30 Die Natur des Landes. In den minder feuchten, durch eine ausgeprägte Trocken- heit ausgezeichneten Hochlandgebieten herrschen auf den be- yünstigteren Flächen Koniferen- und immergrüne Eichenwälder vor, die an Stellen geringeren Regenfalls entweder in Trocken- wälder mit Laubfall oder aber in Strauchsteppen und Dorn- buschformationen (Chaparales) übergehen, soweit sie nicht Grasfluren und Wüsten Platz machen. Strauchsteppen oder die armseligen Grasfluren der Savannen decken auch vorzugsweise die regenarmen Tieflandgebiete der pazifischen und der Golf- küste sowie des nördlichen und nordwestlichen Yucatän. Die hohe Trockenheit dieser Gebiete wird nicht nur durch den Allgemein- charakter der Pflanzenformationen bekundet, sondern auch durch das Vorkommen von spezifisch mexicanischen Charakter- pflanzen, die durch besondere Organisation gegen die Luft- trockenheit und die Sonnenbestrahlung geschützt sind. Die auf- fälligsten unter diesen sind die Opuntien und Agaven (die seit dem 16. Jahrhundert auch in den Mittelmeerländern heimisch geworden sind), ferner die Armleuchterkakteen (Cereus), Dasy- lirien, Yuccas und kleinblättrige Dornsträucher, Freilich kommen auch in den feuchten Waldgebieten einzelne Kaktus- formen und andere‘ Succulenten in geringer Zahl vor, aber es sind. andere Arten mit anderen Lebensbedingungen, als die Succulenten der Trockengebiete: es sind meist Baumbewohner oder Klettergewächse. Wo immer Kakteen im offenen Feld wild angetroffen werden, da kann man auf geringen Regenfall und eine langandauernde Trockenzeit mit Sicherheit rechnen und muß demnach bei etwa anzulegenden Pflanzungen darauf Rück- sicht nehmen und nötigenfalls durch künstliche Bewässerung den Mangel des Klimas auszugleichen suchen. Wer in Mexico landwirtschaftlich in neuen Gebieten tätig sein will, wird über- haupt gut tun, sich mit der Eigenart der Pflanzenwelt unter Anleitung von Landeskundigen vertraut zu machen. Denn gewisse Pflanzen oder Vegetationsformationen können ein Ur- teil ermöglichen, ob bestimmte Kulturen Aussicht auf Erfolg hätten. So ist es eine Erfahrungstatsache, daß im tropischen Tiefland in Savannen, wo die niedrigen Grasbüschel durch Zwischenräume kahler Erde getrennt sind und also keinen