, daß das eine Mal zu wenig und das andere M
zu viel Lohnarbeiter existieren.
Das Gesetz der kapitalistischen Produktion, das dem angeblich“
„natürlichen Bevölkerungsgesetz“ zugrunde liegt, kommt einfaC
auf dies heraus: Das Verhältnis zwischen Kapital, Akkumulatio?
und Lohnrate ist nichts als das Verhältnis zwischen der unbezahlteP
in Kapital verwandelten Arbeit und der zur Bewegung des Zusal”
kapitals erforderlichen zuschüssigen Arbeit. Es ist also keinesw%
ein Verhältnis zweier voneinander unabhängigen Größen, einers®,
der Größe des Kapitals, anderseits der Zahl der Arbeiterbevölkerw®
es ist vielmehr in letzter Instanz nur das Verhältnis zwischen g
77 Vgl. Karl Marx: „Zur Kritik der Politischen Oekonomie“, S. 166 *
[Ausgabe Stuttgart S. 196 ff.]
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        schnitt.

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26 ff

Dreiundzwanzigstes Kapitel.

557

mbezahlten und der bezahlten Arbeit derselben Arbeiterbevölke-‘ung.
 Wächst die Menge der von der Arbeiterklasse gelieferten
nd von der Kapitalistenklasse akkumulierten, unbezahlten Arbeit
'asch genug, um nur durch einen außergewöhnlichen Zuschuß be-'ahlter
 Arbeit sich in Kapital verwandeln zu können, so steigt der
Lohn, und alles andere gleichgesetzt, nimmt die unbezahlte Arbeit
m Verhältnis ab. Sobald aber diese Abnahme den Punkt berührt,
Vo die das Kapital ernährende Mehrarbeit nicht mehr in normaler
Menge angeboten wird, so tritt eine Reaktion ein: ein geringerer
Teil der Revenue wird kapitalisiert, die Akkumulation erlahmt und
lie steigende Lohnbewegung empfängt einen Gegenschlag. Die Erhung
 des Arbeitspreises bleibt also eingebannt in Grenzen, die die
Srundlagen des kapitalistischen Systems nicht nur unangetastet
ässen, sondern auch seine Reproduktion auf wachsender Stufenleiter
Achern. Das in ein Naturgeseiz mystifizierte Geseiz der kapitalitischen
 Akkumulation drückt also in der Tat nur aus, daß ihre
Natur jede solche Abnahme im Ausbeutungsgrad der Arbeit oder
de solche Steigerung des Arbeitspreises ausschließt, welche die
tetige Reproduktion des Kapitalverhältnisses und seine Reproduklon
 auf stets erweiterter Stufenleiter ernsthaft gefährden könnte.”?*
üs kann nicht anders sein in einer Produktionsweise, worin der
\rbeiter für die Verwertungsbedürfnisse vorhandener Werte, statt
WMgekehrt der gegenständliche Reichtum für die Entwicklungs-)edürfnisse
 des Arbeiters da.ist. Wie der Mensch in der Religion
9m Machwerk seines eigenen Kopfes, so wird er in der kapialistischen
 Produktion vom Machwerk seiner eigenen Hand belerrscht.77b


% Relative Abnahme des variablen Kapitalteils im Fortgang der
Akkumulation und der sie begleitenden Zentralisation,
; Nach den Oekonomen selbst ist es weder der vorhandene Umäng
 des gesellschaftlichen Reichtums noch die Größe des bereits
TWorbenen Kapitals, die eine Lohnerhöhung herbeiführen, sondern

77a Note zur 2. Ausgabe. „Die Grenze jedoch der Beschäftigung von
Adustriellen wie von ländlichen Arbeitern ist dieselbe: nämlich die Möglichit
 für den Unternehmer, einen Profit aus ihrem Arbeitsprodukt herauszuhlagen.
 ... Steigt die Rate des Arbeitslohnes so hoch, daß der Gewinn
les Meisters unter den Durchschnittsprofit fällt, so hört er auf, sie zu behäftigen
 oder beschäftigt sie nur unter der Bedingung, daß sie eine
(erabsetzung des Arbeitslohnes zulassen.“ (John Wade: „History of the
“idale and Working Classes. 8rd ed. London 1835“, p. 241.) .
7b Gehen wir aber nun auf unsere erste Untersuchung zurück, wo
chgewiesen ist... daß das Kapital selbst nur das Erzeugnis menschlicher
Arbeit ist ,.. so scheint es ganz unbegreiflich, daß der Mensch unter die
Herrschaft seines eigenen Produkts — das Kapital — geraten und diesem
Wiergeordnet werden könne; und da dies in der Wirklichkeit doch unm-(ügbar
 der Fall ist, so drängt sich unwillkürlich die Frage auf: wie hat der
\rbeiter aus dem Beherrscher des Kapitals — als Schöpfer desselben — zum
        <pb n="603" />
        558

Siebter Abschnitt.

lediglich das fortgesetzte Wachsen der Akkumulation und der Ge-Schwindigkeitsgrad
 ihres Wachstums. Diese Voraussetzung figurier!
in Adam Smiths Untersuchung der Akkumulation als selbstverständlicher
 Grundsatz. (A. Smith: „Wealth of Nations“, b. I, ch. 8.)
Bisher haben wir nur eine besondere Phase dieses Prozesses betrachtet,
 diejenige, in der der Kapitalzuwachs stattfindet bei gleichbleibender
 technischer Zusammensetzung des Kapitals. Aber der
Prozeß schreitet über diese Phase hinaus.
Die allgemeinen Grundlagen des kapitalistischen Systems_einmal
 gegeben, tritt im. Verlaufe der Akkumulation jedesmal ein Punkt
ein, wo die Entwicklung der Produktivität der gesellschaftlichen
Arbeif_ der. mächtigste Hebel. der...Akkumulation_ wird. „Dieselbe
Ursache,“ sagt A. Smith (in dem eben zitierten Kapitel), „die die
Löhne erhöht, nämlich die Zunahme des Kapitals, treibt zur Steig®
rung der produktiven Fähigkeiten der Arbeit und bewirkt, daß eine
kleinere Arbeitsmenge imstande ist, eine größere Menge von Pro:
dukten zu erzeugen.“
Abgesehen von Naturbedingungen, wie Fruchtbarkeit de®
Bodens usw., und von der Geschicklichkeit unabhängiger und isoliert
arbeitender Produzenten, die sich jedoch mehr qualitativ in der Güt®
als quantitativ in der Masse des Machwerkes bewährt, drückt sich
der gesellschaftliche Produktivgrad der Arbeit aus im relative»?
Größenumfang der Produktionsmittel, welche ein Arbeiter, während
gegebener Zeit, mit derselben Anspannung von Arbeitskraft, in Pr
dukt verwandelt. Die Masse der Produktionsmittel, womit &amp;amp;
funktioniert, wächst mit der Produktivität seiner Arbeit. Dies®
Produktionsmittel spielen dabei eine doppelte Rolle. Das Wachstu®
der einen ist Folge, das der andern Bedingung der wachsenden Pr"
duktivität der Arbeit. Zum Beispiel mit der manufakturmäßige?
Teilung der Arbeit und der Anwendung von Maschinerie wird ®
derselben Zeit mehr Rohmaterial verarbeitet, tritt also größere Mas®®
von. Rohmaterial und Hilfsstoffen in den Arbeitsprozeß ein. Das il
eine Folge der wachsenden Produktivität der Arbeit. Anderseiß
ist die Masse der angewandten Maschinerie, des Arbeitsviehe
mineralischen Düngers, der Drainierungsröhren usw. Bedingung der
wachsenden Produktivität der Arbeit. Ebenso die Masse der ®
Baulichkeiten, Riesenöfen, Transportmitteln usw. konzentrierte?
Produktionsmittel. Ob aber Bedingung oder Folge, der wachsend®
Größenumfang der Produktionsmittel im Vergleich zu der ihnen ei?
verleibten Arbeitskraft drückt die wachsende Produktivität der AT
beit aus.
Zur Zeit des Erstehens der Großindustrie entdeckte man in ES
land eine Methode, um das Roheisen mit Koks in schmiedbar®
Eisen zu verwandeln. Dieses Verfahren, das man Puddeln nem?
Sklaven des Kapitals werden können?“ (Von Thünen: „Der isolierte Staat
Zweiter Teil. Zweite Abteilung. Rostock 1863“, S, 5, 6.) Es ist das V®
dienst Thünens, gefragt zu haben. Seine Antwort ist einfach kindisch.
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

559

und das auf einer Entkohlung des Gußeisens in Oefen bestimmter
Konstruktion beruht, veranlaßte eine enorme Vergrößerung der
Hochöfen, die Einführung von Einrichtungen zur Erzeugung heißer
Luft usw., kurz, eine derartige Vermehrung der Arbeitsmittel
und der verarbeiteten Materialien, die von der gleichen Menge Arbeit
 verbraucht wurden, daß das Eisen bald in genügend großen
Mengen und genügend billig geliefert werden konnte, um Stein und
Holz aus einer Reihe Anwendungen zu verdrängen.
Jedoch der Puddler, der Arbeiter, der damit beschäftigt ist, das
Roheisen zu entkohlen, hat eine Handarbeit der Art auszuführen, daß
die Größe der Oefen, die er zu besorgen imstande ist, durch seine
Persönlichen Fähigkeiten beschränkt wird, und es ist diese Schranke,
die gegenwärtig [1874] den erstaunlichen Aufschwung aufhält, den
die Metallindustrie seit 1780, der Zeit der Erfindung des Puddelns,
Senommen hat.
„Es ist Tatsache,“ klagt „The Engineering“, das Organ der englischen
 Ingenieure, „daß das alte Verfahren des Handpuddelns nicht
viel besser ist als ein Stück Barbarei. ... Das Streben unserer
Industrie geht dahin, auf den verschiedenen Stufen der Fabrikation
Immer größere Stofimassen zu verarbeiten. Daher sehen wir jedes
Jahr immer riesenhaftere Hochöfen erstehen, immer schwerere
Dampfhämmer, immer gewaltigere Walzwerke, immer gigantischere
Werkzeuge in den verschiedenen Zweigen der Metallverarbeitung.
Inmitten dieses allgemeinen Anwachsens — eines Anwachsens der
Produktionsmittel im ‚Verhältnis zur angewandten Arbeit — ist das
Puddelverfahren fast unverändert geblieben und setzt heute der
Idustriellen Bewegung ganz unerträgliche Schranken. ... Man ist
laher im Begriff, es in allen großen Betrieben durch Oefen mit auto-Matischer
 Drehung zu ersetzen, die kolossale Ofenladungen be-Wältigen
 können, denen keine Handarbeit gewachsen wäre.‘“77°
_ Nachdem das Puddelverfahren also die Eisenindustrie revolutio-Nert
 und eine große Ausdehnung der Arbeitsmittel und der Masse
des Rohmaterials, die von einer bestimmten Menge Arbeit verarbeitet
 werden, hervorgerufen hatte, ist es im Fortgang der Akku-Mulation
 ein ökonomisches Hindernis geworden, dessen man sich
Jetzt zu entledigen sucht durch neue Verfahren, die imstande sind,
Üe. Schranken zurückzudrängen, die es einem weiteren Anwachsen
der materiellen Mittel der Produktion im Verhältnis zur angewandten
Arbeit entgegenstellt. Das ist die Geschichte aller Entdeckungen
Und Erfindungen, die infolge der Akkumulation aufkommen, wie wir
bereits zeigten, als wir den Gang der modernen Produktion seit ihrem
Ursprung bis zu unserer Zeit verfolgten.”
tat Im Fortgang der Akkumulation finden wir also nicht nur quanties
 und gleichzeitiges Wachsen der verschiedenen stofflichen
"6 „The Engineering“, 13. Juni 1874. _ .
Wertes. Vgl. den vierten Abschnitt über die Produktion des relativen Mehr-
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        560

Siebter Abschnitt

Elemente des Kapitals: die Entwicklung der Produktivkräfte der
gesellschaftlichen Arbeit, die jener Fortschritt mit sich bringt, äußert
sich auch in qualitativen Aenderungen, allmählichen Veränderungen
der technischen Zusammensetzung des Kapitals. Der objektive, sachliche,
 Faktor des Arbeitsprozesses wächst im Verhältnis zum subjektiven,
 persönlichen, Faktor, das heißt die Masse der Arbeitsmittel
und Rohmaterialien wächst im Verhältnis zur Summe der Arbeitskräfte,
 die sie zu gebrauchen haben. In dem Maße, in dem das
Kapital die Arbeit produktiver macht, vermindert sich seine Nach-Irage
 nach Arbeit im Verhältnis zu seiner Größe.
Diese Veränderung in der technischen Zusammensetzung des
Kapitals, das Wachstum in der Masse der Produktionsmittel, ver
glichen mit der Masse der sie belebenden Arbeitskraft, spiegelt sich
wider in seiner Wertzusammensetzung, in der Zunahme des kor
stanten Bestandteiles des Kapitalwertes auf Kosten seines variable»
Bestandteiles. Es werden zum Beispiel von einem Kapital, prozent
weise berechnet, ursprünglich je 50 pZt. in Produktionsmitteln und
je 50 pZt. in Arbeitskraft ausgelegt, später, mit der Entwicklung de®
Produktivgrades der Arbeit, je 80 pZt. in Produktionsmitteln und ]®
20 pZt. in Arbeitskraft usw.
Dies Gesetz des steigenden Wachstums des konstanten Kapital
leiles im Verhältnis zum variablen wird auf jedem Schritt_bestätigt
(wie schon oben entwickelt) durch die vergleichende Untersuchung de!
Warenpreise, gleichviel ob wir verschiedene ökonomische Epoche?
bei einer einzigen Nation vergleichen oder verschiedene Natione®
in derselben Epoche. Die relative Größe jenes Preiselements, d#$
nur den Wert der verzehrten Produktionsmittel oder den konstante?
Kapitalteil vertritt, wird in direktem Verhältnis zum Fortschritt de!
Akkumulation stehen; die relative Größe des andern, die Arbeit b®
zahlenden oder den variablen Kapitalteil vertretenden Preiselement®
im allgemeinen in umgekehrtem Verhältnis dazu.
Die Abnahme des variablen Kapitalteiles gegenüber dem ko”
stanten, oder die veränderte Zusammensetzung des Kapitalwerte®
zeigt jedoch nur annähernd den Wechsel in der Zusammensetzunß
seiner stofflichen Bestandteile an. Wenn zum Beispiel heute de
in der Spinnerei angelegte Kapitalwert zu ’/, konstant und %
variabel ist, während er Anfang des 18. Jahrhunderts !/, konstant und
*/2 variabel war, so ist dagegen die Masse von Rohstoff, Arbeit®
mitteln usw., die ein bestimmtes Quantum Spinnarbeit heute PI”
duktiv konsumiert, viel hundertmal größer als im Anfang des 18.Jab“
hunderts. Der Grund ist einfach der, daß mit der wachsende
Produktivität der Arbeit nicht nur der Umfang der von ihr vernutzte?
Produktionsmittel steigt, sondern deren Wert, verglichen mit ihren
Umfang, sinkt. Ihr Wert steigt also absolut, aber nicht proportion® .
mit ihrem Umfang. Das Wachstum der Differenz zwischen ko? :
stantem und variablem Kapitalteil ist daher viel kleiner als da® der
Differenz zwischen der Masse der Produktionsmittel, worin das ko?
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

561

stante, und der Masse Arbeitskraft, worin das variable Kapital umzesetzt
 wird. Die erstere Differenz nimmt zu mit der letzteren, aber
N geringerem Grad.
Uebrigens sei bemerkt, um Mißverständnissen vorzubeugen,
wenn der Fortschritt der Akkumulation die relative Größe des
variablen Kapitalteiles vermindert, schließt er damit die Steigerung
Ihrer absoluten Größe keineswegs aus. Gesetzt, ein Kapitalwert
terfalle anfangs in 50 pZt. konstantes und 50 pZt. variables Kapital,
äter in 80 pZt. konstantes und 20 pZt. variables. Ist inzwischen das
irsprüngliche Kapital, sage 6000 Pfd. Sterl., gewachsen auf 18000 Pid.
Sterl., so ist sein variabler Bestandteil auch um */, gewachsen. Er
War 3000 Pfd. Sterl., er beträgt jetzt 3600 Pfd. Sterl. Wo aber früher
tin Kapitalzuwachs von 20 pZt. genügt hätte, die Nachfrage nach
Arbeit um 20 pZt. zu steigern, erfordert das jetzt Verdreifachung des
Irsprünglichen Kapitals.
Im vierten Abschnitt wurde gezeigt, wie die Entwicklung der
Sesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit Kooperation auf großer
Stufenleiter voraussetzt, wie nur unter dieser Voraussetzung Teilung
md Kombination der Arbeit organisiert, Produktionsmittel durch
Massenhafte Konzentration ökonomisiert, schon stofflich nur gemeinsam
 anwendbare Arbeitsmittel, zum Beispiel System der Ma-Schinerie
 usw., ins Leben gerufen, ungeheure Naturkräfte in den
Dienst der Produktion gepreßt und die Verwandlung des Pro-Auktionsprozesses
 in technologische Anwendung der Wissenschaft
Yollzogen werden können. Auf Grundlage der Warenproduktion, wo
die Produktionsmittel Eigentum von Privatpersonen sind, wo der
Handarbeiter daher entweder vereinzelt und selbständig Waren pro-Auziert
 oder seine Arbeitskraft als Ware verkauft, weil ihm die
Mittel zum Selbstbetrieb fehlen, realisiert sich jene Voraussetzung
dr durch das Wachstum der individuellen Kapitale, oder im Maße,
Worin die gesellschaftlichen Produktions- und Lebensmittel in das
Privateigentum von ‚Kapitalisten verwandelt werden. Der Boden
der Warenproduktion kann die Produktion auf großer Stufenleiter
dur in kapitalistischer Form tragen. Eine gewisse Akkumulation
“0n Kapital in den Händen individueller Warenproduzenten bildet
daher die Voraussetzung der modernen Industrie, jenes Zusammen-Virkens
 gesellschaftlicher Verbindungen und technischer Verfahren,
das wir die besondere kapitalistische Art der Produktion oder die
Dezifisch kapitalistische Produktionsweise nennen.”’® Wir mußten
lene Akkumulation deshalb unterstellen bei dem Uebergang aus
om Handwerk in den kapitalistischen Betrieb. Sie mag die ur-We
 ngliche _Akkumulation-heißen,.weil sie statt historisches Resultat
we rische Grundlage der spezifisch kapitalistischen Produktion..ist.
416 sie selbst entspringt, brauchen wir hier noch nicht zu untersoll
 776 Die vorherige Akkumulation von Kapital ist unbedingt erforderlich,
Ag diese große Vermehrung der Produktivkräfte der ‚Arbeit vor sich gehen.
am Smith: „Wealth of Nations“, book IL, Einleitung.)
Das Kapital. 1. ES
        <pb n="607" />
        562

Siebter Abschnitt.

suchen. Genug, sie bildet den Ausgangspunkt. Aber alle Methoden
zur Steigerung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit, die
auf dieser Grundlage erwachsen, sind zugleich Methoden der gesteigerten
 Produktion des Mehrwertes oder Mehrprodukts, welches
seinerseits das Bildungselement der Akkumulation. Sie sind also
zugleich Methoden der Produktion von Kapital durch Kapital oder
Methoden seiner beschleunigten Akkumulation. Die ununterbrochene
Rückverwandlung von_ Mehrwert in Kapital stellt sich. dar als wachsende
 Größe des. in den -Produktionsprozeß.. eingehenden. Kapitals.
Diese wird ihrerseits Grundlage einer erweiterten .Stufenleiter der
Produktion, der sie begleitenden Methoden zur Steigerung der Produktivkraft
 der Arbeit und beschleunigter Produktion von Mehrwert.
Wenn also ein gewisser Grad der Kapitalakkumulation als Bedipgung
 der spezifisch kapitalistischen Produktionsweise erscheint, ver
ursacht die letztere rückschlagend &amp;amp;ine beschleunigte Akkumulation
des Kapitals. Mit der Akkumulation des Kapitals entwickelt sich
daher die spezifisch kapitalistische Produktionsweise und mit der
spezifisch kapitalistischen Produktionsweise die Akkumulation des
Kapitals. Diese beiden ökonomischen Faktoren erzeugen, nach
dem zusanımengesetzten Verhältnis des Anstoßes, den sie sich geger‘
seitig erteilen, den Wechsel in der technischen Zusammensetzung de
Kapitals, durch welchen der variable Bestandteil immer kleiner und
kleiner wird, verglichen mit dem konstanten.
Jedes individuelle Kapital ist eine größere oder kleinere Koßzentration
 [Vereinigung in einer Hand] von Produktionsmitteln mit
entsprechendem Kommando über eine größere oder kleinere AT
beiterarmee. Jede Akkumulation wird das Mittel. neuer Akkumul#-tion.
 Sie erweitert mit der vermehrten Masse des als Kapital funk
tionierenden Reichtums seine Konzentration in den Händen indiv”
dueller Kapitalisten, daher die Grundlage der Produktion auf große!
Stufenleiter und der spezifisch kapitalistischen ProduktionsmethodeP-Das
 Wachstum des gesellschaftlichen Kapitals. vollzieht sich 39
Wachstum vieler individuellen Kapitale. Alle andern Umstände al
gleichbleibend vorausgesetzt, wachsen die individuellen Kapital®
und mit ihnen die Konzentration der Produktionsmittel, im Ver
hältnis, worin sie aliquote Teile des gesellschaftlichen Gesamt
kapitals bilden. Zugleich reißen sich Ableger von den Original
kapitalen los und funktionieren als neue selbständige Kapitale. Ein®
große Rolle spielt dabei unter anderm die Teilung des Vermöger*
in Kapitalistenfamilien. Mit der Akkumulation des Kapita®
wächst daher auch mehr oder minder die Anzahl der Kapitaliste?-Zwei
 Punkte charakterisieren diese Art Konzentration, welche vr
mittelbar auf der Akkumulation beruht oder vielmehr mit
identisch ist.

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„.. 1. Die wachsende Konzentration der gesellschaftlichen Produktion®
mittel in den Händen individueller Kapitalisten ist, unter sonst gleich“
bleibenden Umständen, beschränkt durch den Wachstumsgrad des
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

563

sesellschaftlichen Reichtums. 2. Der in jeder besonderen Produkllonssphäre
 ansässige Teil des gesellschaftlichen Kapitals ist verteilt
Inter viele Kapitalisten, welche einander als unabhängige und mit-Mnander
 konkurrierende Warenproduzenten gegenüberstehen. Die
Akkumulation und die sie begleitende Konzentration sind also nicht
Mur auf viele Punkte zersplittert, sondern das Wachstum der funktio-Nerenden
 Kapitale ist durchkreuzt durch die Bildung neuer und die
Spaltung alter Kapitale. Stellt sich die Akkumulation daher einer-;eits
 dar als wachsende Konzentration der Produktionsmittel und
les Kommandos über Arbeit, so anderseits als Abstoßung vieler
Ndividueller Kapitale voneinander.
_ Dieser Zersplitterung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals in
Nele individuelle Kapitale oder der Abstoßung seiner Bruchteile
"neinander wirkt entgegen ihre Anziehung. Es ist dies nicht mehr
änfache, mit der Akkumulation identische Konzentration von Pro.
Juktionsmitteln und Kommando über Arbeit. Es ist Konzentration
bereits gebildeter Kapitale, Aufhebung ihrer individuellen Selb-Händigkeit,
 Expropriation von Kapitalist durch Kapitalist, Verwand-Ung
 vieler kleineren in wenige größere Kapitale. Dieser Prozeß
Wterscheidet sich von dem ersten dadurch, daß er nur veränderte
Verteilung der bereits vorhandenen und funktionierenden Kapitale
"oraussetzt, sein Spielraum also durch das absolute Wachstum des
Sesellschaftlichen Reichtums oder die absoluten Grenzen der Akku-Xulation
 nicht beschränkt ist. Das Kapital schwillt hier in einer
Hand zu großen Massen, weil es dort in vielen Händen verloren
Seht. Es ist die eigentliche Zeniralisation im Unterschied zur
Akkumulation und Konzentration.
. Die Gesetze dieser Zentralisation der Kapitale oder der Anächung
 von Kapital durch Kapital können hier nicht entwickelt werden,
 Kurze tatsächliche Andeutung genügt. Der Konkurrenzkampf
Wird durch Verwohlfeilerung der Waren geführt. Die Wohlfeilheit
der Waren hängt, unter sonst gleichen Umständen, von der Pro-Juktivität
 der Arbeit, diese aber von der Stufenleiter der Produktion
ab, Die größeren Kapitale schlagen daher die kleineren. Man er-Daert
 sich ferner, daß mit der Entwicklung der kapitalistischen
"Ooduktionsweise der Minimalumfang des individuellen Kapitals
yo chst, das erheischt ist, um ein Geschäft unter seinen normalen
a dingungen zu betreiben. Die kleineren Kapitale drängen sich
„ber in Produktionssphären, deren sich die große Industrie nur
‚ch vereinzelt oder unvollkommen bemächtigt hat. Die Konkurrenz
vr hier im direkten Verhältnis zur Anzahl und im umgekehrten
m. hältnis zur Größe der rivalisierenden Kapitale. Sie endet stets
3 Untergang vieler kleineren Kapitalisten, deren Kapitale teils in
'® Hand des Siegers übergehen, teils untergehen.
No Abgesehen hiervon bildet sich mit der kapitalistischen Produk-Y
 N eine ganz neue Macht, das Kreditwesen, das in seinen Anfängen
Srstohlen, als bescheidene Beihilfe der Akkumulation, sich ein-
        <pb n="609" />
        564

Siebter Abschnitt.

schleicht, durch unsichtbare Fäden die über die Oberfläche der Gegellschaft
 in größeren oder kleineren Massen zersplitterten Geldmittel
 in die Hände individueller oder assoziierter Kapitalisten zieht,
aber bald eine neue und furchtbare Waffe im Konkurrenzkampt
wird und sich schließlich in einen ungeheuren sozialen Mechanismus
zur Zentralisation der Kapitale verwandelt.
Im Maß, wie sich die kapitalistische Produktion und Akkumulation
 entfalten, im selben Maß entwickeln sich Konkurrenz und Kredit,
die beiden mächtigsten Hebel der Zentralisation. Daneben vermehrt
der Fortschritt der Akkumulation den zentralisierbaren Stoff, das
heißt die Einzelkapitale, während die Ausweitung der kapitalist!-schen
 Produktion, hier das gesellschaftliche Bedürfnis, dort die tech
nischen Mittel jener gewaltigen industriellen Unternehmunge®
schafit, deren Durchführung an eine vorgängige Zentralisation des
Kapitals gebunden ist. Heutzutage ist also die gegenseitige AD“
ziehungskraft der Einzelkapitale und die Tendenz zur Zentralisation
stärker als je zuvor. Wenn aber auch die relative Ausdehnung und
Energie der zentralisierenden Bewegung in gewissem Grade be
stimmt ist durch die schon erreichte Größe des kapitalistischen Reich
tums und die Ueberlegenheit des ökonomischen Mechanismus, ®
hängt doch der Fortschritt der Zentralisation keineswegs ab von dem
positiven Größenwachstum des gesellschaftlichen Kapitals. Und
dies speziell unterscheidet die Zentralisation von der Konzentratioh
die nur ein anderer Ausdruck für die Reproduktion auf erweiterte!
Stufenleiter ist. Die Zentralisation kann erfolgen durch bloße ver
änderte Verteilung schon bestehender Kapitale, durch einfache Ver
änderung der quantitativen Gruppierung der Bestandteile des gesellschaftlichen
 Kapitals. Das Kapital kann hier zu gewaltigen Mass®
in_einer Hand. anwachsen, weil_es.dörf. vielen einzelnen. Hände?
entzogen wird. In einem gegebenen Geschäftszweig hätte die Ze?”
tralisation ihre äußerste Grenze erreicht; wenn alle darin angelegte?
Kapitale zu einem Einzelkapital verschmolzen wären. In eine
gegebenen Gesellschaft wäre. diese Grenze erreicht_erst in..d®®
Augenblick, wo das gesamte gesellschaftliche Kapital vereinigt wär®
in der Hand, sei es eines einzelnen Kapitalisten, sei es einer einzige?
Kapitalistengemeinschaft.1
Die Zentralisation ergänzt das Werk der Akkumulation, inde”
sie die industriellen Kapitalisten instand setzt. die Shufenleiter ihre

tt Zu diesem Vorausblick, der vor 40 Jahren (1874) nieder
geschrieben wurde (er ist der französischen Ausgabe entnommen), konnte
Engels schon 1890 bemerken: „Die neuesten englischen und amerikanisch“
„Trusts“ streben dies Ziel bereits an, indem sie versuchen, wenigstens Sän
liche Großbetriebe eines Geschäftszweiges zu einer großen Aktiengesel”
schaft mit praktischem Monopol zu vereinigen.“ — Seitdem hat sich di
Kartellwirtschaft in ganz Europa eingebürgert, und in Amerika ist die F or
des hör“ bereits tatsächlich zur Form des Großkapitals überhaupt 8
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

565

Operationen auszudehnen. Sei dies letztere Resultat nun Folge der
Akkumulation oder der Zentralisation; vollziehe sich die Zentralisation
 auf dem Wege gewaltsamer Einverleibung — wo ge-Wisse
 Kapitale so überwiegende Anziehungszentren für andere
Werden, daß sie deren individuellen Zusammenhalt brechen
ind dann die vereinzelten Bruchstücke an sich ziehen —, oder ge-Schehe
 die Verschmelzung einer Menge bereits gebildeter respektive
N der Bildung begriffener Kapitale mittels des glatteren Verlahrens
 der Bildung von Aktiengesellschaften — die ökonomische
Wirkung bleibt dieselbe. Die gewachsene Ausdehnung der indu-Striellen
 Etablissements bildet überall den Ausgangspunkt für eine
unmfassendere Organisation der Gesamtarbeit vieler, für eine breitere
Entwicklung ihrer materiellen Triebkräfte, das heißt für die fort-Schreitende
 Umwandlung vereinzelter und in herkömmlicher Weise
betriebener Produktionsprozesse in gesellschaftlich kombinierte und
Wissenschaftlich geregelte Produktionsprozesse.
Es ist aber klar, daß die Akkumulation, die allmähliche Ver
Mehrung des Kapitals durch die aus der Kreisform in die Spirale
übergehende Reproduktion ein gar langsames Verfahren ist im Ver-8leich
 mit der Zentralisation, die nur die quantitative Gruppierung
der einzelnen einander ergänzenden Teile des gesellschaftlichen
Kapitals zu ändern braucht. Die Welt wäre noch ohne Eisenbahnen,
hätte sie so lange warten müssen, bis die Akkumulation einige
Einzelkapitale dahin gebracht hätte, dem Bau einer Eisenbahn ge-Wachsen
 zu sein. Die Zentralisation dagegen hat dies, vermittels
der Aktiengesellschaften, im Handumdrehen fertig gebracht. Und
Während die Zentralisation so die Wirkungen der Akkumulation
Steigert. und beschleunigt, erweitert und beschleunigt sie gleichzeitig
die Umwälzungen in der technischen Zusammensetzung des Kapitals,
die dessen konstanten Teil vermehren auf Kosten seines variablen
Teiles und damit die relative Nachfrage nach Arbeit vermindern.
Die durch die Zentralisation über Nacht zusammengeschweißten
Kapitalmassen reproduzieren und vermehren sich wie die andern,
dur rascher, und werden damit zu neuen mächtigen Hebeln der
Sesellschaftlichen Akkumulation. Spricht man also vom Fortschritt
der gesellschaftlichen Akkumulation, so sind darin — heutzutage —
die Wirkungen der Zentralisation stillschweigend einbegriffen.
Der wachsende Umfang der individuellen Kapitalmassen wird
%r materiellen Grundlage einer beständigen Umwälzung der Pro-Ültionsweise
 selbst. Fortwährend erobert die kapitalistische Pro-Quktionsweise
 ihr noch gar nicht oder nur teilweise oder nur formeil
üterworfene Arbeitszweige. Daneben erwachsen auf ihrem Boden
deue, ihr von vornherein angehörige Arbeitszweige. Endlich wird
© den bereits kapitalistisch betriebenen Arbeitszweigen die Produky
 Kraft der Arbeit treibhausmäßig gereift. In allen diesen Fällen
"kt die Arbeiterzahl verhältnismäßig zur Masse der von ihr ver-\beiteten
 Produktionsmittel. Ein stets größerer Teil des Kapitals
        <pb n="611" />
        366

Siebter Abschnitt.

wird in Produktionsmittel umgesetzt, ein stets kleinerer in Arbeits
kraft. Mit dem Umfang der Konzentration und der technischen
Wirksamkeit der Produktionsmittel vermindert sich immer mehr der
Grad, worin sie Beschäftigungsmittel der Arbeiter sind. Ein Damp/}-pflug
 ist ein ungleich wirksameres Produktionsmilttel als der gewöhr:
liche Pflug, aber der in ihm ausgelegte Kapitalwert ist ein ungleich
geringeres Beschäftigungsmittel, als wenn er in gewöhnlichen Pflügen
vealisiert wäre. Zunächst ist es gerade die Zufügung von neuem
Kapital zum alten, welche die gegenständlichen Bedingungen des
Produktionsprozesses auszuweiten und technisch umzuwälzen er
laubt. Bald aber ergreift die veränderte Zusammensetzung und
technische Umgestaltung mehr oder minder alles alte Kapital, das
seinen Reproduktionstermin erreicht hat und daher neu ersetzt wird
Diese Umwandlung des alten Kapitals ist vom absoluten Wachstum
des gesellschaftlichen Kapitals zu gewissem Sinne unabhängig, wie
es die Zentralisation ist. Letztere aber; die vorhandenes gesellschaftliches
 Kapital nur anders verteilt und viele alte Kapitale 9
eins verschmilzt, wirkt wieder als mächtige Triebkraft in dieser Um
wandlung des alten Kapitals.
Einerseits zieht also das im Fortgang der Akkumulation gebildet®
Zuschußkapital, verhältnismäßig zu seiner Größe, weniger und
weniger Arbeiter an. Anderseits stößt das periodisch in neue!
Zusammensetzung reproduzierte alte Kapital mehr und mehr frühe!
von ihm beschäftigte Arbeiter ab.

3. Zunehmende Produktion einer relativen Uebervölkerung
oder industriellen Reservearmee. ;
Die Akkumulation des Kapitals, welche ursprünglich nur als
eine quantitative Erweiterung erschien, vollzieht sich, wie wir g”
sehen, in fortwährendem qualitativen Wechsel seiner Zusamme”
setzung, in beständiger Zunahme seines konstanten auf Kosten sein®
variablen Bestandteiles,’'® und vermindert auf diese Weise die relativ®
Nachfrage nach Arbeit. Welches ist nun die Wirkung dieser Bew”
gung auf die Lage der Klasse der Lohnarbeiter?
Die spezifisch kapitalistische Produktionsweise, die ihr entsprechende
 Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit, der dadurch
verursachte Wechsel in der organischen Zusammensetzung des Kap!
tals halten nicht nur Schritt mit dem Fortschritt der Akkumulatio?
der dem Wachstum des gesellschaftlichen Reichtums. Sie schreite?
ungleich schneller, weil die einfache Akkumulation oder die absolut r
Ausdehnung des Gesamtkapitals von der Zentralisation sein®

_. 7% In Marx’ Handexemplar steht hier die Randbemerkung: „Hier A
späteres zu bemerken: Ist die Erweiterung nur quantitativ, so verhalten sic
bei größerem und kleinerem Kapital in demselben Geschäftszweig die Pre
fitmassen wie die Größen der vorgeschossenen Kapitale. Wirkt die quanf
tative Erweiterung qualitativ. so steigt zugleich die Rate des Profits für das
größere Kapital,“ K.
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

567

individuellen Elemente, und die technische Umwälzung des Zusatzkapitals
 von technischer. Umwälzung des Originalkapitals begleitet
ind. Mit dem Fortgang der Akkumulation wandelt sich also das
Verhältnis von konstantem zu variablem Kapital, wenn ursprünglich
L:1, in 2:1, 83:1, 4:1, 5:1, 7:1 usw., so daß, wie das Kapital
wächst, statt '/, seines Gesamtwertes später nur 2, 1, Ya Ye
', usw. in Arbeitskraft, dagegen Ms Mas Mes Her Ta usw. in Proluktionsmittel
 umgesetzt werden. Da die Nachfrage nach Arbeit
licht durch den Umfang des Gesamtkapitals, sondern durch den
seines variablen Bestandteiles bestimmt ist, fällt sie also immer mehr
nit dem Wachstum des Gesamtkapitals, statt, wie vorhin unterstellt,
verhältnismäßig mit ihm zu wachsen. Sie fällt relativ zur Größe des
Gesamtkapitals und in beschleunigter Progression mit dem Wachshım
 dieser Größe.

Mit dem Wachstum des Gesamtkapitals wächst zwar auch sein
variabler Bestandteil, oder die ihm einverleibte Arbeitskraft, aber
in beständig abnehmender Proportion. Die Zwischenpausen, worin
lie Akkumulation als bloße Erweiterung der Produktion auf ge-Sebener
 technischer Grundlage wirkt, verkürzen sich. Nicht nur
Wird eine in wachsender Progression beschleunigte Akkumulation
des Gesamtkapitals erheischt, um eine zusätzliche Arbeiterzahl von
Segebener Größe aufzusaugen oder selbst, wegen der beständigen
Metamorphose des alten Kapitals, die bereits funktionierende zu be-Schäftigen.
 Ihrerseits schlägt diese wachsende Akkumulation und
Zentralisation selbst wieder um in eine Quelle neuer Wechsel der
Zusammensetzung des Kapitals oder abermalig beschleunigter Ablahme
 seines variablen Bestandteiles, verglichen mit dem kon.
Stanten. Diese mit dem Wachstum des Gesamtkapitals beschleunigte
Und rascher als sein eigenes Wachstum beschleunigte relative Ablahme
 seines variablen Bestandteiles scheint auf der andern Seite
üngekehrt stets rascheres absolutes Wachstum der Arbeiterbevölke-!üng
 als das des variablen Kapitals oder ihrer Beschäftigungsmittel.
Die kapitalistische Akkumulation produziert vielmehr, und zwar im
Verhältnis zu ihrer Energie und ihrem Umfang, beständig eine
‘lative, das heißt für die mittleren Verwertungsbedürfnisse des
Kapitals überschüssige, daher überflüssige oder Ueberbevölkerung
“ün Arbeitern.
Das gesellschaftliche Gesamtkapital betrachtet, ruft die Be-Vegung
 seiner Akkumulation bald periodischen Wechsel hervor, bald
prteilen sich ihre Momente gleichzeitig über die verschiedenen
‚.°duktionssphären. In einigen Sphären findet Wechsel in der Zu-Gnmensetzung
 des Kapitals statt ohne Wachstum seiner absoluten
wie, infolge bloßer Zentralisation; in andern ist das absolute
gchstum des Kapitals mit absoluter Abnahme seines variablen
in randteiles oder der von ihm absorbierten Arbeitskraft verbunden;
S ändern wächst das Kapital bald auf seiner gegebenen technischen
Tundlage fort und zieht zuschüssige Arbeitskraft im. Verhältnis
        <pb n="613" />
        568

Siebter Abschnitt.

seines Wachstums an, bald tritt organischer Wechsel ein und verkleinert
 sich sein variabler Bestandteil; in allen Sphären ist das
Wachstum des variablen Kapitalteiles und daher der beschäftigten
Arbeiterzahl stets verbunden mit heftigen Schwankungen und vorübergehender
 Produktion von Uebervölkerung, ob diese nun die
auffallendere Form von Abstoßung bereits beschäftigter Arbeiter aDnimmt
 oder die mehr unscheinbare, aber nicht minder wirksame, eIschwerter
 Aufsaugung der zuschüssigen Arbeiterbevölkerung in ihre
gewohnten Abzugskanäle.’® Mit der Größe des bereits funktionierenden
 Gesellschaftskapitals und dem Grad seines Wachstums, mit
der Ausdehnung der Produktionsleiter und der Masse der in Be“
wegung gesetzten Arbeiter, mit der Entwicklung der Produktivkraft
 ihrer Arbeit, mit dem breiteren und volleren Strom aller
Springquellen des Reichtums dehnt sich auch die Stufenleiter
worin größere Anziehung der Arbeiter durch das Kapital mit größe
rer Abstoßung derselben verbunden ist, nimmt die Raschheit der
Wechsel in der organischen Zusammensetzung des Kapitals und
seiner technischen Form zu, und schwillt der Umkreis der Pro
duktionssphären, die bald gleichzeitig, bald abwechselnd davon €!“
griffen werden. Mit der durch sie selbst produzierten Akkumulatio?
des Kapitals produziert die Arbeiterbevölkerung also in wachsender
Umfange die Mittel ihrer eigenen relativen Ueberzähligmachung-"
78 Der Zensus für England und Wales zeigt unter anderm: Alle in de
Agrikultur beschäftigten Personen (Eigentümer, Pächter, Gärtner, Hirten us"
singeschlossen): 1851 2011447, 1861 1924110, Abnahme 87337; Worsted
Manufaktur: 1851 102714, 1861 79242; Seidenfabrik: 1851 111940, 186)
101 678; Kattundrucker: 1851 12098, 1861 12556, welche geringe Zunahm®
angesichts des enorm ausgedehnten Geschäfts große proportionelle Abnahm®
in der Zahl der beschäftigten Arbeiter bedingt; Hulmacher: 1851 15 957, 1881
13 814; Sirohhut- und Frauenhutlmacher: 1851 20393, 1861 18176; Mälze!*
1851 10566, 1861 10677; Lichtgießer: 1851 4949, 1861 4686 (diese Abnahm®
ist unter anderm der Zunahme der Gasbeleuchtung geschuldet) ; Kammache!‘
1851 2088, 1861 1478; Holzsäger: 1851 30552, 1861 31 647 (geringe Zunahnr"
infolge des Aufschwunges von Sägemaschinen); Nagelmacher; 1851 26 940
1861 26180 (Abnahme infolge der Maschinenkonkurrenz) ; Arbeiter in ZinT
und Kupferbergwerken: 1851 31360, 1861 82041. Dagegen Baumwol
spinnereien und Webereien: 1851 371777, 1861 456 646; Kohlenbergwerkt
1851 183 389, 1861 246613. „Die Zunahme von Arbeitern ist im allgemein“
am größten seit 1851 in solchen Zweigen, worin die Maschinerie bisher 1% f
nicht mit Erfolg angewandt worden.“ („Census of England and Wales fo
1861, vol. III. London 1863“, p. 36.) des
76 Das Gesetz der fortschreitenden Abnahme der relativen Größe.
variablen Kapitals, nebst seinen Wirkungen auf die Lage der Lohnarbeit®
klasse, ist von einigen ausgezeichneten Oekonomen der klassischen Schü
mehr geahnt als begriffen worden. Das größte Verdienst hierin gebl P
John Barton, obwohl er wie alle andern das konstante Kapital mit Di
fxen, das variable mit dem zirkulierenden zusammenwirft, Er sagt: "nd
Nachfrage nach Arbeit hängt von dem Wachstum des zirkulierenden he
nicht des fixen Kapitals ab. Wäre es richtig, daß das Verhältnis zwis®
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

569

Es ist dies ein der kapitalistischen Produktionsweise eigentümliches
Bevölkerungsgesetz, wie in der Tat jede besondere historische Pro-Juktionsweise
 ihre besonderen, historisch gültigen Bevölkerungs-Zesetze
 hat. Ein abstraktes Bevölkerungsgesetz existiert nur für
Pflanze und Tier, soweit der Mensch nicht geschichtlich eingreift.
Wenn aber eine Uebervölkerung von Arbeitern notwendiges
Produkt der Akkumulation oder der Entwicklung des Reichtums auf
kapitalistischer Grundlage ist, wird diese Uebervölkerung um-Zekehrt
 zum Hebel der kapitalistischen Akkumulation, ja zu einer

liesen. beiden Kapitalsarten zu allen Zeiten und unter allen Umständen das
@leiche ist, dann würde in der Tat daraus folgen, daß die Zahl der beschäftigen
 Arbeiter im Verhältnis stände zum Reichtum des Staates. Aber eine
lche Annahme erscheint nicht sehr wahrscheinlich. Je mehr die Kunstlertigkeiten
 ausgebildet und die Zivilisation ausgedehnt werden, um so mehr
iberwiegt das fixe Kapital über das zirkulierende. Der Betrag von fixem
Kapital, das in der Produktion eines Stückes von britischem Musselin ver-Wendet
 wird, ist mindestens hundert-, wahrscheinlich tausendmal größer als
das fixe Kapital, das zur Erzeugung eines ähnlichen Stückes indischen Musseüns
 angewendet wird. Und im Verhältnis ist das zirkulierende Kapital hundert-
 oder tausendmal kleiner. . .. Würde der Gesamtbetrag der jährlichen
Ürsparnisse dem fixen Kapital zugefügt, so würden sie auf die Nachfrage
lach Arbeit keinen Einfluß ausüben.“ (John Barton: „Observations on the
üreumstances which influence the Condition of the Labouring Classes of
Society. London 1817“, p. 16, 17.) Ricardo stimmt diesen Ausführungen
Sartons im allgemeinen zu, bemerkt aber doch bei ihrer Zitierung: „Es ist
licht leicht, sich vorzustellen, daß Verhältnisse eintreten könnten, unter
denen eine Zunahme von Kapital nicht auch von einer vermehrten Nachfrage
lach Arbeit begleitet ist. Höchstens kann man sagen, daß diese Nachfrage
"elatip abnehmen wird.“ (Ricardo: „Principles of Political Economy. 3rd ed.
london 1821“, Kapitel 31, über Maschinenwesen, S. 480, Note.) [Vgl.
»Grundgesetze der Volkswirtschaft und Besteuerung“, übersetzt von Dr.
Ed, Baumstark, 2, Auflage. Leipzig 1877, S. 366, Note.] An anderer Stelle,
am Anfang des 31. Kapitels, schreibt er jedoch: „Der Fonds, aus dem
VTundbesitzer und Kapitalisten ihr Einkommen beziehen, kann wachsen,
nd gleichzeitig der andere, von dem die arbeitende Klasse hauptsächlich
Sbhängt, abnehmen. Ist das richtig, dann folgt daraus, daß dieselbe Ur-Sache,
 die das Reineinkommen des Landes vermehrt, gleichzeitig die Be-"Ölkerung
 zu zahlreich machen und die Lage der Arbeiter verschlechtern
kann,“ (Ebenda, S. 469.) [Uebersetzung von Baumstark, S. 358.] „Der Betrag
des Kapitals, das zur Erhaltung von Arbeit bestimmt ist, kann wechseln,
Mabhängig von irgendwelchen Schwankungen in dem Gesamtbetrage des
Kapitals. „.. Große Schwankungen im Grade der Beschäftigung und großes
Send können häufiger werden, während das Kapital selbst reichlicher wird.“
(Richard Jones: „An Introductory Lecture on Political Economy. London
Mad p. 18.) „Nachfrage (nach Arbeit) wird steigen . . . nicht im Ver-Ältnis
 der Akkumulation des Kapitals im allgemeinen. ... Jede Ver-Rehrung
 des zur Reproduktion bestimmten nationalen Kapitals wird daher
M Laufe des gesellschaftlichen Fortschrittes immer weniger Einfluß auf die
vage des Arbeiters haben.“ (GG. Ramsay: „An Essay on the Distribution of
Salth. Edinburgh 1836“, p. 90, 91.)
        <pb n="615" />
        570
Existenzbedingung der kapitalistischen Produktionsweise. Sie bildet
eine verfügbare industrielle Reservearmee, die dem Kapital ganz so
absolut gehört, als ob es sie auf seine eigenen Kosten großgezüchtet
hätte. Sie schafilt für seine wechselnden Verwertungsbedürfnisse
das stets bereite ausbeutbare Menschenmaterial, unabhängig von den
Schranken der wirklichen Bevölkerungszunahme.
Mit der Akkumulation und der sie begleitenden Entwicklung
der Produktivkraft der Arbeit wächst die plötzliche Expansionskraft
des Kapitals, nicht nur, weil die Elastizität des funktionierenden
Kapitals wächst, und der absolute Reichtum, wovon das Kapital nur
einen elastischen Teil bildet, nicht nur, weil der Kredit, unter jedem
besonderen Reiz, im Umsehen ungewöhnlichen Teil dieses Reichtums
 der Produktion als Zusatzkapital zur Verfügung stellt. Die
technischen Bedingungen des Produktionsprozesses selbst, Maschinerie,
 Transportmittel usw., ermöglichen, auf größter Stufenleiter,
die rascheste Verwandlung von Mehrprodukt in zuschüssige Produktionsmittel.
 Die mit dem Fortschritt der Akkumulation über
schwellende und in Zusatzkapital verwandelbare Masse des gesellschaftlichen
 Reichtums drängt sich mit Raserei in alte Produktionszweige,
 deren Markt sich plötzlich erweitert, oder in neu eröffnete,
wie Eisenbahnen usw., deren Bedürfnis aus der Entwicklung der
alten entspringt. In allen solchen Fällen müssen große Menschenmassen
 plötzlich und ohne Abbruch der Produktionsleiter in ander?
Sphären auf die entscheidenden Punkte wertbar sein. Die Ueber“
völkerung liefert sie. Der charakteristische Lebenslauf der moderne?
Industrie, die Form eines durch kleinere Schwankungen unterbrochenen
 zehnjährigen Zyklus von Perioden mittlerer Lebendigkeiß
Produktion unter Hochdruck, Krise und Stagnation, beruht auf der
beständigen Bildung, größeren oder geringeren Aufsaugung und
Wiederbildung der industriellen Reservearmee oder Uebervölkerung:
Ihrerseits rekrutieren die Wechselfälle des industriellen Zyklus die
Vebervölkerung und werden zu einer ihrer energischsten Reproduk-Honsursachen.

Dieser eigentümliche Lebenslauf der modernen Industrie, de}
uns in keinem früheren Zeitalter der Menschheit begegnet, war auch
in der Kindheitsperiode der kapitalistischen Produktion unmöglich
Langsam ging der Fortschritt der Technik vor sich, und noch lavg”
samer verbreitete er sich. Die Zusammensetzung des Kapitals ver“
änderte sich nur sehr allmählich. Seiner Akkumulation entsprach als?
im ganzen verhältnismäßiges Wachstum der Arbeitsnachfrage. Lang“
sam wie der Fortschritt seiner Akkumulation, verglichen mit der
modernen Epoche, stieß er auf Naturschranken der ausbeutbare®
Arbeiterbevölkerung, welche nur durch später zu erwähnende Gewalt
mittel wegräumbar waren. Die plötzliche und ruckweise Ausdehnung
der Produktionsleiter ist die Voraussetzung ihrer plötzlichen ZU
sammenziehung; letztere ruft wieder die erstere hervor, aber die
erstere ist unmöglich ohne bereitstehendes Menschenmaterial, obn®

Siebter Abschnitt.
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

571

eine vom absoluten Wachstum der Bevölkerung unabhängige Vermehrung
 von. Arbeitern. Sie wird geschaffen durch den einfachen
Prozeß, der einen Teil der Arbeiter beständig „freisetzt“, durch
Methoden, welche die Anzahl der beschäftigten Arbeiter im Verhältnis
 zur vermehrten Produktion vermindern. Die ganze Bewegungsform
 der modernen Industrie erwächst also aus der beständigen
 Verwandlung eines Teiles der Arbeiterbevölkerung in
ünbeschäftigte oder halbbeschäftigte Hände. Die Oberflächlichkeit
der politischen Oekonomie zeigt sich unter anderm darin, daß sie
die Ausdehnung und Einschränkung des Kredits, das bloße
Symptom der Wechselperioden des industriellen Zyklus, zu deren
Ursache macht. Ganz wie Himmelskörper, einmal in eine bestimmte
 Bewegung geschleudert, dieselbe stets wiederholen, so
die gesellschaftliche Produktion, sobald sie einmal in jene Be-Wwegung
 wechselnder Ausdehnung und Zusammenziehung geworfen
it. Wirkungen werden ihrerseits zu Ursachen und die Wechselfälle
 des ganzen Prozesses, der seine eigenen Bedingungen stets
teproduziert, nehmen die Form der Periodizität an. Erst in der
Zeit, als die mechanische Industrie so tiefe Wurzeln geschlagen
hatte, daß sie auf die nationale Produktion einen überwiegenden
Einfluß übte; als durch sie der Außenhandel begann, den Innendandel
 zu‘ überholen; als der Weltmarkt sich ungeheure Gebiete
N Amerika, Asien, Australien erschloß; als endlich die industriellen
Nationen, die in den Wettkampf miteinander eintraten, zahlreich
Senug geworden waren — erst seitdem traten jene immer wiederkehrenden
 Zyklen auf, deren aufeinanderfolgende Phasen Jahre
Imfassen und die immer zu einer allgemeinen Krise führen, die
nen Zyklus abschließt und einen neuen beginnt. Bisher umfaßte
%in solcher Zyklus in der Regel zehn bis elf Jahre. Aber wir haben
keine Ursache, die Zahl für unabänderlich zu halten. Im Gegenteil
 geben uns die hier entwickelten Gesetze des Kapitalismus
Grund, anzunehmen, diese Zahl sei veränderlich und werde sich
Almählich verkleinern.

Ist die Periodizität des Krisenzyklus einmal fest begründet, so
begreift selbst die politische Oekonomie die Produktion einer relativen,
 das heißt mit Bezug auf das mittlere Verwertungsbedürfnis
des Kapitals überschüssigen Bevölkerung als Lebensbedingung der
Nodernen Industrie.

„Gesetzt“, sagt H. Merivale, früher Professor der politischen
Oekonomie zu Oxford, später Beamter des englischen Kolonial-Ministeriums,
 „gesetzt, bei Gelegenheit einer Krise raffe die Nation
Sich zu einer Kraftanstrengung auf, um durch Auswanderung einige
N 000 überflüssige Arme los zu werden, was würde die Folge sein?
x aß bei der ersten Wiederkehr der Arbeitsnachfrage ein Mangel
serhanden wäre. Wie rasch immer die Reproduktion von Menschen
x IN mag, sie braucht jedenfalls den Zwischenraum einer Generation
Um Ersatz erwachsener Arbeiter. Nun hängen die Profite unserer
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        572
Fabrikanten hauptsächlich von der Macht ab, den günstigen Moment
lebhafter Nachfrage auszubeuten und sich so für die Periode der
Erlahmung schadlos zu halten. Diese Macht ist ihnen nur gesichert
durch Kommando über Maschinerie und Handarbeit. Sie müssen
verfügbare Hände vorfinden; sie müssen fähig sein, die Aktivität
ihrer Operationen, wenn nötig, höher zu spannen oder abzuspannen,;
je nach dem Stande des Marktes, oder sie können platterdings nicht
in der Hetzjagd der Konkurrenz das Uebergewicht behaupten, auf das
der Reichtum dieses Landes gegründet ist.“®
Selbst Malthus erkennt in der Uebervölkerung, die er, nach
seiner bornierten Weise, aus absolutem Ueberwuchs der Arbeiterbevölkerung,
 nicht aus ihrer relativen UVeberzähligmachung deutet,
eine Notwendigkeit der modernen Industrie. Er sagt: „Weise Gewohnheiten
 in bezug auf die Ehe, wenn zu einer gewissen Höhe ge
trieben unter der Arbeiterklasse eines Landes, das hauptsächlich vos
Manufaktur und Handel abhängt, würden ihm schädlich sein. .--Der
 Natur der Bevölkerung gemäß, kann ein Zuwachs von Arbeiter?
nicht zu Markt geliefert werden, infolge besonderer Nachfrage, bl
nach Verlauf von 16 oder 18 Jahren, und die Verwandlung voB
Revenue in Kapital durch Ersparung kann sehr viel rascher Platz
greifen; ein Land ist stets dem ausgesetzt, daß sein Arbeitsfond®
rascher wächst als die Bevölkerung.“ ;
Nachdem die politische Oekonomie so die beständige Produktio?
einer relativen Uebervölkerung von Arbeitern für eine Notwendig“
keit der kapitalistischen Akkumulation erklärt hat, legt sie, und
zwar sehr passend in der Figur einer alten Jungfer, dem „herrliche?
Ideal“ ihres Kapitalisten folgende Worte an die durch ihre eigep®
Schöpfung von Zusatzkapital aufs Pflaster geworfenen „Ueber
zähligen“ in den Mund: „Wir Fabrikanten tun für Euch, was wir
können, indem wir das Kapital vermehren, von dem Ihr leben müßt;
und Ihr müßt das übrige tun, indem Ihr Eure Zahl den Leben*
mitteln anpaßt.“%2
Der kapitalistischen Produktion genügt keineswegs das Quantu"
verfügbarer Arbeitskraft, welches der natürliche Zuwachs der Be
völkerung liefert. Sie bedarf zu ihrem freien Spiel einer von dies®*
Naturschranke unabhängigen industriellen Reservearmee.
50 H. Merivale: „Lectures on Colonization and Colonies. London 1841
and 1842“, vol. I, p. 146.
$1 Malihus: „Principles of Political Economy“, pP. 254, 319, 320. In
diesem Werke entdeckt Malthus endlich, vermittels Sismondis, die schön®
Dreieinigkeit der kapitalistischen Produktion: Ueberproduktion — Ueber
völkerung — Ueberkonsumtion, drei allerliebste Ungeheuer, in der Tal
Vgl. F. Engels: „Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie“ in Deutsch
Französische Jahrbücher, herausgegeben von Arnold Ruge und Karl Mar
Paris 1844, S, 107 ff. [Vgl. auch „Gesammelte Schriften von Karl Marx u»
Friedrich Engels, Stuttgart 1902“, Bd. I, S. 453 ff.]
82 Harriet Martineau: „The Manchester Strike, 1842“, p. 101.

Siebter Abschnitt.
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

573

Bisher wurde unterstellt, daß der Zu- oder Abnahme des
variablen Kapitals genau die Zu- oder Abnahme der beschäftigten
Arbeiterzahl entspricht.
Bei gleichbleibender oder selbst verminderter Zahl der von ihm
kommandierten Arbeiter wächst jedoch das variable Kapital, wenn
der individuelle Arbeiter mehr Arbeit liefert und daher sein Arbeitslohn
 wächst, obgleich der Arbeitspreis gleichbleibt, oder selbst sinkt,
dur langsamer als die Arbeitsmasse steigt. Der Zuwachs des
variablen Kapitals wird dann Anzeiger von mehr Arbeit, aber nicht
von mehr beschäftigten Arbeitern. Jeder Kapitalist hat das absolute
Interesse, ein bestimmtes Arbeitsquantum aus kleinerer, statt ebenso
Wohlfeil oder selbst wohlfeiler aus größerer Arbeiterzahl auszu-Pressen.
 In dem letzten Fall wächst die Auslage von konstantem
Kapital verhältnismäßig zur Masse der in Fluß gesetzten Arbeit, im
ersten Fall viel langsamer. Je größer die Stufenleiter der Produktion,
 desto entscheidender dies Motiv. Seine Wucht wächst mit der
Akkumulation des Kapitals.
Man hat gesehen, daß die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise
 und Produktivkraft der. Arbeit — zugleich Ursache
und Wirkung der Akkumulation — den Kapitalisten befähigt, mit
derselben Auslage von variablem Kapital mehr Arbeit durch größere
extensive oder intensive Ausbeutung der individuellen Arbeitskräfte
flüssig zu machen. Man hat ferner gesehen, daß er mit demselben
Kapitalwert mehr Arbeitskräfte kauft, indem er immer mehr ge-Schicktere
 Arbeiter durch ungeschicktere, reife durch unreife, männliche
 durch weibliche, erwachsene Arbeitskraft durch jugendliche
Oder kindliche verdrängt.
Einerseits macht also, im Fortgang der Akkumulation, größeres
Variables Kapital mehr Arbeit flüssig, ohne mehr Arbeiter zu werden,
 anderseits macht variables Kapital von derselben Größe mehr
Arbeit mit derselben Masse Arbeitskraft flüssig, und endlich mehr
Niedere Arbeitskräfte durch Verdrängung höherer. |
Die Produktion einer relativen Uebervölkerung oder die Frei-Setzung
 von. Arbeitern geht daher noch rascher voran als die ohnehin
 mit dem Fortschritt der Akkumulation beschleunigte technische
Umwälzung des Produktionsprozesses und die entsprechende pro-Vortionelle
 Abnahme des variablen Kapitalteiles gegen den konstanten.
 Wenn die Produktionsmittel, wie sie an Umfang und Wirkungskraft
 zunehmen, in geringerem Grade Beschäftigungsmittel der
Arbeiter werden, wird dies Verhältnis selbst wieder dadurch modiüziert,
 daß im Maß, wie die Produktivkraft der Arbeit wächst, das
Kapital seine Zufuhr von Arbeit rascher steigert als seine Nachfrage
Dach Arbeitern. Die Ueberarbeit des beschäftigten Teiles der Arbeiterklasse
 schwellt die Reihen ihrer Reserve, während umgekehrt
der vermehrte Druck, den die letztere durch ihre Konkurrenz auf
die erstere ausübt, diese zur Ueberarbeit und Unterwerfung unter
die Gebote des Kapitals zwingt. Die Verdammung eines Teiles der
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        574

Siebter Abschnitt

Arbeiterklasse zu erzwungenem Müßiggang durch Ueberarbeit des
andern Teiles, und umgekehrt, wird Bereicherungsmittel des einzelnen
 Kapitalisten® und beschleunigt zugleich die Produktion de!
industriellen Reservearmee auf einem dem Fortschritt der gesell:
schaftlichen Akkumulation entsprechenden Maßstab.
Wie wichtig dies Moment in der Bildung der relativen Ueber
völkerung, beweist zum Beispiel England. Seine technischen Mittel
zur „Ersparung“ von Arbeit sind kolossal. Dennoch, würde morgeb
allgemein die Arbeit auf ein rationelles Maß beschränkt und für die
verschiedenen Schichten der Arbeiterklasse wieder entsprechend
nach Alter und Geschlecht abgestuft, so wäre die vorhandene
Arbeiterbevölkerung absolut unzureichend zur Fortführung der
nationalen Produktion auf ihrer jetzigen Stufenleiter. Die große
Mehrheit der jetzt „unproduktiven“ Arbeiter müßte in „produktive‘
verwandelt werden.
ım großen und ganzen sind die allgemeinen Bewegungen des
Arbeitslohnes ausschließlich reguliert durch die Ausdehnung und
Zusammenziehung der industriellen Reservearmee. welche dem

58 Selbst während der Baumwollnot von 1863 findet man in einer Schrift
der Baumwollspinner von Blackburn heftige Anklagen gegen die Ueber“
Arbeit, die kraft des Fabrikgesetzes natürlich nur erwachsene männlich®
Arbeiter traf. „Von den erwachsenen Arbeitern wurde in dieser Fabrik
eine zwölf- bis dreizehnstündige tägliche Arbeitszeit verlangt, während ®
Hunderte gibt, die gezwungen sind, müßig zu gehen, aber bereit wäre®
Halbzeit zu arbeiten, um nur ihre Familien erhalten und ihre Kamerade?
vor einem frühzeitigen Tode infolge von Ueberarbeit zu bewahren. Wir“
heißt es weiter, „möchten fragen, ob diese Praxis, Ueberzeit zu arbeiteB:
irgendwie erträgliche Verhältnisse zwischen Meistern und ‚„‚Dienern“ mög“
lich macht? Die Opfer der Ueberarbeit fühlen die Unbill ebensosehr al
die dadurch zu erzwungenem Müßiggang Verdammten (condemned to forced
idleness). In diesem Distrikt reicht das zu verrichtende Werk hin, um alle
teilweise zu beschäftigen, würde die Arbeit billig verteilt. Wir verlange?
aur ein‘ Recht, indem wir die Meister auffordern, allgemein nur kurze Zeil
zu arbeiten, wenigstens solange der jetzige Stand der Dinge währt, statt
einen Teil zu überarbeiten, während der andere dureh Arbeitsmangel 8°
zwungen wird, von der Wohltätigkeit seine Existenz zu fristen.“ („Report®
of Insp. of Fact. for 31st October 1863“, p. 8.) — Die Wirkung einer relativer
Uebervölkerung auf die beschäftigten Arbeiter begreift der Verfasser de®
„Essay on Trade and Commerce“ mit seinem gewohnten unfehlbaren Bow“
geoisinstinkt. „Eine andere Ursache der Faulenzerei (idleness) in diese”
Königreich ist der Mangel einer hinreichenden Anzahl arbeitender Händ®e-So
 oft durch irgendeine ungewöhnliche Nachfrage für Fabrikate die Arbeits
masse ungenügend wird, fühlen die Arbeiter ihre eigene Wichtigkeit ur
wollen sie ihren Meistern ebenfalls fühlbar machen; es ist erstaunlich ; abe!
30 verderbt ist die Gesinnung dieser Kerle, daß in solchen Fällen Gruppe
von Arbeitern sich zusammengetan haben, um ihre Meister dadurch in Ver
legenheit zu setzen, daß sie einen ganzen Tag durch faulenzen.“ („An Essay
on Trade and Commerce, London 1770“, p. 27, 28.) Die Kerle verlangte»
nämlich Lohnerhöhung,
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

575

Periodenwechsel des industriellen Zyklus entsprechen. Sie sind
also nicht bestimmt durch die Bewegung der absoluten Anzahl der
Arbeiterbevölkerung, sondern durch das wechselnde Verhältnis,
Worin die Arbeiterklasse in aktive Armee und Reservearmee zerfällt,
 durch die Zunahme und Abnahme des relativen Umfanges der
Uebervölkerung, durch den Grad, worin sie bald absorbiert, bald
wieder freigesetzt wird. Für die moderne Industrie mit ihrem
zehnjährigen Zyklus und seinen periodischen Phasen, die außerdem
im Fortgang der Akkumulation durch stets rascher aufeinander {fol-Zende
 unregelmäßige Schwankungen durchkreuzt werden, wäre es
in der Tat ein schönes Gesetz, welches die Nachfrage und Zufuhr
von Arbeit nicht durch die Ausdehnung und Zusammenziehung des
Kapitals, also nach seinen jedesmaligen Verwertungsbedürfnissen,
tegelte, so daß der Arbeitsmarkt bald relativ untervoll erscheint,
Weil das Kapital sich ausdehnt, bald wieder übervoll, weil es
Sich zusammenzieht, sondern umgekehrt die Bewegung des
Kapitals von der absoluten Bewegung der Bevölkerungsmenge abhängig
 machte. Dies jedoch ist das ökonomische Dogma. Nach
demselben steigt infolge der Kapitalakkumulation der Arbeitslohn.
Der erhöhte Arbeitslohn spornt zur rascheren Vermehrung der
Arbeiterbevölkerung, und diese dauert fort, bis der Arbeitsmarkt
überfüllt, also das Kapital relativ zur Arbeiterzufuhr unzureichend
Seworden ist. Der Arbeitslohn sinkt, und nun die Kehrseite der
Medaille. Durch den fallenden Arbeitslohn wird die Arbeiterdevölkerung
 nach und nach gelichtet, so daß ihr gegenüber das
Kapital wieder überschüssig wird, oder auch, wie andere es erklären,
der fallende Arbeitslohn und die entsprechende erhöhte Ausbeutung
des Arbeiters beschleunigt wieder die Akkumulation, während
Zleichzeitig der niedere Lohn das Wachstum der Arbeiterklasse in
Schach hält. So tritt wieder das Verhältnis ein, worin die Arbeitsfuhr
 niedriger als die Arbeitsnachfrage, der Lohn steigt usw.
fine schöne Bewegungsmethode dies für die entwickelte kapita-Ästische
 Produktion! Bevor infolge der Lohnerhöhung irgendein
Positives Wachstum der wirklich arbeitsfähigen Bevölkerung eintreten
 könnte, wäre die Frist aber und abermal abgelaufen, worin
der industrielle Feldzug geführt, die Schlacht geschlagen und ent-Schieden
 sein muß.
+» Zwischen 1849 und 1859 trat, zugleich mit fallenden Getreide-Preisen,
 eine praktisch betrachtet nur nominelle Lohnerhöhung in
den englischen Agrikulturdistrikten ein, zum Beispiel in Wiltshire
Sieg der Wochenlohn von 7 auf 8 Shilling, in Dorsetshire von 7 oder
3 auf 9 Shilling usw. Es war dies Folge des übergewöhnlichen Ab-Qusses
 der agrikolen Uebervölkerung, verursacht durch Kriegspchfrage,
 massenhafte Ausdehnung der Eisenbahnbauten, Fabriken,
’rgwerke usw. Je niedriger der Arbeitslohn, desto höher drückt
Sich jedes noch so unbedeutende Steigen desselben in Prozentzahlen
Aus, Ist der Wochenlohn zum Beispiel 20 Shilling und steigt er auf
        <pb n="621" />
        576

Siebter Abschnitt.

22, so um 10 pZt.; ist er dagegen nur 7 Shilling und steigt auf 9, so
um 28%, pZt., was sehr erklecklich klingt. Jedenfalls heulten die
Pächter und schwatzte sogar der „London Economist“ ganz ernsthafl
von „einer allgemeinen und ausgiebigen Lohnsteigerung‘“* mit
Bezug auf diese Hungerlöhne. Was taten die Pächter? Warteten
sie, bis die Landarbeiter sich infolge dieser brillanten Zahlung 80
vermehrt hatten, daß ihr Lohn wieder fallen mußte, wie die Sache
sich im dogmatisch ökonomischen Hirn zuträgt? Sie führten mehr
Maschinerie ein, und im Umsehen waren die Arbeiter wieder „über:
zählig“ in einem selbst den Pächtern genügenden Verhältnis. Es
war jetzt „mehr Kapital“ in der Agrikultur angelegt als vorher und
in einer produktiveren Form. Damit fiel die Nachfrage nach Arbeit
nicht nur relativ, sondern absolut. '
Jene ökonomische Annahme verwechselt die Gesetze, welche
die allgemeine Bewegung des Arbeitslohnes oder das Verhältnis
zwischen Arbeiterklasse, das heißt Gesamtarbeitskraft und gesell
schaftlichem Gesamtkapital regeln, mit den Gesetzen, welche die
Arbeiterbevölkerung unter die besonderen Produktionssphären ver
teilen. Wenn zum Beispiel infolge günstiger Konjunktur [Geschäfts
lage] die Akkumulation in einer bestimmten Produktionssphäre be
sonders lebhaft, die Profite hier größer als die Durchschnittsprofite
Zuschußkapital dahin drängt, so steigt natürlich Arbeitsnachfrage und
Arbeitslohn. Der höhere Arbeitslohn zieht einen größeren Teil de!
Arbeiterbevölkerung in die begünstigte Sphäre, bis sie mit Arbeits
kraft gesättigt ist und der Lohn auf die Dauer wieder auf seiß
[rüheres Durchschnittsniveau oder unter dasselbe fällt, falls der Zu
drang zu groß war. Dann hört nicht nur die Einwanderung von Albeitern
 in den fraglichen Geschäftszweig auf, sie macht sogar ihre!
Auswanderung Platz. Hier bildet sich der politische Oekonom ein, ZU
sehen, „wo und wie“, mit Zunahme des Lohnes eine absolute Zt
nahme von Arbeitern und mit der absoluten Zunahme der Arbeite!
eine Abnahme des Lohnes, aber er sieht in der Tat nur die lokale
Schwankung des Arbeitsmarktes einer besonderen Produktions
sphäre, er sieht nur Erscheinungen der Verteilung der Arbeiter
bevölkerung in die verschiedenen Anlagssphären des Kapitals, }®
nach seinen wechselnden Bedürfnissen.
Die industrielle Reservearmee oder relative Uebervölkerunß
drückt während der Perioden der Stagnation und mittleren Prospell
tät auf die aktive Arbeiterarmee und hält ihre Ansprüche während
der Periode der Ueberproduktion und des Paroxismus [der fieber“
haften Tätigkeit] im Zaum. Die relative Uebervölkerung ist als®
der Hintergrund, worauf das Gesetz der Nachirage und Zufuhr vo?
Arbeit sich bewegt. Sie zwängt den Spielraum dieses Gesetzes
in die der Ausbeutungsgier und Herrschsucht des Kapitals absolut
zusagenden Schranken ein.

34 „Economist“, 21. Januar

1860.
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

577

Es ist hier der Ort, auf eine der Großtaten der ökonomischen
Apologetik zurückzukommen. Man erinnert sich, daß, wenn durch
Einführung neuer oder Ausdehnung alter Maschinerie ein Stück
variables Kapital in konstantes verwandelt wird, der ökonomische
Apologet diese Operation, welche Kapital „bindet“ und eben dadurch
Arbeiter „freisetzt“, umgekehrt so deutet, daß sie Kapital für den
Arbeiter freisetzt. [Vgl. dreizehntes Kapitel, Nr. 6: Die Kompensationstheorie
 usw.] Erst jetzt kann man die Unverschämtheit des
Apologeten vollständig würdigen. Was freigesetzt wird, sind nicht
nur die unmittelbar durch die Maschine verdrängten Arbeiter, sondern
 ebenso ihre Ersatzmannschaft und das, bei gewohnter Ausdehnung
 des Geschäfts auf seiner alten Basis, regelmäßig aufgenommene
 Zuschußkontingent. Sie sind jetzt alle „freigesetzt“, und jedes
neue funktionslustige Kapital kann über sie verfügen. Ob es sie
dder andere anzieht, die Wirkung auf die allgemeine Arbeitsnachfrage
 wird gleich Null sein, solange dies Kapital gerade hir
teicht, um den Markt von ebensoviel Arbeitern zu befreien, als die
Maschinen auf ihn geworfen. Beschäftigt es eine geringere Zahl, so
wächst die Menge der Ueberzähligen; beschäftigt es eine größere,
80 wächst die allgemeine Arbeitsnachfrage nur um den UVeberschuß
der Beschäftigten über die „Freigesetzten“. Der Aufschwung, den
aulagesuchende Zusatzkapitale sonst der allgemeinen Arbeitsnachlrage
 gegeben hätten, ist also in jedem Fall insoweit weitgemacht,
Wie die von der Maschine aufs Pflaster geworfenen Arbeiter reichen.
Der Mechanismus der kapitalistischen Produktion sorgt also
dafür, daß der absolute Zuwachs von Kapital von keiner entsprechenden
 Steigerung der allgemeinen Arbeitsnachfrage begleitet ist. Und
dies nennt der Apologet einen Ausgleich für das Elend, die Leiden
und den möglichen Untergang der aus ihrer Beschäftigung geworlenen
 Arbeiter während der Uebergangsperiode, welche sie in die
industrielle Reservearmee bannt! ;
Die Nachfrage nach Arbeit ist nicht gleichbedeutend mit Wachshım
 des Kapitals, die Zufuhr der Arbeit nicht mit dem Wachstum
der Arbeiterklasse, so daß zwei voneinander unabhängige Potenzen
aufeinander einwirkten. Die Würfel sind gefälscht. Das Kapital
agiert auf beiden Seiten zugleich. Wenn seine Akkumulation einerseits
 die Nachfrage nach Arbeit vermehrt, vermehrt sie anderseits
die Zufuhr von Arbeitern durch deren „Freisetzung“, während zugleich
 der Druck der Unbeschäftigten die Beschäftigien zur Flüssig-Machung
 von mehr Arbeit zwingt, also in gewissem Grade die Arbeitszufuhr
 von der Zufuhr von Arbeitern unabhängig macht, Die
Bewegung des Gesetzes der Nachfrage und Zufuhr von Arbeit auf
dieser Basis vollendet die Despotie des Kapitals.
Sobald daher die Arbeiter hinter das Geheimnis kommen, wie
88 zugeht, daß im selben Maße, wie sie mehr arbeiten, mehr fremden
Reichtum produzieren und die Produktivkraft ihrer Arbeit wächst,
Sogar ihre Funktion als Verwertungsmittel des Kapitals immer un-Das
 Kapital. I, 87
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        378

Siebter Abschnitt

sicherer für sie wird; sobald sie entdecken, daß der Intensitätsgrad
der Konkurrenz unter ihnen selbst ganz und gar von dem Druck der
relativen Uebervölkerung. abhängt; sobald sie daher durch Trade
Unions usw. eine planmäßige Zusammenwirkung zwischen den Beschäftigten
 und Unbeschäftigien zu organisieren suchen, um die
ruinierenden Folgen jenes Naturgesetzes der kapitalistischen Produktion
 auf ihre Klasse zu brechen oder zu schwächen, zetert das
Kapital und sein Anwalt, der politische Oekonom, über Verletzung
des „ewigen“ und sozusagen „heiligen“ Gesetzes der Nachfrage und
Zufuhr. Jeder Zusammenhalt zwischen den Beschäftigten und Unbeschäftigten
 stört nämlich das „reine“ Spiel jenes Gesetzes. Sobald
anderseits, in den Kolonien zum Beispiel, widrige Umstände die
Schöpfung der industriellen Reservearmee und mit ihr die absolute
Abhängigkeit der Arbeiterklasse von der Kapitalistenklasse verhindern,
 rebelliert das Kapital, samt seinem gemeinplätzlichen
Sancho Pansa, gegen das „heilige“ Gesetz der Nachfrage und Zufuhr
und sucht ihm durch Zwangsmittel unter die Arme zu greifen.

Verschiedene Existenziormen der relativen VUebervölkerung
Das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation.
Die relative Uebervölkerung existiert in allen möglichen
Schattierungen. Jeder Arbeiter gehört ihr an während der Zeit, wo
er halb oder gar nicht beschäftigt ist, Abgesehen von den großen,
periodisch wiederkehrenden Formen, welche der Phasenwechsel des
industriellen Zyklus ihr aufprägt, so daß sie bald akut in den Krisen
erscheint, bald chronisch in den Zeiten flauen Geschäfts, besitzt
sie fortwährend drei Formen: flüssige, latente, verborgene und
stockende.
In den Zentren der modernen Industrie — Fabriken, Manufakturen,
 Hütten und Bergwerken usw. — werden Arbeiter bald
abgestoßen, bald in größerem Umfange wieder angezogen, so daß im
großen und ganzen die Zahl der Beschäftigten zunimmt, wenn auch
in stets abnehmendem Verhältnis zur Stufenleiter der Produktion
Die Uebervölkerung existiert hier in fließender Form.
Sowohl in den eigentlichen Fabriken wie in allen großen Werk
stätten, wo Maschinerie eine Rolle spielt oder auch nur die moderne
Teilung der Arbeit durchgeführt ist, braucht man massenhaft mänPliche
 Arbeiter bis zur Zurücklegung des Jugendalters. Dieser Termin
einmal erreicht, bleibt nur eine sehr geringe Anzahl in denselben
Geschäftszweigen verwendbar, während die Mehrzahl regelmäßig
herausgeworfen wird. Sie bilden ein Element der fließenden Ueber:
völkerung, das mit dem Umfange der Industrie wächst. Ein Teil
davon wandert aus und reist in der Tat nur dem auswandernde?
Kapital nach. Eine der Folgen ist, daß die weibliche Bevölkerung
rascher wächst als die männliche, wie England bezeugt. Der Widerspruch,
 daß der natürliche Zuwachs der Arbeiterbevölkerung die
Akkumulationsbedürfnisse des Kapitals nicht sättigt und sie dennoch

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Dreiundzwanzigstes Kapitel,

379

zugleich überschreitet, ist ein Widerspruch seiner Bewegung selbst.
Es braucht größere Massen Arbeiter im früheren. Alter, geringere
im männlichen. Der Widerspruch ist nicht schreiender als der
andere, daß über Mangel an Händen geklagt wird zur selben Zeit,
wo viele Tausende auf dem Pflaster liegen, weil die Teilung der
Arbeit sie an einen bestimmten Geschäftszweig kettet.® Der Konsum
 der Arbeitskraft durch das Kapital ist zudem so rasch, daß
der Arbeiter von mittlerem Alter sich meist schon mehr oder minder
überlebt hat. Er fällt in die Reihen der Ueberzähligen, oder wird
von einer höheren auf eine niedrigere Staffel hinabgedrängt, wähtend
 eine frischere Arbeitskraft seinen Platz einnimmt. Gerade
bei den Arbeitern der großen Industrie stoßen wir auf die kürzeste
Lebensdauer.
„Dr. Lee, der Gesundheitsbeamte von Manchester, hat festgestellt,
 daß in jener Stadt die mittlere Lebensdauer der wohlhabenden
 Klasse 38, die der Arbeiterklasse nur 17 Jahre ist. In Liverpool
beträgt sie 35 Jahre für die erstere, 15 für die zweite. Es zeigt sich
also, daß die privilegierte Klasse eine Anweisung aufs Leben hat
(have a lease of life) mehr als doppelt so groß als die ihrer weniger
begünstigten Mitbürger.“ $*
Unter diesen Umständen erheischt das absolute Wachstum dieses
Teiles des Proletariats eine Form, welche seine Zahl schwelilt, obgleich
 seine Elemente sich schnell abnutzen. Also rasche Ablösung
der Arbeitergenerationen. (Dasselbe Gesetz gilt nicht für die übrigen
Klassen der Bevölkerung.) Dies gesellschaftliche Bedürfnis wird
befriedigt durch frühe Ehen, notwendige Folge der Verhältnisse,
Worin die Arbeiter der großen Industrie leben, und durch die Prämie,
Welche die Ausbeutung der Arbeiterkinder auf ihre Produktion setzt.
_ Sobald sich die kapitalistische Produktion der Agrikultur, oder
im Grad, worin sie sich derselben bemächtigt hat, nimmt mit der
Akkumulation des hier funktionierenden Kapitals die Nachfrage für
die ländliche Arbeiterbevölkerung absolut ab, ohne daß ihre Ab-Stoßung,
 wie in der nichtagrikolen Industrie, durch größere An-Ziehung
 ergänzt wäre. Ein Teil der Landbevölkerung befindet sich
daher fortwährend auf dem Sprung, in städtisches oder Manufaktur-Proletariat
 überzugehen, und in der Lauer auf dieser Verwandlung
Bünstige Umstände. (Manufaktur hier im Sinne aller nichtagrikolen

85 Während im letzten Halbjahr von 1866 80000 bis 90 000 Arbeiter in
London außer Arbeit geworfen wurden, heißt es im Fabrikbericht über das-3elbe
 Halbjahr: „Es scheint nicht ganz zutreffend, daß Nachfrage stets Angebot
 gerade im Augenblick erzeugt, wo es nötig wäre. Es war nicht der
Fall bei der Arbeit; denn viele Maschinen mußten im leizten Jahre still-NR
 aus Mangel an Händen.“ („Reports of Insp. of Fact, for 31st October
6% p. 81.
See ErOihaungsrede der Konferenz für sanitäre Reform, Birmingham,
B. Januar 1875, von J. Chamberlain, Mayor der Stadt [später Minister].
        <pb n="625" />
        580

Siebter Abschnitt.

Industrie,)®* Diese Quelle der relativen Uebervölkerung fließt also
beständig. Aber ihr beständiger Fluß nach den Städten setzt auf
dem Lande selbst eine fortwährend latente Uebervölkerung voraus,
deren Umfang nur sichtbar wird, sobald sich die Abzugskanäle ausnahmsweise
 weit öffnen. Der Landarbeiter wird daher auf das
Minimum des Arbeitslohnes herabgedrückt und steht mit einem Fuß
stets im Sumpfe des Pauperismus.
Die dritte Kategorie der relativen Uebervölkerung, die
stockende, bildet einen Teil der aktiven Arbeiterarmee, aber mit
durchaus unregelmäßiger Beschäftigung, so daß sie dem Kapital
einen unerschöpflichen Beh#lter verfügbarer Arbeitskraft bietet. Ihre
Lebenslage sinkt unter das durchschnittliche Normalniveau der
arbeitenden Klasse und gerade dies macht sie zur breiten Grundlage
eigener Ausbeutungszweige des Kapitals. Maximum der Arbeitszeit
und Minimum des Arbeitslohnes charakterisieren sie. Wir haben
unter der Rubrik der Hausarbeit ihre Haupitgestalt bereits kennen
gelernt. Sie rekrutiert sich fortwährend aus den Veberzähligen der
großen Industrie und Agrikultur, und namentlich auch aus untergehenden
 Industriezweigen, wo der Handwerksbetrieb dem Manufakturbetrieb,
 letzterer dem Maschinenbetrieb erliegt. Ihr Umfang
dehnt sich, wie mit Umfang und Energie der Akkumulation die
„Ueberzähligmachung“ fortschreitet. Aber sie bildet zugleich ein
sich selbst reproduzierendes und verewigendes Element der Arbeiterklasse,
 das verhältnismäßig größeren Anteil am Gesamtwachstum
derselben nimmt als die übrigen Elemente. In der Tat steht nicht
nur die Masse der Geburten und Todesfälle, sondern die absolute
Größe der Familien in umgekehrtem Verhältnis zur Höhe des Arbeitslohnes,
 also zur Masse der Lebensmittel, worüber die verschiedenen
 Arbeiterkategorien verfügen. Dies Gesetz der kapitalistischen
 Gesellschaft klänge unsinnig unter Wilden oder selbst
zivilisierten Kolonisten. Er erinnert an die massenhafte Reproduktion
 individuell schwacher und vielgehetzter Tierarten.®?

89 „781 Städte“ sind aufgezählt im Zensus von 1861 für England und
Wales „mit 10960 998 Einwohnern, während die Dörfer und Landkirchspiele
nur 9105226 zählen. ... Im Jahre 1851 figurierten 580 Städte im Zensus;
deren Bevölkerung ungefähr gleich der Bevölkerung der sie umgebenden
Landdistrikte war. Während aber in den letzteren die Bevölkerung während
der folgenden 10 Jahre nur um !/ Million wuchs, wuchs sie in den 580
Städten um 1554067. Der Bevölkerungszuwachs in den Landkirchspielen
ist 6,5 pZt., in den Städten 17,3 PpZt. Der Unterschied in der Rate des
Wachstums ist der Wanderung vom Land in die Stadt geschuldet. Drei Viertel
des Gesamtwachstums der Bevölkerung gehören den Städten.“ („Census etc.“,
vol. IT, p. 11, 12.)
* „Armut scheint die Fortpflanzung zu begünstigen.“ (4. Smith:
„Wealth of Nations“, b. I, ch. 8.) Dies ist sogar eine besonders weise Ein“
richtung Gottes nach dem galanten und geistreichen Abb6 Galiani: „Gott hat
es eingerichtet, daß die Menschen, welche die Berufe von der größten Nützlichkeit
 ausüben, reichlich geboren werden.“ (Galiani: „Della Moneta‘“, vol. II
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        ‚hnitt.

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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

581

Der tiefste Niederschlag der relativen Uebervölkerung endlich
behaust die Sphäre des Pauperismus. Abgesehen von Vagabunden,
Verbrechern, Prostituierten, kurz dem eigentlichen Lumpenproletariat,
 besteht diese Gesellschaftsschicht aus drei Kategorien.
UL. Arbeitsfähige. Man braucht die Statistik des englischen Pauperismus
 nur oberflächlich anzusehen, und man findet, daß seine Masse
mit jeder Krise schwillt und mit jeder Wiederbelebung des Geschäfts
 abnimmt. 2. Waisen- und Pauperkinder. Sie sind Kandidaten
 der industriellen Reservearmee und werden in Zeiten großer
Prosperität, wie 1860 zum Beispiel, rasch und massenhaft der
aktiven Arbeiterarmee einverleibt. 3. Verkommene, Verlumpte,
Arbeitsunfähige. Es sind namentlich Individuen, die an ihrer
durch die Teilung der Arbeit verursachten Unbeweglichkeit unterzehen,
 solche, die über das Normalalter eines Arbeiters hinausijeben,
 endlich die Opfer der Industrie, deren Zahl mit gefährlicher
Maschinerie, Bergwerksbau, chemischen Fabriken usw. wächst,
Verstümmelte, Erkrankte, Witwen usw. Der Pauperismus bildet
das Invalidenhaus der aktiven Arbeiterarmee und das tote Gewicht
ler industriellen Reservearmee. Seine Produktion ist eingeschlossen
in der Produktion der relativen Uebervölkerung, seine Notwendigkeit
 in ihrer Notwendigkeit, mit ihr bildet er eine Existenzbedingung
der kapitalistischen Produktion und Entwicklung des Reichtums. Er
gehört zu den Faux frais®*® der kapitalistischen Produktion, die das
Kapital jedoch großenteils von sich selbst ab auf die Schultern der
Arbeiterklasse und der kleinen Mittelklasse zu wälzen weiß.
Je größer der gesellschaftliche Reichtum, das funktionierende
Kapital, Umfang und Energie seines Wachstums, also auch die
absolute Größe des Proletariats und die Produktivkraft seiner Arbeit,
 desto größer die relative Uebervölkerung oder industrielle
Reservearmee. Die zur Verfügung stehende Arbeitskraft wird
lurch dieselben Ursachen entwickelt, wie die Expansivkraft des
Kapitals. Die verhältnismäßige Größe der industriellen Reservearmee
 wächst also mit den Potenzen des Reichtums. Je größer
aber die Reserve im Verhältnis zur aktiven Arbeiterarmee, desto
massenhafter die ständige Uebervölkerung, deren Elend im umgekehrten
 Verhältnis zu ihrer Arbeitsqual steht. Je größer endlich
lie Lazarusschicht der Arbeiterklasse und die industrielle Reservearmee,
 desto größer der offizielle, amtlich anerkannte Pauperismus.
Dies ist das absolute, allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkuvon
 Custodis Sammlung der „Scrittori Classici Italiani di Economia Politica“.
Parte Moderna. Milano 1801, p. 78.) „Elend, bis zum äußersten Punkt von
Hungersnot und Pestilenz, hemmt nicht das Wachstum der Bevölkerung, sondern
 hat eher die Tendenz, sie zu vermehren.“ (S. Laing: „National Distress,
1844“, p. 69.) Nachdem Laing dies statistisch illustriert, fährt er fort: „Befände
 sich alle Welt in Wohlstand, so wäre die Erde bald entvölkert.“
87a Faux frais, wörtlich „falsche Kosten“, Ausgaben des Geschäfts, die
nichts zu seinem Resultat beitragen, aber unter den gegebenen Umständen
ünvermeidlich sind. K.
        <pb n="627" />
        82

Siebter Abschnitt.

mulation. Es wird gleich allen andern Gesetzen in seiner Verwirklichung
 durch mannigfache Umstände modifiziert, deren Analyse
nicht hierher gehört.
Man begreift die Narrheit der ökonomischen Weisheit, die den
Arbeitern predigt, ihre Zahl den Verwertungsbedürfnissen des
Kapitals anzupassen. Als wenn nicht der Mechanismus der kapitalistischen
 Produktion und Akkumulation diesen Anpassungsprozeß
beständig vollzöge! Erstes Wort der erheischten Anpassung ist die
Schöpfung einer relativen Uebervölkerung oder industriellen Reservearmee,
 letztes Wort das Elend stets wachsender Schichten der
aktiven Arbeiterarmee und das tote Gewicht des Pauperismus.
Das Gesetz, wonach eine immer wachsende Masse von Produktionsmitteln,
 dank dem Fortschritt in der Produktivität der gesellschaftlichen
 Arbeit, mit einer stetig abnehmenden Ausgabe von
Menschenkraft in Bewegung gesetzt werden kann — dies Gesetz
drückt sich auf kapitalistischer Grundlage, wo nicht der Arbeiter die
Arbeitsmittel, sondern die Arbeitsmittel den Arbeiter anwenden,
darin aus, daß, je höher die Produktivkraft der Arbeit, desto größer
der Druck der Arbeiter auf ihre Beschäftigungsmittel, desto unsicherer
 also ihre Existenzbedingung: Verkauf der eigenen Kraft zur Vermehrung
 des fremden Reichtums oder zur Selbstverwertung des
Kapitals. Rascheres Wachstum der Produktionsmittel und der
Produktivität der Arbeit als der produktiven Bevölkerung drückt
sich kapitalistisch also umgekehrt darin aus, daß die Arbeiterbevölkerung
 stets rascher wächst als das Verwertungsbedürfnis des
Kapitals.

Es zeigte sich im vierten Abschnitt bei der Untersuchung der
Produktion des relativen Mehrwertes: innerhalb des kapitalistischen
Systems vollziehen sich alle Methoden zur Steigerung der gesellschaftlichen
 Produktivkraft der Arbeit auf Kosten des individuellen
Arbeiters; alle Mittel zur Entwicklung der Produktion schlagen um
in Mittel zur Beherrschung und Ausbeutung des Produzenten, verstümmeln
 den Arbeiter in einen Teilmenschen, entwürdigen ihn zum
Anhängsel der Maschine, vernichten mit der Qual seiner Arbeit ihren
Inhalt, entiremden ihm die geistigen Potenzen des Arbeitsprozesses,
im selben Maße, worin letzterem die Wissenschaft als selbständige
Potenz einverleibt wird; sie verunstalten die Bedingungen, innerhalb
 deren er arbeitet, unterwerfen ihn während des Arbeitsprozesses
 der kleinlichst gehässigen Despotie, verwandeln seine
Lebenszeit in Arbeitszeit, schleudern sein Weib und Kind unter das
Juggernautrad des Kapitals. Aber alle Methoden zur Produktion
des Mehrwertes sind zugleich Methoden der Akkumulation, und
jede Ausdehnung der Akkumulation wird umgekehrt Mittel zur Entwicklung
 jener Methoden. Es folgt daher, daß im Maße, wie Kapital
akkumuliert, die Lage des Arbeiters, welches immer seine Zahlung;
hoch oder niedrig, sich verschlechtern muß. Das Gesetz endlich,
welches die relative VUebervölkerung oder industrielle Reservearmee
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583
stets mit Umfang und Energie der Akkumulation in Gleichgewicht
hält, schmiedet den Arbeiter fester an das Kapital als den Prometheus
 die Keile des Hephästos an den Felsen. Es bedingt eine
jer Akkumulation von Kapital entsprechende Akkumulation von
Elend. Die Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist also
zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit,
 Brutalisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenol,
 das heißt auf seiten der Klasse, die ihr eigenes Produkt als
Kapital produziert. + «+ «
Dieser antagonistische Charakter der kapitalistischen Akkumulation®
 ist in verschiedenen Formen von politischen Oekonomen
ausgesprochen, obgleich sie zum Teil zwar ähnliche, aber dennoch
wesentlich verschiedene Erscheinungen vorkapitalistischer Produklonsweisen
 damit zusammenwerfen.
Der venetianische Mönch Ortes, einer der größten ökonomischen
Schriftsteller des 18. Jahrhunderts, faßt den Antagonismus der
kapitalistischen Produktion als allgemeines Naturgesetz des gesellzchaftlichen
 Reichtums. „Das ökonomisch Gute und ökonomisch
3öse halten sich in einer Nation stets das Gleichgewicht (il bene
ad il male economico in una nazione sempre all’ istessa misura),
die Fülle der Güter für einige ist immer gleich dem Mangel derselben
 für andere (la copia dei beni in alcuni sempre eguale alla
mancanza di essi in altri). Großer Reichtum von einigen ist stets
begleitet von absoluter Beraubung des Notwendigen bei viel mehr
andern.“ Der Reichtum einer Nation entspricht ihrer Bevölkerung,
and ihr Elend entspricht ihrem Reichtum. Die Arbeitsamkeit in
ainigen erzwingt den Müßiggang in andern. Die Armen und Müßigen
sind eine notwendige Frucht der Reichen und Tätigen usw.“
In ganz grober Weise verherrlichte ungefähr 10 Jahre nach Ortes
der hochkirchliche protestantische Pfaffe Townsend die Armut als
notwendige Bedingung des Reichtums. „Gesetzlicher Zwang zur Arbeit
 ist verbunden mit zu viel Mühe, Gewalitsamkeit und Geräusch,

Dreiundzwanzigstes Kapitel.

ss „Von Tag zu Tag wird es somit klarer, daß die Produktionsverhältlisse,
 in denen sich die Bourgeoisie bewegt, nicht einen einheitlichen, ein-'achen
 Charakter haben, sondern einen zwieschlächtigen; daß in denselben
Verhältnissen, in denen der Reichtum produziert wird, auch das Elend proluziert
 wird; daß in denselben Verhältnissen, in denen die Entwicklung der
Produktionskräfte vor sich geht, sich eine Repressionskraft entwickelt; daß
liese Verhältnisse den bürgerlichen Reichtum, das heißt den Reichtum der
Bourgeoisklasse, nur erzeugen unter fortgesetzter Vernichtung des Reich-‘ums
 einzelner Glieder dieser Klasse und unter Schaffung eines stets wachenden
 Proletariats.“ (Karl Marx: „Misere de la Philosophie“, p. 116, [Vgl
„Das Elend der Philosophie“, deutsch von E. Bernstein und K,. Kautsky.
2, Auflage. Stuttgart 1892, S. 106 £#.]
89 @, Ortes: „Della Economia Nazionale libri sei, 1777“, bei Custodi.
Parte Moderna, vol. XXI, p. 6, 9, 22, 25 etc. Ortes sagt ebenda, S. 32: „Statt
annütze Systeme für das Glück der Völker zu entwerfen, will ich mich
Zarauf beschränken, die Ursachen ihres Unglücks zu erforschen.“
        <pb n="629" />
        Siebter Abschnitt.
während der Hunger nicht nur ein friedlicher, schweigsamer, unaufhörlicher
 Druck, sondern als natürlichstes Motiv zur Industrie und
Arbeit die machtvollste Anstrengung hervorruft.“ Alles kommt also
darauf an, den Hunger unter der Arbeiterklasse dauernd zu machen,
und dafür sorgt, nach Townsend, das Bevölkerungsprinzip, das besonders
 unter den Armen tätig ist. „Es scheint ein Naturgesetz, daß
die Armen zu einem gewissen Grade leichtsinnig (improvident)
sind (nämlich so leichtsinnig, auf die Welt zu kommen ohne goldene
Löffel im Mund), so daß stets welche da sind (that there always
may be some) zur Erfüllung der niedrigsten, schmutzigsten und gemeinsten
 Funktionen des Gemeinwesens. Die Summe menschlichen
 Glückes (the fund of human happiness) wird dadurch sehr
vermehrt, die Delikateren (the more delicate) sind von der Plackerei
befreit und können höherem Beruf usw. ungestört nachgehen. .. -
Das Armengesetz hat die Tendenz, die Harmonie und Schönheit, die
Symmetrie und Ordnung dieses Systems, welches Gott und die Natur
in der Welt errichtet haben, zu zerstören.“ ® ,
Fand der venetianische Mönch in dem Schicksalsschluß, der das
Elend verewigt, die Existenzberechtigung der christlichen Wohltätigkeit,
 des Zölibats, der Klöster und frommen Stiftungen, so findet im
Gegenteil der protestantische Pfründner darin den Vorwand, die
englischen Armengesetize zu verdammen, kraft deren der Arme ein
Recht auf kärgliche öffentliche Unterstützung besaß.
„Der Fortschritt des gesellschaftlichen Reichtums“, sagt Storch,
„erzeugt jene nützliche Klasse der Gesellschaft . .. welche die langweiligsten,
 gemeinsten und ekelhaftesten Beschäftigungen ausübt, in
einem Worte alles, was das Leben Unangenehmes und Knechtendes
hat, auf ihre Schultern nimmt und eben dadurch den andern Klassen
die Zeit, die Heiterkeit des Geistes und.die übliche (das ist gut!)
Charakterwürde (dignit6&amp;amp; conventionelle) verschaflt usw.“* Storch
fragt sich, welches denn eigentlich der Vorzug dieser kapitalistischen

584

% „A Dissertation on the Poor Laws. By a Wellwisher of Mankind
(The Reverend Mr. J. Townsend), 1786“, republished London 1817, p. 15
39, 41. Dieser „delikate‘“ Pfaffe, dessen eben angeführte Schrift, nebst seiner
Reise durch Spanien, Malthus oft seitenlang abschreibt, entlehnte den größten
Teil seiner Lehre aus Sir J. Steuart, den er jedoch verdreht. Zum Beispiel
wenn Steuart sagt: „Hier, in der Sklaverei, existierte eine gewaltsam®
Methode, die Menschheit arbeitsam (für die Nichtarbeiter) zu machen. ... -
Die Menschen wurden damals zur Arbeit (das heißt zur Gratisarbeit für
andere) gezwungen, weil sie Sklaven von andern waren; die Menschen sind
jetzt zur Arbeit (das heißt zur Gratisarbeit für Nichtarbeiter) gezwungeB,
weil sie die Sklaven ihrer eigenen Bedürfnisse sind“, so schließt er deswegen
nicht, wie der fette Pfründner, daß — die Lohnarbeiter stets am Hungertuch
 nagen sollen. Er will umgekehrt ihre Bedürfnisse vermehren und die
wachsende Zahl ihrer Bedürfnisse zugleich zum Sporn ihrer Arbeit für „die
Delikateren“ machen.
2. Storch: „Cours d’Economie Politique, &amp;amp;d. Petersbourg 1815“, vol. IIL
p. 223,
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

585

Zivilisation mit ihrem Elend und ihrer Degradation der Massen vor
ler Barbarei? Er findet nur eine Antwort — die Sicherheit!
Durch den Fortschritt der Industrie und Wissenschaft, sagt Sismondi,
 kann jeder Arbeiter jeden Tag viel mehr produzieren, als er
zu seinem Konsum braucht. Aber zu gleicher Zeit, während seine
Arbeit den Reichtum produziert, würde der Reichtum, wäre er berufen,
 ihn selbst zu konsumieren, ihn wenig geeignet zur Arbeit
machen. Nach ihm „würden die Menschen (das heißt die nicht
arbeitenden Menschen) wahrscheinlich auf alle Vervollkommnungen
jer Künste verzichten, wie auf alle Genüsse, die die Industrie uns
verschafft, müßten sie diese durch anhaltende Arbeit, wie die des Arbeiters,
 erkaufen. ... Die Anstrengungen sind heute geschieden von
ihrer Belohnung; es ist nicht derselbe Mensch, der erst arbeitet und
sich dann ausruht: im Gegenteil, eben weil der eine arbeitet, muß
der andere sich ausruhen. ... Die endlose Vervielfältigung der
Produktivkräfte der Arbeit kann also kein anderes Resultat haben
als die Zunahme des Luxus und der Genüsse der müßigen Reichen.‘
herbuliez, ein Schüler Sismondis, ergänzt ihn, indem er hinzufügt:
„Die Arbeiter selbst ... indem sie an der Akkumulation der pro-Juktiven
 Kapitalien mitwirken, tragen zu jenem Zustand bei, der sie
Irüher oder später eines Teiles ihres Arbeitslohnes beraubt.“ ®2
Destutt de Tracy endlich, der kalte Bourgeoisdoktrinär, spricht
88 brutal aus: „Die armen Nationen sind die, wo das Volk gut daran
ist. und die reichen Nationen sind die, wo es gewöhnlich arm ist.“

5. Mustration des allgemeinen Gesetzes der kapitalistischen
Akkumulation.
a) England von 1846 bis 1866.
Keine Periode der modernen Gesellschaft ist so günstig für das
Studium der kapitalistischen Akkumulation als die Periode der letztverflossenen
 20 Jahre.** Es ist, als ob sie den Fortunatussäckel
gefunden hätte. Von allen Ländern aber bietet England wieder das
zlassische Beispiel, weil es den ersten Rang auf dem Weltmarkt
dehauptet, die kapitalistische Produktionsweise hier allein völlig
entwickelt ist, und endlich die Einführung des tausendjährigen
Reiches des Freihandels seit 1846 der Vulgärökonomie den letzten
Schlupfwinkel abgeschnitten hat. Der titanische Fortschritt der Produktion,
 so daß die letzte Hälfte der zwanzigjährigen Periode die
Brste wieder weit überflügelt, ward bereits im vierten Abschnitt hinteichend
 angedeutet.

52 Sismondi: „Nouveaux Principes d’Economie Politique“, vol. I, p. 79,
80, 85.
2a Cherbuliez: „Riche ou Pauvre“, p. 146.
% Destutt de Tracy: „Traite de la Volonte et de ses effets, Paris 1826“,
B. 231.
Ya Das wurde im März 1867 geschrieben.
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        386

Siebter Abschnitt.

Obgleich das absolute Wachstum der englischen Bevölkerung
im letzten halben Jahrhundert sehr groß war, fiel das verhältnismäßige
 Wachstum oder die Rate des Zuwachses fortwährend, wie
folgende dem offiziellen Zensus entlehnte Tabelle zeigt:
Jährlicher prozentmäßiger Zuwachs der Bevölkerung von England
und Wales in Dezimalzahlen:
1811 bis 1821. 1,533 pZt.
1821 „ 1831 1.446
1831 „ 1841 1,326
1841 „ 1851 1216
1851 „ 1861 1.0.0.0 1141
Betrachten wir nun anderseits das Wachstum des Reichtums.
Den sichersten Anhaltspunkt bietet hier die Bewegung der der
Einkommensteuer unterworfenen Profite, Grundrenten usw. Der
Zuwachs der steuerpflichtigen Profite (Pächter und einige andere
Rubriken nicht eingeschlossen) betrug für Großbritannien von 1853
bis 1864 50,47 pZt. (oder 4,58 pZt. im jährlichen Durchschnitt),** der
der Bevölkerung während derselben Periode ungefähr 12 pZt. . Die
Zunahme der besteuerbaren Renten von Land (Häuser, Eisenbahnen,
Minen, Fischereien usw. eingeschlossen) betrug von 1853 bis 1864
38 pZt., oder 8°/,, pZt. jährlich, woran folgende Rubriken den
stärksten Anteil nahmen:
Mean A OR BSP“ Zunahme pro Jahr
Von Häusern....... 88,60 pZt. 3,50 pZt.
Steinbrüchen... 84,76 7,70
Minen ......... 68,85 5,26
Zisenhütten.... 39,92 3,63
Fischereien.... 57,87 521
Gaswerken .... 126,0. 11,45 ,
„ Eisenbahnen... 83,29 „ 7,57
. Vergleicht man je 4 Jahre der Periode von 1853 bis 1864, 80
wächst der Zunahmegrad der Einkommen fortwährend. Er ist zum
Beispiel für die aus Profit stammenden von 1853 bis 1857 jährlich
1,73 pZt., 1857 bis 1861 jährlich 2,74 pZt. und 9,30 pZt. jährlich für
1861 bis 1864. Die Gesamtsumme der der Einkommensteuer unterworfenen
 Einkommen des Vereinigten Königreichs betrug: 18586
307 068 898 Pfd. Sterl., 1859 828 127 416 Pfd. Sterl., 1862 351 745 241
Pfd. Sterl., 1863 359142 897 Pfd. Sterl., 1864 362 462 279 Pd. Sterl,
1865 8385 5380020 Pfd. Sterl.%

‚ % Tenth Report of the Commissioners of H. M.’s Inland Revenue:
London 1866“, p. 38.
% Ebenda.
% Diese Zahlen sind hinreichend für die Vergleichung, aber, absolut be
trachtet, falsch, da vielleicht 100 Millionen Pfd. Sterl. Einkommen jährlich
„verschwiegen“ werden. Die Klage der Commissioners of Inland Revenu®
über systematischen Betrug, namentlich von kommerzieller und industrieller
Seite, wiederholt sich in jedem ihrer Berichte. So heißt es zum Beispiel:
„Eine Aktiengesellschaft gab ihre besteuerbaren Profite auf 6000 Pfd. Sterl
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

587

Die Akkumulation des Kapitals war ‚zugleich von seiner Konzentration
 und Zentralisation begleitet. Obgleich keine offizielle
Agrikulturstatistik für England (wohl aber für Irland) existierte,
ward sie von 10 Grafschaften ireiwillig geliefert. Sie ergab hier
las Resultat, daß von 1851 bis 1861 die Pachten unter 100 Acres
von 31583 auf 26567 vermindert, also 5016 mit größeren Pachten
zusammengeschlagen waren.” Von 1815 bis 1825 fiel kein einziges
Vermögen aus beweglichen Gütern unter die Erbschaftssteuer, das
über 1 Million Pfd. Sterl. ausgemacht hätte; von 1825 bis 1855 dazegen
 8, von 1856 bis Juni 1859, das heißt in 4'/, Jahren, 4.° Die
Zentralisation wird man jedoch am besten ersehen aus einer kurzen
Analyse der Einkommensteuer für Rubrik D (Profite mit Ausschluß
von Pächtern usw.) in den Jahren 1864 und 1865. Ich bemerke vor-1er,
 daß Einkommen aus dieser Quelle bis zu 60 Pfd. Sterl. hinab
Sinkommensteuer zahlen. Diese steuerpflichtigen Einkommen berugen
 in England, Wales und Schottland 1864 95 844 222 Pfd. Sterl.
ınd 1865 105435579 Pfd. Sterl.,®* die Zahl der Besteuerten 1864
308 416 Personen auf eine Gesamtbevölkerung von 23 891 009, 1865
332 431 Personen auf eine Gesamtbevölkerung von 24 127 003. Ueber
lie Verteilung dieser Einkommen in beiden Jahren folgende Tabelle:

Jahr, endend 5. April 1864
Einkommen von Profit
Pfd. Ster].
Gesamteinkommen: 95 844 222
57 028 289
36 415 225
Davon | 29 809 781
8 744 762

Personen

Jahr, endend 5. April 1865
Einkommen von Profit \P erson. en
Pfd. Sterl.
105 435 788
64 554 297
42 535 576
27 555 313
11 077 238

308 416 332 481
23 334 24.265
3619 4021
832 973
91 | 1 107
Es wurden im Vereinigten Königreich produziert 61 453 079
Tonnen Kohlen zum Werte von 16113 167 Pfad. Sterl., 1864 92 787 873
Tonnen zum Werte von 23 197 968 Pfd. Sterl., 1855 3218 154 Tonnen
Roheisen zum Werte von 8 045 385 Pfd. Sterl., 1864 4767 951 Tonnen
tum Werte von 11 919877 Pfd. Sterl. 1854 betrug die Länge der im
Vereinigten Königreich im Betriebe befindlichen Eisenbahnen 8054
Meilen, mit eingezahltem Kapital von 286 068 794” Pfd. Sterl., 1864
die Meilenlänge 12 789 mit eingezahltem Kapital von 425 719 613 P{Id.

an, der Taxator veranschlagte sie zu 88 000 Pfd. Sterl., und für diese Summe
Ward schließlich die Steuer gezahlt. Eine andere Kompanie gab 190 000
Pfd. Sterl. an, sie ward gezwungen, zu gestehen, daß der wirkliche Beirag
250.000 Pfd. Sterl.“ (Ebenda, S. 42.)
‚7 „Census ete.“, vol. III, p. 29. John Brights Behauptung, daß 150 Grundlerren
 die Hälfte des englischen und 12 die Hälfte des schottischen Bodens
Ägnen, ist nicht widerlegt worden.
% „Fourth Report etc. of Inland Revenue. London 1860“, p, 17.
% Es sind dies die Reineinkommen, also nach gewissen gesetzlich
Vültigen Abzügen.
        <pb n="633" />
        588
Ster]l. 1854 beitrug Gesamtexport und -import des Vereinigten Königreichs
 268 210 145 Pfd. Sterl., 1865 489923 285 Pfd. Sterl. Folgende
Tabelle zeigt die Bewegung des Exports:
58 842 377 Pd. Sterl.
63 596 052 %
115 826 948 »
135 842 817
165 862 402
188 917 5638

”
”
”

Man begreift nach diesen wenigen Angaben den Triumphechrei
des Generalregistrators [Vorstandes des Zivilstandswesens] des
britischen Volkes: „Rasch wie die Bevölkerung anwuchs, hat sie
nicht Schritt gehalten mit dem Fortschritt der Industrie und des
Reichtums.“ 101
Wenden wir uns jetzt zu den unmittelbaren wirkenden Kräften
dieser Industrie oder den Produzenten dieses Reichtums, zur Ar
beiterklasse. „Es ist einer der melancholischsten Charakterzüge im
sozialen Zustand des Landes“, sagt Gladstone, „daß augenblicklich in
ganz unzweifelhafter Weise eine Abnahme in der Konsumtionskrafi
des Volkes und eine Zunahme in den Entbehrungen und dem Elend
der arbeitenden Klasse vor sich geht. Und gleichzeitig findet eine
beständige Akkumulation von Reichtum in den höheren Klassen,
eine Zunahme der Ueppigkeit ihrer Lebensführung und ihrer
Genüsse statt.‘“102
So sprach dieser salbungsvolle Minister im Hause der Gemeinen
am 13, Februar 1843. Am 16. April 1863, 20 Jahre später, in der
Rede, worin er sein Budget vorlegt: „Von 1842 bis 1852 wuchs das
besteuerbare Einkommen dieses Landes um 6 pZt.... In den
8 Jahren von 1853 bis 1861 wuchs es, wenn wir von der Basis von
1853 ausgehen, um 20 pZt. Die Tatsache ist so erstaunlich, daß sie
beinahe unglaublich ist. ... Diese berauschende Vermehrung vo»
Reichtum und Macht ... ist ganz und gar auf die besitzendel
Klassen beschränkt, aber . . . aber, sie muß von indirektem Vorteil
für die Arbeiterbevölkerung sein, weil sie die Artikel der allge
meinen Konsumtion verwohlfeilert — während die Reichen reicher
sind die Armen jedenfalls weniger arm geworden. Daß die Extreme
der Armut sich verändert haben, wage ich nicht zu sagen.‘“108

100 In diesem Augenblick, März 1867, ist der indisch-chinesische Markt
durch die Warensendungen der britischen Baumwollfabrikanten schon wieder
völlig überführt. Lohnherabsetzung um 5 pZt. begann unter den Baumwoll
arbeitern 1866, 1867 infolge ähnlicher Operationen Streik von 20000 Man?
in Preston. [„Es war dies das Vorspiel der Krise, die gleich darauf herein
brach“, fügt Engels hinzu. K.]
101 „Census ete.“, vol. III, p. 11. “
1023 Gladstone im Hause der Gemeinen, 18. Februar 1843. („Times :
14. Februar 1843, — Hansard, 13, Februar.) |
103 Gladstone im Unterhaus, 16. April 1863. („Morning Star“, 17. Aprik)
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

589

Welch lahmer Antiklimax [Abstieg]! Wenn die Arbeiterklasse
„arm“ geblieben ist, nur „weniger arm“ im Verhältnis, worin sie
aine „berauschende Vermehrung von Reichtum und Macht“ für
die Klasse des Eigentums produzierte, so ist sie relativ gleich arm geblieben.
 Wenn die Extreme der Armut sich nicht vermindert haben,
haben sie sich vermehrt, weil die Extreme des Reichtums. Was die
Verwohlfeilerung der Lebensmittel betrifft, so zeigt die offizielle
Statistik, zum Beispiel die Angaben des Londoner Waisenhauses,
eine Verteuerung von 20 pZt. für den Durchschnitt der 3 Jahre von
1860 bis 1862, verglichen mit 1851 bis 18538. In den folgenden
3 Jahren 1863 bis 1865 fortschreitende Verteuerung von Fleisch,
Butter, Milch, Zucker, Salz, Kohlen und einer Masse anderer notwendiger
 Lebensmittel.*** Gladstones folgende Budgetrede, vom
7. April 1864, ist ein pindarischer Lobgesang auf den Fortschritt der
Plusmacherei und das durch „Armut“ gemäßigte Glück des Volkes,
£r spricht von Massen „am Rand des Pauperismus“, von den Ge-Schäftszweigen,
 „worin der Lohn nicht gestiegen“, und faßt schließlich
 das Glück der Arbeiterklasse zusammen in den Worten: „das
menschliche Leben ist in neun Fällen von zehn ein bloßer Kamnf um
lie Existenz‘.105
Professor Fawcett, nicht wie Gladstone durch offizielle Rücksicht
zebunden, erklärt rund heraus: „Ich leugne natürlich nicht, daß der
Geldlohn mit dieser Vermehrung des Kapitals (in den letzten Jahrzehnten)
 gestiegen ist, aber dieser scheinbare Vorteil geht in großem
Umfange wieder verloren, weil viele Lebensbedürfnisse beständig
teurer werden (er glaubt, wegen Wertfall der edlen Metalle). ...
Die Reichen werden rasch reicher (the rich grow rapidly richer),
während keine Zunahme im Wohlstand der arbeitenden Klassen

104 Siehe die offiziellen Angaben in dem Blaubuch: „Miscellaneous
Statistics of.the United Kingdom. Part VI. London 1866“, p. 260—278 passim.
Statt der Statistik der Waisenanstalten usw. könnten auch die Deklamationen
nNinisterieller Journale zur Bevorwortung der Aussteuer der Kinder des
königlichen Hauses als Beleg dienen. Die Teuerung der Lebensmittel wird
de darin vergessen.
105 Gladstone im Unterhaus, 7. April 1864. — Die fortlaufenden,
Schreienden Widersprüche in Gladstones Budgetreden von 1863 und 1864
arakterisiert ein englischer Schriftsteller durch folgendes Zitat aus
Moliare:

„Voila l’homme en effet. Il va du blanc au noir,
A condamne au matin ses sentiments du soir.
importun &amp;amp; tout aufre, &amp;amp; soi meme incommode,
Il change ä tous moments d’esprit comme de mode.“
x [„So ist der Charakter des Mannes: er schwankt zwischen Weiß und
Schwarz, Er verurteilt am Morgen, was er am Abend gebilligt hat. Jedem
Adern zuwider, sich selbst zur Last, wechselt er jeden Augenblick seine
p °sinnung wie die Tracht.“] („The Theory of Exchanges ete. London 1864“,
        <pb n="635" />
        Siebter Abschnitt.
wahrnehmbar ist. . . . Die Arbeiter werden fast Sklaven der Krämer,
deren Schuldner sie sind.‘“1%
In den Abschnitten über den Arbeitstag und die Maschinerie
enthüllten sich die Umstände, unter welchen die britische Arbeiterklasse
 während der letzten Jahrzehnte eine „berauschende Vermehrung
 von Reichtum und Macht“ für die besitzenden Klassen
schuf. Jedoch beschäftigte uns damals vorzugsweise der Arbeiter
während seiner gesellschaftlichen Funktion. Zur vollen Beleuchtung
des Gesetzes der kapitalistischen Akkumulation ist es nötig, einen
Augenblick auch die Lage des Arbeiters außerhalb der Werkstatt
ins Auge zu fassen, seine Nahrungs- und Wohnungszustände. Die
Grenze dieses Buches gebietet uns, hier vor allem den schlecht bezahlten
 Teil des industriellen Proletariats und der Ackerbauarbeiter
zu berücksichtigen, das heißt die Majorität der Arbeiterklasse.10%
Vorher noch ein Wort über den offiziellen Pauperismus, das
heißt den Teil der Arbeiterklasse, der seine Existenzbedingung, Verkauf
 der Arbeitskraft, eingebüßt hat und von öffentlichen Almosen
vegetiert. Die offizielle Pauperliste zählte in England!” Personen:
1855, 851 369, 1856 877 767, 1865 971433. Infolge der Baumwollnot
schwoll sie in den Jahren 1863 und 1864 zu 1079382 und 1014 978:
Die Krise von 1866, die London am schwersten traf, schuf in diesem
Sitz des Weltmarktes, einwohnerreicher als das Königreich Schottland,
 für 1866 einen Pauperzuwachs von 19,5 pZt., verglichen mit
1865, und von 24,4 pZt., verglichen mit 1864, einen noch größeren
Zuwachs für die ersten Monate von 1867, verglichen mit 1866. Bei
Analyse der Pauperstatistik sind zwei Punkte hervorzuheben. Einerseits
 spiegelt die Bewegung im Ab und Zu der Paupermasse die
periodischen Wechselfälle des industriellen Zyklus wider. Anderseits
 trügt die offizielle Statistik mehr und mehr über den wirklichen
 Umfang des Pauperismus im Grad, worin sich mit der Akkumulation
 des Kapitals der Klassenkampf und daher das Selbstgefühl
der Arbeiter entwickeln. Zum Beispiel die Barbarei in der Behand-590



106 H, Fawcelt: „The Economic Position of the British Labourer. Lordon
 1865“, p. 67, 82. Was die wachsende Abhängigkeit der Arbeiter vob
dem Krämer betrifft, so ist sie Folge der zunehmenden Schwankungen und
Unterbrechungen ihrer Beschäftigung.
1oß Hier stand in der 1, und 2. Auflage die Note: „Es steht zu hoffe»;
daß F, Engels bald sein Werk über die Lage der englischen Arbeiterklasse
mit der Periode seit 1844 bereichern oder auch die Darstellung der letztere’
in einem besonderen zweiten Band herausgeben wird.“ Engels bemerkte
hierzu in seinem Handexemplar: „Dies hat Marx selbst in diesem ersten
Band des „Kapital“ besorgt.“ In den von ihm besorgten Ausgaben des
„Kapital“ ließ er die Marxsche Note weg. K.
107 In England ist immer Wales eingeschlossen, in Großbritannien Eng
land, Wales und Schottland, im Vereinigten Königreich jene drei Länder und
Irlanı
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        hnitt.

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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

591

ung der Paupers, worüber die englische Presse („Times“, „Pall Mall
jazette‘“ usw.) während der letzten zwei Jahre so laut schrie, ist alten
Datums. F. Engels konstatiert 1844 ganz dieselben Greuel und ganz
lasselbe vorübergehende, scheinheilige, zur „Sensationsliteratur“ gehörige
 Gezeier. Aber die furchtbare Zunahme des Hungertodes
(„deaths by starvation“) in London, während des letzten Jahrzehnts,
deweist unbedingt den zunehmenden Abscheu der Arbeiter vor der
Sklaverei des Workhouse.*® dieser Strafanstalt des Elends.

b) DieschlechtbezahltenSchichtenderbritischen
industriellen Arbeiterklasse.

Wenden wir uns jetzt zu den schlechtbezahlten Schichten der
industriellen Arbeiterklasse. Während der Baumwollnot, 1862,
wurde Dr. Smith vom Privy Council [dem geheimen Rat oder Staatsrat,
 der Staatsangelegenheiten erledigt, die nicht vor das Parlament
zsehören — K.] mit einer Untersuchung über den Nahrungsstand der
verkümmerten Baumwollarbeiter in Lancashire und Cheshire beaufragt.
 Langjährige frühere Beobachtung hatte ihn zum Resultat geführt,
 daß, „um Hungerkrankheiten (starvation diseases) zu Vvermeiden“,
 die tägliche Nahrung eines Durchschnitts-Frauenzimmers
mindestens 3900 Gran Kohlenstoff mit 180 Gran Stickstoff enthalten
nüsse, die tägliche Nahrung eines Durchschnitts- Mannes mindestens
1300 Gran Kohlenstoff mit 200 Gran Stickstoff, für die Frauenzimmer
ungefähr so viel Nahrungsstoff, als in 2 Pfund gutem Weizenbrot
°nthalten ist, für Männer !/, mehr, für den Wochendurchschnitt von
weiblichen und männlichen Erwachsenen mindestens 28 600 Gran
Kohlenstoff und 1330 Gran Stickstoff. Seine Berechnung ward prakisch
 in überraschender Weise bestätigt durch ihre Uebereinstim-Mung
 mit der kümmerlichen Nahrungsmenge, worauf der Notstand
lie Konsumtion der Baumwollarbeiter herabgedrückt hatte. Sie
Srhielten im Dezember 1862 29211 Gran Kohlenstoff und 1295 Gran
Stickstoff wöchentlich.
Im Jahre 1868 verordnete der Privy Council eine Untersuchung
über den Notstand des schlechtestgenährten Teiles der englischen
Arbeiterklasse. Dr. Simon, der ärztliche Beamte des Privy Couneil,
Srkor zu dieser Arbeit den obenerwähnten Dr. Smith. Seine Untersuchung
 erstreckt sich auf die Agrikulturarbeiter einerseits, anderseits
 auf Seidenweber, Näherinnen, Lederhandschuhmacher, Strumpf-Wirker,
 Handschuhweber und Schuster. Die letzteren Kategorien

108 Es wirft ein eigenes Licht auf den seit A, Smith zurückgelegten Fort-Schritt,
 daß ihm das heute zur Bezeichnung des Armenhauses gebrauchte
Wort Workhouse [Werkhaus] gelegentlich noch gleichwertig ist mit Manulactory
 [Manufakturgebäude]. Zum Beispiel am Eingang seines Kapitels
Aber Teilung der Arbeit: „those employed in every different branch of the
Work can often be collected into the same workhouse.“ [»Diejenigen Arbeiter,
die in den verschiedenen Zweigen desselben Werkes beschäftigt sind, können
dt in demselben Werkhaus vereinigt werden.“]
        <pb n="637" />
        592

Siebter Abschnitt.

sind, mit Ausnahme der Strumpfwirker, ausschließlich städtisch. Es
wurde zur Regel der Untersuchung gemacht, die gesundesten und
relativ bestgestellten Familien in jeder Kategorie auszuwählen.
Als allgemeines Resultat ergab sich, daß „nur in einer der untersuchten
 Klassen der städtischen Arbeiter die Zufuhr von Stickstoff
das absolute Minimalmaß, unter welchem Hungerkrankheiten einlIreten,
 ein wenig überschritt, daß in zwei Klassen Mangel, und
zwar in der einen sehr großer Mangel, an der Zufuhr von sowohl
stickstoff- wie kohlenstoffhaltiger Nahrung stattfand, daß von den
untersuchten Ackerbaufamilien mehr als ein Fünftel weniger als die
unentbehrliche Zufuhr von kohlenstoffhaltiger Nahrung erhielt, mehr
als ein Drittel weniger als die unentbehrliche Zufuhr stickstoffhaltiger
Nahrung, und daß in drei Grafschaften (Berkshire, Oxfordshire und
Sommersetshire) Mangel an dem Minimum der stickstoffhaltigen
Nahrung durchschnittlich herrschte‘“.1®® Unter den Agrikulturarbeitern
 waren die von England, dem reichsten Teil des Vereinigten
 Königreichs, die schlechtest genährten.!*® Die Unteraahrung
 fiel unter den Landarbeitern überhaupt hauptsächlich auf
Frau und Kinder, denn „der Mann muß essen, um sein Werk zu
verrichten“. Noch größerer Mangel wütete unter den untersuchten
städtischen Arbeiterkategorien. „Sie sind so schlecht genährt, daß
viele Fälle grausamer und gesundheitsruinierender Entbehrung
(„Entsagung“ des Kapitalisten alles dies! nämlich Entsagung auf
Zahlung der zur bloßen Lebensiristung seiner Hände unentbehrlichen
Lebensmittel!) vorkommen müssen.‘“111
Folgende Tabelle zeigt das Verhältnis des Nahrungsstandes der
oben erwähnten rein städtischen Arbeiterkategorien zu dem von
Dr. Smith angenommenen Minimalmaß und zum Nahrungsmaß der
Baumwollarbeiter während der Zeit ihrer größten Not:2112

sn

Beide Geschlechter

Wochendurch-.
 schnitt
an Kohlenstoff
fra

Wochendurch’
schnitt
an Stickstoff
Gran_
1192
1295

ö städtische Geschäftszweige ........... ..
Arbeitslose Lancashire-Fabrikarbeiter..........
Minimalquantum, vorgeschlagen für die Lancashire-Arbeiter
 auf gleiche Zahl männlicher und
weihlicher

28 876 |
299211

28 600 | 1330
Eine Hälfte, ®/,,., der untersuchten industriellen Arbeiter“
kategorien erhielt absolut kein Bier, 28 pZt. keine Milch. Der
Wochendurchschnitt der flüssigen Nahrungsmittel in den Familien
schwankte von 7 Unzen bei den Näherinnen auf 24®/, Unzen bei dep
Strumpfwirkern. Die Mehrzahl derer. die keine Milch erhielten.

109 „Public Health. 6th Report ete. for 1863. London 1864“, p. 18.
110 Ebenda, S. 17.
411 Ebenda, S. 13.
u2 Ebenda. Appendix, S. 282.
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

593

bestand aus den Näherinnen von London. Die Quantität der wöchentlich
 konsumierten Brotstoffe wechselte von 7°/, Pfund bei den Näheinnen
 zu 11!/, Pfund bei den Schustern und ergab einen Totallurchschnitt
 von 9,9 Pfund wöchentlich auf den Erwachsenen. Zucker
(Sirup usw.) wechselte von 4 Unzen wöchentlich für die Lederhandschuhmacher
 auf 11 Unzen für Strumpfwirker; der Totaldurchschnitt
pro Woche für alle Kategorien 8 Unzen pro Erwachsenen. Gesamter
Wochendurchschnitt von Butter (Fett usw.) 5 Unzen pro Erwachseaen.
 Der Wochendurchschnitt von Fleisch (Speck usw.) schwankte
dro Erwachsenen von 7'/, Unzen bei den Seidenwebern auf
[81/, Unzen bei den Lederhandschuhmachern; Gesamtdurchschniti
für die verschiedenen Kategorien 13,6 Unzen. Die wöchentlichen
Kosten für Nahrung pro Erwachsenen ergaben folgende allgemeine
Durchschnittszahlen: Seidenweber 2 Shilling 2*/, Pence, Näherinnen
2 Shilling 7 Pence, Lederhandschuhmacher 2 Shilling 9!/, Pence,
Schuster 2 Shilling 7%, Pence, Strumpfwirker 2 Shilling 6'/, Pence.
Für die Seidenweber von Macclesfield betrug der Wochendurch-Schnitt
 nur 1 Shilling 8'/, Pence. Die schlechtestgenährten Kate-Zorien
 waren die Näherinnen, die Seidenweber und die Lederlandschuhmacher.!!?

Dr. Simon sagt in seinem allgemeinen Gesundheitsbericht über
diesen Nahrungszustand: „Daß die Fälle zahllos sind, worin Nah-’ungsmangel
 Krankheiten erzeugt oder verschlimmert, wird jeder
destätigen, der mit medizinischer Armenpraxis oder mit den Patienlen
 der Spitäler, seien sie Insassen oder außerhalb wohnend, ver-'raut
 ist. ... Jedoch kommt hier vom sanitären Standpunkt noch ein
anderer, sehr entscheidender Umstand hinzu. ... Man muß sich
Prinnern, daß der Mangel an Nahrungsmitteln nur sehr widerstrebend
Priragen wird, und daß in der Regel große Dürftigkeit der Nahrung
kur im Gefolge anderer, vorhergegangener Entbehrungen nachhinkt.
Lange bevor der Nahrungsmangel hygienisch ins Gewicht fällt, lange
devor der Physiolog daran denkt, die Grane Stickstoff und Kohlen-Stoff
 zu zählen, zwischen denen Leben und Hungertod schwebt, wird
der Haushalt von allem materiellen Wohlstand ganz und gar entößt
 sein. Kleidung und Heizung werden noch dürftiger gewesen
Sein als die Speise. Kein hinreichender Schutz wider die Härte des
Wetters; Abknappung des Wohnraumes zu einem Grad, der Krankheiten
 erzeugt oder verschlimmert; kaum eine Spur von Hausgerät
der Möbeln; die Reinlichkeit selbst wird kostspielig oder schwierig
Seworden sein. Werden noch aus Selbstachtung Versuche gemacht,
sie aufrechtzuerhalten, so repräsentiert jeder derartige Versuch zu-Schüssige
 Hungerpein. Die Häuslichkeit wird dort sein, wo Obdach
am wohlfeilsten kaufbar; in Quartieren, wo die Gesundheitspolizei
die geringsten Ergebnisse erzielt, die jämmerlichsten Abzugskanäle,
Wenigster Verkehr, der meiste öffentliche Unrat, kümmerlichste oder

118 Ebenda, S. 232, 2833,
Das Kanital. TI
        <pb n="639" />
        594

Siebter Abschnitt.

schlechteste Wasserzufuhr und, in Städten, größter Mangel an Licht
und Luft. Dies sind die Gesundheitsgefahren, denen die Armut unvermeidlich
 ausgesetzt ist, wenn diese Armut Nahrungsmangel einschließt.
 Wenn die Summe dieser Uebel von furchtbarer Größe für
das Leben ist, so ist der bloße Nahrungsmangel an sich selbst entsetzlich.
 ... Dies sind qualvolle Gedanken, namentlich wenn man
sich erinnert, daß die Armut, wovon es sich handelt, nicht die selbstverschuldete
 Armut des Müßigganges ist. Es ist die Armut von
Arbeitern. Ja, bei den Hausarbeitern ist die Arbeit, wodurch der
knappe Bissen Nahrung erkauft wird, meist über alles Maß verlängert.
 Und dennoch kann man nur in sehr bedingtem Sinne
3agen, daß diese Arbeit ausreicht, den Arbeiter von Unterstützungen
mmabhängig zu machen. . . . In sehr großem Maße kann die nominelle
Selbsterhaltung nur ein kürzerer oder längerer Umweg zum Pauperis-Mus
 sein.‘“114

Der innere Zusammenhang zwischen Hungerpein der fleißigsten
Arbeiterschichten und auf kapitalistischer Akkumulation begründetem,
 grobem oder raffiniertem Verschwendungskonsum der Reichen
anthüllt sich nur durch die Erkenntnis der ökonomischen Gesetze
Anders mit dem Wohnungszustand. Jeder unbefangene Beobachter
sieht, daß je massenhalfter die Zentralisation der Produktionsmittel
desto größer die entsprechende Zusammendrängung von Arbeitern
auf geringem Raum, daß daher, je rascher die kapitalistische Akkumulation,
 desto elender der Wohnungszustand der Arbeiter. Die
das Wachstum des Reichtums begleitende „Verbesserung“ und „Ver
schönerung“ (improvements) der Städte durch Niederreißen schlecht
yebauter Viertel, Errichtung von Palästen für Banken, Waren
häuser usw., Verbreiterung der Straßen für Geschäftsverkehr und
Luxuskarossen, Einführung städtischer Eisenbahnen usw. verjagt
augenscheinlich die Armen in stets schlechtere und dichter gefüllte
Schlupfwinkel. Anderseits weiß jeder, daß die Teuerkeit der
Wohnungen im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Güte steht und
laß die Minen des Elends von Häuserspekulanten mit mehr Profit
und weniger Kosten ausgebeutet werden als jemals die Silbermine?
von Potosi.
Der antagonistische Charakter der kapitalistischen. Akkumulatio®
und daher der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse überhaupt!”
wird hier so handgreifbar, daß selbst die offiziellen englischen Be
richte über diesen Gegenstand wimmeln von ketzerischen AusfälleP
auf das „Eigentum und seine Rechte“. Das Uebel hielt solche”
Schritt mit der Entwicklung der Industrie. der Akkumulation des

“4 Ebenda, S. 14, 15.
‘5 „Nirgendwo sind so offen und so schamlos die Rechte der Person
dem Recht des Eigentums geopfert worden, als in den Wohnungsverhältnisse®
der arbeitenden Klasse, Jede große Stadt ist eine Stätte des Menschenopfer®
ein Altar, worauf Tausende jährlich dem Moloch der Habsucht geschlachte
werden.“ (S. Laing: „National Distress, 1844“, p. 150.)
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        »hnitt.

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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

595

Kapitals, dem Wachstum und der „Verschönerung‘“ der Städte, daß
die bloße Furcht vor ansteckenden Krankheiten, welche auch der
„Ehrbarkeit“ nicht schonen, von 1847 bis 1864 nicht weniger als
zehn gesundheitspolizeiliche Parlamentsakte ins Leben rief, und daß
die erschreckte Bürgerschaft in einigen Städten, wie Liverpool,
Glasgow usw., durch ihre Gemeinderäte eingriff.
Dennoch ruft Dr. Simon in seinem Bericht von 1865; „Allgemein
zu sprechen, sind die Uebelstände in England keiner Aufsicht
unterworfen.“ Auf Befehl des Privy Council fand 1864 Untersuchung
 über die Wohnungsverhältnisse der Landarbeiter,
1865 über die der ärmeren Klassen in den Städten statt.
Die meisterhaften Arbeiten des Dr. Julian Hunter findet man
im 7. und 8. Bericht (1865) über „Public Health“. Auf die Landarbeiter
 komme ich später. Für den städtischen Wohnungszustand
 schicke ich eine allgemeine Bemerkung des Dr. Simon
voraus: „Obgleich mein offizieller Gesichtspunkt“, sagt er, „ausschließlich
 ärztlich ist, erlaubt die gewöhnlichste Humanität nicht,
lie andere Seite dieses Uebels zu übersehen. In seinen höheren
üraden bedingt es (das Ueberfüllen der Wohnungen) fast notwendig
 eine solche Verleugnung alles Zartgefühls, so schmutzige
Vermengung von Körpern und körperlichen Verrichtungen, solche
Bloßstellung geschlechtlicher Nacktheit, die viehisch, nicht menschlich
 sind. Diesen Einflüssen unterworfen zu sein, ist eine Er-Xedrigung,
 die sich vertieft, je länger sie fortwirkt. Für die Kinder,
lie unter diesem Fluch geboren sind, muß er oft eine Taufe in Schamosigkeit
 (baptism of infamy) werden. Und über alles Maß hoffnungs-Os
 ist der Wunsch, daß in solche Umstände versetzte Personen in
ndern Hinsichten nach jener Atmosphäre der Zivilisation aufreben
 sollten, deren Wesen in physischer und moralischer Reinheit
Jestaht “118

Den ersten Rang in überfüllten oder auch für menschliche Belausung
 absolut unmöglichen Wohnlichkeiten nimmt London ein.
„Zwei Punkte“, sagt Dr. Hunter, „sind sicher; 1. daß es ungefähr
20 große Niederlassungen in London gibt, jede ungefähr 10000 Personen
 stark, deren elende Lage alles übersteigt, was jemals anders-Vo
 in England gesehen worden ist, und sie ist fast ganz das Resultat
les schlechten Zustandes ihrer Häuser; 2. daß der überfüllte und
“erfallene Zustand der Häuser dieser Niederlassungen jetzt viel
Schlechter ist als 20 Jahre zuvor.“147 Man übertreibt nicht. wenn

116 Public Health. 88th Report. London 1866“, P- 14 n.
17 Ebenda, S. 89, Mit Bezug auf die Kinder in diesen Niederlassumgen
lagt Dr. Hunter: „Wir wissen nicht, wie Kinder vor diesem Zeitalter dichter
Zusammenballung der Armen aufgebracht worden, und der wäre ein kühner
Prophet, der vorhersagen wollte, welches Betragen zu erwarten von Kindern,
lie unter Zuständen ohnegleichen in diesem Lande jetzt ihre Erziehung zu
Mitgliedern der gefährlichen Klassen durchmachen, indem sie die halbe
        <pb n="641" />
        Siebier Abschnitt.
man sagt, daß das Leben in vielen Teilen von London und Newcastle
höllisch ist.“ 118
Auch der bessergestellte Teil der Arbeiterklasse, zusamt Kleinkrämern
 und andern Elementen der kleinen Mittelklasse, fällt in
London mehr und mehr unter den Fluch dieser nichtswürdigen Behausungsverhältnisse,
 im Maße, wie die „Verbesserungen“ und mit
ihnen die Niederreißung alter Straßen und Häuser fortschreiten, wie
Fabriken und Menschenzustrom in der Hauptstadt wachsen, endlich
die Hausmieten mit der städtischen Grundrente steigen. „Die Hausmieten
 sind so übermäßig geworden, daß wenige Arbeiter mehr als
ein Zimmer zahlen können.“ Es gibt fast kein Londoner Hauseigentum,
 das nicht mit einer Unzahl von „middlemen“ [Zwischenagenten]
 belastet wäre. Der Preis des Bodens in London steht nämlich
 stets sehr hoch im Vergleich zu seinen jährlichen Einkünften,
indem jeder Käufer darauf spekuliert, ihn früher oder später zu
einem Jurypreis (durch Geschworene festgesetzte Taxe bei ExXpropriationen)
 wieder loszuschlagen oder durch Nähe irgendeines
großen Unternehmens außerordentliche Werterhöhung zu erschwindeln.
 Folge davon ist ein regelmäßiger Handel im Ankauf von
Mietkontrakten, die ihrem Verfall nahen. „Von den Gentlemen in
diesem Geschäft kann man erwarten, daß sie handeln, wie sie
handeln, soviel wie möglich aus den Hausbewohnern herauszuschlagen
 und das Haus selbst in so elendem Zustand wie möglich
ihren Nachfolgern überlassen.‘ 120
Die Mieten sind wöchentlich, und die Herren laufen kein Risiko.
Infolge der Eisenbahnbauten innerhalb der Stadt „sah man kürzlich
im Osten Londons eine Anzahl aus ihren alten Wohnungen verjagter
Familien eines Samstags abends mit ihren wenigen weltlichen Habseligkeiten
 auf dem Rücken umherwandern, ohne irgendeinen Ruheplatz
 außer dem Workhouse“.*21 Die Workhouses sind bereits über“
füllt und die vom Parlament bewilligten „Verbesserungen“ werden
eben erst in Angriff genommen. Werden die Arbeiter verjagt durch
Zerstörung ihrer alten Häuser, so verlassen sie nicht ihr Kirchspiel
oder siedeln sich höchstens an seiner Grenze, im nächsten fest
„Sie suchen natürlich möglichst in der Nähe ihrer Arbeitslokale zu
hausen. Folge, daß an der Stelle von zwei Zimmern eins die
Familie aufnehmen muß. Selbst zu erhöhter Miete wird die Wohn“
lichkeit schlechter als die schlechte, woraus man sie verjagt. Die
Hälfte der Arbeiter im Strand braucht bereits 2 Meilen Reise zum
Arbeitslokal.“

596

Nacht aufsitzen mit Personen jedes Alters, trunken, unflätig und zanksüchtig.“
 (Ebenda, S, 56.)
128 Ebenda, S. 62. “
‘29 „Report of the Officer of Health of St. Martin’s in the Fields. 1865-120
 „Public Health. 8th Report. London 1866“, p. 91.
121 Ebenda, S. 88.

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Jreiundzwanzigstes Kapitel.

597

Dieser Strand, dessen Hauptstraße auf den Fremden einen im-)osanten
 Eindruck vom Reichtum Londons macht, kann als Beispiel
ler Londoner Menschenverpackung dienen. In einer Pfarrei desselben
 zählte der Gesundheitsbeamte 581 Personen auf den Acre,
)bgleich die Hälfte der Breite der Themse mit eingemessen war.
Es versteht sich von selbst, daß jede gesundheitspolizeiliche
Maßregel, die, wie das bisher in London der Fall, durch Niederschleifen
 untauglicher Häuser die Arbeiter aus einem Viertel verägt,
 nur dazu dient, sie in ein anderes desto dichter zusammenüdrängen.
 „Entweder“, sagt Dr. Hunter, „muß die ganze Prozedur
ls eine Abgeschmacktheit notwendig zum Stillstand kommen, oder
lie öffentliche Sympathie (!) muß erwachen für das, was man jetzt
)hne Uebertreibung eine nationale Pflicht nennen kann, nämlich
Ibdach für Leute zu schaffen, welche aus Mangel an Kapital sich
ielbst keines besorgen, wohl aber durch periodische Zahlung die
7Termieter entschädigen können.“12 Man bewundere die kapitalitische
 Justiz! Der Grundeigentümer, Hauseigner, Geschäftsmann,
venn expropriiert durch „improvements‘“, wie Eisenbahnen, Neubau
ler Straßen usw., erhält nicht nur volle Entschädigung. Er muß
ür seine erzwungene „Entsagung“ von Gott und Rechts wegen obenlrein
 noch durch einen erklecklichen Profit getröstet werden. Der
\rbeiter wird mit Frau und Kind und Habe aufs Pflaster geworfen
nd — wenn er zu massenhaft nach Stadtvierteln drängt, wo die
7emeinde auf Austand hält, gesundheitspolizeilich verfolgt!
. Außer London gab es Anfang des 19. Jahrhunderts keine einzige
%adt in England, die 100 000 Einwohner zählte. Nur 5 zählten mehr
Us 50000. Jetzt existieren 28 Städte mit mehr als 50000 Ein-Vohnern.
 „Das Resultat dieses Wechsels war nicht nur enormer
Auwachs der städtischen Bevölkerung, sondern die alten, dichtepackten,
 kleinen Städte sind nun Zentralen, die von allen Seiten
\Mbaut sind, nirgendwo mit freiem Luftzutritt. Da sie für die
teichen nicht länger angenehm sind, werden sie von ihnen für die
Müsanteren Vorstädte verlassen. Die Nachfolger dieser Reichen
%ziehen die größeren Häuser, eine Familie, oft noch mit Unter-Metern,
 für jedes Zimmer. So ward eine Bevölkerung gedrängt in
läuser, nicht für sie bestimmt, und wofür sie durchaus unpassend,
it einer Umgebung, die wahrhaft erniedrigend für die Erwachsenen
Wd ruinierend für die Kinder ist.“122

‚de rascher das Kapital in einer industriellen oder kommerziellen
tadt akkumuliert, um so rascher der Zustrom des ausbeutbaren
Menschenmaterials, um so elender die rasch und unzulänglich
lergestellten Wohnlichkeiten der Arbeiter.

!22 Ebenda, S. 89.
13 Rbenda, S. 55, 586.
        <pb n="643" />
        598.

Siebter Abschnitt.

Newcastle-upon-Tyne, als Zentrum eines fortwährend ergiebigeren
 Kohlen- und Bergbaudistrikts, behauptet daher nach London die
zweite Stelle in der Wohnungshölle. Nicht weniger als 34 000 Menschen
 hausen dort in Einzelkammern. Infolge absoluter Gemeinschädlichkeit
 sind kürzlich in Newcastle und Gateshead Häuser ip
bedeutender Anzahl von. Polizei wegen zerstört worden. Der Bat
der neuen Häuser geht sehr langsam voran, das Geschäft sehr rasch
Die Stadt war daher 1865 überfüllter als je zuvor. Kaum eine
einzelne Kammer war zu vermieten. Dr. Embleton vom Newcastle
Fieberhospital sagt: „Ohne allen Zweifel liegt die Ursache der
Fortdauer und Verbreitung des Typhus in der Veberhäufung mensch
licher Wesen und der Unreinlichkeit ihrer Wohnungen. Die Häuser
worin die Arbeiter häufig leben, liegen in abgeschlossenen Winkel
zassen und Höfen. Sie sind mit Bezug auf Licht, Luft, Raum und
Reinlichkeit wahre Muster von Mangelhaftigkeit und Ungesundheit
eine Schmach für jedes zivilisierte Land. Dort liegen Männer
Weiber und Kinder des Nachts zusammengehudelt. Was die Männer
angeht, folgt die Nachtschicht der Tagesschicht und die Tagesschicht
der Nachtschicht in ununterbrochenem Strom, so daß die Bettes
kaum Zeit zur Abkühlung finden. Die Häuser sind schlecht mit
Wasser versehen und schlechter mit Abtritten, unflätig, unventilierb
pestilenzialisch.“ 12 Der Wochenpreis solcher Löcher steigt voD
3 Pence zu 8 Shilling. „Newcastle-upon-Tyne“, sagt Dr. Hunter
„bietet das Beispiel eines der schönsten Stämme unserer Landsleute
der durch die äußeren Umstände von Behausung und Straße oft I?
eine geradezu barbarische Verkommenheit versunken ist.“ 125
Infolge des Hin- und Herwogens von Kapital und Arbeit ma
der Wohnungszustand einer industriellen Stadt heute erträglich seil:
morgen wird er abscheulich. Oder die städtische Behörde mag endlich
 sich aufgerafft haben zur Beseitigung der ärgsten Mißständ®
Morgen wandert ein Heuschreckenschwarm von verlumpten Irläpdern
 oder verkommenen englischen Agrikulturarbeitern ein. MaP
steckt sie weg in Keller und Speicher oder verwandelt das frühe!
anständige Arbeiterhaus in ein Logis, worin das Personal so rasch
wechselt wie die Einquartierung während des Dreißigjährige?
Krieges. Beispiel: Bradford. Dort war der Gemeindephilister ebe?
mit Stadtreform beschäftigt. Zudem gab es daselbst 1861 noch 175%
unbewohnte Häuser. Aber nun das gute Geschäft, worüber de!
sanftliberale Herr Forster, der Negerfreund, jüngst so artig gekräht
hat. Mit dem guten Geschäft natürlich Ueberflutung durch di®
Wellen der stets wogenden „Reservearmee“ oder „relativen Ueber“
völkerung“.. Die scheußlichen Kellerwohnungen und Kammern, wi
sie eine Liste verzeichnet, die Dr. Hunter vom Agenten eine?

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124 Ebenda, S. 149
125 Ebenda, S. 50.
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        ‚schnitt.

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)reiundzwanzigstes Kapitel.

599

\ssekuranzgesellschaft erhielt,!? waren meist von gut bezahlten Arjeitern
 bewohnt. Sie erklärten, sie würden gern bessere Wohnungen
ahlen, wenn sie zu haben wären. Unterdes verlumpen und erranken
 sie mit Mann und Maus, während der sanftliberale Forster,
Üitglied des Parlaments, Tränen vergießt über die Segnungen des
"reihandels und die Profite der eminenten Bradforder Köpfe, die
b Worsted machen.
Im Bericht vom 5. September 1865 erklärt Dr. Bell, einer der
A\tmenärzte von Bradford, die furchtbare Sterblichkeit der Fieberiranken
 seines Bezirks aus ihren Wohnungsverhältnissen: „In
inem Keller von 1500 Kubikfuß wohnen 10 Personen. ... Die
’incentstraße, Green Air Place und the Leys bergen 223 Häuser mit
450 Einwohnern, 435 Betten und 36 Abtritten. . .. Die Betten, und
larunter verstehe ich jede Rolle von schmutzigen Lumpen oder Armll
 Hobelspänen, halten jedes im Durchschnitt 3,3 Personen,
Nanches 5 und 6 Personen. Viele schlafen ohne Bett auf nacktem
3oden in ihren Kleidern, junge Männer und Weiber, verheiratet und
Mverheiratet, alles kunterbunt durcheinander. Ist es nötig, hinzuufügen,
 daß diese Hausungen meist dunkle, feuchte, schmutzige
Minkhöhlen sind, ganz und gar unpassend für menschliche Wohlung?
 Es sind die Zentren, wovon Krankheit und Tod ausgehen
nd ihre Opfer auch unter den Gutgestellten (of good circumstances)

126 Liste des Agenten einer Arbeiter-Assekuranzgesellschaft zu Bradford.
VYulcanstreet Nr. 122.... ' Zimmer 16 Personen
Lumleystreet Nr. 13.. ......
Bowerstreet Nr. 41.... .....
Portlandstreet Nr. 112 ,.........
Hardystreet Nr. 17 .. ee.
Northstreet Nr. 18... .
Northstreet Nr, 17... ee
Wymerstreet Nr. 19
Jowettistreet Nr. 56
Georgestreet Nr. 150
Rifle-Court, Marygate
Marshallstreet Nr. 28
Marshallstreet Nr. 49
Georgestreet Nr. 128
Georgestreet Nr. 130
Edwardstreet Nr. 4
Yorkstreet Nr. 34 .
Salt Piestreet... ..........
Regent Square. .........0.0..0000.
Acrestree@t , .... 0 ..0.0.00000000000H
Robert’s Court Nr. 33,.. v4.
Back Prattsireet, benutzt als
Kupferschmiedewerkstatt ..... 1
Ebenezerstreet Nr. 27 .......... 1

7
6 ”
Ebenda, S. 111.)
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        300

Siebter Abschnitt.

packen, welche diesen Pestbeulen erlaubt haben, in unserer Mitte
zu eitern.“127
Bristol behauptet den dritten Rang nach London im Wohnungselend.
 „Hier, in einer der reichsten Städte Europas, größter Ueber-Auß
 an barster Armut („blank poverty“) und häuslichem Elend.“128

c) Das Wandervolk. Die Bergarbeiter.
Wir wenden uns nun zu einer Volksschicht, deren Ursprung
ländlich, deren Beschäftigung großenteils industriell ist. Sie bildet
die leichte Infanterie des Kapitals, die es je nach seinem Bedürfnit
5ald auf diesen Punkt wirft, bald auf jenen. Wenn nicht auf dem
Marsch, „kampiert“ sie. Die Wanderarbeit wird verbraucht für ver
schiedene Bau- und Kanalisierungsoperationen, Backsteinmachen:
Kalkbrennen, Eisenbahnbau usw. Eine wandelnde Säule der Pestilenz
 importiert sie in die Orte, in deren Nachbarschaft sie ihr Lager
aufschlägt, Pocken, Typhus, Cholera, Scharlachfieber usw.12 In
Unternehmen von bedeutender Kapitalauslage, wie Eisenbahr
bau usw., liefert meist der Unternehmer selbst seiner Armee Holz
hütten oder dergleichen, rasch hergestellte Dörfer ohne alle Gesundheitsvorkehrung,
 jenseits der Aufsicht der Lokalbehörden, sehr profit
lich für den Herrn Unternehmer, der die Arbeiter doppelt ausbeuteb
als Industriesoldaten und als Mieter. Je nachdem die Holzhütte
l, 2 oder 3 Löcher enthält, hat ihr Insasse, Erdarbeiter usw., 1, %&amp;amp;
4 Shilling wöchentlich zu zahlen.!%
Ein Beispiel genüge. Im September 1864, berichtet Dr. Simo»b
ging dem Minister des Innern, Sir George Grey, folgende Anklag®
seitens des Vorstehers des Nuisance Removal Committee [Komite®
zur Beseitigung gesundheitsschädlicher Verhältnisse] der Pfarrei vop
Sevenoaks zu: „Pocken waren dieser Pfarrei ganz unbekannt be
etwa vor 12 Monaten. Kurz vor dieser Zeit wurden Arbeiten für
eine Eisenbahn von Lewisham nach Tunbridge eröffnet. Außerdem
daß die Hauptarbeiten in der unmittelbaren Nachbarschaft diese”
Stadt ausgeführt wurden, ward hier auch das Hauptdepot des ganze”
Werkes errichtet. Große Personenzahl daher hier beschäftigt. Da
es unmöglich war, sie alle in Cottages unterzubringen, ließ der Unter
nehmer, Herr Jay, längs der Linie der Bahn auf verschiedene?
Punkten Hütten aufschlagen zur Behausung der Arbeiter. Dies®
Hütten besaßen weder Ventilation noch Abzugsgerinne und ware
außerdem notwendig überfüllt, weil jeder Mieter andere Logiere}
aufnehmen mußte, wie zahlreich immer seine eigene Familie, und
dbgleich jede Hütte nur zweizimmerig. Nach dem ärztlichen Bericht:
den wir erhielten, war die Folge, daß diese armen Leute zur Nach!

127 Ebenda, S. 114.
‘28 Ebenda, S, 50.
‘2% Public Health.
ww Ebenda, S. 165.

7/th Report. London 1865“, pn. 18.

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 Kapitel.

501

‚eit alle Qualen der Erstickung zu erdulden hatten, zur Vermeidung
ler pestilenzialischen Dünste von dem schmutzigen stehenden
Wasser und den Abtritten dicht unter den Fenstern. Endlich wurden
mnserm Komitee Klagen eingehändigt von einem Arzt, der Gelegenleit
 hatte, diese Hütten zu besuchen. Er sprach über den Zustand
lieser sogenannten Wohnstätten in den bittersten Ausdrücken und
)efürchtete sehr ernsthafte Folgen, falls nicht einige Gesundheits-"orkehrungen
 getroffen würden. Ungefähr vor einem Jahre ver-Mlichtete
 sich Herr Jay, ein Haus einzurichten, wohin die von ihm
)eschäftigten Personen beim Ausbruch ansteckender Krankheiten
)ofort entfernt werden sollten. - Er wiederholte dies Versprechen
Inde letzten Juli, tat aber nie den geringsten Schritt zur Ausführung,
)bgleich seit diesem Datum verschiedene Fälle von Pocken und in-Olge
 davon zwei Todesfälle vorkamen. Am 9. September berichtete
nir Arzt Kelson weitere Pockenfälle in denselben Hütten und behrieb
 ihren Zustand als entsetzlich. Zu Ihrer (des Ministers)
formation ‚muß ich hinzufügen, daß unsere Pfarrei ein isoliertes
Jaus besitzt, das sogenannte Pesthaus, wo die Pfarreigenossen, die
\n ansteckenden Krankheiten leiden, verpflegt werden. Dies Haus
St jetzt seit Monaten fortwährend mit Patienten überfüllt. In einer
"amilie starben 5 Kinder an Pocken und Fieber. Vom 1. April bis
« September dieses Jahres kamen nicht weniger als 10 Todesfälle
m Pocken vor, 4 in den besagten Hütten, den Pestquellen. Es ist
mmöglich, die Zahl der Krankheitsfälle anzugeben, da die heimjesuchten
 Familien sie so geheim als möglich halten.“ 11
Die Arbeiter in Kohlen- und andern Bergwerken gehören zu
len bestbezahlten Kategorien des britischen Proletariats. Zu
Velchem Preis sie ihren Lohn erkaufen, wurde an einer früheren
Stelle gezeigt.!*? Ich werfe hier einen raschen Blick auf ihre Wohnichkeitsverhältnisse.
 In der Regel errichtet der Ausbeuter des
Sergwerks, ob Eigentümer oder Mieter desselben, eine Anzahl
Jottages für seine Hände. Sie erhalten Cottages und Kohlen zur
7euerung „umsonst“, das heißt letztere bilden einen in natura [in
Jebrauchsgegenständen] gelieferten Teil des Lohnes. Die nicht in

„181 Ebenda, S. 18, Note, Der Armenpfleger der Chapel-en-le-Frith-Union
An Derbyshire) berichtet an den Registrar-General: „Zu Doveholes hat man
Ane Anzahl kleiner Aushöhlungen in einem großen Hügel von Kalkasche ge-Nacht.
 Diese Höhlen dienen den Erd- und andern am Eisenbahnbau be-“häftigten
 Arbeitern zur Wohnung. Die Höhlen sind eng, feucht, obne Ab-‘Ug
 für Unreinigkeiten und ohne Abtritte. Sie entbehren aller Ventilations-Mittel,
 mit Ausnahme eines Loches durch die Wölbung, das zugleich als
„Hornstein dient. Die Pocken wüten und haben schon verschiedene Todesäle
 (unter den Höhlenbewohnern) verursacht.“ (Ebenda, Note 2.)
182 Die auf S. 460 ff. gegebenen Einzelheiten beziehen sich namentlich
%uf Arbeiter in Kohlenbergwerken. Ueber den noch schlechteren Zustand
A Metallminen vgl. den gewissenhaften Bericht der Royal Commission
864.
        <pb n="647" />
        502

Siebter Abschnitt.

dieser Art Unterbringbaren erhalten zum Ersatz 4 Pfd. Sterl. pro
Jahr. Die Bergwerksdistrikte ziehen rasch eine große Bevölkerung
an, zusammengesetzt aus der Minenbevölkerung selbst und den
Handwerkern, Krämern usw., die sich um sie gruppieren. Wie
überall, wo die Bevölkerung dicht, ist die Bodenrente hier hoch.
Der Bergbauunternehmer sucht daher auf möglichst engem Bauplatz
am Munde der Gruben so viel Cottages aufzuwerfen, als gerade nötig
sind, um seine Hände und ihre Familien zusammenzupacken. Werden
aeue Gruben in der Nähe eröffnet oder alte wieder in Angriff geaommen,
 so wächst das Gedränge. Bei dem Aufbau der Cottages
waltet nur ein Gesichtspunkt, „Entsagung“ des Kapitalisten auf alle
nicht absolut unvermeidliche Ausgabe von Barem.
„Die Wohnungen der Gruben- und anderer Arbeiter, die mit den
Bergwerken von Northumberland und Durham verknüpft sind,“ sagt
Dr. Julian Hunter, „sind vielleicht im Durchschnitt das Schlechteste
und Teuerste, was England auf großer Stufenleiter in dieser Art
bietet, mit Ausnahme jedoch ähnlicher Distrikte in Monmouthshire-Die
 außerordentliche Schlechtigkeit liegt in der hohen Menschenzahl,
die ein Zimmer füllt, in der Enge des Bauplatzes, worauf eine groß?
Häusermasse zusammengedrängt wird, im Wassermangel und Abwesenheit
 von Abtritten, in der häufig angewandten Methode, ei
Haus über ein anderes zu stellen oder sie in Flats [Stockwerken, 50
laß jedes Stockwerk gewissermaßen eine Cottage für sich bildet und
die verschiedenen Cottages senkrecht übereinander stehen] zu ver“
teilen. ... Der Unternehmer behandelt die ganze Kolonie, als ob
sie uur kampiere, nicht dauernd wohne.
„In Ausführung meiner Instruktionen“, sagt Dr. Stevens, „habe
ich die meisten großen Bergwerksdörfer der Durham Union besucht
.. Mit sehr wenigen Ausnahmen gilt von allen, daß jedes Mittel
zur Sicherung der Gesundheit der Einwohner vernachlässigt wird. .:'
Alle Grubenarbeiter sind an den Pächter („lessee“) oder Eiger
:ümer des Bergwerks für 12 Monate gebunden („bound“, Ausdruck
der wie bondage aus der Zeit der Leibeigenschaft stammt). Wen?
sie ihrer Unzufriedenheit Luft machen oder in irgendeiner Art de?
Aufseher („viewer“) belästigen, so setzt er ein Zeichen oder ein®
Bemerkung hinter ihre Namen im Aufsichtsbuch und entläßt sie be
der jährlichen Neubindung. ... Es scheint mir, daß kein Teil des
Trucksystems schlechter sein kann als das in diesen dichtbevölkerte?
Distrikten herrschende. Der Arbeiter ist gezwungen, als Teil seine®
Lohnes ein mit pestilenzialischen Einflüssen umgebenes Haus ZU
empfangen. Er kann sich nicht selbst helfen. Er ist in jeder Rücksicht
 ein Leibeigener (he is to all intents and purposes a serf). ES
Scheint fraglich, ob jemand sonst ihm helfen kann außer seinem
Eigentümer, und dieser Eigentümer zieht vor allem sein Bilanzkont®
zu Rat, und das Resultat ist ziemlich unfehlbar. Der Arbeiter erhält
von dem Eigentümer auch seine Zufuhr an Wasser. Es sei gut oder
138 Ebenda, S. 180. 182.
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        ‚hnitt,

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‚hält
der

Dreiundzwanzigstes Kapitel.

603

Schlecht, es werde geliefert oder zurückgehalten, er muß dafür
zahlen oder sich vielmehr einen Lohnabzug gefallen lassen.“1#4
Im Konflikt mit der „öffentlichen Meinung“ oder auch der Gesundheitspolizei
 geniert sich das Kapital durchaus nicht, die teils
gefährlichen, teils entwürdigenden Bedingungen, worin es Funktion
und Häuslichkeit des Arbeiters bannt, damit zu „rechtfertigen“, das
sei nötig, um ihn profitlicher auszubeuten. So, wenn es entsagt auf
Vorrichtungen zum Schutze gegen gefährliche Maschinerie in der
Fabrik, auf Ventilations- und Sicherheitsmittel in den Minen usw.
So hier mit der Behausung der Minenarbeiter.
„Als Entschuldigung“, sagt Dr. Simon, der ärztliche Beamte des
Privy Council, in seinem offiziellen Bericht, „als Entschuldigung für
die nichtswürdige Hauseinrichtung wird angeführt, daß Minen ge-Wöhnlich
 pachtweise ausgebeutet werden, daß die Dauer des Pachtkontrakts
 (in Kohlenwerken meist 21 Jahre) zu kurz ist, damit der
Minenpächter es der Mühe wert halte, gut eingerichtete Häuser für
das Arbeitervolk und die Gewerbsleute usw. zu liefern, welche die
Unternehmung anzieht; hätte er selbst die Absicht, nach dieser Seite
hin freigebig zu verfahren, so würde sie vereitelt werden durch den
Grundeigentümer. Der habe nämlich die Tendenz, sofort außer-Irdentlich
 hohe Zuschußrente zu verlangen für das Privilegium, ein
anständiges und komfortables Dorf auf der Grundoberfläche zu erlichten
 zur Behausung der Bearbeiter des unterirdischen Eigentums.
Dieser Preis, der jede Verbesserung verbiete, wenn nicht direktes
Verbot, schrecke ebenfalls andere ab, welche sonst wohl bauen
Möchten. . . . Ich will den Wert dieser Entschuldigung nicht weiter
Antersuchen, auch nicht, auf wen denn in letzter Hand die zuschüssige
Ausgabe für anständige Wohnstätten fallen würde, auf den Grundberrn,
 den Minenpächter, die Arbeiter oder das Publikum. . . Aber
ängesichts solcher schmählichen Tatsachen, wie die beigefügten Be-Michte
 (des Dr. Hunter, Stevens usw.) sie enthüllen, muß ein Heil-Nittel
 angewandt werden. ... Grundeigentumsrechte werden so benutzt,
 um ein großes öffentliches Unrecht zu begehen. In‘ seiner
Eigenschaft als Mineneigner ladet der Grundherr eine industrielle
Kolonie zur Arbeit auf seinem Gebiet ein, und macht es dann, in
Seiner Eigenschaft als Eigentümer der Grundoberfläche, den von ihm
versammelten Arbeitern unmöglich, die zu ihrem Leben unentbehrliche,
 geeignete Wohnstätte zu finden. Der Minenpächter (der kapitalistische
 Ausbeuter) hat kein Geldinteresse, dieser Teilung des
Handels zu widerstehen, da er wohl weiß, daß, wenn die letzteren
Ansprüche maßlos sind, die Folgen nicht auf ihn fallen, daß die
Arbeiter, auf die sie fallen, zu unwissend sind, um ihre Gesundheits-Techte
 zu kennen, und daß weder die ekelhaftesten Wohnungen noch
laulstes Trinkwasser jemals Anlaß zu einem Streik liefern.“186

——

154 Ebenda, S. 515, 517.
185 Ebenda, S. 16.
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        Siebter Abschnitt,
did) Wirkung der Krisen auf den bestbezahlten
Teilder Arbeiterklasse.
Bevor ich zu den eigentlichen Agrikulturarbeitern übergehe, soll
an einem Beispiel noch gezeigt werden, wie die Krisen selbst auf
den bestbezahlten Teil der Arbeiterklasse, auf ihre Aristokratie,
wirken. Man erinnert sich: das Jahr 1857 brachte eine der großen
Krisen, womit der industrielle Zyklus jedesmal abschließt. Der
nächste Termin wurde 1866 fällig. Bereits vorweggenommen in den
eigentlichen Fabrikdistrikten durch die Baumwollnot, welche vie}
Kapital aus der gewohnten Anlagesphäre zu den großen Zentralsitzen
 des Geldmarktes jagte, nahm die Krise diesmal einen vOoTwiegend
 finanziellen Charakter an. Ihr Ausbruch im Mai 18660
wurde angekündigt durch den Fall einer Londoner Riesenbank, dem
der Zusammensturz zahlloser finanzieller Schwindelgesellschaften
auf dem Fuße nachfolgte. Einer der großen Londoner Geschäfts:
zweige, welche die Katastrophe traf, war der eiserne Schiffbau
Die größten Betriebe dieses Industriezweiges hatten während der
Schwindelzeit nicht nur maßlos überproduziert, sondern zudem
enorme Lieferungskontrakte übernommen, auf die Spekulation hin;
daß die Kreditquelle gleich reichlich fort fließen werde. Jetzt tral
eine furchtbare Reaktion ein, die auch in andern Londoner Indvstrien!®®
 bis zur Stunde, Ende März 1867, fortdauert.
Zur Charakteristik der Lage der Arbeiter folgende Stelle aus
dem ausführlichen Bericht eines Korrespondenten des „Morning
Star“, welcher Anfang 1867 die Hauptsitze des Leidens besuchte
„Im Osten von London, den Distrikten von Poplar, Millwall, Greerwich,
 Deptford, Limehouse und Canning Town, befinden sich mindestens
 15000 Arbeiter samt Familien in einem Zustande äußerste!
Not, darunter über 3000 geschickte Handwerker. Ihre Reservefond®
sind erschöpft infolge sechs- oder achtmonatiger Arbeitslosigkeit. . +
Ich hatte große Mühe, zum Tor des Workhouse (von Poplar) vor
zudringen, denn es war belagert von einem ausgehungerten Haufel-504



136 „Massenhafte Verhungerung der Londoner Armen! („Wholesale
starvation of the London Poor!“) ... Während der letzten Tage waren die
Mauern Londons überklebt mit großen Plakaten, die folgende merkwürdig®
Anzeige bringen: „Fette Ochsen, verhungernde Menschen! Die fetten Ochse?
haben ihre Glaspaläste verlassen, um die Reichen in ihren Luxusgemächer?
zu mästen, während die verhungernden Menschen in ihren Jammerhöhle®
verderben und sterben.“ Die Plakate mit dieser unheilkündenden Inschrift
werden beständig erneuert. Kaum ist eine Partie ausgemerzt und überklebb
and sofort erscheint eine neue Partie an demselben oder einem gleich öffent
lichen Platz wieder. ... Das erinnert an die bösen Vorzeichen, die daß
französische Volk auf die Ereignisse von 1789 vorbereiteten. , .. In diesem
Augenblick, während englische Arbeiter mit Weib und Kind an Kälte und
Hunger sterben, werden Millionen von englischem Geld, dem Produkt eP£‘
lischer Arbeit, in russischen, spanischen, italienischen und andern fremde?
Anleihen angelegt.“ („Reynolds’ Newspaper‘“, 20. Januar 1867.)
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

605

Er wartete auf Brotanweisungen, aber die Zeit zur Verteilung war
noch nicht gekommen. Der Hof bildet ein großes Quadrat mit einem
Pultdach, das rings um seine Mauern läuft. Dichte Schneehaufen
bedeckten die Pflastersteine in der Mitte des Hofes. Hier waren
einzelne kleine Plätze mit Weidengeflecht abgeschlossen, gleich
Schafhürden, worin die Männer bei besserem Wetter arbeiten. Am
Tage meines Besuches waren die Hürden so verschneit, daß niemand
in ihnen sitzen konnte. Die Männer waren jedoch unter dem Schutz
der Dachvorsprünge mit Zerkleinerung von Pflastersteinen zur
Makadamisierung beschäftigt. Jeder hatte einen dicken Pflasterstein
zum Sitz und klopfte mit schwerem Hammer auf den frostbedeckten
Granit, bis er 5 Bushel davon abgehauen hatte. Dann war sein Tagewerk
 verrichtet und erhielt er 3 Pence (26 Pfennig) und ein Billett
für Brot. In einem andern Teil des Hofes stand ein wackliges kleines
Holzhaus. Beim Oeffnen der Tür fanden wir es gefüllt mit Männern,
Schulter an Schulter gedrängt, um einander warm zu halten. Sie
zupften Schiffstau und stritten miteinander, wer von ihnen mit einem
Minimum von Nahrung am längsten arbeiten könne, denn Ausdauer
war Ehrensache. In diesem einen Workhouse allein erhielten 7000
Unterstützung, darunter viele Hunderte, die 6 oder 8 Monate zuvor
die höchsten Löhne geschickter Arbeit in diesem Lande verdienten.
Ihre Zahl wäre doppelt so groß gewesen, gäbe es nicht so viele,
welche nach Erschöpfung ihrer ganzen Geldreserve dennoch vor Zufucht
 zur Pfarrei zurückbeben, solange sie noch irgend etwas zu versetzen
 haben. ... Das Workhouse verlassend, machte ich einen
Gang durch die Straßen von meist einstöckigen Häusern, die in
Poplar so zahlreich. Mein Führer war Mitglied des Komitees für die
Arbeitslosen. Das erste Haus, worin wir eintraten, war das eines
Eisenarbeiters, seit 27 Wochen außer Beschäftigung. Ich fand den
Mann mit seiner ganzen Familie in einem Hinterzimmer sitzend.
Das Zimmer war noch nicht ganz von Möbeln entblößt, und es war
Feuer darin. Dies war nötig, um die nackten Füße der jungen
Kinder vor Frost zu schützen, denn es war ein grimmig kalter Tag.
Auf einem Teller gegenüber dem Feuer lag ein Quantum Werg,
welches Frau und Kinder zupften in Erstattung des Brotes vom
Workhouse. Der Mann arbeitete in einem der oben beschriebenen
Höfe für eine Brotanweisung und 3 Pence pro Tag. Er kam jetzt nach
Haus zum Mittagessen, sehr hungrig, wie er uns mit einem bitteren
Lächeln sagte, und sein Mittagessen bestand aus einigen Brotschnitten
mit Schmalz und einer Tasse milchlosen Tees. ... Die nächste Tür,
an der wir anklopften, wurde geöffnet durch ein Frauenzimmer
mittleren Alters, die, ohne ein Wort zu sagen, uns in ein kleines
Hinterzimmer führte, wo ihre ganze Familie saß, schweigend, die
Augen auf ein rasch ersterbendes Feuer geheftet. Solche Verödung,
Solche Hoffnungslosigkeit hing um diese Leute und ihr kleines
Zimmer, daß ich nicht wünsche, je eine ähnliche Szene wieder zu
Sehen. „Nichts haben sie verdient, mein Herr,“ sagte die Frau, auf
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        506

Siebter Abschnitt.

ihre Jungen zeigend, „nichts für 26 Wochen, und all unser Geld ist
hingegangen, die ganzen 20 Pfd. Sterl., die ich und der Vater in den
besseren Zeiten zurücklegten, in dem Wahn, es würde uns durch
schlechte Zeiten durchhelfen. Sehen Sie es,“ schrie sie fast wild,
indem sie ein Bankbuch hervorholte mit allen seinen regelmäßigen
Nachweisen über eingezahltes und rückerhaltenes Geld, so daß wir
sehen konnten, wie das kleine Vermögen begonnen hatte mit der
ersten Einlage von 5 Shilling, wie es nach und nach zu 20 Pfd. Sterl.
aufwuchs und dann wieder zusammenschmolz, von Pfunden zu
Shillingen, bis der letzte Eintrag das Buch so wertlos machte wie ein
Stück weißes Papier. Diese Familie erhielt ein notdürftiges Mahl
täglich vom Workhouse. ... Unsere folgende Visite war zur Frau
eines Irländers, der an den Schiffswerften gearbeitet hatte. Wir
landen sie krank von Nahrungsmangel, in ihren Kleidern auf eine
Matratze gestreckt, knapp bedeckt mit einem Stück Teppich, denn
alles Bettzeug war im Pfandhaus. Die elenden Kinder warteten sie
und sahen aus, als bedürften sie umgekehrt der mütterlichen Pflege.
19 Wochen erzwungenen Müßigganges hatten sie so weit heruntergebracht,
 und während sie die Geschichte der bitteren Vergangenheit
 erzählte, stöhnte sie, als ob alle Hoffnung auf eine bessere Zukunft
 verloren wäre. ... Beim Austritt aus dem Hause rannte ein
junger Mann auf uns zu und bat uns, in sein Haus zu gehen und
zu sehen, ob irgend etwas für ihn geschehen könne. Ein junges
Weib, zwei hübsche Kinder, ein Haufen von Pfandzetteln und ein
ganz kahles Zimmer war alles, was er zu zeigen hatle.“
Ueber die Nachwehen der Krise von 1866 folgender Auszug aus
einer torystischen Zeitung. Man muß im Auge behalten, daß das
Eastend, der Ostteil Londons, um den es sich hier handelt, nicht
nur Sitz der beim Bau der eisernen Schiffe und sonstigen Zweigen
der Großindustrie beschäftigten Arbeiter, sondern auch einer stets
anter dem Minimum bezahlten sogenannten „Hausarbeit“ ist. [Von
ihr handelt folgende Stelle, die dem „Standard“ entnommen ist, dem
Hauptorgan der Tories, der Konservativen]: „Ein entsetzliches
Schauspiel entrollte sich gestern in einem Teile der Hauptstadt.
Obgleich die arbeitslosen Tausende des Eastends mit ihren
schwarzen Fahnen nicht in Masse paradierten, war der Menschenstrom
 eindrucksvoll genug. Erinnern wir uns, was diese Bevölkerung
 leidet. Sie stirbt vor Hunger. Das ist die einfache
und furchtbare Tatsache. Es sind ihrer 40000. ... In unserer
Gegenwart, in einem Viertel dieser wundervollen Hauptstadt, dicht
neben der riesenhaftesten Akkumulation von Reichtum, welche
die Welt je sah, dicht dabei 40000 Menschen hilflos verhungernd!
Diese Tausende brechen jetzt ein in die andern Viertel; sie, in allen
Zeiten halbverhungert, schreien uns ihr Weh ins Ohr, sie schreien
es zum Himmel, sie erzählen uns von ihren elendgeschlagenen Wohhungen,
 daß es unmöglich für sie, Arbeit zu finden und nutzlos, zu
betteln. Die Armensteuerpflichtigen der Gemeinde eind durch die
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

607

Forderungen der Pfarreien selbst an den Rand des Pauperismus getrieben.“
 („Standard“, 5. April 1867.)

Da es Mode unter den englischen Kapitalisten ist, Belgien als
das Paradies des Arbeiters zu schildern, weil „die Freiheit der Arbeit“
 oder, was dasselbe ist, „die Freiheit des Kapitals“, dort weder
durch den Despotismus der Trades Unions noch durch Fabrikgesetze
verkümmert sei, hier ein paar Worte über das „Glück“ des nur
durch Klerisei, Grundaristokratie, liberale Bourgeoisie und Bureaukratie,
 aber beileibe nicht durch Trades-Unions und Fabrikgesetze
rehänselten „freien“ belgischen Arbeiters. Sicher war niemand
tiefer eingeweiht in die Mysterien dieses Glückes als der verstorbene
Herr Ducpetiaux, Generalinspektor der belgischen Gefängnisse und
Wohltätigkeitsanstalten und Mitglied der Zentralkommission für
belgische Statistik. Nehmen wir sein Werk: „Budgets &amp;amp;conomiques
des classes ouvrieres en Belgique. Bruxelles 1855.“ Hier finden wir
unter anderm eine belgische Normalarbeiterfamilie, deren jährliche
Ausgaben und Einnahmen nach sehr genauen Daten berechnet, und
deren Nahrungsverhältnisse dann mit denen des Soldaten, des
Flottenmatrosen und des Gefangenen verglichen werden. Die
Familie „besteht aus Vater, Mutter und vier Kindern“. Von diesen
6 Personen „können 4 das ganze Jahr nützlich beschäftigt werden“;
es wird vorausgesetzt, „daß es weder Kranke noch Arbeitsunfähige
darunter gibt“, daß auch nicht „Ausgaben für religiöse, moralische
und intellektuelle Zwecke, ausgenommen ein sehr Geringes für
Kirchenstühle“ vorkommen, noch Beiträge zu Sparkassen oder
Altersversorgungskassen“, noch „Luxus- oder sonstige überflüssige
Ausgaben“. Doch sollen der Vater und der älteste Sohn Tabak
tauchen und Sonntags das Wirtshaus besuchen dürfen, wofür ihnen
ganze 86 Centimen die Woche ausgesetzt sind. „Aus der Gesamtzusammenstellung
 der den Arbeitern der verschiedenen Geschäfts-Zweige
 bewilligten Löhne folgt... daß der höchste Durchschnitt des
täglichen Lohnes ist: Fr. 1,56 für Männer, 89 Centimen für Frauen,
56 Centimen für Knaben und 55 Centimen für Mädchen. Hiernach
berechnet, würden sich die Einkünfte der Familie allerhöchstens auf
Fr. 1068 jährlich belaufen. ... Für die als typisch angenommene
Haushaltung haben wir alle Einkünfte gerechnet, die möglich sind,
Wenn wir aber der Mutter einen Arbeitslohn anrechnen, entziehen
wir dadurch der Haushaltung ihre Leitung; wer besorgt das Haus,
Wer die kleinen Kinder? Wer soll kochen, waschen, flicken? Diese
Frage tritt jeden Tag vor die Arbeiter.“
Das Budget der Familie ist demnach:
Vater.......... 300 Arbeitstage zu Fr, 1,56........ Fr. 468
Mutter ‚........ 300 » » m 8 » 267
Aeltester Junge. 300  SÄ6es „168
Aelteste Tochter 300 Dd........ „ 165
Total... Fr. 1068
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        Siebter Abschnitt.
Die Jahresausgabe der Familie und ihr Defizit würden ausmachen,
 falls der Arbeiter sich so nährte wie ein
Flottenmatrose Fr. 1828 ........... Defizit Fr. 760
Soldat........ 1478 0.0.0000... w „ 405
Gefangener... „ 1112 en. “ „HM
„Man sieht, daß wenig Arbeiterfamilien sich die Nahrung verschaffen
 können, nicht etwa des Matrosen oder des Soldaten, sondern
 selbst des Gefangenen. Im Durchschnitt hat jeder Gefangene
1847 bis 1849 in Belgien 63 Centimen täglich gekostet, was gegen die
täglichen Unterhaltungskosten des Arbeiters einen Unterschied von
13 Centimen ergibt. Die Verwaltungs- und Veberwachungskosten
gleichen sich aus dagegen, daß der Gefangene keine Miete zahlt.
‚+. Wie aber bringt es die große Zahl, wir könnten sagen die
große Mehrzahl, der Arbeiter fertig, in noch sparsameren Verhältnissen
 zu leben? Nur indem sie zu Notbehelfen flüchtet, wovon der
Arbeiter allein das Geheimnis hat; indem sie an der täglichen
Ration abknappt, Roggenbrot statt Weizenbrot ißt, weniger oder gar
kein Fleisch ißt, ebenso mit Butter und Gewürzen; indem sie die
Familie in 1 oder 2 Kammern packt, wo Mädchen und Jungen
zusammenschlafen, oft auf demselben Strohsack, indem sie an der
Kleidung spart, der Wäsche, den Reinigungsmitteln; indem sie den
Sonntagsvergnügungen entsagt, kurz sich zu den schmerzlichsten Entbehrungen
 entschließt. Einmal bei dieser letzten Grenze angelangt,
vermehrt der geringste Preisaufschlag der Lebensmittel, eine Arbeitsstockung,
 eine Krankheit das Elend des Arbeiters und ruiniert ihn
vollständig. Die Schulden häufen sich, der Kredit wird versagt, die
Kleider, die notwendigsten Möbel wandern ins Pfandhaus, und
schließlich bittet die Familie um Einschreibung in die Armenliste.“ 127
In der Tat folgt in diesem „Paradiese der Kapitalisten“ auf die
geringste Aenderung im Preise der notwendigsten Lebensmittel eine
Aenderung in der Zahl der Todesfälle und Verbrechen! (Siehe Manifest
der Maatschappij: „De Vlamingen Vooruit! Brüssel 1860“, p. 15, 16.)
Ganz Belgien zählt 980 000 Familien, davon, nach offizieller Statistik,
90 000 Reiche (Wähler) =— 450000 Personen; 190 000 Familien der
kleinen Mittelklasse, in Stadt und Dorf, großer Teil davon stets ins
Proletariat fallend, — 950 000 Personen. Endlich 450000 Arbeiterfamilien
 = 2250000 Personen, von welchen die Musterfamilien das
durch Ducpetiaux geschilderte Glück genießen. Unter den 450 000
Arbeiterfamilien über 200 000 auf der Armenliste!

308

e) Das britische Ackerbauproletariat.
Der antagonistische Charakter der kapitalistischen Produktion
und Akkumulation bewährt sich nirgendwo brutaler als in dem
Fortschritt des englischen Landbaues (Viehzucht eingeschlossen)
137 Ducpetigux: „Budgets 6conomiques des classes ouvrieres en Belgique-Bruxelles
 1855“, p. 151, 154, 155.
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

509

und dem Rückschritt des englischen Landarbeiters. Bevor ich zu
seiner gegenwärtigen Lage übergehe, ein rascher Rückblick. Die
moderne Agrikultur datiert in England von der Mitte des 18. Jahrhundertis,
 obgleich die Umwälzung der Grundeigentumsverhältnisse,
wovon die veränderte Produktionsweise als Grundlage ausgeht, viel
früheren Datums.
Nehmen wir Arthur Youngs, eines genauen Beobachters, obgleich
oberflächlichen Denkers, Angaben über den Landarbeiter von 1771,
So spielt letzterer eine sehr elende Rolle, verglichen mit seinem
Vorgänger Ende des 14. Jahrhunderts, „wo er in Fülle leben und
Reichtum akkumulieren konnte“, gar nicht zu sprechen vom
15. Jahrhundert, „dem goldenen Zeitalter der englischen Arbeiter
in Stadt und Land“. Wir brauchen jedoch nicht so weit zurückzugehen.
 In einer sehr gehaltreichen Schrift von 1777 liest man:
„Der große Pächter hat sich beinahe erhoben zum Niveau des Gentleman,
 während der arme Landarbeiter fast zu Boden gedrückt ist. ...
Seine unglückliche Lage zeigt sich klar durch eine vergleichende
Uebersicht seiner Verhältnisse von heute und von 40 Jahre früher.
‚. . Grundeigentümer und Pächter wirken Hand in Hand zur Unterdrückung
 des Arbeiters.“1* Es wird dann im Detail nachgewiesen,
daß der reelle Arbeitslohn auf dem Lande von 1737 bis 1777 um
beinahe ein Viertel oder 25 pZt. gefallen ist. „Die moderne Politik“,
sagt gleichzeitig Dr. Richard Price, „begünstigt die höheren Volksklassen;
 die Folge wird sein, daß früher oder später das ganze
Königreich nur aus Gentlemen und Bettlern, aus Granden und
Sklaven besteht.‘ 140
Dennoch ist die Lage des englischen Landarbeiters von 1770 bis
1780, sowohl was seine Nahrungs- und Wohnlichkeitszustände als
auch sein Selbstgefühl, Belustigungen usw. betrifft, ein später nie
wieder erreichtes Ideal. In Pints Weizen ausgedrückt betrug sein

138 James E. Th. Rogers, Prof. of Political Economy in the University of
Oxford: „A History of Agriculture and Prices in England. Oxford 1866“,
vol. I, p. 690. Dies fleißig gearbeitete Werk umfaßt in den bisher erschienenen
 zwei ersten Bänden erst die Periode von 1259 bis 1400. Der zweite Band
enthält bloß statistisches Material. Es ist die erste authentische Geschichte
der Preise, die wir für jene Zeit besitzen.
189 „Reasons for the late Increase of the Poorrates; or, a comparative
view of the price of labour and provisions. London 1777“, p. 5, 11.
140 Dr. Richard Price: „Observations on Reversionary Payments. 6th ed.
By W. Morgan. London 1805“, vol. II, p. 158, 159. Price bemerkt S. 159:
„Der nominelle Preis des Arbeitstages ist heute nur etwa 4 oder höchstens
5 mal höher als im Jahre 1514. Aber der Preis von Korn ist 7 mal, der von
Fleisch und Kleidung etwa 15 mal so hoch. Der Preis der Arbeit ist daher
keineswegs im Verhältnis zum Anwachsen der Auslagen für die notwendigen
Lebensmittel gestiegen, vielmehr scheint er heute im Vergleich zu jenen
Auslagen nicht einmal die Hälfte von dem auszumachen, was er damals
etrug.“
Das Kapital. I.
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        Siebter Abschuitt.
Durchschnittslohn 1770 bis 1771 90 Pints, zu Edens Zeit (1797) nur
noch 65, 1808 aber 60.14
Der Zustand der Landarbeiter Ende des Antijakobinerkrieges,
während dessen sich Grundaristokraten, Pächter, Fabrikanten, Kaufleute,
 Bankiers, Börsenritter, Armeelieferanten usw. so außerordentlich
 bereichert hatten, ward bereits früher angedeutet. Der nominelle
Lohn stieg infolge teils der Banknotenentwertung, teils einer hiervon
 unabhängigen Zunahme im Preise der ersten Lebensmittel.
Die wirkliche Lohnbewegung ist aber auf sehr einfache Art zu
gonstatieren, ohne Zuflucht zu hier unzulässigen Details. Das Armengesetz
 und seine Administration waren 1795 und 1814 dieselben.
Man erinnert sich, wie dies Gesetz auf dem Lande gehandhabt
wurde: in der Gestalt von Almosen ergänzte die Pfarrei den Nominallohn
 bis zu der für das bloße Vegetieren des Arbeiters erheischten
Nominalsumme. Das Verhältnis zwischen dem vom Pächter gezahlten
Lohn und dem von der Pfarrei gedeckten Lohndefizit zeigt uns
zweierlei, erstens die Senkung des Arbeitslohnes unter sein
Minimum, zweitens den Grad, worin der Landarbeiter aus Lohnarbeiter
 und Pauper zusammengesetzt war, oder den Grad, .worin
man ihn in einen Leibeigenen seiner Pfarrei verwandelt hatte.
Wir wählen eine Grafschaft, die das Durchschnittsverhältnis in
allen andern Grafschaften repräsentiert. 1795 betrug der durchschnittliche
 Wochenlohn in Northamptonshire 7 Shilling 6 Pence, die
jährliche Gesamtausgabe einer Familie von 6 Personen 36 P{fd. Sterl.
12 Shilling 5 Pence, ihre Gesamteinnahme 29 Pfd. Sterl. 18 Shilling,
das von der Pfarrei gedeckte Defizit 6 Pfd. Sterl. 14 Shilling 5 Pence.
In derselben Grafschaft betrug 1814 der Wochenlohn 12 Shilling
2 Pence, die jährliche Gesamtausgabe einer Familie von 5 Personen
54 Pifd. Sterl. 18 Shilling 4 Pence, ihre Gesamteinnahme 36 Pfd. Sterl.
2 Shilling, das von der Pfarrei gedeckte Defizit 18 Pfd. Sterl. 16 Shilling
4 Pence;!t? 1795 betrug das Defizit weniger als ein Viertel des Arbeitslohnes,
 1814 mehr als die Hälfte. Es versteht sich von selbst,
daß unter diesen Umständen die geringen Komforts, die Eden noch
in der Cottage des Landarbeiters fand, 1814 verschwunden waren.?*
Unter allen Tieren, die der Pächter hält, blieb von nun an der ATveiter,
 das Instrumentum vocale [das sprechende Werkzeug], das
meist geplackte, schlechtest gefütterte und brutalst behandelte.
Derseibe Zustand der Dinge dauerte ruhig fort, bis „die Swing“
aufstände 1830 uns (das heißt den herrschenden Klassen) beim
Lichtlammen der Kornschober enthüllten. daß Elend und dunkle

510

14 Barton: „Observations on ihe circumstances which influence the
sondition of the Labouring Classes of Society. London 1817“, p. 26. Für Ende
des 18. Jahrhunderts vgl. Eden: „The State of the Poor.“
143 Parry: „The Question of the Necessity of the existing Cornlaws comsidered.
 London 1816“, p. 86,
143 Ebenda. S. 2183
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

611

aufrührerische Unzufriedenheit ebenso wild unter der Oberfläche
des agrikolen als des industriellen Englands lodere“.14* Sadler
taufte damals im Unterhause die Landarbeiter „weiße Sklaven“
(„white slaves‘“), ein Bischof hallte das Wort im Oberhause wider.
Der bedeutendste politische Oekonom jener Periode, E. G. Wake-Geld,
 sagt: „Der Landarbeiter Südenglands ist kein Sklave, er ist
kein freier Mann, er ist ein Pauper.‘“ 14
Die Zeit unmittelbar vor der Aufhebung der Korngesetze warf
neues Licht auf die Lage der Landarbeiter. Einerseits lag es im
Interesse der bürgerlichen Agitatoren, nachzuweisen, wie wenig jene
Schutzgesetze den wirklichen Kornproduzenten beschützten. Anderseits
 schäumte die industrielle Bourgeoisie auf vor Ingrimm über
die Verurteilung der Fabrikzustände seitens der Grundaristokraten,
über die affektierte Sympathie dieser grundverdorbenen, herzlosen
und vornehmen Müßiggänger mit den Leiden des Fabrikarbeiters
und ihren „diplomatischen Eifer“ für Fabrikgesetzgebung. Es ist
ein altes englisches Sprichwort, daß, wenn zwei Diebe sich in die
Haare fallen, immer etwas Nützliches geschieht. Und in der Tat,
der geräuschvolle, leidenschaftliche Zank zwischen den zwei Fraktionen
 der herrschenden Klasse über die Frage, welche von beiden
den Arbeiter am schamlosesten ausbeute, wurde rechts und links
Geburtshelfer der Wahrheit. Graf Shaftesbury, früher Lord Ashley,
war Vorkämpfer im aristokratischen Antifabrikphilanthropiefeldzug.
Er bildet daher 1844 bis 1845 ein Lieblingsthema in den Enthüllungen
 des „Morning Chronicle“ über die Zustände der Agrikulturarbeiter.
 Jenes Blatt, damals das bedeutendste liberale Organ,
schickte in die Landdistrikte eigene Kommissäre, welche sich keineswegs
 mit allgemeiner Schilderung und Statistik begnügten, sondern
die Namen sowohl der untersuchten Arbeiterfamilien als ihrer
Grundherren veröffentlichten. Die Tabelle!*® auf nächster Seite gibt
Löhne, gezahlt auf drei Dörfern in der Nachbarschaft von Blaniord,
Wimbourne und Poole. Die Dörfer sind Eigentum des Herrn
G. Bankes und des Grafen von Shaftesbury. Man wird bemerken,
daß dieser Papst der „low church“ [der niederen Kirche],**% dieses
Haupt der englischen Pietisten, ebenso wie sein Kumpan Bankes
von den Hundelöhnen der Arbeiler wieder einen bedeutenden Teil
unter dem Vorwand von Hausrente einsteckt.
Die Abschaffung der Korngesetze gab dem englischen Landbau
einen ungeheuren Ruck. Dränierung auf der größten Stufenleiter.!®

144 S, Laing: „National Distress, 1844“, p. 62.
145 „England and America. London 1833“, vol. I, p. 47.
146 London Economist“, 29. März 1845, S. 290.
1462 Eine besondere Richtung der englischen Staatskirche. K.
147 Die Grundaristokratie schoß sich selbst zu diesem Zwecke Fonds,
natürlich per Parlament, aus der Staatskasse vor, zu sehr niedrigem Zins,
Welchen die Pächter ihr doppelt zu erstatten haben.
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        512

Siebter Abschnitt.

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neues System der Stallfütterung und des Anbaues der künstlichen
Futterkräuter, Einführung mechanischer Düngapparate, neue Behandlung
 der Tonerde, gesteigerter Gebrauch mineralischer Düngmittel,
 Anwendung der Dampfmaschine und aller Art neuer Arbeitsmaschinerie
 usw., intensivere Kultur überhaupt charakterisierep
diese Epoche. Der Präsident der königlichen Gesellschaft für Agrikultur,
 Herr Pusey, behauptet, daß die (relativen) Wirtschaftskosten
durch die neu eingeführte Maschinerie beinahe um die Hälfte verringert
 worden sind. Anderseits ward der positive Bodenertrag
rasch erhöht. Größere Kapitalauslage pro Acre, also auch beschleunigte
 Konzentration der Pachten, war Grundbedingung der
neuen Methode.!*#® Zugleich dehnte sich die Bodenfläche der Be-148

 Die Abnahme der mittleren Pächter ersieht man namentlich aus den
Rubriken des Zensus: „Pächters Sohn, Enkel, Bruder, Neffe, Tochter, Enkelin,
Schwester, Nichte“, kurz der vom Pächter beschäftigten Glieder seiner eige
aen Familie. Diese Rubriken zählten 1851 216 851 Personen, 1861 nur 176 151-Zusatz
 zur französischen Ausgabe: Von 1851 bis 1871 haben sich in England
die Pachthöfe von unter 20 Acres um mehr als 900 verringert; die zwischen
50 und 75 Acres sind von 8253 auf 6370 gefallen; ähnlich bei allen andern
Pachthöfen unter 100 Acres. Dagegen hat sich während derselben 20 Jahre
die Zahl der großen Pachthöfe vermehrt; die von 800 bis 500 Acres sind
gestiegen von 7771 auf 8410, die von mehr als 500 Acres von 2755 auf 3914
die von mehr als 1000 Acres von 492 auf 582.
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

613

bauung von 1846 bis 1865 um 464119 Acres aus, nicht zu sprechen
von den großen Flächen der östlichen Grafschafien, welche aus
Kaninchengeheg und armer Viehweide in üppige Kornfelder umgezaubert
 wurden. Man weiß bereits, daß gleichzeitig die Gesamtzahl
der in der Agrikultur beteiligten Personen abnahm. Was die eigentlichen
 Ackerbauer, beiderlei Geschlechts und aller Altersstufen, betrifft,
 so sank ihre Zahl von 1 241 269 im Jahre 1851 auf 1163227 im
Jahre 1861. Wenn der englische Generalregistrator daher mit
Recht bemerkt: „Der Zuwachs von Pächtern und Landarbeitern seit
1801 steht in gar keinem Verhältnis zum Zuwachs des agrikolen
Produkts‘“,1°® so gilt dies Mißverhältnis noch viel mehr von der
letzten Periode, wo positive Abnahme der ländlichen Arbeiterbevölkerung
 Hand in Hand ging mit Ausdehnung des bebauten
Areals, intensiverer Kultur, unerhörter Akkumulation des dem
Boden einverleibten und des seiner Bearbeitung gewidmeten Kapitals,
 Steigerung des Bodenprodukts ohnegleichen in der Geschichte
der englischen Landwirtschaft, strotzenden Zinsbüchern der Grundeigentümer
 und schwellendem Reichtum der kapitalistischen Pächter.
Nimmt man dies zusammen mit der ununterbrochenen raschen Erweiterung
 des städtischen Absatzmarktes und der Herrschaft des
Freihandels, so war der Landarbeiter post tot discrimina rerum
[nach so vielen Fährlichkeiten] endlich in Verhältnisse gestellt,
die ihn secundum artem [nach der Theorie] glückstoll machen
mußten.
Professor Rogers gelangt dagegen zum Resultat, daß der englische
 Landarbeiter heutigestags, gar nicht zu sprechen von seinem
Vorgänger in der letzten Hälfte des 14. Jahrhunderts und im
15. Jahrhundert, sondern nur verglichen mit seinem Vorgänger aus
der Periode 1770 bis 1780, seine Lage außerordentlich verschlechtert
hat, daß „er wieder ein Leibeigener geworden ist“, und zwar schlecht
gefütterter und behauster Leibeigener.** Dr. Julian Hunter, in
seinem epochemachenden Bericht über die Wohnlichkeit der Landarbeiter,
 sagt: „Die Existenzkosten des Hind (der Zeit der Leibeigenschaft
 angehöriger Name für den Landarbeiter) sind zu dem
möglichst niedrigen Betrag angesetzt, womit er leben kann . . . sein
Lohn und Obdach sind nicht berechnet auf den aus ihm heraus
zuschlagenden Profit. Er ist reine Null in den Berechnungen des
Pächters.1? ,, , Seine Lebensmittel werden stets als eine fixe

149 Die Zahl der Schafhirten wuchs von 12517 auf 25 559.
150 „Census ete.“, vol. IH, p. 36.
151 Rogers: „A History of Agriculture and Prices in England. Oxford
1866, vol. I, p. 693, 10. Herr Rogers gehört zur liberalen Schule, ist
persönlicher Freund von Cobden und Bright, also kein laudator temporis acti
[Verherrlicher der guten alten Zeit].
152 „Public Health. 7th Report. London 1865“, p. 242. Es ist daher
Nichts Ungewöhnliches, daß entweder der Hausvermieter die Miete für einen
Arbeiter erhöht. sobald er hört, daß derselbe etwas mehr verdient. oder daß
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        514

Siebter Abschnitt.

Quantität behandelt.“152 ‚Was irgendeine weitere Reduktion seines
Einkommens angeht, so kann er sagen: nihil habeo, nihil curo [Ich
habe nichts und sorge für nichts]. Er hat keine Furcht für die Zukunft,
 weil er über nichts verfügt außer dem, was zu seiner Existenz
absolut unentbehrlich ist. Er hat den Nullpunkt erreicht, von dem
die Berechnungen des Pächters ausgehen. Komme was wolle, er
hat keinen Anteil an Glück oder Unglück.‘“1*4
Im Jahre 1863 fand eine offizielle Untersuchung über die Verpflegungs-
 und Beschäftigungszustände der zur Verschickung in eine
Strafkolonie und öffentlicher Zwangsarbeit verurteilten Verbrecher
statt. Die Resultate sind in zwei dickleibigen Blaubüchern niedergelegt.
 „Eine sorgfältige Vergleichung“, heißt es unter anderm,
„zwischen der Nahrung der Verbrecher in den Gefängnissen von
England und der der Paupers in Workhouses und der freien Landarbeiter
 desselben Landes zeigt unstreitig, daß die ersteren viel
besser genährt sind als irgendeine der beiden andern Klassen“,1®
während „die Arbeitsmasse, die von einem zu öffentlicher Zwangsarbeit
 Verurteilten verlangt wird, ungefähr die Hälfte der vom gewöhnlichen
 Landarbeiter verrichteten beträgt‘“.15® Einige wenige
charakteristische Zeugenaussagen. John Smith, Direktor des Gefängnisses
 zu Edinburg, verhört Nr. 5056: „Die Nahrung in den
englischen Gefängnissen ist viel besser als die der gewöhnlichen
Landarbeiter.“ Nr. 5075: „Es ist Tatsache, daß die gewöhnlichen
Agrikulturarbeiter Schottlands sehr selten irgendwelches Fleisch erhalten.“
 Nr. 3047: „Kennen Sie irgendeinen Grund für die Notwendigkeit,
 die Verbrecher viel besser (much better) .zu nähren als
gewöhnliche Landarbeiter? — Sicher nicht.“ Nr. 3048: „Halten Sie
es für angemessen, weitere Experimente zu machen, um die Nahrung
zu öffentlichen Zwangsarbeiten verurteilter Gefangenen der Nahrung
freier Landarbeiter nahezubringen?“!7 „Der Landarbeiter“, heißt
es, „könnte sagen: Ich arbeite hart und habe nicht genug zu essen.
Als ich im Gefängnis war, arbeitete ich nicht so hart und hatte
Essen in Fülle, und darum ist es besser für mich, im Gefängnis
als im Freien zu sein.“18 Aus den dem ersten Band des Berichtes
angehängten Tabellen ist folgende vergleichende Uebersicht zusammengestellt.


der Pächter den Lohn des Arbeiters heruntersetzt, „weil dessen Frau Beachäftigung
 gefunden hat“. (Ebenda.)
153 Ebenda, S. 135,
154 Ebenda, S. 134.
165 „Report of the Commissioners . . . relating to Transportation and
Penal Servitude. London 1863“, p. 42, 50.
156 Ebenda, S. 77, Memorandum by the Lord Chief Justice,
157 Ebenda, Bd. II, Evidenee.
158 Ebenda, Bd. I, Appendix S. 280. -
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Wöchentlicher Nahrungsbetrag.153a

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Das allgemeine Resultat der ärztlichen Untersuchungskommission
von 1863 über den Nahrungszustand der schlechter genährten Volksklassen
 ist dem Leser bereits bekannt. Er erinnert sich, daß die
Nahrung eines großen Teiles der Landarbeiterfamilien unter dem
Minimalmaß „zur Abwehr von Hungerkrankheiten“ steht. Es ist
dies namentlich der Fall in allen rein agrikolen Distrikten von Cornwall,
 Devon, Somerset, Wilts, Stafford, Oxford, Berks und Herts.
„Die Nahrung, die der Landarbeiter erhält“, sagt Dr. Simon, „ist
größer, als das Durchschnittsquantum anzeigt, da er selbst einen viel
größeren, für seine Arbeit unentbehrlichen, Teil der Lebensmittel
erhält als seine übrigen Familienglieder, in den ärmeren Distrikten
fast alles Fleisch oder Speck. Das Quantum Nahrung, das der Frau
zufällt, und ebenso den Kindern in ihrer Periode raschen Wachstums,
 ist in vielen Fällen, und zwar in fast allen Grafschaften.
mangelhaft, hauptsächlich an Stickstoff.‘“159
Die bei den Pächtern selbst wohnenden Knechte und Mägde
werden reichlich genährt. Ihre Zahl fiel von 288 277 im Jahre 1851
auf 204 962 im Jahre 1861. „Die Arbeit der Weiber auf freiem Feld,“
sagt Dr. Smith, „von welchen sonstigen Nachteilen auch immer begleitet,
 ist unter gegenwärtigen Umständen von großem Vorteil für
die Familie, denn sie liefert derselben Mittel für Beschuhung, Kleidung,
 Zahlung der Hausrente, und befähigt sie so, besser zu essen.‘1®
Eins der merkwürdigsten Resultate dieser Untersuchung war, daß der
Landarbeiter in England bei weitem schlechter genährt ist als in
den andern Teilen des Vereinigten Königreichs („is considerably
the worst fed“), wie die folgende Tabelle!“ zeigt.

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1582 Ebenda, S. 274, 275.
159 „Publie Health. 6th Report 1863“, p. 238, 249, 261, 262,
160 Ebenda, S. 262.
161 Ebenda, S. 17. Der englische Landarbeiter erhält nur ein Viertel
soviel Milch und nur halb soviel Broistoff als der irische. Den besseren Nahrungsstand
 der letzteren bemerkte schon A. Young, in seiner „Tour through
Ireland“ Anfang des 19. Jahrhunderts. Der Grund ist einfach der, daß der
arme irische Pächter ungleich humaner ist als der reiche englische, Mit Bezug
auf Wales gilt die Textangabe nicht für seinen Südwesten. „Alle dortigen
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Siebter Abschnitt.
Wöchentlicher Konsum von Kohlenstoff und Stickstoff
durch den ländlichen Durchschnittsarbeiter,

Kohlenstoff | Stickstoff
Gran Gran
40 673 1594
48 354 2081
48980 | 2348
43 366 2439

England .............
WO KR GE
Schottland ...........
Irland .

„Jede Seite von Dr. Hunters Bericht“, sagt Dr. Simon in seinem
offiziellen Gesundheitsbericht, „gibt Zeugnis von der unzureichenden
Quantität und elenden Qualität der Wohnlichkeit unseres Landarbeiters.
 Und seit vielen Jahren hat sich sein Zustand immer mehr

Aerzte stimmen überein, daß die Zunahme der Sterblichkeitsrate dureh Tuberkulose,
 Skrofeln usw. an Intensität wächst mit der Verschlechterung des
physischen Zustandes der Bevölkerung, und alle schreiben diese Verschlechterung
 der Armut zu. Der tägliche Unterhalt des Landarbeiters wird
dort auf 5 Pence veranschlagt, in vielen Distrikten zahlt der Pächter (selbst
elend) weniger. Ein Bissen gezalzenes Fleisch, getrocknet zur Härte von
Mahagoni und kaum wert des schwierigen Prozesses der Verdauung, oder
Speck dient zur Würze einer großen Quantität von Brühe, von Mehl und
Lauch, oder Haferbrei, und Tag nach Tag ist dies das Mittagsmahl des Landarbeiters.
 ,, . Der Fortschritt der Industrie hatte die Folge für ihn, in
diesem rauhen und feuchten Klima, das solide hausgesponnene Tuch durch
wohlfeile Baumwollzeuge zu verdrängen und stärkere Getränke durch
„nominellen“ Tee. ... Nach langstündiger Aussetzung an Wind und Regen
kehrt der Ackerbauer zurück zu seiner Hütte, um niederzusitzen bei einem
Feuer von Torf oder Ballen, die aus Lehm und Kohlenabfall zusammengesetzt
 sind und Wolken von Kohlen- und Schwefelsäure ausqualmen. Die
Wände der Hütte bestehen aus Lehm und Steinen, der Estrich aus der
nackten Erde, welche da war vor Erbauung der Hütte, das Dach ist eine
Masse losen und aufgedunsenen Strohes. Jeder Spalt ist verstopft zur Erhaltung
 der Wärme, und in einer Atmosphäre von diabolischem Gestank,
einen Schlammboden unter sich, oft mit seinen einzigen Kleidern trocknend
auf seinem Leibe, nimmt er sein Abendbrot mit Weib und Kindern. Geburtshelfer,
 gezwungen einen Teil der Nacht in diesen Hütten zuzubringen, haben
beschrieben, wie ihre Füße im Schlamm des Fußbodens versanken, und wie
sie gezwungen waren, leichte Arbeit!, ein Loch durch die Wand zu bohren,
um sich eine kleine private Luftquelle zu verschaffen. Zahlreiche Zeugen
von verschiedenem Rang bezeugen, daß der unterernährte (underfed) Bauer
diesen und andern gesundheitswidrigen Einflüssen jede Nacht. ausgesetzt ist,
und für das Resultat, ein geschwächtes und skrofulöses Volk, fehlt es wahrhaftig
 nicht an Beweisen, .. . Die Mitteilungen der Pfarreibeamten von
Caermarthenshire und Cardiganshire zeigen auffallend denselben Zustand
der Dinge. Es kommt hinzu eine noch größere Pest, das Umsichgreifen des
Idiotismus. Nun noch die klimatischen Verhältnisse. Heftige Südwestwinde
durchblasen das ganze Land während 8 bis 9 Monaten im Jahre, in ihrem
Gefolge Regensturzbäche, die sich hauptsächlich auf die westlichen Abhänge
der Hügel entladen. Bäume sind selten, außer in gedeckten Plätzen; wo unbeschützt,
 werden sie aus aller Form zerblasen. Die Hütten kriechen unter
irgendeine Bergterrasse, oft auch in eine Schlucht oder einen Steinbruch,
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

617

in dieser Hinsicht verschlechtert. Es ist jetzt viel schwerer für ihn,
eine Unterkunft zu finden, und, wenn gefunden, ist sie seinen Bedürfnissen
 viel weniger entsprechend, als vielleicht seit Jahrhunderten
 der Fall war. Besonders innerhalb der letzten 30 oder
20 Jahre ist das Uebel in raschem Wachstum begriffen, und die
Wohnlichkeitsverhältnisse des Landmannes sind jetzt im höchsten
Grade kläglich. Außer soweit diejenigen, die seine Arbeit bereichert,
 es der Mühe wert halten, ihn mit einer Art von mitleidiger
Nachsicht zu behandeln, ist er ganz hilflos in der Sache. Ob er Behbausung
 findet auf dem Lande, welches er bebaut, ob sie menschlich
oder schweinisch ist, ob mit kleinem Garten, der den Druck der
Armut so sehr erleichtert, alles das hängt nicht von seiner Bereitheit
oder Fähigkeit zur Zahlung einer angemessenen Miete ab, sondern
von dem Gebrauch, den andere von „dem Recht, mit ihrem Eigentum
 zu tun, was sie wollen“, zu machen belieben. Eine Pachtung
mag noch so groß sein, es existiert kein Gesetz, daß auf ihr eine
bestimmte Anzahl von Arbeiterwohnungen, und nun gar anständigen,
stehen muß; ebensowenig behält das Gesetz dem Arbeiter auch
nur das kleinste Recht auf den Boden vor, für welchen seine Arbeit
so notwendig ist wie Regen und Sonnenschein. ... Ein äußerlicher
Umstand wirft noch ein schweres Gewicht in die Wagschale gegen
ihn ... der Einfluß des Armengesetzes mit seinen Bestimmungen
über Niederlassung und Belastung zur Armensteuer.**? Unter seinem
Einfluß hat jede Pfarrei ein Geldinteresse, die Zahl der in ihr niedergelassenen
 Landarbeiter auf ein Minimum zu beschränken; denn unglücklicherweise
 führt die Landarbeit, statt sichere und dauernde Unabhängigkeit
 dem hart schanzenden Arbeiter und seiner Familie zu
verbürgen, meist nur auf längerem oder kürzerem Umwege zum
Pauperismus, einem Pauperismus, der während des ganzen Weges
so nahe ist, daß jede Krankheit oder irgendein vorübergehender
Mangel an Beschäftigung unmittelbar die Zuflucht zur Pfarreihilfe
ernötigt; und daher bedeutet jede Niederlassung von Landarbeitern
in einer Pfarrei augenscheinlich eine Vermehrung ihrer Armennur

 die winzigsten Schafe und einheimisches Hornvieh können auf den
Weiden leben. ... Die jungen Leute wandern nach dem östlichen Minendistrikte
 von Glamorgan und Monmouth. . . . Caermarthenshire ist die
Pflanzschule der Minenbevölkerung und ihr Invalidenhaus. ... Die Bevölkerung
 erhält ihre Zahl nur mühsam. So in Cardiganshire:;
1851 1861
Männlichen Geschlechts ....... 45155 44 446
Weiblichen . ....... 52459 52 955
; 97 614 97 401
(Dr. Hunter’s Report in „Public Health. 7th Report 1864. London 1865“,
pP. 498—502 passim.)
162 1865 ist dies Gesetz etwas verbessert worden. Man wird bald durch
Erfahrung lernen, daß dergleichen Pfuscherei nicht hilft.
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        318

Siebter Abschnitt.

steuer. ... Große Grundeigentümer!*® haben nur zu beschließen,
daß keine Arbeiterwohnungen auf ihren Gütern stehen sollen, und
sie befreien sich sofort von der Hälfte ihrer Verantwortlichkeit für
die Armen. Wie weit die englische Verfassung und das Gesetz diese
Art unbedingtes Grundeigentum beabsichtigten, welches einen Landlord,
 der „mit seinem Eigenen tut, was er will“, befähigt, die Bebauer
des Bodens wie Fremde zu behandeln und sie von seinem Territorium
zu verjagen, ist eine Frage, deren Diskussion nicht in meinen Bereich
fällt. , .. Diese Macht der Austreibung ist keine bloße Theorie. Sie
wird praktisch auf der größten Stufenleiter geltend gemacht. Sie ist
einer der Umstände, welche die Wohnlichkeitsverhältnisse des Landarbeiters
 beherrschen. ... Den Umfang des Uebels mag man aus
dem letzten Zensus beurteilen, wonach die Zerstörung von Häusern,
trotz vermehrter lokaler Nachfrage für dieselben, während der
letzten 10 Jahre, in 821 verschiedenen Distrikten von England {fortschritt,
 so daß, abgesehen von den Personen, die gezwungen wurden,
Nichtansässige (nämlich in dem Kirchspiel, worin sie arbeiten) zu
werden, 1861 verglichen mit 1851 eine um 5%, pZt. größere Bevölkerung
 in einen um 4*/, pZt. kleineren Hausraum gedrängt wurde.
- + Sobald der Entvölkerungsprozeß sein Ziel erreicht hat, ist das
Resultat, sagt Dr. Hunter, ein Schaudorf (showvillage), wo die
Cottages auf wenige reduziert sind und wo niemand leben darf außer
Schafhirten, Gärtnern und Wildhütern, reguläre Bediente, welche die
in ihrer Klasse gewohnheitsmäßige gute Behandlung von der
gnädigen Herrschaft erhalten.!** Aber das Land bedarf der Bebauung,
 und man wird finden, daß die darauf beschäftigten Arbeiter
keine Haussassen des Grundeigentümers sind, sondern von einem
affenen Dorf herkommen, vielleicht drei Meilen weit entfernt, wo
eine zahlreiche kleine Hauseigentümerschaft sie aufnahm, nach Zerstörung
 ihrer Cottages in den geschlossenen Dörfern. Wo die Dinge
diesem Resultat zustreben, bezeugen die Cottages meist durch ihr
elendes Aussehen das Schicksal, zu dem sie verdammt sind. Man
findet sie auf den verschiedenen Stufen natürlichen Verfalls. Solange
 das Obdach zusammenhält, wird dem Arbeiter erlaubt, Rente

165 Zum Verständnis des folgenden: Close Villages (geschlossene Dörfer)
 heißen die, deren Grundeigentümer ein oder ein paar große Landlords
sind; Open Villages (offene Dörfer) die, deren Boden vielen kleineren Eigentümern
 gehört. Es sind die letzteren Orte, wo Bauspekulanten Cottages und
Logierhäuser errichten können.
164 Ein solches Schaudorf sieht sehr nett aus, aber es ist so unwirklich,
wie die Dörfer, welche Katharina II, auf der Reise nach der Krim sah. In
der letzteren Zeit wird auch der Schafhirt häufig aus diesen Show-villages
verbannt. Zum Beispiel bei Market Harborough ist eine Schäferei von ungefähr
 500 Acres, die nur die Arbeit eines Mannes erheischt. Zur Verminderung
 der langen Märsche über diese weiten Flächen, die schönen Weiden
von Leicester und Northampton, pflegte der Hirt eine Cottage auf der
Meierei zu erhalten. Jetzt gibt man ihm einen dreizehnten Shilling für
Logis, das er weitab in dem offenen Dorf suchen muß.
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

519

Jafür zu zahlen, und er ist oft sehr froh, dies tun zu dürfen, selbst
wenn er den Preis einer guten Wohnung zu zahlen hat. Aber keine
Reparatur, keine Ausbesserung, außer solcher, die der bettelarme
{nhaber leisten kann. Wird es endlich zuletzt ganz unbewohnbar,
30 ist es nur eine zerstörte Cottage mehr und so viel künftige Armensteuer
 weniger. Während die großen Eigentümer die Armensteuer
so von sich abwälzen durch Entvölkerung des von ihnen beherrschten
Grund und Bodens, nimmt das nächste Landstädtchen oder offene
Ortschaft die hinausgeworfenen Arbeiter auf; die nächste, sage ich,
aber dies „nächste“ mag drei oder vier Meilen vom Pachthof sein, wo
der Arbeiter sich täglich abzuplacken hat. So wird seinem Tagewerk,
als ob es gar nichts sei, die Notwendigkeit eines täglichen Marsches
von sechs oder acht Meilen zur Verdienung seines täglichen Brotes
hinzugefügt. Alle von seiner Frau und seinen Kindern verrichtete
Landarbeit geht jetzt unter denselben erschwerenden Umständen vor.
Und dies ist nicht das ganze Uebel, welches ihm die Entfernung
verursacht. In der offenen Ortschaft kaufen Bauspekulanten Bodenf{etzen,
 welche sie so dicht wie möglich mit den wohlfeilsten aller
möglichen Spelunken besäen. Und in diesen elenden Wohnstätten,
lie selbst dann, wenn sie an offenes Land grenzen, die ungeheuerlichsten
 Charakterzüge der schlechtesten Stadtwohnungen teilen, hocken
die Landarbeiter Englands. ,.. Anderseits muß man sich nur
nicht einbilden, daß selbst der auf dem Grund und Boden. den er

165 „Die Häuser der Arbeiter (in den offenen Ortschaften, die natürlich
stets überfüllt sind) sind gewöhnlich in Reiben gebaut, mit der Rückseite
auf der äußersten Kante des Bodenfetzens, den der Bauspekulant sein nennt,
Sie sind daher ohne Zutritt von Licht und Luft, außer von der Vorderseite.“
(Dr. Hunter’s Report in „Public Health. 7th Report 1864, London 1865“,
5. 185.) Sehr oft ist der Bierwirt oder Krämer des Dorfes zugleich
Hausvermieter. In diesem Falle findet der Landarbeiter in ihm einen
zweiten Herrn neben dem Pächter. Er muß zugleich sein Kunde sein. „Mit
10 Shilling pro Woche, vermindert um eine jährliche Hausmiete von 4 Pfd,
Sterl., ist er verpflichtet, sein bestimmtes Maß von Tee, Zucker, Mehl, Seife,
Kerzen und Bier zu den vom Krämer beliebten Preisen zu kaufen.“ (Ebenda,
3. 132.) Diese offenen Dorfschaften bilden in der Tat die „Strafkolonien“
des englischen Ackerbauproletariats. Viele der Cottages sind reine Logierhäuser,
 wo alles vagabundierende Gesindel der Umgegend durchpassiert,
Der Landmann und seine Familie, die oft wahrhaft wunderbar in den
3achmutzigsten Verhältnissen Tüchtigkeit und Reinheit des Charakters bewahrt
 hatten, gehen hier platterdings zum Teufel. Es ist natürlich Mode
anter den vornehmen Shylocks, über die Bauspekulanten und die
kleinen Eigentümer und die offenen Orte pharisäisch die Achsel zu
zucken. Sie wissen sehr wohl, daß ihre „geschlossenen Dörfer und Schaudörfer“
 die Geburtsstätten der „offenen Orte“ sind und ohne dieselben nicht
existieren könnten. „Ohne die kleinen Eigentümer der offenen Orte müßte
der größte Teil der Landarbeiter unter den Bäumen der Güter schlafen,
worauf sie arbeiten.“ (Ebenda, S. 135.) Das System der „offenen“ und
„geschlossenen“ Dörfer herrscht in allen mittelenglischen Grafschaften und
im ganzen Osten Englands,
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        620

Siebter Abschnitt.

bebaut, behauste Arbeiter eine Wohnlichkeit findet, wie sie sein
Leben produktiven Fleißes verdient. Selbst auf den fürstlichsten
Gütern ist seine Cottage oft von der allerjämmerlichsten Art. Es
gibt Landlords, denen ein Stall gut genug für ihre Arbeiter und deren
Familien erscheint, und die es dennoch nicht verschmähen, aus ihrer
Miete so viel Bares als möglich herauszuschlagen.!® Es mag nur
eine verfallende Hütte mit einer Schlafstube sein, ohne Feuerherd,
ohne Abtritt, ohne öffenbare Fenster, ohne Wasserzufuhr außer dem
Graben, ohne Garten, der Arbeiter ist hilflos gegen die Unbill. Und
unsere gesundheitspolizeilichen Gesetze (The Nuisances Removal
Acts) sind ein toter Buchstabe. Ihre Ausführung ist ja gerade den
Eigentümern anvertraut, welche solche Löcher vermieten. ... Man
muß sich durch ausnahmsweise lichtvollere Szenen nicht blenden
lassen über das erdrückende Uebergewicht der Tatsachen, die ein
Schandfleck der englischen Zivilisation sind. Schauderhaft muß in
der Tat die Lage der Dinge sein, wenn, trotz der augenfälligen
Ungeheuerlichkeit der gegenwärtigen Behausung, sachverständige
Beobachter einstimmig zu dem Schlußresultat gelangen, daß selbsi
die allgemeine Nichtswürdigkeit der Wohnungen noch ein unendlich
minder drückendes Uebel ist als ihr bloß numerischer Mangel. Seil
Jahren war die Ueberstopfung der Wohnungen der Landarbeiter ein
Gegenstand tiefen Kummers nicht nur für Personen, die auf Gesundheit,
 sondern für alle, die auf anständiges und moralisches Leben
halten. Denn, wieder und wieder, in Ausdrücken so gleichförmig,
daß sie stereotypiert zu sein scheinen, klagen die Berichterstatter
über die Verbreitung epidemischer Krankheiten in den ländlichen
Distrikten, über Hausüberfüllung als eine Ursache, die jeden Ver
such, den Fortschritt einer einmal eingeführten Epidemie aufzuhalten,
 durchaus vereitelt. Und wieder und wieder ward nachgewiesen,
 daß den vielen gesundheitlichen Einflüssen des Landlebens
zum Trotz die Zusammendrängung, welche das Umsichgreifen
ansteckender Krankheiten so sehr beschleunigt, auch die Entstehung

168 „Der Hausvermieter (der Pächter oder Landlord) bereichert sich
direkt oder indirekt durch die Arbeit eines Mannes, dem er 10 Shilling pro
Woche zahlt, und zwackt dann wieder diesem armen Teufel 4 oder 5 Pfd.
Sterl. jährliche Miete für Häuser ab, die keine 20 Pfd. Sterl. auf offenem
Markt wert sind, aber auf ihrem künstlichen Preis erhallen werden durch
die Macht des Eigentümers, zu sagen: „Nimm mein Haus oder pack’ Dich
und suche anderswo ein Unterkommen, ohne Arbeitszeugnis von mir.“ ...
Wünscht ein Mann sich zu verbessern und als Schienenleger zu einer Eisenbahn
 zu gehen oder einem Steinbruch, wieder ist dieselbe Macht bereit mit
einem: „Arbeite für mich zu diesem niedrigen Arbeitslohn, oder pack’ Dich
auf eine Woche Kündigung; nimm Dein Schwein mit Dir, wenn Du eines hast,
und schau zu, was Du aus den Kartoffeln herausschlägst, die in Deinem
Garten wachsen.“ Steht jedoch das Interesse nach der andern Seite, so ziehl
in solchen Fällen der Eigentümer (respektive Pächter) manchmal eine erhöhte
 Hausmiete vor als Strafe für die Desertion aus seinem Dienst.“
(Dr. Hunter: a. a. O., S. 132.)
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

621

nichtansteckender Krankheiten fördert. Und die Personen, welche
diesen Zustand aufgedeckt haben, verschwiegen weiteres Unheil
nicht. Selbst wo ihr ursprüngliches Thema nur die Gesundheitspflege
 betraf, waren sie beinahe gezwungen, auf die andern Seiten
les Gegenstandes einzugehen. Indem sie nachwiesen, wie häufig
3s sich ereignet, daß erwachsene Personen beiderlei Geschlechts,
verheiratet und unverheiratet, zusammengehudelt (huddled) werden
in engen Schlafstuben, mußten ihre Berichte die Ueberzeugung hervorrufen,
 daß unter den beschriebenen Umständen Scham- und
Anstandsgefühl aufs gröbste verletzt und alle Moralität fast notwendig
 ruiniert wird.*”?, ,. Zum Beispiel im Anhang meines letzten
Berichtes erwähnt Dr. Ord, in seinem Bericht über den Fieberausbruch
 zu Wing in Buckinghamshire, wie ein junger Mann von
Wingrave mit Fieber dorthin kam. In den ersten Tagen seiner
Krankheit schlief er mit 9 andern Personen in einem Gemach zusammen.
 In zwei Wochen wurden verschiedene dieser Personen
ergriffen, im Verlauf weniger Wochen verfielen 5 von den 9 Personen
 dem Fieber und eine starb! Gileichzeitig berichtete mir
Dr. Harvey von St. Georges Spital, der Wing während der Epidemiezeit
 in Angelegenheiten seiner Privatpraxis besuchte, in demselben
Sinne: „Ein junges, fieberkrankes Frauenzimmer schlief nachts in
derselben Stube mit Vater, Mutter, ihrem Bastardkind, zwei jungen
Männern, ihren Brüdern, und ihren zwei Schwestern, jede mit einem
Bastard, in allem 10 Personen. Wenige Wochen vorher schliefen
13 Kinder in demselben Raume.‘“1#8 .
Dr. Hunter untersuchte 5375 Landarbeiter-Cottages, nicht nur
in den reinen Agrikulturdistrikten, sondern in allen Grafschaften
Englands. Unter diesen 5375 hatten: 2195 nur 1 Schlafstube (oft
zugleich Wohnstube), 2930 nur 2 und 250 mehr als 2. Ich will für
ein Dutzend Grafschaften eine kurze Blütenlese geben.
1. Bedfordshire.
Wrestlingworth: Schlafzimmer ungefähr 12 Fuß lang und 10
breit, obgleich viele kleiner sind. Die kleine einstöckige Hütte wird

167 „Jung verheiratete Paare sind kein erbauliches Studium für erwachsene
 Brüder und Schwestern in derselben Schlafstube; und obgleich
Beispiele nicht verzeichnet werden dürfen, liegen hinreichende Mitteilungen
vor, um die Bemerkung zu rechtfertigen, daß großes Leid und oft der Tod
das Los der weiblichen Teilnehmer am Verbrechen der Blutschande ist.“
{Dr. Hunter: a. a. O., S. 137.) Ein ländlicher Polizeibeamter, der viele Jahre
durch als Detektiv in den schlechtesten Vierteln von London funktioniert
hatte, sagt von den Mädchen seines Dorfes aus: „Ihre grobe Immoralität im
[rühen Alter, ihre Frechheit und Schamlosigkeit habe ich niemals während
Meines Polizeilebens in den schlechtesten Teilen von London erreicht gesehen.
 . . . Sie leben wie Schweine, große Jungen und Mädchen, Mütter und
Väter, alles schläft zusammen in derselben Stube.“ („Children’s Employmenf
Commission. 6th Report. London 1867“, Appendix p. 77, n. 155.)
168 Public Health. 7th Report 1867“, p. 9—14 passim.
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        622

Siebter Abschnitt.

oft durch Bretter in 2 Schlafstuben geteilt, oft ein Bett in einer
Küche, 5 Fuß 6 Zoll hoch. Miete 3 Pfd. Sterl. Die Mieter haben
ihre eigenen Abtritte zu bauen, der Hauseigentümer liefert nur ein
Loch. So oft einer einen Abtritt baut, wird letzterer von der ganzen
Nachbarschaft benutzt. Ein Haus im Besitz einer Familie namens
Richardson von unerreichbarer Schöne. „Seine Mörtelwände
bauschten aus wie ein Damenkleid beim Knix. Ein Giebelende
war nach außen gekrümmt, das andere nach innen, und auf dem
letzteren stand unglücklicherweise ein Schornstein, ein krummes
Rohr von Lehm und Holz gleich einem Elefantenrüssel. Ein langer
Stock diente als Stütze, um den Fall des Schornsteins zu verhindern.
Tür und Fenster rautenförmig.“ Von 17 besuchten Häusern nur 4
mit mehr als 1 Schlafzimmer und diese 4 überstopft. Eins dieser
Häuser mit nur 1 Schlafzimmer barg 3 Erwachsene mit 3 Kindern.
ein anderes ein verheiratetes Paar mit 6 Kindern usw.
Dunton: Hohe Hausmieten, von 4 bis 5 Pfd. Sterl., Wochenlohn
der Männer 10 Shilling. Sie hoffen durch Strohflechten der Familie
die Miete herauszuschlagen. Je höher die Hausmiete, desto größer
die Zahl, die sich zusammentun muß, um sie zu zahlen. 6 Erwachsene,
die mit 4 Kindern in 1 Schlafstube, zahlen dafür 3 Pfd. Sterl.
10 Shilling. Das wohlfeilste Haus in Dunton, von der Außenseite
15 Fuß lang, 10 breit, vermietet für 3 Pfd. Sterl. Nur 1 von den 14
untersuchten Häusern hatte 2 Schlafstuben. Etwas vor dem Dorl
ein Haus, von den Insassen bekotet vor seinen Außenwänden, die
unteren 5 Zoll der Tür verschwunden durch reinen Verfaulungsprozeß,
 das Tor ein bloßes Loch, das von innen sinnreich des Abends
durch einige vorgeschobene Ziegelsteine geschlossen und mit etwas
Matte verdeckt wird. Ein halbes Fenster, samt Glas und Rahmen,
war ganz den Weg alles Fleisches gegangen. Hier, ohne Möbel,
hudelten 3 Erwachsene und 5 Kinder zusammen. Dunton ist nicht
schlimmer als der Rest der Biggleswade Union.
@. Berkshire,
Beenham: Juni 1864 lebten 1 Mann, Frau, 4 Kinder in einem
Cot (einstöckigen Cottage). Eine Tochter kam heim aus dem Dienst
mit Scharlachfieber. Sie starb. Ein Kind erkrankte und starb. Die
Mutter und ein Kind litten am Typhus, als Dr. Hunter gerufen wurde.
Der Vater und ein Kind schliefen auswärts, aber die Schwierigkeit.
Isolierung zu sichern, zeigte sich hier, denn im vollgepfropften
Markt des elenden Dorfes lag das Leinen des fiebergeschlageneD
Hauses, auf Wäsche wartend. — Die Miete von H.s Haus 1 Shilling
wöchentlich; das eine Schlafzimmer für ein Paar und 6 Kinder. Ein
Haus vermietet zu 8 Pence (wöchentlich), 14 Fuß 6 Zoll lang, 7 Fuß
breit, Küche 6 Fuß hoch; das Schlafzimmer ohne Fenster, FeuerplatZz;
Tür, noch Oeffnung, außer nach dem Gang zu, kein Garten. Ein
Mann lebte hier vor kurzem mit zwei erwachsenen Töchtern und
einem aufwachsenden Sohn; Vater und Sohn schliefen auf dem Bett
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

623

lie Mädchen auf dem Hausgang. Jede hatte ein Kind, solange die
Familie hier lebte, aber eine ging zum Workhouse für ihre Entdindung
 und kehrte dann heim.
3. Buckinghamshire.
30 Cottages — auf 1000 Acres Land — enthalten hier ungefähr
130 bis 140 Personen. Die Pfarrei von Bradenham umfaßt 1000 Acres;
sie hatte 1851 36 Häuser und eine Bevölkerung von 84 Manns- und
34 Weibspersonen. Diese geschlechtliche Ungleichheit geheilt. 1861,
wo sie 98 männlichen und 87 weiblichen Geschlechts zählte, Zuwachs
in 10 Jahren von 14 Männern und 33 Weibern. Unterdes hatte die
Häuserzahl um 1 abgenommen.
Winslow: Großer Teil davon neu gebaut in gutem Stil; Nachirage
 nach Häusern scheint bedeutend, weil sehr armselige Cots vermietet
 zu 1 Shilling und 1 Shilling 3 Pence pro Woche.
Water Eaton: Hier haben die Eigentümer im Angesicht wachsen
der Bevölkerung ungefähr 20 pZt. der existierenden Häuser zerstört.
Sin armer Arbeiter, der ungefähr 4 Meilen zu seinem Werk zu gehen
aatte, antwortete auf die Frage, ob er kein Cot näher finden könnte:
‚Nein, sie werden sich verdammt hüten, einen Mann mit meiner
zroßen Familie aufzunehmen.“
Tinker’s End bei Winslow: Eine Schlafstube, worin 4 Erwachsene
und 4 Kinder, 11 Fuß lang, 9 Fuß breit, 6 Fuß 5 Zoll hoch am höchsten
 Punkt; ein anderes 11 Fuß 3 Zoll lang, 9 Fuß breit, 5 Fuß 10 Zoll
hoch, beherbergte 6 Personen. Jede dieser Familien hatte weniger
Raum als nötig für einen Galeerensträfling. Kein Haus hatte mehr
als 1 Schlafzimmer, keines eine Hintertür, Wasser sehr selten.
Wochenmiete von 1 Shilling 4 Pence bis zu 2 Shilling. In 16 untersuchten
 Häusern nur ein einziger Mann, der 10 Shilling wöchentlich
verdiente. Das Luftreservoir, jeder Person in dem erwähnten Falle
zegönnt, entspricht dem, das ihr zugute käme, wenn des Nachts einzeschlossen
 in eine Schachtel, die in jeder Dimension 4 Fuß mißt.
Allerdings bieten die alten Hütten eine Masse naturwüchsiger
Ventilation.
4. Cambridgeshire.
Gamblingay gehört verschiedenen Eigentümern... Es enthält die
lumpigsten Cots, die man irgendwo finden kann. Viel Strohflechterei.
Eine tödliche Mattheit, eine hoffnungslose Ergebung in Schmutz be
herrscht Gamblingay. Die Vernachlässigung in seinem Zentrum wird
zur Verkommenheit in den Außenteilen, Nord und Süd, wo die
Häuser stückweise abfaulen. Die abwesenden Landlords lassen dem
armen Nest allzu reichlich zur Ader. Die Mieten sind sehr hoch;
3 bis 9 Personen gepackt in 1 Schlafzimmer, in 2 Fällen 6 Erwachsene
 mit je 1 und 2 Kindern in einer kleinen Schlafstube.
5. Essex,
In dieser Grafschaft gehen in vielen Pfarreien Abnahme von
Personen und Cottages Hand in Hand. In nicht weniger als
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        524
22 Pfarreien hat jedoch die Häuserzerstörung den Bevölkerungsanwachs
 nicht aufgehalten, oder nicht die Austreibung bewirkt.
welche unter dem Namen „Wanderung nach den Städten“ überall
vorgeht. In Fingringhoe, einer Pfarrei von 3443 Acres, standen 1851
145 Häuser, 1861 nur noch 110, aber das Volk wollte nicht fort und
brachte es fertig, selbst unter dieser Behandlung zuzunehmen. Zu
Ramsden Crags bewohnten 1851 252 Personen 61 Häuser, aber 1861
waren 262 Personen in 49 Häuser gequetscht. In Basilden lebten
1851 auf 1827 Acres 157 Personen in 35 Häusern, am Ende des
Jahrzehnts 180 Personen in 27 Häusern. In den Pfarreien von
Fingringhoe, South Farnbridge, Widford, Basilden und Ramsden
Crags lebten 1851 auf 8449 Acres 1392 Personen in 316 Häusern.
1861 auf derselben Bodenfläche 1473 Personen in 249 Häusern.
6. Herefordshire.

Diese kleine Grafschaft hat mehr gelitten vom „Geist der Austreibung“
 als irgendeine andere in England. Zu Nadby gehören die
überstopften Cottages, meist mit 2 Schlafzimmern, großenteils den
Pächtern. Sie vermieten dieselben leicht zu 3 oder 4 Pfd. Sterl. pro
Jahr und zahlen Wochenlohn von 9 Shilling!
7. Huntingdonshire.

Hartford hatte 1851 87 Häuser, kurz nachher 19 Cottages zerstört
 in dieser kleinen Pfarrei von 1720 Acres; Einwohnerschaft
1831 452 Personen, 1852 832 und 1861 341. 14 Cots mit 1 Schlafzimmer
 untersucht. In einem 1 verheiratetes Paar, 3 erwachsene
Söhne, 1 erwachsenes Mädchen, 4 Kinder, zusammen 10; in einem
andern 3 Erwachsene, 6 Kinder. Eine dieser Stuben, worin 8 Personen
 schliefen, war 12 Fuß 10 Zoll lang, 12 Fuß 2 Zoll breit, 6 Fuß
9 Zoll hoch; Durchschnittsmaß, ohne Abzug der Vorsprünge, ergab
ungefähr 130 Kubikfuß pro Kopf. In den 14 Schlafstuben 34 Erwachsene
 und 33 Kinder. Diese Cottages selten mit Gärtchen versehen,
 aber viele der Insassen konnten kleine Fetzen Land, 10 oder
12 Shilling pro Rood (!/, Acre) pachten. Diese Bodenparzellen sind
entfernt von den abtritislosen Häusern. Die Familie muß entweder
zu ihrer Parzelle gehen, um ihre Exkremente abzulagern, oder, wie
es, mit Respekt zu melden, hier geschieht, die Schublade eine®
Schrankes damit füllen. Sobald sie voll, wird sie ausgezogen und
dort entleert, wo ihr Inhalt nötig ist. In Japan geht der Kreislauf
der Lebensbedingungen reinlicher vonstatten.

8. Lincolnshire.
_ Langtoft: Ein Mann wohnt hier in Wright's Haus mit seiner
Frau, ihrer Mutter und 5 Kindern; das Haus hat Vorderküche, Spülkammer,
 Schlafzimmer über der Vorderküche; Vorderküche und
Schlafstube 12 Fuß 2 Zoll lang, 9 Fuß 5 Zoll breit, die ganze Grundfläche
 21 Fuß 2 Zoll lang, 9 Fuß 5 Zoll breit. Die Schlafstube ist
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

625

sin Dachraum, die Wände laufen zuckerhutig an der Decke zusammen,
 und ein Klappfenster öffnet sich in der Front. Warum
Wohnte er hier? Wegen des Gartens? Nein, der ist außerordentlich
winzig. Wegen der Miete? Auch nicht. Sie ist hoch, 1 Shilling
3 Pence pro Woche. Wegen der Nähe seiner Arbeit? Nein, sie ist
5 Meilen entfernt, so daß er täglich 12 Meilen hin und her vermarschiert.
 Er wohnte da, weil es ein vermietbares Cot war, und
weil er ein Cot für sich allein haben wollte, irgendwo, zu irgendeinem
Preis, in irgendeinem Zustande. Folgendes ist die Statistik von
12 Häusern in Langtoft mit 12 Schlafstuben, 38 Erwachsenen und
36 Kindern:.

12 Häuser in Lanegtoft.

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Kennington, höchst traurig überfüllt 1859, als die Diphtherie
erschien und der Arzt des Kirchspiels eine amtliche Untersuchung
über die Lage der ärmeren Volksklasse veranstaltete. Er fand, daß
in. dieser Ortschaft, wo viel Arbeit nötig, verschiedene Cots zerstört
ınd keine neuen erbaut worden waren. In einem Bezirk standen
+ Häuser, birdcages (Vogelkäfige) benamst; jedes hatte 4 Zimmer
mit den folgenden Dimensionen in Fuß und Zoll:
Küche ........ m
Spülkammer .......
Schlafzimmer... .....
Schlafzimmer... ..........

10. Northamplonshire.
Brinworth, Pickford und Floore: In diesen Dörfern lungern im
Winter 20 bis 80 Mann aus Arbeitsmangel auf den Straßen herum.
Die Pächter bestellen nicht immer hinreichend das Korn- und Rübenland,
 und der Landlord hat es passend gefunden, alle seine Pachten
n 2 oder 3 zusammenzuwerfen. Daher Mangel an Beschäftigung.
Während von der einen Seite des Grabens das Feld nach Arbeit
schreit, werfen ihm die gepreilten Arbeiter von der andern Seite
Sehnsüchtige Blicke zu. Fieberhaft überarbeitet im Sommer und
halbverhungert im Winter, ist es kein Wunder, wenn sie in ihrem
genen Dialekt sagen, daß „the parson and gentlefolks seem frit to
leath at them“ 1682

1682 „Pfaffe und Edelmann scheinen verschworen, sie totzuhetzen.“
Das Kanpnital. I.
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        526

Siebter Abschnitt.

Zu Floore Beispiele von Paaren mit 4, 5, 6 Kindern in eineı
Schlafstube kleinster Ausgabe, ditto 3 Erwachsene mit 5 Kindern.
ditto ein Paar mit Großvater und 6 scharlachkranken Kindern usw.:
in 2 Häusern mit 2 Schlafstuben 2 Familien von je 8 und 9 Erwachsenen.

11. Wilishire,
Stratton: 31 Häuser besucht, 8 mit nur 1 Schlafstube. Pentill
in derselben Pfarrei: Ein Cot vermietet zu 1 Shilling 3 Pence
wöchentlich an 4 Erwachsene und 4 Kinder; hatte außer guten
Wänden nichts Gutes an sich, vom Estrich aus rauhgehauenen Steinen
bis zum faulen Strohdach.
2. Weorcestershire,
Hauszerstörung hier nicht ganz so arg; doch von 1851 bis 1861
vermehrte sich das Personal pro Haus von 4,2 zu 4,6 Individuen.
Badsey: Viele Cots und Gäritchen hier. Einige Pächter erklären die
Cots „a great nuisance here, because they bring the poor“. (Die Cots
großer Mißstand, weil sie die Armen herbringen.) Auf die Aeußerung
 eines Gentleman: „Die Armen sind deswegen um nichts besser
daran; wenn man 500 Cots baut, gehen sie wie die Wecken ab, in
der Tat, je mehr man davon baut, desto mehr sind nötig“ -— die
Häuser bringen nach ihm die Einwohner hervor, die naturgesetzlich
auf „die Mittel der Behausung“ drücken —, bemerkt Dr. Hunter:
„Nun, diese Armen müssen irgendwoher kommen, und da keine besondere
 Anziehungskraft, wie milde Gaben, in Badsey existiert, muß
Abstoßung von einem noch unbequemeren Platze existieren, der sie
hierhin treibt. Könnte jeder ein Cot und ein Stückchen Land in der
Nähe seines Arbeitsplatzes finden, so würde er solche sicher Badsey
vorziehen, wo er für seine Handvoll Boden zweimal soviel zahlt als
der Pächter für den seinen.“
Die beständige Auswanderung nach den Städten, die beständig®
„Ueberzähligmachung“ auf dem Lande durch Zentralisation von
Pachtungen, Verwandlung von Acker in Weide, Maschinerie usW«
und die beständige Austreibung der Landbevölkerung durch Zerstörung
 der Cottages gehen Hand in Hand. Je menschenleerer der
Distrikt, desto größer seine „relative Uebervölkerung“, desto größer
ihr Druck auf die Beschäftigungsmittel, desto größer der absolute
Ueberschuß des Landvolkes über seine Behausungsmittel, desto größer
also in den Dörfern die lokale Uebervölkerung und die pestilenzi@
lischste Menschenzusammenpackung. Die Verdichtung des Mensche»-knäuels
 in zerstreuten kleinen Dörfern und Marktflecken entspricht
der gewaltsamen Menschenentleerung auf der Oberfläche des Lande®-Die
 ununterbrochene „Ueberzähligmachung“ der Landarbeiter trotz
ihrer abnehmenden Anzahl und mit der wachsenden Masse ihre®
Produkts ist die Wiege ihres Pauperismus. Ihr eventueller Patperismus
 ist ein Motiv ihrer Verjagung und die Hauptquelle ihreß
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

627

Wohnungselends, das die letzte Widerstandsfähigkeit bricht und sie
zu reinen Sklaven der Grundherren*® und Pächter macht, so daß das
Minimum des Arbeitslohnes sich zum Naturgesetz für sie befestigt.
Anderseits ist das Land trotz seiner beständigen „relativen Uebervölkerung‘“
 zugleich untervölkert. Dies zeigt sich nicht nur lokal
auf solchen Punkten, wo der Menschenabfluß nach den Städten,
Minen, Eisenbahnbauten usw. zu rasch vorgeht, es zeigt sich überall
sowohl zur Erntezeit als im Frühling und Sommer während der
zahlreichen Momente, wo die sehr sorgfältige und intensive englische
Agrikultur Extrahände braucht. Es sind der Landarbeiter stets zu
viel für die mittleren und stets zu wenig für die ausnahmsweisen
oder zeitweisen Bedürfnisse des Landbaues.!”*® Daher findet man
in den offiziellen Dokumenten die widerspruchsvolle Klage derselben
 Orte über gleichzeitigen Arbeitsmangel und Arbeitsüberfluß

169 „Die altehrwürdige Arbeit des „hind“ [des ländlichen Tagelöhners]
verleiht selbst seiner Stellung Würde, Er ist kein Sklave, sondern ein Soldat
des Friedens und verdient einen Platz in einer Wohnung für Verheiratete,
die ihm vom Grundherrn beizustellen wäre, der von ihm ebenso Zwangsarbeit
beansprucht, wie das Land vom Soldaten. Er erhält ebensowenig den Marktpreis
 für seine Arbeit wie der Soldat für die seine, Wie der Soldat wird
auch er in jungen Jahren eingefangen, während er in seiner Unwissenheit
nur seinen eigenen Beruf und seine engste Heimat kennt, Frühe Heirat und
die Wirksamkeit der verschiedenen Ansiedelungsgeseize bedeuten für den
ainen, was die Rekrutierung und das Militärstrafrecht für den andern sind.“
(Dr. Hunter in „Public Health. 7th Report 1864, London 1865“, p. 132.)
Manchmal erweicht sich irgendein ausnahmsweise schwachherziger Landlord
über die von ihm geschaffene Einöde. „Es ist ein melancholisch Ding, allein
in seinem Land zu sein“, sagte der Graf von Leicester, als man ihm zum
Fertigbau von Hookham gratulierte, „ich schaue um mich und sehe kein
Haus außer meinem eigenen. Ich bin der Riese vom Riesenturm und habe
alle meine Nachbarn aufgegessen.“
170 Aehnliche Bewegung seit den letzten Jahrzehnten in Frankreich, im
Maße wie sich dort die kapitalistische Produktion der Agrikultur bemächtigt
und die „überzählige‘“ Landbevölkerung nach den Städten treibt. Ebenso hier
verschlechterte Wohnlichkeits- und sonstige Verhältnisse an der Quelle der
„Ueberzähligen‘“. Ueber das eigentümliche „Proletariat foncier‘“ [Bodenproletariat],
 welches das Parzellensystem ausgebrütet hat, siehe unter anderm
lie früher zitierte Schrift von Colins: „L’Economie Politique“, und Karl Marz:
„Der Achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, New York 1852, S. 56 ff.
1846 betrug die städtische Bevölkerung in Frankreich 24,42, die ländliche
75,58 pZt., 1861 die städtische 28,26, die ländliche 71,14 pZt. In den letzten
Jahren ist die Abnahme der ländlichen Prozentteile der Bevölkerung noch
zrößer. Schon 1846 sang Pierre Dupont in seinen „Ouvriers“:;
„Mal vötus, loges dans des trous,
Sous les combles, dans les decombres,
Nous vivons avec les hiboux
Et les larrons, amis des ombres,“
[„Schlecht gekleidet, hausend in Löchern, unterm Dach, im Schutt, leben
Wir mit Eulen und Dieben und lieben das Dunkel.‘}
        <pb n="673" />
        328

Siebter Abschnitt,

verzeichnet. Der zeitweise oder lokale Arbeitsmangel bewirkt keine
Erhöhung des Arbeitslohnes, sondern Pressung von Weibern und
Kindern in den Feldbau und Herabsteigen zu stets niedrigeren
Altersstufen. Sobald die Weiber- und Kinderausbeutung größeren
Spielraum gewinnt, wird sie ihrerseits ein neues Mittel zur Ueberzähligmachung
 des männlichen Landarbeiters und Niederhaltung
seines Lohnes. Im Osten Englands blüht eine schöne Frucht dieses
verderblichen Kreislaufes, aus dem kein Entrinnen — das sogenannte
Gangsystem (Gang- oder Bandensystem), worauf ich hier kurz
ZzUurückkomme.171

Das Gangsystem haust fast ausschließlich in Lincolnshire, Huntingdonshire,
 Cambridgeshire, Norfolk, Suffolk und Nottinghamshire,
 vereinzelt in den benachbarten Grafschaften von Northampton,
Bedford und Rutland. Als Beispiel diene hier Lincolnshire. Ein
großer Teil dieser Grafschaft ist neu, früheres Moor oder auch, wie
in andern der genannten östlichen Grafschaften, der See erst abgewonnenes
 Land. Die Dampfmaschine hat für die Entwässerung
Wunder gewirkt. Früherer Morast und Sandboden trägt jetzt ein
üppiges Kornmeer und die höchsten Grundrenten. Dasselbe gilt von
dem künstlich gewonnenen Marschland, wie in der Insel von
Axholme und den andern Pfarreien am Ufer des Trent. Im Maße
wie die neuen Pachten entstanden, wurden nicht nur keine neuen
Cottages gebaut, sondern alte niedergerissen, die Arbeitszufuhr aber
verschafft aus den meilenweit entfernten offenen Dörfern längs den
Landstraßen, die an Hügelrücken vorbeischlängeln. Dort hatte die
Bevölkerung früher allein Schutz vor den langanhaltenden Winterüberschwemmungen
 gefunden. Auf den Pachten von 400 bis
1000 Acres ansässige Arbeiter (sie heißen hier „confined labourers“,
[festgelegte Arbeiter] dienen ausschließlich zur dauernden schweren
und mit Pferden verrichteten Landarbeit. Auf je 100 Acres (1 Acre
= 40,49 Ar oder 1,584 preußische Morgen) kommt im Durchschnitt
kaum eine Cottage. Ein Marschlandpächter zum Beispiel sagt aus
vor der Untersuchungskommission: „Meine Pachtung erstreckt sich
über 320 Acres, alles Kornland. Sie hat keine Cottage. Ein Arbeiter
wohnt jetzt bei mir. Ich habe vier Pferdeknechte in der Umgebung
wohnen. Das leichte Werk, wozu zahlreiche Hände nötig, wird durch
Gangs vollbracht.“ 172 Der Boden erheischt viel leichtes Feldwerk,
wie Ausjäten des Unkrauts, Behackung, gewisse Düngeroperationen.
Auflesen der Steine usw. Es wird verrichtet durch die Gangs oder
organisierten Banden, deren Wohnsitz in den offenen Ortschaften.

171 Der 6. und schließliche Report der „Children’
nl 5 “ , ren’s Employment Com-(Das
 engleche tn Ende März 1867, behandelt nur das agrikole Gangeystem,
 Kuführer. © ; Wort „gaug‘“ bezeichnet einen Trupp Menschen unter einem
172 Child: » a äü .
173. „CAlldren’s Employment Commission. 6th Report.“ Evidence, p. 37
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529
Der Gang besteht aus 10 bis 40 oder 50 Personen, nämlich
Weibern, jungen Personen beiderlei Geschlechts (13 bis 18 Jahre),
&amp;gt;bgleich Jungen meist mit dem 13. Jahre ausscheiden, endlich Kindern
 beiderlei Geschlechts (6 bis 13 Jahre). An der Spitze steht
ler Gangmaster (Gangmeister), immer ein gewöhnlicher Landarbeiter,
 meist ein sogenannter schlechter Kerl, Liederjahn, unstet,
versoffen, aber mit einem gewissen Unternehmungsgeist und ge-Schäftlicher
 Gewandtheit. Er wirbt den Gang, der unter ihm
arbeitet, nicht unter dem Pächter. Mit letzterem akkordiert er
meist auf Stückwerk, und sein Einkommen, das im Durchschnitt
nicht sehr hoch über das eines gewöhnlichen Landarbeiters steigt,178
aängt fast ganz ab vom Geschick, womit er in kürzester Zeit möglichst
 viel Arbeit aus seiner Bande flüssig zu machen weiß. Die
Pächter haben entdeckt, daß Frauenzimmer nur unter männlicher
Diktatur ordentlich arbeiten, daß aber Frauenzimmer und Kinder,
wenn einmal im Zug, mit wahrem Ungestüm, was schon Fourier
wußte, ihre Lebenskraft verausgaben, während der erwachsene
männliche Arbeiter so heimtückisch ist, damit, soviel er kann, hauszuhalten.
 Der Gangmeister zieht von einem Gut zum andern und
beschäftigt so seine Bande 6 bis 8 Monate im Jahr. Seine Kundschaft
ist daher viel einträglicher und sicherer für die Arbeiterfamilien
als die des einzelnen Pächters, welcher nur gelegentlich Kinder
beschäftigt. Dieser Umstand befestigt seinen Einfluß in den offenen
Irtschaften so sehr, daß in vielen die Kinder nur durch seine Vermittlung
 dingbar sind. Individuelles Verpumpen der letzteren, geirennt
 vom Gang, bildet sein Nebengeschäft.

Dreiundzwanzigstes Kapitel.

Die „Schattenseiten“ des Systems sind die Ueberarbeit der
Kinder und jungen Personen, die ungeheuren Märsche, die sie
'äglich zu und von den 5, 6 und manchmal 7 Meilen entfernten
Gütern zurücklegen, endlich die Demoralisation des „Gangs“. Ob-Zleich
 der Gangmeister, der in einigen Gegenden „the driver“
(Treiber) heißt, mit einem langen Stabe ausgerüstet ist, wendet er
solchen jedoch nur selten an, und Klage über brutale Behandlung
ist Ausnahme. Er ist ein demokratischer Kaiser oder eine Art
Rattenfänger von Hameln. Er bedarf also der Popularität unter
seinen Untertanen und fesselt sie an sich durch das unter seiner
Gönnerschaft blühende Zigeunertum. Rohe Ungebundenheit, lustige
Ausgelassenheit und schamloseste Frechheit leihen dem Gang Flügel.
Meist zahlt der Gangmeister in einer Kneipe aus und kehrt dann
Wohl wankend, rechts und links gestützt auf ein stämmiges Frauen.
Mensch, an der Spitze des Zuges heim, die Kinder und jungen Personen
 hinterher tollend, Spott- und Zotenlieder singend. Auf dem
Rückwege ist das, was Fourier „Phanerogamie“ [öffentlicher Bei-173

 Einzelne Gangmeister jedoch haben sich zu Pächtern von 500 Acres
Mer Besitzern ganzer Häuserreihen heraufgearbeitet.
        <pb n="675" />
        Siebter Abschnitt.
schlaf] nennt, an der Tagesordnung. Die Schwängerung dreizehnund
 vierzehnjähriger Mädchen durch ihre männlichen Altersgenossen
ist häufig. Die offenen Dörfer, welche das Kontingent des Gangs
stellen, werden Sodoms und Gomorrhas!** und liefern doppelt soviel
uneheliche Geburten als der Rest des Königreichs. Was in dieser
Schule gezüchtete Mädchen als verheiratete Frauen in der Moralität
leisten, ward schon früher angedeutet. Ihre Kinder, soweit Opium
ihnen nicht den Garaus macht, sind geborene Rekruten des Gangs.
Der Gang in seiner eben beschriebenen klassischen Form heißl
öffentlicher, gemeiner oder Wandergang (public, common or tramping
 gang). Es gibt nämlich auch Privatgangs (private gangs). Sie
sind zusammengesetzt wie der Gemeingang, zählen aber wenigel
Köpfe und arbeiten, statt unter dem Gangmeister, unter einem alten
Bauernknecht, den der Pächter nicht besser zu verwenden weiß. Der
Zigeunerhumor verschwindet hier, aber nach allen Zeugenaussagen
verschlechtern sich Zahlung und Behandlung der Kinder.
Das Gangsystem, das sich seit den letzten Jahren - beständig
ausdehnt,!7® existiert offenbar nicht dem Gangmeister zuliebe. ES
existiert zur Bereicherung der großen Pächter!® respektive Grundherren.”
 Für den Pächter gibt’s keine sinnreichere Methode, sein
Arbeiterpersonal tief unter dem normalen Niveau zu halten und
dennoch für alles Extrawerk stets die Extrahand bereit zu haben;
mit möglichst wenig Geld möglichst viel Arbeit herauszuschlagen?”
und den erwachsenen männlichen Arbeiter „überzählig“ zu machen
Nach der früheren Auseinandersetzung versteht man, wenn einer
seits die größere oder geringere Beschäftigungslosigkeit des Land
mannes zugestanden, anderseits zugleich das Gangsystem wegeb
Mangels an männlicher Arbeit und ihrer Wanderung nach den

174 „Die Hälfte der Mädchen von Ludford ist ruiniert worden durch de”
Gang.“ (Ebenda, Appendix, S. 6, N. 82.)
75 „Das System hat sehr zugenommen in den letzten Jahren. In einige
Plätzen ist es erst seit kurzem eingeführt, in andern, wo es älter, werde!
mehr und jüngere Kinder in dem Gang beschäftigt.“ (Ebenda, S, 79, N. 174)
176 „Kleine Pächter wenden die Gangarbeit nicht an.“ „Sie wird nich!
angewandt auf armem Land, sondern auf Land, das 2 Pfd. Sterl. bis 2 Pfd
Sterl. 10 Shilling Rente pro Acre bringt.“ (Ebenda, S. 17, 14.)
ı77 Einem dieser Herren schmecken seine Renten so gut, daß er de!
Untersuchungskommission entrüstet erklärt, der ganze Schrei sei nur de”
Namen des Systems geschuldet. Wenn man es statt „Gang“ dahingege?
„Jugendliche industriell - agrikol - kooperative Selbsterhaltungsassoziatio»
laufe, so wäre alles in Ordnung.
178 „Gangarbeit ist wohlfeiler als andere Arbeit, das ist die Ursache:
warum sie angewandt wird“, sagt ein ehemaliger Gangmeister. (Ebend?:
5. 17, N. 14.) „Das Gangsystem ist entschieden das wohlfeilste für de”
Pächter und ebenso entschieden das verderblichste für die Kinder“, sagt ei
Pächter. (Ebenda, S, 16, N. 3.)
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

631

Städten für „notwendig“ erklärt wird.!?? Das unkrautreine Feld und
das Menschenunkraut von Lincolnshire usw. sind Pol und Gegenpol
der kapitalistischen Produktion.18%

179 „Zweifelsohne vieles jetzt von den Kindern in Gängen verrichtete
Werk wurde früher von Männern und Weibern verrichtet. Wo Weiber und
Kinder angewandt werden, sind jetzt mehr Männer arbeitslos als früher.“
\‚Ebenda, S. 43, N. 202.) Dagegen unter anderm: „Die Arbeitsfrage in
vielen Agrikulturdistrikten, besonders den kornproduzierenden, wird so
arnsthaft infolge der Auswanderung und der Leichtigkeit, welche die Eisenbahnen
 zur Entfernung nach den großen Städten bieten, daß ich (das „Ich“
st das des Landagenten eines großen Herrn) die Kinderdienste für absolut
mentbehrlich halte.“ (Ebenda, S. 80, N. 180.) Die Arbeitsfrage bedeutet
 nämlich in den englischen Agrikulturdistrikten, im Unterschied von
ler übrigen zivilisierten Welt, die Grundherren- und Pächterfrage: wie,
'rotz stets vermehrtem Abzug der Landleute, eine genügende „relative
Jebervölkerung“ auf dem Lande und dadurch das „Minimum des Arbeitslohnes‘“
 für den Landarbeiter zu verewigen sei?
0 Der früher von mir zitierte „Public Health Report“, worin bei Geiegenheit
 der Kindersterblichkeit vorübergehend von Gangsystem gehandelt
wird, blieb der Presse und daher dem englischen Publikum unbekannt. Dazegen.
 bot der letzte Bericht der „Children’s Employment Commission“ willzommenes
 „sensationelles“ Preßfutter, Während die liberale Presse frug,
wie doch die feinen Gentlemen und Ladies und Staatskirchpfründner, womit
Lincolnshire schwärmt, ein solches System auf ihren Gütern, unter ihren
Augen aufwachsen lassen konnten, Personagen, die eigene „Missionen zur
Sittenverbesserung der Südseewilden‘“ nach den Antipoden entsenden, stellte
lie feinere Presse ausschließlich Betrachtungen an über die rohe Verdorbena2eit
 der Landleute, die fähig sind, ihre Kinder in solche Sklaverei zu verzaufen!
 Unter den fluchwürdigen Umständen, worin „die Delikateren“ den
Landmann gebannt, wäre es erklärlich, wenn er seine eigenen Kinder aufiße.
 Was wirklich wunderbar, ist die Charaktertüchtigkeit, die er großenieils
 bewahrt hat. Die offiziellen Berichterstatter beweisen, daß die Eltern
jelbst in den Gangdistrikten das Gangsystem verabscheuen. „Man findet
"eichlichen Beweis in den von uns gesammelten Zeugenaussagen, daß die
ältern in vielen Fällen dankbar sein würden für ein Zwangsgesetz, welches
äe befähigen würde, den Versuchungen und dem Druck zu widerstehen,
lenen sie oft unterworfen sind. Bald treibt sie der Pfarreibeamte, bald der
Anwender unter Androhung ihrer eigenen Entlassung, die Kinder auf den
Verdienst statt in die Schule zu schicken. ... Alle verwüstete Zeit und
Kraft, alles Leid, welches außerordentliche und nutzlose Ermüdung für den
Landmann und seine Familie produziert, jeder Fall, worin die Eltern den
Noralischen Ruin ihres Kindes auf die Ueberfüllung der Cottages oder die
desudelnden Einflüsse des Gangsystems zurückleiten, stacheln in der Brust
der arbeitenden Armen Gefühle auf, die man wohl verstehen wird, und die
88 unnötig ist, näher zu zergliedern. Sie haben ein Bewußtsein darüber,
daß ihnen viel körperliche und geistige Qual angetan wird durch Umstände,
Wofür sie in keiner Weise verantwortlich sind, welchen sie, wäre es in ihrer
Macht gewesen, niemals ihre Zustimmung gegeben hätten, und wider welche
Anzukämmpfen sie ohnmächtig sind.“ (Ebenda, S. XX, N. 82, XXI N. 96.)
        <pb n="677" />
        332

Siebter Abschnitt.

f) Irland.
Zum Schluß dieses Abschnitts müssen wir noch einen Augenblick
 nach Irland wandern. Zunächst die Tatsachen, worauf es
hier ankommt.
Irlands Bevölkerung war 1841 auf 8222 664 Personen angewachsen,
 1851 auf 6623985 zusammengeschmolzen, 1861 auf
5 850 309, 1866 auf 5*/, Millionen, ungefähr auf ihr Niveau von 1801.
Die Abnahme begann mit dem Hungerjahr 1846, so daß Irland in
weniger als 20 Jahren mehr als °/,, seiner Volksmenge verlor.1%
Seine Gesamtauswanderung von Mai 1851 bis Juli 1865 zählte 1591487
Personen, die Auswanderung während der letzten 5 Jahre, 1861 bis
1865, mehr als */, Million. Die Zahl der bewohnten Häuser verminderte
 sich von 1851 bis 1861 um 52 990. Von 1851 bis 1861 wuchs
die Zahl der Pachthöfe von 15 bis 30 Aecres um 61 000, die der Pachthöfe
 über 80 Acres um 109000, während die Gesamtzahl aller
Pachten um 120 000 abnahm, eine Abnahme, die also ausschließlich
der Vernichtung von Pachten unter 15 Acres, mit andern Worten
ihrer Zentralisation geschuldet ist.
Die Abnahme der Volksmenge war natürlich im großen und
ganzen von einer Abnahme der Produktenmasse begleitet. Für
unsern Zweck genügt es, die 5 Jahre 1861 bis 1865 zu betrachten,
während deren über ?/, Million auswanderte und die absolute Volkszahl
 um mehr als */, Million sank. (Siehe Tabelle A.)

Tabelle A. Viehstand.

Jahr

Pferde

Gesamtzahl

Abnahme

(Gesamtzahl

Hornvieh
Abnahme Zunahme

1860 ..
(BL ak rk
1862. 0.000000
OS aa ak
864. .......
|865 .

619811
614 232
602 894
579 978
562 158
547 867

5993
11338
22 916
+7 820
4.991

3 606 374
3 471 688
8 254 890
3 144 231
3 262 294
3 493 414

138 316 —
216 798 —
110 695 —
118 063
231 120

Jahr

‘sıhanfea

Schweine

}+esamtzahl

\hnahme !

Zunahme

Gesamtzaht

Abnahme | Zunahme

1860. ... ..
L861....,....
(SB k nr
1868, 0.0000.
1864. .,...
1865...

3 542 080
3 556 050
3456 132
3 308 204
1366 941 .
3 688 742 I

a

99918
147 928

13.970

1.271.072
1.102 042
x 154 324
067 458
= 058 480
1299 892

169080 —
2 52 282
86866 —
8978| —
_ 241 418

59 777
821 01

3°)

{Ir

Pr

de

U

Dir

Ve.

182 Bevölkerung von Irland: 1801 53819867 Personen, 1811 6084 996,
1821 6869544, 1881 7828 347, 1841 8222 664,
        <pb n="678" />
        anitt,

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2

3

196.

Dreiundzwanzigstes Kapitel,

633

Aus der vorhergehenden Tabelle ergibt sich :1%
Pferde | Hornvieh | . Schafe Schweine
Absolute Abnahme Absolute_Abnahme Absolute Zunahme | Absolute Zunahme
72.358 116 626 146 608 28819
Wenden wir uns jetzt zum Ackerbau, der die Lebensmittel für
Vieh und Mensch liefert. In der folgenden Tabelle ist Ab- oder
Zunahme für jedes einzelne Jahr mit Bezug auf das unmittelbar
vorhergehende berechnet. Die Kornfrucht umfaßt Weizen, Hafer,
Gerste, Roggen, Bohnen und Erbsen, die Grünfrucht Kartoffeln,
Futterrüben, Mangold- und Runkelrüben, Kohl, gelbe Rüben,
Pastinaken, Wicke usw.
Tabelle B,
Zu- oder Abnahme der zum Fruchtbau und als Wiese (respektive Weide)
benutzten Bodenfläche.

Zorn-'rucht


Grünfrucht

Grasland und
Klee

Flachs

Alles zu Acker
bau und Viehzucht
 dienende
Land

Janr

Abnahme

\creg

Abnahme

Anres

Zunahme

Acres

Ab-1ahme

Acres

Zunahme

Acres

Ab- | Zunahme
 ! nahme
Aecres  Acres

Abnahme

Acres

Zunahme

Acres

861........ —
-862......0.1 —
868. ...00001 —
864. ... - — 10493
1865. ....... ] N 50150) 28 218| —
1861—1865. .|428 041]107 984| -— |; - 1|82884] — |122 850[380 860] —
Im Jahre 1865 kamen unter der Rubrik „Grasland“ 127470
Acres hinzu, hauptsächlich weil das Areal unter der Rubrik „unbenutztes
 wüstes Land und Bog (Torfmoor)“ um 101543 Acres ablahm.
 Vergleichen wir den Produktenertrag von 1865 mit 1864, so
Abnahme in Kornfrucht 246 667 Quarters, wovon 48999 Weizen,
166 605 Hafer, 29 892 Gerste usw.; Abnahme an Kartoffeln, obgleich
las Areal ihrer Bebauung 1865 wuchs, 446 398 Tonnen usw. (Siehe
Tabelle C, S. 634.)
Von der Bewegung der Bevölkerung und Bodenproduktion Irlands
 gehen wir über zur Bewegung in der Börse seiner Landlords,
srößeren Pächter und industriellen Kapitalisten. Sie spiegelt sich
m Ab und Zu der Einkommensteuer. Zum Verständnis der folgenden
Tabelle D (S. 635) sei bemerkt, daß Rubrik D (Profite mit Ausnahme
ler Pächterprofite) auch sogenannte „professionelle“ Profite einvegreift,
 das heißt die Einkommen von Advokaten, Aerzten usw., die
dicht besonders aufgezählten Rubriken C und E aber die Einnahmen
von Beamten, Offizieren, Staatssinekuristen, Staatsgläubigern usw.

"nn

182 Das Ergebnis würde sich ungünstiger stellen, wenn wir weiter
'ürückgingen. So Schafe 1865 3 688 742, aber 1856 3 694 294; Schweine 1865
1299 893, aber 1858 1409 883.
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        r

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&amp;amp; 375 - N N N

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SS 5 S

DSH DSH hd &amp;amp;
SEE) 8

Tabelle C. .
Zu- oder Abnahme in der Fläche des bebauten Bodens, dem Produkt pro Acre und dem Gesamtprodukt.
1865 verglichen mit 1864, 18
Acres bebautes Land

oA re
kt pro AG
od

Gesamtprodukt

Produkt

1864

| 1865

1865
Zunahme| Abnahme

1864 | 1865

1865
Zunahme| Abnahme
Zentner ' Zentner
0,8
1,9

864

1865

1866
Zunahme|Abnahme
Quarters | Quarters
— 48 999
166 605
29 892
1171

Quarters | Quarters
875 782| 826 785
326 332.7 659 727)
761 909| 782 017]
15160 13989
126801 182364
Tonnen | Tonnen
1039 72411 066 260, - 312 388|8 865 990
337 355| 834 2122| 3 467 6593 101 683
14 . 14 en 147 3 191 987
31821| 33622 297 3375| 350 252
801 6983| 251 N ; _ at / 64506/ 39581
L 609 569[1 678 493) 68 924 0,2 ı — [260715833 068 707! 461 554 ı
* Die Angaben des Textes sind zusammengestellt aus dem Material der „Agricultural Statistics, Ireland. General
Abstracts, Dublin“, für die Jahre 1860 ff., und „Agricultural Statistics, Ireland. Tables showing the Estimated Average Produce
 etc., Dublin 1866“, Man weiß, daß diese Statistik offiziell ist und dem Parlament jährlich vorgelegt wird.
Zusatz zur 2, Ausgabe. Die offizielle Statistik zeigt für das Jahr 1872 eine Abnahme in der Fläche des bebauten
Bodens — verglichen mit 1871 — von 134915 Aeres. Es fand „Zunahme“ statt im Anbau von Grünfrucht (Futterrüben,
Mangoldwurzel und dergleichen), „Abnahme“ in der Fläche des bebauten Bodens von 16000 Acres für Weizen, 14000 Acres
für Hafer, 4000 Aeres für Gerste und Roggen, 66 632 Acres für Kartoffeln, 34 667 Acres für Fiachs und 30000 Acres weniger
in Wiesen, Klee, Wicke und Rübsamen. Der unter Weizenkultur befindliche Boden zeigt für die letzten 5 Jahre folgende
abnehmende Stufenleiter: 1868 285 000 Acres, 1869 280000 Acres, 1870 259000 Acres, 1871 244.000 Aeres, 1872 228000 Acres.
Für 1872 finden wir in runder Zahl eine Zunahme von 2600 Pferden, 80000 Hornvieh, 68 609 Schafen und eine Abnahme
von 236 000 Schweinen.

Tomen
146 398
165 976
24.945
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        ‚nitt,

Dreiundzwanzigstes Kapitel.

635

Tabelle D.
Der Einkommensteuer unterliegende Einkommen in Irland.18*

Maar

1860 1861 1862 1863 1864 | 1865
Pfd. Sterl. | Pfad. Sterl. | Pfd. Sterl. | Pfd. Sterl. | Pfad. Ster]l. | Pfad. Sterl.

Rubrik A.
Grundrente ....
Rubrik B.
Pächterprofite, .|
Rubrik D. ,
Industrielleusw.
Profite.......} 4.546 147] 4850199
Sämtliche Rubriken
 A bis zl22 962 885122 998 394/23 597 574123 658 631123 236 298128 930 340
Unter Rubrik D betrug die Zunahme des Einkommens im
Jahresdurchschnitt von 1853 bis 1864 nur 0,93, während sie in derselben
 Periode in Großbritannien 4,58 betrug. Die folgende Tabelle
zeigt die Verteilung der Profite (mit Ausschluß der Pächterprofite)
für die Jahre 1864 und 1865:

Tabelle E.

Rubrik D.!®% Einkommen aus industriellen usw. Profiten
(über 60 Pfd. Sterl.) in Irland.

m
5

—_

Jährliche Gesamteinnahme .:......
Jährliche Einkommen über 60 und
unter 100 Pfd. SterL. ..,.........
Von der jährlichen Gesamteinnahme
Rest der jährlichen Gesamteinnahme
F

Davon........

14“

Verteilt
unter
Parsonen

fd. _Sterl. _
4368610) 17467

238626 5015
1979066 11321
2150818 1181
1083906 919
1066912} 121
430 535 | 105
646 377 26
262 610 | 5

Pfd. Sterl.
4 669 979

222 575
2028471
2418933
1.097 937
1.320 996
584 458
736 448
274 5928

1985

Verteilt
unter
Personen

18081

4.708
12 184
1194
1044
186
122
28
3

England, ein Land entwickelter kapitalistischer Produktion und
Vorzugsweise industriell, wäre verblutet an einem Volksaderlaß,
Zleich dem irischen. Aber Irland ist gegenwärtig nur ein durch
einen breiten Wassergraben abgezäunter Agrikulturdistrikt Englands,
 dem es Korn, Wolle, Vieh, industrielle und militärische Rekruten
 liefert.

184 „Tenth Report of the Commissioners of Inland Revenue. London
1866.“
185 Das jährliche Gesamteinkommen unter Rubrik D weicht hier von
der vorigen Tabelle ab wegen gewisser gesetzlich zulässiger Abzüge.
        <pb n="681" />
        336

Siebter Abschnitt.

Die Entvölkerung hat viel Land außer Bebauung geworfen, das
Bodenprodukt sehr vermindert!®® und, trotz des erweiterten Gebietes
der Viehzucht, in einigen ihrer Zweige absolute Abnahme erzeugt,
in andern kaum nennenswerten, durch beständige Rückschritte
unterbrochenen Fortschritt. Dennoch stiegen mit dem Fall der
Volksmasse fortwährend Bodenrenten und Pachtprofite, obgleich
letztere nicht so konstant wie die ersteren. Der Grund ist leicht
verständlich. Einerseits verwandelte sich mit der Zusammenwerfung
der Pachtungen und der Verwandlung von Ackerland in Viehweide
ein größerer Teil des Gesamtprodukts in Mehrprodukt. Das Mehrprodukt
 wuchs, obgleich das Gesamtprodukt, wovon es einen Bruchteil
 bildet, abnahm. Anderseits stieg der Geldwert dieses Mehrprodukts
 noch rascher als seine Masse, infolge der seit den letzten
20 und ganz besonders seit den letzten 10 Jahren steigenden eng:
lischen Marktpreise für Fleisch, Wolle usw.
Zersplitterte Produktionsmittel, die den Produzenten selbst als
Beschäftigungs- und Lebensmittel dienen, ohne sich durch Einverleibung
 fremder Arbeit zu verwerten, sind ebensowenig Kapital,
als das von seinem eigenen Produzenten verzehrte Produkt Ware
ist. Wenn mit der Volksmasse auch die Masse der in der Agrikultur
 angewandten Produktionsmittel abnahm, so nahm die Masse
des in ihr angewandten Kapitals zu, weil ein Teil früher zersplitterter
Produktionsmittel in Kapital verwandelt ward.
Das außerhalb der Agrikultur, in Industrie und Handel angelegte
Gesamtkapital Irlands akkumulierte während der letzten zwei Jahrzehnte
 langsam und unter beständigen großen Schwankungen. Um
so rascher entwickelte sich dagegen die Zentralisation seiner individuellen
 Bestandteile. Endlich, wie gering immerhin sein absolutes
Wachstum, relativ, im Verhältnis zur zusammengeschmolzenen Volkszahl,
 war es angeschwollen.
Hier entrollt sich also, unter unsern Augen, auf großer Stufenleiter,
 ein Prozeß, wie die orthodoxe Oekonomie ihn nicht schönel
wünschen konnte zur Bewähr ihres Dogmas, wonach das Elend aus
absoluter Uebervölkerung entspringt und das Gleichgewicht durch
Entvölkerung wieder hergestellt wird. Es ist dies ein ganz anderes
wichtiges Experiment als die von den Malthusianern so sehr verherrlichte
 Pest in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Nebenbei bemerkt.
War es an sich schulmeisterlich naiv, den Produktions- und ent
sprechenden Bevölkerungsverhältnissen des 19. Jahrhunderts den
Maßstab des 14. Jahrhunderts anzulegen, so übersah diese Naivitäl
noch obendrein, daß, wenn jener Pest und der sie begleitenden Bevölkerungsabnahme
 diesseits des Kanals, in England, Befreiung und

'50 Wenn das Produkt auch verhältnismäßig pro Acre abnimmt, vergesse
man nicht, daß England seit 1/2 Jahrhunderten den Boden von Irland indirekt
 exportiert hat, ohne seinen Bebauern auch nur die Mittel zum Ersatz
der Bodenbestandteile zu gönnen.
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inatz


Dreiundzwanzigstes Kapitel.

637

Bereicherung des Landvolkes, ihr jenseits, in Frankreich, größere
Knechtung und erhöhtes Elend auf dem Fuße nachfolgten.1%6*
Die Hungersnot erschlug 1846 in Irland über eine Menschenmillion,
 aber nur arme Teufel. Sie tat dem Reichtum des Landes
hicht den geringsten Abbruch. Die nachfolgende zwanzigjährige und
stets noch anschwellende Abwanderung verminderte nicht, wie etwa
der Dreißigjährige Krieg, mit den Menschen zugleich ihre Produktionsmittel.
 Das irische Genie erfand eine ganz neue Methode, ein
armes Volk Tausende von Meilen vom Schauplatz seines Elends
wegzuhexen. Die in die Vereinigten Staaten übergesiedelten Auswanderer
 schicken jährlich Geldsummen nach Haus, Reisemittel für
die Zurückgebliebenen. Jeder Trupp, der dieses Jahr auswandert,
zieht nächstes Jahr einen andern Trupp nach. Statt Irland etwas zu
kosten, bildet die Auswanderung so einen der einträglichsten Zweige
seines Exportgeschäftes. Sie ist endlich ein systematischer Prozeß,
der nicht etwa vorübergehend ein Loch in die Volksmasse bohrt,
sondern aus derselben jährlich mehr Menschen auspumpt, als der
Nachwuchs ersetzt, so daß das absolute Bevölkerungsniveau von
Jahr zu Jahr sinkt.18®
Welches waren die Folgen für die zurückbleibenden, von der
Uebervölkerung befreiten Arbeiter Irlands? Daß die relative Uebervölkerung
 heute so groß ist wie vor 1846, daß der Arbeitslohn ebenso
niedrig steht und die Arbeitsplackerei zugenommen hat, daß das
Elend auf dem Lande wieder zu einer neuen Krise drängt. Die
Ursachen sind einfach. Die Umwälzung in der Agrikultur hielt
Schritt mit der Auswanderung. Die Produktion der relativen Uebervölkerung
 hielt mehr als Schritt mit der absoluten Entvölkerung.
Ein Blick auf Tabelle B zeigt, wie die Verwandlung von Ackerbau
in Viehweide in Irland noch rascher wirken muß als in England.
Hier wächst mit der Viehzucht der Bau von Grünfrucht, dort nimmt
er ab. Während große Massen früher bestellter Aecker brachgelegt
oder in dauerndes Grasland verwandelt werden, dient ein großer
Teil des früher unbenutzten wüsten Landes und Torfmoores zur Ausdehnung
 der Viehzucht. Die kleineren und miti!leren Pächter — ich
rechne dazu alle, die nicht über 100 Acres bebauen — machen immer
noch ungefähr */, der Gesamtzahl aus.'®® Sie werden immer mehr
3868 Da Irland als das gelobte Land des „Bevölkerungsprinzips‘“ angesehen
 wird, schrieb Th. Sadler, vor der Veröffentlichung seines Werkes über
Bevölkerung, sein berühmtes Buch: „Ireland, its Evils and their Remedies,
Ind ed. London 1829“, worin er durch Vergleichung der Statistik der einzelnen
 Provinzen, und in jeder Provinz der einzelnen Grafschaften, nachweist,
 daß das Elend dort nicht, wie Malthus will, im Verhältnis zur Bevölkerungszahl
 herrscht, sondern im umgekehrten Verhältnis zu ihr.
ıseb Für die Zeit von 1851 bis 1874 beläuft sich die Gesamtzahl der
Auswanderer auf 2325 922,
186c Nach einer Tabelle in Murphy: „Ireland, Industrial, Political and
Social, 1870“, erreichen 94,6 pZt. der Pachtungen nicht die Ausdehnung von
100 Aecres, und 5.4 pZt. Pachten sind über 100 Acres groß.
        <pb n="683" />
        338

Siebter Abschnitt.

in ganz anderm Grade als zuvor von der Konkurrenz des kapitalistisch
 betriebenen Ackerbaues erdrückt und liefern daher der
Klasse der Lohnarbeiter beständig neue Rekruten.
Die einzige große Industrie Irlands, die Leinenfabrikation.
braucht verhältnismäßig wenig erwachsene Männer und beschäftigt
überhaupt, trotz ihrer Ausdehnung seit der Verteuerung der Baumwolle
 1861 bis 1866, nur einen verhältnismäßig unbedeutenden Teil
der Bevölkerung. Gleich jeder andern großen Industrie produziert sie
durch stete Schwankungen in ihrer eigenen Sphäre beständig eine
relative Uebervölkerung, selbst bei absolutem Wachstum der von
ihr absorbierten Menschenmasse. Das Elend des Landvolkes bildet
die Grundlage riesenhafter Hemdenfabriken usw., deren Arbeiterarmee
 zum größten Teil über das flache Land zerstreut ist. Wir
finden hier das früher geschilderte System der Hausarbeit wieder,
welches in Unterzahlung und Ueberarbeit seine methodischen Mittel
der „Ueberzähligmachung“ besitzt. Endlich, obschon die Entvölkerung
 nicht so zerstörende Folgen hat, wie in einem Lande entwickelter
 kapitalistischer Produktion, vollzieht sie sich nicht ohne beständigen
 Rückschlag auf den inneren Markt. Die Auswanderung läßt nicht
nur leere Häuser zurück, sondern auch ruinierte Hausvermieter.
Die Lücke, welche die Auswanderung hier schafft, verengert nich!
nur die lokale Arbeitsnachfrage, sondern auch die Einkünfte der
Kleinkrämer, Handwerker, kleinen Gewerbsleute überhaupt. Daher
der Rückgang der Einkommen zwischen 60 und 100 Pifd. Sterl. in
Tabelle E.
Eine durchsichtige Darstellung der Lage der ländlichen Tagelöhner
 in Irland findet sich in den Berichten der irischen Armenverwaltungs-Inspektoren
 (1870). Beamte einer Regierung, die
sich nur durch die Bajonette und den bald offenen, bald verhüllten
Belagerungszustand hält, müssen sie alle die Rücksichten der Sprache
beobachten, die ihre Kollegen in England verachten; trotzdem aber
erlauben sie ihrer Regierung nicht, sich in Illusionen zu wiegen.
Nach ihnen hat sich die immer noch sehr niedrige Lohnrate auf
dem Lande in den letzten 20 Jahren doch um 50 bis 60 pZt. erhöht
und steht jetzt im Durchschnitt auf 6 bis 9 Shilling die Woche. Hinter
dieser scheinbaren Erhöhung aber verbirgt sich ein wirkliches Fallen
des Lohnes, denn sie gleicht nicht einmal den inzwischen erfolgten
Preisaufschlag der notwendigen Lebensmittel aus; Beweis folgender
Auszug aus den amtlichen Rechnungen eines irischen Workhouse:
Wochendurchschnitt der Unterhaltungskosten pro Kopf.

Jahr Nahrung | Kleidung \
29. September 1848 bis 29. September 1849, ] 15h. 34 P. 3 PP.
29. CI 1868 „ 29. ” 1869..] 2 „» 74» 6
1864 „Reports from the Poor Law Inspectors on the wages of Agricultural
Labourers in Dublin, 1870.“ Vgl. auch „Agricultural Labourers (Ireland)
Return etc. dated 8th March 1861“. London 1862.

' Zusammen
1Sh.6}P.
18 „» 15»
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

639

Der Preis der notwendigen Lebensmittel ist also beinahe zweimal
 und der der Kleidung genau zweimal so hoch als vor 20 Jahren.
Selbst abgesehen von diesem Mißverhältnis, ergäbe bloße Verzleichung
 der in Geld ausgedrückten Lohnrate noch lange kein
richtiges Resultat. Vor der Hungersnot wurde die große Masse der
ländlichen Löhne in natura entrichtet, in Geld nur der kleinste Teil;
heute ist Geldzahlung Regel. Schon daraus folgt, daß, welches auch
die Bewegung des wirklichen Lohnes, seine Geldrate steigen mußte.
„Vor der Hungersnot besaß der Ackerbautagelöhner ein Stückchen
Land, worauf er Kartoffeln baute und Schweine und Geflügel zog.
Heutzutage muß er nicht nur alle seine Lebensmittel kaufen, sondern
as entgehen ihm auch die Einnahmen aus dem Verkauf von Schweinen,
 Geflügel und Eiern.“187
In der Tat flossen früher die Landarbeiter zusammen mit den
kleinen Pächtern und bildeten meistens nur die Hintersassen der
mittleren und großen Pachtungen, auf denen sie Beschäftigung fanden.
 Erst seit der Katastrophe von 1846 hatten sie angefangen, einen
Bruchteil der Klasse reiner Lohnarbeiter zu bilden, einen besonderen
Stand, der mit seinen Lohnherren nur noch durch Geldverhältnisse
verknüpft ist.
Man weiß, was ihr Wohnungszustand vor 1846 war. Seitdem
hat er sich noch verschlimmert. Ein Teil der Landtagelöhner, der
indes von Tag zu Tag abnimmt, wohnt noch auf den Ländereien der
Pächter in überfüllten Hütten, deren Scheußlichkeiten das Schlimmste
weit übertreffen, das uns die englischen Landdistrikte in dieser Art
vorführten. Und das gilt allgemein, mit Ausnahme einiger Striche
von Ulster; im Süden in den Grafschaften Cork, Limerick, Kilkenny
 usw.; im Osten in Wicklow, Wexford usw.; im Zentrum Irlands
in King’s und Queen’s County, in der Grafschaft Dublin usw.; im
Norden in den Grafschaften Down, Antrim, Tyrone usw.; endlich im
Westen in Sligo, Roscommon, Mayo, Galway usw. „Die Hütten der
Landarbeiter“, ruft einer der Inspektoren aus, „sind eine Schande
für die Religion und die Zivilisation dieses Landes.‘ Um den
Tagelöhnern ihre Wohnhöhlen anziehender zu machen, konfisziert
man systematisch die seit undenklicher Zeit dazu gehörigen Stückchen
 Land. „Das Bewußtsein dieser Art von Acht, in die sie von
den Grundherren und ihren Verwaltern getan sind, hat bei den Landlagelöhnern
 entsprechende Gefühle des Gegensatzes und Hasses hervorgerufen
 gegen jene, die sie als eine rechtliose Rasse behandeln.‘“187b

Der erste Akt der Ackerbaurevolution war, auf allergrößtem
Maßstabe und wie nach einem von oben gegebenen Losungswort,
die auf dem Arbeitsfeld gelegenen Hütten wegzufegen. Viele Arbeiter
 wurden so gezwungen, in Dörfern und Städten Schutz zu
187 Ebenda, S. 29, 1.
1874 Ebenda, S. 12.
187b Ebenda, S. 12.
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        640

Siebter Abschnitt.

suchen. Dort warf man sie wie Unrat in Dachkammern, Löcher,
Keller und in die Schlupfwinkel der schlechtesten Viertel. Tausende
irischer Familien, die sich, selbst nach dem Zeugnis von in nationalen
Vorurteilen ‚befangenen Engländern, durch ihre seltene Anhänglichkeit
 an den heimischen Herd, durch ihre sorglose Heiterkeit und
durch häusliche Sittenreinheit auszeichneten, fanden sich so plötzlich
verpflanzt in die Treibhäuser des Lasters. Die Männer müssen
jetzt Arbeit suchen bei benachbarten Pächtern und werden nur aut
den Tag gemietet, also in der unsichersten Lohnform; dabei „haben
sie jetzt weite Wege zur Pachtung und zurück zu machen, oft naß
wie die Ratten, und andern Unbilden ausgesetzt, die häufig Entkräftung,
 Krankheit und damit Elend herbeiführen“.187°
„Die Städte hatten Jahr um Jahr alles aufzunehmen, was als
Ueberschuß von Arbeitern in den Landdistrikten galt‘“,1274 und dann
wundert man sich noch, „daß in den Städten und Dörfern Ueberschuß
und auf dem Lande Mangel oder drohender Mangel an Arbeitern
herrscht!“17e Die Wahrheit ist, daß dieser Mangel nur fühlbar wird
„bei der Ernte oder im Frühjahr, zu Zeiten dringlicher Ackerbauarbeiten;
 während der andern Zeiten des Jahres bleiben viele
Hände müßig“;1®" daß „nach dem Ausnehmen der Kartoffeln, der
Haupternte, vom Oktober bis zum Beginn des nächsten Frühlings...
es kaum Beschäftigung für sie gibt“, und daß sie auch während
der beschäftigten Zeit „häufig ganze Tage verlieren und Arbeitsunterbrechungen
 aller Art ausgesetzt sind“.1sth
Diese Folgen der agrikolen Revolution, das heißt der Verwandlung
 von Ackerland in Viehweide, der Anwendung von Maschinerie,
der strengsten Arbeitsersparung usw. — werden noch verschärft
durch die Mustergrundherren, solche, die, statt ihre Renten im Auslande
 zu verzehren, so gnädig sind, in Irland auf ihren Gütern zu
wohnen. Damit das Gesetz von Nachfrage und Angebot in keiner
Weise verletzt werde, beziehen diese Herren „Jetzt fast ihren ganzen
Arbeitsbedarf aus ihren kleinen Pächtern, die so gezwungen sind,
für ihre Grundherren zu schanzen, wann immer es verlangt wird, für
einen vielfach geringeren Lohn als der der gewöhnlichen Tagelöhner,
 und das ohne alle Rücksicht auf die Unbequemlichkeiten und
Verluste, die dem Pächter daraus entstehen, daß er zur kritischen
Zeit der Saat oder der Ernte seine eigenen Felder vernachlässigen
muß.“ 1871

Die Unsicherheit und Unregelmäßigkeit der Beschäftigung, die
häufige Wiederkehr und lange Dauer der Arbeitsstockungen, alle

1870 Ebenda, S, 25
1870 Ebenda, S. 27,
‘876 Ebenda, S. 26.
ısıf Ebenda, S. 1.
1878 Ebenda, S, 32,
ı87h Ebenda, S, 25.
ı87i Ebenda, S. 30.
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‚8

Dreiundzwanzigstes Kapitel.

641

diese Anzeichen einer relativen Uebervölkerung figurieren also in
len Berichten der Inspektoren der Armenverwaltung als ebensovie]
Beschwerden des irischen Ackerbauproletariats. Man erinnert sich,
daß wir beim englischen Landproletariat ähnlichen Erscheinungen
begegnet sind. Aber der Unterschied ist, daß in England, einem
industriellen Lande, die industrielle Reserve sich auf dem Lande
rekrutiert, während in Irland, einem Ackerbauland, die Ackerbaureserve
 sich in den Städten rekrutiert, den Zufluchtsorten der vertriebenen
 Landarbeiter. In England verwandeln sich die Ueberzähligen
 des Landbaues in Fabrikarbeiter; in Irland bleiben die in
die Städte Gedrängten Landarbeiter und werden beständig aufs
Land auf Arbeitsuche zurückgeschickt, während sie gleichzeitig auf
den städtischen Lohn drücken.
Die amtlichen Berichterstatter fassen die materielle Lage des
Ackerbautagelöhners zusammen wie folgt: „Obwohl er mit der
äußersten Sparsamkeit lebt, reicht sein Lohn doch kaum hin, ihm
und seiner Familie Nahrung zu verschaffen und Miete für seine
Wohnung zu bezahlen; um sich, Weib und Kind zu kleiden, bedarf
gr weiterer Einnahmequellen. . . . Die Atmosphäre ihrer Wohnungen,
im Verein mit andern Entbehrungen, macht diese Klasse in ganz
besonderem Grade für Typhus und Schwindsucht empfänglich.“ 187%
Hiernach ist es kein Wunder, daß, nach dem einstimmigen Zeugnis
der Berichterstatter, ein finsteres Mißvergnügen die Reihen dieser
Klasse durchdringt, daß sie die Vergangenheit zurückwünscht, die
Gegenwart verabscheut, an der Zukunft verzweifelt, „sich den verwerflichen
 Einflüssen von Agitatoren hingibt“ und nur die eine fixe
Idee hat, nach Amerika auszuwandern. Das ist das Schlaraffenland,
worin das große malthusische Allheilmittel, die Entvölkerung, das
grüne Erin verwandelt hat!
Welches Wohlleben selbst die geschickten irischen Industriearbeiter
 führen, dafür genügt ein Beispiel:
„Bei meiner neulichen Inspektion des Nordens von Irland“,
Sagt der englische Fabrikinspektor Robert Baker, „fielen mir die
Bemühungen eines geschickten irischen Arbeiters auf, aus den allerdürftigsten
 Mitteln seinen Kindern Erziehung zu verschaffen. Ich
gebe seine Aussage wörtlich, wie ich sie aus seinem Munde erhielt.
Daß er eine geschickte Fabrikhand, weiß man, wenn ich sage, daß
man ihn zu Artikeln für den Manchester Markt verwendet. Johnson:
[ch bin ein Beetler und arbeite von 6 Uhr morgens bis 11 Uhr in
die Nacht, von Montag bis Freitag; Samstag endigen wir um 6 Uhr
abends und haben 3 Stunden für Mahlzeit und Erholung. Ich habe
5 Kinder. Für diese Arbeit erhalte ich 10 Shilling 6 Pence wöchentlich;
 meine Frau arbeitet auch und verdient 5 Shilling die Woche.
Das älteste Mädchen, zwölfjährig, wartet das Haus. Sie ist unsere
Köchin und einzige Gehilfin. Sie macht die Jüngeren zur Schule

187: Ebenda, S. 21, 13,
Das Kamnital. 1
        <pb n="687" />
        642

Siebter Abschnitt.

fertig. Meine Frau steht mit mir auf und geht mit mir fort. Ein
Mädchen, welches unser Haus entlang geht, weckt mich um 5*/, Uhr
morgens. Wir essen nichts, bevor wir zur Arbeit gehen. Das zwölfjährige
 Kind sorgt für die Kleineren des Tags über. Wir {frühstücken
 um 8 und gehen dazu nach Hause. Wir haben Tee einmal
die Woche; sonst haben wir einen Brei (stirabout), manchmal
von Hafermehl, manchmal von Maismehl, je nachdem wir fähig sind.
es zu beschaffen. Im Winter haben wir ein wenig Zucker und
Wasser zu unserm Maismehl. Im Sommer ernten wir einige Kartoffeln,
 womit wir selbst ein Bodenfetzehen bepflanzen, und wenn
sie zu Ende sind, kehren wir zum Brei zurück. So geht’s tagaus, tagein,
 Sonntag und Werkeltag, das ganze Jahr durch. Ich bin stets sehr
müde des Abends nach vollbrachtem Tagewerk. Einen Bissen Fleisch
sehen wir ausnahmsweise, aber sehr selten. Drei unserer Kinder
besuchen die Schule, wofür wir 1 Penny pro Kopf wöchentlich zahlen.
Unsere Hausmiete ist 9 Pence die Woche, Torf und Feuerung kosten
mindestens 1 Shilling 6 Pence vierzehntägig.“1 Das sind irische
Löhne, das ist irisches Leben!
In der Tat, das Elend Irlands ist wieder Tagesthema in England.
Ende 1866 und Anfang 1867 machte sich in der „Times“ einer der
irischen Landmagnaten, Lord Dufferin, an die Lösung. „Wie menschlich
 von solch großem Herrn!“
Aus Tabelle E sah man, daß, während 1864 von 4368 610 Pfd.
Sterl. Gesamtprofit 3 Plusmacher nur 262 610, dieselben 3 Virtuosen
der „Entsagung‘“ 1865 von 4 669979 Pfd. Sterl. Gesamtprofit dagegen
274 448 Pfd. Sterl. einsteckten, 1864 26 Plusmacher 646 377 Pfd. Sterl.,
1865 28 Plusmacher 7836 448 P{fd. Sterl., 1864 121 Plusmacher 1 066 912
Pfd. Sterl., 1865 186 Plusmacher 1 320 996 Pifd. Sterl., 1864 1131 Plusmacher
 2150818 Pfd. Sterl., beinahe die Hälfte des jährlichen Gesamtprofits,
 1865 1194 Plusmacher 2418933 Pfd. Sterl., mehr als
die Hälfte des jährlichen Gesamtprofits. Der Löwenanteil aber.
welchen eine verschwindend kleine Anzahl Landmagnaten in England,
 Schottland und Irland von der jährlichen Summe der Grundrenten
 verschlingt, ist so ungeheuerlich, daß die englische Staats
weisheit es angemessen findet, für die Verteilung der Grundrente
nicht dasselbe statistische Material zu liefern wie für die Verteilung
 des Profits. Lord Dufferin ist einer dieser Landmagnaten
Daß Pachtzinsen und Profite jemals „überzählig‘ sein können.
oder daß ihr Ueberfluß mit dem Ueberfluß des Volkselends
irgendwie zusammenhängt, ist natürlich eine ebenso „Uunanständige“
 als „ungesunde“ (unsound) Vorstellung. Er hält sich
an Tatsachen. Die Tatsache ist, daß, wie die irische Volkszahl
abnimmt, die irischen Pachtzinsen schwellen, daß die Entvölkerung
 dem Grundeigentümer „wohltut“, also auch dem Grund und
Boden, also auch dem Volk, das nur Zubehör des Bodens. Er erklärl!
also, Irland sei immer noch übervölkert und der Strom der Aus
188 „Reports of Insp, of Fact. for 31st October 1866“, p. 96.
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19=Dreiundzwanzigstes

 Kapitel.

643

wanderung fließe stets noch zu träge. Um vollständig glücklich zu
sein, müsse Irland wenigstens noch *?/, Million Arbeitsmenschen ablassen.
 Man wähne nicht, dieser obendrein noch poetische Lord
sei ein Arzt aus der Schule Sangrados, der, so oft er seinen Kranken
nicht besser fand, Aderlaß verordnete, neuen Aderlaß, bis der
Patient mit seinem Blut auch seine Krankheit verlor. Lord Dufferin
verlangt einen neuen Aderlaß von nur ?!/, Million, statt von ungefähr
2 Millionen, ohne deren Ablaß in der Tat das tausendjährige Reich
im Irland nicht herstellbar ist, Der Beweis ist leicht geliefert.
Anzahl und Umfang der Pachten in Irland 1864.

Pachten über 1, Pachten über 5, Pachten über 15,
nicht über 5 Acres nicht über 15 Acres nicht über 30 Acres
Anzahl | Acres Anzahl | Acres Anzahl | Acres
48 653 | 295394 I 82 037 | 288 916 | 176 368 | 836 310 ı 136 578 | 3 051 343

Pachten nicht über
1 Acre
Anzahl | Acres

Pachten über 30, Pachten über 50, Pachten
nicht über 50 Acres Richt über 100 Acres | über 100 Acres
Anzahl Acres Anzahl | __Acres Anzahl | Acres
71961 |2 906 274] 54 247 Is 983 880 | 31927 [8227 807 | 20 319 924
Die Zentralisation hat von 1851 bis 1861 hauptsächlich Pachten
der ersten 3 Kategorien, unter 1 und nicht über 15 Acres, vernichtet.
Sie müssen vor allem verschwinden. Dies gibt 307 058 „überzählige“
Pächter und, die Familie zum niedrigen Durchschnitt von 4 Köpfen
gerechnet, 1228232 Personen. Unter der übertriebenen Unter.
stellung, daß */, davon nach vollbrachter agrikoler Revolution wieder
ein Unterkommen finden, bleiben auszuwandern 921 174 Personen.
Die Kategorien 4, 5, 6, von über 15 und nicht über 100 Acres, sind,
wie man längst in England weiß, für den kapitalistischen Kornbau
zu klein, für Schafzucht aber fast verschwindende Größen. Unter
denselben Unterstellungen wie vorher sind also fernere 788 761 Personen
 auszuwandern, insgesamt 1709532. Und, da der Appetit
beim Essen kommt, werden die Augen der Grundherren bald entdecken,
 daß Irland mit 3*/, Millionen immer noch elend, und elend,
weil übervölkert ist, also seine Entvölkerung noch viel weiter gehen
muß, damit es seinen wahren Beruf erfülle. den einer englischen
Schaftrift und Viehweide 188

1882 Die Gesamtfläche schließt auch „Torimoor und wüstes Land“ ein.
ı88b Wie die Hungersnot und die von ihr herbeigeführten Umstände
sowohl von den einzelnen Grundeigentümern als auch von der englischen
Gesetzgebung planmäßig ausgebeutet wurden, um die Agrikulturrevolution
Fewaltsam durchzusetzen und die Bevölkerung Irlands auf das den Landlords
zusagende Maß zu verdünnen, werde ich im dritten Buch dieser Schrift, im
Abschnitt über das Grundeigentum, ausführlicher nachweisen. Ich komme
daselbst auch zurück auf die Verhältnisse der kleinen Pächter und Landarbeiter.
 Hier nur ein Zitat. Nassau W. Senior sagt unter anderm in seiner
        <pb n="689" />
        ö44

Siebter Abschnitt.

Diese einbringliche Methode hat, wie alles Gute in dieser Welt,
ihren Mißstand. Mit der Akkumulation der Grundrente in Irland
hält Schritt die Akkumulation der Irländer in Amerika. Der dureh
Schaf und Ochs beseitigte Ire ersteht auf der andern Seite des Ozeans
als rebellischer Fenier. Und gegenüber der alten Seekönigin erhebt
sich drohend und drohender die junge Riesenrepublik.
Acerba fata Romanos agunt
Scelusque fraternae necis.
[Herbes Geschick treibt die Römer umher
Und der Frevel des Brudermordes.
Horaz: Epoden, 7.7]

Vierundzwanzigstes Kapitel
Die sogenannte ursprüngliche Akkumulation.
1, Das Geheimnis der ursprünglichen Akkumulation.
Man hat gesehen, wie Geld in Kapital verwandelt, durch Kapital
Mehrwert und aus Mehrwert mehr Kapital gemacht wird. Indes
setzt die Akkumulation des Kapitals den Mehrwert, der Mehrwert
die kapitalistische Produktion, diese aber das Vorhandensein
größerer Massen von Kapital und Arbeitskraft in den Händen von
Warenproduzenten voraus. Diese ganze Bewegung scheint sich also
in einem fehlerhaften Kreislauf herumzudrehen, aus dem wir nur
hinauskommen, indem wir eine der kapitalistischen Akkumulation
vorausgehende „ursprüngliche“ Akkumulation („previous accumulation“
 bei Adam Smith) unterstellen. eine Akkumulation, welche

nachgelassenen Schrift: „Journals, Conversations and Essays relating io
{reland. 2 volumes. London 1868“, vol. II, p. 282: „Treffend bemerkte
Dr. G., wir haben unser Armengesetz und es ist ein großes Werkzeug, um
den Landlords den Sieg zu geben; ein anderes ist die Auswanderung, Kein
Freund Irlands kann wünschen, daß der Krieg (zwischen den Landlords
und den kleinen keltischen Pächtern) sich verlängere — noch weniger, daß
er mit dem Sieg der Pächter ende. , . . Je rascher er (dieser Krieg) vorüber,
je rascher Irland ein Weideland (grazing country) wird mit der verhältnismäßig
 geringen Volkszahl, die ein Weideland erheischt, desto besser für
alle Klassen.“ — Die englischen Korngesetze von 1815 sicherten Irland das
Monopol der freien Korneinfuhr nach Großbritannien. Sie begünstigten also
künstlich den Kornbau. Dies Monopol wurde 1846 mit Abschaffung der
Korngesetze plötzlich beseitigt. Von allen andern Umständen abgesehen,
reichte dies Ereignis allein hin, der Verwandlung von irischem Ackerland in
Viehweide, der Zentralisation der Pachthöfe und der Vertreibung der Kleindauern
 einen mächtigen Aufschwung zu geben. Nachdem man von 1815 bis
1846 die Fruchtbarkeit des irischen Bodens gerühmt und laut erklärt, er
zei von der Natur selbst zum Weizenbau bestimmt, entdecken von da an
plötzlich die englischen Agronomen, Oekonomen, Politiker, daß er zu nichts
passe, als Grünfutter zu produzieren! Herr L6once de Lavergne hat sich
beeilt, dies jenseits des Kanals zu wiederholen. Es gehört ein „ernsthafter“‘
Mann wie Herr Lavergne dazu, sich von solchen Kindereien fangen zu lassen.
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545
nicht das Resultat der kapitalistischen Produktionsweise ist, sondern
ihr Ausgangspunkt. i
Diese ursprüngliche Akkumulation spielt in der politischen
Oekonomie ungefähr dieselbe Rolle wie der Sündenfall in der
Theologie. Adam biß in den Apfel und damit kam über das Menschengeschlecht
 die Sünde. Ihr Ursprung wird erklärt, indem er
als Anekdote der Vergangenheit erzählt wird. In einer längst verflossenen
 Zeit gab es auf der einen Seite eine fleißige, intelligente
und vor allem sparsame Elite und auf der andern faulenzende, ihr
alles, und mehr, verjubelnde Lumpen. So kam es, daß die ersteren
Reichtum akkumulierten und die letzteren schließlich nichts zu verkaufen
 hatten als ihre eigene Haut. Seitdem besteht die Armut der
großen Masse, die immer noch, aller Arbeit zum Trotz, nichts zu
verkaufen hat als sich selbst, und der Reichtum der wenigen, der
fortwährend wächst, obgleich sie längst aufgehört haben zu arbeiten.
Die Legende vom theologischen Sündenfall läßt uns allerdings
erkennen, warum der Mensch dazu verdammt worden ist, sein Brot
im Schweiße seines Angesichts zu essen; die Historie vom ökonomischen
 Sündenfall aber füllt eine schmerzlich empfundene Lücke
aus, indem sie uns enthüllt, wieso es Leute gibt, die das keineswegs
nötig haben.
Solche faden Kindereien werden immer wieder von neuem
wiedergekäut. Herr Thiers zum Beispiel wagte es noch mit staatsleierlichem
 Ernst, derartiges den einst so geistreichen Franzosen
vorzusetzen, in einem Buche, in dem er die heillosen Angriffe des
Sozialismus gegen das Eigentum in nichts aufgelöst zu haben vermeint.
 Sobald die Eigentumsirage ins Spiel kommt, wird es eben
heilige Pflicht, den Standpunkt der Kinderfibel als den allen
Altersklassen und Entwicklungsstufen allein gerechten festzuhalten.!8°
 In der wirklichen Geschichte spielen bekanntlich Eroberung,
 Unterjochung, Raubmord, kurz Gewalt die große Rolle.
In der sanften politischen Oekonomie herrschte von jeher die Idylle.
Recht und „Arbeit“ waren von jeher die einzigen Bereicherungsmittel,
 natürlich mit jedesmaliger Ausnahme von „diesem Jahr“. In
der Tat sind die Methoden der ursprünglichen Akkumulation alles
andere, nur nicht idyllisch.
Geld und Ware sind nicht von vornherein Kapital, so wenig
wie Produktions- und Lebensmittel. Sie bedürfen der Verwandlung
in Kapital. Diese Verwandlung selbst aber kann nur unter be-18%
 Goethe, geärgert durch diese Alfanzereien. verspotiet sie in folgender
 „Katechisation“:
Lehrer: Bedenk, o Kind, woher sind diese Gaben?
Du kannst nichts von Dir selber haben.
Kind: Ei, alles hab’ ich vom Papa.
Lehrer: Und der, woher hat’s der?
Kind: Vom Großpapa.
Lehrer: Nicht doch! Woher hat’s denn der Großpapa bekommen?
Kind: Der hat's genommen.
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        46

Siebter Abschnitt.

stimmten Umständen vorgehen, die sich dahin zusammenspitzen:
Zweierlei sehr verschiedene Sorten von Warenbesitzern müssen sich
gegenüber- und in Kontakt miteinander treten, einerseits Eigner
von Geld, Produktions- und Lebensmitteln, denen es gilt, die von
ihnen geeignete Wertsumme zu verwerten durch Ankauf fremder
Arbeitskraft; anderseits freie Arbeiter, Verkäufer der eigenen Arbeitskraft
 und daher Verkäufer von Arbeit. Freie Arbeiter in dem
Doppelsinn, daß weder sie selbst unmittelbar zu den Produktionsmitteln
 gehören, wie Sklaven, Leibeigene usw., noch auch die
Produktionsmittel ihnen gehören, wie beim selbstwirtschaftenden
Bauer usw., sie davon vielmehr frei, los und ledig sind. Mit dieser
Spaltung des Warenmarktes sind die Grundbedingungen der kapitalistischen
 Produktion gegeben. Das Kapitalverhältnis setzt die Scheidung
 zwischen den Arbeitern und dem Eigentum an den Verwirklichungsbedingungen
 der Arbeit voraus. Sobald die kapitalistische
Produktion einmal auf eigenen Füßen steht, erhält sie nicht nur jene
Scheidung, sondern reproduziert sie auf stets wachsender Stufenleiter.
 Der Prozeß, der das Kapitalverhältnis schafft, kann also
nichts anderes sein als der Scheidungsprozeß des Arbeiters vom
Eigentum an seinen Arbeitsbedingungen, ein Prozeß, der einerseits
die gesellschaftlichen Lebens- und Produktionsmittel in Kapital verwandelt,
 anderseits die unmittelbaren Produzenten in Lohnarbeiter.
Die sogenannte ursprüngliche Akkumulation ist also nichts als der
historische Scheidungsprozeß von Produzent und Produktionsmittel.
Er erscheint als „ursprünglich“, weil er die Vorgeschichte des Kapitals
 und der ihm entsprechenden Produktionsweise bildet.
Die ökonomische Struktur [der wirtschaftliche Aufbau] der
kapitalistischen Gesellschaft ist hervorgegangen aus der ökonomischen
 Struktur der feudalen Gesellschaft. Die Auflösung dieser hat
die Elemente jener freigesetzt.
Der unmittelbare Produzent, der Arbeiter, konnte erst dann
über seine Person verfügen, nachdem er aufgehört hatte, an die
Scholle gefesselt und einer andern Person leibeigen oder hörig zu
sein. Um freier Verkäufer von Arbeitskraft zu werden, der seine
Ware überall hinträgt, wo sie einen Markt findet, mußte er ferner
der Herrschaft der Zünfte, ihren Lehrlings- und Gesellenordnungen
und hemmenden Arbeitsvorschriften entronnen sein. Somit erscheint
die geschichtliche Bewegung, die die Produzenten in Lohnarbeiter
verwandelt, einerseits als ihre Befreiung von Dienstbarkeit und
Zunfizwang; und diese Seite allein existiert für unsere bürgerlichen
Geschichtschreiber. Anderseits aber werden diese Neubefreiten erst
Verkäufer ihrer selbst, nachdem ihnen alle ihre Produktionsmittel
und alle durch die alten feudalen Einrichtungen gebotenen Garantien
ihrer Existenz geraubt sind. Und die Geschichte dieser ihrer Expropriation
 beruht nicht auf bloßen Mutmaßungen. Sie ist in die
Geschichte der Menschheit eingeschrieben mit unverlöschlichen
Zügen von Blut und Feuer.
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

647

Die industriellen Kapitalisten, diese neuen Machthaber, mußten
ihrerseits nicht nur die zünftigen Handwerksmeister verdrängen,
sondern auch die im Besitz der Reichtumsquellen befindlichen
Feudalherren. Von dieser Seite stellt sich ihr Emporkommen dar
als Frucht eines siegreichen Kampfes gegen die Feudalmacht und
ihre empörenden Vorrechte sowie gegen die Zünfte und die Fesseln,
die diese der freien Entwicklung der Produktion und der freien Ausbeutung
 des Menschen durch den Menschen angelegt. Die Ritter von
der Industrie brachten es jedoch nur fertig, die Ritter vom Degen zu
verdrängen, dadurch, daß sie Ereignisse ausbeuteten, zu denen sie
gar nichts beigetragen hatten. Sie haben sich emporgeschwungen
durch Mittel, ebenso gemein wie die, wodurch der römische Freigelassene
 sich einst zum Herrn seines Patronus [seines Schutzherrn].
gemacht hat.
Der Ausgangspunkt der Entwicklung, die sowohl den Lohnarbeiter
 wie den Kapitalisten erzeugt, war die Knechtschaft des
Arbeiters. Der Fortschritt, den sie erreichte, bestand in einem
Formwechsel dieser Knechtung, in der Verwandlung der feudalen
in kapitalistische Ausbeutung. Um ihren Gang zu verstehen,
brauchen wir gar nicht so weit zurückzugreifen. Obgleich die ersten
Anfänge kapitalistischer Produktion uns schon im 14. und 15. Jahrhundert
 in einigen Städten am Mittelmeer vereinzelt entgegentreten,
datiert das kapitalistische Zeitalter erst vom 16. Jahrhundert. Dort,
wo es auftritt, ist die Aufhebung der Leibeigenschaft längst vollbracht
 und der Glanzpunkt des Mittelalters, der Bestand freier
Städte, seit geraumer Zeit im Erbleichen,
Historisch epochemachend in der Geschichte der ursprünglichen
Akkumulation sind alle Umwälzungen, die der sich bildenden
Kapitalistenklasse als Hebel. dienen; vor allem aber die Momente,
worin große Menschenmassen plötzlich und gewaltsam von ihren
Lebensmitteln losgerissen und als vogelfreie Proletarier auf den
Arbeitsmarkt geschleudert werden. Die Expropriation des ländlichen
 Produzenten, des Bauern, von Grund und Boden bildet die
Grundlage des ganzen Prozesses. Wir haben sie also zuerst zu betrachten.
 Ihre Geschichte nimmt in verschiedenen Ländern verschiedene
 Färbung an und durchläuft die verschiedenen Phasen in
verschiedener Reihenfolge und in verschiedenen Geschichtsepochen.
Nur in England, das wir daher als Beispiel nehmen, besitzt sie
klassische Form.18%

189 In Italien, wo die kapitalistische Produktion sich am frühesten entwickelt,
 findet auch die Auflösung der Leibeigenschaftsverhältnisse am frühesten
 statt. Der Leibeigene wird hier befreit, bevor er irgendein Recht der
Verjährung an Grund und Boden gesichert hat. Seine Befreiung verwandelt
ihn also sofort in einen vogelfreien Proletarier, der überdem in den meist
schon aus der Römerzeit überlieferten Städten die neuen Herren fertig vorfindet.
 Als die Revolution des Weltmarktes seit Ende des 15. Jahrhunderts
das Uebergewicht des Handels Norditaliens vernichtete, entstand eine Be-
        <pb n="693" />
        548

Siebter Abschnitt.

2. Expropriation des Landvolkes von Grund und Boden.
In England war die Leibeigenschaft im letzten Teil des 14. Jahrhunderts
 tatsächlich verschwunden. Die ungeheure Mehrzahl der
Bevölkerung * bestand damals und noch mehr im 15. Jahrhundert
aus freien, selbstwirtschaftenden Bauern, durch welches feudales
Aushängeschild ihr Eigentum immer versteckt sein mochte, Auf
den größeren herrschaftlichen Gütern war der früher selbst leibeigene
 Bailiff (Vogt) durch den freien Pächter verdrängt. Die Lohnarbeiter
 der Agrikultur bestanden teils aus Bauern, die ihre Mußezeit
 durch Arbeit bei großen Grundeigentümern verwerteten, teils
aus einer selbständigen, relativ und absolut wenig zahlreichen
Klasse eigentlicher Lohnarbeiter. Auch letztere waren tatsächlich
zugleich selbstwirtschaftende Bauern, indem sie außer ihrem Lohn
Ackerland zum Belauf von 4 oder mehr Acres nebst Cottages angewiesen
 erhielten. Sie genossen zudem mit den eigentlichen
Bauern die Nutznießung des Gemeindelandes, worauf ihr Vieh
weidete und das ihnen zugleich die Mittel der Feuerung, Holz,
Torf usw. bot.191
In allen Ländern Europas ist die feudale Produktion durch
Teilung des Bodens unter möglichst viele Untersassen charakterisiert.
Die Macht des Feudalherrn, wie die jedes Souveräns, beruhte nicht
auf dem Betrag seiner Pachtzinsen, sondern auf der Zahl seiner
Untertanen, und letztere hing von der Zahl selbstwirtschaftender

wegung in umgekehrter Richtung. Die Arbeiter der Städte wurden massenweise
 aufs Land getrieben und gaben dort der nach Art des Gartenbaues getriebenen,
 kleinen Kultur einen nie gesehenen Aufschwung.
190 „Die kleinen Grundeigentümer, die ihre eigenen Felder mit eigener
Hand bebauten und eines bescheidenen Wohlstandes sich erfreuten ...
bildeten damals einen weit wichtigeren Teil der Nation als jetzt. . .. Nicht
weniger als 160 000 Grundeigentümer, die mit ihren Familien mehr ak
47 der Gesamtbevölkerung ausgemacht haben müssen, lebten von der Bewirtschaftung
 kleiner Freehold-Hufen (Freehold ist vollfreies Eigentum).
Das Durechschnittseinkommen dieser kleinen Grundbesitzer wird auf 60 bis
70 Pfd Sterl. geschätzt. Es wurde berechnet, daß die Zahl derer, die ihren
eigenen Grundbesitz bebauten, größer war als die der Pächter fremden
Bodens.“ (Macaulay: „History of England. 10th ed. London 1854“, vol. ],
p. 833, 8334.) Noch im letzten Dritteil des 17. Jahrhunderts waren */s der
englischen Volksmasse agrikol. (Ebenda, S. 413.) — Ich zitiere Macaulay,
weil er als systematischer Geschichtsfälscher derartige Tatsachen möglichst
„beschneidet“,
191 Man muß nie vergessen, daß selbst der Leibeigene nicht nur Eigentümer,
 wenn auch tributpflichtiger Eigentümer, der zu seinem Hause gehörigen
 Bodenparzellen war, sondern auch Miteigentümer des Gemeindelandes,
 „Der Bauer ist hier (in Schlesien) Leibeigener.“ Nichtsdestoweniger
besitzen diese Leibeigenen Gemeindegüter, „Man hat die Schlesier noch nicht
zur Teilung der Gemeindegüter bringen können, während es in der Neumark
kaum ein Dorf gibt, wo diese Teilung nicht mit dem größten Erfolg durchgeführt
 worden wäre.“ (Mirabeau: „De la Monarchie Prussienne. Londres
1788“, vol. IL, p. 125, 126.)
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Vierundzwanzigstes Kapitel.
Bauern ab.!*? Obgleich der englische Boden daher nach der normännischen
 Eroberung in riesenhafte Baronien verteilt ward, wovon
eine einzige oft 900 alte angelsächsische Lordschaften einschloß, war
er besät von kleinen Bauernwirtschaften, nur hier und da durch,
brochen von größeren herrschaftlichen Gütern. Solche Verhältnisse,
bei gleichzeitiger Blüte des Städtewesens, wie sie das 15. Jahrhundert
 auszeichnet, erlaubten jenen Volksreichtum, den der Kanzler
 Fortescue so beredt in seinen „Laudibus Legum Angliae“ schildert,
 aber sie schlossen den Kapitalreichtum aus.
Das Vorspiel der Umwälzung, welche die Grundlage der kapitalistischen
 Produktionsweise schuf, ereignet sich im letzten Drittel
des 15. und den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts. Eine
Masse vogelfreier Proletarier ward auf den Arbeitsmarkt geschleudert
 durch die Auflösung der feudalen Gefolgschaften, die,
wie Sir James Steuart richtig bemerkt, „überall nutzlos Haus und
Hof füllten“. Obgleich die königliche Macht, selbst ein Produkt der
bürgerlichen Entwicklung, in ihrem Streben nach absoluter Herrschaft
 die Auflösung dieser Gefolgschaften gewaltsam beschleunigte,
war sie keineswegs deren einzige Ursache. Vielmehr im trotzigsten
Gegensatz zu Königtum und Parlament, schuf der große Feudalherr
ein ungleich größeres Proletariat durch gewaltsame Verjagung der
Bauernschaft von dem Grund und Boden, worauf sie denselben
feudalen Rechtstitel besaß wie er selbst, und durch Usurpation,
widerrechtliche Aneignung, ihres Gemeindelandes.
Den unmittelbaren Anstoß dazu gab in England namentlich das
Aufblühen der flandrischen Wollmanufaktur und das entsprechende
Steigen der Wollpreise. Den alten Feudaladel hatten die großen
Feudalkriege verschlungen, der neue war ein Kind seiner Zeit, für
welche Geld die Macht aller Mächte. Verwandlung von Ackerland
in Schafweide ward also sein Losungswort. Harrison, in seiner
„Description of England. Prefixed to Holinshed’s Chronicles“, beschreibt,
 wie die Expropriation der kleinen Bauern das Land ruiniert.
„What care our great incroachers!“ (Was fragen unsere großen
Usurpatoren danach?) Die Wohnungen der Bauern und die Cottages
der Arbeiter wurden gewaltsam niedergerissen oder dem Verfall
geweiht. „Wenn man“, sagt Harrison, „die älteren Urkunden jedes
Rittergutes vergleichen will, so wird man finden, daß unzählige
Häuser und kleine Bauernwirtschaften verschwunden sind, daß das
Land viel weniger Leute nährt, daß viele Städte verfallen sind, obgleich
 einige neue aufblühen. ... Von Städten und Dörfern, die man
für Schaftriften zerstört hat, und worin nur noch die Herrschaftshäuser
 stehen, könnte ich etwas erzählen.“
192 Japan, mit seiner rein feudalen Organisation des Grundeigentums
und seiner entwickelten Kleinbauernwirtschaft, liefert ein viel treueres Bild
des europäischen Mittelalters als unsere sämtlichen, meist von bürgerlichen
Vorurteilen diktierten Geschichtsbücher. Es ist gar zu bequem, auf Kosten
des Mittelalters „liberal“ zu sein.

649
        <pb n="695" />
        350

Siebter Abschnitt.

Die Klagen jener alten Chroniken sind immer übertrieben, aber
sie zeichnen genau den Eindruck der Revolution in den Produktionsverhältnissen
 auf die Zeitgenossen selbst. Ein Vergleich zwischen
den Schriften der Kanzler Forteseue und Thomas Morus veranschaulicht
 die Kluft zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert. Aus ihrem
goldenen Zeitalter, wie Thornton richtig sagt, stürzte die englische
Arbeiterklasse ohne alle Zwischenübergänge in das eiserne.
Die Gesetzgebung erschrak vor dieser Umwälzung. Sie stand
noch nicht auf der Zivilisationshöhe, wo „Wealth of the Nation“,
[»Nationalreichtum“], das heißt Kapitalbildung und rücksichtslose
Ausbeutung und Verarmung der Volksmasse als Gipfel aller Staatsweisheit
 gelten. In seiner Geschichte Heinrich VII. sagt Baco:
„Um diese Zeit (1489) mehrten sich die Klagen über Verwandlung
von Ackerland in Weide (zur Schaftrift usw.), leicht zu versehen
durch wenige Hirten; und Pachtungen auf mehrere Jahre, auf Lebzeit
 und auf jährliche Kündigung (wovon ein großer Teil der
Yeomen [Freisassen] lebte) wurden in Herrengüter verwandelt. Dies
brachte einen Verfall des Volkes hervor und infolgedessen einen
Verfall von Städten, Kirchen, Zehnten. ... In der Abstellung dieses
Mi$standes war die Weisheit des Königs und des Parlaments zu
dieser Zeit bewundernswert. .. . Sie ergriffen Maßregeln wider
diese entvölkernde Usurpation der Gemeindeländereien (depopulating
 inclosures) und die ihr auf dem Fuße folgende entvölkernde
Weidewirtschaft (depopulating pasture).“
Ein Akt Heinrich VIL, 1489, c. 19, verbot die Zerstörung aller
Bauernhäuser, zu denen wenigstens 20 Acres Land gehörten. In
einem Akt 25, Heinrich VIII., wird dasselbe Gesetz erneuert. Es
heißt unter anderm, daß „viele Pachtungen und große Viehherden,
besonders Schafe, sich in wenigen Händen aufhäufen, wodurch die
Grundrenten sehr gewachsen und der Ackerbau (tillage) sehr verfallen,
 Kirchen und Häuser niedergerissen, erstaunlich große Volksmassen
 die Mittel verloren haben, sich selbst und Familien zu erhalten“.
 Das Gesetz verordnet daher die Wiedererbauung der verfallenen
 Bauernhöfe, bestimmt das Verhältnis zwischen Kornland
und Weideland usw. Ein Akt von 1533 klagt, daß manche Eigentümer
 24000 Schafe besitzen, und beschränkt deren Zahl auf
2000.198
Die Volksklage und die seit Heinrich VII. an 150 Jahre fortdauernde
 Gesetzgebung wider die Expropriation der kleinen Pächter
und Bauern waren gleich fruchtlos. Das Geheimnis ihrer Erfolglosigkeit
 verrät uns Baco wider Wissen. „Der Akt Heinrich VIL“, sagt
er in seinen „Essays, civil and moral“, Sect. 20, „war tief und bewunderungswürdig,
 indem er Landwirtschaften und Ackerbauhäuser

19 In seiner „Utopia“ spricht Thomas Morus von dem sonderbaren
Land, wo „Schafe die Menschen auffressen“, („Utopia, transl. Robinson,
ed. Arber. London 1869“, p. 41. [Uebersetzung von Dr. Ignaz Emanuel
Wessely. München 1896, 8. 38.]
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

551

von bestimmtem Normalmaß schuf, das heißt eine Ausdehnung von
Land für sie erhielt, die sie befähigte, Untertanen von genügendem
Reichtum und ohne knechtische Lage auf die Welt zü setzen und
den Pflug in der Hand von Eigentümern, nicht von Mietlingen zu
halten“ („to keep the plough in the hand of the owners and not
hirelings‘“).19%*
Was die kapitalistische Produktion erheischte, war umgekehrt
knechtische Lage der Volksmasse, ihre eigene Verwandlung in Mietlinge
 und Verwandlung ihrer Arbeitsmittel in Kapital. Während
dieser Uebergangsperiode suchte die Gesetzgebung auch die 4 Acres
Land bei der Cottage des ländlichen Lohnarbeiters zu erhalten, und
verbot ihm die Aufnahme von Mietsleuten in seine Cottage. Noch
1627, unter Jakob I., wurde Roger Crocker von Front Mill verurteilt
wegen Baues einer Cottage auf dem Herrensitz von Front Mill ohne
4. Acres Land als beständiges Zubehör derselben; noch 1638, unter
Karl I, wurde eine königliche Kommission ernannt, um die Durchführung
 der alten Gesetze, namentlich auch über die 4 Acres Land,
zu erzwingen; noch Cromwell verbot Erbauung eines Hauses in
4 Meilen weitem Umkreis von London ohne Ausstattung desselben
mit 4 Acres Land. Noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts
wird geklagt, wenn die Cottage des Landarbeiters kein Zubehör von
1 bis 2 Acres hat. Heutzutage ist er glücklich, wenn sie mit einem
Gärichen ausgestattet ist, oder wenn er weitab von ihr ein Paar
Ruten Land mieten kann.ı „Grundherren und Pächter“, sagt
Dr. Hunter, „handeln hier Hand in Hand. Wenige Acres zur Cottage
würden den Arbeiter zu unabhängig machen.“ 19*

1932 Baco setzt den Zusammenhang zwischen einer freien wohlhabenden
Bauernschaft und guter Infanterie auseinander, „Es war außerordentlich
wichtig für die Macht und Gesittung des Königreiches, Pachtungen zu haben
von genügendem Maße, um tüchtige Männer außer Not zu halten, und einen
großen Teil des Bodens des Königreiches festzubinden im Besitz der Yeomanry
 oder von Leuten mittlerer Lage zwischen Edelleuten und Häuslern
(cottagers) und Bauernknechten, ... Denn es ist die allgemeine Meinung
der hervorragendsten Kriegskenner ... daß die Hauptstärke einer Armee in
der Infanterie oder dem Fußvolk besteht. Aber um eine gute Infanterie zu
bilden, braucht man Leute, die nicht in knechtischer oder dürftiger Weise,
sondern frei und in einer gewissen Wohlhabenheit aufgewachsen sind. Wenn
ein Staat daher allzumeist in Edelleute und feine Herren afsschlägt, während
Landleute und Pflüger deren bloßes Arbeitsvolk oder Ackerknechte sind,
oder auch Häusler, das heißt behauste Bettler, mögt ihr eine gute Reiterei
haben, aber niemals gutes standhaftes Fußvolk. ... Man sieht dies in Frankreich
 und Italien und einigen andern auswärtigen Gegenden, wo in der Tat
alles Adel oder elende Bauernschaft . . . so sehr, daß sie gezwungen sind,
Lohnbanden von Schweizern und dergleichen für ihre Infanteriebataillone
anzuwenden; woher es auch kommt, daß diese Nationen viel Volk und
wenig Soldaten haben.“ („The Reign of Henry VII ete. Verbatim Reprint
from Kennet’s England, ed. 1719. London 1870“, p. 308.)
194 Dr. Hunter in „Public Health. 7th Report 1864, London 1865“, p. 134.
— „Das Ausmaß Land, das (in den alten Gesetzen) angewiesen wurde,
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        552

Siebter Abschnitt.

Einen neuen furchtbaren Anstoß erhielt der gewaltsame Expropriationsprozeß
 der Volksmasse im 16. Jahrhundert durch die
Reformation und, in ihrem Gefolge, den kolossalen Diebstahl der
Kirchengüter. Die katholische Kirche war zur Zeit der Reformation
Feudaleigentümerin eines großen Teiles des englischen Grund und
Bodens. Die Unterdrückung der Klöster usw. schleuderte deren
Einwohner ins Proletariat. Die Kirchengüter selbst wurden großenteils
 an raubsüchtige königliche Günstlinge verschenkt oder zu
einem Spottipreis an spekulierende Pächter und Stadtbürger verkauft,
welche die alten erblichen Untersassen massenhaft verjagten und
ihre Wirtschaften zusammenwarfen. Das gesetzlich garantiert”
Eigentum verarmter Landleute an einem Teil der Kirchenzehnten
ward stillschweigend konfisziert.1% „Pauper ubique jacet“ [überall
Ändet man Arme“], rief Königin Elisabeth nach einer Rundreise
durch England. Im 43. Jahre ihrer Regierung war man endlich gezwungen,
 den Pauperismus offiziell anzuerkennen durch Einführung
der Armensteuer. „Die Urheber dieses Gesetzes schämten sich, seine
Gründe auszusprechen, und schickten es daher, wider alles Herkommen,
 ohne irgendein Preamble (Eingangsmotivierung) in die
Welt.**® Durch 16, Karl 1, 4 wurde es für dauernd erklärt und erhielt
 in der Tat erst 1834 eine neue härtere Form.1? Diese unmittelwürde

 heute als zu groß betrachtet werden und eher als dazu geeignet, sie
in kleine Pächter zu verwandeln.“ (George Roberis: „The Social History
of the People of the Southern Counties of England in past centuries. London
1856‘, p. 184, 185.)
195 „Das Recht der Armen auf einen Anteil am Kirchenzehnten ist festgestellt
 durch den Wortlaut alter Satzungen.“ (J. D. Tuckett: „A History of
t!he Past and Present State of the Labouring Population. London 1846“, vol. II,
p. 804, 805.)
198 William Cobbelt: „A History of the Protestant Reformation“, $ 471.
197 Den protestantischen „Geist“ ersieht man unter anderm aus folgendem.
 Im Süden Englands steckten verschiedene Grundeigentümer und wohlhabende
 Pächter die Köpfe zusammen und setzten über die richtige Auslegung
 des Armengesetzes der Elisabeth zehn Fragen auf, die sie einem
berühmten Juristen jener Zeit, Sergeant Snigge (später Richter unter
Jakob I.), zum Gutachten vorlegten. „Neunte Frage: Einige der reichen
Pächter der Pfarrei haben einen klugen Plan ausgeheckt, wodurch alle Wirre
in Ausübung des *Aktis beseitigt werden kann. Sie schlagen den Bau eines
Gefängnisses in der Pfarrei vor. Jedem Armen, der sich nicht in vorbesagtes
Gefängnis einsperren lassen will, soll die Unterstützung versagt werden. Es
soll dann der Nachbarschaft Anzeige gemacht werden, daß, wenn irgendeine
Person geneigt, die Armen dieser Pfarrei zu pachten, sie versiegelte Vorschläge
 eingeben soll, an einem bestimmten Tage, zum niedrigsten Preise,
wozu sie selbe uns abnehmen will. Die Urheber dieses Planes unterstellen,
daß es in den Nachbargrafschaften Personen gibt, die unwillig sind zu arbeiten,
 und ohne Vermögen oder Kredit, um eine Pacht oder ein Schiff zu
erwerben, so daß sie ohne Arbeit leben könnien („SO as te live without
labour“). Solche dürften geneigt sein, der Pfarrei sehr vorteilhafte Vorschläge
 zu machen, Sollten hier und da Arme unter des Mieters (der Armen)
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

653

baren Wirkungen der Reformation waren nicht ihre nachhaltigsten.
Das Kircheneigentum bildete das religiöse Bollwerk der altertümlichen
 Grundeigentumsverhältnisse. Mit seinem Fall waren sie nicht
länger haltbar.1%
Noch in den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts war die
Yeomanry, eine unabhängige Bauernschaft, zahlreicher als die Klasse
der Pächter. Sie hatte die Hauptstärke Cromwells gebildet und
stand, selbst nach Macaulays Geständnis, in vorteilhaftem Gegensatz
 zu den versoffenen Mistjunkern und ihren Bedienten, den Landpfaffen,
 welche die herrschaftliche „Lieblingsmagd“ unter die Haube
bringen mußten. Noch waren selbst die ländlichen Lohnarbeiter
Mitbesitzer am Gemeindeeigentum. 1750 ungefähr war die Yeomanry
verschwunden*** und in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts

Obhut kaput gehen, so wird die Sünde an seiner Tür liegen, da die Pfarrei
ihre Pflichten gegen selbige Arme erfüllt hätte. Wir fürchten jedoch, daß
der gegenwärtige Akt keine Klugheitsmaßregel (prudential measure) dieser
Art erlaubt; aber Sie müssen wissen, daß der Rest der Freeholders [unabhängigen
 Grundbesitzer] dieser Grafschaft und der anliegenden sich uns anschließen
 wird, um ihre Unterhausmitglieder zur Vorlage eines Gesetzes
anzutreiben, welches Einsperrung und Zwangsarbeit der Armen gestattet, so
daß jede Person, welche sich der Einsperrung widerseizt, zu keiner Unterstützung
 berechtigt sein soll. Dies, so hoffen wir, wird Persenen im Elend
abhalten, Unterstützung zu beanspruchen („will prevent persons in distress
from wanting relief“).“ (R. Blakey: „The History of Political Literature from
ihe earliest times. London 1855“, vol. II, p. 84, 85.) — In Schottland fand die
Abschaffung der Leibeigenschaft Jahrhunderte später statt als in England,
Noch 1698 erklärte Fletcher von Salhoun im schottischen Parlament: „Die
Zahl der Bettler ist in Schottland auf nicht weniger als 200000 geschätzt.
Das einzige Hilfsmittel, welches ich, ein Republikaner von Prinzip, vorschlagen
kann, ist, den alten Zustand der Leibeigenschaft wieder herzustellen und
aus allen denen Sklaven zu machen, die unfähig sind, für ihre eigene Erhaltung
 zu sorgen.“ So Eden: „The State of the Poor“, vol. I, ch. 1, p. 60, 61:
„Die Abnahme der Leibeigenschaft scheint notwendigerweise den Pauperismus
 mit sich gebracht zu haben. Manufakturen und Handel sind die
beiden Erzeuger der Armen unserer Nation.“ Eden, wie jener schottische
Republikaner von Prinzip, irrt nur darin, daß nicht die Aufhebung der Leibeigenschaft,
 sondern die Aufhebung des Eigentums des Ackerbauers an
Grund und Boden ihn zum Proletarier respektive Pauper machte. — Englands
 Armengesetzen entspricht in Frankreich, wo sich die Expropriation
in anderer Weise vollzog, die Ordonnanz von Moulins, 1571, und das Edikt
von 1656.
198 Herr Rogers, obgleich damals Professor der politischen Oekonomie
an der Universität zu Oxford, dem Stammsitz protestantischer Orthodoxie,
betont in seiner Vorrede zur „History of Agriculture“ die Pauperisierung der
Volksmasse durch die Reformation.
199 „A Letter to Sir T. C, Banbury, Brt.: On the High Price of Provisions.
 By a Suffolk Gentleman. Ipswich 1795“, p. 4. Selbst der fanatische
Verteidiger des großen Pachtwesens, der Verfasser der „AInquiry into the
Connection of large farms ete. London 1778“, p. 183, sagt: „Ich beklage den
Verlust unserer Yeomanry ganz außerordentlich, dieser Schar von Männern.
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        654

Siebter Abschnitt.

die letzte Spur von Gemeindeeigentum der Ackerbauer,. Wir sehen
hier ab von den rein ökonomischen Triebfedern der Agrikulturrevolution.
 Wir fragen nach ihren gewaltsamen Hebeln.
Unter der Restauration [nach der Wiedereinsetzung] der Stuarts
setzten die Grundeigentümer eine Usurpation [einen Raub] gesetzlich
durch, die sich überall auf dem Kontinent auch ohne gesetzliche Weitläufigkeit
 vollzog. Sie hoben die Feudalverfassung des Bodens auf,
das heißt sie schüttelten seine Leistungspflichten an den Staat ab,
„entischädigten“ den Staat durch Steuern auf die Bauernschaft und
übrige Volksmasse, beanspruchten modernes Privateigentum an
Gütern, worauf sie nur Feudaltitel besaßen, und zwangen schließlich
den Landarbeitern Englands jene Niederlassungsgesetze (laws of
settlement) auf, die aus ihnen ebenso ein Zubehör der Gemeinde
machten, wie des Tataren Boris Godunof Edikt die russischen Bauern
in ein Zubehör ihrer Scholle verwandelte.
Die „glorious Revolution“ (glorreiche Revolution) brachte mit
dem Oranier Wilhelm 111? die grundherrlichen und kapitalistischen
Plusmacher zur Herrschaft. Sie weihten die neue Aera ein, indem
sie den bisher nur bescheiden betriebenen Diebstahl an den Staatsgütern
 auf kolossaler Stufenleiter ausübten. Diese Ländereien wurden
 verschenkt, zu Spottpreisen verkauft, oder auch durch direkte
Usurpation an Privatgüter angegliedert.?!1 Alles das geschah ohne
die geringste Beobachtung gesetzlicher Formen. Das so betrügerisch
angeeignete Staatsgut samt der Beute aus dem Kirchenraub, soweit
sie während der republikanischen Revolution nicht abhanden kam,
bildet die Grundlage der heutigen fürstlichen Besitztümer der engdie

 in der Tat die Unabhängigkeit unseres Volkes aufrechterhielten, und es
lut mir leid, ihre Grundstücke num in der Hand monopolisierender Lords zu
sehen, verpachtet an kleine Farmer, deren Pachtrecht an solche Bedingungen
geknüpft ist, daß sie kaum besser daran sind als Knechte, die bei jeder
unheilvollen Gelegenheit der Entlassung gewärtig sein müssen.“
200 Ueber die Privatmoral dieses bürgerlichen Helden unter anderm:
„Die bedeutenden Landzuweisungen an Lady Orkney in Irland im Jahre
1695 sind ein öffentliches Beispiel für des Königs Zuneigung und den Einfiuß
 der Dame, . .. Man nimmt an, die wertvollen Dienste der Lady Orkney
hätten bestanden in — foeda labiorum ministeria [schmutzigen Liebesdiensten].“
 (In der Sloane Manuscript Collection, auf dem britischen Museum,
Nr. 4224. Das Manuskript ist betitelt: „The character and behaviour of King
William, Sunderland etc. as represented in Original Letters to the Duke of
Shrewsbury from Somers, Halifax, Oxford, Secretary Vernon ete.“ Es ist
voller Kuriosa.)
201 „Die illegale Veräußerung der Krongüter, teils durch Verkauf und
teils durch Schenkung, bildet ein skandalöses Kapitel in der englischen Geschichte
 , , , eine gigantische Prellerei der Nation (gigantic fraud on the
nation).“ (F. W., Newman: „Lectures on Political Economy. London 1851“,
pP. 129, 130.) — Hier fügt Engels den Hinweis ein: „Wie die heutigen englischen
 Großgrundbesitzer zu ihrem Besitz kamen, im einzelnen nachzusehen
in „Our old Nobility. By Noblesse Oblige. London 1879.“ KEK.
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

655

lischen Oligarchie.?°* Die bürgerlichen Kapitalisten begünstigten die
Operation, unter anderm um den Grund und Boden in einen reinen
Handelsartikel zu verwandeln, das Gebiet des agrikolen Großbetriebes
auszudehnen, ihre Zufuhr vogelfreier Proletarier vom Lande zu vermehren
 usw. Zudem war die neue Grundaristokratie die natürliche
Bundesgenossin der neuen Bankokratie, der eben aus dem Ei gekrochenen
 hohen Finanz und der damals auf Schutzzölle sich stützenden
 großen Manufakturisten. Die englische Bourgeoisie handelte
für ihr Interesse ganz so richtig wie die schwedischen Stadtbürger,
die umgekehrt, Hand in Hand mit ihrem ökonomischen Bollwerk, der
Bauernschaft, die Könige in der gewaltsamen Wiedereinziehung der
von der Aristokratie gestohlenen Kronländereien (seit 1604, später
unter Karl X. und Karl XI.) unterstützten.
Das Gemeindeeigentum — durchaus verschieden von dem eben
betrachteten. Staatseigentum — war eine altgermanische Einrichtung,
die unter der Decke der Feudalität fortlebte. Man hat gesehen,
wie die gewaltsame Usurpation desselben, meist begleitet von. Verwandlung
 des Ackerlandes in Viehweide, Ende des 15. Jahrhunderts
beginnt und im 16. Jahrhundert fortdauert. Aber damals vollzog
sich der Prozeß als individuelle Gewalttat, wogegen die Gesetzgebung
 150 Jahre lang vergeblich ankämpft. Der Fortschritt des
18. Jahrhunderts offenbart sich darin, daß das Gesetz selbst jetzt
zum Beförderungsmittel des Raubes am Volksland wird, obgleich
die großen Pächter nebenbei auch ihre kleinen unabhängigen Privatmethoden
 anwenden. Die parlamentarische Form des Raubes ist
die der „Bills for Inclosures of Commons“ (Gesetze für Einhegung
des Gemeidelandes), in andern Worten Dekrete, wodurch die Grundherren
 Volksland sich selbst als Privateigentum schenken, Dekrete
der Volksexpropriation. Sir F. M. Eden widerlegt sein pfilfiges
Advokatenplädoyer, worin er das Gemeindeeigentum als Privateigentum
 der an die Stelle der Feudalen getretenen großen Grundeigentümer
 darzustellen sucht, indem er selbst einen „allgemeinen
Parlamentsakt für Einhegung der Gemeindeländereien“ verlangt,
also zugibt, daß ein parlamentarischer Staatsstreich zu ihrer Verwandlung
 in Privateigentum nötig ist, anderseits aber von der Gesetzgebung
 „Schadenersatz“ für die expropriierten Armen fordert.?*

202 Man lese zum Beispiel E. Burkes Schrift über das herzogliche Haus
von Bedford, dessen Sprosse Lord John Russell, „the tomtit of liberalism“
(„das nette Kerlchen des Liberalismus“).
208 „Die Pächter verbieten den Cottagers (Häuslern), irgendein lebendiges
 Wesen außer sich selbst zu erhalten, unter dem Vorwand, daß, wenn
sie Vieh oder Geflügel hielten, sie von den Scheunen Futter stehlen würden.
Sie sagen auch, haltet die Cottagers arm, und ihr haltet sie fleißig. Die
Wirkliche Tatsache aber ist, daß die Pächter so das ganze Recht an den
Gemeindeländereien usurpieren.“ („A Political Enquiry into the Consequences
of enclosing Waste Lands. London 1785“, p. 75.)
204 Eden: „The State of the Poor“, Vorrede,
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        56

Siebter Abschnitt.

Während an die Stelle der unabhängigen Yeomen Tenants-atwill
 traten, kleinere Pächter auf einjährige Kündigung, eine unterwürfige
 und von der Willkür der Landlords abhängige Rotte, half,
neben dem Raub der Staatsgüter, namentlich der systematisch betriebene
 Diebstahl des Gemeindeeigentums jene großen Pachten anschwellen,
 die man im 18. Jahrhundert Kapitalpachten?® oder Kaufmannspachten
 *® nannte, und das Landvolk als Proletariat für die
Industrie „fIreisetzen“.
Das 18. Jahrhundert begriff jedoch noch nicht in demselben
Maße wie das 19., daß Nationalreichtum und Volksarmut dasselbe
bedeuten. Daher heftigste Polemik in der ökonomischen Literatur
jener Zeit über die Einhegungen von Gemeindeländereien. Ich gebe
aus dem massenhaften Material, das mir vorliegt, einige wenige
Stellen, weil dadurch lebhaft die Zustände veranschaulicht werden.
„In vielen Pfarreien von Hertfordshire“, schreibt eine entrüstete
Feder, „sind 24 im Durchschnitt 50 bis 150 Acres zählende Pachten
in 3 Pachten zusammengeschmolzen.“ 207 „In Northamptonshire
und Lincolnshire hat die Einhegung der Gemeindeländereien sehr
vorgeherrscht und die meisten aus den Einhegungen entsprungenen
neuen Lordschaften sind in Weide verwandelt; in Folge davon haben
viele Lordschaften jetzt nicht 50 Acres unter dem Pflug, wo früher
1500 gepflügt wurden. ... Ruinen früherer Wohnhäuser, Scheunen,
Ställe usw.“ sind die einzigen Spuren der früheren Einwohner.
„100 Häuser und Familien sind an manchen Plätzen zusammengeschrumpft
 ... auf 8 oder 10. ... Der Grundeigentümer in den
meisten Pfarreien, wo die Einhegung erst seit 15 oder 20 Jahren
vorging, sind sehr wenige in Vergleich zu den Zahlen, von denen
das Land im offenen Feldzustand bebaut wurde. Es ist nichts Ungewöhnliches,
 4 oder 5 reiche Viehmäster große, jüngst eingehegte
Lordschaften usurpieren zu sehen, die sich früher in der Hand von
20 bis 30 Pächtern und von ebenso vielen kleineren Eigentümern
und Insassen befanden. Alle diese sind mit ihren Familien aus
ihrem Besitztum herausgeworfen, nebst vielen andern Familien, die
durch sie beschäftigt und erhalten wurden.“ 208
Es war nicht nur brachliegendes Land, sondern oft solches, das
gemeinschaftlich oder gegen bestimmte Zahlung an die Gemeinde
bebaut wurde, das sich der angrenzende Landlord unter dem Vorwande
 der Einhegung aneignete. „Ich spreche hier von der Ein-205

 „Capital-farms.‘“ („Two Letters on the Flour Trade and ihe Dearaess
 of Corn. By a Person in Business, London 1767“, p- 19, 20.)
206 „Merchant-farms,“ („An Inquiry into the Present High Prices of
Provisions. London 1767“, pP. 11 n.) Diese gute Schrift, die anonym erschien,
verfaßt von dem Reverend Nathaniel Forster.
37 Thomas Wright: „A short address to the Public on the Monopoly of
large farms, 1779“, pP. 2, 3.
208 Reverend Addington: „Enquiry into the Reasons for or against
enclosing open fields. London 1772“, p. 37—43 passim.
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

657

hegung offener Felder und Ländereien, die bereits bebaut sind.
Selbst die Schriftsteller, welche die Einhegungen verteidigen, geben
zu, daß letztere die Monopolstellung der Pachtungen vermehren, die
Preise der Lebensmittel erhöhen und Entvölkerung produzieren...
und selbst die Einhegung wüster Ländereien, wie jetzt betrieben,
raubt dem Armen einen Teil seiner Lebensmittel und schwellt Pachlungen
 auf, die bereits zu groß sind.“ 2%
„Wenn“, sagt Dr. Price, „das Land in die Hände einiger weniger
großen Pächter gerät, werden die kleinen Pächter (früher von ihm
bezeichnet als „eine Menge kleiner Eigentümer und Pächter, die sich
selbst und ihre Familien erhalten durch das Produkt des von ihnen
bestellten Landes, durch Schafe, Geflügel, Schweine usw., die sie auf
das Gemeindeland schicken, so daß sie wenig Anlaß zum Kauf von
Lebensmitteln haben“) verwandelt in Leute, die ihren Lebensunterhalt.
 durch Arbeit für andere gewinnen müssen und gezwungen sind,
für alles, was sie brauchen, zu Markt zu gehen. ... Es wird viel
leicht mehr Arbeit verrichtet, weil mehr Zwang dazu herrscht. ...
Städte und Manufakturen werden wachsen, weil mehr Leute zu
ihnen verjagt werden, welche Beschäftigung suchen. Dies ist der
Weg, worin die Konzentration der Pachtungen naturgemäß wirkt,
und worin sie, seit vielen Jahren, in diesem Königreich tatsächlich
gewirkt hat.“ 210
Er faßt die Gesamtwirkung der Einhegungen so zusammen:
„Im ganzen hat sich die Lage der niederen Volksklassen fast in jeder
Hinsicht. verschlechtert, die kleineren Grundbesitzer und Pächter
sind herabgedrückt auf den Stand von Tagelöhnern und Mietlingen;
und zur selben Zeit ist der Lebensgewinn in diesem Zustand
achwieriger geworden.‘ 211

209 Dr. R. Price: „Observations on Reversionary Payments, 6th ed. By
W. Morgan. London 1805“, vol. II, p. 155. Man lese Forster, Addington, Kent,
Price und James Anderson, und vergleiche das elende Sykophantengeschwätz
MacCullochs in seinem Katalog: „The Literature of Political Economy.
London 1845.“
210 Ebenda, S. 147.
211 Ebenda, S. 159. Man erinnert sich an das alte Rom. „Die Reichen
hatten sich des größten Teiles der ungeteilten Ländereien bemächtigt. Sie
vertrauten den Zeitumständen, daß sie ihnen nicht mehr abgenommen würden,
 und kauften daher die in ihrer Nähe gelegenen Stücke der Armen, zum
Teil mit deren Willen, zum Teil nahmen sie sie ihnen mit Gewalt, so daß
sie nur mehr weit ausgedehnte Landgüter statt einzelner Felder bebauten.
Sie gebrauchten dabei Sklaven zum Landbau und zur Viehzucht, weil ihnen
freie Leute weg von der Arbeit zum Kriegsdienst genommen worden wären.
Der Besitz von Sklaven brachte ihnen auch insofern großen Gewinn, als
Sich diese wegen ihrer Befreiung vom Kriegsdienst ungefährdet vermehren
konnten und eine Menge Kinder bekamen. So zogen die Mächtigen durchaus
 allen Reichtum an sich und die ganze Gegend wimmelte von Sklaven.
Der Italer dagegen wurden immer weniger, aufgerieben wie sie waren durch
Armut, Abgaben und Kriegsdienst. Traten aber auch Zeiten des Friedens
Das Kapital. I. 19
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        858

Siebter Abschnitt.

In der Tat wirkten Usurpation des Gemeindelandes und die sie
begleitende Revolution der Agrikultur so akut auf die Ackerbauarbeiter,
 daß, nach Eden selbst, zwischen 1765 und 1780 ihr Lohn
anfing unter das Minimum zu fallen und durch behördliche Armenunterstützung
 ergänzt zu werden. Ihr Arbeitslohn, sagt er, „genügte
nur noch eben für die absoluten Lebensbedürfnisse“.
Hören wir noch einen Augenblick einen Verteidiger der Einhegungen
 und Gegner des Dr. Price. „Es ist kein richtiger Schluß,
daß Entvölkerung vorhanden, weil man Leute nicht länger ihre
Arbeit im offenen Feld verschwenden sieht. ... Wenn nach Verwandlung
 kleiner Bauern in Leute, die für andere arbeiten müssen,
mehr Arbeit flüssig gemacht wird, so ist das ja ein Vorteil, den
die Nation (wozu die Verwandelten natürlich nicht gehören) wünschen
 muß. ... Das Produkt wird größer sein, wenn ihre vereinigte
Arbeit auf einer Pachtung angewandt wird: so wird Mehrprodukt
für die Manufakturen gebildet, und dadurch werden Manufakturen,
eine der Goldgruben dieser Nation, im Verhältnis zum produzierten
Kornquantum vermehrt.“ 212
Die stoische Seelenruhe, womit der politische Oekonom frechste
Schändung des „heiligen Rechtes des Eigentums“ und gröbste Gewalttat
 wider Personen betrachtet, sobald sie erheischt sind, um die
Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise herzustellen, zeigt
uns unter andern der überdem noch torystisch gefärbte und „philanthropische“
 Sir F. M. Eden. Die ganze Reihe von Raubtaten, Greueln
und Volksdrangsalen, welche die gewaltsame Volksexpropriation
vom letzten Drittel des 15, bis zum Ende des 18. Jahrhunderts begleiten,
 treibt ihn nur zur „tröstlichen“ Schlußreflexion: „Das richtige
 (due) Verhältnis zwischen ‘Acker- und Viehland mußte hergestellt
 werden. Noch im ganzen 14. und größten Teile des 15. Jahrhunderts
 kam 1 Acre Viehweide auf 2, 3 und selbst 4 Acres. Ackerland.
 In der Mitte des 16. Jahrhunderts verwandelte sich die Proportion
 in 2 Acres. Viehland auf 2, später von 2 Acres Viehweide
auf 1 Acre Ackerland, bis endlich das richtige Verhältnis von 3 Acres
Viehland auf 1 Acre Ackerland herauskam.“

ein, so waren sie zu vollkommener Untätigkeit verdammt, weil die Reichen
im Besitze des Bodens waren, und statt freier Leute Sklaven zum Ackerbau
brauchten.“ (Appian: „Römische Bürgerkriege“, 1. Buch, 1. Kap., 7.) Diese
Stelle bezieht sich auf die Zeit vor dem licinischen Gesetze. Der Kriegs“
dienst, der den Ruin der römischen Plebejer so sehr beschleunigte, war
Auch ein Hauptmittel, wodurch Karl der Große die Verwandlung freier
deutscher Bauern in Hörige und Leibeigene treibhausmäßig förderte.
212 „An Inquiry into the Connection between the present Prices of
Provisions ete.“, p. 124, 129. Aehnlich, aber mit entgegengesetzter TendenZ’
„Die Arbeiter werden von ihren Cottages vertrieben und in die Städte gejagt
um dort Arbeit zu suchen; — doch dadurch wird ein größerer Ueberschuß
gewonnen, und so vermehrt sich das Kapital.“ („The Perils of the Nation
2nd ed. London 1843“, p. XIV.)
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

659

Im 19. Jahrhundert verlor sich natürlich selbst die Erinnerung
des Zusammenhanges zwischen Ackerbauer und Gemeindeeigentum.
Von späterer Zeit gar nicht zu reden, welchen Pfennig Ersatz erhielt
das Landvolk jemals für die 3511 770 Acres Gemeindeland, die ihm
zwischen 1801 und 1831 geraubt und parlamentarisch den Landlords
von den Landlords geschenkt wurden?
Der letzte große Expropriationsprozeß der Ackerbauer von
Grund und Boden endlich ist das sogenannte Clearing of Estates
(Lichten der Güter, in der Tat Wegfegung der Menschen von denselben).
 Alle bisher betrachteten englischen Methoden fanden ihren
Höhepunkt im „Lichten“. Wie man bei der Schilderung des
modernen Zustandes im vorigen Abschnitt sah, geht es jetzt, wo
keine unabhängigen Bauern mehr wegzufegen sind, bis zum „Lichten“
der Cottages fort, so daß die Ackerbauarbeiter auf dem Boden, den
sie bestellen, selbst nicht mehr den nötigen Raum zur eigenen Behausung
 finden. Was aber „Clearing of Estates“, im eigentlichen
Sinne bedeutet, das lernen wir nur kennen im gelobten Lande der
modernen Romanliteratur, in Hochschottland. Dort zeichnet sich der
Vorgang aus durch seinen systematischen Charakter, durch die Größe
der Stufenleiter, worauf er mit einem Schlage vollzogen wird (in
Irland haben Grundherren es dahin gebracht, mehrere Dörfer gleichzeitig.
 wegzufegen; in Hochschotiland handelt es sich um Bodenfächen
 von der Größe deutscher Herzogtümer) — und endlich durch
die besondere Form des unterschlagenen Grundeigentums,
Die Kelten Hochschottlands bestanden aus Clans, deren jeder
Eigentümer des von ihm besiedelten Bodens war. Der Repräsentant
des Clans, sein Häuptling oder „großer Mann“, war nur Titulareigentümer
 dieses Bodens, ganz wie die Königin von England Titulareigentümerin
 des nationalen Gesamtbodens ist. Als der englischen
Regierung gelungen war, die inneren Kriege dieser „großen Männer“
und ihre fortwährenden Einfälle in die niederschottischen Ebenen
zu unterdrücken, gaben die Clanhäuptlinge ihr altes Räuberhandwerk
keineswegs auf; sie änderten nur die Form. Aus eigener Autorität
verwandelten sie ihr Titulareigentumsrecht in Privateigentumsrecht,
und da sie fanden, daß die Clanleute, deren Blut sie nicht mehr zu
vergießen brauchten, ihnen bei ihrem Bereicherungsstreben Widerstand
 entgegensetzten, beschlossen sie, diese Clanleute mit offener
Gewalt zu vertreiben. „Ein König von England könnte mit demselben
 Recht sich anmaßen, seine Untertanen in die See zu jagen“,
Sagt Professor Newman.??* Diese Revolution, welche in Schottland
nach der letzten Schilderhebung des Prätendenten begann, kann man
in ihren ersten Phasen verfolgen bei Sir James Steuart?!* und James
218 FF, W. Newman: „Lectures on Political Economy. London 1851“, p. 132.
214 Steuart sagt: „Die Rente dieser Länder (er überträgt irrtümlich die
ökonomische Kategorie der Grundrente auf den Tribut der Fronarbeiter
[taskmen] an den Clanhäuptling) ist durchaus unbedeutend im Vergleich zu ihrem
Umfang, aber, was die Personenzahl betrifft, welche eine Pacht erhält, wird
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        660

Siebter Abschnitt.

Anderson.2® Von Steuart erfahren wir, daß zu seiner Zeit, dem
letzten Drittel des 18, Jahrhunderts, das schottische Hochland noch
im kleinen ein Bild des Zustandes bot, in dem sich Europa 400 Jahre
vorher befand. Als man zu Steuarts Zeit anfing, die Gälen vom
Lande zu verjagen, wurde ihnen gleichzeitig die Auswanderung verboten,
 um sie gewaltsam nach Glasgow und andern Fabrikstädten
zu treiben.218
Als Beispiel der im 19. Jahrhundert herrschenden Methode?!”
genügen hier die „Lichtungen“ der Herzogin von Sutherland. Diese
ökonomisch geschulte Person beschloß gleich bei ihrem Regierungsantritt,
 eine ökonomische Radikalkur vorzunehmen und die ganze
Grafschaft, deren Einwohnerschaft durch frühere, ähnliche Prozesse
bereits auf 15000 zusammengeschmolzen war, in Schaftriften zu verwandeln.
 Von 1814 bis 1820 wurden diese 15000 Einwohner, ungefähr
 3000 Familien, systematisch verjagt und ausgerottet. Alle ihre
Dörfer wurden zerstört und niedergebrannt, alle ihre Felder in
Weide verwandelt. Britische Soldaten wurden zur Exekution kommandiert
 und kamen zu Schlägen mit den Eingeborenen. Eine alte

man vielleicht finden, daß ein Stück Boden in den Hochlanden von Schottland
zehnmal mehr Leute ernährt, als Land von demselben Wert in den reichsten
Provinzen.“ („Works ete., ed. by General Sir James Steuart, his son. London
 1801“, vol. I, ch. 16, p. 104.)
25 James Anderson: „Observations on the means of exeiting a spirit of
National Industry etc. Edinburgh 1777.“
216 1860 wurden gewaltsam Expropriierte nach Kanada exportiert unter
falschen Versprechungen. Einige flohen in die Berge und benachbarten
Eilande. Sie wurden von Polizisten verfolgt, kamen zum Handgemenge mit
ihnen und entkamen.
217 „In den Hochlanden“, sagt Buchanan, der Kommentator A. Smiths,
1814, „wird der alte Eigentumszustand täglich gewaltsam umgewälzt. ..-Der
 Landlord, ohne Rücksicht auf die Erbpächter (auch dies ist hier irrig
angewandte Kategorie), bietet das Land dem höchsten Bieter an, und wenn
dieser ein Verbesserer (improver) ist, führt er unmittelbar ein neues Kultursystem
 ein. Der Boden, früher übersät mit kleinen Bauern, war im Verhältnis
 zu seinem Produkt bevölkert; unter dem neuen System verbesserter
Kultur und vermehrter Renten wird größtmögliches Produkt zu möglichst
geringen Kosten erhalten, und zu diesem Behufe werden die nun nulzlos gewordenen
 Hände entfernt. ... Die Auswürflinge des Heimlandes suchen
einen Lebensunterhalt in den Fabrikstädten usw.“ (David Buchanan:!
„Observations on etc. A. Smith’s Wealth of Nations. Edinburgh 1814“, vol. IV,
pP. 144.) „Die schottischen Großen haben Familien expropriiert, wie sie Unkraut
 ausroden würden, sie haben Dorfschaften und ihre Bevölkerung behandelt,
 wie die Indier in ihrer Rache die Höhlen wilder Bestien. ,.. Der
Mensch wird verschachert für ein Schafvlies oder eine Hammelkeule, ja für
weniger. ,,, Bei dem Einfall in die Nordprovinzen Chinas schlug man im
Mongolenrat vor, die Einwohner auszurotten und ihr Land in Weide zu verwandeln.
 Diesen Vorschlag haben viele hochschottische Landlords in ihrem
eigenen Land gegen ihre eigenen Landsleute ausgeführt.“ (George Ensor:
„An Inquiry concerning the Population of Nations. London 1818“, p. 215, 216.)
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Vierundzwanzigstes Kapitel. 661
Frau verbrannte in den Flammen der Hütte, die sie zu verlassen sich
weigerte. So eignet sich diese Madame 794 000 Aeres Land an, das
seit undenklichen Zeiten dem Clan gehörte. Den vertriebenen Eingeborenen
 wies sie am Seegestade ungefähr 6000 Acres zu, 2 Acres
pro Familie. Die 6000 Aeres hatten bisher wüst gelegen und den
Eigentümern kein Einkommen abgeworfen. Die Herzogin ging in
ihrem Nobelgefühl so weit, den Acre im Durchschnitt zu 2 Shilling
6 Pence Rente zu verpachten an die Clanleute, die seit Jahrhunderten
ihr Blut für die Familie vergossen hatten. Das ganze geraubte Clanland
 teilte sie in 29 große Schafpachtungen, jede bewohnt von einer
einzigen Familie, meist englische Pächterknechte. Im Jahre 1825
waren die 15000 Gälen bereits ersetzt durch 131000 Schafe. Der
an das Seegestade geworfene Teil der Eingeborenen suchte vom
Fischfang zu leben. Sie wurden Amphibien und lebten, wie ein
englischer Schriftsteller sagt, halb auf dem Land und halb auf dem
Wasser und lebten mit alledem nur halb von beiden.21s
Aber die braven Gälen sollten noch schwerer ihre bergromantische
 Verehrung für die „großen Männer“ des Claus abbüßen. Der
Fischgeruch stieg den großen Männern in die Nase. Sie witterten
etwas Profitliches dahinter und verpachteten das Seegestade den
großen Fischhändlern von London. Die Gälen wurden zum zweitenmal
 verjagt.?19
Endlich aber wird ein Teil der Schaftriften rückverwandelt in
Jagdrevier. Man weiß, daß es keine eigentlichen Wälder in England
gibt. Das Wild in den Parks der Großen ist konstitutionelles Hausvieh,
 fett wie Londoner Aldermen [Ratsherren]. Schottland ist daher
das letzte Asyl der „noblen Passion“.
„In den Hochlanden“, sagt Somers 1848, „sind die Waldungen
sehr ausgedehnt worden.?®* Hier auf der einen Seite von Gaick

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218 Als die jetzige Herzogin von Sutherland die Frau Beecher Stowe,
Verfasserin von „Onkel Toms Hütte“, mit großem Prunk in London empfng,
ım ihre Sympathie für die Negersklaven der amerikanischen Republik auszustellen
 — was sie, nebst ihren Mitaristokratinnen, wohlweise während des
Bürgerkrieges unterließ, wo jedes „noble‘“ englische Herz für die Sklavenhalter
 schlug —, stellte ich in der „New York Tribune“ die Verhältnisse der
Sutherlandschen Sklaven dar. (Stellenweise ausgezogen von Carey in „The
Slave Trade. London 1853“, S. 202, 203.) Mein Artikel ward in einem
schottischen Blatt abgedruckt und rief eine artige Polemik zwischen letzterem
und den Lobhudlern der Sutherlands hervor.
219 Interessantes über diesen Fischhandel findet man in David
Urquhart: „Portfolio. New Series,“ — Nassau W. Senior kennzeichnet in
seiner oben zitierten nachgelassenen Schrift: „Journals, Conversations and
Essays relating to Ireland. London 1868“, „die Prozedur in Sutherlandshire
Als eine der wohltätigsten Lichtungen (clearings) seit Menschengedenken“,
2192 Die „deer forests“ (Wildwaldungen) von Schottland enthalten
keinen einzigen Baum. Man treibt die Schafe weg und die Hirsche hin auf
die nackten Berge und nennt das einen „deer forest“. Also nicht einmal
Waldkultur!
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        562

Siebter Abschnitt.

habt ihr den neuen Wald von Glenfeshie und dort auf der andern
Seite den neuen Wald von Ardverikie. In derselben Linie habt ihr
den Black-Mount, eine ungeheure Wüste, neulich errichtet. Von Ost
zu West, von der Nachbarschaft von Aberdeen bis zu den Klippen
von Oban, habt ihr jetzt eine fortlaufende Waldlinie, während sich
in andern Teilen der Hochlande die neuen Wälder von Loch Archaig,
Glengarry, Glenmoriston usw. befinden. . . . Die Verwandlung ihres
Landes in Schafweide . . . trieb die Gälen auf unfruchtbareren
Boden. Jetzt fängt Rotwild an das Schaf zu ersetzen und treibt jene
in noch zermalmenderes Elend. ... Die Wildwaldungen und das
Volk können nicht nebeneinander existieren. Eins oder das andere
muß jedenfalls den Platz räumen. Laßt die Jagden in Zahl und
Umfang im nächsten Vierteljahrhundert wachsen wie im vergangenen,
 und ihr werdet keinen Gälen mehr auf seiner heimischen Erde
finden. Diese Bewegung unter,den Hochlandseigentümern ist teils
der Mode geschuldet, aristokratischem Kitzel, Jagdliebhaberei usw.,
teils aber betreiben sie den Wildhandel ausschließlich mit Hinblick
auf den Profit. Denn es ist Tatsache, daß ein Stück Bergland, in
Jagdung angelegt, in vielen Fällen ungleich profitabler ist denn als
Schaftrift. . .. Der Liebhaber, der ein Jagdrevier sucht, beschränkt
sein Angebot nur durch die Weite seiner Börse. .. . Leiden sind
über die Hochlande verhängt worden nicht minder grausam, als die
Politik normännischer Könige sie über England verhing. Rotwild
hat freieren Spielraum erhalten, während die Menschen in einen
engen und immer engeren Kreis gehetzt wurden. ... Eine Freiheit
des Volkes nach der andern ward ihm geraubt. . .. Und die Unterdrückung
 wächst noch täglich. , Lichtung und Vertreibung des Volkes
werden von den Eigentümern als festes Prinzip verfolgt, als eine
agrikole Notwendigkeit, ganz wie Bäume und Gesträuch in den
Wildnissen Amerikas und Australiens weggefegt werden, und die
Operation geht ihren ruhigen, geschäftsmäßigen Gang.“ 220

220 Robert Somers: „Letters from the Highlands; or, the Famine of 1847.
London 1848“, p. 12—28 passim. Diese Briefe erschienen ursprünglich is
der „Times“. Die englischen Oekonomen erklärten natürlich die Hungersnot
der Gälen von 1847 aus ihrer — Uebervölkerung. Jedenfalls „drückten“
sie auf ihre Nahrungsmittel. — Das „Clearing of Estates‘“, oder, wie es iP
Deutschland hieß, „Bauernlegen‘“, machte sich hier besonders geltend nach
dem Dreißigjährigen Krieg und rief noch 1790 in Kursachsen Bauernaufstände
hervor. Es herrschte namentlich in Ostdeutschland. In den meisten Provinzen
 Preußens sicherte erst Friedrich II. den Bauern Eigentumsrecht
Nach der Eroberung Schlesiens zwang er die Grundherren zur Wiederherstellung
 der Hütten, Scheunen usw., zur Ausstattung der Bauerngüter mit
Vieh und Gerät, Er brauchte Soldaten für seine Armee und Steuerpflichtige
für seinen Staatsschatz. Welches angenehme‘ Leben übrigens der Bauer
unter Friedrichs Finanzunwesen und Regierungsmischmasch von Despotismus,
 Bureaukratie und Feudalismus führte, mag man aus folgender Stelle
geines Bewunderers Mirabeau ersehen: „Der Flachs bildet einen der größten
Reichtümer des Landwirts in Norddeutschland. Unglücklicherweise für das
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

663

Der Raub der Kirchengüter, die betrügerische Veräußerung der
Staatsgüter, der Diebstahl des Gemeindeeigentums, die usurpatorische
 und mit rücksichtslosem Terrorismus vollzogene Verwandlung
 von feudalem und Claneigentum in modernes Privateigentum,

Menschengeschlecht bietet er aber nur ein Mittel, sich des äußersten Elends
zu erwehren, und nicht eine Quelle des Wohlstandes. Die direkten Steuern, die
Hofdienste, die Fronden aller Art erdrücken den deutschen Bauern, der auch
noch in allem, was er kauft, indirekte Steuern mitbezahlt . .. und um seinen
Untergang zu vollenden, darf er seine Produkte nicht dort und so zu verkaufen
 wagen, wie er möchte. Er wagt auch nicht, seine Bedürfnisse beim
Kaufmann zu decken, der ihm die Waren zu billigerem Preise liefern würde.
Alle diese Ursachen ruinieren ihn unmerklich, und er wäre außerstande, die
direkten Steuern am Verfalltage zu bezahlen, wenn er nicht die Spinnerei
hätte; sie bietet ihm ein Auskunftsmittel, indem sie sein Weib, seine Kinder,
sein Gesinde, seine Knechte und ihn selbst nützlich beschäftigt. Aber welch
ain kärgliches Leben, selbst mit diesem Hilfsmittel! Im Sommer arbeitet
er wie ein Galeerensklave beim Pflügen und bei der Ernte. Er geht um
9 Uhr zur Ruhe und steht um 2 Uhr auf, um nur seinen Arbeiten nachzuxommen.
 Im Winter müßte er eigentlich durch größere Ruhe seine Kräfte
wieder herstellen; aber es bliebe ihm kein Korn für Brot und für die Aussaat,
wenn er seine Ernte verkaufen müßte, um das Geld für die Steuern aufzubringen.
 Er muß daher, um dieses Loch auszufüllen, spinnen ... er muß
die größte Emsigkeit dabei betätigen. So geht der Bauer im Winter um
Mitternacht oder um 1 Uhr zu Bett und steht um 5 oder 6 Uhr auf; oder er
legt sich um 9 Uhr nieder und erhebt sich um 2 Uhr, und das geht so fort
alle Tage seines Lebens mit Ausnahme der Sonntage. Dieses Uebermaß
von Wachen und Arbeiten reibt die Natur des Menschen auf, und daher
kommt es, daß Männer und Frauen auf dem Lande viel früher altern als in
der Stadt.“ (Mirabeau: „De la Monarchie Prussienne. Londres 1788“, vol. HL
p. 212 ff.)
Zusatz zur 2. Ausgabe. Im April 1866, 18 Jahre nach der Veröffentlichung
 der oben zitierten Schrift von Robert Somers, hielt! Professor Leone
Levi einen Vortrag in der Society of Arts über die Verwandlung der Schaftriften
 in Wildwaldungen, worin er den Fortschritt der Verwüstung in den
schottischen Hochlanden schildert. Er sagt unter anderm: „Entvölkerung
und Verwandlung in bloße Schaftrift boten das bequemste Mittel zu einem
Einkommen ohne Auslage. ... An der Stelle der Schaftrift ein Deer Forest
wurde gewöhnlicher Wechsel in den Hochlanden. Die Schafe werden vertrieben
 durch wilde Tiere, wie man zuvor die Menschen vertrieb, um den
Schafen Platz zu machen. ... Man kann marschieren von den Gütern des
Grafen von Dalhousie in Forfarshire bis zu John o’Groats, ohne je das Waldland
 zu verlassen. — In vielen (dieser Waldungen) sind der Fuchs, die wilde
Katze, der Marder, der Iltis, das Wiesel und der Alpenhase eingebürgert,
während das Kaninchen, das Eichhorn und die Ratte seit kurzem ihren Weg
lahin gefunden haben. Ungeheure Landstriche, welche in der Statistik
Schottlands als Weiden von ausnahmsweiser Fruchtbarkeit und Ausdehnung
ägurierten, sind jetzt von aller Kultur und Verbesserung ausgeschlossen und
ainzig dem Jagdvergnügen weniger Personen — und dies dauert nur für eine
kurze Periode des Jahres — gewidmet.“
Der „London Economist“ vom 2. Juni 1866 sagt: „Ein schottisches Blatt
berichtet letzte Woche unter andern Neuigkeiten: „Bine der besten Schaf-
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        664

Siebter Abschnitt.

es waren ebenso viele idyllische Methoden der ursprünglichen
Akkumulation. Sie eroberten das Feld für die kapitalistische Agrikultur,
 einverleibten den Grund und Boden dem Kapital und schufen
der: städtischen Industrie die nötige Zufuhr von vogelfreiem
Proletariat.

3. Blutgesetzgebung gegen die Exproprlierten
seit Ende des 15. Jahrhunderts,
Gesetze zur Herabdrückung des Arbeitslohnes.
Die durch Auflösung der feudalen Gefolgschaften und durch
stoßweise, gewaltsame Expropriation von Grund und Boden Verjagten,
 dies vogelfreie Proletariat konnte unmöglich ebenso rasch
von der aufkommenden Manufaktur aufgesaugt werden, als es auf
die Welt gesetzt ward. Anderseits konnten die plötzlich aus ihrer
gewohnten Lebensbahn Herausgeschleuderten sich nicht ebenso
plötzlich in die Disziplin des neuen Zustandes finden. Sie verwandelten
 sich massenhaft in Bettler, Räuber, Vagabunden, zum Teil
aus Neigung, in den meisten Fällen durch den Zwang der Umstände.
Ende des 15. und während des ganzen 16. Jahrhunderts daher in
ganz Westeuropa eine Blutgesetzgebung wider Vagabondage. Die
Väter der jetzigen Arbeiterklasse wurden zunächst gezüchtigt für
die ihnen angetane Verwandlung in Vagabunden und‘ Paupers. Die
Gesetzgebung behandelte sie als „freiwillige“ Verbrecher und unterstellte,
 daß es von ihrem guten Willen abhänge, in den nicht mehr
existierenden alten Verhältnissen fortzuarbeiten.
In England begann jene Gesetzgebung unter Heinrich VII.
Heinrich VIIL, 1530: Alte und arbeitsunfähige Bettler erhalten
eine Erlaubnis zu betteln. Dagegen Auspeitschung und Einsperrung.

pachten in Sutherlandshire, wofür jüngst, beim Verfall des laufenden Pachtkontrakts,
 eine Jahresrente von 1200 PId. Ster]. geboten ward, wird in einen
Deer Forest verwandelt!“ Die feudalen Instinkte betätigen sich , . . wie zur
Zeit, wo der normännische Eroberer . . . 36 Dorfschaften zerstörte, um den
New Forest zu schaffen. . . . Zwei Millionen Acres, welche einige der fruchtbarsten
 Ländereien Schottlands einbegreifen, sind ganz und gar wüst gelegt.
Das natürliche Gras von Glen Tilt zählte zu den nahrhaftesten der Grafschaft
Perth; der Deer Forest von Ben Aulder war der beste Grasgrund in dem außgedehnten
 Distrikt von Badenoch; ein Teil des Black Mount Forest war das
vorzüglichste schottische Weideland für schwarzgesichtige Schafe. Von der
Ausdehnung des für Jagdliebhaberei wüstgelegten Grund und Bodens mag
man sich eine Vorstellung bilden aus der Tatsache, daß er einen viel
größeren Flächenraum umfaßt als die ganze Grafschaft Perth. Den Verlust
des Landes an Produktionsquellen infolge dieser gewaltsamen Verödung
mag man daraus schätzen, daß der Boden des Forest von Ben Aulder 15 000
Schafe nähren konnte und daß er nur den dreißigsten Teil des gesamten
Jagdreviers von Schottland beträgt. ... All dies Jagdland ist durchaus
unproduktiv .., es hätte ebensowohl in die Fluten der Nordsee versenkt
werden können, Solchen nach Laune geschaffenen Einöden oder Wüsten
sollte die starke Hand der Gesetzgebung den Garaus machen.“
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

665

für handfeste Vagabunden. Sie sollen an einen Karren hinten angebunden
 und gegeißelt werden, bis das Blut von ihrem Körper
strömt, dann einen Eid schwören, zu.ihrem Geburtsplatz, oder dorthin,
 wo sie die letzten drei Jahre gewohnt, zurückzukehren und „sich
an die Arbeit zu setzen“ (to pul himself to labour). Welche grausame
 Ironie! 27, Heinrich VIII wird das vorige Gesetz wiederholt,
aber durch neue Zusätze verschärft. Bei zweiter Erlappung auf
Vagabondage soll die Auspeitschung wiederholt und das halbe Ohr
abgeschnitten werden, bei drittem Rückfall aber der Betroffene als
schwerer Verbrecher und Feind des Gemeinwesens hingerichtet
werden.
Edward VI.: Ein Gesetz aus seinem ersten Regierungsjahr, 1547,
verordnet, daß wenn jemand sich weigert zu arbeiten, soll er als
Sklave der Person zugeteilt werden, die ihn als Müßiggänger denunziert
 hat. Der Meister soll seinen Sklaven mit Brot und Wasser
nähren, schwachem Getränk und solchen Fleischabfällen, die ihm
passend dünken. Er hat das Recht, ihn zu jeder auch noch so eklen
Arbeit durch Auspeitschung und Ankettung zu treiben. Wenn sich der
Sklave für 14 Tage entfernt, ist er zur Sklaverei auf Lebenszeit verurteilt
 und soll auf Stirn oder Backen mit dem Buchstaben S gebrandmarkt,
 wenn er zum dritten Mal fortläuft, als Staatsverräter hingerichtet
 werden. Der Meister kann ihn verkaufen, vermachen, als
Sklaven ausdingen, ganz wie anderes bewegliches Gut und Vieh.
Unternehmen die Sklaven etwas gegen die Herrschaft, so sollen sie
ebenfalls hingerichtet werden. Friedensrichter sollen auf Information
 den Kerls nachspüren. Findet sich, daß ein Herumstreicher drei
Tage gelungert hat, so soll er nach seinem Geburtsort gebracht, mit
rotglühendem Eisen auf die Brust mit dem Zeichen V gebrandmarkt,
und dort in Ketten auf der Straße oder zu sonstigen Diensten verwandt
 werden. Gibt der Vagabund einen falschen Geburtsort an, so
soll er zur Strafe der lebenslängliche Sklave dieses Ortes, der Einwohner
 oder Korporation sein und mit S gebrandmarkt werden. Alle
Personen haben das Recht, den Vagabunden ihre Kinder wegzunehmen
 und als Lehrlinge, Jungen bis zum 24. Jahr, Mädchen ‘bis
zum 20. Jahr, zu halten. Laufen sie weg, so sollen sie bis zu diesem
Alter die Sklaven der Lehrmeister sein, die sie in Ketten legen,
zeißeln usw. können, wie sie wollen. Jeder Meister darf einen eisernen
Ring um Hals, Arme oder Beine seines Sklaven legen, damit er ihn
besser kennt und seiner sicherer ist.??! Der letzte Teil dieses Gesetzes
 sieht vor, daß gewisse Arme von dem Ort oder den Individuen
beschäftigt werden sollen, die ihnen zu essen und zu trinken geben

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221 Der Verfasser des „Essay on Trade ete.“ bemerkt: „Unter der
Regierung Edward VI. scheinen sich die Engländer in der Tat mit vollem
Ernst auf Ermutigung der Manufakturen und Beschäftigung der Armen verlegt
 zu haben. Dies ersehen wir aus einem merkwürdigen Gesetz, worin es
heißt, daß alle Vagabunden gebrandmarkt werden sollen“ usw. („An Essay
ön Trade and Commerce. London 1770“, p. 8.)
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        566

Siebter Abschnitt.

und Arbeit für sie finden wollen. Diese Sorte Pfarreisklaven hat
sich bis tief ins 19. Jahrhundert in England erhalten unter dem
Namen Roundsmen (Umgeher).
Elisabeth, 1572: Bettler ohne Erlaubnisschein und über 14 Jahre
alt sollen hart gepeitscht und am linken Ohrlappen gebrandmarkt
werden, falls sie keiner für 2 Jahre in Dienst nehmen will; im
Wiederholungsfall, wenn über 18 Jahre alt, sollen sie — hingerichtet
werden, falls sie niemand für 2 Jahre in Dienst nehmen will, bei
drittem Rückfall aber ohne Gnade als Staatsverräter hingerichtet
werden. Aehnliche Gesetze: 18, Elisabeth c. 13 und 1597,2214
Jakob I.: Eine herumwandernde und bettelnde Person wird für
einen Landstreicher und Vagabunden erklärt. Die Friedensrichter,
wohlverstanden lauter Grundbesitzer, Industrielle, Geistliche, die
mit der Rechtsprechung betraut sind, in den Petty Sessions [Sitzung

2214 Thomas Morus sagt in seiner „Utopia“: „So geschieht's, daß ein
gieriger und unersättlicher Vielfraß, die wahre Pest seines Geburtslandes,
Tausende von Acres Land zusammenpacken und innerhalb einer Umpfählung
der einer Hecke einzäunen oder durch Gewalt und Unbill ihre Eigner so
abhetzen kann, daß sie gezwungen sind, alles zu verkaufen. Durch ein
Mittel oder das andere, es mag biegen oder brechen, werden sie genötigt
fortzutrollen — arme, einfältige, elende Seelen! Männer, Weiber, Gatten,
Frauen, vaterlose Kinder, Witwen, jammernde Mütter mit ihren Säuglingen,
und der ganze Haushalt, gering an Mitteln und zahlreich an Köpfen, da der
Ackerbau vieler Hände bedurfte. Weg schleppen sie sich, sage ich, aus der
bekannten und gewohnten Heimstätte, ohne einen Ruheplatz zu finden; der
Verkauf von all ihrem Hausgerät, obgleich von keinem großen Wert, würde
unter andern Umständen einen gewissen Erlös geben; aber plötzlich an die
Luft gesetzt, müssen sie ihn zu Spottpreisen losschlagen. Und wenn sie
umhergeirrt, bis der letzte Heller verzehrt ist, was anders können sie tun
außer stehlen und dann; bei Gott, in aller Form Rechtens gehangen werden
oder auf den Bettel ausgehen? Und auch dann werden sie ins Gefängnis
geschmissen, als Vagabunden, weil sie sich herumtreiben und nicht arbeiten;
sie, die kein Mensch an die Arbeit setzen will, sie mögen sich noch so eifrig
dazu erbieten.“ [Vgl. Thomas Morus: „Utopia“, übersetzt von Dr. J. E. Wessely.
München 1896, S. 838, 39.] Von diesen armen Flüchtlingen, von denen
Thomas Morus sagt, daß man sie zum Diebstahl zwang, „wurden 72 000 große
und kleine Diebe hingerichtet unter der Regierung Heinrich VIII“, (Hollinshed:
 „Description of England“, vol. I, p. 186.) Zu Elisabeths Zeiten wurden
„Landstreicher reihenweise aufgeknüpft; indes verstrich gewöhnlich kein
Jahr, worin nicht 800 oder 400 an einem Platz oder dem andern dem Galgen
anheimfielen“. (Sirype: „Annals of the Reformation and Establishment of
Religion, and other Various Occurrences in the Church of England during
Queen Elisabeth’s Happy Reign. 2nd ed. 1725“, vol. II) Nach demselben
Strype wurden in Somersetshire, in einem einzigen Jahre, 40 Personen hingerichtet,
 35 gebrandmarkt, 87 ausgepeitscht und 183 „verzweifelte Bösewichter“
 freigegeben. Dennoch, sagt dieser Menschenfreund, schließt diese
große Zahl der Angeklagten nicht ein Fünftel der wirklichen Verbrechen
ein, dank der Fahrlässigkeit der Friedensrichter und dem albernen Mitleid
des Volkes, Er fügt hinzu: Die andern Grafschaften in England waren im
keiner besseren Lage als Somersetshire und viele selbst in einer schlechteren
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

667

eines Gerichts von zwei oder mehreren Friedensrichtern — K.] sind
bevollmächtigt, sie öffentlich auspeitschen zu lassen und bei erster
Ertappung 6 Monate, bei zweiter 2 Jahre ins Gefängnis zu sperren.
Während des Gefängnisses sollen sie so oft und so viel gepeitscht
werden, als die Friedensrichter für gut halten. . .. Die unverbesserlichen
 und gefährlichen Landstreicher sollen auf der linken Schulter
mit R gebrandmarkt und an die Zwangsarbeit gesetzt, und wenn man
sie wieder auf dem Bettel ertappt, ohne Gnade hingerichtet werden.
Diese Anordnungen, gesetzlich bis in die erste Zeit des 18. Jahrhunderts,
 wurden erst aufgehoben durch 12, Anna ec. 23.
Aehnliche Gesetze in Frankreich, wo sich Mitte des 17. Jahrhunderts
 ein Vagabundenkönigreich (royaume des truands) zu Paris
aufgerichtet hatte. Noch in der ersten Zeit Ludwigs XVI. (Ordonnanz
vom 13. Juli 1777) sollte jeder gesund gebaute Mensch vom 16. bis
50. Jahr, wenn ohne Existenzmittel und Ausübung eines Berufs, auf
die Galeeren geschickt werden. Aehnlich das Gesetz Karl V. für
die Niederlande vom Oktober 1537, das erste Edikt der Staaten und
Städte von Holland vom 19. März 1614, das „Plakaat“ der Vereinigten
Provinzen vom 25. Juni 1649 usw.
So wurde das von Grund und Boden gewaltsam expropriüierte,
verjagte und zum großen Vagabunden gemachte Landvolk durch
grotesk-terroristische Gesetze in eine dem System der Lohnarbeit
notwendige Disziplin hineingepeitscht, -gebrandmarkt, -gefoltert.
Es ist nicht genug, daß die Arbeitsbedingungen auf den einen
Pol als Kapital treten und auf den andern Pol Menschen, welche
nichts zu verkaufen haben als ihre Arbeitskraft. Es genügt auch
nicht, sie zu zwingen, sich freiwillig zu verkaufen. Im Fortgang der
kapitalistischen Produktion entwickelt sich eine Arbeiterklasse, die
aus Erziehung, Tradition, Gewohnheit, die Anforderungen jener
Produktionsweise als selbstverständliche Naturgesetze anerkennt.
Die Organisation des ausgebildeten kapitalistischen Produktionsprozesses
 bricht jeden Widerstand, die beständige Erzeugung einer
relativen Uebervölkerung hält das Gesetz der Zufuhr von und Nach-[rage
 nach Arbeit, und daher den Arbeitslohn, in einem den Verwertungsbedürfnissen
 des Kapitals entsprechenden Gleise, der
stumme Zwang der ökonomischen Verhältnisse besiegelt die Herrschaft
 des Kapitalisten über den Arbeiter, Außerökonomische, unmittelbare
 Gewalt wird zwar immer noch angewandt, aber nur ausnahmsweise.
 Für den gewöhnlichen Gang der Dinge kann der
Arbeiter den „Naturgesetzen der Produktion“ überlassen bleiben,
las heißt seiner aus den Produktionsbedingungen selbst entspringenden,
 durch sie garantierten und verewigten Abhängigkeit vom Kapital.
Anders während der historischen Entstehung der kapitalistischen
Produktion. Die aufkommende Bourgeoisie braucht und verwendet
die Staatsgewalt, um den Arbeitslohn zu „regulieren“, das heißt
innerhalb der Plusmacherei zusagender Schranken zu zwängen, um
den Arbeitstag zu verlängern und den Arbeiter selbst in normalem
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        Siebter Abschnitt,
Abhängigkeitsgrad zu erhalten. Es ist dies ein wesentliches Moment
der sogenannten urspünglichen Akkumulation.
Die Klasse der Lohnarbeiter, die in der letzten Hälfte des
14. Jahrhunderts entstand, bildete damals und im folgenden Jahrhundert
 nur einen sehr geringen Volksbestandteil, der in seiner
Stellung stark beschützt war durch die selbständige Bauernwirtschaft
auf dem Lande und die Zunftorganisation der Stadt. In Land und
Stadt standen sich Meister und Arbeiter sozial nahe. Die Unterordnung
 der Arbeit unter das Kapital war nur formell, das heißt die
Produktionsweise selbst besaß noch keinen spezifisch kapitalistischen
Charakter. Das variable Element des Kapitals wog sehr vor über
sein konstantes. Die Nachfrage nach Lohnarbeit wuchs daher rasch
mit jeder Akkumulation des Kapitals, während die Zufuhr von Lohnarbeit
 nur langsam nachfolgte. Ein großer Teil des nationalen Produkts,
 später in. Akkumulationsfönds des Kapitals verwandelt, ging
damals noch ein in den Konsumtionsfonds des Arbeiters.
Die Gesetzgebung über die Lohnarbeit, von Haus aus auf Ausbeutung
 des Arbeiters gemünzt und ihm in ihrem Fortgang stets
gleich feindlich,*? wird in England eröffnet durch das Statute of
Labourers Edward III, 1349. Ihm entspricht in Frankreich die
Ordonnanz von 1850, erlassen im Namen des Königs Jean. Die englische
 und französische Gesetzgebung laufen parallel und sind dem
Inhalt nach übereinstimmend. Soweit die Arbeitergesetze Verlängerung
 des Arbeitstages zu erzwingen suchen, komme ich nicht auf sie
zurück, da dieser Punkt früher (achtes Kapitel, 5) erörtert,
Das Statute of Labourers (Arbeitergesetz) wurde erlassen auf
dringende Klage des Hauses der Gemeinen. „Früher“, sagt naiv ein
Tory, „verlangten die Armen so hohen Arbeitslohn, daß sie Industrie
und. Reichtum bedrohten. Jetzt ist ihr Lohn so niedrig, daß er ebenfalls
 Industrie und Reichtum bedroht, aber in anderer Weise und vielleicht
 gefährlicher als damals.“22 Ein gesetzlicher Lohntarif ward
festgesetzt. für Stadt und Land, für Stückwerk und Tagwerk. Die
ländlichen Arbeiter sollen sich aufs Jahr, die städtischen auf „offenem
Markt“ verdingen. Es wird bei Gefängnisstrafe untersagt, höheren
als den gesetzlichen Lohn zu zahlen, aber der Empfang höheren
Lohnes wird stärker bestraft als seine Zahlung. So wird auch noch
in Sect. 18 und 19 des Lehrlingsgesetzes von Elisabeth zehntägige
Gefängnisstrafe über den verhängt, der höheren Lohn zahlt, dagegen
einundzwanzigtägige Gefängnisstrafe über den, der ihn nimmt. Ein
Gesetz von 1360 verschärfte die Strafen und ermächtigte den Meister

668

222 Wann immer die Gesetzgebung versucht, die Streitigkeiten zwischen
den Meistern und ihren Arbeitern zu schlichten, sind ihre Ratgeber stets die
Meister“, sagt A. Smith. „Der Geist der Gesetze ist das Eigentum“, sagt
Linguet.
225 „Sophisms of Free Trade. By a Barrister. London 1850“, p. 53. Er
setzt boshaft hinzu: „Wir waren stets bei der Hand, für den Anwender einzuschreiten.
 Kann nichts geschehen für den Angewandten?“
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

669

sogar, durch körperlichen Zwang Arbeit zum gesetzlichen Lohntarif
zu erpressen. Alle Vereinigungen, Verträge, Eide usw., wodurch
sich Maurer und Zimmerleute wechselseitig banden, werden für null
und nichtig erklärt. Die Koalition [Vereinigung] von Arbeitern, wird
als schweres Verbrechen behandelt vom 14. Jahrhundert bis 1825,
dem Jahre der Abschaffung der Antikoalitionsgesetze. Der Geist des
Arbeitergesetzes von 1349 und seiner Nachgeburten leuchtet hell
daraus hervor, daß zwar ein Maximum des Arbeitslohnes von Staatswegen
 diktiert wird, aber beileibe kein Minimum.
Im 16. Jahrhundert hatte sich, wie man weiß, die Lage der Arbeiter
 sehr verschlechtert. Der Geldlohn stieg, aber nicht im Verhältnis
 zur Entwertung des Geldes und dem entsprechenden Steigen
der Warenpreise, Der Lohn fiel also in der Tat. Dennoch dauerten
die Gesetze zum Behuf seiner Herabdrückung fort zugleich mit dem
Ohrenabschneiden und Brandmarken derjenigen, „die niemand in
Dienst nehmen wollte“. Durch das Lehrlingsgesetz 5, Elisabeth c. 3
wurden die Friedensrichter ermächtigt, gewisse Löhne festzusetzen
und nach Jahreszeiten und Warenpreisen abzuändern. Jakob I.
üdehnte diese Arbeitsregulation auch auf Weber, Spinner und alle
möglichen Arbeiterkategorien aus,?* Georg II. die Gesetze gegen
Arbeiterkoalition auf alle Manufakturen.
In der eigentlichen Manufakturperiode war die kapitalistische
Produktionsweise hinreichend erstarkt, um gesetzliche Regulation
des Arbeitslohnes ebenso unausführbar als überflüssig zu machen,
aber man wollte für den Notfall die Waffen des alten Arsenals zur
Hand haben. Noch 8, George IL verbot für Schneidergesellen in

224 Aus einer Klausel des Statuts 2, Jakob I. c. 6 ersieht man, daß
manche Tuchmacher sich herausnähmen, den Lohntarif offiziell als Friedensrichter
 in ihren eigenen Werkstätten zu diktieren. — In Deutschland waren
namentlich nach dem Dreißigjährigen Krieg Gesetze zur‘ Niederhaltung des
Arbeitslohnes häufig. „Sehr lästig war den Gutsherren in dem menschenjeeren
 Boden der Mangel an Dienstboten und Arbeitern. Allen Dorfsassen
wurde verboten, Kammern an ledige Männer und Frauen zu vermieten, alle
solche Inlieger sollten der Obrigkeit angezeigt und ins Gefängnis gesteckt
werden, falls sie nicht Dienstboten werden wollten, auch wenn sie sich von
anderer Tätigkeit erhielten, den Bauern um Tagelohn säten oder gar mit
Geld und Getreide handelten, (Kaiserliche Privilegien und Sanctiones für
Schlesien I, 125.) Durch ein ganzes Jahrhundert wird in den Verordnungen
der Landesherren immer wieder bittere Klage geführt über das boshafte und
mutwillige Gesindel, das sich in die harten Bedingungen nicht fügen, mit
dem gesetzlichen Lohn nicht zufrieden sein will; dem einzelnen Gutsherra
wird verboten, mehr zu geben, als die Landschaft in einer Taxe festgesetzt
hat. Und doch sind die Bedingungen des Dienstes nach dem Kriege zuweilen
noch besser, als sie 100 Jahre später waren; noch erhielt das Gesinde 1652
in Schlesien zweimal in der Woche Fleisch, noch in unserm Jahrhundert hat
es eben dort Kreise gegeben, wo sie es nur dreimal im Jahr erhielten. Auch
der Tagelohn war nach dem Kriege höher als in den folgenden Jahrhunderten.“
 (G. Freitag.)
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        570

Siebter Abschnitt.

London und Umgegend mehr als ? Shilling 7’, Pence Tagelohn,
außer in Fällen allgemeiner Trauer; noch 13, George III. ec. 68 überwies
 die Regelung des Arbeitslohnes der Seidenwirker den Friedensrichtern;
 noch 1796 bedurfte es zweier Urteile der höheren Gerichtshöfe
 zur Entscheidung, ob friedensrichterliche Befehle über Arbeitslohn
 auch für Nichtagrikulturarbeiter gültig seien; noch 1799 bestätigte
 ein Parlamentsakt, daß der Lohn der Grubenarbeiter von
Schottland durch ein Statut aus der Zeit der Elisabeth und zwei
schottische Akte von 1661 und 1671 reguliert sei. Wie sehr sich unterdes
 die Verhältnisse umgewälzt, bewies ein im englischen Unterhause
unerhörter Vorfall. Hier, wo man seit mehr als 400 Jahren über den
Arbeitslohn ausschließlich Gesetze fabriziert hatte über das Maximum,
welches der Lohn platterdings nicht übersteigen dürfe, schlug Whitbread
 1796 ein gesetzliches Lohnminimum für Landarbeiter vor. Obwohl
 sich Pitt widersetzte, gab er.zu, die „Lage der Armen sei grausam
 (cruel)“. Endlich, 18138, wurden die Gesetze über Lohnregulation
abgeschafft. Sie waren eine lächerliche Anomalie, seitdem der
Kapitalist die Fabrik durch seine Privatgesetzgebung regulierte und
durch die Armensteuer den Lohn des Landarbeiters zum unentbehrlichen
 Minimum ergänzen ließ. Die Bestimmungen der Arbeitergesetze
 über Kontrakte zwischen Meister und Lohnarbeiter, über
Terminkündigungen und dergleichen, . welche nur eine Zivilklage
gegen den kontraktbrüchigen Meister, aber Kriminalklage gegen den
kontraktbrüchigen Arbeiter erlauben, stehen bis zur Stunde in voller
Blüte.224a

Die grausamen Gesetze gegen die Koalitionen fielen 1825 vor
der drohenden Haltung des Proletariats. Trotzdem fielen sie nur
zum Teil. Einige schöne Ueberbleibsel der alten Gesetze verschwanden
 erst 1859. Endlich sollte anscheinend der Parlamentsakt
vom 29. Juni 1871 die letzten Spuren dieser Klassengesetzgebung beseitigen
 durch gesetzliche Anerkennung der Trades-Unions. . Aber
ein Parlamentsakt vom selben Datum (an act to amend ihe criminal
law relating to violence, threats and molestation) stellte tatsächlich
den vorigen Stand in neuer Form wieder her. Durch diese parlamentarische
 Eskamotage wurden die Mittel, deren sich die Arbeiter
bedienen können bei einem Streik oder Lockout (Aussperrung, mat
nennt so den Streik der verbündeten Fabrikanten durch gleichzeitigen
 Schluß ihrer Fabriken), dem gemeinen Recht entzogen und
unter eine Ausnahme-Straigesetzgebung gestellt, deren Auslegung
den Fabrikanten selbst, in ihrer Eigenschaft als Friedensrichter,
anheimfiel. Zwei Jahre zuvor hatte dasselbe Haus der Gemeinen und
derselbe Gladstone in bekannter ehrlicher Weise einen Gesetzentwurf
 eingebracht zur Abschaffung aller Ausnahme-Strafgesetze
gegen die Arbeiterklasse. Aber weiter als zur zweiten Lesung ließ
man es nie kommen, und so schleppte man die Sache in die Länge,

2242 Abgeschafft 1875, vgl. S. 369. K.
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Vierundzwanzigstes Kapitel,

671

bis endlich die „große liberale Partei“ durch eine Allianz mit den
Tories den Mut gewann, sich entschieden gegen dasselbe Proletariat
zu wenden, das sie zur Herrschaft gebracht hatte. Nicht zufrieden
mit diesem Verrat, erlaubte die „große liberale Partei“ den im
Dienste der herrschenden Klassen allezeit schweifwedelnden englischen
 Richtern, die verjährten Gesetze über „Konspirationen“ [Verschwörungen]
 wieder auszugraben und sie auf Arbeiterkoalitionen
anzuwenden. Man sieht, nur widerwillig und unter dem Druck der
Massen verzichtete das englische Parlament auf die Gesetze gegen
Streiks und Trades-Unions, nachdem es selbst, fünf Jahrhunderte hindurch,
 mit zynischster Unverschämtheit als ständige Trade-Union der
Kapitalisten gegen die Arbeiter funktioniert hatte.
Auf der andern Seite wagte in Frankreich die Bourgeoisie gleich
im Beginn des Revolutionssturmes das eben erst eroberte Assoziaionsrecht
 den Arbeitern wieder zu entziehen. Durch Gesetz vom
14. Juni 1791 erklärte sie alle Arbeiterkoalition für ein „Attentat
auf die Freiheit und die Erklärung der Menschenrechte“, strafbar
mit 500 Livres nebst einjähriger Entziehung der aktiven Bürgerrechte.?®
 Dies Gesetz, welches den Konkurrenzkampf zwischen
Kapital und Arbeit staatspolizeilich innerhalb dem Kapital bequemer
Schranken einzwängt, überlebte Revolutionen und Dynastiewechsel.
Selbst die Schreckensregierung ließ es unangetastet. Es ward erst
zanz neulich aus dem Code Penal [dem Strafgesetzbuch] gestrichen.
Nichts charakteristischer als der Vorwand dieses bürgerlichen
Staatsstreiches. Chapelier, der Berichterstatter vor der Nationalversammlung,
 den Camille Desmoulins als „elenden Rechthaber“
(ergoteur miserable) bezeichnet,??2 sagte: „Obgleich es wünschenswert,
 daß der Arbeitslohn höher steige, als er jetzt steht, damit der,
der ihn empfängt, außerhalb der durch die Entbehrung der notwendigen
 Lebensmittel bedingten absoluten Abhängigkeit sei,
welche fast die Abhängigkeit der Sklaverei ist“, dürfen dennoch
die Arbeiter sich nicht über ihre Interessen verständigen, gemeinsam
 handeln und dadurch ihre „absolute Abhängigkeit,

225 Artikel I dieses Gesetzes lautet: „Da die Aufhebung aller Arten
von Korporationen desselben Standes und derselben Profession eine der
Grundlagen der französischen Verfassung bildet, ist es verboten, sie unter
welchem Vorwand und in welcher Form immer wieder einzuführen.“
Arlikel IV erklärt, wenn „die Bürger, die zur selben Profession, zum
3elben Handwerk oder Beruf gehören, sich miteinander berieten und
untereinander Abmachungen verabredeten zum Zwecke, gemeinsam die
Mitwirkung an ihrem Gewerbe oder an ihren Arbeiten zu verweigern
der nur zu einem bestimmten Preis zu übernehmen, sollen die genannten
Beratungen und Abmachungen .... als verfassungswidrig und als Angriffe
auf die Freiheit sowie die Erklärung der Menschenrechte erklärt werden
usw.‘“, also Staatsverbrechen, ganz wie in den alten Arbeitergesetzen.
{„R6volutions de Paris. Paris 1791“, vol. III, p. 523.)
2258 _Revolutions de France“, Nr. LXXVIL
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        Siebter Abschnitt.
welche fast Sklaverei ist“, mäßigen, weil sie eben dadurch
„die Freiheit ihrer ehemaligen Meister, der jetzigen Unternehmer“,
 verletzen (die Freiheit, die Arbeiter in der Sklaverei zu
erhalten !), und weil eine Koalition gegen die Despotie der ehemaligen
 Meister der Zunft — man rate! — eine Herstellung der
durch die französische Verfassung abgeschafften Zunft ist!220

672

4. Das Aufkommen der kapitalistischen Pächter.
Nachdem wir die gewaltsame Schöpfung vogelfreier Proletarier
betrachtet, die blutige Disziplin, welche sie in Lohnarbeiter verwandelt,
 die schmutzige Haupt- und Staatsaktion, die mit dem Ausbeutungsgrad
 der Arbeit die Akkumulation des Kapitals polizeilich
steigert, fragt sich, wo kommen die Kapitalisten ursprünglich her?
Denn die Expropriation des Landvolkes schafft unmittelbar nur
große Grundeigentümer. Was die Entstehung des Pächters betrifft,
so können wir sie sozusagen mit der Hand betappen, weil sie ein
langsamer, über viele Jahrhunderte sich fortwälzender Prozeß ist.
Die Leibeigenen selbst, woneben auch freie kleine Landeigner,
befanden sich in sehr verschiedenen Besitzverhältnissen und wurden
daher auch unter sehr verschiedenen ökonomischen Bedingungen
emanzipiert.

In England ist die erste Form des Pächters der selbst leibeigene
Bailiff [ Vogt, Verwalter des Herrengutes]; Seine Stellung ist ähnlich
der des altrömischen Villicus, nur in engerer Wirkungssphäre.
Während der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wird er ersetzt
durch einen Pächter, den der Landlord mit Samen, Vieh und Ackerwerkzeug
 versieht. Seine Lage ist nicht sehr verschieden von der
des Bauern. Nur beutet er mehr Lohnarbeit aus. Er wird bald
Metayer, Halbpächter. Er stellt einen Teil des Ackerbaukapitals, der
Landlord den andern. Beide teilen das Gesamtprodukt in kontraktlich
 bestimmter Proportion. Diese Form verschwindet in England
rasch, um der des eigentlichen ’Pächters Platz zu machen, welcher
sein eigenes Kapital durch Anwendung von Lohnarbeitern verwertet
und einen Teil des Mehrprodukts, in Geld oder in natura, dem
Landlord als Grundrente zahlt.
Solange, während des 15. Jahrhunderts, der unabhängige Bauer
und der neben dem Lohndienst zugleich selbst wirtschaftende Ackerknecht
 sich selbst durch ihre Arbeit bereichern, bleiben die Um-Stände
 des Pächters und sein Produktionsfeld gleich mittelmäßig.
Die Agrikulturrevolution im letzten Dritteil des 15. Jahrhunderts, die
fast während des ganzen 16. Jahrhunderts (jedoch mit Ausnahme
seiner letzten Jahrzehnte) fortwährt, bereichert ihn ebenso rasch,

220 Buchez et Roux: „Histoire Parlementaire“, vol. X, p. 193-—195.
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Vierundzwanzigstes Kapitel,

673

als sie das Landvolk verarmt.?” Die .Usurpation ‚von Gemeindeweiden
 usw. erlaubt ihm große Vermehrung seines Viehstandes fast
ohne Kosten, während ihm das vermehrte Vieh durch Anwendung
im Ackerbau und durch seinen Verkauf reichlicheren Profit und
zudem reichlichere Düngungsmittel zur Bestellung des Bodens liefert.
Im 16. Jahrhundert kommt ein entscheidend wichtiges Moment
hinzu. Damals waren die Pachtkontrakte lang, oft für 99 Jahre
laufend. Der Iortdauernde Fall im Werte der edlen Metalle und
daher des Geldes trug den Pächtern goldene Früchte. Er senkte,
von allen andern früher erörterten Umständen abgesehen, den
Arbeitslohn. Ein Bruchstück desselben wurde zum Pachtprofit geschlagen.
 Das fortwährende Steigen der Preise von Korn, Wolle,
Fleisch, kurz sämtlicher Agrikulturprodukte, schwellte das Geldkapital
 des Pächters ohne sein Zutun, während die Grundrente, die
er zu zahlen hatte, im veralteten Geldwert vereinbart war.22® So
bereicherte er sich gleichzeitig auf Kosten seiner Lohnarbeiter und
seines Grundherrn. Kein Wunder also, wenn England Ende des

27 Harrison, in seiner „Description of England“, sagt: „Obwohl 4 Pfd.
der alten Rente vielleicht zu 40 Pfd. angewachsen sind, wird doch der
Pächter beim Ablauf seines Pachtkontrakts glauben, er habe ein schlechtes
Geschäft gemacht, wenn er nicht die Rente für sechs bis sieben Jahre,
50 oder 100 Pfd., zurückgelegt hat.“
228 Ueber den Einfluß des Wertialles des Geldes im 16. Jahrhundert
auf verschiedene Klassen der Gesellschaft: „A Compendious or ‘Briefe
Examination of Certayne Ordinary Complaints of Diverse of our Countrymen
in these our Days, By W. S., Gentleman.“ (London 1581.) Die Dialogform
dieser Schrift trug dazu bei, daß man sie lange Shakespeare zuschrieb und
noch 1751 unter seinem Namen neu herausgab. Ihr Verfasser ist William
Stafford. An einer Stelle räsonniert der Ritter (knight) wie folgt:
Ritter: „Ihr, mein Nachbar, der Landwirt, Ihr, Meister Krämer ‚und
Ihr, Gevatter Kupferschmied und die andern Handwerker, Ihr mögt Eure
Interessen recht wohl wahren. Denn um so ‚viel alle Dinge jetzt teurer
sind als sie waren, soviel geht Ihr mit dem Preise Eurer Waren und Leistungen,
 die Ihr verkauft, in die Höhe. Wir aber haben nichts zu verkaufen,
wobei wir den Preis erhöhen könnten, um die Dinge aufzuwiegen, die wir
wieder kaufen müssen.“ An einer andern Stelle fragt der Ritter den Doktor:
„Ich bitte Euch, was sind das für Leute, die Ihr meint? Und zunächst, welche
sollen dabei keinen Verlust erleiden?“ — Doktor: „Ich meine alle jene, die
von Kauf und Verkauf leben; denn wie sie teuer kaufen, so verkaufen sie
auch nachher.“ — Ritter: „Was sind das dam für Leute, die, wie Ihr sagt,
dabei gewinnen?“ — Doktor: „Wahrlich, alle, die Besitzungen oder Pachtgüter
 bei Fortbestand der alten Rente selbst bewirtschaften; denn während
sie nach dem alten Satz zahlen, verkaufen sie nach dem neuen; das heißt,
sie zahlen für ihr Land sehr billig und verkaufen alles, was darauf wächst,
teuer...“ — Ritter: „Was für Leute sind es dann, die, wie Ihr sagt, dabei
größeren Verlust haben als jene Gewinn hatten?“ — Doktor: „Es sind alle
Edelleute, Ritter und alle andern, die entweder von einer festgesetzten Rente
oder von einem solchen Gehalt leben oder ihren Boden nicht selbst bewirtschaften
 oder sich nicht auf Kauf und Verkauf verlegen.“
Das Kapital. I.
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Siebter Abschnitt,

16. Jahrhunderts eine Klasse für die damaligen Verhältnisse reicher
„Kapitalpächter“ besaß.22°

5. Rückwirkung der agrikolen Revolution auf die Industrie.
Herstellung des inneren Marktes für das industrielle Kapital.
Die stoßweise und stets erneuerte Expropriation und Verjagung
des Landvolkes lieferte, wie man sah, der städtischen Industrie wieder
und wieder Massen ganz außerhalb der Zunftverhältnisse stehender
Proletarier, ein weiser Umstand, der den alten A. Anderson (nicht
zu verwechseln mit James Anderson) in seiner Handelsgeschichte
an direktes Eingreifen der Vorsehung glauben läßt. Wir müssen
noch einen Augenblick bei diesem. Element der ursprünglichen
Akkumulation verweilen. Der Verdünnung des unabhängigen, selbstwirtschaftenden
 Landvolkes entsprach nicht nur die Verdichtung des
industriellen Proletariats, wie Geoffroy Saint-Hilaire die Verdichtung
der Weltmaterie hier durch ihre Verdünnung dort erklärt.2® "Trotz
der verminderten Zahl seiner Bebauer trug der Boden nach wie vor
gleich viel oder mehr Produkt, weil die Revolution in den Grundeigentumsverhältnissen
 von verbesserten Methoden der Kultur,
229 In Frankreich wird der Regisseur, der Verwalter und Eintreiber der
Leistungen an den Feudalherrn während des früheren Mittelalters, bald ein
homme d’affaires [Geschäftsmann], der sich durch Erpressung, Prellerei usw.
zum Kapitalisten hinaufschwindelt. Diese Regisseurs waren manchmal selbst
vornehme Herren. Zum Beispiel: „Dies ist die Rechnung, die Herr Jacques
de Thoraine, ritterlicher Kastelan auf Besancon, dem Herrn ablegt, der zu
Dijon Rechnung führt für den Herrn Herzog und Grafen von Burgund, über
Renten, die der genannten Schloßherrschaft vom 25. Tage des Dezember 1359
bis zum 28. Tage des. Dezember 1360 zufallen.“ (Alexis Monteil: „Histoire des
Materiaux manuscrits ete.‘“, p. 244.) Es zeigt sich schon hier, wie in allen
Sphären des gesellschaftlichen Lebens der Löwenanteil dem Vermittler zufällt.
 Im ökonomischen Gebiet zum Beispiel schöpfen Finanziers, Börsenmänner,
 Kaufleute, Kleinkrämer den Rahm der Geschäfte ab; im bürgerlichen
 Recht rupft der Advokat die Parteien; in der Politik bedeutet der Repräsentant
 mehr als die Wähler, der Minister mehr als der Souverän; in der
Religion wird Gott in den Hintergrund gedrängt vom „Mittler“ und dieser
wiederum zurückgeschoben von den Pfaffen, die wieder unvermeidliche Vermittler
 sind zwischen dem guten Hirten und seinen Schafen. — Wie in England,
 so waren in Frankreich die großen Feudalterritorien in unendlich viele
kleine Wirtschaften geteilt, aber unter ungleich ungünstigeren Bedingungen
für das Landvolk, Während des 14. Jahrhunderts kamen die Pachten, Fermes
oder Terriers, auf. Ihre Zahl wuchs beständig, weit über 100 000. Sie zahlten
eine vom 12. bis zum 5. Teil des Produkts wechselnde Grundrente in Geld
oder in natura. Die Terriers waren Lehen, Hinterlehen usw. (fiefs, arrierefiefs),
 je nach Wert und Umfang der Domänen, wovon manche nur wenige
Morgen zählten. Alle diese Terriers besaßen Gerichtsbarkeit in irgendeinem
Grad über die Bodeninsassen; es gab vier Grade. Man begreift den Druck
des Landvolkes unter allen diesen kleinen Tyrannen. Monteil sagt, daß es
damals 160000 Gerichte in Frankreich gab, wo heute 4000 Tribunale
(Friedensgerichte eingeschlossen) genügen. ;
230 In seinen „Notions de Philosophie Naturelle. Paris 1838“.
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Vierundzwanzigstes Kapitel

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größerer Kooperation, Konzentration der Produktionsmittel usw. begleitet
 war, und weil die ländlichen Lohnarbeiter nicht nur intensiver
angespannt wurden,?? sondern auch das Produktionsfeld, worauf sie
für sich selbst arbeiteten, mehr und mehr zusammenschmolz. Mit
dem freigesetzten Teil des Landvolkes werden also auch seine
früheren Nahrungsmittel freigesetzt. Sie verwandeln sich jetzt in
sioffliches Element des variablen Kapitals. Der an die Luft gesetzte
Bauer muß ihren Wert von seinem neuen Herrn, dem industriellen
Kapitalisten, in der Form des Arbeitslohnes erkaufen. Wie mit den
Lebensmitteln, verhielt es sich mit dem heimischen agrikolen Rohmaterial
 der Industrie. Es verwandelte sich in ein Element des
konstanten Kapitals.
Man unterstelle zum Beispiel einen Teil der westfälischen
Bauern, die zu Friedrich II. Zeit alle Flachs, wenn auch keine Seide
spannen, gewaltsam expropriiert und von Grund und Boden verjagt,
den andern zurückbleibenden Teil aber in Tagelöhner großer Pächter
verwandelt. Gleichzeitig erheben sich große Flachsspinnereien und
-webereien, worin die „Freigesetzten“ nun lohnarbeiten. Der Flachs
sieht gerade aus wie vorher. Keine Faser an ihm ist verändert, aber
eine neue soziale Seele ist ihm in den Leib gefahren. Er bildet jetzt
einen Teil des konstanten Kapitals der Manufakturherren. Früher
verteilt unter ‚eine Unmasse kleiner Produzenten, die ihn selbst
bauten und in kleinen Mengen mit ihren Familien verspannen, ist
er jetzt konzentriert in der Hand eines Kapitalisten, der andere für
sich spinnen und weben läßt. Die in der Flachsspinnerei verausgabte
Extraarbeit realisierte sich früher in Extraeinkommen zahlloser
Bauernfamilien oder auch, zu Friedrich II. Zeit, in Steuern pour le roi
de Prusse.?*%»* Sie realisiert sich jetzt im Profit weniger Kapitalisten.
 Die Spindeln und Webstühle, früher verteilt über das flache
Land, sind jetzt in wenige große Arbeitskasernen zusammengerückt,
wie die Arbeiter, wie das Rohmaterial. Und Spindeln und Webstühle
 und Rohmaterial sind aus Mitteln unabhängiger Existenz für
Spinner und Weber von nun an verwandelt in Mittel, sie zu kommandieren??
 und ihnen unbezahlte Arbeit auszusaugen. Den großen
Manufakturen sieht man es nicht an, wie den großen Pachtungen,
daß sie aus vielen kleinen Produktionsstätten zusammengeschlagen
und durch die Expropriation vieler kleiner unabhängiger Produzenten
 gebildet sind. Jedoch läßt sich die unbefangene Ansehauung
 nicht beirren.

231 Ein Punkt, den Sir James Steuart betont.
2818 „Travailler pour le roi de Prusse“, wörtlich: „für den König von
Preußen arbeiten“, ist eine sprichwörtliche Bezeichnung für „gegen schäbige
Bezahlung oder für nichts arbeiten“. K.
282 „Ich werde euch“, sagt der Kapitalist, „die Ehre zuteil werden
lassen, mir zu dienen, unter der Bedingung, daß ihr mir das Wenige, was
such bleibt, für die Mühe gebt, die es mir macht, euch zu kommandieren.“
{J. J. Rousseau: „Discours sur l’Economie Politique, Geneve 1765.“)
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        576

Siebter Abschnitt,

Zur Zeit Mirabeaus, des Revolutionslöwen, hießen die großen
Manufakturen noch Manufactures reunies, zusammengeschlagene
Werkstätten, wie wir von zusammengeschlagenen Aeckern sprechen.
„Man sieht nur“, sagt Mirabeau, „die großen Manufakturen, wo
Hunderte von Menschen unter einem Direktor arbeiten, und die
man gewöhnlich vereinigte Manufakturen (manufactures reunies)
nennt. Diejenigen dagegen, wo eine sehr große Anzahl Arbeiter
zersplittert und jeder für seine eigene Rechnung arbeitet, werden
kaum eines Blickes gewürdigt. Man stellt sie ganz in den Hintergrund.
 Dies ist ein sehr großer Irrtum, denn sie allein bilden einen
wirklich wichtigen Bestandteil des Volksreichtums. ... Die vereinigte
 Fabrik (fabrique reunie) wird einen oder zwei Unternehmer
wunderbar bereichern, aber die Arbeiter sind nur besser oder
schlechter bezahlte Tagelöhner und nehmen in nichts am Wohlsein
des Unternehmers teil. In der getrennten Fabrik (fabrique separee)
dagegen wird niemand reich, aber eine Menge Arbeiter befindet
sich im Wohlstand. ... Die Zahl der fleißigen und wirtschaftlichen
Arbeiter wird wachsen; weil sie in weiser Lebensart, in Tätigkeit ein
Mittel erblicken, ihre Lage wesentlich zu verbessern, statt eine kleine
Lohnerhöhung zu gewinnen, die niemals ein wichtiger Gegenstand
für die Zukunft sein kann, sondern die Leute höchstens befähigt,
etwas besser von der Hand in den Mund zu leben. .Die getrennten
individuellen Manufakturen, meist mit kleiner Landwirtschaft verbunden,
 sind die freien.“?** Wenn Mirabeau die zersplitterten Werkstätten
 auch für ökonomischer und produktiver hält als die „VETeinigten“,
 und in: den letzteren bloß künstliche Treibhauspflanzen
unter der Pflege der Staatsregierungen sieht, erklärt sich das aus
dem damaligen Zustande eines großen Teiles der Manufakturen
auf dem europäischen Festland.
Die Ereignisse, die die Kleinbauern in Lohnarbeiter und ihre
Lebens- und Arbeitsmittel in sachliche Elemente des industriellen
Kapitals verwandeln, schaffen gleichzeitig diesem letzteren seinen
inneren Markt. Früher erzeugte und bearbeitete die Bauern»
familie die Lebensmittel und Rohstoffe, die sie nachher größtenteils
 selbst verzehrte. Diese Rohstoffe und Lebensmittel sind
jetzt Waren geworden; der Bauer verkauft sie massenhaft, in den
Manufakturen findet er seinen Markt. Dafür verwandeln sich jetzt
Garn, Leinwand, grobe Wollenzeuge — Dinge, deren Rohstoffe sich
im Bereich jeder Bauernfamilie vorfanden und von ihr zum Selbstgebrauch
 versponnen und verwebt wurden — in Manufakturartikel,
deren Absatzmarkt gerade die Landdistrikte bilden. Die zahlreiche,
 zerstreute Kundschaft, bisher bedingt durch eine Menge
kleiner, für eigene Rechnung arbeitender Produzenten, konzentriert
sich jetzt zu einem großen, vom industriellen Kapital versorgten

238 Mirabeau: „De la Monarchie Prussienne. Londres 1788“, vol. IIL
p., 20—109 passim.
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Vierundzwanzigstes Kapitel,

677

Markt.?* So geht Hand in Hand mit der Expropriation früher
selbstwirtschaftender Bauern und ihrer Losscheidung von ihren Produktionsmitieln
 die Vernichtung der ländlichen Nebenindustrie, der
Scheidungsprozeß von Manufaktur und Agrikultur. Und nur die
Vernichtung des ländlichen Hausgewerbes kann dem inneren Markt
eines Landes die Ausdehnung und den festen Bestand geben, deren
die kapitalistische Produktionsweise bedarf.
Jedoch bringt es die eigentliche Manufakturperiode zu keiner
radikalen Umgestaltung. Man erinnert sich, daß sie sich der nationalen
 Produktion nur sehr stückweise bemächtigt und immer auf
städtischem Handwerk und häuslich-ländlicher Nebenindustrie als
breitem Hintergrund ruht. Wenn sie letztere unter einer Form, in
besonderen Geschäftszweigen, auf gewissen Punkten vernichtet, ruft
sie dieselbe auf andern wieder hervor, weil sie derselben zur Bearbeitung
 des Rohmaterials bis zu einem bestimmten Grade bedarf,
Sie produziert daher eine neue Klasse kleiner Landleute, welche die
Bodenbestellung als Nebenzweig und die industrielle Arbeit zum
Verkauf des Produkts an die Manufaktur — direkt, oder auf dem
Umwege des Kaufmanns — als Hauptgeschäft treiben. Dies ist ein
Grund, wenn auch nicht der Hauptgrund, einer Erscheinung, die den
Forscher der englischen Geschichte zunächst verwirrt. Vom letzten
Dritteil des 15. Jahrhunderts: an findet er fortlaufende, nur in
manchen Zeiten unterbrochene Klage über die zunehmende Kapitalwirtschaft
 auf dem Lande und die zunehmende Vernichtung der
Bauernschaft. Anderseits findet er stets diese Bauernschaft wieder
von neuem vor, wenn auch in verminderter Zahl und unter ‘stets
verschlechterter Form.?5
Der Hauptgrund ist: England ist vorzugsweise bald Kornbauer,
bald Viehzüchter, in Wechselperioden, und mit diesen. Perioden
schwankt der Umfang des bäuerlichen Betriebes.
Erst die große Industrie liefert mit den Maschinen die konstante
Grundlage der kapitalistischen Agrikultur, expropriiert radikal die
ungeheure Mehrzahl des Landvolkes und vollendet die Scheidung
zwischen Ackerbau und häuslich-ländliiehem Gewerbe, dessen Wur-234

 „20 Pfund Wolle, in unauffälliger Weise in die in einem Jahre
notwendige Kleidung einer Arbeiterfamilie verwandelt durch ihren eigenen
Fleiß in den Zwischenpausen anderer Arbeiten — das macht kein Aufsehen.
Aber bringt die Wolle auf den Markt, schickt sie in die Fabrik, dann zum
Makler, hierauf zum Händler, so habt ihr große Handelsoperationen und
nominelles Kapital engagiert im zwanzigfachen Betrage des Wertes jener
Wolle. ... Die arbeitende Klasse wird auf diese Weise ausgebeutet, um
eine elende Fabrikbevölkerung zu erhalten, eine Schmarotzerklasse von
Bodenbesitzern und ein auf Schein beruhendes Handels-, Geld- und Finanzsystem.“
 (David Urguhart: „Familiar Words, London 1855“, p. 210.)
285 Ausnahme bildet hier Cromwells Zeit. Solange die Republik währte,
erhob sich die englische Volksmasse in allen Schichten aus der Degradation,
wozu sie unter den Tudors gesunken war.
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        678

Siebter Abschnitt,

zeln sie ausreißt — Spinnerei und Weberei.®%®® Sie erobert daher
auch erst dem industriellen Kapital den ganzen inneren Markt 2837

6. Das Aufkommen des industriellen Kapitalisten,
Das Aufkommen des industriellen? Kapitalisten ging nicht in
derselben allmählichen Weise vor wie das des Pächters. Zweifelsohne
 verwandelten sich manche kleine Zunftmeister und noch mehr
selbständige kleine Handwerker oder auch Lohnarbeiter zunächst
in kleine, werdende Kapitalisten und dann durch allmählich ausgedehntere
 Ausbeutung von Lohnarbeit und entsprechende Akkumulation
 in Kapitalisten sans phrase [schlechthin]. In der Kindheitsperiode
 der kapitalistischen Produktion ging es vielfach zu wie in der
Kindheitsperiode des mittelalterlichen Städtewesens, wo die Frage,
wer von den entlaufenen Leibeigenen soll Meister sein und wer
Diener, großenteils durch das frühere oder spätere Datum ihrer
Flucht entschieden wurde.
Indes entsprach der Schneckengang dieser Methode in keiner
Weise den Handelsbedürfnissen des neuen Weltmarktes, welchen
die großen Entdeckungen Ende des 15. Jahrhunderts geschaffen
hatten.” Aber das Mittelalter hatte zwei verschiedene Formen des

286 Tuckett weiß, daß aus den eigentlichen Manufakturen und der Zerstörung
 der ländlichen oder häuslichen Manufaktur, mit Einführung der
Maschinerie, die große Wollindustrie hervorgeht, (Tuckett: „A History of
the Past and Present State of the Labouring Population. London 1846.“
„Der. Pflug, das Joch waren die Erfindung von Göttern und die Beschäftigung
 von Heroen; sind Webstuhl, Spindel und Spinnrad minder
edler Abkunft? Ihr trennt das Spinnrad und den Pflug, die Spindel und das
Joch, und erhaltet Fabriken und Armenhäuser, Kredit und Krisen, zwei
feindliche Nationen, agrikole und kommerzielle.“ (David Urguhart: „Familiar
Words. London 1855“, p. 122.) Nun kommt aber Carey und klagt, sicher
nicht mit Unrecht, England an, daß es jedes andere Land in ein bloßes
Agrikulturvolk zu verwandeln strebt, dessen Fabrikant England. Er behauptet,
 in dieser Art sei die Türkei ruiniert worden, weil „den Eignern und
Bebauern des Bodens niemals gestattet war (von England), sich selbst zu
kräftigen durch die natürliche Allianz zwischen dem Pflug und dem Webstuhl,
 dem Hammer und der Egge.“ („The Slave Trade“, p. 125.) Nach ihm
ist Urguhart selbst einer der Hauptagenten des Ruins der Türkei, wo er im
englischen Interesse Freihandelspropaganda gemacht habe. Das Beste ist,
daß Carey, nebenbei ein großer Russenknecht, durch das Schutzzollsystem
jenen Scheidungsprozeß, den es beschleunigt, verhindern will.
257 Die philanthropischen englischen Oekonomen, wie Mill, Rogers,
Goldwin Smith, Fawcett usw., und liberale Fabrikanten, wie John Bright und
Konsorten, fragen, wie Gott den Kain nach seinem Bruder Abel, so den
englischen Grundaristokraten, wo sind unsere Tausende von Freeholders,
[selbständigen Bauern] hingekommen? Aber wo seid ihr denn hergekommen?
Aus der Vernichtung jener Freeholders. Warum fragt ihr nicht weiter, wo
sind die unabhängigen Weber, Spinner, Handwerker hingekommen?
238 Industriell hier im Gegensatz zu agrikol. Im „kategorischen‘“ Sinn
ist der Pächter ein industrieller Kapitalist so gut wie der Fabrikant.
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Kapitals überliefert, die in den verschiedensten ökonomischen Gesellschaftsformationen
 reifen und, vor der Aera der kapitalistischen
Produktionsweise, als Kapital überhaupt gelten — das Wucherkapital
 und das Kauf/meannskapital.
„Gegenwärtig“, sagt ein englischer Schriftsteller, der jedoch die
Rolle des Kaufmannskapitals nicht beachtet, „geht aller Reichtum
der Gesellschaft erst in die Hand des Kapitalisten , . . er zahlt dem
Grundeigentümer die Rente, dem Arbeiter den Lohn, dem Steuerund
 Zehntensammler ihre Ansprüche, und behält einen großen, in
der Tat den größten und täglich anwachsenden Teil des jährlichen
Produkts der Arbeit für sich selbst. Der Kapitalist kann jetzt als
der Eigner des ganzen gesellschaftlichen Reichtums in erster Hand
betrachtet werden, obgleich kein Gesetz ihm das Recht auf dies
Eigentum übertragen hat. ... Dieser Wechsel im Eigentum wurde
durch das Zinsnehmen auf Kapital bewirkt ... und es ist nicht
wenig merkwürdig, daß die Gesetzgeber von ganz Europa dies durch
Gesetze wider den Wucher verhindern wollten. . .. Die Macht des
Kapitalisten über allen Reichtum des Landes ist eine vollständige
Revolution im Eigentumsrecht, und durch welches Gesetz oder
welche Reihe von Gesetzen wurde sie bewirkt?“2? Der Verfasser
hätte sich sagen sollen, daß Revolutionen nicht durch Gesetze gemacht
 werden.
Das durch Wucher und Handel gebildete Geldkapital wurde
durch die Feudalverfassung auf dem Lande, durch die Zunftverfassung
 in den Städten an seiner Verwandlung in industrielles
Kapital behindert.?**° Diese Schranken fielen mit der Auflösung der
feudalen Gefolgschaften, mit der Expropriation und teilweisen Verjagung
 des Landvolkes. Die neue Manufaktur ward in See-Exporthäfen
 errichtet oder auf Punkten des flachen Landes, außerhalb der
Kontrolle des alten Städtewesens und seiner Zunftverfassung. In
England daher erbitterter Kampf [der alten privilegierten Städte],
der Corporate Towns, gegen diese neuen industriellen Pflanzschulen.
Die Entdeckung der Gold- und Silberländer in Amerika, die
Ausrottung, Versklavung und Vergrabung der eingeborenen Bevölkerung
 in die Bergwerke, die beginnende Eroberung und Ausplünderung
 von Ostindien, die Verwandlung von Afrika in ein Gehege zur
Handelsjagd auf Schwarzhäute, bezeichnen die Morgenröte der kapilalistischen
 Produktionsära. Diese idyllischen Prozesse sind Hauptmomente
 der ursprünglichen Akkumulation. Auf dem Fuße {folgt
der Handelskrieg der europäischen Nationen, mit dem Erdrund als
Schauplatz. Er wird eröffnet durch den Abfall der Niederlande von
289 The. Natural and Artificial Rights of Property Contrasted. London
1832“, p. 98, 99. Verfasser der anonymen Schrift Th. Hodgskin.
240 Sogar noch 1794 schickten die kleinen Tuchmacher von Leeds eine
Deputation an das Parlament, mit einer Petition um ein Gesetz, das jedem
Kaufmann verbieien sollte, Fabrikant zu werden. (Dr. Aikin: „Description
of the Country from tihirty to forty miles round Manchester. London 1795.)

Vierundzwanzigstes Kapitel.
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        680

Siebter Abschnitt.

Spanien, nimmt Riesenumfang an in Englands Antijakobinerkrieg,
spielt noch fort in Raubzügen, wie den Opiumkriegen gegen
China, usw.
Die verschiedenen Momente .der ursprünglichen Akkumulation
verteilen sich nun, mehr oder minder in zeitlicher Reihenfolge,
namentlich auf Spanien, Portugal, Holland, Frankreich und England.
In England werden sie Ende des 17. Jahrhunderts systematisch zusammengefaßt
 im Kolonialsystem, Staatsschuldensystem, modernen
Steuersystem und Protektionssystem [Schutzsystem]. Diese Methoden
beruhen zum Teil auf brutalster Gewalt, zum Beispiel das Kolonialsystem.
 Alle aber benutzten die Staatsmacht, die konzentrierte und
organisierte Gewalt der Gesellschaft, um den Verwandlungsprozeß
der feudalen in die kapitalistische Produktionsweise treibhausmäßig
zu fördern und die Uebergänge abzukürzen. Die Gewalt ist der
Geburtshelfer jeder alten Gesellschaft, die mit einer neuen schwanger
geht. Sie selbst ist eine ökonomische Potenz.
Von dem christlichen Kolonialsystem sagt ein Mann, der aus
dem Christentum eine Spezialität macht, W.Howitt: „Die Barbareien
und ruchlosen Greueltaten der sogenannten christlichen Rassen, in
jeder Gegend der Welt und gegen jedes Volk, das sie unterjochen
konnten, finden nicht ihresgleichen in irgendeinem Zeitalter der
Weltgeschichte, bei irgendeiner Rasse, ob noch so wild und unge
bildet, mitleidslos‘ und schamlos.“241 Die Geschichte der holländischen
 Kolonialwirtschaft — und Holland war die kapitalistische
Musternation des 17. Jahrhunderts — „entrollt ein unübertreffbares
Gemälde von Verrat, Bestechung, Meuchelmord und Niedertracht‘“.242
Nichts charakteristischer als ihr System des Menschendiebstahls in
Celebes, um Sklaven für Java zu erhalten. Die Menschenstehler
wurden zu diesem Zweck abgerichtet. Der Dieb, der Dolmetscher
und der Verkäufer waren die Hauptagenten in diesem Handel, eingeborene
 Prinzen die Hauptverkäufer. Die weggestohlene Jugend
wurde in den Geheimgefängnissen von Celebes versteckt, bis reif zur
Verschickung auf die Sklavenschiffe. Ein offizieller Bericht sagt:
„Diese eine Stadt von Makassar zum Beispiel ist voll von geheimen
Gefängnissen, eines schauderhafter als das andere, gepfropft mit
Elenden, Opfern der Habsucht und Tyrannei, in Ketten gefesselt,
ihren Familien gewaltsam entrissen.“ Um sich Malakkas zu bemächtigen,
 bestachen die Holländer den portugiesischen Gouverneur.

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241 William Howitt: „Colonization and Christianity. A Popular History
of the Treatment of the Natives by the Europeans in all their Colonies.
London 1838“, p. 9. Ueber die Behandlung der Sklaven gute Zusammenstellung
 bei Charles Comte: „Traite de la L6gislation. 3me €d. Bruxelles
1837.“ Man muß dies Zeug im Detail studieren, um zu sehen, wozu der
Bourgeois sich selbst und den Arbeiter macht, wo er die Welt ungeniert nach
seinem Bilde modeln kann.
2423 Thomas Stamford Raffles, late Lieut. Gov. of that island: „Java and
its dependencies, London 1817.“
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Vierundzwanzigstes Kapitel,

681

Er ließ sie 1641 in die Stadt ein. Sie eilten sofort zu seinem Hause
und meuchelmordeten ihn, um: auf die Zahlung der Bestechungssumme
 von 21 875 Pfd. Sterl. zu „entsagen“. Wo sie die Füße hinsetzten,
 folgte Verödung und Entvölkerung. Banjuwangi, eine Pro«-vinz
 von Java, zählte 1750 über 80 000 Einwohner, 1811 nur noch 8000.
Das ist der doux commerce [der sanfte Handel]!
Die englisch-ostindische Kompanie erhielt bekanntlich, außer
der politischen Herrschaft in Ostindien, das ausschließliche Monopol
des Teehandels, wie des chinesischen Handels überhaupt und des
Gütertransportes von und nach Europa. Aber die Küstenschiffahrt
von Indien und zwischen den Inseln, wie der Handel im Innern
Indiens wurden Monopol der höheren Beamten der Kompanie. Die
Monopole von Salz, Opium, Betel und andern Waren waren unerschöpfliche
 Minen des Reichtums. Die Beamten selbst setzten die
Preise fest und schanden nach Belieben den unglücklichen Hindu.
Der Generalgouverneur nahm teil an diesem Privathandel.. Seine
Günstlinge erhielten Kontrakte unter Bedingungen, wodurch sie,
klüger als die Alchimisten, aus Nichts Gold machten. Große Vermögen
 sprangen wie die Pilze an einem Tage auf, die ursprüngliche
Akkumulation ging vonstatten ohne Vorschuß eines Shillings. Die
gerichtliche Verfolgung des Warren Hastings wimmelt von solchen
Beispielen. Hier ein Fall. Ein Opiumkontrakt wird einem gewissen
Sullivan zugeteilt, im Augenblick seiner Abreise — und zwar in
öffentlichem Auftrage — nach einem von den Opiumdistrikten ganz
entlegenen Teil Indiens. Sullivan verkauft seinen Kontrakt für
40000 Pifd. Sterl. an einen gewissen Binn; Binn verkauft ihn denselben
 Tag für 60000 Pfd. Sterl., und der schließliche Käufer und
Ausführer des Kontrakts erklärt, daß er hinterher noch einen ungeheuren
 Gewinn herausschlug. Nach einer dem Parlament vorgelegten
 Liste. ließen sich die Kompanie und ihre Beamten von 1757
bis 1766 von den Indiern 6 Millionen Pfd. Sterl. schenken! Zwischen
1769 und 1770 fabrizierten die Engländer eine Hungersnot durch den
Ankauf von allem Reis und durch Weigerung des Wiederverkaufes
außer zu fabelhaften Preisen.?*
Die Behandlung der Eingeborenen war natürlich am tollsten in
den nur zum Exporthandel bestimmten Pflanzungen, wie Westindien,
und in den dem Raubmord preisgegebenen reichen und dichtbevölkerten
 Ländern, wie Mexiko und Ostindien. Jedoch auch in
den eigentlichen Kolonien verleugnete sich der christliche Charakter
der ursprünglichen Akkumulation nicht. Jene nüchternen. Virtuosen
des Protestantismus, die Puritaner Neuenglands, setzten 1703 durch
Beschlüsse ihrer Assembly [der gesetzgebenden Versammlung], eine

245 Im Jahre 1866 starben in der einzigen Provinz Orissa mehr als eine
Million Hindus am Hungertod. Nichtsdestoweniger suchte man die indische
Staatskasse zu bereichern durch die Preise, wozu man den Verhungernden
Lebensmittel abließ.
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        582

Siebter Abschnitt.

Prämie von 40 Pfd. Sterl. auf jeden indianischen Skalp und jede gefangene
 Rothaut, 1720 Prämie von 100 Pfd. Sterl. auf jeden Skalp,
1744, nachdem Massachusetts-Bay einen gewissen Stamm zum Rebellen
 erklärt hatte, folgende Preise: für männlichen Skalp, 12 Jahre
und darüber, 100 Pfd. Sterl. neuer Währung, für männliche Gefangene
 105 Pfd. Sterl., für gefangene Weiber und Kinder 55 Pfd.
Sterl., für Skalps von Weibern und Kindern 50 Pfd. Sterl.! Einige
Jahrzehnte später rächte sich das Kolonialsystem an der unterdes
aufrührerisch gewordenen Nachkommenschaft der frommen Pilgrim
Fathers [Pilgerväter, wie die aus England einwandernden ersten
Puritaner genannt wurden — K.]. Unter englischem Antrieb und
Sold wurden sie tomahawked. Das britische Parlament erklärte
Bluthunde und Skalpieren für „Mittel. welche Gott und die Natur
in seine Hand gegeben“.
‚Das Kolonialsystem reifte treibhausmäßig Handel und Schiffahrt.
Die „Gesellschaften Monopolia“ (Luther) waren gewaltige Hebel der
Kapitalkonzentration. Den aufschießenden Manufakturen sicherte
die Kolonie Absatzmarkt und eine durch das Marktmonopol potenzierte
 Akkumulation. Der außerhalb Europas direkt durch Plünderung,
 Versklavung und Raubmord erbeutete Schatz floß ins Mutterland
 zurück und verwandelte sich hier in Kapital. Holland, welches
das Kolonialsystem zuerst völlig entwickelte, stand schon 1648 im
Brennpunkt seiner Handelsgröße. Es war „in fast ausschließlichem
Besitz des ostindischen Handels und des Verkehrs zwischen dem
europäischen Südwesten und Nordosten. Seine Fischereien, Seewesen,
 Manufakturen übertrafen die eines jeden andern Landes.
Die Kapitalien der Republik waren vielleicht bedeutender als die
des übrigen Europa insgesamt.“ Gülich vergißt hinzuzusetzen:
Hollands Volksmasse war schon 1648 mehr überarbeitet, verarmter
und brutaler unterdrückt als die des übrigen Europa insgesamt,
Heutzutage führt industrielle Suprematie [Vorherrschaft] die
Handelssuprematie mit sich. In der eigentlichen Manufakturperiode
dagegen ist es die Handelssuprematie, die die industrielle Vorherrschaft
 gibt. Daher die vorwiegende Rolle, die das Kolonialsystem
 damals spielte. Es war „der fremde Gott“, der sich neben
die alten Götzen Europas auf den Altar stellte und sie eines schönen
Tages mit einem Schub und Bautz sämtlich über den Haufen warf.
Es proklamierte die Plusmacherei als letzten und einzigen Zweck
der Menschheit. Es war die Geburtsstätte des modernen Staatsschulden-
 und Kreditsystems.
Das System des öffentlichen Kredits, das heißt der Staatsschulden,
 dessen Ursprünge wir in Genua und Venedig schon im
Mittelalter entdecken, nahm Besitz von ganz Europa während der
Manufakturperiode. Das Kolonialsystem mit seinem Seehandel und
seinen Handelskriegen diente ihm als Treibhaus. So setzte es sich
zuerst in Holland fest. Die Staatsschuld, das heißt die Veräußerung
des Staates — ob despotisch, konstitutionell oder republikanisch —
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Vierundzwanzigstes Kapitel,

683

drückt der kapitalistischen Aera ihren Stempel auf. Der einzige
Teil des sogenannten Nationalreichtums, der wirklich in den Gesamtbesitz
 der modernen Völker eingeht, ist — ihre Staatsschuld.242
Daher ganz konsequent die moderne Lehre, daß ein Volk um so
reicher wird, je tiefer es sich verschuldet. Der öffentliche Kredit
wird zum Credo [zum Glaubensbekenntnis] des Kapitals. Und mit
dem Entstehen der Staatsverschuldung tritt an die Stelle der Sünde
gegen den heiligen Geist, für die keine Verzeihung ist, der Treu
bruch an der Staatsschuld,
Die öffentliche Schuld wird einer der energischsten Hebel der
ursprünglichen Akkumulation. Wie mit dem Schlag der Wünschelrute
 begabt sie das unproduktive Geld mit Zeugungskraft und verwandelt
 es so in Kapital, ohne daß es dazu nötig hätte, sich der von
industrieller Anlage und selbst privatem Wucher unzertrennlichen
Mühewaltung und Gefahr auszusetzen. Die Staatsgläubiger geben in
Wirklichkeit nichts, denn die geliehene Summe wird in öffentliche,
leicht übertragbare Schuldscheine. verwandelt, die in ihren Händen
fortfungieren, ganz als wären sie ebensoviel Bargeld. Aber auch
abgesehen von der so geschaffenen Klasse müßiger Rentner und von
dem über Nacht aufgeschossenen Reichtum der zwischen Regierung
und Nation die Mittler spielenden Finanziers — wie auch von dem
der Steuerpächter, Kaufleute, Privatfabrikanten, denen ein gut Stück
jeder Staatsanleihe den Dienst eines vom Himmel gefallenen Kapitals
leistet — hat die Staatsschuld die Aktiengesellschaften, den Handel
mit verkäuflichen Wertpapieren aller Art, gewagte Spekulationen,
die Agiotage emporgebracht, in einem Wort: das Börsenspiel und die
moderne Bankokratie [Bankenherrschaft].
Von ihrer Geburt an waren die mit nationalen Titeln aufgestutzten
 großen Banken nur Gesellschaften von Privatspekulanten,
die sich den Regierungen an die Seite stellten und, dank den erhaltenen
 Privilegien, ihnen Geld vorzuschießen imstande waren.
Daher hat das Anwachsen der Staatsschuld keinen unfehlbareren
Gradmesser als das fortgesetzte Steigen der Aktien dieser Banken,
deren volle Entfaltung von der Gründung der Bank von England
datiert (1694). Die Bank von England begann damit, der Regierung
ihr Geld zu 8 pZt. zu verleihen; gleichzeitig war sie vom Parlament
ermächtigt, aus demselben Kapital Geld zu münzen, indem sie &amp;amp;
dem Publikum nochmals in Form von Banknoten lieh. Sie durfte
mit diesen Noten Wechsel diskontieren. [vor der Verfallzeit ankaufen],
 Waren beleihen und edle Metalle einkaufen. Es dauerte
nicht lange, so wurde dies von ihr selbst fabrizierte Kreditgeld die
Münze, worin die Bank von England dem Staat Anleihen machte und
für Rechnung des Staates die Zinsen der öffentlichen Schuld bezahlte.

2458 William Cobbett bemerkt, daß in England alle öffentlichen Anstalten
als „königliche“ bezeichnet werden, zum Ersatz dafür gebe es jedoch die
„National‘“-Schuld (national debt).
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        684

Siebter Abschnitt.

Nicht genug, daß sie mit einer Hand gab, um mit der andern mehr
zurückzuempfangen; sie blieb auch, während sie empfing, ewige
Gläuberin der Nation bis zum letzten gegebenen Heller. Allmählich
wurde sie der unvermeidliche Behälter der Metallschätze des Landes
und der Mittelpunkt, um den sich der gesamte Handelskredit drehte.
Um dieselbe Zeit, wo man in England aufhörte, Hexen zu verbrennen,
 fing man dort an, Banknotenfälscher zu hängen. Welchen
Effekt auf die Zeitgenossen das plötzliche Auftauchen dieser Brut
von Bankokraten, Finanziers, Rentiers, Maklern, Spekulanten und
Börsenwölfen machte, beweisen die Schriften jener Zeit, zum Beispiel
 Bolingbrokes.?4
Mit den Staatsschulden entstand ein internationales Kreditsystem,
 das häufig eine der Quellen der ursprünglichen Akkumulation
bei diesem oder jenem Volk versteckt. So bilden die Gemeinheiten
des venetianischen Raubsystems eine solche verborgene Grundlage
des Kapitalreichtums von Holland, dem das verfallende Venedig
große Geldsummen lieh. Ebenso verhält es sich zwischen Holland
und England. Schon im Anfang des 18. Jahrhunderts sind die Manufakturen
 Hollands weit überflügelt und hat es aufgehört, herrschende
Handels- und Industrienation zu sein. Eines seiner Hauptgeschäfte
von 1701 bis 1776 wird daher das Ausleihen ungeheurer Kapitalien,
speziell an seinen übermächtigen Konkurrenten England. Aehnliches
 gilt. jetzt zwischen England und den Vereinigten Staaten.
Manches Kapital, das heute in den Vereinigten Staaten ohne
Geburtsschein auftritt, ist erst gestern in England kapitalisiertes
Kinderblut.
Da die Staatsschuld ihren Rückhalt in den Staatseinkünften hat,
die die jährlichen Zins- usw. Zahlungen decken müssen, so wurde
das moderne Steuersystem notwendige Ergänzung des Systems der
Nationalanleihen. Die Anleihen befähigen die Regierung, außerordentliche
 Ausgaben zu bestreiten, ohne daß der Steuerzahler es
sofort fühlt, aber sie erfordern doch für die Folge erhöhte Steuern.
Anderseits zwingt die durch Anhäufung nacheinander aufgenommener
 Schulden verursachte Steuererhöhung die Regierung, bei neuen
außerordentlichen Ausgaben stets neue Anleihen aufzunehmen. Die
moderne Fiskalität [das Finanzwesen des Staates], deren Drehungsachse
 die Steuern auf die notwendigsten Lebensmittel (also deren
Verteuerung) bilden, trägt daher in sich selbst den Keim automatischer
 Steigerung. Die Ueberlastung mit Steuern ist nicht ein
gelegentlicher Zwischenfall, sondern vielmehr Prinzip. In Holland,
Wo dies System zuerst eingeführt wurde, hat daher der große Patriot
De Witt es in seinen Maximen gefeiert als das beste System, um
den Lohnarbeiter unterwürfig, genügsam, Üleißig und ... mit Arbeit
245b „Wenn die Tataren heute Europa überschwemmten, würde es
ziemliche Mühe kosten, ihnen begreiflich zu machen, was ein Finanzmann
bei 308 ist.“ (Montesquieu: „Esprit des lois, 6d. Londres 1769“, vol. IV,
D. 33,
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

685

überladen zu machen. Der zerstörende Einfluß, den es auf die Lage
der Lohnarbeiter selbst ausübt, geht uns hier jedoch weniger an
als die durch es bedingte gewaltsame Expropriation des Bauern,
des Handwerkers, kurz aller Bestandteile der kleinen Mittelklasse.
Darüber bestehen keine zwei Meinungen, selbst nicht bei den
bürgerlichen Oekonomen. Verstärkt wird seine exproprilierende
Wirksamkeit noch durch das Protektionssystem [das System des
„Schutzes der nationalen Arbeit“], das einer seiner wesentlichen
Teile ist.
Die auffallende Rolle des Staatsschulden- und modernen
Steuersystems bei der Verwandlung des gesellschaftlichen Reichtums
 in Kapital, der Expropriation selbständiger Produzenten und
der Herunterdrückung der Lohnarbeiter hat manche Schriftsteller,
wie Cobbett, Doubleday und andere verleitet, dort den Grund alles
modernen Volkselends zu suchen.
Das Protektionssystem war ein Kunstmittel, Fabrikanten zu
{abrizieren, unabhängige Arbeiter zu expropriieren, die nationalen
Produktions- und Lebensmittel zu kapitalisieren, den Uebergang
aus der altertümlichen in die moderne Produktionsweise gewaltsam
abzukürzen. Die europäischen Staaten rissen sich um das Patent
dieser Erfindung, und einmal in den Dienst der Plusmacher eingetreten,
 brandschatzten sie zu jenem Behuf nicht nur das eigene
Volk, indirekt durch Schutzzölle, direkt durch Exportprämien usw.
In den abhängigen Nebenlanden wurde alle Industrie gewaltsam
ausgerodet, wie zum Beispiel die irische Wollmanufaktur durch
England. Auf dem europäischen Kontinent ward nach Colberts
Vorgang der Prozeß noch sehr vereinfacht. Das ursprüngliche
Kapital des Industriellen fließt hier zum Teil direkt aus dem Staatsschatz.
 „Warum“, ruft Mirabeau, „so weit die Ursache des Manufakturglanzes
 Sachsens vor dem Siebenjährigen Kriege suchen gehen?
180 Millionen Staatsschulden !‘“?44
Kolonialsystem, Staatsschulden, Steuerwucht, Protektion, Handelskriege
 usw., diese Sprößlinge der eigentlichen Manufakturperiode,
 schwellen riesenhaft während der Kinderperiode der großen
Industrie. Die Geburt der letzteren wird gefeiert durch den großen
herodischen Kinderraub. Wie die königliche Flotte, rekrutieren sich
die Fabriken vermittels des Pressens [der gewaltsamen Werbung].
So abgestumpit Sir F. M. Eden ist gegen die Greuel der Expropriation
des Landvolkes von Grund und Boden seit dem letzten Drittel des
15. Jahrhunderts bis zu seiner Zeit, dem Ende des 18. Jahrhunderts;
So selbstgefällig er gratuliert zu diesem Prozeß, „notwendig“, um
die kapitalistische Agrikultur und „das wahre Verhältnis von Ackerland
 und Viehweide herzustellen“, beweist er dagegen nicht dieselbe
ökonomische Einsicht in die Notwendigkeit des Kinderraubes und

244 Mirabeau: „De la Monarchie Prussienne. Londres 1788“, vol. VI,
p. 101.
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        586

Siebter Abschaitt.

der Kindersklaverei für die Verwandlung des Manufakturbetriebes
in den Fabrikbetrieb und die Herstellung des wahren Verhältnisses
von Kapital und Arbeitskraft.
Er sagt: „Es mag vielleicht die Erwägung des Publikums wert
sein, ob irgendeine Industrie, die zu ihrer erfolgreichen Ausführung
 Cottages und Workhouses von armen Kindern ausplündern
muß, damit sie, truppweise sich ablösend, den größten Teil der
Nacht durch abgerackert und der Ruhe beraubt werden; eine Industrie,
 die außerdem Haufen beiderlei Geschlechts, von verschiedenen
 Altersstufen und Neigungen, so zusammenhudelt, daß die Ansteckung
 des Beispiels zu Verworfenheit und Liederlichkeit führen
muß —, ob solch eine Industrie die Summe des nationalen und
individuellen Glückes vermehren kann ?“24
„In Derbyshire, Nottinghamshire und besonders Lancashire“,
sagt Fielden, „wurde die jüngst.erfundene Maschinerie angewandt
in großen Fabriken, dicht bei Strömen, fähig das Wasserrad zu
drehen. Tausende von Händen waren plötzlich erheischt an diesen
Plätzen, fern von den Städten; und Lancashire namentlich, bis zu
jener Zeit vergleichungsweise dünn bevölkert und unfruchtbar, bedurfte
 jetzt vor allem einer Bevölkerung. Die kleinen und flinken
Finger waren vor allem gesucht. Sofort sprang die Gewohnheit auf,
Lehrlinge (!) aus den verschiedenen Pfarrei-Workhouses von London,
 Birmingham und sonstwo zu beziehen. Viele, viele Tausende
dieser kleinen hilflosen Wesen, vom 7. bis zum 13. oder 14. Jahre,
wurden so nach dem Norden befördert. Es war die Gewohnheit für
den Meister (das heißt den Kinderdieb), seine Lehrlinge zu kleiden,
nähren und logieren in einem Lehrlingshaus nahe bei der Fabrik.
Aufseher wurden bestellt, um ihre Arbeit zu überwachen. Es war
das Interesse dieser Sklaventreiber, die Kinder aufs äußerste abzuarbeiten,
 denn ihre Zahlung stand im Verhältnis zum Produktenquantum,
 das aus dem Kind erpreßt werden konnte. Grausamkeit
war natürliche Folge. ... In vielen Fabrikdistrikten, besonders
Lancashires, wurden die herzzerreißendsten Torturen verübt an
diesen harmlosen und freundlosen Wesen, die den Fabrikherren übergeben
 waren. Sie wurden zu Tode gehetzt durch ein Uebermaß an
Arbeit ... sie wurden gepeitscht, gekettet und gefoltert mit dem
ausgesuchtesten Raffinement von Grausamkeit; sie wurden in vielen
Fällen zu Skeletten ausgehungert, während die Peitsche sie an der
Arbeit hielt. ... Ja, in einigen Fällen wurden sie zum Selbstmord
getrieben! . . . Die schönen und romantischen Täler von Derbyshire,
Nottinghamshire und Lancashire, abgeschlossen vom öffentlichen
Auge, wurden grause Einöden von Tortur und — oft von Mord! ..-Die
 Profite der Fabrikanten waren enorm. Das wetzte nur ihren
Werwolfsheißhunger. Sie begannen die Praxis der Nachtarbeit, das
heißt nachdem sie eine Gruppe Hände durch das Tagewerk erschöpft,

245 Eden: „The State of the Poor“, b, IL ch. 1, p. 421.
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

687

hielten sie eine andere Gruppe für das Nachtwerk bereit; die Tagesgruppe
 wanderte in die Betten, welche die Nachtgruppe gerade verlassen
 hatte und umgekehrt. Es ist Volksüberlieferung in Lancashire,
daß die Betten nie abkühlten.“24
Mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktion während
der Manufakturperiode hatte die öffentliche Meinung von Europa
den letzten Rest von Schamgefühl und Gewissen eingebüßt. Die
Nationen renommierten zynisch mit jeder Infamie, die ein Mittel zur
Kapitalakkumulation. Man lese zum Beispiel die naiven Handelsannalen
 des Biedermannes A, Anderson. Hier wird es als Triumph
englischer Staatsweisheit ausposaunt, daß England im Frieden von
Utrecht [1713] den Spaniern durch den Asientovertrag das Privilegium
abzwang, den Negerhandel, den es bisher nur zwischen Afrika und
dem englischen Westindien betrieb, nun auch zwischen Afrika und
dem spanischen Amerika betreiben zu dürfen. England erhielt das
Recht, das spanische Amerika bis 1743 jährlich mit 4800 Negern
zu versorgen. Dies gewährte zugleich einen offiziellen Deckmantel
für den britischen Schmuggel. Liverpool wuchs groß auf der Basis
des Sklavenhandels. Er bildet seine Methode der ursprünglichen
Akkumulation. Und bis heutzutage blieb die Liverpooler „Ehrbarkeit“
 Pindar des Sklavenhandels, welcher — vgl. die zitierte
Schrift des Dr. Aikin von 1795 — „den kommerziellen Unternehmungsgeist
 bis zur Leidenschaft steigere, famose Seeleute bilde
und enormes Geld einbringe“. Liverpool beschäftigte 1730 im
Sklavenhandel 15 Schiffe, 1751 53, 1760 74, 1770 96 und 1792 182.

246 John Fielden: „The Curse of the Factory System. London 1836“,
p.5, 6. Ueber die ursprünglichen Infamien des Fabrikwesens vgl. Dr. Aikin:
„Description of the Country from thirty to forty miles round Manchester.
London 1795“, p. 219, und Gisborne: „Enquiry into the duties of men, 1795“,
vol. II. — Da die Dampfmaschine die Fabriken von den ländlichen Wasserfällen
 weg in die Mitte von Städten verpflanzte, fand der „entsagungslustige“
Plusmacher das Kindermaterial nun zur Hand, ohne gewaltsame Sklavenzufluhr
 aus den Workhouses. — Als Sir R. Peel (Vater des „Ministers der
Plausibilität“ [des guten Scheines]) seine Bill zum Schutz der Kinder
1815 einbrachte, erklärte Francis Horner (eine Leuchte des Bullion-Komitees
und intimer Freund Ricardos) im Unterhaus: „Es ist allgemein bekannt, daß
mit den Wertsachen eines Bankerottierers eine Bande, wenn er solchen Ausdruck
 brauchen dürfe, von Fabrikkindern zur Auktion öffentlich, als Teil des
Eigentums, annonciert und losgeschlagen wurde, Vor zwei Jahren (1813) kam
ein abscheulicher Fall vor die King’s Bench [Oberhofgericht]. Es handelte sich
um eine Anzahl Knaben. Eine Pfarrei von London hatte sie einem Fabrikanten
übermacht, der übertrug sie wieder auf einen andern. Sie wurden schließlich
von einigen Menschenfreunden in einem Zustande absoluter Verhungerung
(absolute famine} entdeckt. Ein anderer Fall, noch abscheulicher, sei zu
seiner Kenntnis als Mitglied des parlamentarischen Untersuchungskomitees
gebracht worden. Vor nicht vielen Jahren schlossen eine Londoner Pfarrei
und ein Fabrikant von Lancashire einen Vertrag, wodurch festgesetzt wurde,
daß er auf je 20 gesunde Kinder 1 Idioten mit in den Kauf zu
nehmen habe.“
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        588

Siebter Abschnitt.

Während sie die Kindersklaverei in England einführte, gab die
Baumwollindustrie zugleich den Anstoß zur Verwandlung der früher
mehr oder minder patriarchalischen Sklavenwirtschaft der Vereinigten
 Staaten in ein kommerzielles Ausbeutungssystem. Ueberhaupt
bedurfte die verhüllte Sklaverei der Lohnarbeiter in Europa zur
Grundlage die unverhüllte Sklaverei in der neuen Welt.247
Tantae molis erat [solch gewaltige Mühen kostete es], die „ewigen
Naturgesetze‘“ der kapitalistischen Produktionsweise zu entbinden,
den Scheidungsprozeß zwischen Arbeitern und Arbeitsbedingungen
zu vollziehen, auf dem einen Pol die gesellschaftlichen Produktionsund
 Lebensmittel in Kapital zu verwandeln, auf dem Gegenpol die
Volksmasse in Lohnarbeiter, in freie „arbeitende Arme“, dies Kunstprodukt
 der modernen Geschichte.?*t® Wenn das Geld, nach Augier,
„Mit natürlichen Blutflecken auf einer Backe zur Welt kommt“? so
das Kapital von Kopf bis Zeh, aus allen Poren, - blut- und schmutztriefend.
 250

247 1790 kamen im englischen Westindien 10 Sklaven auf 1 Freien, im
französischen 14 auf 1, im holländischen 23 auf 1. (Henry Brougham: „An
Inquiry into the Colonial Policy of the European Powers. Edinburgh 1808“,
vol, II, p. 74.)
8 Der Ausdruck „labouring poor“ [arbeitende Arme] findet sich in
den englischen Gesetzen vom Augenblick, wo die Klasse der Lohnarbeiter
bemerkenswert wird. Die „labouring poor“ stehen im Gegensatz, einerseits
zu den „idle poor“ [müßigen Armen], Bettlern usw., anderseits zu den Arbeitern,
 die noch keine gerupften Hühner, sondern Eigentümer ihrer Arbeitsmittel
 sind. Aus dem Gesetz ging der Ausdruck „Jabouring poor“ in die
politische Oekonomie über, von Culpeper, J. Child usw. bis A. Smith und
Eden. Danach beurteile man den guten Glauben des „execrable political cantmonger“
 [wiıderlichen politischen Phrasendreschers] Edmund Burke, wenn
er den Ausdruck „labouring poor“ für „execrable political cant“ [eine widerliche
 politische Phrase] erklärt. Dieser Preßlakai, der im Sold der englischen
 Oligarchie den Romantiker gegenüber der französischen Revolution
spielte, ganz wie er, im Sold der nordamerikanischen Kolonien beim Beginn
der amerikanischen Wirren, gegenüber der englischen Oligarchie den Liberalen
 gespielt hatte, war durch und durch ordinärer Bourgeois: „Die Gesetze
des Handels sind die Gesetze der Natur und folglich die Gesetze Gottes.‘
(E. Burke: „Thoughts and Details on Scarcity. Ed, London 1800“, p. 31, 32.)
Kein Wunder, daß er, den Gesetzen Gottes und der Natur getreu, stets sich
selbst auf dem besten Markt verkauft hat! Man findet in des Reverend
Tucker Schriften — Tucker war Pfaffe und Tory, im übrigen aber anständiger
Mann und tüchtiger politischer Oekonom — sehr gute Charakteristik dieses
Edmund Burke während seiner liberalen Zeit. Bei der infamen Charakterlosigkeit,
 die heutzutage herrscht und untertänigst an „die Gesetze des Handels“
 glaubt, ist es Pflicht, wieder und wieder die Burkes zu brandmarken,
die sich von ihren Nachfolgern nur durch eines unterscheiden — Talent!
249 Marie Augier: „Du Credit Public.“
250 „Kapital“, sagt der „Quarterly Reviewer“, „flieht Tumult und Streit und
ist ängstlicher Natur, Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit.
 Das Kapital hat einen Abscheu vor Abwesenheit von Profit, oder sehr
kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

% Geschichtliche Tendenz der kapitalistischen Akkumulation. —
Worauf kommt die ursprüngliche Akkumulation des Kapitals,
das heißt sein historischer Ursprung, hinaus? Soweit sie nicht unmittelbare
 Verwandlung von Sklaven und Leibeigenen in Lohnarbeiter,
 also bloßer Formwechsel ist, bedeutet sie nur die Expropriation
 der unmittelbaren Produzenten, das heißt die Auflösung des auf
eigener Arbeit beruhenden Privateigentums.
Privateigentum, als Gegensatz zum gesellschaftlichen, kollektiven
 Eigentum, besteht nur da, wo die Arbeitsmittel und die andern
äußeren Bedingungen der Arbeit Privatleuten gehören. Je nachdem
aber diese Privatleute die Arbeiter oder die Nichtarbeiter sind, hat
auch das Privateigentum einen andern Charakter. Die unendlichen
 Schattierungen, die es auf den ersten Blick darbietet,
spiegeln nur die zwischen diesen beiden Extremen liegenden
Zwischenzustände wider.
Das Privateigentum des Arbeiters an seinen Produktionsmitteln
ist die Grundlage des Kleinbetriebes, der Kleinbetrieb eine notwendige
 Bedingung für die Entwicklung der gesellschaftlichen Produktion
 und der freien Individualität des Arbeiters selbst. Allerdings
 existiert diese Produktionsweise auch innerhalb der Sklaverei,
Leibeigenschaft und anderer Abhängigkeitsverhältnisse. Aber sie
blüht nur, schnellt nur ihre ganze Energie, erobert nur die ihr angemessene
 klassische Form, wo der Arbeiter freier Privateigentümer
seiner von ihm selbst gehandhabten Arbeitsbedingungen ist, der
Bauer des Ackers, den er bestellt, der Handwerker des Instruments,
worauf er als Virtuose spielt.
Diese Produktionsweise unterstellt Zersplitterung des Bodens
und der übrigen Produktionsmittel. Wie die Konzentration der
letzteren, so schließt sie auch die Kooperation, Teilung der Arbeit
innerhalb derselben Produktionsprozesse, gesellschaftliche Beherrschung
 und Regelung der Natur, freie Entwicklung der gesellschaftlichen
 Produktivkräfte aus. Sie ist nur verträglich mit engen
naturwüchsigen Schranken der Produktion und der Gesellschaft.
Sie verewigen wollen, hieße, wie Pecqueur mit Recht sagt, „die allgemeine
 Mittelmäßigkeit dekretieren“, Auf einem ‚gewissen. Höhegrad
 bringt sie die.materiellen. Mittel.ihrer „eigenen. Vernichtung -zur
Welt. "Von diesem Augenblick regen sich. Kräfte und Leidenschaften
im Gesellschaftsschoße, welche..sich von. ihr. gefesselt fühlen.- Sie
muß vernichtet werden, sie wird vernichtet... Ihre. Vernichtung, die
Verwandlung der individuellen und zersplitterten Produktionsmittel

689

wird Kapital kühn. 10 pZt. sicher, und man kann es überall anwenden:
20 pZt., es wird lebhaft; 50 pZt., positiv waghalsig; für 100 pZt. stampft
88 alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 800 pZt., und es öxieler
kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn
em und Streit Profit bringen, wird es sie beide fördern. Beweis:
chmuggel und Sklavenhandel.“ (T, J. Dunning: Uni ikes.
Kun BE 60 Dr a6 ( g: „Trades-Unions and Strikes,
Das Kanital. 1
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        590

Siebter Abschnitt.

in gesellschaftlich _konzentrierte,-.daher..des..zwerghaften. Eigentums
vieler in das massenhafte. Eigentum weniger; daher die Expropriation
der. großen. Volksmasse. von. Grund. und..Boden.. und Lebensmitteln
und Arbeitsinstrumenten, diese furchtbare. und. schwierige Expropriation
 der, Volksmasse bildet die Vorgeschichte des: Kapitals. Sie umfaßt
 eine Reihe gewaltsamer Methoden, wovon wir nur die epochemachenden
 als Methoden der . ursprünglichen Akkumulation des
Kapitals Revue passieren ließen. Die Expropriation der unmittelbaren
 Produzenten wird mit schonungslosestem Vandalismus und
unter dem Trieb der infamsten, schmutzigsten, kleinlichst gehässigsten
 Leidenschaften vollbracht. Das selbst erarbeitete, sozusagen
auf Verwachsung des einzelnen unabhängigen Arbeitsindividuums
mit seinen Arbeitsbedingungen beruhende Privateigentum wird verdrängt
 durch das kapitalistische Privateigentum, welches auf Ausbeutung
 fremder, aber formell freier Arbeit beruht.2%
Sobald dieser Umwandlungsprozeß nach Tiefe und Umfang die
alte Gesellschaft hinreichend zerseizt hat, sobald die Arbeiter in
Proletarier, ihre Arbeitsbedingungen in Kapital verwandelt sind,
sobald die kapitalistische Produktionsweise auf eigenen Füßen steht,
gewinnt die weitere Vergesellschaftung der Arbeit und weitere Verwandlung
 der Erde und anderer Produktionsmittel in gesellschaftlich
 ausgebeutete, also gemeinschaftliche Produktionsmittel, daher
die weitere Expropriation der Privateigentümer, eine neue Form.
Was jetzt zu expropriieren, ist nicht länger der selbtwirtschaftende
Arbeiter, sondern der viele Arbeiter ausbeutende Kapitalist.
Diese Expropriation vollzieht sich durch das Spiel der immanenten
 Gesetze” der kapitalistischen_Produktion selbst, durch die Zeniralisation
 der Käpitale. Je ein Kapitalist schlägt viele. _tot.__ Hand
in_ Hand” mit dieser” Zentralisation oder „der Expropriation vieler
Kapitalisten durch wenige entwickelt sich die kooperative Form des
Arbeitsprozesses”auf._stets_ wachsender Stufenleiter, die bewußte
technische. Anwendung der Wissenschalt, die -plänmäßige” Ausbeutung
 der Erde, die Verwandlung der Arbeitsmittel in nur
gemeinsam verwendbare Arbeitsmittel, die Oekonomisierung aller
Produktionsmittel durch ihren Gebrauch als Produktionsmittel
kombinierter, gesellschaftlicher Arbeit, die Verschlingung aller
Völker in das Netz des Weltmarktes; und damit der internationale
Charakter des kapitalistischen Regimes. Mit der beständig abnehmenden
 Zahl der Kapitalmagnaten, welche alle Vorteile dieses
Umwandlungsprozesses usurpieren und monopolisieren, wächst die
Masse des Elends, des Druckes, der Knechtschaft, der Entartung, der
Ausbeutung, aber auch die Empörung der stets anschwellenden und
durch den Mechanismus des kapitalistischen Produktionsprozesses

31 „Wir leben in völlig neuen gesellschaftlichen Verhältnissen .. -
wir sind bestrebt, jede Art Eigentum von jeder Art Arbeit zu trennen.“
(Sismondi: „Nouveaux Principes de l’Economie Politique“, vol. II, p. 434.)
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Fünfundzwanzigstes Kapitel.

691

selbst geschulten, vereinten und organisierten Arbeiterklasse. Das
Kapitalmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise, die mit und
unter ihm aufgeblüht ist. Die Zentralisation der Produktionsmittel
und die Vergesellschaftung der Arbeit erreichen einen Punkt, wo
sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistischen Hülle, Sie wird
gesprengt. Die Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt.
Die Expropriateurs werden exproprüiert.
Die aus der kapitalistischen Produktionsweise hervorgehende
kapitalistische Aneignungsweise, daher das kapitalistische Privateigentum,
 ist die erste Negation [Verneinung] des individuellen, auf
eigene Arbeit gegründeten Privateigentums. Aber die kapitalistische
Produktion erzeugt mit der Notwendigkeit eines_Nalurprozesses-ihre
eigene _Negation. Es ist Negation der Negation. Diese stellt nicht
das Privateigentum des Arbeiters wieder her, wohl aber das individuelle
 Eigentum auf Grundlage der Errungenschaft der kapitalistischen
 Aera: der Kooperation und des Gemeinbesitzes der Erde
und der durch die Arbeit selbst produzierten Produktionsmittel.
Die Verwandlung des auf eigener Arbeit der Individuen beruhenden,
 zersplitterten Privateigentums in kapitalistisches ist natürlich
 ein Prozeß, ungleich mehr langwierig, hart und schwierig als die
Verwandlung des tatsächlich bereits auf gesellschaftlichem Produktionsbetrieb
 beruhenden kapitalistischen Eigentums in gesellschaftliches.
 Dort handelte es sich um die Expropriation der
Volksmasse durch wenige Usurpatoren, hier handelt es sich um die
Expropriation weniger Usurpatoren durch die Volksmasse.2%2

Die moderne Kolonisationstheorie.

Fünfundzwanzigstes Kapitel.

Die politische Oekonomie verwechselt prinzipiell zwei sehr verschiedene
 Sorten Privateigentum, wovon das eine auf eigener Arbeit
des Produzenten beruht, das andere auf der Ausbeutung fremder
Arbeit. Sie vergißt, daß das letztere nicht nur den direkten Gegensatz
 des ersteren bildet, sondern auch bloß auf seinem Grabe wächst.

»2 „Der Fortschritt der Industrie, dessen willenloser und widerstandsloser
 Träger die Bourgeoisie ist, setzt an die Stelle der Isolierung der Arbeiter
 durch die Konkurrenz ihre revolutionäre Vereinigung durch die
Assoziation. Mit der Entwicklung der großen Industrie wird also unter den
Füßen der Bourgeoisie die Grundlage selbst weggezogen, worauf sie produziert
 und die Produkte sich aneignet. Sie produziert also vor allem ihre
eigenen Totengräber, Ihr Untergang und der Sieg des Proletariats sind gleich
unvermeidlich, ... Von allen Klassen, welche heutzutage der Bourgeoisie
gegenüberstehen, ist nur das Proletariat eine wirklich revolutionäre Klasse.
Die übrigen Klassen verkommen und gehen unter mit der großen Industrie,
        <pb n="737" />
        592

Siebter Abschnitt.

Im Westen von Europa, dem Heimatsland der politischen
Dekonomie, ist der Prozeß der ursprünglichen Akkumulation mehr
oder minder vollbracht. Das kapitalistische Regiment hat sich hier
entweder die ganze nationale Produktion direkt unterworfen, oder,
wo die Verhältnisse noch unentwickelter, kontrolliert es wenigstens
indirekt die neben ihm fortexistierenden, verkommenden, der ver
alteten Produktionsweise angehörigen Gesellschaftsschichten. Auf
diese fertige Welt des Kapitals wendet der politische Oekonom mil
desto ängstlicherem Eifer und desto größerer Salbung die Rechtsund
 Eigentumsvorstellungen der vorkapitalistischen Welt an, je
lauter die Tatsachen seiner Ideologie [seiner Vorstellungswelt] ins
Gesicht schreien.

Anders in den Kolonien.2%® Das kapitalistische Regiment stößt
dort überall auf das Hindernis des Produzenten, welcher als Besitzer
seiner eigenen Arbeitsbedingungen sich selbst durch seine Arbeit
bereichert statt den Kapitalisten. Der Widerspruch dieser zwei
einander gerade entgegengesetzten ökonomischen Systeme betätigt
sich hier praktisch in ihrem: Kampf. Wo der Kapitalist die
Macht des Mutterlandes im Rücken hat, sucht er die auf eigener
Arbeit beruhende Produktions- und Aneignungsweise gewaltsam aus
dem Wege zu räumen. Dasselbe Interesse, welches den Sykophanten
des Kapitals, den politischen Oekonomen, im Mutterlande bestimmt,
die kapitalistische Produktionsweise theoretisch für ihr eigenes
Gegenteil zu erklären, dasselbe Interesse treibt ihn hier „to make
a clean breast of it“ [ein offenes Geständnis ‚abzulegen], und den
Gegensatz beider Produktionsweisen laut zu verkünden. Zu diesem
Behuf weist er nach, wie die Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft
 der Arbeit, Kooperation, Arbeitsteilung, Anwendung der
Maschinerie im großen usw. unmöglich sind ohne die Expropriation
der Arbeiter und die entsprechende Verwandlung ihrer Produktionsmittel
 in Kapital. Im Interesse des sogenannten Nationalreichtums
sucht er nach Kunstmitteln zur Herstellung der Volksarmut. Sein
apologetischer Panzer zerbröckelt hier Stück für Stück wie mürber
Zunder.

das Proletariat ist ihr eigenstes Produkt. .. . Die Mittelstände, der kleine
Industrielle, der kleine Kaufmann, der Handwerker, der Bauer, sie alle
bekämpfen die Bourgeoisie, um ihre Existenz als Mittelstände vor dem Untergang
 zu sichern . .. sie sind reaktionär, denn sie suchen das Rad der Geschichte
 zurückzudrehen. (Karl Marx und F. Engels: „Manifest der kommunistischen
 Partei. London 1847“, S. 11, 9. — [7. Auflage. Berlin 1906,
S. 82, 30.]
255 Es handelt sich hier um wirkliche Kolonien, jungfräulichen Boden,
der durch freie Einwanderer kolonisiert wird. Die Vereinigten Staaten sind,
ökonomisch gesprochen, immer noch Kolonialland Europas. Uebrigens gebören
 auch solche alten Pflanzungen hierher, wo die Aufhebung der Sklaverei
die Verhältnisse gänzlich umgewälzt hat.
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Fünfundzwanzigstes Kapitel.

693

Es ist das große Verdienst E. G. Wakefields, nicht irgend etwas
Neues über die Kolonien,?* aber in den Kolonien die Wahrheit
über die kapitalistischen Verhältnisse des Mutterlandes entdeckt zu
baben. Wie das Protektionssystem in seinen Ursprüngen?®5 die
Fabrikation von Kapitalisten im Mutterland, so erstrebt Wakefields
Kolonisationstheorie, welche England eine Zeitlang gesetzlich ins
Werk zu setzen suchte, die Fabrikation von Lohnarbeitern in den
Kolonien. Das nennt er „systematie colonization“ (systematische
Xolonisation).
Zunächst entdeckte Wakefield in den Kolonien, daß das Eigenum
 an Geld, Lebensmitteln, Maschinen und andern Produktionsmitteln
 einen Menschen noch nicht zum Kapitalisten stempelt, wenn
die Ergänzung fehlt, der Lohnarbeiter, der andere Mensch, der sich
selbst freiwillig zu verkaufen gezwungen ist. Er entdeckte, daß
das Kapital nicht eine Sache ist, sondern ein durch Sachen vermitteltes
 gesellschaftliches Verhältnis zwischen Personen.2% Herr
Peel, jammert er uns vor, nahm Lebensmittel und Produktionsmittel
zum Belauf von 50 000 Pfd. Sterl. aus England nach dem Swan River,
Neuholland, mit. Herr Peel war so vorsichtig, außerdem 3000 Personen
 der arbeitenden Klasse, Männer, Weiber und Kinder, mitzubringen.
 Einmal am Bestimmungsplatze angelangt, „blieb Herr
Peel ohne einen Diener, sein Bett zu machen oder ihm Wasser aus
dem Flusse zu schöpfen“.?®7 Unglücklicher Herr Peel, der alles
vorsah, nur nicht den Export der englischen Produktionsverhältnisse
nach dem Swan River!
Zum Verständnis der folgenden Entdeckungen Wakefields zwei
Vorbemerkungen. Man weiß: Produktions- und Lebensmittel, als
Eigentum des unmittelbaren Produzenten, des Arbeiters selbst, sind
kein Kapital. Sie werden Kapital nur unter Bedingungen, worin
sie zugleich als Ausbeutungs- und Beherrschungsmittel des Arbeiters
dienen. Diese ihre kapitalistische Seele ist aber im Kopfe des politischen
 Oekonomen so innig mit ihrer stofflichen Substanz vermählt,
daß er sie unter allen Umständen Kapital tauft. auch wo sie das

254 Die wenigen Lichtblicke Wakefields über das Wesen der Kolonien
selbst sind vollständig vorweggenommen durch Mirabeau Vater, den Physio-&amp;amp;raten,
 und noch viel früher durch englische Oekonomen.
*5 Es wird später eine zeitweise Notwendigkeit im internationalen
Konkurrenzkampf. Welches aber immer sein Motiv. die Folgen bleiben dieselben,

56 „Kin Neger ist ein Neger. In bestimmten Verhältnissen wird er erst
zum Sklaven. Eine Baumwollmaschine ist eine Maschine zum Baumwoll-Spinnen.
 Nur in bestimmten Verhältnissen wird sie zu Kapital. Aus diesen
Verhältnissen herausgerissen, ist sie so wenig Kapital, wie Gold an und für
Sich Geld oder der Zucker der Zuckerpreis ist, .,. Das Kapital ist ein ge-Sellschaftliches
 Produktionsverhältnis. Es ist ein historisches Produktionsverhältnis.“
 (Karl Marx: „Lohnarbeit und Kapital“ in „Neue Rheinische Zeijung“,
 Nr. 266 vom 7. April 1849, [Neuausgabe Berlin 1907, S. 24, 25.]
257 E, GQ, Wakefield: „England and America. London 1833“. vol. IL D. 833.
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        694

Siebter Abschnitt.

gerade Gegenteil sind. So bei Wakefield. Ferner: die Zersplitterung
der Produktionsmittel als individuelles Eigentum vieler von einander
 unabhängigen, selbstwirtschaftenden Arbeiter nennt er gleiche
Teilung des Kapitals. Es geht dem politischen Oekonomen, wie dem
feudalen Juristen. Letzterer klebte auch auf reine Geldverhältnisse
seine feudalen Rechtsetiketten.
„Wäre“, sagt Wakefield, „das Kapital unter alle Mitglieder der
Gesellschaft in gleiche Teile verteilt, so hätte kein Mensch ein Interesse,
 mehr Kapital zu akkumulieren, als er mit seinen eigenen
Händen anwenden kann. Dies ist in gewissem Grade der Fall in
neuen amerikanischen Kolonien, wo die Leidenschaft für Grundsigentum
 die Existenz einer Klasse von Lohnarbeitern verhindert.‘258
Solange also der Arbeiter für sich selbst akkumulieren kann,
und das kann er, solange er Eigentümer seiner Produktionsmittel
bleibt, ist die kapitalistische Akkumulation und die kapitalistische
Produktionsweise unmöglich, Die dazu unentbehrliche Klasse der
Lohnarbeiter fehlt. Wie wurde nun im alten Europa die Expropriation
 des Arbeiters von seinen Arbeitsbedingungen, daher Kapital
und Lohnarbeit, hergestellt? Durch einen Contrat Social [einen
Gesellschaftsvertrag] ganz origineller Art.
„Die Menschheit . . . adoptierte eine einfache Methode zur
Förderung der Akkumulation des Kapitals“, die ihr natürlich seit
Adams Zeiten als letzter und einziger Zweck ihres Daseins vorschwebte;
 „sie teilte sich in Eigner von Kapital und Eigner vor
Arbeit . .. diese Teilung war das Resultat freiwilliger Verständigung
und Kombination‘,22
Mit einem Wort: die Masse der Menschheit exproprüerte sich
selbst zu. Ehren der „Akkumulation des Kapitals“. Nun sollte man
glauben, der Instinkt dieses selbstentsagenden Fanatismus ‚müsse
sich namentlich in Kolonien den Zügel frei schießen lassen, wo allein
Menschen und Umstände existieren, welche einen Contrat Social aus
dem Traumreich in das der Wirklichkeit übersetzen könnten. Aber
wozu dann überhaupt die von Wakefield vorgeschlagene „systematische
 Kolonisation‘“ im Gegensatz zur naturwüchsigen Kolonisation?
Aber, aber: „in den nördlichen Staaten der amerikanischen Union
ist es zweifelhaft, ob ein Zehntel der Bevölkerung der Kategorie der
Lohnarbeiter angehört. . . . In England . . . besteht die große Volksmasse
 aus Lohnarbeitern“.2%0
Ja der Selbstexpropriationstrieb der arbeitenden Menschheit zu
Ehren des Kapitals existiert so wenig, daß Sklaverei, selbst nach
Wakefield, die einzige naturwüchsige Grundlage des Kolonialreichtums
 ist. Seine systematische Kolonisation ist ein bloßer Notbehelf,
da er nun einmal mit Freien, statt mit Sklaven zu tun hat. „Die
ersten spanischen Ansiedler in Santo Domingo erhielten keine Ar-258
 Ebenda, Bd. I, S. 17, 18.
359 Ebenda, S, 18.
260 Ebenda, S. 42, 43, 44.
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TD-Fünfundzwanzigstes

 Kapitel.

695

beiter aus Spanien. Aber ohne Arbeiter (das heißt ohne Sklaverei)
wäre das Kapital kaput gegangen oder wenigstens auf die kleinen
Massen zusammengeschrumpft, worin jedes Individuum es mit
seinen eigenen Händen anwenden kann. Dies fand wirklich statt
in der letzten von den Engländern gegründeten Kolonie, wo ein
großes Kapital in Samen, Vieh und Instrumenten unterging am
Mangel von Lohnarbeitern und wo kein Ansiedler mehr Kapital
besitzt, als er mit seinen eigenen Händen anwenden kann.“ 2%
Man sah: die Expropriation der Volksmasse von Grund und
Boden bildet die Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise.
Das Wesen einer freien Kolonie besteht umgekehrt darin, daß die
Masse des Bodens noch Volkseigentum ist und jeder Ansiedler daher
einen Teil davon in sein Privateigentum und individuelles Produktionsmittel
 verwandeln kann, ohne den späteren Ansiedler an
derselben Operation zu verhindern.?? Dies ist das Geheimnis, sowohl
 der Blüte der Kolonien, als ihres Krebsschadens — ihres
Widerstandes wider die Ansiedlung des Kapitals. „Wo Land sehr
wohlfeil ist und alle Menschen frei sind, wo jeder nach Wunsch
ein Stück Land für sich selbst erhalten kann, ist Arbeit nicht nur
sehr teuer, was den Anteil des Arbeiters an seinem Produkt angeht,
sondern die Schwierigkeit ist, kombinierte Arbeit zu irgendeinem
Preise zu erhalten.“ 2%
Da in den Kolonien die Scheidung des Arbeiters von den Arbeitsbedingungen
 und ihrer Wurzel, dem Grund und Boden, noch
nicht existiert, oder nur vereinzelt, oder auf zu beschränktem Spielraum,
 existiert auch noch nicht die Losscheidung der Agrikultur von
der Industrie, noch nicht die Vernichtung der ländlich häuslichen
Industrie, und wo soll da der innere Markt für das Kapital herkommen?

„Kein Teil der Bevölkerung Amerikas ist ausschließlich agrikol,
mit Ausnahme der Sklaven und ihrer Anwender, die Kapital und
Arbeit für große Werke kombinieren. Freie Amerikaner, die den
Boden selbst bauen, treiben zugleich viele andere Beschäftigungen.
Ein Teil der von ihnen gebrauchten Möbel und Werkzeuge wird
gewöhnlich von ihnen selbst gemacht. Sie bauen häufig ihre eigenen
Häuser und bringen das Produkt ihrer eigenen Industrie zu noch so
fernem Markt. Sie sind Spinner und Weber, sie fabrizieren Seife
und Kerzen, Schuhe und Kleider für ihren eigenen Gebrauch. In
Amerika bildet der Landbau oft das Nebengeschäft eines Grobschmiedes,
 Müllers oder Krämers.“?** Wo bleibt unter solchen
Käuzen das „Entsagungsfeld“ für den Kapitalisten?

261 Ebenda, Bd. II, S. 5. :
263 „Land, um Element der Kolonisation zu werden, muß nicht nur unangebaut
 sein, sondern öffentliches Eigentum, welches in Privateigentum
verwandelt werden kann,“ (Ebenda, Bd. II, S, 125.)
263 Ebenda, Bd. I, S. 247.
264 Ebenda, S. 21, 22.
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        596

Siebter Abschnitt.

Die große Schönheit der kapitalistischen Produktion besteht
darin, daß sie nicht nur beständig den Lohnarbeiter als Lohnarbeiter
reproduziert, sondern im Verhältnis zur Akkumulation des Kapitals
stets eine relative Uebervölkerung von Lohnarbeitern produziert.
So wird das Gesetz von Arbeitsnachfrage und Zufuhr in richtigem
Gleis gehalten, die Lohnschwankung innerhalb, der kapitalistischen
Ausbeutung zusagende, Schranken gebannt, und endlich die so unentbehrliche
 soziale Abhängigkeit des Arbeiters vom Kapitalisten
verbürgt, ein absolutes Abhängigkeitsverhältnis, das der politische
Oekonom zu Hause, im Mutterlande, breimäulig umlügen kann in
ein freies Kontraktverhältnis von Käufer und Verkäufer, von gleich
unabhängigen Warenbesitzern, Besitzern der Ware Kapital und der
Ware Arbeit. Aber in den Kolonien reißt der schöne Wahn entzwei.
Die absolute Bevölkerung wächst hier viel rascher als im Mutterlande,
 indem viele Arbeiter erwachsen auf die Welt kommen,
und dennoch ist der Arbeitsmarkt stets untervoll. Das Gesetz der
Arbeitsnachfrage und Zufuhr gerät in die Brüche. Einerseits wirft
die alte Welt fortwährend ausbeutungslustiges, entsagungsbedürftiges
Kapital ein; anderseits stößt die regelmäßige Reproduktion der
Lohnarbeiter als Lohnarbeiter auf die unartigsten und teilweise unüberwindliche
 Hindernisse. Und nun gar die Produktion von überzähligen
 Lohnarbeitern im Verhältnis zur Akkumulation des
Kapitals! Der Lohnarbeiter von heute wird morgen unabhängiger,
selbstwirtschaftender Bauer oder Handwerker. Er verschwindet vom
Arbeitsmarkt, aber — nicht ins Workhouse. Diese beständige Verwandlung
 der Lohnarbeiter in unabhängige Produzenten, die statt
für das Kapital für sich selbst arbeiten, und statt den Herrn Kapitalisten
 sich selbst bereichern, wirkt ihrerseits durchaus schadhaft auf
die Zustände des Arbeitsmarktes zurück. Nicht nur bleibt der Ausbeutungsgrad
 des Lohnarbeiters unanständig niedrig. Der letztere
verliert obendrein mit dem Abhängigkeitsverhältnis auch das Abhängigkeitsgefühl
 vom entsagenden Kapitalisten. Daher alle die
Mißstände, die unser E. G. Wakefield so brav. so beredt und so
rührend schildert.
Die Zufuhr von Lohnarbeit, klagt er, ist weder beständig, noch
regelmäßig, noch genügend. Sie „ist stets nicht nur zu klein, sondern
unsicher‘.?5 „Obgleich das zwischen Arbeiter und Kapitalist zu
teilende Produkt groß ist, nimmt der Arbeiter einen so großen Teil,
daß er rasch ein Kapitalist wird. ... Dagegen können wenige, selbst
wenn sie ungewöhnlich lange leben, große Reichtumsmassen akkumulieren.“?%
 Die Arbeiter erlauben den Kapitalisten platterdings
nicht, auf Zahlung des größten Teiles ihrer Arbeit zu entsagen. Es
hilft ihm nichts, wenn er so schlau ist, mit seinem eigenen Kapital
auch seine eigenen Lohnarbeiter aus Europa zu importieren. „Sie
hören bald auf, Lohnarbeiter zu sein, sie verwandeln sich bald ie
265 Ebenda, Bd. II, S. 116,
26 Ebenda, Bd. I, S. 131.
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43

Fünfundzwanzigstes Kapitel.

697

unabhängige Bauern oder gar in Konkurrenten ihrer alten Meister
auf dem Lohnarbeitsmarkt selbst.“27 Man begreife den Greuell
Der brave Kapitalist hat seine eigenen leibhaftigen Konkurrenten
selbst aus Europa für sein eigenes gutes Geld importiert! ‚Da hört
denn doch alles auf! Kein Wunder, wenn Wakefield klagt über mangelndes
 Abhängigkeitsverhältnis und Abhängigkeitsgefühl der Lohnarbeiter
 in den Kolonien. „Wegen der hohen Löhne“, sagt sein
Schüler Merivale, „existiert in den Kolonien der leidenschaftliche
Drang nach wohlfeilerer und unterwürfigerer Arbeit, nach einer
Klasse, welcher der Kapitalist die Bedingungen diktieren kann, statt
sie von ihr diktiert zu erhalten. . .. In altzivilisierten Ländern ist
der Arbeiter, obgleich frei, naturgesetzlich abhängig vom Kapitalisten,
in Kolonien muß diese Abhängigkeit durch künstliche. Mittel geschaffen
 werden.“268
Was ist nun, nach Wakefield, die Folge dieses Mißstandes in
den Kolonien? Eine „in die Barbarei zurückführende Tendenz der
Zerstreuung“ der Produzenten und des Nationalvermögens.?®* Die
Zersplitterung der Produktionsmittel unter unzählige, selbstwirtschaftende
 Eigentümer vernichtet mit der Zentralisation des Kapitals
alle Grundlage kombinierter Arbeit. Jedes langatmige Unternehmen.

267 Ebenda, Bd. II, S. 5. .
268 Merivale: „Lectures on Colonization and Colonies. London 1841 and
1842“, vol. IT, p. 235—8314 passim. Selbst der sanfte, freihändlerische Vulgär-5konom
 Molinari sagt: „In den Kolonien, wo die Sklaverei abgeschafft wurde,
ohne daß die Zwangsarbeit durch eine entsprechende Menge freier Arbeit
ersetzt worden wäre, hat man das Gegenstück der Tatsache auftreten gesehen,
 die sich Tag für Tag unter unsern Augen abspielt. . Man hat gesehen,
wie die simplen Arbeiter ihrerseits die industriellen Unternehmer ausbeuten,
wie sie von ihnen Löhne verlangen, die außer allem Verhältnis stehen zu dem
legitimen Anteil, der ihnen an dem Produkt zukäme. Da die Pflanzer nicht
imstande waren, für ihren Zucker einen Preis zu erzielen, der die Steigerung
 der Löhne hätte wettmachen können, waren sie gezwungen, den Ausfall
zuerst aus ihren Profiten, später aus ihren Kapitalien selbst zu decken. Eine
Menge von Pflanzern wurde auf diese Weise ruiniert, andere haben ihre
Betriebe eingestellt, um dem drohenden Ruin zu entgehen. Ohne Zweifel ist
es besser, Kapitalanhäufungen zugrunde gehen zu sehen als Generationen
von Menschen (wie großmütig von dem Herrn Molinaril) ; aber wäre es nicht
besser, wenn weder die einen noch die andern zugrunde gingen?“ (Molinari:
„Etudes Economiques, Paris 1846“, p. 51, 52.) Herr Molinari, Herr Molinari!
Was wird denn aus den zehn Geboten, aus Moses und den Propheten, aus dem
Gesetz der Nachirage und Zufuhr, wenn in Europa der Unternehmer dem
Arbeiter und in Westindien der Arbeiter dem Unternehmer seinen „legitimen
Anteil“ verkürzen kann? Und was ist gefälligst dieser „legitime Anteil“, den
nach Ihrem Geständnis der Kapitalist in Europa täglich nicht zahlt? Den
Herrn Molinari juckt es gewaltig, dort drüben, in den Kolonien, wo die
Arbeiter so „simpel“ sind, den Kapitalisten „auszubeuten“, das sonst automatisch
 wirkende Gesetz der Nachfrage und Zufuhr polizeilich in den richtigen
 Gang zu setzen.
260 Wakefield: „England and America. London 1838“, vol. IL, nD.52.
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        698

Siebter Abschnitt.

das sich über Jahre ausdehnt und Auslage von viel fixem Kapital
erheischt, stößt auf Hindernisse der Ausführung. In Europa zögert
das Kapital keinen Augenblick, denn die Arbeiterklasse bildet sein
lebendiges Zubehör, stets im Ueberfluß da, stets zur Verfügung.
Aber in den Kolonialländern!
Wakefield erzählt eine äußerst schmerzensreiche Anekdote. Er
unterhielt sich mit einigen Kapitalisten von Kanada und dem Staat
New York, wo zudem die Einwanderungswogen oft stocken und einen
Bodensatz „überzähliger‘“ Arbeiter niederschlagen. „Unser Kapital“,
seufzt eine der Personen des Melodramas, „unser Kapital lag bereit
für viele Operationen, die eine beträchtliche Zeitperiode zu ihrer
Vollendung brauchen; aber konnten wir solche Operationen beginnen
mit Arbeitern, welche, wir wußten es, uns bald den Rücken wenden
würden? Wären wir sicher gewesen, die Arbeit solcher Einwanderer
festhalten zu können, wir hätten sie mit Freude sofort angeworben
und zu hohem Preise. Ja, trotz der Sicherheit ihres Verlustes würden
 wir sie dennoch angeworben haben, wären wir einer frischen
Zufuhr je nach unserm Bedürfnis sicher gewesen.“ 270
Nachdem Wakefield die englische kapitalistische Agrikultur und
ihre „kombinierte“ Arbeit prunkvoll in Gegensatz gestellt hat zu der
zerstreuten amerikanischen Bauernwirtschaft, entschlüpft ihm auch
die Kehrseite der Medaille. Er schildert die amerikanische Volksmasse
 als wohlhabend, unabhängig, unternehmend und relativ gebildet,
 während „der englische Agrikulturarbeiter ein elender Lump
(a miserable wreich) ist, ein Pauper. ... In welchem Lande außer
Nordamerika und einigen neuen Kolonien übersteigen die Löhne
der auf dem Lande angewandten freien Arbeit nennenswert die
unentbehrlichen Lebensmittel des Arbeiters? ... Zweifelsohne,
Ackerpferde in England, da sie ein wertvolles Eigentum sind, werden
viel besser genährt als der englische Landbebauer“.?1 Aber was
schadet das? Nationalreichtum ist nun einmal von Natur gleichbedeutend
 mit Volkselend.
Wie nun den antikapitalistischen Krebsschaden der Kolonien
heilen? Wollte man allen Grund und Boden mit einem Schlage aus
Volkseigentum in Privateigentum verwandeln, so zerstörte man zwar
die Wurzel des Uebels, aber auch — die Kolonie. Die Kunst ist,
zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Man gebe von Regiecungs
 wegen der jungfräulichen Erde einen vom Gesetz der Nachfrage
 und Zufuhr unabhängigen, einen künstlichen Preis, welcher
den Einwanderer zwingt, längere Zeit zu lohnarbeiten, bis er genug
Geld verdienen kann, um Grund und Boden zu kaufen??? und sich in

2370 Ebenda, S. 191, 192.
271 Ebenda, Bd. I, S. 47, 246.
272 „Ihr behauptet, es sei der Aneignung des Bodens und der Kapitalien
zu danken, daß ein Mensch, der nichts besitzt als seine Hände, Beschäftigung
findet und sich ein Einkommen schafft. ... Es ist im Gegenteil der indivi-
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*ünfundzwanzigstes Kapitel.

699

einen unabhängigen Bauern zu verwandeln. Die Grundstücke sollen
zu einem Preis verkauft werden, der ihren Erwerb für den Lohnarbeiter
 schwer erschwinglich macht. Den Fonds, der aus dem Verkauf
 dieser Ländereien fließt, also diesen aus dem Arbeitslohn durch
Verletzung des heiligen Gesetzes von Nachfrage und Zufuhr erpreßten
 Geldfonds, verwende die Regierung anderseits, um im selben
Maße, wie er wächst, Habenichtse aus Europa in die Kolonien zu
importieren und so dem Herrn Kapitalisten seinen Lohnarbeitsmarkt
vollzuhalten. Unter diesen Umständen geht alles aufs herrlichste in
der besten aller Welten.
Dies ist das große Geheimnis der „systematischen Kolonisation“.
„Nach diesem Plan“, ruft Wakefield triumphierend aus, „muß die
Zufuhr von Arbeit beständig und regelmäßig sein; denn erstens, da
kein Arbeiter fähig ist, sich Land zu verschaffen, bevor er für Geld
gearbeitet hat, würden alle einwandernden Arbeiter dadurch, daß
sie für Lohn kombiniert arbeiten, ihrem Anwender Kapital zur Anwendung
 von mehr Arbeit produzieren; zweitens jeder, der die Lohnarbeit
 an den Nagel hinge und Grundeigner würde, würde gerade
durch den Ankauf des Landes einen Fonds zur Herüberbringung
!rischer Arbeit nach den Kolonien sichern.‘ 278
Der von Staats wegen festgesetzte Bodenpreis muß natürlich
„genügend“ (sufficient price) sein, das heißt so hoch, „daß er die
Arbeiter verhindert, unabhängige Bauern zu werden, bis andere da
sind, um ihren Platz auf dem Lohnarbeitsmarkt einzunehmen‘“.274
Dieser „genügende Bodenpreis“ ist nichts als eine beschönigende
Umschreibung des Lösegeldes, welches der Arbeiter dem Kapitalisten
zahlt für die Erlaubnis, sich vom Lohnarbeitsmarkt aufs Land zurückzuziehen.
 Erst muß er dem Herrn Kapitalisten „Kapital“ schaffen,
damit dieser mehr Arbeiter ausbeuten könne, und dann auf dem
Arbeitsmarkt einen „Ersatzmann‘“ stellen, den die Regierung auf
seine Kosten seinem ehemaligen Herrn Kapitalisten über die See
spediert.
Es ist höchst charakteristisch, daß die englische Regierung diese
von Herrn Wakefield eigens zum Gebrauch in Kolonialländern verschriebene
 Methode der „ursprünglichen Akkumulation“ jahrelang
ausgeführt hat. Der Mißerfolg war natürlich ebenso schmählich als
der des Peelschen Bankakts. Der Strom der Auswanderung wurde

duellen Aneignung des Bodens zuzuschreiben, daß es Menschen gibt, die
nichts besitzen als ihre Hände. ... Wenn ihr einen Menschen in einen
luftleeren Raum stoßt, beraubt ihr ihn der Luft zum Atmen, Ihr tut das-3elbe,
 wenn ihr euch des Bodens bemächtigt. ... Das heißt ihn in den
reichtumsleeren Raum stoßen, um sein Leben von eurer Willkür abhängig zu
machen.“ (Collins: „L’Economie Politique, Source des Rövolutions et des
Utopies pretendues Socialistes. Paris 1857“, vol. III, p. 268—271 passim.)
275 Wakefield: „England and America, London 1838“, vol. IL, p. 192.
274 Ebenda, S. 45.
        <pb n="745" />
        700

Siebter Abschnitt.

nur von den englischen Kolonien nach den Vereinigten Staaten abgelenkt.
 Unterdes hat der Fortschritt der kapitalistischen Produktion
 in Europa, begleitet von wachsendem Regierungsdruck,
Wakefields Rezept überflüssig gemacht. Einerseits läßt der ungeheure
und ständige Menschenstrom, jahraus jahrein nach Amerika getrieben,
 stockende Niederschläge im Osten der Vereinigten Staaten
zurück, indem die Welle der Auswanderung von Europa die Menschen
rascher dorthin auf den Arbeitsmarkt wirft, als die zweite Welle der
Auswanderung nach dem Westen sie abspülen kann. Anderseits hat
der amerikanische Bürgerkrieg eine kolossale Nationalschuld in
seinem Gefolge gehabt und mit ihr Steuerdruck, Erzeugung der allergemeinsten
 Finanzaristokratie, Verschenkung eines ungeheuren
Teiles der öffentlichen Ländereien an Spekulantengesellschaften zur
Ausbeutung von Eisenbahnen, Bergwerken usw. — kurz die rascheste
Konzentration des Kapitals. Die große Republik hat also aufgehört,
das gelobte Land für auswandernde Arbeiter zu sein. Die kapitalistische
 Produktion geht dort mit Riesenschritten voran, wenn auch
Lohnsenkung und Abhängigkeit des Lohnarbeiters noch lange nicht
auf das europäische Normalniveau heruntergebracht sind.
Die von Wakefield selbst so laut gebrandmarkte, schamlose Verschleuderung
 des unbebauten Kolonialbodens an Aristokraten und
Kapitalisten seitens der englischen Regierung hat namentlich in
Australien,?® zusammen mit dem Menschenstrom, den die Goldgruben
 hinziehen, und der Konkurrenz, welche der Import englischer
 Waren selbst dem kleinsten Handwerker macht, eine hinreichende
 „relative Arbeiterübervölkerung“ erzeugt, so daß fast jedes
Postdampfschiff die Hiobspost einer Veberfüllung des australischen
Arbeitsmarktes — „glut of the Australian labour-market“ — bringt,
und die Prostitution dort stellenweise so üppig gedeiht wie auf dem
Haymarket von London.
Jedoch beschäftigt uns hier nicht der Zustand der Kolonien.
Was uns allein interessiert, ist das in der neuen Welt von der
politischen Oekonomie der alten Welt entdeckte und laut proklamierte
 Geheimnis: kapitalistische Produktions- und Akkumulationsweise,
 also auch kapitalistisches Privateigentum, bedingen die Vernichtung
 des auf eigener Arbeit beruhenden Privateigentums, das
heißt die Expropriation des Arbeiters.

275 Sobald Australien sein eigener Gesetzgeber wurde, erließ es natürlich
 den Ansiedlern günstige Gesetze, aber die englische einmal vollzogene
Bodenverschleuderung steht im Wege. „Das erste und hauptsächlichste Ziel,
Welches das neue Landgesetz von 1862 anstrebt, ist, dem Volke erleichterte
Möglichkeiten zur Ansiedlung zu bieten.“ („The Land Law of Victoria by
the Hon, G. Duffy, Minister of Publie Lands. London 1862.“)
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Register.

Einleitung.

4.0
Der erste Band des „Kapital“ ist eigentlich schon längst ein
„Volks“buch geworden. Er ist das einzige umfangreiche und Sschwerverständliche
 Buch der Wissenschaft, das zahlreiche Leser aus dem
„Volke“ fand und der Arbeiterklasse in Fleisch und Blut übergegangen
ist. Seit 1868, als der Brüsseler Kongreß der alten Internationale den
Arbeitern aller Länder das „Kapital“ als das Werk empfahl, das zuerst
wissenschaftlich die kapitalistische Ordnung zergliederte, bilden die Rezultate,
 zu denen Marx gelangte, im Programm der Sozialdemokratie
kristallisiert, die theoretische Grundlage des ganzen politischen und gewerkschaftlichen
 Kampfes der ‚Arbeiterklasse.
In besonders hohem Grade ist dies der Fall in Deutschland und Oesterreich.
 Hand in Hand mit der Erziehung in politischen Vereinen und Gewerkschaften
 geht hier eine intensive Bildungsarbeit vor sich, die als ihr
Hauptziel die Ausarbeitung und Verbreitung einer einheitlichen sozialdemokratischen
 Weltanschauung betrachtet. Mit jedem Jahre mehren sich die
Arbeiter, die durch Vortragszyklen, Wanderkurse, durch Arbeiterschulen
und in den letzten sechs Jahren durch die sozialdemokratischen Universitäten,
 durch die Partei- und Gewerkschaftsschulen gingen und Gelegenheit
hatten, sich die Gedankengänge des „Kapital“ anzueignen. Eine Reihe von
populären Darstellungen — insbesondere K, Kautskys „Marx’ Oekonomische
Lehren“ — fanden in zahlreichen Ausgaben unter den Arbeitern Verbreitung.
 Somit wuchs auch mit jedem Jahre die Zahl der Leser aus dem
„Volke“, die sich an die Lektüre des „Kapital“ selbst heranwagten.
Aber schon der Umstand, daß das Studium dieses Werkes Geduld und
Ausdauer, also Zeit fordert, stellte jedem fast unüberwindliche Hindernisse
in den Weg, der das „Kapital“ nur in den Räumen einer Arbeiterbibliothek
benutzen konnte. Erst jetzt wird sich der Kreis derjenigen Leser erweitern,
die das „Kapital“ besitzen können, und so kann es auch ein Volksbuch in
dem Sinne werden, in dem es Bebels „Die Frau und der Sozialismus“ schon
geworden ist. Erst jelzt wird für viele Leser das wiederholte Studium des
„Kapital“ möglich, was unentbehrlich ist zur Bewältigung seines Inhalts.
Dazu gehört aber noch eine andere Bedingung. Um sich im „Kapital“
immer zurechtzufinden, um diese Waffe in den mannigfaltigen Gefechten —
theoretischen und praktischen — geschickt zu führen, muß der Leser auch
imstande sein, den Gedanken- und Tatsacheninhalt des „Kapital“ stets gegenwärtig
 zu haben, ihn in allen seinen Bestandteilen so registriert zu haben,
daß das „Kapital“ für ihn auch im vollen Sinne dieses Wortes stets ein
Nachschlagewerk bilden kann, Das zu ermöglichen, ist die Aufgabe eines
Registers — Namen- und Sachregisters —, das alle theoretischen und praktischen
 Forderungen möglichst erschöpfend berücksichtigt,
Dieses Bedürfnis war schon lange vorhanden. So wurde die Veranstaltung
 eines derartigen Registers Anfang der achtziger Jahre von Eduard
Bernstein und Karl Kautsky geplant, aber auf den Rat von Friedrich Engels
bis zur Fertigstellung des ganzen Werkes vertagt. Um jene Zeit glaubte
Engels noch, daß er in ein paar Jahren mit der Herausgabe der folgender
Bände {fertig sein werde,
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        102

Register.

Man könnte sagen, daß Engels’ Einwendung jetzt noch mehr stichhaltig
sei, als vor dreißig Jahren, und daß es besser wäre, ein Gesamtregister für
alle Bände des „Kapilal“ anzufertigen. Bilden sie doch ein Ganzes, das
schwer in einzelne Stücke zu trennen ist.
Und doch liegt es auf der Hand, daß der erste Band nicht nur
historisch — zwanzig Jahre lang blieb er ein selbständiges Werk — immer
eine eigenartige Stellung behaupten wird. So notwendig die Kenntnis des
zweiten und des dritten Bandes des „Kapital“ ist, um den Gesamtprozeß
der kapitalistischen Produktionsweise zu erfassen, ist es doch leichter, den
ersien Band von den beiden andern zu trennen, als den zweiten von dem
dritten. In gewissem Grade bildet der erste Band auch für sich allein ein
abgeschlossenes Ganzes. So wünschenswert es wäre, daß die Zahl der
Arbeiter sich vermehre, die bei dem ersten Band nicht stehen bleiben, so ist
doch kaum zu erwarten, daß sich viele finden werden, die imstande sind, alle
drei Bände zu bewältigen. Dem stehen zahlreiche Hindernisse im Wege.
Der erste Band behandelt den Produktionsprozeß des Kapitals, der den
Arbeitern schon aus eigener Erfahrung näher bekannt ist als der Zirkulationsprozeß
 oder die verschiedenen Gestaltungen des Gesamtprozesses der
kapitalistischen Produktion, Die neuen Bedingungen auch des gewerkschaftlichen
 Kampfes zwingen allerdings jetzt den Arbeiter, diesen Erscheinungen
viel mehr Aufmerksamkeit zu widmen als früher, sie schärfen das Verständnis
 für die komplizierteren Formen der Gewinnung und Verteilung des
Mehrwertes unter die verschiedenen Klassen. Wäre es Marx vergönnt gewesen,
 die letzte Hand auch an die weiteren Bände des „Kapital“ zu legen,
dann hätte er ebenso wie im ersten Band die durch Abstraktion aus dem
Konkreten gewonnenen Resultate durch geschickt gewählte Illustrationen so
anschaulich und lebendig gemacht, daß sie auch für den gewöhnlichen Leser,
wenn er nur die notwendige Schulung und Vorbereitung besaß, nicht
schwerer verständlich gewesen wären als die Ausführungen ‚des ersten
Bandes. Jetzt aber sind der zweite und dritte Band eigentlich nur ein
Skelett geblieben, sie sind nicht von Marx selbst in ihrer endgültigen Form
fertiggestellt, daher bilden sie auch architektonisch kein so vollkommenes
Gedankengebäude wie der erste Band, sind auch nicht aus einem Guß,
weil sie aus Teilen zusammengesetzt sind, die chronologisch auseinanderliegen,
 die ganz verschiedene Grade der theoretischen Vertiefung in dieselbe
Materie darstellen.
Ganz anders der erste Band, der daher auch in literarischer Beziehung
einen ganz eigenartigen Charakter trägt. In keinem andern Buch der gesamten
 ökonomischen Literatur finden wir die gleiche unzertrennliche Verbindung
 von Theorie und Praxis, von Abstraktion und Leben. Kein bürgerlicher
 Oekonom ist an die bestimmten konkreten Verhältnisse der kapitalistischen
 Gesellschaft so nahe herangetreten, wie ihr Todfeind im „Kapital“,
Und das Leben, in das Marx mit seiner scharfsinnigen Analyse hineingriff,
gehört noch lange nicht bloß der Geschichte an. Mag die eine oder die andere
Seite dieses Lebens, wie er sie vor sechzig und siebzig Jahren gepackt hat,
jetzt schon veraltet, mag die technische Seite des kapitalistischen Produktionsprozesses
 bedeutend vervollkommnet sein, mag sein Schwerpunkt
sich verändert und die Baumwollindustrie, die im ersten Band als führender
Zweig der Großindustrie dargestellt wird, ihren ersten Platz der schweren
Industrie abgetreten haben, mögen auch die Formen, in denen sich der
Akkumulationsprozeß vollzieht, mannigfaltiger und komplizierter geworden
sein, die gesellschaftlichen Beziehungen sind doch innerhalb dieses Produktionsprozesses
 dieselben geblieben. Eben deshalb pulsiert noch jetzt im
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Einleitung.

7038

ersten Band des „Kapital“ das Leben ebenso stark wie vor vierzig Jahren,
und erst mit dem Kapitalismus selbst wird der erste Band aufhören, die
stärkste Waffe im Befreiungskampfe der Arbeiterklasse zu sein.
Hier liegt der wesentliche Unterschied zwischen dem ersten Band und
den weiteren, der die Herstellung eines besonderen Registers für jenen Band
nicht nur rechtfertigt, sondern geradezu fordert.
Einige Erläuterungen sollen dem Leser zeigen, was er im Register
finden und wie er es benutzen kann.

Wir teilten das Register in ein Register der zitierten Werke, dann eines
der vorkommenden Personennamen und in ein Sachregister.,
Im Namenregister findet der Leser alle Namen, die im „Kapital“ erwähnt
 sind, insoweit sie nicht ganz und gar belanglose Personen bezeichnen,
die kein historisches oder praktisches Interesse haben. So wäre es eine nutzlose
 Pedanterie, eine Reihe von Personen zu registrieren, die mit beliebigen
andern vertauscht werden könnten und die von Marx nur als gleichgültige
Träger von bestimmten Klassenverhältnissen zitiert sind.
Es gibt aber auch ohne sie eine Masse von Namen, die den meisten
Lesern völlig unbekannt sind, die daher bei ihnen keine Gedankenverbindungen
 hervorrufen. Und doch finden sich unter diesen Namen sehr
viele, die auf bestimmte historische Verhältnisse hinweisen und die eben
in dieser historischen Bestimmtheit interessant sind. Oft erwähnt Marx eine
Person, um bei dem Leser eine bestimmte Gedankenverbindung zu wecken,
oft zieht er einen Vergleich, der unverständlich bleibt. wenn uns der betreffende
 Name nichts sagt.
Wir haben daher im Namenregister bei jedem derartigen Namen die
wichtigsten Daten notiert, die seinen Träger historisch bestimmen (Jahrhundert,
 Land, Beruf) und die in gewöhnlichen Enzyklopädien nicht immer
zu finden sind.?
Das Namenregister enthält auch das Autorenregister. Auch hier findet
der Leser kurze biographische Notizen, die hier noch mehr am Platze sind,
weil sie die Benutzung des „Kapital“ als reiche Quelle zum Studium der
Geschichte der politischen Oekonomie erleichtern.
Schon Engels hat die Zitate im Text einen laufenden Kommentar zur
Geschichte der ökonomischen Wissenschaft genannt.
Die Benutzung dieses laufenden Kommentars wird nicht nur durch das
Namenregister erleichtert, indem der Leser bei jedem Namen eine Zusammenstellung
 alles dessen findet, was über den betreffenden Verfasser im
„Kapital“ gesagt ist, sondern noch durch ein besonderes „Verzeichnis aller
von Marx zitierten Werke“, das die rasche Feststellung ermöglicht. ob und
wo das betreffende Werk im „Kapital“ zitiert ist.
So kann der Leser mit Hilfe des Namenregisters und des genannten
Verzeichnisses leicht feststellen, inwieweit die Behauptungen der Marxkritiker
 richtig sind, daß Marx dieses oder jenes Werk verschweigt. um es
angeblich zu plagiieren usw.
Nebenbei bemerkt, Marx gibt nicht immer den genauen und vollen
Titel der von ihm zitierten Bücher. Das wichtigste ist für ihn das Datum
des Erscheinens und aus dem Titel, der bei den Büchern aus dem 18. Jahrhundert
 — insbesondere bei den englischen — oft einige Zeilen in Anspruch

u.

1 Als Quelle dienten verschiedene biographische Enzyklopädien (französische, englische,
amerikanische, deutsche), Wissenschaftsgeschichten und manchmal eigene Notizen aus
alten englischen Zeitungen.
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        704

Register.

genommen hätte, gibt er nur das Markanteste wieder. Er zitiert aber fast
immer die ersten Ausgaben, insbesondere bei Büchern, die vor ihm wenig
bekannt waren und einen Markstein in der Geschichte der politischen
Oekonomie bilden,
Eben die Ausarbeitung dieses Werkeregisters lieferte wieder einen
Beweis, wie peinlich gewissenhaft, bis zur Pedanterie, Marx im Zitieren
war. Es hat sich herausgestellt, daß keiner der ihm angeblieh nachgewiesenen
 Fehler von ihm wirklich begangen worden ist. Zwar haben
sich einige Schnitzer gefunden, die in allen Ausgaben von der ersten an vorhanden
 sind, ohne die Aufmerksamkeit eines strebenden Marxvernichters
auf sich zu lenken, Es fanden sich sogar falsche Zitate, aber kein gefälschtes.
Aber auch diese Irrtümer sind ganz belanglos und im Text ausgebessert.?

LIL

Was das Sachregister anbelangt, so verzichteten wir auf eine Eiteilung
 nach verschiedenen Gruppen’oder Gebieten. Das Theoretische und
Praktische gehen durcheinander und sind nur alphabetisch geordnet. Bei
ler Veranstaltung dieses Registers dienten uns als Leitfaden folgende Eryägungen.

Wie schon oben gesagt, setzen wir voraus, daß für den Leser dieser
Volksausgabe das „Kapital“ nicht das erste Buch ist, aus dem er seine
Kenntnisse in der politischen Oekonomie schöpft. Es ist überhaupt schwer,
len Inhalt des ersten Bandes in das übliche Schema eines ökonomischen
Handbuches einzuzwängen. Man kann freilich beim Unterricht verschiedene
Kapitel so kombinieren, daß dabei ein ökonomisches Handbuch im
zewöhnlichen Sinne des Wortes herauskommt. Aber das kann nur der
uehrer tun, der die Marxsche Oekonomie in ihrem ganzen Aufbau kennt und
alle andern Marxschen Werke in den Bereich seines Unterrichts zieht. Wir
aalten es daher für überflüssig, dem Lernenden den ersten Band SO einzuteilen
und zu disponieren, daß er das „Kapital“ als ein ökonomisches Handbuch
von Anfang an gebrauchen kann. Auch für gewöhnliche Leser gelten Marx’
Worte: „Ich unterstelle natürlich Leser, die eiwas Neues lernen wollen.“
Jedoch Leser, für die alles neu ist, weil sie noch nichts wissen, werden nur
ihre Zeit verlieren, wenn sie sich an das „Kapital“ heranwagen. Sind es
aber Leser, die sich schon vorbereitet haben, die also Verständnis für das
„Neue“ haben, dann werden sie sich gleich überzeugen, daß Marx auch
;echt hat, wenn er sagt, daß „mit Ausnahme des Abschnittes über die
Wertform man sein Buch nicht wird wegen Schwerverständlichkeit anklagen
können‘,
Hat der Leser Kautskys Rat beherzigt und das Buch gründlich minlestens
 zweimal durchgelesen, dann kann er sich mit Hilfe des Sachregisters
in das „Kapital“ noch mehr vertiefen. Nämlich wenn er das Sachregister
nicht nur als ein probates Mittel betrachtet, eine für ihn wichtige Tatz;ache
 oder ein Zitat, das er gerade braucht, aufzufinden, sondern auch als
Wegweiser zum wiederholten Studium einzelner Probleme, als ein Hilfsmiltel
 bei kleinen selbständigen Arbeiten, zu denen der erste Band so viel
Anregung bietet. So wäre es eine leichte Sache — und das können am besten

* Die Aufzählung solcher Fehler gehört nicht in eine Volksausgabe. Als Kuriosum
3ei nur erwähnt, daß der alte Dichter, der schon in der ersten Ausgabe wohl infolge eines
Druckfehlers als Antiparos figurierte, statt unter seinem wirklichen Namen Antipatros, der
Dichter des Jubelliedes über die Segnungen der Wassermühle, als Antiparos schon seit
Jahrzehnten nach Marx in zahllosen Werken und Handbüchern in allen Sprachen zitiert
wird, ohne daß jemand diese „grobe Fälschung“ bemerkt hätte.
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705
die Lehrer selbst besorgen —, eine Reihe von Themen aufzustellen, für
deren Bearbeitung das Material im ersten Band schon vorliegt, das nur
einer Vervollständigung durch neue Tatsachen aus den letzten dreißig
Jahren bedarf, Oder man kann verschiedene theoretische Probleme unter
Hinzuziehung anderer Werke von Marx gründlich vornehmen, um die Stichhaltigkeit
 der gegnerischen Kritik an einigen Beispielen zu prüfen. Ein
solches Studium des ersten Bandes wird dem Leser das Verständnis des
ganzen ökonomischen Systems von Marx erleichtern und ihn auf das
Studium der weiteren Bände vorbereiten. wenn er einmal Zeit auch für diese
Arbeit findet.
Nun noch einige Winke, die dem Leser die Orientierung in dem Sachregister
 erleichtern werden.
Das Studium des „Kapital“ wird dem Leser durch das Fehlen einer
Einleitung erschwert, in der die Marxsche Geschichtsauffassung und seine
Forschungsmethode auseinandergesetzt werden. Und doch sind auch im
ersten Band eine Reihe von geschichtsphilosophischen und methodologischen
Bemerkungen eingestreut, auf die der Leser gleich seine Aufmerksamkeit
richten wird, wenn er sich die Mühe gibt, die von Kautsky in der zweiten
Ausgabe von „Zur Kritik der Politischen Oekonomie“ veröffentlichte
Marxsche Einleitung sowie die Vorrede zu diesem Werk zu lesen, in der
Marx das allgemeine Resultat mitteilt, das sich ihm aus seinen Studien
ergab und, einmal gewonnen, seinem Studium zum Leitfaden diente.
Um das Studium des „Kapital“ zu erleichtern, haben wir ins Register
eine Reihe von Stichworten hineingenommen, die den reichen geschichtsphilosophischen
 und methodologischen Inhalt des Buches ausführlich registrieren.
 (Dialektik, Fetischismus, materialistische Geschichtsauffassung.
Methode, Philosophie, Schein usw.)
Ebenso ausführlich sind die theoretischen Probleme der pwpolilischen
Oekonomie (Wert, Geld, Mehrwert, Kapital, Akkumulation des Kapitals usw.)
registriert. Sind schon im Namenregister eine Reihe von Zusammenstellungen
 zu finden, die, an einzelne Namen, an die führenden Oekonomen
anknüpfend, die Geschichte der politischen Oekonomie behandeln, so sind
auch in dem Sachregister unter den Schlagworten — klassische politische
Oekonomie, Merkantilismus, Physiokraten usw. -— solche Angaben gesammelt.

Das „Kapital“ ist nicht nur ein fheorelisches Werk, Auch in seinen
abstraktesten Teilen bleibt es ein historisches Werk. Es bildet die reichste
Fundgrube für die Wirtschaftsgeschichte, die seinen Ausgangspunkt und sein
Resultat bildet. So fremd noch vielen Historikern der Neuzeit die Marxsche
Geschichtsauffassung geblieben ist, so stark ist die ganze Geschichtsschreibung
 der letzten vierzig Jahre vom „Kapital“ beherrscht, das noch bis
jetzt die glänzendste und gründlichste Leistung auf dem Gebiete der wissenschaftlichen
 Geschichtsforschung bleibt, Fügi man einige Kapitel aus dem
dritten Band hinzu, so bildet das „Kapital“ auch die beste Darstellung
der Grundphasen der gesellschaftlichen Entwicklung seit der Auflösung des
Feudalismus. So wird der Leser viele Schlagworte finden, die das ganze
geschichtliche Material zusammenstellen, auch die manchmal eingestreuten
Bemerkungen, die frühere Stufen der gesellschaftlichen Entwicklung behandeln.

Obwohl, wie Marx im Vorwort sagt, ihm zur Hauptillustration seiner
theoretischen Entwicklung die klassische Stätte der kapitalistischen Produktionsweise,
 England, dient, sind in dem ersten Band auch andere Länder
berücksichtigt, Das veranlaßte uns, in das Sachregister auch ein geo-Das
 Kapital. I. in

Einleitung.
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        706

Register.

graphisches einzuordnen, wo der Leser unter den Namen verschiedener
Länder das Wichtigste zusammengestellt findet, was im „Kapital“ über ihre
Zustände und Geschichte gesagt ist,
Zusammen mit Engels’ „Lage der arbeitenden Klasse in England“ bildet
das „Kapital“ den Ausgangspunkt und das Vorbild einer gewaltigen Literalur,
 die die Lage, die Zustände der verschiedenen Kategorien der Arbeiterklasse
 schildert. Dieses reiche sozialstatislische Material ist in unserm
Register nicht nur nach allgemeinen Schlagworten, sondern auch nach einzelnen
 Industrien und Berufen geordnet.
£benso wichtig ist das „Kapital“ als sozialpolitisches Werk. Bis jetzt
bleibt es noch das grundlegende Werk auf diesem Gebiete, und nirgends
Enden wir die Fragen der Arbeiterschutzgesetzgebung, der Regulierung des
Arbeitsiages, der Fabrikinspektion so tief und originell behandelt wie im
ersten Band des „Kapital“.
Ist auch Marx nicht mehr dazu gekommen, wie er es sich vornahm, die
Gewerkschaftsbewegung in ihrem Einfluß auf die Gestaltungen des Gesamtprozesses,
 auf die Aenderungen in der Verteilung des Wertprodukts zwischen
der Arbeiterklasse und der Kapitalistenklasse zu analysieren und zu schildern,?
 so gibt doch auch der erste Band des „Kapital“ noch bis jetzt die beste
I/heoretische Begründung des Kampfes der Arbeiterklasse um die Verbesserung
 ihrer Arbeitsbedingungen (Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung).
Auch unter diesem Gesichtspunkt sind eine Reihe von Schlagworten ins
Register aufgenommen, die ebensowohl theoretische wie praktische Fragen
der Gewerkschaftsbewegung berücksichtigen.
Stellt sich das „Kapital“ als seine Aufgabe die kritische Zergliederung
der gegebenen kapitalistischen Produktionsweise, die Erforschung ihrer Bewegungsgesetze,
 will es keine praktischen Vorschläge zur Beseitigung aller
sozialen Uebel oder, wie Marx im Vorwort sarkastisch sagt, „Rezepte für
die Garküche der Zukunft“ geben, so finden wir doch im „Kapital“ nebst
einer klassischen Begründung aller Nächstforderungen des Proletariats auch
die Grundsätze der zukünftigen, der sozialistischen Gesellschaft, wie sich
deren materiellen und intellektuellen Elemente schon im Schoße des Kapitalismus
 entwickeln.
Das sind die Hauptgruppen der Schlagworte, unter die der reiche Inhalt
des ersten Bandes verteilt und registriert werden konnte. Und da eine
solche Klassifikation doch immer zu roh und zu grob ist, um diesen Gedankeninhalt
 völlig zu erschöpfen, so haben wir oft dieselben Gedankengänge
 unter verschiedenen Schlagworten registriert, um so ein Gegengewicht
gegen jede Einseitigkeit zu schaffen.
Obwohl wir uns vor allen Dingen das Ziel gestellt haben, die Bildungsbedürfnisse
 der „gewöhnlichen Leser“ zu befriedigen, hoffen wir, daß das
Register auch Lesern, die das „Kapital“ gut kennen, Dienste leisten, daß
es auch insbesondere den Redakteuren der Partei- und Gewerkschaftspresse
 sowie allen andern Praktikern des proletarischen Emanzipationskampfes
 als ein Hilfsmittel in der aufreibenden Tagesarbeit dienen wird.
N. Rjasanoff,
* Vergleiche die Ansätze in dem Marxzschen Vortrag über „Lohn, Preis und Profit“
(deutsch von E. R. Bernstein, Frankfurt a. M. 1908).
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aller im ersten Band des „Kapital“ zitierten Werke.

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Ashley, Lord, The Ten Hours’ Factory Industry of all useful Trades and
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son histoire depuis les temps anciens Berkeley, George. The Querist. Lonjusqu’a
 nos jours. Paris 1842. S.688. don 1750. S. 283, 300,
Babbage, Charles. On the economy of Bidault, J.N. Du Monopole qui s’6tablit
Machinery and manufactures. Lon- dans les arts industriels et le comdon
 1832. S. 293, 296, 320, 335, 349 merce, Paris 1828. S. 269,
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        <pb n="753" />
        708 .
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Verzeichnis der zitierten Werke.

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286, 291, 292, 295, 812, 371, 451, The Currency Question reviewed, A
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        <pb n="761" />
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Trade. London 1696. S. 53.
Public Economy concentrated. Carlisle
 1833. S. 340,
Enquiry into the Connection between
the High Price of Provisions and the
Size of Farms. By a farmer. London
 1773. S, 257, 274, 275, 653-654,
658.
Enquiry into the Present High Price
of Provisions, (Verfasser N. Forster)
London 1757, S. 871, 452, 656,
Enquiry into those Principles respecting
 the Nature of Demand as lately
Advocated by Mr. Malthus. London
1821. S. 118, 129, 384, 581, 543.
Political Enquiry into the Consequences
 of Enclosing Waste Lands.
London 1785, 5, 655,
An Essay on the Governing Causes of
the Natural Rate of Interest. (Verfasser
 J. Massey), London 1750.
S. 453,
A Prize Essay on the Comparative
Merits of Competition and Cooperation,
 London 1834. S. 268
375.
Essay on Credit and the Bankrupt Act.
London 1707. S, 93.
Essay on the political Economy of
Nations, London 1821. S, 154, 256,
Essay on public eredit. London 1710.
S. 98,
Essay on Trade and Commerce. London
 1770. S. 181, 183, 228, 224, 225,
315, 480, 535-586, 551, 574, 665.
Essays on political Economy, in which
are illustrated the principal causes
of the principal National Distress.
London 1830. S,. 465,
The Industry of Nations, London 1855.
S. 2991. 329.

X

Register.

Die Krankheiten, welche verschiedenen
Ständen, Altern und Geschlechtern
eigentümlich sind..... Ulm 1860.
S. 310.
Labour defended against Capital. By
T. H. (Verfasser T. Hodegskin). London
 1825, 8. 802, 509-510.
A Leiter to Sir S.C. Banbury, Bt., on
the High Price of Provisions. By a
Suffolk Gentleman. Ipswich 1795.
S, 653,
Two Letters on the Flour Trade and
the Dearness of Corn. By a Person
in Business. London 1767. S, 656.
Observations on some verbal disputes
in Political Economy, particularly
relating to value and to supply and
demand. London 1821. SS. 46, 47,
158, 472, 535,
Our old nobility. By Noblesse Oblige.
London 1879. S, 654.
Outlines of Political Economy. London
 18832, S, 153, 266, 460,
The Perils of the Nation. Second
Edition. London 1843. S. 658.
Essential Principles of the Wealth of
Nations, Lo: don 1797, S. 117.
Reasons for the late increase of the
Poor Rates, or a comparative view
of the Prices of Labour and Provisions.
 London 1777. S. 507, 609,
Reasons for a limited Exportation of
Wool. London 1677. S. 507.
Bemarks on the Commercial Policy of
Great Britain. London 1815. S, 492.
Sophisms of Free Trade, By a Barrister.
Seventh Edition. London 1850. S. 220.
668,
The Sources and Remedies of the
national Difficulties. A letter to
Lord John Russell. London 1821.
S. 523,
The Theory of the Exchanges, The
Bank Charter Act of 1844, The abuse
of the Metallic Prineiple to Depreciation.
 London 1864. S,. 97, 589.
Some Thoughts on the interest of money
in general and particularly in the
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8. 7. 14.
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        ar.

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Verzeichnis der zitierten Werke.

717

C. Veröffentlichungen offizieller und anderer Körperschaften.
“/ensus of England and Wales for 1861. Reports of the Inspectors of Factories
Vol. III. London 1863. S. 568, 580, {or the half-year ending.... to the
587, 588, 618. half-year ....
7hildren’s Employment Commission. -— for 30th September 1844. 5S. 280,
(1862.) Report 1-6 of the Commis- 281, 240, 241.
zioners, London 1863-1867. Folio. - for 1844 and the quarter ending
ıst Report 1863. 5.193, 194, 195,197, 30th April 1845. S, 355, 856.
219, 244, 412, 489-490. — for 30th April 1848, 5S,. 234, 286,
and Report 1864. S. 405, 408, 410,411, A482.
412, 413-414, 415, 416, 417, 419, -— for 81st October 1848, S. 178-179,
482, 489. 230, 232, 233, 234, 235, 239, 246, 249,
3rd Report 1864. S. 131, 206, 341, 484.
407, 408, 419-420, 433, 483, 484, 489, for l1st December 1848, S, 238, 463,
ih Report 1865, $. 206, 207, 208, 209, for 30th April 1849. S. 286, 237, 288,
210, 212, 213, 214, 296, 379, 403, 239, 259,
420, 421. for 31st October 1849. S,. 229, 238.
5th Report 1866. 5. 208, 341, 396-898, for 30th April 1850. S. 239, 249.
406, 407, 422, 423, 426, 427, 431, for 31st October 1850. S. 235,
432, 438, 482-483, for 80th April 1852. S. 240.
6th Report 1867. S.621, 628, 630, 631. for 30th April 1853. S, 242,
RoyalCommission on Railways. Minutes for 31st October 1853, S. 180.
of Evidence. London 1867. 5.348, 496. for 80th April 1855. S. 178,
Dorrespondence with Her Majesty’s for 81st October 1855. S. 217, 344,
Missions Abroad, regarding industrial 371.
Questions and Trade’s Unions. Lon- — for 31l1st October 1856. S. 190, 192,
don 1867. S. XXXVII. 225, 324, 359, 376, 392, 394.
Factory Regulations Acts. 1859. S. 190. — for 31l1st October 1857. SS. 243.
242, for 30th April 1858, S. 190, 490,
Hansard Parliamentary Debates, S.588. 1492.
House of Lords Committee. 1848. S. 86. for 31st October 1858. 5S. 3838, 860,
Jahresbericht der Handelskammer zu 376.
Essen (Oktober 1863). S. 335. for 81st October 1859. S,. 230, 250,
The Master Spinners’ and Manufac- for 30th April 1860. S. 192, 217,
turers’ Defence Fund. Report of 227, 242, 360, 483.
the Committee, Manchester 1854. for 31st October 1860. S,. 191, 486-87.
S. 367. for 30th April 1861. S. 191,
Public Health Report of the medical for 81st October 1862, S. 191, 243,
officer of the Privy couneil. 244, 245, 248, 350, 358, 360, 362-363,
3rd Report. S. 193, 194, 421.
4th Report 1863. S. 408. for 80th April 1863. S. 245, 249,
5th Report 1864. 5. 130, 218, 342, 102-403, 482, 483,
408, 483, 591, 592, 593, 594. for 31st October 1868, S, 191, 871,
7th Report 1865. 5S, 513-514, 595, 400, 401, 424, 574,
600, 601, 602, 603, 613-614, 617, — for 30th April 1864. S, 401.
619-621, 631, 651. . for 831st Octoher 1864. S. 246, 247.
3th Report 1866. SS. 406, 595, 596, 249.
597, 598, 599, 600, - for 831lst October 1865. S, 354, 365,
Reports of the Inspectors of Factories 1400, 402, 404, 418, 419, 423, 424, 481,
for the half-year ending....to the 132, 488,
half-year .... - for 831st October 1866. S. 365, 870,
— for 31st December 1841. S. 226. 579.
        <pb n="763" />
        718

Report and Evidence from the Select
Committee on Petitions respeeting
Ihe Corn Laws. Parlamentssession
1813-1814. S. 491.
Reports from the Lords’ Committee,
on the State of the Growth, Commerce
 and Consumption of Grain,
and all Laws relating thereto. (Session
 1814-1815). S. 491,
Report from the Select Committee ön
the Bank Acts. July 1858. S. 98.
Keport from the Select Committee on
Mines, together with ... Evidence,
28rd July 1866. S. 436.
Report of the Committee of 1855 on
the Adulteration of Bread. S. 189.
Report of. the Committee on th
Baking Trade in Ireland for 1861.
5. 201.
Report ete, relating to the Grievances
complained of by the Journeymen
Bakers etc. London 1862, S. 485.
Report of the Registrar General for
October 1861. S. 218,
Report of the Commissioners... relating
toTransportation and Penal Servitude.
London 1868, 8. 614, 615.
Report of Officer of Health of St. Martin’s
 in the Fields, 1865. S. 596.
Fourth Report of the Commissioners
of H. M.’s Inland Revenue. London
1860. S. 587

Register.

Tenth Report of the Commissioners of
H.M.’s Inland Revenue. London 1866.
S. 586, 685.
Reports by H. M.’s Secretaries of Embassy
 and Legation on the Manufactures,
 Commerce ete. 1863, S. 290.
Reports from the Poor Law Inspectors
on the wages of Agricultural Labourers
 in Dublin, 1870. S. 638, 639,
640, 641.
Reports of Cambridge University Commission.
 S. 553,
Agricultural Labourers (Ireland) Return
 ete. 8th March 1862. S. 638,
Report of the Social Science Congress
at Edinburgh, October 1863. S. 338,
425, 434.
Statistical Abstract for the United
Kingdom. London 1861 und 1866.
S. 362,
Miscellaneous Statistics of the United
Kingdom. London 1866. S, 589.
Agricultural Statistics, Ireland. General
Abstracts etc. Dublin 1860 ff. S. 634.
Agricultural Statistics, Ireland. Tables
showing the Estimated Average Produce
 etc. Dublin 1866. S. 634.
Revised Statutes of the State of Rhode
Island ete, Ist July 1857. S.220n.
State of New Jersey. An act to limit
the hours of labour etc., 61 and 62.
Vom 11. März 1855. S. 2920 2.

D. Zeitungen und Zeitschriften,
Bayerische Zeitung, 9. Mai 1862. 8.189. ı Glasgow Daily Mail, 25, April 1849,
Bengal Hurkaru, Bi-Monthly Overland SS. 259.
Summary of News. .22nd July 1861. Journal of the Society of Arts, London,
S. 276, January 1872, S, 361.
Bury Guardian. 1860. S. 216. Macmillan’s Magazine, August 1863.
Daily Telegraph, London. Jan. 17, 1860. 8. 204,
S, 198, Morning Chronicle, S. 611.
Deutsch-Französische Jahrbücher, Paris Morning Star, April 17. 1863. London.
1844, S. 389, 109, S. 588,
Economist (London), 29. März 1845. — June 23, 1868. S, 204, 476,
S. 611. ; — 1867. S. 604, 605,
— 15. April 1848, S. 179. Neue Rheinische Zeitung, Nr. 26,
— 19. Juli 1859, S, 523. 7. April 1849, S, 514,
— 21. Januar 1860, S, 576. Neue Rheinische Zeitung. Politisch-—
 2. Juni 1866, S. 663-664. ökonomische Revue, Aprilheft 1850.
The Engineering, 14, Juni 1874, S, 559, S. 289,
Evening Star, 11.September 1868, 8.390. New Y. ork Tribune. 1853. S 661
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66.

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4@-39,


‚M-PR



+85
8,

Verzeichnis der zitierten Werke.
The Observer, London 1864, 24th April.
8. 97.
Pall Mall Gazette. S. 591.
Peterburgskija Wiedomosti, 20. April
1872, S. XLIL
Revolutions de Paris. Paris 1791, S.671.
Zevolutions de France et du Brabant.
Paris 1789-1790. S. 671,
Revue Positiviste. S. XLIIL
Reynolds’ Newspaper, 4th February
1866. S. 202.
— 20th January 1867. S. 604,
»aturday Review. S. XLII.
Social Science Review, 18th July 1863.
S. 203-204.
Speciator, 3rd June 1866. London.
S. 279.

719
Standard, 26th October 1861. SS. 493,
auch 204,
— 5th April 1867. S. 606-607,
Times, 14th February 1843. S. 588.
— 5th November 1861. S. 218.
26th November 1862, 5. 160, 348.
nd JInly 1868. S. 204.
24th March 1863. S,. 243, 510, 512-518.
26th February 1864, 58, 414.
20th January 1867, SS. 442,
— 8rd September 1873. S. 536; auch
S. 642,
Volksstaat. S. XLIV.
Wiestnik Jewropy, 1872, Mai. S. XLV.
Workman’s Advocate, 13th January
1866. S. 201.
Westminster Review. S. 28.

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Is
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        Namenreygister.

Abel, K., Uebersetzer der Berichte der
russischen Gesandtschaft zu Peking
über China, S. 85,
Addington, Stephen, 1729-1796. Gegner
der Einhegungen in England im
18, Jahrhundert, S. 656-657.
1grippa, Menenius, der Gesandte, welchen
 die römischen Patrizier an die
Plebejer schickten, um sie zu überreden,
 nach Rom zurückzukehren.
Seine Fabel in der manufakturmäßigen
 Teilung der Arbeit verwirklicht,
 S. 307.
dikin, John, 1747-1822, Ueber die
Industrie von Manchester, S. 529-580;
äber den Kampf des Handwerks
gegen Fabrik, S. 679 n; über die
ursprünglichen Infamien des Fabrikwesens,
 S. 687 n.
Anderson, A., englischer Oekonomist,
Historiker des Handels, 1692-1765.
Proletarier als Resultat des direkten
Eingreifens der Vorsehung, S. 674;
seine Apologie des Sklavenhandels,
S, 687,
Anderson, James, englischer Oekonomist,
 1739-1808, Seine Rolle in der
Geschichte der Rententheorie, S.446n;
seine Polemik gegen Smith, S, 496 n;
über Humes Einfluß auf Smith, S. 554 n;
Gegner der Einhegungen in England,
5.657 n; über die Revolution in Schott-Jands
 Agrarverfassung, S. 659-660,
Anna,Königinv.England,1665-1701-1714.
Aufhebung einiger Gesetze gegen
die Landstreicher durch 12, Anna
6. 283 (17138),
Antipatros von Thessalonike, griechischer
 Dichter, Begrüßt die Erfindung
der Wassermühle, S. 352.
Appian, römischer Geschichtsschreiber
(lebte im zweiten Jahrhundert n. Chr.)
Ueber den Ruin der römischen Plebejer
 durch den Kriegsdienst, S. 657
bis 658 n.

Archimedes,griechischer Mathematiker,
287-212 v. Chr. Vulgärökonomen als
umgekehrte A,, S. 253 n.
4ristoteles (Stagirites), griechischer
Philosoph, Naturforscher und Politiker,
 384-322 v, Chr. Ueber die
Eigentümlichkeiten der Geldform und
Wertform, S.24-26; A. und die Sklavenarbeit,
 S. 45 n; über zweifachen Gebrauch
 jedes Gutes, S, 48 n; über
den Unterschied zwischen Chremaüstik
 und Oekonomie, S. 109-110 N;
über den Zins, S. 121; seine Defiaition
 des Menschen, S, 274 n; sein
Traum, Maschinen betreffend, S. 352,
Irkwright, Richard, Eründer der Spinnmaschine,
 1732-1792. Ure über A,,
S. 315, 368; Marx über A. als Charakter,
 S. 368 n; A. als Erfinder,
S. 321, 326, 430; erwähnt S. 373.
irledge, J. T., Arzt. Ueber die Töpfer,
S. 194-195.
ishley, Lord (Graf Shaftesbury), englischer
 Philanthrop und Staatsmann,
1801-1885, Ueber Frauenarbeit, S.346
bis 347 n; über Intensifikation der
Arbeit, S. 356-857; Vorkämpfer im
aristokratischen Feldzug gegen Fabrikanten
 und die Lage seiner Landarbeiter,
 S. 611-612.
1shworth, Henry, Baumwollmagnat und
Philanthrop, 1794-1880. Sein Brief
an L. Horner, S. 236; A. und Senior,
S. 350.
lhenaeus, griechischer Grammatiker,
erste Hälfte des zweiten Jahrhunderts
n. Chr., Verfasser des „Gelehrtenmahls“,
 Ueber Rechengeld, S.62n;
über Habsucht, S, 91 n.
4ugier, M., {französischer Publizist,
einer der Redakteure der „Reforme“.
Ueber Geld, S. 688.
Babbage, Charles, englischer Mathematiker
 und Oekonomist, 1792-1871.
Ueber Verhältniszahlen der Arheiter
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        sy
19

Namenregister,

in der Manufaktur, S. 293; Vergleich
mit Ure, S, 296 n; Definition der
Maschine, S, 320 n; über Produktivität
 der Arbeit, S. 335 n; über neue
Maschinen, S. 349 n.
Bacon, Francis (Baco von Verulam),
englischer Staatsmann und Philosoph,
1561-1626. B. und Descartes, S. 334 n;
Philosoph der früheren englischen
Oekonomen, S, 335 n; über die Gesetzgebung
 wider die Expropriation
der Pächter, S. 650-651; über den
Zusammenhang zwischen Bauernschaft
 und Infanterie, S. 651 n.
Bailey, Samuel, englischer Philosoph
und Oekonomist, 1791-1870. Verwechselt
 Wertform und Wert, S.16n;
sieht im Wert nur ein quantitatives
Verhältnis, S. 22; gegen Ricardo,
S. 28 n, 47n; über Geld als Wertmaß,
 S. 60 n; gegen Ricardo, S.471n;
über das gesellschaftliche Kapital
als eine fixe Größe, S. 546 n.
Baker, Robert, Fabrikinspektor, Seine
Berichte. S. 248, 343, 369-870, 892,
641-642.
Baines, Edward, englischer Publizist
und Politiker, 1800-1890. Ueber
Maschinen, S. 332-333, 335,
Ballard, Arzt. Ueber den Minimalraum
 für jede Person in Schlaf- oder
Arbeitszimmern. SS. 412. ;
Balzac, Honore de,französischer Romandichter,
 1799-1850. Alle Schattierungen
 des Geizes gründlich studiert,
S. 524 n.
Barbon, Nicolas, englischer Oekonomist,
geb. um 1640 — gest. 1698. Ueber Gebrauchswert,
 S.3n; über innerlichen
Tauschwert, S. 4n; Gleichheit der
Dinge alsWert, S.5; Zirkulationsmitte]
und Preise, S. 82 n; über Erhöhung
des Münzwertes, S. 87-88 n; Handelsbilanz
 und Geld, S. 101-102 n; Mediziner,
 S. 5583 n.
Barton, John, englischer Nationalökonom.
 Ueber die relative Abnahme
des variablen Kapitals, S. 568-569 n;
Lage des Landarbeiters, S. 609-610.
Basedow, Johann, Bernhard, Reformator
des Erziehungswesens, 1728-1790
Marx’ absprechendes Urteil über B.,
5. 430 n.
Das Kapital. L

721

Bastiat, französischer Nationalökonom,
Freihändler und Sozialistentöter,
1801-1850. Charakteristik, S. XLII;
über Wert, S. 26; über Raub bei
den Griechen und Römern, S.45n;
B. und Kategorie der Dienste,
S. 147n; B. und die Heiden, S. 352;
Carey als seine Geheimquelle,
S. 499.
Seccaria, Cesare, italienischer Philosoph
und Publizist, Verfasser des berühmten
 Werkes über „Verbrechen und
Strafen, 1735-1794. Ueber Teilung
der Arbeit, S. 312 n.
3Zeecher Stowe, Harriet, amerikanische
Romandichterin, Bekämpferin der
Negersklaverei, Verfasserin von
„Onkel Toms Hütte“, 1812-1886.
Empfang in London, S. 661 n.
3ellers, John, englischer Philantrop
und Kommunist, 1654-1725, Geld
als Pfand, S.89 n; über Krisen, S.96n;
Schatzreservoire, S. 108 n; Kooperation,
 S. 2783 n; über Verminderung
der Arbeitszeit, S, 294-295; Kampf
zwischen Arbeiter und Maschine,
S. 871 n; Einfluß der Mode, S, 421 n;
allgemeine Charakteristik, S. 430 n;
Arme und Reiche, S. 550.
Bentham, Jeremy, englischer Jurist und
Philosoph, 1748-1832, Seine Nütz:
lichkeitsphilosophie, S. 131-132; über
Arbeitsfonds, S. 545; allgemeine Charakteristik,
 S. 545-546 n.
Berkeley, George, englischer Philosoph,
1685-1753, Kooperation, S. 288 n;
territoriale Arbeitsteilung, S. 300 n.
Bidault, J. N. Ersparung an Arbeit,
S. 269 n.
Biese, F. Zitat über Aristoteles, S, 352,
Blakey, Robert, englischer Schriftsteller,
1795-1878, Ueber das Armengesetz
in England, S. 652-658 n.
Blanqui, Adolphe Jeröme, Bruder des
berühmten Revolutionärs Auguste
Blanqui, französischer Nationalökonom,
 1798-1854. Veber Arbeitstag
 in Frankreich, S. 225-226 n;
über Seidenspinnerei in Lyon,
S. 284 n.
3lock, Maurice, französischer Nationalökonom
 und Statistiker, 1816-1901.
Ueber Marx’ Methode, S. XLV,
4C
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        722

Boileau, Etienne, Oberrichter in Paris.
1200-1269. Ueber den Schwur der
Gesellen, S. 427.
Boileau-Despreaux, französischer Satiriker,
 1636-1711. Vergl. Moli&amp;amp;re.
Boisguillebert, Pierre le Pesant, französischer
 Nationalökonom, 1646-1714.
Ueber Schatzbildung, S.88; über Geld
und Finanzkunst, S. 98 n.
Bolingbroke, Henry St. John, englischer
Staatsmann und Schriftsteller, 1678
bis 1751. Ueber Bankokratie, S. 684.
Boothroyd, Arzt. Ueber die Töpfer,
S. 194.
Boxhorn, Marcus Severing, Professor
der Beredsamkeit und der Geschichte
an der Universität Leyden, 1602-1653.
Ueber die Einführung der Bandmühle
 in Leyden, S. 372.
Bray, John Francis, englischer Kommunist,
 Owens Schüler. Unmittelbare
Austauschbarkeit der Ware, S. 38 n.
Bright, John, englischer Politiker, führte
den Kampf gegen die Korngesetze,
1811-1889. Erwähnt XLIIL. „Morning
 Star“ als sein Organ, S. 204;
sein Widerstand gegen die Zehnstundenbill,
 S. 231-232; über die
Verteilung des Grundbesitzes in
England, S. 587 n; B. und Rogers,
S. 618 n; B. und die Expropriation
der Kleinproduzenten, S,. 678 n.
Brindley, James, englischer Wasserbaumeister,
 1716-1772. S. 295.
Broadhurst, J.. Ueber Mißverhältnis
zwischen der Wertgröße und ihrem
relativen Ausdruck, S. 21 n.
Brougham, Henry, englischer Staatsmann
 und Schriftsteller, 1778-1868,
Ueber die Zahl der Sklaven in
Kolonien, S. 688 n.
Bruckner. Vorläufer von Malthus,
S. 558 n.
Buchanan, David, englischer Oekonomist,
 1779-1848. Ueber die Quantität
der Scheidemünze, S, 85 n; über
Lohn, S. 494 n; über Expropriation in
Schottland, S. 660 n. .
Buchez, Philippe, französischer Geschichtsschreiber,
 St. Simons Schüler,
später Befürworter der Genossenschaften
 und eines christlichen So;
zialismus, 1796-1865. DVeber das

Register.

Anti-Koalitionengesetz vonChapelier,
S. 671-672,
Burke, Edmund, englischer Staatsmann
und Schriftsteller, 1729-1797. Bedeutung
 der lebendigen Arbeit,
3. 160n; Arme und Reiche, S, 185 n;
nivellierende Wirkung der Kooperation,
 S. 270-271 n; über Bedford,
S. 655; allgemeine Charakteristik,
S. 688 n.
Butler, Samuel, englischer Satiriker,
Verfasser des „Hudibras“, 1612-1680.
Ueber Wert der Dinge, S. 4 n.
Vairnes, John Elliot, englischer Oekonomist,
 1823-1875, Ueber Sklaverei
als Produktionsweise, S. 151 n, 215,
280,
ZJampbell, George, englischer Beamter
in Ostindien, 1824-1892, Gibt eine
gute Zusammenstellung der verschiedenen
 Formen des indischen
Gemeinwesens, S. 305 n.
Jantillon, Richard, englischer Vorläufer
der Physiokraten, geb. gegen Ende
des 17. Jahrhunderts, gest. 1734 in
London. Ueber Stücklohn, zugleich
Angaben über sein Hauptwerk,
S. 491 n; erwähnt auch S. 558 n.
Zard de Ronard. Ueber Falsifikation,
5. 198 n.
7arey, H.C., amerikanischer National-Ökonom,
 Schutzzöllner, 1793-1879. Als
Harmoniker, S. 169; Verschönerung
der Sklaverei, S. 470n; Verschiedenheit
 der nationalen Arbeitslöhne,
S. 498-499; zitiert Marx’ Artikel über
Sutherland, S. 661 a; über Ruin der
Türkei durch den Freihandel, 5.678 n.
Darli, Giovanni Rinaldo, Graf von,
italienischer Finanz- und Handelsschriftsteller,
 1720-1795. Ueber die
Massenkraft, S. 277 n.
Jarlyle, Thomas, englischer Historiker
und Publizist, 1795-1881. Ueber den
amerikanischen Bürgerkrieg, S.204 n.
Jastlereagh, Henry Robert, englischer
Staatsmann, 1769-1822, Bekannt als
Reaktionär, S. 378.
)aus, Salomon de, Baumeister und Ingenieur,
 1576-1626, Seine Bedeutung
in der Geschichte der Technik, gemeint
 ist wahrscheinlich das Buch:
„Von gewalisamen Bewegungen.
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13

‘3a

Namenregister,

Beschreibung etlicher sowohl nützlicher
 als lustiger Maschinen, Frankfurt
 1615“, S, 821.
Yazenove, John, Ueber Arbeitsfonds,
5. 504 n; über Abstinenz als Quelle
des Profits, 5.532 n.
Jervantes, Saavedra Miguel de, spanischer
 Satiriker und Romandichter,
1547-1616, Don Quixote, S. 46; Maritorne,
 eine Magd, gleichbedeutend mit
schmutziges Weibsbild, S.48; Sancho
Pansa, 5. 578,
/halmers, Thomas, englischer Theologe
und Oekonomist, 1780-1847. Geld
als Endzweck des Kapitalisten, S.110n;
Verherrlichung der Klasse der Konsumenten,
 S. 118 n; Pfaffe, wie Malthus,
 S. 553 n; gegen Smith, S, 554 n
Zhamberlain, Joseph, englischer Staatsmann,
 geb. 1836. Ueber die mittlere
Lebensdauer, S. 579.
Zhapelier, Isaac Rene Le, französischer
Politiker, 1754, guillotiniert 1794.
Sein Gesetz gegen die Arbeiterkoalitionen,
 S. 671-672.
7herbuliez, Antoine Elisge, schweizerischer
 Nationalökonom, 1797-1869.
Definition der Hilfsstoffe, S, 87 n;
Zigentumsrecht des Kapitalisten an
dem Arbeitsprodukt, S. 141, 519 n;
Akkumulation und Arbeiter, Schüler
Sismondis, S. 585.
Zhevallier, Jean Baptiste, französischer
Chemiker, 1793-1879, Ueber die FälsSchungen
 der Nahrungsmittel, S.98n,
7hild, Josiah, englischer Kaufmann und
Oekonomist, 1630-1699. „Labouring
poor“, S. 688 n.
Yicero, Marcus Tullius, römischer
Redner und Philosoph, 10644 v. Chr.
Erwähnt 5. 64, 352.
Dineinnatus, römischer Feldherr. S. 134.
Zlauren, H., Pseudonym für Heun, Karl]
Gottlob, deutscher Romanschriftsteller,
 1771-1854. Verfalßte zahlreiche,
 seinerzeit viel gelesene, jetzt
gänzlich vergessene Romane. Senior
als C. unter den englischen Oekonomen,
 S. 174.
Claussen, Erfinder des Cireular Loom.
Ss. 316.
Dobbet, William, englischer Publizist,
1762-1835. Ueber die englischen

723

Friedensrichter, S. 237 n; über die
Armengesetzgebung, S. 652; über die
Nationalschuld, 5. 683; über die Wirkungen
 des Steuersystems, S. 685.
7obden, Richard, englischer Politiker,
Führer im Kampfe gegen die Korngesetze,
 1804-1865. Erwähnt S. XLI1;
„Morning Star“ als Organ, S. 204;
Gegner der Zehnstundenbill, S. 231
bis 232; liberale Schule, S, 618 n.
‘olbert, Jean Baptiste, französischer
Staatsmann, klassischer Vertreter des
alten Protektionismus (Colbertism us),
1619-1683, Staatsunterstützungen zur
Zeit C.‚5.258; Protektionssystem,S.6853.
'olins, Hippolyte, Begründer des sogenannten
 „rationellen Sozialismus“,
Belgier, 1783-1859. Reichtum und
Proletarier, S.550 n; Landproletariat,
S. 627 n; Folgen der individuellen
Aneignung des Landes, S. 698-699 n,
7olumbus, Christoph, Entdecker von
Amerika, 1447-1506. Macht des Goldes,
 S. 89.
Domte, Auguste, französischer Philosoph,
 Gründer der sogenannten
positivistischen Schule, 1798-1857.
Verherrlichung der Kapitalherren,
S, 280 n.
Tomte, Francois Charles Louis, französischer
 Publizist, 1782-1837, Ueber
die Behandlung der Sklaven, S,680 n.
Jondillac, Etienne Bonnot de, französischer
 Philosoph, vertritt den Sen-Suajısmus,
 1715-1780. Verwechselung
von Gebrauchswert und Tauschwert,
S. 115-116.
/ondorcet, Marie Jean Antoine, französischer
 Mathematiker und Philosoph,
 Mitglied desKonvents, 1743-1794.
Malthus gegen die Lehren von C,
S. 552 n.
/orbet, Thomas. Handel und Spekulation,
 S. 107-108 n; Ueberproduktion,
S, 524 n.
7orbon, Anthime, Arbeiter, ein Schüler
von Buchez, später Deputierter.
Wechsel der Arbeit, S, 494 n.
/ourcelle-Seneuil, S. G., französischer
Nationalökonom, 1813 1892, Die Aufgabe
 des Kapitalisten, S. 182 n; Erhaltung
 des Kapitals erheiseht Kraft.
anstrengung, S. 5833 n.
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        724

Cowell, S. W. Mitglied der Fabrik:
kommission von 1833, S. 496.
OÜromwell, Oliver, englischer Staatsmann,
 Protektor der englischen Republik,
 1599-1658, Lage der Bauern
zur Zeit des C., S. 651, 653, 677.
Culpeper, Thomas, englischer Oekonomist,
 1578-1662. Ausdruck „Labouring
 poor“, S. 688 n.
Cuvier, George, französischer Naturforscher,
 1769-1832. Ueber die Notwendigkeit,
 die Perioden der Nilbewegung
 zu berechnen, S, 453 n.
Zustodi, Pietro, Herausgeber aller
Hauptwerke der italienischen nationalökonomischenLiteratur,
 1771-1842.
S. 10, 52, 91.
Dante, Alighieri, italienischer Dichter,
Verfasser der „Göttlichen Komödie“,
1265-1321. S. XXXIX, 64; seine
Höllenphantasien übertroffen von der
Manufaktur von Zündhölzern, S. 195.
Darwin, Charles, englischer Natur-Forscher,
 1809-1882, Organe und
ihre Funktionen, S. 288; natürliche
Technologie, S. 8317 n.
Daumer, Georg Friedrich, Dichter
und religionsphilosophischer Schriftsteller,
 1800-1875. Seine Hypothese
über das christliche Abendmahl
(„Die Geheimnisse des christlichen
Altertums“, Hamburg 1847), S. 236 n.
Defoe, Daniel, englischer Schriftsteller,
Verfasser des „Robinson“, 1661-1781,
Malthus’ Vorläufer, S.552 n; erwähnt
aus seinem Roman „Robinson Crusoe“
Robinson, S. 40.
De Quincey, Thomas, englischer Publizist
 und ÖOekonomist, 1785-1859.
Vermehrung der _Frauenarbeit,
S. 339-340 n.
Derby, Edward Henry Stanley, Lord,
englischer Staatsmann, 1826-1893,
Ueber Baumwollnot, S. 395,
Descartes, Reneg, französischer Philosoph,
 1596-1650, Betrachtet wie Baco
Veränderung der Produktion als Resultat
 der veränderten Denkmethode,
5. 884 n; Definition der Tiere als
Maschinen, ebenda.
Desmoulins, Camille, Publizist und Mitglied
 des Konvents, 1760-1794. Seine
Bezeichnung des Chapelier, S. 671.

Register,

Destutt de Tracy, Antoine Louis Claude,
französischer Philosoph und Nationalökonom,
 1754-1836. Ueber Arbeit
als Wertquelle, S. 44n; über den
Tausch, S. 114 n; erklärt Profit aus
Uebervorteilung, S. 119 n; Kooperation,
 S. 273; Teilung der Arbeit,
S, 275 n; der kalte Bourgeoisdoktrinär,
 S. 585,
Dickens, Charles, englischer Romanschriftsteller,
 1812-1870. Schildert
in „Oliver Twist“ den Typus eines
Einbrechers und Mörders, Bill Sikes,
S. 385.
Diderot, Denis, französischer Schriftsteller,
 Herausgeber der großen
„Enzyklopädie“, 1713-1784. Ueber
Repräsentations-Reichtum, S. 91-92,
Dietzgen, Joseph, Philosoph und Pub-Jizist,
 1827-1888, Erwähnt XLIV.
iodorusSiculus,griechischerGeschichtschreiber,
 Bearbeitung der goldhaltigen
 Quarzgänge, S. 100 n; Arbeit
in den Goldbergwerken, S. 185 mn;
Handwerker in Aegypten, S 287;
Aegypten als industrielles Musterland,
 S. 314; Geringfügigkeit der Bedürfnisse
 in Aegypten, S. 451-452.
Don Quixote (siehe Cervantes).
Doubleday, Thomas, englischer Publizist
und Oekonomist, 1790-1870, Ueber
die Wirkung des Steuersystems,
S. 685.
Dryden, englischer Dichter, 1631-1700,
S. 191.
Ducpetiaux, Edouard, belgischer Publizist,
 Generalinspektor der Gefängnisse,
 1804-1868. Ueber die belgischen
 Arbeiter, S. 607-608.
Dufferin und Awa, Frederick Temple,
Marquis von, englischer Staatsmann,
1826-1902. Ueber Irland, S. 642-643.
Duffy, Sir Charles Gavon, irländischer
Revolutionär, später Kolonialpolitiker,
 1816-1903. Ueber das
Landgesetz 1862 in Australien,
S. 700 n.
Dunning, T. J., einflußreicher Trade-Unionist,
 Leiter der Gewerkschaft
der Buchbinder, 1799-1873. Ueber
Stücklohn, S. 486; Arbeiter als Antreiber,
 S. 489 n; Zeitlohn, S. 490 n;
Charakteristik desKapitals. S.688-689.
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Namenregister,

Dupont, Pierre, französischer Liederdichter,
 1821-1870. Ueber die Lage
der Arbeiter, S. 627 n.
Eden, Sir Frederick Morton, englischer
Oekonomist, 1766-1809. Plagiiert von
Wade, SS. 192-193 n; empfiehlt die
Rumfordsche Bettelsuppe, S. 537 n:
Befreiung von der Arbeit als Resultat
 der bürgerlichen Einrichtungen,
S.551-552; der bedeutendste Schüler
Smiths im 18. Jahrhundert, S. 552;
Formen des Abhängigkeitsverhältnisses
 der Arbeiter S. 553-554; Lage
der Arbeiter, S. 610; über die Aufhebung
 der Leibeigenschaft, S. 653 n;
gegen das Gemeindeeigentum, S. 655;
seine Beurteilung der Expropriation
des Bauerntums, S. 658; über den
Kinderraub, S. 685-686; der Ausdruck
„Labouring poor“, S. 688 n.
Eduard IIT., König von England, 1312-1327-1377.
 Geldwesen, S.58; Statute
of Labourers, Verlängerung des Arbeitstages,
 S. 220; Lohnregulierung.
S. 668,
Eduard VI., König von England, 1537-1547-1553.
 Gesetz gegen die Vagabunden,
 S. 665,
Eleaten, griechische Philosophen des
6. und 5. Jahrhunderts v. Chr. Vergleich
 zwischen den Fälschern der
Waren und E,, S. 198. ;
Elisabeth, Königin von England, 1533-1558-1603.
 Statut von 1562 über den
Arbeitstag, S. 221; Armengesetzgebung,
 S. 652-653; Gesetze gegen
Vagabunden, S. 666; Hinrichtungen,
S. 666 n; Lehrlingsgesetz, S. 669;
Lohnregulierung, S. 670,
Emery, Amerikaner. Verbesserte den
Cottongin, S. 328.
Empiricus, Sextus, griechischer Philosoph
 (2. Jahrhundert n. Chr.). Ueber
die Wahl der Wirkungssphären, 5.812,
Engels, Friedrich, 1820-1895. Ueber
das Wertgesetz, S. 39 n; Teilung des
Kapitals, S. 109 n; Unterschied zwischen
 Real- und Tauschwert, S. 120;
seine Charakteristik der kapitalistischen
 Produktionsweise, S. 189-190;
Lage der Kinder; S.193; Ueberarbeit,
S. 203; Mißbrauch der Waisen und
Kinder der Paupersi S. 216 n: über

725
das Zehnstundengesetz, S. 289; Kapitalist
 als Sauger, S. 249-250; moralische
 Verkümmerung der Arbeiter,
5.344; Maschinenarbeit, S. 366; Luxusarbeiter,
 S. 388 n; Bedeutung der
Maschinerie für die volle Ausnutzung
der Ernte, S. 541; Krisen, S. 572.
Engels, Friedrich: Anmerkungen, S. 8,
14, 100, 101, 102, 168, 186, 245,
257, 284, 298, 833, 341, 874, 395,
4453-444, 468, 534, 564, 588, 590.
591, 654,
Ensor, George, englischer Publizist,
1769-1843. Expropriation des Landvolkes
 in Schottland, S. 660 n.
Epikur, griechischer Philosoph, 341-270
v.Chr, Vergleich der Handelsvölker
im Altertum mit den Göttern E., S.42,
Eschwege, Wilh. Ludw., deutscher
Berg- und Hüttenmann, 1777-1855,
Schrieb über die ursprüngliche Lagerstätte
 des Diamantes und Goldes in
Brasilien, S, 8.
Evereit, Engländer. Erfindet 1758 die
erste durch Wasserkraft betriebene
Wollmaschine, S. 372.
Fairbairn, William, englischer Ingenieur
 und Unternehmer, 1789-1874.
Angewendete Maschinen zum Maschinenbau
 infolge von Streiks, S. 379,
Farre, Arzt in London. Ueber Kinderarbeit,
 S. 228.
Faucher, Julius, Nationalökonom, Verfechter
 des Freihandels, 1820-1878.
Vorfauchen, S. 189,
Faulhaber, Johann, Mathematiker. Förderte
 die Theorie und Anwendung
des Schwungrades, S. 321.
Fawcett, Henry, englischer Staatsmann
und Oekonomist, 1833-1884. Kontrolle
 der Arbeiter über die Preise,
S. 493; Arbeitsfonds, S. 547-548;
über Verarmung der Arbeiter,
S. 589-590; liberaler Oekonom, S. 678,
Ferguson, Adam, englischer Philosoph
und Oekonomist, 1723-1816. Smith
und F, über die Teilung der Arbeit,
S. 82 n, 309; Verkümmerung des
Arbeiters als Folge der Teilung der
Arbeit, S. 301, 308,
Ferrand. Ueber die Baumwollindustrie,
S. 215-216; Intensifikation der Arbeit.
S. 360-361; Baumwollnot, S. 510.
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        726

Ferrier, Fr. Louis Auguste, französischer
 Nationalökonom; Chefdirektor
der Zollverwaltung während des
ersten Kaiserreichs. Moderner
Merkantilist, 5. 26,
Fichte, Johann Goltlieb, Philosoph
1762-1814. Mlustration der Relativität
 des Wertverhältnisses, S. 19n.
Fielden, John, englischer Politiker,
1784-1849. Kinderraub in den Anfängen
 der Groißindustrie, S. 347 n.
586 687; Intensifikation der Arbeit,
S. 356,
Fleetwood, William, englischer Prediger
und Schriftsteller, 1656-1723. Ueber
die Lage der Arbeiter, S. 221 n.
Fonterei, Hygieniker, S. 310.
Forbes, Erfinder einer Maschine zur
Trennung der Baumwollfaser vom
Samen (Churka), S. 336. '
Forbonnais, Francois Veron de, französischer
 Finanzmann und National-Ökonom,
 1722-1800. Geldals Zeichen,
S. 530.
Forster, Nathaniel, englischer Oekonomist,
 1726-1790, Verteidiger der
Arbeiter, S, 223 n; Krieg zwischen
Arbeiter und Meister, 5.371 n; reicher
und armer Boden, S. 452 n; gegen
die Einhegungen, S. 656 n, 657.
Forster, William Edward, englischer
Staatsmann, 1818-1886. Lobt die
Folgen der Prosperität, S. 598 599,
Fortescue, Sir John, englischer Jurist,
139:4(?)- 1476(?). Ueber Volksreichtum
im mittelalterlichen England, S. 649,
650.
Fortunatus, sagenhafte Gestalt der
deutschen Volksbücher, im Besitz
eines nie versagenden Geldsäckels,
S. 401, 585.
Fourier, Charles, französischer Sozialist,
1772-1837, Vergleich zwischen Ablösungssystem
 und F.s kurzen Sitzunzen,
 S. 238; Pivot der Gesellschaft,
S. 828; Fabriken als gemilderte Bagnos,
 S. 371; über die „anständigen
Leute“, 5,391; Aufblühen des Fourierismus
 nach der Julirevolution, 5.589:
Phanerogamie, S, 629,
Franklin, Benjamin, amerikanischer
Publizist und Staatsmann, 1706-1790,
Natur des Wertes, 5. 17; Mais der

Register.

Werte, S. 43 n; Handel ist Prellerei,
S. 120; Definition des Menschen,
S. 135, 274; Vorläufer von Malthus,
S. 559, 558.
Freytag, Gustav, Dichter und Historiker,
1816-1895, Ueber den Dreißigjährigen
Krieg und seine Folgen, S. 669 n.
Friedrich I1., König von Preußen, 1712-1740-1786,
 Westfälische Bauern unter
ihm, 5. 66% 663, 675; Charakteristik
seines Regierungssystems, 5. 662,
Fullarton, John, englischer Oekonomist,
1780-1849. Funktionen des Geldes,
5. 86-87 n; Banknoten als Zahlungsmittel,
 S. 99 n; Reservefonds, 5. 102 n.
Fulton, Robert, 1765-1815. Erfinder
des Dampfschiffes, S. 480,
‘zaltani, Fernando, italienischer Nationalökonom,
 1728-1787. Ueber Wert,
S. 38 n; Metalle als Geld, S. 52 n,
53 n; Geldnamen, S. 61; über das
Unendliche, 5. 111; Gewinn, S. 115;
Produktivkraft der Arbeit, S, 268 n;
der galante und geistreiche G. über
die Naturnotwendigkeit der Armut.
S. 580-581 n.
ranilh, Charles, französischer Nationalökonom,
 1758-1836. Neumerkantilist,
S. 26, 45 n, 55; Kredit und Arbeiter,
S. 129 n; über die Arbeitsprozesse,
welche die Voraussetzung der Agrikultur
 bilden, S. 135 n; über die
vermeintlichen Wirkungen des Maschinenbetriebs,
 S. 391.
Zarnier, Germain, französischer Nationalökonom,
 1754 1821. Gegen Volksunterricht,
 S, 309-310; Stück- und
Zeitlohn, S. 488 n.
zaskell, Elizabeth Cleghorn, englische
Schriftstellerin, 1810-1865. Dampfmaschine
 — Gegner der Arbeitskraft,
 5.379; Vermehrung des Garns
als Folge der Maschinenspinnerei,
S. 387-388.
7enovesi, Antonio, italienischer Philosoph
 und Oekonomist, 1712 1769,
Gewinn als Zweck der Kapitalisten.
S. 110.
7eorg IT., König von England, 1683-1740-1760,
 Geldwesen, 5. 58 n; Gesetz
 über Arbeitslohn, S. 669-670,
z7erhurdt, Karl Friedrich, Chemiker,
1816-1836. Seine Molekulartheorie
        <pb n="772" />
        Namenregister,

beruht auf Hegels Gesetz des’ Umschlags
 der Quantität in Qualität,
S. 257 n.
(Fisborne, Thomas, englischer Ethiker,
1758-1846. Ueber die ursprünglichen
Intamien des Fabrikwesens, 5. 687.
Gladstone, William Ewart, englischer
Staatsmann, 1809-1898, Williger
Diener der Kapitalisten, S. 245 n;
Statistik des Kornhandels, S.395-396;
seine Reden über die Lage der englischen
 Arbeiter, S. 588-589; G. und
Arbeiterkoalitionen, S. 670.
Gobseck. Typus eines Geizigen in
Balzacs Roman, $. 524.
Godunoff, Boris, russischer Zar, 1551-1598-1605,
 Sein Edikt, gegen die
Bauern gerichtet, S. 654.
Goethe, Wolfgang, 1750-1832, S. 33, 49,
149, 218, 529, 642, 645.
Goltsched, Joh. Christoph, Schriftsteller,
galt als klassischer Repräsentant
aller Pedanterie, 1700-1766. S, 169.
Gray, John, Owens Schüler, Vertreter
der Zirkulationsmittelreform, 1798
bis 1850. Utopie der unmittelbaren
Austauschbarkeit der Waren, S. 38 n.
Greenhow, Arzt und Sanitätskommissär,
S. 198, 194, 241, 3861.
Greg, Robert Hyde, englischer Fabrikant
 und Nationalökonom, 1795-1875,
Zitiert als Beispiel der englischen vulgären
 Freihändler (vergleiche Marx’
Rede über den Freihandel), S. 239,
Gre6goir, H. Ueber Akkordlohn, S.491n.
Grey, George, englischer Staatsmann,
1799-1882, 5S, 236, 600.
Grove, William Robert, englischer
Naturforscher, 1811-1896. Menschliche
 Arbeitsleistung, S. 464 n.
(rülich, Ueber die Ursachen, die die
Entwicklung des Kapitalismus in
Deutschland hemmten, S. XLI; über
holländisches Kolonialsystem, S. 682,
Halter, Carl Ludwig von, Publizist,
1768-1854. Definition des Tieres als
Gehilfe des Menschen, S. 334 n.
Hamm, Wilhelm von, landwirtschaftlicher
 Schriftsteller, 1820-1880. Marx’
Urteil über sein Buch, S. 444 n.
Hardwicke. Verfasser einer von Senior
erwähntenBroschüre über die Kinderarbeit.
 S. 434.

72

darris, James (später Earl of Malmes:
bury), englischerDiplomat undSechriftsteller,
 1746-1820. Ueber die Teilung
der Arbeit, S. 312 n. ,
Harrison, William, englischerHistoriker,
1534-1593, Ueber die Expropriation
des Landvolkes, S, 649; über die
Pächter, S. 6783 n.
Hassall, H. H. D. Ueber Fälschung der
Nahrungsmittel, S. 130 n, 197.
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich, Philosoph,
 1770-1881. Seine dialektische
Methode, S. XLVI-XLVIII; über die
Rolle des Menschen schlechthin in
der bürgerlichen Gesellschaft, S. 11;
Geld als Zeichen, S.58n; Notwendigkeit
 und Freiheit, S. 64; Arbeitskontrakt,
 S.124 n; Vernunft und List,
S. 135 n; gute Gründe, S. 211n; das
Gesetz des Umschlags der Quantität
in Qualität, S. 257; Teilung der Arbeit,
 S. 810 n; altadlige Gesinnung
in der Konsumtion, S. 523 n; der
Hegelsche „Widerspruch“, die Springquelle
 aller Dialektik, S. 532 n.
Heine, Heinrich, Dichter, 1799-1856.
Zitiert S. 250; erwähnt S. 546,
Heinrich IIT., König von Frankreich,
1551-1574-1589. Raub der Reliquien,
S. 90.
HYeinrich VII., König von England,
1457-1485-1509, Gesetze gegen
Bauernlegung, S. 650-651; Statut von
1496, S. 220-221; Beginn der Blutgesetzgebung
 gegen Exproprierte.
S. 664,
Heinrich VIIT., König von England,
1491-1509-1547. Gesetze gegen
Bauernlegung, S. 650-651; Gesetz
von 1530 gegen die Vagabunden,
S. 664; wiederholt im Jahre 1536,
S. 665; Hinrichtungen der Diebe.
S. 666 n.
Helvetius, Claude Adrien, tranzösischer
Philosoph, 1715-1771. Verflacht von
Bentham, S. 545.
Heraklit, griechischer Philosoph um
500 v. Chr, Lassalle über H., S. 66 n.
Herrenschwand, Physiokrat, schrieb
französisch, 1730-1807. S. 80.
Hieronymus, der Heilige, Kirchenlehrer,
 340-420, Als Ciceronianer.
SS. 64 un.
        <pb n="773" />
        728 }

Hobbes, Thomas, englischer Philosoph,
1588-1679. Ueber Wert, S. 126 n;
als Philosoph der englischen Oekonomen
 der früheren Zeit, S.335n;
erwähnt auch S. 558 n.
Hobhouse, John Cam, englischer
Staatsmann, 1786-1869. Fabrikgesetz,
S. 2837.
Hodgskin, Thomas, englischer Sozialreformer
 und Nationalökonom, 1787
bis 1869. Gute Arbeit als geerbte
Geschicklichkeit, S. 286 n; Produktivkraft
 der Arbeit und die Zahl der
Arbeiter, S. 299 n; der sogenannte
Arbeitsertrag, S. 302 n; Arbeit —
keine Ware, S. 478 n; Häufung des
Geschickes der Arbeiter, S.509-510n;
die Rolle des Kapitalisten, S. 679,
Holinshed oder Hollingshead, Raphael,
englischer Chronist, gestorben 1580
S. 666.
Homerus, griechischer Dichter, der angebliche
 Verfasser der Ilias und
Odyssee. Ausdruck des Wertes,
Ss. 27 n; Teilung der Arbeit.
S. 812 n.
Hopkins, Thomas. Ueber Mehrprodukt,
S. 180 n.
Horaz, römischer Dichter, 65-8 v. Chr.
S. 644,
Horne, George, Bischof von Norwich,
1730-1792. Gegen Smith, S. 554 n.
Horner, Francis, englischer Politiker,
1778-1817. Ueber Ausbeutung der
Kinder, S. 687 n.
Horner, Leon(h)ard, englischer Fabrikinspektor,
 1785-1864. Seine Kritik
Seniors letzter Stunde und Charakteristik,
 S.175n; Ueberarbeit und Krise,
S. 190; lange Arbeitszeit, S. 226 n;
Enquete über den Arbeitstag, S. 233;
Kampf der Fabrikanten gegen das
Gesetz, S. 287-238; Kritik des Gesetzes,
 S. 242, 344-345; Intensifikation
 der Arbeit, S. 357-858; Unfälle,
S. 371 n; Ueberzeitarbeit, S. 487,
Houghion, John, englischer Oekonomist,
gestorben 1705, Berichtet über den
Kampf zwischen Kapitalist und Lohnarbeiter
 während der Manufakturperiode,
 S. 8371 n.
Howell, Fabrikinspektor. S. 178, 190.
2837. 239.

Register.

Towitt, William, englischer Schriftsteller,
 1792-1879. Veber christliche
 Barbareien in Kolonien, S. 680.
Hume, David, englischer Philosoph und
Historiker, 1711-1776. Ueber Quantität
 der Zirkulationsmittel, S. 81 n;
benutzte Vanderlints Werk, S. 82 n;
nahm seine Zinstheorie aus Masseys
Buch, S. 453 n; erwähnt S, 491n,
553 n; sein Einfluß auf Smith, S.554 n.
Hunter, Dr. Henry Julian. S.343,595,596,
597, 598, 599, 602, 613-614, 616-619.
Hutton, Charles, englischer Mathematiker,
 1737-1823, Definition des
Werkzeugs, S, 816.
Huxley, Thomas Henry, englischer
Naturforscher, 1825-1895. WVeber
Luftkonsum eines Menschen, S. 424 n.
[socrates, griechischer Redner und
Lehrer der Beredsamkeit, 436-338
v. Chr. Ueber Kasten, S.314 u. n.
Jacob, William, englischer Statistiker,
1762-1851. Ueber Wert des Goldes,
S. 8; Kalkulation des Weizenpreises
für 1815, S. 171.
Jacob I., König von Schottland undspäter
König von England, 1566-1603-1625,
Schutzmaßregel gegen die Expropriation
 des Landvolkes, S. 651; Gesetz
gegen Vagabunden, 5. 666-667; Lohnregulierung,
 S. 669 u. n.
Jean (Johann I1., der Gute), König von
Frankreich, 1319-1350-1364. Gesetz
über die Lohnarbeit von 1350, S. 668.
Jones, Richard, englischer Oekonomist,
1790-1855. Entbindung der Kapitalisten
 von der Arbeit, S. 257 n; Erhöhung
 der Produktivkraft der Arbeiter,
 S. 269 n; Wirkung der Kooperation,
 S. 276 n, 281; Arbeitsfonds,
S. 504 n; Definition des Kapitals,
5.523 n; Formen des Einkommens
und ihre Bedeutung für die Akkumulation,
 S. 533-584 u. nn; Abnahme
der relativen Größe des variablen
Kapitals, S. 569 n.
/uarez, Benito, Präsident der mexikanischen
 Republik, 1806-1861-1872,
Schafft in Mexiko die Peonage ab,
5. 124 n.
Karl der Große, 742-768-814. Kriegsdienst
 unter K. und sein Einfluß auf
die Bauern, S. 658.
        <pb n="774" />
        Namenregister.
Karl I., König von England, 1600-1625-1649.
 Kampf gegen die Expropriation.
 des Landvolkes, S. 651; Armengesetzgebung,
 S. 652,
Karl II., König von England, 1630-1660-1685.
 Erwähnt S. 84,
Karl V., König von Spanien und
deutscher Kaiser, 1500-1519-1556.
Gesetz gegen Vagabunden für die
Niederlande, S. 667.
Karl VI., römisch-deutscher Kaiser,
1685-1711-1740.. Erneuerte das Gesetz
 von 1685 gegen die Bandmühle,
S. 372.
Karl IX., 1550-1600-1611, Karl X., 1622-1654-1660,
 und Karl XI., 1655-1666
1697, Könige von Schweden, Ihr
Kampf gegen die Aristokratie, S. 655.
Katharina II., Kaiserin von Rußland,
1729-1762-1796. Potemkinsche Dörfer,
 S. 618,
Kautsky, Karl. Vorwort S, XIII-XXXV;
Anmerkungen S. 14, 26, 50, 59, 61,
68, 101, 116, 181, 187, 197, 201, 220,
229, 280, 242, 245, 252, 255, 328, 880,
333, 348, 353, 360, 369, 395, 409, 444,
554, 564, 566, 590, 611, 670.
Kent, Nathaniel, englischer Statistiker
und Agronom, 1737-1810. Erwähnt
S. 657 n.
Kincaid, Sir John, Fabrikinspektor,
1787-1862, Ueber die Fabrikschulen,
S. 344-345.
Kisseleff, P. D., russischer Staatsmann,
1788-1872. Seine Reformen in den
Donaufürstentümern, S. 187,
Kopp, Chemiker. Erwähnt S. 257 n.
Kugelmann, L., früher Kaufmann, nahm
an der Revolution 1848 teil, lebte in
der Schweiz und in Frankreich, später
Arzt in Hannover, gest. 1902. S. XL.
Kusa (Fürst Alexander Johann I.), 1859
bis 1866. Umwälzung in den Donaufürstentümern,
 schaffte im Jahre 1864
die Leibeigenschaft ab, S. 124 n.
Laborde, Alexandre de, französischer
Nationalökonom, 1774-1842, Kapitalismus
 als Assoziation, S. 469-470n,
Lachätre, Maurice, französischer Kommunist,
 Historiker und Herausgeber
des „Kapital“ in französischer Sprache,
 nahm tätigen Anteil an der
Kommune, 1814-? S, XVII.

729
Laing, Samuel, englischer Schriftsteller
und Reisender, 1780-1868. Ueber
qualifizierte und einfache Arbeit,
S. 152 n; Elend kein Hindernis der
Volksvermehrung, SS. 581n; Wohnungszustände
 der Arbeiter, S. 594n:
über Swingaufstände, S. 610-611.
Lancellotli, italienischer Historiker,
1575-1643. Ueber die Bandmühle.
S. 372.
Lassalle, Ferdinand, 1825-1864. Falsche
Auffassung der Marxschen. Werttheorie,
 S. XXXVI; Geld als Wertzeichen,
 S, 66 n,
Lauderdale, Lord James Maitland,
englischer Politiker und Oekonomist,
1759-1839, Hebt gegen Smith die
Rolle der Maschinerie hervor, S.295n.
Laurent, August, französischer Chemiker,
 1807-1858. Erwähnt (siehe
Gerhardt) S. 257.
Lavergne, Leonce de, iranzösischer
Agronom und Oekonomist, 1809-1880.
Erwähnt als Quelle für Hamm,
S. 444 n; seine Schätzung der Verteilung
 des Produktes zwischen
Pächter und Arbeiter, S. 469; über
Irland, S. 644 n.
Law, John, Finanzier und Oekonomist,
1671-1729. Ueber Wert von Gold
und Silber, S. 53n; erwähnt S. 553 n.
Lemontey, Pierre Edouard, {französischer
 nationalökonomischer Schriftsteller,
 1762-1826, Mitglied der Legislative
 im Jahre 1791-1792. Ueber
Teilung der Arbeit, S. 309,
Lesage, Alain Rene, iranzösischer
Dichter, Verfasser des „Gil Blas“,
1668-1747. Sangrado, Arzt, Gil Blas’
Lehrer, der immer Aderlaß verordnete.

Lessing, Gotthold Ephraim, deutscher
Dichter und Kritiker, 1729-1781, Erwähnt
 S. XLVIIL
Letheby, Dr. Henry, englischer Chemiker
 und Hygieniker, 1816-1876.
Ueber das Minimum der Luft für
den Menschen, S. 203 n.
Le Trosne, Auillaume Frangois, französischer
 Physiokrat, 1728-1780.
Ueber Wert, S.4; die Ware als
Durchschnittsexemplar ihrer Art,
S. 7, 163; Geld als Wert, S. 53; Wert
        <pb n="775" />
        (30

in Geld und Waren, S. 62; Bewegung
des Geldes, S. 75, 78; Verteilung des
Geldes unter Nationen, S. 103; Wert
noch vor dem Geschäftsabschluß
festgestellt, S. 114; Gleichheit als Bedingung
 des Austausches, S, 115, 116,
117; Produkte lassen sich nur mit
Produkten bezahlen, S. 120.
Levi, Leone, * englischer Statistiker,
1821-1888, Ueber die Verwandlung
der Schaftriften .in Wildwaldungen
in Schottland, S. 663 n.
Lichnowsky, Fürst Felix, Mitglied der
deutschen Nationalversammlung im
Jahre 1848, Schriftsteller, 1814-1848,
S. 527.
Liebig, Justus, Chemiker, 1803-1873.
Ueber die Militärtauglichkeit, S, 188
bis 189; die Bedeutung der Zeit in
der Agrikultur, :S. 275 n; über die
Unwissenheit der. englischen chemischen
 Fabrikanten in der Chemie,
S. 831; L.s Verdienste und Kritik
seiner historischen Bemerkungen (zur
Geschichte derRententheorie),S.446n ;
über die Arbeiter in den Bergwerken
und ihre Nahrung, S, 508 n.
Linguet, Nicolas, französischer Publizist,
 1736-1794. Sklaverei des freien
Arbeiters, S. 183 n; seine Hypothese
über die Festschmäuse der römischen
Patrizier, S. 236 n; Jagd als die erste
Form der Kooperation, S. 281 n:
Eigentum als Geist der Gesetze, gegen
Montesquieu, S, 552 n, 668,
ocke, John, englischer Philosoph,
1632-1704, Ueber natürlichen Wert,
S, 4 n; imaginärer Wert des Silbers,
S. 53 n; verflacht Petty, S. 62 n; Wert
und Quantität des Geldes, S. 83 n;
Handel ein Spiel, S. 108 n; als Philosoph
 schlechthin der politischen
Dekonomie, S. 835 n; erwähnt
5. 558. .
Longe, Kommissär. S. 193, 195. 396
bis 398, 426,
Louis Bonaparte (Napoleon ITI.), Kaiser
der Franzosen, 1808- 1851-1870- 1873.
Sein Attentat auf den gesetzlichen
Arbeitstag, ‚S. 2923,
Louis Philipp von Orleans, König von
Frankreich, 1778-1830-1848-18530. Der
„‚Bürverkönig*. S. vor

Register,

Lucretius, Titus, römischer Dichter,
98-55 v. Chr. S. 167 n.
"udwig XIV., König von Frankreich,
1638-1648-1715. Elend des französischen
 Landvolkes zu seiner Zeit, 5.98,
Lukian, griechischer Satiriker, 120-180,
Erwähnt S. 554.
Luther, Martin, 1483-1546, Unterschied
zwischen Geld als Kauf- und Zahlungsmittel,
 S. 93 n; über Dienste,
S, 147 n; Gesellschaft Monopolia,
5.258, 682; über Wucherer, S.528-59%9n,
Lykurgus, legendärer Gesetzgeber der
Spartaner in der zweiten Hälfte des
9. Jahrhunderts v. Chr, S. 368.
Macaulay,ThomasBabington, englischer
Geschichtschreiber und Staatsmann,
1800-1859, Allgemeine Charakteristik,
 S, 222, 226; über die Zahl der
kleinen Grundeigentümer im 14.Jahrhundert,
 S. 648;. die englische Yeomanry,
 S, 653.
MacCulloch, John Ramsay, englischer
Oekonomist, 1789-1864, Urteil über
seine Bibliographie, S. 102 n, 657;
Handel und Spekulation, S. 108 n;
Gewinn als Zweck des Kapitalisten,
S. 110 n; erwähnt S. 269, 852; Maschinerie
 und Arbeiter, S. 881, 3850;
Mehrwert und Steuer, S. 459 n; Lohn
vergangener Arbeit — Profit, S.ö44n;
Arbeitsfonds, S. 546,
MacGregor, John, englischer Statistiker
und Historiker, 1797-1857, Erwähnt
S. 228,
Maclaren, James. Warum in England
die Unze Gold nicht in aliquote Teile
abgeteilt ist? S, 59n.
Wacleod, Henry Dunning, englischer
Oekonomist, 1821-1902, Als Synthese
zwischen den Merkantilisten und
Freihändlern, S, 26; Definition des
Kapitals, S. 111 n.
Malthus, Thomas Robert, englischer
Oekonomist, 1766-1834, Verherrlichung
 der Konsumenten, S. 118 n;
Berechnungsweise des Kapitals,
S. 165 n; Lohn, S. %2 n; seine Abhängigkeit
 von Steuart, S. 299 u; sein
Plagiat aus Anderson, S. 446; über
die Verlängerung des Arbeitstages,
S. 465 466 n; über Stücklohn, S, 492;
produktive Konsumtion. 8. A09 ni;
        <pb n="776" />
        Namenregister,

Akkumulation des Kapitals, S.515n,
Definition des Kapitals, 523 n; über
Sparen, S. 524 n; Verteidigung der
Landaristokratie, S. 531; erwähnt
S, 534, 5483; Arbeitsfonds S, 546;
Charakteristik seiner Schrift über
Bevölkerung, S. 552-5538 n;j Uebervölkerung
 als eine Notwendigkeit
der modernen Industrie, S. 572;
M. und Townsend, 5.584 n; Rolle der
Pest im 14. Jahrhundert, S, 636;
Elend und Bevölkerung, S. 637 n;
Malthusische Allheilmittel in Irland,
5. 641.
Mandeville, Bernard de, englischer
Satiriker, 1670-1733. Kopiert von
Smith, S. 301 n; ehrlicher Mann und
heller Kopf über die Notwendigkeil
der Armen, S. 551; erwähnt 5.5583 n.
Maudsley, Henry, englischer Erfinder,
1771-1831. Löste das Problem maschinenmäßiger
 Produktion der Maschinen
 durch Erfindung des Drehbankschlittens,
 S. 325, 329,
Maritorne (siehe Cervantes).
Martineau, Harriet, englische Schriftstellerin,
 1802-1876. .Räf den Arbeitern,
 ihre Zahl zu vermindern, 5.572.
Marx, Karl, 1818-1883. „Kritik“, S. 3
7, 9, 40, 41, 45, 50, 52, 56, 57, 58,
62, 73, 81, 83, 95, 96, 100, 101, 147,
475, 556; „Achtzehnte Brumaire“,
S. 627; Elend der Philosophie, S. 45,
304, 307, 309, 365, 478, 588; Lohnarbeit
 und Kapital, S. 514, 550, 698;
Manifest, S. 428, 691-692; Artikel
über Sutherland, S. 661; erwähnt
in Anmerkungen von Engels und
Kautsky, S. 61, 245, 284, 208, 348,
353, 566, 590.
Massey, Joseph (Massie), englischer
Statistiker und Oekonomist, gestorben
1784. Einfluß des Klimas, S. 453 n,
Maurer, Georg Ludwig von, bayerischer
Staatsmann und KRechtshistoriker,
1790-1872. Flächenmaß, ausgedrückt
in Arbeit, S. 35 n; zitiert von. Engels,
S. 186 n.
Mayer, Siegmund, Wiener Fabrikant.
S, XL, XLI.
Mendelssohn, Moses, Philosoph und
Publizist, Lessings Freund, 1729-1786.
Ueber Spinoza, S. XLVIH.

731

Yercier de la Riviere, französischer
Physiokrat, 1720-1794, Kauf und
Preis, 5.69 n; Geld und Ware, S.70n;
Geld und Produkt, S. 88 n; Metamorphose
 der Ware, S. 105 n; Tausch
des Geldes gegen Geld, S.107n, 114 n;
Mehrwert nicht durch Uebervorteilung
 gebildet, S. 117-118 n; Fundamentalsatz
 der _Physiokraten,.
S, 146 n.
Merivale, Herman, englischer Staatsmann
 und Oekonomist, 1806-1874.
Notwendigkeit einer Uebervölkerung,
S. 571-572; über Kolonien, S. 697.
Will, James, englischer Philosoph und
Oekonomist, 1773-1836. Gleichgewicht
 der Käufe und Verkäufe,
5.78 n; Bestimmung der Warenpreise,
5.83 n; Definition des Kapitals,
S. 111 n, 141 n; unqualifizierte Arbeit,
 S. 152-153 n; Dichtigkeit der
Bevölkerung, S. 299 n; Maschinerie
und Arbeiter, S, 381; Rententheorie,
S. 446 n; Lohn, S. 503 n; produktive
Konsumtion, S.506 n, 509n; Arbeitsfonds,
 S. 546.
Mill, John Stuart, englischer Philosoph
und Oekonomist, 1806-1873. Charakleristik,
 S. XLI, 83 n; Aussage vor der
Bankkommission über Silber in Ostindien,
 S. 92 n; über Maschinen,
5. 815-816; Freisetzung der Arbeiter,
S. 381; Rententheorie, S. 446; über
Profit, S. 455-456; Auflösung des
Kapitals in variables, S. 525; wiederholt
 Seniors Profittheorie, S. 532 n;
Arbeitslohn, S. 535; kein Vulgär-Ökonom,
 S, 547.
Mirabeau, der ältere, {französischer
Physiokrat, 1715-1789. Erwähnt
S. 553 n; Wesen der Kolonien, S, 693.
Mirabeau, Honore Gabriel Riquetti,
französischer Publizist und Politiker,
Mitglied der Nationalversammlung,
1749-1791. Ueber „Unmöglichkeit“,
S.419; Lage der Bauern in Schlesien
im 18, Jahrhundert, S. 648 n, 662-663;
über Manufakturen, S. 676; Staatssubsidien,
 S. 685.
Molinari, Gustav de, belgisch-französischer
 Nationalökonom, 1819-1911,
Ueber die Monotonie des Ueberwachungsdienstes,
 S. 366 n; über
        <pb n="777" />
        (32

die Entbehrung der Kapitalisten,
S.538 n; der „sanfte, freihändlerische
Vulgärökonom“ über die Kolonialwirtschaft,
 S. 697 n,
Moliere, Jean Baptiste, französischer
Komödiendichter, 1622-1673, Ihm
von Marx ein Zitat aus Boileau zugeschrieben,
 S, 589,
Moller, Anton, in Danzig. Erfinder der
Bandmühle (zirka 1600), S. 372.
Mommsen, Theodor, Altertumsforscher
und Historiker, 1817-1903. Ueber
Kapital in der antiken Welt, S. 128 n:
der altrömische Villicus, S. 126 n.
Montalembert, Charles, französischer
Publizist und Staatsmann, Ultramontaner,
 1810-1870. England als Europas
 christliches Musterland, S. 412,
Monteil, Amans Alexis, französischer
Historiker, 1769-1850. Rolle der Verwalter
 während des Mittelalters in
Frankreich und patrimoniale Justiz,
S. 674,
Montesquieu, Charles, {iranzösischer
Publizist und Staatsrechtler, 1689 bis
1755. Geld als Zeichen, S. 53 n;
Quantitätstheorie des Geldes, S. 82
bis 83 n; Geist des Gesetzes, S, 552 n,
668 n; Finanziers in Europa, S. 684 n.
Morton, John Chalmers, englischer
Agronom, 1821-1888, Dampfmaschine
in der Agrikultur, S. 320-821; Forcierung
 der Arbeiter, S. 489 n,
Morus (More), Thomas, englischer
Staatsmann und Kommunist, 1478
bis 1535. Erwähnt S. 553 n; Schafe,
die Menschen auffressen, S. 650 n;
Landexpropriationen im 16. Jahrhundert,
 S. 666 n.
Moses. Vergleich mit christlichen Philantropen,
 S. 319 n.
Müller, Adam Heinrich, reaktionärer
Publizist, 1779-1829. Der romantische
Sykophant, S. 83-84 n.
Mun, Thomas, englischer Kaufmann und
Oekonomist, 1571-1641, Der natürliche
 Reichtum und Bevölkerung,
S. 452 n.
Murphy, Denis, englischer Historiker,
1833-1896, Pachtungen in Irland,
S. 637 n.
Murray, Hugh, englischer Geograph,
1779-1846, Weberei inOstindien. S.987.

Register

Nasmyth, James, Erfinder des Dampfhammers,
 1808-1890. Streiks und
Verbesserung der _Maschinerie,
S. 379,
Newman, Francis William, englischer
Schriftsteller und Oekonomist, 1805
bis 1897. Raub der Krongüter in
England, S. 654 n; Expropriation in
Schottland, S. 659.
Vewman, Samuel Philipps, amerikanischer
 Philosoph und Nationalökonom,
 1796-1842. Handel als Wertbildner,
 S. 116; produktive Konsumtion,
 S. 161.
Vewmarch, William, englischer Statistiker,
 1820-1882, Mitarbeiter von
Took, S. 243 n.
Vewnham, @, L., Regulierung des Minimallohnes
 durch die Landlords, 8.537
bis 538,
Viebuhr, Berthold Georg, Geschichtschreiber
 und Philologe, 1776-1831.
Vergleich mit Sismondi, S. 185,
Vorth, Sir Dudley, englischer Finanzier
und Oekonomist, 1641-1691. In seiner
 Kritik der Phantasien mit Münzpreis
 nu? ein Verflacher von Petty,
S. 62 n; Mangel an Geld und Krise,
S. 79-80 n; Schlagschatz in England,
S. 83-84 n; Bargeld, S. 92 n; über
Descartes, S. 385 n,
Dimsted, Frederick Law., amerikanischer
 Agronom, 1822-7. Technische
Rückständigkeit der Sklavenproduktion,
 S, 151n.
Dpdyke, George, amerikanischer Politiker
 undNationalökonom, 1805-1880.
Handelskapital unmöglich, wenn nur
Aequivalente ausgetauscht werden,
S. 120,
Irtes,Giammaria, italienischer Nationalökonom,
 1715-1790. Als origineller
und geistreicher Schriftsteller charakterisiert,
 S. 553 n; über Antagonismus
 der kapitalistischen Produktion,
 S. 588,
way, J. H. Begriffe von Tag und
Nacht in der Fabrikproduktion,
S. 227.
werstone, Lord (Samuel Jones Lloyd),
englischer Bankier, 1796—1883.
Quantitätstheorie des Geldes, S.883n;
DO. und MacCulloch. S. 102 n.
        <pb n="778" />
        Namenregister.

Owen, Robert, der große Utopist, 1771
bis 1858. Arbeitsgeld, S. 56 n; Charakteristik,
 5. 247 n; Verlängerung
des Arbeitstages, S. 347 n; Keime
der Erziehung der Zukunft in der
modernen Fabrik, S. 425; Fabriksystem
 als Ausgangspunkt der sozialen
 Revolution, S. 443 n; Watts
als O.s Schüler, S. 486; Owenismus
in England, S. 532,
Pagnini. Münzverfälschungsrecht der
Könige, S. 54 n.
Palmerston, Lord (Henry John Temple),
englischer Staatsmann, 1784-1865,
Baumwollnot den Fabrikanten gelegen,
 S. 399,
Parry, Charles Henry, englischer Schriftsteller,
 1779-1860. Klage über die
Verwöhntheit der englischen Arbeiter,
 S.537n; Pächter und Arbeiter,
S. 538; Wochenlohn der Arbeiter
Anfang des 19. Jahrhunderts in England,
 S. 610.
Paulus, Apostel. Erwähnt S. 553.
Pearson, Charles, Arzt... Ueber die
Töpfer, S. 195.
Pecqueur, Constantin, französischer
Sozialist, 1801-1887. Ueber „Monsieur
 Capital“, S. 550 n; über Zersplitterung
 der Produktionsmittel.
S. 689.
Peel, Sir Robert, Vater, englischer
Fabrikant, 1750-1830. S, 687.
Peel, Sir Robert, Sohn, englischer
Staatsmann, 1788-1850. Abschaffung
der Korngesetze, S. XL1I; Bankakt von
1844, S. 100 n; Was ist ein Pfund
Sterling? S. 182 n.
Perikles, griechischer Staatsmann, 492
bis 429 v. Chr. Erwähnt 5. 812,
Peto, Sir Samuel Morton, englischer
Unternehmer, 1809-1889. Spielte eine
große Rolle während des Bauarbeiterstreiks
 1860/61, S. 184 n.
Petrus, Apostel. Erwähnt S. 64,
Petty, Sir William, englischer Statistiker
 und Oekonomist, 1623-1687.
Arbeit als Vater des Reichtums,
S. 11; durchschaute die Natur des
Wertes, S. 17 n; mit ihm beginnt die
klassische politische Oekonomie,
S. 45 n; Wert des Silbers, S. 54;
das notwendige Quantum des Geldes.

7338

S. 81n; Wechselbeziehungen zwischen
 Quantität des Geldes und
ihrem Umschlag, S. 99n; Geld als
Schatzreservoir, S. 103 n; Verewigung
 des Individuums durch Fortpflanzung,
 S. 127; Erfinder der
Statistik, S. 221; Durchschnittslohn,
S. 262 n; die Uhr als Produkt der
manufakturmäßigen Teilung der
Arbeit, S. 289; Verminderung der
Arbeitszeit als bewußtes Prinzip der
Manufakturperiode, S. 294-295; kapitalistischer
 Charakter der manufakturmäßigen
 Teilung der Arbeit,
S. 312; Maschine als Ersetzerin der
Polygamie, S. 373-374 n; erwähn!
S. 491 n, 558 n.
Philipp von Valois, König von Frankreich,
 1293-1328-1350. Münzfälscher.
S. 53-54 n.
Pindar, griechischer Lyriker, verfaßte
Oden auf die Sieger in den olympischen
 Spielen, 522-441 v. Chr
Erwähnt 5. 363.
Pinto, Isaac, holländisch-französischer
Nationalökonom, starb 1787. Pindar
der Amsterdamer Börse, S. 108 n.
Pitt, William, englischer Staatsmann,
1759-1806. Gegen gesetzliches Lohnminimum,
 S. 670.
Plato, griechischer Philosoph, 427-342
v. Chr. Standpunkt des Gebrauchswertes
 bei der Beurteilung der Teilung
 der Arbeit, S. 312-813; Platonismus
 der englischen Bleichereibesitzer,
 S. 818 n.
Postlethwayt, Malachy, englischer Statistiker
 und Oekonomist, 1707-1767,
Seine Verteidigung der Arbeiter im
18, Jahrhundert, S. 222-224 u. n.
Potter, Edmund. Sein Brief in der
„Times“, S. 510-512.
Price, Richard, englischer Moralist und
Oekonomist, 1723-1791. Verteidiger
der Arbeiter im 18. Jahrhundert,
S. 223 n; Kapital als akkumulierter
Zins, S. 528; über die Begünstigung
der höheren Volksklassen, 5.609; Einhegungen
 in England, S, 650-657, 658.
Protagoras, griechischer Philosoph,
480-411 v. Chr. Erwähnt S. 198.
Proudhon, Pierre Joseph, französischer
Sozialist, 1809-1865. Sein Sozialis-
        <pb n="779" />
        134 .

mus, S, 33 n; ewige Prinzipien,
5.48 n; Maschinerie als Zusammenfassung
 von Teilarbeiten, S. 366 n;
Ueberschuß und Arbeit, S. 453-454;
Wert der Arbeit, 8. 473; seine Illusionen
 über Eigentum, S. 592.
Pusey, Philip, englischer Agronom,
1799-1855. Maschinerie im Ackerbau,
 S. 612,
Quesnay, Dr. Francois, Haupt der physiokratischen
 Schule, 1694-1774. Erwähnt
 S. XLIl; Verkauf ist Kauf,
5.68-69; Gegensatz zwischen Tauschwert
 und Gebrauchswert, S, 268-269;
erwähnt S. 491 n, 558 n.
Yuetelet, Lambert Adolphe, belgischer
Astronom und Statistiker, 1796 bis
1874. Ueber Durchschnittsindividuen,
S. 271 n.
Raffles, Thomas Stamford, englischer
Kolonialpolitiker, 1781-1826. Dorfleben
 in Asien, S. 805 n; holländische
 Kolonialpolitik, 8. 680,
Ramazzini, Bernurdin, italienischer Mediziner,
 1633-1714. Berufskrankheiten,
 S. 8310 n.
lamsay, George, englischer Philosoph
und Nationalökonom. Profitund Konsumenten,
 S. 118 n; Austausch als
Quelle des Profits, S. 121 n; Verminderung
 der Kosten der Arbeitskraft,
 S. 265 n; Kapitalisten und
Produktivität der Arbeit, S, 450 n;
Lohn ein Teil des Produkts, S, 503 nn:
relative Abnahme des variablen
Kapitals, S, 569 n.
Zavensione, Piercy. Ueber die Bedeutung
 der Maschinerie, S. 374;
Produktivität der Arbeit als Vorbedingung
 des Mehrwertes, S. 450.
Read, George. Lage der Londoner
Bäckergesellen, S. 198-199,
Redgrave, Alexander, Fabrikinspektor.
Wachstum der Intensität der Arbeit,
5. 361; gute Wirkung der FabrikgEeseizgebung,
 S. 392; erwähnt S. 130,
217, 822, 341, 346, 378, 899, 400-401,
483, 496, 497,
Regnault, Elias, französischer Historiker
und Publizist, 1801-[868. Das „Röglement
 organique“ in Rumänien, S. 188,
Reich, Eduard, Erwähnt S. 310 n.
Ricardo, David, englischer Oekonomist.

Register.

1772-1828, Macht bewußt den Gegensatz
 der Klasseninteressen zum
Springpunkt seiner Forschungen,
S. XLI-XLII; Broadhurst gegen R,,
S.21 n; Bailey gegen R., S.28n; Rıs
Robinsonade,S.40n ; R. und Destutt de
Tracy, S. 44; R. reduzierte die Dinge
als Tauschwerte auf ihre Relativität
als bloße Ausdrücke menschlicher
Arbeit, S. 47; Quantitätstheorie des
Geldes, S. 83; falsche Auffassung der
internationalen Bewegung der edien
Metalle, S. 101; Durchschnittspreise
und Werte, S, 122; Kapital und Profit,
 S, 122; Wert der Ware setzt sich
nicht zusammen aus der unmittelbar,
sondern auch aus der auf die Arbeitsmitte]
 verwendeten Arbeit, S, 143;
R. hat nicht genau die beiden Seiten
der Arbeit geschieden, S. 158 n; Say
zegen R., S. 159 n; Senior gegen Rıs
Wertbestimmung, S. 179 n; Mehrprodukt
 bei R., S. 180; R.sche Schule
und Profitrate, S.255; die Maschinerie
als Naturkraft, S, 332 n; Maschinen
als Erzeugnis von viel weniger Arbeit
 als die, die sie ersetzen, S. 336
bis 8337 n; Erhöhung des Arbeitslohnes
 und Maschinen, S, 8838; Maachinerie
 nicht nur Produktionsmittel
der Waren, sondern auch der rela-‘iven
 Uebervölkerung, S. 851; Konkurrenz
 zwischen Maschine und Arbeiter,
 S. 374; Wirkung der Maschine,
S. 881, 884; Theorie der Rente,
S. 446 n; R. bekümmert sich nie um
den Ursprung des Mehrwertes, S, 454,
155; Bestimmungsgesetze des Mehrwertes,
 S, 458; R. und MacCulloch,
S. 459 n; Mängel der R.schen Darstellung,
 5. 460; falsche Schlüsse aus
der nominellen Lohnsteigerung von
1799 bis 1815, S. 465; Bailey gegen
R., S.471ln; Carey und R., S, 498
bis 499; über zu hohe Lohnsteigerung,
5. 509 n; Konsumtion und Akkumulation,
 S. 524-5%5, 581; J.S. Mill und
R., S. 532; Anonym gegen R., S. 535 n;
das wichtige Moment der Reproduktion
 nie ordentlich begriffen, S, 542 n;
Say und R,, S, 542-548, 550; relative
Abnahme des variablen Kapitals,
5.569; Horner als Ras Freund. &amp;amp; 687.
        <pb n="780" />
        N

Namenregister.
Richardson, Sir Benjamin Ward, eng
lischer Hygieniker, 1828-1896. Ueberarbeit
 der Näherinnen, S. 203 n.
Roberts, George, englischer Historiker,
gestorben 1860, Die mittelalterlichen
Landesanteile, S, 651-652,
Robinson (siehe Defoe).
Rodbertus-Jagetzow, Karl, National
ökonom, 1805-1875. Allgemeines Urteil,
 S. 468.
Rogers, James Edwin Thorold, englischer
 Historiker und Oekonomist
1823-1890. Allgemeines Urteil,
S. 609 n; kein Verherrlicher der Vergangenheit,
 S. 613; betont die Pauperisierung
 der Volksmasse. durch
die Reformation, S. 653 n, 678 n.
Rogier, Charles, belgischer Staatsman,
1800-27. Ueber die Fabrikgesetzgebung
 in Belgien, S. 236 n. ;
Roscher, Wilhelm, Nationalökonom.
1817-1894. Seine Entdeckung, daß
Geld eine „angenehme Ware“ sei,
S. 55 n; nicht die geringste Ahnung
von der Natur des Tauschwertes
S. 116 n; R. über Wert, S. 159-160 n
über Sparsamkeit, S. 169 n; Enthaltung,
 S. 179 n; seine Beobachtungen
 über die Produktivität de:
Arbeit einer Nähmamsell, S. 272 n
das gemütliche Glauben an das
Erfindungsgenie der Kapitalisten,
S. 811 n; der „kränkliche Proletarier
des Urwalds“, S. 550 n.
Rossi, Pellegrino, italienischer Staatsmann
 und Nationalökonom, 1787-1848
Ueber Arbeitsvermögen, S. 128-129:
individuelle Konsumtion des Arbeiters
 und produktive Konsumtion
5. 507 n.
Bousseau, Jean Jacques, französische:
Publizist, 1712-1778. Privateigentum
und Exploitation, S. 675 n,
Roux-Lavergne, Pierre, französische:
Historiker, 1802-1874. Erwähnt 8.672,
Ruge, Arnold, Philosoph, Publizist und
Politiker, 1808-1880, Erwähnt S. 39 n.
109.
Russell, Lord John, englischer
Staatsmann, 1792-1878. Erwähnt
S.655n.
Ryder, Fabrikant in Bolton. Erfinder
der Schmiedemaschine, S. 334,

735
Sadler, Michael Thomas, englischer Sozialreformer
 und Oekonomist, 1780
bis 1835, Ueber die Kooperation,
5.277 n; nannte die Landarbeiter
„weiße Sklaven“, S. 611; seine Statistik
 über Irland, gegen Malthus.
S. 637.
Saint-Hilaire, Geoffroy Etienne, französischer
 Naturforscher, 1772-1844.
Verdichtung des industriellen Proletariats
 verglichen mit S.s Theorie
der Verdichtung der Weltmaterie.
S. 674.
Saint-Simon, Claude Henri, der große
französische Utopist, 1760-1825, Simonismus,
 $. 532,
Saunders, R.J., Fabrikinspektor. Ueber
die Verkürzung des Arbeitstages.
S. 249; über Frauenarbeit, S. 347,
Sangrado (siehe Lesage).
Say, Jean Baptiste, französischer Nationalökonom,
 1767-1832. S. und Ricardo
über den Gebrauchswert, S.44n:
über Krisen, S. 783 n; Kapital als
Wert, S. 111 n; der Ursprung seines
Satzes „Man kauft Produkte nur mit
Produkten“, S. 119-120; Theorie der
produktiven Dienste, S. 159 n; Kritik
der Teilung der Arbeit, S, 309 n;
über den „Dienst“ der Maschinen,
S. 332 n; ein Ricardianer gegen S,,
53.384 n; Smiths Vulgarisator, S.459n:
über Wert, S. 473 n;. Ersparungen
der Reichen auf Kosten der Arbeiter,
S.530n; Reproduktion des Kapitals,
.S. 542-548 n.
Schorlemmer,Carl, Chemiker, 1834-1892,
Engels’ Freund. Erwähnt S. 257.
Schouw, Joachim, Frederik, dänischer
Naturforscher, 1787-1852, Ueber die
Inseln des asiatischen Archipelagus,.
S. 454.
Schulz, Wilhelm. Erwähnt S. 316,
Schulze-Delitzsch, Hermann, Politiker
und Genossenschaftler, 1808-1883.
Erwähnt 5. XXXIV n, 179.
Seriven. Bericht über die Kinderarbeit,
 S. 193.
5crope, George, P., englischer Naturforscher
 und Oekonomist, 1797-1876,
Abstinenz. der Kapitalisten als
Vorbedingung der. Akkumulation.
SS. 5392,
        <pb n="781" />
        786 ;

Senior, William Nassau, englischer
Oekonomist, 1790-1864. Seniors
„Letzte Stunde“, S. 174-179, 269, 350;
Verdrängung der Arbeiter durch die
Maschinerie, S. 381; Schulbildung der
Fabrikkinder, S. 425; Kinderarbeit,
5. 438-434, 532; Arbeiter angeblich
am meisten an der Höhe des Arbeitslohnes
 interessiert, S, 480 n; Vermehrung
 des Angebots der Arbeit
erhöht den Profit, S. 484; Lohn auf
Entsagung — Profit, S. 544; über
kleine Pächter, S. 648-644; Lob auf
die Expropriation in Schottland,
S. 661 n.
Shakespeare, William, englischer
dramatischer Dichter, 1564-1616.
Sind erwähnt: Wittib Hurtig, Falstaffs
 Freundin, S. 14; Dogberry and
Seacol aus „Viel Lärm um Nichts“,
S. 47; Dogberries als Richter, S. 369;
Timon von Athen, S, 90; Shylock,
S. 235, 429, 678; zitiert S. 68,
Sieber, Nikolaus, russischer Oekonomist,
 1844-1888, Marx über S.
S. XLIV, XLV.
Sikes, Bill (siehe Dickens).
Simon, Sir John, englischer Hygieniker
 und Demograph, 1816-1904,
S. 343, 408, 591. 593. 594, 600, 615,
616.
Sismondi, Simonde de, Jean Charles,
Iranzösischer Nationalökonom und
Historiker, 1773-1842, Opposition
gegen. Ricardo, S, XL; Kapital als
sich vervielfältigender Wert, S, 113;
Arbeitsvermögen — nichts, wenn nicht
verkauft, S. 129; Ersparung an Produktionskosten,
 S, 263 n; Austausch
vergangener Arbeit gegen künftige
als Quelle des Profits, S. 472 n; Revenue
 des Kapitals, S, 502 n; Notwendigkeit
 des Verkaufs der Arbeitskraft,
 S.518n; Fehler seiner Analyse
der Akkumulation, S. 517 ; einfache
Reproduktion, 8. 521; römische Proletarier,
 S, 530; Teilung in Revenue
und Arbeitslohn bestimmt durch das
Kapital, S, 547; Malthus und 3.
S. 572; Gesetz der Akkumulation,
S. 585; Trennung des Eigentums von
der Arbeit in der kapitalistischen
Gesellschaft. S. 690.

Register.

Skarbek, Frederik, polnischer Oekonomist,
 1792-1866, Einfache Kooperation,
 S. 274n; über Arbeitsteilung,
S. 298 n.
Smith, Adam, englischer Oekonomist,
1728-1790. Verwechselt zwei Bestimmungen
 des Wertes, S, 14 n;
mangelhafte Behandlung der Wertform,
 S. 44; die Frage über die
Quantität des zirkulierenden Geldes,
5. 81-82; Mill und S., S. 88 n;
Durchschnittspreise und Werte,
S. 122; Kinderarbeit, S. 222 n;
Teilung der Arbeit, S. 295 n; gesellschaftliche
 Teilung der Arbeit,
S. 301; Stumpfsinn des Teilarbeiters,
 S. 309, 312 n, 382; Unterschiede
 in der Intensität der
Arbeiten, S. 354 n; Fabrikation der
Nähnadel als Beispiel der Teilung
der Arbeit, S. 403, 446 n, 459 n;
Kapital als Kommando über Arbeit,
S. 470; Veränderungen des Arbeitslages,
 S. 477 n; Cantillon und S,,
S. 491 n; Andersons Polemik gegen
S., S. 496 n; Arbeitslohn als Teil
des Preises, S. 504-505 n; Akkumulation
 bloß als Kooperation des
Mehrprodukts, S. 524; Grundverkehrtheit
 seiner Analyse, S. 525; Rückschritt
 gegen die Physiokraten,
S. 526 n; Sparsamkeit als Ursache
der Akkumulation, S. 580; das fixe
Kapital, S. 543, 547 n; falsche Auffassung
 der Akkumulation, S. 550;
Eden als S.s Schüler, 8, 552; abgesagter
 Pfaffenfeind, S.553-554; Größe
des Kapitals und Akkumulation,
S. 555; Wachsen der Akkumulation
als Ursache der Lohnerhöhung,
S. 557-558; Notwendigkeit einer ursprünglichen
 Akkumulation, S, 561;
Armut begünstigt die Fortpflanzung,
5. 580; Workhouse gleichbedeutend
mit Manufactory, S,591n; Meister als
Ratgeber der Gesetzgebung, 5.668 n;
Ausdruck „Labouring poor“ bei S.,
S. 688 n.
Smith, Edward, englischer Hygieniker,
1818-1874, SS. 339,
Smith, Goldwin, englischer Geschichtschreiber,
 seit 1868 in Kanada, 1823
bis 1911. Erwähnt S. 678.
        <pb n="782" />
        {,

J-7,



Namenregister,

Somers, Robert, englischerSchriftsteller.
1822-1891. Ueber die Wildwaldungen
 in Schottland, S. 661-662, 663.
Sophokles, griechischer Tragiker.
496-400 v. Chr. Zitat aus Antigone,
S. 90.
Spinoza, Benedikt, Philosoph, 1632-1677.
Erwähnt S, XLVI; Unwissenheit als
hinreichender Grund, S, 255; Be.
stimmen heißt Verneinen, S, 532.
Stafford, William, englischer Schrift.
steller, 1554-1612, Das Gespräch
über den Wertfall des Geldes im
16. Jahrhundert, S. 678 n.
Stapleton, Mitglied des englischen Parlaments.
 Ueber den Preis der Arbeit,
S. 536.
Steuart, James (Denham), englischer
Oekonomist, 1712-1780. Nennt Gold
und Silber — Weltgeld, S. 102; vorgeschossenes
 Geld, S. 106 n;. Rolle
der Naturschätze, S.134n; sein offenes
Auge für Unterschiede verschiedener
Produktionsweisen, S, 280 n; Schei:
dung von Stadt und Land am bester
von ihm behandelt, S. 299 n; betoni
mehr die positive Seite der Maschi:
nerie, S. 3783-374 n; Cantillon und S..
S. 491 nn; Malthus und S., S.552 nn
584 n; über feudale Gefolgschaften,
S. 649; Revolution in Grundeigentumsverhältnissenin
 Schottland, 5,659
bis 660; intensive Ausbeutung der
Landarbeiter im 18. Jahrhundert.
S. 675.
Stewart, Dugald, englischer Philosoph,
1753-1828, Ersparung an Arbeit,
S. 269 n; Arbeitsteilung, S. 291 n; bezeichnet
 die Manufakturarbeiter als
lebende Automaten, S. 807 n; Herrschaft
 der Hausindustrie in Hochschottland,
 S. 427 n.
Stolberg, Graf Christian, Dichter, 1748
bis 1821. Erwähnt S. 352,
Storch, Heinrich, deutsch - russischer
Nationalökonom, 1766-1835. Kredil
des Arbeiters, S. 1380 n; unterseheidel
Rohmaterial von Hilfsstoffen, S.137 n;
Teilung der Arbeit, S. 298 n; Wachstum
 des Minimums des Kapitals,
S. 306 n; Manufakturarbeiter nur ein
Zubehör, S. 807-308 n; Analyse des
notwendigen Preises, S. 526 n; über
Das Kapital. I.

den Fortschritt des gesellschaftlichen
—_ Reichtums, S. 584.
Strange, W., englischer Hygieniker.
Ueber: die Wirkungen der Nachtarbeit,
 S. 206.
Strype, John, kirchlicher Historiker und
Biograph, 1643-1787, Hinrichtungen
der Landstreicher, S,. 666 n.
Strahan, William, englischer Maler
und Verleger, 1715-1785. Erwähnt
S. 554,
Stuart, J., Fabrikinspektor in Schottland.
 Erlaubt das Ablösungssystem,
S. 287; auf Seite der Kapitalisten,
S. 259,
Sully, Maximilian de Bethune, französi.
scher Staatsmann und Nationalökonom,
 1560-1641. Erwähnt S. 553.
Sutherland, Herzogin von. Verwandlung
 ihrer Güter in Schaftriften und
Expropriation der Bauern, S. 660-661.
Temple, Sir William, englischer Staatsmann
 und Schriftsteller, 1628-1699
Erwähnt S. 553,
Thiers, Adolphe, französischer Historiker
 und Staatsmann, 1797-1877. Sein
Irrtum mit der Spinnmaschine, 5.387;
seine Kinderfibeln über Eigentum.
S. 645.
Thompson, William, englischer Oekonomist,
 1785-1833, Trennung der
Wissenschaft von dem Arbeiter.
S. 308 n.
Thomson, Sir Benjamin (Graf von Rumford),
 englischer Philantrop und
Schriftsteller, 1753-1814, Seine Kochrezepte
 für die Armen, S. 536-537,
Thornton, William Thomas, englischer
Oekonomist, 1818-1880, Historisches
Element in dem Wert der Arbeitskraft,
 S. 127; Degeneration des Landarbeiters,
 S, 218; goldenes Zeitalter
des englischen Landarbeiters, S, 650.
Thucydides, griechischer Geschichtschreiber,
 460-400 v. Chr. Perikles
Rede, S. 312 n.
Thünen, Joh. Heinrich, Nationalökonom,
1783-1850. Wie der Arbeiter aus
dem Beherrscher des Kapitals zum
Sklaven des Kapitals geworden.
S. 557-558,
Tooke, Thomas, englischer Oekonomist.
1774-1858, S. 243 n.
cm

78
        <pb n="783" />
        38 ;

Torrens, Robert, englischer Oekonomist,
1780-1864, Neigung der Konsumenten,
 mehr zu zahlen, S. 118; natürlicher
 Preis der Arbeit, S. 127 n;
Ursprung des Kapitals im Stein des
Wilden, S. 140 n; Möglichkeit der
Erweiterung der Stufenleiter der
Produktion auf Kosten des Arbeiters,
3. 849 n; über die Verdrängung der
Arbeiter durch die Maschine, S. 381
Pownsend, Joseph, englischer Naturlorscher
 und Mediziner, 1739-1816.
Malthus und T., S. 249, 552, 5538;
seine Verherrlichung der Armut,
5. 583-584,
P’remenheere, Hugh Seymour, eng»
lischer Publizist und Politiker, 1804
bis 1893. Ueber die Lage der Bäcker,
S. 198, 199, 200, 218.
Pschernyschewsky, Nikolaus, russischer
Sozialist, 1828-1889. Seine meisterhafte
 Kritik der bürgerlichen Oekonomie,
 S. XLII.
Pucker, Josiah, englischer Oekonomist,
1712-1799. Erwähnt S. 2238 n, 553 n.
Puckett, J. D. Ausnutzung von Idioten
tür die Manufakturen, S. 308-309;
Recht der Armen auf die Kirchengüter,
 S. 652 n; der Ursprung der
großen Wollindustrie, S. 678 n.
"ufnell, Thomas Jolliffe, englischer
Zahnarzt und Hygieniker, 1819-1885,
Erwähnt S. 213,
"upper, Martin Fargquhar, englischer
Dichter, 1810-1889. Erwähnt S. 545
bis 546,
"urgot, Anne Robert Jacques, französischer
 Nationalökonom und Physio-Krat,
 1727-1781. Die Wichtigkeit des
gezähmten Tieres für die Anfänge
der Kultur, S, 135 n; Preis der Arbeit,
 S. 262 n; Mehrwert, S,. 470.
"re, Andrew, englischer Chemiker und
Schriftsteller, 1778-1857. Gegen die
Verkürzung des Arbeitstages, S. 221,
247, 269; seine Polemik gegen Smith,
5. 205; Verbilligung der ‚Arbeiter
durch Arbeitsteilung, S. 297 n; Eigenwilligkeit
 der geschickten Arbeiter
5.814-315; Prinzip des Fabriksystems,
5. 324 n; weist auf die technische Unwissenheitder
 Kapitalistenhin,S.8381n;
Schädlichkeit der Untätigkeit der

Register.

Maschinen, S. 348; Zentralmaschine
als Autokrat, S. 363-364; Aneignung
an dieselbe Funktion, S. 364-365; die
Bedeutung Arkwrights, S. 367-368;
Automatisierung der Produktion,
S. 376; Maschinen gegen Streiks,
S. 880-881; bestimmtes Maß für die
Leistungsfähigkeit, S. 488; Stücklohn,
S. 493; die relative Niedrigkeit der
Löhne für die Unternehmer in England,
 S. 496.
'rquhart, David, englischer Diplomat
und Publizist, 1805-1877. Ueber
Pfund als falsche Benennung, 5, 61;
Teilung der Arbeit, S. 810; Teilung
der Nation’ in Bauern und entnervte
Krüppel, S. 445; über den Fischhandel
 in Schottland, S. 661; Veraichtung
 der Hausindustrie durch
Großindustrie, S, 677 n; U. als Hauptagent
 des Ruins der Türkei, S. 678,
Vanderlint, Jacob, englischer Oekonomist,
 gestorben 1740. Warenpreise
und zirkulierendes Geld, S.82; Wohlfeilheit
 der indischen Waren, S. 89;
Bergwerke als Quelle des Goldes,
5. 103 n; Verteidiger der Arbeiter,
5.223 n; die angebliche Faulenzerei
des Arbeitervolkes, S. 225; Preis der
Arbeitskraft, S. 262 n; Profit als
Zweck des Kapitalisten, S. 278, 295.
553 D.
/auban, Sebastian, berühmter französischer
 Ingenieur und Nationalökonom,
 1633-1707. Brandmarkte das
Elend der französischen Bauern, S. 98,
7aucanson, Jacques, französischer Mechaniker,
 1709-1782, Erwähnt S. 326,
Yerri, Pietro, italienischer National-Ökonom,
 1728-1797, Alle Erscheinungen
 als Umformung des Stoffes,
S. 10 n; Geld als allgemeine Ware,
S. 52 n; Vermehrung der Zahl der
Verkäufer als Ziel der politischen
Oekonomie, S. 91 n.
Vico, Giovanni Battista, italienischer
Philosoph, 1668-1744, Unterschied
der Menschengeschichte von der
Naturgeschichte, S. 8172.
”illiers, englischer Parlamentarier,
Freihändler, während des zweiten
Ministeriums Palmerston Präsident
des Poor Law Board. S. 216.
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Namenregister.,

Vissering, holländischer Nationalökonom.
 Für Handwerksbetrieb, S.443n
Wade, John, englischer Schriftsteller
1788- 1875. Ueber die Gier der Fabrikbesitzer,
 S. 192n; über Statut von 1496.
S. 221 n; Profit als Regulativ der
kapitalistischen Produktion, S. 557 n.
Wade, Vizepräsident der Vereinigten
Staaten von Nordamerika. Uebeı
die Arbeiterfrage, 5, XXXIX.
Wakefield, Edward Gibbon, englischer
Kolonialpolitiker, 1796-1862, Sterblichkeit
 der Ueberarbeiteten, S.217n:
Kooperation, S. 273 n; Arbeit und
Kapital, S. 518 n; Landarbeiter —
ein Pauper, S, 611; seine Kolonisa:
tionstheorie, S. 693-699. ;
Wallace, Robert, englischer Publizist
1697-1771. Malthus und W., S. 299,
3592, 538,
Ward, John. Wedgwoods Aussage über
die Töpfer, S, 215.
Watson, Sir Thomas, englischer Hy
gieniker, 1792-1882, Ueber die Baumwollreinigungsmaschine,
 S. 336,
Watt, James, Erfinder der Dampf.
maschine, 1736-1819, Oekonomische
Bedeutung seines Motors, S. 321-322.
Watts, John, englischer Sozialreformer.
1818-1887. Ueber Stücklohn, S.486 n
Wayland, Francis, amerikanischer Pub
lizist und Nationalökonom, 1796-1865
Austausch schafft keinen Wert
S. 120; Wert und Kraft, S, 161.
Wedgwood, Josiah, Schöpfer der eng
lischen Tonwarenindustrie, 1780 bis
1795. Erwähnt S. 215, 219.
Wellington, englischer Feldherr, 1769
bis 1852, Erwähnt S. 83.
West, Edward, englischer Oekonomist,
1782-1828. Sein Platz in der Geschichte
 der Rententheorie, S. 446 n;
W. und Ricardo, S. 465; Preis der
Arbeit, S. 479 n; Arbeitslohn und
Preis der Arbeit. S. 479-480 n.

739
Whitney, Ely, Erfinder des Cottongins,
1765-1825, S, 328,
Wilks, Mark, englischer Kolonial-Politiker,
 1760-1831. Zitiert S. 305,
Williams, Sir William Fenwick, Baronet
 of Kars, verteidigte Kars gegen
die Russen in 1855, 1800-1883, Vergleich
 mit Wellington, S. 83.
Wilson, James, englischer Oekonomist,
1805-1860. Die „letzte Stunde“.
S. 179,
Wirth, Max, Nationalökonom, 1822-1900.
Erwähnt S. 40; Entsagung als Quelle
des Profits, S. 179 n.
Witt, Jean de, holländischer Staatsmann,
 1625-1672. Erwähnt S. 553:
Befürworter der indirekten Steuern.
S. 684.
Wolf, Christian, Philosoph, 1679-1754,
Erwähnt im Zusammenhang mit Bentham,
 S. 545,
Wolff, Wilhelm, Kommunist, Marx
Freund, 1809-1864, S. V.
Wright, Thomas, englischer Naturforscher,
 1711-1786. Konzentration
der kleinen Pachtungen, S. 656.
Wyaltt, John, englischer Erfinder, 1700
bis 1766, Bedeutung seiner Spinnmaschine,
 von ihm selbst charakterisiert,
 S, 316-317.
Xenophon, griechischer Feldherr und
Historiker, 4830-845 v, Chr. Teilung
der Arbeit, S, 313-8314,
Varranton, Andrew, englischer Techniker
 und Agronom, 1616-1684, Erwähnt
 S. 295.
Voung, Arthur, englischer Agronom
und Statistiker, 1741-1820. Verteidigt
Humesche Theorie des Geldes, S.81n;
Fanatiker des Mehrprodukts, 8.180 N;
genauer Beobachter, oberflächlicher
Denker, Angaben über den Landarbeiter
 von 1771, S, 609; bessere
Lage des irischen Landarbeiters,
S. 615-616 n.
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        Sachregister.

Ablösungssystem: Technische Bedin-'
gungen, S, 205-212; als Mittel des
Kampfes gegen das Fabrikgesetz,
5. 228-281; Ausgeburt der Kapitalphantasie,
 S. 238-239; als Beweis der
Möglichkeit eines fortwährenden Personenwechsels
 im maschinenmäßigen
Betrieb, S. 865,
Abstinenz (Enthaltung): als Ursache
des Mehrwertes, S. 147-149; A. und
Akkumulation, S. 532-534.
Achtstundenagitation: in Nordamerika
nach dem Bürgerkrieg, S. 248; in
Lancashire im Jahre 1867, S. 361.
Achistundentag: auf dem Kongreß zu
Baltimore, S. 248; auf dem Kongreß
der internationalen Arbeiterassoziation
 in Genf, S. 249,
4ckerbau (Agrikultur) : Ueber die Voraussetzung
 der eigentlichen Agrikultur,
 S. 185, 137; Maschinerie im A.,
S. 320-821; große Industrie und A.,
S. 444-446; Physiokraten und A,,
S, 448; A. im alten Aegypten, S. 453:
Eigentümlichkeiten des A, vom Standpunkte
 der Akkumulation, S. 539.
iegypten, altes: Goldbergwerkarbeiter,
S. 185 n; Wirkungen der einfachen
Kooperation, S. 281; Handwerker,
S. 287; als industrielles Musterland
{für Griechen, S. 814; Kastenwesen,
S.314n; Erziehung der Kinder, S. 451
bis 452; Ursachen der Herrschaft
der Priesterkaste, S. 453 n.
— modernes: Baumwollproduktion,
S, 400; Lumpenzufuhrquelle für
England, S. 406.
4equivalent, Aequivalentform: Ware, in
der der Wert einer Ware ausgedrückt
wird, S. 15: Material zum Wertausdruck
 anderer Ware, S.16; Ae. und
relative Wertform schließen sich
polarisch aus, S. 16; Träger von
Wert, S. 18; Eigentümlichkeiten der
Ae., S. 21-26; Ae. einer Ware — die
Ferm ihrer unmittelbaren Austauschbarkeit,

 S. 22; enthält keine quantitative
 Wertbestimmung, S. 22; erste
Eigentümlichkeit: Gebrauchswert als
Erscheinungsform des Wertes, S. 22
bis 23; das Rätselhafte der Ae,, S.23;
zweite Eigentümlichkeit: konkrete
Arbeit als Erscheinungsform der
abstrakt menschlichen Arbeit, S. 24;
dritte Eigentümlichkeit: Privatarbeit
als Form der unmittelbar gesellschaftlichen
 Arbeit, S. 24; Ae. bei
Aristoteles, S. 25-26.
1frika: Sklavenhandel, S. 387; Wollausfuhr
 vom Kap der Guten Hoffnung,
S. 395; Verwandlung von A. in ein
Gehege zur Handelsjagd auf Neger
als ein Hauptmoment der ursprünglehen
 Akkumulation, S. 679, 687,
Ikkumulation (des Kapitals): Bedingung
 der A., S. 500; wird als bloßes
Moment des unmittelbaren Produklionsprozesses
 betrachtet, 5. 501;
durch bloße Kontinuität des Produktionsprozesses
 wird jedes Kapital in
akkumuliertes Kapital verwandelt,
S. 505-506; A, heißt Rückverwandlung
 von Mehrwert in Kapital, S. 515;
bestimmte Zusammensetzung des
Mehrprodukts als Bedingung der A.,
S. 516; A. löst sich auf in Reproduktion
 des Kapitals auf fortschreitend
sich ausdehnender _Stufenleiter,
S. 517; A. als Bedingung vermehrter
A., S. 517-518; Dialektik der A,,
S. 519; Phasen. der Bewegung, die
zur A, führt, S. 519-520; alles ursprünglich
 vorgeschossene Kapital —
eine verschwindende Größe im Vergleich
 mit dem akkumulierten Kapital,
 S. 522-523; A. im Lichte. der
klassischen politischen Oekonomie,
S. 523-526; Größe der A. und die
Teilung des Mehrwertes in Akkumulationsfonds
 und Konsumtionsfonds,
S. 526-527; A. — Eroberung der
Welt des gesellschaftlichen Reich-
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Sachregister,

tums, S. 528; Konflikt zwischen A. und
Genußtrieb, S, 529-530; A. als historische
 Funktion der Kapitalistenklasse,
 S. 531-532; der historische
Charakter der A., S. 533-534; A. und
Ausbeutungsgrad der Arbeitskraft,
S. 534-539; A. und Produktivitätsgrad
 der gesellschaftlichen Arbeit,
S. 539-5483; A. und die wachsende
Differenz zwischen angewandtem und
konsumiertem Kapital, S. 543-544;
A. und die Größe des vorgeschossenen
Kapitals, S. 544; A. ist Vermehrung
des Proletariats, S. 549-550; A. und
die Ausbeutung der Arbeitskraft,
S. 554-556; die Größe der A. als
primäre Ursache der Lohngröße
S. 556-557; relative Abnahme des
Kapitals im Fortgang der A.
S. 557-566; das allgemeine Gesetz
der kapitalistischen A., S. 582-585;
Mlustration dieses Gesetzes, S. 585
bis 644; die sogenannte ursprüngliche
 A., S. 561-562, 644-691,
Aktiengesellschaften: Monopolgesellschaften
 als Vorläufer der modernen
A., 5.258; das Wiedererscheinen der
Macht asiatischer Despoten im kombinierten
 Kapitalist bei A., S. 281;
als Hebel der Zentralisation des
Kapitals, S. 562-565, ;
Amerika, Vereinigte Staaten von: Sklaverei
 in den südlichen Staaten, S. 185,
215, 280, 387, 688; Grausamkeiten deı
Spanier gegen die Rothäute, S. 192;
Arbeiterschutzgesetzgebung, S. 220;
Gesetzbuch von New Mexico, S. 2835
bis 2386 n; Achtstundenagitation, S. 248
bis 249; Schwierigkeiten mit der Ernte,
S. 276; Dichtigkeit der Bevölkerung,
S. 299; praktische Illustration des
Unterschieds zwischen gesellschaftlicher
 und manufakturmäßiger Teilung
 der Arbeit in Nordamerika,
S$. 302; Maschinen in A. und England.
S. 337-338, 374 n; als Produkt der
englischen großen Industrie, S. 395:
Englands Konkurrenz mit A., S. 402;
Konzentration in A., S. 403 n; Kalifornien,
 S.429n; Agrikulturmaschinen
in A., S. 444; die zerstörenden Wirkungen
 der Großindustrie in A,,
S, 445-446; Trusts in A., S. 564; Aus-741



wanderung nach A., 5.637, 641;
Glied des internationalen Kreditsystems,
 S. 684; immer noch Kolonialland
 Europas, S, 692 n; als Land der
unabhängigen Produzenten, S. 694
bis 698; Wirkungen der europäischen
Auswanderung und Entwicklung der
kapitalistischen Großindustrie, S. 700.
Amerikanischer Bürgerkrieg: Seine Bedeutung
 für die europäische Arbeiterbewegung,
 S. XXXVIII; a. B. und das
englische Kapital, S. 146; das einzig
großartigeEreignisderZeitgeschichte,
S. 204; erwähnt S. 235-286, 302, 339,
365; a. B. und Verbesserung der Maschinerie,
 S. 377-378; a. B. und die
Baumwollnot, S. 399-402, 510; Folgen
für die Vereinigten Staaten, S. 700.
Analyse (siehe Methodologie).
Antijakobinerkrieg (so nannte William
Cobbet den Krieg, den England gegen
das revolutionäre Frankreich von
1793 bis 1815 führte): Bereicherung
der Landlords während des A., S. 538;
Lage der Landarbeiter unter dem
Einfluß des A., S. 465, 610.
intike Welt: Historische Beschränktheit,
 S. 25; bestimmte Produktionsweise,
 S.45-46; Anklagen gegen Geld,
S. 90-91; Inhalt des Klassenkampfes
der a. W., 5.98; Steuer im römischen
Kaiserreich, S. 98; Rom und kleinasiatische
 Städte, S. 118-119; völlige
Entwicklung des Kapitals in der
a. W. — Unsinn, S. 128; der altrömische
 Villicus, S, 126; römische
Patrizier und Plebejer, S. 236, 307;
Definition des Menschen, S. 274;
Bauernwirtschaft und Handwerk als
ökonomische Grundlage, S. 282; Teilung
 der Arbeit, S. 312-313; Ideal
der griechischen Welt — der sich
selbst genügende Betrieb, S. 312-313;
Rolle der Naturbedingungen, S, 451;
Ruin der römischen Plebejer durch
den Kriegsdienst, S. 657-658.
Arbeit, qualifizierte (siehe auch Arbeit
als Substanz des Wertes): Die Unterschiede
 zwischen einfacher und höherer
 A., ihr wechselnder und historischer
 Charakter, S. 152-153; in der
Fabrikgesetzgebung, S. 364; A. und
Wert der Arbeitskraft, S. 297.
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        742 ;

Arbeit als Substanz des Wertes: Maß
der A.— ihre Zeitdauer, 5.6; Doppelcharakter
 der in den Waren enthaltenen
 A. als Springpunkt, um den
sich das Verständnis der politischen
Oekonomie dreht, S. 9; nützliche,
konkrete A. als Bildnerin des Gebrauchswertes,
 S. 9, 13; als solche
von allen Gesellschaftsformen unabhängige
 Existenzbedingung des Menschen,
 S. 10; nicht die einzige Quelle
des Reichtums, S. 11; menschliche A.
schlechthin als Bildnerin des Wertes,
S. 6, 11, 13, 17; einfache Durchschnittsarbeit
 in einer vorhandenen
Gesellschaft gegeben, S. 11; kompliziertere
 A.alsvervielfachteeinfacheA.,
S. 12, 152; Reduzierung auf einfache
A. als ein gesellschaftlicher Prozeß,
S. 12; bildet Wert, aber ist nicht
Wert, S. 18, 473; Wert der A. ein
iIrrationeller Ausdruck, S. 475-477;
überträgt den Wert der von ihr konsumierten
 Produktionsmittel. S. 541
bis 442.
irbeit als Tätigkeit: Wirkung auf und
Veränderung der Natur, S. 188;
Unterschied zwischen der A. der
Menschen und der A, der Tiere,
S, 134; Anteil des zweckgemäßen
Willens als Aufmerksamkeit an der
A., S. 134; als Moment des Arbeits-Prozesses,
 S. 134; A. als Bewegung,
5.136,144; produktive A.,S.137,447-448;
die Kraft der lebendigen A., S. 188
bis 139; Doppelseitigkeit der A,,
S, 154-155, 158; die werterhaltende
Eigenschaft der lebendigen A., S. 160;
Umsetzung von Arbeitskraft, S. 167n;
gemeinsame Arbeit als Kooperation,
5. 269-2838; Teilung der Arbeit,
5. 283-289, 297-306; A. und Naturbedingungen,
 S. 450-454,
Arbeiter: als freier Besitzer der Arveitskraft
 eine historische Kategorie,
S. 128-125; Kreditgeber des Kapitalisten,
 S. 129-131; Kampf zwischen
A. und Maschine, S. 871-881; Verdrängung
 des A. durch die Maschine,
S, 8381-390,
Arbeit, Preis der: Ergibt sich, indem
man den Tageswert der Arbeitskraft
Jurch die Stundenzahl des Arheite-Register.



;ages dividiert, S. 479; gleichzeitige
Senkung des Preises der A. und
Steigerung des Lohnes, S. 479-480;
allgemeines Gesetz ihrer Bestimmung,
 S.480; Preis der A. und Ueberzeit,
 S, 481-482; wichtig, um die
Erscheinungen der Konkurrenz. zu
begreifen, S. 483-485.
'rbeiterschutzgesetzgebung: Diktiert
durch die Arbeiterbewegung und
durch die maßlose Aussaugung der
Arbeitskraft seitens des Kapitals,
5. 188; Geschichte der englischen A.
von 1883 bis 1864, S. 227-245; Rückwirkung
 der englischen A. auf andere
Länder, S. 247-250; A. in Frankreich.
5. 225, 227, 247-248; A. in den Versinigten
 Staaten, S. 220, 248; A. in
der Schweiz, S. 226; A. in Oesterreich,
 S. 226; A. in Belgien, S. 226,
247; A. als Naturgesetz des Kapitalismus,
 S. 231; Formulierung der
Gesetze als Ergebnis langwieriger
Klassenkämpfe, S. 231; die guten
Wirkungen der A,: Verbesserung
des physischen Zustandes der Arbeiterbevölkerung,
 5. 241, physische
und moralische Wiedergeburt der
Fabrikarbeiter, S. 243, Sicherung
einer Mußezeit, Magna Charta der
Arbeiterklasse, S. 250; das beste Mitte]
gegen die „Naturschranken“ der Produktion,
 S. 417-418; Beschleunigung
des Unterganges der kleineren Meister,
 S. 419; erste rationelle Zügel
für die Launen der Mode, S. 421-422;
notwendiges Produkt der großen
Industrie, S. 422; —Gesundheitsxlauseln,
 S. 422-424; Erziehungsklauseln,
 S. 424-427; die Notwendigkeit,
 die A. zu verallgemeinern,
S. 431-482; neuere Fortschritte der
A. in England, S. 438-442; Wirkungen
 der Verallgemeinerung der
A., S. 442-443; Modifikation der
englischen A., S. 443n; A. und
Stücklohn, S. 492-493,
4Arbeitsfonds: Fonds von Lebensmitteln
für die Arbeit in allen Systemen der
gesellschaftlichen Produktion, in der
kapitalistischen erscheint er als variables
 Kapital, S. 503-504; der sovyenannte
 A. S. 545-548.
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Sachregister.

Arbeitsgegensiand: Der Gegenstand, auf
den die Arbeit wirkt, 5. 134; durch
frühere Arbeit filtrierte A. ist Rohmaterial,
 S, 135; zusammen mit
Arbeitsmitteln — Produktionsmittel,
S. 136-187.
Arbeitsgeld: Utopismus des A., S.56n.
Arbeitskontrakt: Bedingungen dieses
Rechtsverhältnisses, S. 123-124; Maximum
 seiner Zeitdauer und Kündigungsbedingungen,
 S. 124 n; der
Schein des A. in der kapitalistischen
Gesellschaft, S. 131-132; A, und die
Maschinerie, S. 340-341; A. und die
väterliche Gewalt, S. 430.
Arbeitskraft: Individuelle A. und A
der Gesellschaft; gesellschaftliche
Durchschnitts-A., S. 6; A.in flüssigem
Zustand oder menschliche Arbeit
bildet Wert, aber ist nicht Wert.
S. 18; A. als Ware, S. 121-122; Bedingungen,
 unter denen diese Ware
sich auf dem Markt vorfinden kann,
S. 123-124; der historische Charakter
der A. als Ware, S. 125; Wert der
A., 5. 126; schließt ein historisches
und moralisches Element ein, S. 127:
Wert der A. und Wert der Lebensmittel,
 S. 128; Minimalgrenze dieses
Wertes, S. 128-129; Besitzer der A
als Kreditgeber des Kapitalisten,
S. 129-131; Gebrauchswert der A,.,
S. 131, 140-141; Wert der A. und
ihre Verwertung im Arbeitsprozeß
— zwei verschiedene Dinge, S. 148
bis 149; A. als subjektiver Faktor
 des Arbeitsprozesses, variables
Kapital, S. 162; Grad der Ausbeutung
 der A., S. 164-171; A. und Wert,
S. 167 n; Verkümmerung der A. in
der kapitalistischen Gesellschaft,
S. 213-214; gleiche Ausbeutung der
A, — das erste Menschenrecht des
Kapitals, S. 240; Kostenpreis einer
einzelnen A., S. 256; Wert der A.
und die notwendige Arbeitszeit,
S. 262; Historisches zur Bestimmung
des Durchschnittslohnes, S. 262 n;
Wert der A. unter dem Einfluß der
Scheidung der Arbeiter in geschickte
und ungeschickte, S, 297; Wert der
A. und die Erhaltung der Arbeiterfamilie,
 S. 339; Wert der A. und der

743

Wert der notwendigen Lebensmittel,
S. 456-457; Wert der A. und ihre
Entwicklungskosten einerseits, Naturdifferenz
 anderseits, S. 457; Einfluß
des Wechsels in der Produktivkraft
der Arbeit auf den Wert der A,,
S. 457-459; Ab- und Zunahme des
Wertes der A, als Grund der Zuoder
 Abnahme des Mehrwertes,
S. 459-460; Wert der A. und die
Variationen in der Intensität der
Arbeit, S. 461-462; Wert der A. und
die Variationen des Arbeitstages,
S. 462-464; historische Illustration,
S. 465-466; Nachfrage nach A. und
Zufuhr der A., S. 577-578.
Arbeitslohn: A. und Wert der Arbeit,
S, 471-473; verwandelte Form des
Wertes und Preises der Arbeitskraft,
S. 475; die Bedeutung dieser Verwandlung
 und der von ihr verursachte
 falsche Schein, S. 475-476:
Bewegung des A., S. 477-478. Zeitlohn:
 als verwandelte Form des
Tageswertes der Arbeitskraft, S. 478
bis 479; Preis der Arbeit und Z,,
S. 479-480; Stundenlohn und seine
Wirkungen, S. 480-481; der niedrige
 Preis der Arbeit als Quelle
der „Ueberzeit“, S. 482-483, 485;
Verhältnis zwischen A. und Arbeitstag,
 S.483-484; Quelle des anormalen
Mehrwertes und anormal niedriger
Verkaufspreise der Waren, S. 484.
Stücklohn: als verwandelte Form
des Zeitlohnes, S. 486; Unterschiede
zwischen beiden Formen, S. 487-488;
St. als fruchtbarste Quelle von
Lohnabzügen, S, 488; als Maß für
die Intensität der Arbeit, S. 488; erleichtert
 das Zwischenschieben von
Parasiten zwischen Kapitalist und
Arbeiter, S. 488-489; Akkordlohn
S. 489 u. n; verursacht große Differenzen
 im Arbeitslohn, S.490; Hauptstülze
 des Stundensystems, S, 491;
Geschichtliches, S. 491-492; unter
dem Einfluß der Fabrikgesetzgebung
wird St. allgemeine Regel, S. 492-494;
nationale Verschiedenheit des A.
S, 494-496; niedrige Arbeitslöhne —
teuere Arbeit, 5. 496-499; gewaltsame
Herabsetzung des A. als Mittel der
        <pb n="789" />
        144

Akkumulation des Kapitals, S. 535
bis 538; Wachstum des A. bei Wachstum
 des Kapitals, S. 549-550; A. und
die Akkumulation des Kapitals, S.554
bis 557; Arbeitslöhne der schlechtbezahlten
 Schichten, S. 591-600; der
Landarbeiter, S. 608-631.
Arbeitsmarkt: Als besondere Abteilung
des Warenmarktes, S. 125.
Arbeitsmittel: Mittel, wodurch die Arbeit
 des Menschen wirkt, S. 134;
Definition des A., S. 135; Gebrauch
von A, charakterisiert den spezifisch
menschlichen Arbeitsprozeß, S. 135;
Franklins Definition des Menschen,
5.1835; Erde als A., S. 1835; Tiere
als A, S.135-136; Bedeutung der A.
für die Beurteilung untergegangener
ökonomischer Gesellschaftsformationen,
 S. 135-136; A. als Anzeiger
der gesellschaftlichen Verhältnisse,
S. 136; mechanische A, und die A,,
die als Behälter des Arbeitsgegenstandes
 dienen (Gefäßsystem der
Produktion), S. 136; A. als Wirkungsraum,
 S. 186; A. zusammen mit Arbeitsgegenstand
 — Produktionsmittel,
S. 136-187; zeigen fast alle die Spur
vergangener A., 5.187; Lebensperiode
eines A, und Berechnung des Verschleißes
 aller A., S.157; Reparaturen
der A., S. 158 n; ihre Rolle in verschiedenenProduktionszweigen,
 S.538
bis 539,
Arbeitsprozeß: Unabhängig von jeder
bestimmten gesellschaftlichen Form
zu betrachten, S. 133; Momente des
A., S. 134; Rolle des Menschen im A.,
S. 186; A. als ewige Naturbedingung
des menschlichen Lebens, S. 139-140;
A, unter der Kontrolle des Kapitalisten,
 S. 140-141; der Unterschied
von A, und Wertbildungsprozeß, S.158;
Exkremente des A., S. 159.
Arbeitstag: Summe der notwendigen
Arbeitszeit und der Mehrarbeitszeit,
5. 180; keine konstante, sondern
variable Größe, S. 181; Minimalschranke
 unbestimmbar, besitzt aber
eine Maximalschranke, S. 181-182;
physische und soziale Schranken,
5, 182; der Trieb des Kapitals nach
Verlängerung des A... S. 2183-214:

Register.

Zwangsgesetze zur Verlängerung des
A. S.219-222; „Haus des Schreckens“,
S. 224-226; zwangsgesetzliche Beschränkung
 der Arbeitszeit, S. 226
bis 245; Verlängerung des A., S. 347
bis 352; maßlose Verlängerung des
A. — eigenstes Produkt der großen
Industrie, S. 449; Einfluß der Variationen
 des A. auf die Größe des
Wertes der Arbeitskraft, des Mehrwertes
 und der Mehrarbeit, S. 462
bis 466; Minimalgrenze des A. in der
kapitalistischen und in der zukünftigen
 Gesellschaft, S. 466-467.
Arbeitsteilung: Existenzbedingung der
Warenproduktion, S. 9; gesellschaftliche
 A., S. 9; ein vielgliedriges System
 verschiedener nützlicher Arbeiten,
 S.10; naturwüchsiges System,
S. 87; innerhalb der Bauernfamilie,
S. 41; gesellschaftliche Teilung der
Arbeit und der Austauschprozeß der
Ware, S, 66-68; manufakturmäßige
A. und gesellschaftliche A.: A. im
allgemeinen, A, im besonderen und
A. im einzelnen, S. 297-298; verschiedene
 Ausgangspunkte der Entwicklung
 der gesellschaftlichen A.,
S. 298; physiologische A. innerhalb
des Stammes und A., die auf Verschiedenheit
 der Naturumgebung beruht,
 S. 298-299; Scheidung von Stadt
und Land, S, 299; Wechselwirkung
zwischen manufakturmäßiger und
gesellschaftlicher A., S. 300; A. nach
Landstrichen innerhalb eines einzelnen
 Landes und auf dem Weltmarkt,
 S. 300; der wesentliche Unterschied
 zwischen A. in der Gesellschaft
und innerhalb der Werkstatt, S. 301
bis 302; der Antagonismus zwischen
beiden, S. 302-303; Bewertung der
A. im klassischen Altertum, S. 8312
bis 314; internationale A. als Produkt
der großen Industrie, S. 395.
Arbeitszeit: Maßstab der A. — Zeitteile,
wie Stunde usw., S. 6; notwendige
oder gesellschaftlich-notwendige A.,
5.7, 67, 266, 473; ihre Bedeutung für
den Menschen auf verschiedenen
Entwicklungsstufen, S. 35; Rolle der
A. in der sozialistischen Gesellschaft,
 S. 42: gesellschaftlich-not-
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3r

Sachregister.

wendige A. als aliquoter Teil der
in der Gesellschaft disponiblen A.,
S. 803; gesellschaftlich -notwendige
A. als Voraussetzung des Verwertungsprozesses,
 S. 143-144; nur die
gesellschaftlich-notwendige A. zählt
als wertbildend, S. 145; als Regulativ
im kapitalistischen Betrieb, S. 150-151.
Arbeitszeit, notwendige: jener Teil des
Arbeitstages, der notwendig ist zur
Produktion der spezifischen Ware
Arbeitskraft, S. 168,
Asien: Naturalform der Grundrente
zugleich das Hauptelement der
Staatssteuer, S. 98; Kooperation in A.,
S. 281; der Schlüssel zum Geheimnis
 der Unveränderlichkeit asiatischer
 Gesellschaften, S. 305; Ruin
der Handbaumwollweber in A,,
S. 393-894; Baumwollhandel mit A.,
S. 398, 402; Gunst der Naturbedingungen
 in A., S. 453-454; Eisenbahnbau
 in A., S.498; als Gebiet für
den Weltmarkt, S. 571.
Astronomie: Perioden der Niülbewegung
 und A., S. 453.
Aihen: Als Warenproduzent dem
Spartaner überlegen, S. 312; Herrschaft
 der selbständigen Produktion,
8.812; Platos Republik nur atheniensische
 Idealisierung des ägyptischen
Kastenwesens, 5.314; Wichtigkeit des
Reichtums an Arbeitsmitteln für die
Entwicklung von A., S. 451.
Aufklärung im 18. Jahrhundert: Vorliebe
 für rationalistische Erklärung
aller Erscheinungen als willkürliches
Reflexionsprodukt der Menschen,
S. 53-54.
Austausch, Austauschprozeß: Die Bedingungen
 des A., S. 47-49; A. ale
individueller und allgemeingesellschaftlicher
 Prozeß, S.49; seine Ausweitung
 und die Entwicklung des
Gegensatzes von Gebrauchswert und
Wert, S. 50; der unmittelbare A.,
S, 50; beginnt nur an den Punkten
des Kontakts zwischen Gemeinwesen,
S. 50-51; die Entwicklung des A. im
inneren Gemeinleben, S. 51; Ent
stehung der Geldform, S. 51-52; A
als gesellschaftlicher Stoffwechsel
S. 65: A. der Ware und ihr Form-745



wechsel, S. 66-70; Unterschied des
A. von der Warenzirkulation, S. 71.
Australien: Auswanderung nach A,,
S. 217; Pflanzstätte von Wolle für
England, S. 395; Baumwollhandel,
S. 399; Erschließung für den Weltmarkt,
 S. 571; Kapitalismus in A.
S. 700.
Auswanderung: nach Australien und
Amerikain den fünfzigerJahren,S.217,
895; der Maschinenarbeiter in England
 bis 1815 verboten, S. 509; während
der Baumwollnot, S. 510-513; als Export
 der Bevölkerung, S. 548; aus
Irland, S. 637-638; aus Schottland als
Folge der Enteignung der Bauern,
S. 660.
Bäckerei: Verfälschungen in der B,,
S. 180; Lage der B., S. 197-201, 215;
Einführung des Fabrikgesetzes, S. 244
bis 245, 246; Ueberwiegen des variablen
 Kapitals, S. 255; Verlängerung
 des Arbeitstages, S. 258; Brotbereitungsmaschinen,
 S. 320; Sicherheit
 des Resultats, S. 417-418; Konkurrenz
 unter den Unternehmern,
S. 484-485,
Bandmühle: Kampf der Arbeiter gegen
die B., S. 371-372.
Bank (siehe Kredit): Umlauf des
Geldes, S. 74-82; Zahlungsmittel und
Zahlungsmechanismus, 5S, 92-100;
Reservefonds, S. 102; Bankreservoirs,
S. 103; Banken und die ursprüngliche
 Akkumulation des Kapitals,
S. 683-684.
Banknoten (siehe Kreditgeld); S. 96,
97, 108.
Bauarbeiter: Stundenlohn, S, 483,
Bauer: B. und Warenproduktion, S. 8;
Bauernindustrie, S. 41-42; Wirkung
der Verwandlung der Naturalsteuer
in Geldsteuer, S. 98; Expropriation
der B., S. 374, 648-664; B. und die
große Industrie, S. 444-445; Sitten
auf dem Lande, 619, 631; Ruin der
B. durch Expropriation und Scheidung
von Manufaktur und Agrikultur, S.676
bis 677; Schwankungen des Bauernbetriebes
 in England, S, 677; B. und
Kleinbetrieb, S. 689.
Bauernliegen (in Deutschland): S. 662
bis 663,
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        146 ;
Baumwollarbeiter: in England und aut
dem Kontinent, S. 217; während der
Baumwollnot, S. 389, 365; Weber,
S, 328, 357, 361; Lohnabzüge, S, 369;
Unfälle, S. 370; Akkordlohn, S. 489
bis 490; Verschiedenheit der Löhne
in England und auf dem Kontinent,
5. 496-498; Zahl der B., S. 568.
Baumwollindustrie: Vorherrschaft des
Ablösungssystems, S.205, 212; B. und
Sterblichkeit, S. 215-216; als englische
 Musterindustrie durch die
Regelung des Arbeitstages, S. 217:
Konkurrenz der Fabrikanten, S. 219:
B. und Fabrikakt von 1833, S, 227;
Verlängerung des Arbeitstages in
1859 und 1860, S, 242, 246-258; B.
und Abhängigkeit von . Wasserkraft,
 S. 322; B, und Maschine, S. 328;
B. und Produktivität, S. 835; Intensifikation.
 der Arbeit, S. 355; Fortschritt
 der B., S. 360, 362; Zenitjahr
der B., S. 377-878, 392, 393; Krisen
in der B., S. 398-399,
Baumwollproduktion: in Ostindien,
S. 299-800; B. und die Sklaverei,
5. 387; in Kolonien überhaupt. S. 394
Dis 395,
3aumwollnot: Ausbeutung der Arbeiter,
 S. 191-192, 243, 574; öffentliche
 Arbeiten, S. 365; Geschichte
der B., S. 399-402, 510-512, 591-592,
Baumwollweber (Hand-): Untergang
der englischen B., S. 375; in Indien,
S. 375-376, 388, 393-394, 402,
Bedürfnisse: B. und Gebrauchswert,
5.3; Umfang der notwendigen B.
und die Art ihrer Befriedigung ein
historisches Produkt, S. 127,
Bekleidungsindustrie im allgemeinen:
Revolutionierung durch die Großindustrie,
 S. 412-416,
Belgien: Regulierung des Arbeitstages,
3. 226 n; Paradies des kontinentalen
Liberalismus, S, 247; Bezugsquelle
für den englischen Lumpenhandel,
3. 406; Baumwollindustrie in B.,
5.497; belgische Minenarbeiter, S.535 ;
Lage der belgischen Arbeiter, S. 607
bis 608,
Sergbau: Trucksystemin denenglischen
Kohlenbergwerken, S. 130; als extraktive
 Industrie, S, 137. 539: Nacht.

Register.

arbeit der Frauen, S. 206; belgische
Bergarbeiter, S. 247, 585; Zahl der
Kohlenbergwerkarbeiter, S, 387; im
Bergbau überhaupt, S. 390, 568;
VUeberarbeit, S. 406; Identität der
Interessen von Grundbesitzern und
industriellen Kapitalisten in B., S. 4835;
Gesetzgebung und Lage der Bergarbeiter
 in England, S, 436-442;
Nahrung der Bergarbeiter in Südamerika,
 S, 508; Wohnungsverhältnisse
 der Bergarbeiter, S. 601-603;
Regulierung des Lohnes im 17. Jahrhundert,
 S. 670.
3evölkerung: Größe und Dichtigkeit,
ihre Wichtigkeit für die Teilung der
Arbeit innerhalb der Gesellschaft.
5.299; Bevölkerungsgesetz, S. 568-569:
Aenderungen in der Geschlechtsund
 Alterszusammensetzung der B,,
5.578-579; B. und Arbeitslohn, S. 580;
Rate des Zuwachses in England.
S. 586.
Bibel: Parallele aus der B., S. 50.
112, 135, 308, 517, 521, 530, 683.
Bleichereien und Färbereien: B. und
Fabrikakt von 1850, S. 243-244;
Frauenarbeit, S. 244-245; angebliche
Unmöglichkeit einer bestimmten Eßstunde,
 5.813; mechanisch-chemische
Revolution in den B., 8. 828; Sicherheit
 des Resultats in den B., S. 417
bis 418; Ueberzeit in den schottischen
B., S. 482, .
Zoden: Fruchtbarkeit und Differenzierung
 des B, und ihre Bedeutung
für die Entwicklung des Kapitals.
S. 452-453.
Buchbinderei: Entstehung‘ der Manufaktur
 in der B., S. 311; Ueberarbeit.
S. 406; Fabrikakt von 1867, S. 4384;
Frauenarbeit in der Londoner B..
S. 482,
Buchdruckerei: Ueberarbeit in den
Londoner B., S. 406; Lehrlinge in
der B., S.426-427; Fabrikgesetz, S.434;
Vorherrschaft des Stücklohnes, 8.486.
zürgerliche Oekonomie: b. Oe. in
Deutschland, S. XLIII-XLIV; b. Oe.
und die Geldform, S. 15; b. Oe. und die
Aequivalentform, S. 23; Kategorien
der b. Oe., S. 39-40; ihr Fetischismus,
3.46; ökonomische Apologetik. 8. 73:
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Sachregister.

Verdrängung der Arbeiter durch die
Maschine, S. 385-386, 391; b. Oe. und
Mehrarbeit, 5.467; vernachlässigt die
Formunterschiede, S. 478; b. Oe. und
Arbeitsfonds, 5.504; individuelle Konzumtion
 des Arbeiters, S. 508; Ursprung
 des Kapitals, S. 517; erklärt
Akkumulation als erste Bürgerpflicht,
5. 523; Verdienste der vergangenen
Arbeit, S. 544; Lohnerhöhung, S. 556
bis 557; Krisen, S. 571.
Ohartismus, Charter: Seit 1838 der
politische Wahlruf der englischen
Arbeiter, S. 2830; Höhepunkt der
Chartistenbewegung im Jahre 1847,
S. 231; Mißerfolg der Chartistenpartei,
 S. 2338.
Zhemie: schafft neuen Kapitalstoff und
lehrt die Abfälle ausnutzen, S. 541,
Zhemische Industrie: Rolle des Gefäßsystems
 der Produktion in der ch. [,,
S. 136; Hauptstoffe und Hilfsstoffe in
der eigentlichen ch. L., S. 137; Kinderarbeit
 in der ch. L., S. 406.
7hina: Anspielung auf den Taiping-Aufstand
 in der ersten Hälfte der
fünfziger Jahre, der zeitlich mit der
Mode des Tischrückens in Europa
zusammenfällt, S. 35; Nachfrage nach
Silber, S. 58 mn, 89; chinesische
Reichsassignaten, S. 85 n; Mangel an
Landarbeitern, S. 276; Papiermanufaktur
 in C., S. 8326; Opium in C.,,
5. 343, 680; Baumwollhandel nach C,,
S. 398, 588, 681; chinesische Konkurrenz,
 S. 536.
YHearing of Estates (Lichten der Güter):
DerletztegroißeExpropriationsprozeß
der Ackerbauer, S. 659-662,
Ourrency-Schule: Erwähnt S. 556,
Degeneration: Notwendige Folge einer
unbeschränkten kapitalistischen Ausbeutung,
 S. 217-218, 690.
Deismus: eine in England im 17. und
18. Jahrhundert herrschende Richtung,
 die an Stelle der historischen
Religionen eine Vernunft- und Naturreligion
 setzen wollte. Erwähnt 5.42.
Neutschland: Entstehung der Leibeigenschaft,
 S. 186; abnehmendes Soldatenmaß,
 S. 188-189; Zufuhrquelle
billiger Arbeitskräfte für England,
5, 200, 215; preußischer Fabrik-747



arbeiter, S. 217; Lage der Arbeiter
im 18. Jahrhundert, 5. 229; Erfindung
der Windmühle und der Streit zwischen
 Adel und Pfaffen, S., 819;
Kruppsche Gußstahlfabrik, S. 835;
Bandmühle und Kampf gegen diese,
S. 372; Expropriation der Bauern,
3. 8374; Bezugsquelle für den englischen
 Lumpenhandel, S. 406; Baumwollindustrie
 in D., S. 496-497; Bauern
 in Schlesien im 18, Jahrhundert,
S. 648, 662-663; Gesetze zur Niederhaltung
 des Arbeitslohnes nach dem
Dreißigjährigen Krieg, S. 669; Vernichtung
 der Hausindustrie, S. 675,
Dialektik: Hegelsche D., S. XLVIL 257,
532n; D. des Eigentumsrechts, S. 519.
529,
Dienstboten: D.und Kapitalismus, 5.389
bis 890,
“Xenste (Theorie der): als Quelle des
Mehrwertes, S, 147; als Quelle des
Wertes, S, 159.
Nreißigjähriger Krieg (1618-1648): Verminderte
 mit den Menschen zugleich
ihre Produktionsmittel, 5.637; Bauernlegen
 nach dem D. K., S. 662; Gesetze
 zur Niederhaltung des Arbeitslohnes
 nach dem D.K., S. 669.
Druckerei, Kattundruckerei: Gesetz
über D., S. 242-243; mechanisch-chemische
 Revolution in der D., S. 328;
Maschinendruckerei, S. 3835-386;
Schulbesuch der Kinder, S. 346; Ein-{ührung
 der Maschinerie infolge von
Streiks, S. 380; Sterblichkeit der
Drucker, S. 408; Zahl der Drucker,
S. 568,
Kigenschaften (der Dinge): Die Entdeckung
 der E. und Gebrauchsweisen
der Dinge eine geschichtliche Tat,
S. 3-4; entspringen nicht aus dem
Verhältnis zu andern Dingen, sondern
betätigen sich vielmehr nur in solchem
Verhältnis, 5, 28,
Jigentum: Dialektik des Eigentumsrechts,
 S, 519, 529,
sinhegungen (von Gemeindeländereien):
 S. 656-659,
isenbahnwesen (Eisenbahnarbeiter).
Ueberarbeit und Unfälle, S. 201-202;
Eisenbahnen und Großindustrie,
S. 328; Zahl der Eisenbahnarbeiter,
        <pb n="793" />
        748

S. 389; E. und Saisonarbeit, S. 420;
Eisenbahnbau und Löhne, S. 498;
Länge der Eisenbahnen in England,
S.587-588; Wohnungsverhältnisse der
Eisenbahnbauarbeiter, S. 600-601.
England: Klassische Stätte des Kapitalismus,
 S. XXXV; Silberexport nach
Indien und China, S. 89; Verbreitung
der einfachen Arbeit in E., S, 152n;
Industriezweige ohne gesetzliche
Schranken der Ausbeutung, S. 192
bis 204; das Ablösungssystem in der
3nglischen Baumwollindustrie, S. 205
dis 212; Zwangsgesetze zur Verlänzerung
 des Arbeitstages, S. 219-226;
Kampf um den normalen Arbeitstag;
S. 226-233; englische Arbeiter als
Preisfechter des internationalen Proletariats,
 S.247; Geschichte der Manufaktur
 in E., S, 283-286; Teilung der
Arbeit nach Landstrichen in E,, S. 800;
Lehrlingsgesetze in E., S. 814; Klagen
über den Disziplinmangel der Arbeiter,
 S. 815; maschinenmäßige
Fabrikation der Werkzeuge in E,,
3. 818; Geburtsort der großen Industrie,
 S, 321; Bedeutung der Wollmanufaktur
 in E., S. 8324; bietet das
Muster der automatischen Papier-Jabrikation,
 S. 326; Grenzen der Anwendung
 der Maschinerie in E,,
S. 337-388; Sterblichkeit in E,,
S. 342-343; gleichzeitige Verlängetung
 des Arbeitstages und wach:
sende Intensität der Fabrikarbeit,
S. 358; Intensifikation der Arbeit
nach der Verkürzung des Arbeitslages,
 S. 356-360; Fortschritt der
englischen Industrie, S, 360-362;
Bandmühle in E., S, 372; Landdiebstahl
 und die große Agrikultur,
5. 374; Ruin der englischen Handbaumwollweber,
 S. 375; englische
Baumwollindustrie unter dem Ein-Auß
 des amerikanischen Bürgerkrieges,
 S. 377-878; Zahl der Bergarbeiter,
 Maschinenproduzenten und
Eisengießer, S. 882; in den Verkehrsgewerben,
 S. 389; der Dienstboten,
S. 8389-390; Baumwolleinfuhr nach
E., S. 395; Kornimport, S. 395-896,
897; Stapelplatz für den Lumpenhandel
 der ganzen Welt, S. 406;

Register,

moderne Hausarbeit in E., S. 408-412;
Revolution in der englischen Bekleidungsindustrie,
 S. 413-416; Verallgemeinerung
 der Fabrikgesetzgebung
 in E., S. 422-443; Agrikultur
 und große Industrie in E,,
5. 444-446; natürlicher Reichtum an
Arbeitsmitteln, 5.451; Lohnsteigerung
von 1799 bis 1815, S. 465-466;
Sweatingsystem in E. S. 488-489;
Arbeitslöhne in E., S. 496; Baumwollindustrie,
 S. 497-498; Landarbeiter
 Ende des 18. Jahrhunderts,
3. 537-588; „unproduktive“ Arbeit
und relative Uebervölkerung, S. 574;
E. von 1846 bis 1866, S. 585-591;
Lage der schlechtbezahlten Schichten
der Arbeiterklasse, 5. 591-600;
Wanderarbeiter und Bergarbeiter
in E., S. 600-604; das britische Ackerbauproletariat,
 S. 608-631; Land entwickelter
 kapitalistischer Produktion
und vorzugsweise industriell, S. 635;
bietet die klassische Form der Geschichte
 der ursprünglichen Akkumulation,
 S. 647; Expropriation des
Landvolkes, S. 648-664; Blutgesetzgebung
 gegen die Expropriierten,
5.664-672; der kapitalistische Pächter,
5. 672-674; Herstellung des inneren
Marktes, S. 674-678; Erklärung einer
Eigentümlichkeit der englischen Geschichte,
 S. 677; der industrielle
Kapitalist, S. 678-691,
rde: Urbildner des Reichtums, S, 10
bis 11, 5839, 575; der allgemeine
Gegenstand der menschlichen Arbeit,
5. 134; E. als Arbeitsmittel, S. 185.
Erfindung (Entdeckung): E. gesellschafticher
 Maße, S. 3-4; E, und die Handwerksperiode,
 S. 295,430; Erfindungsgenie
 der Kapitalisten, S. 811; E.
kein Produkt eines einzelnen Individuums,
 S, 817; angespornt durch
Streiks, S. 379-380; verwandeln sich
später in Schranken des Produktions-Prozesses,
 S. 559.
örziehung: E. und die Fabrikgesetze,
S. 344, 424; Möglichkeit der Verbindung
 von Unterricht und Gymnastik
mit Handarbeit, S. 424-425; Arbeitsschule
 der Zukunft, S. 429-430; Ko8-dukation
 der Geschlechter. S. 431.
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Sachregister,

Eskimos: Handelssitten, S. 57.
Etrusker: Theokratie bei E. als Eigentümerin
 der Produktionsmittel, S. 184
bis 185; einfache Kooperation, S. 281.
Europa: bestimmend für Amerikas
ökonomische Entwicklung, S. 895;
Konzentration in E. im Vergleich mit
Amerika, S. 403 n; E. und China in
bezug auf Löhne, S. 536; Kartellwirtschaft
 in E., S. 564; feudale Produktion
 in E., S. 648-649; Blutgesetzgebung
 wider Vagabunden in ganz
Westeuropa, S. 664; Handelskrieg
der europäischen Nationen im 16.
und 17. Jahrhundert, S. 679-680;
öffentliche Meinung von E. und
kapitalistische Produktion, S. 687:
verhüllte Sklaverei in E. — Grundlage
 der unverhüllten Sklaverei in
der neuen Welt, S. 688; Westen E.
als Heimatsland der politischen
Oekonomie, S. 692; Auswanderung
aus E., S. 700.
Yxkremente des Arbeitsprozesses: Ihre
Verwendung, S. 159; E. und der
Akkumulationsprozeß des Kapitals,
S. 540-541.
Expropriation: des Landvolkes von
Grund und Boden als die Grundlage
der Entwicklung des Kapitalismus.
S. 647, 648-664; E. der unmittelbaren
Produzenten und E. der Expropriateure,
 S. 689-691.
Fabrik: auf Maschinenbetrieb gegründete
 Werkstatt, S. 323; in ihrer ausgebildetsten
 Gestalt, S. 363-371; charakterisiert
 durch die Unterordnung
der Arbeiter unter den automatischen
Mechanismus, S. 263; Nivellierung
der Arbeiten, S. 264; Scheidung
zwischen Maschinenarbeitern und
Handlangern, S.364; frühzeitige Anlernung
 des Arbeiters, S. 364-365;
in der Fabrik dient der Arbeiter der
Maschine, S. 366; Vollendung der
Scheidung der geistigen Kräfte des
Produktionsprozesses von der Handarbeit,
 S. 367; Fabrikdisziplin, S. 367
bis 368; F. als Zuchthaus, S. 369
bis 371; wesentliche Bedingung des
Fabrikbetriebes — Sicherheit des
Resultats und Unterbrechungsfähigkeit
 der Arbeit, S. 417-418.

749

Fabrikinspektion (siehe Horner): Wächter
 des Fabrikgesetzes, S. 189; Kampf
der F, gegen das Ablösungssystem,
S. 229-230; Zahl der Fabrikinspektoren,
 S, 435; Mineninspektion, S. 440
bis 442,
Falsifikation (Fälschung von Waren):
Brotverfälschung, S, 197-198; Chevallier
 über die F., S, 198 n; F. von
Lebensmitteln, S, 537,
Familie: Teilung der Arbeit innerhalb
der F., S. 41, 298; F. und Stamm,
S. 238 n; Auflösung der F. in der
kapitalistischen Gesellschaft, S, 430:
historischer Charakter der F,, S. 431:
Größe der F. und Arbeitslohn, S. 580.
Fenier: irisch-amerikanische terroristische
 Partei, die sich die gewaltsame
 Lostrennung Irlands von England
 als Ziel setzte (in den sechziger
 und siebziger Jahren), S. 644
Fetischismus: von der Warenproduktion.
 unzertrennlich, S. 36; Fetischcharakter
 der Ware, S. 85-47; der
gegenständliche Schein der gesellschaftlichen
 Arbeitsbestimmungen,
S. 46; Geldifetisch und Warenfetisch,
S. 55.
Feudale Gefolgschaften: Auflösung der
f. G. als eine Ursache der Vermehrung
 der Proletarier, S. 649.
Flachsindustrie: Arbeit in den Flachsspinnereien,
 S. 178-179; F. und Fabrikakt
 von 1833, S. 277; Verlängerung
 des Arbeitstages, S. 246; Aussonderung
 der F. in der Fabrikstatistik,
 S. 358-359; Export 1848
bis 1865, S. 362; Zahl der Arbeiter.
S. 398; in Irland, S. 423.
Frankreich: Gold-Ein- und -Ausfuhr
in den fünfziger Jahren, S. 58 n:
französische Kriegsanleihe 1871-1873,
S. 102 n; abnehmendes Soldatenmaß,
S.188-189; Arbeitergesetze, S.219,491;
französisches Zwölfstundengesetz,
S. 225-226, 227; Juniinsurrektion 1848
und ihre Folgen, S. 233; Arbeiterschutzgesetzgebung,
 S. 247-248; Iranzösische
 revolutionäre Methode,
S. 248, 444; Seidenspinnerei in Lyon
und Nimes, S, 284; Erzverarbeitung in
F. gegen Ende des 16. Jahrhunderts,
S. 295; Klage über Disziplinmange!
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        750

der Manufakturarbeiter, S. 315; im
18. Jahrhundert Muster der eigentlichen
 Papiermanufaktur, 58, 826;
französische Erfindungen des 18. Jahrhunderts
 nur in England ausgebeutet,
 S. 887; französische Handelsver-‘räge
 von 1860, S. 899; Lumpenzuiuhrquelle
 für England, S. 406;
Baumwollspinnerei in F,, S. 497;
Lage der französischen Arbeiter im
48, Jahrhundert, S. 585-536; kapitalistische
 Produktion in der Agrikultur,
 S, 627; Wirkungen deı
schwarzen Pest in England und F.,
5.636-637; Armengesetze in F. im 16.
und 17. Jahrhundert, S. 658 n; Gesetzgebung
 gegen Vagabunden, S. 667:
Gesetzgebung über die Lohnarbeit,
5. 668; Koalitionsgesetzgebung in F.,
S. 671-672; Rolle der Vermittler bei
der Verwandlung des Feudaleigentums
 in kapitalistisches, S, 674; Fıs
Stellung in der Entwicklung des
Kapitalismus, S. 680; als Musterstaat
des Protektionismus, S. 685,
"rauenarbeit (Weiberarbeit): in der
Töpferei, S. 193-195; in der Putzmacherei,
 S. 203-205; das Gesetz vom
7. Juni 1844, S. 2380-231; Zehnstundenbill
 und die F., S. 232-245; in maschinenmäßigen
 Betrieben, S. 339
bis 346; Verlängerung des Arbeitstages,
 5.347; in den Bergwerken,
S. 438-440; Rolle der F. in der Bestimmung
 des Arbeitslohnes, S. 494;
in der Agrikultur, S, 615, 628-631.
Freihandelsschule: S. 26; F, und Zirkulation
 des Geldes, S, 72; Anschauungen
 über die kapitalistische
Gesellschaft, S. 132,
Fronarbeit: F. und Tauschwert, S. 185;
F. und Leibeigenschaft, S. 186; F, und
Mehrarbeit, S, 475; F. und Lohnarbeit,
 S. 504.
Gang- oder Bandensystem: in der
Landwirtschaft, S. 343, 628-631.
Tasindustrie: Entwicklung und Zah!
der Arbeiter, S. 389,
GHebrauchswert: Geschichtlicher Charakter,
 S. 3; Nützlichkeit als Grundlage,
 S. 4-5, 9; quantitative Bestimmtheit
 als Voraussetzung, Material der
Warenkunde, stofflicher Inhalt des

Register,

Aeichtums, Träger des Tauschwertes,
3.4; ein’ Ding kann G. sein, ohne
Wert oder Ware zu sein, aber ohne
G. kann kein Ding Wert sein, gesellschaftlicher
 G., S. 8; Verbindung
von Naturstoff und Arbeit, S. 10; Naturalform
 der Ware, 8. 14; realisiert
sich ohne Austausch, S. 47; GG. der
Produktionsmittel, S. 159.
teld: Entstehung von der bürgerlichen
Oekonomie nicht nachgewiesen, 5. 15;
Uebergang aus der allgemeinen
Wertiorm zur Geldiorm, 8. 38-34;
Gehalt des G., S, 34-85; verschleiert
den gesellschaftlichen Charakter der
Privatarbeiten. S. 839; geschichtliche
Bedingungen der Verwandlung einer
Ware in G., 5. 49-52; Produkt des
Austauschprozesses, S. 50; G. bei
Nomadenvölkern, S. 51; Sklaven als
G., 5. 52; Grund und Boden als G.,
S. 52; edle Metalle als G., S. A2;
nur der an einer Ware festhaftende
Reflex der Beziehungen aller andern
Waren, 5.52; G. als bloßes Zeichen,
S. 53; Wert des G., 8. 54; Magie des
G., S.55; G. als Maß der Werte,
S. 56; hat keinen Preis, 5.57; G. als
Wertmaß nur vorgestelltes G., S. 57;
G. als Malßstab der Preise, S. 59;
Einfluß des Wertwechsels des Goldes,
S. 59-60; Metallgeld, S. 61; Rechengeld,
 S. 62; Umlauf des G., G. als
Zirkulationsmittel, S. 74-82; Quantität
 des G. als Zirkulationsmittel
durch die Preissumme bestimmt,
5.77; Einfluß der Umlaufsanzahl der
Geldstücke, S. 78; der Schein des
verlangsamten Geldumlaufs, S, 79;
Faktoren, die das Gesamtquantum
des G. als Zirkulationsmittel beein-Dussen,
 S. 80-82; als Münze, S. 83-85;
Papiergeld, S. 85-88; weitere Funktionen
 des G. als Schatz, S. 88-92;
als Zahlungsmittel, S. 92-100; als
Weltgeld, S. 100-108,
zeldfälschung: der Fürsten, S.53n, 61.
zeldwesen: Geschichte des englischen
G., S.58n, 592.
7emeineigentum: Keine spezifisch slawische
 Form, S. 41; in den Donaufürstentümern,
 S. 186-187; Auflösung
des orientalischen G.. 8. nu: das
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8
pe

y

Sachregister.

indische G., S. 304-305; Diebstahl
des G., S. 655-664.
zerichte, englische: Grand Jury, S. 200
bis 201; County magistrates als Patrimonialgerichte
 der herrschenden
Klassen, S. 237; Court of Exchequer,
5. 289 u.n; Court of Common Pleas,
5.244 n; G. und Kontraktbruch, 5.368
bis 369; Totenschau-Schwurgerichte,
3.440; G.und die verjährten Gesetze
über „Konspirationen“, S. 671,
zesetz: als Produkt der materiellen
Produktionsverhältnisse, S. 552.
Tesetz (in der Wissenschaft): Naturgesetze
 der kapitalistischen Produktion,
 5. XXXVII, XXXVIIL; G. und
ewige Ideen, S. 48.
Zesundheitsklauseln (in der Fabrikgesetzgebung):
 Ihre Unzulänglichkeit,
S. 422-423; über einen gewissen
Punkt hinaus schließt der Kapitalismus
 jede rationelle Verbesserung
aus, S. 423-424.
Getreidemühlen: An.G. läßt sich die
Entwicklung der Maschinerie verfolgen,
 S. 295n.
Zewalt: Rolle in der wirklichen Geschichte,
 S. 645; Geburtshelfer und
ökonomische Potenz, S. 680.
Zewerkschaften (Trades-Unions): G.und
Kampf gegen Maschinen, S. 493-494;
organisieren ein planmäßiges Zusammenwirken
 zwischen den Beschäftigten
 und Arbeitslosen, S. 578;
Gesetzgebung gegen die G.. 5. 670
bis 672.
lasmacherei: Nachtarbeit, S. 206, 208;
Kinderarbeit, S. 212, 296, 433; Sonnlagsarbeit,
 S. 218, 246; Manufaktur
von Glasflaschen, S. 293-294; Maschiaerie
 durch Streiks befördert, S. 379;
Fabrikgesetz von 1867, S. 434,
Gleichheit: Begriff der menschlichen G.,
S. 25-26; als bürgerliche Illusion,
S. 131-1392, 476.
Grundeigentum: Grund und Boden als
Geld, S. 52; Gegensatz zwischen G.
und Geld, S. 104; Geschichte des
Privalgrundeigentums, 3. 648-664.
Handelsarbeiter: Sonntagsarbeit in
Fisch- und Geflügeiläden, S. 218,
Handelsvertrag, Iranzösisch-englischer
von 1860. epochemachend für den

751

Freihandel. England verzichtete auf
alle Schutzzölle, Frankreich setzte die
seinen sehr herab. Erwähnt S. 399,
Tandschuhfabrikation: als Zweig der
Bekleidungsindustrie, S. 413-416;
Kinderarbeit, S. 433; Fabrikgesetz,
5. 443-444; Nahrungszustand der
Handschuhmacher, S. 592-593.
Tandwerk: bleibt die Grundlage der
Manufaktur, S. 285, 314; Vererbung
des Sondergeschicks bei den Handwerkern,
 S. 287; Entdeckungen der
Handwerksperiode, S. 295; RevolutHionierung
 des H. durch die große
Industrie, S. 403-421.
Harmoniker (siehe Carey): Oekonomisten,
 die, wie Carey, die Harmonie
der Interessen der Kapitalisten und
der Arbeiter predigen, S. 169.
Taushalt (des Fabrikarbeiters) : Wachstum
 der Geldausgaben infolge Verminderung
 der häuslichen Arbeit,
S. 340.
Yungersnot:in Ostindien infolge schlechter
 Verkehrsverhältnisse, S, 299-300;
Mangel an ‚.Wasserzufuhr, S. 453; in
Irland, S, 637, 643; Ausnutzung der
H. in Ostindien durch die Regierung,
5, 681.
YTungertod: Zunahme in London, S. 591,
{utmacherei: als Zweig der Bekleidungsindustrie,
 S, 414-416; Kinderarbeit,
 S. 433; Zahl der Hutmacher,
5. 568.
'’ndien, Ost-: Das indische Gemeineigentum,
 S. 41, 187, 304-305; Nach-{frage
 nach Silber, S. 58, 89, 92; Baumwollproduktion,
 S. 299-800, 395;
Dichtigkeit der Bevölkerung, S. 299;
Papierfabrikation in O,-I., S. 826;
Opium, S. 343; Ruin der Baumwollweber
 in O.-I., S. 375-376, 386 n,
393-394, 402; Baumwollhandel, S. 398
bis 399, 400, 510, 588; Wasserregelung
n 0.-I, 5. 453; Ueberwiegen der selb-;tändigen
 Produktion in O.-1., S, 534;
Vergleich zwischen indischen und
anglischen Spinnern, S. 541; Eroberung
 von O.-I. als Moment der ursprünglichen
 Akkumulation, S. 679;
ex.ylisch-ostindische Kompanie und
die Behandlung der Eingeborenen
in 0.-L. SS. 681-689
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        752 .
Indien, West-: Agrikultur und Sklaverei
in W.-LI., S. 215; Behandlung der Eingeborenen,
 S. 681; Ausfuhr von
Sklaven nach W.-I., S, 687, 688.
Industrie, große: Ihre Geburt — im
letzten Drittel des 18. Jahrhunderts,
S. 226; Maschinerie und g. I., S. 815
bis 830; erst in der g..I. lernt der
Mensch das Produkt seiner vergangenen
 Arbeit gleich einer Naturkraft
umsonst wirken lassen, S. 882; ihr
Ausgangspunkt — die Revolution
des Arbeitsmittels, S. 338; Wirkungen
der g. I, S. 339-371; Revolutionierung
 von Manufaktur, Handwerk
und. Hausarbeit durch die g. I,
S. 403-422; Bildungselemente einer
neuen und Umwälzungsmomente der
alten Gesellschaft in der g. I., S. 425
bis 448; g. I. und Agrikultur, S. 444
bis 446; Herstellung des inneren
Marktes und radikale Vernichtung
des häuslich-ländlichen Gewerbes,
S. 674-678,
Industrielle Revolution (im 18. Jahrhundert):
 Ihr Ausgangspunkt die
Werkzeugmaschine, S. 317-320.
Intensifikation der Arbeit (Verfahrungsweisen,
 die eine erhöhte Anspannung
der Arbeitskraft bewirken): Fortschritt
 des Maschinenwesens und I..
S. 353-354; umgekehrtes Verhältnis
zwischen Wirkungsfähigkeit der Arbeitskraft
 und ihrer Wirkungszeit,
5. 354-355; Einfluß des moralischen
Elements, S. 355-356; durch erhöhte
Geschwindigkeit und Zahl der Maschinen,
 S. 356; Verkürzung des Arbeitstages
 und die I., S. 856-858;
[. und der Fortschritt der englischen
Industrie, S. 359-362; I. und Stück-John,
 S. 489-490,
Intensität der Arbeit: Normale I., S.457;
wachsende I., S. 461; I. bei verschiedenen
 Nationen, S. 467, 496-497;
Wachstum der I. von 1799 bis 1815,
S. 465; mit gleichzeitiger Verkürzung
des Arbeitstages, S. 466-467,
Internationale Arbeiterassozialion: Genfer
 Kongreß der I. A. und der Achtstundentag,
 S. 249,
Internationalisierung (des Kapmitalismus):
 S. 690.

Register.

'rland: Agitation der Bäckergesellen,
5.200-201; Entvölkerung in 1., S.217n;
Baumwollindustrie unter dem Ein-Auß
 des amerikanischen Krieges,
S. 378-379; Ueberzähligmachung der
Bevölkerung, S. 387; Hausarbeit in I,
S. 405; Flachsindustrie in I., S. 4238;
Vergleich zwischen dem englischen
und irischen Landarbeiter, 5. 615
bis 616, 632-644; Bauernlegen in [,,
5.659; Ausrottung der irischen Wollmanufaktur,
 S. 685.
"talien: Anwendung der Maschinen
zum Vorspinnen, S, 817; Lumpenzufuhrquelle
 für England, S. 406;
Wasserregelung in der Lombardei,
5.453; Entwicklung des Kapitalismus
in I, S. 647-648; Ursprünge des
öffentlichen Kredits in Venedig und
Genua, S. 682; Venedig als Geldleiher
 Hollands, S. 684,
Jagd: erste Form der Kooperation.
S. 281.
/apan: Wahrscheinliche Wirkungen des
auswärtigen Handels, S. 99; Kreislauf
 des Lebens in J. im Vergleich
mit England, S. 624; J. als Bild des
europäischen Mittelalters, S. 649,
Java: Baumwollproduktion, S. 385;
holländische Kolonialwirtschaft aufJ..
S. 680-681,
Jobagie: Dienstleistungen der Bauern
in den Donaufürstentümern. S. 187
bis 188.
Juden: Handelsvolk, S. 42,
Justiz, kapitalistische: Stellung gegenüber
 Eigentümer und Arbeiter bei
Expropriationen im öffentlichen Interesse,
 S. 597.
Kaffer: Kriterium des Reichtums, S.57,
Kannibalen: Statistische Angaben,
S. 450.
Kapital: Sein Ausgangspunkt — die
Warenzirkulation, S, 104; Geld —
seine erste Erscheinungsform, S. 104;
Kaufmannskapital und Wucherkapital,
 S. 104; Zirkulationsform des
Geldes als K., S. 104-106; vorgeschossenes
 Geld, S. 106; Tauschwert
als treibendes Motiv des K., S. 107;
seine Bewegung — maßlos, S. 109;
verschiedene Definitionen des K.,
8.111; das Problem derVerwandlung
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        I,

15
I.

Sachregister,

des Geldes in K., seine Bedingungen,
S. 113-122; Teilung in konstantes
und variables K., S. 153-162; Wertrevolution
 der Bestandteile des konstanten
 K., S. 162-163; Einfluß eines
Wechsels in der Proportion zwischen
konstantem und variablem K., S. 163
bis 164; angewandtes und vorgeschossenes
 konstantes K., S. 164-165;
vorgeschossenes variables K., 5.251,
254; organische Teilung des K.,,
S. 274-285; Minimum des K., S. 256
bis 258, 278, 806; allgemeine und
notwendige Tendenzen des K. und
ihre Erscheinungsformen, S. 264-265;
Oberbefehl in der Industrie — Attribut
 des K., S. 278-280; Konzentration
 der geistigen Potenzen der Produktion
 auf seiten des K., S. 308;
K. und Wissenschaft, S. 330-331; Akkumulations-
 und Reproduktionsprozeß
 des K., S. 500-548; fixes und
zirkulierendes K., S. 547; Zusammensetzung
 des K., S. 548-550; Konzentration
 des K. und seine Zentralisation,
 S. 557-566; Wechsel in
der Zusammensetzung des K., S. 566
bis 578; ursprüngliche Akkumulation
des K., S. 644-691; ein durch Sachen
vermitteltes gesellschaftliches Verhältnis
 zwischen Personen, S, 693.
Kapitalismus, kapitalistische Produkfionsrveise:
 Reichtum, ungeheuere
Warensammlung, S. 3; Welthandel
und Weltmarkt als seine Geburtsstätten
 im 16. Jahrhundert, S. 104;
K. in der antiken Welt, S. 128 n;
historische Kategorie, S. 125-126;
das Charakteristikum des K. — die
Verwandlung der Arbeitskraft in
Ware, der Arbeit in Lohnarbeit,
S. 126 n; Einheit von Arbeitsprozeß
und Verwertungsprozeß, S. 150-151;
Widerspruch der kapitalistischen
Produktion, S. 166; der historische
Ausgangspunkt der kapitalistischen
Produktion, S. 269-270; entwickelt
sich historisch im Gegensatz zur
Bauernwirtschaft und zum unabhängigen
 Handwerksbetrieb, 5. 282;
Grundform der kapitalistischen Produktionsweise
 — Kooperation, S. 282
bis 283; über einen gewissen Punkt
Das Kapital. I

758
hinaus schließt jede rationelle Verbesserung
 aus, S. 423-424; als allgemeine
 Form des Produktionsprozesses,
 S, 449; Produkt eines langen
 Entwicklungsprozesses, S.451; gemäßigte
 Zone das Mutterland des K.,
5.452; Ausbeutung der Massen, 5.467;
reproduziert immer die Scheidung
zwischen Arbeitskraft und Arbeitsbedingungen,
 S. 513-514 (vergleiche
Akkumulation); das Wesen des K.
in Kolonien enthüllt, S. 691-700,
Kapitalist! personifiziertes Kapital,
S. 110, 182; hat mit dem Schatzbildner
 den absoluten Bereicherungstrieb
 gemein, S.110-111; Unterschied
zwischen ihnen, S. 111 u.n.; seine
Funktion im Arbeitsprozeß, S, 140
bis 141; im _Verwertungsprozeß,
3, 146-147; nimmt den Arbeitsprozeß,
wie er ihn vorfindet, S. 140, 197, 258;
rücksichtslos gegen Gesundheit des
Arbeiters, S. 218-219, 235; die Widerspiegelung
 des Verhältnisses zwischen
toter und lebendiger Arbeit im Bewußtsein
 des K., S. 259-260; K. und
die Wissenschaft, S. 331n.
Xartelle (Trusts) ; als Form und Hebel
der beschleunigten Zentralisation des
Kapitals, S. 563-564,
Kasten: Das Naturgesetz ihrer Bildung,
S. 286-287; K. und Platos Republik,
S. 314.
Kategorien(der politischen Ogkonomie):
gesellschaftlich gültige, also objektive
Gedankenformen für dieProduktionsverhältnisse
 der Warenproduktion,
S. 39-40, 45; tragen ihre geschichtliche
 Spur, S. 125, 645-646, 698,
Katholizismus: und Mittelalter, S. 46,
KXaufmanns- (Handels-) Kapital: erste
historische Erscheinungsform des
Kapitals, S.104; Formel des K., 8.1 12,
120; K. und die Zünfte, S. 805-806.
als Parasit im Mittelalter, S. 449; K;
und der Feudalismus, S. 679.
Kinderarbeit: Halbzeitler, S. 191-192;
K. in der Töpferei, S. 193-195; K, im
17.Jahrhundert, S. 221-222; Regelung
in den Vereinigten Staaten, S. 220 n;
Kampf um die Herabsetzung des
Kindesalters, S. 229-230; nach dem
Gesetz von 1844, S. 235; K. in den
Ag
        <pb n="799" />
        754

Seidenfabriken, S. 240-241; in den
Bleichereien und Bäckereien, S. 244
bis 245; in maschinenmäßigen Betrieben,
 S. 339-346; Verlängerung
des Arbeitstages, S, 347; K. und Unglücksfälle,
 S. 365; Kommission zur
Untersuchung der K., S. 433-485;
K. in den Bergwerken, S. 436; Rolle
der K. in der Bestimmung des Arbeitslohnes,
 S, 494; die Formalität
des Selbstverkaufs, S. 514; K. und
Gangsystem, S. 628-631; Kinderraub
bei der Geburt der Großindustrie.
5. 685-687.
Klassenkampf: in England und Frankreich
 im. 19. Jahrhundert, S. XLII
bis XLIII; in der antiken Welt,
S. 98; K. und der Normalarbeitstag,
5. 219, 247; K. und Fabrikgesetzgebung,
 S. 231, 250; K. und Pauperismus,
 S. 590.
Klassische politische Oekonomie: Zur
Geschichte der k. p. O0. in England,
S. XLI-XLII; Unterschied zwischen
der Arbeit im Wert und der Arbeit
im Gebrauchswertnicht klar, S.43-44;
Grundmangel der k.p.O0., S.44; Definition
 der k. p. 0. im Unterschied von
der Vulgärökonomie, S. 45; k. p. 0.
und Gesetz der gleichen Profitrate,
S.255; Teilung der Arbeit, S.311-312;
k. p. O. und Philosophie, S. 885;
AuffassungdesproduktivenArbeiters,
S. 448; Formeln für die Rate des
Mehrwertes, S, 467; Preis der Arbeit,
S. 474, 478; irrige Auffassung der
Reproduktion, S, 523-526; Akkumulation,
 S. 530-581, 534, 542-543; betrachtet
 das Kapital als fixe Größe,
5. 545; vwariables und konstantes
Kapital, S. 547; Wachstum des Proletariats,
 S, 550; aus der Geschichte
der k. p. O., S. 552-554; Gesetz der
Abnahme des relativen Kapitals,
5. 568-569,
Kolonialpolitik: als Moment der ursprünglichen
 Akkumulation, S. 680
bis 682,
Kolonisationstheorie: Das Geheimnis
der kapitalistischen Produktion in
den Kolonien, S. 691-700. .
Kommunismus: Verteilung der Arbeit
und der Produkte, S. 42: K. und Ma-Register.



schinerie, S. 337; Allgemeinheit der
Arbeit, S. 467; Negation der kapitalistischen
 Produktion, S. 691. (Vgl.
Sozialistische Gesellschaft.)
Konkurrenz: Wissenschaftliche Analyse
der K., S. 265-266; K. und Preis der
Arbeit, S. 484; K, und die Gesetze
derkapitalistischen Produktion, S.114,
528; internationale K., S. 536; K. als
Hebel der Zentralisation, S. 563-564;
K. als Förderer der Fabrikgesetzgebung,
 S. 219, 230, 240, 432-433.
Konsumtion: In der Sphäre der K.
dienen alle Waren als Lebensmittel
oder Produktionsmittel, S. 74; Unterschied
 zwischen produktiver und individueller
 K., S. 139, 501-502, 507-508;
individuelle K. der Arbeiterklasse als
Moment des Reproduktionsprozesses
des Kapitals, S. 509,
Konzentration des Kapitals: beruht auf
der Akkumulation oder ist vielmehr
mit ihr identisch, S. 562; ihre Durchkreuzung
 durch andere Faktoren,
S. 562-563; ein anderer Ausdruck für
die Reproduktion auf erweiterter
Stufenleiter, S. 564; vermindert den
Grad, worin die Produktionsmittel
die Beschäftigungsmittel der Arbeiter
sind, S. 565-566.
Kooperation: zunächst bloß quantitativer
 Unterschied von der Hanwerksindustrie,
 S. 269-270; Wirkungen der
K.: Verwandlung der individuellen
Arbeit in Arbeit von gesellschaftlicher
 Durchschnittsqualität, S. 270
bis 272; Oekonomie der Produktionsmittel,
 S. 272-273; Definition der K.,
5.278; Schaffung einer neuen gesellschaftlichen
 Produktivkraft, S. 273;
Spannung der Lebensgeister, S. 273
bis 274; drückt den gleichartigen
Verrichtungen den Stempel der Kon-Hinuität
 und Vielseitigkeit auf, S. 274
bis 275; macht in kritischen Momenten
der Produktion viel Arbeit in wenig
Zeit flüssig, S. 275-276; ermöglicht
die Ausdehnung der räumlichen Wirkungssphäre
 oder die Verengung des
räumlichen Produktionsfeldes, S. 276;
die Stufenleiter der K. hängt von der
Größe des Kapitals ab, S. 277; macht
das Kommando des Kapitals zu einer
        <pb n="800" />
        Sachregister.

wirklichen Produktionsbedingung,
$. 278-280; Verwandlung der gesellschaftlichen
 Produktivkraft der Arbeiter
 in eine immanente Produktivkraft
 des Kapitals, S. 280-281; Wirkungender
 einfachen K. in denRiesenwerken,
 S. 281; bildet den Ausgangspunkt
 der kapitalistischen Produktion,
S. 282; Schein der kapitalistischen K.,
S. 282; bleibt die Grundform der
kapitalistischen Produktionsweise,
S. 283.
Korngeseize (gegen die Einfuhr von
Korn nach England im Jahre 1815
erlassen und erst im Jahre 1846 abgeschafft):
 Widerruf der K., Epoche
in der ökonomischen Geschichte Englands,
 S. 236; Einfluß der Abschaffung
der K. auf die Landwirtschaft, S. 611
bis 613; sicherten Irland das Monopol
der freien Korneinfuhr nach England,
S. 644.
Kredit: Zur Geschichte des K., S. 93-94;
Kreditgeld, S. 97-100; Kreditverhältnisse
 zwischen dem Arbeiter und
dem Kapitalisten, S. 129-130, 456,
476, 503; K. als Mittel der Zentralisation
 des Kapitals, S. 563-564, 570;
K. und die ursprüngliche Akkumu-Jation
 des Kapitals, S. 682-684.
Krieg: als Menschenjagd, S. 281;
Kriegsdienst als Faktor des Ruins
der römischen Plebejer und freier
deutscher Bauern, S. 657-658.
Xrisen: Ihre Möglichkeit schon im
Gegensatz von Verkauf und Kauf
gegeben, S. 73; K. und Mangel an
Zirkulationsmitteln, S. 80, 556; in der
K. wird der Gegensatz bis zum absoluten
 Widerspruch gesteigert, S. 96;
Geldkrisen, S.96 n;erhöhen dieKosten
der Erhaltung des vorhandenen
Kapitalwertes, S. 160; ändern nichts
an dem Trieb nach Verlängerung
des Arbeitstages, S. 190; K.-.von
1857/58, S. 190-191; K. von 1846/47,
S. 232-238; die Vorteile der K. für
die Arbeiterschaft, S. 339 n; Phase
des industriellen. Zyklus, S. 396;
Lohnherabsetzung während der K.,,
S.396 n; K. in der Baumwollindustrie,
S. 398-399; K. und Reproduktion der
Arbeiterklasse, S. 509-513; Peri-755



odizität der K., S. 570-571, 575;
Wirkung der K. auf die Arbeiterklasse,
 S. 604-607.
Kutschenmanufaktur: Ihr Ursprung
aus verschiedenartigen Handwerken.
S. 283-284.
Landarbeiter: Bewegung der engfischen
 L., S. 201; Lage der L., S. 201,
218, 220, 387, 442, 445-446, 469, 518
bis 514, 579-580, 600-604, 608-631;
im 17. und 18. Jahrhundert, S. 221,
222, 224, 257, 270, 274, 276; Zahl
der L., 390, 568; im Zeitraume von
1799 bis 1815, S. 465-466, 492, 537
bis 538; Ursprung der L., S. 648-678,
Lehrlingswesen: Gesetze über L. in
England erst von der großen Industrie
über den Haufen geworfen, S. 314.
Leibeigenschaft: entsprang aus der
Fronarbeit, S. 186; in den Donaufürstentümern
 und Deutschland,
S. 186; im Mittelalter, S. 646-647;
Aufhebung der L. als Vorbedingung
des Kapitalismus, S. 647; in Italien,
S. 647-648; in England, S. 648-649:
in. Schottland, S. 653,
Leistungsfähigkeit des Arbeiters: nicht
immer vermehrte Leistung durch
größeren Ersatz auszugleichen, S. 464;
erhöht durch VUeberzeit, S. 489:
zwangsweise aufrechterhalten, S, 508.
(Vgl. Intensifikation der Arbeit.)
Letternmanufaktur: Entstanden aus
der Zusammenfassung verschiedener
Handwerke, S. 284; Verhältniszahlen
der Arbeiter in einer L., S. 292.
Leveller (Gleichmacher): Name einer
radikaldemokratischen Partei während
 der englischen Revolution Mitte
des 17. Jahrhunderts. Erwähnt S. 48,
342,
Licinische Gesetze (zugunsten der Plebejer
 von Licinius 867 v. Chr. durchgesetzt):
 S. 658.
Lohnabzüge (Strafe): als Teil des
Fabrikkodex, S. 368; für die Fehler
des Materials, S. 369-370; begünstigt
durch Stücklohn, S. 488.
"udditenbewegung: Die rohe Form der
Arbeiterempörung gegen die Maschinerie
 in England, die ihren Höhepunkt
 im zweiten Jahrzehnt des
19, Jahrhunderts erreichte, S. 573.
        <pb n="801" />
        756
Lumpenhandel: in Großbritannien,
S. 406. .
Lumpenproletariat: als Teil der relativen
 Uebervölkerung, S. 581-582,
Luxus, Luxuswaren: und die technologische
 Vergleichung verschiedener
Produktionsepochen,S.136 ;Wachstum
der Luxusproduktion und jämmerlicher
 Zustand der Luxusarbeiter,
5. 388-889; L. als Teil der Repräsentationskosten
 des Kapitals, S. 527, 529,
Manufaktur: auf Teilung der Arbeit
beruhende Kooperation, 5S. 283;
die eigentliche Manufakturperiode
herrscht ‘ungefähr von Mitte des
16, bis zum letzten Drittel des 18.Jahrhunderts,
 S. 283; entspringt auf doppelte
 Weise: 1. aus der Kombination
verschiedenartiger Handwerke, S.283
bis 284, 2. aus gleichartigen Handwerken,
 S. 284-285; M. ein Produktionsmechanismus,
 dessen Organe
Menschen sind, S, 285; das Handwerk
bleibt die Grundlage der M., S. 285
bis 286; Mechanismus der M. besteht
aus einseitigen Teilarbeitern, S. 286;
M. und die Erblichkeit der Berufe,
S. 286-287; beseitigt die Poren im
Arbeitstag, S, 287-288; Differenzierung
 der Arbeitsinstrumente, S, 288;
heterogene M., S. 289-290; organische
M., S. 290-291; Isolierung der verschiedenen
 Produktionsphasen als
Mangel der M., S. 291; Gleichzeitigkeitder
 verschiedenenStufenprozesse
der Produktion, S. 291; Abhängigkeit
der Arbeiten voneinander, S. 292;
lestes Verhältnis der Arbeiterzahlen,
S. 292-298; Verselbständigung der
Funktionen der Oberaufsicht, S. 293;
M. als Assoziation einzelner Elementarorganismen,
 S. 293-294; kombinierte
 M., S. 294; Maschinerie in der
M., S. 294-295, 315; Gesamtarbeiter
und Teilarbeiter in der M., S. 295
bis 296; Hierarchie der Arbeitskräfte,
 S, 296-297; ungelernte Arbeiter
 und die Entwertung der
Arbeitskraft in der M., S. 297; die
Unterschiede zwischen Teilung der
Arbeit innerhalb der M. und innerhalb
 der Gesellschaft, S, 297-303;
manuıfakturmäßige Teilung der Ar.

Register:

beit — eine ganz spezifische
Schöpfung der kapitalistischen Produktionsweise,
 S, 306; Wachstum
der angewandten Arbeiterzahl als
technische Notwendigkeit, S. 806;
wachsender Minimalumfang des Kapitals
 als technisches Gesetz in der M.,
S. 306; geistige und körperliche Verkrüppelung
 des Manufakturarbeiters,
S. 807-310; schafft eine neue gesellschaftliche
 Produktivkraft der Arbeit,
allgemeine Charakteristik der M.,
S, 811; Disziplinmangel der Manu-{akturarbeiter,
 S. 314-815; in der M.
ist die Arbeitskraft der Ausgangspunkt
 der Umwälzung der Produktionsweise,
 S. 316; M. als unmittelbare
 technische Grundlage der großen
Industrie, S. 326; Preise der manulakturmäßig
 produzierten Waren,
5.334; moderne M., S. 405-408; Manu-Jactures
 reunies, S, 676; Geschichte
der Manufakturperiode, S. 676-678;
M. und Protektionssystem, S. 685-687,
Maschinerie: Gebrauch der Maschinen
während der Manufakturperiode,
S. 294-295; vorbereitet durch die
manufakturmäßige Produktion der
Arbeitsinstrumente, S, 315; das Arbeitsmittel
 als Ausgangspunkt der
Umwälzung der Produktionsweise
in der großen Industrie, S. 816;
Definition der Maschine, S. 316-317;
Bestandteile der M., S. 817-818;
Werkzeugmaschine, S. 318-320; Bewegungsmaschine,
 S. 320-322; Kooperation
 vieler gleichartiger M.,
S. 322-323; Maschinensystem, S. 323
bis 325; Kontinuität der Sonderprozesse
 als Prinzip des Maschinensystems,
 S, 325; automatischer Charakter
 des ganzen Mechanismus,
S. 325-326; Unzulänglichkeit der
Manufaktur als technische Grundlage
der großen Industrie, S. 326-827;
Abhängigkeit der Umwälzung der
Produktionsweise voneinander in
verschiedenen Sphären, S. 327-828;
Schaffung einer adäquaten tech-Aischen
 Grundlage, S. 8328-380; Unpersönlichkeit
 des ganzen Mechanismus,
 S. 330; Wertabgabe der M. an
das Produkt: Differenz zwischen M.
        <pb n="802" />
        Sachregister.

als wertbildendem und als produktbildendem
 Element, S.331-382; Oekonomisierung
 durch den gemeinsamen
Konsum, S. 8331; Umfang des bearbeiteten
 Produkts, S. 332-8333; Geschwindigkeit
 der Maschine, S, 3833
bis 334; Preise der Maschinenprodukte,
 S. 8334; Grad der Produktivität
 der Maschine, S. 335-386;
Grenze für den Gebrauch der M.
als Mittel zur Verwohlfeilerung des
Produkts und für ihre kapita-Jlistische
 Anwendung, S. 337-338;
M. in der kommunistischen Gesellschaft,
 S. 337 n; Wirkungen der M.
auf den Arbeiter: Weiber- und
Kinderarbeit, S. 8389; Revolutionierung
 des Kontrakts zwischen Arbeiter
und Kapitalist, S. 340-342; ungeheure
Sterblichkeit der Kinder, S. 342-343;
moralische und intellektuelle Verkümmerung,
 S. 344-846; Verlängerung
 des Arbeitstages, S. 347-352;
Produktivität der M., S. 348; Motive
der Verlängerung des Arbeitstages,
S. 349-350; Differenz zwischen gesellschaftlichem
 und individuellem Wert
des Maschinenprodukts, S. 350-351;
überflüssige Arbeiterbevölkerung als
Resultat der M., S. 8351-352; Intensifikation
 der Arbeit: durch erhöhte
Geschwindigkeit und durch erweiterten
 Umfang der M., S. 353-862;
Fabrik als die ausgebildetste Gestalt
des Maschinensystems, S. 363-371;
Kampf zwischen Arbeiter und M.:
Revolte gegen das Arbeitsmittel,
S. 371-378; M. als Konkurrent des
Arbeiters, S. 374-377; Elastizität des
Maschinenwesens, S. 377; M. als
Kriegsmittel gegen Streiks, S. 879
bis 881; Freisetzung der Arbeiter
durch M., S. 381-385; Zunahme der
Beschäftigung als Folge der M.,
S. 386-388; Wachstum der Mannigfaltigkeit
 der gesellschaftlichen Produktionszweige,
 S. 388; Wachstum
der Luxusproduktion, 5.388; Bildung
neuer Produktionszweige, S. 889;
Vermehrung der dienenden Klasse,
5,8389-890; Abstoßung und Anziehung
von Arbeitern, S. 390-394; Vermehrung
 des Rohmaterials, S. 394-395;

757

Schaffungeiner neuen internationalen
Teilung der Arbeit, S. 395-397; Unsicherheit
 der Lebenslage des. Arbeiters
 im Periodenwechsel des industriellen
 Zyklus, S. 396-402; Aufhebung
 der auf Handwerk und
Teilung der Arbeit beruhenden Kooperation,
 S. 403-404; Rückwirkung
auf Manufaktur und Hausarbeit,
S. 404-412.
Maschinenbau: Versagen des manufakturmäßigen
 M., S. 8328; M. durch
Maschinen, S, 329-330, 376-877; Zahl
der Arbeiter, S. 387; Kinderarbeit,
S.433; Fabrikgesetz von 1867, S, 434;
Methoden der Intensifikation der Arbeit
 im M., S. 489,
Maßeinheit: ein fixiertes Quantum
Gold, Fortentwicklung zum Maßstab.
S. 58-59,
Maßstab der Preise: Geld als festgesetztes
 Metallgewicht, S. 59-60;
historische Gründe der Trennung
der Geldnamen der Gewichte von
ihren Gewichtsnamen, S. 60-61; gesetzliche
 Regulierung, S. 61.
Materialismus: Mängel des abstrakt
naturwissenschaftlichen M., S. 317.
Malerialistische Geschichtsauffassung:
Formulierung, S. 45-46, 317; Mensch
und Natur, S. 133; wie, mit welchen
Arbeitsmitteln gemacht wird, unterscheidet
 die ökonomischen Epochen,
8. 136; Veränderung der materiellen
Produktionsweise und die ihr entsprechend
 veränderten sozialen Verhältnisse
 der Produzenten, S. 246;
Produktion und Denkmethode, S. 334
bis 335, 422; gesellschaftliche Kontrolle
 der Naturkräfte spielt die entscheidendste
 Rolle in der Geschichte,
S. 452-453,
Mathematik: Vergleich zwischen dem
Preisausdruck von Waren, wie Gewissen,
 Ehre, und die imaginären
Größen in der M., S, 63; Ellipse als
HMlustration, S. 65; Definition der
Maschine vom Standpunkt der M.,
5.316. (Vgl.Mechanik und Astronomie.)
Maurer: nimmt viel höhere Stufe in
England ein als andere einfache
Arbeiter, S, 152; Kooperation bei M.,
S. 274; Koalitionen der M., S. 669.
        <pb n="803" />
        758 )

Mechanik: und Anwendung der Maschinerie,
 S. 295; Anlaß zur Untersuchung
 der Reibungsgesetze, S. 321;
M. und die Großindustrie, S. 428.
Mehrarbeit: die Arbeit, verausgabt in
der Surplusarbeitszeit des Arbeitstages,
 S. 168; nur die Form der M.
unterscheidet die ökonomischen Gesellschaftsformationen,
 S. 169; nicht
vom Kapital erfunden, S. 184; Heißhunger
 nach M., S. 184-192; M. im
Kapitalistensinn, S. 196 n; Größe der
M., S. 261-262; Größe der M. und die
Naturbedingungen, S. 452-454; Variationen
 des Arbeitstages und die M.
S. 462-464; Rate der M., S. 467-470.
Mehrprodukt: Teil des Produkts, worin
sich der Mehrwert darstellt, S, 179
bis 180; relative Größe des M., als
Höhegrad des Reichtums, S. 180 u.n;
M. und Gesamtprodukt, S. 467-470,
Mehrwert: Zuwachs über den ursprünglichen
 Wert hinaus, S.108; Warenzirkutation
 keine Quelle des M., S. 115; auch
Verkauf der Ware unter oder über
ihrem Wert, S. 117; der nominelle
Preiszuschlag als Quelle desM., S. 118;
das Vorhandensein einer Klasse
bloßer Konsumenten, S. 118-119; M.
und Handelskapital, S. 120-121; M.
und zinstragendes Kapital, S. 121-122;
M. als Ziel des kapitalistischen Produktionsprozesses,
 S. 142, 180, 182,
245, 268, 278; verschiedene Versuche,
den Ursprung des M. zu erklären,
S. 146-147; das Geheimnis des M.,
5. 148-149; M. als Funktion des
variablen Kapitals, S, 162; Rate des
M., S. 164-171; Definition der Rate
des M., S. 167; Rate des M, exakter
Ausdruck für den Grad der Ausbeutung,
 S. 169; aber kein Ausdruck
:ür die absolute Größe der Ausbeuung,
 S. 169 n; Methode zur Berechung
 der Rate des M., S. 169-171;
Masse des M., S. 251; Gesetze, die
die Masse des M. bestimmen, S. 251
bis 254; das Paradoxale im dritten
Geselz, S. 255; M. und Wachstum der
Bevölkerung, S. 255; der Unterschied
zwischen absolutem und relativem M.,
S. 261-264; Extramehrwert, S. 266
bis 267; allgemeine Rate des M.

Register.

5.267; der relative M. und Produktivkraft
 der Arbeit, S. 268; absoluter
und relativer M., S. 448-449; Schein
ihrer Einerleiheit, S. 450; Naturbasis
des M., S. 450-452; verschiedene Formeln
 für die Rate des M., 5. 467-470.
Mensch: und die Natur, S. 133; als
Werkzeuge fabrizierendes Tier,
S. 135-186; Aristoteles’ Definition,
S, 274; Natur des M., S. 451; beherrscht
 vom Machwerk seiner eigenen
 Hand, S. 557 (vergleiche Fetischismus,

Merkantilsystem: Restauriertes M. von
Ganilh, S. 26, 44-45; Losungswort
der Merkantilisten, S. 101; Merecier
de la Riviere gegen die Merkantilisten,
S. 107; ihre Definition des Kapitals,
S. 112; Mill und die Merkantilisten.
S. 454-455.
Meialle, edie: Wert des Goldes, S. 8;
als Materiatur der menschlichen Arbeit,
 S, 52; der imaginäre Wert der
8. M., S. 53; ihre relative Wertgröße,
S. 54; Verkörperung aller menschlichen
 Arbeit, S, 55; Funktion des Goldes
 als Wertmaß, S. 56; Material der
Münze, S, 83-84; gesellschaltlicher
Ausdruck des Reichtums, S. 89; Ab-Aluß
 des Silbers nach Asien, S. 89;
Macht des Goldes, S. 89; Gold und
Silber als Schatzreservoirs, S, 91-92;
der relative Wertwechsel von Gold
und Silber, S. 100-101; Bewegung
des Gold- und Silberstromes auf dem
Weltmarkt, S. 102-108.
Metallindustrie: Ablösungssystem io
der M., S. 205, 209-212; Nachtarbeit,
S. 206; Kinderarbeit, S. 207-208, 406;
Kampf gegen Maschinen, S. 373; Zahl
der Arbeiter, S. 390; Frauenarbeit,
S. 392-3983; Sicherheit des Resultats,
S. 417-418; Ausbeutung der Kinder
durch die Eltern, S. 430, 433; Fabrikgesetz
 von 1867, S. 4834.
Methodologie: Der ausgebildete Körper
leichter zu studieren als die Körperzelle,
 S. XXXVI; bei der Analyse der
Skonomischen Formen ersetzt die
Abstraktionskraft das Mikroskop,
5, XXXVI-XXXVII; Beobachtung,
S. XXXVII; Unterschied zwisehen
der Forschunegsweise und der Dar.
        <pb n="804" />
        sachregister,

stellungsweise, S. XLVII; wissenschaftliche
 Analyse, S. 39; Vereinfachung
 der Analyse durch verschiedene
 Voraussetzungen und Annahmen,
 S. 125, 153, 166, 167, 516;
Bedingungen der wissenschaftlichen
Analyse, S. 265, 273, 474, 501; die
Notwendigkeit, die Formunterschiede
zu berücksichtigen, S. 478.
Mexiko: Peonage in M., S. 124; Behandlung
 der Eingeborenen, S. 681.
yilitäriauglichkeit: Abnehmen des Soldatenmaßes
 unter dem Einfluß des
Kapitalismus, S. 188-189,
Mittelalter: Charakteristik, S. 40-41;
Warenhandel, S. 47; Kampf des feudalen
 Schuldners mit dem Gläubiger,
S. 93; Virements im mittelalterlichen
Lyon, S. 95; ökonomische Grundlage,
 S. 282; Untergang der mittelalterlichen
 Gesellschaft, S. 644-688;
Möbelschreinerei: Löhnungsmethode in
der M., S. 488.
Mode: als Ursache der Saisonarbeit,
S. 420; Flatterlaunen der M., S. 421.
Monetarsystem: Illusionen des M., S. 46.
Moralisches Element: in der Wertbestimmung
 der Arbeitskraft, S. 127;
seine Rolle bei Intensifikation der
Arbeit infolge Verkürzung des Arbeitstages,
 S. 355-356.
Münzpreis: Rechenname des Goldes,
8.61, 62 n; Phantasien über Erhöhung
des M., S. 62 u. n.
Nachtlarbeit: Motive, die zur N. treiben,
S. 205; Wirkungen der N., S. 206-212,
Vägelmacherei: Moderne Hausarbeit in
der N., S. 246, 408-409; Hindernisse
der Fabrikregulation, S. 432; Kinderarbeit,
 S. 438; Lohn der Handnägelmacher,
 S. 483; Zahl der Arbeiter
in der N., 5. 568.
Nähnadelmanufaktur: als Beispiel der
manufakturmäßigen Teilung der Arbeit,
 S. 285, 290-291; Maschinerie in
der N., S. 4083,
Nahrungsstand: der Agrikulturarbeiter,
S. 592-594; der Verarecher und der
Arbeiter, S.614-615; der Landarbeiter
in England, S. 615-616.
Vatur (und Mensch): Veränderung der
N. durch den Menschen und seine
eigene Veränderung in diesem Pro-759


zeß, S. 133; Arbeitsprozeß als allgemeine
 Bedingung des Stoffwechsels
zwischen Mensch und N., S. 139;
Naturbasis des Mehrwertes, S. 450;
N. und die Produktivität der Arbeit,
S. 451-454; abstraktes Bevölkerungsgesetz
 existiert nur für Pflanze und
Tier, S. 565.
Vatürliche Zuchtwahl: unter den ländlichen
 Arbeitern, S. 218; in der
kapitalistischen Gesellschaft, S. 303.
Vaiurwissenschaft: Methodologisches,
S. XXXVI-XXXVII; Illustration aus
der Optik, S. 36; Dialektik in der
Natur,5.257;Molekulartheorie,S.257n:
natürliche Technologie, S. 317. (Vgl
naturwissenschaftliche Parallelen.)
'aturwissenschaftliche Parallelen: Vergleich
 der Sonderung der Kasten
mit der Sonderung von Pflanzenund
 Tierarten, S. 286-287; Vererbung
 des Sondergeschickes bei
den Handwerkern, 5. 287; Anpassung
der natürlichen Organe der Pflanzen
und Tiere an verschiedene Funktionen
 und Anpassung der Arbeitswerkzeuge
 an die Funktionen der
Teilarbeiter, S. 288; Konkurrenzkampf
 in der kapitalistischen Gesellschaft
 und der Kampf um die
Existenz im Tierreich, S. 303; natürliche
 und industrielle Technologie,
S. 817. *
Viederlande (Holland) : Arbeitergesetze
in H,, S. 219; Fabrikation der Weberschifichen
 in H. (17. Jahrhundert),
S. 300; Klage über Disziplinmange]
der Manufakturarbeiter, S. 315; Anwendung
 des Windes als Triebkraft,
S.319; Muster der eigentlichen Papiermanufaktur,
 5.326; Maschinenanwendung
 in H,., S. 337; Lumpenzufuhrquelle
 für England, S. 406; Wasserregelung
 in H., S. 453; Lage der
holländischen Arbeiter im 18. Jahrhundert,
 S. 535-536; Vagabundengesetzgebung,
 S. 667; H. als kapitalistische
 Musternation des 17. Jahrhunderts,
 S. 680; Kolonialsystem,
5, 682; System des öffentlichen Kredits,
 S. 682-683; internationales
Kreditsystem als verborgene Grundlage
 des Kapitalreichtums von H.
        <pb n="805" />
        760

5.684; H. als internationaler Bankier,
S. 684.
Nomaden: entwickeln zuerst die Geldform,
 S. 51.
Normalarbeitstag: Begründung dieser
Forderung seitens der Arbeiter,
S. 183-184; Interesse des Kapitals
an einem N., S. 213-214; Resultat
eines Kampfes zwischen Kapitalist
und Arbeiter, S. 219-220, 247; der
Kampf um den N., S. 226-250.
Dekonomisierung der Produktionsmiltel:
 soweit sie den Wert der
Arbeitskraft senkt, S. 272-278; durch
die Kooperation und Manufaktur,
5. 332; durch die Maschinerie, S. 354,
405.
Opiumkonsum: unter den Fabrikarbeitern
 und in den Agrikulturdistrikten,
 S. 343.
Desterreich: Arbeiterschutzgesetzgebung
 in Oe,, S. 226; Baumwollindustrie
 in Oe,, S. 497,
Pächter: in Irland, S. 642-644; das
Aufkommen der kapitalistischen PP.
S. 672-674.
Papierfabrikation: Nachtarbeit in der P,,
S. 208; holländische P., S. 285; Verarbeitung
 der Lumpen durch Maschinen,
 S, 295; in der P. tritt der
Unterschied verschiedener Produklionsweisen
 klar hervor, S. 325-826;
Lumpensortieren, S."406; Fabrikgesetz
 von 1867, S. 434.
Pathologie, industrielle: Anstoß zur
Entstehung der i. P, bildet die Manufakturperiode,
 S. 310 u. n.
Pauperismus: infolge des Konkurrenzkampfes
 der Handarbeit und der
Maschine, S. 374-375; das Invalidenhaus
 der aktiven Arbeiterarmee,
S. 581-582; der offizielle P., S. 590
bis 591; in den Dörfern, S. 626-627;
in den Kolonien, S, 700.
Peonage: Schuldsklaverei der Tagelöhner,
 Peons, 8. 124.
Persien: Wasserregelung in P., S. 453.
Pest (die große P..in Europa in der
Mitte des 14. Jahrhunderts): Ihr Ein-8uß
 auf die Bevölkerung in Frankreich
 und England, 8. 636-637.
Pferdekraft: Bewegende Kraft der
Manufakturperiode, ihre Mängel.

Register.

S. 320-821; P., in der Maschinenindustrie,
 S. 332-333,
Philosophie (Logik): Das Verhältnis
zwischen dem Ideellen und Materiellen,
 S. XLVII; Relativität der
Begriffe, S. 18, 19, 23; Eigenschaften
der Dinge, S, 28; Erforschung des
Geheimnisses des Wertausdrucks,
S. 25; Lichteindruck eines Dinges,
S. 36; religiöse Vorstellungen —
Produkte des menschlichen Kopfes,
S, 86; Ursprung der Sprache, S. 38;
Nachdenken über die Formen des
menschlichen Lebens, S. 38-89; reliziöser
 Widerschein der wirklichen
Welt, S. 42-43; Methode, wodurch
sich wirkliche Widersprüche lösen,
S. 65; Hegelsches Gesetz, S. 257;
die Mängel des abstrakt naturwissenschaftlichen
 Materialismus, S. 317 3
zur Geschichte der Philosophie, S. 334.
(Vgl. auch Methodologie, Dialektik,
Eigenschaften usw.)
Phönizier: Geld bei P., S. 90. -
Photographie: Entwicklung und Zahl
der beschäftigten Arbeiter, S. 389,
Physiokraten: Ihre Illusion, betreffend
die Grundrente, S. 46; Ganilh gegen
P., S. 135; ihre Lehre von der Unproduktivität
 aller nichtagrikolen Arbeit,
 S. 146; ihre Auffassung der
produktiven Arbeit, S. 448; P. und
das Geheimnis des Mehrwertes, S, 470;
der „notwendige Preis“, S. 474; Darstellung
 des Reproduktionsprozesses,
S. 526.
Preis (Preisform): einfacher relativer
Wertausdruck einer Ware, S. 34, 56;
nur ideelle Form, S, 57; hängt ganz
vom reellen Geldmaterial ab, S. 57;
P, bei Doppelwährung, S. 58; Maßstab
 der P., S. 59-60; Einfluß des
Wertwechsels des Goldes auf die P.,,
5.60; P. ist der Geldname der in
der Ware vergegenständlichten Arbeit,
 S, 62, 67; Exponent der Wertgröße,
 S. 63; in der Preisform liegt
die Möglichkeit quantitativer Inkongruenz,
 S, 63; P. der Dinge, die
keinen Wert haben, S. 63-64; Transsubstantiation
 der Preisform, 5. 64;
P. der Waren und Wert des Geldes,
S. 76: Preisrevolution im 17. und
        <pb n="806" />
        Sachregister.

18.Jahrhundert, S.77; Durchschnittspreise
 fallen nicht direkt mit den
Wertgrößen der Waren zusammen,
S. 122n, 171n; P. der Handwerksoder
 Manufakturprodukte und der
Maschinenprodukte, S, 334; P. der
Arbeitskraft kann von ihrem Wert
abweichen, S. 480.
Produkt: Resultat des Arbeitsprozesses,
S. 136; auch Bedingung des Arbeitsprozesses,
 S. 187; P. als Arbeitsmittel
 und Rohmaterial, S. 137; verschiedene
 Bestimmungen abhängig
von verschiedenen Funktionen im
Arbeitsprozeß, S. 138.
Produktenwert: Anteil der verschiedenen
 Faktoren des Arbeitsprozesses
an der Bildung des P., S. 153; der
wiedererscheinende Wert des Produktionsmittels
 plus Neuwert, S. 161;
Darstellung des P. in proportionellen
Teilen des Produkts, S. 172-174;
Grundlage für die Erklärung des
Geheimnisses der „letzten Stunde“
als Quelle des Mehrwertes, S. 174
bis 179.
Produktionsmitiel: Arbeitsmittel und
Arbeitsgegenstand im Gegensatz zu
der Arbeit, S. 186-137; P. und Wert,
S. 159.
Produktivität (Produktivkraft) der Arbeit:
 bestimmt durch mannigfache
Umstände, S. 7-8; Einfluß auf die
Wertgröße, S. 8; P. d. A. und der
Wertbildungsprozeß, S. 155-156; Erböhung
 der P.d. A., S. 263-264;
P. d. A. und Extramehrwert, S. 266,
268-269; gesellschaftliche P. als
immanente P.des Kapitals, S.280-281;
P. d. A. und Vollkommenheit der
Werkzeuge, S. 288; naturwüchsige
P. d. A., S. 450-454; Größenwechse]
von Preis der Arbeitskraft und Mehrwert
 unter dem Einfluß eines Wechsels
 in der P.d. A., S. 456-461, 464-467;
P.d. A. und der Akkumulationsprozeß
des Kapitals, S. 539-544; Entwicklung
der P. der gesellschaftlichen Arbeit
der mächtigste Hebel der Akkumu-Jation,
 S. 558-560,
Profit, Profitrate: leicht zu begreifen.
sobald man die Gesetze des Mehrwertes
 kennt, S. 167 n: Profit propor-761



lional zum angewandten Gesamtkapital,
 Mehrwert zum variablen
Kapitalteil; scheinbarer Widerspruch
erst später zu lösen, S. 255, 272-278,
349 n; wird berechnet auf die Gesamtsumme
 des vorgeschossenen Kapitals,
S. 455; besondere Formen des Mehrwertes,
 S. 460; Profitrate und Rate
des Mehrwertes, S. 461,
Proletariat: Geschichtlicher Beruf des P.,
S. XLIV; Akkumulation des Kapitals
 ist Vermehrung des P., S. 549
bis 550; Definition des Proletariers,
S. 550 n; Wachstum des Reichtums
der Bourgeoisie und Schaffung eines
stets wachsenden P., S. 582-583.
Protektionismus: Die Rolle des P. in
der ursprünglichen Akkumulation
des Kapitals, S. 685; eine zeitweise
Notwendigkeit im internationalen
Konkurrenzkampf, 5. 693.
Protestantismus: und Gesellschaft. von
Warenproduzenten, 5.42; P. und die
Entstehung des Kapitals, S. 224; protestantische
 Theologie und Bevölkerungsprinzip,
 S. 553, 584; protestantischer
 Geist und Armengesetz, S, 652.
Prostitution: im 12. Jahrhundert, S. 47;
der tiefste Niederschlag der relativen
Uebervölkerung, S. 581; P. und die
Gangs, S. 628-680; in Australien,
S. 700.
Putzmacherinnen (Näherinnen) : Ueberarbeit,
 S. 203-204, 388, 413-416; Nahrungsverhältnisse,
 S. 592-593.
Rasse? und Produktivität der Arbeit,
S. 451.
Rechengeld: Geld als gesetzlich gültige
Rechennamen des Goldmaßstabes,
S. 61-62 u. n; bei Ausgleichung der
Zahlungen, S. 95-96,
Recht: und Oekonomie, S.48,341,480,476,
Reichtum: in der kapitalistischen Produktionsweise
 erscheint als ungeheure
 Warensammlung, S. 3; der
stoffliche R. — Verbindung von Arbeit
 und Erde, S. 11; Gebrauchswerte
 — Elemente des R., S. 10;
steigende Masse des R. und gleichzeitiger
 Fall seiner Wertgröße, S. 138.
Relativität (der Begriffe): S. 18, 19, 23.
Religion: und die wirkliche Welt, S. 42
bis 43: wissenschaftliche Methode der
        <pb n="807" />
        62

Religionsgeschichte, S. 317; in der R.
wird der Mensch vom Machwerk seines
eigenen Kopfes beherrscht, S. 557.
Reformation: als ihre Folge Diebstahl
der Kirchengüter, S, 652.
Reproduktion (des Kapitals): Bedingungen
 der R., S. 501-502; einfache
R., S. 502; R. des variablen Kapitals,
S. 503-504; R. des Arbeiters, S, 507
bis 510; einfache R. und ihre Wirkungen,
 S. 521; erweiterte R. siehe
Akkumulation.
Reservearmee, industrielle: Züchtung
einer R. durch die Unregelmäßigkeiten
 der Saisonarbeit, S. 240; R.,
und der Widerspruch der kapitalistischen
 Produktion, S. 429; Uebervölkerung
 und die R,, S. 570-574;
Einfluß der R. auf die aktive
Arbeiterarmee, S. 576-578; verschie:
dene Formen der R., S. 578-583.
Reservefonds: für die Weltmarktzirkulation,
 S. 102-108,
Revenue (Einkommen): Mehrwert als
periodische Frucht des prozessierenden
 Kapitals, S. 502; verzehrt
oder verausgabt durch den Kapitalisten,
 S. 523; doppelter Gebrauch
des Wortes R., S. 526.
Revolution (große französische): Verwandlung
 von Grund und Boden in
Geld, S. 52; Wirkung auf England.
5,552; Gesetzgebung gegen Arbeiterkoalitionen,
 S. 671-672; R. und Burke,
S. 688,
— (Juli 1830): Vor und nach der Julirevolution,
 S. 531-532,
— (Februar 1848): Rückschlag auf
England, S, XLIII; Folgen der Juniinsurrektion,
 S,233; R.und das Zwölfstundengesetz,
 S. 247-248; Nationalwerkstätten,
 S. 365, ;
- (englische, 1688-1689 — glorious
Revolution): Diebstahl der Staatsgüter,
 S. 654-655.
zochdale. Stadt in England. Dort 1844
ein Konsumverein gegründet, der
vorbildlich wirkte, S. 279 n.
tohmaterial: durch frühere Arbeit
Ältrierter Arbeitsgegenstand, S. 134;
als solcher der Gegenstand fast aller
Industriezweige, S, 187; R, als Hauptstoff
 oder Hilfsstoff, S, 137: dasselbe

Register.

Produkt als R. verschiedener Arbeits-Prozesse,
 S. 137-138; R, als Stufen-Fabrikat,
 S. 188.
Rom: Produktionsweise in R., S. 45;
Silber- und Goldmünzen zuerst als
ausländische Waren, S. 60; Untergang
 des plebejischen Schuldners
in R., S. 93; Versuch der Verwandıung
 aller Abgaben in Geldsteuern,
5. 98; Geldtribut der kleinasiatischen
Städte an das alte R., S.119; römische
Patrizier und plebejische Schuldner,
S. 185, 236, 307; römische Wassermühle
 als ursprünglichste Form aller
Maschinerie, S. 295; Expropriation
des Bauerntums, S. 657; der altrömische
 Villicus, S. 126, 672,
£umänien (Donaufürstentümer): Fronarbeit,
 S. 186-188.
Rußland: Russisches Gemeineigentum,
5. 41; weltbefreiendes R., S. 187;
die moskauische Baumwollindustrie
5.205, 212 n, 496-497; Lumpenzufuhrquelle
 Englands, 5.406; Potemkinsche
Schaudörfer in der Krim, S. 618:
Leibeigenschaft in R., S. 654.
Saisonarbeit: Ursache der Ueberarbeit,
S. 203-205; beruht auf Mode, S, 420;
bedingt durch Periodieität der Schifffahrt,
 S. 421; ozeanische Schiffahrt
und S,., S. 422.
Sattler: Stücklohn und Zeitlohn in Londoner
 Sattlerwerkstätten, S. 486.
Schein (Erscheinungsform): S. und
Wirklichkeit, S. 37-88; wissenschaftliche
 Analyse hebt ebensowenig den
gegenständlichen S. der gesellschaftlichen
 Charaktere der Arbeit wie
den S. der bloß zufälligen Bestimmung
 der Wertgrößen der Arbeitsprodukte
 auf, S. 38-39, 46-47,
55, 74-75; Erscheinungsformen und
ihr Hintergrund, S. 478.
Schiffbau: Umwälzung des Segelschiffbaues,
 S.328; Krise im S., S. 604-606.
Schiffszimmerleute: Löhnungsmethoden
bei den S., S. 486,
Schmiede: Sterblichkeit der S., S. 204
bis 205; Ablösungssystem, S. 206.
Schneiderei: Wachstum mit dem Ueberfluß
 der Kleidungsstoffe infolge der
Maschinen, S. 388; Sterblichkeit der
Schneider, S. 408: Uebergang zur
        <pb n="808" />
        Sachregister.

großen Industrie, S. 412-416; Stücklohn
 in der S., S. 488; Maximallohn
für Schneidergesellen im 18. Jahrhundert,
 S. 669-670.
Schottland: Zufuhrquelle billiger Arbeitskräfte
 für London, S. 200; Landarbeiter
 in S., S. 201, 537, 614; Ablösungssystem
 in S., S. 236-2837, 259
bis 260; Kinderarbeit und Schulbesuch,
 S. 345; Baumwollindustrie,
S. 378-379; Hausfleiß in 5., S. 427;
Bleichereien in S., 5.482; Abschaffung
der Leibeigenschaft in S., S, 653;
Expropriation des Landvolkes in S.,
S.659-661; das letzte Asyl der „noblen
Passion“ (Jagdrevier), S. 661-664;
gesetzliche Regulierung des Lohnes
der Grubenarbeiter, S. 670,
&amp;lt;ehuhmacherei: Umwälzung durch Einführung
 des Nietens, S. 896; als
Zweig der Bekleidungsindustrie,
S. 413-416; Kinderarbeit, S. 433;
Nahrungsverhältnisse der Schuster,
S. 591-5693.
Schweden: Kampf der schwedischen
Stadtbürger und Bauern gegen den
Adel, S. 655.
Schweiz: Arbeiterschutzgesetzgebung
in derS., S.226,444; Uhrenfabrikation
in Genf und Neufchätel, S. 290;
Baumwollindustrie in der S., S. 497.
Schwindsucht: in den Fabrikdistrikten,
8.241; unter den Spitzenmacherinnen,
S. 409; als Lebensbedingung des
Kapitals, S. 424; S. und Armut,
S. 615-616,
Seeschiffahrt: Anwendbarkeit der
Dampfmaschine, S. 322; Entwicklung
der Dampfschiffahrt, S. 328, 389;
Handelsmarine, S. 389.
Seidenindustrie: S. und Fabrikakt von
1833, S.227-228; S. und Kinderarbeit,
S.240-242; Verlängerung des Arbeitstages,
 S. 246; S. in Lyon, S. 284; in
Bethnal Green (London), S. 341; Intensität
 der Arbeit, S. 361; Fortschritt
der S. in England, S. 362; Lohnherabsetzung
 in der S., S. 396; „Cottagefabriken“
 in der S., S. 403-404;
Kindermord in der S., S.406; Nahrung
der Seidenweber, S, 592-593; Regelung
 des Arbeitslohnes im 18. Jahrhundert,
 S. 670.

763

Sklaverei! in der griechischen Gesellschaft,
 S. 25, 45; Sklaven als Geld,
S. 52; Umstände, die Sklavenarbeit
verteuern, S. 151; Unterschied der
Sklaverei von der Lohnarbeit, 5, 169,
478; Sklavenarbeit und Geldwirtschaft,
 S, 185; Sklavenhandel, 5. 215;
Humanität des englischen Parlaments
den Sklaven gegenüber, S. 228-229;
Sklave als Geld seines Eigentümers,
S. 235-236; S. und die Arbeiterbewegung
 in Nordamerika, S. 248;
Deberwachung der Arbeit in der S.,
S. 280; in der antiken Welt, S. 282;
S. und Baumwollindustrie, S. 387;
Nahrung der Sklaven, 5.476; Sklavenhandel
 in der ursprünglichen Akkumulation,
 S. 687-688,
Sonntagsarbeit: im Lande der Sabbatheiligen,
 S. 191, 200-201, 213.
Sozialismus, kleinbürgerlicher: Utopie
 der unmittelbaren Austauschbarkeit
 der Waren, S. 33, 50; verkennt
die Dialektik des Eigentumsrechts.
S. 522,
Sozialistische Gesellschaft (Bildungselemente
 der): Erziehung der Zukunft,
 S. 424-425; Wechsel der Arbeiten
 als Vorbedingung eines allzeitig
 entwickelten Individuums,
5. 429-430; höhere Form der Familie,
5. 431; das moderne Fabriksystem
als Ausgangspunkt der sozialen Revolution,
 S. 443; Aufhebung der
„unproduktiven“ Arbeit, S. 574; Neyation.
 der kapitalistischen Gesellschaft
 durch Herstellung eines individuellen
 Eigentums auf Grundlage
 der Kooperation und der Gemeinbesitzer
 der Erde und der Produktionsmittel,
 S. 691. (Vgl. auch
Kommunismus.) ,
Jpanien: Spanische Kolonisation in
Amerika, S. 192, 680; Geheimnis der
Industrieblüte von S. unter arabischer
Herrschaft, S. 453; Stellung in der
Entwicklung des Kapitalismus, S.680;
Sklavenhandel, S. 687, 694-695.
Spekulation: Weg, Geld zu machen,
ohne zu produzieren, S, 146; Hauptgesetz
 der S. bei Wertrevolutionen
der Waren, 5. 163; Psyche der Spekulanten,
 S. 218; Quelle plötzlicher
        <pb n="809" />
        764

Bereicherung, S. 529; S. und Börsen:
spiel, -S, 683, ;
Spitzenfabrikation:Maßlose Ausbeutung
in der S., S. 193; unterworfen 1861
dem Fabrikakt von 1850, S. 243-244;
als klassisches Beispiel der modernen
Hausarbeit, S.409-411; Vorherrschaft
des Trucksystems, S. 412; Umwälzung
in der S,, S. 416; „Naturschranken“ in
der S., S. 418-419; Regulation der
Hausarbeit gegen die Eltern, S. 480,
433, 444; Ueberzeit in der S., S. 482.
Sprache: Geist der englischen S., S.4n;
Mundarten der Warensprache, S. 19;
gesellschaftliches Produkt der Menschen,
 S. 88.
Staatsschulden: als Moment der ursprünglichen
 Akkumulation, S. 682
bis 684.
Stadt: ‚Scheidung von S. und Land —
bestimmt die ganze ökonomische Geschichte
 der Gesellschaft, S. 299;
Entwicklung der Städte in England,
S, 592; der Zufluchtsort der vertriebenen
 Landarbeiter, S. 641.
Stahljedermanufaktur: Maschinerie in
der S., S. 404; Kinderarbeit, S, 4833.
Statistik: Deutschlands soziale S.,
S. XXXVIIH; Bevölkerungsstatistik.
5. 299; statistischer Betrug in Eng:
land, S. 364 n; Berechnung des Steigens
 des Arbeitslohnes in Prozentzahlen,
 S, 575-576; Aenderungen in
der Geschlechts- und Alterszusammensetzung
 der Bevölkerung,
5. 578-579,
Sterblichkeit: in den Fabrikdistrikten
verglichen mit Agrikulturdistrikten,
S. 241; von Arbeiterkindern, S. 342
bis 348: der Schneider und Drucker
in London, S. 408; S. und Arbeitslohn,
 S. 580; S. und Wohnungsverhältnisse,
 S, 599; S, unter den Landarbeitern,
 S. 615-616.
Steuer: Umwandlung der Naturallieferungen
 in Geldzahlungen, S. 98
bis 99; indirekte S. auf „versammelte“
Artikel, S, 302; S. und Mehrwert,
S. 459; das moderne Steuersystem,
S, auf die notwendigsten Lebensmittel,
 S. 684-685,
Sireik: der Londoner Bauarbeiter,
1860/61, S. 183-184, 481, 483: in den

Register.

anglischen Töpferdistrikten 1866 inlolge
 der Lohnabzüge, S. 369; S, und
Einführung der Maschinerie, S. 379
bis 880; unter den Bandwebern,
S. 490-491; der belgischen Minenarbeiter,
 Februar 1867, S. 535; Ausnahme-Strafgesetzgebung
 gegen S.,
S. 670-672.
Strohflechterei: in England, S.411—412;
Vorherrschaft des Trucksystems,
S. 412; Ausbeutung der Kinder durch
die Eltern, S.430; Kinderarbeit, S.4833;
Fabrikgesetz, S. 444.
Strumpfwirkerei: Unterworfen 1861
dem Fabrikakt von 1850, S. 243-244;
Aussonderung der S. in der Fabrikstatistik,
 S.359; Maschinerie in.der S,,
5.417; Kinderarbeit, S.4838; Nahrungsverhältnisse,
 S. 591-5938.
Stuarts, englisches Königsgeschlecht
von 1608-1688, S. 654.
Stücklohn, siehe Arbeitslohn.
Subsidien: Für diese Wert in Geldform
erheischt, S. 102; Rolle der S. in den
Anfängen der kapitalistischen Produktion,
 S. 258, 685.
Tabakmanufaktur: Kinderarbeit, 8.4833:
Fabrikgesetz, S. 434.
Papetenfabrikation: Saisonarbeit und
Verlängerung des Arbeitstages, 5.195
bis 197; Einführung des Fabrikgesetzes,
 S. 243-244, 434; als Beispiel,
um den Einfluß der Maschine auf
die Lage der Arbeiter zu illustrieren,
S.381-384; Ueberzeit in der T., 5.482,
Pauschwert: erscheint als quantitatives
Verhältnis, scheint etwas Zufälliges,
S. 4; immer reduzierbar auf ein
Drittes, kein Atom Gebrauchswert,
5. 5; Rolle der Natur in der Bildung
des T., S. 46-47; als treibendes Motiv
des Kapitalisten, S. 107, 110, 268, 527.
Pechnologie: im Mittelalter, S. 295;
Bedeutung und Aufgaben einer kritischen
 Geschichte der T., S.817n;
kritische Geschichte der T, und Erfndungen,
 S. 317; nichts unmöglich
für die T., S. 419; T. und die moderne
 Industrie, S. 428, 444-445;
Unterricht in der T. als notwendiger
Bestandteil eines rationellen Erziehungswesens,
 S, 429-430; als Potenz
des Kapitals, S. 541.
        <pb n="810" />
        Sachregister.
Telegraphie: Entwicklung und Zahl
der Arbeiter, S. 328, 389; T. und
Saisonarbeit, S. 420,
Terminologie: Gebrauch derselben Termini
 in verschiedenem Sinn in keiner
Wissenschaft ganz zu vermeiden,
S. 168 n; imaginäre Ausdrücke, S. 478.
Teuerung: in England Anfang der
sechziger Jahre, S. 589,
Tiere: Rolle der gezähmten T. im Anfang
 der Menschengeschichte, 5. 135;
nicht Naturprodukte, sondern Produkte
 einer fortgesetzten Umwandlung
 vermittels menschlicher Arbeit,
S. 137.
Töpferei: Kinderarbeit in der T.,,
S. 198-195; einer der kurzlebigsten
Industriezweige, S. 215; Petition der
Fabrikanten, S. 219; Unterwerfung
unter das Fabrikgesetz, S. 244, 434;
Wirkung des Fabrikgesetzes, S. 354,
417; Lohnabzüge in der T., S. 369;
„Naturschranken“ in der T., S. 418,
423; Stücklohn in der T., S. 490.
Tradition (Macht der): S. 286, 304-305,
811, 427.
Transportwesen: Umwälzung im T.,
S. 328, 889.
Trucksystem (System, die Arbeiter in
Waren statt in barem Gelde zu bezahlen):
 in den englischen Kohlenbergwerken,
 S. 130; in den Spitzendistrikten,
 S. 412,
Tuchmanufaktur: entstanden aus der Zusammenfassung
 verschiedener Handwerke,
 5. 284.
Tüllfabrikation: Maschine in der T.,
S. 349.
Purbine und Wasserkraft, S. 321.
Türkei: Naturalsteuer als eines der
Selbsterhaltungsgeheimnisse der T.,
S. 98-99; Bezugsquelle für den englischen
 Lumpenhandel, S. 406; Ruin
der T. durch den englischen Freihandel,
 S. 678,
Meberproduktion (siehe Krise): in der
Auffassung von MacCulloch, S. 110,
147; als Ursache einer Akkumulation
von Waren, S. 524; als Glied der
schönen Dreieinigkeit der kapitalistischen
 Gesellschaft, S. 572.
Uebervölkerung: im Verhältnis zum
Verwertungsbedürfnis des Kapitals,

765

5. 217; als Produkt der kapitalistischen
 Anwendung der Maschinerie,
S. 351-352, 374-3756, 376; Ursache der
Auswanderung, S. 395, 466; als Folge
des Wachstums des’ variablen Kapitals,
 S. 568-570; eine Notwendigkeit
 der modernen Industrie, S. 572,
596; verschiedene Formen der relativen
 U., S. 578-583; in den Dörfern,
S. 626-628; in Irland, S. 637-641.
Jeberzeit: als Kapitalistenpfiff, S. 196;
als notwendige Folge des niedrigen
Arbeitspreises, S. 482-483; U. und
die Mehrarbeitszeit, 5.485.
Threnmanufaktur: als klassisches Beispiel
 der heterogenen Manufaktur.
S. 289-290,
Unfälle: beim Fegen der Selfacting
Mules, S. 365; U. und Geschwindigkeit
 der Maschinerie, S. 370; Kampf
der Fabrikanten gegen diesbezügliche
Klauseln des Fabrikgesetzes, S. 371;
in der Flachsindustrie, S.423; in dem
Bergbau, S. 440-442,
“JTrgeschichte! Ursprung des Austausches,
 S. 50-51; urzeitlicher Zustand,
 in dem die menschliche Arbeit
noch. nicht ihre instinktartige Form
abgestreift hat, S. 133; Rolle des
gezähmten Tieres im Anfang der
Menschengeschichte, S. 135; Einteilung
 der vorhistorischen Zeit nach
dem Material der Werkzeuge, S. 186;
einfache Kooperation bei Jägervölkern,
 S. 281-282; Austausch in
den Anfängen der Kultur, S. 298;
Erklärung der Unveränderlichkeit
asiatischer Gesellschaften, S. 304-305.
V’agabondage, Vagabunden: Folge der
Expropriation der Bauern, S. 664;
Gesetze gegen V., S. 664-667,
ermiltler: im 18. Jahrhundert im
Bäckergewerbe und andern, S. 200;
V. und Stücklohn, S. 488-489; Rolle
der V, überhaupt, S. 674.
Verschwendung: charakteristisch für
den Kapitalismus, S. 467; der
Kapitalisten und der Feudalherren,
S. 529-530, 581.
egrteilung: Historischer Charakter der
V., S. 42.
"orratbildung: eine Erscheinung, die
allen Produktionsweisen gemeinsam
        <pb n="811" />
        na
vo

ist, deren Untersuchung aber in die
Analyse des Zirkulationsprozesses
gehört, S. 524.
"ulgärökonomie: und Wertgröße, S.21 3
Definition der V., S. 45; V. und
Theorie der Nachfrage und der Zu-{uhr
 als Erklärung des Wertes, 5.115;
V. und Mehrwert, S. 146, 253; pocht
auf den Schein, S. 255,474-475; Quelle
aller apologetischen Flausen der V,,
S. 476; V. und die Abstinenztheorie,
5. 582-538; V, und England nach der
Einführung des Freihandels, S, 585,
Ware: Elementarform der kapitalistischen
 Produktionsweise; ein Gegenstand,
 der menschliche Bedürfnisse
befriedigt, S. 8; einzelne Ware als
Durchschnittsexemplar ihrer Art,
als Wert — nur bestimmte Masse
lestgeronnener Arbeitszeit, S. 7; nur
Produkt, das einen gesellschafflichen
Gebrauchswert hat, S. 8; nur Produkte
 selbständiger und voneinander
unabhängiger Privatarbeiten treten
einander als W, gegenüber, S. 9;
historische Bedingungen der Verwandlung
 des Arbeitsprodukts in W.,
5.27; Fetischcharakter der W., S. 35
bis 47; Metamorphosen der W. im
Austauschprozeß, S. 64-66; Verkauf
und Kauf der W., S. 66-71.
Warenkunde: Ihr Material die Gebrauchswerte
 der Waren, S. 4.
Warenmaße: Erklärung ihrer Verschiedenheiten,
 S. 3-4.
Warenproduktion: Ihre Existenzbedingung
 — die gesellschaftliche Teilung
der Arbeit, S, 9; historisch bestimmte
gesellschaftliche Produktionsweise,
5. 39-40; Erscheinung, die verschiedensten
 Produktionsweisen angehört,
S. 78 n, 125,
Warenzirkulation: Gesamtprozeß der
Metamorphosen der Waren, S. 71;
Unterschied vom unmittelbaren Produktenaustausch,
 S. 71-72; bedingt
nicht das Gleichgewicht der Verkäufe
 und Käufe, S. 72-78; schwitzt
beständig Geld aus, S. 72; sprengt
die Schranken des Produktenaustausches,
 S. 73; gehört verschiedensten
 Produktionsweisen an, S. 73 n;
keine Quelle des Mehrwertes, S. 115.

: Register,

Wasserregelung (Kanalisation): Ihre
Rolle in der Geschichte der europä.
ischen und asiatischen Völker, S. 452
bis 4538.
Wechselkurs: Anzeiger der internationalen
 Bewegungen der edlen Metalle.
S. 103.
Weltgeld: Universelle Entfaltung des
Wertes, S. 100; absolut gesellschaftliche
 Verkörperung des Reichtums
überhaupt, S. 101; internationales
Kaufmittel, S. 102; Bewegung auf
dem Weltmarkt, S. 102-108.
Weltmarkt (Welthandel): als Sphäre,
wo Warenwert und Geld ihre Natur
universell entfallen, S. 100; eröffnet
im 16, Jahrhundert die moderne
Lebensgeschichte des Kapitals, S. 104;
E-weiterung des W, während der
Manufakturperiode, S. 300-801; Abhängigkeit
 des Fabrikwesens vom
W. und ihre Folgen, S. 396; W. und
die mittlere Intensität der Arbeit
bei einzelnen Nationen, S. 495; der
internationale Handel, S. 516 n; geschaffen
 durch die großen Entdeckungen
 Ende des 15. Jahrhunderts.
S. 678-679,
Vert: ein Kristall der den Waren gemeinschaftlichen
 Substanz; das Gemeinsame,
 das sich im Tauschwerte
darstellt; wird durch das während
der Produktion der Ware verausgabte
Arbeitsquantum bestimmt, S. 6; bloße
Gallerte menschlicher Arbeit, S. 6,
17; Verhältnis der W. gleich dem
Verhältnis der Arbeitszeiten, S. 7;
kleiner, wenn die Produktivkraft der
Arbeit größer, S. 8; nutzloses Ding
— kein W., S. 8; als Wertding unaßbar,
 S. 14; kann nur relativ
ausgedrückt werden, S. 15; gesellschaftliches
 Produkt der Menschen,
S. 38; realisiert sich nur im Austausch,
 S, 47; Maß der W., S. 56 bis
54; Quantum vergegenständlichter
gesellschaftlicher Arbeit, S. 114; bestimmt
 durch die zur Produktion,
also auch Reproduktion notwendige
Arbeitszeit, S. 126; bestimmt durch
die Arbeitszeit, erfordert, um die
Ware in normaler Güte zu liefern,
S. 1838; bestimmt durch das Quantum
        <pb n="812" />
        Sachregister. ;

der im Gebrauchswert der Ware
materialisierten Arbeit, S. 142; um
W. zu bilden, muß Arbeit in nützlicher
 Form verausgabt werden,
S, 148; existiert nur in einem Gebrauchswert,
 S. 156; W. und Kraft,
S, 161n, 167n; ist zwar bestimmt
durch das Quantum der in der Ware
enthaltenen Arbeit, aber dieses
Quantum selbst ist gesellschaftlich
bestimmt, S. 163; bestimmt durch
die zur Produktion nötige Arbeitszeit,
 S. 180; ebensowohl durch die
in ihren Produktionsmitieln enthaltene
 Arbeitsmasse, S. 264; der
individuelle und der gesellschaftliche
 W., S. 265-266; steht in umgekehrtem
 Verhältnis zur Produktivkraft
 der Arbeit, S, 267; im
W. vergegenständlichte Arbeit —
Arbeit von gesellschaftlicher Durchschnittsqualität,
 S. 270; W. als bestimmtes
 Quantum gesetzlich notwendiger
 Arbeitszeit in der Manufaktur
 — technisches Gesetz des
Produktionsprozesses selbst, S. 292;
die Rolle des Wertgesetzes in der
Gesellschaft, S. 303; W. als gegenständliche
 Form der in der Produktion
 der Ware verausgabten
gesellschaftlichen Arbeit, S. 470; W.
einer Ware, bestimmt durch das
Quantum der zu ihrer Produktion
notwendigen lebendigen Arbeit,
S. 472-478; W. der Arbeit — ein
imaginärer Ausdruck, S. 473-475.
Werltform: gesellschaftliches Verhältnis,
 S. 14; einfache, einzelne oder
zufällige Wertform, S. 15; relative
Wertform — relativer Wert, Wert
einer Ware ausgedrückt in anderer,
S. 15; Gehalt der relativen W., S. 16
bis 17; ihre quantitative Bestimmtheit,
 S. 19; Einfluß des Wechsels in
der Produktivkraft der Arbeit, S. 20
bis 21; die Aequivalentform, S.21-26;
das Ganze der einfachen W., S.26-27;
das Unzulängliche der einfachen W.,
S. 27; totale oder entfaltete W., S. 28
bis 80; allgemeine W., S. 80-34,
Werigesetz: entwickelt sich frei erst
auf Grundlage der kapitalistischen
Produktion, S. 472.

767

Vertgröße: wird durch das Quantum
der Arbeitszeit bemessen, S. 6;
wechselt mit jedem Wechsel in der
Produktivkraft der Arbeit, S. 7;
wechselt direkt wie das Quantum
und umgekehrt wie die Produktivkraft
 der sich in ihr verwirklichenden
Arbeit, S.8; steigt mit der Quantität
der Waren, wenn die Produktivkraft
unverändert bleibt, S. 13; kann fallen
bei steigender Masse des stofflichen
Reichtums, S, 13; Mißverhältnis zwischen
 der W. und ihrem relativen
Ausdruck, S. 20-21; bestimmt durch
die Quantität der Arbeit, S. 85;
drückt ein notwendiges, dem Bildungsprozeß
 der Ware immanentes
Verhältnis zur gesellschaftlichen
Arbeitszeit aus, S. 63.
Wertprodukt (Neuwert, Originalhwert):
der neugeschaffene Wert im Produktionsprozeß,
 S. 161, 173; wichtig
auch für die Erklärung des Geheimnisses
 der „letzten Stunde“ als Quelle
des Mehrwertes, S. 174-179; ein gesellschaftlicher
 Durchschnittsarbeitstag
 produziertstets dasselbeW., S.288;
W. und die Variationen des Arbeitstages,
 S. 457-459, 462-464; W. und
Intensität der Arbeit, S. 461-462; der
falsche Schein der Darstellung von
Mehrwert und Wert der Arbeitskraft
 als Bruchteilen des W., S. 469
bis 470.
Vissenschaft: In jeder W. ist aller
Anfang schwer, S. XXXVI; Hindernisse,
 denen die wissenschaftliche
Forschung auf dem Gebiete der
politischen Oekonomie begegnet,
S.XXXIX; W. und der Kapitalismus,
S. 8331n; W. und Akkumulation des
Kapitals, S. 540-541.
Vohnungsfrage: in den großen Städten,
S. 594-600; in den Kohlenbergwerkbezirken,
 S. 601-603; auf dem Lande,
S, 613-616.
Wollindustrie: und Fabrikakt von
1883, S. 227-228; Verlängerung des
Arbeitstages, S. 246; territoriale Teilung
 der Arbeit in der W., S. 300;
herrschende Manufaktur Englands
vor der Epoche der großen Industrie,
S, 324; Verminderung der Kinder-
        <pb n="813" />
        68

arbeit, S, 337; Intensifikation der Ar.
beit, S, 358-359, 861; Fortschritt de:
W., S. 362, 865.
Wucher, Wucherkapital: Schatzbildung,
S.88-92; Wucherkapital als historische
Erscheinungsform des Kapitals, 5.104;
Formel des zinstragenden Kapitals,
S. 112, 120-121; saugt parasitenmäßig
die selbständigen Produzenten aus,
S. 449; W. und Akkumulation des
Kapitals, S. 528-524; Herrschsucht
und Bereicherungstrieb im Wucherer,
5. 528-529; im Kampfe gegen den
Feudalismus, S. 678-679.
Veomanry: die unabhängige Bauernschaft
 in England, ihr Schicksal und
die Rolle, die sie während der englischen
 Revolution im 17. Jahrhundert
spielte, S. 653-656.
Lehnstundenbill: Agitation für die Z.,
S. 231-232; der Kampf der Fabrikanten
 gegen die Z., S. 232-283; der
neue Feldzug der Fabrikanten gegen
die Z., S. 234-240,
Zeniralisation des Kapitals: Konzentration
 bereits gebildeter Kapitale,
5. 563; Expropriation von Kapitalist
durch Kapitalist infolge des Kon:
kurrenzkampfes, S. 563-564; Konkurrenz
 und Kredit die mächtigsten
Hebel der Z., S. 564; Z. und Einfluß
auf die Aenderung der organischen
Zusammensetzung des Kapitals,
S. 567-568.
Ziegeleien: UVeberarbeit in den Ze,
S. 406-407, 433-434,
Zins; als Teil des Mehrwertes, S, 384 n;
Z. und Maschinen, S. 834; ein bloßes
Bruchstück des Mehrwertes, S. 501,
593.

Register.

Zündhölzermanufaktur : in Englandund
Kinderarbeit, S. 195; Unterwerfung
unter das Fabrikgesetz von 1864,
S. 243-244, 434; „Naturschranken“,
S. 418,
Zündhütchen- und Patronenmanufaktur:
Unterwerfung unter das Fabrikgesetz
von 1864, S. 243-244, 434,
Zunftwesen: Kampf gegen die Verwandlung
 des Handwerksmeisters
in einen Kapitalisten, S, 257; Manufaktur
 als die erweiterte Werkstatt
des Zunfimeisters, S, 270; Naturgesetz
 der Bildung der Zünfte, S. 286
bis 287; Kampf gegen das Kaufmannskapital,
 S. 305-806, 373; Be-Ireiung
 vom Zunftzwang in der Geschichte
 des Arbeiters, S, 646; Kampf
der industriellen Kapitalisten gegen
das Z., S. 647; Lohnarbeit im Mittelalter
 geschützt durch das Z., S. 668;
Zunftmeister und industrielle Kapitalisten,
 S. 678; Geldkapital und Zu.
S. 679.
Zusammensetzung (des Kapitals): ist
in zweifachem Sinne zu fassen: Wertzusammensetzung
 (organische Z.) und
technische Z., S, 548-549; Z. des gesellschaftlichen
 Kapitals als Gesamtdurchschnitt
 der Durchschnittszusammensetzungen
 sämtlicher Produktionszweige,
 S. 549; Entwicklung
der Produktivkräfte und technische
Z. des Kapitals, S. 559-560; Einfluß
auf die organische Z. des Kapitals,
S. 560; Wechsel in der technischen
Z. des Kapitals und die Akkumulation,
 S, 562-568; Z. und die Zentralisation
 des Kapitals. S. 565-566.
366-578

CAS
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        AP.

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ne, wie beim Schuh-, Korsett-, Hutmachen usw., ohnehin enge
jerfüllte Werkstätten heimsucht, vermehrt sie die gesundheits-©n
 Einflüsse. „Die Wirkung“, sagt Kommissär Lord, „beim
t in niedrige Arbeitslokale, wo 80 bis 40 Maschinenarbeiter
menwirken, ist unerträglich. .. . Die Hitze, teilweise den
n zur Wärmung der Bügeleisen geschuldet, ist schrecklich.
A wenn in solchen Lokalen sogenannte mäßige Arbeits-,‚
 das heißt von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, vorhen,
 fallen dennoch jeden Tag 3 oder 4 Personen regelmäßig
‘macht.“ 268
'e Umwälzung der gesellschaftlichen Betriebsweise, dies notf®
 Produkt der Umwandlung des Produktionsmittels, vollzieht
einem bunten Wirrwarr von Uebergangsiormen. Sie wechıt
 dem Umfang, worin, und der Zeitlänge, während welcher
iIhmaschine den einen oder andern Industriezweig bereits erhat;
 mit der vorgefundenen Lage der Arbeiter, dem Ueberf
 des Manufaktur-, Handwerks- oder Hausbetriebes, dem
eis der Arbeitslokale usw.?®* In der Putzmacherei zum Beifo
 die Arbeit meist schon organisiert war, hauptsächlich durch
e Kooperation, bildet die Nähmaschine zunächst nur einen
Faktor des Manufakturbetriebes. In der Schneiderei, Hemdenırei,
 Schusterei usw. durchkreuzen sich alle Formen. Hier
ae Fabrikbetrieb. Dort erhalten Zwischenanwender das
terial vom Oberkapitalisten und gruppieren in „Kammern“
pDackeinben? 10 bis 50 und mehr Lohnarbeiter um Nähnen.
 Endlich, wie bei aller Maschinerie, die kein geglieder-Istem
 bildet und im Zwergformat anwendbar ist, benutzen
Verker oder Hausarbeiter, mit eigener Familie oder Zuziehung
Pr fremder Arbeiter, auch ihnen selbst gehörige Nähinen.?°
 Tatsächlich überwiegt jetzt in England das System,
er Kapitalist eine größere Maschinenanzahl in seinen Baulichkonzentriert
 und dann das Maschinenprodukt zur weiteren
beitung unter die Armee der Hausarbeiter verteilt.“"*
{6 Buntheit der Uebergangsformen versteckt jedoch nicht die
nz zur Verwandlung in eigentlichen Fabrikbetrieb. Diese
hz wird genährt durch den Charakter der Nähmaschine selbst,
? „Children’s Employment Commission. 2nd Report 1864“, p. LXVII,
“9, p. 84, n. 124, p. LXXIIL n. 441, p. 66, n.6, p.84, 1.126, p. 78, n. 85,
1. 69, p. LXXIL n. 483.
* „Der Mietpreis der Arbeitslokale scheint das Element zu sein, das
ter Linie die Grenze bestimmt. Gerade in der Hauptstadt wurde
das System, Arbeit an kleine Unternehmer und Familien auszugeben,
ıgsten beibehalten, und dort kehrte man am ehesten dazu zurück.“
(a, S, 83, N. 123.) Der Schlußsatz bezieht sich ausschließlich auf
erei,
% In der Handschuhmacherei usw., wo die Lage der Arbeiter von
" Paupers kaum unterscheidbar, kommt dies nicht vor.
1 „Children’s Employment Commission. 2nd Report 1864“, p. 2, n. 122.

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